Erscheint Montag. Mittwoch an» Freitag. Bezugs-Preis: Durch di« Post b«z>>!I'n ">d durch de» Briefträger u. unsere Austräger ohne Bestellgeld Monatlich 750 » Mst. Bezua-prei- ist im Daraus ,u entrichten. In Millen von höherer Gewalt de. itehtdcin Anspruch -ns Lieferung der 'Zeitung »der aus Rückzahlung de- Bezugspreise». NprschSft»ze«t >i-8—5 Uhr, Sonntag» geschloffen. i Serusprechanschlusl Sir. 11. Postscheck-Konto Korlomljc Slr. 6M3. Her Landbote Gegründet vUUJUJ 1 8 3 9 Elsenz- und Schwarzbachtal Vipshermer General-Anzeiger für das Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Laupt-Anzeigen-Blatt. Anzeigen-Preisr: Anzeigen: Die 4L mm breit« Millimeter-Zeile 1«.— Md. Reklamen: Me 87 mm beeile Millimeter-Zeile *#.- M». Anzeigen mit Deckadreffe »der Ausdunst 58. Mard Sondervergütung. Alle Preise freibleibend. Grundschrist im Anzeigen- und TextleU ist Petit. 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Reuters Sonderberichterstatter in Essen behauptet, die Alliierten würden eine neue Verfehlung Deutschlands feststellen, falls es keine Reparationskohle mehr liefert. * In Bochum ist es zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und den einmarschietten Franzosen gekommen. * In einer neuen Sitzung mit den Zechenvertretern wurde von General von Deoignes diesen erneut der Befehl auf Lieferung von Kohle und Koks unter Androhung schwerster Sanktionsmaßnahmen erteilt. * Die gestrige Sitzung des badischen Landtags gestaltete sich zu einer eindmcksvollen nationalen Kundgebung gegen die Ruhr- besetzung. * Auch im Reichswirtschastsrat kam es zu einer starken Kundgebung gegen den Franzoseneinfall. Reichswirtschastsminister Becker hielt eine bedeutsame Rede. Worauf es jetzt ankommt! kl Die deutsche Regierung hat die Vergewaltigung durch Frankreich und seines Trabanten Belgien nicht widerstandslos hingenommen. Sie hat energische Maßnahmen wirtschaftlicher Natur ergriffen, um Herrn Poincitres Pläne zu durchkreuzen. Sv wurde als erstes beschlossen, die Reparationsleistungen an die Vertragsbrüchigen Franzosen und Belgier einzustellen, insbesondere die Kohlenlieferungen. Deutschland zahlt also den Zechen keine Entschädigungen mehr für Lieferung und Transport von Kohle an die feindlichen Regierungen. Wenn nun Frankreich Kohle fjaben will, muß es sie eben von den Zechen kaufen. Das wird sich im französischen Staatshaushalt recht fühlbar machen, denn allein im Jahre 1921 betrug der Erlös aus den deutschen Reparationskohlen zwei Milliarden Francs. Will Frankreich die Finanzierung des Kohlenbergbaus für seine Zwecke übernehmen, so bedingt das eine Vermehrung des Frankenumlaufes und die bekannt« Erscheinung der Entwertung. Schon jetzt befindet sich der Franken auf dem abschüssigen Weg, an der Züricher Börse geht seine Bewertung geradezu sprunghaft herunter. In Frankreich beobachtet man diese Entwicklung mit banger Spannung. In einer Kammerrede hat Poincare bereits vorbeugend gesagt, daß Englands Zurückhaltung daran Schuld sein würde, wenn die Ruhrbesetzung nicht den gewünschten Erfolg hätte, er kündigte an, daß das finanzielle Ergebnis recht klein fein würde, aber immer noch besser wie garnichts. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn das deutsche Volk einmütig zu der Abwehraktion seiner Regierung steht, das Ergebnis der Politik Poincares sogar ein katastrophaler Mißerfolg sein wird. Worauf es jetzt ankommt. ist, daß das deutsche Volk den Willen aufbringt, zähe den begonnenen Kampf durchzufecht-n Lieber einige Wochen Schweres ertragen, als ein ganzes Leben lang als Sklave unter den französischen Bajonetten zu leben. Gelingt es den Franzosen, sich im Ruhrgebiet durchzusetzcn, dann werden sie keinerlei Rücksicht auf die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes nehmen, sie werden über die Kohle verfügen, gleichgültig, ob dadurch das deutsche Volk in Arbeitslosigkeit, Hunger, Käste gerät. Gelingt aber die Abwehr, dann ist die Bahn frei zu einer vernünftigen Regelung der Wiedecherstel- lungsfrage, denn dann wird sich das, französische Volk überzeugt haben müssen, daß man mit Gewalt ein freie- Volk nicht zur Sklavenarbeit zwingen kann. Schwere Wochen werden kommen, vieles wird ertragen werden müssen. Die Losung muß aber sein: Lieder das Schwerste ertragen, als Sklave Frankreichs zu sein. Frankreichs Raubpläne müssen und können durchkreuzt werden, durch den zähen Widerstand des gesamten deutschen Volkes, das hier zum letztenmal sein Schicksal in eigener Hand hält. Die Besetzung. Efsen. 15 . Fan. Soeben 11 Uhr vormittags, wird gemeldet, daß französische Truppen auch in die Stadt Gladbeck «ingerückt ftnd, wo sich eine Reihe fiskalischer Gruben befindet Bochum ist zwar rm Augenblick noch nicht besetzt, doch scheint die Stadt «m Süden und Norde» in weitem Bogen von den franzöfisch«» Truppen umringt zu sei« ^chum, 15 Jan. Im Borort Linden-Thalhausen sind 40 Offizier« und 1300 Manu eiugeriickt. Man rechnet mit der Besetzui^ Bochums für heute oder morgen. In Gelfmkirchen ist ein Teil des Hafeugrlänürs am Rhrin-Herne-Kanol besetzt ^chum. 15. 3au. Die französischen Truppen sind mit ihren Spitzen unmittelbar bis vor die Tor« Bochums gelangt und habe» an -er Zeche Eugelsbrrg Hast genwcht Man erwartet de» Einzug noch im Laufe des Vormittags Baris, 15. Jan. Poincare hat gestern mit dem Minister für öffentliche Arbeiten und dem Finanzminister über die Maßnahmen verhandelt, die im Ruhrgebiet in der Ausführung begriffen find. Wie dem „Petit Parisien" mitg«teilt wird werden die französisch-belgischen Truppen ebenfalls den Bezirk von Bochum besetzen und vom Mittwoch ob werden die Alliierte! in dem neubesetzten Gebiet die Kohlensteucr erheben. Do" dem neubesetzten Gebiet sollen die mehr industriell als Bergwcrkdezirke von Dortmund, Witten und Barmen ausgeschlossen bleiben. Das jetzt neu zu besetzende Gebiet 'wird in Frankreich die „Rote Zone" genannt, das bereits besetzte Gebiet die „Grüne Zone". Die Beschlagnahme der Kohlensteuer. sei notwendig, um die Zechenbesitzer für die Liefex- ungen an die Alliierten zu entschädigen. * In Paris soll am Sonntag ein neuer Kriegsrat unter dem Vorsitz Poincares die Ausdehnung der Besetzung auf den größten Teil des Industriegebiets beschlossen haben. Die Angaben der Blätter gehen allerdings bezüglich des Umfangs noch ziemlich weit auseinander. Nach einer vom Journal veröffentlichten Kartenskizze würde die Grenze des neuen Okkupationsgebietes von Duisburg am Nordrand von Barmen und Elberfeld vorbei über Hattingen bis zum Westrand von Dortmund und von da über Luenen nach der Lippe verlaufen, die dann bis Wesel die Nordgrenze des französischen Besatzungsgebietes bilden soll. Nach dem gleichen Blatte wäre es nicht ausgeschlossen, daß die beiden Städte Dortmund und Barmen, die nach dem ursprünglichen Plan außerhalb des französischen Machtbereiches bleiben sollten, in die Besetzungszone einbezogen würden. Me Kosten der neuen Besatzung stehen, wie den Blättern mitgeteift wird, in schreiendem Mißverhältnis zu den Rückständen, in denen die deutsche Regierung bezüglich Holz uftd Kohlen geblieben ist. Durch die Besetzung des Ruhrgebietes erwachsen monatlich 7 Mill. Goldmark Gesamtkvsten, von denen etwa 6,5 bei den beteiligten Ententestaaten, 0,5 bei den deutschen Stellen anfallen werden. Dazu kommen die Kosten für den Transport der Truppen, die auf ungefähr 1 Mill. Goldmark geschätzt werden. Wir sind im Rückstände mit Holzlieferungen im Werte von ungefähr 2 % Mill. Goldmark und von Kohlen im Werte von 23 Millionen Goldmark im Ganzen, sodaß also schon eine dreimonatige Besetzung ungefähr ebensoviel kosten würde, wie unsere Rückstände noch betragen. Der Befehlshaber der 47. Inf.-Dto. hatte der Polizei in Essen den Befehl erteilt, die öffentlichen Anschläge inst den Beschlüssen der stanz. Kommunisten gegen die Ruhrbesetzung von den Plakatsäulen zu entfernen. Wegen angeblicher Vernichtung zweier amtlicher französischer Plakate hat nun der Kommandeur der 47 in Altenessen stehenden Division angeordnet, daß die Plakate sofort ersetzt werden und daß als Strafmaßnahme ein deutscher Polizeiposten ständig Tag und Nacht die Stelle, wo die Plakate vernichtet worden sein sollen, zu bewachen hat. Gleichzeitig werden für die Wiederholung derartiger Fälle die gleichen Strafmaßnahmen angekündigt und die Polizei mit strengen Maßnahmen bedroht, falls Nachlässigkeit bei ihr festgestellt werden sollte. Die Schikane hat also schon begonnen. Und der Fall steht nicht allein. Die Verordnung des Generals Degoutte, wonach sämtliche Waffen und Munition, die sich im Besitz der Zivilbevölkerung befinden, den Gemeindebehörden zu übergeben sind und diese der Besatzungsbehörde ein Verzeichnis darüber zu liefern haben, ist dahin verschärft worden, daß die betr. Verzeichnisse bis zum, 16. Januar, abends 5 Uhr einzureichen und in „verständlicher französischer Sprache" anzufertigen sind. Wachsende Erregung in der Arbeiterschaft. Bochum, 16. Jan. Die gestrigen Demonstrationen, bei denen der 17jähriqe Sohn eines Lokomotivführers von französischem Militär erschossen wurde, haben zu einer Rücksprache des Oberbürgermeisters mit dem französischen Kommandeur Veranlassung gegeben. Der Kommandeur hat zugesagt, er werde seine Truppen anweisen, nicht mehr so scharf gegen Demonstrationen Jugendlicher vorzugehen. In Bochum liegen 1200 Mann Infanterie, 200 Mann Kavallerie und eine kleine Abteilung Pionier-, Von öffentlichen Gebäuden ist nur das Rathaus besetzt, außerdem sind die Lager und das Büro der Benzolvereinigung unter militärische Aufsicht gestellt worden. Der Eisenbahnverkehr ist normal, die Gifterzüge verkehren fahrplanmäßig. In den Gruben wird noch voll gearbeitet, doch wächst die starke Erregung der Arbeiter und alle Ueberschichte» sind bereits eingestellt. Me Le- bensmittelzustchrrn lassen nach und die Preis« gehen sprunghaft in lüe Höhe Nach Mitteilungen von zuständiger Stelle rechnet man noch für heute mit der Verhängung des Belagerungszustandes Keine Kohlen an Frankreich und Belgien. Auch nicht gegen Bezahlung. Essen, 15. Jan. Vom Reichskohlenkommissar ist heute morgen folgendes Telegramm bei den Zechenvertretern eingegangen-. A»ter Bezugnahme auf die Besprechungen der französischen In» genieurkommission mtt dein Zechrnbesitzern verbiete ich nach dem französisch-belgischen Eiubruch in das Ruhrgelbiet hiermit ausdrücklich die Lieferung »on Kohle und Koks nach Frankreich oder Belgieln, auch für den Fall einer Bevorschussung oder Bezahlung Die auf heute vormittag festgesetzte Besprechung zwischen Zechenbesitzern und der französischen Ingenieurkommission soll um 10 Uhr im Kohlensyndikat beginnen. Da die Zechenvertreter am Samstag ihre Bereitwilligkett, über Kvhlen- lieferungen gegen Bezahlung zu verhandeln, ausdrücklich an die Bedingung geknüpft haben, daß der Reichskohlenkommissar dies gestatte, werden sie jetzt wahrscheinlich eine ablehnende Haftung einnehmen. Nach einer Meldung des „Vorwärts" aus Essen weigern sich die Bergarbeiter anläßlich der Besetzung des Ruhrgebietes ab heute, die Ueberschichten zu machen. Diese Weigerung erstreckt sich nur auf das neubesetzte Gebiet .' Die Hoffnungen Frankreichs auf die deutsche Industrie. Paris, 15. Jan. Die ganz« Aufmerksamkeit der politischen Kreise ist hier auf die Frage gerichtet, wie die deutsche Schwerindustrie auf die Besetzung des Ruhrgebiets reagiert. Alle Kundgebungen der Reichsregierung und des deutschen Volkes find nach französischer Auffassung von geringer Bedeutung, da keine Regierung und keine Partei die Schwerindusttie von der Verständigung mit den Verbündeten abzuhalten vermöchte, so wenig es früher möglich war, die Schwerindustrie zur Mitwirkung bei der Erfüllungspolftik zu bringen. Man betont immer wieder, daß die gegenwärtige Aktion in erster Linie als ein: Kampf gegen die deutsche Schwerindustrie zu betrachten sei, den Frankreich allen Schwierigkeiten zum Trotz durchführen wolle. Die Stimmung auf französischer Seite ist zuversichtlich obgleich man die Schwierigketten nicht leicht nimmt. Während Bochum heute besetzt werden soll, wird man die IndustriegegenK von Dortmund und Elberfeld-Barmen nicht besetzen, weil sie mehr Kohle verbrauche als liefere. Man betont, daß fllM Schwierigkeiten vorauszusehen waren und daß die französischen Sachverständigen auf alle Möglichkeiten vorbereitet seien. Mr Temps führt aus: Falls Frankreich wirklich den Untergang Deutschlands wünsche, würde es sich über die gegenwärtig« Politik der Reichsregierung freuen Frankreich habe jedoch keinen Wunsch solcher Art und bedauere deshalb di« Haltung, die der Reichskanzler für angebracht erachtet. Angesichts der Haltung Deutschlands könne Frankreich, wenn es auch zu Verhandlungen mit Deutschland bereit sei, unmöglich die Initiative dazu ergreifen. Das Echo de Paris gibt zu, daß wette Kreise in Frankreich gegen die Besetzung des Ruhrgebietes waren, betont aber, daß jetzt das stanzösische Volk einstimmig den Erfolg dieser Aktion wünsche. Das linksdemokratische L'Oeuvre, das auch jetzt noch die Besetzung des Ruhrgebiets bekämpft, bedauert, daß Deutschland seine Vorschläge für die Pariser Konferenz nicht veröffentlicht hat. Es meint, die Haltung Englands und Amerikas müßte Mutschland jetzt bereits davon überzeugt haben, daß seine Berechnungen falsch waren. Sofort Kohlen liefern oder neue Sanktionen. Düsseldorf, 16. Jan. Bon der französischen Besatzungs- behörde waren heute von neuem Vertreter der Zechen zu einer neuen Konftrenz geladen, auf. der alle großen deutschen Bergs werke vertreten waren. Bon französischer Seil« nahmen u. a. der Kohlenkommissar Loste und die Generäle Simon und Deoignes teil. Daß jetzt die Militärbehörden die Regelung der Kohlenstage in die Hand genommen haben, ging daraus hervor, daß General Deoignes allein das Wort führte. Er verlas einen neuen Befehl und betonte, daß dies der letzte sei. Falls diq Berwerke diesen Befehl nicht befolgen, würden sie großes Unglück über ihr Land bringen. Die Lieferung von Reparations- Kohle mutz unbedingt sofort wieder'ausgenommen werden: andernfalls würden die in der Versammlung vertretenen Gesell-« schäften sich schweren Sanktionen aussetzen Der General teilte mit, daß als erste Sanktion für das Verbot der deutschen Regierung, Kohle zu liefern, Dortmund besetzt worden sei. Sollte der Widerstand andauern, so würden weitere Sanktionen folgen. Der jedem einzelnen Vertreter schriftlich überreichte Befehl besagt, daß von morgen früh an alle Aufträge auf Kohlen- und Kokslieserungen für die Entente wieder auszuführen find. Sie mühten in der Meng« und Qualität ausgeführt werden, wie während der ersten .acht Tage im Januar, sowie wettere 20 Prozent, um die seitdem eingetretenen Rückstände zu decken. Die Lieferungen an die Entente sind in vollem Umfange auszuführen.' bevor irgendwelche Sendungen in das unbesetzte Deutschland gemacht werden. Den Zechenvertretern wurde nicht gestattet, eine Erklärung abzugeben, sondern mitgeteilt, sie feien lediglich dazu da, die Befehle entgegenzunehmcn. Fm Anschluß hieran begannen Besprechungen der Franzosen mit Vertretern d«r Gewerkschaften, der Bergarbeiter, Metallarbeiter usw. Bemerkenswert ist, daß der sowohl von den Zechenoertretern wie von den Gewerkschaftlern wiederholt eindringlich ausgesprochene Wunsch, mit beiden Gruppen gemeinsam zu verhandeln, von General Deoignes abgelehnt wurde. Die Folgen. Im Reichswirtschaftsrat ergriff Reichswittschastsminister Dr Becker das Wort zu einer Darlegung der bisherigen Folgen der Ruhrbesetzung. Vorher gab auch er eine Protesterklärung gegen die Brutalität des französischen Vorgehens ab und teilte dabei mit, daß bereits am Sonntag in den Pariser Kinos der theatralische Einmarsch der Franzosen vorgeführt wurde. Er betonte noch einmal, daß die Begründung der Franzosen für das Vorgehen gegen die Ruhr nur lächerlicher Dorwand fei und verwies auf das deutsche Angebot, die Fehlmengen durch englische Kohle zu ersetzen, was Frankreich bezeichnenderweise abgelehnt habe. Minister Becker führte dann weiter aus, daß die Rückstände Deutschlands in den Kohlenlieferungen einen Wert von etwa 20 bis 25 Millionen Franken haben. Die Zahl der Soldaten, die Frankreich in das Ruhrgebiet geschickt habe und die stärker als ein Armeekorps find, wird auf rund 60000 Mann geschätzt. Bei einem Sold von 221/2 Franken im Tag, den die französischen Soldaten erhalten, könne man sich berechnen, wieviel Millionen die Besetzung in jedem Monat kosten werde. Die deutsche Regierung habe den Raubzug durch die Einstellung aller Repaartionsleistungen an Frankreich und Belgien geantwortet Die französische Regierung aber plane jetzt auch die Einziehung der dchrtschen Kohlensteuer Dies ist ein neuer grober Bruch des Völkerrechts Wir vermögen ihn nicht zu verhindern, sind aber gerüstet auf diese Maßnahme und werden dagegen diejenigen Maßnahmen treffen, die geeignet sein werden, jene Gewaltmaßnahmen zu vereiteln. Die Franzosen werden heut« und morgen nicht von der Ruhr Weggehen und die Wirkungen auf unser ganzes Wirtschaftsleben werden schon vielleicht nach nicht langer Zeft sehr schwer sein. Ueber das Schwerste werden Rk. 7. Ichrgang 1923. _ wir zunächst einmal hinwegkommen. Wir werden uns aber auch heut« schon darauf «instellen müssen, daß Einschränkungen t« her Zuteilung deutscher Kohl« unabweisbar sein werden und daß wir unsere Betriebe schon heut« danach einstellen und unter Umständen abstell««. Wir werden auch mit einer starken Teuerung unserer Lebenshaltung für die nächst« Zeit zu rechnen haben. Der GiiterarzeiMNg und dem Umsatz liegt die schwere Pflicht ob, die Berteuerung nicht über das unbedingt notwendige Maß hinausgehen zu lassen. Mit gesetzlichen und Berwaltungsmaß- nahmen ist leider, wie die Erfahrungen bewiesen haben, nicht viel zu machen. Was die Regierung tun kann, sind wir bereit zu tun. Wir haben bereits Verhandlungen mit den Verbänden eingeleitet und diese Verhandlungen mit den einzelnen Zweigen der Wirtschaft werden demnächst fortgesetzt werden. Mit den Gewerkschaften werden in allernächster Zeit neue Verhandlungen stattstnden. Ueberraschen dürfen wir uns nicht lassen von dem, was kommen wird. Wir müssen mit Arbeitstosigkeilt mit Einstellung und Einschränkung der Betrieb« rechnen und uns beretts vorfchen Täuschen wir uns nicht darin, daß, wenn auch Hilf« vom Ausland kommen sollt«, auf die wir nicht rechnen können und wollen — wir wollen allein stehen und allein auf uns angewiesen sein — diese Hilfe sehr langr auf sich warten Kissen wird. Wenn es schon den anderen Mächten nicht ge- (um)«tt ist, die Franzosen von dem Einbruch ins Ruhrgebiet zurückzuhalten, fo wird es «och schwerer fein, sie zrirückzu- bringen Wenn wir alles das, was uns bevorsteht, bestehen wollen, so müssen wir uns in einem zusammenfinden: Wir müsse» gemeinsam mit Ernst und Würde zu tragen versuchen, was uns die Zukunft auch bringen möge. Im Reichstag ging die Abwehrfront von Rechts bis tief in die Link« hinein und die Demonstrationen am Sonntag haben gezeigt, daß diesmal hinter dem Reichstag und der Reichsregierung das ganze Volk steht. Der Obmann des Betriebsrats von Krupp hat den Arbeitern zugerufen: »Wir sind Deutsche und werde Deutsche bleiben trotz französischer Bajonette und Franken. Einiges Zusammenstehen ist jetzt die Parole? Ich wüßte auch kein besseres Wort zum Schluß meiner Darlegungen. Die Reichsregierung kennt ihre Pflicht und wird sie bis zum letzten erfüllen. Sie ist ickerzeugt, daß sie hierbei die Unterstützung des ganzen Volkes, vor allem aber auch der Wirtschaftskreise haben wird, die in ihm so hervorragend vertreten sind. (Lebhafter Beifall.), Nachdem noch der Geschäftsführer des Technikerverbandcs und des Deutschen Werkmeisterbundes im Ruhrgebiet Breddemann (Essen) als Vertreter des Ruhrbezirks eine Erklärung abgegeben hatten, in der sie den festen Willen der Bevölkerung des neu- besetzten Gebietes zum Durchhalten Kundgaben, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der der Reichswirtschaftsrat gegen die Gewaltakte Frankreichs und Belgiens schärfsten Protest «inlegt und erklärt, der Reichsregiemng bei der Ab- wchr dieser Gewaltakte mit allen zweckdienlichen Mitteln behilflich zu sein. Die Regierungserklärung im Reichstag. Berlin, 13. Jan. Im Reichstag eröffnete Präsident Löbe die Sitzung mit einer kurzen, auf den Gewaltakt Frankreichs Bezug nehmenden Ansprache. Hierauf ergriff der Reichskanzler das Wort und führte aus: Vorgestern am 11. Januar, drangen französische Truppen in zwei Kolonnen in freies deutsches Gebiet ein, an ihrer Spitze Kavallerie-Abteilungen mft gezogenem Säbel. Auf dem Bahnhofplatz in Essen zogen Panzerwagen auf, wurden Maschinengewehre in Stellung gebracht. Der Belagerungszustand wurde verhängt. Dieser kriegerische Vormarsch erfolgte einem Land« gegenüber, das die Entwaffnung durchgeführt und nicht daran gedacht und nicht daran denkt, ihm Widerstand entgegenzusetzen. Borhergegangen war die Uebergabe einer Rote, durch den französischen Botschafter und den belgischen Geschäftsträger am 10. Januar, die diese Maßnahmen ankündigte auf Grund einer am 9. Januar durch die Reparationskommission fest- gestellt«» Verfehlung also zwei Tage, nachdem die militärischen Vorbereitungen am 7. Januar begonnen hatten. Diese Rote sprach davon, man denke an keine Besetzung militärischer oder politischer An. Die Note stützt sich auf den Vertrag von Versailles, der auf den Tag drei Jahre zuvor ratifiziert wurde, auf einen Vertrag also, der abgeleitet wurde aus jenem B«r» föhnungspwgramm von 1918, das die deutsch« Regierung angenommen halt«. Entgegen diesem Vorvertrag legt der Vertrag von Versailles Deutschland Reparationslasten weitesten Umfanges auf. Aber auch der Bettrag von Versailles sieht vor, daß die deutsche Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden muß und auch Tausendfältig Unglück. Roman von H. Hill. jgj Nachdruck verboten. Ein Kräftiger Hunger der in ihm erwacht, lenkte Riving- 10NS Gedanken auf Herzogs versprochene Wiederkehr zurück.' er harrte seines Erscheinens und postierte sich an dem Fenster, durch welche; sie hereingekommen waren, denn es befand sich aus der Rückseite des Hauses, und er würde dasselbe wahrscheinlich wieder benützen. Gegen hack neun ertönte ein Pochen an einer der unteren Scheiben, und Rivington zog die Jalousie ein wenig beiseite, um erschreckt zurückzufahren. Derjenige, weicher draußen stand, war «in bärtiger, gebräunter Mann, dessen blaues Trikot und dessen Matrosenmütze ihn entweder als Fischer oder als einen der Strandbummler, die als solche posieren, kennzeichnete. Als Rivington bemerkte, daß es nicht Herzog war, ließ er die Jalousien wie der Blitz fallen, aber der Mann mußte ihn gesehen haben, denn er kckpste wieder leicht an die Schecke und fuhr fort zu Klopfen, während der Hauptmann sein gequältes Hirn abmarterte, wie er sich am besten zu verhalten hätte. 24. Kapitel. Als der Diener weggegangen war, um seines Gebieters Auftrag auszuführen und „Herrn Roger zu holen", wendet« sich der alte Mann mft einer süßlichen Höflichkeit zu Ianet, die ihr plötzlich den ersten Gedanken an «in Mißlingen ihrer Aufgabe erweckt«. Hätte er ihr irgend etwas an den Kopf geworfen oder sie beschimpft, weil sie «ine Mordanklage gegen seinen Sohn einbracht«, so hätte sie sich behaglicher gefühlt, als bei seinen höflichen Redensarten: .Bitte, nehmen Sie doch Platz; Sie müssen nach Ihren Erlebnissen ermüdet sein." In seinem Ton lag jetzt kein Hohn und keine Ungläubigkeit, sondern ein undefinierbares Etwas, das Ianet tödlich erschreckt«. Sie war indessen nicht so verwirrt, daß sie nicht wahrgenommen hätte, welch sorgfältige Vorbereitungen er traf, um „Herrn Roger" zu empfangen. Er stellte «in« Leselampe Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. der Vertrag von Versailles läßt Deutschland nicht ganz rechtlos Mer wir haben in den letzten Jahren erlebt, daß dies« Rechte für Deutschland nicht bestöhen Das deutsche Volk hat sich ehrlich bemüht, bis an die äußerst« Grenz« seiner Leistungsfähigkeit, den ihm auferlegten Verpflichtungen gerecht zu werden. Es hat wirtschaftliche Reporations Politik getrieben Wie kann, fragt der Reichskanzler, Ministerpräsident Potncarr in seiner letzten Rede vor der Kammer erklären, daß er nicht auf die falschen Versprechungen Deutschlands zählen könne? Wie kann er der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß Deutschland keine Anstrengung machen werde, sein« Verpflichtungen zu erfülle^ ohne daß er einen Zwang ausübe? Wie läßt sich diese Behauptung aufrechterhalten, wenn es Tatsache ist, daß die deutsche Regierung durch Vorschläge Maßnahmen zur Lösung des Reparationsproblems in für Frankreich annehmbarem Sinne angeregt hat, trotzdem die Zahlungsunfähigkeit Deutschlands durch Sachverständige aller Welt anerkannt war? Finanziell hat es sich darum gehandelt, für Frankreich bei seinen unleugbaren Schwierigkeiten, das Budgeigleichgewicht zu erhalten, sofort greifbare Mittel zu schaffen. Wirtschaftlich war der Weg zu suchen, wie die wechselseitigen Belange auszugleichen wären ohne schwere Schädigungen der deutschen Wirtschaft. Politisch stand Deutschland der Tatsache gegenüber, daß Frankreich die Besetzung des Rheinlandes mit angeblichen kriegerischen Absichten Deutschlands begründet«. In diesen drei Punkten mußte idie Tätigkeit der Regierung einsetzen. Der erste Schritt war das Schreiben an den englischen Premierminister Vom» Law vor der Londoner Konferenz, dessen leitender Gedanke es war, eine endgültige und vor der endgültigen eine vorläufige Lösung vorzuschlagen, die Frankreich sofort gretsbar« Mittel verschaffte; zweitens hat di« deutsche Regierung für die Pariser Konftrenz Vorschläge ausgearbeitet, die auf eine endgültige Lösung des Reparationsproblems obzielten. Poincare hat in seiner letzten Kammerrede erklärt, daß er di« Interesse« Frankreichs nicht dem Votum eines Bankierausfchusses anvettrauen könnte. Welchen besonderen Maßstab gibt es denn für die Abschätzung der wirtschaftlichen und finanziellen Kraft eines Landes, als den Kredit, der ihm eingeräumt wird? Herr Poincare hat diesen Vorschlag abgelehnt. Um politische Hemmnisse für wirtschaftliche Maßnahmen zu beseitigen, traten wir durch Vermittlung einer dritten Macht an Frankreich heran und schlugen ihm den Abschluß eines Friedenspaktes vor, der gesichert werde, durch das demokratische Mittel einer Volksabstimmung Auch diesen Vorschlag hat Herr Poincare abgelehnt All« unsere Vorschläge verfielen der Ablehnung Keiner unserer Vorschläge war starr und unabänderlich. Die Vorschläge der Alliierten wichen untereinander ab, auch in der.Größeordnuno ihrer Zahlenvorschläge, aber der Unterschied zwischen dem Vorschlag« Frankreichs und dem der übrigen Mächte war wie Tag und Nacht; es war der Gegensatz von wirtschaftlichem und machtpolitischem Denken Aus machtpolitischem Denken erklärt sich der geschichtliche Schrift der Note vom 10. Januar. Es kann sich gegen die Gewalt nicht wehren, ist aber nicht gewilft, sich dem Friedensbruch zu fügen oder bei der Durchführung der französischen Absichten mitzuwirken. Die Verantwortung für die Folgen fällt allein auf die Regierungen, die diesen Einmarsch vollzogen haben. Der Anmarsch vom II. Januar, äußerlich anknüpfend an geringfügig« Verfehlung«!» in den Lieferungen von Holz und Kohle, hat machtpolitische Ziele Wegen geschnittenem Holz für Telegraphenstangen unternimmt Herr Poincare diesen Schritt, der dem Weltvermögen großen Schaden zufügt. Wirtschaftlich wird dadurch nichts gewonnen, nur wirtschaftlich« Kräfte lahmgelegö. Keine wirtschaftliche Gründe, keine Rechtsgründe! Nach der ausführlichen Feststellung der Reparationskommission rechtfertigt eine Verfehlung in den Sachsieferungen nur die Forderung von Barzahlungen. 2m amtlichen Bericht des französischen Kammerausschusses über den Vertrag von Versailles wird zu dem betreffenden Bertwgsartikel ausdrücklich gesagt, daß Maßnahmen auf Grund der Paragraphen 17 und 18 nur im gegenseitige» Einverständnis der Alliierten zulässig sind. Und wer war der Verfasser des Berichts? Der Verfasser ist Herr Barthou. Als Vorsitzender der Reparationskommission wird er wohl doch keine andere Auffassung haben, als «r sie als Parlaments- berichtcrstafter hatte. Ebenso ist auch die Zusage Frankreichs an England zu werten, nach der Besetzung würde Frankreich künftige Schritte in Deutschland nur im Einvernehmen unternehmen. Aber selbst, wenn diese Sätze zutreffen, so wäre doch niemals eine politische und militärische Besetzung zulässig. Um auf seinen Schreibtisch so, daß das Licht nur beschattet auf sein Habichtsgesicht siel, aber die Türe voll traf, und er rollte seinen Sessel langsam in dieselbe Richtung. * Es dauerte nicht lange und ein rascher Schritt erklang draußen. Ianets Angst vor dem asten Manne wurde einen Augenblick durch die alles überragende Neugierde verdrängt, wie sich sein Sohn unter diesen kritischen Umständen benehmen würde. Die Türe öffnete sich und Roger Marske trat «in. „Wie geht es Dir, Vater?" begann er, ohne Ianet zu sehen. „Ich bin den ganzen Tag über in Geschäften in London gewesen, so dacht« ich, es wäre das beste, hierherzukommcn. um zu übernachten. — Großer Gott im Himmel, wer ist das?!" Der Ausruf erfolgte rasch, nachdem er das junge Mädchen plötzlich wahrgenommen und erkannt hafte, und diese ungestümen Worte, die durch sein Zurückweichen gegen die Tür verstärkt wurden, kamen einem Geständnisse gleich, einer Bestätigung dessen, was sie Sir Gideon berichtet hatte. Und so schien dieser sie auch aufzufassen. Einen Augenblick lang beugt« er seinen Kopf vor und hielt seine schlanke Hand vor die Augen, wie überwältigt von der Erregung, dann wies er mit einer raschen Bewegung voll Selbstbeherrschung düster auf die Tür. „Gehe ins Speisezimmer, ich werde Dir sofort folgen," sagte er. Und als Roger Marske sich umwendete, um zu gehen, fügte er das eine scharfe Wort hinzu: „Halt!" Der Elende blieb stehen und sah seinem Vater ins Gesicht. „Versuche es nicht, das Haus zu verlassen," zischte dieser. „Wenn Du es tust, werde ich innerhalb fünf Minuten di« Männer hinausschicken und die Umgebung absuchen lassen." Der jüngere Marske warf dem älteren «inen wütenden Blick zu; aber er mußte etwas in seines Paters Mienen gelesen haben, was seinen Abgang beschleunigte und ihn auch in ruhigere Stimmung versetzte. Denn als er sich auf den Absätzen herumdrehte, um die Tür zu erreichen, glaubte Ianet in seinen grausamen Augen das Aufflackern eines anderen Ausdruckes zu erspähen. Sobald sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, erhob sich Sir Gideon aus seinem Sessel und nähert« sich dem jungen _ Mittwoch, den 17. Januar 1923. eine solche aber handelt es sich. Auch die Worte des Herrn Poincare in der Kammer konnten nicht hinweggenommen über die Realität der Truppen, Tanks und Geschütz« in Essest. Es steht fest, daß Recht und Vertrag mft dem Einmarsch fremder Truppen in das Ruhrgedieit gebrochen worden war Dt« deutsche Regierung hebt gegen die Gewalt, die hier einem wehrlose» Volk angetan worden ist, feierlichst Protest Solange der vertragswidrige Zustand andaaert, solange di« tatsächlichen Folgen nicht gebessert sind, ist Deutschland nicht j» der Lage. Leistungen an die Mächte zu gewähren, die jenen Zustand geschaffen haben Der Reichskanzler erwähnt dann den deutschen Protest bei den neutralen Mächten und bei den Alliierten, insbesondere bei Frankreich und Belgien, die Zurückberufung des deutschen Botschafters in Paris, des belgischen Gesandten in Brüssel und fährt dann fort: Es ist wenig was wir der Gewalt äußerlich entgegensetzen können, was wir innerlich entgegensetzen können und müssen, ist mehr Wille und Entschluß. Es handelt sich bei der französischen Aktckn nicht um die Re" parationen, es handelt sich um jenes alte Ziel, das seit meh^ als 400 Fahren der französischen Politik vorschwebt: Es ist die Politik, di« am erfolgreichsten Lugwig XIV. und Ra-i poleo» l. getriche« haben, jene Polttik, deren Ziel im Herbst 1914 zwischen Iswolski und Delcafs« dahin ftstgelegt wurde. Das deutsche R«hch und feine Existenz zu vernichten, di« Rheinland« und das' Ruhlgeibiet von ihm abzutrennen Ob aber die Politik Frankreichs zum Sieg« führt, das hängt von der Haftung des deutschen Volkes ab. Fühlbar geht eine Bewegung durch unser Volk. Es ist nicht einer unter uns, der sich von diesem gemeinsamen Leidensgefühl auszuschließen vermöchte. Es gibt aber ein höheres als die Versenkung in das Leid. Das ist der tätig« Will«' des Ueberwtndrns Aber jeder falsche Schritt aus Unüberlegtheit oder aus Mangel an Selbstbeherrschung kann von schlimmen Folgen für die Gesamtheit werden. Die zu treffenden Maßnahmen sind in Behandlung genommen. Zum Schluß ruft der Reichskanzler zur Einigkeit auf. Finden wir den Entschluß, diese Einigkeit aus Worten zur Tat werden zu lassen, Stunde um Stunde. Tat um Tat. bis dem Recht wieder die Freiheit geworden, dann wird auch diese Ge- nerafton und dies« Freiheit ihre Ehre haben. Der Weg des deutschen Volkes führt durch Tiefen, aber er ist nicht zu Ende. Stolz bekennen wir uns ungebrochen und unveraltet zur Größe der uns gestellten Aufgaben. Für die Menschheit fühlen wir uns als Träger eines Rechtes, das nicht stirbt. Unrecht Not. Entbehrung unser Schicksal heute, Freiheit und Leben das Ziel Einigkeit der Weg Die Rede des Reichskanzlers wurde vom ganzen Hause mit stürmischem Beifall und Händeklatschen ausgenommen. Englische Auffassung London, 15. Jan. Nach einer Meldung von Reuters Sonderberichterstatter in Essen glaubt man dort an autoritative« Stelle, daß di« Alliierten ckne neue Verfehlung DeutWands feststellen würden, falls es kein« Reparationskohle mehr liefert. Zwischen der deutschen und der französischen Auffassung scheine kein Ausgleich möglich. Di« deutschen Industriellen erklärten, Frankreich könne wie jeder andere Kunde auf r«in geschäftlicher Grundlage Kohlen erhalten. Die Franzosen erklärten sich dagegen nur zu Preisen bereit, die" nur die Löhne und Betriebskosten deckt«». Diese Meinungsverschiedenheiten dürsten heute zu einem Bruch mit den Industriellen führen. Der Protest Mt englischen Arbeiter. London, 15. Jan. Der Protest der englischen Arbeiter gegen die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich ist von den Führern der Arbefterbewegung in einer Erklärung zusammengefaßt worden, in der es heißt: Die englischen Arbefter lehnen entschieden alle Verantwortung für die unmittelbare oder mittelbare Anerkennung der französischen Politik gegen Deutschland ab. Die Invasion bedeutet «ine» Angriff auf bas Srlbstbestim- mungsrecht des Dckftfchen Reiches. Ei« bedroht ganz Europa mit weiterer wirtschaftlicher Auflösung, dient zur Verbreitung des Hasses und Erneuerung des Krieges. Diese Politik ist darauf berechnet, Deutschland zu zerstückeln, seinen Kredit zu zerstöre» und seine Fähigkeit, Reparationszahlungen zu leisten, zu vermindern. In fünf genau formulierten Punkten verlangt die Erklärung, daß die englische Regierung jede Duldung oder Unterstützung des französischen Vorgehens ablehnt und sich in einer formellen Erklärung von der gegenwärtigen französischen Politik lossagt. Mädchen. Alles Feuer und alle Heftigkeit war aus seinem Benehmen verschwunden. Obwohl er bis jetzt nichts getan hatte, um ihr als eine sympathische Persönlichkeit zu erscheinen, konnte Änet doch nicht umhin, ihn in diesem Augenblicke zu bemitleiden, solch ein Bild der Berzweiflunz und des Jammers bot er dar. „Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, was für ein Schlag dies für mich ist, Fräulein Ehilmark," stammelt« er mit gebrochener Stimme. „Ich nehme eine hohe Stellung im Staatsdienste ein, mein Ehrgeiz für meinen Sohn war grenzenlos; Ihre Nachrichten heut« abend haben das alles und noch viel mehr zerstört; ich werde den Kopf nie wieder erheben können, denn das Betragen meines Sohnes, als er das Zimmer betrat, läßt mir keinen Zweifel an der Wahrheit Ihres Berichtes über die heutigen Vorgänge, was auch immer seine Schuld in der anderen Angelegenheit sein möge." „Es tut mir leid für Sie", war die einzige Antwort, die Änet aufbrinifen konnte. „Das ist gütig und —hm — ermutigend, denn wir sind ganz in Ihren Händen, und ich will eine Gefälligkeit von Ihnen erbitten. Ich möchte meines Sohnes Verteidigung allein und ohne Unterbrechung von seinen eigenen Lippen hören; habe ich Ihre Erlaubnis, ihn zu diesem Zwecke aufzusuchen? Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß er das Haus nicht vrr- ftrffen wird. Das Pathos de; Ansuchens, das einem hilflosen Mädchen von einem großen Staatsmanne inmitten der Herrlichkeit seines Schlosses gestellt wurde, berührte Ianet seltsam genug; jedenfalls war sie nicht veranlagt, eine Szene aufzuführen und darauf zu bestehen, daß ohne wefteres nach der Polizei geschickt werde. Sie verneigte sich zum Zeichen schweigend!! Einwilligung. „Ich danke Ihnen und werde Sie nicht lange matten lassen," sagte Sir Gideon und verließ das Zimmer mst der Miene eines Verurteilten, der zur Hinrichtung geführt wird. Bald nachher trat ein Bedienter ein, der eine Platte mit Wein, Biskufts und Früchten brachte. M. 7. Ichrgang 1923. Der Landbore * Sinsheim« Zeitung. Mittwoch, den 17. Januar 1923. f II Amerikas Zurückhaltung. Wofhiststo«, 15. Jan. Präsident Harding wird auf den deutschen Protest gegen di« Besetzung des Ruhrgebiets keine Amwort erteilen, noch irgend eine Geste tun, die danach aus« sehen könnt«, daß sich Amerika in die französischen Händel im Ruhrgebiet «imnischen will. Das Weiß« Haus ist der Ansicht, datz für Amerika der Augenblick zum Handeln vorläufig noch nid# gekommen ist. Man erklärt, datz Amerika im Prinzip immer bereit ist, Hilfe zu leisten, datz es aber gegenwärtig nicht eingreifen könne. Aus der Zurückziehung der amerikanischen Truppen vom Rhein, di« als eine vollendete Tatsache anzusehen ist, dürfen keine Schlüsse auf die zukünftige Haltung Amerikas gezogen werden. Die Zukunft mutz entscheiden, welchen Weg Amerika in der Frage, Europa unter die Arme zu greifen, «inschlagen wird. Zur Zeit ist Präsident Harding als auch Staatssekretär Hughes bestrebt, alles zu vermeiden, was irgendwie die gegenwärtigen europäischen Streitigkeiten aus- Äehnen könnt«. Der Präsident ist der Ansicht, daß ein Eingreifen bei diesem Stand der Dinge nur neue Wirren herauf- beschwören würde. Amerika ist zwar überzeugt, datz die Initiative Frankreichs im Ruhrgebiet von einer falschen Grundlage ausgeht, und datz sie die Verwirrung des europäischen Wirtschaftslebens noch erhöhen wird, datz es aber nicht Aufgabe der amerikanischen Regierung ist, dieser Mißbilligung Ausdruck zu geben, ebensowenig wie sie ihrer. Ueberzeugung Ausdruck gibt, datz Frankreich durch diese Aktion im Ruhrgebiet seine wirtschaftliche, finanzielle und politische Lage nicht verbessern wird. Dir wirtschaftlich« Schlacht Lvstdon, 15. Jan. Der Observer drückt die Ansicht aus, Poincare werde mit seinen Plänen scheitern und stürzen und Mussolini werde sich losmachen. Die wirtschaftliche Schlacht die das deutsche Volk kämpft, werde entweder mit seinem Siege oder unentschieden enden. Frankreich werde eine vollkommen andere Politik in Gemeinschaft mit Washington und London einschlagen. Der Kampf werde jedoch schwer sein. Es fei mit bedrohlichen Entwicklungen zu rechnen. Die deutsche Sozialdemokratie im französischen Urteil. Paris, 16. Jan. Der „Temps" bespricht in seinem Leitartikel die Haftung der deutschen Sozialisten bei der Protestkundgebung des Reichstages, wie sie sich hierbei so eingerichtet hätten, datz sie bei der Abstimmung nicht anwesend waren, so hätten sie auch bei der öffentlichen Kundgebung der bürgerlichen Parteien in Berlin nicht teilgenommen. Das sei ein« bedeutsame Zurückhaltung, bedeutsamer sogar, als die Kundgebungen selbst. Wenn die deutschen Sozialisten aber logisch sein wollten, würden sie die Demission des Kabinetts Cuno verlangen. Ihre Haftung zeige, daß sie kein Vertrauen zu ihm hätten, was ein Beweis von klarem Blick sei. Selbst wenn eine Partei so mächtig sei, wie di« Sozialdemokratie in Deutschland, so dürfe sie .wohl verlangen, daß die Politik ihres Landes in einer so ernsten Zeit von eimr Regierung gelenkt werde, die ihr Vertrauen besitze. Warum also regiere Cuno noch immer? Der „Temps" antwortet: Um ihn zu stürzen, müßte die sozialdemokratische Partei selbst die Verantwortung übernehmen und dazu könne sie sich nicht entschließen. Sie fürchten einerseits, daß die Reaktionären «inen Gewaftstreich unternehmen, andererseits, daß die Kommunisten an Boden gewinnen, wenn sie ihre Kritik an einer sozialistischen Regierung auslassen können. Auf alle Fälle müsse man feststellen, daß die Sozialdemokratie nicht in der Lag« sei, in entscheidend« Augenblicken die Regiemng zu übernehmen und daß infolgedessen ihr pazifistisches Glaubensbekenntnis keine Garantie für den Frieden darstell«. Dir Verhandlungsbereitschaft Deutschlands Berlin, 15. Jan. Aus parlamentarischen Kreisen wird mft- grtrift: Der Standpunkt der Reichsregierung dürfte dahin gehen, über die Reparationsfrage so lange nicht mit Frankreich zu verhandeln, als die Besetzung des Ruhrgebietes andauett. Dieser Standpunkt schließe indessen nicht aus, daß Deutschland nach wie vor bereit sei, über «ine vernünftige Lösung des Reparationsproblems mit der gesamten Entente Verhandlungen einzuleiten. Di« Haltung Rußlands. Moskau, 15. Jan. Das allrussische Zentralexekutivkomitee erläßt einen vom Autzenkommissariat entworfenen scharfen Protest gegen die Ruhrbesetzung durch Frankreich und Belgien und gleichzeitig eine Kundgebung gegen die Gleichgültigkeit der anderen Macht«. Die Regierung, so heißt es in der Kundgebung verfolgt die Ereignisse mft ebenso gespannter Aufmerksamkeft wie die übrige Welt und klarem Blick für die internationalen Folgen. Falls das Vorgehen Frankreichs ein« Rückwirkung auf' Polens Haltung habe, könnt« diese Entwicklung Rußland auch direkt in die zentral-europäische Kris« hineinziehen. Die „authentische Meinung- der französischen Industrie. London, 15. Jan. Der diplomatische Mitarbeiter der Daily Mail hatte eine lange Unterredung mft einer hohen französischen Persönlichkeit, deren Namen und Stellung, wie das Blatt sagt, eine öffentliche Nennung ausschließe, die aber so gut unterrichtet sei, daß man ihr« Erklärungen als authentische Meinung der französischen Regierung ansehen müsse. Der Gewährsmann der Zeitung erklärt, seit Jahren sei es der französischen Regierung klar gewesen, daß das einzige, was Deutschland respek tiere, die Gewalt sei. Seit der Unterzeichnung des Friedensvertrages haften sich alle entscheidenden Verhandlungen Frankreichs mit den Alliierten, besonders mit England darum gedreht, daß nur di« Besetzung von Essen den Erfolg verbürgen w«rde. Die Tatsachen hätten Frankreich recht gegeben. Bis Montag nacht würden die französischen Ingenieure alle Auskünfte besitzen, die zur Fortführung der Betrieb« in vollem Umfange notwendig seien. Alle Nachrichten der französischen Regierung besagten, daß die deutschen Industriellen beunruhigt seien, und die Reichsregierung drängten, in ehrenhafte Verhandlungen mit Frankreich einzutreten. (?) In Paris habe Bonar Law erklärt, die Ruhr sei die Schlagader der deutschen Industrie. Wenn jetzt als Ergebnis des französischen Vorgehens Deutschland Verhandlungen mit Frankreich einleite und dadurch eine endgültige Regelung der Reparationsfrage ermögliche, werde England sicherlich erfreut Anteil daran nehmen Besonders peinlich sei die Ägllschr Behandlung. Frankreich habe aus Selbstsucht das Ruhrgebiet besetzt- Der Franzos« erklärte, er wisse, daß Hugo StinneS Privatabmachungen mft den französischen.Erzbesitzern habe treffen wollen, die für Frankreich sehr vorteilhaft gewesen seien und di« früher oder später wohl doch zum Ziele führen würben,- es sei aber möglich gewesen, diese Abmachungen wie es Etinnes wünscht«, vor der Pariser Konferenz zum Abschluß zu bringen. Es kam dann noch zu einer Unterhaftung über den französisch-englischen Schutzvertrag und der Franzose betont«, «in solcher Schutzvertrag, der genau das Maß der englischen Hilfe bei einem Angriff auf Frankreich angehcn müßt«, düxfe sich nicht auf Frankreich und die französisch-belgische Grenze beziehen, weil es unwahrscheinlich sei, daß sich Deutschland dort in militärische Abenteuer stürzen werde. Dagegen seien die kleinen Alliierten durch Deutschland gefährdet, besonders Polen wegen Oberschlesien. Kümpfe in Memel. Memel, 15. Jan. Die Litauer haben jetzt das.ganz« südliche Ufer der Dange besetzt. Der Hauptkampf dreht sich um die Präfektur am Friedrichsmarkt, um den Neuen Markt im Speicherviertel an der Dange und um die Börsenbrücke. Die Brücken Über die Dange sind hochgezogen. Die Franzosen scheinen sich auf die Verteidigung der Präfektur zu beschränken. Man hört lebhaftes Feuer im unbesetzten Teil der Stadt. Die Betrieb« sind alle verlassen, da die Arbeiter sich auf die Straßen begeben^ Kriegsschiffe sind noch nicht «ingetroffen. Um 1.30 Uhr mittags kam die Bestätigung, daß auf der fmnzösifchen Präfektur die weiße Fahne gehißt worden ist. Die hier befindlichen Teil« der Besatzung wurden entwaffnet. Bankdirektor Groß wurde, als er aus dem Fenster sah, durch einen Kopffchuß schwer verletzt. Anscheinend ist jetzt auch der Bahnhof besetzt. Berittene Litauer ziehen in die Stadt. — Di« Einnahme Memels durch die Litauer kostete einen Toten und einige Verletzte. Wie man erfährt, gaben die Franzosen ihren Widerstand infolge Munitionsmangels (?) auf. Oberst Blanchard von der Königsberger Friedenskommission nahm an den Kapitulationsverhandlungen mit den Litauern teil. Außer den französischen Truppen wurden von den Litauern auch die Memeler Landes- polizei entwaffnet- * Während im Westen Deutschlands der französische Stachel tief in das deutsche Fleisch getrieben wird, wird es auch im Osten lebendig. Memel ist von den Litauern überfallen und genommen, Polen rüstet sich, um unter dem Borwand der Wahrung wolnischer Interessen gegen Litauen im Trüben zu fischen — natürlich auf Kosten Deutschlands. Aus Kattowitz wird gemeldet, daß in den letzten Tagen zahllose Einberufungen an gedient« polnische Soldaten jüngerer Jahrgänge ergangen sind. Nach Meldungen aus Königsberg zeigen sich an der Grenze Ostpreußens bewaffnete Banden. So wird Deutschland von allen Seiten und mit allen feindlichen Kräften zur Selbsthilfe getriebfn werden. Die Sanierung Oesterreichs. Londorf 13. Jan. Kürzlich sind Vertreter des Wiener Parlaments, ferner der englische Regierungsrepräsentant Minister Poung und Herr Ianssen von der belgischen Nationalbank, aus Wien kommend, hier eingetroffen. Die Anwesenheit dieser Herren gibt Anlaß zu der Vermutung, daß man sich in Oesterreich nun endgültig zu einer finanziellen Rehabilitierung des Landes hin entwickelt. Von halboffizieller Seite erfährt Ihr Korrespondent, daß beabsichtigt wird, kurzfristige Schatzscheine in Umlauf zu setzen, die, sobald die Umstände es erfordern, gegen die länger garantierte Anleihe umgetauscht werden sollen. Diese Scheine werden 8 Prozent Zinsen tragen und als Geldanleihe betrachtet werden, ihr Zinsen- und Amortisationsdienst wird auf Goldbasis gestellt werden. Die Anleihe soll einen Betrag von zwischen 3tyä und 4 Mill. Pfund Sterling haben. Dies« Scheine werden unter die im Völkerbund vertretenen Staaten verteilt werden. Die Scheine werden gei sichert, unabhängig von der langfristigen Anleihe, durch eine erstä Hypothek auf die Einkünfte einschließlich der gesamten österreichischen Zolleinnahmen und Einnahmen aus dem Tabakmonopol Die Kontrolle werden die Unterzeichneten Mächte unternehmen und das Depot in der österreichischen Nationalbank erfolgen, bis die Parlamente der betreffenden Staaten die Ermächtigung für die. Garantien gegeben haben werden, die kurzft.stigen Schatzscheine werden weiterhin gesichert aus den Vorschüssen, die im letzten Jahr Frankreich, Italien und die Tschecho-Slowakei an Oesterreich gewährt haben. Die Kleine Entente gegen Ungarn. Belgrad, 15. Jan. Ministerpräsident Pasitsch und der Außen minister hatten «ine längere Unterredung mft dem König Alexander. Sie geben Kenntnis von dem Vorschlag der rumänischen Regierung, die Kleine Entente einzuberufen, um dio gegen Ungarn zu ergreifenden Maßnahmen zu beratschlagen. Nach den letzten aus Bukarest vorliegenden Nachrichten soll Rumänien bereits eine Teilmobitifation begonnen und den Be lagerungszustaud über Siebenbürgen proklamiert haben. Die rumänischen Zeitungen veröffentlichen einen Mobilisationsbefehl und schieben di« Schuld an allen Maßnahmen auf Ungarn, das an seiner Grenze große Truppenmengen zusammenziehe. Wie verlautet, wollen die Botschafter der Kleinen Entente im Namen ihrer Regierungen der Regierung von Budapest eine Note überreichen, worin in ultimativer Form von Ungarn die so- fottige Einstellung seiner Rüstungen, sowie die Auflösung aller Organisationen, die sich auf einen möglichen Krieg be ziehen, verlangt wird. Die Note besagt ferner, wenn Ungarn die Forderung der Kleinen Entente nicht ausführe, werde es mit Waffengewalt gezwungen werden. Der diesbezügliche Be fchluß der Kleinen Entente wurde auch den Alliierten mitgeteilt. Das Mieterfchutzgrsetz Berlin, 15. Jan. Der Wohnungsausschuß des Reichstages hat das Mieterschutzgesetz in erster Lesung angenommen. Be merkenswert ist, daß lediglich gegen den Widerstand der Deutsch- nattonalen der Paragraph 38 der Regierungsvorlage beschlossen wurde, wonach aus die nach diesem Gesetze den Beteiligten zustehenden Recht« nicht verzichtet werden kann. Jede Vereinbarung, wonach den Beteiligten bei der Ausübung ihrer Rechte besondere Nachteile erwachsen sollen, wurde für unwirksam erklärt. Angenommen wurde ferner gemäß einem Antrag« des Adg. Kunat (Svz.) die Bestimmung, daß die Vorschriften dieses Gesetzes auch auf di« Verträge Anwendung finden, die, unter Umgehung oder zum Zwecke der Umgehung des Gesetzes abgeschlossen worden sind. Me Hohabgabe für bi« Preff« Berlin, 15. Jan. Der Reichsrat beschäftigte sich mft der Abänderung des Gesetzes über Maßnahmen gegen die wirt schaftliche Notlage der Presse. Die Vorlage will die sogenannt« Holzadgabe der Waldbesitzer von y* Prozent auf iy» Prozent erhöhen. Namens der sächsischen Regierung beantragte Ministerialdirektor Graf v. Holtzendorff. die Holzabgabe zunächst nur auf 1 Prozent zu erhöhen. Die Vorlage wurde mft der Abänderung des sächsischen Antrages angenommen. Baden. Frachtermäßigung für Original» und Saatgut und Getrchd« Karlsruhe, 16. Jan. Die am 1. Januar ds. Is. erneut wesentlich erhöht« Gütertarifs bilden ein schweres Hindernis für die Ermöglichung der Steigerung der landwirtschaftliche» Pra- duktton in Baden. Grundlegend für die Erreichung dieses Zieles ist die genügende Versorgung unserer Landwittschast mit hochwertigen, für das betreffende Klima und die Bodenverhältnisse geeigneten Saaten. Zum weitaus größeren Teil sind wir auf di« Zufuhr aus anderen Ländern, hauptsächlich den norddeutschen Provinzen angewiesen. Die neuen Frachtkosten verursachen aber eine deratige Verteuerung der norddeutschen Saaten, besonders für uns in Baden als südlichst gelegenes Grenzland, datz unsere Landwirt« nur sehr schwer zum Saatgutwechsel und zum Bezug dieser Saaten zu bewegen sind. Tatsächlich sind die Frachtkosten auch unerträglich hoch, beträgt doch die Fracht für einen Waggon von 15 Tonnen 5 bis 600000 Mark Die Badische Landwiirtfchastökammer hat daher in einer eingehenden Eingabe an das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf diesen Mitzstand hingewiesen, der nicht nur auf unsere Landwirtschaft schwer schädigend wirkt, sondern eine gleiche Wirkung auch auf unsere gesamte Wirtschaftslage ausübt. Selbst bei voller Würdigung der schwierigen finanziellen Lage unserer Reichsbahn dürfte «s doch fehlerhaft sein, durch Beibehaltung dieser hohen Frachtsätze eine Produktionssteigerung zu verhindern und dadurch zur vermehrten Einfuhr von ausländischem Brotgetreide zu zwingen. Die Mehlpreissteigernugeu. Aus landwirtschaftlichen Kreisen wird zu der Nachricht, daß der Mehlpreis erneut stark in die Höhe gegangen und jetzt auf 73000 Mk. gestiegen ist, geschtteben: Der Hauptgrund dürste vor allem in der Steigerung der Frachten zu suchen sein. Ab 1. Januar ist eine 70prozentige Erhöhung der Gütettarife eingetreten. Es handelt sich jetzt um Frachten von Hunderttausenden, bei größeren Entfernungen von 1 Million Mark und mehr für einen einzigen Wagen. Die Frachten für Mehl und Getreide betragen ab 1. Januar 1923 das 2000- bis 3000 fache gegenüber den Friedenszeiten. Dazu kommt eine Erhöhung der Umsatzsteuer auf 21 / 20 / 0 , die sich in jedem Produkt nicht nur einmal, sondern viermal auswirkt. Es sind somit in jedem Produkt mindestens 10 o/o des Preises als Umsatzsteuer anzusehen. Unter Berücksichtigung des fortwährenden Eteigens der Kreditzinsen kann behauptet werden, daß in jedem lebensnotwendigen Artikel drei Fünftel des Preises auf Frachten, Porto und Telephon, Kreditzinsen und Umsatzsteuer entfällt. Aus Nah und Fern. P Reckarbischofsheim, 15. Jan. (Verschiedenes.) Anschließend an den Gottesdienst fand hier eine Protestversammlung statt. Bürgermeister Ahlheim verlas die Worte des Reichspräsidenten, die zur Ruhe und Besonnenheit mahnen. Den Schluß der eindrucksvollen -Feier bildete das Deutschlandlied, das der Musikoerein begleitete. — In diesem Jahre wird in hiesiger Gemeinde das Bezirksturnfest stattfinden. — An Tabak wurden vermögen 384 Zentner. Der Preis beträgt 27000 Mk. für den Ztr. t Heidelberg, 15. Jan. (Spiele nicht mit Sch i«ß- gewehrI) Am Freitag hat im Stadtteil Kirchheim ein zwölfjähriger Knabe mit einem Luftgewehr einer dreizehnjährige» Schülerin ins linke Auge geschossen. Das schwerverletzte Mädchen fand Aufnahme in der Augenklinik. , p Mannheim. 15. Jan. (Raub in einem Zigarrenladen.) Am 8. Januar, abends wurde in einem Zigarrenladen im Hause T 4, 13 ein Raub verübt, indem ein Mann der Ladeninhaberin mit einer schwarzen Maske bis über die Augen und mit vorgehaltenem Armeereooloer mit den Worten „Geld her, oder ich schieß Dich tot!" gegenübettrat. Als die Ladeninhaberin sich anschickte, Hilfe zu rufen, war der Räuber unter Mitnahme von 200 Zigaretten verschwunden. Der Räuber ist etwa 18—20 Jahre alt. t Mannheim, 15. Jan. (Verschiedenes.) Ein beim hiesigen Postamt beschäftigter Posthilfsschaffner, der nach Wahrnehmung der Postüberwachungsstelle schon längere Zeit verdächtig war, Briefschaften, besonders solche aus dem Ausland, sich anzueignen, wurde wegen Unterschlagung im Amt verhaftet. — Wegen verschiedener strafbarer Handlungen wurden in den letzten drei Tagen 77 Personen festgenommen. — Der verheiratete Werkmeister Philipp Kirchner geriet beim Transport einer Strohpresse in der Firma Heinrich Lanz hier zwischen die Strohpresse und einen Schraubstock und zog sich dabei so schwere innere Verletzungen zu, daß er am gleichen Tage starb. t Mannheim, 15. Jan. (Die Fahnenschnur abgeschnitten.) In Ludwigshafen wurde gestern die Polizei durch die Franzosen alarmiert. Ein Staatsverbrechen war passiert. An der Fahnenstange bei der Hauptwache am Brückenaufgang war die Fahnenschnur abgeschnitten worden, weshalb die fran- zöstsche Fahne nicht gehißt werden konnte. p Auerbach an der Bergstraße, 13. Jan. (Eine schwere E x p l o s i o n) ereignete sich in einem Laboratorium mit Motorenbetrieb, das der Fabrikant Lange mit einem Chemiker trotz polizeilichen Verbotes in einer früheren Garage zur Herstellung von Backpulver eingerichtet hat. Durch die Explosion, die während der Abwesenheit des Fabrikanten erfolgte, wurde eine über dem Laboratorium wohnende Frau, die erst von einer längeren Krankheit genesen war, durch Sturz aus dem oberen Stockwerst ins Erdgeschoß lebensgefährlich verletzt. b Rümmingen b. Kandern. 15. Jan. (Diebstahl.) Einige 16- und 18jährige Burschen stiegen in den Stationsraum Rümmingen der Nebenbahn Haftingen—Kandern durch das Schalter- fenster «in und stahlen 6000 Mark Kassenbestand. 2000 Mark davon verbrauchten sie in Haftingen. Sie wurden aber erfaßt und festgenommen. Aus dem Ortsarrest Rümmingen konnten die Burschen aber wieder eMweichen. i t Schopfheim, 15. Jan. (Feue r.) Das Oekonomiegebäud« des Gasthauses zum Löwen brannte in der Nacht von Samstag auf Sonntag vollständig nieder. Außer dem Viehbestand konnte nichts gerettet werden. Umfangreiche Fahrnisse mit allen fon- sttgen Vorräten wurden ein Raub der Flammen. p Söcking«, 15. Jan. (AufeinenZuggescho f f e nt) Auf den am Sonntag abend oberhalb Säckingen passierenden Zug wurde aus einer Rotte junger Leute mit einem Revolver geschossen. Der Schuß drang durch das Fenster und ging durch den Hut einer Frau. b Lörrach 14. Jan. (Verbotene Lustba rke i t e st.) Im Hinblick auf die durch die Besetzung des Ruhrgebiets geschaffene ernste Lage gibt das hiesige Bezirksamt bekannt, daß bis auf weiteres Tanzunterhaltungen oder andere Lustbarkeiten, auch wenn sie von Vereinen veranstaltet würden, nicht mehr zugelassen werden. Bereits erteilte Genehmigungen geftea als widerrufen. Der Lanübote * Sinsheim« Zeitung. Nr. 7. Jahrgang 1923. Mittwoch, den 17. Januar 1923. t Basel, 14. Jan. (GräßlicherT odde sElefanten-^ Wärters im Basler Zoo.) Im Zoologischen Garten in Basel spielt« sich gestern ein schauriges Drama ab. Der dort befindliche Elefant griff seinen erst 25 Jahre alten Wärter an und richtete ihn in derartig schrecklicher Weise zu, daß er getötet wurde. U. a. hat das Tier dem Mann den rechten Arm ausgerissen. Durch das fortwährende Trompeten des Elefanten wurde man auf ihn aufmerksam und fand ihn, wie er mit dem übel zugerichteten Wärter auf gräßliche Weise spielte. Der Elefant war sonst wegen seiner Gutmütigkeit sehr beliebt. Der Getötete hinterläßt Frau und zwei Kinder. t Berlin, 16. Jan. (Drahtseilattentate auf Automobile.) Zwei verbrecherische Attentate auf Automobile wurden, wie das „Berliner Tageblatt" meldet, dieser Tage in dem Danziger Borort Olivra verübt. Ueber die Chauffee in Gefichtshöhe war ein Drahtseil gespannt und an Telegraphenstangen befestigt worden. Ein passierender Kraftwagen fuhr gegen das Seil, wobei der Führer sowie der Insasse erheblich verletzt wurden. Ebenso fuhr ein anderer Wagen gegen ein Seil, das eine Strecke weiter gleichfalls über den Weg gespannt war. Auch hierbei wurden die Insassen, wenn auch nicht schwer, verletzt. Einige Zeit später wurde ein neues gespanntes Seil vorgefunden. Die Täter, auf deren Entdeckung eine hohe Belohnung ausgesetzt ist, sind noch nicht ermittelt. t Hannover, 14. Jan. (Ein Unglück des D-Zuges Altona — Basel.) Freitag früh gegen 3 Uhr hat der D- Zug 76 Altona—Basel bei Vreden auf der Linie zwischen Hannover und Göttingen das Haltesignal überfahren und ist glücklicherweise mit stark verminderter Geschwindigkeit auf eine Rangierabteilung des Güterzuges 8337 gestoßen. Beide Lokomotiven sind entgleist und wurden stark beschädigt. Der Postwagen und der Schlafwagen wurden durch Eindrücken der Stirnwände stark beschädigt. Der Lokomotivführer des D-Zugs und der Schlafwagenschaffner wurden schwer verletzt. Sonst ist nur noch eine Person leicht verletzt worden. Der Zugverkehr erlitt einige Verspätung. Ueber de» deutschen Mittelstand im Jahr« 1923 macht ein Berliner folgenden grausamen, leider aber durchaus nicht unmöglichen Scherz: Geheimrat X, Doktor zweier Fakultäten, kranke Frau, drei unversorgte Kinder. Bibliothek ist längst verkauft, einziger verbliebener Besitz eine Sommerhose und zwei Doktordiplome. Die Not ist aufs höchste gestiegen. Rettung scheint unmöglich. Da stirbt plötzlich die Großmutter. Die Familie ist gerettet, die aste Dame hatte sechs Goldplomben im Munde. Anekdote D«r in Essen einrückende welsche General hat dem Oberbürgermeister Dr. Luther daselbst im Rathaus den Befehl zukommen lassen, sich auf die Freitreppe heraus zu begeben und stehend die weiteren Befehle entgegen zu nehmen. Dem Vernehmen nach hat Dr. Luther geantwortet: „Hier sitze ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe Deutschland!" Starke Rückwanderung der nach Holland ausgewanderten deutschen Hausangestellten Unter den valutastarken Ländern, die das Ziel auswandernder weiblicher deutscher Hausangestellten waren, stand und steht Holland an erster Stelle. Zogen doch nach den Mitteilungen des deutschen Reichswanderungsamtes innerhalb eines Vierteljahres nicht weniger als 9000 jungj Mädchen durch die Grenzstation in Elten, um nach Holland überzuwechseln, in dem sich gegenwärtig schätzungsweise ca. 30000 deutsche junge Mädchen als Hausangestellte aufhalten. Da aber viele dieser weiblichen Arbeitskräfte in Unkenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes Verträge eingingen, die eine ungenügende Entlohnung bieten, zahlreiche unter ihnen aber überhaupt ohne einen solche zu besitzen, nach dort auswandern, so kehren viele von ihnen nach dem Mutterlands zurück, sodaß deren Zahl vom Reichswanderungsamt mit 400 bis 500 monatlich angegeben wird. (Für Auswanderungslüstige empfiehlt es sich, daß sie sich im Verband berufstätiger Frauen, D 5, I, in Mannheim zuvor beraten lassen.) Rekord-Raucher Vor einiger Zeit starb in Holland «in gewisser Mynheer van Klees, der für sich den Ruhm in Anspruch nehmen konnte, der stärkste Raucher der Welt zu sein. Er blies festen an einem Tage weniger als ein Pfund Tabak in die Luft und brachte es häufig so weit, in einer Woche 10 Pfund Tabak in blauen Dunst zu verwandeln. Trotz dieser ungeheuerlichen Rauchleistungen erreichte er das Alter von 81 Jahren. Man hat ausgerechnet, daß er während seines Lebens 111 Tonnen Tabak verbraucht hat, eine Menge, die aufgeschichtet so hoch ist, wie ein hohes Haus. — Ein anderer Rekord- Raucher brachte es in 4ß Jahren fertig, 628 713 Zigarren zu rauchen, was eine durchschnittliche Menge von 38 Zigarren den Tag bedeutet. Dieser Held des Rauchens lebte in glücklicheren Zeiten in Oesterreich und konnte sich daher diesen Luxus noch leisten, den sich heute wohl mir «in Kronen-Millionär gestatten dürste. Katastwphal Es gibt bekanntlich Idiosynrasien, d. h. Ueber- empfindlichkeit von Einzelpersonen gegenüber bestimmten Reizen aller Art. Bei mir hat sich eine Ueberempfindlichkeit gegen ein bestimmtes Wort ausgebildet und sie äußert sich ähnlich den Empfindungen, die uns beschleichen, wenn wir mit einem Menschen verkehren müssen, der jedesmal denselben öden Witz oder dieselbe langweilige Geschichte zum besten gibt. Dieses Wort heißt katastrophal. Ich behaupte kühn, daß es keinen Zeitungsleser gibt, der nicht an jedem Tag und nahezu in jedem Blatt, das er in die Hand nimmt, dieses Wort liest, uiü> «s muh wohl so sein, daß die meisten Menschen nicht überempfindlich dagegen sind. Daß jetzt das Pfund Butter — bei uns wenigstens — 1500 Mark kostet, ist katastrophal. Der Sturz der Mark ist katastrophal, die Not des Mittelstandes, der Kunst, der Wissenschaft und der Zeitungen ist katastrophal; auch, daß die Bücher immer teurer werden, ist katasttophal. aber ich kaufe mir heute noch ein Buch über Fremdwörterverdeutschung und- treie einem darauf gerichteten Verein hei, obgleich ich die Vereine hasse, auch wenn der Beitrag katastwphal ist. Aber auch ohne das Buch weiß ich. daß katastwphal auf Deutsch „umstürzend, das Unterste zu oberst kehrend" heißt und stimme beiläufig bemerkt dem vollkommen zu, daß der Umsturz in wörtlicher Uebersetzung wie in übertragenem Sinne ein« Katastrophe war. Aber ich weiß auch, daß man ebensogut da, wo man katastwphal sagt, „unheilvoll" oder „vernichtend" sagen kann und bitte jeden Schreiber und jeden Tagesredner Las Wort „katastrophal" zu vermeiden, da man nie wissen kann, ob eine solche Ueber- empfindlichkeit nicht plötzlich ähnlich der Influenza als eine Massenkrankhest austreten wird. Und das wäre —'Katastwphal. Biehmarkt in Mannheim am 15. Januar 1923. Es waren allsgetrieben: 1097 Stück Großvieh, davon: 206 Ochsen, 166 Farren, 725 Kühe und Rinder, ferner 295 Kälber, 78 Schafe, 508 Schweine, 12 Wagenpferde, 207 Arbeitspferde, 62 Schlachtpferde. Preise für 50 Kg Lebendgewicht: Ochsen: 1. Klasie 66.000—68000 Mk.. 2. Klasie 60000—64 000 Mk.. 3. Klasse 52 000-58 000 m, 4. Klasse 44000—50000 Mk.. Farren: 1. Klasie 58000-62000Mk., 2. Klasie 52000-56000 Mk.. 3. Klasse 48000-52000 Mk.. Kühr u. Rinder: 1. Klasie 66000-70000 Mk.. 2. Klasie 62000-66000 Mk.. 3. Klasie 54000-60000 Mk.. 4. Klasie 46000-54000 TO., 5. Klasse 38000-44000 M., Kälber: 58000-70000 M.. Schafe c 32000-44000 Mk.. Schweine: 1. Klasie 102000—105000 M.. 2. Klasie 100000—104000 Mk.. 3. Klasie 95000-100000 Mk., 4. Klasse 92000-96 000 Mk.. 5. Klasse 90000-94000 Mk., 6. Klasie 85000—95000 Mk.; Wagenpferde: 700000-150000» Mk.. Arbeitspferde: 550000—1500000 Mk., Schlachtpferde t 100000—250000 Mk. das Stück. Marktverlauf: mit Großvieh mittelmäßig, geräumt; mit Käl» dem ruhig, ausverkauft: mit Schafen mittelmäßig, geräumt; mit Schweinen mittelmäßig, ausverkauft: mit Pferden lebhaft. Die Preise sind Marktpreise für nüchtern gewogene Tiere und schließen sämtliche Spesen des Handels ab Stall für Frachten. Markt- und Berkaufskosten, Umsatzsteuer sowie den natürlichen Gewichtsverlust ein, müffen sich also wesentlich über die Stallpreise erheben. Amtliche Kurse milgeleUt von der Bankfirma Baer «I Elend, ««rldruhe. 5 o/o Kriegsanleihe . — 4 0/0 Bad. Eisenb. Aul. 102 3>/e«/o do. conv. . . 110 4 o/o Bayern.... 175 4 o/o Württemberg«,: . 118 Mitteld. Kreditbank Akt. 3400 Allgem. El. Akt. Paketfahrt Nordd. Lloyd Ilnilinu.Sodo Akt. Deutsche Kali-Akt. 1100» 15000 28 50» 15 50» 30 50» Devise Amerika-Dollar — 16 350.— Schweiz 1 Franc — Jt 2225.— Holland 1 Gulden — Jt 4675.— £1. i Groß ^Vertrieb: Gebrüder Ziegler, Sinsheim (Elsenz). enthält Eidotter und Eiweiß. Verwenden Sie es zu Mehlspeisen, Suppen, Klößen, Kuchen, Krankenkost usw.! Bei den teuren Eierpreisen sparen Sie dadurch nicht nur, sondern Sie erhöhen auch wesentlich den Nährwert der Speisen. Ovolin-- Eiweißpuiver gibt festen Eierschnee. Lactowerk Act.-Ges., Horchheim b. Worms. Genossenschaftsregistereintrag Band 1 03. 45: „Bezugs- und Absatzgenoffenschast des Bauernvereins Grombach", eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Grombach, Statut vom 31. Dezember 1922. Gegenstand des Unternehmens: gemeinschaftlicher Ankauf landwirtschaftlicher Bedarssattikel und gemeinschaftlicher Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Bekanntmachungen erfolgen unter der Firma der Genossenschaft, gezeichnet von zwei Vorstandsmitgliedern im Vereinsblatt des bad. Bauernvereins in Freiburg. Willenserklämngen des Vorstands: durch zwei Vorstandsmitglieder, die Zeichnung: die Zeichnenden fügen der Firma ihre Namensunterschrift bei. Haftsumme: 20000 Mk., höchste Zahl der Geschäftsanteile: 10. Vorstandsmitglieder: Karl Appenzeller, Jakob Dick und Bernhard Bücher, alle in Grombach. Die Einsicht der Liste der Genossen ist während der Dienststunden des Gerichts jedem gestattet. Sinsheim, den 13. Januar 1923. Bad. Amtsgericht. W Hunderttausende können geben, Millionen müssen || = gegeben werden für die == | Nothilfe. | M Jeder gebe monatlich von seinem Einkommen einen j= = kleinen Teil zur Linderung der Not an die Sammel- = = stellen. = llllllllllUlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllfllliiiilllllllllllllllHIIIHIllli ( Schreibmaschinen-Platz- und Vezirksvettretungen . für erstklassige Schreibmaschinen an kapitalkräftige Herren I und Firmen zu vergeben. I Brmw Lauge, Büromaschinengroßhdlg., Karlsruhe-Mühlburg I I Kaiser-Alles 62. J Dr. Buflebs Frostheil versagt nie bei Frostbeulen. ’ Zu hab. bei: A. Engel, Engel-Drog.' Wir geben Verzeichnisse unseres Antiquariatslagers nicht heraus. Durch die Ersparnis der hohen Druckkostrn find wir Deshalb in der Lage für ganze Bibliotheken und einzelne Bücher Höhere Preise anzulegen. Antiquar kommt auch nach auswätts. gange! & Schmitt (M. Freihen) Abt. Antiquariat, Heidelberg, Anlage 5. ^Pdankb et re Höchste Waschkraft Größte Ergiebigkeit HENKEL L CIE., DÜSSELDORF. OST ASIEN AUSTRALIEN Regelmäßiger Personen- u 6 Frachtverkehr mit eigenen Dampfern. Anerkannt vorztfg- Hohe Unterbringung u Verpflegung für Reisende aller Klasson Reisegepäck- Versicherung ♦ Nähere Auskunft durch- NORDDEUTSCHER ¥ ? /irS, . b r"*m e n ♦ und «eine Vertretungen in Sinsheim: 6g. Eiermann Eisen bahnstr. 344 in Neckarbischofshelm: Max Jeselsohn, Hauptstr. 4. Schönen Schien gut im Zug, zu verkaufen. Leonhard Lchiile Rohrbach b. Sinsheim. 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Durch seine vielseitigen Kenntnisse, seine unermüdliche Schaffensfreude und Pflichttreue, wie überhaupt durch das Einsetzen seiner ganzen Persönlichkeit für seinen Beruf hat er sich große Verdienste um unser Geschäft erworben. Der Dank, den wir ihm schulden, und das Andenken an seine hervorragenden Geistes- und Karaktereigenschaften werden in unserer Erinnerung nicht erlöschen. Wir werden sein Andenken hoch in Ehren halten. Sinsheim, den 17. Januar 1923. G. Becker’sche Buchdruckerei Verlag des Landboten. Suche für Ende März ein älteres, zuverlässiges, ehrliches Mööchen für Küche und Hausarbeit. Frau L. Frank (Gebrüder Ziegler.) fricktdrieftempfiehtt di. G. Becker'sche Buchdruckerei. 8 Witt und 1 huhu zu verkaufen. Zu erfragen unter Nr. 44 beim Landboten. Kin der lernen leicht laufen, wenn aisstärkende, leichte Einreibung der Beinmuskeln und Sehnen Dr. Buflebs’s extra starker Arnikafranzbranntwein angewendet wird. Zu haben bei: A. Engel, Engel-Drogerie. 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