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Bei Wiederholungen «ariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnung»- datnm- oder bei gerichtlicher Betreibung und bei Konkurs erlischt. Platzvorschristen werden nicht an» erkannt und für Ausnahmen an bestimmten Tagen sowie fiir telefonische Aufträge kein« Gewähr übernommen. Anzeigen-Annahme dis 8 Uhr vormittags; grötzereAnzeigen wollen am Tage vorher ausgegeben werden M 8. Das Wichtigste. Die französische Militärbehörde hat in Essen 200 Privatzimmer für ein Armeekommando das dort eingerichtet werden soll, angefordert. * Poincare plant nach dem Journal die vollständige Beschlagnahme der Kohlensteuer als Sanktion, gegen die deutsche Opposition. * In Düsseldorf sind Kohlenzüge, die für Bayern bestimmt waren, für Frankreich requiriert worden. Die Kontrolle der Kohlenzüge ist wieder aufgehoben worden. * Nach einer Mitteilung des Präsidenten der stanzösischen Handelskammer in London haben sich zehn englische Ingenieure bereit erklärt, freiwillig Dienst im Ruhrgebiet zu tun. * Bei einer Besprechung französischer Militärs mit Vertretern der Eisenbahnangestellten und -Arbeiter erklärten diese, daß sie nur mit den deutschen Vertretern verhandeln würden. Der deutsche Widerstand. Im Ruhrgebiet herrscht Hochspannung. Die deutschen Industriellen, die nach wie vor auf dem Standpunkt verharren, nur der deutschen Behörde gehorchen zu müssen, haben nicht eine Hand gerührt, um den Befehlen, die ihnen gestern im Namen des Generals Degvutte übermittelt wurden, nachzukommen, und man erwartet jeden Augenblick neue französische Zwangsmaßnahmen. Sowohl in Arbeitnehmer- als auch in Arbeitgeber- Kreisen des Ruhrgebiejs sieht man den französischen Maßnahmen mit Ruhe und Entschlossenheit entgegen. Es ist kennzeichnend für die Stimmung, wenn die „Essener Bolkszeitung" schreibt: „Diese Redensarten, mit denen der französische General die Gewerkschaftsvertreter hat ködern wollen, werden die erhoffte Wirkung nicht haben. Die „Deutsche Bergwerkszeitung" schreibt: „Die gestrige Düsseldorfer Sitzung hätte klar gezeigt, daß die Bestrebungen der Franzosen auf der ganzen Linie zum Scheitern verurteilt sind und daß die Einh.itsfront zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft unverbrüchlich weiter besteht. Die Entschlossenheit der deutschen Industrie hat in Paris, wo man noch in diesen Tagen auf ein Nachgeben derselben gehofft hat. mißlichste Enttäuschungen hervorgerufen, aber die französische Regierung scheint vorläufig ihren Standpunkt nicht ändern zu wollen. Ueber die nächsten Maßnahmen, die von französischer Seite getroffen werden sollen, verlautet, daß sie in einer Kontrolle der staatlichen Forsten und in Errichtung einer Zollgrenze zwischen dem Ruhrgebiet und dem Reiche bestehen sollen. Frankreich und Belgien haben sich entschlossen, die Kohlensteuer rm besetzten Gebiete zu erheben, und es heißt, daß Italien sich dieser Maßnahme anschließen werde. Weitere Sanktionen bilden noch Gegenstand von Beratungen zwischen den drei Regierungen und zwar infolge der zwei neuen von der Reparationskommission festgestellten deutschen Verfehlungen. Die Reparationskommission selbst wird die Prüfung weiterer Verfehlungen sortsetzen. Eine neue Verfehlung z. B. soll Ende dieser Woche in der Frage der Benzollieferung an Italien festgestellt werden. Französische Blätter wollen wissen, daß die französische Regierung auch daran denke, sämtliche Flußdampfer auf dem Rheine und die dazu gehörigen Materialien, sowie die Eisenbahnen des Rheinlandes zu beschlagnahmen. Ueber die Beweggründe, die Herrn Poincare zu dieser Zerstörungspolitik ver- anlaßten, unterrichtet eine außerordentlich beachtenswerte Meldung aus London. Sowohl in der City als auch in maßgebenden Regierungskreisen Londons wird von einem aufsehenerregenden Schritt der französischen Großbanken gesprochen, der die Politik Poinrares wesentlich beeinflußt haben soll. Eine Reihe Pariser Großbanken überreichte kürzlich dem Finanzministerium eine gemeinsame Note, in der sie erklärten, daß sie nur noch bis zum 10. Februar in der Lage seien, dem französischen Staate in der bisherigen Weise Kredtte zu eröffnen. Als Begründung wurde' angegeben, daß durch die fortgesetzte Einstellung von Einnahmen in den Staatshaushalt, die nicht oder nur unzulänglich eingingen, der Kredit des Staates dermaßen erschüttert sei, daß man mit einem starken Fall des Franken rechnen müsse. Die Banken seien außerdem gezwungen, in Zukunft größere Sicherheiten zu verlangen. Die französische Regierung sah daraufhin keine andere Möglichkeit, den Kredit des Staates zu heben, als durch die Erzwingung größerer Lieferungen und Zahlung von festen Deutschlands. Hinsichtlich der Haltung der d^lchen, die durch die amerikanische Finanzwelt noch unterstützt wurden, schien Eile geboten und die Gewährung eines Moratoriums vollständig unmöglich. Aus diesen Erwägungen heraus gelangten die französischen Okkupationspläne im Ruhrgebiet und im Rheinland zur Annahme und zur Durchführung. Mr hasten fest und tun unsere Pflicht. Essen, 17. Jan. Der Vertreter des „Berl. Tagebl." hatte heute Gelegenheit, mit mehreren Persönlichkeiten des Bergbaues zu sprechen. Eine führende Persönlichkeit des Bergbaues im Ruhrgebiet erklätte: „Unsere Parole ist kurz. Wir hasten fest und tun unsere Pflicht im Interesse Deutschlands." Wir liefern nicht, komme, was kommen mag. Die Zechenoertreter lehnen die Kohlenlieferungen ab. Essen, 17. Jan. Die gestern bei der Versammlung in Düsseldorf anwesenden Zechenvertreter des Ruhrgebietes haben heute eine unterschriebene Erklärung übermittelt, worin es heißt: .Sie müßten gegenüber der Anordnung des Generalinspekteurs Freitag» den 19. Januar 1923. der Bergwerke, Coste, auf unverzügliche Durchführung der Reparationslieferungen an Kohlen und Koks erklären, daß im Friedensvertrag Deutschlands Souveränität vor den Alliierten ausdrücklich anerkannt worden sei, die deutschen Gesetze seien also in Kraft und alle deutschen Staatsangehörigen schuldeten ihnen und den Behörden Gehorsam. Auf Grund dieser Rechtslage hätten schon am 13. Januar alle Zechenvertreter Herrn Loste gegenüber den ausdrücklichen Vorbehalt gemacht, daß sie Brennstoff nur liefern würden, wenn der Reichskommissar keine entgegengesetzte Verordnung erlasse. Sie hästen sich also nicht bedingungslos zur Lieferung von Brennstoffen bereit erklärt. Nun habe tatsächlich der Reiichskohlenkommissar Brennstofflieferungen an Frankreich und Belgien ausdrücklich verboten, deshalb könnten sie dem Befehle von Loste nicht Nachkommen. Sie feien sich aber bewußt, daß sie bei dieser Haftung im Einklang wären mit den Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens. des Friedensvertragcs, des Rheinlandsabkommens und der Haager Landkriegsordnung sowie mit den Regeln des Völkerrechts. Sie wüßten auch, daß gerade in Frankreich der Schutz der Ehre, des Gewissens, der persönlichen Freiheit und des Eigentums der Zivilbevölkerung im Falle einer Besetzung ein von allen Völkerrechtslehren anerkannter sei, und daß ihre Haftung im Einklang stände mit dem stanzösischen Landesrecht. Die Verordnung der deutschen zuständigen Behörde schaffe für die Zechenbesitzer «inen Fall von höherer Gewalt, bei dem auch nach dem stanzösischen Recht jede persönliche Verantwortlichkeit ausgeschlossen sei. Außerdem würden bei der heutigen Sachlage Brennstoffliestrungen an Frankreich und Belgien eine tätig« Unterstützung einer gegen die eigene deutsche Regierung gerichteten Maßnahme sein. Niemand könne aber gezwungen werden, gegen sein Vaterland zu handeln und eine ehrlose Handlung zu begehen. ' Alles, aber kejne Kohlen! Paris, 17. Jan. Der Bettreter des „Petit Parisien" in Düsseldorf hatte eine kurze Unterredung mit dem Bettreter von Krupp, Thomas, als dieser die Zusammenkunft mit General Simon verließ. Thomas erklärte: „Wir sind beerst, vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Auch unsere Ber- utteilung erwarten wir. Gefängnisstrafe werden wir ertragen, alles, alles, Doch wir werden bestimmt keine Kohlen liefern. Ein würdiger Protest. Essen, 16. Jan. Die halbstündige Arbeitspause durch die gestern die Arbeiterschaft der widerrechtlich besetzten Gebiete feierliche Verwahrung gegen die unerhörte Gewalttat ring legt hat, ist, nach hier «ingelaufenen Berichten, unbekümmett um die Tyrannei der Militärdiktatur allenthalben streng ein- gehasten worden. Sie machte als elementare Bekundung einmütigen Willens und der entschlossenen Stimmung der gesamten Ruhrbevölkerung «inen tiefe« Eindruck. Mit dem Glockenschlag 11 Uhr verstummte überall das Sausen der Räder, die Bergleute legten den Schlegel und das Eisen aus der Hand, nur Notstandsarbeiten wurden fortgesetzt. Vielfach versammelte sich die Arbeiterschaft um die Vorsitzenden der Betriebsräte, die mit kurzen, markigen Worten auf die Bedeutung dieser Kundgebung hinwiesen. Aber noch beredter als diese Ansprachen war der stumme Protest der Arbestsruhe, Auf einer der Zechen erschien wenige Minuten vor 11 Uhr der Vertreter des sogenannten Ortskommandanten, um mit dem Betriebsrat zu verhandeln. Es wurde ihm kein Gehör geschenkt, sondern er mußte warten, bis die halbstündige Arbeitspause vorüber war. Es fand so die von den Gewerkschaften ausgegebene mannhafte Losung allenthalben genaueste Beachtung, so daß die eingedrungenen Gewalthaber einer geschlossenen Willenskundgebung gegenübcrstan- den, die sie übrigens auch nicht zu beugen oder zu brechen versuchten. Auch das Bürgettum in Handel und Gewerbe beteiligte sich einmütig und wirkungsvoll an der Kundgebung. Punkt 11 Uhr senkten sich die Rolladen der Schaufenster und die Straßenbahnen hielten an. Auch der sonstige Verkehr stockte. So griff der starke Arm entschlossenen Willens allenthalben in das Rädergetriebe des schaffenden Lebens und brachte den eingedrungenen Feinden zum Bewußtsein, daß man zwar ein wehrloses Land überfallen, ein freies Volk aber nicht zur Sklaverei zwingen kann. Noch immer keine Reparationsfteferungen. Essen, 17. Jan. Wie auf Anfrage bei den beteiligten Herren festgestellt werden konnte, haben die Zechen des Ruhrreviers auch heute die Reparationskohlcnlieferungen nicht wieder ausgenommen und haften sich trotz des entgcgenstehenden neuen Befehls der französischen Militärbehörden an das Verbot des Reichskohlenkommissars. Die angedrohten Zwangsmaßnahmen gegen die Zechen und deren Leiter sind bisher nicht verwirklicht worden. Bis heut« mittag war auch auf die gestern von verschiedenen Industriellen, darunter Fritz Thyssen, gemachte Er- kläruiH, sie ständen von jetzt an unter gerichtlichem Verfahren nichts weiter erfolgt. Eine Absage in Stettin. Stettin, 17. Jan. Die hiesige interalliierte Kontrollkommission hatte für Donnerstag eine Besichtigung des Hauptversorgungsamtes und des Versorgungsamtes Stettin angesetzt. Auf die Benachrichtigung davon hat der Direktor des Haupt- versorgungsamtes Stettin folgende Antwott erteilt: „Da ich ohne andere Anweisung des Ministeriums den Standpunkt vertrete, daß durch die Gewaltmaßnahmen der Franzosen im Westen das Diktat von Versailles beiseite geschoben worden ist, entfallen für mich auch die Grundlagen für die Tätigkeit der interalliierten Kommissionen. Ich kann daher zurzeit die für den 18. d. Mts. ungeordnet« Besichtigung meines Amtes oder eines der mir unterstellten Aemter nicht gestatten." 84. Jahrgang Dergebliches Liebeswerbe». Berlin, 18. Jan. Zwischen dem französischen General Simon und der Bezirksleitung des Eisenbahnerverbandes fand laut Vorwärts gestern eine Aussprache statt. Simon äutzette den Wunsch, daß die Arbeiterschaft der Besatzungsbehörde Vertrauen entgegenbringen solle. Alle Wünsche und Beschwerden werden wohlwollend geprüft und nach Möglichkeit zugunsten der Arbeiter entschieden werden. Die Arbeitervertreter protestierte» zunächst gegen die Besetzung, die sie als Rechtsbruch und Vergewaltigung bezeichnet«!,. Als Vermittler in Arbeitcrstagen würden sie nur die deutschen Behörden anerkennen. Zur Be- setzungsbehörd« werden sie kein Vertrauen haben und am liebsten mit ihr gar nicht in Berührung kommen. Das Wohlwollen der Besetzungsbehörden gegenüber den Arbeitern sei übrigens schon dadurch widerlegt, daß durch die Besetzung eine Steigerung der Lebensmittelpreis« um 50 Prozent eingetret«n sei. Der Kohlenraub beginnt. Paris, 17. Jan. Wie der Petit Parisien mittrilt, haben die alliietten Behörden gestern abend «ine Reihe von Waggons und ein Kanalschiff mit einem Gesamtinhalt von 3000 Tonnen Kohlen beschlagnahmt. Obwohl die Requirierung progressiv erfolge, scheint der Petit Parisien zu erwarten, daß man die Zufuhr von 15000 Tonnen Kohlen und 15000 Tonnen Koks erreichen wird. Da die Tonne Koks doppelt zählt, werden die Requisitionen also etwa 1350000 Tonnen für den Monat ergeben. — Ein aus Düsseldorf hier eingelaufenes Telegramm besagt, daß gestern stüh die ersten Requirierungsmaßnahmen durchgefühtt worden sind. Mehrere Kohlenwagen, die nach Bayern abgehen solften, seien angehalten und nach dem Westen geschickt worden. Das Journal des Debats teilt mit, daß Frankreich die ersten Kihlenzüge zugeführt bekäme. Der Ministerrat trat gestern unter Vorsitz Millerands zusammen. Poincare berichtete über die auswättige Lage, besonders über die Verhältnisse im Ruhrgebiet. 1 * Sehr bald ist eing«treten, was man als Folge der Besetzung des Ruhrgebietes allgemein erwartet hat. Frankreich versucht, auf das deutsche Volk und auf die deutsche Regierung dadurch einen Druck auszuüben, daß es die Zufuhren von Kohlen aus dem Ruhrgebiet nach dem unbesetzten Gebiet spertt. Es gilt den Gefahren, die daraus für das unbesetzte Gebiet entstehen. offen und entschlossen entgegenzusehen. Wir haben gestern in aller nächster Nähe die Probe vom welschen Vorgehen erhalten. Wie Staatspräsident Remmele in der gesttigen Land- tagssttzung mitteifte, haben die Franzosen bei Maxau «inen Kohlenkahn daran verhindert, nach dem Karlsruher Hafen cinzufahren. Mit Gewalt ist der Führer des Kahns gezwungen worden, auf dem linken Rheinufer anzulegen. Die Kohlenwaren für eine Karlsruher Kohlengroßhandlung bestimmt. Die badische Regierung hat sofort die Gewalttat nach Berlin berichtet. Die Reichsregierung ist zuständig für die Derttetung der Interessen und Rechte der Länder gegenüber dem Ausland. Der Fall am Karlsruher Rheinhasen ist nicht vereinzelt. Die Nachricht von einem ähnlichen Vorfall kommt aus Frankfurt. Und auch vom Niederrhein und von den nach Osten führenden Kanälen kommen Nachrichten, die deutlich beweisen, daß Frankreich nun damit beginnt, die Kohlenzufuhren zu sperren. Der Badische Landtag hat gestern seine Sitzung mit einem Gelöbnis der Treue zum Reich geschlossen. Möge dieses Gelöbnis den Franzosen sagen, daß wir hier in Baden entschlossen sind, in aller Not und Gefahr treue Deutsche zu bleiben. Ei» Armeekommando für Essen I Esse«, 17. Jan. Der französische Divisionsgencral in Essen, Brederey, hat der deutschen Behörde die bevorstehende Ankunft eines Armeekorpskommandos angekündigt, wofür 200 Zimmer in Privatwohnungen zur Verfügung gestellt werden müssen. 2n Essen hat im übrigen die Besatzungsbehörd« für Offiziere über 4M Hotelzimmer in Anspruch genommen. Für die Unterbringung französischer Journalisten ist allein ein Hotel mit IM Zimmern beschlagnahmt worden. Dadurch wird die Unterkunstsmöglichkeit für Reisende und Geschäftsleute immer mehr beschränkt. Bon Schulen sind von der Besatzungsbehörde bisher 10 Volksschulen, eine höhere Schule, eine Mädchenmittelschule und 2 Turnhallen von höheren Schulen beschlagnahmt worden. Der Schulunterricht hat bort vorläufig ausgesetzt werden müssen. Die Gewaltmatzrrahmen. Sofottige Ausbeutung der Domanialforsten am linken Rheinnfer! Patts, 17. Jan. Havas berichtet: Die französische, idie belgische und italienische Regierung haben den Befehl zur fo- .fortigen Ausbeutung der Domanialforsten am linken Rheinufer erteilt als Sanktion für die am 26. Dezember durch die Reparationskommission festgestellten deutschen Verfehlungen bei den Holzlieferungen. Beschlagnahme der Kohlensteuer. Paris, 17. Jan. Die französische und die belgische Regierung haben beschlossen, sich sofort mit den Verbündeten ins Einvernehmen zu setzen, damit die Kohlensteuer beschlagnahmt wird, die bisher von der deutschen Regierung erleben wurde. Italien wird voraussichtlich diese Maßnahme unterstützen. Auch soll die Erttchtung einer Zoll-Linie am Rhein und im Ruhrgebiet verwirklicht werden. Raub von Eisenbahnwagen und Schiffet,. Effen, 17. Jan. Bon ffanzösischer Seite wird mftgeteitt, daß als eine der angedrohten Sanktionen in der kommenden Nacht eine große Anzahl leer« Eisenbahnwaggons beschlagnahmt werden sollen. Wefter sollen leere Schleppkähne, di«! Nr. 8. Jahrgang 1923. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Freitag, den 19. Januar 1923. sich auf dem Rhein und auf dem Rhein-Herne-Kanal befinden, ebenfalls beschlagnahmt werden. ' Frankreichs wahres Ziel. Paris, 17. San. Gustave tzerv« ergeht sich in einem Leitartikel des halbamtlichen „Pesit Parisien" in folgender Zukunftsphantasie: Eine so heikle Operation wie die Besetzung des Ruhrgebiets muß zu Ende gefühtt werden. Angesichts des Widerstandes der deutschen Regierung darf nicht damit gezögert werden, das Ruhrgebiet und das ganze Rhrinland das wir besetzt mit einer Zoltzrenz« zu umschließen. Die Erzeugnisse dieser Bezirke, die nach dem nichtbesetzten.! Deutschland bestimmt sind, dürfen nicht hinausgelassen werden, ohne daß die für die Reparations-Kommission festgesetzte Abgabe gezahlt wird. Wenn der Widerstand anhält, muß noch weiter gegangen werden und aus dem Rheinland unjd dem Ruhrgebiet, d. h. aus dem Gebiet an beiden Rheinufenf ein unabhängiger Staat wie Belgien und Holland gemacht werden, den man militärisch neutralisieren und vom Deutschen Reich lostrenne« muß. Kabinettsfitzung in Berlin. Berlin, 17. Jan. Die Reichsregierung beschäftigte sich ebenso wie in den letzten Tagen auch gestern in einer Kabinettssitzung mit der augenblicklichen Lage. Das „B. T." schreibt, daß sich die Reichsregierung auch bei einem weiteren allenfalstgen Borgehen der Franzosen von ihrer bisherigen festen Haltung nicht abbringen lassen und besonders unter dem Druck Frankreichs und Belgiens nicht mit diesen verhandeln werde. * Die neue Versicherung der festen Haltung der Reichsregierung wird in ganz Deutschland Befriedigung auslösen. Denn nach dem bisher immer nach kurzer Zeit erfolgten „Unfall" Deutschlands sind die Zweifel, ob Deutschland diesmal durchhalten wird, nicht nur bei Herrn Poincare, sondern auch bei uns nur zu berechtigt. E- sind nicht die schlechtesten Deutschen, die sagen, wenn wir diesmal wieder nachgeben. bin ich kein Deutscher mehr. Um so erfteulicher ist der gestrige Kabinettsbeschluß. Daß unsere ablehnende Haltung die härtesten Zeiten für uns bringen wird, härter noch als während des Krieges, darüber müssen wir allerdings klar sein. Schon steigen die Preise im neubesetzten Gebiet ins Ungemessene, schon bedroht man die standhaften Zechendirektoren mit gerichtlichem Verfahren. Und was die Deutschen im Ruhrgebict an erster Stelle zu spüren bekommen, das wird voraussichtlich in abgeschwächter Form das Schicksal aller Deutschen sein. Da Frankreich von sich aus nicht nachgeben kann und Deutschland auf Grund des Versailler Vertrages nur mit allen Alliierten- gemeinsam zu verhandeln bereit ist, gewinnen die Aeußerungen aus den an der Besetzung unbeteiligt«» Staaten erhöhte Bedeutung. In Italien hat gestern im Ministerrat Mussolini wichtige Erklärungen abgegeben, die sich zum Teil auch auf die Ruhrbesetzung bezogen. Nachdem er die Haftung der französischen Regierung und den französischen Plan skizziert hatte, erklärte Mussolini. Italien hat nur seine politische und technische Solidarität mit Frankreich ausgesprochen. Italien konnte sich nicht isolieren, ohne «inen sehr schweren Fehler zu begehen. Anderseits konnte es sich auch nicht gegen die Operation der Kontrolle des Ruhrgebiets spreizen, da die Kohlenfrage für Italien von grundlegender Bedeutung ist. Die italienische Regierung, so fuhr Mussolini fort, hat Frankreich geraten, sich auf das «stbediiUt notwendige Matz der Besetzung des Ruhrgebiets zu beschränken und vor allen Dingen stets die Möglichkeit zu Brrhandlungch» offen zu lassen. Eine solche Entente die den Frieden in Europa gewährleisten würde, müßte auch unbedingt England bewqgrn, daran teilzunehmen. Für Deutschland war es ein sehr schwerer Fehler, so meinte Mussolini, den Möglichkeiten zu einem Zusammenarbeiten aus dem Wege zu gehen. Deutschland hat jetzt noch 14 Tage bis zum Verfalltag, um sich Rechenschaft über die neugeschaffene Situation abzulegen. Es ist übrigens auch nicht unwahrscheinlich, daß in diesen 14 Tagen sich eine Annäherung Frankreichs an das italienische Reparationsprojekt bemerkbar machen wird, das seitens Italiens den Alliierten auf der Londoner Konferenz vorgelegt wurde. In England wird das Vorrücken der französisch- belgischen Truppen im Ruhrgebiet ohne besondere Kommentar« vermerkt. Man hatte sich auf deutschen Widerstand allgemein gefaßt gemacht, hielt ihn aber nicht besonders ernst, sondern für eine der üblichen Gesten der Reichsregierung. Im übrigen zeigt sich die englische Presse nicht mehr so wohlwollend Deutschland gegenüber, als zuerst, sondern schickt sich an, Frankreich ein gewisses Recht zu seinem Vorgehen zuzusprechen. Dagegen kritisieren die „Times" das französische Porrücken sehr scharf und sagen, das ganze Wirtschaftssystem Deutschlands sei durch die Besetzung des Ruhrgebiets stark erschüttert. Die Franzosen hätten das ganze Risiko des Friedens übernommen, nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt. Die Resultate der Ruhrbesetzung folgen einander mit trauriger Folgerichtigkeit. Das allgemeine Reparationsproblem, wie es alle Alliietten berühre, könne in den Hintergrund treten und Erwägungen strategischen und politischen Charakters Platz machen. Dann würde eine neue Lage in Euwpa geschaffen werden und eine solche Lag« würde die Aufmerksamkeit selbst der ruhigsten aller britischen Regierungen erfordern. Die ungarischen Ueberfälle auf Rumänien und die litauischen Ueberfälle auf Memel seien Symptome einer neuen Unruhe. Die gesamt« wirtschaftliche Zukunst sei wieder unsicher und dunkel. Der französische Rechlsbruch und Versailles. Ein Franzose mit Namen Georges Demartial hat ein wohl zu wenig beachtetes Buch geschrieben, dem er den Titel gab: „Die Schuld am Kriege, die Paterlandsliebe und die Wahrheit." Zur Einleitung sagt der Verfasser: „Es handelt sich nicht darum, was später kommen wird, das Problem über den Ursprung des Krieges in seiner Gesamtheit zu prüfen, dunkle Fälle zu entscheiden, die Reihe der Verantwortlichkeiten aufzustellen. Nein, für den Augenblick handelt es sich, weil es das dringendste ist, nur darum, zu wissen, ob alles Unrecht auf einer Seite liegt. Ich sage, daß diese Behauptung, die dazu gedient hat, den Krieg fünf Jahr« lang andauern zu lassen, einer Psrüfung von — nur 5 Minuten nicht Stand hält und daß, da man sie zur Unterlage des Urieilsspruchs von Versailles gemacht hat, dieser Urteilsspruch nicht aufrecht zu erhalten ist." Auf den Inhalt der Schrift hier näher einzugehen ist jetzt nicht Ruhe und Zeit. Der Verfasser steltt mit ausgeprägtem Rechtssinn die These der ge- tLitten Verantwortung auf und kommt nach bitterster Kritik an dem Verhalten der für Frankreich verantwortlichen Persönlichkeiten zu dem Ergebnis: „Indem Herr, Bioiani Rußland Frankreichs Unterstützung versprach und seine Mobilmachung duldete, hat er, um es mit dürren Worten zu sagen, den europäischen Krieg zugelassen." Alle die zwingende Beweisführung des Verfassers stützenden Tatsachen sagen uns heut« längst nicht mehr Neues, bedeutungsvoll bleibt an dem Buche, daß hier ein Franzose es wagte, die Vaterlandsliebe mit der Wahrheit in Einklang zu bringen und die von der französischen Regierung in unerhörter Weise gehandhabte Zensur der Wahrheit an den Pranger zu stellen, eine Zensur, „unter deren schimpflichem Scheffel Frankreich den Kopf bis ans Kinn vergraben hielt", eine Zensur, unter deren Herrschaft, wie der Verfasser spottet, „die Erde wefter für unbeweglich gegolten hätte." Das System des Berbergens aller unbequemen, aber wichtigsten Tatsachen vom Anfang bis zum Ende des Krieges, ja bis heute, so der belgischen und bolschewistischen Enthüllungen, der von der deutschen Friedensabordnung oorgelegten Zusammenstellung diplomatischer Dokumente erfährt die beißende Ironie des Verfassers mit den Morien: „den Franzosen heute noch so unbekannt, wie den Eskimos." Die Schuldstage ist und bleibt dem Verfasser die Frage aller Fragen, „sie wirst das größte sittliche Problem auf, das Schicksal der Welt hängt von ihrer Lösung ab. Die Völker, in deren Namen das Urteil gesprochen wurde, sind es, denen das Recht zukommt, jetzt das Wort zu führen. Die Regierungen sind das Werkzeug der Völker und nicht umgekehrt." Wenn nun heute von der Politik Poincares und seinem neuesten ungeheuerlichen Vorgehen behauptet wirb, er habe hiefür die öffentliche Meinung Frankreichs hinter sich, so mag, soweit dieses zutrifft, auf jene Zensur der Wahrheit hingewiesen werden, die die Masse des französischen Volkes in Finsternis gehalten hat. Bezeichnend genug, daß angesichts des „Vormarsches" der Ruf nach verschärfter Zensur wieder laut geworden ist. Die nichtöffentliche Meinung in Frankreich würde man doch wohl beleidigend verkennen, wollte man annehmen, daß der Recht, Zivilisation und Kultur mit Füßen tretende Gewaltstreich nicht vielfache und schamvolle Ablehnung findet. Ist Poinacre und die ihn umgebend« Interessenten- Oligarchie etwa Frankreichs wahres Gesicht? Wohl kennen wir die geschichtliche Tatsache, daß der Franzose als Sieger jegliches Maßhalten zu verlieren pflegt, daß sein Sicgerschritt zum gemeingefährlichen Taumeln wird. Aber die Ernüchterung kann nicht ausst leiben, wenn er zu sehen anfängt, daß, abgesehen von dem belgischen Kopfnicken, die gesamte übrige Welt mit Kvpffchütteln und Achselzucken sich abwendet von einer Handlungsweise, die eine fernere Gemeinschaft unmöglich macht. Das mst vollem Kriegsapparat in das entwaffnete Deutschland weiter vordringende französische Heer ist bei aller Leidenstragik für die Welt ein Faschingsschauspiel von tötlicher Lächerlichkeit. Tagtäglich darf jetzt vergleichend erinnert werden, an die maß- haftend« Bornehmhett des Siegers von 1870/71, in immer neuen Farben ist dieser gewaltige Kontrast der Welt vor Augen zu stellen, mit nie versagender Stimme ist die Anklage zu wiederholen gegen den Rechtsbruch, dem sogar das Unrecht von Versailles noch kein Genügen ist, weder biegen noch brechen, darf die Festigkeit, inst der jegliche Zumutung unter Druck oder Gewalt zurückgewiesen wird, immer aufs neue ist in das Abwehrprogramm aufzunehmen die Forderung der allgemeinen Demaskierung in der Kriegsschuldfrage und mit dem Franzosen Demartial die Vereinbarkeit von Wahrheit und Vaterlandsliebe allen Völkern ins Gewissen zu hämmern, auch Frankreich, das in der pharaonischen Verstocktheit des Poincarismus sich ins eigen« Verderben reißt. Bei alledem gilt es, in den Grenzen der nationalen Würde dem Gegner keine Blöße zu geben, di« zur Handhabe werden kann für neue Gewalt, im Leiden des Unrechts ruhig, besonnen und stark zu bleiben durch unerschütterliches Beharren auf dem Recht und im Glauben an dessen Macht auch gegenüber der Gewalt. Das Momlische gehört in der Politik zu den auch von Bismarck hoch eingeschätzten Unwägbarkeiten, die in kluger Anwendung zu schweren Gewittern werden können. Die ganze feindliche Lügenpropaganda hat aus dem „Moralischen" geschöpft und damit ihre wohl- berechneten Erfolge errungen. Jetzt ist die Stunde gekommen für momlische Medexgutmachung und etwas davon ist neben im Angelsachsentum zu erkennen, das zu einer Koalition auf den voranstehenden politischen und wirtschaftlichen Berechnungen dem Wege ist. Die zumal auf die Der. Staaten gerichteten Blicke erwarten von dort ein erlösendes Wort. Dort ist die Macht und hier das Recht. Um aber die verpflichtende Macht für dieses Recht zu gebrauchen, bedarf es moralischer Größe, die mit Opfer und Verzicht für die Gegenwart für bessere Menschheitszukunft zu handeln vermag. Wird solche moralische Größe aufzubringen sein? Die Welt hält, den Atem an. Die französische Eile ist hinreichend erklärt durch das Zuvorkommen der Gewalt, ehr Vermittlung ihre Arbeit beginnt. Vollendete Tatsachen zu schaffen ist viel angewendete Taktik. Aber Unrecht wird dadurch niemals zum Recht. Falsch ist auch di« psychologische Rechnung. Was alle Zeiten der Bedrängnis nicht vermochten, das vollbringt dieser Gewaltstreich mit zusammenschweißendem Feuer, nicht minder wie jenes Feuer, das zum Staunen der Franzosen 1870 im Norden wie im Süden aufgelodett ist und das geeinte Reich erstehen ließ. Auch jetzt entbrennt der furor teutonicus um die Gerechtigkeit und nur diese suchen wir mit den Waffen des Geistes und der Moral zu erkämpfen gegen das Dogma der deutschen Alleinschuld, gegen Versailles, gegen usurpierende Gewalt. Der französische Rechtsbruch und Versailles ist das Weltthema und „es ist die große Sache aller Staaten und Kronen, daß gescheh'. was Rechtens ist!" Darauf hoffen wir! Das beste dazu tun wir Deutsche durch Einigkeit, Einigkeit hat das Reich begründet, Einigkeit wird es erhalten. * i Die „konsternierten" Engländer. Es ist wirklich schwer, kein« Satire zu schreiben. Im fast täglichen Wechsel der Ereignisse, wie sie von der Aktion der Franzosen im Ruhrgeb'ietz hervorgerufen werden, schwankt die Stimmung der Gegenseite vom „himmelhochjauchzenden" bis zum „zu Tode betrübt" sein. Gestern noch hieß es in England, man werde nur angenehm überrascht sein, wenn die von den Franzosen angewandt« an und für sich ungesunde Methode produktiven Erfolg haben werde, und heute, nachdem der Reichs- kohlenkommissar die zwischen Zechenverwaltung und französischen Behörden vereinbarten Lieferungen von Reparations- Kohlen gegen Bezahlung strikte verboten hat, greift in der eW- lischen Geschäftswelt eine Stimmung um sich, „die mau als Konsternation bezeichnen kann". Zwar häufen sich die Aufträge für englische Kohlen, in den englischen Häfen werden fieberhaft Schiffsladungen auf Schiffsladungen dieses wettvollen Gutes für den Bedarf des ganzen Kontinents verstaut, und der englische Kohlenpreis hat in den letzten drei Tagen eine» tüchtigen Sprung nach oben gemacht. — aber die englische Geschäftswelt steht nur betrübten Auges diese Entwicklung, von der man wohl mit Recht die schlimmsten Rückwirkungen auf die heimische Industrie und den allgemeinen Geschäftsgang befürch- wünschen, aber ich würde es vorziehen, die Nacht nicht hier zu verbringen." „Ich bin stark in Ihrer Schuld, sagte Sir Gideon aufstehend. „Roger wird in zwanzig Minuten fort sein, und Sie werden mich bereit finden, meinen Teil des Bettrages ein- zulösen. Aber wollen Sie Ihren Entschluß meine Gastfreundschaft zurückzuwrisen, nicht noch überlegen? Selbst wenn ich Sie mit einem Wagen nach Brentwood schicke, kämen Sic zu spät, uni den letzten Zug zu nehmen, und es gibt keine Hotels dort, wo —" „Wo man mich in diesem Zustande in später Nacht und ohne Gepäck aufnehmen würde," ergänzt« Ianet. „Unter solchen Umständen muß ich Ihr Anerbieten allerdings annehmeitz." „Das wird uns in den Stand setzen, morgen früh zeitig aufzubrechen", sagte Sir Gideon. „Ich werde Ihnen die Haushälterin sofort schicken." Und gebeugten Haupte- und wankenden Schrittes verließ er das Zimmer. 25. Kapitel. Ianet schlief in jener Nacht sehr wenig. In Anbetracht der späten Stunde und der Entlegenheit des Schlosses hatte sie in der Tat keine Wahl gehabt, außer sie hätte einen passenden Heuschober gestinden, in dem sie hätte übernachten können. Aber kaum hatt« man sie in ein Schlafzimmer gefühtt, wo eine ehrerbietige und wortreich teilnehmende Haushälterin ihr die Honneurs machte, wurde sie sich der Seltsämkett ihrer Lage voll bewußt. Die Nacht verging indessen ohne irgend eine Beunruhig- ung, und das Frühstück wurde ihr von einer geschickten Jungfer heraufgebracht, die ihr behilflich war, die Spuren ihrer Klet- tcrpariic in dem brennenden Mühlhause von ihren Kleidern zu emfernen. Ianet entnahm ihrem Betragen, daß sie speziell instruiert worden war, keine Ueberraschung über den Zustand ihrer Garderobe zu äußern. Das Mädchen schien so guter Laune und so ahnungslos, welche Verwirrung die Fremd« in das Haus ihres Gebitters brachte, daß Ianet sich nicht enthalten konnte, sich über einen Purckt Gewißheit zu verschaffen, der sie die ganze Nacht beschäftigt hatte. Tausendfältig Unglück. Roman von H. Hill. 9JadibnttI verboten. „Mit den Empfehlungen Sir Gideons, Fräulein," sagte de>. Diene- und zog sich in respektvoller Haltung wieder zurück. Ihr Hunger besiegt« den Wiederwillen, den Ianet dagegen e-.psand, die Gastfreundschaft eines Mannes anzunehmen, der den Namen Marske trug. Kaum hatte sie ihren Imbiß beendigt. als Sir Gideon wiederkehrte. Alt, wie er war, schien er während seiner kurzen Abwesenheit aus dem Zimmer ganz greisenhaft geworden zu fein; schweren Schrittes, mit gesenktem Kopfe, näherte er sich einem Lelusessc! und setzte sich mit einem Seufzer daraus nieder, al: Ivcste er glücklich sich ausruhen zu können. „Ich muß zuerst an Sie denken; Sie müssen in großer Ungewißheit sein," begann er, und seine Stimme drohte zu breche,. „Es ist alles nur zu wahr — diese Anklage, mit der Sic kommen. Mein unglücklicher Sohn hat das Verbrechen begangen, dessen Hauptmann Rivington beschuldigt wurde... Nem. lassen Sie mich ausreden!" brach er los, als Ianet trium- phrerend aufiprang. „Rivington wird, so hoffe ich, rehabilitiert werden, und Roger muß seine Bürde von Schmach und Elenid, tragen; aber — o, Fräulein Chilmark! — ich komme als ein Bittender zu Ihmn." „Ein Bittender?... Was wünschen Sie?" fragte sie mit einem leisen Argwohn. Es schien ihr, daß nichts mehr zu tuä übrig bliebe, als Athur durch des Königs Vergebung zu uefreien und Roger Marske zu verhaften. „Ich bitte um das Leben meines Sohnes, oder — richtiger gesagt — um die leiseste Aussicht darauf," erwidette Sir Gideon. „Ich habe das Wott, das ich Ihnen gab, gehalten: er hat das Haus nicht verlassen und wird es nicht tun. außer Sie geben mir die Erlaubnis, ihm zu sagen, daß er versuchen möge, sein Entrinnen zu bewerkstelligen. Um Ihre Barmherzigkeit zu vergelten, will ich Ihnen sichere Beweise liefern, die mein Sohn mir für die Wiederherstellung »on Riving- tons Ehre angeboten hat. Sie zeugen für Rivingtons Unschuld und leider für meines Sohnes Schuld. Ich muß die Schmach tragen, so gut ich. kann, ich flehe um sein Leben, das er durch die Flucht retten kann." „Das heißt, daß die Beweise, die Sie erwähnen, nicht ans Tageslicht kommen werden, wenn ich auf Ihre Bedingungen nicht eingehe?" Den Bruchteil einer Sekunde lang zog sich seine runzlige Stirn zusammen, aber seine Gewohnheit, sich zu beherrschen, kam ihm zu Hilfe. Er machte eine abwehrende Handbewegung. „Nicht ganz so." sagte er glatt; „aber da Sie eine junge Dame von so schneidiger Intelligenz sind, werden Sie verstehen, daß, wenn Sie die Verhaftung meines Sohnes heute abend hier in meinem Hause wünschen, Sie nicht dieselben Erleichterungen erwarten dürfen, zu denen Sie eine nachgiebigere Haltung berechtigen würde. Ganz natürlich würde ich im Falle der Verhaftung meines Sohnes ein außerordentliches Interesse daran haben, Himmel und Erde zu seiner Verteidigung in Bewegung zu setzen." Ianet verstand oder glaubte zu verstehen, und nicht nur diese Dinge, sondern noch ganz andere-. Sie verstand, daß ihre Unterredung mit diesem hinterlistigen alten Manne jeglicher Zeugen entbehrt hafte, und daß er den Vorsatz hegte, alles, was sich ereignet hatte, abzuieugnen, wenn sie aus sein Verlangen nicht einging. Ihr weiblicher Instinkt war es, der ihr das sagte, und es mußt« ihr darum zu tun sein, die angebotenen Beweise von Atthurs Unschuld ohne Aufschub zu erlangen. „Was schlagen Sie mir vor?" fragt« sie. „Ich möchte Roger sagen, daß er fliehen kann; er wird wenigstens fünfzehn Stunden Vorsprung haben, wenn er so- sott geht. Dann werde ich Sie morgen an einen Ort führen, wo Sie die Beichte, die er mir soeben abgelegt, zu Protokoll geben können. Wenn Sie mir die Ehre exweisen wollen, diese Nacht mein Gast zu sein, wird meine Haushälterin — ich bin nämlich Witwer, und wir haben keine Damen in der Familie — für ihre Bequemlichkeit sorgen, und morgen früh werde ich mit Ihnen dorthin fahren, wo die Beweise zu erlangen sind." „Sehr wohl," erwiderte Ianet, „e- soll so sein, wie Sie Nr. 8. Jahrgang 1923. Der Landbore * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 19. Januar 1923. iet. Und das Verbot des Reichskohlenkommissars wird man nach englischem Eingeständnis, selbst im englischen Privathaushalt zu verspüren bekommen, der allerdings unter einer so günstigen Auslandskonjunkmr des englischen Bergbaus etwas stiefmütterlich behandelt werden dürfte. Alle diese Klagen hören sich eigeMümlich an, wenn man sich des Lamentos erinnert, das dieselbe englische Geschäftswelt anstimmte, als die deutsche Industrie sich anschickte, di« Preise für ihr« Erzeugnisse zu erhöhen und de- Weltmarktpreisen anzupassen. Damals hörte man kein Wort des Mitgefühls für die dort ebenfalls leidtragenden Klassen der deutschen Verbraucher, dem man im Gegenteil außer -er Geduld angesichts solcher Entwicklungen auch noch eine gewaltige Mehrbelastung durch neue indirekte Steuern zumutete auch von hochamtlicher englischer Stelle aus. Die Ieremiaden, die aus England kommen, lehren besser als jede volkswirtschaftliche Abhandlung die gewissenlose Gefährdung der europäischen Wirtschaft durch das Säbelregimsnt Poincares. Was di« englischen Arbeiter in ihrem Protest gegen die Ruhrbesetzung an die Wand gemalt haben, di« wirtschaftliche Auflösung Europas, wirft in diesen Dingen schon seine ersten dunklen Schatten voraus. Die Wirtschaft, die nur unter gewissen gesetzmäßigen Nvr- . men leben, und gedeihen kann, verträgt keine militärischen Eingriffe und uforpatorischen Handstreiche, denn sie ist ein lebendiger Organismus mit tausend und abertausend mimosenhaften Zusammenhängen und Verzweigungen, in di« der Griff einer bru- talen Faust unheilbare Verwirrung und Erkrankung bringen kann. Ehe wir die Normen des wirtschaftlichen Daseins nicht wieder eingeführt haben, ehe wir also nicht der Strangulationsbestimmungen des Versailler Friedens ledig sind, ehe nicht Frankreich von seinem Verbündeten wieder in die Bahnen wittschaftlicher Vernunft zurückgewiesen ist. werden wir in Eu- wpa kläglich und kärglich, ohne zu wissen, was morgen kommt, von der'Hand in den Mund leben oder vielmehr vegetieren müssen. Das einzige Recht. „Manchester Guardian" sagt, das einzige Recht des Friedensvertrages von Versailles für den Fall einer Verfehlung Deutschlands gebe der Artikel 430, der den Alliierten gestatte. ein Gebiet wieder zu besetzen, das bereits geräumt worden fei. Natürlich gebe es augenblicklich kein solches Gebiet und nirgends im Vertrage ein gesetzliches Recht, deutsche Gebiet zu ergreifen. Dies erkläre zum Teil, warum Mr. Poincare jede Absicht einer militärischen Besetzung de- Ruhrgebiets geleugnet habe. Außerdem wäre dem Grafen Rantzau 1919 vor der Unterzeichnung des Friedensoertrages versichert worden, daß nichts in dem Vertrage so gedeutet werden könne, als ob die Alliiertest autorisiert wären, sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einzumischen. Deutschlands kommende Führer. z Als im Winter 1918/19 die Männer nach Deutschland zurückkamen, die vier Jahre lang ihr Leben für die Heimat eingesetzt hatten und nichts gekannt haften, als die Erfüllung ihrer soldatischen Pflichten, fanden sie sich einem neuen Deutschland gegenüber. Die Führung dieses Deutschland lag in den Händen von Männern, die während der Kriegszeit in der Heimat gewesen waren. Das gast ebenso für die Gebiete der Wirtschaft und der Wissenschaft, wie für die der Politik und der Verwaltung. Die, die nun von der Front zurücksttömten, waren dem Leben und Wandel friedlicher Zeiten und Berufe fremd geworden. Sie konnten nicht die Führung an sich reißen, ebensowenig wie die zurückkehrenden Ausländsdeutschen, die in der Fremde ihren Blick geweitet haften. Sie mußten erst selbst wieder hineintauchen in die Berufe und Verhältnisse der Heimat, viele sich erst einen ganz neuen Beruf aufbauen. Zur Führerschaft waren sie nicht reif. Heute liegen die Verhältnisse anders. Heute, da das deutsche Volk sieht, daß die, die sie glücklichen Zeften entgegenzuführrn versprachen, Phantasten und Schwächlinge gewesen sind, die Deutschland in den Abgrund führen; heute, da der Wunsch nach neuen Führern allenthalben laut wird, stehen die alten Frontkämpfer und die alten Kolonial- und Ausländsdeutschen mitten drinnen im Leben der Heimat und sind wieder vollgültige Könner in ihren Berufen. Sie haben in sich das Erleben des Krieges ausreifen lassen und sind nüchterne, gestählte Männer, wie sie Deutschland zur Führung braucht. Sie, die Schulter an Schulter mit den anderen Männern des Reiches zusammengestanden haben, sie. die jung und voll Tatkraft, und voller neuen Ideen sind, sind berufen, die alten Führer abzulösen. Sie vereinen heute Willen und Können. Es ist gut gewesen, daß sie nicht vorzeitig zur Führung berufen worden sind, aber jetzt sind di« Dinge gereift, und in Kurzem wird man in Deutschland eine neue Führerschicht durchbrechen sehen; dieser Führerwechsel wird auch einen neuen Ideenkreis heraufführen. Der kraftvolle, nüchterne, kalte, ernste, einsatzfrohe Geist der tatfrohen aber schweigsamen Frontkämpfer wird lebendig werden und eine wahre Volksgemeinschaft schaffen. Denn diese Führer, die sich in allen Ständen, Patteien, und Berufen durchsetzen werden, verstehen einander, weil sie einander achten und durch gleiches Erleben durchgegangen sind. Sie, die Zerstörung können, lieben den Aufbau. Sie sind fast alle als kriegsgereifte Männer ihren Familien wahre Väter, di« ihre Verantwortung gegenüber den kommenden deutschen Geschlechtern vollbewußt sind. Sie sind voll Energie, aber keine Abenteurer. Sie schauen vorwärts, aber nicht rückwärts. Von ihnen allein hat Deutschland die Gesundung zu erwarten. Und diesen Führern wird auch die Jugend, die von Mißtrauen gegen die aste Führerschaft erfüllt ist, ihr Vertrauen nicht versagen können. Deutschlands Verelendung. rr Der Einmarsch Frankreichs ins Ruhrrevier ist nicht allein politisch zu bewerten. Mit ihm stehen in engstem Zusammenhang die schwersten wirtschaftlichen und sozialen Erschütterungen, die unser zermürbtes und gequältes Volk bedrohen; weiterer Nährungsverfall, Arbeitslosigkeit, Teuerung und damit Elend, Krankheit und Siechtum. Der Twllar ist nach kurzem Stillstand auf 14000 gestiegen. Und da es weiten Kreisen schon bisher nicht mehr möglich war. sich auch nur leidlich mit Lebensmitteln zu versorgen, fügt jeder weftere Verfall der Mark zu den Hunderttausenden von Darbenden weitere Zehntausend hinzu. Eine vierköpfige Familie benötigt für ihren normalen Bedarf an Nahrungsmitteln jährlich mindestens 800000 Mk.; für ihren Bedarf an Fett allein etwa 250 000 Mark — berechnet nach den amtlichen Preisunterlagen und einem Dollarstande von 10000 Mark. Wer unter uns verfügt über ein solches Einkommen? Und wer. der darüber verfügt, kann neben der Nahrung auch noch die Kosten für Bekleidung und Behausung tragen? DreioiHtel unseres Volkes find heute schon unterernährt. mehr noch werden es demnächst sein. Es mehren sich die Meldungen über Selbstmord« aus Verzweiflung und Hunger. Es mehren sich di« Berichte über schwere Erkrankungen an Skorbut, über schwere nervöse Erschöpfungserscheinungen infolge der Unterernährung. Groß ist die Not vor allem der Kinder. Neugeborene werden in Papier gewickest in die Säuglings- fürforgestellen gebracht. Denn «ine Windel oder ein Hemdchen kosten 800—1000 Mark, ein Einschlag«tuch 1200—4000 Mark, ein Jäckchen 1200—1800 Mark. Heute noch, in 14 Tagen kann es das Doppelt« kosten. Und während die Säuglingssterblichkeit während des Krieges bedeutend abgenommen hatte, ist sie seit Mftte 1922 infolge der ünterernährimg der stillende» Mütter und der für viele nicht mehr erschwinglichen Milchpreise wieder gestiegen. Der sechste Teil der Säuglingsheime und die Hälfte der Krippen sind der finanziellen Schwierigkeiten wegen geschlossen. Skrophulose, Drüsenerkrankungen, Rachitis haben unter den Schulkindern erschreckend zugenvmmen. Knochen- erkrankungen. Hornhautgeschwüre, selbst das furchtbare Hunger- ödem sind keine Seltenheit mehr. Die von den Schulärzten gemeldeten Ziffern über Unterernährung gehen bereits über 50 o. H. durchschnittlich hinaus. „Es ist tragisch, als deutsches Kind geboren zu sein," schrieb unlängst der ganz unsentimentale Herausgeber der „Daily News", Gardiner, „denn es ist in eine Hungerwelt hineingeboren und in ein hartes Leben." Die schlechte Ernährung, die Wohnungsnot hat die Zahl der Todesfälle an Lungenentzündungen im ersten Quartal 1922 auf 17 785 hinaufgetrieben gegenüber 14 549 Todesfällen im ersten Quartal 1921. Welche Ernte wird der Tod in diesem ersten Quartal 1923 galten?! Die Rettung aber kommt uns heute weder aus der Zurücknahme der französischen Truppen hinter den Rhein noch aus einem langfristigen Moratorium oder aus internationalen Anleihen oder aus der Produktionssteigerung und ähnlichen Maßnahmen wirtschaftlicher Art allein. Die Rettung kann heute noch kommen aus der Erweckung des Willens der Mensächeft, Deutschland zu helfen, alles andere ergibt sich daraus von selbst. Wir aber, wir 60 Millionen zermürbter Menschen, zu-einem gemeinsamen Schicksal zusammengedrängt, müssen diesen Willen stärken durch Einmütigkeit in der Abwehr neuer und unerhörter Vergewaltigungen. Mit Bajonetten ist auf die Dauer niemand zu gesteigetter Arbeitsleistung zu zwingen. Wir find keine Knechte. Nur «in freies Volk kann wirkliche Wert« schaffen und ein freies Deutschland wird freiwillig leisten, was Gewalt und Zwang niemals von ihm erpressen werden. Neue Sparmatznahmen. Berlin, 17. Jan. 3n einer Aussprache des Reichsernährungsministers mit Gewerkschaftsführern aller Richtungen machte der Minister Mitteilung über eine Anzahl von Einschränkungsmatznahmen. die demnächst in Kraft treten sollen. Es handelt sich u. a. um folgende Maßregeln: In den Restaurants soll die Zahl der Fls.schgerichte eingeschränkt werden. Eier dürft» nur mittags verabreicht werden. Der Verbrauch von Milch in Kaffees und Restaurants wird untersagt, ebenso der Verbrauch von Butter zur Zubereitung von Speisen. Gegen die Schlemmerlokale und Luxusdielen soll mit aller Schärfe vorgegangen werden. Ferner trifte der Minister mit, daß die Regierung entschlossen sei, für Kartoffeln und andere wichtige Lebensmittel di« Eiftnbahn» fmchten bis zur Hälfte zu reduzieren. Zur Ernährungslag« im Ruhrrevier erklärte der Minister:' D>e Franzosen seien bei ihrem Einmarsch über die geringen Vorräte an Lebensmittel äußerst erstaunt gewesen und hätten angenommen, daß Deutschland vorhandene Bestände beiseite gebracht habe. Das sei natürlich nicht der Fall. Jedenfalls gehe aber aus dieser Auffassung hervor, daß selbst die französische Regierung über di« wirtschaftliche Lage Deutschlands vollkommen im Unklaren sei. Der Minister versicherte dann, die Regierung werde die Versorgung des Ruhrreviers nach Kräften sicherstellen, aber sie werde auch alles tt ", um eine Abwanderung der für die Ruhrbeoölkerung bestimmten Lebensmittel in das übrige besetzte Gebiet zu vermindern. Eine Mahnung an dir Landwirtschaft. Berlin. 16. Jan. Wie mehrere Blätter aus Stettin melden, erklärte bei einem Degrüßungsabend der pommerfchen Landwirte der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer Freiherr von Wangenheim in einer Rede u. a.: Die Lage unserer Brotfruchtversorgung bis zur nächsten Ernt« liegt völlig im Dunkeln. Ich richte an meine Berufskollegen die dringend« Mahnung, zu der heutigen Reichsregierunz Vertrauen zu haben und abzuliefern, was sie abliefern sollen. Liefern Sie so schnell wie möglich ab und setzen Sie die Reichsregierung in die Lag«, rechtzeitig einzugreifen, um zu verhindern, daß das Volk eines Tages vor der Hungersnot steht. Der Redner teilte noch mit, daß zwischen Industrie, Gewerkschaften und Landwirtschaft Verhandlungen stattfinden, die hoffentlich zu einer Einigung führen werden. Kampf dem Wucher. Berlin, 18. Jan. Der Präsident des Landespolizeiamts beim preußischen Ministerium des Innern hat einen weiteren Erlaß über die Bekämpfung des Wuchers herausgegeben, der das Aufkäuferunwesen und die Ueberwachung der Wochenmärkte betrifft. Die polizewerwaltungen und die Landräte werden aufgefordert, sofort eine systematische Kontrolle der Aufkäufer in die Wege zu leiten. Besondere Aufkauferlaubnis ist vorgeschrieben für Fleisch, Milch und Kartoffeln. Die Erlaubnis kann versagt werden, wenn Bedenken volkswirtschaftlicher Art, oder persönliche Gründe und Unzuverlässigkeit der Erteilung entgegen stehen. Auch die Anträge auf Erteilung der Großhandelserlaubnis sind auf das sorgfältigste zu prüfen. Besteht der Verdacht der Unzuverlässigkeit, so ist der Handel sofort zu untersagen. Diese Bestimmungen finden auch auf Ausländer, insbesondere auch auf die Angehörigen früherer feindlicher Staaten, Anwendung. Eine strenge Ueberwachung der Wochenmärkte soll erfolgen. Auf jedem Wochenmarkt ist für die Verbraucher eine durch «in großes Plakat weithin sichtbar gemachte Anmeldestelle aufzurichten. Außerdem ist der Markt dauernd abzupatroullicren. Die Erotversorgung bis Ende Juni gesichert. In der gestrigen Aussprache zwischen dem Ernährungsminister Dr. Luther und den Gewerkschaften aller Richtungen erklärte der Minister, daß die Brotversorgung bis End« Juni oder Mitte Juli gesichert sein werde. Die Kartoffelernte befriedige im allgemeinen, schwierig sei dagegen die Fettversorgung da sowohl Margarine als auch Schmalzfabrihen größtenteils in Rohstoffen vom Ausland bezogen werden müssen. Der Fleischverbrauch sei in sehr bedenklicher Weise gesunken. Die Regierung sei jedoch bemüht, die Einfuhr von Geftierfleisch nt erhöhtem Maße vorzubereiten. Ueber die Ernährungslage im Ruhrrevier sagte der Minister, daß die deutsche Regierung bemüht sei, die Versorgung des Ruhrgebiets nach Kräften sicher zu stellen. Die Zuckeroorräte im Deutschen Reich seien nach Ansicht des Ministers ausreichend, so daß eine Zwangsbewirtschaftung nicht in Frage komme. Die Regierung werde für Kartoffeln und alle wichtigen Lebensmittel die Eisenbohnfracht- fätze bis zur Hälfte herabsetzen. Schließlich machte Dr. Luther noch Mitteilungen über die Sparmaßnahmen. Dem Wohlleben gewisser Kreise müsse entschieden entgegengetreten werden. Der Verbrauch in den Gastwirtschaften sei zu groß. Es werde daran gedacht, die Zahl der Fleischgerichte in den Restaurants ein- zuschränk«^!. und den Verkauf von Milch und Kaffee in den Restaurants zu untersagen, um die Milch der werktägigen Bevölkerung restlos zur Verfügung zu stellen. i. Aus Nah und Fern. * Sinsheim. 20. Januar. (Joseph Herbst -s-I Der ehemalige Korrektor und Redakteur beim Landboten, Herr Joseph Herbst ist am Dienstag aus einem arbeitsreichen Leben geschieden und gestern Nachmittag fand die Bestattung der irdischen Hülle statt. Das zahlreiche Trauergefolge und die reichen Kranzspenden, die den Leichenwagen bedeckten, waren beredte Zeugen der Beliebtheit und Achtung, deren sich der Heimgegangene im Leben und allgemein zu erfreuen hatte. Geboren in Dauchingen bei Schwenningen hat er seine erste Ausbildung in Billingen genossen. Dann war er in mehreren größeren Druckereien in bevorzugten Stellungen tätig und gründete in Schwenningen die Druckerei der „Neckarquelle", die später zu einem angesehenen Blatte sich entwickelt hat. Im Jahre 1882 übernahm er beim Landboten die Stellung des Korrektors und Redakteurs, die er vier Jahrzehnte hindurch mit seltener Pflichttreue und Hingebung inne gehabt hat. Für diesen Beruf hat er von Jugend aus besondere Gaben an den Tag gelegt, die ihn befähigten, wertvolle, vielseitige Dienste dem heimischen Blatt zu leisten und damit zugleich für die Oeffentlichkeit zu wirken. Ein offener Blick, eine gewandte Feder, umfaffende Kenntnisse, eine große Vielseitigkeit und Fähigkeit, 'sich rasch in alles einzuarbeiten, die Befähigung, aus umfangreichen Schriftstücken schnell den Kern herauszuschälen und in kurzen Zügen das Wesentliche wiederzugeben, das alles sind Eigenschaften, die es ihm ermöglicht haben, all die Jahre hindurch in seinem Berufe eine ersprießliche und verdienstvolle Tätigkeit zu enffalten. Ein lebhaftes Interesse hatte er für alle Vorgänge in der Natur, sowie für alle Fragen des politischen, wittschastlichen und öffentlichen Lebens. Biele Korporationen und Vereine aller Art in Stadt und Bezirk verdanken diesem Interesse Jahrzehnte hindurch die eifrige Förderung ihrer Bestrebungen und Ziele. Im Jahre 1907 konnte er unter allseitiger Anteilnahme sein 25 jähriges Geschäftsjubiläum feiem und im Jahre 1912 wurde feine Treue durch Verleihung des Ehrenzeichens für treue Arbeit geehrt. Im Jahre 1922 durste rr fein 40jähttges Geschästsjubiläum begehen, das wie das frühere ihm hohe Anerkennungen und Ehrungen seitens der Geschäftsleitung, seiner Kollegen und der Berufsvereine eintrug. Seine berufliche Tüchtigkeit und sein karakteroolles Auftreten, nicht minder aber sein menschenfreundliches Wesen trugen ihm die hohe Achtung aller ein, die mit ihm beruflich zusammengewirkt haben. Auch im geselligen Verkehr erfreute er sich durch seine bescheidene, liebenswürdige Art der allgemeinen Beliebtheit. Am Grabe legten sein ehemaliger Prinzipal und seine Kollegen mit ehrenden Geleitsworten Kränze mit Widmungsschleifen nieder. Der Landbote und alle, die ihm beruflich oder persönlich nahe kamen, werden dem treu bewährten Manne, der unermüdlich fast bis ans Ende tättg gewesen ist, ein dankbares, treues Andenken bewahren. )( Sinsheim, 16. Jan. (Sitzung des Bezirksrates und des Kommunaloerbandsausschusses.) 1. Die Wahl der Grmeindeverordnrten in Dührrn wurde für ungültig erklätt. 2. Die Beschwerde gegen die Verpachtung der Gemeindejagd in Weiler (Pachtsumme 315 0Ö0 Mk.) jivurdr kostenfällig adgewiesrn. 3. Die Sitzungstage für das Jahr 1923 wurden jeweils auf den ersten Dienstag im Monat festgesetzt, ausgenommen die, Monate April und Mai. Sie fallen in den letztgenannten Monaten auf den 10. April und 8. Mai. 4. Der Einspruch gegen die Wahlen der Gemeinderäte in Grombach wurde von den Einsprechern zurückgezogen. 5. Das Gesuch des Sanatoriums Rappenau wegen Errichtung einer Kläranlage wurde unter Bedingungen genehmigt. 6. Die Desinfektorgebühren wurden auf 1200 Mk für eine Desinfektion festgesetzt. Fahtt- und Frachtauslagen sind dem Desinfektor zu ersetzen. Bei Orten, die nicht an der Bahn liegen, beträgt das Weggeld 5 Mk. für jeden Klm. des Hin- und Rückweges. Das Wattegeld wurde mtt Wirkung vom 1. Oktober 1922 auf 1 Mk. auf den Kopf festgesetzt. Im übrigen treten die vorstehenden Festsetzungen mit dem 1. Januar 1923 in Kraft. 7. Die Schätzer für polizeilich getötete Tiere wurden festgesetzt. Der Bezirk hat 111 Schätzer. 8. Die Berbandsumlage der Abdeckerei Waib- stadt beträgt 15 Mk. für das Tier. — 1. Auf das erneute Gesuch des Kommunaloerbands um nochmalige Ermäßigung des auf 9900 Dz. herabgesetzten Liefersolls an Umlagegetreide ging vom Ministerium des Innern die Antwort ein, daß eine Aendemng nicht mehr erfolgen könne. Die ausführenden Organe des K. B. müssen, nach Erledigung der gegen die Veranlagung erhobenen Beschwerden, die Ablieferung des Umlagegetreides mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln veranlassen. 2. Die Bevölkerung wird darauf aufmerksam gemacht, daß für die nächsten 4 Wochen an die Brot- versorgungsberechtigten nur Roggenmehl ausgegeben werden kann. Dies rührt daher, daß die Reichsgetreidestelle Weizen nicht mehr in solcher Menge auf Lager hat, wie uns fortwährend im Austauschverfahren Weizen gegen anderes Getreide abgeben zu können; ein anderer Grund liegt aber auch darin, daß die Ablieferungspflichtigen des Bezirks- in der Hauptsache nur Roggen, Gerste und Hafer abgeben. — 3. Den Anträgen, den Brotkartenzwang der hohen Anschaffungskosten der Karten wegen aufzuheben, kann wegen der nötigen Kontrolle der Brot- und Mehlausgabe nicht entsprochen werden. Dagegen soll, wenn tunlich, ein kleineres Format verwendet werden. * Sinsheim, 18. Jan. (Wichtig für Hausschlachtungen.) Die Fleischfteuer wird durch ein Gesetz vom 13. Dezbr. 1922 neu geregelt. Für Hausschlachtungen ist wichtig, daß nunmehr auch ssür Schweine und Schafe Fleischsteuer gezahlt werden muß. Die Hausmetzger müssen sich vor der Schlachtung durch Einsichtnahme des Eteuerzettels oder des Freischeines davon überzeugen, daß den Vorschriften des Gesetzes Genüge geleistet wurde. * SinSheim, 18, Jan. (Unveränderter Zuckerpreis.) Das Reichsernährungsministerium hat das Gesuch, den Zuckerpreis abermals zu erhöhen, abgewiesen. Es hat sich dabei von dem Gedanken leiten lassen, daß der Zucker angesichts der Milchnot ein unerschwingliches Nahrungsmittel für die kinderreichen Familien bleiben müsse. Der Zuckerpreis bleibt also bis 15. Februar so. wie er jetzt ist. * SinSheim. 18. Jan. (Frostgefahr.) Für den Versand frostempfindlicher Waren macht die Landeswetterwatte darauf aufmerksam, daß sich der Frost über das ganze Reichsgebiet ausgebreitet hat und daß mit einer fottschreitenden Verschärfung in den nächsten Tagen gerechnet werden muß. p Uuterscheffleyz. 14. Jan. (Die Grippe) tritt in den letzten Tagen hier in sehr heftiger Weife auf. In manchen Häusern liegen 2 bis 3 Personen darnieder. t Heidelberg» 17. Jan. (Filmstreifen verbrannt.) Gestern abend 1/28 Uhr ist ein etwa 100 Meter langer Filmstreifen durch Steckenbleiben im Apparat in einem Kinotheater der Hauptstraße verbrannt. r Rohrbach b. H., 16. Jan. (Verhaftungen.) Hier erregen einige von der Gendarmerie aufgedeckte organisiette Unterschlagungen und Schiebereien großes Aussehen. Drei Angestellte einer Heidelberger Firma unterschlugen allerlei Waren, deren Wett noch nicht festgestellt ist. Mehrere Helfershelfer setzten die Ware in Rk. 8. Jahrgang 1923. _ Geld um. Die Rädelsführer find bereits festgenommen. Ein Teil der Ware Konnte noch beschlagnahmt werden. d Rohrbach b. H.. 17. Januar. (Freiwilliger Tod.) Aus Gram über die andauernd sich verschlechternden Geschäfts» und Lebensverhältnisse hat sich ein hiesiger Friseur in seinem Keller erhängt. p Dossenheim, 17. Jan. (Sammlung für die Notgemeinschaft.) Dem Bürgermeisteramt wurde von der Firma Gebr. Leferenz für die Notgemeinschaft 50000 Mb. überwiesen. Davon entfallen auf die Sammlung der Arbeiterschaft der Finna 20350 Mk.; der Restbetrag von 29 650 Mk. stellte die Firma zur Verfügung. t Heilbvomr, 17. Fan. (Ein üblicher Zwischenfall.) Nach der Kundgebung auf dem Marktplatz gegen die Besetzung des Ruhrgebietes stimmten die Teilnehmer das Deutschlandlied an, worauf Jungkommunisten mit einem Gegengesang einsetzten. Es kam zu Handgreiflichkeiten, wobei die Kommunisten verprügelt wurden. Schutzleute trennten die streitenden Parteien und brachten einige der bedrohten und geschlagenen Jugendlichen in Schutzhast. t Karlsruhe, 16. Jan. (D i e b st a h l.) Aus einem Betrieb der Oststadt wurde ein vollständiger Flaschenzug und eine kleine eiserne Winde im Gesamtwert von 500000 Mark durch unbekannte Täter gestohlen. p Ettlingen, 16. Fan. (Folgenschwerer Streit.) Nach einem Fußballspiel kam es zwischen einigen Spielern zu einem Streit, in dessen Verlauf einer einen Reovlverschutz abgab und dabei einen Burschen im Unterleib lebensgesähr- lich verletzt«. Ein anderer Bursche erhielt einen Schuß in den Fuß. Die Kameraden des Angeschossenen stürzten sich auf den Revolverhelden und verprügelten ihn. d Berghaupten, 16. Jan. (Die Unsitte des tzoch- zeitschießens.) Trotzdem durch Spielen mit Waffen fast täglich Unglücksfälle Vorkommen, hat sich in einzelnen Gemeinden doch immer noch die Unsitte des Hochzeitsschießens erhalten. Hier leistete sich in der vergangenen Woche der 17 Jahre alte Adolf Lienhard dieses Vergnügen, indem er mit einem alten Böller vor der Einfriedigungsmauer der Kirche schoß. Bon den umherflieqenden Sprengstücken wurden die durch das Schießen Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. aufmerksam gemachten, in den nahen Wohnhäusern aus den Fenstern sehenden Leute nur wie durch ein Wunder nicht getroffen. Daß Lienhard sich den Unfug leistete, ist um so verwunderlicher, als bei gleicher Gelegenheit sowohl sein Vater als auch sein Bruder bereits früher einmal schwer verletzt worden sind. b Krozingen, 17. Jan. (Die explodierte Schnapsflasche.) In jdem Personenzug, der am 15. Jan. abends nach 10 Uhr von Basel kommend in Krozingen einlief, befand sich ein Reisender, der eine Flasche mit 30 Liter Schnaps mit sich fühtte. Die im Fuge herrschende Wärme brachte die Flasche unter heftigem Knall zum explodieren, so daß sich der Inhalt im ganzen Abteil herum ergoß. 1> Güuzberg, 16. Jan. (Ein „Sauglück") ist in einem Anwesen in der tzafengasse eingekehrt. Innerhalb einer Stunde brachten dort 2 Schwcinsmütter 28 gesunde Junge zur Welt. d Kappel (Wütttb.), 16. Jan. (Wilddiebe.) Die Gebr. Schmid in Satteldach wurden verhaftet und dem Gerscht übergeben. Sie haben sich Wilddiebereien auf verschiedene Arten zuschulden kommen lasten. p Kaiserslautern, 15. Jan. (Der Lehrfilm in der Schul e.) Der W«tt der Verwendung des Lichtbildes, des Films in der Schule wird immer mehr auch von dem Nichtfachmann anerkannt. Kaiserslautern ist mit seinem Schulkino vielen pfälzischen Städten und auch anderen vorausgeeilt. Auf die Auswahl des Lehrstoffes durch den Film wird besonders Wett gelegt. Zu diesem Zwecke wurde hier «ine Bezirks-Lichtbilder» stelle gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht ha), eine ausreichend« Sammlung von Stehfilmen und Lehrfilmen für die hiesigen Schulen und Bolksbildungsbestrebungen zu beschaffen. t Ernstweiler, 15. Jan. (Gräßlicher Tod.) Im Neuwerk der Maschinenfabrik Lanz-Wery war der 20jährige Schlosser Hermann Heintz auf eine Lester gestiegen, um an einem Ofenrohr etwas nachzusehen. Plötzlich wurde er im Rücken von der Transmission erfaßt, mehreremale mit voller Wucht herumgeschleudert und dabei gegen einen eisernen Träger gedrückt so daß der Bedauernswerte beim Abstellen der Transmission bereits tot war. Der Körper war von zahlreichen schweren Wunden bedeckt. _ ' Freitag, den 19. Januar 1923. Geistige Handarbeiter Beispiele zeigen besser als lange Erörterungen, wie die Not unter den geistigen Arbeitern um sich greift. Immer größer wird die Zahl derer, die bereit sind, jede Handarbeit zu übernehmen, da sie wissen, daß sie mit dieser häufig west besser ihren Lebensunterhalt verdienen können, als mit schlecht entlohnter geistiger Arbeit. Nicht von den Werk- studenten soll die Rede sein? die in allen möglichen Berufen aushilfsweise tätig sind, um sich die Mittel für ihr weiteres Studium zu sichern, sondern von geistigen Arbeitern, die nach Abschluß ihrer Studien den Lebensunterhalt in dem von ihnen gewählten Berufe nicht finden. Schwer drückt vor allem die Not auf die jüngeren Aerzte und Rechtsanwälte. Eine größere Baufirma in München suchte durch Anzeige einen Ausgeher. Unter den zahlreichen Bewerbern meldtten sich auch zwei Rechtsanwälte. Sie konnten nicht genommen werden, weil ihre Körperlichen Kräfte den gestellten Anforderungen nicht genügten. Es wird weiter mitgeteilt, daß ein 70jähriger Rechtsanwalt in Kliniken als Beispiel für typische Erscheinungen vorgezeigt wird, die sich aus lange dauernder Unterernährung erheben. Jerufskollegen Haben, als sie von dem Fall Kenntnis erhielten, eine Sammlung veranstaltet und das Ergebnis mit 100000 Mark dem Bedauernswerten überwiesen. Auch Richter griffen hilsteich - mit einer Sammlung ein. Verschiedene Aerzte haben sich um Beschäftigung bei Kanalbauten umgesehen. Ein Arzt ist bei einer Bäckerei als Semmelzähler tätig, ein anderer hat sich auf die Anfertigung von Spielwaren verlegt. Zahlreich sind, wie den Münchener N. N. berichtet wird, die Fälle, in denen Aerzte und Rechtsanwälte durch Uebernahme stundenweiser Nebenbeschäftigung sich «inen Zuschuß in ihrem unzulänglichen Berufseinkommen zu verdienen suchen. Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, 21. Januar. 4. Sonntag nach Weihnachten^ i/ 2 lv Uhr: Hauptgottesdienst. Dekan Eisen. 1/211 Uhr: Christenlehre Dekan Eisen. Kindergottesdienst fällt aus. Donnerstag» den 25. Januar. 8 Uhr: Wochengottesdienst Stadtvikar Meerwein. SruntlDlksiierliaHllmg. Am Montag, den 22. Januar 1S2S» nachm. 4 Uhr läßt Anna Spranz im Rathause dahier nachgenannte Grundstücke auf 6 Jahre öffentlich verpachten. 23 Ar Ackerland im Gewann „Rad" 50 „ .. „Daisbacher Weg" 18 „ „ „ „ „Alte Waibstadter Straße" 18 „ „ „Hasenlaus" . 19 „ Wiese „ „ „Breite Seite". Sinsheim, den 18. Januar 1923. Bürgermeisteramt. S i d l e r. Götz. Bekanntmachung. In den Gemeinden der Notariatsbezirke I und ll werden tm Jahre 1923 folgende Grundbuchtage abgehalten: RotariatSbezirl l. in Dühre« nachmittags 1/24 Uhr, in Sichtersheim vormittags 1 / 2 IO Uhr am 1. und 3. Montag im Monat, jedoch statt am 2. am 4. April, statt am 21. am 24. Mai; in Eschelbach am 2. und 4. Dienstag im Monat, vormittags 1 / 2 IO Uhr, jedoch statt am 25. am 28. Dezember: in Hoffenheim nachmittags 3 Uhr und Zuzenhausen vormittags 9 Uhr am 1. und 3. Donnerstag im Monat, jedoch statt am 1. am 3. November: in Michelfeld- vormittags 1 / 2 IO Uhr am 2. und 4. Samstag im Monat: in Waldangelloch am 1. Freitag im Monat, vormittags 1 / 2 IO Uhr, in Sinsheim jeden Mittwoch nachm. 3 Uhr. Rotariatsbezirk ll. Babftadt nachmittags 21/4 Uhr, in Rappenau vormittags 10 Uhr am 1. und 3. Dienstag im Monat: in Daisbach vorm. 10 Uhr am 3. Freitag im Monat: in Grombach vorm. 93/4 Uhr am 1. Samstag im Monat: in Mrchardt vorm. 101/2 Uhr am 2. und 4. Montag im Monat: in Reihen nachm. 1 Uhr am 2. und 4. Donnerstag im Monat, jedoch statt am 10. am 8. Mai; in Rohr, bach nachm. 2 Uhr, in SteinSfnrt vorm. 91/2 Uhr am 1. und 3. Donnerstug im Monat, jedoch statt am 1. am 5. November; in Hilsbach vorm. 91/2 Uhr, in Weiler nachm. 2 Uhr am 2. und 4. Freitag im Monat. Soweit die Zeit reicht, sind die Gr'undbuchtage zugleich Amtstage des Notariats. Sinsheim, den 10. Januar 1923. Notariat l und ll. Nutzholz-Bersteigerung des ForstamtS Odenheim im Engel in Odenheim 1 / 2 IO Uhr vormittags beginnend am Dienstag, de» 23. Januar d. I. aus Distrikt II Großer Wald (Dienstbezirke der Forstwarte Hoffmann in Waldangelloch und Erlewein in Eichelberg): 20 Eichen 11—V. 25 Buchen 11—IV, 6 Ulmen Iil—VI, 13 Ahorn IV/V, 11 Eschen IV/V, 4 Akazien IV/VI, 75 Fichtenstämme III/VI, 4 eschene Wagnerstangen, 178 Baustangen, 210 Hagstangen und Baumpfähle, 950 Hopfenstangen. 3770 Rechtecken, 1500 Bohnenstecken. Barzahlung innerhalb 4 Wochen ohne Rabattabzug. Listenauszüge werden nicht geliefert. Wimpfen. Nutzholzverkauf. Montag, den 5. und Dienstag, den 6. Februar, je vormittags 0 Uhr anfangend, kommen im Forstwald, Distrikt Haidenrain gegen sofortige Barzahlung zur Versteigerung: 41 Eichstämme l., ll. und III. Klaffe — 59 Festmeter 68 Eichstämme IV.—VI. Klaffe - 41 Festmeter 12 Buchstämme I —III. „ — 23 „ 34 Hainbuchenst. III.—VI. „ — 18 „ 23 Ulmen re. — 13 „ 155 Fichtenstämme II.—V. „ =87 „ 192 Fichtenstangen — 7 „ 6 Rmtr. Hainbuchen- und 2 Rmtr. eiche Nutzscheiter. Zusammenkunft an beiden Tagen im ForsthauS. Auszüge sind durch Forstwart Schick in Helmhof, Post Neckarbischofsheim, zu beziehen. Wimpfen, den 16. Januar 1923. Hessische Bürgermeisterei Wimpfen. Sailer. ( Schreibmaschine«-Platz- und Bezirksvertretnngen » für erstklassige Schreibmaschinen an kapitalkräftige Herren I und Firmen zu vergeben. I Bruno Lauge, Büromaschinengroßhdlg.. Karlsruhe-Mühlburg I Ru die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme anläßlich der Krankheit und des Hinscheidens unseres nun in Gott ruhenden lieben Vaters namentlich auch für die vielen Kranzspenden und Begleitung zur letzten Ruhestätte sagen wir Allen auf diesem Wege herzlichen Dank. Besonderen Dank der Direktion und den Schwestern der Kreis-Pflegeanstalt für die liebevolle Pflege, Herrn Buchdruckereibesitzer Becker und den Herren Kollegen für die ehrenden Worte am Grabe. Sinsheim, den 19. Januar 1923. Die trauernden Hinterbliebenen. äfptfdtede!' ADLER MARGARINE-WERK AG FRANKFkftf A General-Depot: Gebrüder Ziegler, Sinsheim. Jagd - Verpachtung. Die Evang. Stiftschaffnei Sinsheim a. E. versteigert am Montag, den 29. 3annar ds. 3s. nachmittags 3 Uhr im Rathaus zu Einsheim die Ausübung der Jagd in dem kirchenärarischen Walddistttkt Linsenstein auf Gemarkung Sinsheim mit 1643472 da für 1. Februar 1923 bis mit 31. Januar 1929. ' Die Bedingungen liegen in den Diensträumen der Stiftschaffnei zur Einsicht aus. _ kurzem ^ v / Kochen ^ /biütenweiße^ / Wäsche. ^ £ Oh»« Chlor. S £ Henkel & Lie d / Düsseldorf ^ Wir geben Verzeichnisse unseres Antiquariatslagers nicht heraus. Durch die Ersparnis der hohen Druckkosten find wir Deshalb in der Lage für ganze Bibliotheken und einzelne Bücher Höhere Preife anzulegen. Antiquar kommt auch nach auswärts. Sangs! & Schmitt (M. Freihen) Abt. Antiquariat, Heidelberg, Anlage 5. Prächtiges Etaar erzeugt Dp. Bufleb’s Birkenwasser. Zu hab. bei : A. Engel, Engel-Drog. Gold- § Sund SitoergepständeJ 8 E* kaufen zu höchsten Tages- preisen I ® Bühler & Bauer I H Edelmetall, Schmelz- und .j Scheideanstalt [ Heidelberg, Ziegelgasse 21. Email- und Gursheröe in allen Größen Xock- und HimmerSfen jfaushaltungs - Gegenstände und Eisenwaren aller Art Sämtl. elektr. Bedarfsartikel ßlühlampen jeder Spannung Kaufen Sie vorteilhaft und gut der Heinr. Bender Flaschnermeister in Mlchelfeld Hauptstraße, geg. dem Schwanen- Arbeiterschuhe neu und getrag., Arbeitshosen in großer Auswahl, blaue Arbeitsanzüge, Anzüge f. 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