Erscheint Montag, Mittwoch und Freitag. Bezugs-Preis: Durch die Poft bez-S-n und durch de» Briefträger unsere Austräger »dne Bestellgeld monatlich 2700.— ML. Der Bezugspreis ist im Doraus ,u eutrichten. 3» Füllen non höherer Gewalt de- stebt dein Anspruch auf Lieferung der Leitung oder auf Rückzahlung de. «esMftszett l--8—S Uhr, Sonnlag» ^ geschlofle». Fernsorechanschluu 9«. 11. Postscheck-Konto «arlsruhe Sir. QMS. er Wandbote WmEunA? Elfenz- und Schwarzbachtal Mnsheimer General-Anzeiger für das Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Äaupt-Anzeigen-Blatt. Bnzeigen-Preise: Anzeigen: Die 42 mm breite Millimeter-Zeile 00 »— Md. Rekianien: Die 87 mm drett» Millimeter-Zeile 180.— Mk. Anzeige» mit Deckadreffe ade» Auskunft 180.— Mark Souderoee» gütung. Alle Preise fteibleiöend. Ärundschrift im Anzeigen- und Tertteil ist Petit. Bei Wiederholuugen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung inner» halb 8 Tagen nach Rechnung». datum oder bei gerichsticher Betreibung und bei Konkurs erlischt. Platzvorschristen werden nicht au» erkannt und sür Ausnahme» au bestimmten Tage» sowie sür tele» soniiche Aufträge keine Gewühe übernommen. Anzeigen-Annahme dis 8 Uhe vormittags: größereAnzeige» malle» am Tage vorher anfgegebeu «erde» M 55 Freitag» den 11. Mai 1923, 84. Jahrgang IchiWes MM auf die Saioietucrtrcter in £aufannc Worowski getötet, Ahrens und Dibilkowski schwer verwundet. Der Täter «tin früherer Schweizer Ofsifier verhaftet. Lausanne. 10. Mai. Die drei m Lausann bei der Konferenz anwesenden Vertreter der russische» Sowjutrepublik sind soeben «sin Opfer ein« Attentats schweizerischer Faszisten geworden. Kurz nach 9 Uhr heute abend kam in den Speisesial des Hotels Cecil, wo die Russen beim Essen saßen, ein Mann und gab aus einem Revolver mehrere Schüsse ab, durch die der Vertreter Sowjetrußlands in Rom, Worowski, der Führer der Delegation ist, der frühere Pressechef der russischen Botschaft in Berlin, Ahrens, und der Sachverständige für Handelsaugelegenheiten, Dibilkowski, getroffen wurden. Im Saale herrschte eine ungeheuere Panik. Die drei Russen wurden sofort von dem Arzt des Hotels und anderen anwesenden Aerzten in Behandlung genommen. Bei Worowski aber konnte nur mehr der Tod festgestellt werden. Die beiden anderen find lebensgefährlich verletzt. Der Mörder, cuf den sich das Hotelpersonal sofort stürzte, wurde festgenommen und zur Polizei gebracht. Seine Personalien sind im Augenblick noch nicht festgestellt. Man glaubt jedoch, sich zu erinnern, daß er einer der Teilnehmer der Demonstration vom 7. Mai war, wo eine Abordnung von zehn Mann der Schweizer nationalen Liga in faszistischer Tracht den russischen Delegierten aufsuchen wollte, um ihm zu erklären, daß er in der Schweiz nichts zu suchen habe. Worowski hatte den Empfang der Abordnung abgelehnt und ihnen durch feinen Pressechef sagen lassen, daß sie »ihr Ansuchen schriftlich überreichen sollten. Daraufhin hielten di« Lllusanner Faszisten eine geheime Sitzung ab, in der sie über die Abschaffung der Sowjetdelegierten aus der Schweiz berieten. Das Resultat dieses Komplotts war der heute verübte Mord. Die nationale Liga ist eine über die ganze Schweiz verbreitete Organisation nach dem Muster der italienischen Faszisten. Ihr Zweck ist die Anwendung auße-gesetzlicher Mittel zur Bekämpfung des Kommunismus mit der Begründung, daß die Kommunisten ohnedies nicht auf gesetzlichem Boden stehen. Die Schweizer Sozialdemokratie bekämpft die nationale Liga schon seit längerer Zeit, während die bürgerliche Presse von der Demonstration am 7. Mai keine Notiz gevommen hatte. Der Führer der Lausanner Faszisten ist ein Apotheker, der in der letzten Zeit wiederholt öffentlich erklärt hat, in einer Republik, wie der Schweiz, dürften die Bürger von sich aus die Initiative zu politischen Aktionen ergreifen. Die Behauptung, daß dir Lausanner Faszisten in Verbindung mit italienischen Gesinnungsgenossen gestanden haben und daß das Borgehen gegen Wo- imwski, der als Sowjetvertreter ständig in Rom gelebt hat, auf italienisch« Einflüsse zurückzuführer sei, läßt sich zurzeit noch nicht nachprüfen . Lausanne, 10. Mai. Die polizeiliche Untersuchung hat die Person des Mörders feftgesteflt. Es ist ein früherer Offizier der schweizerischen Armee namen- Paroli. Er ist italienischer Abstammung aus dem Kanton Graubünden und 38 Jahre alt. Paroli hatte sein Abendessen gleichfalls im Speisesaal emgenom- .inen und von seinem Tisch aus di« Russen längere Ze't beobachtet. Die meisten anderen Gäste hatten ums9 Uhr den Saal bereits verlassen. Er benutzte «inen Moment, wo auch die Kellner zum Teil sich in eine Ecke zurückgezogen hatten, um auf den Tisch der Russen zuzugehen. Insgesamt gab er sieben Schüsse ab. Ahrens und Dibilkowski sind nach dem ärzblichen Bulletin, das jetzt ausgegeben wurde, zwar schm« verwundet, man hofft jedoch, sie am Leben zu erhalten. Als der Mörder festgenommen wurde, le-stete er keinen Widerstand und sagte: „Da bin ich, Ihr könnt m'ck verhaften!" Er gab an, in der früheren zaristischen Armee als Freiwilliger gedient zu haben. Die Bedrohung des Weltfriedens. Es ist notwendig, dafür zu sorgen daß das Echo des Schandurteils von Werden nicht in dem politischen Lärm untergeht ü«n die außerordentlich scharfe fast sensationelle französische, englische Auseinandersetzung über das deutsche Angebot hervorgerufen hat. Es erweckt den Anschein, als führen die französischen Blätter auf höhere Weisung h'n, diese Debatte besonders laut, selbst auf die Gefahr hin, in England Berstim- !! u f n ® i u . Erzeugen, nur in der Absicht, keine Erörterung und kerne Kritik an dem Urteil von Werden aufkommen zu lassen. Umsomehr muß von deutscher Seite jede Gelegenheit ergriffen werden, um die französische Kulturschande zu brandmarken. 2n dieser Absicht hat auch der deutsche Reichstag durch den Mund stmes Präsidenten seinen Abscheu an d-m französischen Iusttzverbrechen mit aller Schärfe zum Ausdruck bringen lassen. Auch die fernsten Länder der Welt werd«n h-utt erkennen, daß die ungeheuere Rechtsbeugung durch die stanzösische Regierung nur unter dem Schutz der französischen Bajonette, unter dem Schutz der stärksten Armee der Welt geschehen ko/int« Dieses Heer befindet sich heute in der Hand brutaler Gewaltpolitiker und bildet somit die schwerste Bedrohung des Weltfriedens. Das Urteil von Werden ist eine Mahnung an die Welt zu handeln, ehe es zu spät ist. Heute -st Deutschland das Opfer, morgen kann es ein anderes Land sein. D>e Haltung der Kruppsche» Arbeiterschaft. Essen. 9. Mai. Die Werkleitung und der Betriebsrat der Firma Krupp haben heute folgenden Anschlag innerhalb der Fabrik veröffentlicht: Wegen der Vorgänge am Knrsamstag hat das französische Kriegsgericht in Werden nach viertägigen Verhandlungen das Urteil gefällt. Gegen das Urteil ist das Rechtsmittel der Revision «ingelegt worden. Nach eingehender Prüfung und Ueberlegung bitten wir alle Werkangehörigen dringend, auch angesichts des für alles Rechtsempfinden unverständlichen Urteils die berechtigten Gefühle tiefster Entrüstung zurückzudrängen und wie bisher Würde und Besonnenheit zu bewahren. Dies entspricht, wie wir hören, auch den Wünschen des Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach uund der übrigen Direktoren. Wie wir hören sind die gestern in Werden Verurteilten im Auto in der Richtung nach Düsseldorf abirensportierl worden. Große Erregung tm Ruhrgebiei. Berlin, 9. Mai. Wir« aus dem Ruhrgebi« gemeldet wird, hat der fürchterliche Urteilsspruch des Werdener Kriegsgerichts in den Städten des Ruhrgebietes große Erregung hervorgerufen. Das Urteil ist ein Racheurteil und ist als solches überall im Ruhrgebiet verstanden worden. Gerade di»! Behandlung der Schuldfragen, die die Kruppdirektoren und den Vorsitzenden des Aufstchtsrates des Komplottes schuldig sprach, sowie das wahnsinnige Strafmaß, werden als besondere Herausforderung und als bewußtes Fehlurteil aufgefaßt, dessen Folgen noch nicht zu übersehen sind. Die Franzosen haben versucht, sich von der Blutschuld des Karsamstages zu befreien. Die Beweisaufnahme hat diesen Versuch mißlingen lassen. Die Kruppdirektoren Herr Krupp v. Bohlen und Halbach und dos Mitglied des Betriebsrates Müller werden, wie aus ihren Aeußerungen hervorgeht, ebenso wie die schon Verurteilten und di« anderen, die nach ihnen in das Gefängnis geschickt werden, ihr unverdientes Schicksal mit Ruhe und Würde tragen. Die B'.völkerung des Ruhrgebiets wird ab» in ihrer Abwehr nicht müde werden, bis der Tag des Rechts auch den unschuldig Berurtei'ien die Freihest wiedergeben wird. Protest des Reichstags. Berk«, 9. Mai. Zu Beginn der heutigen Reichstagssitzung hielt Präsident Löbe folgende Ansprache, die von den Abgeordneten stehend angehört wurde: Ihnen ollen sind die Schreckensurteile zur Kenntnis geworden, die in Werden und Mainz gegen die Vertreter der Kruppschen Betriebe, gegen den Betriebsrat und gegen die Gewerkschaft höherer Eisenbahner ergangen sind. Landfremde militärische Richter haben den Versuch gemacht, den Mord an dein Essener Arbeitern zu verhüllen dadurch, daß sie Deutsche zu schweren Kerkerstrafen verurteilten. (Lebhafte Zustimmung im ganM Hause.) Sie geben sich wohl der kindlichen Auffassung hin, daß sie die Augen der Welt damit blenden könnten. Sie glauben, daß sie hinter dem dunklen Vorhang der Kerkerjustiz das Blut von sich abmaschen können, das an ihren Händen klebt und das sie nicht entfernen können. (Lebhafte Zustimmung). Ich beneide diese Männer um ihr richterliches Urteil nicht. Sittlich wollen wir mit ihnen darüber nicht rechten, aber ich beklage den Haß, der Hamit von neuem zwischen zwei Völkern gesät wird (sehr richtig), der immer tiefer wird, vielleicht wie der Verteidiger dieses Prozesses ausgeführt hat, gegen den Willen eines großen Tei'es des französischen Volkes, sicher aber mit der bewußten Absicht der derzeitigen Machthaber. (Zustimmung) und ich darf im Namen des Reichstags den Betroffenen, allen denen, die in Kerker schmachten, die ihre Heimat verloren haben, den Hinterbliebenen der Gefallenen sagen: „Was Ihr schuldlos leidet, leidet Ihr für Euer Volk, und es wird der Tag kommen, wo di« Qual, die Ihr in den Zeiten der Erniedrigung auf Euch genommen habt, aus den Blättern der Geschichte hell und leuchtend zu Eurem Ruhme erstrahlen, während die Graust'mkeit der Feind« verächtlich beiseite geschoben wird. (Lebhafte Zustimmung). Wenn die Weltgeschichte das Weltgericht ist. dann könnt Ihr mit Ruhe und Stolz diesem Urteil entgegensehen". (Lebhafter Beifall.) Eine amtliche deutsche Feststellung. Berlin, 8. Mai. Ein französisches Kriegsgericht verurteilte heute nachmittag in Werden a. d. Ruhr, wo es nach Recht und Friedensoertrag nichts zu suchen hat, den Ehef der Firma Krupp v. Bohlen und Halbach zu fünfzehn Fahren Gefängnis und 100 Millionen Mark Geldstrafe, acht leitend« Beamte der Kruppwerke zu Gefängnisstrafen zwischen 20 und 10 Jahren und zu je 100 Millionen Mark Geldstrafe und e'u Betriebsratsmit- Mitglied zu sechs Monaten Gefängnis. In unerhörter Vertauschung der Rollen habe« Verbrecher üb« ihre eigenen Opfer zu Gericht gesessen und ein Urteil gesprochen, das die erste Untat imrch «ne zweite verdecke» soll. Das Gericht, das kein Gericht ist, weil es keine Spur von Recht hat. auf deutschem Boden Recht zu sprechen, fällt ein Urteil, das kein Urteil ist, sondern eine reine Gewalttat. Nicht die M«ber der 14 deutschen Arbeiter, di« am Karsamotaq dem französischen Militarismus zum Opfer fielen, hat di« 'stanzösische Militärjustiz verurteilt, sondern zehn ehrenhafte vaterlandsliebend« deutsche Bürger, Männer, die nicht einmal an der stiedlichen Demonstration der Krupparbeiter gegen den militärischen Raubüberfall auf ihre Arbeitsstätten beteiligt waren, wurden mit maßlosen Strafen belegt. Mit einem Schrei des Entsetzens wird dieses Schreckensurteil in Deutschland ausgenommen. Mit einem Schrei der Empörung muß es in der ganzen Welt, wo nicht das Gefühl für Menschlichkeit ausgestorben ist zurückgewiesen werden. Nicht das Recht finden gast es hier für das stanzösische Militärgericht, sondern sich in den Dienst machihungriger Gewaltpolitiker stellen. D»e stanzösische Justiz hat sich damit uuverhüllt zur Dirne des französische« Militarismus erniedrigt. Die Richter verurteilten sich selbst. Niemand wird ihnen den Platz an dem Pranger neiden, auf den sie sich selbst gestellt haben. Das Ruhrgebiet und das Rheinland werden — des sind wir gewiß — auch diesem beispiellosen Terror ihrer Peiniger nicht erliegen, sondern in gleicher Treue und Opferwilligkeit, die bisher all« Schichten der Bevölkerung an den Tag gelegt haben, ausharren, bis Recht wich« Recht geworden ist. Die Rolle Englands. Lausanne, 9. Mai. Ueber di« Rolle Englands zu Frankreich und Deutschland in der Reparationsstage lagt der Leitartikler der gewiß nicht deutschfreundlichen Gazeste de Lausanne, Ru«rt, daß Frankreich und Belgien ein gefährliches Spiel spiele«, wenn sie bei ihrer Antwort an Deutschland dauernd die Meinung des Foreign office verw'.chlässige. Dadurch würde Lord Eurzon, auf dessen Initiative das deutsche Angebot zurückzuführen sei, direkt zu einer Parteinahme für Deutschland gezwungen. Die französischen Blätter gefielen sich in der Hoffnung, daß England für Frankreich gegen Deutschland Stellung nehmen würde. Heut« sahen sie die Tragweite ihres Irrtums ein. Soweit Deutschland nur annähernd vernünftige Angebot« machen wird, wird Lord Eurzon sagen: Halt, diesmal wollen wir darüber reden, und es ist sogar zu befürchten, daß die Angebote, die England diskutieren wird, den Franzosen und Belgiern noch unzulänglich erscheinen. Als Zeichen für den starken Umschwung in Deutschland zugunsten Englands zitiert Ruert dann einen Lett- artikel in der Bossische» Zeitung. Auch dieser erklärte Vertreter der Kontmentaliendenz, das heißt einer französisch-deutschen Zusammenarbeit, sagt er, zeigt in einem seiner Leitartikel deutlich, daß er gute dienste Englands erwarte. Man versteht nicht recht, mit diesem Argument schließt der Artikel, wie Frankreich und Belgien eigentlich noch lange, ohne ihrer Sache zu schaden, den offenbaren Willen.Lord Curzons, der Vermittler zwischen beiden Parteien zu sein, igm>rie-en können. Auch das Journal de Geneve kommt im Grunde zu einer scharfen Verurteilung der französisch-belgischen Note .wettn es schreibt, es habe sich hier nicht darum gehandelt, «ine Sache zu verteidigen oder «in Problem zu lösen. Danach über habe man sich in Paris vielzusehr beeilt. Frankreich und die Haltung Englands. Pavis, 8. Mai. Das „Echo de Paris" erwartet den baldigen Zusammenbruch des Deutschen Reiches. (!) Die Absicht Lord Eurzons, Berlin zu einer Antwort auf di« französisch- belgische Erwiderung zu veranlassen, nennt das Blatt ein« vollkommen unnütze Bemühung. Es könne wohl sein, daß das Ministerium Cuno sich in den nächsEl Tagen zur Übermittlung eines neuen Angebots entschließen werde, aber Deutschland könne nichts mehr vor dem wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruch rette», zu dem sein verwegener Widerstand (!) es schon seit langem verurteilt stabe. Gewiss« Leut« behaupten, d!e Reparationen würden mit dom wirtschaftlichen und finanziellen Deutschland von heute verschwinden. Das fei eine sehr anfechtbare Meinung. Das flüssige Vermögen des Deutschöl Reiches sei nach dem Auslande verschoben worden. Damit fei es zu Ende. Damit werde man niemals bezahlt werden. Nur die deutsche Arbeit sei es, die das zerstörte Frankreich wieder aufbauen können, und die den Schaden wieder gutmachen werde, den der Krieg in Frankreich ungerichtet habe. Bon der Frucht der deutschen Arbeit nur werde Frankreich Nutzen ziehen können, wenn mit dem Zusammenbruch die großindusttiellen Organisationen, die gegen Frankreich alles aufrufen, was der Germanismus noch an lebenden Kräften besitze, zusammenbrächen. (!) Damit Frankreich irgend etwas erlange, sei es nötig, daß die Bevölkerung des Ruhrgebiets und des linken Rheinufers durch den Verlauf der Ereignisse gezwungen werde, bei dm Besatzungsbehörden Garantien für die öffentliche Ordnung zu suchen. Wann werde sich die Krisis ereignen? Darüber will das „Echo de Paris" keine Voraussagung machen. Es kommt dann zu folgendem Schluß: Im Ruhrgebie" und auf dem linken Rheinufer ist es nötig, daß wir uns darauf vorbereiten, aus der wirtschaftlichen Auflösung die ohne Zweifel bevorsteht, Nutzen zu ziehen. Bis jetzt ist unser Unternehmen — das muß man wohl sagen — sehr schmählich gestihrt worden. Die Handelsmaßnahmen, die wir erlassen haben, sind nur sehr oberflächlich und ausnahmsweise angewandt worden. Die Stund« hat geschlagen, um dieses System zu verschärfen und zu oervollkommen. Z. B. ist alles, was die Währungsfrag« anbetrifft, nur ungenügend studiert worden. Wir haben nicht das Recht, uns von den Ereignissen überraschen zu lassen . Auch der „Matin" beschäftigt sich mit der Haftung der englischen Regierung. Er schreibt, es wäre bedauernswert, wmn Euno oder fein wahrscheinlicher Nachfolg« Stresemann versuchten, der Kapitulation zu entgehen, indem sie in einem geschickten und verwässerten Text ein Ueberemkommen mit Der englischen Regierung suchten. Das Reich, das feit vier Monaten in einen Kampf verwickelt fei, fei im Begriff, die Porti« zu verlieren. Das wesentliche sei nicht, daß es die Ziffer, die nicht garantiert fei, um einige Milliarden erhöhe, sondern daß es sich als geschlagen anerkenne, daß es feine Widerstandsund Auflösungspolitik aufgebe, daß es zu zahlen beginne, was es schulde, daß es Eittschädigungen gebe, weil Frankreich und Belgien es dazu zu zwingen verbanden hätten. Wenn es Deutschland gelingen werde, dieser Notwendigkeit zu entgehen, die stanzösische Stellung also zu umgehen, so werde England für ein zweideutiges Angebot Unterstützung leisten. Das würde für Deutschland ein Anreiz sein, und es würde seinen Widerstand gegen die Alliiertm über alle vernünftigen Grenzen hinaus verlängern auf die Gefahr hin, seinem vollständigen Rum entgegenzugehen. Die „Ere Nouvelle", die die Ansicht vertritt, daß man in demselben Augenblick ,in dem man England zurückstohe, Nr. 56. Jahrgang 1923. auch Italien zurückstoße, erinnert daran, daß Elemenceau einmal unter dem Beifall der Kammer gejagt Hab«: „Wir haben M Bieren den Sieg gemacht,- wir waren gezwungen, zu Bieren den Frieden zu schließen." Heute machen wir zu Zweien etwas, was nicht einmal den Frieden bedeuten würde. Es sei gut, sich daran zu «rinnem, daß unser Sieg das gemeinsame Gut der Demokratie ist. und daß wir nicht ungestraft den tiefen Sinn schwächen, ihn nicht ausbeuten dürfen gegen die Grundsätze selbst denen er dienen soll. Amerikanische Erwartungen. Rewyork. 8. Mai. Trotz der schroffen Antwort Frankreichs erwarten die Zeitungen weitere Verhandlungen. Di« „Times" glaubt, daß sich zwischen der deutschen und der stan- zösischen Schwerindustrie eine Annäherung vollziehe, worüber bestimmte Depeschen vorliegen. Schneider-Ereuzot dränge Pom- care zur Nachgiebigkeit. Berichte aus Washington unterstreichen die Niedergeschlagenheit die sich auf Maifdjier Seite geltend mache. Gewerkschaften und passiver Widerstand. „Keine Regierung kann ihn unterdrücken." Berlin. 9. Mai. Die Gewerkschaftsoerbände aller 3 politischen Richtungen haben die französich-belgische Antwort auf das Repa- rotionsangebot der deutschen Regierung zum Anlaß einer Kund- gebung genommen, in der sie ihre oft erklärte Bereitwilligkeit zu Reparationsleistungen neuerlich betonen, zugleich aber erklären, an ihrer Ueberzeugung, daß Ser Wiederaufbau nur durch das verständnisvolle Zusammenwirken aller Beteiligten auf der Grundlage des Friedens und der wirtschaftlichen Tatsachen möglich sei, fest- halten zu muffen. Durch den Einbruch der Franzosen und Belgier ins Ruhrgebiet fei dies aber unmöglich geworden. Der Widerstand der deutschen Arbeiter und Angestellten sei spontan aus den besten Kräften des Volkes hervorgebracht: keine Regierung habe ihn befohlen. Keine Regierung werde ihn aber auch mit den grausamsten Mitteln zu unterdrücken vermögen. Die deutschen Arbeitnehmer werden trotz Not und Entbehrung ihren schweren Komps weiter führen, um die Freiheit ihres Arbeitsplatzes zu verteidigen. Sie kämpfen zugleich in der Ueberzeugung, auch für die Freiheit der Arbeitnehmerschaft aller Länder einzustehen. Die Zu- sttmmung von dort läßt sie hoffen, daß über das Machtgebot und die Irrtümer der Regierungen hinweg die Reparationsfrage schließlich eine Lösung anf dem Boden der Vernunft und Gerechtigkeit finden werden. Dr. Stresemannn zur politischen Lage. In einer öffentlichen Versammlung sprach am Sonntag -« Fürstenhof zst Eisenach der Führer der D. Volkspartei Dr. Stresemann. Seine Ausführungen beschäftigten sich sowohl mit innen- wie außenpolitischen Problemen, wobei «r die Forderungen der Politik mit aller Entschiedenheit über di« Forderungen der Wirtschaft stellt«. Dem Worte Rathenaus: „Die Wirtschaft ist unser Schicksal«" stellte er das Wort „Die Politik ist unser Schicksal!" gegenüber. Es könne sehr gut ein Volk, das wirtschaftlich weniger gut «st, für -die Politik von großer Bedeutung sein. Der passive Widerstand ist unsere einzige Waffe, «nsere Hauptmasse. Zu ihr gesellt sich der Neid der Ententemächte untereinander, sowie die Furcht. ein Zusammenbrechen in Deutschland könne «in zwestes Rußland geben. Der pofffioe Widerstand sei «in Kampf, der heldenmütiger und charaktervoller sei, als der Kampf mit der Waffe in der offenen Schlag. Trotz des passiven Widerstandes der Bevölkerung haben wir die öffent'iche Meinung der Welt nicht für uns. Man müßte glauben, daß die englische wirtschaftlich« Vernunft schon längst zu einem Eingreifen gefügt hätte, wenn nicht «ich hier wiedex di« Politik über der Wirtschaft stände. Gr ist zu bedenken, daß England nicht mehr die Roll« spielt und die polttische Macht hat, dst «s vor 4 Jahren befaß Wir hören aber auch freundliche und wirtschaftlich vernünftige Aus- ftlhrungen aus Italien. Besondere Risti ist es. der sich ernstlich mit den wirtschaftlichen Problemen auseinandergesetzt hat. Di« Politik der Regiemng Eune war bereits in ihren Noten zur Londoner und Pariser Konf«r««z ein« Politik der Aktivität. Betrachtet man di« jetzige deutsche Not« als ein Ding, um auf die öffentliche Meinung der Welt einzuwirken, würde man Zweifel haben können, ob dieser Erfolg in hohem Maß« erreicht werde. Betrachtet man sie aber als die Grundlage für di« Erörterung politischer und finanzieller Fragen, so wird man an ihr nicht vorbei gehen können. Die Note enthält posttive Grundlagen für die Erörterung aller Probleme. In Bezug aus di« deutfchen Leistungen legt sie das Hauptgewicht auf das Gutachten internationaler Sachverständiger. Es ist unverständlich, wie die französische Kritik von einem Fehlen der Garantien sprechen Schicksalswende. Roinan von A. Kling er. Nachdruck verbale». Seine Phantasie zauberte lockende Geaasten auf das Gras- wndell vor dem Hause. O, wie er lechzte nach den Genüssen des Lebens! Als ein Darbender, Enterbter hatte er dahingelebt. Nun schien die Stunde gekommen, wo alles io selbstverständlich sich zu seinem Borteil wenden sollte. Wer konnte verlangen, daß er auf alles verzichtete, was das Geschick ihm in einer guten Laune zuwarf? Der Organismus seines Oheims war ausgerieben, dessen Leben wäre nur um ein Jahr vielleicht noch zu erhalten gewesen. Vielleicht erholte er sich von dem Anfall, und alles ging noch einmal vorüber. Dann stellt« Franz seine Bedingungen. Doch nichts sollte ihn bewegen, den Arzt zu holen oder irgendwelche Hilf« zu leisten. Herr Harnisch suchte sich aufzurichten, seine Hand tastete nach dem elektrischen Knopf, um den Diener zu wecken. Doch seine Kraft reicht« nicht aus. Hilflos sank er zurück. Als Franz so unvermittelt erschienen war, hatte Herr Harnisch mit einer hastigen Bewegung den Ses'el vom Schreid- ttsch zurückgerollt. Nun war er nicht mehr imstande, sich zu rühren oder nach Hilfe zu rufen. Wer hätte ihn auch hören sollen? Unter seinem Zimmer defand sich der Speisesaal darüber lagen Stuben, die für Loqterbesuche bestimmt waren. Ein wohltuendes Dämmern begann seine Sinn- zu umfangen. Doch er durste hier nicht ohnmächtig werden. Mit einer furchtbaren Willensanstrengung suchte er sich zu erheben. Doch schwer fiel der Körper in den Sessel zurück. Franz vernahm ein paar schwer«, röchelnde Atemzüge, dann war es toteifftill in dem Raum. Voll Entsetzen, mit stockendem Atem machte er diese Wahrnehmung. Er wandte sich jäh ins Zimmer zurück. Um Himmels willen, was hatte er ang«richt«t? Der Lanübote * Sinsheim« Zeitung. kann. Die Garantien der deutschen Regierung sind in der Note enthüllen und auch kürzlich in der Red« des Reichskanzlers zum Ausdruck gekommen. In der Frag« der Sicherheit Frank- reichs hat die deutsche Regierung mit den Vorschlägen, die sie im vorigen Jahre mackst«, schlechte Erfahrungen gemacht. Aber auch diesmal hat sie den Gedanken der Sicherungen, der selbstverständlich nur auf Gegenseitigke't beruhen Kann, erneut auf- gegriffen und sich zu jeder Verhandlung bereit erklärt. Heute liegen die Ding« so. daß der passive Widerstand auch dann fort- gesetzt würde, wenn irgend eine deutsche Regierung seine Beseitigung herbeiführen wollte. Di« beste Beseitigung des Wider- standrs ist die Wiederherstellung der Fr«ihest im Ruhrgebiet und die Aufgabe der unmöglichen Politik, die man von den französischen Soldaten und Offizieren ausführen läßt. Wenn schließlich Frankreich «tu« Umbildung des deutschen Kabinetts fordert, um zu Verhandlungen ,'u kommen, so muß sie sich darüber klar sein, daß ein« solche Umbildung des Kabinetts ein« Angelegenheit ist. die nur Deutschland und keine» ander« angeht und daß Frankreich sich einem Irrtum hmgidt. wenn es glaubt, daß die Politik, die feine jetzige Regierung treibt uick die, wie wir wissen, im Widerspruch zu maßgebenden französischen Kreisen steht, von irgendeinem deutsche» Kabinett angenommen werben könnte. 1 Unter der Fremdherrschaft. Verurteilung von Eisenbahnern. Mainz, 9. Mai. Das Mainzer französische Kriegsgericht hat in sumarifchem Verfahren unter Ausschluß der Oeffentlichkeit eine Reihe von Eisenbahnern zu Gefängnisstrafen bis zu 10 Jahren verurteilt und über einen Teil der Verurteilten noch eine Geldstrafe von je 100 000 Mk. verhängt. Bemerkenswert ist, daß den Ber- urteilten während ihrer 6-wöchentlichen Haft keinerlei Möglichkeit gegeben war, sich mit einem deutschen Verteidiger zu beraten. Sie durften nur den Besuch von Angehörigen empfangen und auch mit ihnen nur in Gegenwart von französischen Wächtern durch ein Gitter getrennt sprechen. Das Urteil wurde in französischer Sprache verkündet und nur das Strafmaß ins Deutsche übersetzt. Möbelranb für die welschen Eisenbahner. Köln, 9. Mai. In Bonn verhafteten die Franzosen mehrere Möbelhändler, um von ihnen die Lieferung von Möbeln fiir 480 französische Eisenbahnerfantilten zu erpressen. Da die Händler die Lieferung adlehnten, wurde dem Oberbürgermeister ein Befehl zugeftellt, in dem die Ausweisung von 180 Bonner Familien zumeist pensionierte Beamte und Offiziere angedroht wurde. Gleichzeitig wurde auch mit der Besetzung ihrer Wohnungen begonnen. Die Familien erhielte» nur vier Stunden Frist und durften nur das Nötigste an Kleidung und Wäsche einpacken. Mes andere mußten sie unter Bewachung französischer Kommandos, die die Bajonette aufgepflanzt hatten, zurücklaffen. Die Vertriebenen find einstweilen in Hotels und Schulen notdürftig untergebracht. In Euskirchen erhielten 60 bis 100 Eisenbahner den Befehl, sich mit ihren Familien auf dem Bahnhof einzufinden, um ins unbesetzte Gebiet abgeschoben zu werden. Die Landwirte von RHÄmcheim von dm Franzosen drannsäliert. Bruchsal. 8. Mai. Als di-, Landwirte von Rhemsheim, wie gewohnt, auf die im Rhein gelegene Insel Grün gefahren waren, um dort ihre Aecker zu bestellen, erschienen die Franzosen und erklärten sämtlich« Fuhrwerke für beschlagnahmt Bürgermeister Brecht und die bayerische Behörde erhoben gegen- Wer biefem Gewaltakt bei dem französischen Kommando Einspruch, worauf die Fuhrwerke wieder freigegeben wurden. Jedoch ist die Insel Grün fü- di« Rheinsheimer Landwirte gesperrt worden. Lt. „Bruchsaler Zeitung" finden, augenblicklich Verhandlungen statt, um diese; Sperrverbot rückgängig zu machen. Die Absperrung dejr besetzten Gebiete. Vom 10. Mri an tritt eine große Erschwerung des Verkehrs vom unbesetzten nach dem besetzten Gebiet ein. Die Franzosen geben die Einreise nur noch auf Grund besonderer Genehmigung freß. Es wird also vom 10. Mai ab die Einreise nicht mehr wie bisher mit dem deutschen Paß oder Personalausweis möglich sein. Di« Einreiseerlaubnis ist nur noch zu erhalten durch ein Gesuch um Ausstellung eines Passes, das bei der französischen Behörde des Ortes eingereicht werden muß, den der Reisend« aussuchen will. Es liegt im Interesse der besetzten Gebiete .daß fick im unbesetzten Deutschland niemand durch diese Bestimmung von der Reise in das besetzt« Gebiet abschrecken läßt. Die näheren Bestimmungen über die Erlangung einer Einreiseerlaubnis werden wir noch veröffentlichen. Der Zustand, in welchem er sich vorhin befand, war doch wie eine Art Betäubung, wie «in Starrkrampf gewesen. Er schüttelte sich förmlich, als wolle er den letzten Rest jener seelischen Beklemmung von sich tun. Mit raschen Schritten nähert« er sich dem Sessel, in dem weit zurückgesunkeu sein Oheim lehnte. War er tot? Rein doch, nein! Grauen packle ihn bei dieser Borstellung und doch drängte der geheime Wunsch vor: wenn es so wäre, wenn er nicht mehr atmete, dann waren alle Hindernisse, die Franz von dem reichen Erb« trennten, geschwunden. Still und friedlich, mit seitlich geneigtem Kopfe lehnte Herr Harnisch auf seinem Platz, die halbgeöffneten Augen waren gebrochen, auf der blassen Stirn thronte die Majestät des Todes. Sanft, fast ohne Kampf war er hinübergeschlummert zu e-nem besseren Leben. Rur die Linke hatte sich in der Gegend des Herzens festgekrallt in der weißen West«. Franz zweifelte noch. Lauschend neigte er das Ohr gegen den geschlossenen Mund des Verstorbenen. Er wünschte und fürchtete den Tod desselben in gleichem Maße. Er zürnte dem Zufall, der ihm da noch ein Verantwortungsgefühl aufgebürdet, ihn in einen Konflikt gebracht hatte. Wenn er den Oheim tot aufgefunden hätte, ja, dann hätte er sich ohne Skrupel dieser Wendung, die er nicht vorgesehen, als eines Glückszufalls freuen können. Er hatte seinen Oheim nicht geliebt, hatte ihm nicht nahegestanden. Er bedauerte den Tod desselben nicht. Aber daß da in seinem Innern jetzt eine St'mme raunte: „du bist schuld, du hättest Helsen können und hast es nicht getan", das erregte seinen Unmut. Zum Kuckuck! Er würde mit seinem Gewissen fertig zu werden wissen! Er wollte doch nicht wehleidig nnd sentimental werden, wo ihm alles so schnell und unerwartet nach Wunsch gegangen war! Er richtete sich aus seiner gebückten Stellung auf und sah scheu auf den füllen Schläfer. Es konnte sich ja auch um eine Ohnmacht handeln. Fast wünschte «r, das sein Oheim om nächsten Morgen noch einmal zum Bewußtsein kommen möge, um sich jedoch gleich daraus über diesen Wunsch zu entsetzen. Freitag, den 11. Mai 1923. Di« Zuflucht der Besäter. Rach einer Blättermeldung aus Koblenz ist der als Sonderbündler bekannt« Klempnermeister Rikolei aus d«m Koblenzer Leseverein, einer großen katholischen Bereinigung, ausgeschlossen worden. Die franzöffsche Brsatzungsbehörde. an die sich Rikolei wandte, zwang den Verein unter Androhung der Verhaftung des Vorsitzenden und der Auflösung, Rikolei wieder aufzunehmen. Ei« Zwischenfall in Mannheim. Zwei französische Soldaten, di« Montag nachmittag im unbesetzten Stadtinnem von Mannheim angetrvffen wurden, ffnd von zwei Polizeibeamten sestgenommen und nach der Polizeiwache verbracht worden. Bon dort wurdm die beiden Franzosen nach der Polizeidirektion verbracht, von wo sie nach denr Verhör in das besetzte Gebiet abgeschoben wurden. Es war 10 Minuten nach der Festnahme, als ein französischer Offizier mit 6 bewaffneten Soldaten auf der betr. Wache erschien. Er forderte di« Freigabe der französischen Soldaten. Er gab sich mit der Erklärung, daß die Verhafteten der Polizeidirektion vorgeführt und alsdann nach dem besetzten Gebiet verbracht worden seien, zuftieden und zog mit seiner Mannschaft ab. ' Sperrung der Koksbeftände. Essen, 9. Mai. Infolge der Etillegung deutscher Kokereien nimmt die Kokserzeugung von Tag zu Tag ad, so daß es den Franzosen kaum noch möglich ist, ihre Hochöfen mit Koks genügend zu beliefern. Der kommandierende General Degoutte sah sich infolgedessen zur Herausgabe einer Verordnung Rr. 35 veranlaßt, durch die alle Bestände an Koks oder Nebenprodukten der Kohle zugunsten der alliierten Mächte gesperrt werden. Falls Bestände fortgeschafft oder verschlechtert werden, haben die oerant- wottlichen Direktoren dieser Betriebe eine dem doppelten Wert der Bestände gleiche Strafe verwirkt, die aber mindestens 10 Millionen Mk. betragen muß, sowie eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren oder eine der beiden Strafen. Ebenso wird jede Wegnahme oder jeder Versuch zur Wegnahme der Bestände oder zur Verschlechterung der Läger mit einer Geldsttafe bis zu 100 Millionen Mk. und 5 Jahre Gefängnis oder einer dieser Strafen belegt. 80 deuffche Todesopfer seit der Ruhrbesetzung. Berlin, 9. Mai. Die Voss. Ztg. stellt fest, daß seit Beginn der Ruhrbesetzung bisher 50 deutsche Todesopfer zu verzeichnen find, darunter befinden sich drei Kinder, zwei über 60 Jahre alte Männer, ein junges Mädchen von 19 Jahren und drei noch nicht volljährige junge Männer. — Denkt immer an diese Schandtaten des verkommenen Franzosenvolkes und gebt für die Ruhropfer! Die Ueabhängigkeit des Memelg-biets. Memel, 8. Mai. Gestern wurde in Anwesenheit des litauischen Ministerpräsidenten Galvanauskas in der Präfektur die Unabhängigkeit des Memelgebirte» feierlich nerkiindet. Namens der deutschsprechenden Bevölkerung des Mem-lgebietes gab Han- delskammerpräsident Kraus eine Erklärung ab, in der er aus- fühxte, daß durch das Versailler Diktat das Memelgebiet ohne jede Berücksichtigung des Dolkswillens von feinem Baterlande abgetrennt werde und jeder Einspruch gegen dieses Unrecht verworfen worden fei. Die Memeler wollten loyale Staatsbürger sein und sich der Arbeit am Wiederaufbau des Gesamt- staates unterziehen,' sie verlangten aber, daß ihre natürlichen Rechte auf Sprache und Kultur berücksichtigt würden und sie nicht nur in Worten, sondern auch in der Tat als gleichberechtigt angesehen würden. Me bisherige« Leistungen an di« Gegner. Berlin, 8. Mai. In der heutigen Re'chstagssitzung wurde bei Beratung der Reichsausgaben von amtlicher Seite dargelegt, was bisher von deutsch-r Seite zur Ausführung des Versailler Vertrages getan worden ist. Die bisherigen Gesamtleistungen betragen über 50 Milliarden Goldumrk. Der Gesamtoerlust Deutschlands unter Anrechnung des Wertes von Elfatz-Lothringen, Oberschlesien und den Ko'onien sogar 100 Mlliarben. An Zahlungen im l-rufenden Jahr sind 2250 Milliarden — 2% Billionen Papiermark vorgesehen .ohne die großen Reparationssummen, uvr deren Höhe noch gestritten wird. Der Abgeordnete Dernburg (Dem.) betonte, daß die Reparationskommission niemals dis Leistungsfähigkeit Deutschlands feftgestellt habe. Man habe Deutschland immer nur als böswillig verleumdet. Gegenübe- der Behauptung Poincares das Reich habe 31 Milliarden Goldmark an di« deutschen Reeder gezahlt, ohne den Reichstag zu befragen. stellt der Redner fest, daß zum Wiederaufbau der deutschen Handelssiätte heute nur 262 Millionen Goldmark bezahlt worden sind und. daß der Reichstag gehört wurde. Es handelt sich also um noch Alles wäre dann ja in Frag« gestellt gewesen, wenn Harnisch noch einmal am nächsten Tage zum Ueberlegen und Handeln fähig gewesen wäre. Er berührte die blasse Stirn und die erkaltende Hand und schauerte zurück. Das war zweifellos der Tod, kein Erwachen war mehr zu befürchten. Run erlangte Franz seine kalte Ruhe zurück. Denn keinen Moment länger durste er zögern, das zu tun, was er vorhatte. Roch konnte ein Zufall alles vereiteln, ihn -im den ganzen Vorteil bringen! War es so unmöglich, daß Almida aus Besorg- ms um den Vater nach ihm sah? Dann wäre der Schein gegen ihn gewesen, der, ohne Lärm za schlagen, bei dem Toten weilte! Das durste nicht geschehen. Er mußte das Testament an sich nehmen und unbemerkt in fein Zimmer zurückgehen. Dann konnte niemand mehr ihn übervorteilen. Er beugte sich über deu Schreibtisch, um den Mechanismus in Bewegung zu setzen, der das Geheimfach öffnete, in welchem das Testament lag. Er fand einen kleinen, kaum sichtbaren Kvopf: ein Druck auf denselben genügte, um jenes Fach zu öffnen. Obenauf lag das Testament. Ein Griff, und Franz haste es in seinen Besitz gebracht. Mit einem scheuen Bück auf den Toten steckt« er es in die Rocktasche, die Nähe desselden n»er ihm doch unheimlich. Hatte er sich nicht soeben geregt? Gewaltsam lenkt« er sich vor dem Grauen, das ihn packte, ab, um zu untersuchen, ob in dem Fach sich noch Papiere befänden, die ihn benachteiligen körnten. Doch nur alte, vergilbte Briest lagen da und zehn Tausendmarkscheine in einem Kuoert. An denen war ihm nichts gelegen. Franz versuchte, das Fach run wieder zu schließen, doch das gelang ihm trotz aller Anstrengungen nicht. Run, so mochte es offen bleiten, Harnisch selbst konnto es ja geöffnet haben. Wer sollt', auf einen andere» Gedanken kommen? Das Geld war ja doch vorhanden. Nr. 55. Jahrgang 1923. V« Laudbore * Sinsheim« Zeitung. nicht 1 Prozent -er von Poincare genannten Summe. Solche 'Verleumdungen müsse man niedriger hängen, wenn man diesen gegenüber auch wehrlos sei. Me st» «brüsten. Den Nachrichten für Luftfahr er, herausgegeben vom Reichsministerium (Abteilung für Lust- und Kraftfahrnxftn) entnehmen wir folgende vielsagende Notiz nach Angaben der „Ephemerides de l'aeronantreque", März 1923- der Luftfahrthajushalt Japans für 1923 beläuft sich aus 21 Mill. Dollar, wovon allein 16 Millionen Dollar für die Marineluftsahtt bestimmt sind. Die letzte Zahl übersteigt den von den B»r. Staaten für die Marinelustfahrt ausgeworfenen Beirag, der nur annähernd 15 Mill. Dollar erreicht. Amerikas Geldintereffe. w Seit Jahr und Tag stellen sich die ftanzösischen Regierungen auf den Standpunkt, datz Frankreich in eine Ermäßigung seiner Reparationsforderungen nur dann einwivigen könne, wenn sein« Gläubiger (Amerika und England) in gleichem Maße auf einen Teil ihrer Gläubigeransnrüche gegenüber Frankreich verzichten würden. In England wo man sich durch die politischen und wirtschaftlichen Wirren auf dem europäischen Festlande bedroht fühlt, ist eine gewisse Neigung vorhanden, den europäischen Schuldnern die Rückzahlung der Kriegsschulden zu erlassen. In Amerika dagegen steht man nach wie vor auf rein geschäftlichem Boden und sträubt sich entschieden dagegen, irgend etwas von den im .Kriege erworbenen Ansprüchen zu opfern. Soweit Frankreich überhaupt bereit ist, von diesen Ansprüchen gegenüber Deutschland etwas preiszugeben, möchte es den amerikanischen Gläubigern an den deutschen Schuldner verweisen, also ein unmittelbares Schuldoerhält- nis zwischen Deutschland und Amerika schaffen. So traurig es auch im allgemeinen um die Urteilsfähigkeit der Amerikaner in europäischen Fragen bestellt sein mag. so ist man doch nicht im Zweifel darüber, daß von Frankreich mehr zu holen ist als von Deutschland. Kein privater Gläubiger läßt sich für einen immerhin leidlich zahlungsfähigen Schuldner einen gänzlich ruinierten Geschiiftsnumn unterschieben. Amerika würde schon eher mit' sich über die Kompensierung der Schulden reden lassen, wenn Frankreich gleichzeitig bereit wäre, dem früheren Bundesgenossen jenseits des atlantischen Ozeans die erste Hypothek auf das deutsche Besitztum zu überlassen. Dazu zeigt man aber in Paris nicht die mindeste Neigung. Di« internationalen Schuldverpflichtungen der Kriegsze't können aber Mr abgetragen und ausgelöscht werden, wenn das stärkste und tatkräftigste Finanz- und Wirtschastsvolk der Welt, die Amerikaner, hierzu ihre Hilfe leihen. Wie stellt sich nun di«s Problem vom Standpunkt der amerikanischen Finanzinteressen dar? Es nmß nocheinmal ausdrücklich hervorgehoben werden, daß eine Beteiligung amerikanischer Staatsmänner an der finan- ziellen Liquidierung des Krieges ohne weitgehende Sicherheits- leistung undenkbar ist. Im Grunde aber ist Amerika doch mehr als ein unbeteiligter Bankier, der mit ziemlichem Gleichmut abwartet, ob sein Angebot den Beifall der Interessenten findet In Mitteleuropa bahnt sich ein großer Wirtschaftstrust an, wie er in solchem Umfange kn der alten Welt noch nie in die Erscheinung getreten ist. Gelänge es den Franzosen, die Ruhr- dvhle voll in ihren Machtbereich zu bringen, und sie zusammen mit der lothringischen und saarländischen Industrie, sowie mit den großen Werken des Nied.rrhe'ns zu einem großen Trust zusammenzuschweißen, so würde das eine wirtschaftliche Macht werden, die jeden Konkurrenten aus Osteuropa und aus großen Teilen Asiens herauszudrängen vermöchte. Diese Aussichten werden durch die nahen Beziehungen zwischen der französischen Industrie einerseits, der polnischen und tschechischen Wirtschaft andererseits unterstrichen. Bleibt Deutschland aber in dem großen Ringen an Rhein, Ruhr und Scar erfolgreich, so ist für die Weltwirtschaftsvölker «ine Vertrustung der mitteleuropäischen Schwerindustrie mit allen ihren -gefährlichen Möglichkeiten vorläufig nicht zu befürchten. Für die amerik. Hochfinanz, die ja in hervorragendem Maße an der amerikanischen Industrie und an dem amerikanischen Welthandel interessiert ist, bietet sich durch rechtzeitiges Eingreifen in die kotinental-europäiichen Konflikt« «ine wahrscheinlich nie wiederkehrende Möglichkeit, verhängnisvolle Trustbildungen zu verhindern und den internationalen Wettbewerb in den zukunftsreichsten Teilen der W«lt auftecht zu erhalten. Französische Wirtschaft. Ein« Warnung. rz Der Sejmabgeordnrte Stanczyk schildert in der „Gazeta Robotnicza" Nr. 90 vom 22. April die Wittschaft der Franzosen im Dombrowaer Kohlenrevier. Wir entnehmen den Schilderungen wortwörtlich das folgende. Es bedarf keines Kommentars: „Wenn man das Borgehen der französischen Kapitalisten in unserem Kohlenrevier beobachtet, dann hat man den Eindruck, daß es Leute sind, die die eigene Volksgesamtheit aus ihrer Mitte hinausgeworfen hat und die, weil sie dott nichts mehr zu tun haben, nach Polen gegangen sind, um ohne die Kontrolle der öffentlichen Meinung ihres eigenen Landes her ungestraft zu wüten. Einzeln betrachtet, bieten die Verhältnisse einen geradezu entsetzlichen Anblick. Ganze Gegenden sind ohne Wafler. Die Leute sind gezwungen, das Wasser aus den Flüffen zu schöpfen, die durch Schmutz aus den Fabttken und den Gruden verunreinigt find; denn die Franzosen ttchten es sich so bequem ein, daß sie, wenn ihnen das Waffer zur Berschlemmung in den eigenen Behältern ausgeht, ganz einfach den Wasserleitungen Waffer entnehmen, weshalb die des Wassers beraubte Beoölkemng auf die Magistrate schimpft. Diese erheben bei den Franzosen Borstell, ungen, die aber in den Papierkorb geworfen werden. Wenn wir «ine einer ftanzösischen Bergwerksgesellschast gehörige Arbeiterkolonie betreten, dann fällt uns sosott der schreckliche sanitäre Zustand der Wohnungen in die Augen, die oft ohne Fenster sind, ringestürzte Zimmerdecken haben und überall vor entsetzlichem Schmutz strotzen. Das setzt uns in Erstaunen und Verwunderung über die Widerstandskraft und den heldenmütigen Heroismus der Wesen, die diese Häuser bewohnen. Nehmen wir uns z. B. die Statistik der Unfälle irgendeiner Grube vor, und wir werden erfahren, daß 90 v. H. der Unfälle durch strafbare Außerachtlassung der gesetzlichen Bestimmungen über die Att und Weise der Durchführung der Arbeiten unter Tage, und wir werden uns überzeugen, daß es ein Raubsystem ist. Es gibt Fälle, in denen 50 v. H. der Kohle, deren Förderung größeren Aufwand erfordett, für immer unter der Erde verbleiben und für das Land verloren find. Das System der Arbeiten beruht einzig und allein darauf, in möglichst kurzer Zeit auf die möglichst billige Att und Weise Kohle aus der Erde herauszuholen, soviel sich herausholen läßt, ohne Rücksicht darauf, wieviele Arbeiter Gesundheit und Leben verlieren und wieviel Vermögen der Staat eindüßt." Nach einem Hinweis auf einen Prozeß vor dem Gerichte in Sosnowier, in dem die dortige ftanzöfische Gesellschaft die Beseitigung der Pächter kleiner Kohlengruben fordett, nicht etwa dazu, um dftse Gruben in eigene Verwaltung zu nehmen, sondern, wir dir Klage ausdrücklich besagt, um sie zuzuschütten, heißt es in dem Attikei weiter: „Daß die in diesen Gruben geförderte Kohle, wenn die Absichten der Franzosen verwirklicht werden sollten, für den Staat für immer verloren ginge und über 20000 Menschen ihrer Arbeitsstätte und damit auch ihres Unterhalts beraubt werden würden, das rühtt die Franzosen überhaupt nicht. Was für einen sachlichen Grund aber kann man anführen, um die Zuschüttung dieser Gruben zu rechtfettigen? — Die Verteidiger der Franzosen haben diese Gründe vor Gettcht diskret verschwiegen,' wir werden sie enthüllen. Der eigentliche Grund liegt dann, daß die kleinen Gruben den großen Konkurrenz zu machen beginnen: um sich dieser Konkurrenz zu entledigen, müssen sie geschlossen werden." Das ist ftanzöfische Wirtschaft. So „arbeiten" die Franzosen in dem befreundeten Polen I Raubwittschast, die Arbeiter gehalten wie Sklaven, auf die Straße geworsen, wenn sie dem Profit im Wege stehen. Die Westfalen haben recht, sich gegen einen Sklaven- dienst für diese Natton zu wehren. Das Finnland von heute. zd Deutschland in seinem Schicksalskampf steht allein, oder be'nah allein. Nur wenige Länder und Völker haben sich genügend Selbstständigkeit bewahren können um sich überhaupt eine eigene Meinung leisten zu dürfey. Unter diesen an erster Stelle steht Finnland, mit uns verbunden durch Blutsgemeinschaft erneut beschlossen und besiegelt während der letzten Kampfjahre. Sv ist denn Finnland, sein Land, seine Bewohner heute für uns von größter Bedeutung. Nicht nur von moralischer. Wie die nachfolgenden Ausführungen — entnommen der englischen Zeitschrift Observer — beweisen, hat unser Verhältnis zu Finnland auch eine praktische Seite der unsere Aufmerksamkeit umso mehr gelten muß, als in den wirtschaftlich schweren Zeiten der nächsten Jahre der Wettbewerb um diesen Freund heiß und erbittert sein wird. Die englische Zeitschrift schreibt am 15. April: „Ein englischer Handelsreisender, der vor kurzem einen alten Kunden in Helsingfors aufsuchte, wurde von diesem mit der entrüsteten Frage empfangen, zu welchem Zweck England Frankreich bei seinem Ruhrunternehmen beistünde. In klaren Worten wurde ihm gesagt, daß. solange „die ungerechte Behandlung Deutschlands" anhielte, keinerlei Handelsbeziehungen zwischen der finnischen Firma und der britischen Gesellschaft bestehen könnte! Dieser Fall keimzeichnet die Stimmung im ganzen Lande. Von der englischen, ftanzösischen oder amerikanischen Auffassung der Lage wissen die Finnen fo gut wie nichts. Sie erfahren alle Ereignisse nur aus deutschen Darstellungen. Die Folge ist, daß der große und gewinnbringende Handel zwischen England und Finnland in Gefahr ist, wenn nicht Schrttt« getan werden (wie im Kriege in skandinavischen Ländern), um die früheren Verhältnisse wieder herzustellen. Die Bedeutung Finnlands im Weltwfttschaftsleben ist nicht allgemein bekannt. Der Mann der Straß« stellt sich den Finnen als eine Att Lappländer vor, mit Fellen bekleidete Halbwilde, von gedrungenem Körperbau. In Wirklichkeit fühlt sich der Reisende, der in einem Hotel in einer finnischen Stadt adsteigt nach Patts oder ftgend einer anderen kontinentalen Großstadt versetzt. Das hauptsächlichste Produkt Finnlands ist natürlich Holz. Heber di« Hälfte des ganzen Landes ist mit Wäldern bedeckt. Die Bedeutung dieses natürlichen Reichtums beweisen die Wott« des Pttnzen von Wales in der Quildhall vor einigen Tagen: „In den nächsten zwanzig Jahren wird di« Welt von einer großen Holzknappheit, ja vielleicht einem Mangel an Holz bedroht I Der Prinz von Wales regte an, einen vollständigen Ausforstungsplan für das btttische Kaiserreich zu entwerftn, wie er in Finnland schon seit vielen Jahren schon besteht, aber weder in den Vereinigten Staaten noch in Kanada, den holzreichsten Ländern, je bestanden hat. In Finnland herrscht eine gesund« Gesetzgebung über Abholzen und Aufforsten. Durch die geradezu vorbildliche Forstwittschaft der Regierung wird der Holzreichtum Finnlands trotz der großen Ausfuhr immer auf der gleichen Höhe gehalten. Die Transportverhältnisse sind fo günsttg, daß Finnland sogar während des Krieges sein verfügbares Holz abgeben konnte. Die Organisation der Industrie ist bewunderungswürdig. Di« versandfähigen Mengen werden jedes Jahr vor Anfang der Verladung im Mai genau ftstgestellt. In den ersten Monaten des Jahres ist meistens schon der ganze Vorrat im voraus verkauft. Die Industrie steht also auf der soliden Grundlage. Maschinen und Verarbeitungsmethoden sind durchaus zeitgemäß. Moderne Sägemühlen zerschneiden die Blöcke: die Abfälle werden auf das sorgfältigste ausgenutzt, die Sägespähn« wird zur Heizung für die Fabriken benutzt, die verschiedenen Erzeugnisse werden automatisch an die Stelle geschafft, wo sie wefter verarbeitet werden. Kurz, die Holzindustrie Finnlands wird so geleitet, wie man es von einem hervorragend tüchtigen Volk erwarten kann. Finnland hat seine Finanzen in den letzten fünfzig Jahren unabhängig von Rußland geführt und besitzt, mit Unterbrechungen, seit Hundett Jahren eine eigene Verwaltung. In den letzten Jahren, seitdem es eine unabhängige Republik ist, hat der Staatshaushalt nur ein ganz geringes Defizit: Im Jahre 1922 betrug die Einfuhr 3953 Millionen finnische Mark, die Ausfuhr dagegen 4461 Millionen. Das' bedeutet einen Ueber- schuß von 500 Millionen, oder 14,3 Prozent. 37 Prozent der Ausfuhr ging nach England, während die Einfuhr aus England nur 21 Prozent betrug. Nach Deutschland gingen nur 9 Proz. die Ausfuhr aus Deutschland betrug jedoch 33 Dozent. Man fürchtet, daß es zwischen Rußland und dem Balkan keine Ruh« geben wird, ehe Rußland nicht seinen Wunsch erfüllt sieht, einen westlichen Seehafen zu haben. Aber auch das würde Finnlands Interessen wenig berühren. Für Rußland wäre der Zugang zum Meere durch Ltttland (nach Riga) Estland und Litauen viel günstiger. Durch diese Politik würde Rußland «inen Versandhafen haben, der viel näher bei seinen großen landwirtschaftlichen Gebieten läge, günstiger für Eisenbahntransporte und in jeder Weise oorzuziehen wäre. Kurz, Finnland mit seinem großen Holzreichtum und seiner tüchtigen Bevölkerung scheint einer langen Blütezeit in Handel und Industrie entgegenzusehen, deren Segnungen man nicht Deutschland allein überlassen sollte." Englisch-russische Spannung. Am Montag ist von der englischen Regierung eine schärft Rote an die Sowjetregierimg abgesandt worden. Eie erhebt zunächst Protest gegen den Prälatenprozeß, femer gegen die Beschlagnahme englischer Fischerboote im Weißen Meere und die Beitreibung englischer Fischer, sodann gegen die Verletzung euglisch-ruflischen Handelsvertrages und schließlich gegen di« politische Agitation, die von Mitgliedern der russischen Handelsdelegatton in London br- ttteben wurde. In England veranstaltet ein Teil der Arbeiter- organisaüonen, namentlich die Kommunisten, Kmrdgedungen gegen dieses Borgehen der Regierung. Diese erklätt jedoch, das Ziel fei keineswegs ein Bruch in den englisch-russischen Beziehungen. Die Freitag, den 11. Mai 1923. Note fordere Wiedergutmachung für die Verbrechen an britischen Untettanen und für die Eingttffe in friedliches Eigentum. Die Note enthalte eine längere Liste von Beispielen für agressive Handlungen dieser Art. Keine Aktion solle unternommen werden, bevor nicht die gesamte Frage dem Parlament unterbreitet worden sei. Ei« Zwischenfall mit China. Der chinesischen Regierung macht ein sehr unerwünschter Zwischenfall zu schaffen: Entlaffene Soldaten haben einen Angttff gegen einen Eisenbahnzug in Schantung ausgefühtt und eine Anzahl Fahrgäste gefangen genommen. Darunter sollen sich 27 Ausländer befinden. etwa 12 Amerikaner, mehrere Italiener und Engländer. Infolgedeffcn haben die Gesandsschasten von England. Frankreich, Ver. Staaten und Italien sich alsbald stark gemacht und der chinesischen Regierung mitgeteilt, daß sie für den Ueberfallßouf den Eisen- bahnzug in Schantung verantwortlich gemacht werden würde. Der Kttegssekretär der Per. Staaten macht sogar bekannt, daß das Kttegsdepattement sich bereit halte, nöttgenfalls Enffcheidungen, die das Staatsdepattement oder der Gesandtenrat in Peking treffen werden, mit Waffengewalt zu erzwingen. Die chinesische Regierung sprach ihr Bedauern aus. Die bürgerlichen und militättschen Behörden sollen bestraft, die verantwortlichen Mtlitärkommiffare entlassen und die militättschen Befehlshaber der angrenzenden Provinzen angewiesenen werden, die schnelle Freilassung der Gefangenen zu bewirken und die Räuber unschädlich zu machen. Der Wiederaufbau der deutschen Missionen. In steigendem Maße kommen die verwaisten deutschen Missions- felder wieder unter deutsche Pflege. Nachdem die englische Regierung schon vor IV 2 Jahren das Syrische Waisenhaus in Jerusalem unserem Landsmann Schneller zurückgegeben und neuerdings auf dringenden Wunsch der Ewe-Christen in Togo die Rückkehr von 3 Bremer Missionaren auf dies ihr früheres Gebiet, freilich noch im Verband einer schottischen Miffionsgesellschast, gestattet hat, ist die Wiederaufnahme der Neukirchener Missionen in Ostafrika unter ähnlichen Verhältnissen in greifbare Nähe gerückt. In einer führenden englischen Missionszeitschrist werden auch nach Indien die deutschen Missionare zurückgewünscht. In Ostafrika konnten die verwaisten, aber tapfer aushaltenden schwarzen Gemeinden der Bielefelder Usambara-Miffion kürzlich von zwei deutschstämmigen Missionaren besucht werden, deren Entsendung in ihr Gebiet am Kilimandscharo der Leipziger Mission gestattet worden ist. Es zeigt sich bei alle dem, wie wichtig die deutsche Arbeit auch im Ganzen der Weltmissiou ist. Personaleinschrünkung bei der Reichsbahn. Der Bedarf an Schaffnern für den Güterzugdienst in den Jahren 1923—28 wird auf allen Reichsbahnen infolge fottschreiten- der Einführung der durchgehenden Gllterzugsbremse voraussichtlich eine starke Verminderung erfahren. Es sollen deshalb schon jetzt alle Vorkehrungen getroffen werden, die für die möglichst reibungslose Uebersührung der voraussichtlich in größerer Zahl entbehrlich werdenden Beamten und Hilfskräfte im Zugbegleitdienst in andere Dienstzweige nöttg sind. Zu diesem Zweck ist bereits im November vorigen Jahres die Annahme von Anwärtern für Schaffnerstellen im Zugbegleitdienst bis auf weiteres gespertt worden. Weiterhin soll der von Zugbegleitbediensteten angestrebte Uebertritt in andere Dienstzweige von den Aemtern und Dienststellen schon nach Möglichkett gefördett und insbesondere auch dafür gesorgt werden, daß bei Deckung des Personalbedarfs für die verschiedenen Dirnstzweige und Laufbahnen die Beamten des Zugbegleitdienstes angemeffen berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang wird insbesondeie auch auf die neuen Laufbahnen der Betriebsasfistenten und Eisenbahnassistenten, deren Einführung im Bezirk der Reichsbahndirektton Stuttgart in Bälde verfügt werden wttd. aufmerksam gemacht. Revolte im Brandenburger Zuchthaus. Brandenburg, 8. Mai. Gestern abend gegen 11 Uhr kam es in der Brandenburger Strafanstalt zu einer Revolte. Am Nachmittag war der Präsident des Sttafvollzugsamtes im Zuchthaus, um über eine Reihe von Forderungen zu verhandeln, die von de« Gefangenen gestellt worden waren. Dem Vernehmen nach handelt es sich um die Forderungen nach Rauchfteiheit, Lohnerhöhungen auf 1000 Mk. täglich, Aufbesserung der Verköstigung. Als die Fordemngen nicht erfüllt wurden, brachen gegen 1 Uhr Unruhen aus. Die Gefangenen zerschlugen die Einrichtungs- gegenstände ihrer Aufenthaltssäle, zrttrümmetten die Fensterscheiben, »rauchten eine Wand zu durchbrechen und warfen die Einrichtungs- gegenstände durch die Fenster in den Hof. Der Schaden, der hoch in die Millionen geht, ist besonders dadurch angerichtet worden, daß ein Teil der Gefangenen sich daran machte, das Dach des Zuchthauses abzudechen. Dir im Zuchthaus stattonierten Beamten waren der in blinde Zerstörungswut Gefallenen gegenüber machtlos, und wurden aus den Eingängen herausgeschoben. Dann griff die schleunigst alarmiette Polizei ein. Die Innenräume des Zuchthauses und die Straßen, >di« zum Zuchthaus führen, wurden von der Polizeimannschaft abgesperrt, so daß der Verkehr zum Zuchthaus für einige Stunden stark beschränkt war. Gegen die oberen Stockräume des Zuchthauses wurde gefeuett. Eine Beobachtung der einzelnen Tore war jedoch in der Dunkelheit unmöglich. Es wurde verkündet, daß gegen die Gefangenen gefchoffen werde, wenn sie sich an den Fenstern blicken lassen würden. Um 2 Uhr nachts war die Unruhe noch nicht unterdrückt. Baden. Die Strompreis« des Badenwerks. Bon der Presseabteilung der badischen Regierung wird uns geschrieben: In der letzten Landtagssitzung kam die Strompreis- politik des Bademverks zur Spache. Die Abrgeordncten aus der Seegegend und dem badischen Hinterland vertraten die Wünsche, die in den letzten Wochen in Verrammlungen und in der Press« Ausdruck stniden. Der Arbeitsmintster ging in längeren Ausführungen auf die Wünsche «in und brachte zum Ausdruck, daß den Wünschen insoweit schon Rechnung getragen ist, daß die Grundgebühr -beseitigt und di« Zählergebühr wesentlich ermäßigt wird. Es könne jetzt angesichts der bevorstehenden Preissteigerung aber keine Rede davon sein, den Strompreis zu ermäßigen, nach Fettigstellung der Bilanz werde ab«r geprüft, ob es möglich ist. die Berechnuugsgrundlag« zugunsten der Stromdezieher zu ändern. Der° Minister brachte in seiner Rede und nachher in einer besonderen Erklärung noch deutlich zum Ausdruck, daß cs nicht möglich sei, aji den Rechnungen für Januar und Februar etwas zu ändern. Dftse Rechnungen mnsftn fo, wir sie ausgestellt sind, bezahlt werden. Die Rechnungen entsprächen auch den Lieferbedingungen. wie si« dem Badenwerk gest-llt sind. Dem Badenwerk erwachs« dadurch daß die Rechnungen erst jetzt mit wesentlich entwertetem Gelde bezahlt werden, ein großer Schaden. Es könne auch deswegen schon kein Nachlaß g-wähtt werden, da mindestens dreiviertel der Rechnungen von Januar und Februar schon bezahlt seien. Der Arbeitsminister richtete an di« Abgeordneten das Ersuchen, in ihren Kreisen darauf hinzuwirk«n, daß mm auch die noch ausstrhenden Rechnungen in Bälde bezahlt werden Im üdttgen fi'll die ganze Frage eingehend im Haushaltsausschuß behandelt werden. Badische Schweineschau. Der Gauausschuß des 14. Landwittschastlichen Gauverbandes l Odenwaldgau) hat beschlossen, in diesem Herbst gemeinsam mit der badischen Landwittschaftskammer in Buchen eine Schweineschau abzuhalten. Dft Züchter werden jetzt schon daraus aufmerksam ge- Rr. 55. Jahrgang 1923. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 11. Mai 1923. macht und aufgefordert, die etwa in Frage kommenden Tiere rechtzeitig ins Auge zu fassen und sich mit den zuständigen Landwirtschaftlichen Bezirksvereinen in Verbindung zu setzen. Hauptversammlung des Vereins Südwestdrutfcher Zeitungsverleger. Mannheim. 9. Mai. Unter lebhafter Beteiligung aus Baden und der Pfalz fand hier die Hauptversammlung des Vereins Süd- westdeutscher Zeitungsverleger statt. Die Beratungen galten in erster Linie der durch die politischen und wirtschaftlichen Perhältnifle geschaffenen ernsten Lage des Zeitungsgewerbes, das als ein weithin sichtbarer Faktor des öffentlichen Lebens zugleich der Gradmesser für die innere Entwicklung eines Landes ist. Zu den Verhandlungen hatten die Stadtverwaltung und die Handelskammer Vertretungen entsandt: auch der Verein wllrttembergischer Zeitungsverleger war vertreten. Anstelle des ausscheidenden Vorsitzenden Dr. Knittel-Karlsruhe, besten große Verdienste um den Verein durch die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden auch nach außen hin doku- menttert wurden, wählte die Versammlung Dr. Hermann Köldlin- Baden-Baden zum künftigen Leiter der Vereinsgeschäste. Dr. Knittel, der im Verlauf der Tagung verschiedentlich gestiert wurde, dankte für alle Ehrungen und übergab dem Verein für Wohl- tätigkeitszwecke 200000 Mk.. wovon 50000 Mk. der Unterstützungskaffe für Redakteure zufließen sollen. Der geschäftliche Teil der Verhandlungen wickelte sich glatt ab. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 11. Mai. (Der Himmelfahrtstag) war vom Wetter recht ungünstig bedacht, sodaß die üblichen Ausflüge meistens unterblieben. Die Temperatur war erheblich gesunken, Regen und Wind machten den Aufenthalt im Freien ungemütlich. Teitweise drang wohl die wärmende Sonne durch die Wolkenwand, aber das waren nur kurze Lichtblicke. Von großem Nutzen war • der ergiebig niedergegangcne Regen für Gärten und Felder. Die zwei Gewitterregen am Dienstag hatten die Erde nur leicht benetzt und waren nicht tiefer bis zu den Wurzeln der Pflanzen eingedrungen. Der gestrige Regen hat nun gut eingeweicht und es kann jetzt das Aussetzen der Kraut-, Rüben- und Tabakpflänzchen ohne Waflerzuguß erfolgen. n Sinsheim, 10. Mai. (Bienenzucht.) Auch in unserem Bezirk sind infolge des oorhrrgegangenen schlechten Honigjahres und der mangelhaften Belieferung mit Zucker ganze Bienenstände entvölkert und den Imkern großer Schaden entstanden: muß doch gegenwärtig für ein Pfund Schwarmbienen mindestens 10000 Mk. bezahlt werden. Wir stehen im Höhepunkt des neuen Bienenjahres, an alle Imker ergeht die Mahnung: Frijch an die Arbeit! Sucht zu erhalten, was euch verblieben ist. Auch die Bienenzucht hat am Wiederaufbau unserer Volkswirtschaft mitzuarbeiten. Noch gehen jährlich für Honig und Wachs viele Millionen ins Ausland, Millionen, die dem Bolksvermögen verloren gehen. Aber auch im Interefle der Samengewinnung für die Landwirffchaft ist fortgesetzte Förderung der Bienenzucht geboten. Der Bez.-Berein Sinsheim steht auch hierin nicht an letzter Stelle. Wie im vergangenen Jahre, hat er auch heuer feine Belegstelle eröffnet und unterstellt das dahin verbrachte Zuchtmaterial und die ganze Einrichtung dem Schutze der Allgemeinheit. Landwirte bedenkt, die Bienen tragen den Blüten- staub von Blüte zu Blüte und 95 o/o der Samen fast aller Futter- und Oelfrüchte habt ihr den Bienen zu verdanken. Nahezu 100 o/o der Obstblüten werden von Bienen befruchtet, ohne Bienen wäre eine erträgliche Obsternte unmöglich. Die Bienenzucht ist keine Spielerei, sie ist ein wichttger Zweig der Landwirtschaft und erfordert, wenn sie richtig betrieben werden soll, großen Fleiß, Verständnis und umfangreiches Wiffen. Die Auslagen, auch für eine bescheidene Zucht, gehen zur Zeit in die Hundrrttausendr und es gehört viel Liebe und Idealismus zur Imkerei. Zum Schluß fei den Honigoerbrauchern mitgeteilt, Honigpreis für 1923 ist der jeweilige Fleischpreis. * Sinsheim. 10. Mai. (Freie Bahn dem Tüchtigen.) Nach einem Erlaß des preußischen Unterrichtsministeriums können Hochbegabte, die namentlich in ihrem Berufe den Beweis vortrefflicher Leistungen gegeben haben, aber durch persönliche Verhältnisse nicht auf einem der gewöhnlichen Ausbildungswege zur Hochschule gelangt sind, auch ohne Reifezeugnis zum Univerfitätsstudium zu- gelassen werden. * Sinsheim, 10. Mai. (Was sind Maikäfer wert?) Diese Frage hat soeben der Landrat des berühmten Kirschenkreises Witzenhaufen im Werratal gelöst. Er gibt nämlich amtlich bekannt, daß in diesem Jahre ein großes Maikäferflugjahr zu erwarten ist und fügt hinzu: Der Kreisausschuß zahlt für ein Pfund Maikäfer, die abgeliefert werden, 10 Mk. Die Jugend, die den Vernichtungskampf gegen die braunen Sendlinge des Wonnemonats führen soll, erklärt aber dielen Preis als zu niedrig. * Rappenau, 9. Mai. (Die Versetzung) des Unterlehrers Röckel von Mannheim hierher wurde auf Antrag des Versetzten wieder zurückgenommen und die offene Stelle an der hiesigen Volksschule dem Hilfslehrer Schulz von tzeddesbach übertragen. — Epfenbach, 8. Mai. (Ein herber Verlust) steht der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde und unserer Filialgemeinde Spechbach bevor, indem Pfarrer Iöst von hier nach Weinheim versetzt werden soll. Der Doppeldienst hier und in der Filiale Spechbach ist besonders anstrengend, zumal im Winter, wo man den Weg über einen Hügel durch den Wintersturm durchkämpfen muß. Aber für die hiesige Gemeinde ist der Fortgang ein wirklicher Verlust, und mit Trauer sehen wir die Pfarrerfamilie scheiden. Die Arbeit des Pfarrers Iöst wird unvergessen bleiben. — Heidelberg, 10. Mai. (Folgenschwerer Zusammenstoß.) Am Montag ist in der Schlierdacher Landstraße bei der orthopädischen Anstalt ein Sttaßenbahnwagen von hinten auf ein Einspännerfuhrwerk aufgefahren. Durch den Anprall wurde der Fuhrmann vom Wagen geschleudert, wobei er am Kopfe und an den Händen Veletzungen davontrug. Der Sachschaden für den Fuhrwerkbesitzer beläuft sich auf etwa 120000 Mark und der für die Straßenbahn auf etwa 20000 Mark. t Mannheim, 8. Mai. (Großfeuer.) Heute früh 3 Uhr brach in der Lumpensortier-Anstalt Julius Kander in der Hafenbahnstraße 30 zwischen Gaswerk Luzenberg und Sammelbahnhof Herzogenried ein Großfeuer aus, das den ganzen Gebäudekomplex von 1200 Quadratmetern vollkommen einäscherte. Es waren drei neben einander stehende Hallen, die im Jahre 1919 erstellt und angefüllt waren mit wollenen, baumwollenen und leinenen Lumpen für die Kunstwoll- und Papierfabrikation. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch nicht aufgeklärt. Durch die leicht brennbaren Materialien hatte sich das Feuer im Augenblick auf sämtliche drei Hallen ausgedehnt, aus denen die Flammen haushoch emporschlugen. Die Gebäude brannten vollständig aus. Das neben den Hallen stehende Wohngebäude konnte gerettet werden. Der Schaden wird auf einige hundert Millionen Mark geschätzt. 40 Arbeiter sind durch den Brand beschäftigungslos geworden. d Gernsbach, 8. Mai. (Kinder m i t P i st o l e n.) Dem sechsjährigen Söhnchen des Landwirts Wilhelm Westermann war eine Schußwaffe in die Hände geraten, die sich entlud und das zweijährige Söhnchen der Familie tötete. r Lndwtgshafen, 7. Mai. (Raub.) heute früh wurde eia verheirateter Tagner in der Nähe der städt. Ziegelei am Echlachthof von zwei unbekannten Männern angehalten und ausgeraubt. Die Räuber hatten sich zur Unkenntlichkeit Taschentücher vor das Gesicht gebunden. b Zweibrücken, 9. Mai. (Lebensmüde.) Ein 20 Jahre alter Hausbursche eines hiesigen Gasthofes hatte einen Gasschlauch in den Mund genommen und lag bereits bewußtlos am Boden, als der Wirt die Tat bemerkte. Der Bewußtlose mußte in das Spital verbracht werden, wo Wiederbelebungsversuche Erfolg hatten. Der aus Leipzig stammende junge Mann will die Tat aus Kummer begangen haben. p Pirmasens, 10. Mai. (Tödlicher Unfall.) Die 22jähr. Tochter des Schuhfabrikanten Fried. Zimmer wurde beim Holzholen von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Tod trat sofort ein. = Leistadt, 10. Mai. (Selbstmord.) Der in den 60er Jahren stehende ledige Winzer Philipp Echter hat seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Der Tod seiner Schwester, mit der er gemeinschaftlichen Haushalt führte, ist dem Mann so nahe gegangen, daß er in letzter Zeit schwermüttg war. Was bedeuten 30 Goldmilliarden für jeden von uns? Die deuffche Regierung will 30 Goldmilliarden Reparatton anbieten. England verlangt 40, Frankreich 50. Wir werfen mit den Milliarden nur so herum. Weiß man auch, was diese Zahlen bedeuten? Wenn wir bei der niedrigsten Summe, 30 Milliarden, bleiben, so heißt dies, daß nach dem heutigen Kursstand der Mark durch- schnittlich von jedem Kops in Deutschland 33/4 Millionen Mark an die Entente abzuführen sind, von einer 4köpfigen Familie also 15 Millionen, von einer 6 köpfigen über 20 Millionen usw. Dabei ist zu beichten, daß der Versailler Mordfrieden uns bisher schon 100 Goldmilliarden gekostet hat. d. h. Kopf für Kopf hat jeder Deutsche bis zum kleinsten Kinde hinab nach heutigem Geldwert 12 bis 13 Millionen Mark bereits an die Entente frohnden müffen. Die „Deutsche Glocke am Rhein-. Vom Glockengießermstr. Ulrich in Apolda wurde am 5. Mai die „Deutsche Glocke am Rhein" gegossen, die als Ersatz für die im Krieg eingeschmolzene Kaiserglocke im Kölner Dom bestimmt ist. Die Glocke hat trotz 3,30 Meter Höhe, 3,25 Meter Durchmcffer und 25000 Kilogramm Gewicht eine sehr gefällige Form. Nur in Moskau und in China gibt es nach der Ansicht der Sachverständigen noch mächtigere Glocken, die aber nicht geläutet werden können. Rund um den Oberteil läuft ein Kranz von vier etwa 50 Zentimeter hohen Heiligenbildern in künstlerisch wertvollster alter Form, die oben durch einen Ring stehender Engel, deren ausgebreitete Flügel aneinanderstoßen, verbunden werden. Unterhalb der Engel ist in vier Absätzen,, die durch die Heiligenbilder eingefaßt sind, in erhabenen, lateinischen Lettern eine Inschrift angebracht. Die Glocke, deren Guß nach Ansicht der Sachverständigen vollkommen gelang, ist auf den Ton 0 (erster Ton der kleinen Oktave) gestimmt. Farbige Dienstmädchen für Frankreich. Um dem Dienstbotenmangel abzuhelfen, hat man begonnen, farbige Mädchen von den Antillen nach Frankreich zu importieren. Der letzte Dampfer, der von Westindien herllberkam, brachte nicht weniger als 220 Mädchen mit, die ihr Glück in Paris versuchen wollen. Weitere „Sendungen" sind bereits unterwegs. Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, den 13. Mai. Sonntag Exandi. 1/2IO Uhr: Gottesdienst. Dekan Eisen. 1/2II Uhr: Christenlehre. „ „ 1 Ahr: Kindergottesdienst. Stadtvikar Meerwein. MAGGI* Fleischbrüh-Würfel ermöglichen es ohne Fleisch und Fett kräftige Suppen, schmackhafte Gemüse und Soßen zuzubereiten. Man achte genau auf den Namen MAGGI. 1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII»«IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII»»II»I»I» rMaUliiHitl* empfiehlt die J-raCfttDnßje Sottlied Leclier'rcde Buchdruckerei. I W Regelmäßiger Passagierverkehr mittelst Doppelschrauben- und Dreischraubendampfer Hamburg— New York. MONGOLIA . MINNEKAHDA MANCHURIA FINLAND MONGOLIA . MINNEKAHDA KROONLAND Sonnabend, 19. Mai Sonnabend, 26. Mai Sonnabend, 9. Juni Sonnabend, 16. Juni Dienstag, 26. Juni Sonnabend, 30. Juni Sonnabend, 7. Juli Frachtdampfer nach: Newyork - Boston - Philadelphia - Baltimore Norfolk-Australien. 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