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Hierauf ergriff der Ministerpräsident das Wort zur Regierungserklämng. In der Botschaft des Präsidenten der Republik heißt es u. a.: Der Präsident erbittet zunächst die Unterstützung der be.den Kammern für die Erfüllung seiner schweren Pflichten uno fährt dann mit folgenden bezeichnenden Sätzen fort: „Angesichts Ihrer Furcht um die Berfaffung, deren Hüter ich fein soll, erkläre ich, daß ich stets in der Rolle bleibe, die sie mir vorschrcibt. Diese Rolle verlangt, daß ich über den Parteien stehe, um, so oft es die Umstände erfordern, ein unparteiischer und unanfechtbarer Schiedsrichter zu fein. Rur so werde ich den vereinigten Interessen Frankreichs und der Republik nützliche Dienste leisten Könen, welche beide in meinem Herzen durch meine heiße Liebe vereinigt find." 3n außenpolitischer Hinficht enthält die Botschaft die folgenden programmatischen Erklärungen: „Zahlreiche Probleme stellen sich in diesem Augenblich dem Lande und dem Parlament dar. Sie werden leicht zu lösen sein, wenn man überall in der Welt endlich die reine Atmosphäre des Friedens atmen könnte. Wenn das nicht der Fall ist, so ist das nicht die Schuld Frankreichs. Unser Land kennt keinen gefährlichen Ehrgeiz. Es strebt nur.danach, die Zahlung der Reparationen zu erwirken, die ihm freilich versprochen worden sind und Bürgschaften für seine Sicherheit zu erhalten, welche nicht illusorisch sind. In dem - Gutachten der Sachverständigen dem wir, um unfern versöhnlichen Geist zu zeigen, mit Beflissenheit beigetreten sind, scheint die Frage der Reparationen sich einer bevorstehenden Lösung zu nähern. Immerhin wird es dazu notwendig fein, daß der Schuldner den Beweis eines ebenso guten Willens und ebensolcher Gutgläubigkeit liefert, wie der Gläubiger, und daß dieser Beweis durch präzise Taten erbracht wird und nicht durch einfache Verpflichtungen, ohne Sicherheit für das Morgen. Aber der versöhnliche Geist Frankreichs, so aufrichtig er ist, kann keinesfalls so weit gehen, unsere Wachsamkeit einzuschläfern und die Lehren der Vergangenheit vergessen zu lasten. Frankreich könnte ebensowenig auf seine eigene Kraft verzichten, wie auf die Kontrolle, die der Vertrag über die Besiegten auszuüben berechtigt ist, falls dieser die Revanche vorzubereiten scheint, anstatt die von ihm Unterzeichneten Versprechungen einzuhalten." Die Botschaft schließt mit der Versicherung des Präsidenten, daß er streng im Namen der Berfaffung alle seine Kräfte dem Lande Frankreich, der Republik und der Demokratie zur Verfügung stellen werde. Die Regierungserklärung Herriots. Im Anschluß daran verlas Ministerpräsident Herriot in der Kammer die Regierungserklärung, welche folgenden Wortlaut hat: „Die Regierung, die sich Ihnen vorstellt, hat die Pflicht, den durch das allgemeine Wahlrecht am 11. Mai ausgesprochenen Willen in die Tat umzusetzen. Entsprecheich den normalen Gesetzen des Parlamentarismus wird sie für üas Wohl der eganzen Nation arbeiten, aber im Namen einer Doktrin, welche sie genau festlegen möchte. Sie wird ihr Programm klar entwickeln, selbst wenn dieses etwas lang ausfallen sollte, damtt jeder von Ihnen weiß, ob er für oder gegen die Negierung stimmen soll. Nach außen und nach innen wird die Regierung nur ein Ziel verfolge«: dem Lande m der Arbeit na» im Fortschritt den Frieden z« geden, den es so ehrlich verdient hat, den moralischen Frieden in erster Linie. Wenn wir entschlossen sind, die Gesanotschaft am Vatikan nicht aufrechtzuerhalten und die 'Gesetze über die Kongregationen anzuweichen, so geschieht das ohne jeden Gedanken der Intoleranz oder religiöser Verfolgung. Wir haben nur die Absicht, die Souveränität der republikanischen Gesetzgebung zu sichern und die notwendige Scheidung zwischen den Kammern und den polttischen Geschäften zu machen. Der gleiche Gedanke, so wie wir ihn auffassen, erscheint uns als die Rettung der Einheit und der nationalen Brüderlichkeit. Solange die persönliche Ueberzeugung die Gesetze nicht verletzen, sind wir verpflichtet, sie zu ignorieren. Die Regierungserklärung betont dann, daß die Regierung nach dem moralischen den sozialen Frieden bringen will durch eine umfassende Amnestte, von welcher nur Verräter und Deserteure ausgeschlossen sein sollen, ferner durch Vornahme einer großen Derwattungsreform und Verleihung des Gewerkschafts- rechtes an die Beamtenschaft, ferner durch Abschaffung des gegenwärtigen Wahlsystems, durch restlose Einführung der französischen Gesetzgebung in Elsaß und Lothrigen und Aufhebung des Generalkommiffars und streng« Kontrolle der Verwendung der Reparationsgelder in den zerstörten Gebieten und endlich durch die Schaffung des Achtstundentages und möglichst rasche Ratifikatton der Arbeitskonfention. Hanb in Hand damit wird eine Ausdehnung der Produktionsmöglichkeit der Ration, der Ausbau der Sozialversicherung und Einführung der sogenannten Einheitsschule gehen. Aber die Durchführung dieses Programms ist ohne strenge Ordnung in den Finanzen nicht möglich. Wir werden, fährt die Erklärung wörtlich fort, zunächst ein strenges Inventar der Lage aufftellen. Dieses Inventar muß dem ersten Budget ooruus- gehen, das die demokratische Regierung oorlegen wird. Entschlaf,en. chonungslos die Betrüger zu »erfolgen und auf der ehrlich eingeführten Einkommensteuer die Grundlage einer wirklich demokratischen Steuerverwaltung zu errichten werden wir bei der Ausstellung des nächsten Budgets in einer neuen Milderung der direkten Steuern das Mittel suchen, die durch die Konsumsteuer und speziell durch die Umsatzsteuern geschaffenen Lasten herabzusetzen. Um dem Fiskus die nötigen Einnahmen zu verschaffen, werden wir versuchen, die schwebenden Schulden dadurch herabzusetzen, daß wir jedem Gelegenheit geben, an einem geeigneten Zeitpunkt Zeichnungen sü: eine umsaffende Konsolidierungsoperation oorzunehmen. Es bleibt uns jetzt noch übrig, uns über die auswärtige Politik und Frankreichs Sicherheit zu äußern. In militärischer Hinsicht beabsichtigen wir eine Reorganisation vorzunehmen, welche die Erfahrungen und die Be- dürfniffe des Landes empfehlen. Diese Reorganisation, welche eine Herabsetzung der aktiven Militärdienstzeit einschließt, soll unter solchen Bedingungen vor sich gehen, daß Frankreich zu keinem Zeitpunkt entblößt oder geschwächt ist. Frankreich weist ausdrücklich jede Annektion oder Eroberungsgedanken von sich Was es will, ist seine Sicherheit in der Würde und Unabhängigkeit; was es will, ist Friede für sich selbst uno für die anderen Völker ebenfalls. Man muß ohne Zweifel den Satz aussprechen: unsere oenw- kratische Regierung wird mit Festigkeit Die Rechte unseres Landes verteidigen, so wie sie im Vertrag verzeichnet sind. Mir haben das Recht auf Reparationszahlungen, wir verlangen sie im Namen der Gerechtigkeit. Die neue internationale Ordnung, die wir erstreben, kann sich nicht auf einer Ungerechtigkeit -ausbauen sondern sobald Deutschland sich mit dem Friedens- Vertrag rnbezug auf Reparattonen und auf die Sichern ngs- fragen in Einklang gebracht haben wird, wird sein Eintritt in den Bölkerbund nur von ihm abhängen. Wir sind Feinde einer Isoliernngs- und Gewaltpolitik, die zu Besetzungen und territorialen Pfandergreifnagen führt. Angesichts der gegenwärtigen Zustände in Deutschland und der Notwendigkeit, nicht nur Frankreich, sonüern alle Volker gegen eine Wiederkehr des nationalistischen Pan-Germaa'smus zu schützen, halten wir es nicht für möglich, die Ruhr zu räumen, bevor die von den Sachverständigen vorgesehenen Pfänder, deren Gutachten wir ohne Hintergedanken annehmen, mit den gerechten und wirksamen Ausführungsgarantien festgesetzt und den internationalen Organismen übertragen sind, welche die Vollmacht haben, sie zu verwalten. Wir sind auch der Ansicht, daß im Interesse des Friedens eine Entwaffnung Deutschlands durch eine gemeinsame Anstrengung der Alliierten und sobald als möglich durch den Völkerbund kontrolliert werden muß. Wir werden die Sicherheitsfrage durch Garantiepakte zu lösen haben, die ihrerseits unter die Kontrolle des Völkerbundes gestellt werden. (Zuruf des Generals de St. Fust: wer wird den General Rollet drüben effetzen? Rufe von links: Sie nicht.) Wir erklären ferner, daß unsere Regierung mit allen Mitteln danach streben wird, den Völkern, denen Frankreich ein Führer sein soll, einen ehrlichen und dauernden Frieden zu geden. Mir werden nach unseren besten Kräften bei allen Völkern den demokratischen Geist ermutigen und unterstützen, besten wir selbst uns rühmen. Wir werden, was an uns liegt, dazu beitragen, den Bölkerbund zu stärken, sowie alle internationalen Einrichtungen die der Aufklärung, der Annäherung und dem Frieden dienen, wir werden eine Politik gerechter Handelsverträge treiben, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, werden wir vor allem die Bande festigen, die uns mit unseren Verbündeten und Freunden verknüpfen. Wir werden danach trachten, ihre Intereffen und Bedürfnjsie zu verstehen, wie wir auch von ihnen Verständnis für uns verlangen werden. Wir werden ihnen Friedenswille ,,nd die Loyalität Frankreichs so unzweifelhaft beweisen, daß sie mit uns ein Einvernehmen herbeiführen werden, um die im Gutachten der Sachverständigen vorgesehenen Bürgschaften der Sicherheit zu gewährleisten. Um Frieden zu stiften, werden wir noch mehr tun. Frankreich kennt den Haß nicht. Es genügt ihm, seine Stütze in der Gerechtigkeit zu finden. Unsere Regierung vermöchte keinerlei Schwäch« zugunsten jener Leute m Drntschland zu haben, dje noch nicht darauf verzichteten, die Verträge zu verstümmeln und den Geist der Revanche und den Gedanken an die Wiederherstellung der Monarchie, zu nähren. Die Regierung hat vielmehr den Wunsch, die deuffche Demokratie zu festigen. Die Regierung ist schon jetzt zu wohlwollenden Maßnahmen bereit. Die von den Behörden der besetzten Gebiete bewilligten vorläufigen Strasaussetzungra werde» in definitiv« Begnadig. '• ungen verwandelt. Die Amnestie findet Anwendung auf die wegen politische: Vergehen Verurteilten mit Ausnahme derjenigen, die wegen Verübung von Anschlägen auf die Sicherheit unserer Truppen verfolgt werden. Die Ausweisungen der Subalternbcamten, die nur den gegebenen Weisungen gehorcht haben, werden zurückgc- nnmmen; einzelne schwere Fälle werden besonders geprüft werden. Dise Beschlüffe werde» drffer als Worte unsere Absicht zeigen. Wenn die deuffche Regierung ihreffeits di« nötigen Arbeiten beschleunigt, um das Sachverständigen-Gutachten zur Anwendung zu bringen, dann werde die Regierung der Repnbllk den Bemühungen» eines Deuffchland zu antworten wiffr.i, des mit Entschiedenheit den Weg der Demokratie und des Friedens betrifft. , Tragische Ereignisse, Berschiedenartigkeit der Grundlehren die uns von der Moskauer Regierung trennen lasten uns vergessen, daß das russische Volk lange aus gemeinsamen Schlachtfeldern mit uns geblutet hat. Schon in diesem Augenblick bereiten wir die Aufnahme normaler Beziehungen mit Rußland vor. Bevor wir einer formellen Erklärung zustimmen, die die französischen Interessen berücksichtigen muß, müssen wir einige Vorsichtsmaßregeln treffen und gewisse Informationen einhvlen, die wir zu beschaffen im Begriffe sichen. Herriot schließt: „Das, meine Herren, ist das Programm unserer Regierung. Schon vom ersten Tage an zeigen wir Ihnen Taten. Wir hasten klar mit Ihnen gesprochen. Wenn Sie uns bestimmen, werden wir auf unserem Wege geradeaus gehen. Um so gefährliche Aufgaben zu lösen, wie die neue Zeit sie stell», gibt es keine bessere Handlungsweise, als die Redlichkeit. Die einzige Art der Demokratie und der eines Land'- wie Frankreich würdigen Politik ist die, welche ihre Methoden offen auf die Bernunftsgründe aufbaut und die Verwirklichung der Sittengesetze als Ziel gibt zum Wähle der gesamten Ration." Herriots Aufenthalt in London. Gutachten, Sicherung, Schulden, Abröstung und Völkerbund. London, 16. Juni. Daily Telegraph meldet, daß ein. dreitägiger Aufenthalt von Herriot in London, wahrscheinlich van Sonntag bis Dienstag, vorgesehen sei da nicht nur die Anwendung des Dawes-Berichtes, sondern die Dchernngsfiagr die Schnldenfrage, die Beziehungen der Alliierten zu Amerika und die Frage der Abrüstung der Landheere im Rahmen des Völkerbundes erörtert werden sollen. Ferner wird der Minister- pläsident eine Konferenz der interalliierten Premierminister vor- bereit:« lassen, und es dürfte während des dreitägigen Aufenthaltes des französischen Ministerpräsidenten in Englano der Versuch gemacht werden, festzustellen, wie sich die amerikanische Regierung gegenüber dieser Konferenz verhalten werde, 0. h es soll wahrscheinlich eine Anfrage nach Washington gerichter werden, ob Amerika offiziell oder ourch einen Beobachter an den interalliierten Verhandlungen über die Anwendung des Dawes-Berichtes teilzunehmen wünsche. Im Verlaufe dieser Woche werden unter dem Vorsitz von Ramsay Macdonald c,. iahende Sachverständigenberatungen stattfinden, in denen die Materie für die bevorstehenden Besprechungen mit Herriot und der Be- ratunqsstoff einer eventuellen Konferenz der alliier-en Prem.er- minister vorbereitet werden soll. > Herriot beim deuffche» Boffchafter.. Paris, 16. Juni. Ministerpräsident Herriot hatte heute nachmittag dem deutschen Botschafter von Hoesch einen längeren Besuch abgestattet, in dessen Verlauf eine polfi'chc Aussprache stattfand. 7444 Begnadigungen. Die beginnende neue Aera im besetzte» Gebiet. Paris, 16. Juni. Die Parffer Abendblätter melde« aus Koblenz, daß der französische Kommissar für das Rheinland der interalliierten Nheinlanbkommiffion 7000 Begnadigungs- fölle vorgeschlagen hat von Personen, welche wegen des paf!> sive« Widerstandes aus dem besetzten Gebiete ausgewiesen wor. den sind. Die interalliierte Rheinlandkommission hat alle diese Vorschläge des französischen Kommissars Tirard angenommen. 500C Rückkehrerlaubnifle sind vor dem 1. Ma> und 2000 feit dem 1. Mai erteilt worden. Französische Geheimberichte. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht in ihrer Sonntagmorgenausgabe franzöfffche Geheimberichte, die ein stan- zösffcher Sachverständiger der im Ruhrgebiet weilte, an seine Regierung gerichtet hat. Der Geist, der aus den Berichten über die Lage des Bergbaues und der Eisenindustrie an der Ruhr spricht, läßt sich kurz dahin zusammenfassen, daß der französische Sachverständige der Meinung ist, dir Ruhrindnsttir dürfe ihre Freiheit nicht wiedergewinnen, sie müsse vielmehr mit soviel Lasten als möglich bepackt werden und auf jeden Fall niedergehalten werden, da die Lasten der fianzösischen und belgischen Montanindustrie Konkurrenz machen. Das Blatt bemerkt weiter dazu, daß diese Geheimberichte des französischen Sachverständigen, zweifellos als Unterlage für die Mlcum- verträgr gedient haben und schreibt: „Wenn die fiemden Regierungen derartige Berichte auf sich wirken lassen, dann ist es kein Wunder, daß man bei Verhandlungen, bei denen die Gegenpartei die stärkere ist, zu Ergebniffen kommt, welche die Ruhrindustrie zur Verelendung bringen müffen. Auf die Fehle.-, welche die Darlegungen und Angaben der Sachverständigen enthalten, kann deutscherseits nicht genug geantwortet werden. Di« SchnLfftlkommffsion an der Arbeit. Hamburg, 13. Juni. Im Austrage der Interalliierten Lustfahl Kommission besichtigte gestern «in belgischer tzauptmaiu» in Begleitung eines Vertreters des Reichsverkehrsministeriumr den Rr. 4G. Zchrgang 1924. Der Lanvbote * Sinsheimer Zeitung. Mittwoch, den 18. Juni 1924. Flugplatz Fuhlsbüttel und den Flugzeugpark. Er forschte nach einem zweiten Fokker, D 7, da nach Zeitungsberichten Förster und Münnich einen Fokker D 7 geflogen haben sollen. Das ist «der rin Irrtum. Die Piloten hatten bei ihrem Wettbewerb die gleichen Maschinen benutzt. Ebenso wurde die Funken- staticn inspiziert. Lächelnd erzählte der belgische Hauptmann, daß jm Ausland das Gerücht verbreitet war«, daß die Funken- station die Kraft besitz«, Flugzeuge, die ihre Station überfliegen, herunterzuholen. Der Hauptmann fand jedoch alles in Ordnung. Ein vernichtendes amerikanisches Urteil über den Dawes-Bericht. Der sozialistische Kongreßabgeordnete für Milwankee, P. L. Berger, hat kürzlich den Dawesbericht einer scharfen Kritik unterzogen, indem er das Unmenschliche und Unmögliche der auszuführenden Vorschläge feststellte. Berger dezeichnete den Bericht als einen unmenschlichen und unmöglichen Plan, ausgeheckt von einem unmenschlichen und unmöglichen Komitee amerikanischer Bankiers.-um den unmenschlichen und unmöglichen Besfailler Frieden auszuführen. Berger verlangte, daß das amerikanische Volk den Plan zurückweist. Er tat seinen Gefühlen bei der Besprechung des Berichts durchaus keinen Zwang an und erklärte, der Bericht sei offenbar von Pojncare diktiert oder doch wenigstens inspiriert. Der Bericht sei bestimmt, das deutsche Volk auf viele Jahre hinaus dem Elend auszuliefern. Er sei ausschließlich das Werk der großen Finanzinterefsen der Bereinigten Staaten, Englanos und Frankreichs. „Der Dawes-Bericht", sagte Berger, „de- weist wieder einnm.il. daß di« amerikanische Hochfinanz, und iws bedeutet, die herrschende Klasse Amerikas, im Jahre 1924 ebenso neutral zwischen Deutschland und Frankreich ist, wie sie im Jahre 1814 und 1817 war." „Der Dawes-Bericht beweist noch zwei weitere Dinge," fuhr er fort, „nämlich erstens, daß, soweit Amerika in Betracht kommt, unsere Teilnahme am Weltkriege einfach «on der Hochfinanz diktiert wurde, die der Nation ihren Willen durch eine intensive Propaganda aufzwang. Zweitens, daß der Welt- hpieg, soweit die amerikanisch« Hochfinanz in Betracht hommt, »och im Gang« ist, und daß diese mit Hilfe einer intensiven Propaganda in Amerika den Persaillcr Frieüensvertrag durch- zuführen sucht. Da dies ein Krieg der großen Bankiers war, so ist es nur natürlich, daß die großen amerikanischen Bankiers eine Kommission großer Bankiers ernennen, die feststellen soll, wieviel Schmeiß und Plut noch aus Deutschland herausgepreßt werden kann. Doch da die Bereinigten Staaten den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet haben, und da die Republikanische Partei mit einer Majorität von siebeneinhalb Millionen Stimmen zur Macht gelangte, weil Wilson diesen teuflischen Vertrag begünstigte, und weil das Volk die Wilsonfche Regierung haßte, deshalb ging diese Bankierskommission unoffiziell nach Paris, aber mit der stillschweigenden Voraussetzung, daß sie von Eoolidge und seiner Regierung gutgeheißen wurde. Dfe Kommission wurde von Poincare umschmeichelt und bestochen und sie hat einen Bericht eingereicht, der offenbar von Pojncare diktiert oder doch mindestens von ihm inspiriert wurde. Selbstverständlich hot die Kommission den Einsall ins Ruhrgebiet gutheheißen und es drmit gebilligt, daß die Franzosen Deutschland das Lebensblut aussaugen. Die Dawessche» Borschläge bilden den gründlichsten und teuflischsten Plan, einer Nation de» letzten Blutstropfen auszupresfen, der jemals in der Weltgeschichte ausgeheckt worden ist. Und das schlimmste ist, daß hie Kommission nicht angibt, wann Deutschland seine Schulden bezahlt haben soll. Die Annahme mancher Leute, daß Deutschland dadurch eine Ruhepause von drei oder vier Jahren erhalten wird, ist irrig. Deutschland wird ' noch nicht für eine Minute Ruhe haben. Frankreich wird ihm in der Ruhr und in der Pfalz an der Kehle fitzen bleiben. Frankreich sucht offenbar nach einem Vorwand. sich in den Besitz sämtlicher Eisenbahnen, Bergwerke und Fabriken Deutschlands zu setzen, und die Dawes-Kommission liefert ihm diesen Borwand. Seine deutsche Regierung kann versprechen, diesen teuflischen Soptrakt ausznsühren. weil die deutsche Nation nicht existieren kann, wenn sie den Plan annimmt. Wenn eine deutsche Regiemng diesen Plan annimmt, so tut sie das unter »er Illusion, daß Deutschland, das sich in Bezug auf Nahrungsmittel und Rohmaterial in verzweifelter Lage befindet, dadurch eine Gelegenheit erhält, sich beides zu verschaffen._ Des Herzens Gebot. Original-Novelle von Fr. Lehne. lg) Nachdruck verböte». „Fräulein Odenberg, Mütterchen? Du scherzest." Das Gehörte war ihm so unbegreiflich — wir konnte denn das sein? Die verwöhnte, nur an sich denkende Dagmar Odenberg als Pflegerin feiner Mutter— er stand vor einem Rätsel. „Glaubst du mir nicht? Väterchen wird es dir schon be- ? tätigen — die Nächte hindurch hat sie an meinem Bette ge- efsen! Frage auch Doktor Riemann." „Wie kommt es überhaupt, daß Fräulein Odenberg schon wieder hier bei euch ist? Seit wann denn? Und daß ihr mir ggr nichts dqoon geschrieben habt!" „Sie wollte es durchaus nicht, mein Jungchen! Wir mußten eg ihr ganz fest versprechen, es nicht zu tun! Sie schämte sich vor dir, hat sie gesagt, weil sie erst doch immer Langeweile ggklggt hafte!" „In der Tat! — Aber warum ist sie denn wiedergekom- mrg? Mqr sie krank?" Er stellte diese Fragen in möglichst gleichgültigem Tone, obwohl er vor Begierde brannte, den Grund ihrer Rückkehr zu erfahreu. Die Mutt«r machte ihr liebes wichtiges Gesicht. Sie hat mit ihrer Mutter ein« Meinungsverschiedenheit gehabt. Sprich aber nicht darüber, Jungchen! Sie sollte nämlich ejnen Grafen heiraten, hat ihn aber abgewiesen, weil sie ihn nicht Lebte. Deshalb ist ihre Mutter böse aus sie geworden, und sie ist zu uns gekommen, weil sie nicht wußte, wohin — fiehst du, und das hat mich so gefreut, daß sie sich da auf uns besonnen hat!" „Mütterchen, nun hast du mir doch Fräulein Odenbergs Gcheimnifie verraten — ei, ei — wenn sie das wüßte!" versuchte er zu scherzen. Ihm mar ganz wunderlich zumute geworden. Was mochte Dagmar bewogen haben, freiwillig auf eine so bevorzugte Lebensstellung zu verzichten? Er wagte nicht, weiter zv denken. Mit einem Wort: Der Dawes-Borfchlag kann unmöglich zur Ausfühmng kommen." Separatistische Pntschplänr in d«r Pfalz? Speyer, 14. Juni. Am vergangenen Mittwoch fand, wie jetzt bekannt wird, bei der französischen Bezirksdelegation in Speyer «in« zweistündige Konferenz statt, an der alle Separa- tistenführrr und die Vorstandsmitglieder der sogenannten „Rheinischen Arbeiterpartei" teilnahmen. Sehr bezeichnend dafür, daß General de Metz seine alten Pläne noch nicht aufgegrben hat, ist der Umstand, daß bei dem Oberleutnant Pasquier vom Stabe des Generals de Metz die berüchtigten Separaftstenführer Schmjtz-Epper und S Uzberg, welch letzterer ein im rechtsrheinischen Deutschland wegen Betrugs und Unterschlagung mit Gefängnis vorbestrafter Pole ist, fast täglich ein und ausgehcn. Die planmäßige Begünstigung der Separatisten in her Pfalz geht auch aus dem Verhalten der Bezirksdelegierten hervor. Diese verlangen (!) neuerdings, daß die während der Separa- tlstenhrrrfchaft an die separatistischen Bezirksämter geleisteten Beiträge für die Ausstellung ungültiger Separatistenjagdkarten Wandergewerbescheine usw. von den ordnungsmäßigen Behörden bei der Ausstellung neuer gültiger Ausweise angerechnet werden. Die offenbare Begünstigung der Separatisten in der Pfalz soft diesen vor Augen führen, daß sie bei einem neuen Putsch, wie er jetzt vom Rheinlande aus geplant zu fein scheint, auf die Unterstützung General de Metz rechnen können. Das „gereinigte- Natten. Privatgeschäfte im Innenministerium. — Mussolini bildet sein Kabinett um? Rom, 16. Juni. Die Berichterstattung über den Fall Mat- tcofti ist dadurch erschwert, daß die Nachrichten nach dem Auslande der Zensur unterliegen. Die Demission des Unterstaatssekretärs Fjnzi, des Präsidenten Ross! und des Direktors des Corriere Italiano Ffilipelli haben auf die Bevölkerung Eindruck gemacht. Allgemein werden die Demissionen darauf zu- rüchgeführt, daß endlich Persönlichkeiten, die seit langer Zeit alles wußten, sich entschlossen haben, zu sprechen und zu handeln. Es bedurfte des Leichnams Mafteoftis, um die Unzufriedenheit im Lande über die Führung der Geschäfte des Innenministeriums, für die Fillipelli die Reklame machte, bis zu den Ohren Mussolinis gelangen zu lassen. Es wird heute auch in den faszistischen Kreisen nicht in Abrede gestellt, daß man im Innenministerium Privatgeschäfte machte und vor keinem Mittel znröckfchreckte, mißliebige Personen zum Schweigen z« bringen. Messagero bestätigt, daß der Abgeordnete Delacroix im Namen eines großen Teils der Mehrheitsabgeordneten von Mussolini die Demission einiger seiner Mitarbeiter verlangt habe. In parlamentarischen Kreisen wird behauhtit, daß Mussolini sein Kabinett einer gründlichen Umbildung unterziehen soll. .Fillipelli soll nach seinem Verhör beim Untersuchungsrichter Rom im Auto verlassen haben. Ueber die Geschäfte des Innenministeriums wird u. a. erzählt, daß dort von der Zinelai.'- Gefellschaft Beträge bezahlt wurden um die Petroleumkonzessionen in Italien zu erhalten. Ferner wird die Summe genann., die dis Spielhaus in Monte Carlo aygeboten hqhe, um glich die italienischen Spielhöllen zu verwalten. Es scheint aber doch daß Mussolini, der für den Faszismus gefährlichen Situation durch sein energisches Eingreifen gegen die Korruption Herr wird. Auch das Gerücht fei verzeichnet, daß Fillipelli bei dem Versuch Rom zu verlassen, verhaftet worden sei. Auch werden aus dem Lande Verhaftungen gemeldet. In Mailand wurden in einem faszistischen Lokale Waffen und Bomben beschlagnahmt. Auch die Aktion der Sozialisten und Kommunisten scheint sich verschärft zu haben, denn in Rom sind Versammlungen oerboten und einige Kommunisten verhaftet worden. Die Wirkung der Mordtat. Ei» Bund der sozialistischen Parteien aller Länder zur Bekämpfung der "Reaktion. London, 16. Juni. Die Ermordung des italienischen Sozialisten Matteottl durch Fasz-sten hat im Lager der französischen und englischen Sozialisten eine ungeheure politische Erregung ausgelöst. Die französischen Sozialisten haben an das von Friedrich Adler geleitete Büro der Internationale, ein Telegramm gerichtet, in dem sie die zweite Internationale auffordern, sofort einen Bund der sozialistischen Parteien aller Länder zu bilden, der sich die wirksame Bekämpfung des Faszismus und der Reaktion zur Aufgabe setzen soll. Der Daily Herald, der dem Racheakt einen Leitartikel widmet, sagt, daß es die Aufgabe der demokratischen Kräfte der ganzen Welt sei, dem italienischen Volk klar zu machen, „Ja, mein Jungchen, du wirst^noch mehr über sie staunen, wenn du erst weißt, wie sehr sie sich geändert hat! Gar nicht zum Wiedererkennen! Sie hilft im Haushalt, hat für Väterchen gesorgt, während ich untätig hier liegen mußte. Sie ist sogar mit ins Dorf zu den Kranken und Armen gegangen!" Bernhard legte jetzt seine Hand auf den Mund der Mutter. „Sprich nicht mehr. Mütterchen, es strengt dich zu sehr an! Und was Fräulein Odenberg betrifft — sie ist eben vernünftig geworden; dein Beispiel hat segensreich gewirkt. Wie könnte es wohl auch anders fein, du Gute!" Wenn sie ahnte, was sie ihm mit ihren Mitteilungen gegeben hattp! Denn trotz allem, was er Bitteres durch sie erfahren, hatte er Dagmar nicht vergessen können! Warum hatte sie auf eine glänzende Heirat verzichtet? Warum war sie wieder hierher gekommen, um unter Leitung seiner Mutter ein Leben anzusangen, das ganz verschieden von ihrem früheren war? War es eine Laune oder sollte er hoffen dürfen, daß es seinetwegen geschah? Alles Blut strömte ihm zum Herzen, wenn er daran dachte. Aber doch suchte er kein« Gelegenheit, die ihm ein Alleinsein mit Dagmar ermöglichte. Meistens hielt er sich an? Bett der Mutter auf. Dagmar blieb deshalb dem Krankenzimmer fern; nur kurze Minuten war sie anwesend, um für die Pfarrerjn zu sorgen, ihr etwas Essen zu bringen und so weiter. Ihre gewohnte Sicherheit hafte sie ganz verlassen; sie wagte kaum, Bernhard anzusehen, wenn er sich mit irgend einer Bcmerkung oder Frage an sie wandte. Er sprach gleichgültig kühl, doch sehr höflich, und sie fühlte sich gedrückt durch sein förmliches Verhalten, das nichts von der Herzlichkeit früherer Tage an sich hatte. Sie hatte ihr Glück verspieft. Bernhard Wagner war nicht der Mann, zweimal zu bitten! Die drei Tage, die der junge Arzt bleiben konnte, waren uin. In einer Stunde würde der Wagen da sein, der ihn nach der Station dringen sollt«. Dagmar hatte es gehört; sie fühlt«, wie sich Tränen in ihre Augen drängten, und unter irgendeinem Borwand verließ sie das Zimmer. was die offizielle Meinung außerhalb Italiens von dem Ungeheuer denkt, das Mussolini in der Form des Faszismus groß- gezog-n habe und das nun im Begriffe sei, sich stärker »u ermessen, als fein Schöpfer. Kabinettskrise. Als Folgerrfchrmung des Falls Matteotti. Rom, 16. Juni. Me Affäre Matteotti wächst sich immer mehr zu einer politischen Krise ersten Ranges aus. Auf Anregung einiger Minister hat das Gesamtkabinett dem Dftn-ster- präsidentrn Mussolini die Portefeulles zur Verfügung gestellt. Mussolini .ist also frei, seine Entschlüsse zu fassen. Er kann dem Köniz die Gesamtdemisston des Kabinetts anbieten und dann selbst ein neues Ministerium bilden, er kann aber auch inner, halb des Kabinetts die ihm notwendig erscheinenden Aenüer- ungen vorschlagen. Der Ministerrat wurde auf heute abrnd dringrnd einberufen. Dr. Schacht über die Kolonialfrage. Densschland mutz wieder zu kolonialer Brtst'gneq Melassen werden. Berlin, 16. Juni. Reichsbankpräsident D». Schacht, der schon mehrfach öffentlich dafür eingetreten ist, daß Drutschlano wieder zur kolonialen Betätigung zugelassen werden soll, äußerte einem Mitarbeiter der Bossischen Zeitung gegenüber sich über das Problem der deutschen Kolonialfrage. Dr. Schacht erklärte, daß es sinnlos sei, aus seinen Gedanken, wie es bereits heute geschehen sei, eine Tendenz zum Kolonialimperialismns herauslesen zu wollen. Im Gegenteil würde eftie befriedigende Lösung der Kolonialfrage, die Deutschland die Möglichkeit zu dauernder fiiedlicher Betätigung bieten würde, oie !nt'rnat>ovale Befriedung fördern. Dr. Schacht hält die Lösung der K-'loniar- frage auf internationaler Basis für möglich, wenn sämtlich: Kolonialmächte sich an der Errichtung einer internationalen Kolö- nialgesrllschaft beteiligen. Zux Begründung seines Standpunktes faßte Dr. Schacht oas ganze Problem in drei Gesichtspunkte zusammen: »m Reparationen zu zahlen, mutz Deutschland für seine Produktion Märkte haben. Me alten Kulturländer dürften kaum dcreit sein, der deutschen Wirsschast solche Märkte zu gewähren. Es bedarf daher neuer, aufnahmefähiger Kolonialgebifte, d>e unter deutscher Mitwirkung für diesen Zweck entwickelt werden müßten Deutschland braucht für seine dichte Bevölkerung ein S'eolungsgebiet Weil die anderen Kulturländer kaum bereit sein dürsten, größere deutsche Volksmengen bei sich aufzunehmen, kann es sich auch hier nur um koloniale Siedlungsgebiete handeln. Auch das würde ein weiteres Moment zur Beruhigung on Welt bieten. Ein drittes, und das hauptsächlichst« Moment für den dringenden Bedarf an Kolonialbesitz, liegt darin, daß Deutschland seine kolonialen Rohstoffe *» fremder Valuta bezahlen muß. Wörde es in der Lage sein, diese selbst zu produzieren, so würde es sich seine Balutasituation erheblich erleichtern und Deutschland umso eher die Ziele zu verwirklichen in der Lac^ sein, die das Dawesgutachten anstrebt. Der Kanzler über die Verhältnisse im Rheinland. Köln, 14. Juni. Reichskanzler Dr. Marx äußerte dem Berliner Vertreter der „Kölnischen Bolkszeitung" gegenüber u. c. folgendes: Unsere Hoffnung gründet sich darauf, daß jetzt ei« Verständigungsbereitschaft auf Grund des von den Verbandsmächtcn und von uns angenommenen Dawesgutachtens vorhanden ist. Me Wiederkehr normaler Zustände im Westen des Reichs und in Deutschland muß ich in einem Atem nennen. Wirtschaftliche Höchstleistungen und Bedrückungssystem das vertragt sich nicht miteinander. Me vertraglich sestgelegte Besatzung am Rhein ist schon an sich eine äußerst schwere Belastung für das deutsche Volk und zwar sowohl in politischer wir in volkswirtschaftlicher Hinsicht. Eine Lösung kann nur unter der Voraussetzung erfolgen, daß die Hoheitsrechte des Deutschen Reichs über das deutsche Rheinland voll gewahrt bleiben. Einstweilen aber gilt es jetzt, erst die Ruhrangelegenheit mit allen ihren schlimmen Folgen aus der Welt zu bringen, daß es kein Hindernis der europäischen Befriedigung mehr werden kann. Ich hoffe, daß die neue französische Regierung durch einen Akt des Edelmuts denen Freiheit und Heimat wiedergibt, oie Opfer ihrer Vaterlanhsliebe geworden find. Dr. Strefemann hat in seiner Reichstagsreoe darauf hingewiesen, daß die Räumung des Ruhrgebiets eine Prestigefrage sei. Ich möchte glauben, daß an dieser Prestigefrage auch für Frankreich die Verhandlungen über oie Reparationen nicht scheitern dürfen. Wer das Dawes-Gutachten will, der muß auch die inneren uno äußeren Notwendigkeiten wollen, die sich aus diesem Gutachten ergeben. Unvereinbar mit dem Dawes-Gutachten ist aber auch die Tatsache erwähnt, daß jetzt noch das Hafen- und Industriegebiet von Offe.iburg nnd Appenweier, Wesel Emmerich, Limburg, Königswinter. Karlsruhe, Egub und Darmstadt besetzt gehalten wird, insbesondere daß das Mannheimer Wirtschaftsgebiet durch die Hafenbesetzung großen Schaden erleidet. Endlich ist es unerläßlich, daß bei der allgemeinen Regelung neben der Beseitigung der Zollgrenze auch die Beschränkungen zum Beispiel bei der Ein- und Ausreise fallen, die den Einzelnen sowohl als auch die Gesamtheit sinnlos belasten. Die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Einheit des besetzten Gebiets''mit dem Reiche ist in dem Sachverständigengutachten ausdrücklich festgestellt worden. Die politische Einheit und Verbundenheit des besetzten Gdbi«ts mit dem unbesetzten Gebiet ist eine Tausche, die auch dir früheren französsschen Machthaber nicht ändern konnten. - Keine französische Regierung wird sich der Erkenntnis auf die Dauer verschließen können, daß das Rheinland drussch ist und deutsch bleiben nnll. Wenn Frankreichs neue Männer diesen Zustand ehrlich achten, dann wird und muß auch eine Verständigung mit ihnen möglich sein. Dr. Strefemann über das Gutachten. Nicht mehr scheuen wollen als wir sind! — Dir Schäden der großen Parade». Karlsruhe, 15. Iunj. Reichsaußenminister Dr. Stresemaim sprach heute vormiftag quf Einladung des Landesverbandes der Deutschen Bvlkspartei Badens im Konzerthaussaal über die Außenpolitik Deutsch! inds und Sachverständigengutachten. Im Anschluß an seine bekannte Rede im Reichstag wies der Minister auf die jüngsten Veröffentlichungen des Auswärtigen Amtes von 1871 bis 1914 hin, die er als einen äußerst wichtigen Akt in der Kriegsfchuldfrage dezeichnete. Das oberste Gesetz der deutsche Politik sr damals dir Sorge um die Erhaltung des FriGens gewesen und es sei eine historische Unwahrheit. Deuffchland des Hinterorbeitens auf den Weltkrieg zu bezich- 1 Nr. 46 . Jahrgang 1924. _ tigen. Deutschland habe zwar in dieser imperialistischen Epoche in der Wahl seiner Bundesgenossen und der sich ihm bietenden Möglichkeiten der Erhaltung seiner We.tmacht keine sehr geschickte- Diplomatie betrieben, aber es habe aufrichtig wie kein anderer Staat ein halbes Lahrhundertlang Europa und der Welt den Frieden zu erhalten gesucht. Jede Opposition sei unfruchtbar, wenn sie sich nur im Schimpfen, aber nicht im Bes- sermachen äußere. Die große vaterländische Aufgabe der Zukunft sei die nationale Einhestsfront. Im Vordergrund der weiteren Betrachtungen stand das Sachverständigen-Gutachten. Die Deutsche Polkspartei kenne zwar die gefährlichen Bestimmungen des Gutachtens, werde aber nichts unterlassen, um das Bestmögliche für die Nation herauszuholen. Selbstverständlich müsse es auch von der Gegenseite als unteilbares Ganzes angenommen und nach seiner An- sickt die Konsequenzen daraus gezogen werden. Es sei zu hoffen, daß die Deutsche Reichsbahn den von den Sachverständigen erwarteten Betrag von 660 Millionen Goldmark erbringen werde und daß dje wirtschaftlich an Deutschland interessierten Staaten jeden Versuch einer gewaltsamen militärischen Lösung der Re paratjonsfrage zurückweisen würden. Als künftige Ehrenfragen des deutschen Volkes nannte der Minister vor allem die Wiederherstellung der finanziellen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands, das Ende der Regiebahn, die Rückkehr der Gefangenen und Ausgewiesenen, d'e militärische Räumung des vertragsmäßig und nicht vertragsmäßig besetzten deutschen Gebiets. Wenn man der neuen Regierung von Frankreich unvoreingenommen begegnet, würde die Entspannung der internationalen Lage wesentlich gefördert werden, die durch die Sonntagsredenpolitik Poincares vergiftet worden fei. Nach dieser Rechtfertigung der deutschen Außenpolitik und einer Zurückweisung deutschnationaler Borwürfe, die sich hauptsächlich gegen das Sachverftändigengutachten richteten, schloß der Außenminister mit einem eindringlichen Appell: nicht mehr scheinen zu wollen, als wir sind. Durch rauschende vaterländische Feste und große Paraden werde dem Ernst der Situation in keiner Wesse Rechnung getragen und das Ansehen im Auslande erheblich geschädigt. Nationale Politik könne auch im Schweigen und Dulden siegen. Nur mit den wirtschaftlichen Interessen der Welt und dem einheitlichen Willen der Bevölkerung könne ein Außenminister mit Erfolg arbeiten. Nach Jahren der äußersten Anstrengung, Sparsamkeit und Unterordnung unter den Staatsgedanken werde das deutsche Volk wieder zur Frühest und alten Größe kommen. Dem Gedenke« der verlorenen und besetzten Gebiete. München. 15. Juni. Heute fand die feierliche Grundsteinlegung des Denkmils statt, das der Erinnerung an die obgetrennten und unter fremder Herrschaft stehenden deutsche» Gebiete dienen soll. Den Festakt nahm der frühere bayerische Kronprinz Rupprccht vor, der in großer Generalsuniform erschien. An der Feier nahmen das gesamte Staatsministerium, Vertreter mehrerer Länder und viele ehemalige hohe Offiziere teil: auch Kahr als Regierungspräsident von Oberbayern war erschienen, ebenso sämtliche vaterländische und Regimentsvereinigungen Bayerns. Die Reichswehr hatte eine Ehrenkompagnie gestellt. Me Studentenverbindungen hatten in vollem Wichs Aufstellung genommen. In der ersten Reihe standen Abordnungen der Ausgewiefencn aus den verschiedenen besetzten Gebieten. Me Festrede hielt Professor Herold aus Hof, der der verlorenen Gebiete gedachte und ihnen den Dank des Vaterlandes für ihre Treue aussprach. Kronprinz Rupprecht hielt sodann eine kurze Ansprache, in der er das schwere Unrecht betonte, das dem deutschen Volke durch die Wegnahme seiner Gebiete zugefügt worden ist. Gegenüber den bedrückten Völkern könne es nur Treue um Treue geben. Dann fiel die Hülle und unter den Klängen der Musik wurden die Kränze der einzelnen Gebiete aufgehängt. Me Menge fang das Deutschlandlied. Kronprinz Rupprecht war Gegenstand lebhafter Kundgebungen. Zu irgend welchen Zwischenfällen ist es bei der Feier nicht gekommen. Dr. Luther über die Wirtschaftslage. Bad Pyrmont, 16. Juni. In der Versammlung der Niedersächsischen Wirtschaftsverbände ergriff gestern Reichsfinanz- minister Luther das Wort. Er führte u. a. aus: Seit die Rentenmark geschaffen worden ist, hat das deutsche Volk allzu schp^ll vergessen, wie es früher war. Ich warne davor, daß wir wieder, in die alte Träumerei verfallen, auch angesichts des Sach- oelftändigen-Gutachtens. In unserer großen Not gibt es kein schnelles Heilmittel. Für uns kann es nur ein langsames Arbeiten und Emporfchasien geben. Die Regierung kennt genau das Hemmnis, den Mangel an Geld und Kredit, die schwer auf uns lasten. Me Stunde ist da, in der wir alle begreifen, daß es nötig ist, daß ein frischer Wind durch unsere Wirtschaft weht. Eine der wichtigsten Fragen ist die Kreüitfroge. Wir müssen Auslandskredite bekommen, um wieder arbeiten zu können. Wenn wir heute in eine Inflatioon hineingerieten, dann laufen wir in «ine Katastrophe. Der Zahlungsmittrlumlaus stellt sich heute auf etwa drei Milliarden Golümark, wahrend in der Inflationszeit nur etwa 800 Millionen Goldmark im Umlauf waren; wir haben heute mehr Gold >m Umlauf als damals. Der Minister kam dann auf die Rentemnark zu sprechen und erklärte hierzu, der Grundgedanke führe auf Helfterich zurück: alles andere hat die Regierung gemacht, mit einer Schnelligkeit, wie sie nicht überboten werden könnte. Die Regierung hat trotz aller Verzögerungsversuche Ke-neu Tag zu verlieren, um zu einer gesunden Basis der Volkswirtschaft zu kommen. Eine der wichtigsten Aufgaben der Regierung ist es, das Steuersystem den kommenden Verhältnisse» anznpassen. Unser: Währung muß unbedingt gehalten werden. Jeder muß zu seinem Teil anpackcn, um zu retten, was zu retten ist, nämlich unser deutsches Volk und deutsches Vaterland. Dir Aufwertung der Kommunalanleihen. Berlin, 16. Juni. Wie die Germania hört, finden in den nächsten Tagen bei den zuständigen preußischen Ministerien Verhandlungen mit Vertretern der Kommunalverbände und Staöt- und Landgemeinden über die Frage einer Aufwertung der Kommunalanleihen statt. Für die öffentliche« Sparkaffen wurden Richtlinien für eine einheitliche Aufwertung getroffen, jedoch ist über den Zeitpunkt dieser Aufwertung noch nichts bekannt. Aushebung der Ausreisegebühreu. Berlin, 16. Juni. Das Reichskabinett hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, dem Reichspräsidenten öl« Aufhebung der Ansreisegebühr von 506 Mark zu empfehlen. Der Reichspräsident hat fich einverstanden erklärt. Mr Erlaß einer entsprechenden Verordnung steht bevor. Das Reichskabinett geht bei seinem Beschluß davon aus, Der Lanstbote * Sinsheimer Zeitung. daß die bekannten Gründe, die seinerzeit zur Einführung der Verordnung geführt haben, nämlich die besonders bedrohliche Lage der Währung, zur Zeit in gleichem Ausmaße nicht mehr bestehen. Die Verordnung hat aber als unvermeidliche Notmaßnahme ihre Schuldigkeit getan. Sie hat besonders bewirkt, daß der Osterverkehr nach dem Süden, der sonst unerträglich und nach der Art der im Frühjahr Reisenden besonders kostspielig gewesen wäre, abgestoppt worden ist. Zahllose Goldmillioncn, die im wesentlichen zu Vergnügungszwecken ausgegeben worden wären, find dadurch ,m Inlande zurückgehalten worden und der Gefamtwirtschast erhalten geblieben. Nachdem die Lage der Währung die Aufrechtcrhaltung einer so einschneidenden Maßnahme nicht mehr zwingend erfordert, kann nunmehr die Aufhebung der Verordnung erfolgen. Mese Aufhebung entspricht der bei Erlaß der Verordnung sofort erklärten Absicht, sie nicht länger aufrecht zu erhalten, als es zum Schutze der Währung unumgänglich notwendig sei. Die Sicherheit auf der Eisenbahn. Der schwere Eisenbahnunfall auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin wirft neuerdings wieder die Frage auf: Wie steht es mit der Sicherheit auf den deutschen Eisenbahnen? Stolz erinnert sich jeder, daß die deutschen Eisenbahnen vor dem Kriege, was Betriebssicherheit anbelangt, an der' Spitze aller Eisenbahnverwaltungen standen. Es betrugen die Betriebsunfälle im ganzen, gerechnet auf 1 Million Zugkilometer, im Jahre 19913 4,7 yachdem sie 1890 noch 11,3 und 1880 sogar 17,9 betragen hasten. Demgegenüber betrug die gleiche Zahl der Betriebsunfälle für die Eisenbahnen in Oesterreich-Ungarn im Jahre 1913 14,5 und für alle Bahnen des Bereios deutscher Eiseabahn- oerwaltungen, der sich bekanntlich über die politischen Grenzen Deutschlands hinaus erstrecht im Jahre 1913 7,8. In anderen Ländern, vor allem in Amerika, sind die entsprechenden Zahlen weit höhere. Während des Kriegs und in der Kriegsfolgezeit haben sich leider die für Deutschland genannten Zahlen ungünstig verändert. Ae Zahl 4,7 vom Jahre 1913 stieg bis zum Schluß des Krieges auf rund 10, während sich die Zahl der auf l Million Zugtzilometer getöteten und verletzten Reisenden von 1,83 im Fähre 1913 auf 10,36 im Jahre 1918 vergrößert hat. Die Gründe sind, wie Geheimer Oberbaurat Zirkler in der „Perkehrstechnischen Woche" aussührt, bekannt: Unregelmäßigkeit im Betrieb infolge der hohen militärischen Anforderungen, Verschleiß und Zermürbung von Menschen und Material unv die notwendige Verwendung ungeeigneter Ersatzstoffe und ungeeigneten Ersatzpersonals. Um die Wende von 1919 ist eine Besserung der Verhältnisse eingetreten, die auch stetig fortgeschritten ist, so daß die Zahl der Gesamtunfälle auf 1 Million Zugkilometer wieder rund 6 beträgt. Was heißt dies? Da der Erdumsatz 40000 Kilometer beträgt, so muß ein Zug 25 mal um den Aequator herumfahren, er erlebt alsdann 6 Betriebsunfälle. Oder wenn ein Zug viermal den Aequator amkrnst, hat, so ist erst ein einziger Unfall auf dieser langen Reise passiert. Nicht jeder Betriebsunfall hat die Verletzung oder Tötung von Reisenden zur Folge. Auf 1 Million Zugkilometer kann man heute mit der Verletzung oder Tötung von fünf Reisenden rechnen, und dabei sind auch die leichtesten Verletzungen, Hautabschürfungen usw. einbezogen. Das katholische Ordenswesen in Deutschland. Nach der Statistik, die P. Krose S. I. im neuesten Band des kirchlichen Handbuchs für das katholische Mutschland verzeichnet, hat das Ordenswesen der katholischen Kirche in Deutschland außerordentliche Fortschritte gemacht. Me Zahl der Ordensniederlassungen für Männer in Mutschland ist von 118 Ende 1927 auf 468 Ende 1922 mit 9700 Mitgliedern und die der Niederlassungen fift Frauen von 6116 Ende 1921 auf 6216 Ende 1923 mit 74 350 Mitgliedern gestiegen, also zusammen auf 6802 Niederlassungen mit 84 050 Ordensleuten angswachsen. Ms bedeutet gegenüber 1921 eine Zunahme von 50 Ordenshäujern für Männer mit 1032 Mitgliedern und von 200 Riederi rssungen für Frauen mit 3497 Mitgliedern. Seit dem Bersassungsjahr 1919 hat also die kath. Kirche trotz der Ungunst der Zeit und der Lebenslage in Deutschland 250 Klosternieüerlas,ungen gründen können. Auf Preußen entfallen 3284 Niederlassungen mit 23 873 Mitgliedern, aus Baden 813 Niederlassungen mit 5472 Mitgliedern, auf Würstemberg 504 Niederlassungen mit 4008 Mitgliedern, auf Hessen 156 Niederlassungen mit 1687 Mitgliedern und auf Sachsen 33 Niederlassungen mit 313 Mitgliedern. Deuffch-evang. Kirchentag. Bielefeld-Bethel, 15. Juni. Mr erste verfassungsmäßige deutsche Kirchentag der im Kirchenbund zusammengcschlosscncn 28 deutschen Landeskirchen, wurde unter fast vollständiger Beteiligung seiner 210 Abgeordneten sowie hervorragender Vertreter der schweizerischen, deutschösterreichischen, schwedischen, finnischen, dänischen, englischen und anderer ausländischer Kirchen mit einem Festgottesdienst durch den rheinischen Generals:,per- intendenten Klingema»n-Koblenz in der Altstädter Kirche ecl'st- net. In der vorausgegangenen Sitzung des Kirchenbundesrats, des Organs der Kirchenregierungen, wurden die Bunoesgeletze durchberaten und angenommen. Würde. k Wenn ich Geschichte richtig gelesen habe, so hat ein englischer Minister noch niemals seinem Lande gut gedient und sich dabei einer Beliebtheit im Auslande erfreut. Ich will fremden Staatsmännern kein« Belehrungen erteilen, nehme aber auch keine von ihnen an." Dies« stolzen Worte rief während des Burenkrieges Englands Kolonialminister Chamberlain einer feindselig gesinnten Welt zu. Er hat noch heute recht: ein Staatsmann, der feinem Daterlande gut dient, wird sich niemals im Auslande einer großen Beliebtheit ersreuen. Es ist kennzeichnend für die politische Ahnungslosigkeit des deutschen Volkes, daß die Anschauung geradezu vorherrschend ist, daß unsere Regierung danach streben müsse sich im Auslande beliebt zu machen. Me sozialdemokratische Partei macht ja ihre „Außenpolitik" immer von dem Eindruck im Auslande abhängig. Für das Würdelose dieser Haltung scheint man kein Verständnis zu haben. Man sollte eigentlich annehmen, daß wenigstens die re- gierungsoffiziösen Auslassungen einen anderen Ton anschlügen, daß wenigstens dort dje Haltung würdig sei. Leider ist dem nicht so. Die regierungsoffiziöse Darstellung des Sachverständigenberichtes leistet sich folgende Kraststelle: „Wenn nun auch zweifellos die Zusammensetzung der Ausschüsse weder dem Vorschläge des Staatssekretärs Hughes noch den deutschen Forderungen in Bezug auf die unmittelbare Beteiligung Deutschland entsprochen hat, so darf dieses Moment in seiner Tragweite doch nicht überschätzt werden. Einmal hat der deutsche Stand- Mittwoch, den 18. Juni 1924. Punkt zu den einzelnen Materien ausgiebig dargelegt werden können, und in den Hauptftagen, wie z. B. Festsetzung einer Endsumme, wären die deutschen Vertreter im Ausschuß doch überstimmt worden. So aber fällt die Verantwortung für das Gutachten Domes voll der Gegenseite zu." Das ist genau der Standpunkt vom kleinen Hans, der einmal erklärte: cs geschieht meinem Vater ganz recht, daß ick mir die Finger erfroren hebe, warum hat er mir keine Handschuhe gekauft." Wann endlich wird es in Mutschland tagen, daß nicht Liebedienerei und Zichbeugen yor dem Auslande, sondern trotzige Selbstbehauptung gerade der Ehrenpunkte unser Schicksal ändern kann? Me „Times" schrieben einmal: „Die Deutschen tragen ihr Unglück nicht mit Würde." Das ist leider wahr; sorgen mir, daß es anders wird. Baden. Baden und das Gutachten. Die badische Regierung geschloffen auf dem Bode« des Reichskabinefts. Karlsruhe, 17. Juni. Die badische Regierung stellt zu der Karlsruher Meldung des B. T. über eine Länderkonferenz zum Sachverständigen-Gutachten fest, daß ihr von einer solchen Konferenz nichts bekannt ist und daß eine solche auch nicht stattgefunden hat. Die badische Regierung stellt sich geschloffen auf den Bode« der Beschlüsse, die die Reichsregierung bezüglich der Annahme de» Dawes-Gutachtens gefaßt hat. Bei der kürzlichen Konferenz der Länder hat der badische Staatspräsdent Dr. Köhler diesen Standpunkt unzweideutig zum Ausbruch gebracht. Alle anders lautenden Meldungen widersprechen, soweit die Stellung der badischen Regierung zum Sachverständigen-Gutachten in Frage kommt, völlig den Tatsachen. Zur Besoldung der Bürgermeister. t Karlsruhe, 16. Juni. Das Reichsschiedsgericht hat für die Bewertung der Bürgermeister in Landgemeinde» und Städten bis zu 25 000 Einwohner Grundsätze aufgestellt. Hiernach können die berufsmäßigen hauptamtlichen Barstänve der Gemeinden eingereiht werden: In Gemeinden bis zu 1500 Einwohnern bis zur Gruppe 7, mit 1500 bis 2500 Einwohnern in die Gruppe 8, mit 2500 bis 5000 Einwohnern in die Gruppe 9, mit 5000 dis 8000 Einwohnern in die Gruppe 10, mii 8000 bis 15 000 Einwohnern in die Gruppe 11, uno mal 15 000 bis 25 000 Einwohnern in die Gruppe 12 der Reichs- bssoldungsordnung. In besonderen Fällen darf die Stelle der Bürgecknejstcr um eine Gruppe höher gewertet werden Liegen ganz besondere Ausnahmefälle vor, nach denen sie R^rlung der Bezüge nach den Grundsätzen ersichtliche Unbilligkeiten mit sich brächte, kann eine noch höhere Eingruppierung stattfinden. Der Reichsfinanzminister hat diese Grunulötze gemäß Paragraph 9a des Besoldungssperrgesetzes (vergl. Art II Ziffer 7 der Reichspersonenabbauverordnung vom 27. Oktober 1923) im Reichsbesoldungsblatt Nr. 15 vom 22. März 1924 bekannt- gegeben. — Solche Ausstellungen sind Richtlinien, oie aber von den Gemeinden nicht übernommen zu werde» brauchen. Aus Nah und Fern. i Sinsheim, 17. Juni. (Freilichtaufführung auf dem Stift.) Am Fronleichnamstag nachmittags 5 Uhr führt im Anstaltshofe des Stifts das Bad. Bolkskulturtheatcr Käthes Meisterwerk „Iphigenie auf Thauris" auf. Es ist die erste Freilichtaufführung, die in Sinsheim veranstaltet wird: sie dünste darum reges Interesse bei der Bevöltzerung erwecken. Da mit einem Massenbesuch gerechnet wird, ist von der Theaier- leitung ein Einheitspreis von 1 Mk. festgesegr morden. Die Iphigenie spielt Toni Faas, die sich als Darstellerin der Me- dea hier einen großen Freundeskreis erworben hat. Auch die übrigen Rollen liegen in besten Händen. Die Aufführung wird an großstädtischen Bühnen nicht 'besser gesehen. Nicht nur die literarisch gebildeten Stände müssen vertreten sein, sondern auch die Landbevölkerung und die Werktätigen, denen ttt Zeiten der Geldknappheit kaum Gelegenheit geboten ist, auswärtige Theater zu besuchen. Darum dürste die Wicocrkehr des von maßgebenden Stellen unterstützten Unternehmens hocherfreulich fein. Sitzgelegenheit für mehrere hundert Personen ist geschaffen. Gute Zugverbindungen nach allen Richtungen ermöglichen den Besuch. Näheres besagt das Inserat. =- Sinsheim, 18. Juni. (3)1 ei ft er prüf an g.) Bei den vom 19. bss 22. Mai in Mannheim stattgefundenen Meisterprüfungen bestand Wilhelm Städler, Maurer, Sohn des Bauunternehmers Heinrich Städler, hier, die Meisterprüfung mit der Note Gut. * Sinsheim, 17. Juni. (Falsche Rentenbankfchei- n e.) In verschiedenen Gegenden Deutschlanos sind in der letzten Zejt Nachbildungen von ReMenbankscheinen zu 50 Goldmark aufgetaucht, die auf photographischem W.'ge herqestellt sind und auf der Vorder- und Rückseite mehr oder weniger entstellt oder ungenau wiedergegeben. Namentlich die Wiedergabe des Untergrundmusters und in der Farbentönung weichen sämtliche Faffchstücke von den echten Scheinen ab. Während das Papier der echten Scheine in der Ausdehnung von Mein natürlichen Wasserzeichen durchzogen ist, ist dieses bei den Fallch- stücken meist durch Druck oder Farbenauftragung auf dem helleren Rand der Scheine nachgebiloet. Auch falsch« Rentenbaak- scheinc zu 10 und 5 Rentemnark werden hier und da in Um- lquf gebracht, die ebenfalls an dem Fehlen der Papiermerkmule der echten Schein«, des natürlichen Wasserzeichens und der »in- gebetteten Fasern leicht als Nachbildungen zu erkennen sind. i Reiben, 16 .Juni. (S ängerfeest.) Das vom Gejang- verejn „Liederkranz" gestern bei prächtigem Wetter veranstaltete 25jähnqe Bere'nsjubiläums verbunden mit Wettgefang war nicht nur ein Vereins fest, sondern ein Volksfest im wahren Sinn des Wortes. Nachdem am Abend zuvor Zapfenstreich usit Feuerwerk vorausgegangen war, folgte Festbankett uno zugleich Ehrung der Gründer des Vereins und des Dirigenten Herrn Rob. Meny-Richen. Der Wettgesang der Gruppe Elsenz- gau nahm am vormittag seinen Anfang und um es vorweg zu sagen, die Leistungen der einzelnen Vereine waren vorzüglich, was auch die Preisrichter Herren Musikdirektor Antcnri th una Unv.-Musiklehrer Dr. Leib-Heidelberg anerkannten. Die Leistungen der einzelnen Vereine wurden wie folgt bewertet: 1 E'N- tracht Zazenhausen 269 P., 2. Germania Stejnafiirt 245 P-, 3. Liederkranz Sinsheim 243 P., 4. Sängerbund Kirchacht 242 P., 5. Liederkranz Reihen 234 P., 6. Sängerbund Rohrbach b. S- 227 P., 7. Konkordia Hilsbach 225 P., 8. Sängerbund Weiler 223 P., 9. Liederkranz Hilsbach 205 P-, 10. Liederkranz Weiler, 11. Konkordia Ehrstädt 184 P. Zu den ! : Nr. 46. Jahrgang 1924. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Mittwoch, den 18. Juni 1924. wettsingenden Vereinen Hutten sich inzwischen eine statt! Anzahl benacicharter Sänger eingefundcn und ein gewaltiger Festzug bewegte sich zum Festplatz, wo die Besucher vom Vorstand begrüßt wurden. Es folgte sodann Festrede, Ueberreichung der Fahnenschleife durch die Festdamen und Gesang wechselte mit Musik und Unterhaltung, überall frohe Sangesweise, überall begeisterte Sänger, ein wahres und natürliches Volksfest. r Fttlingen, 17. Juni. (Hundstaxe.) Der Gemeinderat hat die Hundesteuer auf 8 Mk. festgesetzt, sodaß dieselbe mit der Staatssteuer zusammen 20 Mk. beträgt. ** Bad Rappenau, 16. Juni. (G e w e r b e v er ei n.) Der Gewerbeverein hielt am Samstag Abend in der Brauerei Häsf- ner feine jährliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Glasermstr. Guggolz warf einen kurzen Rückblick auf das verflossene Geschäftsjahr und der Schriftführer Herr Zlektro- technikcrmeister Braun gab ein ausführliches Bild von der Bcrejnstätigkeit im verflossenen Fahre, die trotz der widerwärti- gen Verhältnisse recht ersprießlich gewesen ist. Aus dem von Herl Echuhmachermeister Stier erstatteten Kassenbericht geht hervor, daß das Wirtschaftsjahr mit einem Kassenvorrat adschioß. Der Vereinsbeitrag wurde auf' 50 Pfennig im Monat festgesetzt. Die zwei ausscheidenden Ausschußmitglicüer Herr Zimmermeister Richard Freudenberger und Sattlermeister Löffler wm- den wieder gewählt. Zu einer regen Aussprache gab dir Haftpflichtversicherung und deren Auswirkung auf las Handwerk Anlaß. Ferner wurde der Plan einer lokalen Ausstellung erwogen. Straßenraub, Mord, und Selbstmord. — Wimpfen, 15. Juni. Ein schreckliches Geschehnis ereignete sich am gestrigen Sonntag Vormittag gegen 11 Uhr in unserem Nachbardorf Hohenstadt. Der ledige Arbeiter und Barbier Hermann Huber beraubt» auf offener Landstraße zwi che.t hier und Zimmerhof ein des Weges kommendes Zngenieurrhe- paar aus Kochendorf, nachdem er es mit vorgehaltencm Revolver des Todes bedroht hatte, wenn es kein Geld herausgebe. Danach suchte er sich im nahen Walde zu verbergen. Bon seinem Versteck aus bemerkte er an der gleichen Straße und nicht weit von. der Stelle, wo er sein Verbrechen aus- gcfnhrt haste, einen Mann, der mit dem Ausputzen von Bäumen beschäftigt war. Da er annehmen mußte, daß dieser cen Vorgang mitangesehen und ihn erkannt hatte, beschloß er ihn zu beseitigen. Er näherte sich ihm von hinten und gab aus kurze Entfernung einen Schuß auf ihn ab, der ihn 'n Bauch und Brust tras und vom Baum herunterwarf. Nicht genug damit, suchte er sein totwundes Opfer am Davonlaufen zu verhindern und brachte ihm noch Schläge mit dem Kolben des Browning bei bis er liegen blieb. Darauf ging er in de« Wald zurück und tötete sich selbst durch einen Schuß ins Herz. Den heimtückisch angefallenen Baumgärntner Louis Kaltschmidt brachte man sogleich, nachdem erste ärztliche Hilfe geleistet war ins Krankenhaus Heilbronn, wo er sofort operiert wurde. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Große Teilnahme wendet sich der Familie des Ueberfallenen einer Frau mit 5 kleinen Kindern, zu und ebenso den Angehörigen des mißratenen Täters, einer geachteten Arbeiterfamilie. — Heikgkreuzsteinach. 17. Juni. (Teures Heu.) Bei der Heugrrsverstejgerung aus den Domänenwiesen wurde ein sehr hoher Preis geboten,- 60 bis 70 Mk. für den halben Morgen. Gegenüber dem Friedenspreis ist dieses Angebot als außerordentlich hoch zu betrachten. = Heidelberg, 17. Juni. (Die Nordische Musik- w o ch e fand gestern abend in Anwesenheit des Staatspräsidenten Köhler aus Karlsruhe «inen würdigen Abschluß. Wie Karlsruhe in der vorhergehenden einen Richard Strauß, so hat Heidelberg vom 11. bis 16. Juni die zeitgenössische Musik des befreundeten Nordens unter dem Protektorat der Stadt und der Universität in der letzten Woche zu Wort kommen lassen. Schon ein flüchtiger Blick in das geschmackvoll avs- gestatteie Programmbuch zeigt, welch seltene Genüsse, z. T. unter Leitung der Komponisten selbst, geboten wurden. Kammermusik, Kirchenkonzert, Liedermorgen — wobei nordische Lieder in der Ursprache erklangen — wurden von zwei großen Orchester-Konzerten eingerahmt. Ein Attenberg-Stockholm. Ka- janus-Helsingfors, Nielsen-Kopenhagen, Graarud-Berlin wußten dieser Musikwoche ihr eigenartiges Gepräge aufzudrücken. Tiber auch unser heimischer Universitätsmuiskdirektor Dr. Poppen wußte sich zu behaupten. — Zu dieser Veranstaltung Koni am vergangenen Sonntag der Besuch des Leipziger Mannerchors mit über 200 Mann unter der Leitung von Gustav Wohlgemut. Beim Schloßkonzert gab es Stürme von Beifall. So waren die letzten Tag« eine rechte Musikwoche für Heidelberg. — Hridelbrrg, 16. Juni. (Verunglückt.) Ein in Reu-n- heim bei der Schwemmkanalisation beschäftigter Arbeiter stürzte ln einen ca. 8 Meter tiefen Schacht und erlitt so schwere Verletzungen, daß er im Krankenhaus alsbald starb. — Ein 15 Fahre alter Ausläufer stürzte dadurch vom Rad«, daß er in die Geleisspur der Straßenbahn geriet. Im Krankenhaus wurde Gehirnerschütterung festgestelst. — Attenbach, 17. Juni. (U eberhohe Holzprcise.) Die Gemeinde versteigerte dieser Tage aus den Gemeindewaldungen 150 Ster Forlen-Brennholz. Das Forstamt hatte 10 Mark für den Ster festgesetzt, 15 bis 18 Mk. wurden oe- boten. Weiter wurden 20 Los Schlagraum, prv Los zu" 3 Mark angeboten, versteigert wurde das Los zu 18 bis 20 Mark. So wird das Holz verteuert. —Ortenberg. 15. Juni. (Ausstellung.) Am nächsten Sonntag findet hier ein« große Kirschen- und Kirschenwaiseraus- stellung der Ortenau statt,, die der Förderung des Kirschenanbaues dienen soll. In der Ausstellung, die auch von den benachbarten Gemeinden b^chickt werden wird, werden die ivert- vollsten Kirschensorten der Ortenau zur Schau gestellr werden. — Lörrach, 15. Juni. (Götheanum) Nach einer schweizerischen Blättermeldung hat die Anthroposophische Gesellschaft jn Dörnach bei der Gemeindeverwaltung von Darnach ein Baugesuch für die Wiederrichtung des abgebrannten Goe- thcanums eingereicht. t Schwenningen, 15. Juni (U e d e r f a l l.) Ein älterer, h ier beschäftigter Mann wurde am Pfingstmontag gegen 1 Uhr nachts auf dem Wege von Billingen nach Schwenningen bei Weilersbach von sieben jungen Weilersbacher Burschen überfallen, zu Boden geschlagen und so mit Schlägen traktiert, daß der Ueberfallene bewußtlos liegen blieb. Erft nach einiger Zeit kam er wieder zu sich und konnte sich blutüberströmt hierher begeben wo er ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen mußte. t Marmfiadt. 15. Juni. (Ein Vogelnest in einem Etsenbahnzug) dürste eine große Seltenheü sein Darüber berichtet die »St. Pr. Zig.": Auf der Strecke Dieburg-Ober- Roden verkehrt täglich ein Eisenbahnwagen, in dem auf dem Untergestell ein Rotschwänzchenpaar sein Nest kunstvoll „er- steckt hat Die blinden Passagiere haben trotz der Erschütterungen der Fahrt das Brutgeschäst treulich durchgeführt, sodaß jetzt 5 Junge das Licht der Welt erblickt haben. Die Fütterung wird auf den Stationen durchgeführt. Wirtschaftliche Rundschau Geldmarkt. Die Geldmarktverhästniss« sind eine Kleinigkeit freundlicher geworden. Damit ist aber nicht gesagt, daß auch nur eine nahe Aussicht auf eine durchgreifende Besserung besteht, geschweige denn, daß eine Erleichterung des Geldmarktes schon jetzt vorläge. Die Geldklemme besteht überall, am meisten bej der Industrie. Zwar sind umfangreiche neue Krcdit- verhandlungen mit Holland, England und Amerika, zum Teil auch mit der Schweiz, angeknüpft worden, di« nicht mehr so hoffnungslos erscheinen, als noch vor wenigen Wochen, aber es kann noch lange dauern, bis hinreichende Geldmittel an Deutschland verstehen werden, um unserer Wirtschaft das Atmen wieder zu erleichtern. Der Zinsfuß hat sich noch nicht geändert. Die Sätze sind nach wie vor unerschwinglich hoch und erschweren jeden Geschäftsgang. Immerhin mehren sich di-S. m- men, die noch im Laufe dieses Sommers e^nen Umschlag erwarten. Börse. Drs Börsengeschäft liegt vollständig darniever. Wenn es irgendwo eine Belebung auftveist, so ist sie meist hecvorge- rufen durch Zwangsverkäufe, die bei oem Mangel an Unternehmungslust auf die Kurse drücken. Es fchlt fast ganz an der Nachfrage nach Effekten, weil niemand das Vertrauen hat, in nächster Zeit nennenswerte Kursgewinne zu erzielen, währe ad andererseits der hohe Zinsfuß genügenden Anreiz zur Hergabe von Kapital in Darlehensgeschäften bietet. Ab und zu kommen kleine Kursverbesserungen vor, aber es genügt schon eine kleine Nachfrage, um solche zu erzielen, weil die Umsätze auf allen Gebieten sich an der untersten Grenze halten. Die politische Lage wird von der Börse günstig beurteilt, d. h. man gl rubr, daß wir endlich zu einer gütlichen Auseinandersetzung mit unseren Feinden kommen werden; jedoch darüber herrscht Uebcr- einstimmung, daß unsere größten Zahlungslasten dann erst beginnen und auch fernerhin das Effektengeschäft stören werden. Produktenmarkt. Die Tendenz des Produktengeschästes ist wieder ruhig geworden. Die Preise haben sich konsolidi;rt Vom Ausland liegen keine besonderen Anregungen vor. Das Inlandsgeschäft verläuft in normaler Bahn und läßt wenig Spekulation erkennen. Die Heu- und Strohpreise sind in Süd- dcutschrand aus 6Vr bezw. 414 Mark zurückgegangen. Die Ursache ist in dem guten Saatenstand und vor allem in den vorzüglichen Aussichten der bereits begonnenen Heuernte zu suchen. Warenmarkt. Die Preise haben sich in der letzten Woche wieder etwas gesenkt. In der Lederbranche sind namentlich die Schuhartikel etwas verbilligt worden. Die Textilbranche muß sich gleichfalls zu einigen Zugeständnissen verstehen, gibt aber nur langsam nach. Verhältnismäßig günstig haben sich die Lebcnsmittelpreise entwickelt, da in allen diesen Artikeln reichliches Angebot herrscht. Das fruchtbare Wetter begünfstgt d'e Perbilligung von Gemüsen. Gleichwohl ist die Indexziffer immer noch zu hoch, aber die Befürchtung, daß die Gehaltsaufbesserung der Beamten alsbald zu einer Verteuerung der Lebenshaltung führen werde, ist zum Glück nicht eingetroffen. Die meisten Schwierigkeiten bereitet die Frage der Kohlenpreise, die andauernd viel zu hoch sind, als daß ein allgemeiner Preisabbau ejntreten könnte. Pirhmarkt. Auf den Schlachtoiehmärkten haben sich die Preise während der letzten Woche nicht wesentlich geändert. Auch die Ladenfleischpreise sind unverändert geblieben. Die Nutzviehmärkte sind spärlich befahren und haben in letzter Zeit wenig Geschäft erkennen lassen. Nach Pferden hat die Nachfrage wieder zugenommen, auch haben die Preise wieder etwas angezogen. Holzmarkt. Das Geschäft ist ruhig und bleibt immer noch fast ausschließlich auf das Inland beschränkt. In der letzten Woche sind die Preise stabil geblieben. Turnen, Sport und Spiel. Faustball. ch Weiler. 16. Juni. Am Sonntag trafen sich die beiden Bczirksmeister Weiler und Gaiberg in der Meisterklasse, um die Gaumeisterschaft des Neckar-Elsenz-Turn-Gaues in Bammental. Resultat: 68—71 für Weiler. Weiler ist somit Aau- meister in beiden Klassen und hat nunmehr am 29 Fun. um die nordbadische Meisterschaft rn Hyckenheim zu spielen. Gut Heil! _ Neueste amtliche Kurse vom 17. Juni 1924 mitgeteilt von der Bereinsbank, e. S. m. b. H. Sinsheim. (StR hinter einem Kurs bedeutet Million, Md Milliarde, Bu Billion-Prozent. «»leih«»: 5«fo Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Sparprämienanleihe «aakafeticn: Bad. Bank .... Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank .... Deutsche Vereinsbank Dresdner Bank Mstteldeutsche Kreditbank Reichsbank . . . Rhein. Ereditbank . Südd. Dtsconto Ges. Ber g »»erl>»-Aktien: 0,425 Bu. 51,75 101/8 22 Harpener Bergbau . Sali Westeregeln Mannesmannröhrenwerke Mansselder Bergb. u. Hüttenw 2 ,«6 Oberschl. Eisenb. Bedarf. . 8>/r Phönix Bergbau n. Hüttenbctrteb — Salzwerb Hetlbronn... 32 Bereinigte Königs-». Laurahütte iV* Aktie» inbttft*. Unternehmungen: Allg. Elektr. Etarnmaltien . 6,65 Badenia Weinheim ... 0,8 Bad. Anilin- und Soda . . 12% Säafc. Elektrizität Mannheim . 0,35 Bad. Maschine» Durlach . . lv 8,625 2,2 11,7 6,76 2*4 0,65 14,76 Eementwerk Heidelberg . Ehern. Griesheim . Daimler Motoren . Dtsch. Gold- und Stlbcrschetde Eleltr. Licht und Kraft . Emaill. und Stanziverk Ullrich Fuchs Waggon Stainmattien Gritzner Maschinen Durlach . Heddernhetmer Kupfer und Südd. Kabelwerle . . . 6% Höchster Farbwerke . . . 8.76 Karlsruher Maschinen . . 2,2 Knorr Heilbronn ... 2,6 Mainkraftwerke Höchst . . 5 Reckarsulmer Fahrzeuawcrke. 3% Schildert Elektr. Nürnberg . 2 « SeUtndustrte Wolfs . . 3 Zellstoff Waldüof Stammaktien 6,76 Zuckerfabrik Waghäusel . . 2,4 „ Hetlbronn . . 1,8 Aktien deutsch« Scansportanftaltc»: Bn. Hamburg. Amerit. Paketfahrt 19,8 Heidelberger Straßen- ».Bergbahn 0,826 Norddeutscher Lloyd. . . 4,05 Denise»: Geld Brief New-Dork 1 Dollar 1.19 4.21 London 1 Pfand 18.12 18.21 Holland 160 Gulden 166.81 157.69 Schweiz 100 Flaues 73.81 74.2» Paris 100 Francs 22.89 23.01 Marktberichte. Sinsheim. 17. Juni. Dem Schweinemarkt waren zugeführt: 19 Milchschweine von Mk. 15—25 das Paar. Preise des Mannheimer Schlachtviehmarkls vom 16. Juni 1924. Für den Schlachtviehmarkt am Montag betmg der Auft rieb: 200 Ochsen, 187 Bullen. 724 Kühe und Rinder. 505 Kälber, 253 Schafe, 1643 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht .in Goldmark: Ochsen 1. Kl. 44—48, 2. Kl. 36—40 3. Kl. 30-34, 4. Kl. 24-28; Bullen 1. Kl. 34-36, 2. Kl. 30-32, 3. Kl. 26-28; Kühe und Rinder 1. Kl. 46 -50. 2. Kl. 36-40, 3. Kl. 30—32, 4. Kl. 22—26. 5. Kl. 12—20, Kälber b 60—62, c 52 bis 56. d 45—50, s 40 - 45: Schafe a — , b 26—30 e 20—26, e 16—20, Schweine a und >> 52 - 54, <■ 53—55, d 53—55, e 51 bis 53, Sauen 38—44. — Marktoerlauf: Mit Großvieh mhig. Ueberstand: mit Kälbern mittelmäßig, langsam geräumt: mit Schweinen mittelmäßig, Ueberstand. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 16. Juni 1924. Die Preise verstehen stch per lvo kg alles in Goldmark zahlbar in Rentenmark. Weizen, inländischer 17,25—17,50! Mais (mit Sack) 16,50-17,00 Weizen, ausländisch. 19,50—22,00 Roggen, inländischer 15,50—16,00 Gerste, inländische 17,00—18,25 Gerste, ausländische — Hafer, inländischer 15,25—15,50 Hafer, ausländischer — Weizenmehl Sp. 0 27,25-28,75 ,_ Roggtmnehl 70<> o 23,00—23,50; Raps Tendenz: fester. Weizenkleie Biertreber . . . Roh-Melasse . . Wiesenheu . . . Luzernekleeheu . Preßstroh . . . Gebundenes Stroh 8,75-9,00 -7,00 DIIIIttIIIIIII!IIIUIIIIWIIUIIIIIIIIII«iIII!!UIIIIIIIIIIIIIII«IIII»II»IIIIIIUIW!IIIIIIIII!IIIW I Freilicht-Aufführung 1 = Ina Anslallho! des Stilles. g = Veranstaltet vom Badischen Volkskulturtheater. = Ü Fronleichnam, Donnerstag, den 19. Juni W H Anfang 5 Uhr Ende 7 Uhr || | Jphigenie | 5 auf Tauris = = Schauspiel in 5 Akten von J. W. v. Goethe. || §E Eintrittspreis 1.— Mark., Schülerkarten —.60 Mark. W S Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung abends §§ W im „Löwensaal“ statt. jj= illlllllll!illllllllinillllllli!lll!!lllllll!lllll!llllll!IIIIIIIIII!lllllllllilllllllllllllllllllllllllllllirf isy* _ ( HERSTELLER : K8AEMER f FL AM MER. HEtLBROM a. V. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Mutter u Großmutter Katharina Widder sowie für die trostreichen Worte des Herrn Stadtvikar Meerwein, den Schwestern für ihre liebevolle Pflege während ihrer Krankheit und für die Kranzspenden sagen wir auf diesem Wege innigen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Sinsheim, den 17. Juni 1924. Oefunden Zwischen Rohrbach und Steinsfurt eine QandtaliQe mit Inhalt. Abzuholen bei Leopold Blmmami, Rohrbach b. S. Elsa Faul, Heidelberg, Sofienstr. 13. Scheuerpulver Aftil I pufatwpngtnüw! | Üseran tu Käse Apparate hochwichtig für jeden, komplett mit allem Zubehör empfiehlt H. Iühner, »ruchsal. Vertreter gesucht. 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