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Poincare wird sich nach der gleichen Agentur nach Kenntnisnahme der Dokumente mit der belgischen Regierung auf diplomatischem Wege in Verbindung setzen, um ein Einverständnis darüber zu erzielen, welche Folge den englischen Vorschlägen gegeben werden solle. . * Die englische Rote mit dem Begleitschreiben ist in den Händen der alliierten Regierungen. Die Entscheidung liegt nun wieder im wesentlichen in Paris. Vorläufig liegen darüber nur Andeutungen der Londoner Presse vor, die durch» Infor- mationen ergänzt werden, welche die „Voss. Ztg." von neutraler, mit London in enger Perbindung stehender Seite erfahren hat. Danach kann man sich ungefähr folgende Vorstellung von dem Inhalt der Rote machen: Die englische Regierung sieht in der zweiten Rote der deutschen Regierung eine annehmbare Grundlage zur Diskussion des Reparationsproblems. Sie nimmt den Gedanken einer Abschätzung der deutschen Leistungsfähigkeit durch eine Sachverständigenkommission an, aber die englische Regierung Ändert den deutschen Vorschlag dahin ab, daß nicht eine internationale Sachverständigen-. Kommission, sondern eine Kommission.interalliierter Sachver-. ständiger unter Zuziehung von Amerikanern die deutsche Leistungsfähigkeit prüfen soll. Neutrale ^Sachverständige sollenf also nicht in der Kommission sitzen. Die Einsetzung der Kommission soll durch die Reparationskommisston geeschehen, die Sachverständigenkommission wäre also eine Unterkommission der Reparationskommission, wobei es ungewiß ist, bei welcher der beiden Kommissionen die letzte Entscheidung liegen wird. Die von der deutschen Regierung angebotenen Garantien, werden von der englischen Regierung angenommen, aber doch nicht als ganz genügend erachtet. Die Sachverständigenkommission soll daher nicht nur die Leistungsfähigkeit prüfen, sondern auch über die Möglichkeit weiterer Garantien beraten. Hinter dieser Anregung versteckt sich wohl der Plan, eine Finanzkontrolle einzusetzen. Es ist in den letzten Tagen von eingeweihten Kreisen sowohl in Paris, wie in London behauptet worden; daß die Spannung zwischen der französischen und der englischen Auffassung in wichtigen Punkten geringer geworden sei. Die Erklärung dafür wird zu suchen sein in der Annäherung des englischen Standpunktes an den französischen in folgenden Konzessionen: keine internationale Sachverständigenkommission, sondern eine interalliierte, ferner Annahme der Finanzkontrolle und der Forderung weiterer Garantien. Das ist das Ergebnis der ersten Etappe der Verhandlungen zwischen London und Paris. Wenn es trotzdem noch sehr unwahrscheinlich ist, daß Frankreich die englische Antwort an Deutschland gutheißen wird, so liegt die Schwierigkeit in der Frage des passiven Widerstandes und in der Frage der Räumung des Ruhrgebiets. Darüber werden wohl die weiteren Verhandlungen erst Klarheit bringen. französische Zermürbungsstrategie. 9Jerfrn, 21. Juli. Die englische Anwortnote an Deutschland ist in der gestrigen Kabinettssitzung glücklich fertig ge- .telli worden und ist mit der erklärenden Mantelnote zusammen wahrscheinlich im Laufe des heusigen Tages den Alliierten überreicht worden. Da strengstes Stillschweigen über den Inhalt bewahrt wird, ist das Rätselraten der französischen Blätter nur als Stimmungsmache zu bewerten, zeigt aber immerhin die Schwierigkeiten an, die Frankreich bei einzelnen Punkten der englischen Antwort machen wird. Hauptsache bleibt für diese französische Taksik. daß damit eine Verzögerung in der Vollendung herbeigeführt werden kann, da Poincare die Anschauung vertritt, daß genau wie im Krieg die Zeit für Frankreich arbeite. Das geht klar und deutlich aus einer Meldung des „Journal" hervor, die feststellt, daß Frankreich für die Auttvorterteilung keinen bestimmten Zeitraum sestsetzt und vor allen Dingen aus der Art wie Poincare die Ruhrknechtung seit dem Augenblick betreibt, in dem Baldwin eine etwas energischere Haltung seinen Bundesgenossen gegenüber andeutete und klar erkennen ließ, daß englischerseits die Ruhrbesetzung sowohl der Form als auch der Folgen wegen verurteilt werde. Seit der Zeit haben Poincare und seine Häuptlinge an der Ruhr kein Mittel unversucht gelassen, um den verhaßten passiven Widerstand zu brechen. Das ganze Gebiet wurde hermetisch von dem unbesetzten Deutschland abgeschlossen, die Austreibung der Beamten nahm Formen an, die jeder Menschlichkeit, jedem Gefühl für Recht und Gerechtigkeit Hohn sprechen. Durch Hunger und seelischer Zermürbung soll die Kapitulation erreicht werden. Den Gipfel stellt eine neue Verordnung der i.a. Rheinlandkommission dar, die mit hoher Geldoder Gefängnisstrafe jeden Deutschen bedroht, der die Rechtsverbindlichkeit der Verordnungen dieser sog. i.a. Kommission und der Militärbehörden in Abrede stellt. Dabei werden nicht nur mündliche und schriftliche Aeußerungen bestraft, die in der Oeffentlichkeit oder in der Presse gemacht werden, sondern auch jede mündliche und schriftliche Aeußerung, die an sich gar nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt ist. Die Folge wird natürlich sein, daß den dunklen Elementen, den Spitzeln und Verrätern ein neues Feld ihrer gemeinen Tätigkeit eröffnet wird und für die Auswertung der Briefzensur sich neue Aussichten ergeben. Roch gemeiner ist der Paragraph, der jeden unter Strafe stellt, der bei Verteilung von Geldmitteln und Naturalien mitwirkt, die dazu bestimmt sind, den passiven Widerstand zu verlängern, also jeder, der die Notlage der schwer betroffenen Ruhrbevölkerung zu lindern bemüht ist, soll von diesen Teufeln im französischen Habit unter strenge Strafe genommen werden. Diese Verordnung ist so recht geeignet, zu zeigen, wie die Franzosen jetzt zu den äußersten Mitteln greifen, um Tatsachen zu schaffen, die sie einer Verhandlung über die Beilegung des Ruhrkonflikts entheben. Aber diese Taktik erkennen, heißt sie überwinden. Quertreiberei. Paris, 20. Juli. Bon Paris aus wird ein Manöver in der letzten Stunde versucht. Um die Sache glaubhafter zu machen, spricht man von einem deutschen Manöver, das hauptsächlich in London in die Erscheinung trete. Dort versuch^ Deutschland über die Aufgabe des passiven Widerstandes zu verhandeln, um hierdurch einige Vorteile herauszuschlagen. Die deutsche Regierung lasse Mitteilen, keine Regierung könne den Widerstand aufgeben, namentlich wenn ein derarttges Verlangen von Frankreich gestellt werde. Aber was Deutschland Frankreich nicht bewilligen könne, könne es England gewähren. Aber alsdann müßten ihm gewisse Vorteile zugestanden werden. Die Ruhrbesetzung müsse unsichtbar werden und wenn französische und belgische Truppen auch fernerhin im Ruhrgebiet verbleiben sollten, so könne das nur durch ein Mandat geschehen, das der Völkerbund verleihe. Man behauptet in Paris, der deutsche Vorschlag würde in London günstig ausgenommen. Englische Blätter gingen sogar soweit zu erklären, die Einstellung des passiven Widerstandes könne das Ergebnis einer englischen Vermittlung sein, jedoch müsse man Deutschland gewissermaßen ein Trinkgeld zugestehen, wenn es sich unterwerfe. Von amtlicher französischer Seite wird erklärt, daß derartige Vorschläge nicht günstig ausgenommen würden. Man geht sogar soweit, daß man erklärt, ein derartiger Handel sei unmoralisch. Obgleich man nicht deutlich erkennt, mit welchen Absichten in letzter Stunde vor Ueder- reichung des englischen Antwortentwurfs auf die deutschen Vorschläge etwas derartiges zu einem Streitfall aufgebauschi wird. findet man im halbamtlichen „Temps" eine offenbar tiefernst gemeinte ^Betrachtung, die ergötzlich wirkt. Es heißt da: Also von England soll es abhängen, daß der deutsche Widerstand aufhöre. Seitdem die britische Regierung es für unnötig gehalten habe, die besonderte Verhandlung mit Frankreich fortzusetzen, habe sie eine gesonderte Verhandlung mit Deutschland eingeleitet. Der deutsche Botschafter habe Lord Eurzon zwei Besuche abgestattet. Englische Blätter behaupten, die deutsche Regierung habe eine Denkschrift zur Erläuterung ihrer Vorschläge vom 7. Juni überreicht. Man erfahre auch, Eurzon habe mit dem deutschen Botschafter die Bedingungen über die Einstellung des deutschen Widerstandes im Ruhrgebiet erörtert. Wenn die britische Regierung eine gesonderte Verhandlung mit der deutschen Regierung einleite, dann sehe man nicht ein, warum nicht auch Frankreich seinerseits mit Deutschland verhandeln solle. Die deutsche Regierung könne jetzt erkennen, wie die Widerstandpolitik sie in eine Sackgasse geführt habe. Sie habe das Ergebnis gehabt, daß nicht der Reichskanzler oder der Reichstag über das Schicksal Deutschlands entscheide, sondern Lord Eurzon und das britische Kabinett. Wenn das deutsche Ministerium di« notwendige Unabhängigkeit und den notwendigen klaren Blick hätte, würde sic die Debatte auf ein anderes Gebiet überführen. Sie würde nicht dabei beharren, in erster Linie die Ruhrfrage behandeln zu wollen, sie würde vielmehr suchen, wie Frankreich bezahlt werden könne, alsdann würde die Ruhrfrage sich wesentlich vereinfachen und Deutschland würde nicht nötig haben, sich England zu überliefern, damit es einen Druck auf Frankreich ausübe. Es ist schwierig, keine Sattre zu schreiben. Poincare erklärt seit Monaten: mit der deutschen Regierung verhandle ich nicht, wenn die Ruhrfrage nicht durch eine Kapitulation Deutschlands vorher geregelt ist. Dem englischen Verbündeten läßt Poincare erklären, er könne über die deutschen Vorschläge nicht sprechen, solange der Widerstand im Ruhrgebiet andauere, gierung mit einer gesonderten Verhandlung und gibt dem Und jetzt droht der halbamtliche Temps der englischen Re- deutschen Reichskanzler den Rat, er möge doch erst über die Widerherstellungszahlungen verhandeln und sich nicht darauf versteifen, daß vorerst die Ruhrfrage behandelt werde. Man sieht, daß es den Franzosen nicht leicht fällt, logisch zu bleiben. Denn noch vor einigen Tagen hat Poincare im Parlament erklärt, die deutschen Vorschläge seien nicht einmal der Beachtung wert. Trotzdem möchte der halbamtliche Temps, daß Deutschland sich mit Frankreich darüber berate, wie man bezahlen könne. Alle diese Dinge sind unverständlich, sie beweisen aber, daß die verkehrte Ruhrpolitik und die falsche Politik Poincares die französische Politik in eine Sackgasse geführt haben. Was England möchte. Paris, 20. Juli. Französischen Quellen zufolge beschäftigte sich der englische Ministerrat mit folgenden Plänen: 1. Entwurf einer an Deutschland zu richtenden Antwort auf das deutsche Reparationsangebot, in dem die von Deutschland angebotenen Garantien grundsätzlich als annehmbar bezeichnet werden. 2 .Der Entwurf eines an die französisch- belgische Regierung zu richtenden Begleitschreibens, in dem die Frage gestellt wird, ob die Ruhrbesetzung nach Einstellung des passiven Widerstandes unsichtbar gemacht würde, sowie die grundsätzliche Bereitschaft Englands auf die Bezahlung der chm von Frankreich, Belgien und Italien geschuldeten Summen zu verzichten. 3. Ein Schreiben an die Bereinigten Staaten, in dem die Vorzüge eines Zusammenschlusses aller Alliierten auseinandergesetzt werden. ' Amerikas kühle Zurückhaltung. London, 20. Juli. Wie aus Washington gemeldet wird, erklärten die dortigen politischen Kreise, sich jeder Stellungnahme vor dem Eintreffen der englischen Antwort enthalten za wollen. Inzwischen erzeugen die aus Europa eintreffenden Berichte einen gewissen Optimismus, daß es gelingen werde, die europäische Frage einer günsttgen Lösung entgegen zu führen. Die Washingtoner Regierung wartet einen geeigneten Anlaß ab, der es ihr ermöglichen würde, an der Erreichung dieses Zieles mitzuwirken. Die Zersetzung unserer Wirtschaft. Berlin, 21. Juli. Ueber die Lage auf dem Devisenmarkt machte der Direktor der Devisenabteilung der Deutschen Bank, Direktor Kaufmann, einem Mitarbeiter des „Berliner Lokalanzeigers" u. a. folgende Mitteilungen: Die Rettung kann nur wie in Oesterreich durch Gewährung einer internationrlen Anleihe erreicht werden, wodurch wir für längere Zeit unseren Rohstoff- und Lebensmittelbedarf decken könnten, ohne Massen von Papiergeld auf den Markt zu werfen. Solange aber die Finanzwelt der Ueberzeugung ist, daß die Franzosen ihr frivoles Spiel bis zur Zertrümmerung Deutschlands fortsetzen werden, bleibt uns jeder Kredit verschlossen. Bei den Engländern liegt die Entscheidung. Sie werden sich aber sehr beeilen müssen, wenn nicht jede Hilft zu spät kommen soll. Beneschs Dermitllerarbeit. Paris, 20. Juli. Der tschechoslowakisch« Außenminister Benesch scheint während seiner Anwesenheit in Brüssel Dutzende von Interviews gewährt zu haben. In einem vom Brüsseler Korrespondenten der „Oeuvre" erwähnten Intewiew erklärte er n. a. alle West sei sich darüber einig, daß die Echuldziffer Deutschlands auf 50 Milliarden festgesetzt werden müsse und man sei beinahe auch schon darüber einig, daß die interalliierten Schulden gestrichen werden sollten. Die größte Schwierigkeit biete die Frag«, in welcher Form Frankreich die Besetzung des Ruhrgebiets modifizieren solle, darüber sei man sich noch nicht klar. Es liege auf der Hand, daß Fraickreich unter den gegenwärtigen Umständen nicht aus dem Ruhrgediet herausgehen könne, ohne dafür etwas als Gegenleistung zu erhalten. (!) Diese Frage werde übrigens eifrigst zwischen London und Paris beraten. In England trete im Augenblick eine Stimmung auf, deren Anhänger wünschten, daß Deutschland zur Einstellung des passiven Widerslandes veranlaßt werde, aber man möchte dafür auch, daß Deutschland dafür eine Besserung des gegenwärttgen Besetzungsregimes erhalte, auch darüber werde verhandelt. Die neue Poineare-Rede. Die deutsche Industrie als Gefahr. — Keine Festlegung der Reparationsfumme. Paris, 22. Juli. Poincare hat heute bei der Einweihung eines Kriegerdenkmals in Dillers-Eotteret die angekündigte Rede gehalten, die jedoch nicht als Antwort auf die englischen Dokumente zu gelten hat, sondern bereits vor deren Eingang Nr. 85. Jahrgang 1923. verfaßt war. Poincare stellte zunächst die prekäre Lage Frankreichs dem angeblichen Wohlstand Deutschlands gegenüber und hob hervor, wie sehr die Bewohner der zerstörten Gebiet« durch Bildung von Genossenschaften usw. dem Staate zu Hilfe gekommen seien. Nach einer ausgiebigen Polemik gegen die letzte Rede Lloyd Georges erklärte er. der Wiederaufbau Frankreichs bedrohe in keiner Weise die wirtschaftliche Kraft irgendwie eines Volkes. Warum, so rief er aus, find unsere Freunde nicht mit uns ins Ruhrgebiet gegangen? Sie würden alsdann besser verstehen, welches die Gefahren von morgen sind. Poincare schildert alsdann die „beängstigende" Organisation der deutschen Industrie, die Kartelle, horizontalen und vertikalen Gruppen, und fuhr fort: Was gibt es was den demokratischen Ideen, die die Parteien in Großbritannien vertreten und die die beiden westlichen Völker als kräftigste Güter beschützt haben, weniger entspricht? Wenn man heute die llngstrgheit begehen würde, die deutsche Zahlungsfähigkeit auf eine bestimmte Summe für die Dauer festzulegen. dann würden die Deutschen bald wieder Maßnahmen ausdenken, um die Verpflichtungen aus dem Friedensvertrag unzureichend zu erfüllen, und Deutschland würde unter dem Einfluß seiner außerordentlichen Anhäufung industrieller Macht bald wieder ungeahnte Kräfte gewinnen. Um diese Gefahr zu beschwören, müssen sich England Belgien, Italien und Frankreich enger als je in gemeinsamer Anstrengung vereinen. Sie müssen der Wirklichkeit gegenüber treten und sich nicht durch das trügerische Bild eines verarmten und auf ewig machtlosen Deutschland verwirren lassen. Ist es denn so schwer, den alliierten Regierungen die Beweggründe unserer Entschließung klar zu machen? Genügt es nicht, um sie zu belehren, wenn sie zunächst einmal in die zerstörten Gebiete und dann ins Ruhrgebiet gehen? Wenn sie sich dort umgesehen haben dann werden sie Bescheid wissen. Poincare schloß seine Rede mit dem Wunsche, man möge nicht unter dem Borwand, einen unglücklichen Schuldner zu schonen, Hinterziehungen und Ungerechtigkeiten begünstigen und die geschlossenen Augen der übrigen Alliierten möchten sich endlich einmal den Tatsachen öffnen, damit später niemand bedauern müsse, daß er im entscheidenden Augenblick den klaren Ratschlägen Frankreichs keine Beachtung geschenkt habe. Möglichkeit einer amerikanischen Anleihe für Deutschland. Nicht «ur Lösung der Ruhr- und Reparationsfrage, sondern Reinigung der gesamten politischen Atmosphäre. Berlin, 20. Juli. Der Präsident der Bostoner Handelskammer, Filene, der sich zurzeit in Berlin aufhält, hat sich zu einem Mitarbeiter des Börsenkurier über die Bedingungen ausgesprochen, unter denen «ine deutsche Anleihe in Amerika möglich ist. Filene erklärte, Deutschland werde von den Vereinigten Staaten keine Anleihe erhalten, bevor die französischdeutschen Zwistigkeiten überwunden sind. Eine Lösung der Ruhrfrage und auch der Reparationsfrage würde nicht genügen, um eine Basis für eine deutsche Anleche in Amerika zu schaffen, weil eine Verminderung der französischen Rüst- ungsausgaben solange nicht möglich ist, ehe Frankreich und Deutschland nicht zu einem nationalen Ausgleich gekommen sind. Wenn auch bei der gegenwärtigen Sachlage Garantien für den französisch. Angriff gegen Deutschland sehr notwendig ersinnen, so müßte doch die Masse der französischen Wähler von der Furcht eines Angriffs des wirtschaftlich rasch erstarkenden Deutschlands durch Garantien für die Ruhe Europas befreit werden. Die Entente und neutrale Länder müßten die militärischen Garantien geben und sie wären gewiß sehr bereit, das zu tun, wenn sie wüßten, daß die Vereinigten Staaten mit ihren ökonomischen Machtmitteln und moralisch auf ihrer Seite wären, falls eine Nation zu einem Angriff schreit«, ohne vorher ihr Streitobjekt dem internationalen' Schiedsgerichtshof unterbreitet zu haben. Weiter müßte Deutschland sobald wie möglich in den Völkerbund eintreten. Das Beispiel Oesterreichs könne Deutschland lehren, daß dies ein Schicksalswende. Roman von A. Klinger. 50) Nachdruck verboten. Totenstille lag über dem Raum. Bor den Türen schlichen die erschreckten Dienstboten. S>e hatten nicht viel Freundlichkeit durch Franz erfahren. Trotzdem bangten sie uni das Leben ihres Herrn. Wenn er starb, gingen die Leute einer ungewissen Zukunft entgegen. Sie befanden sich sämtlich in vorgerückten Jahren. Die Rente, auf die sie beim Ableben des Kaufherrn so bestimmt gerechnet hatten, war ihnen nicht zugefallen: sie alte hatten duldsam die Launen, das hochfahrende Wesen des Erben ertragen. Aber er geizte weder mit dem Lohn, noch mit der Beköstigung.' die. welche hier im Dienst ergraut, waren zufrieden. Wenn jedoch der junge Herr starb, dann stand es böse um sie alle. Bange flüsternd standen sie beieinander, und unbegreiflich erschien es ihnen, daß ein junger, kräftiger Mann, welcher sich keinen Wunsch zu versagen brauchte, so plötzlich auf den Tod erkranken konMe. Aus dem Krankenzimmer töMe jetzt ein heiserer Schrei, herüber. Franz begann wieder zu rufen in wilden Selbstanklagen, in Vorwürfen gegen das Schicksal, im Triumph, daß ihm der Betrug so vollständig geglückt. „Heute noch trete ich eine Reise nach dem Auslande an!" schrie Franz, ich will etwas erleben, die Schönheiten der Welt sehen, ich will die drückende Last los sein!... Jetzt wirst du erkennen, Almida, wie mir zumute war, als du vom Oheim umhegt und verzärtelt wurdest und ich wie ein Verstoßener daneben stand! Arbeiten sollte ich — arbeiten" — der Fiebernde lachte in sich hinein,, „danach stand auch gerade mein Sinn — wozu ist man da. wenn man das Leben nicht genießen soll? Ich will es genießen, ich will...!" Er machte verzweifelte Anstrengungen, aus dem Bett zu springen. Der Arzt hielt ihn mit Hilfe der Schwester zurück. „Es geht zu Ende", sagte Doktor Martin, „hier vermag menschliche Hilfe nichts mehr. Sr erlangt die Besinnung nicht zurück. Der Landbore * Stnshetmer Zeitung. Schritt wäre, für die Erlangung einer ausreichenden Anleihe. Zum Schluß erklärte der amerikanische Geschäftsmann, daß er die achtungswerten Versuche der deutschen Regierung, die Spekulation in Mark zu unterbinden, für wenig aussichtsreich halte. Auch für Deutschland wie für alle anderen Länder sei die politische Stabilisierung die Borbedingung für die Stabilisier- ung seiner Währung. Ein amerikanisches Gutachten. Deutschland Hai nichts mehr als sein« Arbeitskraft. Rewyork, 22. Juli. Deutschland kann jetzt nicht zahlen, — das ist das Verdikt des Instituts of Oeconomie, welches soeben eine weitgehende Untersuchung beendet hat. Das Institut, das sein Hauptquartier hier aufgeschlagen hat, hat von der Carnegie-Sttftung eine Unterstützung von 2 Millionen Dollar erhalten. In dem Bericht des Instituts wird festgestellt, daß die 26 Milliarden Goldmark, welche bisher von Deutschland gezahlt worden sind, vom Kapital und nicht vom Einkommen hrrrühren und daß ketn Kapital außer den Papiermark mehr vorhanden ist. Die Alliierten sollten bedenken, daß sie ihren Kuchen nicht essen und gleichzeitig aufbewahren können, und daß sie nichts erhalten werden, wenn sie Deutschland daran verhindern, Geld durch Exporthandel zu verdienen. Die Goldzölle verschließen dem deutschen Export fast alle Märkte. Deutschland hat nichts mehr als die Arbeitskraft seiner Arbeiter, die nur Papiermark verdienen, solange die deutschen Erzeugnifle nicht ins Ausland gelangen und mit fremder Valuta bezahlt werden können. Rur durch den Exportüberschuß können die jährlichen Zahlungen ausgeführt werden. Um Deutschland gesunden zn lassen, sind für 3V2 Milliarden Dollar Nahrungsmittel und Rohmaterialien, die jedes Jahr nach Deutschland geschickt werden müßten, notwendig. Um diese Summe bezahlen zu können, muß Deutschland die Erzeugnisse seiner Industrie exportieren duffen, um von dem Ueber- schuß die Reparationen zu zahlen. Die Meinung der Sachverstän- digen, so schließt der Bericht, gipfelt in der Ueberzeugung, daß Deutschland bedeutende Opfer zur Effüllung des Beffailler Vertrages gebracht hat. uiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiminmiliiiiiiiiitiiiimiiimiiiiiiimnimmiif Die Ungeduld in Frankreich wächst Laßt auch die Ruhrspende wachsen. Der Landbote nimmt Gaben entgegen in seiner Ge« schöstsstelle und auf Postscheckkonto Karlsruhe Nr. 6903. Unsere Sammlung ergab bis jetzt 4051333 Mark. iiitiitniiiiHiiiiiifiiHiiiiiiiiiiiiiiimfiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiifiiiiiiiiiiiuiiiniui Für das Ruhrgebiet find weiter eingegangen von: Vom Bezirksamt: Buße aus einer Beleidigungsfache Ml. 2vvvv. Der Ruhrkrieg. Anmaßende Eingriffe. Einspruch der Rheinlandkommission gegen die Anstellung von Beamten. Paris, 20. Juli. Havas berichtet aus Koblenz, daß die Rheinlandkommission Einspruch erhebt gegen die Ernennung eines als Landrat fungierenden deutschen Beamten mit der Begründung, daß die Emennung nicht ordnungsmäßig und ohne Zustimmung der Kommission erfolgt sei, desgleichen gegen die Anstellung einer Lehrerin, den Amtsantfftt eines Bürgermeisters und von 4 Steuerbeamten. Beschlagnahme zahlreicher Büros in Esten. Essen, 20. Juli. Beim hiesigen Oberbürgermeister ist ein Schreiben des Generals Iacquemont eingegangen, wonach die Büroräume des Handelshofes ab 18. Juli beschlagnahmt sind und zur Verfügung der interalliierten Mission für die Kontrolle der Hütten und Bergwerke in Essen gestellt wer- Es war Mertens nicht anders, als habe er einen furchtbaren Schlag empfangen. Mit einer beschwörenden Bewegung packte er den Arm- des Freundes. „Ich bitte Dich um Gottes willen, es hängt das Glück eines jungen hoffnungsvollen Menschenlebens davon ab, daß Harnisch testiert!" „Und wer sagt Dir, daß er Deinen Wunsch erfüllen und zugunsten jenes Mädchens verfügen würde? Selbst im Fieberzustande hält er an seinem Haß gegen sie fest. Erzwingen läßt sich so etwas nicht, mein Alter!" Die abenteuerlichsten Gedanken durchzuckten den Schädel des Rechtsanwalts. Er rang wie ein Verzweifelter die Hände. Gab es denn kein Mittel, kein einziges, um die Millionen für Almida zu retten, um sie von dem Druck der Armut zu befreien? O, wäre er doch einige Tage früher gekommen! Sicher wäre es ihm gelungen, den Betrüger zu entlarven. Run war es zu spät. Wie gelähmt saß er aus seinem Platze. Das Schicksal wollte es anders, als er. Dagegen half alles Aufbäumen nichts. Der Kranke lag mit geschlossenen Augen da. Er gab nur noch lallende Laute von sich. So ging es eine Weile, bis sich bloß noch ein Aechzen von den brennend heißen Lippen rang, deren Glut das Eis nicht mehr zu kühlen vermochte. Stundenlang wehrte sich der junge, kräftige Körper gegen die Auflösung. Der Arzt war gegangen. Mertens aber blieb. Er hätte geglaubt, etwas zu versäumen, eine heilige Pflicht zu verletzen, wenn er sich entfernt hätte. Doch seine Ausdauer wurde nicht belohnt. Franz Harnisch starb gegen Mitternacht, ohne das Bewußtsein zurückerlangt zu haben. 16. Kapitel. Almida hatte es in dieser Zeit nicht leicht. Die noch immer schwer leidende Frau Wengdorf nahm sie sehr in Anspruch. Sie hatte aber auch die Leitung des Haushalts übernommen. Sie überlegte und ordnete alles nach ihrem Sinn. Alle kamen mit Fragen zu ihr und mit Leichtigkeit regierte sie das Wirtschaftssteuer. Montag, den 23. Juli 1923. den sollen. Das ganze Mobiliar, Schreibmaschinen und Telephonapparate müssen in brauchbarem Zustande an Ort und Stelle bleiben. Die jetzigen Besitzet sowie die Gemeindeverwaltung werden für die Befolgung dieses Befehls verantwortlich gemacht. Es ist ein Inhaltsverzeichnis ausgenommen worden. Den Betroffenen wird eine Frist von 10 Tagen gewährt, um ihre Schriftstücke fortzubringen und die Räume zu verlassen. Welch ungeheueren tiefen Eingriff diese Beschlagnahme für das Essener Wirtschaftsleben bedeutet, ist daraus zu effehen, daß von der Beschlagnahme nicht weniger als 43 Firmen und 123 Zimmer betroffen werden. Die Kohleubeute geht dem Ende zu. Essen, 20. Juli. Im Ruhrgebiet mehren sich die Anzeichen, daß sich die französisch-belgische Ausbeute der Kohlenschätze langsam aber sicher ihrem Ende zuneigt. Im nördlichen Teil des Industriegebiets, in dem besonders die staatlichen Zechen vertreten sind, haben die Besatzungstruppen schon einige Zechen, auf denen die sichtbaren Kohlen- und Koksvorräte erschöpft sind, verlassen und auch im südlichen Bezirk, dessen Kohlenarten infolge ihrer Eigenart eine lange Lagerung nicht ertragen, wird das Feld immer mehr abgegrast. Zweifellos steht aber noch eine größere Besitzung von Zechen bevor. Das sieht man aus der zunehmenden Aktivität der Luftbebeobachtungen durch Flugzeuge und Fesselballons. Interessant ist, daß eine der größten Zechen des Gebiets vor einigen Tagen ein Schreiben erhielt, in dem es heißt: Unsere Luftbeobachtung hat festgestellt, daß der bei ihnen noch vor einiger Zeit vorhandene Kohlenberg verschwunden ist. Gleichzeitig wird der Zeche mitgeteilt, daß ihr gesamter Vorrat an Kohlen und Koks beschlagnahmt sei. Gleichlautende Mitteilungen haben eine Reihe anderer Zechen erhalten. Im übrigen sind gegen- wärtig italienische Bestrebungen im Gange mit dem Ziel, die deutschen Dettragskohlenljeferungen wieder auszunehmen. Vorläufig scheinen aber die Franzosen den ttalienischen Wünschen wenig Entgegenkommen zu zejgen. Ein taubstummes Kind von einem Spahl effchlagen. Berlin, 21. Juli. In der vorigen Woche wurde in Trier ein taubstummes Kind, das nach V erlassen der Kirche unter einen Zug Epahis geriet, weil es die Soldaten nicht gehört hatte, die es überholten, von einem Saphi durch einen Kolbenschlag auf den Kopf getötet. Ein Passant, der den führenden Offizier auf den Vorfall aufmerksam machte, wurde sofort verhaftet. Bon der russischen Flotte. z Rach Meldungen aus Moskau ist dem Rat der Volkskommissare der Bericht der technischen Kommission vorgelegt worden. die zur Unteffuchung des Zustandes der russischen Kriegs- und Handelsflotte eingesetzt worden ist. Das Ergebnis ist nach diesem Bericht ein überaus schlechtes. Was von der alten Kriegsflotte noch in russischen Gewässern übrig ist, befindet sich in geradezu verzweifeltem Zustande. Ueberall sind die größten Reparaturen notwendig. Fast atfc Maschinen und Kessel sind unbrauchbar und Müssen effetzt werden. Dasselbe ist hinsichtlich der Armierung in womöglich noch größerem Maßstabe notwendig. Die Anzahl der Einheiten erweist sich überall als unzureichend. Dazu kommt, daß nach dem Bericht die russischen Fabriken und Werften nicht im Stande sind, die ersorderlichen Reparaturen auszuführen. In ähnlichem Zustande befindet sich die Handelsflotte. Die Hochseeschiffe sind sämtlich alt und verbraucht. In der Flußschiffahrt sind nur etwa 30o/o verwendungsfähig. Zusammenfassend hat dir Kommission entschieden, daß mit dem vorhandenen Schiffsmaterial eine Wiederbelebung und Entwicklung des Handels nicht möglich ist, und den Boffchlag gemacht, zum Zweck des Schiffbaues mit auswärttgen Werften in Verbindung zu treten. Lustrüstungen überall. d Rach italienischen Meldungen beginnt nun auch Italien das Wettrüsten in der Lust mitzumachen. Muffolini selbst hat an den Staatskommissar der italienischen Lustschiffahrt ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: „Ich will heute nach Sizilien abrelfen und bedauere aufs Tiefste, wie jedermann die Eisenbahn benutzen zu müssen, da es mir nicht möglich ist. sofort ein Lustsahrzeug zur Verfügung gestellt zu erhalten. Ich beauftrage Dich, allen Deine» Lustschiffern meine begeisterten Grüße auszurichten. Im nächsten Jahre wird es so viel Flugzeuge geben, daß die Sonne von ihnen Es lastete viel auf ihren Schultern, todmüde sank sie des Abends auf ihr Lager. Aber von einer innigen Freude war sie durchglüht, daß es ihr glückte, das unbedingte Vertrauen von Huberts Eltern zu erobern. Daß Mertens unverrichteterweise von seiner Reise zurückgekehrt war, berührte sie nicht weiter, denn sie hatte sich keinen Hoffnungen hingegeben. Daß Franz aber, wo Ihm alle Genüsse der Welt offen standen, sterben mußte, erschütterte sic. Doch fand sie keine Zeit, sich näher mit diesen Dingen zu beschäftigen. Frau Wengdorf wußte sie in Atem zu halten. Sie lag in der Wohnstube auf einem Ruhebett, die Heilung ihres Leidens schritt nur langsam vorwärts, ihr Allgemeinbefinden ließ manches zu wünschen übrig. Frau Wengdorf hatte sich auch, als sie gesund war, gern bedienen lassen. Jetzt hatte sie Anliegen ohne Ende. Geduldig tat Almida der Kranken den Willen. Aber Herr Wengdorf konnte es oft nicht mit ansehen, wie das junge Mädchen gequält wurde. Er pflegte dann hastig seine Mahlzeit einzunehmen und gleich danach sein Zimmer aufzusuchen. ' Eines Tages ließ er Almida durch den Diener bitten, zu ihm in seine Arbeitsstube zu kommen. Mit ausgestreckten Händen ging er ihr entgegen. „Mein liebes Fräulein, was Sie in dieser Zeit für uns tun, grenzt an Aufopferung. Ich muß ihnen aufs wärmste für alle Mühe danken, die Sie mit unserer eigenwilligen Kranken haben. Ich bewundere Sie und schätze mich glücklich, daß ich damals als ich eine Gesellschafterin für meine Frau suchte, so richtig gewählt habe. Allerdings — in dem Sinne, wie Sie und ich es wollten, sind Sie ihr wohl keine Gesellschafterin geworden. Aber bleiben Sie tapfer, mein liebes Fräulein, sobald es meiner Frau besser geht, sorge ich dafür, daß eine Stütze ins Haus kommt, eine weibliche Kraft, die Ihnen unterstellt wird und Ihnen einen Teil der Arbeit abnimmt. Nur vorläufig wage ich kein derartiges Experiment. Sie wissen, daß der Arzt erklätt hat, jede Aufregung könne meiner Frau gefährlich werden." Nr. 85. Jahrgang 1923. __ verdunkelt wird. Uns fehlen nicht die einheimischen Piloten. Wir haben ihrer genügend nnd sehr geeignete. Aber die Anzahl unserer Flugzeuge müssen wir vervielfachen l Italien muß an der Spitze in der Luftschiffahrt marschieren!" — Also auch die Italiener besinnen. eine umfangreiche Luftflotte zu.bauen im Iahrhundett des Völkerbundes, der ja bekanntlich Kttege unmöglich machen soll. Ein Amerikaner über die Märchen von den deutsche» Kriegsgreueln. z Der Korrespondent Will Irwin brandmarkt in einem zwei Spalten umfassenden Attikel in der World auf Grund seiner persönlichen Nachforschungen zahlreiche Darstellungen angeblicher Grau- iamkeiten im Landkriege als falsch. Er schreibt, vier Jahre habe «r vergeblich versucht, einen authenttschen Fall von abgehackten Kinderhänden festzustellen. Irwins Ausführungen bilden indirekt «ine Ergänzung der von Admiral Sims kürzlich veröffentlichten Kritik an den Schilderungen angeblich von deutschen Unterseebootbesatzungen begangener Grausamkeiten. Die Konferenz der kleinen Entente. z Nach rumänischen Meldungen steht der endgültige Termin der Konferenz der kleinen Entente in Sinaia noch nicht fest. Wahrscheinlich kommt die erste Hälfte des Augusts dafür in Frage. Hinsichtlich des Programms oerlau-» tet, daß der Minister des Aeußern Duca nach der feierlichen Eröffnung der Belgrader politischen Kommission zunächst eine Reihe von Anträgen zur Begutachtung vorlegen wird. Den eigentlichen Inhalt der Verhandlungen werden wirtschaftspolitische Fragen bilden, namentlich die endgültigen Bedingungen betreffend, den Handelsverkehr der Türkei, ®tie£ chenlands und Bulgariens mit der kleinen Entente und die Festlegung eines einheitlichen Vorgehens gegenüber Sowjetrußland. Polen wird an der Kanferenz nicht vertreten sein, da alle Bemühungen Frankreichs, die zwischen Polen nnd der Tschecho-Slowakei bestehenden Differenzen zu beseitigen .mißlungen sind. In Bukarester politischen Kreisen verlautet, Duca- werde im Verlaufe der Konferenz den Versuch unternehmen, die polnisch-tschechischen Differenzen in der Ia- vorinafrage zu beseitigen. Diese Differenzen bilden das einzige Hindernis für ein Eintreten Polens in die kleine Entente, Angeblich soll der König von Rumänien selbst diese Frage entscheiden. Die rumänische oppositionelle Presse beurteilt die Aussichten der Konferenz von Sinaia pessimistisch. Es wird darauf hingewiesen, daß jene Staaten, die den Eintritt in die kleine Entente wünschen, voraussichtlich nicht ausgenommen werden, während jener Staat, der zweifellos ausgenommen würde — gemeint ist Polen — wahrscheinlich nicht beitreten wird. Nach einer Meldung des Orient Radio werden die Außenminister der kleinen Ententestaaten am 28. Juli in Sinaia zusammenkommen. Nach einer italienischen Meldung aus Belgrad bestehen indessen Schwierigkeiten hinsichtlich des Zusammentritt der Konferenz . überhaupt, da Jugoslawen und die Tscheche! die von Polen und Rumänien geforderten Konventionen gegen Rußland ablehnen. Die wirtschaftliche Lage Ungarns. y Aus führenden ungarischen Wirtschaftskreisen verlautet über die wirtschaftliche Lage des Staates Folgendes: Das Volksvermögen der Länder der Krone Ungarns betrug ausweislich der Statistik vor dem Kriege 41,5 Milliarden Goldkronen, von denen auf das heutige Rumpfungarn 15,766 Mlliarden Goldkronen entfallen, vom Volkseinkommen von 6,7 Milliarden Goldkronen für das ehemalige Ungarn entfallen somit 2,66 Milliarden auf das heutige. Diese Summe erfährt insoweit eine Aenderung, als die Unproduktiv» einen Rückfall erlitten hat, dagegen die aufblühende Industrie diesen Ausfall mehr als deckt. Die politische Isolierung des Landes und die Entwertung der ungarischen Krone haben die Einfuhr von Industrieartikel immer mehr erschwert, waren jedoch der Entwicklung des Landes zweifellos von großem Vorteil. Es entstanden große Industrien. So ist die Entwicklung der Textilindustrie, durch die der Inlandbedarf des. Landes sehr bald vollständig gedeckt sein wird, von größte« Bedeutung, weil hierdurch das Passivsaldo der Außenhandelsbilanz wesentlich verringert werden wird. Schließlich wird auch die Bodenreform und mit dieser die ungewisse Lage des Landes auf einen Ruhepunkt gelangen, wodurch 'die große Zurückhaltung bei der Errichtung von Großbetrieben schwinden wird. Die Vorbedingung für eine kräftige Entwicklung des Landes und zur Entwirrung der kritischen Lage ist dem- nach gegeben. Es wird nur davon abhängen, ob die an das Ausland zu zahlenden Schulden (Reparationen) vernünftig und endgültig geregelt werden. Sollte dies jedoch nicht dep Fall sein, so treibt Ungam dem weiteren Verfall entgegen, und würde dann auch westerhin dem Lande das Auslandskapital verwehrt sein, ohne daß eine Entwicklung und Ausgestaltung der erstehenden Industrie nicht zu erhoffen ist. Anerkennung deutscher Arbeit in China. 6 Der Direktor des „International Institut of China", Dr. Gilbert Beid, ein sehr bekannter Amerikaner, der seit 40 Jahren in China tätig ist, hat stt der „China Preß" erklärt: „Um Deutschland gerecht zu werden und aus Interessen für China muß ich feststellen. daß die Deutschen in China gute Ar- best geleistet habe», die fortgesetzt werden sollte und nicht zerstört werden darf. Nach meiner Meinung ist der deutsche Einfluß alles andere, als eine Gefahr und sollte wirklich nicht als Borwand für einen Krieg gebraucht werden. Der deutsche Handel mag. wie der jeder Nation Anlaß zur Kritik geben, aber im allgemeinen steht Deutschland so hoch da, daß keine andere Nation rein genug ist, sein Niederwerfen mit Gewallj fordern zu können. Ernste Ausstandsbewegung in Polen. Warschau. 21. Juli. Der Ausstand in der polnischen Textil, industrie, der in Lodz begann, hat sich über ganz Polen ausgebreitet und hat fich allmählich aus einem Lohnstreik zu einem ausgesprochenen polittschen Streik entwickelt, der fast ganz unter kommunistischer Leitung steht. Die Gewerkschaften haben die Führung vollständig verloren. Dir gestrigen bluttgen Ereigniffe in Lodz und Czeustocha», bei denen es zahlreiche Verwundete und mehrere Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Tote gab, sollen weit mehr einem Aufstand als einem Ausstand geglichen haben. In Lodz versuchte man nach kommunistischen Brandreden in die Fabriken und Gasthäuser einzudringen. Dabei wurden Fenster zertrümmert und Handgranaten geschleudert. In Lodz soll heute der Generalstreik proklamiert werden. Der Zentralrat der polnischen Gewerkschaften hat vergangene Nacht beschlossen, Vorbereitungen jxn Generalstreik zu treffen. Inzwischen sind in Warschau bereits 14000 Metallarbeiter in den Ausstand getreten. Der Minister des Innern hat sich nach Lodz begeben. Wie die Blätter melden, verlassen die Großindustriellen mit ihren Familien Lodz. Schwere Teuerungsunruhen in Breslau. Breslau, 21. Juli. Seit Freitag nachmittag 3 Uhr ist in Breslau die staatliche Ordnung aufgelöst. Tmpps von Plünderern durchziehen die Straßen, zerschlagen Schaufensterscheiben nnd räumen die Läden aus. Im Innern der Stadt sind sämtliche großen Cafes gestürmt und demoliett worden. Auf dem Tauentzienplatz im Herzen der Stadt wurden die großen Stadtrestaurants der Brauerei Hase und das Eaooyehotel verwüstet. In anderen Stadtteilen wurden insbesondere die großen Konfektionsund Schuhhäuser gestürmt. Die Behörden hatten wohl für die nächste Zeit mit Ausschreitungen gerechnet, doch kommt dieser plötzliche heftige Ausbruch doch noch überraschend. Die Aussperrungen in der Metallindustrie und die dadurch verursachte Notlage der Arbeiterschaft mag zusammen mit der durch die rapide Markentwertung geschaffenen Teuerung den Ausbruch der Unruhen begünstigt haben. Sie brachen zu gleicher Zeit in verschiedenen besonders zentral gelegenen Plätzen aus und ließen deutlich eine Führung durch kleine Stoßtrupps erkennen. Diese Stoßtrupps rekrutteren sich wahrscheinlich aus dem unter kommunistischem Einfluß stehenden radikalen Flügel der streikenden Arbeiter. Im übrigen zeigt die Arbeiterschaft wohl eine gewisse Symphatie mit den Demonstrationen, beteiligt sich aber nicht an den Plünderungen und Demolierungen, die von jungen unreifen Burschen und Frauen in Szene gesetzt wurden. Die Polizei reicht gegenüber den vielen Hunderten der Demonstranten, die bald da, bald dott auftauchen, nicht aus. Die Gewerkschaften, die sozialdemokratische und kommunistische Partei verurteilen die Ausschreitungen aufs schärfste, die auf antisemitische Hetzereien zurückzuführen sein dürften, da nur jüdische Geschäfte ge- plündett wurden. Konflikt zwischen Reichsbank und Großbanken. Der Anlaß: Die geringfügige Zuteilungsguote an Devisen. Berlin, 21. Juli. Ueber die Berliner Börse von gestern wird berichtet: Bon der Festsetzung der Devisenpreise wurde vom Vertreter der Reichsbank mitgeteilt, daß der Gesamtbetrag der vorliegenden Kapitalaufträge sich auf ungefähr 20 Billionen Papiermark beziffern und daß u .a. 26 Millionen holländische Gulden, 10 Millionen Dollars und 804 000 Pfund angefordert feien. Er stellte den Antraggebern anheim, eine bedeutende Ermäßigung dieser Beträge vorzunehmen, erzielte aber schießlich nur den Erfolg, daß ganz belanglose Beträge abgesetzt wurden. Er führte u .a. vor Augen, daß bei einer vollen Zuteilung die Käufer gar nicht in der Lage seien, den Gegenwert zu bezahlen und teilte mit, daß die Reichsbank bei einem Andauern dieser riesigen Kaufaufträge die Diskon-, tierung von Wechseln einstellen würde, damit sie indirekt nicht selbst den Geldbedarf dafür aufzubringen habe. Auch die Darlehenskassen würden zu diesem Zwecke Darlehensgewährung einstellen, bezw. einschränken. Schließlich begann' die Kursfestsetzung um l 1 /* nur auf der Grundlage einer durchgängigen Zuteilung von einem Viertel Prozent auf die vorliegenden Aufträge, wobei die Kurse gegen Dienstag unverändert festgesetzt wurden. Die Reichsbank legte Wert auf die Feststellung, daß die Zuteilungsquote von 4 Prozent keineswegs verbindlich für die am Devisenhandel zugelassenen Firmen gegenüber ihren Auftraggebern seien. Wie verlautet, haben, die Großbanken den Betrag der bei der Festsetzung der Devisenkurse auf sie entfallenden Zuteilungsguote von ein Viertel Prozent der Reichsbank wieder zur Verfügung gestellt wegen der Schwierigkeiten, die eine Umlegung dieser Summe auf die einzelnen Auftraggeber machen würde. Einigung mit der Reichsbank. Strenge Borschriften für die Bankenknndschaft. — Keine Einstellung der Wechsel-Diskontierung. Berlin, 20. Juli. Heute vormittag fand eine Besprechung zwischen einer Deputation der Stempeloereinigung und der leitenden Persönlichkeiten der Reichsbank in der Angelegenheit der Bekämpfung des Devisenbedarfs statt. Sie war von Anfang an von einem versöhnlichen Geiste getragen und hat deshalb auch offenbar zu einem allseitig befriedigenden Ergebnis geführt. Man war, wie wir hören, gegenseitig darüber im klaren, daß die Banken nicht die Schuld an der Zuspitzung der Verhältnisse am Devisenmarkt träfe, sondern daß die Kundschaft, zumal in der Provinz, sich nicht nach den letzten Wünschen und Erwartungen der Reichsbank gerichtet hätte. Dieser Ueberlegung entsprach auch das, was in der Sitzung beschlossen wurde. Es geht in großen Zügen dahin, daß die Kundschaft mit allem Nachdruck aufgefordert wird. Bardeckungen für ihre Devisenkauforders bei den Banken bereit zu halten und zwar hat- diese Deckung bei der Erteilung dev Order an Ort und Stelle zu sein. Eine Avisierung, daß sie unterwegs ist, würde demnach nicht genügen. In dem Falle, wo ein Kunde nicht nach diesen Weisungen oder nicht nach den anderen gesetzmäßigen Vorschriften verfährt, wird die Reichsbank ihm ihren Kredit vollständig sperren. Da es sich bei der in Frage kommenden Bankkundschaft in der Regel um Kreise des Großhandels und der Industrie handelt, die auch direkt mit der Reichsbank zu tun haben oder deren Wechsel zur Reichsbank fließen. ,so kann diese Androhung der Reichsbank sehr wohl einen guten Erfolg haben. Erwähnt sei noch, daß auch die Frage einer Ueberleistungsfrist für die Devisenauftraggeber in der Konferenz zur Sprache kam. Sowohl die Banken wie die Reichsbank stehen der Einlegung von Ruhetagen, die den Uebergang zu den neuen Der-, häftnissen erleichtern würden sympathisch gegenüber Kaum noch zu erwähnen ist, daß durch den ruhigen Verlauf der Heu- Montag, den 23. Juli 1923. tigen Besprechung in der Reichsbank und angesichts der Einigkeil zwischen Bankwelt und Reichsbank die gestern von der letzteren angedrohte Einstellung der Diskontierung von Wechseln der Devisenbanken gegenstandslos geworden ist. Gegen widerspenstige Kreise von Großhandel und Industrie wird aber in der oben erwähnten Weise vorgegangen werden. Der Plan einer Goldanleihe. Berlin. 21. Juli. Ueber den im Reichsfinanzministerium schon seit längerer Zeit und widerholt erwogenen Plan einer Goldanleihe teilt die Deutsche Allgemeine Zeitung mit, daß das Reich der Ausgabe einer solchen Goldanleihe in kleinem Umfange schon sehr bald näher treten werde. In weiten Kreisen des Publikums wachse das Bedürfnis nach wertbeständiger Anlage und man hofft durch eine Goldanleihe auch die Spekulation am Effektenmarkt eindämmen zu können. Wie wir von zuständiger Seite hören, befindet sich der Plan der Goldanleihe noch immer im Zustande der Erwägung und die katastrophale Entwicklung auf dem Devisenmarkt scheint das Projekt auch in den letzten Tagen nicht gefördert zu haben. Die wertbeständigen Löhne. Berlin, 20. Juli. Im Reichsfinanzministerium trat gestern nachmittag der von den Gewerkschaften gebildete Ausschuß mit den Regierungsvertretern zu einer Sitzung zusammen um über die Frage der Durchführung wertbeständiger Löhne der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reichs und der Staaten zu beraten. Don einer automatischen Anpassung der Löhne an die Geldentwertung hat man Abstand genommen. Dagegen soll bei jeder neuen Einkommenfestsetzung der Index und die gesamte wirtschaftliche und politische Lage berücksichtigt werden. Diese Fetzsetzung soll alle acht Tage erfolgen u. zwar am Donnerstag jeder Woche. Die gestrige Sitzung im Reichsfinanzministerium war die erste Beratung dieser Art. Ein Ergebnis der gestrigen Verhandlungen zur Festsetzung des Einkommens liegt noch nicht vor. Ehrhardt bereits im Ausland? Wien, 20. Juli. Das neue Wiener Tagblatt berichtet, in Wiener reechtsradikalen Kreisen verlaute über die Flucht des Kapitänleutnants Ehrhardt aus dem Staatsgefängnis, daß dieser beim Ausbruch in einer der Seitengassen in der Nähe des Gefängnisses von einem Auto ausgenommen wurde, das ihn außerhalb des Weichbildes der Stadt brachte. Dort wurde er in ein zweites Auto gebracht, das chn in südlicher Richtung schleunigst über die Grenze schaffte. Der Grenzübertritt sei nur dadurch möglich gewesen, daß es gelang, Ehrhardt in ein für diesen Zweck vorbereitetes Auto unter dem Sitz zu verstecken, so daß er von den Kontrollbqm- ten nicht erblickt werden konnte. Zur Stunde befindet sich Ehrhardt bereits außerhalb der Grenze des Deutschen Reiches. Er wird in einem der Nachfolgestaaten dauernd Aufenthalt nehmen. Die Berfaffungsfeier in Preutzen. Zugleich Rhein- und Ruhrtag. — Feiern in sämtlichen Schulen. Berlin, 20. Juli. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ordnete an, daß an sämtlicheen preußischen Schulen am 11. August, demBerfassungstage, der zugleich als Rhein- und Ruhrtag begangen wird, in einer Feier auf die geschichtliche Bedeutung des Berfassungstages hingewiesen und der besetzten Gebiete und der Not der deutschen Mitbrüder im Einbruchsgebiet gedacht wird. Unterricht findet an diesem Tage nicht statt. Wo der 11. August in die Ferien fällt, ist vor Ferienbeginn oder bei Wiederaufnahme des Unterrichts eine entsprechende Feier zu veranstalten. Baden. Meldepflicht der Arbeitgeber bei Streiks und Ausspermnge». PS Die Reichsarbeitsverwaltung hat vor kurzem auf Grund des Paragraphen 42 Absatz 1 des Arbeitsnachweisgesetzes Dorschristen über Meldungen bei Streiks und Aussperrungen erlassen. Darnach sind alle Arbeitgeber ohne Rücksicht darauf, ob ihre Betriebe gewerblicher oder nichtgewerblicher Art sind oder ob es sich um Privatunternehmer, öffentliche Körperschaften oder -Behörden handelt, zu folgenden Meldungen verpflichtet: Bricht in einem Betrieb ein Ausstand aus oder wird eine Aussperrung vorgenommen, so muß der Arbeitgeber dem zuständigen Arbeitsnachweis (Arbeitsamt) unverzüglich und in doppelter Fertigung Meldung erstatten (Ausbruchsmeldung). Diese Meldung soll enthalten: Name (Firma) des Arbeitgebers, genaue Bezeichnung des betroffenen Betriebs; Beginn des Ausstands oder der Aussperrung: Gesamtzahl der in dem Betrieb überhaupt beschäftigten Arbeitnehmer: Zahl der ausständigen oder ausgesperrten Arbeitnehmer (jeweils Arbeiter und Angestellte getrennt.) Bezieht sich der Ausstand oder die Aussperrung nur auf einzelne Berufsgruppen oder Betriebsstelle, so hat die Meldung die Gesamtzahl der in diesen Betriebsteilen beschäftigten Arbeitnehmer: zu enthalten. Wird von einer öffentlichen Berufsvertretung oder wirtschaftlichen Vereinigung eine Sammelmeldung über eine Ausstands- oder Aussperrungsbewegung erstattet, so sinh die in der Sammelmeldung aufgeführten Arbeitgeber von der besonderen Meldepflicht befreit, sofern die Sammelmeldung in jeder Beziehung den erwähnten Meldebedingungen entspricht. Ueber alle wichtigen Veränderungen in der Ausstands- oder Aussperrungsbewegung muß dem zuständigen Arbeitsamt berichtet werden: diese Zwischenmeldung soll nach Form und Iichalt der ersten (Ausbruchs-)Meldung entsprechen. Ebenso ist von der Bedingung des Ausstandes bezw. der Aussperrung unverzüglich Meldung zu erstatten. (Schlußmeldung.) Für alle diese Meldungen erhalten die Arbeitgeber Vordrucke bei den Arbeitsnachweisen. Bon diesen Meldungen muß die Verpflichtung der Arbeitgeber zur statisttschen Berichterstattung nach Beendigung von Ausständen oder Aussperrungen unterschieden werden. Auf diese Statistik, für die ebenfalls entsprechende Vordrucke bei den Arbeitsämtern zu erhalten sind, finden die Bestimmungen für die Meldungen sinngemäß Anwendung. Nr. 85. Jahrgang 1923. Aus Nah und Fern. k Sinsheim, 21. Juli. (Brotpreis.) Infolge Erhöhung der Getreideankaufspreise durch die Reichsgetteidestelle um das dreifache und der Bäckerunkosten werden die Brot- und Mehlpreise vom 23. d. Mts. ab auf die im amtlichen Teil bekannt gegebene Höhe festgesetzt. * Sinsheim. 21. Juli. (Früher Herbst.) In diesem Jahre blüht die glockenförmige Erika schon jetzt auf der Heide. Im allgemeinen sagt man, daß es einen frühen Herbst bedeutet, wenn das Heidekraut bereits anfangs Juli blüht. * Sinsheim, 22. Juli. (H a n d e l s e r l a u b n i s.) Die Bezirksämter sind auch in diesem Jahre vom Minister des Innern beauftragt worden, die Kartoffelkäufer scharf zu über-s wachen, ob sie die nach Paragraph 11 und Paragraph 12 deri Reichsverordnung über den Handel mit Lebens- und Futtermitteln erforderliche Handels- oder Ankaufserlaubnis haben. Verhindert soll auch werden, daß die nur zum Kleinhandel, mit Kartoffeln Zugelassenen oder die Inhaber einer Ankaufserlaubnis Großhandelsgeschäfte treiben. * Srombach, 21. Juli. (Tötlichverunglückt.) Beim Fällen einer durch den Sturm beschädigten Tanne scheute das zum Umziehen verwendete Pferd. Der Baum fiel infolgedessen nach einer nichtgewollten Richtung und erschlug ein vierjähriges Kind der Familie Jak. Schilling, die in der Rühe, Kartoffeln erntete. Der schwer betroffenen Familie wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. ---- Ittlingen, 17. Juli. (Beerdigung.) Wieder ist ein Kämpfer aus dem Feldzug 1870/71 von Dannen gegangen und immer lichter werden die Reihen jener Tapferen. Unter großer Beteiligung wurden gestern nachmittag die sterblichen Ueber- reste des Kaufmanns Salomon Weil auf dem israelitischen Friedhofe beigesetzt. Der Verstorbene war eine weithin bekannte Persönlichkeit und die mit chm Umgang hatten, hatten! ihn wegen seines leutseligen Wesens gern. * Reckarbischofsheim, 22. Juli. (Seuche.) Die Rotlaufkrankheit unter den Schweinen tritt in verstärktem Maße auf, sodaß an einem Tage 6 Notschlachtungen vorgenommen -werden wußten. Vorbeugendes Impfen ist dringend anzuempfehlen. K Unterfchwarzach, 20. Juli. (Schweineseuche.) Hier wie auch anderenorts der Gegend ist der Rotlauf unter den Schweinen ausgebrochen. Die erste Vollreife Wintergerste wurde gestern eingefahren. b Erlach i. O., 20. Juli. (Tödlich verunglückt.) Bor einigen Tagen sausten zwei junge Leute gemeinsam auf einem Fahrrad eine abschüssige Straße hinunter und überfuhren dabei den zwei Eimer Pfuhl in seinen Garten tragenden Maurermeister Philipp Stellweg. Der Zusammenstoß war so heftig, daß der Tod des St. augenblicklich eintrat. t Mannheim, 20. Juli. (Zwei Schwindlerinnen.) Zwei Schwindlerinnen, die auf die Dummheit und Leichtgläubigkeit ihrer Mitmensch»), spekulieren, treiben hier ihr Unwesen. Unter der falschen Vorspiegelung, sie seien vom Staat geschickt worden, vertreiben sie Abtreibungs- und Verhütungsmittel. Das Wundermittel Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Montag, den 23. Juli 1923. haben sie jedoch nicht bei sich, sondern es soll nach einer Anzahlung von 75000 Mk. erst den auf den Schwindel hereingefallenen Frauen zugesandt werden. --- Mannheim, 19. Juli. (Selbstmord im Hotel.) Erschossen hat sich heute vormittag in einem Mannheimer Gasthof ein etwa 35 Jahre alter Mann, der sich als August Borger oder Boger aus Karlsruhe ins Fremdenbuch eingetragen hatte. Der Grund des Selbstmordes ist noch nicht ermittelt. t Bühl, 18. Juli. (E x p l o fi o n.) Im Fabrikgebäude der Firma Wolf Netter und Jakobi explodierte ein Schweißapparat. Hierbei wurden zwei Arbeiter schwer verletzt. Einer namens Schneider ist seinen Verletzungen erlegen. p Haslach i. K., 20. Juli. (Abgestürzt.) Der 17jährige Malerlehrling Wilhelm Grieshaber von Hausach stürzte am Mittwoch nachmittag bei seiner Arbeit vom Gerüst aus das Steinpflaster und erlitt einen Schädelbruch, der nach wenigen Stunden seinen Tod herbeiführte. t Hinterzarien, 20. Juli. (B r a n d.) In den Werkräumen der Torfveredelungswerke Germania entstand am Mittwoch abend ein Brand, der die Dachstühle der einzelnen Gebäude vernichtete. Das Feuer konnte nach sechsstündiger schwerer Arbeit auf seinen Herd beschränkt werden. Als Ursache wird angenommen, daß in der Maschine, in der die Torfmasse erhitzt wird, nach beendeter Arbeit zurückgebliebene Reste in Brand gerieten. Der Fahrnisschaden ist durch Versicherung gedeckt. = Bonndorf, 20. Juli. (Bran d.) In Berau zündeten Unbekannte in der Nacht einen der Witwe Isele gehörenden vor dem Hause stehenden vollbeladenen Heuwagen an. Das Feuer griff auf das Dach des Hauses über, das aber durch schnelles Eingreifen vor dem Niederbrennen bewahrt werden konnte. = Buoch, 19. Juli. (Abgestürzt.) Friedrich Härlin, Veteran von 1870/71 ist vor etwa acht Tagen vom Kirsch- baun, beim Kirschenpflücken abgestürzt. Den hierbei erlittenen Verletzungen ist er nach Verlauf weniger Tage erlegen. t Lörrach, 20. Juli. Die Banken in Lörrach machen zurzeit ein schlechtes Geschäft. Durch die unterschiedlichen Notierungen der Mark im In- und Ausland ist die Differenz so groß, daß ein jeder im Grenzgebiet seine Devisen in Basel umwechselt. Während z. B. heute die Reichsbank den amtlichen Kurs für Schweizer Franken ca. 50000 bezahlte, wurden in Basel für den Franken 70000 und stundenweise sogar noch mehr gezahlt. — Lörrach, 19. Juli. (Auswanderung.) Die schlechte Wirtschaftslage der Schweiz zwingt viele Schweizer zur Auswanderung, um sich in Amerika eine neue Existenz zu verschaffen. In dem ersten laufenden Halbjahr sind 3440 Schweizer nach Uebersee ausgewandert. Die schweizerische Regierung unterstützt die Auswanderer durch Gewährung von Krediten. b Sternegg (OA. Sulz), 18. Juli. (Beim Baden ertrunken.) Johannes Stein, Metzger in Karlsruhe, der hier bei seinen Eltern zu Besuch weilte, badete im Stausee des Heimbach- krastwerks. Plötzlich verließen ihn die Kräfte. Sein Kamerad Gottlieb Stockburger brachte den Bewußtlosen ans Ufer. Die l Wiederbelebungsversuche hatten zunächst auch Erfolg und der Ve» ' unglückte kam wieder zu sich. Einige Stunden später jedoch, nachdem man ihn heimgebracht hatte, starb er. t Mainz, 19. Juli. (Tätliches Mißgeschick.) Ein 83- jähriger Mann aus Kostheim begab sich am Samstag nachmittag in seinen Gatten an der Hochheimer Straße. Die anwesende Tochter stellte für den alten Mann in einer Flasche einen Erfrischungstrunk zurecht. Statt diese Flasche mitzunehmen, ergriff der Mann eine andere Flasche, die auch auf dem Tische stand und Salmiakgeist enthielt. Die Tochter bemerkte zwar bald nach dem Weggange ihres Vaters den Irrtum und ließ sofott ihren Bater verständigen. Dieser hatte jedoch schon einen Zug aus der Flasche getan und erkrankte deratt schwer durch den Genuß des Salmiakgeistes, daß nach kurzer Zeit der Tod eintrat. Neueste amtliche Kurse vom 20. Juli 1923. fivifigcteilt von der Bankfirma Max Meyer, Filiale Sinsheim. Anleihen: 5 o/o Dtsch. Reichsanleihe 460°/° Dt. Sparprämienanleihe 3950"/° Bankaktien: Darmstädter Bank Deutsche Bank Dresdner Bank Rhein. Creditbank Südd. Discontoges. 680000°/° 725000°/° 475000°/° 260000°/° Industrieaktien: Adlerwerke Kleyer Allgem. Elektr.-Ges. Bad. Anilin Chem. Griesheim Daimler Motoren 380000°/° 700000°/° 940000°/° 940000°/° 545000°/° Elektr. Licht u. Kraft 560000° Fuchs Waggon 340 000 o/o Heidelberger Cement 590000°/° Höchster Farben 860000°/° Karlsruher Maschinen 715000°/° Knorr Heilbronn — Neckars. Fahrzeugw. 670000°/° Zellstoff Waldhof 690000% Zuckerfabrik Heilbronn 740000°/° „ Waghäusel 750000% Schiffahrtsaktien: Hapag — Nordd. Lloyd 700000% Freioerkehrswerte: vom 21. Juli. Benz Motoren 1700 000 o/o Germania Linoleum 950000°/° Gummiwerke Neckar 120000%j ohenlohe Nährmittel 360000% Kaiser Otto 350000% Lauffeuer Cement 460000% Mafchbauges. Heilbr. 350000% Saline Ludwigshalle 1600000% Ufa 405000% Devisenkurse: vom 19. Juli. Rew-Jork 1 Dollar—Mk. — Holland 1 Gulden — Schweiz 1 Franc — London 1 Pfund — Paris 1 Franc — Berliner Metallmarktr Elektrolytkupfer Mk. — Raffinadekupfer „ — Hüttenweichblei „ — Zinn, Banka „ — Hüttenrohzink „ — für 1 Kilo. Hamburger Metallmarkt: Silber per Kilo Mk. — Gold in Barren p. Gr. — Platin per Gramm — Reichsbankdiskont 18 % Reichsbanklombard 19% Goldfr. Fr. 20 = 720 000 Mk. Goldzollaufg. 3619900 o.H. Goldankaufspreis 27 500 fache Silberankausspreis 11000 fache »MMM»«»»»»»« «««»»»WM»»«» Unsere Vostabonnenten die bis jetzt die Nachzahlung von Mk. 8000 .— mittelst der in letzter Nummer beigelegten Zahlkarte noch nicht einqesandt haben, werden nochmals um gefl. umgehende Einzahlung ersucht, sonst müssen wir den Betrag nebst Unkosten per Nachnahme erheben. Verlag de« Landboten. llllllllllllllllllllininillllililllllllllllllllllllillllllllllillllllfflllilllllllllllllllllllllliliillllllllllllff MW Münntiitiiüjiinp. Nr. 44. Nachprüfung des Wertes der Sachbezüge (§ 160 Abs. 2 R.B. O.) betr. Auf Grund des § 160 Abs. 2 R. B. O. in der Fassung des § 5 des Gesetzes zur Erhaltung leistungsfähiger Krankenkassen in Verbindung mit § 16 der Verordnung den Vollzug der Reichsversicherungsordnung hinsichtlich der Krankenversicherung betr. vom 2. 6.1913 (G. u. B. O. Bl. 1913 S. 441) und Abs. 4 Ziffer 1 des Erlasses des Herrn Arbeitsministers vom 28. 4. 23 Nr. 18865 wird nach Anhörung des Bezirksrates der im Bezirk befindlichen Krankenkassen und der beteiligten Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Wert der Sachbezüge der nach der Reichsversicherungs- ordnung versichernngspflichtigen Personen im Amtsbezirk Sinsheim mit Wirkung vom 1. Juli 1923 auf 7000 Mk. täglich festgesetzt. Wegen der Verteilung der Beträge auf die einzelnen Mahlzeiten rc. gilt unsere Bekanntmachung vom 17. 2. 23. Sinsheim, den 16. Juli 1923. Bezirksamt — Derflcherungsamt. Nr. 45. Die Ausführung des Reichsmietengesetzes hier die Neufestsetzung der Hundertsätze. Bettchligung zur Bekanntmachung vom 10. Juli 1923 Nr. 43. Als Zuschläge wurden festgesetzt: für Verwaltungskosten 3000 o/o (nicht 2000 o/o) für große Instandsetzungskosten 3000« o (nicht 4000 o,o). Sinsheim, den 18. Juli 1923. Bad. Bezirksamt. Bekanntmachung. Brot- und Mehlpreise betr. Die Höchstpreise für markenpflichttges Brot und Mehl werden mit Wirkung vom 23. Juli 1923 ab, festgesetzt wie folgt: A. Brot: 1500 Gramm. 6200 Mk. 750 . 3100 „ B. Mehl im Kleinverkauf: 1 Pfund Speisemehl . . 4000 Mk. 1 „ gern, Brotmehl . 3000 „ Diese Preise dürfen nicht überschtttten werden. Sinsheim, den 20. Juli 1923. Kommunalverband. Schwiele« nt* Warze» ■vicutgt schnell m m m sicher, schmerz. K (J IC I fl I and gefahrlos ■ Aerzllich empfohlen. Millionenfach bewährt. — Zn Avotheten und Drogerien erhältlich. — Segen Fuß» schweiß, Brennen und Wundlaufen «utirol-Futzbäd. Drogerie A. Engel. Drucksachen Sä?“ * die 6. Becker'sche Buchdruckerei, Sinsheim. 4 > w Dreschmaschinen für 2 und 3 PS. Kraftbetrieb für 4 fache Sortierung. Strohpressen für 1/2 und 1 PS. Kraftbetrieb. Getreidenäher Zweischarpflipe Milchsepsratoren nur I. Fabrikate empfiehlt Maschinenbauanstalt J. Dieffen- bacher Söhne Eppingen (Baden). Telefon 29 und 30. Lager aller landw. 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