itflfctodafiiiii nnw ... Erscheint Montag. Mittwoch nnd Dreilag. Bezugs-Preis: Durch di« Post btioqcn und durch bcn Briestriiger u. Ulster« Aurtroger ohne Best Ugeld notMtfi4 6#00- Md. Der Bezug-proi- ist im Doruu, zu entrichten. 3» Fällen uon höherer Gewalt besteht dein Anspruch auf Lieferung der Zeitung »der aus Rückzahlung de» Bezugspreises. «eschästszett Vi8—5 Uhr, Sonntag» geschloffen. Ferusprechanschlutz Nr. 11. Postscheck-Konto Karlsruhe Rr. 6903. andbole ieituug' ©cgtünDtt 8 3 9 »mstzermer General-Anzeiger für das Elsenz- und Schwarzbachtal Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Äaupt-Anzeigen-Blatt. Anzeigen-Preise: Anzeige«: Die 42 mm breite Mtüimeter-Zeile 490.— Mk. Aektame«: Die 87 mm breite Millimeter-Zeile 1299.— Mb. Anzeigen mit Deckadresse oder Auskunft 1299.— Mk. Sondervergütung. All« Preise freibleibend. Grundschrist im Anzeigen- und Teztteil ist Petit. 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Was ist der langen Rede kürzer Sinn: So, wie ihr — Franzosen und Belgier — Deutschland zum Zahlen bringen möchtet, geht es nicht: wir leiden vielmehr alle darunter. Bezahlung wollen wir auch, und zwar soviel wie möglich, aber wir — England und Italien — wissen eine bessere Methode und laden freundlichst ein, sich ihr anzuschließen. Im Grunde also zunächst eine rein negative, kritische Stellungnahme, alles Possitive, alles das, was England nun sachlich vorzuschlagen gedenkt, um den neuen Weg zu führen, alles, was die Fragen der Entschädigungshöhe, der Zahlungsform der Sachverständigenkommission, des passiven Widerstandes, der Räumung des Einbruchsgebiets usw. anbetrifft, alles wird auf den Weg künftiger Vereinbarung mit den lieben Alliierten verschoben. Diese Vereinbarung soll — wenn möglich — gefunden werden in einer gemeinsamen Antwort auf die deutsche Rote vom 7. Juni, einen Entwurf für Antwort wird England vorlegen. Das ist das einzige, was sich zunächst als praktischer Kern herausschälen läßt. Wenn man sich nun vergegenwärtigt, daß Poincare seit Wochen kein höheres Ziel kennt, als die englische Gegenwirkung gegen seine Ruhrpolitik durch Hinauszögern, durch diem trahere lahmzulegen, in der steten Hoffnung, jeden Tag den deutschen Zusammenbruch zu erleben, wenn man sich weiter vergegenwärtigt, welch herrliche Gelegenheit zur Fortsetzung dieses Verfahrens ihm durch Baldwins Vorschlag eröffnet wird, wie sich Tage um Tage, Wochen um Wochen werden hinziehen lassen im Streit noch Worte und Wendungen des schwierigen Aktenstücks — wahrhaftig, Poincare hat keinen Anlaß, seinem Gegenüber jenseits des Kanals allzu heftig zu grollen, daß er die Ruhr bcsetzung eine recht bedauerliche Erscheinung genannt hat. An dem Maß von Geduld, das die englische Regierung in den kommenden Berhandlungen entwickeln wird» hängt nun das deutsche Schicksal! Das ist kein erfreuliches Ergebnis des mit soviel nervöser Spannung erwarteten Ereignisses im Londoner Parlament. Die Uhr der Berhandlungen ist von Baldwin wieder ausgezogen worden, es ist aber zu befürchten, daß sie bald nachgehcn und vorzeitig stehen bleiben wird. Mag es uns inzwischen auch einige moralische Genugtuung geboten haben, von dem englischen Minister gehört zu haben, daß man deutsche Vorschläge immerhin nicht einfach ignorieren dürfe. Am Morgen nach Baldwins Erklärung hat Poincare die französischen Truppen auf Barmen vorrücken lassen. So quittiert er die „bedauerliche Erscheinung." Der Widerhall von Baldwins Erklärung. London, 14. Juli. Baldwins Erklärung scheint nach hiesigen Meldungen günstigste Aufnahme in Washington, Rom und Brüssel gefunden zu haben, während Paris sich bemüht, seine wahren Gefühle zu verbergen, hoffend, Baldwin in längere Verhandlungen verstricken zu können. Hier erwartet man, Bald win werde diese Absicht dadurch durchkreuzen, daß er für die Antwort auf seinen Antwortentwurf irgendwie eine Zeitgrenze fcstsetzt. Er werde natürlich den deutschen Vorschlag einer internationalen Kommission annehmen. Beifällige Aufnahme der englischen Regierungs-Erklärung. London, 12. Juli. Die Blätter äußern sich über die Erklärungen Baldwins beftiedigt. Im Oberhaus richtete Discount Grey eine Anfrage an den Staatssekretär des Aeußern über die europäische Politik der Regierung, worauf Lord Enrzon die gleiche Erklärung verlas, die Baldwin im Unterhaus abgegeben hat. Die Mitglieder des Oberhauses nahmen sie mit großem Beifall auf. Hierauf ergriff Lord Grey das Wort zu längeren Aussührungen, in denen er u. a. zur Frage der Sicherheit Frankreichs bemerkte, die von Frankreich gebrauchte Methode der Besetzung des Ruhrgebiets fei nicht geeignet, das erstrebte Ziel zu erreichen, sondern gerade das Gegenteil zustande zu bringen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten, daß der Militarismus keiner Ratio» und keiner Gruppe von Rationen Sicherheit bringen könne. Der Versuch, Sicherheit auf Kosten anderer Nationen zu erhalten, habe stets mit einem Mißerfolg geendet. Frankreichs „günstiger Eindruck". Berlin, 14. Juli. Der Ministerrat, der unter dem Vorsitz Poincares gestern in Paris zusammentrat, soll sich mit der Erklärung Baldwins, ohne daß ihr voller Wortlaut vorlag, beschäftigt und seine Befriedigung darüber geäußert haben. Doch hat es bestimmt den Anschein, daß diese Befriedigung weniger ans der Rede Baldwins entsprang, als vielmehr daraus, daß die Angelegenheit der Beantwortung des englischen Fragebogens glücklich überwunden war, ohne daß Poincare genötigt war, Farbe zu bekennen. Aus dieser peinlichen Lage ist Poincare glücklich befreit, weil England diese Mißachtung ruhig hingenommen hat, aus welchem Grunde, mag vorläufig dahingestellt bleiben. Auf alle Fälle wendet man in Paris seine Aufmerk samkeit jetzt ganz auf die Antwortnote Englands an Deutschland, die man für die nächsten Tage in Paris erwartet. Daß die Presse vom Quai d'Orsay inspiriert schon jetzt orakelt, die Antwort werde Deutschland vielleicht in 3—4 Wochen (!) überreicht werden können, läßt darauf schließen, daß man das englische Zugeständnis gründlich ausznnützen gedenkt. Der Minister der Berschleppungspolitik, Poincare, wird alle Hebel in Bewegung setzen, daß auch die neue Zeit des Wartens mit einem neuen französischen Erfolg enden wird. Besonders wird Poincare seinen Einfluß aus die belg. Regierung in biefe m Sinne geltend machen und es nicht an einer nachdrücklichen persönlichen Bearbeitung der belgischen Minister fehlen lassen Die Versuchsballons, die aus der französischen Presse über die Aufgabe des passiven Widerstands und mögliche Abschließung eines Waffenstillstands im Ruhrgebiet aufsteigen, geben die Schwierigkeiten an, die von den Einbruchsmächten den kommenden Berhandlungen entgegengewälzt werden dürften. Verstimmung in Frankretch. Paris, 13. Juli. Während Paris gestern noch restlos optimistisch gestimmt war, verrät die heutige Presse, besonders ein Artikel im Abendblatt des „Temps" eine erhebliche Enttäuschung über die Erklärungen des englischen Premier, worüber auch das Steigen des Frank nicht hinwegzuhelfen vermag, umso mehr als man sehr genau weiß, daß die Bank von Frankreich viele Millionen für diese Besserung des Frankkurses zu diesem Zeitpunkt opfern mußte. Die Blätter heben in Ermangelung eines Bessern den höflichen Ton der englischen Erklärung hervor, können aber nicht leugnen, daß sie eine sehr scharfe Kritik der Ruhrbesetzung enthält und in dem Kernpunkt Deutschland gegenüber ein gewiffes Wohlwollen zeigt. „Die ungeheuren Meinungsverschiedenheiten". Paris, 13. Juli. Eine Persönlichkeit, die in der Lage sei, die Ansichten der französischen Regierung nicht mißzuverstehen, erklärte einem Berchterstatter des Echo: Die Höflichkeit Stanley Baldwins dürfe Frankreich nicht über die ungeheuren Meinungsverschiedenheiten irreflihren, die Frankreich und England trennten. Es liege übrigens nicht in der Macht Poincares, auch nur das geringste am Ruhrunternehmen zu ändern, solange die deutsche Regierung nicht dem passiven Widerstand und den Sabotagen ein Ende bereitet habe. Poincare habe immer erklärt, daß Frankreich bereit sei, seine Truppen nach Maßgabe seiner Zahlungen zurückzuziehen. In dieser Beziehung sei es der «französischen Regierung, die unterstützt sei von der öffentlichen Meinung Frankreichs, nicht möglich, ihre Entschlüsse zu ändern, umsoweniger, als Deutschland in seinem Widerstand durch die Unterstützung Englands ermuntert werde. Solange man nicht sicher sei, bezahlt zu werden, werde man das Pfand des Ruhr gebietes behalten und nicht aufgeben. Befriedigung in Italien über Baldwins Erklärung. Rom, 13. Juli. Zu den Erklärungen Baldwins bemerkt Giornale d'Italia: Der Nachdruck, den der englische Minister auf die Gemeinschaft der englischen und französischen Endziele lege, lasse vermuten, daß der Vorschlag für eine internationale Kommission in der Art gemacht wurde, daß er weder die französische Empfindlichkeit noch die Kompetenzen der Reparationskommission verletze. Man könnte beispielshalber der Reparationskommission durch diese internationale Körperschaft nur einen Rat geben derart, daß die eventuelle Herabsetzung der deutschen Schuldsumme wenigstens in der Fom erfolgt, die von der Reparätionskommission verfügt werden könnte. Analog dazu könnte die separate englische Note derart abgefaßt sein, daß die Alliierten über sie, also nicht über die deutsche Note, die Diskussion fortsetzen könnten. Auch Frankreich wäre so, ohne sich zu widersprechen, in der Lage, sie in Betracht zu ziehen. So erscheinen im allgemeinen die Erklärungen Baldwins sehr be- achtenswett sowohl wegen des Wunsches, die gemeinsame Linie der Alliierten nicht zu sprengen, als auch wegen der Ankündigung einer energische» englischen Initiative. Das Blatt bestätigt ferner die Richtigkeit der Darstellung Baldwins, wonach die englische Anschauung sich grundlegend mit der Italiens decke. Die französisch-brittsche Allianz. Paris, 15 . Juli. Im Depattement Oise hielt Ministerpräsident Poincare eine Rede anlälßich der Enthüllung eines Kriegerdenkmals, die in anbetracht ihres politischen Anstrichs als eine Antwott auf dir englische Regierungserklärung angesehen werden kann und der der halbamtliche Temps eine politische Bedeutung deimißt. Poincare kam in seinen Ausführungen wiederum, wie stets bei derartigen Anlässen, auf die „deutschen Provozierungen" und Akte der „Barbarei" der deutschen Heere zu sprechen. Er fuhr dann sott: In den vier Jahren des Krieges ist Frankreich viel stärker mitgenommen worden, als jedes andere Land. Was aber hat er erlangt und was hat es als Preis für feine Opfer und seine Leiden erhalten? Territoriale Entschädigungen keineswegs, während befreundete Nationen ihre Grenzen hinausschoben und teilweise die Grenzen nach ihrem strategischen Interesse erlangten, haben wir einfach nur das wieder erlangt, was der Friedensvettrag von Frankfurt uns durch Gewalt entrissen hat. Das Elsaß ist uns nicht einmal innerhalb seiner Grenzen von 1814 zurückerstattet worden. Wie hat man unsere Zurückhaltung und Mäßigung belohnt? Auch die Nationen, die den Friedensvettrag von Versailles unterzeichnet haben, haben sich von Deutschlands Ausrufen: „Das kriegerische Frankreich", „das imperialistische Frankreich" usw. beeinflussen lassen. So bedeutungsvoll diese Angaben auch sind, einst werden sie doch vor der Wahrheit zerschellen. Unsere Absichten sind heute die gleichen wie gestern. Wir verlangen keinen Zoll fremden Bodens, wir wollen nur, daß der auch von anderen Nationen unterzeichnet« Friedens-, vertrag nicht als Preis für ein archäologisches Museum betrachtet wird. Frankreich habe keineswegs den Wunsch, daß Deutschland znsammenbrechr, weil ein Gläubiger den Zusammenbruch seines Schuldners nie wünschen könne, besonders, wenn dieser Schuldner wie Deutschland in der Lage sei, sich rasch wieder empor zu arbeiten. Auch habe man Frankreich vorgeworfen, daß es Deutschland nicht schone und daß es seinen Zusammenbruch .unter dem auch alle anderen Völker leiden würden, verursachen wolle. Sei Deutschland in den letzten! 3 Jahren nicht geschont worden? Habe man ihm nicht die Nichterfüllung aller seiner Verpflichtungen zugestanden, so daß Frankreich 100 Milliarden für den Wiederaufbau habe bezahlen müssen, Habe man nicht geduldet, daß es seine Handelsflotte wieder aufrichte, seine Wasserstraßen und sein Eisenbahnwesen ausbaute, daß seine große Industrie auf Kosten seiner Gläubiger sich bereichette. An dem geschlossenen Willen aller Alliierten würde zweifellos dieser fortgesetzte schlechte Wille gebrochen worden sein, aber Deutschland habe auf die Meinungsverschiedenheiten spekuliert. Es habe alles getan, um sich zu weigern und es habe sich ermutigt geglaubt, sodaß man keinen anderen Ausweg gesehen habe, als zum Zwang zu greifen und Pfänder zu nehmen. Wenn alle Alliierten gemeinsam die notwendigen Maßnahmen getroffen hätten, hätte man alle Ursache gehabt, anzunehmen, daß Deutschland sich sofort gefügt hätte. Wenn Frankreich nicht in das Ruhrgebiet einmarschiert wäre, wäre Deutschland trotzdem dem Abgrund entgegen gegangen, aber Frankreich hätte dann mit leeren Händen zusehen müssen, während es heute ein Pfand in der Hand halte, das es ihm erlaube, sich eventuell bezahlt zu machen. Dieser Entschluß sei Frankreich durch sein eigenes Interesse aufgezwungen worden. Er (Poincare) könne sich rühmen, stets ein treuer Anhänger der französisch-belgischen Allianz gewesen zu sein. Poincare schloß, indem er sagte: Wenn man ein Interesse an dem Friedensvettrag habe, wenn man die Entwicklung zum Frieden in Frankreich stärke, dann dürfte man auch nicht das neue Statut von Mitteleuropa zerstören und die Freunde in der Tschecho-Slowakei, in Rumänien und in Süd- slawien bedrohen lassen. Man werde nicht die Wiederaufrichtung dem Kabinett erleichtern, sondern in kurzer Zeit Unordnung und Chaos schaffen. Dadurch, daß Frankreich seine Rechte verteidige, verteidige es auch die seiner Alliietten. Wenn Frankreich die Bedingungen des Friedens anstechl erhalt«, erhalte es den Frieden selbst aufrecht und arbette mir für die Menschlichkeit. England wird auf sttner Polittk beharren. London, 14. Juli. Die „Times schreiben in einem Leitattikel, es sei notwendig, daß die Völker des Kontinents begriffen, daß die von der Regierung abgegebene Erklärung die Ansichten Englands wirklich vettrete. England könne nicht länger einer Lage zustimmen, in der seine eigenen Absichten, Interessen und Wünsche unberücksichtigt gelaffen würden. England hoffe, daß seine eigene Freundschaft zu Frankreich von diesem soweit erwidert werde, daß es imstande sei, den britischen Antwortentwurs freimütig in Erwägung zu ziehen. Der beklagenswerte Zustand Deutschlands sei nicht allein auf die Ruhrbefetzung, sondern auch auf die Finanzpolitik und den Mangel an Wirklichkeitssinn zurückzuführen. Die Ruhroperation beschleunige den Prozeß nur: der britische Plan sei, die Möglichkeit einer vernünftigen Lösung, die in dem letzten deutschen Angebot enthalten sei, zu benutzen. Grotzbtttannten werde also handeln und auf seiner Polittk beharren. Beneschs Plan. ' Patts, 12. Juli. Wie der „Temps" aus London meldet, sind die englischen Minister heute zusammengetreten, um einen von dem ffchechischen Minister Dr. Benesch vorgelegten Plan zu besprechen, der Deutschland unter dieselbe finanzielle Zwangsverwaltnng wie Oesterreich stellen würde. Durch Verwirklichung dieses Planes glaubt man, die deutschen Finanzen zur Gesundung bttngen, die Mark festigen, das deutsche Eigentum, das als Hypothek den Alli- ietten überantwortet sei, für die Reparationen nutzbar machen und schließlich die deutschen Großindustttellen für ihre strafbare Selbstsucht büßen lasten zu können. Der „Temps"-Korrespondent bemerkt, aus ein solches Programm würden sich oermullich alle Alliietten einigen können. — Ueber die Rolle des ffchechoslowakischcn Außenministers Benesch schreibt der „Pettt Pattsien", man müfle sich der wohlwollenden Rolle ettnnern. die Dr. Benesch zur Zeit der Konferenz von Genua gespielt habe. Man könne sicher sein, daß dieser hervorragende Staatsmann bei der englischen Regierung für die Wiederherstellung der Entente sich eingesetzt habe. Jedoch müsse man die englische Regierungserklärung abwarten, bevor man Voraussagen könne, ob seine Bemühungen von Erfolg gewesen wären. Italien vor einer innere« Kttse? Rom, 13. Juli. In den heutigen Hlogenstunde wurde hier die innerpolitischc Lage als nicht mehr so einfach angesehen' Nachdem gestern der liberale Abgeordnete Amendola sehr heftig die neu« Wahlreform angegttffen und dabei auf vielen Bänken der Kammer Beifall gefunden hatte, bttngt der Popolo d'Italia einen rücksichtslosen Ausfall gegen die Kammer überhaupt. Dieser scharfe Ton, der an die ersten Tage des Marsches auf Rom ettnnett, spiegelt sich in den andern Blättem der faszistischcn Regierung wieder. Man behauptet auch, daß die Regierung nicht bereit sei, mit sich paktteren zu lassen, und daß Mussolini dir Kammer vor rin Entweder-Oder stellen werde. Nr. 82. Jahrgang 1923. Der Landbott * Sinsheimer Zeitirng. Montag, den 16. Juli 1923. Abermals Krach in Lausanne. Lausanne. 12. Juli. Meinungsverschiedenheiten zwischen den Alliierten und den Türken über die Räumung der Dardanellen durch die alliierten Kriegsschiffe und in der Konzesiionsfrage führten in der heutigen Sitzung zu einer neuen Derfchärfung der Lage. Die Alliierten brachen schließlich die Sitzung ab. ohne eine neue Zusammenkunft einzuberufen, und erklärten, daß der türkische Widerstand in der Kozeffionsfrage in Widerspruch stehe zu den am Sonntag getroffenen Vereinbarungen und daß, wenn ihre Haltung sich nicht ändere, damit auch alle anderen Abmachungen über die Kuponsrage und die Räumung Konstantinopels, d. h. die gesamte grundsätzliche Einigung vom Sonntag, hinfällig seien. Die Alliierten werden von neuem an ihre Regierungen berichten. Diese neue Wendung rief begreiflicherweise beträchtliche Aufregung hervor. Ein vollständiges Bild der Lage ist jedoch noch nicht zu erhalten, da bisher nur alliierte Mitteilungen über die Sitzung oorliegen und die türkische Delegation sich erst später äößern wird. Auch in türkischen Kreisen werden die Vorgänge in der gestrigen Sitzung als ernst bezeichnet. Man erklärt aber, daß es sich nur um eine scharfe Krise in Einzelfragen, jedoch nicht um eine wirklich gefährliche Krise der Konferenz handle. Es sei unzutreffend, daß die Türkei in' der gestrigen Sitzung irgendwelche früher getroffenen Abmachungen in der Konzesiionsfrage wieder rückgängig gemacht habe. Die Gefährlichkeit des Wettrüstens. London, 13. Juli. Im Oberhaus kam es gestern abend zu einer Erörterung über die Trage der Rüstungen. Lord Salisbury erklärte, die Regierung sei von der Gefährlichkeit des Rüstungswettbewerbs überzeugt! Bei der Vergrößerung der Luftstreitkräfte habe sie sich keiner Uebertreibung schuldig gemacht: der einzige Vorwurf, der ihr gemacht werden könne, sei, daß sie nicht weit genug gegangen sei. Die britische Regierung wünsche ein Abkommen über die Luftrüstungen nach dem Vorbild des Washingtoner Vertrages zu erreichen. Sie werde sich bemühen, diese Politik durchzuführen, sobald die Lage Europas etwas weniger gespannt sei: vorläufig wären entsprechende Vorstellungen zwecklos und würden sicherlich mißdeutet werden. Lord Grey bezeichnete die Neigung zur Rückkehr zum alten Wettrüsten als besorgniserregend, gab aber zu, daß die Regierung die Luftstreitkräfte habe vermehren müssen, denn England sei besonders gefährdet, da feine lebenswichtigen Zentren durch die Luft besser zu erreichen seien, als dies bei den Lendern des Kontinents der Fall wäre. Wenn das Land schutzlos solchen Angriffen ausaefetzt bliebe, wäre eine Revolution sicher. Der Rüstungswettbewerb zwischen den beiden in der Luft stärksten Mächten, England und Frankreich, die während des Krieges treue Alliierte gewesen seien, sei kein günstiges Zeichen für dir Zukunst. Die Fortsetzung des Wettrüstens berge die Gefahr eines neuen Krieges in sich, der schlimmer wäre als der letzte. Ein neuer Krieg würde überhaupt den Untergang Europas bedeuten. Es sei aber noch nicht einmal sicher, ob Europa sich von dem letzten Krieg erholen werde. Der einzige Ausweg liege in dem Völkerbund, und nur durch diesen könne auch dem Wettrüsten ein Ende gesetzt werden. Außer dieser Angelegenheit wurde in der Oberhaus-Sitzung die Frage des Flottenstützpunktes Singapore erörtett, die vor allem Lord Grey lebhaft beschäftigt. Dieser betonte, der einzige Gegner der in Betracht kommen könnte, sei Japan. Ein Konflikt mit diesem Lande sei aber unwahrscheinlich: außerdem entspreche der Plan dem Geist des Washingtoner Flottenabkommens. Unter der Fremdherrschaft. Vorübergehende Besetzung von Barmen. Barmen, 13. Juli. Heute früh zwischen 6 und 7 Uhr rückte ein« große Abteilung ftanzöfischer Truppen aller Waffengattungen, die aus der Richtung Haßlinghausen kamen, hier ein und besetzten die öffentlichen Gebäude, wie Rathaus und Post, sowie sämtliche Barmener Bahnhöfe. Der Fernsprechverkehr ist zur Zeit noch nicht unterbunden. Auf den Bahnhöfen wurde heute morgen 9 Uhr bereits die Kontrolle ausgeübt. Die Franzosen befinden sich zur Zeit im Anmarsch ans Elberfeld von Kronenberg her. Die Franzosen sind gegen 1 Uhr aus Barmen vollzählig wieder ab- gerückt. Bei einer Besprechung mit dem Oberbürgermeister, der während der vorübergehenden Besetzung in seinem Dienstzimmer festgehalten wurde, wurde diesem laut B. Z. von einem Dolmetscher erklärt, es handle sich bei dem Vorstoß um eine Strafmaßnahme gegen die Schutzpolizei wegen des Zwischensalls an der Runsdorfer Grenze. Irgend welche Eingriffe in die Kasienbestände der Reichsbank oder der Stadt sind nicht erfolgt. Schicksalswende. Roman von A. Klinger. 47^ Rachsruck verboten. Der alte Kaufherr war sehr erfreut. Er lud Franz zum Mittagessen «in und öffnete ihm sein Haus. Man zeigte Franz, daß er ein willkommener Gast war. Nur Liselotte ließ es ihn fühlen, daß sie ihn nicht gern mochte. Trotzdem gab er.sich alle Mühe, ihr zu gefallen. Sie war re^ch, aus angesehener Familie, sie war klug und gut, so wie er seine Frau wünschte. Die Liebe mft ihren Seligkeiten, wie di- Dichter sie beschrieben, erklärte Franz für Phantasterei, an sie glaubte er nicht. Liselotte war ihm sympathisch, und deshalb glaubte er, gut mit ihr auskommen zu können. Doch Liselotte verhielt sich dauernd ablehnend ihm gegenüber, uick als «r deutlicher mit feinen Absichten hervortrat, wurde sie noch zurückhaltender. Ja, sie ließ es ihn wiederholt fühlen, daß er ihr unsympathisch war, sie verletzte, sie beleidigte ihn. Kurz, sie wollte nichts von ihm wissen. Dann begann er sie zu hassen. Aber er gab sie nicht auf. Seine Frau sollte Liselotte werden. Und dann würde er sich an ihr rächen. Si« sollte erfahren, was er begangen. Alles wollte er ihr mitteilen. Sie war dann feine Frau und konnte ihn nicht verraten, nicht dem Richter ausliefern. Sie mußte alles mft ihm tragen, und nichts konnte sie daran ändern, daß sic die Gattin eines Verbrechers war. So hatte Franz eg sich ausgedacht, und über seinen Rachegelüsten war er nahe daran gewesen, seine Schuld weniger schwer zu empfinden, ttr fand des Nachts wieder Schlaf und der Schatten des Todes verfolgte ihn nicht so bcharrlich wie bisher. Es war an einem Sonntag, Er war bei Liselottes Eltern zu Tisch geladen. Es war nach dem Essen. Die alten hatten sich zu kurzer Ruh« zurückgezogen, die jungen Leute ergingen sich in dem großen Garten. Auch Franz schritt an Liselottes Seite dahin. Er überlegte noch, durch welche Schmeicheleien er ihre abweisende Kälte überwinden könne. Eine Abfuhr der Separatisten. Wiesbaden, 14. Juli. Hier werden neue Anbiedemngsver- suche der rheinischen Separatisten an die Arbeiterschaft bekannt. Man ist an die hiesigen Gewerkschaften herangetreten mit der Frage, ob, falls es zur Ausrufung der rheinischen Republik käme, die Sozialdemokraten einige Portefeuilles übernehmen würden. Die Gewerkschaften haben das Angebot sofort abgelehnt und der Regierung Mitteilung gemacht. Bei den Kommunisten haben sich die Rheinbündler die gleiche Abfuhr geholt. Biel bemerkt wird auch die Tatsache, daß die französischen Behörden in den Geschäften jetzt in Franken bezahlen» während sie bisher die Forderung nach Frankenbezahlung verboten und sogar mit Gefängnisstrafe belegt hatten. Gegen die Uebertragung der Separattstenbewegung ins Ruhrgebiet. Paris, 14. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Essen ist in einer Versammlung der Vertreter der Freien Gewerkschaften am 10. Juli in Effen das Bestreben, die separatistische Bewegung aus dem Rheinland auch nach dem Ruhrgebiet zu tragen, scharf verur- teilt worden. Die Anwesenden haben in einer Resolution zum Ausdruck gebracht, daß 1200000 Arbeiter, die von ihnen vertreten werden, sich den Bemühungen der Separatisten mit aller Kraft widersetzrn werden. Drei wettere Todesurteile. Parts, 14. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Aachen hat das belgische Kriegsgericht in Aachen 3 Deutsche, die in der Meldung ohne nähere Angabe als Saboteure bezeichnet werden, -zum Tode verurteilt. Ihre Namen sind Graf von Keller, Ludwig Schultz und Plagender: ein vierter Angeklagter namens Lorbeer ist zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt worden. Zum heuttgen französischen Rattonalfest. In dieser Woche erlebte die Ruhraktion der französischen Sol- dadeska ein kleines Jubiläum, da ein halbes Jahr ihres verbrecherischen Tun und Treibens abgelaufen ist. Wenn Paris heute das große französische Nationalfest feiert, können die traurigen Heldengestalten der Einbrecher-, Räuber- und Mördergarde im Paradeschritt französischen Stils vor Poincare und den Generälen der schwarzen, und weißen sranzösischen Soldadeska vorbeidefilieren. Der Pariser Mob und die edlen Chauvinistenschreier werden ihnen zujubeln, während Tausende und Abertausende aus deutschem Boden in Verzweiflung aufschreien und knirschend die Fäuste ballen gegen ihre sadistischen Quäler. Mark und Franken. In einem „Mark und Franken" überschriebenen Leitarttkel einer Hamburger Zeitung, der von einem angesehenen Mitglied der führenden Wittschaftskreise Hamburgs stammt, heißt es, Frankreich wisie genau, daß die Mark trotz ihrer Schwäche dem Franken überlegen ist, wenn Deutschland sich in dem zähen Abwehrkampf nicht zermürben läßt. Das Vorgehen Frankreichs sei von der inneren Angst und dem Bewußtsein diktiett, daß der französische Bankerott eher hereinbrechen könne als der deutsche. Den Franzosen sei klar, daß es sich um einen Ringkampf zwischen Mark und Franken handelt. Sie gingen immer unocrhllllter dazu über, die Maßnahmen der Reichsregierung zum Schutze der deutschen Währung zu durchkreuzen. Ja, sie scheuten nicht einmal vor der Falschmünzerei zurück. Wir schlagen, schreibt das Blatt weiter, der Reichsregierung allen Ernstes vor, sich für den begangenen Milliardenraub und für die Falschmünzerei schadlos zu halten, indem sie in gleichem Umfange französische Banknoten herausgibt. Als Umrechnungskurs' hätte dabei der Markstand gegenüber dem Franken vor dem Ruhreinbruch zu dienen. Englische LiefermMN während des Krieges an Deutschland? z „Morning Post" bringt in einem Attikel sensationelle Enthüllungen über di« angeblichen Lieferungen -ngsischer Firmen an Deutschland während des Krieges, die sie einem Bucke des Admirals Conseil entnimmt, wo behauptet wird, daß in den Jahren 1914—1917 ein umfangreicher Export englischer Waren durch Vermittlung neutraler Staaten nach Deutschland stattgefunden habe. Andernfalls war der Krieg schon in einem halben Jahr, spätestens in einem Jahr zu Ende gewesen. „Morning Post" fügt hinzu, daß eine schwere Anklage gegen die damalige Regierung garnicht gedacht werden könne, da Lord Robett Cecil, der verantwortliche Minister, voll« Kenntnis davon gehabt habe. In der französischen Presse wird natürlich eifrig Gebrauch von dieser Meldung gemacht, da mau zur Zeit ein Interesse Da blieb Liselotte plötzlich stehen. Aus ihren kühlen grauen Augen sah sie Franz durchdringend an. Sie sagte: „Es ist vergeblich, daß Sie sich um mich bemühen, mein Herr. Ich gehe lieber in den Tod, alz daß ich Sie heirate!" Er war bleich geworden. „Und aus welchem Grunde sind Bie-so grausam gegen mich, Fräulein Liselotte? Ich habe Ihnen nie etwas zuleide getan." „Sie beleidigen mich, so oft Sie zu uns kommen! Ich habe Ihnen offen gezeigt, daß Ihre Gegenwart mir lästig ist: trotzdem hören Sie nicht auf, mir Schmeicheleien zu sagen, die Ihren wahren Empfindungen für mich nicht entsprechen, die erheuchelt find —" „Ich bin verbittert, weil Sie mich schlecht behandeln. Aber wenn Sie glauben, daß Ihr Widerstand mich abschreckt, sind Sie im Irrtum. Ich halte zähe fest an d«m, was ich mir vorge- nommen. Ich habe den Beistand Ihrer Eltern. Sie werden meine Frau, auch gegen Ihrer? Willen. Meine Wahl ist auf Sie gefallen, und ich gebe Sie nicht wieder frei. Was haben Sie an mir auszusetzen? Ich bin angesehen, reich —" „Ein Erbschleicher sind Sie in meinen Augen!" unterbrach ihn Liselotte mit erhöhter Stimme. Und ihr erregtes Wesen schien die in der Nähe lustwandelnden Freundinnen stutzig zu machen. Sie eilten herbei und winkten noch anderen jungen Leuten zu. Im Halbkreis standen sie jetzt um Liselotte und Franz. „Wir sind nicht mehr allein," stammelte er, „bitte, beherrschen Sie sich, Fräulein Schäler!" Sie schien ihn nicht zu hören. Noch lauter als vorher fuhr sie fort: „Weiß der Himmel, wie Sie zu dem Reichtum gekommen sind! Für Sie war derselbe sicher nicht bestimmt! All« Welt weiß, daß Sie in keinem guten Verhältnis zu Ihrem Oheim standen, daß er nichts von Ihnen hielt. Er liebte feine Tochter über alles! Und nun er gestorben ist. find Sie im Besitz seines Vermögens und sein Pflegekind, das er behütet wie seinen Augapfel, geht leer aus, ist gezwungen, in dienender Stellung ihr Brot zu suchen? Wie geht das zu? Herr Harnisch soll ein so gütiger, gerechter und großartiger Mensch daran hat, England mit alten „Verfehlungen" in der Oef- fcntlichkeit zu belasten, um der Druck auf die englische Politik in der Reparationsstage zu verstärken. Ein russischer Luft-„FlottMverlM". z Nach Moskauer Meldungen hat dort rin« Zusammenkunft der „Freunde der Luftflotte" stattgefunden, bei welcher Gelegenheit Trvtzki «ine bemerkenswerte Rede hielt. Trotzki sagte unter anderem: „Es ist unbedingt erforderlich, eine enge Verbindung bei dem Bau der zivilen und militärischen Flugzeuge in konsftuklioneller Hinsicht ^rzustelsen. Die zivile Luftflotte muß die Reserve der Militärlpstflotte bilden." Uxber die Entwick- lung der ganzen Bewegung führt er aus. daß sie sich seit ihrem Beginn im Februar 1923 sehr günstig entwickelt habe. Es seien bereits 14 Zweigorapnisationen der „Bereinigung der Lustflvttensteunde" gebildet. Ein finanzielles Sammelwerk mit Hilfe der Schulen und Zeitungen sei organisiert. Auch in der Ukraine breite sich die Bewegungrasch aus. Die Sowjets rüsten also in aller Großzügigkeit 'Uf allen. Gebieten „für den Tag." Finnland und Rußland. ä In diesen Tagen wurde eine ungeheuerliche Spionagegeschichte ausgrdeckt. Ein wehrpflichtiger Soldat hat aus dem Kttegsministerium, in welchem er als zuverläffig galt, monatelang geheime Schriftstücke entwendet und durch Vermittlung eines kommunistischen Abgeordnete», Bolschewikcnattaches für einige Stunden zum Abschreiben und Photographieren überlassen. Dem Militärattache ist der Paß zugestellt worden. Er hat bereits die Grenze pasiiett. Die Preffe ist empört und fragt an, wie lange die Regierung noch eine Partei duldet, die offen und heimlich den Landfeind unterstützt. Im übrigen wurde dieser Tage ein Bettrag mit Rußland abgeschloffen über den Verkehr auf der Newa. Nach wie vor wird Getreide aus Rußland ausgeführt, während der Export nach dott etwas nachgelaffen hat. Der Handel nach dort liegt fast nur in finnischen und deutschen Händen. Englische, amerikanische und schwedische Schiffe sieht man immer seltener. Noch recht eifrig wird in der hiesigen und reichsschwedischen Preffe ein Zusammenarbeiten Schwedens und Finnlands auf militärischem Gebiet diskutiett. Graf Bernstorff über die Politik der nächsten Wochen. München, 14. Juli. Bei einem politischen Aufklärungsabend des jungdemokratischen Verbandes Bayerns sagte Reichstagsabgeordneter Graf Bernstorff, der ehemalige Botschafter in Washington, er glaube auf Grund seiner Fühlung mit einfluß- rcichen Persönlichkeiten des Auslandes, vor allem Englands, folgenden Weg für die Außenpolitik der allernächsten Wochen zeigen zu können: Wenn England den Wunsch habe, die gesamten Fragen der Reparationen an den Völkerbund zu verweisen, hätte Deutschland allen Anlaß, diesem Wunsch entgegenzukommen, um nicht durch anderes Verhalten Frankreich in die Hände zu arbeiten. Alle bisher für unseren Eintritt in den Völkerbund vorhandenen Schwierigkeiten seien im wesentlichen beseitigt und es bestehe alle Aussicht, daß Deutschland mit gleichberechtigter Stimme in den Völkerbund kommen könne. Graf Bernstorff meinte weiter, man würde auch kein neues Geständnis zur Kriegsschuld das für Deutschland eine moralische Unmöglichkeit wäre, verlangen. Eine radikale Erfüllungspolitik sei die alleinige patriotische Politik, Deutschlands. Die Frage der Reparationen heiße jetzt nichts anderes als die Frage der Festsetzung des Lösegeldes für Rhein und Ruhr. Denn erstes und letztes Ziel der Außenpolitik müsse sein, Rhein und Ruhr freizumachen. Jawohl, radikale Erfüllungspolitik, aber auf einem ebenso radikalen Boden . Erst müssen wir wissen, was wir end- giltig leisten sollen und können. Wir wollen die Früchte unserer Arbeit auch sehen, dann erst tritt der rechte Erfüllungswilie allgemein ein. Das sollten unsere Diplomaten mehr, als bisher, betonen und in erster Linie in den Vordergrund stellen. Graf Lerchenfeld über sein« Amerikareist. München, 14. Juli. Vor einem geladenen Publikum sprach gestern Graf Lerchenfeld über seine Amerikareise. Er sei überall gut ausgenommen worden, nur einmal in Ohoma sei er das Opfer der amerikanischen Legion geworden, die noch uuter der Kriegspsychose stehe. Seine Aufgabe war eine rein philan- tropische um eine Kinderhilfe. Es war natürlich nicht immer zu vermeiden, auch in gewissem Sinne politisch zu wirken, um die auf politischem Gebiet liegenden Hemmungen zu überwinden. Man glaubt drüben immer noch an die Schuld Deutschgewesen sein! Und der sollte sein Kind, welches er wie eine Prinzessin hielt, verstoßen und den Neffen, welcher ihm nur Enttäuschungen bereitete, mit seinem Reichtum überschüttet haben? Es gehört nicht viel Scharfsinn dazu, um zu begreifen, daß hier etwas geschehen ist, was mit dem letzten Willen des verstorbenen Herrn Harnisch in direktem Widerspruch steht! Und darum habe ich ein Graueen vor Ihnen, und ich würde lieber sterben, als Si« heiraten!" Wie vom Blitz getroffen, stand Franz bei diesen ihm ins Gesicht geschleuderten Anklagen. Sein Gesicht war fahl bis in die Lippen. Er wollte sprechen, doch kein Ton rang sich aus seiner Kehle. Und alle hätten, was Liselotte ihm zurief, alle sahen, wie e§ ihn traf. War es wirklich nur Zufall, daß all die jungen Leute hierher geeilt waren, oder handelte eg sich um eine abgekartete, von Liselotte in Szene gefetzte Sache? Jedenfalls hatte Liselotte ihren Zweck, wenn auch auf eine grausame Weise, erreicht. Franz murmelte etwas, das wie „unerhörte Beleidigung" klang, wie „Genugtuung geben" und „Staatsanwalt", bann wandte er sich, hastete zum Haufe zurück, nahm seinen Hut und Paletot und stürzte fott. Er legte den ziemlich westen Weg bis zu feiner Billa in einem rasenden Tempo zurück. Wie von Furien gejagt, rannte er. An allen Gliedern zitternd, mit wirrem, unstetem Blick, betrat er sein kühles lauschiges Heim. Doch auch hier fand er keine Ruhe. Er raste von einem Raum in den anderen und konnte? sich zu keinem klaren Gedanke» durchringen. Dieses Mädchen, dieses böse, gehässige, niederträchtige Weib! O, daß sein Auge niemals auf dieses arglistige Geschöpf gefallen wäre! Sie hatte gesiegt, die Schlange, sie hatte ihn dort unmöglich gemacht, er konnte in jenes Haus nicht zurückkehren! Aber war ihm wirklich nur diese eine Tür verschlossen? War «s nicht vielleicht bereits Stadtgespräch, daß er das Erb« seines Oheims erschlichen, daß er schuld an seinem Tode war? * Nr. 82. Jahrgang 1923. lands. Wenn man, wie es Lerchenfeld getan hat, mit allen möglichen Persönlichkeiten und namentlich in hervorragenden Klubs zu sprechen Gelegenheit hat. ist es notwendig den Schein jeder Propaganda, namentlich in der Kriegsschuldfrage, zu vermeiden. Die öffentliche Meinung in Amerika ist schon vor dem Krieg gegen Deutschland aufgehetzt worden, später kamen dann die Greuelnachrichten, welche nach dem Lusitaniafall wahre Orgien feierten, hinzu. Man soll sich im allgemeinen nicht zu großen Hoffnungen hingeben, denn Amerika kümmere sich nicht mehr viel um Europa und es ist noch viel Kleinarbeit zu leisten, bis die Amerikaner objektiver zu sehen beginnen. Auf eine Intervention der Bereinigten Staaten ist nicht zu rechnen. Nur eines mache drüben großen Eindruck, das sei die deutsche Einigkeit. Der Reichskanzler an Amerika. Newyork, 15. Juli. Der Reichskanzler wendet sich in einer an den Präsidenten Harriman von der United America Line gerichteten Botschaft an das amerikanische Volk und spricht dabei die Hoffnung aus, daß die Völker von Amerika und Deutschland sich in wechselseitiger wirtschaftlicher Arbeit zusammenschlietzen- Den Anlaß zu dieser Kundgebung bilder die für morgen erwartete Ankunft des neuen Dampfers „Albert Ballion". Länder- und Außenpolitik. Dieser Tage hat sich in der Wilhelmstraße in Berlin ein Vorgang abgespielt, über dessen Einzelheiten die amtlichen Stellen geflissentlich hinweggegangen sind, so interessant seine Vorgeschichte und seine Entwicklung auch war. Der sächsische Ministerpräsident Zeigner hielt sich nämlich einige Tage in Berlin auf und hatte vorgestern eine Aussprache mit dem Reichskanzler. Ueber den Gegenstand und den Verlauf dieser Unterredung ist von beiden Seiten Stillschweigen verabredet worden. Es ist jedoch anzunehmen, daß einer der Hauptpunkte der Besprechung die kürzliche Rede Zeigners in Niederplanitz gewesen ist, bei der eine Aeutzerung über den passiven Widerstand Heftige Kritik herausgefordert hat. Ministerpräsident Zeigner der bekanntlich sehr jung, sehr radikal und in der Politik sehr unerfahren ist, hatte es für richtig gehalten, sich für die Einstellung des passiven Widerstandes einzusetzen, und er hat sich dadurch nicht nur zu allen bürgerlichen Kreisen und Par teien, sondern auch zu der gewaltigen Mehrheit seiner eigenen Partei, der sozialdemokratischen, in schärfsten Widerspruch gesetzt. Wie zu erwarten war, hat die Rede des sächsischen Ministerpräsidenten dagegen bei unseren Feinden lebhafte Genugtuung erweckt. Soweit wir orientiert sind, ist bei der Unterhaltung zwischen Dr. Euno und Dr. Zeigner eine Verständigung die Art und Maß außenpolitischer Betätigung der Vertreter deutscher Länder festlegt, zum mindesten angebahnt worden. Die Rede Zeigners hat für den Leiter der Reichspolitik die Notwendigkeit einer derartigen grundsätzlichen Auseinandersetzung ergeben. Die unglaubliche Torheit der Zeignerschen Aeußerung»^ erhellt besonders aus der Tatsache, daß zum Beispiel gerade jetzt von belgischer Seite zugegeben wird, daß das Ruhrpfan^ unproduktiv geworden ist und zwar durch die Unerschütterli^, keit des passiven Widerstandes, dessen Dauer man seinerzeit in Paris und Brüssel auf höchstens eineinhalb Monate schätzte Die Produktivität der Ruhrbesetzung bleibt aber der Angelpunkt der Poincareschen Politik. Bleibt der passive Widerstand in allen besetzten Gebieten unerschütterlich, so läßt sich die Pro- duktivmachung nicht durchsetzen, und die französische Ruhrpoli- tik muß zusammenbrechen. Wenn wir Herrn Zeigner folgen, brechen wir vorher zusammen. Bleibt aber die Etappe ebenso fest, wie die kämpfende Front, so muß Poincare nachgeben. Deutsche Auslandpropaganda. Aus Paris geht uns wieder einmal eine recht erquickende Meldung zu. Wie die „Ere nouvelle" meldet, hat bei der zur Zeit in Paris tagenden Liga für Menschenrechte auch der Leiter der im vaterländischen Sinne berüchtigten „Welt am Montag", die in Berlin erscheint. Herr von Gerlach, das Wort ergriffen und dabei wiederholt erklärt und betont, es sei erneut sfestgestellt worden, daß Deutschland am Kriegsausbruch einen überwiegenden Teil der Schuld habe. Wir hätten deshalb nicht nur die materielle, sondern auch die moralische Verpflichtung, die Leistung der Reparationen sicherzustellen. Wir können von hier aus nicht feststellen, ob Herr von Gerlach diese weisheitsvollen Worte gesprochen hat. Zuzutrauen ist ihm das ohne weiteres. Ist das aber der Fall, dann wäre das ein ganz unerhörter Skandal. Was dieser Verräter an der guten Sache des Vaterlandes für Fensterscheiben damit einwirst, deren Wiederherstellung Volks- und Reichsregierung bezahlen muffen, ist anscheinend jenem wie den letzteren nicht klar. Wäre das der Fast, dann müßte es doch eigentlich undenkbar sein, auch diesem Manne wieder ausgerechnet in dieser Stunde Paß und Auslandsreisegelegenheit zu geben. Wir wünschen der Reichsregierung wirklich keine Ungelegenheiten in ihrer keineswegs schönen Lage, uns treibt auch nicht die Schadenfreude, wenn ihr aber hier einmal ernste und nicht leicht zu beseitigende Folgen erwüchsen, so könnte das vielleicht mal ein Lehrgeld sein, deffen Preis und höhe sie nun vielleicht endlich sich auf ihre nationalen Pflichten besinnen läßt. Wie war doch die Reihenfolge? Breitscheid in London — Schücking in Kopenhagen — Gerlach in Paris — fürwahr — „ist es schon Tollheit, hat es doch Mode". Wie sägt der Engländer? Recht oder Unrecht, es geht um mein Vaterland. Rur der deuffche Michel erniedrigt sich immer noch mit Selbstanklagen, wenn bereits einwandfrei die Kriegspolitik unserer Feinde sestgestellt ist. Ein Gerücht und eine Warnung. --- Seit einigen Tagen läuft im besetzten und unbesetzten Gebiet das Gerücht um, die Verhandlungen mit der Entente seien schon soweit gediehen, daß in der allernächsten Zeit mit der Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebs in beif besetzten Gebieten durch die deuffche Verwaltung gerechnet werden müsse. Wie uns mitgeteilt wird, ist hierdurch die Handels- und Verkehrswelt schon im erheblichen Umfange veranlaßt' worden, Güter zur Verfrachtung bei den Franzosen aufzugeben. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß dieses auf die Leichtgläubigkeit der Menge berechnete Gerücht lediglich auf absichtliche Ausstreuungen der Franzosen beruht, die mit allen Mitteln versuchen, ihre Stellung bei den kommenden Verhandlungen zu stärken. Ihr Bestreben geht vor allem dahin, der Welt vorzutäuschen, daß sie in Gemeinschaft mit den Belgiern den Betrieb der Eisenbahnen im besetzten Gebiet vollkommen in der Hand hätten, und daß der Verkehr von Tag zu Tag in erfreulicher Zunahme begriffen sei. Es ist dringend geboten, die gesamte Geschäftswelt auf die drohende Gefahr hinzuweisen, die durch die Ausstteuungen der Franzosen hervorgerufen wird. Dringender denn je ist, besonders in diesem Augenblick die Forderung, den Fügen der Franzosen fernznbleibeu. . kein Gut ihnen zur Verfrachtung zu überlasten und alles zu vermeiden, was ihren Absichten in irgend einer Weise Vorschub leisten könnte. Der Landbote * Einshrimer Zeitung. Michaelis und das Kaisertum. Kopenhagen, 13. Juli. Der frühere Reichskanzler Michaelis der sich zurzeit in Nyborg aufhält, um sich mit der christlichen Studentenbewegung in Dänemark bekannt zu machen, hat sich einem Mitarbeiter des Fjns Venstreblad gegenüber bezüglich der deuffch-dänifchen Grenzfrage geäußert. Herr Michaelis erklärte u. a.: Die Nordschleswigsche Frage ist nach meiner Meinung enffchieden- Wir Deutschen haben uns in loyaler Weise vor der Entscheidung gebeugt. Die jetzige deuffch-dänische Grenze ist festgelegt und es ist die Aufgabe beider Völker, daran zu arbeiten, den Frieden ^zwischen einander zu stärken, anstatt chauvinistische Propaganda zu treiben- Wir deutscherseits haben unsere Propaganda in der schleswigschen Frage aufgegeben,- es ist an den dänischen Chauvinisten, es ebenso zu tun. Es geht nicht mehr in der bisherigen Weise. Die Bevölkerung ist befragt worden und hat entschieden: jhr Wille ist erfüllt worden. Hiermit sind wir Deutsche zufrieden; auch die Dänen müssen es sein. Auf die Frage, ob er als alter Monarchist den Kaiser zurückwllnsche, äußerte Herr Michaelis, die Frage der Wiedereinführung des Kaisertums in Deutschland interestiert das Ausland sehr und ich bin oft darüber gefragt worden. In Deutschland wird diese Frag überhaupt nicht mehr diskuttert; (?) sie existiert nicht. Jeder ist sich darüber klar, daß die Zeit des Kaiserreichs vorbei ist und daß die Hohenzollern nicht wiederkehren. Dies ist eine Tatsache, mit der sich die früheren Monarchisten abgefunden haben. Reichswirtfchaftsrat und Währungsfrage. Berlin, 13. Juli. In einer gemeinsamen Sitzung beschäftigte sich gestern der wirtschaftspolitische und finanzpolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrats mit der Währungsfrage. Der Berichterstatter, Dr. Helferding, wies darauf hin, daß die Privatwirtschaft sich immer mehr von der Staatswirtschaft losgelöst habe und zur Goldrechnung übrrgegangrn fei. Der Staat müsse daher ebenfalls zum Goldetat kommen. Nach einer längeren Debatte nahmen die Ausschüsse eine Entschließung an, in der die Regierung aufgefordert wird, durch ein System ineinandergreifender wirtschasts- und finanzpolitischer Mittel, unterstützt durch finanz- und währungstechnische Maßnahmen, dem rapiden Sturz der Mark, der wirtschaftliche und soziale Erschütterungen heraufzubeschwören droht, Einhalt zu tun. Das Ziel aller Maßnahmen müsse eine Stabilisierung der Währung durch Herstellung des Gleichgewichts im Etat sein. Zur Vor bereitung dieses Zieles empfehlen die Ausschüsse eine Rech„ von Maßnahmen. Die bestehenden Steuern sollen durch Vorauszahlungen unter voller Anpassung an die Geldentwertung wirksam gemacht werden. Das Reich solle Kredite und Stundungen nur auf Goldbasts und gegen Goldzins gewähren. Ferner wird regelmäßige kruzfristige Anpassung der Tarife von Eisenbahn und Post an die Geldentwertung und eine Reform der Vereinheitlichung der Einkommenerbschafts- und Vermögenssteuer verlangt. Die Finanzierung des Ruhrstreiks soll durch Zuschläge auf bestehende Steuern erfolgen. Schließlich soll eine langfristige Reichsgoldanleihe, die in Papiermark einzuzahlen wäre, ausgegeben werden. Bezüglich der Reichsbank verlangt die Entschließung den Uebergang von Papiermarkkreditgewährung zum Gldkredit, Diskontierung von Geldwechseln gegen Goldzins, Zulassung von Goldkonten, Fortführung der Stützungsaktion durch Bereitstellung eines ausreichenden Devisenfonds, zu dessen Bildung Devisenbestände der privaten Wirtschaft gegen Goldschatzanweisung der Reichsbank heranzuziehen sind, schließlich Uebernahme der Garantie für die Verzinsung einer langfristigen, wertbeständigen Anleihe. Die Ausschüsse erklärten sich auch im Prinzip einverstanden mit der Einführung wertbeständiger Hypotheken und Obligationen. Lujo Brentano über die Rot der Zeit. München, 15. Juli. In einer von der Arbeitsgemeinschaft republikanischer Studenten veranstalteten Versammlung sprach gestern Geheimrat Lujo Brentano über die Besetzung des Ruhrgebietes und die wirtschaftliche Not unserer Zeit, die er als eine Frage der Papirrgeldwirtschaft bezeichnetr. Diese wiederum sei aus der Anlehenswirtschaft während des Krieges entstanden. Zur Besserung sei die Beseitigung dieser Papiergeldüberflutung erforderlich, die freilich nur möglich sei, wenn die Regierung Tapferkeit beweise und das Volk umzudenken beginne in dem Sinne, daß es sein Interesse am Steigen des Dollars aufgrbe. Die erforderlichen Mittel zur Regelung des Staatshaushalts könnten nur durch schärfste Anspannung der direkten Steuern hereingebracht werden, ein Gedankengang, der übrigens auch in weiten Kreisen der Industrie heimisch ist. Tapferkeit der Regierung werde gefordert, namentlich gegenüber jenen Kreisen, die ihre Hilfe für das Vaterland von Bedingungen abhängig machen zu können glauben. Gleicher Schutz und gleiches Recht müßten der großen sozialdemokratischen Partei gewährt werden, deren Mitglieder die Hauptträger des Widerstandes im Ruhrgebiet seien. Die Not der freien Berufe. Berlin, 13. Juli. Der wirtschastspolttische und der finanzpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates haben heute in einer gemeinsamen Sitzung Forderungen und Vorschläge zur Besserung der wittschaftlichen Lage der freien Berufe angenommen. Danach soll für die Angehörigen der freien Berufe bei der Veranlagung zur Einkommensteuer ein Teil des Berufseinkommens bis zu einer gesttzlich zu bestimmenden Höhe freigelassen werden, sofern das Gesamteinkommen eine gewiss^esetzlich bestimmte Höhe nicht überschreitet. Mit der Igleichen B^chränkung sollen die freien Berufe auch von der Umsatzsteuer befreit werden. Hiergegen brachte ein Vettreter des Reichsfinanzministeriums starke Bedenken vor. Weiter wird gefordert, daß die Regierung die auf Einführuug einer Kulturabgabe abzielenden Bestrebungen unterstützt. Diese Kulturabgabe soll bei der Herausgabe von Werken von seit mehr als 30 Jahren verstorbenen Autoren geleistet werden, die nach dem Verlagsrecht frei geworden sind. Weiter wird für Schriftsteller, Komponisten und bildende Künstler eine Reform'dcs Urheber und des Verlagsrechtes im Sinne eines stärkeren Schutzes durch zwingende Vorschriften gefordert. Für Aerzte und Zahnärzte wird neben der Unterstützung der wiffenschaftlichen Forschungsinstitute die steuerfreie Abgabe des beruflich benötigten Alkohols, die Ermäßigung der Fernsprechgebühren um die Hälfte und in steuerlicher Hinsicht Gleichstellung der privaten Heilanstalten, die eine gemeinnützige praktische Tätigkeit ausüben, mit den öffentlichen Krankenhäusern gefordett. Für die Rechtsanwälte wird verlangt, daß es ihnen gestattet werde, Teuerungszuschläge oder sonstige Honorare durch ihre Berufsoerbände festzusetzen. Zugunsten der bildenden Künstler sollen freiwerdende Ateliers, solange Nachfrage vorhanden ist, nur an bildende Künstler- abgegeben werden dürfen. Schriftleiter und Tagesschriststeller, die infolge der Notlage der Preffc beschäftigungslos werden, sollen aus Reichsmitteln eine ausreichende Unterstützung erhalten. Montag, den 16. Juli 1923. Die Flucht Ehrhardts. Leipzig, 13. Juli. Kapitänleutnant Ehrhardt, gegen den am 23. Juli vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig die Verhandlung wegen Hochverrats, begangen durch Teilnahme am Kapp-Putsch, beginnen sollte, ist heute abend aus dem Gefängnis entflohen. Die Flucht wurde erst in der siebenten Abendstunde, unmittelbar nach dem Verschwinden Ehrhardts, entdeckt. Es herrscht große Bestürzung und man steht vor einem Rätsel, wie es Ehrhardt gelungen ist, auszubrechen. Das Untersuchungsgefängnis in der Beethovenstraße wurde von der Sipo umstellt, da es nicht ausgeschloffen erscheint, daß Ehrhardt sich noch irgendwo in dem weitläufigen Gebäude verborgen hält. Mit der Vernehmung des Wachtpersonals wurde sofort begonnen. Leipzig, 14. Juli. Ehrhardts geheimnisvolle Flucht ist auch heute morgen für die Behörden noch ein Rätsel Die Frage ist völlig dunkel: wie war es möglich, daß Ehrhardt 2 Eisengitter und eine Holztür des Gefängnisses passieren konnte, die nur von außen, also von der Seite des Amtsgerichtes her, aber nicht von innen aus dem Gefängnis heraus, geöffnet werden konnten. Wenn ein Beamter vom Innern des Gefängnisses nach außen gelangen will, so muß er ein Glockenzeichen geben, damit ihm aufgeschlossen wird. Zweifellos hat sich jener Beamte, der Ehrhardt nach beendetem Bad allein in den Baderaum zurückkehren ließ, wo er vergeblich seine liegengelassene Seife holen wollte, mindestens einer Fahrlässigkeit schuldig gemacht. Die Aufsichtsbeamten hatten strenge Weisung, Ehrhardt keinen Augenblick unbeobachtet zu lassen. Die Helfershelfer müssen, genau unterrichtet gewesen sein, daß Ehrhardt seinen Badctag für die Flucht ausersehen hatte. Nach Ansicht des die Untersuchung leitenden Oberregterungsrats ist es den Helfern gelungen, Gipsabdrücke von den Schlüsseln zu nehmen und mittels eines Nachschlüssels 3 von außen zu öffnende Türen aufzuschließen, gerade zu dem Zeitpunkt, als Erhardt wie jeden zweiten Tag , sein Bad nahm. Unerklärlich bleibt aber noch immer, wie es dem Aufsichtspersonal entgehen konnte, daß die Korridortüren des Gefängnisses offen waren. Vom Untersuch ungsgefängnis gelangte Ehrhardt in das mit diesem durch Gänge verbundene Amtsgerichtsgebäude. Hier ist um diese Zeit stets ein reger Verkehr, so daß Ehrhardt mit seinem blauen Sakkoanzug, mit gelben Halbschuhen bekleidet, ohne Hut und Weste am Peterssteinweg unauffällig das Freie gewann. Belohnung von 25 Millionen Mark. Berlin, 14. Juli. Auf die Ergreifung des aus der Untersuchungshaft entflohenen Kapitänleutnants Ehrhardt ist eine Belohnung von 25 Millionen ausgesetzt worden. Der Reichs Kommissar für öffentliche Ordnung hat einem Vertreter der B. Z. gegenüber die Ansicht ausgesprochen, daß Ehrhardt innerhalb -es Gefängnisses eine große Anzahl von Helfershelfer gehabt haben müsse: das gehe schon daraus hervor, daß er innerhalb des Gebäudes weite Strecken zurücklegen mußte, um aus dem Untersuchungsgefängnis in das angrenzende Amtsge- richtsgebäude zu gelangen. Pariser Pressestimmen zur Flucht Ehrhardts. Paris, 14. Juli. Die Flucht Ehrhardts wird hier als ernstes Symptom betrachtet. Die Nachricht hat in extremnationalistischen Kreisen die Hoffnung neu belebt, daß in Deutschland ein reaktionärer Putsch bevorsteht, der Frankreich einen Borwand zu noch schärferem Borgehen gegen Deutschland bieten wird. Die französischen gemäßigten Kreise hoffen, daß Ehrhardts Flucht die deutsche Linke zu entschiedener Haltung bestimmen wird. Die neuen Postgebühren. Ab 1. August das Dreieinhalbfache der jetzigen Gebühren. Ab 1. August werden die Postgebühren im allgemeinen um das Dreieinhalbsache erhöht. Es werden demnach kosten: Post- katten im Ortsverkehr 200 Mk., im Fernverkehr 4M Mk. Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gramm 4M, über 20-1M Gr. 6M Mk. usw. Im Femverkehr kosten sie bis 20 Gr. 10M Mk., über 20 bis 100 Gr. 12M Mk. usw. Drucksachen bis 25 Gr. 2M Mk. usw. Päckchen bis 1 Kg. 20M Mk. usw. Pakete in der ersten Zone bis 3 Kg. 24M Mk.. über 3-5 Kg. 26W Mk.. über 5-6 Kg. 42M Mk. usw., in der zweiten Zone bis 3 Kg. 48M Mk., über 3—5 Kg. 72W Mk. usw., in der dritten Zone bis 3 Kg' 48M Mk., über 3—5 Kg. 7200 Mk. Postanweisungen bis 10 0M Mark 8M. über I00M bis 500M Mk. 10M und bis 1 Million 48M Mk. Zahlkarten bis 10 0M Mk. 2M. bis 50 0M Mk. 250 Mk. usw. bis 2 Millionen (unbeschränkt) 20M Mk. Gewöhnliche Telegramme im Fernverkehr: Grundgebühr 16M, Wortgebühr 860 Mk. Im Ortsverkehr kostet die Grundgebühr 8M, die Wortgebühr 4M Mk. Die Ortsgesprächgebühr beträgt 5M, die Ferngesprächgebühr für über 5—15 Kilometer einschließlich 15M. für 5M—6M Kilometer 22 5M Mk., jede weiteren angefangenen IM Kilometer 30M Mk. mehr. Die Iahresgrundgebllhr bleibt bis Ende September 1923 unverändert. Der Reichstagsausschuß für Post- und Telegraphenwesen hat in einer Entschließung dem Ministerium Vollmacht erteilt, am 1. September abermals eine Verdoppelung sämtlicher Gebühren vorzunehmen. Baden. Minister Dr. Hellpach- in Prag. Prag. 11. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: Präsident Dr. Ma- saryk empfing am Sonntag, den 8. Juli, auf dem Hradschin den badischen Minister des Kultus und Unterrichts, Dr. Hellpach. Hierzu erfahren wir noch: Der Besuch des badischen Kultusministers beim Präsidenten der ffchechoslowakischen Republik war schon vor mehreren Wochen mit dem ffchechoslowakischen Gesandten in Berlin, Tusar, vereinbart worden. Die Unterredung der beiden Männer! die vor zwanzig Jahren in einem wiffenschaftlichen Briefwechsel gestanden hatten, dauerte fast eine Stunde und berühtte außer persönlichen und wiffenschaftlichen Dingen auch Kernfragen der euro- päischen Krise und Neuordnungen, insbesondere die sozialen Fragen in den verfaffungspolitischen Schöpfungen des neuen Europa. Minister Dr. Hellpach folgte während seines Prager Aufenthalts außerdem einer Einladung des deuffchen Gesandten, Staatsminister Dr. Koch und traf wichtige Vereinbarungen über Ferienaufenthalte von Studierenden der badischen Hochschulen in der Tschechoslowakei, wobei gleichzeitig eine Einführung in die sozialen, wirtschaftlichen und nattonalen Probleme dieses neuen Staatswesens gegeben werden soll. Das Organ der tschechischen Nationaldemokratie „Narodni Politika" widmete dem Karlsruher Vottrag des Ministers Hellpach über das sterbende und werdende Europa einen ausführlichen Leitartikel, und das führende Blatt der Deuffchböhmen, die „Bohemia", würdigte den Erlaß Dr. tzellpachs über die Pflege der deuffchen Sprache in den Schulen. Nr. 82. Jahrgang 1923. __ Aus Nah und Fern. ! * Sinsheim, 16. Juli. (Gewitter.) Die tropische Hitze, die am Samstag ihren Höhepunkt erreicht hat, hielt auch am gestrigen Sonntag unvermindert an. Am Abend zogen Unheil kündende Wolken auf und ein Orkan brauste über unsere Gegend hinweg, bekleidet von heftigem Regenguß, der der Pflanzenwelt die nötige Erfrischung brachte, aber auch nicht unerheblichen Schaden anrichtete. Wie aus auswärtigen Meldungen heroorgeht, gingen in fast ganz Deutschland gestern Abend Gewitterregen nieder. * Sinsheim. 14. Juli. (Bürgerausschutz.) In der gestrigen Sitzung wurde die Aufnahme eines Darlehens mit 40jähriger Amortisation zur Bezahlung der Kanalisation der neuen Siedlung genehmigt. Desgleichen die Satzungen der Gewerbeschule, die nun getrennt von der Handelsschule geleitet wird. Die Genehmigung des Anstellungsvertrags des vom Gemeinderat angestellten Ratschreibers Buhl von Homberg wurde nach kurzer Debatte vertagt. Man stieß sich an der Sonderbestimmung, dem neuen Ratschreiber als kleine Entschädigung dafür, daß er hier nicht in Klasse 8, wo er bisher war, sondern in Klasse 7 eingereiht wird, einen Pachtacker von einem Morgen zu überlassen. Er bekommt hier jährlich etwa 3 Millionen oder mehr Gehalt weniger, um dagegen etwa 80000 Mk. einzutauschen. Die ganze Debatte erweckte den Anschein, als ob ihr kleinliche Intriguen vorausgegangen wären. Welche Blüten sie zeitigte geht daraus hervor, daß man einen Mann Mitte vierziger für verbraucht erklärte. Und doch drängen sich Altersgenossen hier zu Ämtern, für die sie also nach eigener Ansicht verbraucht sind. Spotten ihrer selbst, und wissen nicht wie! Ein Unikum aber dürfte es sein, daß ein Staatsbeamter, der Abgeordnete Ehret, die die Glaubwürdigkeit behördlicher Zeugnisse anzweifelte und sich darob von einem andern Staatsbeamten scharf zurechtweisen lassen mußte. Den Holzfällern hat man für ihre schwere Arbeit eine Sondervergütung in Form von unentgeltlichen Holzzuweisungen gegeben. Niemand hat dagegen etwas einzuwenden gehabt, es sei diesen Leuten von Herzen gegönnt. Hoffentlich findet sich der Bürger- ausschuß auch noch mit Vieser kleinen Sonderbestimmung ab und erachtet für einen außergewöhnlich vielseitigen und tüchtigen Ber- waltungsbcamten als billig, was für andere recht war. Weiler, 11. Juli. (Verschiedenes.) In Feldern und Weinbergen sind infolge der langanhaltenden schlechten Witterung Blatt» und Pflanzen-Krankheiten aufgetreten. Zu deren gründlicher Beseitigung gibt es kein besseres Mittel, als tüchtig ipsen. Auch Kalk und feine Holzasche wirken gut. Da aber aus den besetzten Gebieten kein Amoniakdünger zu bekommen ist» sd fordert die Bauernschaft Ips von Neckarzimmern. — Bei der scharfen Maikälte sind die Triebe der Reben aus der Nordseite des Eichel- und Steinbergs erfroren, während sie auf der Südseite nicht gelitten haben. Es empfiehlt sich daher, auf der Nordseite nur winterharte einheimische Reben zu pflanzen. — Die Hackfrüchte sind ebenfalls noch zurück, das heiße Wetter tut ihnen nun gut. Der Tabak ist ausgepflanzt. Das Obst ist mit Ausnahme der spät blühenden Sorten, fast durchweg erfroren. Zwetschgen wird es einige geben. — Heber den hohen Lichtpreis wird immer wieder geklagt. Das Badenwerk scheint dem Dollar noch oorauseilen zu wollen. — Invaliden- und Rentenempfänger haben jetzt wieder eine schlimme Zeit; ihre kärglichen Bezüge schreiten nicht rasch genug mit der Geldentwertung voran. Hier wäre Abhilfe dringend geboten. — Die Post müßte auf einem Landort eigentlich über Mittag offen sein. Statt deffen erschwert man dem Landvolk den Derkehr und entfernt Briefkasten, Rückschritt an allen Ecken und Enden. * Watbstadt. 15. Juli. (Firmung.) Am Freitag, 27. und Samstag, 28. ds. Mts. wird der hochw. Herr Erzdischos Dr. Carl von Freiburg der Jugend der hiesigen und benachbarter Pfarreien in der hiesigen Stadtpfarrkirche das Sakrament der Firmung spenden. * Neckarbischofsheim, 15. Juli. (E ä u g l i n g s b a d.) Den! Bemühungen des Frauenoereins und der Wohltätigkeit der Leitung der hiesigen Goldwarensabrik ist es gelungen, das Solbad am nächsten Dienstag eröffnen zu können. Schwächliche Kleinkinder sollen hier Stärkung finden; möge von der Einrichtung reichlich Gebrauch gemacht werden. tz Unterschwarzach, 14. Juli. (Farrenverkauf.). Bei der gestern stattgehabten Farrenversteigerung wurde der untaugliche Farren aufs Gewicht verkauft, das Pfund Lebendgewicht zu 26800 Mark. Der Zanbbott 4- Sinsheimer Zeitung. > Was kostet da das Pfund Fleisch, wenn solche Preise für Lebend- ! gewicht bezahlt werden. d Weinheim, 15. Juli. (Selbstmordabsichten.) Ein aus der psichiatrifchen Klinik in Heidelberg entsprungener junger Mann stürzte sich in selvstmörderischer Absicht in einen Eteinbruch im Birkenauer Tal. Er erlitt nur leichtere Verletzungen. Es stellte sich heraus, daß der etwa 20 jährige Mensch bereits fünfmal Selbstmordversuche durch Gift unternommen hatte. Er konnte bisher jedesmal vom Tod gerettet werden. t Mannheim, 15.Juli. (Bjetäubung durch Chlor.) In große Gefahr kamen die Bewohner der Zellstofffabrik-Kolonie. An einem großen Behälter, der Chlor enthielt, war der Verschluß aufgegangen und die Chlordämpfe strömten laut „Mannh. Tagblatt" in gewaltigen Massen ab. Die Bewohner der Kolonie konnten sich nur durch eiligste Flucht vor dem Erstickungstod retten. Einige Koloniebewohner, darunter der Generaldirektor der Fabrik, Dr. Clemm, waren bereits in bewußtlosem Zustand. Sie befinden sich außer Lebensgefahr. t Mannheim, 14. Juli. (Französische Beschlagnahme.) In einer der letzten Nächte versuchten mehrere Eisenbahnbeamte einen größeren Geldbetrag in Höhe von 8 bis 9 Milliarden zur Auszahlung von Gehältern und Löhnen nach der Pfalz zu bringen. Sie wurden dabei von den Franzosen ertappt und verhaftet. Der Milliardenbetrag wurde „beschlagnahmt". p Weingarten, 15. Juli. (Rascher Tod.) Der 58 Jahre alte Landwirt Heinrich Schick von hier war aus den Speicher gegangen. uni Frucht zu holen. Wegen seinem langen Ausbleiben sahen sich die Angehörigen nach ihm um und fanden ihn leblos vor. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. co Forchheim, 14. Juli.. (Ein schwerer Unglücksfall) hat sich hier ereignet. Als ein verheirateter Landwirt mit seinem unbeleuchteten Fuhrwerk nach Forchheim fuhr, scheuten die Kühe vor einem vorüberfahrenden Kraftwagen. Hierbei wurde der Landwirt gegen das Auto geschleudert und so schwer verletzt, daß er alsbald starb. t Rastatt, 15. Juli. (Ein schwerer Autounfall) hat sich aus der Rückfahrt der an der Flachrennprüfung des Baden- Badener Autoturniers beteiligten Wagen hier ereignet. Von der Karlsruher Straße kommend nahm ein Kraftwagen, der übermäßig schnell fuhr, die Kurve beim Friedhof nicht richtig, fuhr in den Straßengraben, fällte einen Baum, der samt der Wurzel ausgehoben wurde, und blieb dann stark beschädigt liegen. Von den drei Insassen wurde der Führer stark, die beiden anderen weniger schwer verletzt. Der betreffende Kraftwagen soll nur indirekt bei dem Flachrennen beteiligt gewesen sein. t Mietersheim bei Lahr. 15. Juli. (Erstochen.) Der Schwager des hiesigen Bürgermeisters Geßler, Gutsbesitzer Emil Ianne, ist auf seiner Besitzung bei Gottsdos (Niederbayern) von seinem Verwalter nach kurzem Wortwechsel erstochen worden. Ianne war vor dem Kriege Stadtbaumeister in Altkirch im Elsaß und hatte vor li /2 Jahren die Siedlung in Niederbayern gekauft. t Radolfzell, 15. Juli. (Das hiesige Amtsgefängnis) ist derart überfüllt, daß Gefangene aus dem Radolfzeller Bezirk in das Gefängnis nach Stockach überführt werden müssen. — Beim Baden am See ist die 15 jährige Tochter des Landwirts Franz Bausch in Oehningen ertrunken. d Sttitzlingen bei Stockach, 15. Juli. (Auswanderer.) Eine größere Anzahl hiesiger Bürgersöhne, lauter Handwerker, rüsten sich zur Auswanderung nach Portugiesisch-Ostafrika. Der Leiter der Reisegesellschaft und zukünftige Bürgermeister von Neu-Steißlingen in Portugiesisch-Asrika ist Schreinermeister Schmiedt-Wiechs. p Titisee. 14. Juli. (Selbstmord.) Am Samstag vormittag wurde auf der Seesteig auf dem Waldweg nach dem Feldberg der 23 Jahre alte Karl Karl Müller aus Durlach mit durch- j fchnittener Kehle und einer tiefen Schnittwunde am linken Unterarm, jedoch noch lebend, aufgefunden. Der Aufgefundene gab schriftlich an, daß er überfallen worden sei und daß man ihn des Geldes beraubt habe. Nach dem gerichtlichen Gutachten sind die Angaben des Müller falsch. Das Ergebnis der Untersuchung zeigt vielmehr, daß der junge Mann sich nicht nur die Wunde am Arm selbst beigebracht, sondern sich auch die Kehle selbst durchschnitten hat, sodaß es sich also nicht um einen Raubmord, sondern um einen Selbstmordversuch handelt. Müller ist heute früh in der Chirurgischen Klinik in Freiburg seinen Verletzungen erlegen. Montag, den 16. Juli 1923. p Heilbronn. 15. Juli. (Vater und Sohn.) In das Krankenhaus wurde rin Anfangs der 20 er Jahre stehender Mann aus Böckingen eingeliefett, dem bei einem häuslichen Streit von seinem Vater mit einem Messer der Bauch aufgeschlitzt war, so daß alsbald eine Operatton notwendig wurde. Der Vater, Bauunternehmer H., gibt an, daß er von seinem Sohne mit einem Holzbeil bedroht und somit in Notwehr gehandelt habe. t Heilbronn. 15. Juli. (Ueberfahren.) Der Fuhrmann. Blum ist, als er von Wimpfen her einen Karuffelwagen hierher fahren wollte, verunglückt. An einer abschüssigen Stelle kam der Wagen, dessen Bremse anscheinend nicht anzog, in den Laus und überfuhr Blum, dem beide Beine von dem schweren Wagen abgefahren wurden. Schwerverletzt wurde er in das Krankenhaus zver- bracht. — Rottweil, 14. Juli. (Die Silberdiebe.) Gelegentlich der Untersuchung eines Fahrraddiebstahls gelang es, die Einbrecher zu verhaften, die auf Schloß Lichtenegg den ganzen wertvollen Silberschatz gestohlen hatten. Es sind die Fabrikarbeiter Karl Fischer von Rottweil und Erwin Jauch von Schwenningen. Sie hatten das Silberzeug gegen Fahrräder eingetauscht. Die Schloßherrin kam zum zweitenmal wieder in den Besitz der Gegenstände; sie waren schon einmal gestohlen und wieder beigebracht worden. os Ebingen, 12. Juli. (Weiberrache.) Aus eigenartige Weise rächte sich die Frau eines Melchinger Bürgers, die wegen ehelichen Zwistes wiederholt ihren Mann verließ. Kürzlich kehrte sie nachts zurück und schnitt dem schlafenden Mann den schönen Schnurrbart ab, dann verschwand sie und wird wohl so schnell nicht zurückkehren. t Rtelafingen, 14. Juli. (Großfeuer in Rielafingen.) Nach einem Streit mit seinem Vater legte der schwachsinnige Sohn des Landwirts Friedrich Lang Feuer an einen Heuwagen. Rasch sprangen die Flammen auch auf das Haus über, und nach kurzer Zeit waren die Häuser des Landwirts Gerspach und der Witwe Albetz ebenfalls in Brand geraten. Da die meisten Bewohner des Ortes sich auf dem Felde befanden, war nicht genügend Hilfe vorhanden, so' daß in allen 3 Häusern fast nichts gerettet werden konnte. Außerdem sind die Geschädigten - nur ganz gering ver-. sichert. Der Landwirt Lang hat auch den Verlust von 8 Stück Vieh zu beklagen. Neueste amtliche Kurse vom 13. Juli 1923. Mitgcteill von der Bankfirma Max Meyer, Filiale Sinsheim. Anleihen: 5 v/o Dtsch. Reichsanleihe 300 °/0 Dt. Sparprämienanleihe 2500°/° Bankaktien: Darmstädter Bank 500000°/° Deutsche Bank 560000°/° Dresdner Bank 410000°/° Rhein. Creditbank 170000°/° Südd. Discontoges. — Industrieaktien: Idlerwerke Kleyer 260000°/° üllgem. Elektr.-Ges. 502000°/° Sad. Anilin 785000°/° 5hem. Griesheim 625000°/° Daimler Motoren 280000°/° Llektr. Licht u. Kraft 440000°/» 5uchs Waggon — Heidelberger Cement — höchster Farben 610000°/» Karlsruher Maschinen 549 000°/° ?norr Heilbronn — Neckars. Fahrzeugw. 380000°/» Zellstoff Waldhof 470000«/° Zuckerfabrik Heiloronn 365 000 °/° „ Waghäusel 370000°/° Schisfahrtsaktien: hapag 1800000°/° llordd. Lloyd 576000°/° Freioerkehrswerte: vom 14. Juli. Benz Motoren — Germania Linoleum 580000°/° Gummiwerke Neckar 38000°/° Hohenlohe Nährmittel 271000 °/°- Kaiser Otto 220000 °/°. Lauffeuer Cement 270000°/» Mafchbauges. Heilbr. 195000°/» Saline Ludwigshalle 880000°/° Ufa 325000°/» Devisenkurse: vom 14. Juli. Rew-Bork 1 Dollar—Mk. — Holland 1 Gulden— „ — Schweiz 1 Franc — „ — London 1 Pfund — „ — Paris 1 Franc = „ — Berliner Metallmarkt: Elektrolytkupfer Mk. — Raffinadekupfer „ — t üttenweichblei „ — inn, Banka „ — Hüttenrohzink „ — für 1 Kilo. Hamburger Metallmarkt: Silber per Kilo Mk. — Gold in Barren p. Gr. — Platin per Gramm — Reichsbankdiskont 18 °/° Reichsbanklombard 19°/° Goldfr. Fr. 20 = 720 000 Mk. Goldzüllaufg. 3181900 o. H. Goldankaufspreis 27 500 fache Silberankausspreis 11000 fache , Hornhaut, Schwiele« und Warze» ' beseitigt schnell, mm , »» B sicher, schmerz. K lg |f | |* fl I _ und gefahrlos " ■ Aerzttich empfohlen. Millionenfach bewährt. — In Apotheken «nd Drogerien erhältlich. — Gegen Fußschweiß, Brennen und Wundlaufen Kukirol-Fußbad. Drogerie A. Engel. 1 HAMBURG'AMEMKA UMIE GtHttMSAMtM D t t f* S T M t T O £ H UMfTEDAMERICAN LINES INC Nach NORD-, ZENTRAL- UND SDD- AMERIKA AFRIKA, OST ASIEN USW. Billige Bef 6 rderung Oberdeutsche und ausländische Häfen.— Hervorragende Hl. Klasse mit Speise- und Raucnsaal. Erstklassige Salon- u.Kajütendampfer Etwa wöchentliche Abfahrten von HAMBURG NACH NEW YORK Auskünfte und Drucksachen durch HAMBURG-AMERIKA LINIE HAMBURG und daran Vartratar In: Sinsheim : Hermann Betsch, Hauptstr. 304. Telefon 127. 1 Qiwfnri’lt ging auf dem Wege vCIHUlJI von Mauer nach Steinsfurt 2 Rucksäcke mit zwei Krügen und einem Mantel. Abzugeben gegen gute Belohnung beim Landboten. 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