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Im Steuerausschuß des Reichstages sprach sich Reichsbankpräsident Havenstein für die Wiederherstellung des Bankgeheimnisses aus. ★ Eine Versammlung der Bürgermeister des Amtsbezirks Offenburq in Gengenbach hat eine Protestkundgebung gegen die Besetzung des Bezirksamts beschlossen. Französische Politik. kl Frankreich hat das Abenteuer an der Ruhr aus langer Hand vorbereitet. Jahrelang wurde der deutsche Erfüllungswille sabotiert. Der von Rathenau geschlossene Wiesbadener Vertrag, nach dem wir z. B. 25 000 Holzhäuser zum Wiederaufbau anboten, wurde nicht ausgenutzt. Rur 196 Häuser wurden abgenommen. Das Angebot der deutschen Gewerkschaften, mit deutschen Arbeitern aufzubauen, wurde abgelehnt. Das Anerbieten der Regierung Wirth, statt der fehlenden Mengen deutscher Kohle englische Kohle zu liefern, überhaupt nicht beantwortet. Die Verfehlungen in den Kohlenlieferungen künstlich herbeigeführt, durch Beanstandung und Rücksendung der Qualität Und der Sorten. Diese Schikanen haben sich gerade in den letzten Monaten außerordentlich gehäuft. Sachverständige behaupten, nur dadurch seien die „Verfehlungen" überhaupt zustande gekommen. Die Höhe der gesamten Verfehlung betrug 27 Millionen Goldmark, d. i. \% Prozent der Iahreszahlung 1922 von 1600 Goldmillionen. Frankreich wollte die Verfehlungen und der beste deutsche Wille scheiterte an dieser Sabotage. Herrn Poincare liegt garnichts daran, Hütten aufzubauen, er hat ganz andere Pläne. Mit der Beherrschung des Ruhrbezirkes wäre Frankreich die größte Industriemacht. Da es größt« Militärmacht bereits ist, könnte Frankreich dann getrost daran gehen, wie zu Napoleons Zeiten seine Vorherrschaft in Europa, ja in der ganzen Welt aufzurichten. Der belgische Diplomat Greindl bemerkt hierzu bereits im Jahre 1907: „Jedesmal, wenn Frankreich sich im Laufe der Geschichte stark genug dazu fühlte, hat es den Versuch gemacht, sich die Vorherrschaft über die ganze Welt anzumaßen." Bisher allerdings ist der Mißerfolg Poincares katastrophal. An dem geschlossene« Widerstand der Unternehmer, Arbeiter und Beamten im Ruhrbezirk, die die Unterstützung des deutschen Volkes hinter sich wissen, zerschellen die Raubpläne. Der Erfolg für Frankreich ist bisher folgender; Stillegung der französischen Eisenindustrie wegen Kohlenmangel, Stillegung der Eisenerzgruben, Boykott französischer Waren durch Deutschland und infolge dieser wirtschaftlichen Schläge Entwertung des französischen Franken um ein ganzes Viertel seines Wertes vom 11. Januar 1923. Das bedeutet für Frankreich Arbeitslosigkeit und Teuerung. Herr Poinacre wird recht bald einen schweren Stand seinen politischen Gegnern gegenüber haben, Diese werden ihn aber nicht eher stürzen, als bis fein Mißerfolg gänzlich besiegelt ist. Ja die französische Vaterlandsliebe ist so groß, daß sich französische Sozialisten und Demokraten bemühen, durch Beeinflussung von Gewerkschaftlern im Ruhrgcbiet eine Nieüerkige Frankreichs zu verhindern. Während in Deutschland leider die Parteileidenschaft sehr oft den Blick für das Wohl des Vaterlandes verdunkelt, steht dieses für jeden Franzosen in erster Linie. Das deutsche Volk wird sich diesmal aber durch keine Lockungen irre machen lassen. Einmal auf 14 Wilsonpunkte hereingefallen zu sein, genügt uns vollständig. Poincares Politik wird scheitern, wahrscheinlich wird er verschwinden und wird die Bahn frei werden zu Verhandlungen mit den gesamten Ententrstaaten, wenn der Ruhrbezirk geräumt ist. Französisches Eingeständnis Wer das wahr« Ziel der Rnhrbesetzung. z Am 8. Dezember 1922 erklärte der frühere französische Finanzminister Marsal in einem Vortrag: „Wenn Frankreich die Kohlen, Halbfertig- und Fertigwaren des Ruhrbezirks kontrolliert, besteuert und nach Maßgabe seiner Interessen verteilt, hat es die Möglichkeit, die ganze Industrie Deutschlands bis zur Werkstätte leben oder verblute» z« lassen und durch Entziehung gewisser Düngemittel, Phosphate. Stickstoff von Oppau, selbst die Landwirtschaft zu beeinflussen." Es sind also rein wirtschastsinperialistische Ziele, die Frankreich verfolgt, sowie sie das „Comite des Forges", die Zusammenfassung der französischen Stahlindustrie,' die schon lange vor Kriegsausbruch ihr Augenmerk auf das Ruhrgebiet richtete, erstrebte, wie sie Loucheur umriß, als er während der Auferlegung des Friedensdiktates von Versailles die Besetzung des Saargebiets, Essens und Westfalens Orderte, um Deutsch- |*nb wirtschaftlich vernichten zu können, und wie sie schließ- M Poincare selber am 1. April 1921 in einem Artikel in „Revue des deux mondes" enthüllte." Freitag, den 23. Februar 1923. Poincare in Wut. Paris, 20. Febr. Am gestrigen Tage ist es zu einer bezeichnet«,, Szene gekommen, als Poincare wie gewöhnlich beim Verlassen des Quai d'Orsay di« Fournalisten empfing. Die „Oeuvre" erklärt, er habe nichts sagen wollen, die Journalisten aber hätten ihm von seinen Erklärungen gesprochen, worauf er mit einem Zorn, den er nicht zu verbergen versucht habe, geantwortet habe: „Woher wissen Sie das?" — „Aber die Kommission" habe man ihm geantwortet, worauf Poincare erwidert habe: „Ah, wenn «s so ist, werde ich nicht mehr dorthin zurückkehren. Es war doch abgemacht, daß außerhalb des Kommuniques nichts gesagt werden sollte!" Als Poincare erfahren habe, daß man sogar die Zahl der Eisenbahner und der ab- transportierten Kohlenmengen genannt habe, habe er gerufen: „Diese Ziffern sind falsch! Ich habe keine Ziffern mttgeteilt." Darauf sei er in sein Auto gestiegen und habe im Zorn den Journalisten den Rücken gekehrt. Unbefridigende Ergebnisse für Frankreich. Paris. 22. Febr. Philipp Mittet vom Petst Parisien ist in Essen eingetroffen und berichtet seinem Blatte, daß in diesem Augenblick nicht der Eindruck bestehe, als ob Deutschland nachgeben wolle. Der Widerstand habe besonders seit der Reise des Reichskanzlers in das Ruhrgebiet zugenommen. Beamte, Unternehmer, Arbeiter, Kaufleute, patriotische Bereinigungen jedermann stehe auf dem Standpunkt, daß der Gegner boykottiert werden müsse. Deutschland wolle beweisen, daß die Gewalt auf wirtschaftlichem Gebiete ohnmächtig sei und daß die von Frankreich angewandten militärischen Zwangsmaßnahmen nur das französische Budget belaste» und daß der Frankenkurs mit dem Markkurs solidarisch sei. Mittet glaubt, die deutsche Absicht gehe dahin, durch Sabotageakte die Franzosen zu provozieren (das Gegenteil ist der Fall. Red.) um dadurch die Meinung der übrigen Welt gegen Frankreich aufzubringen. In den Industriewerken werde weiter gearbeitet wie gewöhnlich. Die Blockade der Industrieprodukte mache sich noch nicht bemerkbar. Die Ingenieure der Mission Loste glaubten, daß die getroffenen Maßnahmen erst nach sehr langer Zeit ihre Wirkung zeigen würden. Man spreche nicht etwa von Wochen, sondern von Monaten, in denen Deutschland kapitulieren müßte. Der stockende Wiedemufbau in Nordfmnkreich. Berlin, 22 . Febr. Im Haushaltsausschuß des Reichstags erklärte der Staatssekretär des Wiederaufbauministeriums Dr. Mütter auf die Frage des deutsch-nationalen Abgeordneten Wienbeck, wie es mit dem Aufbau der zerstörten Gebiete in Frankreich stehe, daß leider ein Stillstand in dem angestrebten Wiederaufbau «ingetreten fei. aber nicht durch unsere Schuld. Die Tätigkeit des Reichskommissars müßt« sich deshalb auf die Erledigung der Sachlieferungsverträge und deren finanziellen Durchführung beschränken. Aber auch diese nach dem Wiesbadener und Gillet-Abkommen abgeschlossene» Lieferungen, die in gutem Gange gewesen seien, mußten nach dem rechtswidrigen Einbruch in das Ruhrgebiet für Frankreich und Belgien sistiert werden. Die Lieferungen nach Italien, Rumänien, Serbien und Griechenland gehen aber weiter. Ein neuer Befehl Degonttes. Essen, 22. Febr. General Degoutte hat einen Befehl erlassen, wonach deutschen Ministern der Aufenthalt im besetzten Gebiet verboten ist. Die Polizeiorganr und die öffentlichen Organ« sind angewiesen worden, Minister, dir das Einbruchs- grbiet betreten. festznnLhmen und den Militärgerichten der Besatzungstruppen zuzuführen. (!!) Falls dies nicht geschieht, werden die angedrohten Sanktionen (Bestrafung der Städte und Ortschaften) durchgeführt. * Wir haben bei der ersten französischen Mitteilung über das Einreiseverbot bereits betont, daß es sich dabei um einen Rechtsbruch handelt. Besonders bezeichnend ist nun die Methode, mit der dem Befehl Geltung verschafft werden soll. Selbst scheut man sich, vor der Welt die Verantwortung zu übernehmen, die Festnahme eines deutschen. Ministers zu bewirken, Hie übrigens dann folgerichtig ja auch einmal den Reichspräsidenten treffen könnte. Man fordert also die Festnahme durch die deutschen Behörden. Deutsche Polizeiorgane sollen also im Aufträge der fremden Eindringlinge ihre eigenen Minister verhaften, um sie der Aburteilung durch dies« zuzuführen. Da man sich aber klar darüber ist, daß deutsche Behörden selbstverständlich derartiges nie tun würden, so wendet man «in Mittel an, das an mittelalterliche Zustände «riimert. Wenn nämlich die deutschen Behörden dem Befehl nicht Folge leisten, so sollen die besuchten Städte mit den angedroht«» Sanktionen (hohe Geldstrafen usw.) belegt werden! Wenn eine Steigerung des Rechtsbruches ,der durch den ersten „Befehl" in dieser Sache erfolgte, möglich ist, so ist sie jetzt eingetreten. Abzug d«r Franzosen aus Geilenkirchen. GelsenkirchrN, 21. Febr. Heute vormittag sind die französischen Truppen aus der Stadt abgerückt. Der Eisenbahnverkehr wurde wieder ausgenommen, ebenso versehen die Postbeamten wieder ihren Dienst. Die Schutzpolizei ist wieder in den Sicherheitsdienst «ingetreten. Heute vormittag hatte Stadtbaurat Arend mir General Schüler eine Besprechung, in der der General in einer kurzen Aussprache erklärte, daß die französischen Truppen Gelsenkirchen verlassen würden, da dir 100 Milionlen Mark Buße zusammengebracht worden seien. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus 83 Millionen Mark Stadtgeld und 17 Millionen Mark Gelder von der Eisenbahn. Baurat Arend erhob nochmals schärfsten Protest gegen die Eingriffe der Franzosen in die Kassen der Behörden. General Schüler nahm den Protest zur Kenntnis. Das von 84. Jahrgang der französischen Besatzung von der Stadt Gelsenkirchen beschlagnahmte Notgeld des Handelskammerbezirks Bochum, Gelsenkirchen. Hattingen, Hern« und Witten war brrüts ringelöst und sollte nicht mehr in den Verkehr gebracht werden, Bor Annahme dieses Geldes wird gewarnt. „Der Brückenkopf «-hl". Der „Frkf. Ztg." wird geschrieben: Gegenüber dem Borwand der Franzosen bei dem Einbruch bis Offenburg darf man sich an die Rede von Marschall Fach erinnern, di« er am 6. Mai 1919 in der Vollversammlung der Friedenskonferenz hielt. Marschall Foch erhob die schwersten Bedenken wegen der völlig ungenügenden militärischen Sicherungen. Wir heben nur den Abschnitt über die Lage bei Kehl heraus. Foch sagte: „Im Kapitel 14 wird auch, glaube ich, vom Brückenkopf Kehl gesprochen. In Wirklichkeit handelt es sich dort nicht um einen richtigen Brückenkopf. Beweis dafür ist, daß wir auf diesem Gelände nicht die Schutzzone haben, die 30-Kilometer-Zone, die wir überall sonst haben, eine Zone, die berechnet ist nach der Tragweite der Kanonen und die notwendig ist, damit wir ohne Hindernis aufmarschieren können, wenn die Deutschen willens wären, die Offensive wieder auszunehmen. Die FortS auf dem rechten Rheinnfer bilden die eigentliche Verteidigung des Platzes Sttaßburg. Eie gehören zu ihm und können nicht von ihm abgetrennt werden. Sie den Deutschen zurückgeben, hieße so viel, wie ihnen die Hälfte von Straßburg jzurückgeben. Die Forts von Etraßburg bilden einen integrierenden Bestandteil des Platzes. Also auch in diesem Punkte würde «och eine Retusche nötig sein." Es scheint, daß Marschall Foch nun die Zeit gekommen sieht, um den Bettrag von Versailles vom Gesichtspunkt der militättschen Sicherheit Frankreichs aus zu retuschieren". Protest der Bürgermeister des Amtsbezirks Offenburg. Die am 20. Februar in Gengenbach versammelten Bürgermeister des Amtsbezirks Offenburg haben einstimmig folgende Protestkundgebung beschlössest: „Die heute in Genqenbach versammelten Bürgermeister des Amtsbezirks Offenburg erheben schärfsten Protest gegen die durch die Franzosen erfolgte gewaltsame Besetzung des Bezirksamtes, gegen die Schließung des Amts und die Borenthaltung seiner Akten. Ganz besonders protestieren sie gegen di« Verhaftung und Ausweisung der Beamten und erklär«», daß diese als deutsche Beamte nur ihre Pflicht getan haben. Sie erblicken in der Schließung des Bezirksamtes eine dauernde schwere Schädigung aller Bevölkerungsklassen des ganzen Amtsbezirks, insbesondere der Sozialbedürftigen, die keinen anderen Zweck haben kann als Unordnung zu schaffen und die Bevölkerung zu quälen und zu schikanieren. Gemeiner Diebstahl. Mannheim, 21. Febr. Ein neues französisches Piratcn- stück wird erst jetzt bekannt, darnach haben di« Franzosen in Mannheim am 16. Februar den leeren, unbewac^en Kahn „Hedwig" und am 17. Februar den Kahn „Klara" die im offenen Neckar lagen, beschlagnahmt und weggeschleppt. Der Kahn „Hedwig" ist ein Gesellschaftskahn und in Oberhauscn beheimatet. Er war besetzt von dem Schiffer Walldorf von Hirschhorn. Zur Zeit der Kaperung befand sich niemand auf dem Kahn. Eigentümer des Kahnes „Klara" ist der Schiffer Gg. Ebling von Nierstein, der samt dem übrigen Schtffs- personal mitgenommen wurde. Es handelt sich hier um einen nackten Raub von Privateigentum und um «inen neuen, empörenden Gewaltakt gegen Privatpersonen. Der Borsall ist umso unerhörter, als er sich auf unbesetztem Gebiet der rechten Rheinseite abspielt«. i Amerika als Zuschauer. Paris, 21. Febr. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Washington lagen dort gestern nachmittag Nachrichten vor, denen zufolg« England di« Absicht hätte, Amerika um einen gemeinsamen Interventionsversuch mit ihm im Ruhrgebiet zu ersuchen. Bon amtlicher Seite sei die Nutzlosigkeit eines Vermittlungsversuches betont worden, da keine Aussicht auf Erfolg bestehe. Es sei darauf hingewiesen worden, daß eine verfrühte Bemühung Amerikas es für die Zukunst unmöglich machen würde, sich mit Nutzen an einer Vermittlung zu beteiligen. In den Bereinigten Staaten sei man der Auffassung, daß Frankreich auf eigene Berantwortung handle und daß jeder amerikanische Vermittlungsversuch für Frankreich unannehmbar sein müßte. All« Nachrichten wiesen darauf hin, daß ein amerikanisches Angebot in diesem Sinne bei Poincare eine unerfreuliche Auftmhme finden würde. Amrttka fordert 268 Millionen Dollars Besa-nngskostr». Newyork, 22. Febr. Ein Bettreter der amerikanischen Regierung befindet sich auf dem Wege nach Paris, um den Alliierten ins Gedächtnis zurückzurustn, daß Amerika einen Anspruch auf 265 Millionen Dollars für die Kosten der Besatzung in Deutschland hat. Londons Angst vor der Wahrhüt. London. 21. Febr. Ministerpräsident Bonar Law teilt« auf eine Anfrage im Unterhaus« mit, daß in anbetmcht der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten an dem Perlrag von Versailles nicht teilgenommen hätten, es für die britische Regierung nicht richttg sein würde, mit Amerika darüber zu verhandeln, ob die französische Aktion im Ruhrgebiet mit dem Vertrag von Versailles übereinstimme oder nicht. Di« Vergleiche mit 1871. Berlin, 21. Febr. Nach einem Auszug des „Bcrl. Tagbl." aus dem demnächst erscheinenden und sorgfältig auf Akten aufgebauten Werk über die deutsche Besetzung Frankreichs in den Fahren 1870/73. bie30y 2 Monate dauerte, beliefen sich die von Frankreich zu tragenden Besatzungskosten insgesamt auf 340 737 500 Franken, wovon 293 684 254 Franken auf die Verpflegung der deutschen Truppen entfielen, weil Frankreich den Besatzungstruppen nur eine einfache Unterkunft zu ge- Rr. 23. Jahrgang 1923. Der Lanübote ^ Sinsheimer Zeitung. Freitag, den 23. Februar 1923. währen hatte. Demgegenüber kosten zwei Monate der gegenwärtigen Rheinlandsbesetzung 395 048 986 Goldfranken, also über 54 Millionen Goldfranken mehr als die ganze Besetzung Frankreichs von 1870/73 gekostet hat. Si« ekeln sich immer noch nicht. Ist das ein Soldatenhandwerk, das seine Tanks unA» Bajonette in die Reihen wehrloser Frauen und Kinder führt? — Ist das ein Soldatenhandwerk, das treue Männer in Gefängnisse wirft, und friedliche Arbeiter mit der Rettpeitsche zu Paaren treibt? — Ist das ein Soldatenhandwerk, das sich «in Fest des Bauches gibt und vom Tische eines armen Volkes den letzten Bissen stiehlt? — Ist das ein Soldatenhandwerk, das eine Narrenkappe über sich stülpt und seine ganze Zeit und Kraft mit heldischen Aufzügen und Pfauengebärden vertut? Ist das noch ein Soldatenhandwerk? Nein: Das ist ein Schinderberuf. Ekeln sie sich noch nicht vor diesem Beruf, diese Welschen, die sich zu Sklavenfürsten aufschwingen wollen in einem freien Lande? — Ueber die rauchenden Schlote im Ruhrgebiet flog ein Geierheer, von ihren Flügeln tropft Plut. Und wie di« Körner im Stundenglas verrinnen, so wird auch ihr Flug vorbei sein. Denn vor ihren Bajonetten liegt, die Finger in die Heimaterde gekrallt, ein Volk, das sich von einem Schinder nimmermehr in die Pfanne hauen läßt. Max Iungnickel. Der „koche" Hilferding aus dem Hotel verwiese»! Eine eigenartige Illustration zu der völkerversöhnenden Kraft der Internationale wird in der französischen Presse ver- breftet. In Lille hat der Besitzer des „Hotel Moderne" Herrn Hilferding, der als deutscher Deputierter zu dem Sozialisten- kongreß erschienen war, mit der Begründung hinausgeworfen: „Ich will keinen „boche" bei mir. Das ist eine patriotische Selbstverständlichkeit!" Alle Bemühungen, den Wirt zu erweichen blieben fruchtlos! Als Herr Hilferding daraufhin um feine Rechnung bat, erhielt er die Antwort: „14 Francs"! „Nur 14 Francs" sagte er. „Bei uns beutet man nicht so aus wie in Deutschland, wo ein Franzose für ein Zimmer im Werte von 20 Francs den wucherischen Preis von 60 Francs bezahlen muß!" War die stolze Antwort des würdigen Enkels des großen Vercingetorix! Was will man mehr? Nationale Würde mit Stolz und Hochmut gepaart! Echt französisch! Wo aber bleibt die Internationale? Di« Offensive mit Mm Cognac-Pulver. Im „Matin" klagt Louis Forest beweglich über einen neuen deutschen Ueberfall auf Frankreich. Und zwar ist wieder einmal die deutsche Chemie der Uebeltäter. In Amerika, dem Lande des Alkoholverbots, wird, nach der Meldung des „Matin" ein Getränk mit Hilfe von Cognac-Pulver fabriziert! Das fei kein Scherz, sondern in amerikanischen Zeitungen könne man Proteste dagegen lesen, daß deutsche Chemiker in Reklameschreiben Burgunder und Bordeaux-Weine oder Cognac anpreisen, die in Pulferform versandt würden. „Es handelt sich um eine neu« deutsche Offensive", schreibt der Verfasser. „Es ist nicht zum Lachen! Die Zerstörung des Weltruhms unserer Weine bedeutet eine Gefahr für uns! Man kann sich nicht wundern, wenn in den Bereinigten Staaten die Cognac- Trinker, in Erregung über das Alkoholverbot und als Abscheu gegen den Pulver-Cognac jetzt Aether, Fusel und Haarspiritus trinken!" — Wir befürchten, daß auch Louis Forest erhebliche Quantitäten Fusel und Haarspiritus zu sich genommen hat. Delcasf« gestorb««. y Nizza. 22. Febr. Der frühere französische Minister des Aeußern. Delcasf«, ist plichlich gestorben. * Delcasse hat in der sogenannten Einkreisungspolitik gegen Deutschland eine wichtig« Rolle gespielt; besonders in der sogenannten Marokkokrise wurde sein Name viel genannt. Im August 1914 hat er das Amt des Ministers für auswärtige Angelegenheiten übernommen, im Oktober 1915 trat er zurück, und zog sich, offenbar verärgert, ins Privatleben zurück. Ein« Weltschuldenkonfvrenz? Loads«. 21. Febr. Der Washingtoner Berichterstatter der Westminster Gazette will von maßgebender Seite erfahren haben, baß die amerikanische Regierung nach Regelnd der britischen Schuld «ine Wrltschuldenkonferenz plane. Hughes habe auf feine Reife nach Südamerika verzichtet, um den Boden für eine solche Konferenz vorzubereiten. Er wünsche, daß dieser Plan geheim bleib«, um die vollständige amerikanische Isolierung hervorzuheben, und man sei der Ansicht, daß die Einladung zu dieser Konferenz infolgedessen umsomehr Gewicht haben werde. Dies sei der Grund der Opposition der Regierung gegen den Plan des Senators Borah, unverzüglich «ine Konferenz einzuberufen. Bor einer neuen Dergewattigung im Osten. rr Artikel 28 des Versailler Friedensoertrages bestimmt, daß die Grenze zwischen Deutschland und Polen auf die Mitte der tzauptschiffahrtsrinne der Weichsel zu legen ist. Trotz dieser klaren Bestimmung hat der Botschafterrat vor längerer Zeit einen vorläufigen Beschluß gefaßt, und die Grenze nicht in der Mitte der Schiffahrtsrinne, sondern auf das östliche Ufer der Weichsel gelegt und außerdem noch fünf auf dem östlichen Ufer liegende deutsche Dörfer zu Polen geschlagen. Die deutsche Regierung hat sofort Protest gegen diese Entscheidung erhoben. Daraufhin wurde die deutsche und die polnische Regierung aufgefordert, sich in der Grenzregulierungsfrage auf dem Wege freiwilliger Vereinbarungen zu einigen. Diese von Deutschland versuchte Einigung ist an dem Starrsinn der Polen gescheitert. In den nächsten Tagen will nun der Botschafterrat die endgültige Entscheidung treffen. Deutschland muß fordern, daß die klaren Bestimmungen des Fricdensvertrages eingehalten, der Provinz Ostpreußen der Zugang zur Weichsel erhalten und die Schiffahrtsrinne auf der Weichsel als Grenze zwischen Deutschland und Polen bestimmt wird. Französisch-Polnisches. Berlin, 22. Febr. Wie der Schw. Merk, von unterrichteter Seite erfahren hat, soll kürzlich in Warschau eine polnische; Geheimsitzung unter Vorsitz des Staatspräsidenten stattgefunden haben, an der außer polnischen Politikern auch französische Diplomaten und Offiziere teilnahmen. In dieser Sitzung kamen französische Geheimnoten zur Sprache, in denen Polen aufgefordert war, seinem Bündnisversprechen gegenüber Frankreich mit Bezug auf Deutschland durch Beteiligung an den „Sank- Es geht um Deutschland! Wir müssen den Brüdern an der Front Hilfe leisten! Der Landbote nimmt Gabe« entgegen in seiner Geschäftsstelle und auf Postscheckkonto Karlsruhe Nr. SSvS. Unsere Sammlung ergab bis jetzt 1101989 Mark. Für das Ruhrgebiet sind weiter eingegangen von: T. Sinsheim Ml. 5000, Emil Ziegler sooo, A. R. Sinsheim 6000, „Gut Wetter" Sinsheim 7. Rate 65 oo, Gemeinde Epfenbach 35 500 , Frau Forstmeister Marte Loesch, Wtw. Bamberg 3 ovo, I. Wertheimer 2 ooo. tionen" nachzukommen. Polen hatte auf diese Noten geantwortet, daß es aus inner- und außerpolitischen Gründen (Rußland und Memelland) zunächst nicht im Stande sei, den Wünschen Frankreich zu entsprechen. Nachdem Frankreich nunmehr Polen einen Kredit unter dem Deckmantel einer Eisenbahnanleihe in Höhe von 400 Mill. Fr. bewilligte, soll Polen sich mit den Forderungen Frankreichs einverstanden erklärt haben und in die Besetzung von Danzig und Ostpreußen durch irreguläre Truppen eingewilligt haben. Die Stärke der für Danzig und Ostpreußen zu' verwendenden Organisationen wird mit 40000 beziffert. Di« militärische Leitung soll vom Generalstab in Warschau aus erfolgen, die Ausrüstung Frankreich liefern. Ein Eingreifen Polens für Frankreichs Belange gewinnt auch dadurch an Wahrscheinlichkeit, daß in letzter Zeit von unparteiischen Beobachtern 6 Verbände irregulärer Truppen festgestellt werden konnten: 1. Hallerverband, 2. Sokolverband, 3. oberschlesische Insurgentenorganisation zur Landesverteidigung, 5. Organisation Roewo (polnische Faszisten), 6. Stelzowverband. Bon polnischer Seite werden allerdings alle Sanktionsabsichten Polens als mittlerweile erledigt bezeichnet. Die deutsche 3dee. Reichskanzler Cuno über dir französischen Ziel«. Preßburg. 20. Febr. Reichskanzler Dr. Cuno erklärte einem Vertreter des „Preßburger Lloyd," das Zi«l der ftanzüsischrn Politik sei. die Schaffung einer Rheingrenze und die politische Auflösung des Deutschen Reiches herbeizuführen. Deutschland sei nichts destoweniger seines durch die Anwendung des passiven Widerstandes zu erwartenden Erfolges sicher. Es wolle indessen diesen seinen Sieg nicht so gedeutet wissen, als ob es sich dann der Mitarbeit an dem Wiederaufbau Europas entziehen wollte. Deutschland verstehe unter seinem Siege vielmehr, daß der Militarismus und der Imperialismus, wie ihn das heutige Frankreich verkörpere, in seine Schranken zurückgewiesen werden müsse und daß das deutsche Bolk*ihm nicht geopfert werden dürfe. „In diesem Sinn glauben wir heute", so fuhr der Reichskanzler fort, „für eine große Idee zu Kämpfen, deren Sieg nicht nur dem Deutschen Reich und dem deutschen Volke sondern auch den anderen Ländern unjd Völkern zu Gute kommen wird, die in friedlicher Arbeit der Menschheit dienen wollen. Deutschland und das deutsche Volk haben heute kein größeres Verlangen, als daß ihnen das Recht auf ungestörte Arbeit, auf Frieden und ei» menschliches Dasein gewährt wird." Minister Luther zur Ruhrfrage. Im Ostastatischen Verein Hamburg sprach Reichsernährungs- minister Luther über die Ruhrfrage. Bor den zahlreichen Deutschen aus Ostasien drückte der Minister zunächst den Dank der Reichsregierung für die großzügige Ruhrhilfe aller Ausländsdeutschen aus. ’ Der bisherige Oberbürgermeister von Essen schilderte dann die Bedeutung dch Ruhrgebiets mit dessen Besitz Frankreich sieben Zehntel der Kohlenförderung des Kontinents in der Hand haben würde. Es sei jedoch unmöglich, daß diese fein- gliedrige Gebilde, dieses Land der unendlich verschlungenen Organisationen jemals von einem Fremdling werde geleitet oder beherrscht werden können und daß die Franzosen sich auch nur in dem Eisenbahnnetz des Bezirkes würden zurechtfinden können. Unvorstellbar sei es aber auch, daß Deutschland von Rheinland-Westfalen abgetrennt werden soll. „Wenn wir uns auch für eine Weile mit englischer Kohle behelfen können, so müssen wir auf die Dauer selbstverständlich die Ruhrkohle haben." Deshalb heiße es: tua res agitur. Es ist ein eigener Kampf, der von den wackeren Männern an der Ruhr ausge- fochten wird. Das tua res agitur gehe sogar gegenüber den Franzosen und Belgiern; wenn es ihnen gelänge, das Gebiet sich anzueignen, so wäre es ihr eigenes Unglück, weil damit die deutsche Wirtschaftskraft völlig vernichtet würde. An der Ruhr werde auch «zn das Auslandsdeutschtum gekämpft denn nur wenn unser deutsches Geschäftsleben wieder zu lebendiger Entfaltung komme, gebe es in Zukunft deutsche Kultur und nur dann können auch die Ausländsdeutschen ihr Deutschtum erhalten. Schließlich werde an der Ruhr um die Aufrechterhaltung der Ordnung und des Lebens der ganzen Welt gekämpft. „Wenn jetzt Frankreich feinste Rechtsbeziehungen zerstöre und entgegen allem Völkerrecht nicht gegen den Staat, sondern gegen die Bevölkerung Krieg führe, wenn etwa in Gelsenkirchen die Franzosen und Belgier den Passanten das Geld aus der Tasche nehmen, so vernichten sie damit jedes Rechtsbewußtsein, sie geben «in Beispiel der Rechtsv«rachtung, von dem niemand weiß, wohin es überspringt und wer das Wegnehmen nachmachen wird." Der Reichsernährungsminister gab schließlich der Ueber- zeugung Ausdruck, daß im Ruhrgebiet, wo der Arbeiter viel enger als anderswo sich mit seiner Arbeitsstätte verknüpft fühl« und wo der Gegensatz zu Stadt und Lanh nicht bestehe, ein neues Zusammenleben der Menschheit im Werden sei, das die Gefahr eines Unterganges zu überwinden vermöge. Wenn cs freilich den Franzosen gelänge, jetzt aus den Arbeitern des Ruhrgebietes Kohlen- und Hüttensklaven zu machen, so werde das wirklich der Auftakt zum Untergang des Abendlandes fein. Das mögen sich auch- im Auslande alle die vor Augen halten, die da meinen, es sei wohl nicht so schlimm an der Ruhr. Der Minister forderte die Inlands- und Auslands-Deutschen auf, weiter zu helfen, daß di« Deiche des passive!? Widerstandes an Tausendfältig Anglück. Roman von H. Hill. 54) Nachdruck verbot«». „Belcher ist mit seiner Flasche fertig und will ein« zweite," rief er dem jungen Mädchen zu. „Unglücklicherweise hätte sein unstillbarer Dufft einen Besuch Antonios in der Kajüte mit sich gebracht, die bereits in unserer Domäne liegt, und das konnte ich nicht gestatten. Welch ein Glück, Fräulein Chilmark, daß unser liebenswürdiger Schiffsherr nicht auf den Gedanken kam. eine Pistol« bei sich zu tragen; wäre dies der Fall gewesen, so hätte sich meine Wache lebhafter gestaltet und wäre kein Ruheposten gewesen." Als das Dampfschiff tiefer in den Solent eindrang, wurde das Wetter für den Augenblick ihr ärgster Feind. S>e hatten Wind und Wogen gegen sich, und das aste Handelsschiff mußte einige unangenehme Augenblicke ausstehen; es war nach zwölf Uhr. als sie die Mündung von Southampton Water pas- fierten, und nun ereignete sich etwas Unerwartetes. Herzog bewahrte immer noch dieselbe Stellung an der Ecke des Berschlages. hielt die Pistole in der Hand, und sein Blick richtete sich gespannt auf das Vorderteil des Schiffes, das Ianet nicht sehen konnte. Sie selbst beobachtete ungeduldig di« Inselufer und überlegte, wie langsam sie vorbeizuziehen schienen, als «ine Jacht, die unweit West Lowes verankert lag, ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war ein hübscher Scho"«, der mit Dampfkraft betrieben wurde, und es schien ihr. als wäre «s eine von jenen Jachten, die sie vor vierzehn Tagen in Totland gesehen hatte. Um das Schiff noch einmal zu betrachten, nachdem sie es passiert hatten, wandte sie ihre Augen zurück und dabei trafen sie auf einen Anblick, der ihr einen warnenden Schrei entlockte. ' Zwei der ausländischen Halsabschneider des „Nachtschatten" schstchen um die Eck« des hinteren Radkastens; sie waren mit langen Messern bewaffnet und augenscheinlich im Begriff, Her- zog von rückwärts anzufallen. Als rr sich bei Ianets Aufschrei umwandte, machten st« einen Ausfall, aber diese rasche Wendung hatte für seine prompte Hand und für sein« Geistesgegenwart genügt; zwei Schüsse drangen in rascher Aufeinanderfolge aus seinem Revolver, und die beiden Schufte brachen schwer verwundet zusammen. „Ich danke Ihnen, Fräulein Chilmark; ich kann mir keine schneidigere Gehilfin wünschen," sagte Herzog, wandte sich um und bewachte die Brücke aufs neue. Zu Ianets Ueberraschung erfolgte wieder ein Aufblitzen seines Revolvers und zugleich ein Wut- und Schmerzgeheul. „Recht so, Belcher! Eine kleine Wunde in der Wade wird Sie nicht umbringen!" rief Herzog. „Das ist nur ein kleiner Denkzettel, damit Sie sich nicht wieder dazu verleiten lassen, mir Ihre reizenden Leut« auf den Hals zu schicken und 'mich von hinten angreifen zu lassen. Wenn das noch einmal vorkommt, so werde ich Ihnen die Missetat ebenso anrechnen wie diesen Leuten." Bei diesen Wort«» ließ er drei stische Patronen in den rauchenden Zylinder gleiten und wandte sein breitlächelnches Gesicht gegen Ianet. „Ich zähme sie schon nach und nach, aber ich fürchte, daß ich meine Pläne ändern muß, und werde es riskieren, in Totland mit Ihnen ans Ufer zu gehen. Bei diesen gespannten Beziehungen zwischen dem guten Belcher und mir dürfte eine Reise nach Barzelona nicht zu den Annehmlichkeiten gehören." „Aber," sagte Ianet, „wenn Arthur wieder eingefangen ist und seine Geschichte erzählt hat, in der Sie als Doktor Barrables Vorkommen, würde man Sie wohl als feinen ehemaligen Begleiter erkennen und verhaften — nicht wahr?" „Das meine liebe junge Dame, ist ein« Gefahr, der ich mich aussetzen muß," erwiderte Herzog. „Ich betrachte sie als eine geringere, als eine Reise nach Spanien mit dem ehrenwerten Herrn dort anzutreten, der sich jetzt eben arch der Brücke sei» Bein verbindet und der mich wahrscheinlich ermorden würde, ausgenommen, ich könnte es während zehn Tage ohne Schlaf aus- hasten. Nein, ich ziehe es vor, an Land zu gehen, und hoffe, Herzog, der Agent- der Regierung, wird nicht gar zu schnell mit Dr. Barrables identifiziert werden." Seine Wort« waren für Ianet beruhigend. — nicht nur, was Rivington anbelangte, sondern auch, weil sie nicht umhin konnte, sich für diesen seltsamen Menschen zu interessieren, der so unerwarteterweise erschienen war, um ihr im letzten Stadium ihrer verzweifelten Reise beizustehen. Trotz seiner munter vertraulichen Miene war er doch so zurückhaltend, daß sie nicht erraten konnte, ob er wirklich an der Verschwörung gegen Lord Alphington beteiligt war und.die Absicht gehabt hatte, diese ihrem schrecklichen Ende zuzuführen. Denn sie mußte an seine bedeutsamen Worte denken: „Ich glaube nicht, daß der Premierminister jemals in wirklicher Gefahr war." Sie sah -in fein fleischiges Gesicht mit den seltsamen Fallen um den Mund, die gleichzeitig die Möglichkeit von Grausamkeit und Zärtlichkeit anzudeuten schienen. Sie klammerte sich an das Geländer, denn der Dampfer schaukelte jetzt heftig; aber der dicke, ältliche Mann, der seine Pistole krampfhaft erhoben hielt, erhielt sich auf dem unsicheren Boden anscheinend ohne Anstrengung im Gleichgewicht. Er hatte über ein Dutzend Zigarren geraucht, seit sie in ihrer Derschanzung lagen. „Verlassen Si« gar keine Verwandten, wenn Sie von England sortgehen?" Ein plötzlicher Impuls veranlaßte sie zu dieser Frage. Gerade in diesem Augenblickte veranlaßte ihn irgend etwas auf der Brücke, seinen Revolver fester zu fassen; aber der Zwischenfall ging vorüber, und er warf ihr einen Blick voll fast väterlicher Güte zu. „Nein, erwiderte er, „es braucht mir um niemanden leid zu sein, was auch geschieht. Ich hatte einmal'— «me junge Frau, die ich unendlich liebte. Fräulein Chilmark. Ich mußt« ihr Leben retten, indem ich si« nach Madeira schickte — und um dies tun zu können, beging ich den Diebstahl..., wozu beschönigende Worte suchen? ... der mich in die Sklaverei Sir Gideon Mars- kes brachte. Meine Frau starb, und ich wurde das widerwillige Werkzeug eines Mannes, der ein größerer Schurke war. als irgend einer von jenen, die Stellung und Macht für ihre eigenen Zwecke ausnutzten." Dies war die erste und letzte von Herzogs vertraulichen Aeußerungen über seine eigene Person. Nr. 23. Jahrgang 1923. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 23. Februar 1923. der Ruhr aufgebaut und geftftigt werden. „Wenn das ganze Volk mithilft, dann dürfen wir an der Ueberzeugung festhalten daß die Waffen dieser Sturmflut «inmal umkehren werden? Die Rede des Reichsernährungsministers wurde mit außer ordentlich starkem Beifall ausgenommen. Wüste kommunistische Agitation. Der Reichswehrmintfter gegen die Kriegstreiberei. Berlin, 22. Febr. In der heutigen Reichstagssitzung er Warte der Kommunist Bartz vor Eintritt in die Tagesordnung in der „Roten Fahne" werde behauptet, daß im Wehrministerium «joe Sitzung stattgefunden habe, an der Reichskanzler Dr Euno, Reichswehrminister Geßler, die sozialdemokratischen Minister Brauns und Severing sowie di« Ministerpräsidenten teilgenommen hätten. In dieser Sitzung sei der Ausbau der Orgesch behandelt worden. Diese solle auf eine breitere Grund läge gestellt werden und es sollen ihr die Waffenlager geöffnet werden. General v. Seeckt habe gefordert, daß sich auch die Zivilbehörden auf eine Mobilmachung vorbereiten. (Lachen rechts- großer Lärm bei den Kommunisten.) Wenn diese ungeheuerlichen Tatsachen auch nur zum Teil wahr seien, (Zu rufe der Bayer. Volkspartei: tobender Lärm bei den Kommunisten, die erregt, mit geballten Fäusten nach der Mitte zudringen) dann müßte die Regierung erklären, daß sie von diesen Dingen abrückt. (Große Unruhe; Rufe rechts: „Hochverräter!"; großer Lärm bei den Kommunisten; Schlußrufe im ganzen Hause.) Darauf antwortete der Reichswehrminister Dr. Geßler: In der „Roten Fahne" ist ein Artikel unter der Ueberfchrist „Seeckt rüstet zum Bürgerkrieg" Ich habe hierzu zu erklären, daß dieser Artikel nach Form und Inhalt unwahr und von Anfang bis Ende erfunden ist. (Lärm, „Hört, Hört!" — Rufe und Beifall; Zurufe rechts: „also alles schändliche Lügen!"; Lärm der Kommunisten.) Für mich ist maßgebend di« Politik des Reichskanzlers, Wer sich gegen diese Politik wendet, gegen den wird aufs schärffte vorgegangen werden. (Beifall.) Ucber den ungeheuren Ernst der Lage dürfen wir uns allerdings keinem Zweifel hingeben. Aber von einem Volk, das täglich mißhandelt wird, können Sie nicht verlangen, daß es in allen Teilen nüchtern und verständig ist. Bei nüchterner Ueberlegung werden wir allerdings zu demselben Resultat kommen: Ein deutscher Angriff wäre doch verrückt! („Sehr richtig!" links.) Aber es gibt in Deutschland sehr viele Verrückt«, (Zustimmung und Heiterkeit.) Es ist nicht der Sinn des Versailler Vertrags, daß wir wehrlos in einem Krieg mit bis an di« Zähne bewaffnetest Völkern liegen und uns jedem Schlage ducken müssen. Das erträgt kein Volk Volk auf die Dauer. (Beifall.) Wir sind bereit, an der neuen Weltordnung mitzuarbeiten, aber der Versailler Vertrag muß auch von der ganzen Welt erfüllt werden Bayern und die Reichspolittk. München, 21. Febr. Der bayerische Ministerpräsident, der am Montag zu einer Aussprache mit der Reichsregierung in -Berlin weilte, ist hierher zurückgekehrt. Zu seinen Besprechungen mit dem Reichskanzler schreibt die Bayrisch volksparteiliche Korrespondenz, daß dieselben einen befriedigenden Verlauf genommen haben. Der Ministerpräsident habe dabei die bayerische Auffassung über die äußere Politik dargelegt, vor allem in den Punkten, die Bayern unmittelbar berühren Die enge Fühlungnahme der bayerischen Regierung mit der Reichsregierung und das Vertrauensverhältnis, das zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten und dem Reichskanzler bestehe, übten «inen sichtbaren außerordentlich günstigen Einfluß auf die gesamte innere Politik aus. Bayern lieferte gleichzeitig auch damit den Beweis, daß es ihm nicht um Opposition um jeden Preis zu tun, sondern daß ihm di« Rolle eines aufrichtigen Mitarbeiters an den Reichsangelegenheiten bedeutend sympathischer sei. Es gehöre zu den Verdiensten des Reichskanzlers Dr. Euno, daß er von Beginn seiner Amtszeit an in voller Erkenntnis der innerpolitischen Realitäten nach dem Grundsatz handelt, daß die gedeihliche Führung der Politik des Reiches keine Spannung zwischen der Reichsleitung und dem zweitgrößten deutschen Bundesstaat vertragen könne. In der übergroßen Mehrheit des bayerischen Volkes werde der Reichskanzler, wenn «r den befchrittenen Weg in der Außen- und Innenpolitik konsequent und mutig weiter geht, jederzeit einen treuen Bundesgenossen für seine Politik haben. Die Weltmeinung. Den Lesern dürfte in Erinnerung sein, daß kürzlich bei einer sinnlosen brutalen Schießerei der Franzosen in Düsseldorf ein kleines Mädchen erschossen wurde. Die Untat war im Berl. Lok.-Anz. u. a. auch in dem Sinne besprochen worden, wie das Ausland auf sie reagieren müßt«. Darauf bezieht sich der folgende Brief, den ein Deutscher in Rom dem Verfasser geschrieben hat: „Sie würden Hunderttausenden im Ausland aus dem Herzen sprechen — wenn man im Ausland überhaupt etwas »an jenem Düsseldorfer Mädchen wüßte!! Sie gehen leider von unzu treffenden Voraussetzungen aus und kommm dadurch zu unger rechten Schlüffen. Ja, Sie tun dem Ausland unrecht. Verzeihen Sie, aber es ist so. Damit das Weltgewissen sich regen kann, -muß es doch vorher geweckt werden. Aber das Ausland hat nur gehört, daß einem französischen Korporal «nzlücklicher- wrtse beim Fall das Gewehr losgegangen ist und der Schutz «in Kind getroffen habe. Die stanzöfischen Behörden haben daraufhin sofort Blumen in das Trauerhaus geschickt, ihre Entschuldigung vorgebracht, sich zur Erstattung aller Kosten bereit erklärt usw. Das haben wir vernommen, nichts anderes. Unter „wir" meine ich all«, die keine deutschen Zeitungen lesen. Es scheint Ihnen nicht bekannt zu sein, daß Frankreich drauf und dran ist. für seinen neuen Krieg die Weltmeinung auf seine Seite zu bringen, wie es ihm 1914 gelungen ist. Sk wissen vielleicht nicht,' daß es andererseits eine der ersten Taten der Republik war, den deutschen Vertretern im Ausland jede Propaganda zu verbieten. Das recht sich nun." Kohlenreservrtt. Berlin. 21. Febr. Wie der Lok.-Anz. erfährt, ist es in den letzten Wochen gelungen, «ine nicht unbeträchtliche Kohlenreserve anzulegen. Die ist möglich gewesen durch die Einfuhr englischer Kohle und auch dadurch, daß die vor der Ruhrbesetzung für Frankreich und Belgien bestimmte Reparationskohle fast völlig nach dem Innern Deutschlands abgeführt werden konnte. Außerdem ist der Verbrauch der Betriebskohle durch Sparmaßnahmen und infolge der Erhöhung der Preise erheblich eingeschränkt worden. Di« innere Goldanlqihe. Berlin. 21. Febr. Der von uns gestern mitgeteilte Plan einer Goldanleihe findet ^: ) - „Boss. Ztg." eine günstig^ Aufnahme. Sie schreibt: „Wenn das Experiment, das hier zum erftenmale nach langem Zögern versucht wird, so gelingt, wie man hofft, so wird damit der Anfang einer inneren Sanierung des deutschem Geldwesens gemacht. Denn ganz von selbst werden sich an diesen Schritt des Reiches private Maßnahmen reihen, von denen ja in letzter Zeit so viel die Red« war. Die Möglichkeit, die die Goldanleihe für die Genossen schasten, Sparkassen und Banken bietet, ihren Geldwert be stäniüg anzulegen, wird es ihnen ermöglichen, Golddepositen und Goldsparkonten für das Publikum zu eröffnen und so wird man allmählich auf diesem Umwege wieder zu einer ver nünstigen Goldrechnung kommen, die sich letzten Endes wahr scheinlich auch bis auf die Löhne erstrecken wird. Das hindert nicht, daß die Papiermark als Zahlungsmittel neben der Goldmark (i/ 2 Dollar) als Rechnungseinheit bestehen bleibt. Das wird natürlich auch die Veränderungen des Wertverhältnisses zwischen Papiermark und Goldmark nicht vollständig verhüten. Aber die Möglichkeit, wieder mit einer Goldmark zu rechnen wird dem Wirtschaftsleben «ine gesteigerte Sicherheit bieten. Um das Bankgeheimnis. Berlin, 22. Februar. Der Steuerausschuß des Reichstags beschäftigte sich heute mit der Frage des Bankgeheimnisses" Reichspräsident Havenstein legte ausführlich dar, daß die Vor teile, Steuerhinterziehungen aufzudecken, weit überwogen würden durch die wirtschaftlichen Nachteile, welche die Auskunstspslicht der Banken mit sich gebracht habe. Er sprach sich für die völlige Wiederherstellung des Bankgeheimnisses aus. Staatssekretär Sack bestritt dagegen, daß die wirtschaftlichen Nachteile der Aus kunftspflicht der Banken noch als so groß angesehen werden könnten wie vorher. In der Debatte sprachen sich die Sozialdemokraten für die» Beibehaltung der Auskunftspflicht aus während sich die Redner sämtlicher übrigen Fraktionen mit Ausnahme des Zentrums, das keine Stellung nahm, den Ausführungen des Reichsbankpräsidenten für die Wiederherstellung des Bankgeheimnisses anschlossen. Keiner der bürgerlichen Redner wollte jedoch die Stellung seiner Fraktion bereits festlegen. Jeder Einzelne mutz Schntzbedürftige feines engeren Kreises betreuen. Man komme aber auch der Pflicht gegenüber der Allgemeinheit nach und gebe für die Notstandshilfe! Der Landbote nimmt Gaben entgegen in feiner Geschäftsstelle und auf Postscheckkonto Karlsruhe Nr. 6903. Unsere Sammlung ergab bis jetzt 14800 Mark. Die nachgenamiten Gemeinden des Amtsbezirks haben die beigesetzten Beträge gespendet: Adersbach Mk. Ivovo, Babstadt 14350, Bargen 10800, Bockschaft 10000, Daisbach 18660, Dühren 7170, Ehrstädt 8000, Epfenbach 14 80 b, Eschelbach II200, Eschelbronn 24510, Grombach 1000, Hafselbach 8b32, Helmftadt 15367, Hilsbach 22060, Hoffcnheim 32000, Kirchardt 0285, Mtchelseld 26000, Beidenftein 7071, Obergimpern 16467, Reichartshausen 2663, Rethen I457I, Rohrbach 4000, Stegelsbach 12 380, Sinsheim 301 657, Steinsfurt 0500, TreschMngen 2000, Untergimpern 1500, Waibftadt 35500, Waldaugelloch 5000, Weiler 3050, Wollenberg 1100, Zuzenhausen 14360. An Unterstützungen wurden bis jetzt 523 710 Mk. auSbezahü. Der demokratische Abgeordnete Dr. Fischer verlangte Auskunftspflicht der Banken für den Fall, daß ein so dringender Verdacht der Steuerhinterziehung vorliege, daß ein Strafverfahren einzuleiten sei. Die Abstimmung wurde ertagt. Baden. Aewderung des Bersorgungsgesetzes. Dem Reichsamt liegt gegenwärtig eine Novelle zur Ab änderung des Reichsversorgungsgefetzes vor, in der eine Abfindung der Kriegsbeschädigte!!» die bis zu 30 Prozent erwerbsgemindert find, vorgesehen ist. Die Auszahlung soll, wenn die Abänderung in Kraft getreten ist, binnen sechs MonatM erfolgen Sollte nach der Abfindung ein« Verschlimmerung des Leidens eintreten, dann wird eine Wiederaufnahme des Entschädigungs Verfahrens erfolgen. Ueber die Höhe der Abfindungsbezüge gehen die Meinungen zurzeit noch recht weit auseinander. So werden z. B. für die bis zu 20 Prozent Erwerbsgeminderten Abfindungssummen von 18000 bis 36 000 Mark genannt. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten wendet sich gegen den Vorschlag der Regierung und hat bereits «inen Gegenentwurf den Fraktionen des Reichstags zugehen Kissen. Der Reichsbund hat ferner in einer Petition dem Reichstag fein« Forderungen und Wünsche übermittelt. Er ist gegen die einmalig« Abfindung und verlangt die Heraufsetzung der Rentensätze sowie die Uebernghme verschiedener Bestimmungen des Wehrmachtversorgungsgesetzes, nach dem die Reichswehrangchöriaen besser gestellt werden als die nach den Bestimmungen der bestehenden Gesetze versorgten Kriegsbeschädigten. Staatspräsident Remmele in Berlin. Berlin. 21. Febr. Der badische Staatspräsident ist gestern in Berlin eingetroffen. Er hatte eine längere ausführliche Unterredung mit dem Reichskanzler über die politische Lage im badischen Einbruchsgebiet und im Ruhrgebiet. Aus Rah und' Fern. * Sinsheim, 22. Februar. (Die zwei Konzerte) am Samstag und Sonntag find nach Programm und Eintrittspreis durchaus volkstümlich. Niemand sollte versäumen, diese seltene Gelegenheit wahrzunehmen, ausgezeichnete Kunst zu hören. Man wird auch wieder einmal herzlich lachen dürfen. Ein voller Saal wird die Künstler ermuttgen. wiederzukommen. Die Veranstaltung am Sonntag ist so gelegt, daß auch den Bewohnern der Umgebung der Besuch ermöglicht ist. * Sinsheim, 23. Febr. (Postgebühren.) Am 1. März erhöhen sich bekanntlich die Postgebühren. In der heutigen Beilage mden unsere Leser die neuen Gebührensätze zum Ausschneiden und Ausbewahren. * SinShei«, 22. Februar. (Aufhebung des Frachturkundenstempels.) In dem Im Reichstag zur Beratung stehenden Entwurf eines Gesetzes über die Berückftchttgung der Geldentwertung ln den Steuergesetzen wird in Artikel 4 auch die Auf- Hebung des Frachturkundenstempels vorgeschlagen, da die Sätze .dieses Stempels wegen ihrer Geringfügigkeit zu der Geldentwertung und zu den gesteigetten Frachten außer Verhältnis stehen und der Frachtverkehr bereits durch die Beförderungssteuer nach dem Gesetz vom 8. April 1907 gettoffen wird. * SiuSheim, 22. Febr. (Saatkartoffel- und Saatgetreidebezug.) Infolge der Besetzung der badischen Hauptverkehrsader durch die Franzosen ist die Versorgung großer Teile unseres Landes mit Saatkattoffeln in diesem Frühjahr äußerst gefährdet. Damit nun die rechtzeitige Aussaat zur Sicherstellung der neuen Ernte wenn irgend möglich erfolgen kann, hat sich der Badische Bauernverein trotz aller bestehenden Gefahren entschlossen, den Saatkartoffelverkehr allerschnellstens aufzunehmen. In gleicher Weife ist die Zentralgenoffenschaft bemüht, die erforderlichen Mengen Saatgetreide hereinzuholen. X Neckarbischofsheim, 22. Februar. (Holzbeschaffung für Särge.) Die hiesige Gemeinde wird dem Beispiele anderer folgen und aus ihrem Waldbestand einige Tannen fällen lasten, die zu Sargbrettern geschnitten werden und gegebenenfalls an Minderbemittelte unentgeltlich abgegeben werden. Reckarbischofsheim, 22. Februar. (Mietpreise.) Der Gemeinderat genehmigte die nach dem Reichsmietegesetz vom Bezirksrat i» Vorschlag gebrachten „Großen Instandsetzungskosten" mit 425 Prozent. Dieser Beschluß hat Giltigkeit für sämtliche hiesigen Mietswohnungen. Es ist somit ab 1. Januar 1923 das 24 fache der Friedensmiete zu berechnen. cf Flinsbach. 21. Febr. (Die Glocke von 1490.) Die Gemeinde Flinsbach hatte im Kriege eine der ältesten badischen Kirchenglocken abgegeben. Kürzlich hat nun der Gemeinderat das Ersuchen um Bewilligung einer Staatsbeihilfe zur Anschaffung einer Glocke an den Landtag gestellt. In der Regierungsantwort wird ausgeführt, daß di« Gemeinde Flinsbach im Jahre 1917 an den Kommunalverband Sinsheim zwei Glocken abgeliefert, darunter eine Glocke aus dem Jahre 1490 mit Kunst- und Altertumswert. Nach der Ablieferung der letzteren Glocke stellte sich heraus, daß sie wegen ihres Kunftwertes von der Ablieferung zu befreien fei. Sie wurde demgemäß der früheren Eigentümerin vom Kommunalverband Sinsheim noch im Jahre 1917 zur Rückerwerbung an- geboten. Die Gemeinde Flinsbach hat jedoch auf die Wiedererwerbung ausdrücklich verzichtet. Auf Grund dessen kam der Ausschuß des Landtags zu dem Beschluß, nachdem der Gemeinde die Glocke wieder zur Verfügung gestellt war, sie dieselbe nicht angenommen hat und nachher die staatlichen Sammlungen die Glocke zu dem Metallwert rechtmäßig erworben haben, über das Gesuch zur Tagesordnung überzugehen. * Rappenau, 21. Febr. (Die Mütter-Abeende) in der Kinderschule haben trotz ihres kurzen Bestehens eine große Zugkraft. Von anfänglich 27 Teilnehmerinnen stieg die Besucherzahl auf 34, dann 47, jetzt über 60. Das ist ein Beweis dafür, daß die Abende anregend und infolgedessen beliebt sind. Das Kinderschulgeld, das seither 50 Pfg. im Monat betrug, mußte für jedes Kind im Monat auf 400 Mk. festgesetzt werden, was der heutigen Geldentwettung entspricht. p Eberbackr, 21. Febr. (Unglücksfall.) Als der 33jähr. Sohn des Schiffers und Kohlenhändlers Fr. W. Raab gestern Abend in Heilbronn fein Schiff beim Einbringen in den Hafen zum Entladen bemeistern wollte, drückte ihn dieses so hart an die " afenwand, daß er starb. Er wird umsomehr bedauert, als er amilie besitzt und lange in Kriegsgefangenschaft gehalten wurde. — Rutzloch, 21. Febr. (Beim Rodeln tödlich verunglückt.) Beim Rodeln der Kinder wurde eilt in der Nähe geführtes junges Pferd scheu und schlug in, dem Augenblick aus, als die siebenjährige Tochter des Maurers Adam Schweikett mit dem Schlitten vorbeifuhr. Das Kind wurde von dem Pferd so unglücklich an den Kopf getroffen, daß es sofort tot war. f ! Mannheim, 23. Febr. (Ins Schaufenster gefallen.) amstag abend kam ein Mann auf dem Gehweg R 1 so unglücklich zu Fall, daß er ins Schaufenster des Kaifer-Kaffeegefchäfts hineinfiel, wodurch die ganze Scheibe in Trümmer ging. Mit dem Schrecken und leichten Verletzungen an den Händen, die er ich in der nahegelegenen Apotheke verbinden ließ, kam der Mann davon. — Freiburg, 20. Febr. (Französische Neugier.) Die Franzosen haben die Automobile der Herren, die von der Konferenz mit dem Reichspräsident Ebert zurückkehrten, in Appenweier angehalten, um nach Ministern zu fahnden. In einem der Kraftwagen befand sich der Amtsvorsteher des Bezirksamts Freiburg, Geh. Regierungsrat Hoerft. Die Insassen des Kraftwagens wurden zur Feststellung ihrer Personalien einem deutschsprechenden französischen Offizier vorgeführt, der von Amtsvorstand Hoerft wifsen wollte, welches Ergebnis die Besprechung mit dem Reichspräsidenten gehabt hätte. Regierungsrat Hoerft lehnte jede Auskunft ab und verwies den Offizierr auf die Zeitungsmeldungen, womit sich dieser schließlich zufrieden geben mußte. p Oberrottweil b. Breisach. 19. Febr. (Fa st nachts st reit.) Am Fastnachtdienstag abend gerieten hiesige junge Leute in Streit, wobei einer der Beteiligten sein Leben laffen mußte. Er erhielt einen Schlag auf den Kopf und war sofort tot. Der Täter wurde verhaftet. p Konstanz, 20. Febr. (Verhaftung.) Die Polizei hat den Wanderapostel Häuser, der durch seine „Verlobung" mit der Tochter des Admirals von Pohl in der letzten Zeit wieder von sich reden machte und nach dem gefahndet wird, in dem Augenblick verhaftet, als er auf dem Hauptpostamt postlagernde Bttefe in Empfang nehmen wollte. Mit seinem nicht unbettächtlichen Troß mußte.« den Weg nach dem Gefängnis antreten. Amtliche Kurse wttgeleUl von der Bankstrma Baer 8- Elend, »»rlsrud«. 0/0 Kttegsanlrihe o/o Bad. Eifenb. Anl. 31 / 20/0 do. ronv. . . o/o Bayern. . . . o/o Wütttemberger . Mitteld. Creditbank Akt. — Allgem. El. Akt. .. 19 500 — Paketfahtt „ .. 46 500 150 Nordd. Lloyd „ . . 27400 200 Phönir .. 57000 160 Bad.Äulllnu.Sodo Akt. 41000 7800 Deutsche Kali-Akt. . . 55000 Devise Amerika-Dollar — tS 22 750.— „ Schweiz 1 Franc — Jt 4400.— „ Holland 1 Gulden — Jt 9180.— Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, 25. Februar. Sonntag ReminiScere. i/rlv Uhr: Gottesdienst (Kollekte). Stadsvikar Meerwein. 1 / 2 11 Uhr: Chttstenlehre. Dekan Eisen. 1 Uhr: Kindergottesdienst. Stadtvikar M«rwein. Donnerstag, den 1 . März. 8 Uhr: Wochengottesdienst Stadtvikar Meerwein. 3st der Küche sparen Hilst Maggis Würze. Vorteilhaftester Bezug is Ori-imtlffascheu Rr.8. tefegttxit «ich tri fffener Rische. f '! i-iü! r i Nr. 23. Jahrgang 1923. Der Landbore * Sinsheimer Zeivmg. Freitag, den 23. Februar 1923. - vom desseren Stand unserer Mark Rechnung tragend, = E habe ich meine Preise herabgesetzt. E E Nachstehend einige Proben meiner Preiswürdigkeit: E Braun Rindl. Herrn-Stfl. 38000.— mit geschlossener Lasche Braun Rindl. Frauen-Stfl. 29000.— „ „ Knaben-Stfl. 29000.— „ „ Frauen-Halbschuhe 27500.— Braun Rindl. Stiefel 31-35 22000. „ 27-30 20000. ff 1f ff „ Fahlled. „ Rindl. 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Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß heute Morgen 6 Uhr unsre liebe Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Katharina Brenner geh. Kreß nach längerem schmerzlichen Krankenlager sanft entschlafen ist. Der Trauerzug stellt sich am Eingang des Dorfes Haus Nr. 193 auf. Bon Beileidsbesuchen wolle man Abstand nehmen. Ittlingen, den 22. Februar 1923. Um sttlle Teilnahme bitten: Wilhelm Brenner, z. Mühle Familie «reuuer. z. Mühle „ Heikel, Baden-Baden „ Fix, Heidelberg. Die Beerdigung findet am Samstag mittag 1 Uhr statt. Yereinsbank Sinsheim (vormals Vorschuß-Verein) e. G. m. b. HL in Sinsheim Gegründet 1868 Postscheckkonto Karlsruhe Nr. 276 Fernruf 9 von m. b. 5. sr Huf[tellung und Prüfung von Bilanzen, — — — Steuerberatung, Vermögensverwaltungen, — 9 ~ Brandungen, Bücheranlage, Immobilien- “ und ßypothehenverkehr, Beratungen in — 8 8 allen verwandten Gebieten. 8 8 » EE Büro Raifer[tra|je 1 part. telephon Rr. 75. S — Banhhonto: Darmftädter- u. 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Jahrgang 1923. __ Die „Regelung des Driedeusvertrages-. dz Wie die französische Presse den Raub des Ruhrgebiets darstellt, zeigt schon die Überschrift 'ines Attkels im „Temps". der den Raubzug als „Regelung des Friedens. Vertrages" bezeichnet. Man versucht also die Fiktion oufr-cht zu erhalten, daß die durch nichts gerechtfertigte Besetzung des deutschen Kohlenzentrums eine Ausführung des Vertrages von Versailles bedeute und in ihm rechtlich begründet ist. Wie di« „friedliche Besatzung" aussieht, wird freilich von der französischen Regierung selbst in eine eigenartige Beleuchtung durch die Tatsache gerückt, daß die Bericht« über das Fottschreiten der Aktion vom Kriegsministerium herausgegeben werden, worin sich der militärische, kriegerische Charakter der Besetzung deutlich wiederspieqelt. Fm übrigen herrscht in der Presse Frank- reichs selbst köine Klarheit, ob es sich um eine Sanktion oder um Psandnahmen oder um beides handelt. „Sanktionen oder Pfänder?", Lberschreibt der „Temps" «inen Aufsatz, indem überdies das bemerkenswerte Eingeständnis enthalten ist, daß man sich auf Seiten der Alliierten selbst nicht einig ist, unter welchen dieser Gesichtspunkte das französisch-belgische Vorgehen gegen Deutschland zu betrachten ist. Der „Temps" hofft, daß es gelingen würde, wenigstens unter den französischen, belgischen und italienischen Delegierten der Reparatwnskommission eine Einigkeit zu erzielen, die bis heute noch nicht vorhanden ist, da man sich weder über die Dauer des Deutschland zu gewährenden Moratoriums noch picht einig ist noch über die zu ergreifenden Pfänder. Die italienische Delegation sei auf Mussolinis Londoner Plan zurückgekommen, der lediglich ökonomische Pfänder vorsehe, die wesentlich geringer seien, als die von Poincare geforderten, und die Teilnahme Italiens an der Ruhrbesetzung beschränke sich nur auf die Emsendung zweier Ingmieure in das Kohlenrevier. Auch an der Notifizierung der Besetzungsmaßnahmen in Berlin Hab« sich Italien nicht seinen Alliierten angeschlossen, woraus sich erkläre, daß die deutsche Regierung ihren Botschafter in Rom gelassen habe im Gegensatz zu der Abberufung ihres Vertreters in Paris und Brüssel. So klingt überall nur schlecht verhehlte Sorge aus den Pressestimmen unserer Feinde, man fühft wohl, daß man eine ungeheure Dummheit gemacht hat. deren Folgen für Frankreich unabsehbar werden können. Deswegen bemüht sich die Presse auch, die Stimmung und Lage im Ruhrgebiet als absolut ruhig und sicher erscheinen zu lassen. „Alles ist ruhig an der Ruhr" überschreibt der „Petit Journal" seine Nachrichten über die Besetzung. In der zweiten Ueberschrist wird allerdings die Ankündigung eines Generalstreiks zum Protest zugegeben. Und selbstverständlich greift das Blatt einen willkommenen Artikel der „Roten Fahne" auf, in dem diese „deutsche Zeitung ihre übliche Hetzmelodie gegen das deutsche Bürgertum anstimmt, das sich dem fremden Imperialismus verkauft habe, und dieses Bürgertum und nicht Frankreich als den Feind bezeichnet. Wenig' wollen dazu allerdings die Meljd- ungen auf der selber! Seft« über das Vorgehen gegen die eigenen französischen Kommunisten stimmen, das man mit der Aufforderung zum Widerstand des Kommunistenführers Cachin an die deutschen Arbeiter begründet. Demnach ist nach Auffassung der Kommunisten Frankreichs der Feind Deutschland, das den Frieden gefährdet, also doch Frankreich und nicht das deutsche Bürgertum, wie die „Rote Fahne" schreibt! Die Gegenmaßnahmen der deutschen Regierung versucht man als möglichst nichtssagend hinzustellen, „Versuch eines passiven Widerstandes" überschreibt „Le petit Journal" seine Meldungen von der Haftung der deutschen Regierung in der Ruhrstage und gleichzeitig druckt die Zeitung ein paar tschecho-slowakische Presse- stimmen ab, die davon sprechen, „daß sich jede Sabotage gegen Deutschland selbst kehren würde." Die Meldung von dem Fortgang des Kohlensyndikats und der anderen Syndikate wird ohne Kommentar notiert — anscheinend ist das der empfindlichste Punkt Frankreichs — andererseits äußert sich der Temps in längeren Ausführungen zu der Haltung Englands, von der er schreibt, daß sie durch zwei große gegeneinander laufende Strömungen bestimmt werde, nämlich einmal der Einfluß Amerikas, der sich in der Richtung geltend mache, England solle dem amerikanischen Beispiel folgend auch sein« Truppen aus dem Rheinland zurückrufen, und andererseits die unausrottbaren freundschaftlichen Gefühle des englischen Volkes gegen Frankreich, den Verbündeten des großen Krieges. Natürlich wird die erste Bewegung als unbedeutend hingestellt und der Freundschaft für Frankreich der ei^lische Sieg prophezeit. Alles in Allem, man erkennt den Versuch der fraiHösischen Presse, den ganzen Raubzug in einem möglichst harmlosen Licht zu zeigen und den glücklichen Ausgang des gewagten Unternehmens als sicher hinzustellen, und man liest doch zwischen den Zeilen und aus der ganzen Art dieser einseitigen, tendenziösen Berichterstattung die Nervosität und Sorge der führenden Blätter Frankreichs um das Ende der so leichtsinnig begonnenen Aktion. Für Deutschland kann hier nur der Beweis gefunden werden, daß die bisher feste Haftung des deutschen Volkes und seiner Regierung das einzige richtige bedeutet, daß der Weg, den wir beschritten haben, den Enderfolg verheißt. Um Kohle und Eisen! Und willst Du nicht mein Bruder sein, So schlag' ich Dir den Schädel ein! Unser Bruder zwar will der Franzose keineswegs sein, denn wir sind ihm ja nur ekelhaste Boches. Dennoch strebt er eine Interessengemeinschaft an — natürlich eine solche, „wie er sie versteht" —. und als diese begreiflicherweise abgelehnt wurde, da hob er wütend den Kolben und versucht«, uns nun den Schädel einzuschlagen — im Ruhrgebiet. Es steht in der Tat fest, daß noch ganz unmittelbar vor der Ruhrbesetzung wiederholt von seiten der stanzösischen Schwerindustrie Angebote an deutsche Konzerne gerichtet worden sind, die auf di« Herstellung von Interessengemeinschaften, Kapitalbeteiligungen durch Erwerb von Aktienpaketen usw. hinausliefen. Diese sind gescheiter^ Also, — heraus mft den Revolvern! Jetzt geht es auf Tod und Leben. Wenn wir nun nicht feststehen und einig bleiben, aller Parteizerrissenheit zum Trotz, dann sind wir verloren und für immer in den Klauen einen rachsüchtigen u. prvfitgierigen Feindes Höchst lehrreich und zum besseren Verständnis der ungeheuerlichen Vorgänge an der Ruhr durchaus geeignet, ist der unlängst im „Rheinischen Beobachter" veröffentlichte Geheimbericht des Vorsitzenden der stanzösischen Finanzkommission Adrieu Dariac über den Pfandwert der deutschen Ruhrinjdusttie. Hier wird eine Annäherung der französischen an die deutschen Interessen propagiert, allerdings unter der kleinen Voraussetzung, daß — „seine (nämlich Deutschland) Produktionsmittel dauernd unserer (nämlich Frankreichs!) Kontrolle unterstellt bleiben". In seinen noch in den Einzelheiten sehr beachtenswerten Ausführungen legt Dariac dar, daß die französische Eisenindusttie nicht ohne den deutschen Koks leben kann. Inwieweit diese Behauptung Der Landbore * Sinsheimer Zeitung. des stanzösischen Sachverständigen zutrifst, beweist die Tatsache, daß sich die Einstellung der Kohlenlieferung berests in der nachteiligsten Weife in der französisch-lothringischen Eisenindustrie auswirkte. Dort wurden — wie Iournee Industrielle" aus Paris beridtfet« — wegen Mangels an Ruhrkohle Tag für Tag neue Hochöfen ausgeblasen. Bald werden nur noch wenige Hochöfen in Betrieb sein, die mft nordfranzösischem, tschechoslowakischem oder englischem Koks geheizt werden können. So ist der Kampf zwischen französischem Erz und deutscher Kohle seiner Entscheidung nahegekommen. Eine freie, jeder Politik fern- liegende Interessengemeinschaft würde gewiß beiden Parteien große Vorteile bringen. Dies« aber können wir keinesfalls ein- gehen, unter den ständigen Drohungen mit dem Bajonette, wie sie di« stanzösischen Chauvinisten Poincares bisher beliebten. „Orientieren" wir uns unter dem Druck der Macht französischer Waffen nach Frankreich hin, deratt, wie Herr Dariac es in feinem Geheimbericht vorschlägt, so sind wir selbst bald dauerndem Siechtum und wirtschaftlicher Verelendung ausgeliefert. Es bleibt uns clso nichts anderes übrig, als jetzt die Zähne austinanderzubeißen und unsere Nerven zu behalten. Was hat Deutschland bisher geleistet? (vom 11. November 1918 bis 30. September 1922). rz lieber die Höhe der finanziellen und sachlichen Leistungen Deutschlands durch Ausführung des Friedensvertrages bestehen vielfach sehr unklare Vorstellungen, im Inland sowohl wie im Ausland. Es ist bekannt, wie insbesondere in denjenigen Ländern, deren Regierungen ihre macht- und wirtschastspolitischen Ziele hinter Absichtlichen Verfehlungen" Deutschlands in der Reparationsfrage zu verstecken suchen, die Legende Verbreitung und Glauben findet, Deutschland habe seit Kriegsende wenig oder so gut wie nichts geleistet. Eine lügnerische und hetzerische Propaganda beutet diese Legende neuerdings in der skrupellosesten Weise aus, und es ist deshalb von Wert, gerade in diesem Augenblick einmal eine Zusammenstellung zu bringen, die einen genauen Ueberblick über die tatsächliche Höhe der deutschen Leistungen und Lieferungen jeglicher Art gemäß dem Friedensvertrag, seinen Vorverttägen und zusätzlichen Abkommen für die Zeit vom 11. November 1918 bis 30. September 1922 gewährt. Es sollen dabei in runden Ziffern nur die wesentlichen Leistungen wiedergegeben werden. Aber gerade sie geben, aneinandergereiht, eine Anschauung von den riesigen Summen, Unsere PlWlMenten bitten wir, die Bezugserneuernng für März heule schon beim Postamt oder f Briefträger vorzunehmen, damit die Zustellung keine Unterbrechung erleidtt. die der deutschen Volkswirtschaft für Reparationszwecke entzogen sind. -! ■[.[ i Deutschland hat in dem angegebenen Zeitraum geleistet: Reichs- und Staatseigentum in den abgetretenen Gebieten (einschl. Oberschlesien) rd. 5,6 Goldmilliarden Saargruben. „1,0 „ Nichtmtlitärische Rücklaßgüter (Westfront) 1,9 Rollendes Eisenbahnmaterial u. Rheindrücken „ 2,3 „ Seeschiffe und Binnenschiffe .6,0 „ Kohlen und Koks (Weltmarktpreis) . . „ 2,3 .. „ Liquidiertes deutsches Eigentum im Ausland „ 11,7 Abgetret. Forderungen des Deutschen Reiches an seine ehemaligen Kriegsverbündeten „ 8,6 „ Barzahlungen einschl. Ausgleichszahlungen „ 2,7 „ Sonst. Leistungen und Lieferungen jegl. Art „ 3,5 _ „ Deutschlands Gesamtleistungen rund 45,6 Goldmilliarden Zu diesen Lieferungen und Leistungen kommen in Ausführung des Friedensvettrages noch folgende deutsche Verluste hinzu: Abgeliefette Kriegsschiffe (ausschl. der bei Scapa Flow versenkten Schiffe) . . rd. 1,4 Goldmilliarden Sonstige militärische Abrüstung . . „ 6,3 „ Industrielle Abrüstung . „ 2,7 „ Innere Ausgaben. „ 0,5 __ rund 10,9 Goldmilliarden Mit Einschftlß dieser Ausgaben ergibt sich als Gesamtsumme der deutschen Leistungen und staatlichen Verluste ein Betrag von 56,5 Milliarden Goldmark (in Papiermark umgerechnet, bei einem Dollarstand von 20000, ein Betrag von 282Ve Billionen Mark), wobei es noch der Feststellung bedarf, daß in diese Summe der Wert von Elsaß-Lothringen (von amerikanischer Seite auf mehr als 20 Milliarden Goldfrancs geschätzt) sowie der Wert der Deutschland entrissenen Kolonien nicht eingerechnet ist. Unter Hinzurechnung dieser Werte erhöht sich die Gesamtleistung Deutschlands auf über 100 Milliarden Goldmark. m Angesichts dieser ungeheuren Leistungen, wie sie noch kein Volk jemals in der Geschichte aufgebracht hat, haben Frankreich und Belgien den Mut gehabt, infolge des verschwindend geringen Mankos an 5)oIj und Kohle von „absichtlichen Verfehlungen" Deutschlands zu reden, wegen dieser angeblichen Verfehlungen den Einbruch ins Ruhrgebiet zu unternehmen und deutsches Land im Frieden zu besetzen! Verschiedenes. Das Heidelberger Faß übertroffen. Eine Faßfabrik in Lahr die als Spezialität für chemische und ähnliche Fabriken Riesen- botttche anfertigt, hat dieser Tage mehrere Bottiche von geradezu riesigen Ausmaßen fettiggestellt. Die Bottiche haben eine Höhe von 61/2 Meter und einen Durchmesser von Mtter, haben also ein Fassungsvermögen von 2500 Hektoliter. Das große Heidelberger Faß kann nur 221 716 Liter aufnehmen, ist also ungefähr ein Sechstel kleiner als die Riesenbottiche. Ein kurzer Traum als Millionär Kriminalbeamte der Polizeidirektion Friedrichshasen machten Wahrnehmungen über einen jungen Mann, die sie veranlaßt«», sich seiner nach krimineller Art anzunehmen. Man fand bei ihm Geldbeträge und Ausstattung, die wenig zu seiner Persönlichkeit patzten. Mit raffi- Freitag, den 23. Februar 1923. nietter Dreistigkeit wollt« er den Besitz des offenbar stemden Eigentums rechffettigen, trotzdem ihm nachgewiesen werden konnte, daß er noch eine Woche vorher mittellos war. Im Kreuzverhör entwickelte er sich dann als junger Dieb, der in einem Otte in der Schweiz einig« Tage vor feiner Festnahme auf dem Bettelgang Gelegenheit gefunden hatte, einen höheren Geldbetrag in Frankengtld und Gold zu stehlen. Mit dem Raub „schwärzte" er sich sofort über die Grenz«, um sich in Friedrichshafen als reicher Mann sein Leben einzurichtem Er besaß annähernd zwei Millionen Mark in Grldwett und reichliche Ausrüstung und hatte sich flott eingekleidet. Nach den Feststellungen hatte er bereits nahezu eine Million Mark verausgabt. 10 Millionen Mark für 67 Hammel. Ein wütttembergischer Schafbesitzer ließ 67 Schlachthämmel versteigern, di« einen ungeahnten Erlös erzielten, nämlich mehr als 10 Millionen Mark. Zu der Versteigerung waren auch Liebhaber aus Trier und der Eifel gekommen. Steigerer wurde Metzgermeister PH. Kuby aus Kaiserslautern. Der Trompeter von Enlmiers. Zu Neuburg an der Donau starb der pensioniette Waldwätter Winkler, der als Hornist des 3. Bayerischen Infanterieregiments am 9. November 1870 bei Culmiers die Bayern aus böser Lage befreite, indem er das ihm bekannte französische Rückzugssignal blies. Es wurde von dem französischen Hornisten ausgenommen und veranlaßt« die französischen Truppen zum Rückzug. 30400 Mark für einen Liter Weßn. Zum erstenmal ist in Unterfranken eine Weinversteigerung nicht nach Hektolitern sondern nach Litern erfolgt. Der höchst« Preis für einen Liter Wein wurde mit 30 400 Mark angeboten und bezahlt. Mit dem Liebhaber durchgOrannt. In Bayern (Oberhessen) ist eine in den 30er Jahren stehende Witwe. Mutter von zwei Kindern von 6 und 10 Jahren, unter Zurücklassung der beiden Kinder, nach Verkauf sämtlicher Möbel und Haushaltung sg egenstände mit ihrem 23 Jahre alten Liebhaber in das Ausland durchgegangen, ohne auch nur die notwendigsten Kleidungsstücke für die Kinder zurückzulassen. Ein großer Verlust. Bei dem Ueberfall der Franzosen auf zwei Eisenbahnzüge in Recklinghausen kam einem Reisenden eine Aktentasche abhanden, in der sich 200 Millionen Mark Schuldverschreibungen befanden, die er an einen amerikanischen Bankier nach Hamburg überbringen sollte. Di« französische Soldateska schlug dem Reisenden seine Bitte, im Zuge nach der Tasche suchen zu dürfen, rundweg ab. Ein bezeichnender Borfall im Ruhrgebiet. In Herdecke (Ruhr) ereignete sich folgender Vorfall: Ein Arbeiter rief einem französischen Kavalleristen, dessen Pferd störrisch war und hin- und hertanzte, zu: „Eck wöll, dat du den Hals dreckest!" Darauf die gut deutsch« Antwott des Lothringers: „Jung«, da hast du kein Glück mit, dann müßte ich nicht bei den Ulanen in Düsseldorf gedient haben." Di« versteckt« Million. Ein Landwitt aus der Umgebung von Jena, der vor einiger Zeit zwei Schweine und ein Kalb verkauft hatte, konnte dafür von dem Fleischer «ine wohlgezählte Million Papiermark einstecken. Zy der Freude über den Mammon gesellte sich gar bald di« Sorge, was man damit anfangen solle. Trägt man die Million auf die Bank, so wissen auch andere Leute um den Reichtum, und man muß es sich sogar gefallen lassen, daß der Staat sich an den Zinsen l^teiligt. Behält man sie im Hause, kann sie eine Beute der Spitzbuben werden. Da mußte der Familienrat Rat schaffen. Nach langem Ueberlegen erhielt das Familienoberhaupt den Auftrag, ein Versteck ausfindig zu machen, das die Million aufnehmen, aber so beschaffen sein sollte, daß es vor jedem stemden Zugriff sicher war. Gesagt, getan. Auch di« Ehefrau erfuhr nichts über das geheimnisvvll»Bersteck. Da griff eine höhere Macht ein. Der Landmann erkrankte und starb, ohne daß er die Möglichkeit hatte, sein Geheimnis preiszugeben. Nun suchte die ganze Familie nach der sicher versteckten Million. 700 Millionen Mark für ein Banrrngnt. Für «in in Lindau (Thüringen) gelegenes Gehöft mit 38 Morgen Ackerland und einem kleinen Wäldchen zahlte ein in Leipzig wohnender Amerikaner 700 Millionen Mark. Gegen di« Zeitungsdieve. Ein bemerkenswertes Urteil, das in der Zeit der Zettungsteuerung allseitig« Beachtung verdient, fällte die Duisburger Strafkammer. In dem Haufe, in dem der angeklagte Arbeiter wohnte, verschwanden seit längerer Zeit Zeitungen. Eine Frau paßte im Flur auf und beobachtet«, daß der Angeklagte sich aus dem Briefkasten einer Nebenwohnung die Zeitung nahm und in seine Tasche steckte. Auf die Vorhaltungen der Frau gab er die Zeitung wieder zurück und erklärte, daß er nur die Anzeigen hätte «infehen wollen. Das Oberhäuser Schöffengettcht aber sah die Tat als Diebstahl an und verutteilte den Angeklagten wegen fortgesetzten Diebstahls zu einer Woche Gefängnis. Die Strafkammer in Duisburg bestätigte das Urteil. Das „Huhn" des kleine» Mannes. Aus Kassel wird geschrieben: Der letzte Wochenmarkt trug deutlich den Siegelabdruck der Notzeit, in die uns der „Krieg" gegen Frankreich gestürzt hat, und doch brozzelte am Sonntag in den Töpfen zahlreicher wirklich nicht wohlhabender Familien zartes Geflügel. So meinten wenigstens die Ehemänner. Ader sie irrten. Erst später werden die klugen Hausfrauen den Schleies gelüftet haben. Was als Täubchen auf den Tisch kamen, waren nämlich Spatzen, regelrechte Sperlinge, die bekanntlich in diesem milden Winter so feist und fett geworden sind, als wenn sie in Devisen machten. Die Kasseler Landwirtschastskammer hatte kürzlich den Spatzen den Krieg «vklätt und zu rücksichtsloser Vernichtung aufgefordett. Schwerlich wird ihr Vorsitzender dabei an den schlauen Landwirt gedacht haben, der die abgeschossenen und gefangenen Spatzen einfach in «inen Korb packte und nach Kassel brachte, wo sich die Hausfrauen geradezu um die ebenso lockeren wie leckeren Vögel schlugen. Me Tabaksteuer. Die Eingänge aus der Tabaksteuer im Dezember haben sich nach zuverlässigen Mitteilungen auf 6,5 Milliarden belaufen. Damit hat die Tabaksteuer mehr eingebracht, als alle übttgen indirekten Steuem in der gleichen Zeit zusammen, ausgenommen die Kohlensteuer. In der Zeit vom Apttl bis Dezember 1922 hat die Tabaksteuer mit 17.7 Milliarden Mark ein Ergebnis gehabt, das um 61 Prozent höher ist als der Voranschlag. Ein moderner Schatzgräber. Ein Hausbesitzer in Schwanheim a..M. hatte sein Haus anstreichen lassen und dafür eine Rechnung erhalten, die ihm etwas zu hoch für seine Vermögens- Verhältnisse verkam. Er erinnerte sich aber, daß vor etwa 15 Jahren ein Geldbetrag von 62 Silbermark in die Abortgrube gefallen ist, der heute vollständig genügte, um die große Weißbinderrechnung zu bezahlen. Er machte sich ans Werk und Der Landbote * Sinshrimer Zeitung. Rr. 23. Jahrgang 1923. «s gelang Ihm, alle 62 Siiberftück« zu bergen. Darauf schickte er durch einen Bekannten das Metallgeld nach Frankfurt a. M. und dieser wechselt« es um und brachte 69 000 Papiermark mit nach Haufe. Der Hauseigentümer konnte aber feftstellen, daß sein Mittelsmann 67 760 Mark unterschlagen hatte, da er in Frankfurt 116 820 Papiermark erhielt. Ei«« ganze Familie ermordet. In Piontkowo (Posm-Ost) wur»e die ganze Familie eines erst vor zwei Jahren aus Amerika nach Polen zurückgekehrten Landwirts ermordet auf- gelunden. Der L ndwirt, feine Frau, feine neunjährige Tochter, feine beiden 6 und 1 Jahr alten Söhne, ein I8jähriges Dienstmädchen und ein 16jähriger Knecht waren durch Schläge mit einem stumpfen Gegenstand getötet worden. Die Mörder fuhren mit einem Gespann des Ermordeten nach Posen und ließest es vor einem Wirtshaus« stehen. Als vermutliche Mörder find zwei Schwäger des Ermordeten verhaftet worden. Der Pfennig kommt wielder zu Ehren. In einem Friseur» geschäft in Berlin kann man sich für 30 Kupferpfennige wieder die Haare schneiden und für 15 Pfennig rasieren lassen. Das ist reichlich teuer, denn der Pfennig wird bereits mit 29 Mark gehandelt. Trotzdem hat der Friseur großen Zulauf. Auch ein Berliner Konditor verkauft seine Ware nach Kupfer- Pfennigen und macht ein gutes Geschäft. Der „heim"gekehrte Deserteur. Eine Ueberraschung hatte eine Mutter. Kinder und Dienstboten sitzen friedlich beim Abendessen, Landwirtsfamilie in einem Ort in der Lüneburger Heide. Vater, da tritt ein ihnen bekannter Mann in die Tür. — ein ehemaliger französischer Kriegsgefangener, dem es damals bei „Pater und Mutter" in der Heide so gut gefallen hat, daß er Heimweh nach hier bekam, .als er den Raubzug in das Ruhrgebiet mitmachen mußte. Er verschaffte sich Zivilzeug, ritt mit seinem Gaul in das unbesetzt« Gebiet, machte ihn zu „Papier" und trat die Reise in die Heide an. Der Ehering im Schweinemast». Schon seit einigen Monaten vermißte eine Frau aus einem Dorfe bei Landstuhl ihren Ehering. Das Kleinod befand sich beim Schlachtfest im Magen des Borstentierchens. Einer, der das Letzte bedenkt. Ein wackerer Speffartbe- wohner verkaufte dieser Tage ein tzandwägelchen an den Schreinermeister seines Ortes. Er nahm aber als vorsorglicher Mann nicht Papiergeld dafür, sondern ließ sich dafür «inen Sarg anfertigen. Run kann er seinem letzten Stündlein getrost entgegensehen. Muttersprache, Mutterlaut... In einem Berliner Variete tritt eine Akrobatentruppe auf. Aufmachung amerikanisch — Name englisch Bezeichnung ihrer Nummer englisch und Verständigung ebenfalls englisch. Als Schlußtrick soll der Sprung eines Mitgliedes der Trupp« von einer drei Meter hohen Plattform auf die Schultern des ersten „Fängers" erfolgen. Die Musik schweigt und unter atemloser Spnanung steigt der junge Artist zur Höhe hinauf. Der Fänger steht unten und ruft hinauf: „Are you ready?" — „Pes, allright!" — Lome on!" — Der Sprung erfolgt, doch kommt der Springer so unglücklich herab, daß er den Fänger ziemlich heftig mst dein Fuß ins Gesicht stößt. Trotzdem gelingt der Trick, aber der Fänger wirft den jungen Partner mit Entrüstung von sich und raum ihm zu: „Aster Ochse, spring' mir nich noch mal mit beede Beene in de Fresse!" Schweres Eisenbahnunglück in Paris. Der Schnellzug Paris Nancy stteß im Bahnhof von Port a Binson auf die Lokomotive eines Güterzuges. Der Zusammenstoß war so stark, daß der Güterzug und einige Wagen des Schnellzuges buchstäblich zermalmt wurden. Dreizehn Tote und dreißig Verwundete, hauptsächlich Soldaten aus elsässischen Garnisonen, wurden geborgen. Das älteste Christusbild. Bei einem Antiquitätenhändler in Rom hat sich die älteste bisher bekannte Ehristen-Dar- stellung in Gestalt eines bartlosen sitzenden Jünglings in Mar- _ Freitag, den 23. Februar 1923. mor vorgefunden. Das Werk stammt ungefähr aus dem vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung und wurde bisher unter dem Namen eines Apollo bekannt. Eine Kvmmunistrn»EH«. Trotzki, der Kriegsminister der Sowjetregierung, der in vieler Hinsicht die treibende Kraft der Bolschewisten ist, hat sich von seiner Frau, die eine eifrige Revolutionärin und eine politisch sehr tätige Persönlichkeit war. scheiden lassen und an ihre Steile eine junge russische Dame gesetzt, die eine sehr gegenrevolutionäre Vergangenheit hat. Die zweite Frau Trotzki. Nathalia Iwanowna, ist nämlich die Tochter eines früheren Generals, soll aber für die Politik nicht das geringste Interesse haben, sondern sich nur um die Pflege ihrer Schönheit und ihrer Kleider kümmern. Wie eng- lischen Blättern aus Moskau berichtet wird, erregt sie durch ihre kostbare Kleidung und ihre neuesten Pariser Hüte allgemeines Aufsehen und den Neid der ebenfalls sehr eleganten Damen der übrigen Sowjetkommissare. Brandunglück in einer Irrenanstalt. Bei einem Brande in der staatlichen Irrenanstalt Manhattan bei Newyork fanden 22 Patienten und 3 Krankenschwestern den Tod in den Flammen. Zahlreiche Patienten entflohen auf das schneebedeckte Land. Furchtbare Ernte des Todes auf einem Flüchtlingsschiff. Reuter meldet aus Konstantinopel: An Bord des Transportschiffes „Themis" sind von 4500 Flüchtlingen 800 an Pocken, Typhus und Cholera gestorben. Di« meisten Opfer sind Griechen. Me Deutsch«, für di« Erübebenopfer Chiles. Wie die deutsche Handelskammer in Valparaiso mitteist, haben die deutschen Kolonien in Valparaiso 32 000, in Santiago 19000 und in Temuco 4000 Dollar für die durch das chilenische Erdbeben Geschädigten gesammelt. Die chilenischen Behörden haben diese Sammlungen besonders warm anerkannt und hervvrgehoben, daß sie doppelt wögen angesichts der Not der deutschen Heimat: für die die Deutschen Chiles ja auch große Opfer gebracht haben. Warum benutzt die Hausfrau Zeurio! Weil fle üaüurch die Lebensdauer ihrer Wäsche verlängert, denn §e«rlo haushaltfelfe enthält 80 °[o fett, greift also die Wäsche nicht an und ist im Gebrauch viel sparsamer als Kernseife. Vereinigte Seifenfabriken Stuttgart A.-G. T ft ot 0 iiiiiwiiiniiHiiiiiiiHi»iiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimimniiiiiiiiniiiiinniiii Zahlstelle.Sinsheim a. d. E. der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A. G. Filiale Heidelberg. Telefon Nr. 177 8M8ÜlkiM 8. (I. E. Telefon Nr. 177 Hauptstraße 309, im Hause der Firma K. Blum. Hauptsitz in Mannheim. Aktien-Kapital und Reserven Mk. 227500000 Annahme von Spareinlagen auf kurze oder längere Zeit zu günstigen Bedingungen. Scheckverkehr zur Einschränkung des Bargeldumlaufs. An- und Verkauf von Wertpapieren. Sorgfältige u. verschwiegene Erledigung sämtlicher bankgeschäftlichen Angelegenheiten. MiHi nin nini iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiimHiiiillllHlliiiiilüiiiiiiiiiiiiiiiiiimillllliiiiiillllllliiiiiiiiiii Stammholz-Versteigerung. Die Gemeinde Eschelbach versteigett am Dienstag, de« 27. Februar dS. IS., nachmittags 12 Uhr. Zusammenkunft beim neuen Echulhaus 7 Eichstämme III. u. IV. Kl. 10 Forlenstämme darunter 3 über 1 cbm I., II. u. III. Kl. 7 Akazienstämme V. u. VI. Kl. Eschelbach, den 21. Februar 1923. Bürgermeisteramt. American Line Regelmäßige Passagier- und Frachtdampfer Hamburg-New York Passagierdampfer: Doppelscfaraubendampfer „Manchurla“ . . . 24. Fahr. Doppelschraubendampfer „Mongolla“ ... 10. März Dreischraubendampfer „Minnakahda“... 20. März Doppelschraubendampfer „Manchurla“ ... 3. April DoppelschraubendampTer „Mongolla“ ... 14. April Dreischraubendampfer „Minnekahda“... 21. April ? Doppelschraubendampfer „Manchuria“ ... 5. Mai Pradüdampler Hamburg-Baltimore Hamburg-Boston Hamb urg-Philadelphia usw. Auskunft wegen Passage und Fracht erteilt American Line, 2 BOrsenbrocke, Hamburg. Auskunft erteilt: Abraham Seligmann. Sinsheim (Elsenz), Baden. N dem Rathaus. § Juwelen, Platin, Gold- § | kaufen zu höchsten Tages- J preisen .) Bühler & Bauer 4» > Edelmetall, Schmelz- und 1 Scheideanstalt [ Heidelberg, Ziegelgasse 21. SchWeilie mästet man nur mit Freßpulver „Sui“. Zu hab. bei: A. Engel, Engel-Drog. Rechnungsformulare empfiehlt 6. Bedier’fche Buchdrutherei. r bcdsutftt größte Ersparnis an Zeit und Kohle. Nuf In Onginalpaketcn, aiimali tot*. Henkel & Cie. Düsseldorf "VVaschKessel Die neuen Postgebühren vom 1. Mürz 1923 ab. Briefe: im Ortsverkehr bis 20 g 40.— Mk. 20—100 g. 60.— » 100-250 g ..... . 100.— » 250-500 g. 120.- » im Fernverkehr bis 20 g . . 100.— „ 20—100 g.120.— „ 100—250 g. 150.— , 250-500 g. 180.— „ Ausland Mk. 300.—, je weit. 20 g Mk. 150—, Meistgewicht 2 kg. Die Jnlandsgebühren für Brief- und Wertsendungen, S ostanweifungen, sowie Pakete gelten auch nach dem aargebtet (Päckchen unzulässig) sowie Danzig und Memel. Die Gebühren für Brtessendungen gelten ferner nach Luxemburg und Lesterretch. Päckchen nach beiden Ländern nicht zugelaffen. Ausland: einschl. Ungarn und Tschechoslowakei, jedoch kosten nach diesen Ländern Briefe bis 20 g Mk. 240.—, je weitere 20 g Mk 150.—, Postkarten Mk. 140.—. Postkarten: im Ortsverkehr . . 20.— Mk. im Fernverkehr.40.— „ Ausland (Größe nicht über 14X9 cm) 180.— » Anfichtskarlen mit höchstens fünf Höflichkeitswotten auf der Vorderseite .20.— „ Drucksachen: bis 25 g . . . 20.— „ 25-50 g. 40.- , 50-100 g.60.— „ 100—250 g.100.— „ 250- 500 g.120.— „ 500-1000 g.150.— „ Ausland: je 50 g Mk. 60.—, Meistgrw. 2 kg. SefchLftspapiere: bis 250 g 100.— Mk. 250-500 g.120.— * 500—1000 g.150i— » Ausland: je 50 g 60.—, mindest. 800.— „ Meistgewicht 2 kg. PSckchen: bis 1 kg. . . . 200.— „ Ausland unzulässig. Pakete : (Meistgewicht 20 kg.) bis 3 kg Nahzone bis 75 km. 300.— MK. Fernzone über 75 km. 600 RK. über 3 bis 5 kg 500.— „ 1000 ,, 5 6 000.— ,, 1200 „ n 6 7 700.- „ 1400 ,, 7 8 800.— 1600 ' H 8 9 „ 900.— ,, 1800 „ S n 10 1000.— „ 2000 ,, 10 11 1150.— „ 2300 ,, M 11 12 1300.— ,, 2600 12 13 1450.- ,, 2900 ,, 13 14 n 1600.— „ 3200 ,, 14 15 1750.— „ 3500 „ 15 16 1900.— ,, 3800 ,, 16 17 2050.— ,, 4100 „ 17 18 2200.— ,, 4400 ,, M 18 H 19 2350.— „ 4700 IS 20 2500.— .. 5000 ,, Zeitungspakete b. 5 kg 250.- 500 >» Bliudenschriftsendungen: je 500 g (Meistgewicht 5 kg) 10.— MK. Ausland: i* 500 g MK. 30.—, jedoch Tschechoslowakei und Ungarn für je 1 kg MK. 1.— (Meistgewicht 3 kg.) Warenprobe«: bis 250 g 100.— MK. 250-500 g. 120.— Ausland: je 50 g 60.—. mindest. 12«.— Meistgewicht 600 g. Mischsendungen: bis 250 g . 100.— über 250 bis 500 g . . . . 120.— über 500 g bis 1 kg . . . 150.- (zusammengepackte Drucksachen. Geschäftspapiere und Warenproben). ^ IahlKarten bis 1000 Mk. . 20.— MK. über 1000— 5000 Mk. . 30.- „ 5000— 10000 „ 40.- „ 10000 - 20000 „ 60.- „ 20000— 30000 „ 80.- „ 30000— 40000 „ 100.- „ 40000— 50000 „ . 120.- „ 50000— 100000 .. . 150.— „ 100000— 200000 .. . 200.— „ 200000— 300000 .. . 250- „ 300000- 400000 „ . 300.- « 400000—■■'500000 „ . 350.— „ 500000- 750000 „ . 400.— „ 750000-1000000 „ . 450.— von mehr als 1 Million Mark 500.- ,, Postanweisungen bis 1000 Mk . 60.- über 1000 - 5000 Mk. . . 90.- . 5000— 10000 „ . . 120.— „ 10000— 20000 „ . . 180.- „ 20000 - 30000 „ . . 240.- „ 30000 • 40000 „ . . 300.- „ 40000— 50000 „ . . 360.- 50000—100000 „ . . 450.- Hochstdetrag 10000 d Ml. Eilbestellung: Briefe nach dem Ortsbestellbezirk 120.— .. „ „ „ Landbestellbezirk 350.— „ Pakete .. „ Ortsbestellbezirk 220.— „ „ „ „ Landdrsteiibezirk 450.— „ Wertbriefe: 1. Gebühr für einen gewöhnlichen Brief. 2. Einschreibgebühr.80.— 3. Bersicherungsgebühr: bis 5000 Mk. 40. „ 10000 . 80.— für je weitere 10000 Mk. . 80.— Wertpakete: Paketgebühr wie vorstehend. - Einschreibgebühr von.Mk. 80.— und versiegelt Versicherung bis 5000 Mk. 40.— über 5000 bis 10000 „ 80.— für je weitere 10000 „ 80.— unversiegelt 20 .— 40.— 40.- Nachnahme-Pakete : 200 MK. für je 20000 Mark des Nachnahmebetrages. Telegramme : Geivöhnliche Telegramme auf alle Entfernungen Grundgebühr 100.— RK.; außervem Wortgebühr 80.— RK. ; bei Ortsund Pressetelegrammen Grundgebühr 80 MK.: Wortgebühr 40 Mk.; dringend 3 fache Gebühr. Borzeigen von Nachnahmen: 50.— RK. Einschreiben.80.— „ RückscheingebShr.80.— „ Zuschlag für postlag. Sendungen 10.— „ Lagergebühr für ohne Verschulden der Post lagernde Pakete pro Tag 10.— „ Aubestellbarkettsmeldung . . 00.— Bestellschreibe» wegen Nachlieferung von Zeitungen .25.— „