Erscheint bis auf weiteres einmal Samstag. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger u. unsere Austräger ohne Bestellgeld für 3aimav Goldrrrark -.79 freibleibend. Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 5 Uhr, Sonntags geschloffen. Feonsprechanschluß Nr. 11. »er Mandvole Gegründet (* , ^XiUilU H39 f Elsenz- und Schwarzbachtal Mnsheimer General-Anzeiger für das Postfcheck-Komo Karlsrvhe Nr. 8903. Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Äaupt-Anzeigen-Blatt. Anzeigen-Preise: A»r^gn>: Die 42 mm btrit« Millimeter-Zeile 8 Goldpjg. Familieu-Aiizelgen 5 Goldpfg. Reklamen: Die 87 mm breite Millimeter-Zeile 24 Goldpsg. mal Schlüsselzahl, wie sie m»m Verein deutscher ZeitungSverleger lür alle Zeitungen oerbindlich jede Woche festgesetzt wird. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tarifsefter Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung und bei Konkurs erlischt. Platzoorschristen werden nicht an» erkannt und für Aufnahme» «n bestimmten Tagen sowie für telefonische Aufträge keine Gewähr übernommen. Anzeigen-Annahme bi« 8 Uhr oormlttag«: größereAnzeige» wollen am Tage vorher ausgegeben werden. Samstag, den 5. Januar 1924. 85. Jahrgang Die französische Antwort. Poincare lehnt die deutschen Vorschläge ad. Paris. 4. Han. Ministerpräsident Poincare hat dem Tert des fcon'össchen Am-vorleitwurfs ans die deutsche Derikschci-t vom 24. Te-ember endgült.g zUzestlmmt. Der Entwurf wirs im Laufe des heutigen Taqes oc-n französischen Botschafter j;>. Brüssel gegeben. damit er d"r belgischen Rrgkemng zur Ettttn vg- nahme unterbreitet wtro. Der diplomatische Redakteur der Agentur Havas bestätigt nochmals die von ihm bereits veröffentlichten Angaben über den Inhalt de- französischen Antwortentwurfes und fugt hinzu, daß außer den bereits gcwährreu Erleichterungen im Verkehr de- besetzten Gebiets, weiters Maßnahmen soweit sie durch die Lage gerechtfertigt erscheinen, ja Aussicht genommen wären. Die Aufhebung der Ein- und Ausfuhrlizenzen werde nicht bewilligt werden. Heber den Inhalt des Dokuments ist, wie der „F. 3." aus Paris gemeldet wird, von offiziöser Sctte eine Mitteilung verbreitet worden, dtt leider keinen 3rt>e:'iel mehr darüber läßt, daß die französische Antwort auf Oie deutschen Ver- handlungsmrschlägc über Erwarten schlimm ausgefallen ist. Sie ist nega'in in jeder Hinsicht. Die deutscher Borschlagr werden in Bausch und Bogen abgelehnt mit der Begründung, oaß sie geeignet seien den Wert des Pfandes unü sogar der Sicherheit der Bcsatzungsmächie herabzumindern. Adgelehnt werden mchr nur die von deutscher Seite angeregten Verhandlungen über eie Schaffung eines modns vivendi auf finanziellem unü administrativem Gebiet, nbgelehnt wird insbesondere auch oie von Deutschland als die unerläßliche Voraussetzung für das Wiederingangkommen des wirlschaftlichen Lebens bezejchnete Niederlegung oder auch nur ein Abbau der zwischen besetztem unü unbesetztem Gebseie aufgerichteten Schranken zur Drosselung von Verkehr und Güteraustausch. Demgegenüber wird von französischer offiziöser Seite versichert. d«st ein Teil der deutschen Wünsche — an einigen Stellen wird in diesem Zusammenhang das Verlangen nach Wiedereinsteiluni der deutschen Eisenbahner, nach Rückkehr ocr ausgewiesenen Beamten und nach größeren persönlichen unü politischen Freiheiten der Bevölkerung genannt — bereits im voraus teilweise Erfülluch erfahren habe. Die entscheidende Frag« dürfte nunmehr sein, ob diese Antwort bereits als das Ende der nicht nur in Deutschland mit so großen Hoffnungen begrüßten deutsch-französischen Verhandlungen anzusehen ist. Das Havas- Communique erklärt, daß oie französische Note sehr konziliant im Tone sei und „späteren neuen Verhandlungen nicht die Tür versperre, wenn die Umstände dazu Gelegenheit geben sollten." Fromme Wünsch« des Journal des Debrts. Paris, 31. Dez. In einer Betrachrung die Las Journal über das Jahr 1923 anstellt, das es „oas Jahr der Ruhr" nennt, kommt das Blatt zu folgenden Schlußfolgerungen: „DeutMand vernichtet? England auf lange Zeit zur Ohnmacht verurteilt? — Unter diesen Auspizien geht oas Jahr 23 zu Ende. Selten hat Frankreich eine so schöne Gelegenheit gehabt, die raoikale Liquidation des Krieges und oie wahre Herstellung des Friedens aufzunehmen. Das setzt allerdings etwas anveres voraus als Berhandlungen mit Deutschland, als Untersuchungen, als unproduktive Pläne für eine wirtschaftliche Wiederausrichtung. Man Muß vor allem das.Werk im Ruhrgebiet fortsetzen uno vollenden Wir haben >ujs zu sehr eingelassen, um zurückweichen zu können. Kein« 39»? Londo >, 30. Dez. Der „Daily Telegraph" verösientlicht die Grundzüge oes Memorandums, das der deutsche Geschäststrl'ser in Paris v. Hoesch, Poincare übergeben und zur Grundlage der letzten Besprechungen mit dem sranzösischen Ministcrpräsi- dcnten gemacht hot. Im Memorandum wird vor allem betont, daß es nötig ist, die Hindernisse zu beseitigen, die jetzt hinsichtlich des Personen- und Güterverkehrs zwischen besetztem unü unbesetztem Gebiet bestehen. Weiter wird daraus hfr^ewiesen, daß es zur Durchführung de- Micumabkommens erforderlich ist, nicht nur den Umlauf von deutscher Rcvtenmark zuzulassen, sondern auch die Einführung der ganzen Remcnbankgrsctzaebung zuzulassen. Das Abkommen zwischen einer deutschen Bankgruppc unü einer Grupps französischer, holländischer und belgischer Banken für die Gründung einer rheinisch-westfälischen Notenbank ist unterzeichnet worden. Die deutsche Regierung.ist gebeten worden, dieser Bank die Notenausgabe zu gestatten. Diese hochwichtige Angelegenheit kann nur durch eine ..Diskussion zwischen d-n Regierungen und nicht auf vrjvatem Wege geregelt werden. Weiter fordert Deutschland Wiederherstellung der freien Rhejn- schiffahrt. Außerdem heißt es: Was wirklich nötig ist, um die Berkehrsverstopstinq zu beheben, ,jst die Rückberufung aller deutschen Eisenbahner: denn wenn diese Leute, di« aliein das System im Industriegebiet verstehen, die Sache nicht in oie Hand nehmen, besteht keine Möglichkeit zur Rückkehr normaler Bedingungen. Ferner wäre es nicht nur erforderlich, dt« Behörden und Beamt«» wieder e-nzufeßen, sondern auch ihnen den Schutz zuzubilligen, dessen sie bedürfen, um ihre Pflicht zu erfüllen. Eine ron diesen ist oie Erhebung von Säuern, die nach den deutschen Gesetzen in Gold erhoben werden, und zwar sowohl aste wie neue Steuern. Zum Schluß wird dann die Anerben mag der deutschen Regirnmzsveeordnunge" und MrSrrhersteluiNg der verfassungsmäßigen Garantien verlangt. Mißstimmung i« England, Polen und Italien. Berlin. 2. Jan. Frankreichs Rüstungspoliiik die sich in fortlaufenden Krediten an oie Staaten »er Klein-Entente kundgibt, hat in England peinliches Aufsehen erregt. Das Abkommen mit der Tschechoslowakei ist in London mit starkem Befremden ausgenommen worden. Die englische Regierung hat sich, wie der „Temps" und „Eoening Standard" melden, veranlaßt gesehen, in den Hauptstädten der Kleta«« Entente wegen der Rüstungs- «uleche diplomatische Schritt« zu uitternchm.u. Diese Schritte sind unternommen worden, weil der Staatsbesitz Dieser Länder an die Gesamtheit der Alliierten mit einer Priorität ve last et ist, Und die englische Regierung will min seststcllen, inwieweit dies« Priorität durch die besonderen Garantien; die sich Frankreich gesichert hat, eigeengt worden ist. In England fühlt man, daß Frankreich ziemlich rücksichtslos über die Interessen der Alliierten hinweggeht, wenn es sich darum handelt, die französische Herrschaft auf dem Kontinent zu befestigen. Fm übrigen hat der Abschluß des französisch-tschechischen Vertrages in Warschau eine starke Verstimmung hervorgerusen, weü man sich durch dieses Abkommen beinahe prejsgegebsn sieht. Die Freundschaft, di« man in Polen für Frankreich empfand, hat in den letzten Tagen eine starke Abkühlung erfahren. Es ist dabei besonders zu 'beachten, daß die Beziehungen zwischen oer Tschechoslowakei und Polen immer unter einem gewusen Druck standen, weil zwischen den beiden Staaten Eifersüchieleien und machtpolitische Interessengegensätze immer bestanden haben. Die besondere Freundschaft, die sich jetzt zwischen Paris und Prag entwickelt hat, wirft ihre Schatten nach Warschau. Die Warschauer Presse richtet ihre Angriffe besonders gegen Dr. Bencsch, dem st« Intrigenspiel vorwirft. Di« Stimmung in Polen scheint derartig ernüchtert zu sein, daß man sogar den Eintritt Polens in die Kleine Entente neuerdings für unoiskutierbar erklärt. Auch in Itallen das ja an der Adria und an der Entwicklnng der Machtvcrhältnifse auf dem Balkan ern natürliches Interesse hat, hat das Abkommen zwischen Frankreich und oer Tschechoslowakei eine ungünstige Presse gefunden. Man fino^, daß Frankreich eine etwas zu geschäftige Politik treibt, und wenn beim Neujahrs-Empfang der französischen Kolonie in Rom der französische Botschafter von der Notwendigkeit eines Zusammengehens zwischen Italien und Frankreich sprach, weil beide Staaten für die Durchführung der Fnedensvcrträge eimreten mi ßten, so erklärt hierauf die italienische Presse, daß Frankreich alles daran gesetzt habe, um sich, ohne Rücksicht auf die Alliierten, den Hallptanteil in die Beute zu sichern. Es wird deutlich zum Ausdruck gebracht, daß man nur dann in Italien auf eine günstigere Stimmung rechnen dürfe, wenn Frankreich feine Interessen mit denen Italiens in Einklang zu bringen -suche. Inzwischen ist der französische Franken gesunken und nach Berichten aus England rechnet man dort mit einem nock weiteren Fallen, weil man das Vertrauen zu der französischen Finanzpolilik verloren hat. Während Frankreich andauernd erklärt, die Zinsen seiner Schulden nicht bezahlen zu können, treibt cs eine ausgesprochene Rüstungspolitik zum Schaden der Gläubiger Frankreichs. Wie vertäutet, besteht in der englischen Regierung die ernste Aosicht, ,'n Ports auf dies; Tatsache nachdrücklich aufmerksam zu machen. Man kann bemerken, oaß die Stimmung gegen Frankreich nicht mir in Europa, sondern auch in Amerika sich auffallend gewandelt hat. Daß dieser Wandel cjngetreten ist. ist eine Wirkung der Politik des Herrn Pmncare. Es' gibt in Frankreich Kreije, die diese Entwicklung imt großer Bersorgnis verfolgen. Die Morgenröte der Versöhnung. Paris, 1. Fan. Beim Neujahrsempfang erklärte Präsident Millerand: Es hat den Anschein, als ob es erlaubt sei, die Morgenröte der Versöhnung und des endgültigen Friedens zu begrüßen. Frankreich Lassen Genie jo weit entfernt ist von 'einem Haß- oder Zwistigkeitsgedanken, ruft diese Morgenröte mit seiner ganzen Äeele herbei. Beschleunigung der dlp.omatischcn Verhandlungen. B-rlin, 29. Dez. W.T-B. meldet: Das Reichskadineti hat angesichts der außenpolitischen Berhanülungen beschlossen, Sie Be- satzunqskosten in engstem Umfange uni er der Voraussetzung, daß Zahlungsmittel überhaupt zur Verfügung stehen, auf beschränkte Zeit weiter zu zahlen. Gleichzeitig ist beschlossen worden, die min wieder jn.Gana deiindtichen diplomatischen Verhandlungen mit größter Beschleunigung zum Abschluß zu bringen. Rc'chskanz.er Marx über Frankreichs Po.itrk. Rom, 29. Dez. Ein Vertreter der „Tribuna" hatte eine Unterredung mit dem deutschen Reichskanzler Dr. Marc. Der Korrespondent stellte die Frag«: Glauben Sie, daß blc französische Politik darauf abzielen wiro, die Bemühungen oer internationalen Sachvcrständigenkommisiion fruchtlos zu gestalten? Der Reichskanzler antwortete darauf wörtlich: „Das Borget) cu Frankreichs hat in uns freilich den Beranken auftauchen msseN, daß Frankreich keine wittschuttnchrn Zleie verfolg«, sondern es auf die Zerstörung des Deutschen Reiche abgesehen Hab« Wir sind aerne bereit,' uns von oen selbstlosen Zielen Frankreichs überzeugen zu lassen, sobald wir dafür einen Anüail haben. Für Frankreich bietet sich jetzt eine glänzende Gelegenheit, seinen guten Willen gelegentlich der Sachvcrstänsigcnkonserenz zu zeigen. Verhandlungen Schachts in London. London, 3. Jan. Dr. Schacht hat mit führenden Perjöntich- keiten der Bank von England und der City gestern über di« Teilnahme englischer Fjnanzkreisi an der von ihm vorgeschlagenen Goldkrcditba-ik- uno Nahtuugsmätelanleihc für Deutschland Unterredungen gehabt. Während in Cn'tykrrisen lebhaftes Interesse für eine englische Beteiligung an der Golükreditbank besteht, wird angesichts der.unklaren Haltung der Reparationskommission von englischer Seite bezüglich einer Beteiligung an der Nahrangsmittelanleihe große Zurückhaltung geübt. Amerika uad Deutschlands Schicksal. Berlin, 30. Dez. Fredrik Bausinan, der frühere Oberlichter im Staate Washington und Derjasser eines Buches zur Kriegs- schuldfraa«, das in deutscher Sprache unter oem Titel „Und Frankreich?" erschienen ist, hält sich zur Zeit in Berlm aus und ist vom Reichspräsidenten und vom Reichskanzler empfangen worden. In einer Unterredung mit einem Vertreter o«r Bosii- schen Zeitung drückte er seine Bewunderung über das Maß von Geduld gns, mir dem das deutsche Dock den Hunger und die Enttäuschung von neun Jahren getragen hat. Auf die Frage, wie man sich in Amerika die weitere Entwicklung des europäischen Konflikts vorstellt, erklärte Dausman, man sei heute in Amerika allmählich zur Ueberzcugung gelangt, daß Fraak- . reichs Ziele .licht 3U#«aiu)nen sind, sondern die Zerstückelung Deutschlands und der Ruin der deutschen Industrie. Bezüglich der Frage einer Streichung der französischen Schulden stellte Bavsman fest, daß die Majorität der Amerikaner gegen eine S.reichung sei. weil Frankreich dann nur noch mehr Geld skr militärische Zwecke ausgebcn würde. Weiter äußerte er, Amerika fei bereit. Deutschland Geld zu leihen, es sei ober in dieser Sache kein Fortschritt zu erzielen, weil Frankreich oder die Reparationskommission die Angelegenheit verschleppt. Amerikas E«.rgrerfen — ein Führ erprobtem. London, 29. Dez. In seinem neuesten Artikel im Daily Eyro- nicle, in dem Lloyd George sein- menschlichen Eindrücke auf seiner Amerikareise schildert, kommt er auch auf das Verhältnis der Amerikaner zur Notlage Europas zu sprechen. Er schreckt: Wenn Amerika davon überzeugt ist, daß es seine Pflicht ist. Europa ßt>r dem Ruin zu retten und daß es durch seine Inler- v« rwn unfern Konttnent tatsächlich retten kann, wird Amerika diele Aufgabe übernehmen. Eigennutz allein reicht nicht aus, um Amerika zum Handeln zu bewegen. Der Impuls mutz von höherer Art sein. Ader wie Itti allen nationalen Bewegungen handelt «s sich auch hier in erster Linie um das Führerproblem Ein großer Führer wäre im Stande, Amerika zu einem unwiderstehlichen Kreuzzug zu veranlassen. Wird ein solcher Führer austreten? Ich traf manche besonders begabte Männer und tch hörte von zahlreichen anderen. Ist unter ihnen einer, der in seiner Seele den heiligen Funken trägt? Wenn ttn solcher vorhanden ist, dann wird üje Rettung der Welt das Werk Amerikas sein. Neue furchtbar? IHeiie. Aachen, 30. Dez. Das belgische Kriegsgericht führte gestern eine mehrtägige Verhandlung wegen Eisenbahnsabotage zu Ende. Es handelte sich um ülnschläge, die aus den Linien Aachen— Hcrbesial, Aachen—Stolberg und einigen Nebenstrecken begangen worden f ein sollen. Menschenleben sikü dabei nicht zu beklagen gewesen. Vor Gericht standen vier Angeklagte, Menzc! aus Stolberg, Neuhaus, Schwager und Fröngel. Die drei Letztge- iranmen flammen aus Aachen und sind lg bis 20 Jahre alt. Das Gericht erkannte gegen Menzet gegen den d«r Anklagevertreter Todesstrafe beantragt hatte, auf lebenslängliche Zwangsarbeit, gegen Neuhaus aus IS Jahr« Zwvngsarbttt, gegen Schwager auf I Jahr Gefängnis, während Fröngel frcigefprochen , wird«. Eine Anzahl weiterer Angeklagter, die flüchtig sind, wurden in Abwesenheit verurteilt uno zwar fünf zum Tode und die übrjaen zu Zwangsarbeit von 15 bis 20 Jahren oder Gefängnis bis zu 15 Jahren. Protest des Reichskanzlers gegen das D?isscchokfer Arlell. Pari«, 1. Jan. Me die Blätter melden, hat am Montag nachmittag eine längere Besprechung zwischen dem Reichskanzler und dem französischen Botschafter m Berlin stattgesunden, in der die schwebenden politischen Fragen erörtert worden seien. Der Reichskanzler habe besonders auf das Düsseldorfer Urteil hjn- gewicsen, dessen Ungerechtigkeit im ganzen deutschen Volke eine außerordentliche Erregung hervorgerufen habe uno das umso bedauerlicher sei, als die Reichsregierung du^ch ihre «etzten Schritte in Paris und Brüssel ihren aufrichtige» Willen zu einer Berständiaung über die Perhältnisie in den besetzte» Gebieten zu erkennen gegeben habe. Rechbergs Repararionsplan. Paris, 28. Dez. Der deutsche Kaliinvustrielle Arnold Rechberg hält sich, wie der „Matin" berichtet, seit vierzehn Tagen in Paris auf. Sein Reparationsplan wird nach dem Blatt gegenwärtig von bemfenen Persönlichkeiten geprüft. Rechberg hat sich einem Mitarbeiter des „Mntin" aegenüber wir folgt über seinen Reparationsp'an ausgesprochen: Ich habe einen bis ins einzelne gehenden Plan der Ersiiiluag eines Bettrages zwischen Frankreich uad Deutschland abaefaßt. Seine Grundzüge sind folgend«: Unter den.deutschen Industrien wählt Frankreich die aus, die nach seiner Ansicht die sichersten Ergebnisse bringen. Diese Unternehmungen vergrößern ihr Aktienkapital um 30 Prozent, also bei einem Aktienkapital von 100 000 Mark werden sür 30 000 Mark neue Aktien ausgegeben. Diese 30 Prozent werden Frankreich überlassen, die sie zu Geld machen kann, dadurch, daß es sie verkauft oder an die französiscke Industtte wcitergibt. Das ist das Gerippe meines Reparationsplanes. Rechberg nlhmtr weiter die Vorteile üicfes Planes, weil durch sein System die Jicibungen verschwinden, da die Reparationen durch den neuen Reichtum der durch gemeinsame Arbeit erzielt werde, bezahlt werden. Eine schwere Bluttat französischer Soldaten. Koblenz, 29. Dez. Wie erst heute bekannt wird, hat sich am Weihnachlssonntag in Koblenz eine suechtbare Binttnt ereignet, dem drei Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Die Täter. Französische Soldaten, konnten festgen>mmen weroen. Am Somsrag abend war ein französischer weißer Sergernc von ttner ftantzösischen Patrouille, die aus französischen Kolomalsosdaren bestand. a us einer .Wittsckast hinausgewiesen worden, weil er die Gäste- belästigte.' Am Sonntag morgen kam der Sergeant wiederum in das Lokal, und als etwas später der Witt Be- zahluna sordette, schlug ihn oer Sergeant ins Gesicht. In diesem Augenblick stürzten mehrere französische Soldaten in das Lokal und gaben eine Anzahl von Schüssen ab. Bon oen anwesenden Gästen wurden drei durch Kops- und Bmstschüsse getötet, andere verletzt, darunter auch ein französischer Ofsizier. Die Täter suchten -u entkommen, konnten aber bald sestgcnommen werden. Es handelt sich um ehemalige Fremdenlegionäre, die schon in Frankreich Zuchthausstrafe verbüßt haben. Englaad und die stanzöWe Ksatineatal-olttiL. Paris, l. Jan. Der letzte Vorstoß des Londoner Foreigü Office gegen, die französische Kontinentolpoiitik, nämlich die Beröffentlichuna des oeutfchen Dt«morandums durch das Rcuter- büro und die Ankündigung englischer Schtttte in Belgrad. Bukarest und Warschau in der Frage der französischen Rüstungs- anleihe werden in allen politisch interessierten Kreisen von Paris lebhaft besprochen. Man bezeichnet diese englischen Bemühungen als «inen Beweis dafür, wie sehr die Londoner Kreise durch den Gedanken beunruhigt sind, daß es Frankreich gelingen könnt«, die Neuordnung auf dem Kontinent ohne Englands Mitwirk«ng zu festigen und vor allem zu einer umfassenden Derständiguiiq mtt Dcutsch.gnd zu gelangen. Die französischen unterrichteten 0 Nr. 1. Jahrgang 1924. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 5. Januar 1924. Kreise scheinen davon überzeugt, daß von englischer Seite kürzlich wieder gewisse Ratschläge in Berlin gegeben worden sind, die von den deutschen Gegnern einer d nitsch-französischea Verständigung gegen eine Polisik oeutschcn Enigcge»komm-i>s geltend gewacht werben und daß der letzte Borstoß des Foreign office in cktzt« Linie den Zweck verfolgt, oie Berliner Kreise von dem ernsten Willen Englands zur Bekämpfung der französischen AutzenpoMk zu überzeugen. Die Pariser Blätter kritisieren das Vorgehen Englands zum Tel! sehr scharf. Sie werfen der englischen Regierung vor, die französischen Bemühungen zyr Herbeischafftmg einer Entspannung zwischen den Festlandstaaten zu hintertreiben und neuen Unfrieden stiften zu wollen. Besondere Beachtung verdient cjn Artikel der radikalen Lanterne, irt- öcjn ausgeführt wird, England wolle offenbar die Rolle des perfide« Albums weiterspielen. Die Veröffentlichung des deutschen Memorandums, das einen schweren Trcubruch darstellt, sei charakteristisch für die englische Taktik. Der angeblich frankreichfreundliche Teil der englischen Presse habe sofort diejenigen Stellen des Memorandums unterstrichen, die für Frankreich unannehmbar feien, während die angeblich deutschfreundlichen Organe den deutschen Verständig- vngswillen gelobt und die angeblich widerstrebende Haftung Frankreichs getadelt hätten. So sei England immer aufs Reue bemüht, zwischen dem deutschen und dem französischen Standpunkt künstlich einen Abgrund zu graben, oamit die beiden Völker sich nicht verständigen können. Der sozialistische Populäre« bemerkt, England bleibe seinem asten Grundsatz, die Völker gegen einander aufzuhetzen, um selbst herrschen zu können, für den Auaendtick noch treu. Die Volker des Kontinents müßten die Methode Lord Curzons ebenso entschieden ^»blehnen, wie die Methode Poincares und alle Hoffnungen auf das kommende Arbeitskabinett in England setze». Di« Anklagen «aes Holländers. Amsterdam, 3. Jan. Der Sonder-Korresvondent des „Alge- mee» Hnndelsblaü", der dem Düsseldorfer Schupo-Prozeß beiwohnte, und zahlreiche Studienreisen durch das besetzte Gebiet gemocht hat, führt in seinem Blatt aus, wenn nmn von der Balkanisierung Europas sprechen dürfe, so sei die Frage erlaubt, ob dies nicht eine unverdiente Kränkung für die Bewohner des Balkans sei. Wer es erlebt Hab«, wie die belgischen Gendarmen in A»nd Kenntnis habe von den schmutzigen Frnanz- Oprratumrn der Familie Dorten, die von den französischen Behörden unterstützt wurden, wer endlich in Düsseldorf Zeuge gewesen sei, wie die braven Schupo-Offiziere und Mannschaften wenig« Gerechtigkeit fanden, als sie einem gewöhnlichen Kongoneger gewährt nzstrde, der würde erkennen, daß die fleißige. saüd«e Bevölkerung des kulturell am höchsten entwickelten Teiles Europas nämlich des Rheinlandes und oes Ruhrgebiets, nicht wie ein Balkanvolk, sondern wie ein Stamm von Wilden behandelt werde. Tausend Fahre Franzo>enpo,lt>b. Unt« diesem Titel ist soeben aas Dezemberheft der „Süddeutschen Monatshefte" erschienen. In Deutschland glaubt man, daß die «roße Tragödie, die sich im Westen adspielt, nur der Ausfluß eines wahnsinnig gewordenen Militarismus, nur ein? vorübergehende Episode sei. Das voriiegende Heft der „Süddeutschen Monatshefte" zeigt, daß das, war wir jetzt crleoen, schon vor 'Jahrhunderten ebenso gewesen ist, daß unter wechselndem Gewände die gleiche Methode angewandt, die gleiche Sprache geredet wird, heute wie vor tausend Jahren. Ob ein Peter Dubais im Jahre 1300, ob ein Po'ncare im Jahre 1923 hart? Sanktionen fordert, das bleibt sich schließlich gleich. Und ob di« Franzosen die fürstliche Libertär g'zen das Reich oder die Arbeiter gegen ihre Unternehmer zu schützen vorgeben, macht Kernen Unterschied. Es gibt ausgezeichnete Werke, aus denen wir darüber vieles lernen können, aber das neue Heft der „Süddeutschen Monatshefte" trägt nicht nur zum erstenmal all die an vielen Stellen zerstreriten, meist unbekannten Eivz'ltat- sachen und Aeußerungen zusammen, sondern bringt sie in Sen wirklichen Zusammenhang mit dem französischen Verfahren seit 1918. Keine Geschichtszahlen, kein Geschichtsbuch, sondern das lebendige Bild eines Jahrtausende alten Gegners, per seinen Pernichtungswillen zu einer raff.ni-rten Technik ausgebildet hat. Verblüffende, nein erschreckende Parallelen sehen wir gezogen Zwischen einst und jetzt. Ob diplomatische List uno Heuchelei, ob Geschrei nach Menschlichkeit und Gerechtigkeit ob journalistische und Gelehrtenlüge, ob Wortbruch uno Gewalt, ob Schreckensherrschaft und Sadismus — bis ins kleinste ähneln sich die Mittel der Franzosen heute wie vor vielen Jahren. Wir müssen zum Erschrecken klar sehen, daß Frankreich nach Deutschlands Zertrüinmerung heute sein taujend- jährigrs Ziel erreichen wird, es fei denn wir raffen uns in letzter Stunde zur Rettung bringenden Einigkeit auf. England und der Separatismus in der Pfalz. London, 39. Dez. Der Manchester Guardian wendet sich in einem äußerst scharfen Leitartikel gegen den Terrorismus in der Pfalz. Er schreibt: Der separatistische T'rror, oer Frankreich im Rheinland unterstützt und letzt in der Pfalz soetföhet. fen wahrscheinlich das schamlose Kapitel jn oer gesamten Geschichte des Verhallens Frankreichs gegenüber Deutschland nach dem Kriege. Es würde tatsächlich schwer sein, eine Parallele dafür in der Behandlung ein« zivilisierten Macht durch eine andere m Fnedens- zeiteip zu finden. Das französische Motiv fei unmißverständlich: entweder wirtschaftliche oder soziale Unordnung oder die Furcht vor persönlicher Vergewaltigung oder dem Verhungern softe die Pfälzer Bevölkerung zwingen, eine den Franzosen genehme Regierung zu errichten oder anzunehmen. Wenn Poincare bei den gegenwärligen oder späteren Verhandlungen mit Deutschland dieselbe Art Druck auf die deuliche Regierung anwende, wie «r dies jetzt gegen die Bevölkerung der Pfalz tue, damit England der vollendeten Tatsache em s «nabhängtzen Rheinlandes gegenüber gestellt werde, würde dann Englano nicht etwas zu sagen haben müssen? Sollte es dies nicht lieber jetzt sagen, bevor es zu spät ist? D« Manchester Guardian druckt zum Schluß die Hoffnung aus, daß oie nächste englische Regi-rung offiziell genau darüber unterrichten werde, was während der letzten Monate tm Rheinland und der Pfalz vor sich aing und daß sie die Schlüsse die sie daraus ziehe, öffentlich mc der W lt kmidgebe. Em Pariser Urteil über sie Autonome Pfalz.' Paris, 28. De,;. Der Separatismus in der Pfalz wird von maßgebenden politischen Kreisen in Frankreich ganz anders beurteilt als der rheinische Separatismus, mit dem man nichts mehr zu tun haben will. In der Pjalz, so erklärt man, handelt es sich um eine bodenständige Bewegung, die man respck siren müsse. Diesem Traum wird heute vormittag in brutaler Weise von dem Organ des Rationalisten Andre Tardieu, de« „Echo Rational", ein Ende bereitet. Der Mainzer Berichterstatter des Blattes schreibt, er habe einige größere Städte besucht, di« sich in den Händen der.Separatisten befänden. Di« große Masse d« Einwohner l«t gegen sie. Das sei eine Feststellung, sie selbst einem Bünden auffallen würde. Di« separatistischen Posten seien zum größten Teil kein« Pfälzer. Es handeln sich um entschlossene Barschen, denen nmn besser nicht in irgendeiner Ecke im Walde begegne. Sie seien sonderbar ausgestattet. Im Vergleich mit ihnen seien die französischen Sanscutottes sicher wie die Prinzen ausstaffiert gewitzen. Die Pfälzer bedauerten cs, daß die F.nnzosen häufig etwas allzusehr unternehmenden jungen Leuten völlig freie Hand gäben. Französischerseits würde man besser daran tun, selbst die Ordnung aufrechtzuerhalten, ansratr sie den im ganzen wenig zahlreichen Anhang«» der „««Gnomen Pfalz" zu überlassen. Me vor drei Jahrhunderten. London, 3. Jan. Das Blatt der englischen Arbeiterpartei „Dany Herold", schreibt, schon vor dreihundert Jahren fei das Verhalten der Fra»',ofen in der Pfinz ein öffentlich« Luanda! gewesen in Europa. Heute versuche die französische Regierung noch immer die Politik Ludwigs XIV. zu trejven und Dieses Glied von Deutschmnd loszutrennen,' und zwar mit demselben Zier wie früher, nämlich, um andere Staaten zu schwächen und die eigene Macht zu vermehren. Separatistrn-Anschrag auf Hessen? Köln, 3. Jan. Der Kölner Berstet« der Times drahtet seinem Blatte, daß die Separatisten zu einem neuen Schlag unt« französischem Schutz ausholen. Nachdem oer Plan der Franzosen, an die Separatisten das ganze Rheinland auszu- licfern gescheitert ist, beabsichtigen die Franzosen jetzt, das besetzte Gebiet stückweise von Deutschland loszureißen. Aehelich wie jn der Pfalz sollen die Franzosen jetzt in Hstsi» und Nassau vorgähen. Zu diesem Zwecke bereiteten die Separatisten in der Pfalz eine bewaffnete Aktion vor mit der Absicht bereits in all«nächster Zeit in Hessen einzusallen. Jur Jahreswende! Bon Reichskanzler Dr. Marx. Wenn wir Deutsche an der Jahreswende Rückschau halten auf das verflossene Iayr, so stellen wir zusammensass-nd fest, daß das Jahr 1923 auch eines der Nachkriegsjahre gewesen ist, von denen jeder Tag ausgesüllt war mü Kummer uno Sorge. Am Anfang dieses Jahres fleht die Besetzung des werivollsten deutschen Wirtschaftszentrums durch Mächte, deren Schulon« Deutschland ist, Schwere wirtschaftliche Schäden hat die Beschlagnahme des Ruhrgebiets für Deutschland im Gefolge gehabt Schäden, deren Auswirkung auch in das neue Jahr 1924 üb«qreist. Die deutsche Regierung in ihrer Gesamtheit sucht die Wege zur Verständigung mit den Gläubigerstaaten zu ebnen, sie ist gewillt, mit all-n Kräften beizütragen zum Wiederaufbau der ganzen europäischen Welt, die noch schwer unter den Nachwirkungen des blusige» Völkercinaens 1914—1918 zu leiden hat. Nicht von ü« deutschen Regierung allein hängt es ob, ob die Schritte die sie zu Ende des Jahres 1923 getan Hai und zu Beginn des Jahres 1924 noch tun wird, Erfolg haben werden. Ich möchte es wünschen, daß endlich Deutschland zur Gesundung komme, kotz dle Wunden vttnarben, die Krieg und Nachkriegszeit ihm geschlagen, daß Deutschland sich einreihen kann in den friedlichen Wettbewerb oller Nationen, oaß die Dämme des Hasses und des Mißtrauens nieoergerissen werden, di« sich zwischen uns uno a>Uiern trennend austürmen — mit einem Wort daß das Jahr 1924 einen neuen Abschnitt j» der Geschichte d« Nationen bildet. In di«,'« Hoffnung wollen wir über die Schwelle des neuen Jahres treten. Neujahrsansprache«. Berlin, 1. Ion. Beim Relchspräsdnten fano am Neujahrstag d« übliche Empfang des diplomatischen Korps statt. Als Doyen des diploma ifchen Korps hielt der apostolische Nuntius Monsignore Pacelu eine Ansprache, ,n der er den Wunsch aussprach,'daß alle Na tonen sich jener gesunden und ruhigen Wohlfahrt erfreuen mögen, die aus Gerechtigkeit, aus friedlicher Arbeit und auf brüderlicher Liebe beruht. Neichspräsident Ebert dankte für die Wünsche und «klärte: Es sei bei Beginn dieses neuen Jahres der sehnlichste Wunsch des. deutschen Volkes in seinem harten und geduldigen Ringrur um sem Lebe» und s ine Zukunft, oaß auch ihm bald das hohe Gut ruhiger Arbeit und friedlichen Lebens im Kreise der Völker beschicken sei. Im Einschluß daran empfing der Reichspräsident oen che ick,s- konzler. die Retchsministcr uno die Staatssekretäre, 'wobei Reichspräsident Ebert auf die Ansprache des Reichskanzlers darauf hinwies, daß auch oie Zukunft' von uns allen schwere Opfer fordern wird, wenn wir unsere nationale Existenz erhalten und fiebern wollen. Nicht im Widerstreit der Interessen und Ideen, nicht in dem täglichen Betonen der bestehenden Gegensätze liegt der Weg zur Zukunft uw er es Volkes, sondern >m Hervorheben des Gemcinsü-astlichen uno in dem Willen d« Zusammengehörigkeit, da unser aller Schicksal gemeinsam ist. Daß dies« Wille und dieser Geist oer Sammlung das deutsche Volk im neuen Jahre mehr wie bisher tciien möge, ist mein höchster Wunsch am heutigen Tage. Dr. Jarres über Rhein und Ruhr. Auf ewig ungeteilt. — Das Letzte wird für dr: besetzten Gebiete zufammeng scharrt. Berlin. 2 Jan. In einem Artikel üb« Rhein und Ruhr frt der Zeit führt ber Rcichsmtnister des Innern u. a. aus: Das besetzte Gebiet mutz heute von dem Reich und von den beteiligten Ländern oas Letzte verlon-gen, um d« furchtbaren Rot und dem seelischen Druck abzuhclfen. Man muß verstehen, daß die Bevölkerung des besetzten Gebiets sich flagt, ob sie sich selbst Überlassen ist und ntchi ihr Geschick in die eigene Hand zu nehmen berechtigt sei. Und doch darf oies nichl geschehen. Rlema s haben das Reich unk die Länder daran gedacht, das anfzuge»«», was auf ewig ungeteilt zu ihnen gehört. Durch die Bildung eines Rhein- und Ruhrausschusses im Reichs-iaoinett ist die besondere Gewähr dafür geschaffen, daß die Wünsche des besetzten Gebietes die tatkräftigste Beachtung finden. Aus Berhandtuugen mit Vertretern des besetzten G«b>eis müsse» diese die Uebcrzeugung mitgenommen haben, daß das Letzte fjj- das besetzte Gebt t zusammengescharrt wird, das noch zur Verfügung steh,. Namentlich sind es die ganz unzeh,»erliche» Kosten der Besatzung dir nicht zu zwi rqen sind. Di« Reichsregier- Ulig hofft, daß es bei dem dcmnächstrgen Zusammentreien der intcralliieriert Sachverständigen-Ausschiisse gelingen wird, den Nachweis zu «bringen, daß' hier Unerfüllbares und Unsinniges vom deutschen Volke verlangt wird. Soweit die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Rheinlandes und den Besatzungsmäckten ourch die Ausschüße d« poli ischen Parteien uno der Wirtschaft des besetzten Gebteres geführt wurden, sind diese Schritte unter Fühlungnahme mit der Reichsregierung erfolgt. Darüber vefteht allerdings ori der Reichsregterung und den beteiligten Ländern kein Zweifel, daß an d« stau srechtlichen Zusammengehörigkeit des besetzten und des unbesetzten Gebiets nicht g c titlest werden darf. Und w«nn diese teste Uebereinstimmung im unbesetzten Gebiet wie am Rhein uno an o« Ruhr weiter vertreten wird, so können wir das Vertrauen behalten, daß trotz aller Rot und Large oer heutigen Tage bessere Zeiten uns sicher sind und daß auch am Rhein und an ^.er Ruhr auf die Dauer wieder das Recht vir der Macht gehen wlro. Die Dienstzeit der Beamten. Berlin. 29. Dez. Die Reichsregterung hat einen Erlaß üb« die Rege ung der DrnstM d r Beamten herausM«o:n, der folgenden Wor.laut hat: Die Reichsregierung hat im Hinblick auf die Not von Volk und Reich dir Dienstzeit der Reichsbeamten für «die Zeit bis zum ZI. Dezember 1925 wie folgt ge- 35) Wenn die Schatten weichen. Roman von Ferdinand Runkel. NaSvruc! verbot«». „Telegraphieren Sie mir sofort, Paolo, wann Ihr erstes Austreten 'stattfinden wird, damit ich mich richten und zeitig zur Stelle sein kann." „Sie wollen sich wirklich der Mühe unterziehen, gnädigste Gräfin?" Ganz selbstverständlich. Es geht mir, wie dem Glockengießer von Breslau. „„Ich had' sie ja bereitet, macht wissen, ob's ge- lang."" Ich möchte sehen, «ob Ihr Talent auch vor dem großen Publikum standhaft, ob Sie die Kraft haben, oie Menge zu fesseln, wie unseren kleinen Kreis, Sie nehmen doch Ihre rote Stradivari?" Der Marquis zuckte unentschlossen die Achseln. Dann sagte «, indem er sich an den Oberförster wandte: „Ich besaß, müssen Sie wissen, als ich die Ehre halt?, meine Gönnerjn kennen zu lerne», aus der Erbschaft eines Zigeuners eine alte Tiroler Geige, die mir nachgibt wie ein Kind, sich jeder meiner, ich möchte beinahe sagen Launen fügt, aber die Frejaebiakeit unserer verehnen Freundin har mir die genannte rot«' Stradivarigeig« zum Geschenk gemacht. Gewiß ein kostbare? Instrument aus des Meisters bester Zeit, von ein« Schönheit und einer Fülle, die ohne weiteres den Preis von dreißigtausend Mark rechtfertigt, aber sie folgt mir nicht wie meine altgewohnte Tirolerin." Ich bin der Ansicht, Herr Marquis, daß die Folgsamkeit eines Instruments durch rastlose Uebung zu erzwingen ist. Und wenn die Stradivarioeige so unendlich viel besser ist als Ihre ast« so wird sie durch ihre Qualität oas ersetzen, was die andere durch ihre Fügsamkeit hat. Und ich meine. Sie sollten schon unserer verehrten Freundin zuliebe die italienische Geige spielen, dvmit wenn der Erfolg, den ich voraussehe, groß sein wird, das Verdienst unserer Freundin um so strahlender aufgeht." „Sie haben recht. Herr Oberförster, das ist d« leitende Gesichtspunkt." .Um Gottes willen nicht. Paols, lassen Sie sich durch keine Dankbarkeit beeinflussen, sondern ganz al.ein oon Ihrer Sttm- mun« und Ihrem Willen. Der Augenblick soft eckscheidcn, Wie Sie an jenem Abend fühlen, so handeln Sie. sie werden ja dort auch noch einige einflußreiche Männer kennen lernen und deren Rat einholen können. Run aber gehen Sie, damii ja nichts versäumt wird " Der Marquis verabschiedete sich noch emmai von der Gräfin und reichte dann dem Oberförster die Hand. „Nun, mein Herr Marquis, Gi'ick darf man Ihnen ja nicht wünschen, das ist ein alter Aberglaube von Jägern und Künstlern. Aber ich bin überzeugt, daß sich auch ohne meinen Glückwunsch der Sieg auf Ihre Scuc neigen wird." Die Tür hatte sich hinter dem Mexikaner geschlossen. Ritter war mit Mira allein. Eine schwüle Stifte war eingetreten. Die beiden saßen in ihre Gedanken verliest, und es dauerte eine ganze Weile, ehe sie sich davon losmachen konnten. „Du warst gestern leider durch das Gewitter verhindert worden, länger auf dem Wolfgang zu bleiben, sonst hättest du noch erfahren, daß ich am Abend wegging, um ein Rencontre mit Wildschützen auf Leben und Tod zu bestehen." „Mußt du denn das tun, kannst du dich nicht von solchen gefährlichen Affären zurückhalten?" Die augenfällige Angst d« Gräfin bewegten den Oberförster seltsam. Wenn schon der Gedanke, daß ihm etwas geschehen könnte, sie in solche Auflegung versetzte, konnte ihr Gefühl für ihn doch nicht verflogen, er ihr nicht gleichgültig geworden sem. „Sorge dich nicht um mich, Teuerste, ich komme schon durch alle Fährlichkeiten durch." Ein cigentümlichcr Kampf wogte in der Seele der Gräfin. Das Erschrecken über die mögliche Gefahr hatte Ritt« nur halb richtig gedeutet, denn es war nicht aus Hiebe zu ihm hervor- gewachfen, sondern nur aus dem Gefühl der Verantwortung, das die außerordentlich sensibel« Natur Miras deshalb beherrschte, weil der einzige Wunsch Tag und Nacht ihre Befreiung von dem schweren Lleoesjoch war, oas ihr Ritter von neuem aufgezwungen hatte. In ihren Gedanken spielten Sie NrncoMres mit den Wildschützen eine nicht unbedeutende Rolle, und sie «- tappte sich manchmal auf dem ganz frevelhaften Wunsch, es möchte ein Bote vom Forfthaus' kommen, ihr zu melden, daß Ritter erschossen worden sei. Dann fleiu'ch wieo« kämpfte und r«ng in ihr eine Art religiöses Gefühl gegen diesen unheimlicken Wünsch, und sie hatte Kraft uno Selbstverleugnung genug, für den Schutz des Mannes, der ihr Unglück war, zu beten Trotz allem konnte sie diese schrecklichen Gedanken nicht aus ihrei Seele verbannen, und als er ihr erzähl' hatte, oaß « ein Abenteuer mit seinen rücksichts'osen Gegnern bestanden, hatie es schmerzlich in ihr aufgezucki. Aber es war nicht die Angst nir den geliebten Mann gewesen, sondern dos Gewissen, das mit seinem harten Seelenhammer an ihr Herz gepocht haue, denn sie war sich bewußt, daß trotz allem der Gedanke immer wieber in ihr Platz griff, es möge sie irgend ein glücklicher Zufllt befreien. Und doch wie seltsam schwach war der Charakter -ses« Frau. Während sie sich ihm gegenüber sah und ihm in das kühm brutal scböne Gesicht blickte, durchzuckte sie eine schmerzensreiche Sehnsucht, ihren Kopf an der breiten Brust dieses Mannes zu bergen und sich auszuweinen. Uno als er jetzt auf sie zuschritt und in weichen schmeichelnden Tönen, die ihm jo sehr zu Gebot standen, wenn er bestricken wollte, auf sie einsprach, ließ sic sich willenlos in lejne Prme ziehen. Sie trank mit einem seltsamen selisisüßen Schau« die leidenschaftlichen Küsse und überijcß sich wie trunken dem Zauber der auf sie nicd«prasscln- den Liebesworte. Sie fühlie, daß ihr ujchts übr'-gdleiben würde, als o«m Mann ganz anzugehören, wenn er die' Hindernisse, die ihm noch enlgcgenstanden, überwunden hatte. Auch Ritter hatte im selben Augenblick denselben Gedanken. „Ich ahne, teuerste Miro, daß ich bald werde vor dir hintreten können, um für immer der Dome zu sein. Ich weitz. daß deine reine Seele sich gequält und zermartert, weil ich nickt fl«i. weil unsere Liebe sündig ist. aber beruhig« dich, die ganze Berant- wortuiig nehme ich auf mich, und ich kämpfe es durch, bis zum letzten Ende. Denn ich habe nur einen einzigen Wunsch, in diesem Leben noch, dich, dich, uno glaube mir cs ist keine Redensart eines verliebten Schwärmers, ich will lieb« sterben, als dich lasse»." Da hatte er es ja ausgesprochen, das furchtbare Wort. Er würde'sicher lieber sterben, als sie lassen, und sie konwe nichts tun, nichts. W-ilenlo; war sie seiner dämonischen Leidenickafl hingegcben. und ob sie sich auch rorrjngen wollt«, mit alten Kräften ihrer Seele, «r zivang sie in seinen Bann, und das wilde Feuer seiner Leidenschaf! begann auch sie zu entzünden, so daß sie sich ins Unverniejdliche fügte uno nur in ganz >ckwachem Widerstreben antwortete. Nr. 1 . Jahrgang 1924. Dienststundenzahl zu erledigen. 2. Der Dienst ist in der Regel an der Dienststelle und innerhalb der vorgcschrjebenen Tages- dicnstzejt zu' erledigen. Die Dienstzeit beträgt wöchentlich 54 Stunden. Regelmäßige Plehrleistungen können innerhalb eines Kalenderjahres durch regelmäßige Minderleistungen ausgeglichen werden und umgekehrt. Soweit der Dienst in bloßer Dicnst- bercitschast besteht, ist die Dienstzeit entspreche»!! zu erhöhen. 3. Dem Dienst an der Dienststelle uno innerhalb der vorgeschriebenen Tagesdienstzeit ist die Teilnahme an Sitzungen,Besichtigungen und bergt. gleichzustelten. 4. Die Tagcsd,enstzeit wird von jeder Behörde^ festgesetzt. Die Tagcsdienstzejt ist grundsätzlich in Vor- und Nachmittagsstunden zu teilen. 5. Für eine Ueberschreilung der bestimmungsmäßigen Wochendienstz'it wird eine Vergütung nicht gewährt. Ein Ausgleich kann durch D.enstbefteiung zu anderer Zeit gewährt werden. Boyems Pläne zur Aenderung der Verfassung. München, 30. Dez. Der Landesausschvß der Bayerischen Bolksparte! beschloß, wie schon am Sonntag berichtet, es solle ein Volksbegehren eingeleitet werden, daß der Landtag aufgelöst und der Entwurf eines Gesetzes vorgelegt werde, das den neu zu bildenden Landtag ermächtigen soll, mit einfacher Mehrheit seiner gesetzlichen Mitglieder eine »ewe Derfastungsurkunde zu beschließen. Die Begründung des Gesetzentwurfes soll als .besondere Ziele der neuen Gesetzgebung enthalten: dre Einführung eines Staatspräsidenten der u. o. auch.das Recht haben soll, oen Landtag auszulösen, ferner die Einführung des Zweikammersystems zur Vereinfachung des parlamentarischen Betriebs und zur Verrinaenrng seiner Kosten sowie Aenderung des Wahlrechtes im 'Sinne einer Verbindung zwischen dem Wahlkreis und dem Abgeordneten und Erweiterung der Bolksrechic. des Volksbegehrens und des Volksentscheids. Vor einem Lohnkampf m der Berliner Mrlallinonstrte? B rlin, 2. Jan. In der Berliner Metallindustrie wird mit -er Möglichkeit gerechnet, oaß es zu einem Lohnkamps von größtem Ausmaß kommt. Die jetzt allgemein in Deutschland nach der Einführung der Go'dlöhne geltenden Löhne sind von den Berliner Metallarbeitern nicht angenommen worden. Bereits .heute wurde in einem Teil der Betriebe passive Resistenz geübt, dir von den betreffenden Unternehmern sos'rt mit der Aussperrung der Belegschaften beantwortet wuroe. Die eigentlich« Entscheidung wird für'morgen erwartet, da dann erst die letzten Verhandlungen über Verstänoigungsmöglichkeiten stattsinden. Der Vorwärts erklärt, daß die Berliner Metallorbcitrrschast entschl»isea sei. den Kamps auf der ganzen Linie aafzunehmen. Bei der A.E G.. bei Borsig, bei den Bergmannwerken und dem Siemens-Konzem l'nid die Aussperrungen bereits verhängt. Da die gleichen Lohn- vcrhältniffe wie in 'Berlin heute im aanzen Reiche herrschen, kann mit' der Möglichkeit zu rechnen sein, daß die Berliner Bewegung wenn sie nicht rechtzeitig ci'nqedämmt wirs, auch au. das .Reich übergreifen. Austakt ;tu Re.chstagswahl. Berlin. 1. Jan. Nachdem schon am Sonntag die S>zial- demokraten begonnen hatten, sich aus die kommend« Wahlkampagne abzustinimen, tritt heute am ersten Tag des neuen Jahres der „Vorwärts" mit einem Wahlaufruf des sozialdemokratischen Parteivorstandes auf den Plan und auch das Zentrumsblatt, die „Germania" bringt Ausführungen über die zu erwartende Wahl" toktik des Zentrums. Besonders an diesem Ausruf der „Ger- mania" ist wieder zu erkennen, daß diese Wahlen zum Reichstag als erste in größerer zeitlicher Entfernung von der Revolution,. die bürgerlichen Parteien der Mitte zum Teil zu einem Vorstoß gegen' die Sozialdemokraten bereitfinden, um dieser Partei ihre Macht als stärkste des Parlaments aus der Hand zu nehmen. Die „Germania", bei der allerdings zu beachten ist, daß sic jetzt in den Händen von Kreisen des rechten Flügels der Zentrumspartei liegt, erklärt sich ganz osien für eine Waht- taktik die Zentrum, Demokraten und Volkspartei zusammen- gehen lassen will, um diesen Parteien, oje heute die Träge, oer Regierung Marx sind, im neuen Reichstag die Mehrheit zu verschaffen. Al- Ideal stellt das Blatt zwar immer noch die große Kcalitirn hin, es erklärt aber, daß sie Sozialdemokraten unsichere Konionlstcn seien, an denen unter Sircsemann di« große Koalition gescheitert sei. Der Aufruf des sozialdemokratischen Parteivorstandes basiert aus der Situation, sie die Sozialoemikraten sich durch ihren Austritt aus der Regierung geschaffen haben, unv benutzr alle Elemente der nicht regierungsverantwortlichen Opposition. Dabei ist zu bemerken, daß sich die sozialdemokratische Taktik anr Stimmenfang sowohl non rechts wie von links einstelit. Es fällt auch auf, daß unter oen in dem Aufruf genannten Gegnern des sozialdemokratischen Programms weder die Demokraten noch oas linke Zentrum, die Gruppe des früheren Kanzlers Dr. Witth zu finden sind. Aufrufu-ilg von Notgeld. Berlin, 29. Dez. Der Rer'chsminister der Finanzen hat das auf Popiermark laute»»« Notge.ü für das unbesetzt« Gebiet Ser Länder Preußen, Baden, Mecklenburg-Schwerin, Braunschweig, Oldenburg, Anhalt, Lrp'pe, Bremen Lübeck, Waloeck und Schaumbürg-Lippe zum 2. Januar mit Einiösungsjnst bis 31. Januar aüfgerufen. Die Sperre der hinterlegten Deckung ist ansgehoben 'Zum 15. Januar hat der Rcrchsfinanzminister das wertbeständige Notgeld für die Provinzen Ostpreußen, Westpreuße», Posen. Hannover und Staot Berlin aufgerufen. Dre Einlösungsfrist beträgt einen Monat. Die als Deckung des wertbeständigen Notgeldes hinterlegte» Stücke der Golbanleihe und Goldschatzimweifungen werden für die Auszahlung vom 7. Januar freigegeben. Das Notgeld der Rerchseis'nbahn bleibt von dem Ausruf unberührt. Entdeckung von Kohlen- und Erzfeldern im Braunschweigischer. Berliu, 29. Dez. Nach einer Meldung o«s Lokalanzeigers sind bei Mackendorf—Dören—Graslcden im Braunschweigischen Steinkohlen- und Eisenerzfelder entdeckt worden. Eine Gesellschaft in Hamburg hat vom Bcaunschweiger Bcrgwerksamr das Mutungsrecht erhalten und wiro mit dem Abbau der Steinkohlen beginnen. Die Steinkohle liegt unter Aeckwn Wald und Oedland. Das erste Mulungsjeld ist etwas über 2 Millionen Quadratmeter groß. In der nordwestlichen Hälfte liegen 6 Kohlenflöze von einer Mächtigkeit von ie 60 Zentimeter übereinander. Di« gefundene Steinkohle ist von gr,ßem Heizwert. In der Nähe' der Kohlenfelder fina auch große Erzfelder entdeckt morden, deren Ausbeutung mit der Kohlenförderung vereinigt werden soll. Herabsetzung per KohleNpeens«. Berlin, 28. Dez. Die Organe der Kohlenwirtschasl habe» heute einstimmig beschlossen, dr« Preise der Koh«ea um 1V Prozent herabznsetzrn, wobei der R»tto-Gruppenprers im unbesetzten Deutschland auf etwa 125 bis 130 Prozent der Vorkriegspreise zu stehen kommt. Damit sinken die Kohlenpreise wrjentnch unter das WeltmarktprrisMoegu. Für das besetzte Gebiet gelten diese Beschlüsse nicht. Die neuen Preise werden am 2. Januar in Kraft treten. Die Aufwertung »er Hypotheken. Verlm, 2. Jan. Die dritte Steuernotverordnung enthält u. a. bekanntlich auch eine Heranziehung der aus billig zurückgekauften Hypotheken erzielten Gewinne zu den Steuerlasten tti Reiches. In Berbinduna damit ist die Frage der Aufwertung der Hypotheken wieder brennend geworden. Innerhalb der Reichsregier:mg stehen .bekanntlich maßgebende Kreise auf dem Standpunkt, daß «ine Aufwertung der Hypotheken ernsthaft nicht in Frage kommen könne. Es' mußte sogar vorübergehend mit der Möglrchkeir ««rechnet werden, daß ein ausdrückliches Verbot der Aufwertung Der Landbote * vmsheimer Zeitung. von.Hypotheken erfolgen werde. Wie der „Tag" ans Kreisen, die der Reichsregierung nahe steh:», hört, kann es jetzt als völlig ausgeschlossen bezeichnet werden, daß ein solches Verbot erfolgen wird. Was die Aufwertung der Hypotheken ande'angt, so sind zurzeit Erwägungen im Gange, die noch nicht zum Abschluß gelangt sind. E- ist nicht ausgeschlossen, daß,eine Auf- weriunq der Hypotheken bis zu 10 Prozent des-Porkriegswerres erfolgt. Die Aufwertung würde aber zum Teil für Heranziehung der Steuer öienen. Es üt auch möalich, daß man sich oannr begnügt, die Aufwertung der Hypotheken von Fall zu Fair durch schiedsrichterliches Verfahren entscheiden zu lassen. Am die Staatsform Griechenlands. Athen. 29. Dez. Die Republikaner haben eine Erklärung abgegeben, worin die endgültige etbsetzang der Dynastie ausgesprochen wird. Sie haben damit Venizelos gewissermaßen vor eine vollzogene Tatsache gestellt. Benizeios erklärte seinen Freunden, er sei geneigt, allenfalls 2—3 Monate in Griechenland zu bleiben und nzährend der Volksabstimmung anwesend zu sein, um die völlige Freiheit dieser Abstimmung zu sichern. Er drückte seine lebhafte Genugtuung über dre Auflösung der Offigi arstiga aus. Kondrlis und 'Papanastasius erklärten, daß die Dynastre- fraqe endgültig geregelt werde; ihre Parte» werde bis zum Schluß kämpfen und wenn nötig sogar gegen Venizelos. Für Absetzung der Dynastie ln Griechenland. Paris, 2. Jan. Wie dem „Echo de Paris" aus Athen berichtet wild, haben 62 liberale Abgeordnete vom r«publ,ka,ilschrn Flügel der Partei unter dem Vorsatz von Papanastasius einstimmig' dessen Vorschlag angenommen, ohne die Ankunft Beniseios abzuwarten, heute die Nationalversammlung für eröffnet und die Dynastie Glückslmrg für abgesetzt zu erklären. Dir Bcrsamnllung beschloß ferner, die Einführung eines Senats zu verlangen, wie er seit 1861 in Griechenland nicht mehr besteht. 81 liberal« Abgeordnete haben unter dem Vorsitz ors ehemaligen griechischen Gesandten in Washington Russon jede Zusammenarbeit mit den Republikanern abgc'lehnt und beabsichtigen, sich unter Venisclos neu zu gruppieren. Der Anschlag auf -en japanischen Priazregenlen. Parrs. 28. Dez. Ueber das Attentat gegen den japainschen Prinzregenten Hiro Htto liegen eine Reihe von Meldung:» vor. Das Radio-Büro berichtet, daß ein junger Mensch von 20 Jahren in bescheidener Haltung mit einem St'ckg wehr aus den kaiserlichen Wagen schoß; die Kugel zertrümmerte die Scheid:» und schlug neben dem Kopf d es Prinzen «in, der jedoch nicht verletzt 'wurde. Die Polizei eilte herber, während der Prinz daran» bestand, daß der Wagen seinen Weg nach dem Pariamentsge- bäude fortsechte. Nach der Parlamcntstagung wurde der Prinz unter starker Bedeckung nach dem kaiserlichen Palast zurückgeleitet. Dre Menge, die sich des Attentäters bemächtigt hatte, würde ihn ohne das Eingreifen der Polizei zweifellos gelyncht haben. Die Meldung fügt hinzu, daß das Attentat in der Geschichte Japans einzig dasteht und daß große Erregung herrscht. Wie weiterhin mitgeteilt wird, wurde ein junger Mann von etwa 25 Jahren jestgenömmen, dessen Sympathien zu den extremistischen Kreisen bekannt sind. Es handelt sich um den Sohn eines Senators. Zwei andere Personen, die man der Mithilfe beschuldigt. seien ebenfalls verhaftet. Das japanische Kabinett hat demissioniert, weil die öffentliche Meinung für die ungenügende Bewachung des Prinzregenten verantwortlich macht. Meldungen aus Japan behaupten, daß das Attentat eine so lebhafte Erregung im Bürgertum gegen Sozialisten und Anarchisten ausgelöst hat, oaß man in Re- gicrungskreisen in Tokio mit der Möglichkeit antisozialistischec Pogrome rechnet. Baden. Die Aushebung »es Berwaliungstzoses. Das Stwatsmrnisteriilm hat die Aufhebung des Verwaltungshofes beschlossen. Der Landstänoischc Ausschuß hat dazu seine Zustimmung gegeben. Die Aufgaben des Berwattungshofes gehen an die sachlich zuständigen Ministerien über, soweit nicht durch Verordnung des Staatsministeriums oder der zuständigen Ministerien etwas anderes bestimmt wird. Die Verordnung über die Aufhebung des Verwaltungshofes tritt am 1. Februar 1924 in Kraft. E n politischer Mordanschlaz? Salem b. Ueberlingen, 26. Dez. Wie die „Konst. Ztg. berichtet sind die Kriminaldehörden einem politischen Mordan- schtag, d:r dem Vernehmen nach gegen «ne Persönlichkeit a«z der Umgebung des Prinzen Max in Salem gerichtet war, auf die Spur gekommen. Dem energischen Zugreifen »er Staatsanwaltschaft Konstanz gelang es. auf einem abgelegenen Hojgut bei Psullendorf drei der Täter noch vor Ausführung der Tat festzunchmen. Ueber das geplante Attentat äußerte sich Prinz Max wie folgt: „Es -st bedauerlich, daß die Notiz in den Zeitungen das Resultat einer Untersuchung vorweg nehmen wollte, die noch nicht abgeschlossen ist. Fest steht nur, daß orer junge Leute, die aus Bayern gekommen sind, in Untersuchungshaft sitzen. Alles andere bleibt vorläufig nur Vermutung. Sollte sich allerdings »er erwähnte Verdacht bestätigen, so wäre vielleicht aufgeklärt, warum plötzlich ein Herr Engelhardt aus Ueberlingen sich sec Mühe unterzieht, in nächster Umgebung von Salem, in Mimmenhausen, Martdorf, Meersburg, Hetzreden zu halten, darin er nrchr nur im allgemeinen Bürgerkricgsgefin mng »nd Judenhaß preoigte. sondern eine sinnlose Lüg: nach der anderen über meine Person verbreitete: Ich sei Gronmeistcr einer Lnae. führe zu dunklen Zwecken, im Flugzeug nach Parjs^und London ufw. Im Salemer Tal wie im ganzen Cerkreis ist Kerne Sympathie für den politischen Mord vorhanden. Der gesunde Sinn der Bevölkerung steht dagegen. Wäre also ein politischer Morü wirklich geplant, so müßte hier der Boden erst durch Verhetzung vorbereitet werde,,. Wir nehmen natürlich an, daß Herr Engelhardt rflcht weiß, zu welchem Zweck er angesetzt wird. Aber das entlastet ihn picht. Die Verleumder und Ehrabschneidir stehen bereits heute in to,en Augen des zivilisierte» Deutschlands tiefer als di« verhetzten und mißbrauchten jungen Leute, denen die Pi'role lesgeht. Aus Nah und Fern. * Sinsheim. 3. Jan. (Neujahr) Das alte Jahr Hot uns vor seinem Abschluß noch harten Winier gebracht. Nach erneuten Schneefällen, sodaß das Land unter ziemlich hoher Schne-'oecke siegt, zeigte in der Frühe des Sylvcstenages das Minimauhermo- meter 21 Grad Celsius. Die schönen Wintertage lockten eine große Zahl Wintersportler heraus; insbef'nders würbe dem Rodelfport eifrigst gehuldigt. Die Nciliahrsnacht verlief hier und in der Umgebung ziemiich ruhig. Feierlich läuteren die neuen Glocken das neue Jahr ejn. Niemand weiß, welche he.tercn und schwarzen Lose es in sich birgt. Möge es für unser Baier- land Glück und Frieden bringen. e S.nshetm 28. Dez. (Kirchenkonzert.) Am zw siten Weihnachtsfeiertäg veranstaltete der evangelische Kirchenchor u»i«r Leitung seines tatkräftigen Dirigenten, Herrn Hauptl. H. Christmann, ein vorzüglich gelungenes Kirchenkonzert. Zum crstenmale wurde ein größeres Werk, der erst« Teil von Rudolf L'tw's Weihnaclstsmujik für Chor und Orchester aufgeführt. Der gutgeschulte Chor und ein aus hiesigen musikalischen Kräften zujaui- mengesctztes Orchester fanden mit oer Wiedergabe des oratoien-l Samstag, den 5. Januar 1924. artigen Werkes lebhaften Bssiall. Als auswärtige, sieb: Gäste wirkten in dankenswerter Weise mit Frau Mattlin-Bauersiew, Mcnnheim die mit ihrem schönen, wohlgeschulten Sopran Werk« von Mendelssohn, Bach und Cornelius trefflich zu Gebör brachte, während Herr Werner Autenrieth von Heidelberg auf der Orgel mit eigenen Kompositionen und einem Stück von Reger sich als feinsinniger Künstler und Begleiter erwies. Leiber genügte die alt« Orgel den Anforderungen nicht mehr. Die Anschaffung einer neuen ist zwar schon längst geplant, aber es blieb bis jetzt beim Wunsche. Es sollte nun'aber alle Kraft daran gesetzt werden, eine bessere aufzubringen, es könnten dann noch vier schönere musikalische Gaden bescheert werden. ** Schshetm, 2. Jan. (L i e d e r k r a n z.) Am Sonritag Abend veranstaltete der Lretzerkranz im Löwensaal ein: wohl- gelungene Wechnachlsfeier. für die «in vielseitiges Programm ausgestellt war. Auf dem Pooium war ein reichhaltiger Gabentisch für die Verlosung aufgebaut, dessen Gaben von den Mitglieder» gespendet worden waren. Im zweiten Teil oes Programms, welcher der Weihnachtsstimmung Rechnung trug, erstrahlte über chr mselben ein Christbaum. Ein improvisiertes Streichorchester eröffnete den Abend, dann wechselte» Chor- und Solodarbietungen in bunter Folge mit einander ab. Auch das Orchester spendete noch manch hübsche Gabe. Besonvers beifällig wurden die Sopranlieder von Fr>. Rothenbiller und die Klaviervorträge von Herrn Hauptl. Gentz, dem Dirigenten oes Vereins, mit Töchterchen ausgenommen. Im Verlauf des Abends dankte der Vorstand. Herr Th. Maier, Alten, die durch ihr» Mitwirkung und opferwilligen Spenden zum Gelingen beitrugen, insbesondere dem Herrn Dirigenten Gentz, b m er für seine Bemühungen ein schönes Geschenk' überreichte. Er gab ferner der Hoffnuiig Ausdruck, daß nunmehr mhigere, stetigere Zeiten dem Verein die Wiederaufnahme seiner Aufgabe, die Pflege oes Dolksgrsangs wie früher ermöglichen mögen. Nach den musikalischen Vorträgen begann die Gabenvertosung, die einen recht annimiertcn Verlaus genommen hat. Recht befriedigt verließ die zahlreiche Teil- nehmerschast die gastlichen Räume. * Sinsheim, 3. Jan. (Die Gleichstellung der alten Kupserpfennige.) Durch eine Verordnung sollen die alten 1-und 2-Pfennigstücke den Rentenpfeimigen gleichgestellt werden. Ts erscheint dies umsomehr angängig, als der Mccaluvert der alte» Kupserpfennige dem der Rentenpfennige entsprich:. Eine Gleichstellung anderer Münzen kommt nicht in Betracht, da 5- und 10-Pfennigstücke in erheblichem Umfange nicht nur aus Nickel sonder» aus Zink uno Eisen in Umlauf sind, oie im Verkehr zu schwer von den Nickeistücken zu unterscheiden sind. * SNshrim. 3. Jan. (Bewertung des Eigenverbrauchs der Landwirte für die Umsatz st euer.) Im Lcndessinanzamtsbezirk Karlsruhe ist die Richtzahl zur Bewertung des Eigenverbrauchs der Landwirte für den Monat Dezember auf 18 Billionen Papiermark, für das 4. Kalender- Vierteljahr 1923 auf 24 Billionen Papiermark festgesetzt worden. Diese Richtzahlen sind bei den bis spätestens 10. Januar 1924 auf die Umsatzsteuer zu leistenden Abschlagszahlungen naci! Art. 4 Nr. 10 der zweiten Steuernotverorünung vom 19. Dezember 1923 zu berücksichtigen. * Sinshe'm, 3. Jan. (5 0 Iahre Markwährung.) Am 18. Dezember 1873 gelangten in Berlin die ersten silbernen Einmarkstücke zur Ausgabe, im Bereich der beliebten Taler- währunq' nicht allzu freudig begrüßt. Doch hätte sich vor 50 Jahre» niemand getraut zu prophezeien, daß die oamalige Murk eine Entwicklung nehmen könne, wie dies im Verlaufe des Jahres 1923 der'Fall war . * Sinsheim, 3. Jan. (Bei der durchreise ourch das besetzte Offenburger Gebiet) empfiehlt es sich, eine ausreichende Legitimation (deutscher Reisepaß mit Llchtbitd, oür- gcrmciste'aml icher Rci.eausweir oder dergleichen), mitzufüh.en, da die BiögUchkeit uesteht, daß die Besatzungsbchvrden auch den Durchgangsverkehr stichprobenweiie kontrolliert. Ei» Paßvisum ist dagegen M ote Ducchreiie oho: 'Aufenthalt nicht notwendig. Z Hoffenheim, 2. Jan. (Radi o.) Die erste Radiostation in unserm Bezirk zur Aufnahme drahtloser Uebermittelungen besitzt seit einigen Tagen Hoffenheim. Zwei fortschrittliche junge Leute, Telegraphenarbeiter Merkte und L. Hanert haben sie sich selbst eingerichtet. Sie funktioniert ausgezeichnet, jedoch sind in Deutschland bis jetzt zu wenig Sendstationen vorhanden, wie sich das Radiowesen in Deutschland überhaupt erst auszubaucn beginnt. In Kürze werden Stuttgart und Frankfurt Sendstationen haben, die Uebermittlungen aller Art für Eüddeutschland übernehmen. & Eichtersheim, 2. Jan. (Ehrung.) Mit dem abgelaufenen Jahr waren 36 Jahre vergangen, seit Herr Hauptlehrer Hch. Geier seine Stellung als Lehrer in hiesiger Gemeinde bekleidet. In Anerkennung seiner segensreichen Wirksamkeit während dieser langen Zeitspanne und seiner Verdienste um Schule und Gemeindewesen wurde ihm vom Gemeinderat das Ehrenbürgerrecht verliehen. * Neckarbischofsheim, 3. Jan. (Tabakpre.js.) Der Tabak wurde um 39 Mark per Zentner oerkaujt. * Neckarbffchofthrim, 3. Jan. (Nebenbahn.) Die Direktion der Bad. Lokaieisenbahn A.-G. hat mit einigen Ausnahmen dem gesamten Personal der Strecke Neckardischofsheim-Hüfsen- hardt die Kündigung überreicht, weil es den neuen Gehallstarif nicht anerkannt hat. * Bad Rappenau, 3. Jan. (Tooesfät Ce.) Am Sonntag wurde Weichenwärter K. Feierabend zu Grabe getragen. Ueber 30 Jahre versah er als gewissenhafter Beamter seinen Dienst und war darob allseits geschätzt. Am Mittwoch wurde Privatier H. Reichardt zur letzten Ruhe gebettet. Er bekleidet: über ein Jahrzehnt das 2lmt eines Gemeinderats und brachte manche segensreiche Einrichtung mit zur Durchführung. Seine Frem- dcnpeiffion machte ihm einen guten Namen auch über das Weichbild unseres Ortes hinaus. * Bad Rappenau, 28. Dez. (Weihnachtsseier.) Am vergangenen Sonntag Abend hielt der Arbeiter-Turnerbund in den Räumen des Salinenhotets seine diesjährige Weihnachtsfeier ab. Turnerische Darbietungen der Schüler, Zöglinge und Turner die beredtes Zeugnis von der guten Schulung abtcglen, wech.etten hierauf mit theatralischen und deklamatorischen Vorführungen ad und gaben 'so dein Feste «in schönes Gepräge. Emr Gal^envenosung bildete »en Schluß oer sehr schön verlautenen Feier. — Mieskoch, 1. Jan. (Spione.! Gestern wurden von der Gendarmerie zwei Spione verhaftet, die in französischem Solde standen. Sie haben den Franzosen Nachrichten über Stimmung usw. geliefert. Einer der beioen jungen Leute foh aus Rauenberg sein. o umcrschwarzach, 1. Jan. (Ernennung.) Das Badische Stoatsministerjum hat auf Antrag des Iustizmi'nistcrs den Fabrikanten Heinrich Noll (Inhaber der Firma Fleck und Co.) in Unterjchwarzach auch für die Geschäftsjahre 1924—1926 zum Handelsrichter beim Landgericht Heidelberg ernannt. p MönchzeU, 27. Dez. (Stiftungsfest.) Am zweiren Weihnach.sjeiertag beging der hiejize katholische Kirchenchor Cäcilia sein S istungsfest. Eingeleitet wurde die Feier durch ein stimmunosvo'.les Lied des Vereins. Daran schloß sich eine ganze Reihe größerer und kleinerer Theaterstücke, Kuplets, Solooor- träge und dergleichen. Den Mittelpunkt bildete das Thcater- tück „Hubert der Wilderer . Im großen und ganzen muß die Veranstaltuna -als sehr gelungen bezeichnet werben. Die Zuhörer buben daher auch mit oem Beifall nicht gegeizt und dem Veranstalter und Leiter, Lehrer Weber, volle Anerkennung gezollt. t Ederdach. 29. Dez. (B e r j ch j e d e n»s.) Die Auffassung Bieter daß der schon zw.imal von Ausländern gesuchte ur.v oer- Nr. 1. Jahrgang 1924. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. _ Samstag, den 5. Januar 1924. folflte Deutschamerikaner Bcrgdoli oim amerikanischen Staat aufzugreifen versucht wird, ist irrig. Einzig und allein sind es amerikanische sensationslüsterne Filmgesellschaften, die m'chr aufhören, nach neuem S!off zu suchen, die Menge zu befriedigen. — Seit drei Tagen ruht oer Postautobctrieb Mütben-Edecbach völlig: die Winterhauchorte liegen in über einem Meter hohem Schnee. — Vergangene Woche traten bei einer hiesigen Familie Ver.gistllngserscheinungen auf, die auf den Genuß von Fastnachts- küchie zurückzurühren waren. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß Maschinenöl statt Speiseöhl zur Herstellung verwendet worden war ohne daß dadurch das Gebäck schlechtschmeckend gewesen wäre 1 Mssckach, 30. Dez. (Eine Londwrrtschaftsbank.) In den ersten Tauen des neuen Jahres beabsichtigt die Badische Landwirtschastsbank in Karlsruhe eine Fillaie in Mosbach zu errichten. Als Leiter derselben ist der Bankbeamter Stadler in Helmfladr auserfehen. der als Leiter di'e Filiale der LanSwttt- fchastsbank in Helmstadt in kurzer Zeit zu hoher Blüte gebracht hat. Die Filiale in Helmstadt wird künftig weitergefühn dvrä) die Ehefrau Stadlgr. t Hrschhvrn. 29. Dez. (DieBerhaftungen) im Ncckar- tal in Hirschhorn, Ncckargemünd, Neckorsteinach. Eberbach und Pleutrrsbach wurden vsrgenommen, well oie Verhafteten. in umfangreiche Pulver- und Sprengstoff-Diebstähle verwickelr sind oder in Verdacht der Beihilfe stehen. In der gleichen Angelegenheit soll and) der kommunistische Stadtrat Rimmter in Heidelberg eine Rolle spielen. — Mannheim, 1. Jan. (Schweres Auto mobil nn- atück.) Kommerzienrat Lotz, Vorstand oer Süddeutschen Diskont,,-Gesellschaft in Mannheim, befand sich vorgestern nachmittag mit seiner Gattin auf einer Autofahrt nach Stuttgart. Bei Illingen (Oberamt Maulbronn) stieß das Auto auf einem Bahnübergang mit einem daherfahrenven Pcrfonenzug zusammen uns wurde zertrümmert. Frau Lotz war sofort tot, Kommerzienrat Lotz und sein Chauffeur wurden verhältnismäßig nur leicht vbletzt und mit der Eisenbahn nach Stuttgart verbracht, wo sie ins Hospital eivgeliesert wurden Angeblich soll die Säfranke erst ocschiosfen worden sein, als >lch das Auto bereits auf den Schienen befand. = Offenbu-g, 29. Dez. (©in Verräter.) Eme gemeine Tat beging ein 19jähriger Bursche im benachbarten Ebersweier. Jnjotge Streits mit stiriem S.icfnaccc meldete er der französischen Gendarmerie in Appenweier, daß der Vater zu Hause einen Revolver ausbewahre. (Im besetzten Gebiet mußten alle Waffen abgeljefert werden.) Die Franzosen verhafteten vorauf den Mann und verurteilten ihn zu einem Monat Gefängnis uno 100 Goid- mark Geldstrafe. =- Aus dem Schwarzwa/d 28. Dez. (S ch n e e st ö r u n g e n.) Infolge de; außerordentlich heftigen Sturmes und Schn.eefalls, sowie des wiederholt eingetretenen Witterungsumfchlagcs tn den Weihnachtstagen werden aus dem ganzen Schwarzwau: große Zuqverspätungen gemeldet. Die Züge auf der Strecke von Freiburg, besonders auf der Hauptstrecke erlitten bedeutende Verspätungen. weit Weichen und Signale eingcschneit uno eingefroren' waren. Der 12 Uhr-Zug mußte von Villingen als Hi.fs- zuq eingelegt werden. Der erste Zug von Furtwangen blieb ebenfalls in Vöhrenbach stecken. Die Passagiere mußten in den Eisenbahnwagen übernachten, da o:e zur Hilfe gesandte Lokomotive auch nichts ausrichten konnte. Auäf der Kraftwaaenver- kehr nach Unterhaltingen mußte eingestellt werden. Ein Wagen blieb schon am Montag abend in Aasen, liegen und wurde gestern nach Donaueschiugen zurückgeschlepvt. Sr» Schneezug nur emen s stgefah: neu Perfruenzug «ns' gefahren. Breslau, 2. Jap. Gestern obend fuhr auf dem Bahnhof Trebnitz ein Schneezug bestehend aus einer Lokomotioe uno einem Schneepflug, auf einen festzefahrenen Personenzug auf. Der Packwagen ünd ein Personenwagen entgleiste. Ein Bahn- umcrhgltunqsarbeiter wurde getötet, zwei Zuqsbeamte schwer und 2 Reisende leicht verletzt. Der Sachschaden ist erheblich. Der .Unfall ist dadurch herbeigefichri worden, daß der Lokomotivführer des Schneezuges bei unsichtigem Wetter oen oorge- fchriebenen Halteort überfuhr. Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, k. Fanuar. 2. Sonntag nach Weihnachten. 1/2IO Uhr: Gottesdienst. Missionskollekte. Dekan Eisen. 1/2II Ahr: Christenlehre. Dekan Eise». Neueste am vom 4. Januar 1924 Mitgeteilt von der Bankfirma Anleihen: 50/0 Dtsch. Reichsanlekhe . 80 Dt. Sparprämienanl. . . 200 Bankaktien: Darmstädter Bank . . 17 000 Deutsche Bank . . . 18 000 Dresdner Bank . . . 12 000 Rhein. Creditbank . . 4000 Slldd. Discontoges. . . — Industrieaktien: Adlerwerke Kleyer . . 4000 Allgm Elektr.-Ges. . . 14 750 Bad. Anilin . . . . 39 750 Chem. Griesheim . . — Daimler Motoren . . 5500 Elektr. Licht und Kraft 13 000 Fuchs Waggon . . . 3000 Heidelberger Cement . 20 000 Höchster Farben . . . 23 000 Karlsruher Maschinen . 7000 Knorr Heilbronn . . 8000 Neckaffulmer Fahrzeugw. 9000 Zellstoff Waldhof .. 13 000 Zuckerfabrik Heilbronn . 11250 „ Waghäusel 9750 Schiffahrtsaktien: Hapag. 50 000 Nordd. Lloyd .... 23000 Freioerkehrswerte: Benz Motoren ... — Germania Linoleum — Gummiwerke Neckar . 300 tliche Kurse in Milliarden Prozent. Max Meyer, Filiale Sinsheim. Hohenlohe Nährmittel 7—8000 Kaiser Otto .... 6000 Lauffeuer Cement . . 11000 Maschinenbaus. Heilbr. . 3000 Saline Ludwigshalle 13—14000 Ufa. 8000 Devisenkurse: vom 3. Jan. in Millionen Rew-Dork 1 Dollar M. 4 210 000 Holland 1 Gulden „ 1615000 Schweiz 1 Franc „ 750000 London 1 Pfund „ 18054000 Paris l Franc „ 216000 Berliner Metallmarkt: Elektrolytkupfer Mk. — Raffinadekupfer „ — Hüttenweichblei „ — Zinn, Banka „ — Hüttenrohzink „ — für 1 Kilo. Hamburger Metallmarkt: Silber p. Kilo Mk. — Gold in Barren p. Gr. — Platin per Gramm — Reichsbankdiskont 10°/» Reichsbanklombard —"/»wertb. Goldfr.Fr. 1 = — Mk. Goldzollauf. — 0. H. Goldankaufspreis 1 kg 640 D. Silberankaufspr. 400 Milld. f. Lllnstigs Kaufgeiegenhelt zu Sonderpreisen I fl f Verkauf nur gegen bar, nach auswärts gegen Besonders preiswerte Konfektion 1 i 1 • Nachnahme 1 Mengenabgabe Vorbehalten! Mein Inventur-Räumungs-Verkauf beginnt Freitag, den 11. Januar! Beachten Sie mein an diesem Tage erscheinendes Hauptinserat! E. SPEISER, SINSHEIM a. E. -“ssr*“ MW ZekMMAyWM Handelsregistereintrag. Firma 2. Doll in Sinsheim. Das Geschäft ging mit der Firma auf den Kaufmann 2ulius Doll in Einsheim über. Amtsgericht Sinsheim. Einkommensteuer für 1923. Nach der zweiten Steuernotverordnung vom 19. Dezember 1923 haben die Steuerpflichtigen, die erhöhte Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer für 1923 zu leisten hatten, nämlich diejenigen, deren Einkommen im Kalenderjahre 1922 hauptsächlich in Einkünften aus Handel, Gewerbe, Landwirtschaft, Grundvermögen oder Kapitalvermögen (mit Ausnahine festverzinslicher deutscher Wertpapiere) bestanden hat, als Abschlutzzahlnng aus die Steuerschuld für das Kalenderjahr 1923 für jede vollen tausend Mark der Fahressteuerschuld für 1922 einen Betrag non 0,40 Goldmark zu zahlen. Soweit der Feststellung des Einkommens ein Abschluß vor dem 1. Juli 1922 zugrunde liegt, beträgt die Abschlußzahlung 1,60 Goldmark für jede vollen tausend Mark der Iahressteuer- schuld für 1922. Die Zahlungen sind spätestens bis zum 10. Januar 1924 ohne besondere Aufforderung an die Kasse des Unterzeichneten Finanzamts oder an die für den Zahlungspflichtigen zuständige Eteuereinnehmerei zu leisten. Wird die Frist nicht eingehalten, so ist für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit bis zur Zahlung folgenden angefangencn halben Monat ein Zuschlag in Höhe von fünf vom Hundert des Rückstands zu zahlen. Der Zuschlag unterbleibt, wenn noch spätestens bis zum 17. Januar gezahlt wird. lieber die Zahlungspflicht der Erwerbsgesellschaften und der sonstigen der Körperschaftssteuer unterliegenden Vereinigungen erhalten diese besondere Benachrichtigungen. Sinsheim, den 2. Januar 1924. Finanzamt. Neuregelung der Sachbezüge beim Steuerabzug für 1924. Die Wertanschläge der Sachbezüge (freie Verköstigung und Wohnung) sind für die Zeit vom 1. Fanuar 1924 an folgendermaßen festgesetzt worden: a) für weibliche Hausangestellte, Lehrlinge, Lehrmädchen und sonstige gering bezahlte weibliche Arbeitskräfte auf monatlich 20 Goldmark. b) für männliche Hausangestellte, Knechte, männliche und weibliche Gewerbegehilfen und für Personen, die der Angestelltenversicherung unterliegen, auf monatlich 30 Goldmark. c) für Angestellte höherer Ordnung (z. B. Aerzte, Apotheker, Hauslehrer, Hausdamen. Geschäftsführer, Werkmeister, Gutsinspektoren) auf monatlich 45 Goldmark. Einlagebogen zum Kleben von Steuermarken können beim Finanzamt und den Steuereinnehmereien abgeholt werden. Die Steuerbücher für 1923 ünd im Lause des Monats Januar bei den obengenannten Stellen abzuliefern. Ei ns he im, den 2. Januar 1924. Finanzamt. Empfehle: Weizenmehl Spez. 0 pro Pfund 18 Pfg. Auszugsmehl „ „ 20 „ Prima Brotmehl „ „ 16 „ Weizengries „ „ 20 „ Erstklassiges Futtermehl und Kleie zum billigsten Tagespreis. Alle Sorte« Kleesamen und Kunstdünger. Albert Ledermann. Sinsheim Lager Freitagsgaffe 276. vis ä vis Dereinsbank. Telefon 49. ßicsingcrSL Braun Gesdlsctidfffur elektmlechn Jn sfalktinnt £eoa rätur Heidelberg Bergheimerstr. 11. — Telefon 978. Durch die derzeitigen Verhältnisie sehen wir uns veranlaßt, unsere Wlflelle in Sinsheim deren Vertretung Herr Adolf Lichdi übernommen hatte, mit Ende dieses Jahres zu schließen. Wir bitten unsere verehrliche Kundschaft, sich wegen ihren Angelegenheiten mit uns direkt in Verbindung zu setzen. SüllilellWe Siseonlo-KelelWalt L-K. Filiale Heidelberg. Spar- und Waisenkasse Sinsheim Fernsprecher Nr. 163 Postscheckkonto Karlsruhe Nr. 3492 üeberweisung, Scheck- und Giro-Verkehr Rentmrk-SpirMo Zinsvergütung: Bei täglicher Kündigung 4o/o „ monatlicher Kündigung 6 o/o Mädchen Suche für meine Tochter, 21 Jahre alt, welche auf einem Hofgut bedienftet war, ähnliche Stellung. Zu erfragen unter Nr. 1 beim Landboten. Monieren von Damenhüten Hutfabrik Elsa Faul Heidelberg, Sofienstr. 13. WHITE STAB UNE AHER 5 CAH UNE RE6ELMäöSiäER PAJJA&IERBAMPFER VERKEHR HAMBURG-NEV/yORK HAMBURG-CANADA (haufax) MITTELST DOPPELSCHRAUBEN- UND DREISCHRAUBENDAMPFERN D. „PITTSBURGH" . . 16322 T. D. „MANCHURIA" . . . 13639 T. D. „MONGOLIA" .... 13639 T. D. „CANOPIC". 12267 T. D. „MINNEKAHDA" . . 17221 T. Hervor ragende Einrichtung der Kajüte u, dritten Klasse. Vorzügliche Verpflegung. Kostentose Auskunft und Prospekte durch die Passage-Abteilung der WHITE STAR LINE - AMERICAN LINE HAMBURG, Alsterdamm 39 oder deren Vertreter: Hermann Rettig & Co., Heidelberg Bureau Hauptstraße 77 (im Hotel Wagner). Telegramm-Adresse: Ponte. Telephon 2205. ln Sinsheim a. Eis.: Neben dem Rathaus. Abraham Seligmann Neben dem Rathaus. Versteigerung. Montag, 7. Fanuar, vorm. 10 Uhr versteigere ich: 1 neunjühr. Braunwallach, 1 Personenschlttten, 1 zweisp. Ehaisengeschirr, 2 schwere Sielengefchirre, Kummet, Füget und oersch. andere Sachen. Rudolf Landes, Micheifeld. Neujahrswunsch! Solider Angestellter in guter Stellg., 25 3., schlanke Fig., Kunst- u. Naturfr. m. edl. Chor. o. Lande (Nähe Heidelbg.-Mannh.) wünscht mit lb. Mädch. m. gleich. Eigensch. a. liebst, v. Lande a. gut. Fam., gemütv. heit. Wesen, flott. Ersch. mit gut. Umgangsform., das auch an einem viell. spät, zu führ, solid, eig. Geschäft Lust hätte, zw. spät. Heirat in Verbindg. zu tr. Gefäll. umgeh, nur ernstgem. Zuschr. mit Bild unt. Angabe o. Alt., Relig. u. sonst. Verhältn. unt. Nr. 2 an den Landboten erbeten. Bestbewährte Raucher- Apparate (besondere Bauart) fabrizieren billigst Scbwetikigen (Friedrichstraße 40) Fernsprecher 43 Wiederverkäufer unter günstigen Bedingungen gesucht Rechnungsformulare empfiehlt 6. Bedter’fche Budidrudterei. Echriftleitun«: H. Becker- Druck und Verlag: <8, Beckersche Buchdruckerei in Sinsheim.