Erscheint Montag. Mittwoch und Dreilag. Bezugs-Preis: Durch die P»ft de,ose» und durch de- Briefträger u. unsere Austräger ohne Bestellgeld Monatlich 2700.— Stk. ver Be,«g-i>r-i- ist im Bora», ,u entrichten. Sn Fallen oon höherer Gewalt de. steht dein Anspruch aus Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung de, Bezugspreise». Geschäftszeit Vs8—5 Uhr, Sonntag» geschlossen. Fernsprechanschluft Nr. 1L Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. S»i>r. Wer Wcmdvole Gegründrr £UiUUJ 18 3 9 Elsenz- und Schwarzbachtal Winstzeimer General-Anzeiger für das Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Laupt-Anzeigen-Blatt. Anzeigen-Preise: Amzerge»: Die 42 nun drett« Millimeter-Zeile M,— Mk. Reklame»: Die 87 mm breit, Millimeter-Z^!- 18».— Mk. Anzeigen mit Deckadresse oder Auskunft 18».— Mark Sondervergütung. Alle Preise freibleibend. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffeste, Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung und bei Konkurs erlischt. Platzvorfchriften werden nicht anerkannt und für Aufnahmen an bestimmten Tagen sowie für telefonische Aufträge keine Gewähr übernommen. Anzeigen-Annahme bis 8 Uhr vormittags: größereAnzeigen wollen am Tage vorher aufgegeben werden M 43. Das Wichtigste. Der Empfang der Fraktionssiihrer der Arbeitsgemeinschaft beim Außenminister ergab völlige Uebereinstimmung mit der Reichsregierung. Yr Den Regierungen in Paris, London und Brüssel ist eine scharfe Protestnote der deutschen Regierung gegen die rechtswidrigen Eingriffe in den deutschen Eisenbahnbetrieb im besetzten Gebiet überreicht worden. -sc Die kriegsgerichtliche Untersuchung gegen die verhafteten Krupp- Direktoren ist jetzt in vollem Gange. ♦ Ein Pariser Blatt gibt Einzelheiten über einen neuen deutschen Reparationsplan, der von Reichsfinanzminister Hermes und Staatssekretär Bergmann stamme, bekannt. -sc Außenminister von Rosenberg wird nächste Woche im Reichstag eine Rede halten. Bei einem heute stattfindenden Empfang der Parteiführer beim Reichskanzler wird hierüber verhandelt werden. * Zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei ist ein Luftschiffahrtsabkommen vorgesehen, das Zusammenarbeit und Austausch vorsieht. Paris—London. Poincare hat — oon rechts und von links her — viele Feinde, die ihm seine Stellung neiden und die glauben, daß sie allein berufen wären, das Steuer der französischen Politik zu lenken. Wenn also jetzt ein großes Kesseltreiben gegen ihn beginnt, an dem sich die nationalistischen Blätter ebenso beteiligen, wie die Blätter der Linken, so braucht man daraus noch nicht unbedingt zu folgern, daß er durch den Mißerfolg den er zweifellos an der Ruhr erlitten hat, tödlich angeschossen ist: im Gegenteil, er ist von jeher ein Meister im parlamentarischen Ränkespiel gewesen und weiß die Figuren gut zu schieben. Es wird sich daher erst erweisen müssen, ob Poincare oder Loucheur bei den Verhandlungen in London der Klügere gewesen ist: einer von den beiden hat den anderen sicher übers Ohr zu hauen versucht. Wer aber dabei Recht behält, das wird abhängig sein von dem wirtschaftlichen Druck, der heute schon auf Frankreich lastet. Er ist unverkennbar stark; aber es ist schwer zu sagen, ob er schon einen so hohen Grad erreicht hat, daß die parlamentarischen Wettermacher auf die Stimmung der öffentlichen Meinung Rücksicht nehmen müssen und deswegen bereit sind, Poincare für den Mißerfolg zu opfern, den schließlich er selbst vielleicht nicht einmal so sehr verschuldet hat wie Millerand, der mit seiner Hetzpeitsche hinter ihm stand. Es wäre also wirklich voreilig, wenn man heute schon von einem Systemwechsel in Frankreich sprechen wollte; einstweilen ist Poincare noch „derjenige, welcher", und er denkt auch nicht daran, freiwillig znrückzutreten. Er hat es vielleicht nicht einmal ungern gesehen, daß Loucheur nach London ging, denn in diesen Formfragen mußte er Konzessionen machen. Der Einmarsch ins Ruhrgebiet richtete sich in seiner Wirkung selbstverständlich gegen Deutschland, aber er hatte darüber hinaus auch noch den Zweck, den Engländern begreiflich zu machen, daß Frankreich innerhalb der Entente der stärkere Teil sei. Brachte der Besitz von Essen den Erfolg, den Poincare erwartet hatte, dann mußte England sich fügen und einen Signum setzen unter die Abmachungen, die Poincare selbstherrlich mit Deutschland abgeschlossen hatte. Dieser Plan ist gescheitert. Eine französische Zeitung hat sehr richtig die gegenwärtige Lage dahin gekennzeichnet, Frankreich habe seine Politik darauf angelegt, daß die Engländer nach Paris kämen. Durch den passiven Widerstand der Deutschen sei das mißlungen, also müßten die Franzosen jetzt nach London gehen. Insoforn ist die Reise Loucheurs nach London, der nach den zahllosen Kommentaren der offiziöse Charakter nicht mehr abzusprechen ist, ein Erfolg des deutschen Widerstandes, aber leider ein Erfolg, von dem wir zunächst nichts haben, weil er nur Wirkungen hat auf die englisch-französischen Beziehungen Darüber darf bei uns kein Zweifel bestehen, wir würden uns sonst ganz falschen Hoffnungen hingeben. Eine gewisse Entspannung der internationalen Lage ist dadurch sicherlich eingetreten, fragt sich nur, inwieweit sie für uns günstig ist. Denn Loucheur, auch wenn er bereits als der Erbe Poincares gehandelt haben sollte, hat dabei stramm französische Politik gemacht. Er scheint bereit zu sein, den Engländern bestimmte Zusagen zu machen, die den Druck erleichtern, den heute die französischen Flugzeuge an der Kanalküste auf die Entschluß- sreiheit der Londoner Regierung ausüben. Aber dafür verlangt er, daß Bonar Law den französischen Plänen über die Lösung der Entschädigungsfrage zustimmt. Plänen, die vielleicht nicht ganz soweit gehen, wie Poincare sie verfolgte, aber doch im- mer noch weit über unser Können hinaus. Loucheur träumt von. 50 Milliarden, er träumt von einer Neutralisierung der Rheinlande, und wenn wir die englischen Kommentare richtig lesen, dann hat Bonar Law nicht ganz nein gesagt. Er hat seine Aeußerung stark verklausuliert, um die Franzosen weiter herauszulocken, wahrscheinlich, weil er froh war, daß wenigstens die französisch-englischen Unterhandlungen wieder in Gang kamen und ihm infolgedessen vom englischen Parlament seine Untätigkeit nicht mehr zum Borwurf gemacht werden konnte, aber die große Gefahr, die sich für uns aus der Reise Loucheurs entwickeln kann, liegt doch offensichtlich in der Richtung, daß zunächst Frankreich, Belgien und Italien sich über ein Programm einigen, das Frankreich dann der Zustimmung Englands unterbreitet, und die Einheit der Entente wieder, wie bei den ersten Londoner Verhandlungen gegen uns steht. Was dabei herauskommt, mag vielleicht gegenüber dem ersten Londoner Protokoll sehr gnädig aussehen, gemessen an unserer Freitag, den 13. April 1923. wirtschaftlichen Kraft aber wird es doch für uns unannehmbar sein. Die deutsche Regierung wird die Bedeutung der Schwierigkeiten, die sich aus dieser Tatsachenkette ergeben können, nicht unterschätzen und von sich aus Gelegenheit nehmen müssen, um sich in die Verhandlungen einzuschalten, ehe Frankreich den Ring um uns geschlossen hat. Die Gefahr für Rhein und Ruhr. „Keiner Regelung kann zugestimmt werden, die Rhein und Ruhr territorial oder verfassungsmäßig antastet." Dies Wort, das der Kanzler in seine Gedenkrede für die Toten von Essen einflocht, ist mehr als eine Redefloskel, es ist die erste Warnung, die von deutscher amtlicher Seite über unsere Grenze geht gegenüber den englisch-ftanzösischen Schiebungen, die den Streit in der Entente auf Kosten Deutschlands zu schlichten suchen. Es ist aber auch, gerade weil es in diesem Augenblick gesprochen wurde, eine ernste Mahnung an alle Deutschen, das drohende Unwetter nicht zu unterschätzen, das an unserem Horizonte heraufzieht. Tatsache ist, daß Loucheur, wenigstens nach dem Glauben der englischen Regierung, als Friedenstaube über den Kanal gekommen ist, Tatsache ist, daß er Anerbietungen gemacht hat, die den Engländern wohlgefällig in den Ohren klangen und infolgedessen, weil sie gleichzeitig der französischen Prestigepolitik gegen England die Spitze abbogen, im britischen Kabinett Aussicht auf Annahme haben. Für diese Anerbietungen soll England seine Zustimmung zur Internationalisierung der Rheinlande geben und ist schon halb entschlossen, sie zu geben. Die Gefahr ist also riesengroß, gerade deshalb so groß, weil der französische Vorschlag berechnet ist auf die englische und auf die amerikanische Denkart. Frankreich erklärt sich bereit, das Ruhrgebiet zu räumen, wenn ihm am Rheig die militärischen Sicherheiten gegen einen neuen Uebeirfals von deutscher Seite her gegeben werden. Dazu will es nicht etwa die Rheinlande von Deutschland losreißen, Gott bewahre, Frankreich „annektiert" nicht. Die Rheinprovinz soll vielmehr sich nur von Preußen trennen, aber im Reichsver- bande bleiben und nur von internationaler Gendarmerie und unter der Oberaufsicht des Völkerbundes verwaltet werden. Praktisch wird die Sache natürlich ganz anders aussehen. Schon daß Frankreich den Saarstaat als Mitgift in diesen Rheinstaat einbringen will, zeigt ja. welche Absichten es hat. Es verläßt sich darauf, daß eine internationale Gendarmerie nicht zustande kommen wird, daß also dann französische Truppen, vielleicht mit einem kleinen englischen Feigenblatt, den Schutz des Rheins gegen deutsche Ueberfälle in die Hand nehmen, und was dann die Garantie des Völkerbundes bedeutet, nun, das wissen wir ja vom Saarstaat her. Dann ist der Friede von Dersgilles praktisch „revidiert", der Rhein ist nicht mehr Deutschlands .Strom, sondern Deutschlands Grenze, und das Ruhrgebiet bleibt unter der ständigen Droh-» ung der französischen Kanonen. England aber freut sich, daß, es mit dabei ist. „Inter- Nationalisierung" und „Völkerbund"^ das ist keine französisch« Annexion, das klingt nach schönen Grundsätzen, ob das Selbstbestimmungsrecht der Völker mit Füßen getretey wird, das spielt keine Rolle, man kann behaupten, daß der Friede in Europa dann gesichert ist. Damit geht Bonar Law offenbar auch bei den englischen Parteien krebsen, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, sind die Dinax bereits soweit gediehen, daß die Iniernationalisierung der Rheinprovinz von eine» Mehrheit des englischen Parlaments für das Ei des Kolumbus! betrachtet wird. Bonar Law wird vielleicht nicht allzu lange mehr Ministerpräsident sein, er wird über die Wohnungsnot stolpern. Dann hält Lloyd George den Augenblick für gekommen. um mit den Konservativen zusammen eine Koalitionsregierung zu bilden auf der Grundlage der Rettung der Entente. Die Asquith-Liberalen aber und die Arbeiterpartei sind viel zu schwach, als daß sie sich einer solchen „Lösung" des Entschädigungsproblems erfolgreich widersetzen könnten. Tun die Franzosen dazu noch ein übriges, indem sie Poincar« opfern, dann kann es geschehen, daß plötzlich die Entente einig ist und uns ein Ultimatum vorlegt, in dem von detz deutschen Regierung die Zustimmung zur Neutralisierung unserer westlichen Provinzen verlangt wird. Dagegen müssen wir uns wehren und, solange es noch Zeit ist, in alle Welt hinausschreien, daß es ein großer Irrtunt sei, zu glauben, auf diese Weise den Frieden von Europa zu sichern. Was an Rhein und Ruhr lebt, ist deutsch und will deutsch bleiben. Deutsch bleiben auch nicht nur in einer formellen Bindung, sondern als lebendiges Glied des Deutschen Reiches. Jede Abmachung, die gegen diese Grundforderung verstößt, wird daher nicht Ruhe bringen, sondern eine Verewigung des Abwehrkampfes. Wir wissen jetzt, daß der passive Widerstand stark genug ist, um sich auch gegen Maschinengewehre durchzusetzen. Und keine Macht der Erde wird stark genug sein, diesen Kampf zu beenden, bevor nicht der letzte Franzose vom deutschen Boden verschwunden ist. Millionen oon Deutschen haben am Rhein jahrelang die Knechtherrschaft getragen, heute sind sie sich ihrer Kraft bewußt, 84. Jahrgang und werden sich nicht zum Spielball nationalistischer Experimente machen lassen. Das ist es, was wir den Eng-, ländern und Amerikanern begreiflich machen müssen, eh« sie in die von Frankreich gestellte Falle gegangen sind: daß! die deutschen Rheinlande auf Jahre hinaus dasselbe Bild bieten, wie es heute im Ruhrrevier zu sehen ist, falls wirklich! der Versuch gemacht werden sollte, sie oon Deutschland zu trennen. Die Folge aber ist, daß mitten im Herzen Europas; der Brand weiterglimmt, daß die wichtigsten Längs- und Querverbindungen durch Europa gefährdet bleiben und weder Handel noch Arbeit wieder einsetzen können. Rur wenn Rhetn und Ruhr territorial und verfassungsmäßig deutsch bleiben, ist überhaupt daran zu denken, daß der Krieg zu Ende gehtt Wir haben den Krieg verloren und müssen die Folgen daraus ziehen. Wir wollen zahlen, soweit wir zahlen können, aber die Reste von Deutschland, die uns in Versailles geblieben! sind, an denen wollen wir nicht mehr rütteln lassen. Die Diskussion über Dr. Cunos Rede. Paris, 11. April. Die Stelle der gestrigen Kanzlerrede, in der Dr. Cuno betont hat, daß Deutschland bereit ist, sich in freien Verhandlungen ohne Zwang auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit Frankreich auseinanderzusetzen, findet hier lebhafte. Beachtung. Das Interesse dafür ist gesteigert worden durch Meldungen der französischen Berichterstatter in Berlin, nach denen dieser Satz nachträglich nach reiflicher Ueberlegung in den amtlichen Wortlaut der Rede Cunos eingesetzt wurde. Die vom Quai d'Orsay informierten französischen Pressevertreter haben gestern abend spät an zuständiger Stelle angefragt, wie die Erklärungen Cunos vom Ministerium des Aeußern beurteilt werden. Sie erhielten die Antwort, daß der authentische Text der Rede abgewartet werden muß. Man erklärte ihnen weiter, daß oon deutscher Seite bisher kein ernster Versuch unternommen worden sei, durch Verhandlungen den Abschluß der Ruhraktion herbeizuführen und daß die von Cuno geforderten Verhandlungen auf dem Fuße der Gleichberechtigung nach sranzösischer Auffassung nicht möglich seien, weil man kein Vertrauen zu der deutschen Regierung haben könne. Ennos Versicherung, daß Deutschland ernste Vorschläge für Reparationen und Sicherheit gemacht habe, sei „leider" unrichtig. Rach meinen Feststellungen kann der ofst- zielle Standpunkt Frankreichs zu den von Cuno erwähnten Verhandlungsfragen dahin präzisiert werden, daß Verhandlungen durchaus denkbar sind, falls eine Grundlage durch annehmbare Borschläge Deutschlands geschaffen wird, mit anderen Worten, man erwartet hier keineswegs deutsche Borschläge, die in allen Einzelheiten ohne weiteres annehmbar sind und nur noch unterzeichnet zu werden brauchen, man wünscht aber als unerläßliche Voraussetzung die präzise Mitteilung Deutschlands, welche Verpflichtungen es in der Reparationsfrage übernehmen will und welche Pfänder es zur Garantierung der Erfüllung seiner Pflichten freiwillig geben will. In ernsthaften politischen Kreisen Frankreichs zweifelt kein Mensch daran, daß das Reparationsproblem und die Sicherheitsfrage nur dnrch freie Verhandlung mit Deutschland befriedigend gelöst werden könne. Poincare wird sprechen. Paris, 10. April. Der diplomatische Redakteur der Ha- vasagentur glaubt zu wissen, daß Poincare am nächsten Sonntag bei der Einweihung eines Kriegerdenkmals in Dünkirchen den bisherigen Standpunkt der französischen Regierung in der Reparationsfrage — keine Herabsetzung der deutschen Schuld an Frankreich, keine Räumung des Rnhrgrbiets vor Erfüllung der deutschen Verpflichtungen — bestätigen werde. Loucheur wird in seiner Eigenschaft als Abgeordneter des Norddepartements persönlich dieser Feier beiwohnen. Die Pariser Gerüchte. Paris, 12. April. Der Pariser Berichterstatter des „Journal" will erfahren haben, Reichsfinanzminister Dr. Herm« habe in Gemeinschaft mit Staatssekretär Bergmann die letzte Hand an einen Reparationsplan gelegt. Dieser Plan enthalt« außerordentlich präzise Borschläge sowie hinsichtlich der Geldzahlungen als auch der Sachlieferungen und des Wiederaufbaues in Frankreich. Der Berichterstatter glaubt bestätigen zu können, daß Frankreich eine endgülsige Entschädigungssumme oon 25 Milliarden Goldmark enthalten solle, und daß auch für Belgien und Italien durch diesen Plan di« Reparationszahlungen so fixiert seien, daß sie den Forderungen dieser beider Länder entspreche. Die Mobilisierung dieses Summe soll mit Hilfe äußerer und innerer Anleihen erfolgen, wie es auch bereits der Plan Bergmanns, der der Pariser Konferenz nicht unterbreitet werden konnte, vorgesehen hatte. Die Deutschen würden, obwohl der Berichterstatter hierüber wirkliche Aufklärungen nicht erhalten konnte, im Augenblick der letzten Iahreszahlung die Räumung des Ruhrgebietes verlangen. Man sei aber auch noch dem Ge-, danken der Entmilitarisierung, wie Frankreich sie auffaßt. feindlich gesinnt. Der Berichterstatter erklärt, er könne auch nicht behaupten, daß der Plan Hermes schon die Billigung des gesamten Kabinetts gesunden habe. Der Berichterstatter sagt, er werde auch dann, wenn diese Nachricht dementiert werde, sie aufrecht erhalten, .denn seine Auskünfte stammten aus den höchsten Kreisen der deutschen Hauptstadt. Rr. 43. Jahrgang 1923. Der Landbote 4- Sinsheimer Zeitung. Freitag, den 13. April 1923. Vor einer Rede des Außenministers. Die Parteiführer beim Reichskanzler. Berlin, 12. April. Der Reichskanzler hat die Parteiführer auf heute zu einer Besprechung über die politische Lage zu sich gebeten. Es wird sich hierbei besonders darum handeln, die durch die Osterferien des Reichstags unterbrochene Fühlungnahme zwischen Regierung und Parteien wieder herzustellen. Zn der nächsten Woche wird der Haushalt des Reichsministeriums des Aeußern im Reichstag verhandelt werden und der Außenminister von Rosenberg wird die Debatte mit einer Rede einleiten. Diese Erklärung Rosenbergs wird nach der Londoner Reise Loucheurs, den Bemühungen des Quai d'Orsay zur Erreichung einer französisch-englischen Verständigung und den französisch-belgischen Verhandlungen in Paris mit besonderem Interesse entgegensehen. Der Inhalt der Rche> Roschr- bergs wird denn auch in der Parteiführerbesprechung beim Reichskanzler heute einen breiten Raum einnehmen. Das offizielle Communique über die Besprechung sagt nur, daß Gegenstand der Beratung die polnische Lage war. Die zweistündige Aussprache habe volle Einigkett der Fraktionsführer und ihre völlige Uebereinftttnmung mit der Regierung ergeben. Eine Kundgebung des Reichstages. Berlin, II. April. Aus parlamentarischen Kreisen erfährt das „B. T.", daß bei der bevorstehenden Beratung des Haushalts des Auswärtigen der Reichsminister des Aeußeren von Rosenberg sich in einer Rede insbesondere mit der von Frankreich angestrebten Neutralisierung des Rheinlandes beschäftigen dürfte. Es fei eine Kui'dgebnug des Reichstages gegen diese Reutralifierung geplant. Endgültige Beschlüsse sollen in den kommenden Frak- ttonsbesprechungen gefaßt werden. Die Haltung der Kurie. Rom, 12. April. Das Organ Don Sturzos, der Popola, veröffentlicht eine Information, wonach Kardinal Bertram, nachdem er vom Papst empfangen wurde, eine lange Unterredung mit Kardinalstaatssekretär Gaspari gehabt habe. In dieser Unterredung soll auch die Ruhrsrage angeschnitten und von der Mission des Monsignore Testa gesprochen worden sein. Der Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte und der Bischof von Trier, die sich in diesen Tagen nach Rom begeben wollten, um mit dem Papst eine Unterredung zu haben, haben aus Zweckmäßigkeitsgründen ihre Reise aufgeschoben und werden in Rom erst nach Beendigung der Mission des Monsignore Testa eintreffen, um nicht den Eindruck zu erwecken, als ob sie ln einseitiger Weise Einfluß auf die Aktion ausgeübt hätten, die der Vatikan angeblich vor hat, um eine Lösung in der Ruhrfrage zu finden. Jede diplomatische Aktion des Vatikans werde nach dieser Richtung verschoben auf einen Zeitpunkt nach der Rückkehr des Monsignore Testa. Diesbezüglich teilt jedoch die Agentur Volta mit, daß auf keiuen Fall irgend eine diplomattsche Aktton des Heiligen Stuhles bevorsiehe, die oben angedeuteten Zweck verfolgen. Der Eisenbahnraub. Scharfer Protest der Reichsregierung. Berlin, 12. April. Den Regierungen von Paris, London und Brüssel wurde folgende Note übergeben: Die Interalliierte Rheinlandkommission hat durch die Verordnungen Nr. 149 und 150 dem Oberbefehlshaber der interalliierten Besatzungstruppen diktatorische Gewalt über die deutsche» Eisenbahnen übertragen und unter völliger Aus-« schaltung der deutschen Eisenbahnverwaltung eine interalliertö. Regie der Eisenbahnen des besetzten Gebietes chngekichtch, deren Leitung einem französischen Direktor unterstellt ist. Die neue Verwaltung soll befugt sein, das bisherige Personal insgesamt oder im Wege der Einzelkündigung zu entlassen. Die Verordnungen werden damit begründet, daß die deutsche Regierung durch gewisse, unter angeblicher Verletzung M Vertrages von Versailles und des Rheinlandsabkommens an ihre Beamten erlassene Befehle den Eisenbahnverkehr im besetzten Gebiet lahmgelegt und somit die Sicherheit und den Unterhalt der interalliierten Armee sowie der Zivilbevölkerung der besetzten Gebiete gefährdet habe. Schicksalswende. Roman von A. Kling er. 9 ) Nachdruck verboten. Als Hubert zum soundsovieltenmal« gelesen, zuckte er verständnislos -ie Achsel, stopfte das Telegramm in die Tasche seiner Joppe und eilte hinaus, um mit seinem Schwiegervater zu beraten. Ein dunkler drohender Schatten war auf sein strahlendes Glück gefallen. Sein Gesicht war ernst und nachdenklich geworden. Aber di« Ahnung kommenden Leids vertiefte seine Liebe zu Almida, gab ihr gewissermaßen die Weihe. „Nie, niemals lasse ich von Dir, mein Liebling!" flüsterte er vor sich hin, „mag kommen, was da will, uns soll und wird nichts trennen!" Er betrat einen Laden und wählte herrliche Marschall-Niel- Rosen, die er mit einem flüchtig gekritzelten zärtlichen Morgengruß an Almida sandle. Eine Viertelstunde später betrat er das Bureau, seinen bisherigen Wirkungskreis, der ihm lieb und wert geworden war. Heute kam er nur, um sich zu verabschieden, denn nun gab es kein Verweilen mehr für ihn, nun mußte er unverzüglich abrrifen. „Nicht auf lange," suchte er sich zu trösten, aber die Beruhigung wollte nicht gelingen. Er kannte ja den halsstarrigen Sinn seines Vaters, feine Unzugänglichkeit. Der Chef befand sich bereits in seinem Privatkontor. Die Angestellten schickten sich soeben an. ihre Plätze einzunehmen, st« riefen sich gegenseitig noch eine Neuigkeit oder ein Scherzwort zu. dis mit dem Glockenschlag« alles verstummte und jeder seine Beschäftigung aufnahm. Es war Tag für Tag dasselbe, für alle, die es ernst mit ihrer Arbeit, ihrem Streben nahmen, eine liebgewordene Gewohnheit. ein Greuel für die Säumigen und Träumer. Hubert war geschäftliche Pünktlichkeit und Regsamkeit ge- wissermaßen in Fleisch und Blut Lbergegangen. Ein Leben ohne Arbeit wäre eine Last für ihn gewesen. Die deutsche Regierung muß den Vorwurf der Vertragsverletzung auf das entschiedenste zurückweisen. Die von ihr an die Eisenbahnbeamten im vertragsmäßig besetzten Gebiet erteilten Befehle lauten ausdrücklich dahin, daß all4 von den alliierten Behörden in Uebereinstimmung mit dem Rheinlandabkommen geforderten militärischen Transporte für die Bedürfnisse der Besatzung in dem Maßstab des nach dem Vertrage von Versailles besetzten Gebietes durchzuführen seieft. Dagegen hat es die deutsche Regierung mit Recht abgelehnt, die deutschen Eisenbahnen und ihr Personal zu solchen Miliß tärtransporten zur Verfügung zu stellen, die den von den französischen und belgischen Regierungen unter Verätzung des Vertrages von Versailles eingeleiteten Gewaltaktioneil dienen sollen. Nicht von deutscher Seite sind die Betriebsunterbrechungen verursacht worden, sondern sie sind durch die Vertreibung deutscher .Eisenbahner von ihren Dienstposten mit Waffengewalt durch unmittelbare Eingriffe französischer und belgischer Militärpersonen in den Betrieb eingetreten, so daß jegliche Sicherheit für die Reisenden und das beförderte Gut aufhört. Durch die Zumutung an die deutschen Bediensteten, ihre Arbeiten unter militärischem Zwang zur Unterstützung des rechtswidrigen Einbruchs in deutsches Gebiet fortzusetzen, wurde ihnen nur die Wahl gelassen, zwischen dem Verlassen des Dienstes und dem Verrat am eigenen Volk. Nachdem sie unter diesem Zwang den Dienst verlassen haben, wird behauptet, sie seien in den Streik getreten. Daraus wird ein Vorwand für die Wegnahme bestimmter Geldbeträge abgeleitet. Durch die Drohung mit Waffengewalt, Mißhand-, lungen, Gefängnisstrafen und Zwangsarbeit sollen die De- Dreizehn Gräber in Effen! Deutscher, die Toten starben für dich. Dank es ihnen! Der Landbote nimmt Gaben entgegen in seiner Ge- schästsstelle und auf Postscheckkonto Karlsruhe Nr. SSvS. Unsere Sammlung ergab bis setzt 3117268 Mark. Für das Ruhrgebiet sind weiter eingegangen von: Haussammlung der Gemeinde Wollenberg Mk. S8000, Buße vom Bezirksamt 5000 , Turnverein Sinsheim, Ergebnis des Echauturnens Ivo ooo. diensteten gefügig gemacht werden. Auch die Behauptung, daß bei dem Erlasse der neuen Verordnungen die Sorge für die Sicherheit und die Existenz der Bevölkerung mitgesprochest habe, wirkt wie ein beabsichttgter Hohn. Die Bevölkerung der deutschen Rheinlande, die in unerschütterlicher Liebe zum Vaterlande geduldig alle Leiden der Besetzung trägt, weiß zur Genüge, daß die Sorge für ihre Existenz niemand mehr am Herzen liegt als der deutschen Regierung. Die Bevölkerung wünscht von den bisherigen Bedrückungen und Drangsalen durch die Okkupation befreit zu werden, aber sie lehnt es ab, daß eine fremde Macht ihrpi fürsorgliche Gesinnung durch Entlassungen und Bestrafungen von deutschen Volksgenossen kund gebe. Alle angeführten Gründe sind, wie jeder Beobachtet der Vorgänge am Rhein weiß, nur ein Vorwand, um das seit Beginn der Besetzung von Frankreich erstrebte Ziel zu erreichen und die Eisenbahnen in die Hand seiner Militärs! zu bringen. Er ließ sich dem Chef melden und wurde sogleich vorge- lnssen. Als er dem älteren Freunde die Hand hinstreckte konnte er einen Ausruf des Erschreckens nicht unterdrücken. „Wie siehst Du aus, Papa! Bist Du krank?" Herr Harnisch strich mit der weißen kräftigen Hand über die zerarbeitete Stirn. ,Lch konnte keinen Schlaf finden, Hubert, ich war so aufgeregt, und da bin ich gar nicht zu Bette gegangen. Mein Herzleiden machte mir schwer zu schaffen. Aber das bin ich gewohnt, es geht vorüber. Ablenkung, Arbeit ist für mich die beste Medizin!" „Nein, nein, Papa! Du siehst furchtbar elend aus und darfst in dieser Verfassung nicht arbeiten! Erlaubst Du, daß ich deinem Arzt telephoniere? Er wird um diese Zeit noch zu Hause sein und dann zuerst zu Dir kommen." „Ick brauche keinen Doktor, mein lieber Junge. Sprechen wir überhaupt nicht mehr von mir! Wie stehts, hast Du Nachricht von Hause?" Hubert zögerte mit der Antwort. Durfte er Almidas Vater, welcher den Eindruck eines Todkranken machte, das Telegramm, das ihn selbst aufs äußerste erregte, zu lesen geben? „Mir scheint, Du siehst nichts weniger als glücklich aus", fuhr der Kaufherr, da die Antwort ausblieb, fort, „enthalte mir nichts vor, Huhert, ich bitte Dich! Wie auch Dein Vater sich äußert, ich muß es erfahren! Hörst du? Es kann mich nur beruhigen, wenn ich weiß, wie Dein Vater Deine Verlobung aufsaßt... Aber was frage ich denn, ich sehe es Dir ja an, daß Du enttäuscht und niedergeschlagen bist! So quäle mich doch nicht unnötig! Ich habe ein Recht, zu erfahren, ob Euch Kämpfe beoorstehen!" „Es scheint so. lieber Vater. Mich trifft diese Antwort von Hause ganz unerwartet. Aber Du, Du scheinst auf Aehn- liches vorbereitet zu fein." Ungern nur und zögernd gab er Herrn Harnisch die Depesche. doch er sah ein. daß er sie demselben nicht vorenthalten durfte. Und er war ja auch gekommen, um mit dem älteren Freunde zu beraten. Die jetzt getroffenen Maßnahmen reihen sich der Errichtung besonderer Maßnahmen für die Zölle und die Forsten Glied in der langen Reihe von Verordnungen der Interallis ierten Rheinlandkommission, die alle gleichmäßig dasselb, und das Ein- und Ausfuhrwesen an. Sie sind ein weiteres Ziel verfolgen, das Rheinland politisch, wirtschaftlich und administrattv vom unbesetzten Deutschland zu trennen. Die neu eingerichtete Verwaltung macht von der ihr rechtswidrig übertragenen Ermächtigung zur Entlassung deutschen Personals mit äußerster Brutalität Gebrauch und begnügt sich nicht mit der Dienstentlassung, sondern vertreibt die Familien aus den Wohnungen. So wurden allein am 7. April morgens in Trier 120 Eisenbahner mit Familien aus privaten Genossenschaftshäusern von bewaffneten Spahis gewaltsam ausgetrieben. 5000 Männer, Frauen und Kinder sind dadurch obdachlos auf die Straße gesetzt worden. Darunter befinden sich Wöchnerinnen uns Säuglinge, auch 22 Kinder die am nächsten Tage zur ersten hl. Kommunnion gehen sollten. Schriftliche und mündliche Vorstellungen der Stadtverwaltung und der Regierung waren vergeblich, auch der kleinste Aufschub wurde verweigert. Gegen die neuen Gewalttätigkeiten und Vertragsbrüche der Interalliierten Rheinlandkommission legt die deutsche Regierung hiermit feierliche Verwahrung ein. Ansprache des Reichstagsprüfidenten Löbe über die Ruhrgreuel. Berlin, 11. April. In dem heute wiederzufammenge- tretenen Reichstag erklärte Präsident Loebe in seiner Eröffnungsansprache u. a.: „Die Quälereien und Bluttaten gegen die Einwohner des Ruhrgebiets sind ins Maßlose gesteigert worden. Der Reichskanzler hat unserer Trauer und unserem Mitgefühl gestern hier in Worten Ausdruck gegeben, welche im ganzen Volk tiefsten Widerhall gefunden haben. Seitdem hat das französische Militär sich neue Gewaltakte zuschulden kommen lassen, ja, man scheute sich nicht, Hand an Abgeordnete und Regierungsvertreter zu legen, welche kein anderes Ziel hatten, als den Getöteten des letzten März die letzte Ehre zu erweisen. (Pfuirufe). Ich will nicht sprechen von der Würdelosigkeit dieses Handelns und nicht von den Entwürdigungen die dabei unseren Kollegen widerfahren sind. Es scheint fast, als ob die Bedrücker durch die Demütigungen und Mißhandlungen unser Volk zur Verzweiflung bringen wollten. Aber zur Verzweiflung werden sie uns nicht bringen. Sie werden es dazu bringen, daß unser Widerstand stahlhari wird. (Lebhaftes Bravo), daß der ganzen Welt ein Licht anzünden wird, wie tief die Nation von Machthabern erniedrigt werden kann, die sich einst rühmte, an der Spitze der Zivilisation zu marschieren. Auf der Schleife eines der gestern in Essen niedergelegten Kränze war zu lesen: „Sie morden den Geist nicht, ihr Brüder!" Sie morden den Geist nicht, ihr Brüder, das rufen wir jeden Tag unseren Landsleuten an der Ruhr zu, das Wort wird bestehen bleiben, bis die Befreiungsstunde schlägt. (Lebhafter allseitiger Beifall.) Das Haus nahm an der Erklärung seines Präsidenten lebhaften Anteil. Das geschändete Recht. Der Deuffche Richterbund erläßt folgende Kundgebung: Die französischen Behörden, die sich Gerichte nennen, fällen fortgesetzt über friedliche Deutsche in Deutschland Gewalt» sprüche, deren barbarische Strafen oft mehr an asiatischen, denn europäischen Maßstab gemahnen. Die Verfehlungen der Verurteilten bestehen einzig in der Nichterfüllung von Zumutungen, die von ihnen als deutsche Staatsbürger nur unter krassen Völkerrechtsverletzungen verlangt werden konnten. Die Richter müssen stets Richter bleiben und nur nach Recht und Gerechtigkeit urteilen. Wir rufen die rechtlich Denkenden aller Völker auf, besonders die Richter aller Staaten, die mit uns der Empörung über die Schändung, die mit den Namen Recht, Richter und Gerechtigkeit getrieben wird, lauten Ausdruck verleihen. Der Reichskommissar für die besetzten Gebiets Wie war doch im Umsehen alles so anders gekommen, wie schnell hatte sich seine Seligkeit in Sorge und banges Bedrückt- fein verwandelt! Er konnte es noch nicht fassen, es war wie ein dunkler, böser Traum. Inzwischen las Harnisch mit klopfenden Pulsen die wenigen inhaltschweren, Enttäuschung und Bestürzung verbreitenden Worte: „Verlobung unmöglich. Erwarte Dich heute abend. Wünsche, daß Du Dich unbedingt, fügst. Dein Vater." Mit gespannter Miene beobachtete Hubert das bleiche, gramvolle Gesicht des älteren Mannes. „Kannst Du das begreifen, Papa? Hast Du eine Erklärung für dieses Verhalten?" Langsam nickte Herr Harnisch. Seine Augen lagen so auffallend tief in den Höhlen. Er starrte düster vor sich hin. „Ich verstehe nicht nur, ich finde die'Handlungsweise Deines Paters in Anbetracht seiner Sinnesart sogar begreiflich und erklärlich. ..." „Das sagst Du, Papa, wo Almida Dein höchstes Kleinod, die Zierde Deines Hauses ist?" „Almida ist ein herrliches Geschöpf, und der Mann, welcher sie zur Frau bekommt, zieht das große Los durch feine Heirat. —" „Und trotzdem,? Aber so sprich doch deutlicher, Du folterst mich!" Eine Weile noch starrte Harnisch finster vor sich hin. Dann hob er mit einer müden Bewegung den Kopf. „Ich bin Dir eine Erklärung schuldig, Hubert, und ich wollte, ich hätte mich früher entschlossen, sie Dir zu geben. Aber leider, so energisch und schnell handelnd ich als Geschäftsmann bin, fo ratlos und säumig kann ich im Privatleben sein. Besonders in dieser einen Sache, um die es sich handelt." Beklommen stand Hubert da. 3hm war, als finke fein wundersames Glück in eine unergründliche Tiefe, als entgleite ihm langsam,' was er so fest und sicher zu halten glaubte. „Vielleicht ist am besten, Du siehst Almida nicht wieder," sagte Herr Harnisch. „Ihr seid beide noch jung, Ihr könnt einander vergessen und ein neues Glück suchen und finden." Nr. 43. Jahrgang 1923. Der Landbore * Sinsheimer Zeitnag. Freitag, den 13. April 1923. in Koblenz hat im Auftrag der Reichsregierung an die interalliierte Rheinlandkommission eine Rote gerichtet, in der gegen die von letzterer getroffene Anordnung, daß die deutz fchen Behörden dem Delegierten der Rheinlandkommission von jeder beabsichtigten Verhaftung eines Staatsangehörigen der an der Besetzung der Rheinlande teilnehmenden Mächtg vorher Kenntnis geben und daß im Falle der Ergreifung «uf frischer Tat der Beschuldigte sofort dem Bureau des Delegierten zwecks Prüfung der Angelegenheit vorgeführt, wird, Protest erhoben wird, da die Anordnung einen schweren Eingriff in die deutsche Gerichtshoheit darstelle, der durch die Bestimmungen des Rheinlandabkommens nicht gerechtfertigt werden könne. Am Schluß der Rot« heißt es, das Ergebnis der Anordnung würde darin bestehen, daß die sich im besetzten Gebiet aufhaltenden Ausländer, soweit sie zu den an 'der Besetzung teilnehmenden Mächten gehören, aus dem Gebiet der deutschen Strafgerichtsbarkeit ausschieden und in einem Umfang unter der besonderen Protektion der i.a. Rheinlandkommission ständen, wie es höchstens nur in minder kultivierten Staaten unter der Herrschaft der sogenannten Kapitulationen der Fall sei. Unter der Fremdherrschaft. Dortmund, II. April. Oberpostdirektor Kieselbach aus Dortmund wurde vom Militärgericht Castrop zu 1 Jahr Gefängnis und 1 Million Mk. Geldstrafe verurteilt, weil er sich geweigert hatte, den Befehlen der Besatzungsbehörde nachzukommen. — Postinfpek- tor Tübesing in Hattingen erhielt aus demselben Grunde 8 Monate Gefängnis und 1 Million Mk. Geldstrafe. Einige Eisenbahnbeamte und ein Lehrer wurden wegen falscher Berussbezeichnung in ihren Pässen zu 1 Monat Gefängnis und 1 Million Mk. Geldstrafe verurteilt. Der Kaufmann Theodor Rechmann aus Magdeburg erhielt 2 Monate Gefängnis und 2 Millioneu Mk. Geldstrafe, weil er deutsche Flugblätter bei sich trug und im Zuge, aus dem Schlafe geweckt, einen französischen Soldaten beleidigt hatte. — In Castrop befinden sich zurzeit Sv Personen in Haft, die auf ihre Aburteilung warten. Der Bahnhof Marten ist von französischen Truppen besetzt und das deutsche Personal vertrieben worden. Französische Eisenbahner haben den Betrieb übernommen. Der Zugsoerkehr auf der Strecke Dormund-Wanne ist unterbunden. Sv Millionen Mark Strafe für Bner. Berlin, 11. April. Gestern nachmittag wurde, wie die Blätter melden, an der Bahnunterführung am Elgerplatz in Buer, die einen Teil der militarisierten Strecke nach Recklinghausen bildet, eine Sprengung vorgenommeu und ein Gleis zerstört. Die Franzosen sind mit der Ausbesserung beschäftigt. lieber die Stadt Buer ist wegen der Sprengung eine Buße von 5V Millionen Mark verhängt worden. Ferner wurde eine Straßensperre von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens eingeführt. 1288 Personen obdachlos. Trier, 11. April. Der Regierungspräsident von Trier, Dr. Saaßen, hat dem französischen Bezirksdelegierten für den Regierungsbezirk Trier anläßlich der Massenausweisung von Eiscnbahn- beamten in 'Dllnkerath-Euren-Trier-St. Paulin, wodurch allein in Euren und St. Paulin 128V Personen obdachlos geworden find, während weiteren 500 Eisenbahnbeamten in Trier-Ekrang- Conz-Karthaus ein gleiches Schicksal deoorzustehen scheint, ein Protestschreiben übersandt, in dem er sich gegen diesen aller Moral hohnsprechenden Versuch, pflichttreue Beamte zum Bruch des Be- -amteneides und zum Verrat am Vaterland zu verleiten, wendet. Die Kranzosenherrfchaft in Offeubnrg. Offenburg, II. April. Heute mittag wurden drei Aufseher des Gefängnisses verhaftet, weil sie am Vormittag die Aufnahme eines von den Franzosen eingelieferten Deutschen verweigert hatten. Am Nachmittag wurde daraufhin auch Staatsanwalt Mohr verhaftet, aber bald wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem sich herausgestellt hatte, daß nicht er, sondern Gerichtsasseflor Dr. Mohr verantwortlicher Leiter der Gefängnisverwaltung ist. Von den Aufsehern wurden zwei ebenfalls wieder auf freien Fuß gesetzt. Die der Staatsanwaltschaft angegliederte Kriminalabteilung ist letzte Woche durch die Staatsanwaltschaft aufgelöst und die Beamten zur anderweitigen Verwendung ins unbesetzte Gebiet entlassen worden, da zwei Beamten dieser Abteilung von den Franzosen verhaftet, später aber wieder freigelassen worden waren. Die Franzosen waren der Ansicht, daß es sich bei dieser Abteilung um eine örtliche Polizei handle. Die Auflösung der Abteilung ist der französischen Besatzungsbehörde mitgeteilt worden. Die Kohleubeute in drei Monate». Berlin, 11. April. Die „B. Z. a. M." stellte heute anläßlich der nunmehr drei Monate währenden Ruhrbesetzung als Ergebnis der Ruhraktion fest, daß Belgien, Frankreich und Luxemburg vom Beginn des Ruhreinbruchs bis Ende März insgesamt 238 888 Tonnen Kohle und KokS mit Mitteln der Gewalt sich habe verschaffen können, während sie in der gleichen Zeit nach dem bisherigen Verlauf der Reparationslieferungen 42 Millionen Tonnen erhalten haben würden. Das Blatt schließt die Ausführungen mit den Worten: „Ihr Ziel haben die Franzosen und Belgier in drei Monaten nicht erreicht. Eie werden es zu irgendeinem anderen Zeitpunkte ebensowenig erreichen. DaS Berfahren gegen die Krupp-Direktoren. Berlin, 12. April. Nach Blättermeldungen aus Essen ist die Untersuchung gegen die wegen der Vorgänge am Karsamstag verhafteten Direktoren der Krnppwerke in vollem Gange. Es sind jetzt die von den Beschuldigten vorgeschlagenen Zeugen vorgeladen worden. Es handelt sich namentlich um die Arbeiter, die bei den blutigen Vorgängen zugegen waren und um die Mitglieder Da fuhr Hubert auf und schüttelte die Versunkenheit von sich ab. „Nichts soll mich von Almida trennen! Sie wird mein Weib auch gegen den Willen meines Vaters!" „Wir werden sehen, Hubert! Geh' einstweilen voran! Meinetwegen magst Du Almida begrüßen, wenn sie Dich schon empfängt, seid ein letztesmal glücklich zusammen!" „Ein letztemal vor meiner Abreise, Papa! Denn, daß ich meinem Vater den Willen tue, ist wohl geraten." Er ging von den widerstreitendsten Empfindungen gequält. Nur eins stand fest und klar in ihm: daß seine Liebe zu Almida niemals wanken könne, welcher Art auch die Enthüllungen sein mochten, die seiner warteten. Almida befand sich schon im Garten, als Hubert die Villa betrat. Frau von Herbst bemerkte, als sie ihn begrüßte, seine Verstörtheit recht wohl und fragte teilnahmsvoll: „Haben Sie keine befriedigenden Nachrichten von Hause, Herr Wengdorf? Hat der Herr Papa keinen Nachurlaub bewilligt?" Er verneinte, indem seine Blicke die Geliebte suchten. „Unser Herzblatt befindet sich schon auf ihrem Lieblingsplatz und erwartet Sie dort, Herr Wengdorf." Sie legte die weiße, wohlgepflegte Hand auf feinen Arm und sah ihm mütterlich in die Augen: des Großen Betriebsrates. Die Arbeiter stehen auf dem Standpunkt, daß das Zeichen der Sirenen in vollem Einverständnis zwischen der Direktton und der Arbeiterschaft geschehen ist, und daß sich deshalb die Arbeiter mindestens ebenso strafbar gemacht haben, wie die verhafteten Direktoren. Zwei Staatsanwälte verurteilt. Landau. 12. April. Bor dem französischen Kriegsgericht in Landau, fand heute die Verhandlung gegen den ersten Staatsanwalt Fischer und gegen den zweiten Staatsanwalt Helmer, beide aus Kaiserslautern, statt. Der erste Staatsanwalt war angeklagt, weil er dem von den Franzosen erhaltenen Befehl, drei deutsche Zollbeamte ins Gefängnis aufzunehmen, nicht nachgekommen sei. Der zweite Staatsanwalt. der sich weigerte, den ersten Staatsanwalt in das Gofängnis aufzunehmen, wurde dieserhalb vor das französische Kriegsgericht gestellt. Beide Angeklagte wurden bei der heute stattgehabten Verhandlung zu 3 Jahren Gefängnis und 5 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. Dorten besucht nur Bekannte. Paris, 11. April. Am Quai d'Orsay wurde gestern abend aufs neue amtlich erklärt, Dorten sei an keiner offiziellen französischen Stelle empfangen worden und seine Reise nach Paris habe keinerlei polittsche Bedeutung. Im Ministerium des Aeüßern weiß man nicht, weshalb Dorten die Reise unter-j nommen hat. Die von der Ere Rouvelle geäußerte Vermutung daß Dorten als Agent der bayerischen Separattsten nach Paris gekommen sei, wird in amtlichen Kreisen nicht ernst genommen. Man betont, daß Dorten auf jeden Fall beim französischen Ministerium des Aeußern keinen Versuch unternommen hat und auch sicher nicht unternehmen wird, empfangen zu werden. Man erklärt weiter, die französische Regierung könne, Dorten nicht verhindern, nach Paris zu reisen und hier Be- Bekannte zu besuchen. Der annexionistische Publizist Bainville veröffentlicht in der Liberte einen langen Leitartikel über Dortens Reise, indem er der Regierung bitter vorwirft, daß sie Dorten vollkommen fallen gelassen habe. * Es ist wohl niemanden eingefallen, dem offiziellen Frankreich die Dummheit zu unterstellen, daß Herr Dorten von einer amtlichen Stelle empfangen würde; es ist bekannt, daß man dafür in Paris zu klug ist. Aber dort weiß man ja auch weniger bloßstellende und einfachere Wege, um mit dem braven Manne aus dem Rheinstaat zu verkehren; die „Bekannten", die der Treffliche besucht, werden sicher nicht nur über die chikste Pariser Hutform und den neuen Schnitt des Sakkoanzuges für das Frühjahr mit ihm sprechen. Ueber die andern Gegenstände der Unterhaltung können dann diese Bekannte sehr wohl die offiziellen Kreise, die sich dafür interessieren, unterrichten. Das ist nämlich das Entscheidende: Auch der französischen Regierung ist die völlige Ohnmacht des Dorten-Häufleins, das nach der Ruhrbesetzung sicher, noch kleiner und ohnmächtiger geworden ist, endlich aufgedämmert. Da ist es denn durchaus möglich, daß dieser Dorten sich jetzt, wie es in einer Pariser Meldung in unserer früheren Meldung dargelegt ist, aufs neue in Wert zu setze versucht mit neuen Mitteln, nämlich mit der wohlwollenden Förderung bayerischer und sonstiger Separatisten-, Monarchisten-, Nationalsozialisten- und verwandter Pläne. Mit seinem Instinkt wird er erraten haben, daß für all diese Dinge gewisse Pariser Kreise gleichviel Sympathie und — Geld übrig haben werden, wie für seinen bisherigen Rum-, mel. Die bayerischen und sonstigen Separattsten-, Monarchisten-, Nationalsozialisten- und verwandten Kreise sollten einmal über diese — von ihnen wenigstens z. T. sicher nicht gewollte, aber für die Endwirkung ihrer Bestrebungen ungemein bezeichnende — Bundesgenossenschaft ebenso eifrig Nachdenken. Eine Niederlage Donar Laws. London, 10. April. Unterhaus. In der Frage der Verwendung von vormaligen Soldaten in der Zivilverwaltung erlitt die Regierung mit 145 gegen 138 Stimmen «ine Niederlage. Die Niederlage der Regierung erfolgte bei der rein technischen Frage, ob die Beratung des Etats für den' Zivildienst fortgesetzt werden solle. Unmittelbar vor der Abstimmung fand eine Aussprache über die Frage der Verwendung früherer Soldaten im Zivildienst statt. Die Abstimmung über die technische Frage kam unerwartet: viele Anhänger des Ministeriums waren abwesend. Es ist noch nicht bekannt, ob die Niederlage der Regierung politische Folgen nach sich ziehen wird. Aber die technischen Folgen sind ernst, da das Haus durch seine Abstimmung beschlossen hat, den Etat für den Zioildienst nicht zu erörtern. In den Wandel- gängen des Unterhauses wird die Niederlage der Regierung eifrig besprochen. Die Anhänger des Ministeriums geben zu, daß trotz der technischen Frage, bei der die Regierung geschlagen wurde, eine mißliche Lage geschaffen worden ist und daß das Ansehen der Regierung gelitten hat. Wie verlautet, wird die Regierung wahrscheinlich in sehr kurzer Zeit dem Hause den Antrag wieder unterbreiten, bei dem sie geschlagen wurde und so die heuttge Abstimmung anfechten, in welchem Falle keine Krisis entstehe« würde. Englands Luftkriegsrüstung. London, 9. April. Einer Blättermeldung zufolge werden im Auftrag des Luftfahrtministenums 12 uene Typen von Flugzeugen gebaut, die vom kleinsten Erkundungstyp bis zum größten Luft-Dreadnought gehen. Ein Küstenverteidigungsflugzeug wird mit einem Motor von 100 PS. versehen werden, eine Geschwindigkeit von nahezu 3 Meilen in der Minute entwickeln und 5 Personen an Bord führen können. Polnische Kriegsreden. Posen, 12. April. In einer Rede auf dem Rathaus in Posen richtete der polnische Ministerpräsident scharfe Angriffe gegen Deutschland. Er behauptete, Deutschland rüste zu einem Revanchekrieg und beabsichttge. nach Beseitigung des polnischen Korridors nach Danzig vorzudringen. Es läge deshalb im Interesse Polens, .daß der Entdeutschungsprozeß der westlichen Teile Polens sich möglichst schnell vollziehe. Die polnische Regierung werde zu strengeren Methoden übergehen. In Zukunft müsse die ganze Entwicklung des Freistaates Danzig vollständig von Polen abhängen. Die Rede des polnischen Ministerpräsidenten hat in der deutschen Presse Polens einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Luftschiffahrtsabkommen zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei. Paris, 12. April, Zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei ist dem Matin zufolge ein Luftschiffahrtsabkommen geschloffen worden, über das bereits seit der Genuese^ Konferenz verhandelt wurde. Das Abkommen sieht Zusammenarbeit, Austausch von Ingenieuren, MechaMern, Flugzeugführer» usw. vor und bestimmt über Erleichterungen die sich beide Staaten beim Ankauf von Flugzeugen gewähren. Der letzte Artikel des Abkommens bezieht sich auf die Genehmigung von Flugzeugkonstrukttonen und sieht eine Kontrolle alley auslänidschen Konstrukttonen und aller fremden Luftfahrzeuge mit Ausnahme tschechischer und französischer Apparate vor. Der Matin hofft, daß dieses Abkommen die Möglichkeit gibt, der deutschen Flugfahrt die Tschecho-Slowakei völlig zu verschließen. Die Entente als milder Glüubigeer gegenüber — Bulgarien. Wien, 11. April. Wie das Wiener Journal von unter- richteter Bulgarischer Seite erfahren haben will, soll die Reparationskommission eine überaus günstige Entscheidung über die bulgarischen Reparationsleistungen getroffen haben. Bulgarien soll statt ursprünglich 2200 Millionen Goldfrancs bloß 800 Millionen in 60 Jahren statt, wie bisher festgesetzt, in 37 Jahren, bezahlen und hat in den nächsten fünf Jahren bloß 5 Mill. Goldfranc aufzubringen. Als Garantie würden die Zolleinnahmen, jedoch ohne Zollkontrolle, verpfändet und auch das Generalpfandrecht soll aufgehoben werden. (Bulgarien ist unter der neuen Regierung ententefreundlich, das erklärt, die Milde. Schriftl.) Verhandlungen über die Bagdadbahn? Paris, 11. April. Der Berliner Korrespondent des Journal glaubt mitteilen zu können, daß der Direktor der Deutschen Bank, Herr von Strauß, sich letzte Woche nach England begeben hat, um mit den englischen Behörden über die Rückgabe gewisser Rechte an der Bagdadbahn an die Deutschen zu verhandeln. Die Engländer sollen geneigt sein, den deutschen Forderungen dieser Art nachzukommen. Der bayerische Handelsminister über die Markstützung. Keine endgültige Maßnahme? München, 11. April. Der bayerische Handelsminister von Meinl hielt gestern in der ordentlichen Mitgliederversammlung der Gruppe Bayern des Zentralverbandes des deutschen Großhandels eine Rede, die viel beachtet wurde. Der Minister äußerte sich über die Markstützungsaktion der Reichsregierung und erklärte, die Reichsbank verfolge keine endgültige Stabilisierung der Mark auf dem jetzigen Stand; :die natürliche Reaktion auf die Devisenhausse soll nur für eine längere Zeit gestärkt werden. Bon der Wiedereinführung des Bankgeheimnisses erhofft der Minister eine günstige Wirkung. Schließlich erklärte er sich'^gegen jede Zwangswirtschaft, deren Reste umgehend beseitigt werden müßten. Aufhebung der Getreideumlage. Berlin. 12. April. Der Reichstag hat heute mit 211 gegen 146 Stimmen den gemeinsamen Antrag des Zentrums der Dolkspartei und der Demokraten angenommen, der fordert, daß von einer weiteren Getreideumlage abgesehen werde« müsse, und daß eine rechtzeitige Sicherung eimr ausreichenden Brotgetreidemenge unter Mitwirkung der in Betracht kommenden Organisattonen zu erfolgen habe. Durch besondere Belastung des Besitzes soll das Brot für Minderbemittelte verbilligt werden. Zug-Telephonir. Der Berkehrsminister und der Postminister telephonieren aus dem fahrenden Hamburger D-Zug. Berlin, 10. April. Die Eisenbahnzug-Telephonie der Fun- kentelegraphischen Gesellschaft Huth-Berlin, über die bisher nur allgemeine Berichte in die Oeffentlichkeit drangen, wurde heute den leitenden Persönlichkeiten des Reichsverkehrs und des Reichspostministeriums in der Praxis auf der Strecke Berlin- Hamburg vorgeführt. Die Minister mit den Herren ihrer Ministerien und der Eisenbahndirektion Altona begaben sich nach Wittenberge und erwarteten dort den aus Hamburg kommenden mit Zugtelephonie ausgerüsteten D-Zug, mit dem sie nach Berlin zurückkehrten. Nachdem das Direktorium der Huth- Gesellschaft eine llebersicht über die Methode und die technische Einrichtung der neuen Telephonie gegeben hatte, überzeugten sich die Herren von dem guten Funktionieren der Einrichtung durch verschiedene Gespräche mit Berlin. Es wurden Gespräche mit dem Reichspräsidenten und dem Finanzministerium sowie mit einer Reihe von Persönlichkeiten geführt. Am eindrucksvollsten war die Tatsache, daß man mit jedem Telephonanschluß in Berlin während der Fahrt ebenso verbunden wird, als wenn man sich in Berlin selbst befindet, ja, daß der Angerufene nicht einmal bemerkt hat, daß er mit dem in voller Fahrt befindlichen D-Zug im Gespräch ist . Die Aushungerung der sächsischen Kirche. Die Verelendung des sächsischen Pfarrstandes nimmt immer schärfere Formen an. Unter den 1500 Geistlichen sind kaum 100, die ein auskömmliches Gehalt beziehen, alle übrigen-bleiben hinter dem Gehalt ihrer Stufe um mindestens 50»/« zurück bis herunter auf 90 o 0 - Im März sind in den allermeisten Fällen die Gehaltszahlungen ganz ausgeblieben. _ Daß die Aushungerung der Kirche das bewußte Ziel der sächsischen RegieruugSpolitik ist, beweist die unlängst im Reichstag mitgeteilte Aeußemng des sächsischen Ministers Liebmann: „Wenn die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche kommt, haben wir das größte Interefle daran, daß die Kirche nicht stark, sondrm schwach ist und nur noch wenige Geistliche hat." Darum hat man es auch für. gut befunden, auf das Anerbieten des Reichs, dey Ländern zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen den .Religionsgesellschaften gegenüber Kredite zu gewähren, nicht einmal zu antworten. Baden. Abänderung des Grund- und Gewerbesteuergesetzes. Bei der zweiten Lesung des Gesetzentwurfes im Haushaltausschuß haben sich die starken Gegensätze zwischen Berketern der Landwirtschaft und des Gewerbes erneut gezeigt. AK Ergebnis von Besprechungen unter den Koalittonsparteien wurden zu den Beschlüssen der ersten Lesung Abänderungsanträge Schofer-Marum- Glockner befchloflen. die dem Inhalt nach folgendes bestimmen': Die verschiedenen Steuerwerte sollen in nachstehendem Verhältnis für Land-, Kreis- und Gemeindesteuern herangezogen werden, zum Nr. 43. Jahrgang 1923. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 13. Avril 1923. Ausgleich der unterschiedlichen Bewertung: Gewerbliches. Land- und Forstwirtschaftliches Betriebsvermögen einfach, Gebäude zweifach (in Gemeinden ein- bis dreifach). Bei einzel geschätzten Grundstücken vierfach, Wald- und klassifizierte Grundstücke achtfach. Das gewerbliche wie landwirtschaftliche Betriebsvermögen bleibt bis zu 200000 Mk. steuerfrei, von 200000 Mk. bis 500000 Mk. wird es um 50 Prozent ermäßigt, von 500000 Mk. bis 1 Million um 40 Prozent, von 1 Million bis 1.5 Millionen um 30 Prozent, von 1,5 bis 2 Millionen um 20 Prozent, von 2 bis 2,5 Millionen um 10 Prozent. Von 2,5 bis 5 Millionen bleibt der Stellerwert einfach, von 5 bis 10 Millionen erfolgt ein Zuschlag von 5 Prozent, von 10 bis 20 Millionen 10 Prozent Zuschlag, von 20 bis 30 Milllonen 15 Prozent, von 30 bis 40 Millionen 20 Prozent, von 40 bis 50 Millionen 25 Prozent, von 50 bis 60 Millionen 30 Prozent, von 60 Millionen und mehr 35 Prozent. 8 13 Abs. 3 wird mit Wirkung ab 1. April 1921 gestrichen, da die Berechnung des Ertrages infolge der reichsgesetzlichen Bestimmungen (§ 33 a und b des Geldentwertungsgesetzes) nicht möglich ist. Im übrigen wurden die Beschlüsse der ersten Lesung bestätigt. Die Beratung im Plenum des Landtags wird voraussichtlich Donnnerstag beginnen. Gegen das neue Geschichtsbuch. Karlsruhe, 6. April. Die mehrfachen zur Sprache gebrachten schweren Bedenken gegen das Geschichtsbuch von W. Martens haben nun doch einen Erfolg gehabt. Das Unterrichtsministerium stellt sich offen auf die Seite der Beschwerdeführer, zumal der jetzige Unterrichtsminister schon früher pädagogische Anstöße genommen hatte. Also wegen der „nationalistischen" Seite der Sache ists nicht allein. Freilich ist es noch nicht gelungen, ein Ersatzbuch so schnell zu fertigen. Aber alles Erforderliche ist getan, wie es heißt. Dabei erfährt man, es sei aber auch schon gegen das Ersatzbuch Sturm gelaufen worden! Ein unverständliches Urteil. Heidelberg. Bor der Heidelberger Strafkammer wurde am Dienstag ein Prozeß verhandelt, der mit den bekannten Vorgängen im physikalischen Institut der Universität Heidelberg am 27. Juni 1922 (Rathenaumord-Demonstration) und mit dem Widerstand des Prof. Dr. Lenard gegen die Regierungsverordnung zusammenhängt. Es waren angeklagt cand. phil. Mierendorff, früher in Heidelberg jetzt in Berlin und weitere acht Beteiligte aus Heidelberg, in der Hauptsache Arbeiter. Die Angeklagten waren s. Zt. in das Institut eingedrungen weil Prof. Lenard trotz der entgegenstehenden Bestimmung der badischen Regierung am 27. Juni ein Praktikum gehalten und die Flagge der Universität nicht auf Halbmast gesetzt hatte. Es war dabei auch zu kleinen Beschädigungen des Instituts und zu Drohungen gegen Personen gekommen und bekanntlich war dann auch Prof. Lenard von der Menge auf das Gewerkschasts- haus geschleppt worden. Das Urteil wurde, nachdem die Verhandlung den ganzen Tag in Anspruch genommen hatte, nach mehr als einstündiger Beratung des Gerichts gefällt. Es wurden verurteilt: Mierendorff wegen Landfriedens- und Hausfriedensbruches zu vier Monate» Gefängnis, der Arbeiter Black zu drei Monaten Gefängnis und der Arbeiter Zobelein zu 5 Monaten Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. * Der Fall Lenard-Mierendorff hat ein begreifliches und leider nur zu berechtigtes Auffehen erregt. Man steht vor der beschämenden Taffache, daß das natürliche Rechtsgefühl durch ein Gerichtsurteil beleidigt ist. Lenard hat durch fein Verhalten nach der Ermordung Rathenaus jene Erregung in dem staatstreuen Teil der Heidelberger Bevölkerung hervorgerufen, welche zu dem Eindringen in sein Institut führte. Mierendorff suchte das Staatsintereffe zu verteidigen. Aber Mierendorf wird verurteilt, Lenard bleibt un- behelligt. Dies Ergebnis wird im Volk nicht verstanden. Aus Nah und Fern. )( Sinsbeim» 10. April. (Kommunalverbandsausschuß.) Infolge Erhöhung der Mahllöhne, der Bäckerunkosten und der Frachten — der Kommunalverband muß sein durch die Reichsgetreidestelle überwiesenes auswärttges Getreide, infolge der Besetzung des Industriehafens in Mannheim durch die Franzosen und die erfolgte Beschlagnahme der dort lagernden Getreidevorräte, aus Mecklenburg beziehen — fällt eine Erhöhung des Brot- und Mehlpreises nötig. Die für die Zeit vom 16. April ds. I4. ab geltenden Preise sind im amtlichen Teil dieser Zeitung zu ersehen. * Sinsheim, 13. April. (Kasino.) Die Kasinogesellschast hielt gestern ihre Frühjahrs-Generalversammlung ab. Es wurde beschlossen, den Lesezirkel wieder einzuführen, aber die Mitglieder müssen die Mappen gegenseitig adholen. Der Mitgliederbeitrag wurde vierteljährlich aus 1000 Mk. festgeseßt, die Aufnahmegebühr soll ebenfalls 1000 Mk. betragen. Schließlich wurde ein Programm für die Sommerveranstaltungen festgelegt. — Heidelberg. 12. April. (Stadttheater.) Am Sonntag Nachmittag 3 Uhr findet eine Vorstellung von „Wilhelm Tell" statt. Diese dürfte gerade für auswärtige Besucher von Interesse sein, da nach Schluß derselben (6 Uhr) noch Zugoerbindungen nach allen Richtungen hin möglich sein werden. Schriftliche Bestellungen nimmt die Theaterkaffe jetzt schon entgegen. p Mannheim, 12. April. (Lebensmüde.) In seiner Wohnung erhängte sich ein in der Mittelstraße wohnender 56 Jahre alter, verheirateter Invalide infolge unheilbaren Leidens. — Heute früh sprang in der Nähe der Rheinbrücke ein in der Bellen- straße wohnendes Mädchen in selbstmörderischer Absicht in den Rhein und wurde stromabwärts getrieben. co Mannheim, 13. April. (Einsturz.) Bei den Umbauarbeiten im hiesigen Hauptbahnhof stürzte der eiserne Dachstuhl einer im Abbruch befindlichen Wagenhalle ein. Hierbei wurde der Arbeiter Wilhelm Zolk lebensgefährlich verletzt, während zwei andere Arbeiter leichtere Verletzungen erlitten. t Flehingen, 13. April. (Erhängt.) Der 23 Jahre alte ledige Schuhmachergeselie Karl Sitzler hat sich gestern hier erhängt. Als Grund der Tat hört man Familienangelegenheiten. r Berghaupten b. Gengenbach, 13. April. (Durch Erdrutsch) am Haupteingang des Schachtes im hiesigen Bergwerk wurden in einer der letzten Nächte drei Arbeiter schwer verletzt. t Emmendiugen, 13. April. (Brand.) In Lötzingen ist das Anwesen des Schreiners Robert Dier völlig niedergebrannt. Das Feuer griff auch auf das Anwesen des Schuhmachers Henninger über und äscherte es ein. t Lörrach, 12. April. (Auslands verkehr.) Seit der Stabilisierung des Markkurses ist der Ausländeroerkehr in den badischen Grenzorten sehr zurückgegangen. Die Uffache liegt in den teuren Preisen, gegen die auch der Frankenkurs nicht mehr aufkommt. Zudem sind heute manche Artikel in der Schweiz billiger als bei uns. p Schiltach, 13. April. (HolzMangel.) Die Bäckereien im benachbarten Aichhalden (Württemberg) sind gewungen, ihren Bettieb einzustellen, da sie trotz aller Bemühungen kein Holz bekommen können, obwohl Aichhalden viele Privatwaldungen besitzt. b Friedrichshafen, 13. April. (U n fu g.) Ein Bube von sechs Jahren hat zwischen hier und Löwental nach einem .Personenzug, der von Arbeitern dicht besetzt war, einen Stein geworfen, der ein Fenster durchschlug. Ein Arbeiter aus Ravensburg wurde von einer Unmenge dünner Glasspitter dicht übersät. Die Splitter drangen dem Bedauernswerten in beide Augen und verletzten ihn schwer. d Biebrich, 13. April. (Eine ganze Familie in Gefahr einer Gasvergiftung.) Einer Gasvergiftung wäre nachts eine Familie in der Burgstraße beinahe zum Opfer gefallen. Durch Nachbarn wurden am anderen Morgen das Ehepaar und zwei Kinder bewußtlos aufgefunden. Das Einfamilienhaus hat selbst keine Gasleitung, aber das unter der Straße liegende Gasrohr war undicht geworden, wodurch das Gas durch den Keller in die Wohnung eindrang und die ganze Familie in Gefahr brachte. Die vier Personen wurden ins städtische Krankenhaus gebracht, wo sie sich im Laufe des Tages wieder erholten. t Mainz, 13. April. (S ch w e r e r U n f a l l.) Ein schwerer Unfall ereignete sich bei dem Eröffnungsrenuen auf dem Mainzer Sportplatz. Ein junger Mainzer Motorfahrer, Bernhard, wollte die Bahn überschreiten, als gerade der Rennfahrer Krappke mit einer Geschwindigkeit von 80 km vorüberfuhr. Bernhard wurde ersaßt und zu Boden geschleudert, wobei er tödliche Verletzungen erlitt. Der Rennfahrer kam bei dem Zusammenstoß mit einem Hand- und Nasenbeinbruch davon. b Kempten, 12. April. (Frechheit.) In der evang. St. Mangkirche zündete ein Mensch während des Gottesdienstes eine Zigarette an. Der Pfarrer unterbrach die Predigt und wies den Frechling zurecht. Amtliche Kurse utUgeltM von der Banksirma B aer & Elcub. Karlsruhe. 5 o/o Kriegsanleihe . — 4 »Io Bad. Eisend. Aul. 130 3>/r»/v do. conv. . . 105 4 o/o Bayern.... 310 4 o/o Württemberger . 116 Mitteld. Creditbank Akt. 9500 Allgem. El. Akt. . . 26 000 Paketfahrt „ . . 45 50» Nordd. Lloyd , . . 29 200 Phönix . . 67 750 Bad.Anilin u.Soda Akt. 33 500 Deutsche Kali-Akt. . . 59 000 Devise Amerika-Dollar — Jt 21 05©.— Schweiz 1 Franc = Jt 3850.— Holland 1 Gulden — Jt 8265.— Evangelischer Gottesdienst Sonntag» 18. April. Mijericordias Domini. l/210 Uhr: Gottesdienst. Stadtoikar Meerwein. i /2 II Uhr: Christenlehre. Dekan Eisen. 1 Uhr: Kindergottesdienst. Stadtvikar Meerwein. Allgemeine Ortskrankenkaffe für de« Bezirk SiÄvheim. Auf Grund der Verordnung der Reichsregierung vom 27.3.1923 (R- G. Bl. Nr. 25 S. 225 u. ff.) hat der Vorstand folgende Grundlohnklassen und Unterstützungen festgesetzt: Krankenversicherung: Invalidenversicherung: cs 8 Tägl. Arbeitsverdienst ms Jt C o s rs © JC Beit s 5? e?3 © Jt rag SS« JC 5 ZL o CB 6 JC Sterbegeld Jt c" Z Tagt. Arbeitsverdienst bis Jt B c % ® Jt eitrag Jt 1 480.99 300 210 140 150 6000 I 24.99 10 5- 2 720.99 600 420 280 300 12000 2 48.99 20 10- 3 1080.99 900 630 420 450 18000 3 96.99 30 15.— 4 1440.99 1300 910 607 650 26000 4 168.99 40 20.- 5 1920.99 1700 1190 793 850 34000 5 240.99 50 25- 6 2800.— 2400 1680 1120 1200 48000 6 360.99 65 32.50 7 4000.— 3400 2380 1587 1700 68000 7 480 99 85 42.50 8 6000.— 5000 3500 2333 2500 100000 8 720.99 110 55.— 9 8000.- 7000 4900 3267 3500 140000 9 1080.99 145 72.50 10 10000.— 9000 6300 4200 4500 180000 10 1440.99 180 90.— 11 13000.— 11500 8050 5367 5750 230000 11 1920.99 225 112.50 12 13000.— 14400 10880 7253 7200 288000 12 2400.99 270 135.— u. mehr 13 2401». m. 320 160 — - Die Beiträge treten mit dem 1. 4. 1923 in Kraft. Auf die Unterstützungsleistungen der Klaffen 8—12 haben die Mitglieder erst vom 22. 4. 23 ab Anspruch. Die Bersichcrungsgrenze für Angestellte wurde auf jährlich 4800000 Mk. erhöht. (Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 1. 4. 23 (R.G.Bl. S. 234). Sinsheim, den 12. April 1923. Der Borstand: Sidler. Vezirksversmmlmg der landw. SmoWchaften. Sonntag, 15. April nachmittags VtZ Uhr im Saale des Gasthauses zum „Löwen" in Sinsheim, wozu die Genoffenfchasten und deren Mitglieder ringeladen sind. Um 3 Uhr findet ein B o r t r a g über landw. Tagesfragen sowie Vorführung von Lichtbildern über Kalkstickstoffindustrie statt. Die Bezirksleitung: Ziegler. Nerpel. 8m8neim Welt-Kino Sptelplan für Samstag 14. und Sonntag 15. April. Ein berühmter erstklassiger Film wird gespielt! Sumurun Orientalisches. Spiel in 6 Akten. Der Klapperstorch ist schuld daran Lustspiel in 1 Akt. Spielzeit: Samstag Abend 8 Uhr Anfang Sonntag Abend 8 Uhr Anfang Es ladet fteundlichst ein Die Direktion. Demut! eines kuvM-Ileuvuils. Wir fragen an, welche Firma unseren Neubau zum angemeffenen Preis verputzen kann. Material wird gestellt. Angebote an Elsenzwerk Sinsheim. » Druckarbeiten »»»» »» » » •mmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmw” Kohlenversorgung! Das neue Kohlenjahr beginnt am 1. Mai. Um eine rechtzeitige Eindeckung des Hausbrands sicher zu stellen, hat der Keicbskohlen- kommissar angeordnet, daß die süddeutschen Bezirke möglichst noch in diesem Monat anstelle der ausfallenden Ruhrlieferungen mit mitteldeutschen Braunkohlenbrickets beliefert werden; für diese Lieferungen kommt der durch die Ermäßigung der Kohlensteuer eingetretene niederere Preis bereits in Betracht. Ich bitte sämtliche bei mir eingeschriebenen Kunden um baldigste Aufgabe ihres Bedarfs (auch für spätere oder kleinere Teil-Lieferungen) damit ich, namentlich auch unter Berücksichtigung ev. später zu erwartende Schwierigkeiten, für eine ausreichende «Belieferung rechtzeitig Sorge tragen kann. Sinsheim, 13. April 1923. E Cnaleor Kohlenkleinhandlung ■ wpClövl j Fernsprecher Nr. 12. Wer kennt noch nicht unsere neuesten Hausbacköfen? Keine Vorfeuerung Geringer Platzbedarf Kleinster Brennmaterialverbrauch Einfachste Bedienung Bewährt sich in jedem Haushalt. Prospekte und Preise auf Anfrage. Gebr. Kirsch, Meckesheim. AlleimMlheil ob. eins. Stütze die Liebe zu Kind, hat, auf sof. od. Ispäter gesucht. Zeitgemäß. Gehalt. Srau Rittmstk. Poppenhusen.Bucheuauer Forsthaus Post Waldangrlloch. Prima Rotkleesamen und Blaukleesamen sowie VferdezahnmaiS per Pfund Mk. 1000.— wieder eingetroffen bei Albert Ledermann Freitagsgaffe 276. Telefon 49. vernichtet verblüffend vernichtet verblüffend dovpelfiark, geruchlos, in Apotheken ».Drogerien Nieder!.: Dr.K.Kieffer.Apotheke. , für Handel, Gewerbe, Behörden und vrtvate » wie vostlorttn Mitteilungen Briefbogen m. Finna Rechnungen Lriefhllllen m. Mrma Frachtbriefe Anhänger Besuchskarten Deriobungskartrn Trauerbriefe Trauerkarlen Dankfagungskarlen Eintrittskarten Quittungen » 1 m ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■■ ■ ■■ und fonstigr Formulare aller Art liefert bei sorgfältiger Ausführung und reelle» Preisen die S. Becker'sche Buchdruckerei Buchbinderei und Papierhandlung Sinsheim. »» «»» mmm finrtolleldiinger und flnrlendiinaer offeriert Albert Ledermann Freitagsgasse 276. Telefon 49. Habe die Alleinvertretung des Schier 2/4pS.JÄotorrai!es für Bezirk Breiten, Eppingen und Sinsheim übernommen. Motorräder stets am Lager. Mg. Freusch, Eppingen. Fahrradhandlung, Telephon 79 tiüHiiiiiiifiimiiiifiiiiiiüiüiiiiiüiiiKiifiiiiiia Nebenverdienst! Alte Feuer - Versicherungs-Gesellschaft hat Beriretung (auf Wunsch auch für Umgegend oder größeren Bezirk) zu vergeben. Angebote unter Nr. 302 an den Landdoten erbeten. Großes Lager in Smaill-Herde Emalll- Waren Eisen-Waren zu billigsten Preisen. Hch. Bender, Michelfeld Wilhelmstr. 1. U/ar 70 n beseitigt schnell "■ fcwl I und schmerzlos Dr. Bufleb’s WerzenzerstSrer. Zuhab.bei: A. Engel, Engel-Drog.. schöne Hohenloher Schwarzschecken tteffen jeden Samstag nachmittags 5 Uhr hier rin und verkaufe zum Tagespreis. «eorg Hahuer, Schweinehdlg. Bad Rappe««»- Tel. AI. Viktoriafaaterbfen erste Absaat, ferner bad. Saatwelschkorn zu haben bei Albert Ledermann Freitagsgaffe 276. Telefon 49. Wer unreines Jlut hat? Stuhlverstopfung, Hämorrhoiden» schlechte Verdauung, Blutandrang nach d. Kopie, Kopfschmerz, trinke Dr. Bufleb's echten Frangulatee. Zu hab. bei: A. Engel, Engel-Drog. Schristleituna: H Becker; Druck und Verlag: G. Beck ersehe Buchdruckerri in Sinsheim. Hierzu eine Beilage. Nr. 43. Jahrgang 1923. Helft an Rhein nnd Ruhr! Noch hat die Bevölkerung bisher ihre Ruhe bewahrt. Ob dies auf die Dauer möglich fein wird? Die täglichen Schikanen mancherlei Art, das Bewußtfein, auf Schritt und Tritt von Spitzeln umgeben zu fein, auf der Straße, im Straßenbahnwagen, auf der Fahrt im Eisenbahnzug, in öffentlichen Lokalen, die Furcht vor einem gewissenlosen Denunziantentum aus dem Abschaum des eigenen Volkes, die Angst der Frauen und Kinder, durch feindliche Niedertracht plötzlich des Gatten und Paters beraubt zu werden, das alles lastet unendlich schwer auf den Millionen deutschen Volksgenossen an der Ruhr. Hinzu kommt noch die beginnende Unsicherheit, die sich bei dem Fehlen polizeilichen Schutzes immer mehr geltend macht. Die Abgeschlossenheit gegen die Außenwelt durch das Versagen des Fcrnfprechdienstes, das häufige Verbot der Zeitungen und damit die Unmöglichkeit, wilde Gerüchte als solche bckld zu erkennen oder drohenden Gefahren noch rechtzeitig zu entgehen, machen diese Unsicherheit zur Qual. Anarchische Zustände, die zunächst noch einigermaßen erträglich, aber doch geeignet sind, Gesindel aller Art, in Uniform und in Zivil, heranzuziehen, das hier ein reiches Feld der Betätigung finden könnte. Kann man sich wundern, daß ein Haßgefühl für den fremden Bedrücker heute alle beseelt, wie es sich in folgenden Worten Luft macht, denen man an Litfaßsäulen und Häusern da und dort immer wieder begegnet, mögen sie noch so oft von den Franzosen entfernt werden: Deutscher Schwur. Wer einem Franzosen im deutschen Land Obdach gewährt und Unterstand, Wer die verfluchte Hand ihm faßt, Ihn nicht verachtet und tödlich haßt, Ihn eines Blickes würdig hält, Wie Gift nicht meidet fein gleißend Geld Ihn labt mit einem Bissen Brot, Ihm Hilfe leiht, wenn er in Not — Wer einen Becher Wein ihm reicht, Wer, wie vorm Aas, von ihm nicht weicht — Der fei fortan im deutschen Land Ein ehrvergessener Lump genannt. Man hat oft den Eindruck, als ob für das Furchtbare, das unsere Volksgenossen an Ruhr und Rhein zu ertragen haben, bei uns im unbesetzten Deutschland nicht immer das notwendige Berständnis vorhanden fei. Auch das scheint mir noch nicht genügend erkannt zu sein, daß in die Hand dieses prächtigen Volkes an der Ruhr unser aller Schicksal gelegt ist und für uns aus dieser Tatsache die Pflicht erwächst, durch unser Perhalten die Widerstandskraft der Kämpfer für deutsche Ehre und deutsche Freiheit zu erhalten und zu stärken. Die Abwehrfront im Ruhrgebiet ist, wie ich wiederhole, lückenlos. Auch die Kommunisten, die erfreulicherweise unter den bodenständigen Bergleuten des alten Bergbaugebiets keinerlei Einfluß auszuüben vermögen und mehr in der Metallindustrie anzutreffen sind, haben sich in diese Front eingeordnet. Sie wagten auch dort, wo sie einmal eine nicht zu unterschätzende Macht bedeuteten, die aber von Tag zu Tag immer mehr dahingeschwunden ist, in dem neuerschlossenen, nördlichen Teil des Kohlengebietes, in Buer und Umgegend, bisher nicht aus der Reihe zu tanzen. Gründe der Selbsterhaltung mögen für die einzelnen Mitglieder dieser Partei ebenso mitbestimmend sein wie für den polnischen Teil der Arbeiterschaft, der sich, verschwindende Ausnahmen abgerechnet, bisher recht gut gehalten hat. Damit soll keineswegs verkannt werden, daß die aus allen Teilen des Reiches und darüber hinaus in dieser Gegend zusammengeström- tea Leute immerhin eine gewisse Gefahr bilden, die ernstliche Beachtung verlangt. Die Franzosen werden auch künftighin alle Hebel ansetzen, um diesen an sich unzuverlässigen Teil der Bevölkerung für ihre Zwecke zu gewinnen. Ihre Bemühungen waren bisher ergebnislos, zumal gerade in diesem Teil des neubesetzten Gebietes der französische Militarismus seine häßliche und blutige Fratze mit erschreckender Deutlichkeit gezeigt hat. Auch die Mordtat am Samstag, der zufällig führende Kommunisten zum Opfer gefallen sind, dürfte, so sollte man wenigstens annehmen, .ihre Wirkung auch auf diese Kreise nicht verfehlt haben. Di« Ernährung ist auf Monate hinaus sichergestellt, die Ruhrhilfe macht sich hierbei schon in recht erheblichem Maße fühlbar. Arbeit ist. wie schon gesagt, ebenfalls in genügender Weise vorhanden, so daß der Boden für innere Unruhen mit Putschversuchen auf absehbare Zeit wenig geeignet sein dürste. Werden die Arbeiter zum Feiern durch die Feinde gezwungen, nun gut, dann wird ihnen ihr bisheriges Einkommen nach wie vor sichergestellt sein. An uns im unbesetzten Deutschland ist es nun, dafür zu sorgen, daß diese erste und wichtigste Voraussetzung zum Durchhalten auf lange Zeit hinaus gesichert bleibt. Die Opfer, die wir schon gebracht haben und die wir in noch weit erheblicherem Maße werden dringen müssen, sollen nicht umsonst gebracht sein. Sie werden sich reichlich lohnen in dem Bewußtsein, daß damit einem kernigen und tapferen Bolksstamm di« Waffe gegeben wird, »m den Kampf gegen den Bernichtungswillen «ine« unmenschlichen »ad grausamen Feindes bis zum siegreichen Ende durchznführen. „3>ie Deutschen haben es auch nicht anders gemacht". Durch französisch« Agenten wird zurzeit in der ganzen Welt und sogar in Deutschland verbreitet, die Deutschen hätten es während des Krieges in den besetzten Gebieten „auch nicht anders" getrieben als die Franzosen jetzt im Ruhrgebiet. Abgesehen davon, daß jetzt angeblich Friede herrscht und damals Krieg — abgesehen davon, daß jetzt die Franzosen die übermütigen Beherrscher von Europa sind, während wir damals einen Verzweiflungskampf um die Existenz gegen die halbe Welt führten — ist die Angabe, daß wir es .ebenso gemacht" hätten, das Gegenteil der Wahrheit. In dem soeben erschienenen Doppelheft der Süddeutschen Monatshefte für Februar und März behandelt Otto v. Stülpnagel, der sich durch die Untersuchung der Zerstörungen Nordsrankreichs und Belgiens auf Grund der Urkunden ein großes Verdienst erworben hat, eingehend wieder auf Grund von amtlichen und Privatdokumenten die Frage, wie sich die Deutschen während des Krieges in den besetzten Gebieten verhalten haben. Selbstverständlich hat es in der deutschen Armee Ausnahmen gegeben, die ihren Charakter wie zu Hause so auch im Feindesland nicht verleugnen konnten. Aber noch niemals ist, wie Stülpnagel besonders betont, in irgendeinem Krieg in den besetzten Gebieten soviel für wirtschaftliche, soziale, gesundheitliche oud kulturelle Einrichtungen geleistet worden wie durch die Deutschen im Der Land bon ♦ Sinsheim« Zeikülg. _ Weltkrieg, noch niemals vou Heeren im ganzen soviel Menschlichkeit gegen dir Bevölkerung der eroberten Gebiete bewiesen worden, wie bet den drei deutschen Vormärschen auf franzö- sischem Boden in den Kriegen Napoleons I., Napoleons III. und Poincares. Es scheint jetzt höchste Zeit, einmal eine klare Parallele zwischen dem Auftreten der ftanzösischen und bel- gischen Besatzungstruppen an Rhein und Ruhr mitten im Frieden und dem Verhalten der deutschen Truppen im besetzten Gebiet während des Weltkrieges zu ziehen. Außerordentlich wirkungsvoll sind die Dokumente, die Otto v. Stülpnagel dem jetzigen Schreckensregiment gegenüberstellt. Es wird bei der Darstellung nur auf dokumentarische Beweise französischer und belgischer Zivilpersonen zurückgegriffen, und es werden dabei die Briefschreiber mit vollem Namen genannt. Es ist an jedem Deutschen, dieser Lügenpropaganda wirksam entgegenzuarbeiten. Strompreisberechnung des Badenwerks. PS Landtagsabgeordneter Staatsrat Weißhaupt hat an das Arbeitsministerium folgende Frage gerichtet: „Ist der Regierung bekannt, daß infolge enorm hoher Preise für elektrischen Strombezug und für Zählermiete, die vom Da- denwerk gefordert werden, eine große Aufregung in ver-, schiedenen Landesteilen entstanden ist? Was gedenkt die Regierung zu tun, um berechtigten Klagen Abhilfe zu teil werdet zu lassen?" , Auf diese Anfrage wurde, wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, folgende Antwort erteilb: Die vom Badenwerk geforderten, zahlenmäßig in der Tat erheblich gestiegenen Strompreise und Zählermieten haben in verschiedenen Teilen des Landes, besonders in Nordbaden und in der Bodenseegegend zu Aeußerungen der Unzufriedenheit in Abnehmerkreisen geführt. Ihre Erhöhung ist verursacht durch die Preissteigerung aller derjenigen Hphftoffe und Fabrikate, die für ein Elektrizitätswerk und für eine elektrische Ueberlandversorgungsanlage von maßgebender Bedeutung sind. Sie sind vor allem auch notwendig, um den Anforderungen Ueber 10V Milliarden Goldmark. 56,5 Milliarden Goldmark hat Deutschland bis zum I. Okt. 1922 an den Feindbund geleistet. 500 Millionen Goldmark sind vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1922 in Ausfühmng des Versailler Friedensvettrages an die Alliietten weiter geleistet worden; davon 193607000 Goldmark aus laufender Produktton, 206866000 „ an Barzahlungen, 60000000 „ an sonstigen äußeren Ausgaben, 39 527 000 „ an inneren Ausgaben und Verlusten. 57 Milliarden Goldmark oder 185 Billionen Papiermark beträgt also die Summe der bisherigen Lieferungen an die alliietten Staaten, die Zahl, die Kein Deutscher je vergessen darf. Diese Zahl Kann aber Keineswegs als endgültig angesehen werden, hat doch eine Reihe von Leistungen bisher zahlenmäßig überhaupt nicht oder nur teilweise erfaßt werden Können. Berücksichtigt man weiter den Wett Elsaß-Lothringens und der deutschen Kolonien, sowie den rein mililärischen Rücklaß in sämtlichen Räumungsgebieten, so gelangt man zu einer Gesamtleistung von wett mehr als 100 Milliarden Goldmark! einer gesunden Wirtschaft an die Ansammlung einer ausreichenden Erneuerungsrücklage zu genügen. Die Erneuerungsrücklage muß das Werk in Stand setzen, diejenigen Anlageteile, die nach Verlauf ihrer normalen Gebrauchszeit durch neue ersetzt werden müssen, zu den zurzeit der Erneuerung voraussichtlich geltenden Preisen zu beschaffen. Die Erneuerungsrücklage kann sich daher nicht nach den Preisen richten, zu den die einzelnen Anlageteile s. Zt. beschafft worden sind, sondern muß die inzwischen eingetretene Geldentwertung berücksichtigen, weil sich die Geldentwertung bei der Instandhaltung und Erneuerung der Anlage geltend macht. Ein Vergleich der vom Badenwerk erhobenen Strompreise mit den von andern, ebenfalls nach gesunden wirtschaftlichen Grundsätzen rechnenden Elektrizitätswerken erhobenen Strompreisen, z. B. in den Großstädten des Landes, ergibt, daß die Strompreise des Badenwerks keineswegs als außergewöhnlich hoch betrachtet werden können. Zu demselben Ergebnis führt ein Vergleich der Steigerung der Strompreis» mit der Steigerung der Preise für zahlreiche andere Waren, landwittschaftliche Erzeugnisse, Fabrikate Md Rohstoffe gegenüber der Vorkriegszeit. Wenn in einzelnen anderen Stromversorgungsgebieten wesentlich niedere Strompreise zurzeit noch echoben werden, so kann dies in den meisten Fällen wohl daraus zurückgeführt werden, daß ungenügende Rücklagen gemacht werden, ein Verfahren, das sich früher oder später zum Nachteil der Abnehmer des Werks geltend machen muß. Einzelne große Wasserkraftwerke, die mit ihren Leitungen in der Vorkriegszeit erstellt wurden, sind in der Lage, etwas billiger zu arbeiten. Auffallend ist, daß die Klagen über die hohen Strompreise vor allem aus den Landesgegenden stammen, deren Versorgung mit elektrischer Energie durch das Eintreten des Staats und später des Badenwerks überhaupt erst ermöglicht wurde; es handelt sich dabei um Gegenden, deren Versorgung wegen des verhältnismäßig kleinen und dabei mehr unregelmäßigen Strombedarfs der Landwirtschaft und wegen der erforderlichen langen Fernleitungen für ein Elektrizitätswerk im allgemeinen und insbesondere nach den in der Zeit nach dem Krieg gegebenen Verhältnissen so wenig witt-4 schaftlich ist, daß ein anderer Unternehmer für die Versorgung dieser Gegenden sich nicht gefunden hätte. Nur dadurch, daß das Badenwerk vermöge seines ausgedehnten Bersorgungs- gebiets und des großen Umfangs seines Absatzes in der Lagje ist, einen Ausgleich der Strompreise herbeizuführen, köMen alle von ihm versorgten LMdesgegenden die gleichen Strompreise erhalten. Für die Seegegend kommt in Betracht, daß wir den Strom von Eglisau in Schweizerwährung bezahlen müssen. _ Freitag, den 13. April 1923. Im Arbeitsministerium und der Leitung des Badenwerks hat man sich schon seit längerer Zeit mit den Wünschen der Stromabnehmer und der Vereinfachung des Abrechnungsoerfahrens beschäftigt. Schon vor einiger Zeit wurde beschlossen, die Grundgebühr zu beseisigen und die Zählermieten abzubauen oder auch ganz in den Strompreis einzurechnen. Dazu kommt noch die inzwischen eingetretene, wenn auch geringfügige Ermäßigung der Kohlenpreise, was die Leittmg des Badenswerks zu dem Entschluß führte, mit Wirkurq vom 1. April ei« Ermäßigung der Strompreise, zugleich mit der geplanten Vereinfachung des Derrechnungsverfahrens eintrrten zu lassen. Diese Maßnahme, die im wesentlichen den aus Abnehmerkreisen bisher hervorgetretenen Wünschen entsprechet dürfte, hat die BeseitigMg der unbeliebteu Grundgebühr der Kleinabnehmer i« Gefolge. An ihre Stelle soll die Gmolchr- leistung einer Mindeststromabnahme treten, die jedoch so nieder berechnet ist, daß sie wohl in den allermeisten Fällen mit Leichtigkeit vom Abnehmer erreicht werden kann. Gleich-- zeitig ist eine Ermäßigung der Zählermieten oder deren vollständige BeseitigMg durch EinrechMng in den Strompreis in Aussicht genommen. In den Einzelheiten liegen diese Maßnahmen zurzeit noch nicht fest, doch ist mit dem Eintritts ihrer Wirksamkeit für die zurzeit laufenden Ablesungsperiode unbedingt zu rechnen. Diese Maßnahmen dürsten in ihrer Wirkung insbesondere auch darauf hinauslaufen, die aller- kleinsten Anlagen gegenüber dem heuügen Tarif zu entlasten» Für die Großabuehmer-Betträge ist eine Ermäßigung des Strompreises dadurch beschlossen worden, daß auf die Anwendung der in diesen Verträgen neben der Kohlenklausel vorgesehenen Lohnsleigerungsklausel bis auf weiteres verzichtet wird. Zeitungen und öffentliches Interesse. Der Mißbrauch, der von den verschiedensten Stellen, Behörden, Vereinen. Inserenten usw., mit dem Anspruch auf Gratisoeröffrntlichung von irgendwelchen Notizen, die durchaus Form und Inhalt einer Anzeige darstellen, betrieben wird, hat mehr und mehr überhand genommen und dadurch zu einer scharfen Abwehrhaltung der Zeitungen gegen diese unberechtigten Ansprüche Veranalssung gegeben. Selbstverständlich hat die Leserschaft der Zeitungen ein Anrecht darauf, über alle Ereignisse öffentlichen Allgemeininteresses unterrichtet zu werden. Daß hierzu aber die vielen Gratisleistungen, die der Presse heutzutage zugemutet werden, unmöglich verstanden sein können, liegt auf der Hand. Eine Bereinsveranstaltung hat nur Interesse für einen bestimmten und engbegrenzten Kreis. Für ihre Ankündigung ist darum das Inserat da. Mehr noch gilt dies für die Mitteilungen rein geschäftlichen Inhalts, die in sich steigernder Anzahl heute den Zeitungen zum Gratisabdruck zugehen und die unter dem Deckmantel irgend eines Interefsierttuns nur das eine Ziel haben, im redaktionellen Teil eine dicke Reklame zu schinden. Aber auch die Zusendungen der Behörden an die Presse sind in den wenigsten Fällen derart allgemeinaktuell, daß sie die Bevorzugung eines Abdrucks im redaktionellen Teil der Zeitung beanspruchen könnten. Es handelt sich hier in den meisten Fällen um amtliche Bekanntmachungen, deren Länge allein schon eine Gratisveröffentlichung ausschließt. Wenn auch die Not der Zeit schwerer als auf einem anderen Wittschasts- zweig auf den Zeitungen lastet, so ist doch die Arbeit, die die deutsche Presse im Dienst der Oeffentlichkeit und der Allgemeinheit vollbringt, um nichts geringer geworden. Die Presse wird auch in dieser Fürsorge für das allgemeine Wohl niemals erlahmen, selbst wenn — was wir nicht hoffen wollen — die nächste Zukunft noch bitterer für sie Heraufziehen würde. Der ganz natürliche Anspruch der Zeitungen an die Oeffentlichkeit, den es mit aller Deutlichkeit durchzusetzen gilt, ist dann aber auch, daß die Oeffentlichkeit die Tragweite ihrer Wünsche besser ermessen lernt, die sie an die Zeitungen steift und die Zeitungen auch durch Inserate und Ueberweisung von Druckaufträgen unterstützt. Denn wenn die Zeitungen um ihre Existenz ringen müssen, vermögen sie schwerlich der Allgemeinheit zu dienen. Verschiedenes. t Tübingen, 13. April. (Der reiche Amerikaner.) Der schon mehrfach vorbestrafte 24jährige Taglöhner Friedrich Stumpp von Reutlingen hatte von seiner Großmutter 100080 Mark geerbt. Zunächst tat er sich um 30 000 Mark gütlich. Mit 70 000 Mark ging er in eine Wirtschaft in Kirchentellinsfurt und erzählte, daß er sich in Amerika viel Geld erworben habe. Er halte alle Gäste frei. Wie ein Lauffeuer gings durchs Dorf; die Wirtschaft war bald überfüllt; und so wurde zwei Tage lang bis in die tiefe Nacht geschmaust und gezecht. Dem Wirt machte Stumpp eine Anzahlung von 23 000 Mark. Als aber am dritten Tag eine weitere Rechnung mit 64 000 Mark kam, machte sich der „reiche Amerikaner" «ms dem Staub. Er wurde indessen bald verhaftet und die Strafkammer diktierte ihm 6 Monate 15 Tage Gefängnis. p Heldrufingen, 13. April. (In Berzweiflun g.) Der von Göttingen O.-A. Ulm gebürtige, im 61 Jahre stehende und hier verheiratete Taglöhner Georg Unfeld ging infalge Arbeitslosigkeit und Verzweiflung in den nahen Rees-See und wurde am Ufer, im Schlamm stehend, den Hut noch auf dem Kopf, von einem Bauern tot aufgefunden. Er ist nicht ertrunken, sondern wohl infolge der empfindlichen Kälte der Nacht erstarrt. Nürnberg, 10. April. (Brand im Bratwu rstglöck- lein.) Auf dem Dachstuhl des weltbekannten Nürnberger Brat- wurstglöcklein entstand am Sonntag nachmittag ein Brand Er war von dem langjährige» Besitzer Bauer selbst gelegt worden. Dieser versuchte dann Selbstmord. Bauer war in der letzten Zeit geistesgestört. Ein wesentlicher Schaden «r dem historischen Gebäude des Nürnberger Bratwurstglöcklrin ist durch den Btand nicht entstanden. Dülmen (Wests.), io. April. (Ein net ter Jagender z ie her.) Hier erregte die Verhaftung des Studienrats Dr. Giese vom städtischen Gymnasium großes Aufsehen. Giese soll vier Meter Kupferdraht von hohem Wert entwendet, ferner seinen Schülern aus den Kleidern, die sie während der Turnstunde abgelegt hatten, die Taschenuhren gestohlen haben. t Leipzig, 11. April. (D i e H a n d g r au at e als- Fußball.) Ein schweres Unglück ereignete sich in Stahmeln, sammelnde Knaben hatten auf dem Lindrnthaler Exerzierplatz eine sog. Eierhandgranate gefunden, mit der sie nichtsahnend auf dem Heimwege Fußball spielten. In Stahmeln angekom- Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 13. April 1923. Nr. 43. Jahrgang 1923. __ men, ergriff ein zwölfjähriger Knabe die gefährliche Waffe und warf sie im Beisein einer Anzahl anderer Kinder an eine Hauswand mit den Worten: „Paßt auf, jetzt fällt die Mauer ein!" Im selben Augenblick explodierte die Granate. Ein Sprengstück durchschlug die Brust eines zwölfjährigen Knaben der sich noch in hin Haus schleppen konnte und dort an den schweren Verletzungen verblutet ist. Einem ebenso alten Knaben wurde ein großer Teil des einen Oberschenkels weggerissen: auch er ist gestorben. Dessen vierzehnjähriger Stiefbruder erlitt eine schwere Bauchverletzung, zwei andere Knaben wurden an einem Arm bezw. an einem Bein erheblich verletzt und zwei weitere Knaben an der einen Schulter bezw. an dem Gesichte leicht verletzt. t Berlin, 13. April. (Bestie n.) Anfangs Februar d. I. wurden in der Mühlendammfchleufe menschliche Leichenteile in Paketen verpackt gefunden. Die Kriminalpolizei hat nun ermittelt, daß die Ermordete, eine 60jährige Psörtnerswitwe von einem russischen Arbeiter namens Just und dessen Geliebten, der 36jährigen Mathilde Staberow, die bei der alten Frau wohnten, erschlagen worden ist. Beide hatten die Frau öfters bestohlen und sie dann, um der Anzeige zu entgehen, umgebracht. Die Zersägung der Leiche nahm die Staberow kaltblütig vor, während Just das Grausen bekam. Dann wurden die Leichenteile abgekocht, verpackt und ins Wasser geworfen. Die Scheusale sind verhaftet. Selbstmord bei der Trauung. In einer Kirche in Lindau hat bei der Trauung «in Liebesdrama seinen Abschluß gefunden. Der geistliche fragte die Braut, dem Zeremoniell gemäß, ob sie gewillt s«i, den Bräutigam zum Manne zu nehmen, worauf sie rief: „Nein, ich liebe einen anderen, und meine Eltern wissen es. Ich will lieber sterben, als diesen Mann nehmen!" Mit diesen Worten riß sie einen Revolver hervor und erschoß sich vor den Augen der entsetzten Zeugen. Aufdeckung eines Massengrabes im Elsaß. In der Nähe des Reichsackerkopfes stieß man beim Abholzen eines Kastanienwäldchens auf Ueberreste deutscher Soldaten, die nur wenig mit Erde bedeckt waren. Es handelt sich anscheinend um ein Massengrab. Wahrscheinlich sind es Soldaten, die im Jahre 1915 unter ftanzösisches Geschützfeuer kamen, das an dieser Stelle besonders stark war. Die Toten sollen auf dem Militärfriedhof beigesetzt werden. Tödlicher Tellschuß Bei einer Aufführung von „Wilhelm Teil" im Wiener Karl-Theater spielte der Schauspieler Alexander V. den Tell, seine Frau den Knaben. Beim Apfel- schuß benutzte B. einen richtigen Pfeil und traf mit diesem feine Frau mitten in die Stirn, so daß sie tödlich verletzt von der Bühne getragen werden mußte. Der Fall ist noch nicht aufgeklärt. Der Schauspieler wurde verhaftet. Me Königin von Schweb«! bestohlen. Die augenblicklich in Neapel weilende Königin von Schweden erstattete bei der Polizei Diebstahlsanzeig«. Ihr wurden sechs wertvolle Hüte mit kostbaren Federn gestohlen. 340 Bauern hingerichtet. Die Blätter melden aus Kowno, daß in der Hauptstadt des Gouvernements Wolhynien Schito- mir, Unruhen ausgebrochen seien, welche von den Bolschewisten blutig unterdrückt wurden. 340 Bauern sind zum Tode verurteilt worden. Das Urteil wurde sofort vollzogen. Die alkoholseindlichen Koranleute. Bon heute ab wird in der Türkei jede Person, die beim Genuß alkoholischer Getränke betroffen wird, auch wenn es sich um Ausländer! handelt, mit einer Bastonnade von 30 Hieben bestraft. Händ- 'ler, die solche Getränke verkaufen, werden mit einer Geldbuße von 50 türkischen Pfund bestraft. Die Ausländer sind aufgefordert worden, den Behörden eine vollständige Angabe über ihre Vorräte zu machen. Sie werden aber eine Frist von zwei Monaten erhalten, in der sie ihre alkoholischen Porräte wieder ausführen dürfen: andernfalls werden diese vernichtet. Bon dieser Maßnahme sind lediglich fremde Militärs ausgenommen. Der Krokodilmagen als Schatzgrube. Eine merkwürdige Menge von Gegenständen häufte in der Londoner zoologischen; Gesellschaft ein Zoologe au» dem Tanganjika-Gebiet, E. F. Swynnerton, auf einen Tisch auf. Er berichtete von einem Krokodil, das ein Eingeborener erlegte und in dessen Magen sich eine Börse mit 60 goldenen Souoereigns befand. Es war dies augenscheinlich der Besitz eines Viehhändlers, der nach dem Verkauf seiner Tiere auf einem Boot zurückruderte und mit seinem Schatz dem gefräßigen Tier zum Opfer fiel. Als andere „Delikatessen" der Krokodille wurden von Swynnerton vorgelegt: 11 schwere messingne Armringe, 2 breite Drahtarmbänder, eine Halskette aus Glasperlen, große Stücke schwerer Taue, 18 Steine von verschiedene« Größe, einige Schwänze von Stachelschweinen, außerdem Arm- und Beinknochen verschiedener Tiere. Alle diese Gegchistände waren in den Mägen der Krokodille gefunden worden, die sich mit diesem unverdaulichen Inhalt augenscheinlich recht wohl gefühlt hatten, bis sie eine Kugel erlegte. Madame Poincare «ine geborene Baduerin. Wenn man die ^herzlichen" Gefühl« des französischen Ministerpräsidenten Poin- tatt, die er augenblicklich in der Fürsorge für die Leute an der Ruhr betätigt, recht verstehen will, muß man einen zwar unbescheidenen, aber doch recht interessanten Blick in sein Eheleben tun. Di« Frau, die heute den Ruhm des Diktators von Europa teilt, sollte eigentlich am eigenen Herzen spüren können, wie weh« es tut, wenn di« eigene Heimat mit Füßen getreten wird. Denn dies« Madam« Poincare ist eine Deutsche, eine geborene Moosbauer aus Wolfratshausen in Baden. Sie ging Filter zu ihrem Bruder nach San Franziska und verheiratete sich dort. Aber ihr Mann starb bald. Dann kam sie nach Paris, wo sie in zweiter Ehe einen Geschäftsmann heiratete, von dem sie jedoch wieder geschieden wurde. Schließlich verband sie sich in dritter Ehe mit dem Rechtsanwalt Poincare. mit dem zusammen sie von Stufe zu Stufe auf der Leiter des Ruhmes stieg. Ob sie nun m dritter Eh« endlich das erwünschte Glück gesunden hat? Noch bis vor wenigen Monaten konme man sie von Zeit zu Zeit in ihrem Heimatstädtchen als Besuch auf- tauchen sehen. Es ist aber nicht bekannt, ob nur die schwache Valuta oder das starke Heimatsgefühl sie nach hier gelockt Hai. MW BelUMtMlyMM Nr. 23. Neufestsetzung der Hundertsätze bett. Di« Entschließung des Bezirksrats vom 13. Februar 1923 wird aufgehoben. Die Hundertsätze für die Abzüge, sowie für die Zuschläge werden mit Wirkung vom 1. April 1923 gemäß §§ 2, 3, 7, 10 und 11 des Reichsmietengesetzes vom 24. März 1922 in Verbindung mit den 88 5. Abf. H, 9, 13, 15, 17, 18 und 21 Abs. 2 der badischen Ausführungsverordnung zum R. M. G. vom 24. Juni 1922 wie folgt neu festgesetzt: Abzüge (von der Friedensmiete) für Betriebs- und laufende Instandsetzungskosten Zuschläge (zu der Grundmiete) AI. für Steigerung der Zinsen einer in der Vorkriegszeit vorhandenen Belastung der Grundstücke 2. für die Betriebskosten (ausschließlich der Berwaltungskosten a) Staatssteuer (3 o/o vom Steuerwett) b) Gemeindeumlagen (2,3 o/o v. „ ) c) Kirchensteuer (0,5 o/o vom „ ) d) Kreissteuer (3 o/o vom „ ) e) Feuerversicherung (50 o/o vom „ ) 15 o/o 100 o/o 100 o/o 60 o/o 600 o/o 30 o/o 60 o/o 1000 o/o 1750 o/o 3. für die Berwaltungskosten 200 "/o 4. für die laufenden Instandsetzungskosten 3400 o/o 5. für die großen Instandsetzungskosten 450 o/o 4050 o/o (soweit ihre Erhebung von den Gemeinde- behörden-Gemeinderat beschlossen wird) _ 4050 o/o 5900 o/o Die Festsetzung ist ohne Wohnungsabgabe. Kaminreinigung und Wassergeld zu verstehen. Werden vom Gemeinderat die großen Instandsetzungskosten beschlossen, so beträgt die gesetzliche Miete das M fache der Grundmiete. Hat der Gemeinderat die großen Instandsetzungskosten nicht beschlossen, so beträgt die gesetzliche Miete mnd das 55 fache der Grundmiete. * Sinsheim, den 10. April 1923. Bad. Bezirksamt. Bekanntmachung. Brot- und Mehlpreis betr. Die Höchstpreise für markenpflichtiges Brot und Mehl werden für den Bezirk des Kommunalverbandes Sinsheim, mit Wirkung vom 18. April 1923 ab. festgesetzt wie folgt: A. Brot: 1500 Gramm .... Mk. 660.— 750 .. 330- B. Mehl im «leinverkaus: 1 Pfund Speisemehl . . MK. 255.— 1 „ gern. Brotmehl „ 200.— Diese Preise dürfen nicht überschritten werden. Sinsheim, den 12. April 1923. Kommunalverband. Drucksachen SUIS'S die G. Becker’sche Buchdruckerei; Sinsheim. # r Ai ' 'S* . Regelmäßiger Passagierverkehr mittelst Doppelschrauben- und Dreischraubendampfer Hamburg- New York. „Minnekahda“ „Manchuria“ „Finland“ „Mong olia“ „Minnekahda“ „Kroonland“ „Manchuria“ 21. April 3 . Mai 12 . Mai 22. Mai 26. Mai 2 . Juni 9. Juni Frachtdampfer nach: Newyork - Boston - Philadelphia- Baltimore Norfolk-Australien. Auskunft erteilen American Line, Hamburg, Alslerdamm 39 Abraham Seligmann, *“•!■ Neben dem Ratbaus. Spar- und Waisenkaffe Sinsheim. Rechenschasts-Vericht für das Jahr 1921. ro Q Einnahmen Betrag Jl fö Q Ausgaben Betrag Jl s> L Kassenvorrat vom vorigen Jahre . . . 18476 64 1 Kosten auf ettragbare Liegenschaften . . 7 056 63 2 Rückstände . 3190 24 2 Zinsen und Kosten für Einlageguthaben 3 Bon Liegenschasten. 7 316 — und andere Schulden . 375 281 11 4 Zinsen und Kapitalien ....... 489115 01 3 Abgang und Verlust. 22683 — 5 Gebühren. 1300 — 4 Berwaltungsaufwand. 69 620 24 6 Sonstige Einnahmen. 15 718 40 5 Sonstige Ausgaben. 1953 57 7 Vorschüsse u. Wiederersatz von Vorschüsse 45 889 85 6 Vorschüsse u. Wiederersatz von Vorschüsse 35 316 24 8 Einlagen. 8 652 739 02 7 Rückzahlungen auf Einlageguthaben . . 5 986 085 46 9 Heimbezahlte Kapitalien. 14 303 868 84 8 Angelegte Kapitalien. 16 920492 91 9 Kassenoorrat am Jahresschluss .... 119124 84 Summa aller Einnahmen 23 537 614 00 Summa aller Ausgaben 23537 614 00 Vermögens-Bestand. rj Ö Vermögen Betrag Jl rn O Schulden Betrag Jl i Berwaltungs- und Postgedäude . . . 110000 1 Guthaben der Einleger . 12 460 167 51 2 Darlehen auf erste Hypotheke .... 1558 992 88 2 für Sammelzeichnungen der Schüler . . 5610 76 3 Staatspapiere . . . 2 253 457 50 3 „ Soidatensparguthaben . 763 01 4 Darlehen an inländ. Kreise. Gemeinden rc. 989 483 37 4 „ Vorschuß u. Wiederersatz von solchen 36 639 — 5 94343 6 Darlehen an Private gegen Schuldschein 53150 — \ 7 Andere Kapitalanlagen. 7 535 764 81 8 Guthaben auf Postscheckkonto .... 80 202 47 \ 9 Einnahme-Rückstände. 34 735 70 >y 10 Stückzinsen von ausstehenden Kapitalien 72898 — \ 11 Gerätschaften nach dem Inventar . . . 2 000 — 12 Kaffenvorrat nach dem Abschluß . . . 119124 84 Summa Vermögen 12904152 57 Summa der Schulden 12503 180 28 Vergleichung. Das Vermögen beträgt am 31.Dezember 1921 . 12904152 Jl 57 $ Die Schulden betragen am 31. Dezember 1921 . 12 503180 „ 28 „ somit Reinoermögen 400972 Jl 2 9-4 Am 31. Dezember 1920 betrug dasselbe.. 324 390 „ 25 „ hat sich somit vermehtt um 76 582 Jl 04 .5) Berechnung des Reservefonds. Der Reservefond hat nach § 21 der Satzungen in mindestens 50 /g des der Gesamtsumme des Guthabens der Einleger zu bestehen Derselbe berechnet sich somit aus 12 4M 167 Jl 51 ^ auf den Betrag von 623 008 Jl 37 ^ Das Reinoermögen beträgt.^ ..... . 400972 „ 29 „ Der Reservefond bleibt somit hinter seiner satzungsmäßigen Höhe zurück um 222 036 Jl 08 4 Berechnung des Aeberschuffes. Dos Reinvermögen bettägt . 400 972 Jl 29 $ ab: Der Bettag des Refrrvefond. 324 390 „ 25 „ Bleibt für das Jahr 1921 ein Reingewinn von 76582 Jl 04 $ Sinsheim, den 14.März 1923. Der BerwaltungSrat: Die Berrechnuug: Sidler. Edelmann