Wer Landbote. Verkündig un gsblatt der Großherzoglichen Bezirksämter Sinsheim und Neckarbischofsheim. NP" 156. Donnerstag, den 31. Dezember 1857. Einladung zum Abonnement. Mildem 1. Januar 1858 beginnt ein neues Abonnement auf den. „Landboten". Der vorauszuzahlcnde Abonnements- preis beträgt halbjährlich, ohne Trägerlohn, durch die Post bezogen für die Amtsbezirke Sinsheim und Neckirrbisschoföheim 1 fl. 45 kr., für das übrige Großherzogthum 2 fl. 15 kr. Einrücknngsgcbühr für die Zeile ober deren Raum 3 kr. Zu zahlreichen Bestellungen ladet ergebenst ein. Heidelberg, im Dezember 1857. Die Expedition. V e K a n n t m a ch n n g. [768] Samstag den 2. Januar k. I., Nachmittags 2 Uhr, wird im Rathhause zu Stemsfurth eine lanbwirthschaftliche Besprechung staktfinbcn, wozu wir unser« Bcreinsmitglicder und die Freunde der Landwirlhschast freundlichst einlaken. Sinsheim, den 28. Dezember 1857. Landwirthschastliche Bezirks - Stelle. L a u r o p. [769] Nro. 12,965. Jakob Heller von Bargen wurde heute als Gemeinde» rcchner für die hiesige Gemeinde verpflichtet, was hiermit veröffentlicht wird. Neckarbischofsheim, 23. Dczbr. 1857. Großherzoglich bad. Bezirksamt. Benitz. Holzverfteigerung. >766] Nro. 3471. , Im StiflSwald, Distrikt Kalkofe», in der Nahe des UrsenbacherhofeS werden am Dienstag den 5. Januar k. I., Vormittags 9 Uhr, auf der Hiebsstelle 2 Zorlcnstämme, 18 Eichstämme, theils zu Holländerholj, theilS zu Ban - und Nutzholz geeignet, 2 Klafter buchen Scheitholz, 4'/ 2 „ eichen _ dto. 1 „ buchen Prügelholz, 1 „ eichen dto. 2% ,, gemischtes dto. 300 Stück buchene Wellen, 250 ,. eichene dto. und 175 „ gemischte dto. gegen baare Zahlung vor der Abfuhr in öffentlicher Steigerung verkauft. Sinsheim, den 24. Dezember 1857. Großherzogliche Stiftfchaffnei. Kam in. Kapital auszuleihen. >765] Bei dem evangelischen Baufond in Eich- tersheini sind 900 st. bis 1000 st. zum Ausleihen bereit. Kapital auszuleihen. [767] 2000 Gulden Pflegfchaftsgcld liegen bei dem Unterzeichneten zum Ausleihen bereit. Sinsheim, den 28. Dezember 1857. X ©. Huukele, Apotheker. Waagscheine L SSSfS der Buchdruckeret von D. Pfisterer in Heidelberg. SynfftthltfhlM» k>>r Wirthe sind vorrä- «/l-llll/l-vllll/l-l. thjg jn der Bnchdrnckerei von D. Pfisterer in Heidelberg. In der Buchdruckerei von D. Pfisterer in Heidelberg sind folgende Impressen zu haben: 30. Zahlbefehle. 31. Liquiderkenntniß. 32. Vollstrcckungsverfügung auf Fahrnisse. 6. Bettelbuch. 21. Polizeistraftabelle. 20. Nachtwachbuch. 36. Einzugsregister. 42. Hauptbuch oder Rechnungs-Entwurf. 19. Kassabuch. 37. Gemcindevoranschläge. 13. Tagebuch für Rathschrcibcr -über die wandelbaren u. zufälligen Einnahmen. 40. Protokoll zum Eintrag der Gesetze u. Verordnungen. 5ur Geschichte des Sages. Karlsruhe, 28. Dez. Das hiesige »Tagblatt« bringt während der Weihnachtszeit täglich reichhaltige Verzeichnisse der Liebesgaben, welche durch wohlthätigc Hände den Zöglingen der Kleinkinder-Bewahranstalt, dcö Waisenhauses, der Rettnngsanstalt für sittlich verwahrloste Kinder, den Pfleglingen der hiesigen Krankenhäuser, der Suppenanstalt, der Bezirksarmenpflege und anderen Vereinen für Arme und Noth- leidende als Christgeschenke gespendet werden, und es ist besonders rührend, wenn man darunter Kleidungsstücke findet, welche durch eigene Hand erlauchter Damen unseres gnädigsten Fürstenhauses zu diesem Zwecke gefertigt sind. Außerdem haben Ihre König!. Hoheit die Frau Großhcrzogin Luise 36 arme Kinder vollständig gekleidet und davon 12 in das großh. Resitcnzschloß befohlen, um ihnen diese Kleider nebst einem reich verzierten Christbaume Höchstselbst zu übergeben. Karlsruhe, 29. Dez. Durch allerhöchste Ordre wird drm Kricgskommissär Feinaigle die Erkaubniß rrtheilt, den ihm von Sr. Mas. dem Kaiser von Oesterreich verliehenen Orden der Eisernen Krone 3. Klasse annehmen und tragen zu dürfen. Durch eine andere allerhöchste Ordre wird einer Anzahl Untrr- osfizicre und Soldaten des großh. Armeekorps die Dicnstaus- zeichnung 3. Klasse verliehen. Karlsrn-He, 29. Dez. II. KK. HH. der Großherzog und die Großherzogin haben dor Christbeschecrnng in hiesigem Waiscnhause persönlich anzuwohnen allcrgnädigst geruht und dadurch den armen Kindern, welche von der allerhöchsten Herrschaft neue Kleidung als Christgcschcnk erhielten, auch in diesem Jahre wieder einen glücklichen Tag bereitet, der in ihren Herzen ewig fortleben wird. Auch von andern wohlthätigcn Bewohnern unserer Stadt wurden zahlreiche Liebesgabe» zu diesem Zweck gespendet. Mannheim, 23. Dez. Es kurflren falsche badische Halbguldenstücke aus Zinn, kenntlich an der grauen Farbe und dem Mangel des Klangs. Von der Bergstraße, 27 . Dez. Das Gesetz über die vom Weine zu entrichtende, in Accisc und Ohmgeld bestehende Steuer (Wcinsteuergcsrtz) wurde in unserer Gegend mit Freuden begrüßt. Abgesehen von den vielen Plackereien und Veratwue», welche durch das neue Gesetz beseitigt werden, würdigt man es aber auch besonders vom sittlichen Standpnillte aus. — 614 - Freiburg. (Barmherzige Schwestern in Baden.) Bekanntlich haben die barmherzigen Schwestern im Jahre 1846 mit Uebernahme des Krankcnhospitals dahier ihre Wirksamkeit eröffnet. Gegenwärtig haben dieselben (dem K. K. Bl. zufolge) außer dem Mutterhause noch folgende Anstalten unter ihrer Leitung ^in Freiburg: das allgemeine Krankenhaus mit sechs, das städtische Hciliggeisthospital mit fünf, das städtische Waisenhaus mit drei, das erzb. theologische Konvikt mit vier- das erzb. Knabcnseminar mit zwei Schwestern. Ferner wirken im Vincenliuöhause zu Karlsruhe vier, im Mädchenhause der Frau Großherzogin Stephani in Mannheim drei, im Bürgerhospital in Baden, sechs, an .der Rettungsanstalt für verwahrloste Mädchen in Käferthal vier, im Waisenhaus zu Rastatt zwei, im Kranken- und Waisenhaus in Offenburg fünf, im Hospital in Gengenbach zwei, im Hospital in Waldkirch zwei, im Hospital in Breisach drei, im Bürgerhospiral in Ueberlingen fünf, in der Rettungsanstalt für verwahrloste Mädchen in St. Trudpert zwei Schwestern; seit dem 30. Nov. d. I. drei Schwestern in Bonndorf (zusammen 61). Freiburg, 28. Dez. (Frbgr. Ztg.) Gestern früh hat sich dahier ein großes Unglück zugetragen. Der Besitzer der Mühle zunächst am Schwabenthor, ein noch junger Mann von etlichen zwanzig Jahren, war am Mühlwerke beschäftigt, als er vom Triebwerke ergriffen und herumgcschleudert wurde. Der Stoß sei so heftig gewesen, baß der Stein sich herausgehoben habe. AlS der Mühlarzt dieses wahrgenommen, sei er hinzugesprungen, habe aber de» Müller bereits leblos, ganz zusammen- gedrückl u»d arg verstümmelt am Boden gefunden. — An diesen Unglücköfall reihen sich zwei Selbstmorde, die heute ein- getrcten sind. Hier erhängte sich ein dem Trünke ergebener, ziemlich verkommener Mann, und in Zähringen erschoß sich der Sohn eines Wirths aus zur Zeit nicht bekannter Ursache. Aus dem Amtsbezirk Triberg- 26. Dez. DcvSchwarz- wald erfreut sich noch immer einer freundlichen und angenehmen Witterung, welche aber allmälig die Brunnen versiegen macht und eine Waffernoth herbeisührt, die von manchen Unannehmlichkeiten begleitet ist. Mainz, 28. Dez. Der Gesammtbetrag der bis jetzt hier eingelaufenen milden Gaben beläuft sich auf etwa 260,000 fl., und es wäre sehr zu wünsche», daß der Eifer und die Theil- nahme a» der Noth leidender Brüder noch nicht erkalte. — Bon 18 Deutschen in Madrid sind 2414 Realen (300 fl.) für die Verunglückten vom 18. Nov. gesammelt worden, welche Summe heute hier anlangte und an das Hilsö-Komite abge- liefcrt wurde..— Wie uns von Einwohnern der nahen Gemeinde Harxheim mitgctheilt wurde, ist daselbst am zweiten Weihnachtsfeicrtage, bei Gelegenheit einer Tanzbelustigung, ein 18jährigeS Mädchen im Tanzlokalc ermordet worden. Eule kräftige Bauernfaust soll mit einem Stoß daö Mordinstrüment ins Herz seiner frühere» Geliebten gesenkt und dieselbe fast momentan zur Leiche gemacht haben. Wiesbaden, 24. Dez. Dem Vernehmen nach hat der hiesige Gemeinderath in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, das im Jahre 1858 hierselbst abzuhaltende dritte mittelrheinische Musikfest mit 1500 Gulden zu subvenlioniren. Wiesbaden, 26. Dez. Ein Einwohner auS Limburg erzählte »ns beute hier, daß dorten ein gräßliches Verbrechen an einem 4 Jahre alten Kind von dessen rechter Mutter in Gemcinscbast mit ihrem Manne, der Stiefvater zu dem Kinde ist, begangen wurde. Dieses verbrecherische Ehepaar ließ das kleine Kind verhungern. Die Thal soll festgestcllt und beide Eltern bereits an das Hvfgcricht nach Dillenburg abgcführt worden sein. Frankfurt, 23. Dez. Die von der Stuttgarter Telegraphen-Konferenz gefaßten Beschlüsse in Bezug des neuen Tarifs haben nun die Zustimmung sämmtlicher Regierungen des deutsch-österreichischen Tclegraphen-Vereins erhalten. Die allgemeiue Einführung des neuen Tarifs wird jedoch nicht am 1. Januar, sondern wahrscheinlich erst am 1. April des nächsten Jahres stattfinden. Würtemberg. Am 24. Dezember fand in dem Tunnel zwischen Stuttgart und Ludwigsburg ein eigenthümlicher Eisenbahnunfall statt. In einem an diesem Tag von Stuttgart abgegangenen Bahnzug befanden sich zwei mit Vieh beladene Wagen, auS deren einem im Tunnel ein Ochs entsprang, ohne daß dies sogleich bemerkt worden wäre. Derselbe wurde von dem Güterzug, welcher unmittelbar darauf in entgegengesetzter Richtung den Tunnel passirte, überfahren und zermalmt, wobei zwei achträderige Wagen mitten im Zug ausgleisten und bedeutenden Schaden erlitten. München. Am vorigen Montag Vormittag erhielt der v. Beck'sche Verwalter in Pasing eine telegraphische Depesche aus München, die angeblich von Herrn Baron v. Beck den Auftrag enthielt sofort 200 fl. per Post nach München zu senden. Loste restante würde das Geld abgeholt werben. Der Verwalter war bereits im Begriff, die verlangte Summe abzuschicken, als seine Ehefrau Bedenken äußerte, daß Herr Baron Beck urplötzlich auf diesem Wege 200 fl. bcnöthige. Auf den weiteren Vorschlag seiner Frau verfügte sich der Verwalter selbst nach München, um kaS Geld entweder, persönlich zu übergeben oder bei der Post zu hinterlegen. Als er sich daselbst erkundigte, ob Herr Baron Beck schon da gewesen sei und 200 fl. poste restante verlangt habe, wurde ihm er« wiedert, ein Herr habe so eben diese Anfrage gestellt und befinde sich noch im Vorplatz. Sofort stellte sich der beabsichtigte Betrug heraus: der angebliche Baron Beck war ein ehemaliger Lieutenant, welcher denn auch sogleich festgenommen wurde. Berlin. Das "Sonntagsblatt-- bringt als "Zeichen der Zeit während des Advents« eine Ankündigung aus dem "Allgemeinen Anzeiger«, worin «ein armes Mädchen, das ein Kind von vier Jahren hat, dasselbe gern an ordentliche Leute verschenken möchte, da es «hr an Pflege und Mitteln fehlt«. Solche Anzeigen stehen nicht mehr vereinzelt, sondern habe» in der letzten Zeit sich sehr häufig wiederholt. Bis zur höchsten «Stufe der Schamlosigkeit brachte es jedoch eine «Offerte« in einer der letzten Nummern jenes Anzeigers in folgender Fassung: »Beachtenswerth: Zu Weihnachten empfehle ich Mr reiche kinderlose Leute zwei junge hübsche Kinder, 1) Marie 2 Jahre alt, 2) Laura 3 Jahre alt.« (Folgt die Adresse.)!!! Man schaudert, hei dem Gedanke» an die tiefe Entartung, zu welcher die menschliche Natur herabsinken kann. Berlin, 22. Dez. Die 500 Berliner Jungfrauen, welche die Neuvermählte Kronprinzessin bei ihrem Einzug in Berlin begrüßen sollen, in weißen Satinkleidcrn und mit Rosen im Haar, werden, unter den 20,000 Mädchen, die Anspruch auf die Auszeichnung zu haben glauben, nicht leicht auszuwählen sein. Die Bewerbungen sollen eben so zahlreich alS dringend ausfallen, zumal seitdem die Prinzeß Royal sich dahin ausgesprochen hat, die Deputation erst am Tag nach ihrem Einzug in erwärmten Raumen empfangen zu wollen, was jedenfalls angenehmer ist, als am Brandenburger Thor. Italien. Daö kürzlich erwähnte Erdbeben im Neapolitanischen in der Nackt vom 16. d. M. hat furchtbares Un« f glück angerichtet. Die Süd-Provinzen haben am meisten ge- / litten. Der Ort, der am ärgsten mitgenommen wurde, ist Atcna. Die Hälfte der Häuser stürzte dort zusammen. In Padular fielen über 100 Häuser ei». Die Zahl der Tobten in diesen beiden Städten ist unbekannt. In Sala wurden drei Personen getödtet. Viele Häuser erhielten große Riffe. Letzteres war auch in Salerno der Fall. Unter den stark beschädigten Gebäude» befinde» sich auch zwei Kirchen, eine Kirche rn der Nähe der Stadt stürzte zusammen und tödtcte zwei Personen. In Polla ist die Verwüstung fürchterlich, — 615 ebenso in Auletta, Caggiano und Petrosa. Eine Masse Personen kam dort um. In Campagna wurden viele Häuser beschädigt und in Potenz« großer Schaden angerichtct. In letzterer Stadt soll es auch viele Verwundete und Lodte geben. Die Stadt Neapel selbst kam mit dem bloßen Schrecken davon. Das Erdbeben wurde etwas nach 10 Uhr Abends verspürt. Es waren drei von Süden nach Norden gehende wellenförmige Bewegungen; die erste war stark, die zweite äußerst heftig und die dritte schwächer. Die Bewegungen dauerten ungefähr 10 Minuten. Der Schrecken, den dieses Ercigniß in Neapel erregte, war ungeheuer. Alle Welt eilte auf die Straßen. Der Anblick, den die Straßen darboten, ist kaum z» beschreiben. Ueberall sah man halbnackte Gestalten, welche die Luft mit Wehklagen erfüllten. Die Menge blieb biö gegen 4 Uhr Morgens auf der Straße; erst dann wagte man es, in die Häuser zmückzukehren. Zn der Nacht vom 17. auf den 18. war auch wieder Alles außer dem Hause, da man eine Erneuerung des Erdbebens befürchtete. Glücklicher Weise fand diese jedoch nicht Statt. Die Regierung hat Alles aufgcboten, um dem Elende und Unglücke, das in der Provinz angerichket wurde, zu steuern. Nordamerika. Während noch vor Kurzem über den außerordentlichen Lnrus geklagt wurde, welchen die Frauen in Amerika treiben, schreibt, man jetzt der »Allg. Ztg.", daß in New-Aork plötzlich eine unglaubliche Sparsamkeit sich der Frauen bemächtigt habe. Die Modenmagazine sind fast verlassen von den Damen, und Juweliere-, Spitzen und Seidenhändler haben so gut wie gar keinen Verdienst. Die deutschen und französischen Fabrikanten werden dies, wie der Berichterstatter der "Allg. Ztg.« glaubt, schwer empfinden. Ei,» großes Loos. Das Streben nach schnellem, großem Gewinn desjenigen Metalls, welches das Leben beherrscht und die drückendsten Sorgen um die materiellen Bedürfnisse des Menschen dauernd beseitigt, liegt wohl zu tief in dem Charakter der Menschen, alö daß es zu irgend einer Zeit gänzlich gefehlt hätte, wenn es auch in der Gegenwart eine Höhe erreicht hat, die es früher nicht besaß. Zuweilen streut das Glück seine Gaben durch Lolterie- gcwinnste in die niedrigsten Hütten und namentlich lasen wir vor Kurzem von dieser Laune der goldenen Göttin, die mit Hülfe der Lotterie eine ganze Anzahl Bedürftiger erfreute. Wie muß aber das Gefühl der Armen sein, die das Loos, dessen Gewinn sie von schweren Sorgen erlösen konnte, selbstwillig verkauften, weil sie es für Unrecht hielten, dem Zufall die Rolle der waltcudeii Vorsehung anzuweisen! Ein solcher Fall wurde uns neulich bekannt, er mag hier als Gegenstück zu den von dcu Zeitungen berichteten Glücksfällen eine Stelle finden. Ein armer Tischler in B. war vergebens nach Arbeit ausgewesen und überall zurückgewiesen worden, weil die wachsende Theuerung ein Maßhalten in Bestellungen nothwendig machte; nur eine arme Frau hat ihn gebeten, für ihr eben versterbt neö Kind einen kleinen Sarg zu machen, freilich mit dem Bemerken, daß sie ihn nicht gleich bezahlen könne. Da er keine Vetter mehr vorräthig, auch kein Geld besitzt, um sich neuen Vorralh zu kaufen, nimmt er einige Bretter aus einem Küchenschranke, den er auf Bestellung gearbeitet hat, der aber »och nicht abgeholt worden ist. Kaum ist der kleine Sarg skrtig, so erscheint aber die Bestellerin des Schrankes, bört von den Bedrängnissen und dem Zartgefühl des jungen Meisters, wird dadurch gerührt und weist ihm eine einträgliche Arbeit i», indem sie ihm zugleich baaren Vorschuß zur Anschaffung des nöthigcn Arbcitsmaterials übergibt. Glücklich über den Besitz eines Schatzes, dessen Erringung ihm vor wenig Minuten noch eine Unmöglichkeit erschien, faßt er die besten Vorsätze für die Zukunft für den Aufbau eines neuen schöneren häuslichen Glücks und will eben forteilen, um den Hvlzhänd- ler zur Lieferung deö nöthigen Materials zu veranlassen, da tritt ihm der Jude Levi in der Thür entgegen und bietet ihm ein Achtellos der letzten Klasse der Lotterie zum Kauf. Ver, geblich bittet und beschwört ihn die Frau das anvertraute Geld nicht zu Zwecken zu verwenden, die unmöglich ihnen zum Segen werden könnten; der Mann folgt dem Gedanken: Man müsse dem Glücke auch eine Thür offen lassen, kauft das Loos und eilt dann fort seine Geschäfte zu besorgen. Zunächst erzeugte es Mißstimmung und Uneinigkeit, wo früher nur Friede und Eintracht geherrscht hatte, denn die Frau zürnte dem Manne wegen des Ankaufs und dachte auf Mittel, wie sie sich desselben wieder entledigen könne. Sie beschloß endlich zum Haupt- cvllecleur zu gehen und ihn um Zurücknahme des unglücklichen Blattes zu etlichen. Während sie noch sinnend vor der Lot- terieeinuahmc steht und bas Looö in den Händen hält, berath- schlagend, ob sie einen solchen Schritt gegen das Wissen und den Willen ihres Mannes thun soll, geht ihre Gönnerin, der sie die neuen Aufträge verdankt, an ihr vorüber, bemerkt das Looö, überschüttet sie mit Vorwürfen wegen ihres Leichtsinns, denn sie glaubt, sie habe so eben daS Looö erkauft und kündigt ihre freundliche Verwendung auf. Jetzt tritt sie zwar in den Laben und bringt ihr Gesuch an, aber der Colltcteur weigert sich darauf einzugehen; doch führt ein günstiger Zufall einen Jugendfreund von ihr in das Büreau, der sich zum Ankauf des Looses erbietet. So hat sie zwar ihre Absicht erreicht, aber die Angelegenheiten ihres Mannes nur verschlimmert, denn auch der Holzhändler hat von dem Ankauf des Looses gehört, will den unverbesserliche» Leichtsinn der Familie nicht ferner unterstützen und so verliert der junge Meister Kundschaft und Kredit durch die ängstliche Gewissenhaftigkeit seiner Frau. Schreck und nagender Kummer über diese traurigen Folgen einer guten Absicht warfen die Arme auf das Krankenlager. Der Tischler, der wieder einige Kundschaft erlangt hat, ist eben auögegangen, um seiner Frau eine Erquickung zu ver, schaffen, da tritt ihm auf der Straße der Jude entgegen und bringt ihm die Nachricht, baß sein Loos einen anfehnlichen Gewinn gemacht habe. Der vom Glücke so lange Verlassene starrt den Mann schweigend an, stößt dann ein Freudengeschrei aus und eilt nach Haufe, um seiner Frau durch diese Freudenbotschaft neue Kräfte, neues Lebe» zu geben. Athcmloö stürzt er in das Gemach — die Stimme versagt ihm — stumm sinkt er am Lager der Leidendcn nieder. „Was ist Dir, Heinrich?" ruft sie erschreckt. „Welches neue Unglück ist Dir begegnet?" -7- „Glück, Glück! Marie!" stammelt er. „Das Looö — unser Loos hat gewonnen! Zehntausend Thaler!" — Ein Schrei, ein Weheschrcr antwortet dieser Botschaft. „Das Loos," ächzt die Kränke, „habe ich zurückgegeben. Fluche mir nicht, Heinrich! Ich glaubte Recht zu thun." Sie sank lcbloö auf das Lager zurück. Die entsetzliche Glücksnachricht hatte ihr das Herz gebrochen. Heinrich lag in Convulsionen am Boden. Da trat Mariens Jugendgenoffe herein, der das Looö an sich genommen. Er will ihnen sagen, daß er keinen Antheil an dem Gewinn beanspruche, daß er das Loos ihnen bewahrt habe und findet die Frau todt, den Mann in unrettbarem Wahnsinn. Er nahm die verwaisten Kinder zu sich, da er selbst kinderlos war. (Allg. Modeztg.) Miszellen. * Eine kühne chirurgische Operation. Am 8. Dezember war um die Mittagszeit eine nicht geringe Aufregung in der Anatomie des Edinburger Spitals hinsichtlich einer sehr schwierigen Operation, welche an einem Mann vorgenommen werden sollte, der schon längere Zeit an einem Zungenkrebs — 616 famtf mit eröff auße Leitu das. haue erzb. Bin« Gro in l Mal im i in C ' spite in tr - perl in ! sich! ML etlic er * Sto Hab, • gesp gedr dies« getr ziem Sol wall Wit und lichk cing und nahi Von für Sur liefe weil Wei ein fräf; ins mor hieß das Mn erzä an Gej ist,' klcii Elt woi grae Taz litt und den Professor Syme von Grund aus heilen wollte, indem er die Zunge ganz wegzuiichmcn bcadsichtigte. Die Säle waren überfüllt von einer große» Anzahl Aerzte, die von allen Theilen zuströmten, um dieser Operation beizuwoh- nen. Kurz vor 12 Uhr wurde der Patient hereingesührt, auf einen Tisch gelegt und schnell durch Anwendung von Chloroform bewußtlos gemacht. Der Professor fing an einen vrrti- calen Einschnitt in die Kinnhaut zu machen, dann sägte er die untere Kinnlade, wo die Knochen zusammengewachsen waren, durch; nachdem die Oeffnung groß genug war, schnitt er die Zunge von der Wurzel aus ab von dem U^oicl-Knochen. Die Adern wurde» schnell vcrbnntcn, der Blukflnß war verhältnißmäßig klein, da der Mann nur wenige Unzen Blut verlor. Die Kinnlade wurde zusammengcfügt und die Haut zusainmcngenäht. Der Mann fühlte sich wenig angegriffen und konnte allein aus dem Zimmer gehen. — Professor Lyme bemerkte nach der Operation, daß die gänzliche Bcicitigung der Zunge schon mit Erfolg in Italien gemacht wurde, aber der >-mvcIu8 Operand« war auf andere Art, die Einschnitte wurde» in den Hals gemacht, doch wie Prof. Syme glaubt, ist diese Operation mit mehr Gefahr verbunden, alS wie die, welche er vornahm. Diese Operation hat biS jetzt in England noch nicht stattgefunten und man hat die größte Zuversicht, daß der Patient bald gänzlich hcrgestellt sein wird, wodurch sich Prof. Syme ein neues Verdienst um die Menschheit rrwerben wird. — (Edinburg Advcrtiser). Die Zeitung: nU«6 Scolsman« fügt hinzu : Der Patient schien nach der Operation, obwohl sprachlos, dankbar und zufrieden, seitdem geht es ihm' gut, er wurde mit einem Kiel gespeist, kann aber jetzt gut schlucken; sprach oder vielmehr hauchte das Wort: »Milch,, gestern aus und scheint einer Genesung rasch entgegen zu gehen. * Direktor Renz machte während seines letzten Aufenthalts in Pest einen Spazierritt auf seinem ausgezeichneten Schulpferde Almansor nach Ncupest. Er" stieg daselbst in einem Gasthause ab und übergab inzwischen sein Roß ciium Hausknechte. Als er das Pferd wieder besteigen wollte, fragte er das kluge Thier mit lauter Stünme: »Almansor, hat Dir der Hausknecht zu trinken gegeben?» worauf das Pferd verneinend den Kopf schüttelte. Der zum Tote erschrockene Bursche suchte sich stammelnd zu entschuldigen und kann sich über den lachend davon sprengenden »Zauberer» und sein Roß lange nicht beruhigen. * Paris. Ein Hund als Lebensretter. Vor einigen Tagen ging an der Ecke der rue de l'Ouest nnd der rne de Vaugirard ein kleiner Junge, mit einer blauen Blouse bekleidet, sorglos ein Liedchen in die »ebeligtc Luft hineintrillcrnd. Unter dem Arme trug er zwei prächtige Eremplüre der Pariser Bäckereikunst, ä 4 Pfd. jedes, hold und lieblich anzusehen, wie das Gesicht der verschämten Braut. Aber der Junge batte offenbar keinen Begriff von der Wichtigkeit seiner Mission, kenn er blieb stehen und lachte aus vollem Herzen über die Winkelzüge eines vorbeiwankeudcn Besoffenen. Plötzlich spürt das Kind einen Stoß, instinktmäßig schließt er seine» Arm enger und sucht seine Brode: er hat nur noch Eines; er sucht auf der Erde: nichts. Er sieht um und sicht einen Pudel, der das Brod im Maule, so schnell als er kann dahinläuft. Der Junge erhebt ein furchtbares Zetergeschrei, als ob er die Prügel, die seiner zu Hause warteten, schon im Voraus spürte, an und läuft dem Hund nach, schreit: »Halt auf,» aber der Hund kommt glücklich durch die Füße feiner Verfolger hindurch, dreht rasch um die Ecke der rue Vavi», stürzt in einen Hausgang nnd verschwindet. Aber die Feinde hatten die Spur niclit verloren; Nachbarn zeigten das HauS, wo Hund und Brod hinein waren und man folgt ihm in den 5. Stock. In einem einige Fuß breiten Winkel lag dort ein Greis mit langem Bart auf einem elenden Strohlager, abgezehrt und blaß wie ein Sterbender. Der Hund hatte sich in eine Ecke gekauert und schaute die Besucher mit furchtsamem, unruhigem Blicke; das gestohlene Brod lag in der Milte der Kammer. Der Greis, welcher sich nur mühsam aufzurichten vermochte, frug, was man von ihm wolle. Man erzählte ihm den Streich seines Hundes. Da Hub er an zu weinen und erzählte mit matter Stimme herzzerreißende Dinge. Er blieb aus ökonomischen Rücksichten liegen; er hatte bemerkt, daß wenn er auf dem Bett bleibt und kein Fenster öffnet, er mit einem Sou täglich leben könne. Seit drei Tagen aber hatte er nicht gegessen und konnte auf keine Hülse hoffen. Ohne Zweifel erkannte der Pudel die traurige Lage seines Herrn und litt übrigens Hunger mit ihm. Unbemerkt hatte er sich — ein braver Pudel — davvngemacht und — beging einen Diebstahl. Unter den in der Dachkammer Versammelten befand sich auch der Graf von V . . . ., welchen NcuLierde dahin getrieben hatte. Die Worte des Greises rührten ihn so sehr, daß er sich ihm näherte, leise mit ihm sprach nnd dann zu den Umstehenden sagte: Meine Herren, ich übernehme diese Sache; Kleiner, hier ist dein Brod. Allein mit dem Kranken, ließ der Graf sich die Geschichte des Mannes erzählen und vernahm, daß er einst in sehr guten Verhältnissen lebte. Beim Weggehen sagte er: Seien Sie ruhig; hier ist Geld, pflegen.Sie sich, um zu genesen. Dann werde ich Ihnen eine Stelle bei einer Eisenbahn verschaffen, bis dahin soll eS Ihnen an Nichrs fehlen. * Das Pariser Waschpulver, welches als Geheim mittel, um die Haut zart und schön zu erhalten, zu hohen Preisen verkauft wird, kann wie folgt bereitet werden. Man weicht eine beliebige Menge von seinen unreinen Beimischungen gesäuberten Reis in reinem Wasser rin, gießt das Wasser täglich ab und ersetzt es durch frisches und fährt mit diesem täglichen Ab« und Zugieß.n etwa 14 Tage fort, bis der Reis so weich wird, daß er sich zerdrücken läßt. Dann gießt man sämmtlichcs Wasser ab, begießt die auf dem Boden mußartig zusammengrlagerte Masse aus's Neue mit reinem Wasser und rührt sie gehörig um, bis eine milchartige Flüssigkeit entsteht. Diese wird durch em Haarsieb oder durch ein weißes, nicht zu dichtes Tuch gegossen und zum Klären hingestellt, während man das reine vom Wasser befreite Mehl auf einem ausgespannten weißen Tuche trocknet. Vermischt man dieses gc- lrocknele Rcismehl mit einer geringen Menge gepulverter Soda, so besitzt man das von Damen so hochgeschätzte Pariser Waschpulver. Heidelberg. Auf dem am 28. Dez. dahier abgehaltenen Viehmarkt wurden «32 Stück Vieh verkauft und dafür 14,280 fl. 40 kr. erlöst. Fracht - Mittetpreife. Heidelberg, 29. Dez. Kernen 200 Pfd. 10 fl. 8 kr., Gerste 200 Pfd. 8 fl. 3 kr., Spelz 130 Pfd. 4 fl. 49 kr., Haber 5 fl. 30 kr. Bruchsal, 23. Dezbr. Waizen 12 fl., Kernen ,2 fl. 3 kr., Gerste 8 fl., Haber 8 fl. 34 kr., gem. Frucht 8 fl. 33 kr. Dur lach, 21. Dez. Kernen 12 fl. >3 kr., Haber 5 ff. 38 kr., Heu per Ztr. 2 fl. 42 kr. Frankfurter Courfe. Pistolen 9 35-38 I 20-Fcank-Stücke 9. 18-17 dtv. Preuß. 9. 54 55 I Engl. Sonverai»4 II. 40-44 Holl. Mfl.-Stückc 9. 41-42 1 5-Franken-Thaler 2. 20'/, Ntanddukatcn 5. 27 28 | Preuß. Kaff.-Sch. I. 41/,-15'/, Redrqirt