Erscheint Montag. Mittwoch, Freitag. Bezugs-Preis: K«ch die Post bezogen und durch de» Briefträger ». unsere Auotiuger frei in» Hau» «nnatlich iSoldntark 1.SS freibleibend. Der Dezugoprei» ist im Voraus za entrichten. In Fällen von höherer Tewoli de. Sebt bei» Anspruch auf Lieferung der Peilung »der auf Rückzahlung de» Bezugspreise». lvefchiftszeit >/s8 —5 Uhr, Sonntag» geschloffen. Sarnfprrchanschl rß Nr. u. Postscheck-jkom» Karlsruhe Nr. 9908. andvot e •mrnmet ©rgrimöa 18 3 9 General-Anzeiger für das Elsenz- und Schwarzbachtal Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Laupt-Anzeigen-Blatt. Wöchentliche Beilagen: Mode «. Heim » Der Kobold * Neue Illustrierte Arrzeigen-Pretse: Anzeige»! Die rungsbjldung zu überlassen; ebenso entschieden steht er heute auf dem Standpunkt, daß aus außrnpolitffchrn Gründen Deutschland keinem nationalistischen Experiment ausgesetzt werden dürfe. Darum habe die gegenwärtige Regierung bei jedem Wahlergebnis im Amte zu bleiben und nötigenfalls den Reichstag sofort wieder aufzulösen, dann aber sich mit vollkommen 2 ) Des Herzens Gebot. Original-Novelle von Fr. Lehne. Nachdruck verboten. „Ah, da sind Sie ja, Fräulein Dagmar! Bor einer halben Stunde schon hatte ich den Kakao gebrüht. Lina meinte, Ihnen sei nicht wohl, weil Sie keinen Appettt hätten." Etwas besorgt blickte die rundliche Pfarrerin in das Gesicht ihres jungen Gastes. „Dann hat Lina eben falsch gemeint, mir ist ganz wohl!" lächelte Dagmar liebenswürdig. Trotz ihrer Launen und Ansprüche hatte sie sich doch die Herzen der Pfarrersleute gewonnen. Wenn sie wollte, konnte sie unwiderstehlich sein. . „Na, das ist ja gut! Da fällt mir ein Stein vom Herzen! Gehen Sie nur immer in den Garten; mein Mann sitzt schon dort in der Laube bei seinem Kaffee. Bis jetzt hat er auf Sk gewartet! Sie wissen doch, ohne Sie schmeckt es ihm gar nicht mehr — Wd) ja, der Briefträger hat auch außer der Zeitung noch etwas für Sie gebracht! — Ich komme gleich nach, will nur schnell stischen Kakao für Sie aufbrühen." Änd wichtig trippelte di« freundliche Frau davon. Dagmar schlenderte über den Hof nach dem ziemlich großen Garten, der in seiner Anlage ein wahres Kunstwerk zu nennen war. Jeder Platz war ausgenutzt, und das Gemüse und das Obst aus dem Pfarrgarten waren berühmt. Als der Pfarrer seinen jungen Gast kommen sah, regte er die Zeitung aus der Hand und erhob sich. Mit herzlichen Worten begrüßte er Dagmar, die in dem bequemen Korb- stuhl Platz nahm, der vor ihrem Gedeck ftano. Die Sonnenstrahlen drängten sich durch das üppige Blattwerk des wilden Weins uno leuchteten in grüngoldigem Schimmer auf den mit einem blütenweißen Tuch gedeckten Tisch, in deflrn Mitte sich ein großer Rosenstrauch neben frischgr- backene« goldgelben Waffeln befand. Es war so einladend, so ttaulich, daß Dagmar wider Wille« davon eingenommen wurde. Sie wechfelte einige liebenswürdige Worte mit dem Pfarrer und griff dann nach den für sie gekommenen Postsachen. Es waren mehrere Ansichtskarten und Briefe von Freurwinnen und Bekannten, die begeistert von ihrem Amüsement aus verschiedenen Modebädern schrieben und sie ein wenig mit ihrer diesjährigen Sommerfrische neckten, in der es sicher bedenklich noch Kuhstall röche und so weiter. Bor Dagmars geistiges Auge trat die ganze lebensfrohe Gesellschaft, die ihr im Grunde eigentlich herzlich gleichgültig war — und ohne die sie doch nicht leben konnte. „Nun, Fräulein Dagmar, haben Sie gute Nachrichten erhalten", fragte Pfarrer Wagner, „haben die Eltern auch geschrieben? Sie erwarteten doch schon gestern einen Brief —“ „Ja, Herr Pfarrer, man hat große Sehnsucht nach mir" — sic spielte mit dem silbernen Kaffeelöffel und ließ ihn auf ihrem Zeigefinger balanzieren —, „ich muß deshalb an die Heimreffe denken." * „O nein, Fräulein Dagmar! Das liegt doch noch in weitem Felde! Bon den ausgemachten acht Wochen sind ja kaum fünf verstrichen!" „Wenn auch, Herr Pfarrer! Ich habe Sehnsucht nach meinen Eltern bekommen: Mama schreibt eben, daß sie nächste Woche schon nach Ostende reise. Papa bleibt nur wenige Tage dort weil er nach England will. Da ich ihn nun vor Antritt seiner Reffe gern noch sehen möchte, muß ich doch wohl daran denken, übermorgen zu fahren — so leid es mir tut, von hier fortzugehen." Ein lebhaftes Bedauern zeigte sich auf dem gütigen und sympathffchen Gesicht des Pfarrers. „Ach Fräulein Dagmar, das kann doch Ihr Ernst nicht fein. „Hör mal Muttchen", rief er seiner eben einttetenden Gattin entgegen, die auf einem Tablett das übliche Nachmittags- gettänk Dagmars vor sich hertrug, „hör mal Mütterchen, Fräulein Dagmar will uns übermorgen verlassen." „Ach nein!" Förmlich erschrocken setzte die Angecedete das Tablett nieder. „Wie kommt denn das so plötzlich?" „Ich sagte schon zum Herrn Pfarrer, daß ich die Eltern gern sehen möchte, ehe sie ihre Reise antreten, auch sie haben Sehnsucht nach mir. Ueberdies kann ich doch Ihre Gastfreunö- schaft nicht noch länger in Anspruch nehmen." „Ach, es gefällt Ihnen nicht mehr bei uns", klagte die Pfarrerin. Begütigend faßte Dagmar nach ihrer Hand. Im Gegenteil zu gut! Ich fürchte sogar, wenn ich noch länger bleibe, werde ich so dick sein, daß man mich kaum wiedererkennen wird. Mir passen meine Kleider gar nicht mehr — es ist beängstigend. Sie mästen mich ja förmlich und leider schmeckt cs mir auch so gut — viel besser als selbst zu Hause." „Freuen Sie sich darüber! Immer tüchtig essen und ttinken das hält Leib und Seele zusammen." Mit stolzem Blick, oer deutlich ihre Genugtuung verriet, blickte Frau Pfarrer Wagner auf das vor ihr sitzende Mäochen; „Wie wohl Sie aussehen! Gott behüte Sie! Wenn ich daran denke, wie blaß und spitz Sie waren, als Sie herkamen — und jetzt — wie das Leben wie Schneewittchen, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz. —" „Und das Hab ich Ihnen zu verdanken, liebe Frau Pfarrer! entgegnete Dagmar herzlich, „die Eltern werden sehr überrascht sein, wenn sie mich lehen." „Von Abreisen wird jetzt nicht mehr gesprochen, wenn Sie mich nicht ernstlich bsse machen wollen!" erklärte Frau Wagner in bcsttmmtem Tone, „trinken Sie erst mal Ihren Kakao und machen Sie dann Ihren Spaziergang!" Sie goß das würzige Getränk in Dagmars Tasse und reichte dem jungen Mädchen den Zucker und die frischen Kuchen. Dagmar ließ es ruhig zu, daß die Pfarrerin sie broiente. Es schmeckte ihr sehr gut. Der Kakao war mit Ei abgequirlt und die Waffeln waren heute besonders gut geraten. Doch trotz allen Zuredens beharrte Dagmar auf ihrem Vorsatz, abzureisen. Die Langweile war zu drückend geworoen, um so mehr da sie sich gar nicht beschäftigte. Und nur auf oie besten ältlichen Leute angewiesen zu sein, ging ihr allmählich auf di« Nerven. Nr. 32. Jahrgang 1924. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Mittwoch, den 14. Mai 1924. Klaren Lösungen an die Spitze des Wahlkampfes zu stellen. Abgesehen hiervonn fordert der badische Unterrichtsminister bi« unverzügliche Inangriffnahme dreier innenpolitischer Aufgaben. Deren erste ist ihm die gründliche Reform des Listenwahlrrästs, -os er einer scharfen Kritik unterzieht. Die zweite Aufgabe erblickt er in der Stabilisierung der großen Koalition, die ihm nicht bloß eine vorübergehende taktische Notwendigkeit bedeutet, sondern die er aus sehr lange Zeit hin für das grunjd- sötzlich allein mögliche Fundament einerPolittk des Wieder aufbaues hält, weil in ihr die drei großen Grundkräfte deutscher Kultur und Geschichte, nämlich Christentum, Liberalismus und Sozialismus als Elemente vertreten sind. Er verschließt sich dabei nicht der Schwäche des liberalen Elements, das die Kräfte der wirtschaftlichen und geistigen Selbstbestimmung am reinsten darstellt, und fordert zu seiner Stärkung die Bereinigung der deutschen demokratischen Partei mit der deutschen Bolkspattej Die nötigen Reinigungsprozesse, die einer solchen Bereinigung bisher im Wege gestanden hätten, feien jetzt vollzogen. Auf der Basis einer unangreifbar stark gewordenen großen Koa- litton sieht Dr. Hellpach die Möglichkeit einer Entfaltung deutscher Staatskunst, die die Erfüllung der politischen Vermächtnisse des Freiherrn vom Stein bedeutet. ■er Br Ste- Baden. Kundgebung der Deutschen demokratischen Partei. pc Karlsruhe, 12. Mai. Der Geschäftsführende Ausschuß der Deutschen Demokratischen Partei in Baden hat in seiner Sitzung vom 10. Mai folgende Kundgebung beschlossen: An die Anhänger und Freunde der Deutschen Demokratischen Partei! Das Ergebnis der Reichstagswahl vom 4. Mai 1924 ist für die Deutsche Demokratische Partei in Baden weit günstiger als ihre politischen Gegner und selbst die übrigen Parteien der badischen Regierungskoalition vorausgesagt haben. Die Partei hat alle Anstürme von rechts und links abgcwehrt und ihre Stimmenzahl von 1921 im Ganzen behauptet. Vielerorts ist es gelungen die Stjmmcnziffern zum Teil beträchtlich zu er höhen. Die Deutsche Demokratische Partei verdankt dieses gute Ergebnis der politischen Einsicht der badischen Bevölkerung. Sie verdankt es aber auch der hingebenden und opferwilligen Mitarbeit zahlreicher Parteifreunde in Stadt und Land, die sich während der Wahlbewegung als Redner oder Organisatoren in den Dienst der Partei in diesen schweren Tagen Treue hielten herzlichsten Dank aus. Dieser Dank gilt auch allen Wahlhelfern im Lande und gilt nicht zuletzt der demokratischen Presse, die sich selbstlos und uneigennützig für die Partei einsetzte. Die Deutsche Demokratische Partei wird das Vertrauen, da! ihr die Wählerschaft entgegenbrachte, nicht enttäuschen. Ihre beiden badischen Abgeordneten Dietrich und Haas werden, wie bisher, so auch künftig in Gemeinschaft mit den übrigen Mitgliedern der deutsch-demokratischen Reichstagssraktion für eine Politik des nationalen Wiederaufbaues' und des sozialen Aus gleichs ejntreten. Der Geschäftsführende Ausschuß der Deutschen Demokratischen Partei in Baden. Hummel Dietrich W. Frey 1. Bors. 2. Bors. 3. Bors. Aus Nah und Fern. \> Sinsheim, 12. Mai. („P uppenliese l".) Am Sonntag Abend finoet im Löwensaal eine Wohltätigkeitsvorstellung zugunsten des Frauenvereins statt. Hugo Zuschneid, dessen zweiaktiges Singsspiel „Puppenliesel" zur Aufführung gelangt, hat sich durch eine Reihe von Kompositionen bereits einen ge geachteten Namen gemacht. Außer „Puppenliesel", „Schneewittchen", „Christkind in der Spinnstube" und seinem neuesten hochpoetischen Märchenspiel „Froschkönig" wurde er durch zahlreiche frjsch-fröhliche Lieder- und Marschkompositionen bekannt, die alle das Gepräge origineller Erfindung und reicher must kalischer Empfindung tragen und von berufener Seite wiederholt glänzend beurteilt wurden. „Puppenliesel" stellt einen überaus anmutigen Zweiakter dar, der überall einen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen hatte. Am Lanoestheater in Baden-Baden wurde er nicht weniger als fünfmal vor aus- velkauftem Hause gegeben. Ein sonniger Humor liegt über ihm ausgebreitct, ohne doch den ernsten Grundton völlig zu vermischen. Der Jugend seeligster Traum zieht herauf. Darin liegt der Reiz, der das Singspiel für Jung und Alt gleichwertig erscheinen läßt. Der Dialog wird von Gesangseinlagen und hübschen Reigen durchzogen, die in ihrer Gesamtheit ein reizendes Bühnenbild abgeben. Da ist nichts Gesuchtes, das den reinen Genuß trübt; in voller Natürlichkett quellen die Melodien und sprechen daher auch so eindringlich zu Herzen. Wer .ihren Reiz kennen lernen will, der finde sich am Sonntag Abend im Löwensaal ein, wo er nicht nur an dem liebenswürdigen Werke selbst, sondern auch an den Darstellerinnen seine helle Freude haben wird. Bon etwa 20 Mädchen und Kindern mit sichtlicher Hingabe gespielt, wird „Puppenliesel" auch hier -eine begeisterte Gemeinde finden. * Sinsheim, 14.Mai. (Aushebung der kleinen Stücke der Goldanleihe als Zahlungsmittel.) In letzter Zett find Fälschungen, der als Zahlungsmittel verwendeten Stücke der Schatzanweifunzen des Deutschen Reiches von Goldmark 0.42, 1.05, 2.10, 4.20, 8.40 und 21— beobachtet worden. Es ist deshalb als angezeigt erachtet worden, die Verwendung dieser Stücke als Zahl- nngsmittel aufzuhrben. Die Kasten des Reichs sind angewiesen, die vorbezeichneten Abschnitte der Goldaaleihe nur noch bis zum 20. Mai in Zahlung zu nehmen. Vom 21. Mai ab sind auch diese kleinen Stücke lediglich Wertpapiere, die börsenmäßig gehandelt werden, also nicht an Geldes statt angenommen werden brauchen. Ledoch nehmen die Sparkasten dieselben als Spareinlagen entgegen. ** Bad Rappenau, 12. Mai. (Gewerbe- und tz and- verkervereinigung.) Am Sonntag Nachmittag fand im Gasthaus zur Krone die Bezirksversammlung der baü. Hand- wrrkervereinigungen statt. Sie war leider nur schwach besucht, ein Zeichen, daß die Handwerksmeister immer noch nicht den Wert einer starken Organstatton schätzen gelernt haben. Dies hob euch der stellvertretende Gauvorfitzende Herr Schreinermeister Parth-Sinshrim, der den Borsitz führte, in seinen einleitenden Sorten mit Bedauern hervor. Nun referierte Herr Generalsekretär Martin-Heidelberg über den Landesverband und dessen soziale Einrichtungen, sowie seinen Arbeiten im Interesse des Handwerks und richtete einen warmen Apell an die Handwerksmeister, sich der Organisation anzuschließen, durch die einzig u»d allein ihre Interefirn wirksam vertreten werden können, -hierauf sprach Herr Direktor Sommer-Karlsruhe, über die Mrstchastsffagen im bad. Handwerk. Aus seinen Ausführungen lernte man die segensreiche Arbeit der Landeswirstchastsstelle für , das bad. Handwerk kennen. Sie hat sich insbesondere zur Aus " gäbe gemacht, das Handwerk mit Rohstoffen, sowie Arbeit zu versorgen und ist bestrebt Mittel und Wege zu finden, daß di im Lande benötigten staatlichen Arbeiten auch im Lande herge- stcllt werden. Auch die Beschaffung von Bankkrediten, sowie günstigste Geschäftskredite werden angestrebt, um dem schiver darniederliegenöen Handwerk wieder auf die Beine zu helfen. Mit der Mahnung zur Einigkeit im Handwerk schloß der Redner seinen interessanten Borttag, an den sich noch eine lebhafte Aussprache anschloß. ssi. Schlüchtern, 12, Mai. (Goldene Hochzeit.) Am Sonntag feierten die Eheleute Ferdinand Fränznick das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist Veteran von 1870/71. Vom früheren Großherzog. vom Etaatsministerium und vom Erzbischof sind Glückwunschschreiben mit Geschenken eingetroffen. = Wiesloch, 11. Mai. (Uebernahme von Gebäu- d e n.) Nach Gemeinderatsbefchluß zahlt die Gemeindekasse der Eicdlungsgescllschast „Badische Pfalz" 1200 Goldmark und wird dadurch zur alleinigen Besitzerin eines neu erstellten Gemeindehauses, von dem sie bisher nur Miteigentümer war. Ferner übernimmt die Gemeindekasse ein Drittel der Kosten für Erholungskuren vo« 10 bedürftigen Kindern, die sich zurzeit im Schwarzwald befinden. () Heidelberg, 12. Mai. (Gasthofnot und Schloßbeleuchtung.) Bei der ersten Schloßbeleuchtung hat sich wieder einmal die Gasthofnot in deutlichster Weise gezeigt. Obwohl neben den Gasthofquartieren zahlreiche Privatzimmer zur Verfügung gestellt waren, reichten die Uebernachtungsgele genheiten bei weitem nicht aus, und so mußten Hunderte von Leuten wieder abreisen, die gerne einige Tage hier geblieben wären. — Ein Lebensmüder. Am Samstag abend wurde im Stadtwald zwischen Blockhaus und Königstuhl von einem Spaziergänger im Gehölz die Leiche eines hier zugereisten jungen Mannes aufgesunden. .Nach den Feststellungen hat sich der junge Mann infolge Krankheit das Leben genommen. -- Plankstadt, 13. Mai. (Ein aufregender Unfall) ereignete sich gestern abend in der Heidelbergerstraße. Ein Auto kam in ziemlich scharfem Tempo angefahren, als plötzlich der 6 Jahre alte Hans Klein, der sich mit Reifenspiclcn vergnügte aus einer Seitenstraße direkt in das fahrende Auto lief. Der Eisenreifen zertrümmerte die Lampe des Kraftwagens. Der Führer vermochte das Auto nicht mehr zu halten. Das Kind geriet unter die Räder und wurde etwa 10 Meter weit mitgeschleift. Die Polizei leistete die erste Hilfe. Der sofort her- beiqcholte Arzt stellte innere Verletzungen fest, an denen das Kind heute früh gestorben ist. x Mannheim, 13. Mai. (Um seine Frau zu töten) feuerte in der Nacht zum Sonntag ein 24 jähriger Steindruckrr auf seine im tzos einer Wirtschaft beschäftigte Ehefrau einen Revolverschuß ab, ohne zu treffen. Der Täter wurde verhaftet. — Am Sonntag vormittag wurde auf der Schwetzinger Landstraße ein 30 jähriger Kaufmann aus Karlsruhe mit seinem Motorrad von einem ihn überholenden Personenkraftwagen an- gesahren und zur Seite geschleudert. Der Motorradfahrer erlitt schwere Verletzungen. Das mit 6 Personen besetzte Auto fuhr davon. — In den letzten beiden Tagen hat die Polizei 48 Personen wegen verschiedener strafbaren Handlungen verhaftet, darunter einen Schlosser wegen Raubversuchs. = Mannheim, 13. Mai. (Nächtliche r U e b e r f a l l.) In der Nacht zum Sonntag versuchte ein in der Pflügergrund- straßc wohnender lediger Schlosser bei G 6 einen aus Bingerbrück stammenden und vorübergehend sich hier aufhaltenden Maschinenbauer zu berauben, indem er ihn überfiel und an die Wand drückte und versuchte, dem Ueberfallenen sein/Gcldtasche zu stehlen. Der Täter konnte von einer Polizeipatcouille fest- genommen und verhaftet werden. = Mannheim, 12. Mai. (4 8 Verhaftungen.) In den letzten beiden Togen wurden 48 Personen wegen verschiedener strafbarer Handlungen festgenommeir, darunter 2 Taglöhner wegen Einbruchsdiebstähle, ein Schlosser wegen Raubversuchs, ein Steindrucker wegen Mordversuchs und ein Taglöhner wegen Sittlichkeitsverbrechens. — Ludwigshafen, 10. Mai. (Ein schweres Autoinob- bilunglück.) ereignete sich gestern abend bei Kalchenbach in der Pfalz. Ein Lastauto eines Zweibrücker Kolonialwarenhändlers stürzte in den Kalchenbacher Weiher, wobei der Besitzer des Autos und sein Chauffeur ertranken. Ludwigshafen, 11. Mai. (Kampf mit einem Räu- b e r.) Am 9. Mai, nachmittags zwischen 7 und 8 Uhr wurde auf dem Postplatz im nördlichen Stadtteil von der Polizei der langgesuchte Räuber Friedrich Dryzinski festgenommen. Dyrzinski hat mit einem Komplizen kurz nach Weihnachten 1923 unter Vorhalten einer Schußwaffe dem Lagerhalter im Konsumvereinsladen (Goethestraße) 600 Goldmark geraubt. Sein Gesicht hatte er mit einer Maske bedeckt. Seiner Festnahme setzte er den heftigsten Widerstand entgegen. □ Lingenfeld, 13. Mai. (Erkrankt.) Letzten Samstag nachmittag hat sich die 43 Jahre alle Frau Lutz infolge geistiger Umnachtung im Alrrhein ertränkt. Die Leiche blieb an einem Weinstock hängen und konnte gleich geiändet werden. Frau Lutz hinterläßt vier Kinder. Schopfheim, 13. Mai. (Der Eichener Sec) ist wieder aufgetreten. Die Landwirte betrachten das Auftreten des Eichener Sees zu dieser Zeit als ein gutes Zeichen, da feinem Erscheinen immer eine niederschlagsreiche Periode vorausgehe. t Billingen, 10. Mai. (Münz enfund.) In der Nähe der hiesigen Kaserne wurde dieser Tage eine römische Bronze- münze des Kaisers Marc Aurel, die im Jahre 145 bis 146 nach Christi geprägt wurde, in einem Garten gefunden. Es ist dies in kurzer Zeit der zweite römische Münzenfund, der hier gemacht wurde. Es verstärkt sich die Vermutung, daß das Gebiet westlich der Stadt schon von den Römern vielleicht durch einen Gutshof besiedelt war, oder daß durch dasselbe ein rö- mstcher Weg führte. j t Säckingen. 12. Mai. (Verunglückt.) Gestern abend verunglückte bei einer Bootsfahrt im Rhein uMerhalb Rhein- felden der 23jährige Pharmazeut Werner Rosenberg. Er war mit einem Faltboot rheinabwärts gerudert. Unterwegs ttaf ihn ein Herzschlag, wodurch das Boot kenterte. Während er in den Fluten versank, konnte sich sein Kollege mit großer Müh» ans Ufer reiten. Radolfzell, 12. Mai. (Tüchtig hereingelegt) wurden ein Landwirt auf einem Hofe bei Emmingen a. ü. Egg. Er hatte 500 Schweizer Franken und einen Posten rotgestempelter alter Tausendmarkscheine einem gewissen Otto Dreher von hier gegeben, damit dieser das Geld nach der Schweiz chmuggle. Dreher verständigte seine Kumpane von dem beabsichtigten Schmuggel und als dieser nächtlicherweise ausgeführt wurde, ttaten die Helfershelfer des Dreher als Grenzaufseher aus dem Wald und „beschlagnahmten" das Geld. Nachdem sie den Raub in Alkohol umgesetzt hatten, erschien die Polizei und verhaftete den Dreher. = Konstanz, 11. Mai. (Lebensmüde.) Zwei junge Leute von hier wollten sich durch Ueberfahrenlassen das Leben nehmen. Nachdem sie zweimal von Passanten in ihrem Vorhaben gestört worden waren, warteten sie im nahen Gebüsch eine passende Gelegenheit ab, um sich unter den herannahenoen Zug zu werfen. Die beiden wurden vom Zuge erfaßt und zur Seite geschleudert, wobei sie nur unbedeutende Verletzungen am Kopf davontrugen. t Vom Bodensee, 10. Mai. (Maikäferschwarm.) Bon einem erschreckenden Uederhandnehmen der Maikäfer in diesem Jahre wird aus der ganzen obstreichen Gegend des Bodensees berichtet. Ein Landwirt von Heminghofen hat in zwei Tagen von seinen Bäumen 200 Liter Maikäfer gesammelt. t Bingen, 12. Mai. (Aufdeckung eines Verbrechens nach zehn Jahren.) Bei der Vornahme einer Reparatur in 'einem Hause in Bingen stieß ein Maurer auf ein« hohle Wand. Er konnte sich den Zweck dieser Wand nicht erklären und nahm einige Steine heraus. Dabei machte er eine grauenhafte Entdeckung. Aufrecht stehend fand er hinter der Wand die eingemauerte Leiche eines Mädchens. An den blonden Haaren und den Gesichtszügen konnte man in der Leiche das vor zehn Jahren in Bingen verschwundene Menstmädchen Christine Bogt aus Langenlensheim identifizieren. Der Mörder, der die Leiche einmauerte, soll nach Amerika ausgewandert sein. Als Mittäter soll ein Ingenieur in Frage kommen. Die großen Hornbrillen, die dem Träger etwas Eulen- ortiges verleihen, sind bei der Männerwelt sehr beliebt. Daß aber auch Damen solche Brillen zur Verschönerung tragen, dürste eine Neuerung oer Mooe sein, die immerhin aus Originalität Anspruch hat. Wie Londoner Blätter berichten, werden jetzt in den eleganten Geschäften Augengläser feilgeboten, deren Bänder in den verschiedensten Farben hergestellt werden müssen. Die elegante Frau trägt eine Brille oder Lorgnon, deren Fassung mit der Farbe ihres Kleides harmoniert. Diese merkwürdigen Berschönerungsutensilien, die den Namen Jazz-Brillen erhalten haben, finden viel Anklang. Damen, die die besten Augen von der Welt haben, lassen sich solche Brillen aus Fensterglas anfertigen, da es ihnen allein auf Sie paffende Farbe der Ränder ankommt. Turnen, Sport und Spiel. Faustball. Weiler, 12. Mai. Am letzten Sonntag trafen sich die Mannschaften der Turnvereine Sinsheim, Ittlingen, Meckesheim, Dühren und Weiler zum Gaumeisterschaftsspiel des Neckar- Elsenz-Gaues. In den Meisterklassen: Weiler 51, Dühren 71. In der A-Klasse: Weiler 63, Dühren 84. — Weiler 61, Meckesheim 80. — Weiler 70, Sinsheim 74. — Sinsheim 57, Dühren 62. — Weiler 62, Ittljngen 70. Somit wäre Weiler in der A-Klaste im oberen Bezirk Mestter. In der Meister-Klasse stehen sich Sinsheim und Weiler noch unentschieden und haben noch um die Entscheidung der Bezirksmeisterschaft zu spielen. Marktberichte. Sinsheim, 13. Mai. Dem Schweinemarkt waren zugeführt: 55 Milchschweine von Mk. 30—40, 12 Läufer von Mark 60 bis 70. > Preise des Mannheimer Schlachtoiehmarkls vom 12. Mai 1924. Für den Schlachtoiehmarkt am Montag betrug der Auftrieb: 150 Ochsen, 128 Bullen, 607 Kühe und Rinder, 603 Kälber, 91 Schafe, 1302 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Goldmark: Ochsen 1. Kl. 48—52, 2. Kl. 42—46 3. Kl. 34—38, 4. Kl. 26—32; Bullen 1. Kl. 38-42, 2. Kl. 36—38, 3. Kl. 32—34; Kühe und Rinder 1. Kl. 50 -54, 2. Kl. 42—48, 3. Kl. 34-38, 4. Kl. 26-34, 5. Kl. 16-24, Kälber b 54-58, c 50 bis 54, d 44—48, e 40- 44; Schafe a 26—30, b 24—28 c 24—26, e 20-24, Schweine a und b 56—58, c 58—60, d 55—56, e 54 bis 55, Sauen 50—52. — Marktverlauf: Mit Großvieh mhig, Ueberstand; mit Kälbern ruhig, langsam geräumt; mit Schafen ruhig, nicht ausverkauft: mit Schweinen ruhig, Ueberstand. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 12. Mai 1924. DU Preise verstehen sich per Ivo kg alles in Goldmark zahlbar in Woldanleihe oder Rentenmark. Weizen, inländischer —.-18,25 Weizen, ausländisch. 19,50—21,50 Roggen, inländischer —,-15,50 Gerste, inländische 18,00—18,50 Gerste, ausländische — afer, inländischer 14,75—15,25 , afer, ausländischer — Weizenmehl Sp. 0 26,00—28,25 Roggenmehl . . 21,00—24,00 Tendenz: ruhig. Mais (mit Sack) Weizenkleie . Biettreber . . Roh-Melaffe . Wiesenheu . . Luzernekleeheu Preßstroh . . Gebundenes Stroh Raps .... 19,25—19,50 10,00—10,25 —10,75 . 7,00-8.00 . 8.50-9.50 . 4,50-5,00 . 3.50-4.25 Neueste amtliche Kurse vom 13. Mai 1924 mitgeteilt von der Vereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. (M hinter einem Kurs bedeutet Million, Md Milliarde, Bn Billion-Prozent.) 8,75 Anleihen: 5 »/o Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Sparprämienanicihe < Bankaktien: Bad. Bank .... Darmftädter und Rationalbank Deutsche Bank .... Deutsche Vereinsbank Dresdner Bank . '. Mitteldeutsche Eredttbank Reichsbank .... Rhein. Kreditbank . Südd. Dtsconw Wes. Brr g werku-Aktir»: B». arpener Bergbau . alt Westeregeln . . . 13,75 ManneSmannröhrenwerke . 37,75 Wansfelder Bergb. u. Hüttenw. «,„5 Oberschl. Eifenb. Bedarf. . 13,25 Phönix Bergbau u. Hüttenbetrteb 23 Salzwert Hellbraun... 40 Bereinigte Königs-!». Laurahütte 8,5 Aktie» inknstr. Unternrhmnugeu. Bn Allg. Elettr. StammaMen . 8.4 Badenta Weinheim . . 125 Bad. Anilin- und Soda . , ie >35 Bad. 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Mai, abends 8 Ahr findet im Löwensaal die jährliche Generalversammlung statt, mit folgender Tagesordnung: 1 . Rechenschaftsbericht 2. Kassenbericht 3. Auszeichnung von 7 Dienstboten 4. Wünsche und Anträge. 2. Unterhaltender Teil: Mufikvortrag von Herrn Refrendar Hennemann Theatralische Aufführung. Die Mitglieder mit Angehörigen werden hierzu sreundlichst eingeladen. Die Präfidentin: T. S i d l e r. Radio -Vortrag Am Freitag Abend um 8 Uhr findet im Löwensaal in Sinsheim ein Radio-Vortrag mit prakt. Vorführung statt. Vorverkauf der Karten bei J. Doll. Höchst wichtig für alle Landwirte! 13 bis 30 % Aufschläge sind zur Tatsache geworden. Infolge früher Abschlüsse erhalten Sie sehr günstige Preise, sehr erleichterte Zahlungsbedingungen. Wir empfehlen Dreschmaschinen Getreidem äher Grasmäher Heu wender Drillmaschinen Sdirolmiltilen Viehfutterdämpfer Obsimlihlen Obstpressen . Separatoren Butter- u. Waschmaschinen Kreissägen Jauchepumpen und sämtliche landwirtschaftliche Maschinen. 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