Erscheint täglich «it Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins LauS monatlich Goldmark 1.20 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. 8a Fällen von höherer Gewalt »«steht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Uhr Sonntags geschloffen. Eernsprech-Anfchlu^ Nr. 488 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 8903 Der Lanövote Sinsheimer MM Zeitung ?ns General-Anzeiger für klfenz-und §ckwarzbaclrtal Keltelt« unct verbreitetste Leitung ckieler 6egenct- tzsupt-Hnbeigen-ölLtt Möch entlieh» Seitagenr Neu» IUvlteiert» » Hu* dem Reich der fflode » Ratgeber für Raus- und Candwirtlcbaft Anzeigen-Pretse: Auze^en: Die 33 min breite Millimeter-Zeile k Goldpfg. Reklamen- Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit., Bei Wiederholungen tariertet Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerrchrliche- Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Uhr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher auf- gegeben werden. Bant-Konto: Deretnsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 51. Mittwoch, den 29. Februar 1928. 89. Jahrgang Der Widersinn des Korridors. Gin offenherziger Franzose. - „Die polnisch-preußische Grenze ist ein Unsinn" Me Wahrheit hört man in Polen nicht gem, auch wenn sie von den treuesten Freunden und Gönnern herkommt. So wurde in Dirschau, das heute den weniger wohlklingenden Namen Tezew hat, das „Pommercllcr Tageblatt", die ehemalige jetzt noch d«s Deutschtum wacker verteidigende „Dirschauer Zeitung" von der Starostei, dem polnischen Landralsamt, beschlagnahmt. Das ungeheuerliche Verbrechen des deutschen Blattes bestand lediglich darin, daß es ohne jeden Kommentar den Artikel einer angesehenen Pariser Zeitung abdruckte, der unverblümt den Widersinn des Korridors hervorhebt. Der Artikel stammt aus der Feder des Chefredakteurs des bekannten Blattes „Le Soir", Robert Tourly, der unlängst persönlich in Danzig, Polen unv an der Wcichselgrenze weilte. Er betont selbst, daß er „leidenschaftslos und nur, um dem Frieden zu dienen" geschrieben habe uno führt dann in der Hauptsache aus: „Meine Ueberzeugung steht jetzt fest: Der Friede ist an den Ufer» der Weichsel in Gefahr. Me polnisch-preußische Grenze ist ein Unsinn, der Danzigcr Korridor eine Zerstückelung bei lebendigem Leibe, die Abhängigkeit Danzigs von Polen eine unbegreifliche „Kolonisation" mit Gewalt, die die Grundsätze des Rechts und der Gerechtigkeit mit Füßen tritt. Man hat Wert daraus gelegt, kurz nach dem zrriegc Polen „königlich" zu lohnen, man hat aus Polen einen großen Staat machen wollen, der imstande wäre, in diesem weiten Osten das Gleichgewicht zwischen Deutschland und dem beunruhigenden Rußland zu halten. Aber man schneidet nicht so willkürlich in das Fleisch der Völker. Die Folgen davon? Ein kleiner Staat wurde in seinen Rechten verletzt und kann nur Einspruch dagegen erheben. Eine P.ovinz. ein abgenommenes Glied ist verurteilt, langsam zu sterben. Der Korridor ist ein Stachel im deutschen Fleische. Alle Diplomaten Europas sollten es sich angelegen sein lassen, eine Lösung für diese Frage zu finden. Es handelt sich nicht darum, die Rechte Polens als Staat zu verletzen. Es will keinen Krieg, sagt es. Deutschland auch nicht; Danzig noch weniger. Also? Die Weichselgrenze muß neu festgestellt werden. Me Rechte Danzigs müssen neu festgesetzt werden. Es muß ein für alle annehmbarer Modus vivendi gefunden werden." Der offenherzige Franzose schließt mit einem Appell an den Völkerbund, der die Aufgabe habe, den Frieden herzustellen und überall die Kriegskeime auszurotten. 20 Millionen Wöbusverlusle. Die Oeffentlichkeit soll informiert werden. Berlin, 28. Febr. Die amtlichen Untersuchungen über die Phöbus-Affäre, die, übrigens noch immer nicht zur endgültigen Lösung gebracht werben konnten, haben inzwischen ergeben, daß erheblich größere Summen ourch den Skandal verschlungen werden. die auf das Konto des Kapitäns Lehmann kommen. Der Reichssporkommissar veranschlagt den Schaden jetzt auf mindestens 20 Millionen RM. wobei noch nicht feststeht, ob diese Summe nicht durch die weiteren Ergebnisse der noch laufenden Untersuchung überholt wird. Allein die jüngst aufgedeckten Speck- grschäft« machen etwa 1,1 Millionen RM. aus. Mehr uno mehr gewinnt jetzt auch bei den amtlichen Stellen, insbesondere bei dem Reichswehrminister Dr. Grüner die Auffassung Raum, daß die Oesfestlichkeit über die Einzelheiten des Skandals informiert werden müßte, um zu vermeiden, daß nicht allwöchentlich durch neue Berössentlichungen neue Beunruhigungen hervorgerufen weroen. Me Auffassung kam auch bei ven letzten parlamentarischen Besprechungen darüber zum Ausdruck und man erwartet allgemein, daß der Rcichswehrminister alsbald nähere Mitteilungen über die Ergebnisse der bisherigen Untersuchung der Oeffentlichkeit zugehen lassen wird. Die für heute in Aussicht genommene Besprechung des Vizekanzlers Dr. Hergt mit den Führern der bisherigen Rcgicrungs- parteien hat noch nicht stattgefunoen. Dagegen wurde zwischen Vertretern des Reichsernährungs-, Reichswehr- und Reichsfinanzministeriums die Angelegenheit der B.rliner Bacon-Kompagnie erörtert. Diese Angelegenheit wird in den nächsten Tagen zusammen mit der Phöbusangelegenheit noch den Hauptausschuß sehr eingehend beschäftigen. Ablauf wichtiger Lohnfteuerfristen Berlin, 29. Febr. Das Reichsfinanzmiuistcrium weist darauf hin, daß am 29. Februar die Frist abläuft, innerhalb deren die Arbeitgeber den Finanzämtern Ueberwei- surigslisten für 1927 über die außerhalb des Ortes der Betriebsstätte wohnhaft gewesenen Arbeitnehmer einzureichen haben. Bis zum gleichen Tage haben die Arbeitnehmer, für die 1927 Steuerkarten verwendet worden sind, ihre Steuerkarten mit Einlagebogen an das Finanzamt abzuliefern. Ferner wird darauf aufmerksam gemacht, daß Anträge aus Erstattung von Lohnsteuer für 1927 bis zum 31. März beim Finanzamt eingeretcht werden müssen. Merkbläte» über Lohnsteuererstattung und Antragsvordrucke sind bei den Finanzämtern kostenlos erhältlich. Die Industriebesuche des Königs Amanullah Berlin, 29. Februar. König Amanullah von Afghanistan widmete den gestrigen Tag weiteren Jndustriebcsichtigungen. Geführt von Geheimrat Tr. Deutsch besichtigte er zunächst dir TranSformotorenfabrik der A EG. in Oberschöneweide, dann das Kabelwerk Oberspree und die N.A.G. Da Afghanistan kaum Eisenbahnen besitzt, intenressierten den König besonders die Kraftwagen der N.A G. Nach der Besichtigung überreichte Geheimrat Deutsch dem König wertvolle Erinnerungsgeschenke. Die Gäste besuchten dann das Grotzkraft. perk Klingenberg. Der Zusammenbruch im Jahre 1918 Abschluß der Untersnchnnge« über bi« Politik des Reichstages i« Weltkriege. Berlin, 29. Febr. In der gestrigen Sitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschuffes des Reichstages berichtete Abg. Philipp (Dn.) namens des vierten Unterausschusses über den Abschluß der Untersuchungen über die Politik des Reichstages im Weltkriege und über die allgemeinen Ursachen und Hergänge des inneren Zusammenbruches im Jahre 1918. Es wurde beschlossen, dieses Teilergebnis dem Plenum noch in dieser Wahlperiode zur Kenntnis zu bringen. Die Ghescheidungsresorm vor dem RechfsausWuß des Reichstags Berlin, 29. Februar. Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde gestern über den Bericht des Unterausschusies für die Reform des Ebescheidunasreckts beraten. Anträge der Dentschnationalen und des Zentrums, die Angelegenheit von der Tagesordnung abzusehen, da die jnr Verfügung stehende Zeit des Reichstages zur Erledigung dieser Angelegenheit nicht mehr ausreiche, wurden mit den Stimmen der Linksparteien und der Deutschen Volkspartei abgelehnt. Es wurde darauf hingewiesen, daß das Notprogramm sich nur aus finanzielle Fragen beziehe und keineswegs identisch sei mit der genauen Umschreibung der Aufgaben, die der Reichstag noch erledigen könne. Der Vorsitzende Dr. Kahl sDBP.s erstattete dann einen ausführlichen Bericht über die Arbeiten des Unterausschusses und die Anträge, die dieser zur Reform der Ehescheidung vorschlägt. Daran schloß sich eine Anssprache, tu der sich die Vertreter der Bayerischen Volks- partei und der Deutschnationalen entschieden gegen die Aen- derungen aussprachen. Die Fortsetzung der Aussprache wurde auf Freitag vertagt. Entschädiguugssrageu vor dem Reichstagsausschutz. Berlin, 29. Febr. Der Entschädigungsausschuß des Reichstages nahm gestern seine Beratungen wieder aus. Die aus den Kompromißverhandlungen zwischen Regierungswarteien und Finanzministerium hervorgegangenen Vereinbarungen wurden als Anträge der Regierungsparteien vorgelegt. Tie Artikel eins und zwei des Entwurfes wurden mit den von den Regierungsparteien beantragten Aenderungen angenommen Aus der Sitzung des Saushattsausschuffes Berlin, 29. Febr. Im Haushaltsausschuß des Reichstages nahm gestern vor Eintritt in die Tagesordnung Abg Schmidt zu den vorgestrigen Ausführungen des Zentrums- abgeorüneten von Guerard im Plenum Stellung und erklärte, wenn Preußen jetzt im Etat für 1928 hunderte rwn neuen Beföröerungsstcllen schaffe, dann müßten Reichsregierung und Reichstag beim Ergänzungsetat 1928 unbedingt die Folgerung ziehen. Es gehe nicht an, die Reichsbeamten schlechter in der Beförderung als die preußischen Beamten zu stellen. Die Einzelberatung des Etats des Reichsverkehrsministeriums wurde dann fortgesetzt. Der Zentrums- abgcordnete Groß nahm die bayerischen Motorenwerke gegen Angriffe in Schutz und erklärte, diese hätten sich ans eigener Kraft zu erstklassiger Leistung zum Nutzen unserer Luftfahrt heraufgearbeitet. Vottaufia keine Vraunkohlenpreiserhöhung Berlin, 29. Februar. sFunksprnch.) Amtlich wird mit gcteilt: Der Reichskohlenverband und der große Ausschuß des Reichskohlenrates beschäftigten sich in ihrer gestrigen Sitzung mit Anträgen des ostclbischen und des mitteldeutschen Brauntohlensyndikatcs auf eine anderweitioc Regelung der Braunkohlen- und Brikettpreise für den Monat März 1928 und das Kohlenjahr April 1928 bis März 1929. Mit Rücksicht darauf, daß das Schmalenbach-Gntachten und das Gegengutachten der Braunkohlenindustrie bisher nicht aufgewertet werden konnten, wurde beschlossen, die Anträge der beiden Syndikate, soweit sie die Preisregelnna im Kohlenjahr April 1928 bis März 1929 betrafen, zurückzustellen und im Laufe des Monats März zunächst in eine eingehende Erörterung der beiden Gutachten einzutreten. Wegen der Hausbrandbriketts wurde beschlossen, die Preise im Monat März auf der Höhe der Februarpretse zu belasten, den ursprünglich vorgesehenen Abschlag von je einer Mark pro Tonne also nicht eintreten zu lassen. Maßgebend für diesen Beschluß war die Tatsache, daß die durch das Jahrespreisprogramm beabsichtigte gleichmäßige Beschäftigung in der Braunkohle tatsächlich nicht eingetreten ist. sondern daß die Abrufe in den Sommermonaten zu niedrigeren Preisen den durchschnittlichen Monatsumsatz erheblich überschritten haben. Für die Randreviere Frankfurt, Görlitz, Forst, Kaste! und die Grube Gustav bei Dettingen werden die Preise künftig als Frankopreise berechnet und auf die Frachtbasis Senftenberg bezw. Oberröbblingen und Liblar abgestellt. VeoWer Reichstag (388. Sitzung.l Berlin, 28. Febr. Präsident Loebe eröffnet die Sitzung um 14 Uhr. Die zweite Beratung des Haushaltsplans für 1928 wird fortgesetzt und zwar beim Haushalt für Bcrsorgnngs- und Ruhegehälter. Der Ausschuß ersucht die Reichsregierung, unverzüglich einen Gesetzentwurf über die Festsetzung einer Höchstpension und Regelung der Pensionskürzung bei hohen Arbeitseinkommen vorznlegcn, ferner ein Pensionsgesetz für politische Beamte. Abg. Rotzmann sLoz.) weist daraus hin, daß trotz erheblicher Sterblichkeit unter den Kriegsopfern alljährlich noch Zehntausendc von neuen Rentenempfängern hinznkämen. Die Versorgung der Kriegsopfer solle und müsse Geld kosten,, damit das Volk sich mit Abscheu von den intellektuellen Urhebern des Krieges abwendc. In der Frage der Pensionen, wende sich die Sozialdemokratie gegen die Maßlosigkeit nach! oben. Pensionsknrznngen seien durchaus berechtigt. Uner- ■ hört sei es, daß man den Adjutanten Hitlers, der aktiv am: Hitlcrputsch beteiligt war, eine 33prozcntige Rente bewilligt; habe. Mit der Notlage unseres Volkes sei es auch nicht ver- 1 einbar ,wenn die junge Reichswehr schon 75 pensionierte Os-* fiziere im Range eines Generalmajors, 87 im Range eines ^ Generalleutnants und 15 int Range eines Generals habe. So sei General Reinhardt im Alter von 57 Jahren pensioniert worden, nur um seinen Nachfolger in den Genuß des Gehalts kommen zu lassen. (Hört! hört! links.) Abg. Laverrenz (Ztr.) erklärt, das Niveau des Abg. Dr. Frick sei gekennzeichnet durch seine geschmacklosen Angriffe gegen ermordete Politiker, die dem Baterlanöe große Dienste geleistet haben. Abg. van Rami« lVölkisch) fordert ausreichende Versorgung der früheren Angehörigen der aufgelösten Berliner Schloßgarde. Abg. Loivl (Bayr. Volksp.) nimmt die Regierungsparteien gegen den Vorwurf in Schutz, daß sie für die Kriegsopfer nicht genug übrig gehabt hätten. Während der Rede kommt es zu einem Zwischenfall. Aus der Publikumstribüne erhebt sich ein Mann, um mit drohend erhobener Faust in den Saal zu rufen: „Wann werden Sie * mir meine Kriegsentschädigung geben? Ich werde Euch verfluchen und meine Kameraden mit mir, wenn Ihr mir nicht meine Reute ehrlich bewilligt!" Der Rufer wurde von einem Diener von der Tribüne geführt. Abg. Loibl lBayr. Volksp.) wendet sich gegen die Linke mit de» Borten: „Solche Zwischenfälle sind die Folge Ihrer verhetzenden Tätigkeit draußen im Lande." lLärm und Rufe links: Nein, eine Folge ihrer Untätigkeit. Sie haben die Kriegsbeschädigten belogen und betrogen.! Damit schließt die Aussprache. Der Etat wird in der Ausschntzfassnng in zweiter Beratung angenommen. Die Ausschutzentschließung auf Vorlegung eines Höchstpensionsund Pcnsionskürzungsgesetzes wird in namentlicher Abstimmung mit 273 gegen 120 Stimmen bei 8 Enthaltungen genehmigt. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 14 Uhr. Etat des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Schluß nach 18 Uhr. Steigende Selbstkosten, eine Gefahr für die deutsche Wirtschaft. Auf der Vorstands- und Hauptausschußsitzung des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen im Rheinland und Westfalen, verbreitete sich Dr. Silverberg über die allgemeine Wirtschaftslage. Einleitend erfolgte der Hinweis auf den Wettlauf zwischen Zöllen und Löhnen, der anscheinend aus der deutschen Wirtschaftspolitik nicht herauszubrinaen sei. Einmal solle die Zollhöhe gehalten werden, um die Löhne und die verkürzte Arbeitszeit sicherzustellen, zum anderen wünsche man Zollsenkung, um die Löhne kaufkräftiger zu machen und die Lebenshaltung zu verbilligen, andererseits habe man bei der gewiß nicht scharfen Ei- senpreiserhöhung hören können, als Gegenmaßnahme sei daran zu »denken, die Zölle aufzuheben. Auch in der Reparationssrage, die heute die wittschastlichc Lage beherrsche, stoße man auf widerstrebende Auffassungen. Die Reparationsfrage wirke sich als empfindlicher Export von Gold goldwerteu Waren ans, ohne daß für diesen Export eine Gegenleistung stattfinde. Allein diese ungeheure Belastung müsse unmittelbar einen starken Einfluß auf die Selbstkosten ausüben. Eins sei zwar richtig und feststehend, daß unter dem Transferschutz die deutsche Währung gehalten werde. Aber man müsse bezüglich der Wahrung zweierlei unterscheiden: die technische Fest- Werners Werbung. Roman von George Manville Fenn und Carl Johannes. « Liefe Worte gölten dem Diener, der ängstlich in der halboffenen Türe stand. „Ich bitte um Verzeihung, Herr — ° „Wenn es jemand aus dem Steinbruch ist, so sagt ihm, daß ich jetzt keine Zeit habe!" „Nein, es ist Herr Wyddyr." „Weshalb sagtet ihr das nicht gleich? Wo ist er?" „Im Salon. Herr." Norman Gartram erhob sich, verriegelte die Zimmertür nach der Halle von innen« verließ dann das Zimmer durch die nach dem Garten führende Glastür, rösche er von mißen sorgfältig mit einem kunstvollen Schlüssel. den er bs sich trug, verschloß, und ging dann dir mit Granit- fliesen gepflasterte Terrasse entlang nach der Beranoa aus der Vorderseite des Schlaffes, von wo er wiederum durch eine Wastör in den Salon trat und dort einen großen, schlanken Herrn, eine männlich schöne Erscheinung von ungefähr dreißig Jahren, im Anzuge eines Seemannes, he^lich begrüßte. „Ah, Herr Glyddyr! Das freut mich. Sie haben also Ihr Versprechen nicht vergeffen?" „Oh. nein, das tue ich nie", erwiderte der Besucher, ihm die Hand drückend. „Bitte, kommen Sie nach meinem Zimmer. Darin muß ich der weiblichen Tyrannei meines Haushalts gehorchen, Herr Glyddyr. daß nur dort geraucht werden darf." „Sie glücklicher Mann!" „Wie meinten Sie?" „Ich meinte. Sie sind ein glücklicher Mau,., daß Sie «nter der Herrschaft solch einer Königin sieben." Norman Gortram «ickte ihn ichaiv an und erwiderte Bann: „Verschwenden Sie uichr Ihre Komplimente! Komplimente sind in der seinen Gesellschaft am Platze. Ich 'bin aber nur ein einfacher Handelsmann." Der Landbote * Sinsbenner Zeitung. Haltung, die unbedingt gesichert sei, und der Innenwert der Währung, wie er sich in Deutschland darstelle. Praktisch wirke sich die Regicrungspolitik so aus, daß eine dauernde Steigerung der Selbstkosten eintrete. Der schöne Ausdruck „Befruchtung der Wirtschaft durch ausländische Anleihen" sei mit einer gewissen Skepsis aufzunehmen. Von einzelnen Ausnahmefällen abgesehen, sei die Regel, daß die zu erwartenden Vorteile der Rationalisierung überwiegend durch Selbstkostenoerteuerung, insbesondere durch die Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichzeitiger Lohnerhöhung für die verminderten Leistungen, vorweg genommen werden, ehe sie überhaupt auftreten. Rur der Wiederaufbau des Eigcnkapitals könne uns vorwärts bringen. Dazu sei aber notwendig eine völlige andere Einstellung der öffentlichen Hand, andere Stellung des Individuums im Betriebsprozeß, größere Vorsicht bei Neuanlagen, die vielfach nur eine weitere Verteuerung Hervorrufen, ohne daß genügend liquide Reserven für eine rechtzeitige Erneuerung zurückgestellt werden konnten. Größere Produktion und größere Leistung der inzelnen werden allen Teilen der Wirtschaft neue Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Wenn auch im Augenblick auf dem amerikanischen Inlandsmarkte noch keine erhebliche Schwächung der Nachfrage cingeti eten ist, so seien doch genügend Anzeichen einer bevorstehenden Sättigung vorhanden. Die unserer Wirtschaft hieraus drohende Gefahr werde in Deutschland unterschätzt. Zu wünschen sei, daß auch die Presse den Notwendigkeiten, die von der Produktionsseite erforderlich seien, in großem Umfang Rechnung trage. Man werde tief bedauern müssen, wenn erst ausgebrochene Notstände die Erkenntnis in der Arbeiterschaft reifen ließen. Bauer oder Gefolgsmann. Wie sich der Bauer zur Staatssonn stellt, ist auch in Deutschland entscheidend. Bisher hat er sich an den etwas derangierten Wagen des Großgrundbesitzes vorsvanncn lassen und mit ihm eine von agitatorischen Phrasen dirigierte Politik getrieben. Nun naht die Umkehr. Ueberall in Deutschland lösen sich die Bauern von dem Landbund. Die christlich-nationale Bauernbeipcgung ist ein Symptom. Der Bauer, ein freier Herr unter vielen ist ja der Urtyp des Demokraten: stark ist er mit einer großen Zahl Gleichgesinnter, schwach, wenn er allein steht. So ist er der Gedanke der Demokratie, die immer mehr im Bauerntum Fuß faßt. Eine Versammlung rheinhessischer Bauern am Sonntag in Bürstaot gab davon Zeugnis. Trotz einer gleichzeitigen Versammlung der freien Bauernschaft in Alzey war die Versammlung sehr gut besucht. Als erster Redner wies Abg. Eberle darauf hin, daß cs heute nicht genüge, zu Klagen. Der Bauer muß selbst sein Schicksal in die Hand nehmen. Güterdircktor Schneider wies hin auf die Selbsthilfe, durch die die Bauern in Dänemark sich wirtschaftlich und politisch eine einflußreiche Stellung gesichert hoben. Er betonte die Notwendigkeit einer guten sachlichen Vorbildung für den Bauernstand. Als dritter Redner sprach der Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell. Man darf, so sagte er, die Notlage der Landwirtschaft nicht leugnen, aber man soll sie auch nicht überschätzen. Besonders falsch sei es, sic agitatorisch auszunützcn. Er verlangte, daß an Stelle der Großgrundbesitzer, die ihren Besitz nicht halten könnten, Bauern Verwalter des deutschen Bodens würden. Er hob dann noch hervor, was die hessische Regierung für dis Bauern getan habe und schloß daß die hessische Regierung unbeirrt durch die Wahlagitation ihre Pflicht gegenüber dem Bauernstand, wie gegenüber den anderen Berufen tun werde. Er warnte als alter Freund der Bauern vor den neuauftanchcndcn Bauernparteien, welche im Endeffekt Abkehr der Bauern von der Republik und den überwiegenden Berufsständen und damit eine Minderung des bäuerlichen Einflusses auf die Gesetzgebung bedeutete. Die Förderung des Wohls aller Stände fei nach wie vor das Ziel der Demokratischen Partei. Lang anhaltender Beifall belohnte die Ausführungen des Ministers. Was wird aus den allen Lebensversicherungen? Der Deutsche Bersicherungs-Schutzverband e. B., Berlin (W. 30, Motzstraße 62), teilt hierzu mit: Daß die alten Lebensversicherungen aufzuwettcn sind, und daß ihre Anmeldung zur Aufwertung nicht erforderlich ist, ist allgemein bekannt. Unkenntnis herrscht aber in weiten Kreisen darüber, in welcher Weise die Aufwertung erfolgt. Die Auswertungsanteile für Versicherungen, oie vor dem 14. Februar 1924, sei es durch Tod des Versicherten, sei cs durch Ablauf der vereinbarten Vcrsicherungsdauer, fällig geworden find, werden nach Fertigstellung des Teilungsplanes einschließlich einer geringen Verzinsung für die Zeit ab 14. Februar 1924 ausgezahlt. Verfügt die betreffende Versicherungsgesellschaft nicht über genügend flüssige Mittel, dann kann ihr aus Antrag die Auffichtsbehörde die Hinausschiebung der Zahlungsfrist bis zum 31. Dezember 1932 „Lord Gartrams Bruder ein einfacher Handelsmann?" „Ja. wesyaw denn mcyi? Mein Vater ymternetz mir und meinem Bruder nichts als ein paar hundert Pfund Rente und das erhebende Bewußtsein, der Sohn eines Edelmannes zu sein. Ich hatte nur die Wahl, entweder ein verächtlicher Schmarotzer zu sein, oder ein ehrlicher, tüchtiger Arbeiter. Ich wählte das letztere. Mein Bruder nannte mich einen Narren und ging seines Weges, und ich als hartköpfiger Narr ging glerchsfalls meines Weges." „Ja, Herr Gartram?" „Mein Bruder heiratete dann eine ältere, nicht ganz junge Dame. Meine Tochter und meine Nichte haben sie ja ganz gern und erzählen immer wieder davon, wie nett sie- bei ihrer letzten Reise nach dem Kontinent gewesen. Ich kann sie aber nicht ausstchen, und meinen Bruder macht sie woN auch nicht besonders glücklich. Er heiratete also diese Dome, während sch mein ganzes Geld für den Ankauf einer unfruchtbaren Strecke dieser Uferklippe allsgab. Mein Bruder sagte, ich müßte von Sinnen sc n, aber meine Klippe hat den Granit für eines der herrlichsten Bauwerke in England geliefert und mich zum reichen Mann gemacht, wahrend Lord Gartram seine Frau um jeden Schilling bitten muß. den er auspeben will — wenn er mich nicht um Geld bittet. Wenn ich einmal anfange, davon zu reden, kann ich so leicht nicht aufhören!" Er führte den Besuch auf demselben Wege, den er selbst vorhin gekommen, in sein Arbeitszimmer und Woß mit einem kunstvollen Stahlschlüffel eine eichene Tür auf. welche sich langsam öffnete und auf der Innenseite eine glatt polierte Granitplatte zeigte. Auch die übrigen Seiten des Wandschränkchens bestanden aus dem gleichen Material. „Ein seltsames Wandschränkchen für Zigarren, nicht wahr? Ganz von Granit! Ich glaube nun einmal cm Granit. Nahmen Sie eine von diesen." und damit stellte Mittwoch, den 29. Februar 1928. gestatten. Auch können oie fällige» Ansprüche mit Mobilisienmgs- Pfandbriefen (wie cs beispielsweise beim Nordstern der Dill ist) bezahlt werden. Fällige Ansprüche können vor Fertigstellung des Teilungsplanes bevorschußt werden. Anträge hicrsür sind beim Treuhänder der betreffenden Versicherungsgesellschaft zu stellen. Waren die Versicherungen vor dem 14. Februar 1921 «och nicht fällig, dann weroen aus den Aufwertungsanteilen mit Wir- ung vom 14. Februar 1924 neue Versicherungen gebildet, fllr di» keine Prämien zu bezahlen sind, und die nur im Falle des Todes des Versicherten zur Auszahlung gelangen. Die Fälligkeit kann auch auf die Erreichung eines bestimmten Lebensalters abgestellt werden. Endgültige Bestimmungen werden hierüber durch den von der Aufsichtsbehörde zu genehmigenden Teilungspla» getroffen. Daß die neue Versicherungssumme höher als der Aufwertungsanteil ist, versteht sich von selbst. Ist also oie am 14. Februar 1924 noch nicht fällig gewesene Versicherung durch den Tod des Versicherten nach diesem Zeitpunkt (beispielsweise am 1 . Juli 1924) fällig geworden, dann haben die Bezugsberechtigten Anspruch auf die den Aufwertungsanteil übersteigende neue Versicherungssumme und auf die Verzinsung derselben seit dem Fälligkeitstage. Bleibt der Aufwcrtungsanteil unter einem im Teilungsplan festzusetzenden Mindestbctrage, dann unterbleibt die Bildung einer neuen Versicherung, und der Aufwertungsanteil wird wie bei fälligen Ansprüchen ausgezahli. Reue sronzösifche Manöver? Graf Bernstorff wird vis znm Avschl«tz -er Verhandknngeu in Gens -leiben. Genf, 28. Februar. Der deutsche Delegierte in der v»»de- reitenden Abrüstungskommission, Graf Bernstorff, ist ge- stern hier eingetroffen, um dem Abschluß der Verhandln» - gen des Sicherheitsausschusses beizuwohnen. Graf Bernstorff wird während der Tagung des Vülkerbundsrates in Genf bleiben, um mit Außenminister Dr. Stresernan« im Hinblick auf die Bedeutung der kommenden Tagung der Abrüstungskommission direkte Fühlung zu nehmen und Anssprachen haben zu können. In Völkerbundskreisen sind gestern wiederum Gernchte im Umlauf, nach denen eine Vertagung der am 15. März beginnenden Session der vorbereitenden Abrnstungskom«is- sion erwogen wird. Es dürfte sich hierbei um Versuche non französischer Seite handeln, die bereits seit längerer Zeit im Gange sind. Bekanntlich wird von französischer Seite die Weiterführung der Abrüstungsverhandlungen von dem Gang der Sicherheitsverhandlungen abhängig gemacht und hieÄvei erklärt, eine Förderung der Abrüstungsarbciten sei ohne die Schaffung der notwendigen Sicherheitsgarantien nicht denkbar. Hierbei dürften jedoch die bevorstehenden französischen Wahlen eine Rolle spielen. Es verlautet, daß der fr««iö- sische Delegierte in der Abrüstungskommission. Paul Bon- cour, infolge der einsetzendcn Wahlpropaganda an der Ber- tretung in der Abrüstungskommission verhindert ist und infolgedessen von französischer Seite eine Verschiebung Ser Tagung der Abrüstungskommission angestrebt werde. Gegenüber diesen Versuchen wird jedoch von deutscher Seite entsprechend der deutschen Auffassung mit großem Nachdruck eine sofortige und sachliche Wetterführung der Ab- rnstungsarbeiten gefordert werden muffen. Tie Abrüstungs- aufgabc des Völkerbundes steht nach den Bestimmungen »cs Völkerbuudspaktes in keinerlei sachlichem Zusammenliaua mit der Schaffung irgend welcher neuer Garantien und mnß mit dielen auch nicht in Zusammenhang gebracht werden. Monroe-Doktrin und Regionalverträge. Genf. 28. Febr. Eine wichtige Erklärung des argmtinftche» Delegierten Canttlo wurde in der heutigen Nachmittagssitzung des Sicherheitskomitees des Völkerbundes abgegeben. Bei Gelegenheit der Beratung des Berichtes des lwllän- disthen Berichterstatters über die Artikel des Pölkerbundspaktes zur Schaffung der notwendigen Sicherheit kam Cantilo auch auf den Artikel 21 des Bölkerbundpaktes zu sprechen, in dem als Konzession an die Bereinigten Staaten erklärt worden ist, daß regionale Verträge (französisch ententes regionales) nicht Im Widerspruch mit dem Geist und dem Buchstaben des Bölkerbundpaktes stehen und als Beispiel dafür wird ausdrücklich die Monroe-Doktrin zitiert. Cantilo sagte, oaß er im Namen der historischen Wahrheit der Fassung des Artikels 21 des Bölkerbundpaktes widersprechen müsse. „Die Monroe-Doktrin, von der dott die Rede ist, stellt eine politische Erklärung der Vereinigten. Staaten dar. Me in dieser Erklärung enthaltene Politik »der vielmehr die Politik, von der diese Erklärung Zeugnis adlegt. hat seinerzeit dadurch, daß sie sich den Absichten der heiligen Allianz entgcgenstellte, die Drohungen europäischer Rürkrro-er- «ngen in Amerika von uns abgewendet und uns infolgedessen in den ersten Stunden unserer Existenz einen sehr großen Di«»st geleistet, den wir durchaus anerkennen. In diesem Sinne gereichte und wird sie immer den Bereinigten Staaten zur großen Ehre gereichen, deren politische Geschichte im Menste der Freiheit und er einige Kistchen auf den Tisch. „Ich werde mir auch eine cmzünden schlechte Gewohnheit so früh am Tage, aber man kann doch nicht immerzu arbeiten." „Nein. Herr Gartram, und wenn das Gerüchi nicht lügt, so arbeiten Sie überhaupt zu unablässig und angestrengt." „Zum Henker mit dem Gerücht!" erwiderte der alte Herr, sich in einen bequemen Lehnstuhl niederlasseud und eine Zigarre sorgsam anzündend, wobei er seinen Besucher aus hatbgeschlofsenen Angen unverwand betrachtete. „Gefällt Ihnen die Sorte?" „Ein wirklicher Hochgenuß!" erwiderte jener, und dann rauchten sie eine Zeitlang schweigend, bis Garlram diese Pause plötzlich durch ein scharf und kurz hervorge- stoßenes Wort brach: „und?" „Was meinen Sie. Herr Gartram?" „Weshalb besuchen Sie mich heute^Bormiftag?" „Sie hatten mich doch eingeladen. Sie gelegentlich mal zu besuchen". „Das ist kein ausreichender Grund! Hätten Sie mich bloß besuchen wollen, dann wären Sie nachmittags ge- kommen. Wollen Sie etwa Geld von mir borgen?" „Aber ich bitte Sie. Herr Gartvam! Nein!" „Nun. dann sprechen Sie frisch von der Leber weg. mein junger Freund." „Sie erraten also den Zweck meines Besuches?" „Nein, ich kann ihn gewiffermaßen fühlen. Außerd.u bin ich nicht Aind." Parrh Wyddvr blickte den alten Herrn halb belustigt, halb verlegen an und meinte dann nachdenklich: „Nein, das glaube ich auch nicht. Nun, angenehm ist es nicht, solch eine Bitte auszusprechen, und je schneller ich es hinter mir habe, desto besser." Glyddyr räusperte sich und begann: Rr. 51. Jahrgang 1928. Mittwoch, den 29. Februar 1928. ber Gerechtigkeit so viele und so schöne Seiten aufzuweisen hat. Aber es wäre unrichtig — uno cs ist sogar ganz und gar unrichtig — wie es oer Artikel 21 tut, eine einseitige politische Erklärung, die, so viel ich weiß, niemals ausdrücklich von den anderen amerikanischen Staaten angenommrn worden ist, als eine regionale Verständigung im Sinne des Bälkerbundspaktes zu bezeichnen." Sie Genfer Mrztagvng vor dem ReMablnelt . Berti«. 29. Februar. Der Reichsaußenminister Dr Tire- semann trifft am Sonntagmittag in Genf von Eap Martin «in, wo er sich zur Zeit aufhält. Staatssekretär von Schubert hat gestern mittag vor den Mitgliedern des Reichskabinetts einen Vortrag über die PrEeme gehalten, die in Genf voraussichtlich zur spräche komme« werden. Herr von Schubert begab sich, wie bereits gemeldet gestern abend zu Dr. Stresemann. An der Genfer Tagung werden voraussichtlich der französische Außenminister Briand und der englische Außenminister Chamberlain teilnehmen. Außenminister Briand hat bereits angekündigt, daß er sich mit seinem Kabinettschef Berthelvt nach Genf begeben wird. Sie italienisch-österreichische Spannung R»m, 29. Februar. Die Spannung, mit der Musiolinis Antwort an den österreichischen Bundeskanzler Dr. Seipel erwartet wurde, hat etwas nachgelasien. Wenn auch Mnsso- linis Erklärung auf der Tagesordnung der heutigen Kam- mersitznng steht, so rechnet man mit ihr nicht vor Mittwoch oder Donnerstag. In englischen Kreisen erhält sich das Gerächt, daß englischerseits inoffiziell darauf hingewiesen worden ist, daß eine Komplizierung des italienisch-österreichischen Konflikts ganz unzweckmäßig sei. Nach der vorgestrigen .Kammersitzung hat der Wiener Gesandte, Auriti, Mussolini den stenographischen Text der beanstandeten Reden im österreichischen Nationalrat überreicht. Der „Popolo di Roma" meldet aus Wien, daß man dort mit ernster Ruhe die Mnffolini-Erkläruna erwarte. Das Blatt stellt mit Befriedigung fest, daß eine große Protestkundgebung des Andreas-Hofer-Bundes in Innsbruck verschoben ivorden ist. Die Ausführungen des Berliner Sozialdemokraten Stampfer werden von dem Blatt als panger- manlstisch zurückgewiesen. Oesterreich sucht Geld Der amerikanische Kongreß und die österreichische IVV-Millionen-Dollar-Anleihe. Bcrli», 29. Febr. In Wiener Regierungskreise» wird die Rewyorker Meldung der Information", wonach Schatz- sekretär Mellon dem amerikanischen Kongreß Vorschlägen werde, die österreichische Anleihe im Betrage von 100 Millionen Dollar nur unter der Bedingung zu gewähren, daß Oesterreich zu einem entsprechenden Betrag seine Einnahme verpfändet, als ganz unverständlich bezeichnet. Der Kongreß hat mit der Frage der Gewährung oder Nichtgewährung der Anleihe nichts zu tun. Ste tst vielmehr ausschließlich Gegenstand der Verhandlungen der amerikanischen Finanz- gruppe». Sache des Kongreffes ist lediglich die Rückstellung der Pfandrechte, die von der amerikanischen Regierung dem Kongreß bekanntlich bereits empfohlen wurde. Der polnische Wahtterror Pose«, 29. Februar. Auch in der Wojewodschaft Posen herrscht der schlimmste Wahlterror gegen die deutsche Minderheit. So wurden verschiedene Wählerversammlungen gesprengt. die der frühere deutsche Abgeordnete Graebe im Wahlkreis Schildberg-Adelnurg einberufen hatte. Hier waren Spreugkommandos an der Arbeit. In einem Fall mußte die Polizei die Versammlung auflösen. Sie trieb jedoch nur die ruhigen Deutschen aus dem Versammlungslokal hinaus. Der zweite deutsche Redner, Kaufmann König-Ostrowo. wurde von der Kriminalpolizei verhaftet und solang« fest- gehalten, bis die Versammlung beendet war. Grübe wurde während seines Vortrages mit Eiern beworfen. Rußland warnt Afghanistan vor England Berlin, 29. Febr. Wie der Amtliche russische Funkspruch meldet, feierte die MvSkauer Prcffe in langen Leitartikeln den gestrigen Jahrestag der Unabhängigkeit Afghanistans und den 7. Jahrestag des Frenndschaftsvertrages zwischen der Sowjetrion und Afghanistan. Es wird hervorgehoben, daß Sowjetrußland die erste Regierung war, die Afghanistan ohne Vorbehalte als unabhängigen Staat anerkannte. — Die „Jswestija" weist auf die Gefahr hin, die Abghanistan an der indisch-afghansche» Grenze drohe und erklärt, daß selbst die glänzendsten Empfänge des afghanischen .Königs in London nicht die Gefahr verwischen könnten, die Großbritannien an der indischen Grenze für Afghanistan bedeute. Der deutsch-litauische kleine Grenzverkehr Befriedigender Verlauf der Verhandlungen. Berlin, 29. Febr. Ter frühere litauische Finanzmintster Dr. Karvelis, der bekanntlich im Aufträge der litauischen Regierung über die Auslegung des Abkommens über den kleinen Grenzverkehr verhandelte, ist nach Kowno abgereist. Die Besprechungen sind befriedigend verlaufen und haben in einer ganzen Reihe von Punkten zu einer Verständigung geführt. Litauisch-polnische Verhandlungen in Genf oder in Königsberg? Paris, 29. Febr. Wie in hiesigen gutnnterrichteten Kreise» verlautet, stellt die Note des litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras an den polnischen Außenminister Zaleski die polnische Regierung vor die Wahl, Besprechungen entweder in Genf unter Mitwirkung des Völkerbundes oder aber direkte Verhandlungen zwischen beiden Ländern einzuleiteu. Letztere könnten am 5. März beginnen. Als Konferenzort soll Königsberg oorgeschlagen werden. Die neue Glanzleistung des Zeppelins „IM Angeles" Der Zeppelin „Los Angeles" nach 2200 Meile« ohne Aufenthalt gelandet. London, 29. Februar. Das Luftschiff Los Angeles laudele nm 10.40 Uhr abends nach einem 2200 -Meilen-Flug ohne Aufenthalt aus bem France-Field. Der Flug verlief ohne Zwischenfall. Newgork, 29. Febr. Zn dem neuen Panamaflng des -Ut Deutschland erbauten Luftschiffes „Los Angeles" werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Das Luftschiff wurde um 9.35 Uhr in France-Field am Panamakanal gesichtet, -so daß von da ab bis zur Verankerung rnnd eine Stunde gebraucht wurde. Der Gesamtflug dauerte nahezu 40 Stun- ^ er Ankermast auf dem Flugplatz von France-Field ist eine neuartige Erfindung. Er ist 18 Meter hoch und im Gegensatz zu andere» Masten iransportierbar, so daß da- Der Laaddore * gtmflrtwcr JettmW. durch der Operationsradius des amerikanischen Zeppelins bedeutend erweitert ist. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug etwa 55 Meilen die Stunde. Die „Los Angeles" verläßt bereits in kürzester Zeit wieder Panama, um nach Lakc- hurst znrückzufliegen. In amerikanischen Marinekreiscn sieht man in dem Flug einen glänzenden Beweis für die praktische Verwendbarkeit lenkbarer Luftschiffe für den Paffa- giredienst und auch für den Transozeandienst. Neben der kommerziellen Bedeutung des Fluges wird aber auch die militärische Seite unterstrichen. Die amerikanischen Marine- sachverständigen verweisen ausdrücklich auf die außerordentliche Wichtigkeit des deutschen Luftschiffbaues. Zu dem „Los-Angeles"-Feruflug. Newtzvrk, 29. Febr. Commander Rosendahl beabsichtigt, heute früh mit der „Los Angeles" nach der Guacanaya-Bay zu fliegen, um dort auf dem Ankerschiff „Patoka" zu ankern und dann nach Lakehurst znrückzufliegen. Das Luftschiff hatte während des letzten Fluges durchweg ungünstiges Wetter und schlechte Sicht, so daß der gute Verlauf des Fluges um so höher zu bewerten ist. England für Revision des Washingtoner AchlfiundenadkommenS Loudo«, 29. Febr. Während der vorgestrigen Debatte im Unterhaus über das Washingtoner Achtstunden-Abkom- me« gab der Arbeitsminister Sir Arthur Steel-Maitland der Meinung Ausdruck, daß die Washingtoner Konvention zn unbestimmt sei. Er persönlich sei immer fSr eine 48- stündige Arbeitswoche gewesen, aber er könne sich mit einer so ungenügend ausgearbeiteten Konvention, wie es die Washingtoner fei, nicht einverstanden erklären. Er sei der Meinung, daß Großbritannien auf Revision des Abkommens bestehen solle Mischer Landtag Rechtspfkegeausschntz des Badische« Landtags. Karlsruhe, 29. Febr. Der Rechtspflegeausschuß des Bad. Landtages beschäftigte sich gestern mit einer Eingabe des Vereins der Deutschen Strafanstaltsbeamteu um bessere Würdigung ihres Berufes im kommenden Reichsstrafvollzugsgesetz. Regierungsseitig wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die badischen Wünsche in der Praxis erfüllt seien. Das Gesuch soll zur Kenntnisnahme überwiesen werden. Die Kommunisten hatten einen Antrag gestellt auf Aenderung des Reichsgesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hinzuwirken, hauptsächlich in dem Sinne, daß die Arbeitslosenversicherung allgemein sofort von der Anmeldung an gewährt wird. Der Ausschuß sprach sich für Beibehaltung der Frist von drei Tagen ans und lehntck den kommunistischen Antrag ab. In einem Antrag ersucht das Zentrum die Regierung, rechtzeitig alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um Schädigungen zu überprüfen, die durch den Bau der Automobilstraße Hamburg- Frankfurt—Basel zum Nachteil der Bevölkerung entstehen Ein Regicrungsvertreter antwortete, daß man bisher schon in diesem Sinne gehandelt habe. Wenn es zum Bau dieser Automobilstraße komme, wird eine neue Privatgesellschaft gegründet werden müffen, da bei der gegenwärtigen Finanzlage der Staat dazu nicht in der Lage ist. Ein Kilometer Automobtlstraße bei neun Meter Breite koste rund 309 000 Mark. Die Aussichten für den alsbaldigen Ausbau Frankfurt—Mannheim—Heidelberg seien keineswegs »ngünstig. allerdings müsse das Reichsverkehrsministerium mehr ars bisher entgegenkommender werden und die Erhebung von Gebühren gestatten. Oberst Waenker von Dankenschweil, __ der neue Landeskvmmandant von Bade», stammt aus einem alten badischen Geschlecht. 12. Dezember 1878 geboren, trat er 1898 in das Badische Leiögrena- dier-Regiinent Nr. 109 ein, wurde 1912 Hauptmann im Generalstab des XX. Armeekorps und nahm an den ersten Schlachten im Osten teil, um später dem Generalstab in den verschiedenen Stellen anzugehören. Am 1. Oktober 1910 kam et in den Generalstab der 5. Reichswehr-Division, wurde zwei Jahre später Kommandeur des 3. Bataillons vom Infanterie-Regiment Nr. 14, 1922 Oberstleutnant «nd 1928 Oberst. Am 1. Februar 1927 ivurde er Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 14 und wird nun ab 1. März 1928 Lanöes- kommandant in Baden sein. Aus Rah «nd Fern. * Sinsheim, 29. Febr. (Vortragsabend.) Wir machen auf den heute Abend im Löwensaal stattfindenden „Romeo-Abend" — Vortrag eigener humoristischer Gedichte — ganz besonders aufmerksam. (Siehe Inserat.) * Smsheim, 28. Febr. (Der Bad. Landesschützcntag) findet dieses Jahr am 13. Mai in Gengenbach statt. Gleichzeitig wird das Gauschießen des Mittelbadischcn Schützengaues abgchalten und die Schützengefellschaft Genaenbach wird zwischen 12. und 15. Mai d. Fs. auf ihrer herrlichen Schießanlagc ein größeres Preis- Schießen anberaumen. Neben der Ehrenscheibe für die badischen Delegierten wird der Gau eine Ehrenscheibc aufstellen., sowie das Gaumeistcrschafts- und Gaumannschaftsschießen abhhallcn. -- Smsheim, 28. Febr. (Für Sichtung der Honigeinte.) Von behördlicher Steile wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Weidenkätzchen zur Ernährung der Bienen und mithin auch zur Sicherung der Honigernte außerordentlich wichtig und notwendig sind. Jede Person, die fremde Weidenkätzchen abschneidet, macht sich strafbar. Dem gewerbsmäßigen Sammeln größerer Mengen o»n Blütenzweigen der Weiden (Weiden- und Palmkätzchen) wird nachhaltig entgegcngetreten. * Smsheim, 28. Febr. (Arbeitslosenunterstützung nach Einkommenshöhe ) Der Spruchsenat für die Arbeitslosenversicherung beim Reichsoersicherungsamt hat zu der mehrfach umstrittenen Frage ob die Arbeitslosenunterstützung nach dem Einkommen berechnet werden müsse, oder nicht, entschieden, daß sich die Höhe der Unterstützung nicht nach der Höhe der Krankenkassenbeiträge, sondern unter allen Umständen nach der Höhe des tatsächlichen Einkommens zu richten habe. * Smsheim. 28. Febr. (Urlaub für Beamte zum Kölner Turnfest.) Die Deutsche Turnerschaft hatte sich mit einem allgemeinen Urlaubsgesuch für ihre Bcamtenmitglieder zum Deutschen Tum- fest in Köln an die Reichs- und Staatsministericn gewandt, worauf der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in zusagendem Sinne — soweit cs die Untcrrichts- verhältnisse gestalten — entschieven hat. Auch der Reichspostministec hat, wie wir aus Berlin erfahren, die Oberpostdirektionen ermächtigt, über Anträge von Beamten auf Beurlaubung an kameradschaftlichen oder der körperlichen Ertüchtigung dienender, Veranstaltungen unter gewissen Bedingungen selbst zu entscheiden. = Eppingen, 28. Febr. (Fm Bolkshochschulkurs) sprach Oberbaurat Schmieder (Heidelberg) über das Thema „Die Kirche im Ortsbilo". Der Redner vermittelte ein anschanlichcs Bild von der alten, geschlossenen Bauweise, wie sie ehedem das Ortsbild mit Kirche umschloß und hob im Gegensatz dazu die moderne Bauweise hervor, die gar keinen Wert auf einen Zusammenklang legt und so oft im Ortsbilo die schlechtesten Wirkungen Hervorrufe. - Heidelberg, 28. Febr.- (Wüste Schießerei.) Gestern nachmittag gab ein Arbeitsloser in der Altstadt auf seinen früheren Arbeitgeber, sodann auch auf einen Sekretär des Fürforgcamts auf einen Polizeibeamten uno auf verschiedene andere Leute Schüsse aus einer Scheintodpistole ab. Der Fiirsorqebeamte erlitt leichte Verletzungen im Gesicht, währeno die Verwundungen der anderen ganz belanglos sind. Der Arbeitslose wurde dem Amtsgefängnis zugeführt. % Schwetzingen, 28. Febr. (Berkehrsunfall.) Gestern gegen 16 Uhr wuroe in der Müllheimer Talstraße hier ein 14 Fahre alter Polksfchüler von hier von einem Radfahrer angcfahren uno derart zu Boden geworfen, daß der Schüler einen Knöchelbruch davontrug. Er mußte in das Krankenhaus verbracht werden. — Ludwigshafcn o. Rh., 28. Febr. (Großfcuer.) Am Montag entstand in den späten Abendstunden in den Lagerräumen der Möbelfirma Landes Söhnc-Mannheim in Ludwigshafen, Kaiser Wilhelmstraßc 5, wo sich ein Filiallager der Firma befindet, aus bisher noch unbekannter Ursache ein Brand, der an den großen Möbelvorräten. Küchen- unü Zimmer-Einrichtungen reiche Nahrung fand und die Löscharbeiten sehr erschwerte. Die Feuerwehr arbeitete seit etwa halb 10 Uhr fieberhaft an der Bekämpfung des Brandes, der um 2 Uhr nachts noch nicht gelöscht war. Das gesamte Mödellager fiel oen Flammen zum Opfer. Der Brand griffa uch auf einen seitlichen Anbau über, oessen obere Stockwerke ausgebrannt sino. Der Schaden beträgt schätzungsweise 120 000 Mark. ** Mannheim, 29. Febr. (Tagung.) In der Zeit vom 12. bis 14. Juni findet die diesjährige Hauptversammlung des Verbandes selbständiger badischer Schmtedcmeister hier statt. ** Ludwigshasen, 29. Febr. (Messerstecherei.) In der Nacht auf Montag gerieten in der Gellertstrahe zwei T.rg- löhner in Streit. Einer von ihnen verletzte mit dem Taschenmesser seinen Gegner derart, daß Ober- und Unterlippen in einer Höhe von 8 Zentimetern getrennt wurden ein weiterer Stich verletzte die Schädeldeckc, fünf weitere Lurchdrangen die Kleider. Der Täter verletzte sich durch Umlegen des Messers an der Hand, wobei er sich die Sehne des linken Ringfingers dnrchschnitt. ** Heidelberg. 29. Febr. tTvdestag des Reichspräsidenten Ebert.) Aus Anlaß .des Todestages des Reichpräsidcn- ten Ebert hat gestern vormittag im Aufträge der badische» Staatsrcgiernng der Landrat von Heidelberg am dortige» Grabe einen Kranz niedergelegt. Namens der Reichsregie- rnng erfolgte eine Kranzniederlegung durch den Präsidenten des Landesfinanzamtes Baden, Stamer. ** tknicröwishcim, bei Bruchsal, 29. Febr. (Autounfall.) Das mit Backsteinen beladene Auto des Ziegeleibesitzers Emil Müller von hier fuhr auf der Straße gegen Ubstadt. Ein Holzfuhrwerk kam ihm entgegen. Plötzlich scheute das Pferd. Ein Teil des Holzwagens nebst Deichsel wurden zertrümmert. Das Pferd erlitt so schwere Verletzungen, daß es erschossen werden mußte. Marlen, bei Kehl, 29. Febr. (Autounfall.) Montag nachmittag stieße» an der Straßenkreuzung beim Hofeingang ein Personenauto von Altenheim und ein Lastauto der Kronenbraucrei Offenburg mit solcher Wucht znsam- meit, daß das Personenauto außerordentlich schwer beschädigt wurde, während das Lastauto mit einem kleinen Schaden öavonkam. Die Jnsaflen des Personenautos erlitten geringfügige Verletzungen. Untersuchung der Tchnldfrage ist eingeleitet. Die Vetrügereien bei den Leuna-Wetten 14 Angeklagte. — 87 Zeuge». Krankenthal, 29. Febr. Vor dem Schöffengericht Lud- wrgshafen begann am Montagoormittag in Frankcn- thal der bekannte Betrugs- und Bestcchungsprozeß gegen den Fabrikanten Wagner, den Hauptangcklagten, und vettere 13 Angeklagte, fast sämtliche Angestellte des Lenna- Werkes der J.-G. Farben. Die Anklage wirft Wagner Betrug und angestellte und beabsichtigte Bestechung vor, und de» übrigen Angeklagten Beihilfe zum Betrug bzm. zur Bestechung. Die Anklage vertreten die Staatsanwälte Jung und Dr. Pöhlmann. Den Borsitz der Verhandlung führt Landgerichtsrat Tr. Ritterspacher. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzende» ivurde die Zulassung des Vereins zur Bekämpfung des Bestechungsunwesens als Nebenkläger abgelehnt. Sodann wurde ein Antrag auf Ablehnung der Sachverständigen Kleinböhl und Schneider wegen Befangenheit zurückgewic- t - Die Intstfkeidm*# über das für Sit am vorteilhafteste Kleidungsstück wird lhntn tchwer falltn, wenn Sit sieh nicht von einem Fachmann beraten lasten, der mit Kennerblick das Richtigste für Sie aaswählt. Wir verfügen über best- geschaltes Personal, hinter dem eine Riesenaaswahl steht. Scheuen Sie nicht den Weg tu $e6rddei JKoiICS Mannheim P 4, li-f2 Mittwoch, den 29. Februar 1928. Nr. 51. Jahrgang 1928. Der Lasttore * 8mshet»rr Zetwa». ien, da es sich darum handele, die rechnischeu Einrichtungen des Leunawerkes aufzuklären. Daraus wurde in die Vernehmung des Angeklagten Wagner eingetreten. Bei Erörterung der Gcschäftsbezte- hungen der Firma Lax u. Löhne mit dem Leunawerk suchte der Angeklagte die Tinge so darzustellen. als ob nicht er an die Leunawerke herangetreten sei. sondern die Leuua- werke au ihn. Zunächst wurde der Fall Leunawerke, d. h. die Anklage wegen Betrugs zum Schaden des Leunawerkes eröffnet, und zwar als erster Fall die Anklage wegen Betrugs durch Erhöhung der Ausgaben bei der ersten Lieferung von Flanschkappeu. In der NachmittagSsitzung bestritt Wagner zusammen- faffenö, daß er auf der Schlußrechnung die Zahl der Quadratmeter erhöht habe. Auch der Vertreter der Nebenklage, Juftizrat Wagner, stellte verschi-d-ne Fragen. Warner bestritt, das Leunawerk bei der Lieferung von Flanschenkappen dadurch betrogen zu habe», daß er dem Werk mehr Flanschenkappen in Rechnung stellte, als er geliefert hatte. Die von Wagner vorgenommene Gewichtserhöhung bei dcc Lieferung der Schieberkappen, die nach Gewicht bezahlt wurden, gab er zu. Er behauptete jedoch, daß er dazu berech- rigt gewesen sei, weil ihm wegen der hohen Arbeitslöhne nnd des großen Verschnitts ein Zuschlag von 8 bis 10 Prozent bewilligt worden sei. Wer ihm die Genehmigung dazu erteilt habe, darüber lauten die Angaben des Angeklagten verschieden. Die weitere Vernehmung des Angeklagten beschäftigte sich mit dem Punkt der Anklage, der Wagner übermäßige Beschwerung der Kappen durch Einbau zu vieler und zu schwerer Winkelcisen zwecks Erhöhung des Gewichtes und damit des Preises vvrwirft. Der Angeklagte versuchte, diesen Vorwurf mit der Behauptung zu entkräften, daß der Einbau der Winkelcisen zur Verstärkung der Kappen von der Werkleitung verlangt wurde. Zum Schlüsse des ersten Verhandlungstages wurde der Angeklagte über die unrechtmäßigen Lohnrückvcrgütimgen befragt. Der Angeklagte berief sich darauf auf Vereinbarungen mit dem Lenuawerk und vertrat den Standpunkt, daß er berechtigt gewesen sei, auch für sich Lohnrückvergütungen zu verlangen, da er selbst mitgcarbeitet habe. Er berief sich dabei ans ein Uebereinkommen der Unternehmer in Merseburg, mußte sich jedoch vom Vorsitzenden Vorhalten lassen, daß der Untcrnchmcrverband von einem solchen llebereinkommen nichts weiß. Warum er auch für die Stenotypistin Lohnrückvergütnngen verlangt habe, wußte Wagner nickt zu erklären. Kündigung des Mehrarbeitszeitabkommens im Ruhrbergba« znm 3V. April. Essen, 29. Febr. Tie Bergarbeiterverbände haben gestern die Kündigung des bestehenden Mehrarbeitszeit-Abkommens für den Ruhrbergbau zum 3V. April 1928 beim Zechenvcr- baud eingereicht. Die Forderungen der Verbünde sind noch nicht bekannt gegeben. Die Verhandlungen werden voraussichtlich Mitte nächster Woche in Essen stattfinden. Schweres Eiustnrzunglnck in Cnityba. Paris, 29. Februar. Wie aus Rio de Janeiro gemeldet ivird, stürzte in Euityba in Carana gestern während einer Kinovorstellung ein altes Mauerwerk zusammen. Zahlreiche Personen, meist Frauen und Kinder, wurden getötet. 14 Leichen sind bis jetzt aus den Trümmern geborgen worden. 11 Zigcnner ertrunken. Paris, 29. Februar. Wie „Journal" aus Madrid meldet, wurde in der Provinz Huelva eine llköpsige Zigeunerbande, als sie ans ihren Pferden einen Fluß überschreiten wollte, von: Strome fortgerifien. Alle 14 Zigeuner, darunter fünf Frauen und fünf Kinder, ertranken. Strandung eines isländischen Dampfers. 13 Todesopfer. Kopenhagen, 20. Februar. Wie aus Reikjavik gemeldet wird, ist der isländische Dampfer „Jon Forieti" am Montag an der isländischen Küste gestrandet. Infolge der gewaltige» Brandung war eine Rettungsaktion ausgeschlossen. Die Hälfte der Besatzung wurde über Bord gespült, wobei 13 Mann ertranken. Neun Mann wurden gerettet. Drei Lente befinden sich noch an Bord und können vermutlich nicht geborgen werden. Defekt des größte« italienische« Dampfers. Berlin, 29. Februar. Wie der „Bosfischen Zeitung" aus Genua gemeldet wird, hat das am 24. Februar von Genua in See gegangene Riesenmotorschisf der Luxus-Schnelldamp- fer-Linic nach Südamerika kurz nach Barcelona einen Maschinendefekt erlitten, so daß sich der Kapitän zur Umkehr entschloß. Tie Ueberseepassagiere sollen wieder ausgeschifft werden. Ter Vorfall erregt in Schifsahrtskreisen Genuas größtes Aufsehen, weil es sich um das neueste und größte Motorschiff handelt, das die italienische Flotte besttzt und das erst seit dem November des letzten Jahres im Verkehr steht. Sine Srywmdelaffäre in Wiiheimshasen Wilhelmshafe«, 29. Febrccar. Hier ist eine große Schwindelaffäre aufgedeckt worden. Ein Sclyvimmdock der früheren Deutschen Werke war einer hiesigen Firma überlasten worden, da diese Aussicht hatte, das Dock durch Vermittlung eines Agenten an eine amerikanische Schiffahrtsgesellschaft zu verkaufen. Nach der Besichtigung durch einen Vertreter der amerikanischen Gesellschaft nahm der Vermittler die ganze Angelegenheit in die Hand und veranlaßte die Firma, einige kostspielige Arbeiten an dem Dchwitgmdock vorzunehmen. Der Vermittler wurde nun als Schwindler entlarvt. Er hatte in diesen Tagen einen Scheck über 175 000 Dollar hergegeben, der sich nach Erkundigungen bei der Gesellschaft in Amerika als gefälscht herausstellte. Der Schwindler hat in seine eigene Tasche arbeiten wollen, in dem er darauf spekulierte, sich auf Grund der Provision bet dem Verkauf einen Kredit zu verschaffen, mit dem er dann ins Ausland flüchten wollte. Da die Angelegenheit nicht schnell genug gedieh, wollte er nachhclsen und wurde dabei entdeckt. Die hiesige Firma hat neben den Kosten für die Dockarbeiten durch die Kreditverschaffung an den Vermittler groben Schaden erlitten. Die Arbeiten am Dock sind sofort eingestellt worden. Der Unfall der «Augustus.- Grnna, 28. Febr. Das 30 000 Tonncn-Motor-Schiff „Au- gustus", das wie bereits gemeldet, auf der Ucdcrfahrt nach Südamerika infolge Mafchinenhaverie nmkchren mußte, ist heute bei Tagesanbruch wieder im Hafen cingctroffen. Die Passagier« wurden ausgeschifst und können die Ucdcrfahrt mit dem Schnelldampfer „Duce d'Aosta" der gleichen Linie und Gesellschaft machen, der statt am 3. März sofort ausfährt, lieber die Ursache des Maschinendefekts wurde eine strenge Untersuchung einge- leitct. Eine Mitteilung der Navigation Generale Ftaliana besagt, schon bei der Fahrt von Genua nach Barcelona am Freitag sei die Beschädigung von zwei Kolbenstangen eingetreten. Der Dampfer lief Samstag Albend um 3 Uhr in Barcelona an und fuhr um Mitternacht weiter. Als aber in der Nacht eine weitere Kol- benstangenhavaric cintrat, beschloß der Kommandant, nach Barcelona zurückzukehren. Durch hohen Seegang an der Einfahrt in diesen Hafen verhindert, entschloß er sich für die Rückfahrt nach Genua. „Augustus" ist mit vier Dieselmotoren von zusammen 41000 PS. ausgerüstet, von denen scheinbar drei versagt haben. Dieses Riesenmotorschiff kann 2300 Personen fassen. Stimmen aus dem Leserkreis. Für die unter dieser Ableitung erscheinenden Artikel übernimmt die Schrtstleitung lediglich die preßgesctzltchc Berantwortung. X Aus dem Amtsbezirk, 28. Febr. (Die hohe Polizei.) Ein passendes Seitenstück zu dem in der Montagsnummer des Land- boten veröffentlichten Artikel „Die hohe Polizei" betr., kann aus einer der Amtsstadt benachbarten Gemeinde des Bezirks folgendes wahre Begebnis berichtet werden: An einem gewöhn- lichen Werktag waren in einer hiesigen Wirtschaft zufällig einige ältere Bürger beisammen und unterhielten sich: eingedenk des strengen Polizeiverfahrens, erhoben sie sich um 12 Uhr und standen vor der Ausgangstür um heimzugehen, wo sie noch einige Worte in einem dem erzählten Erlebnis wechselten. Ader mit des Geschickes Mächten, ist kein ew'ger Bund zn flechten: sch«» kam das gestrenge Polizeiorgan und erwischte sie — die Verbrecher — 7 Minuten nach 12 Uhr. Me vorauszusehen, käme» alle zur Anzeige und die Gendarmerie hat weitgehende Erhebungen in oiescr Sache angestellt. Dies, rührige lieben Leser, sind Anzeichen der zu erwartenden „Freiheit" des Bürgers in unserem Musterlänole. Radio-Programm für Donnerstag, den 1. März 1928. Berlin <483), Königswusterhanfen <1259), 20.30 Uhr: Sen»«- spiele. 22.30 Uhr: Funk-Tanzstunüc. Darnach: Tanzmusik. Breslau (322), 20.20 Uhr: Symphoniekonzert. 22.30 Uhr: Uebertragung von Berlin. 23.00 Uhr: Tanzmusik. Fr«nkf»rt <428), 13.30 Uhr: Kassel: Mittagsständchen. 15.3« Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Konzert, Russische Musik. 17.47 Uhr: Die Lesestunde. 18.30 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Abend der Gegensätze. 22.30 Uhr: Uebertragung von Berlin. Hamburg <394), 20.00 Uhr: Kiel: „Füer", Drama v. H. Elstke. Darauf: Kabarett. Küln-Langenberg <493), Uebertragung a. d. Opernhaus: 20.0« Uhr: „Pellens und Malisande", Musikdrama v. G. Debussy. Anschl. Münster: Konzertübcrtragung a. d. Cafe Eorso. Königsberg <329), 20.05 Uhr: „Der Berschwenoer", Originalzaubermärchen, Musik v. Kreutzer. Leipzig <365), 20.15 Uhr: „Phädre" v. 2. Racine, übersetzt vo« Friedrich v. Schiller. 22.00 Uhr: Funkpranger. 22.30 Uhr: Funkstille. München <535), 20.05 Uhr: „Thomas Hutter", Trauerspiel. 22.0» Uhr: Unterhaltungskonzert. Stuttgart <378). 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzerl. 18.15 Ahr: Borträge. 20.15 Uh. : Frankfurt: Abend der Gegensätze. 22.30 Uhr: llebertragung ». Berlin. 23.00 Uhr: Tanzmusik. Daventry-Exper,mental <491), 19.45 Uhr: Tanzmusik. 20.30 Uf)r Manchester: Uebertragung a. d. HaUekonzerts a. d. Frei- handelshallc. 23.15 Uhr: Vortrag: „Geschichte des Rundfunks". Daventry-Londo» <361), 11.15 Uhr: Kurzer Gottesdienst. 14.0» Uhr: Echallplattenneuheiten. 16.00 Uhr: Abendgottesdienst. 18.00 Uhr: Orgelkonzert. 18.15 Uhr: Kinderftundc. 19.00 Uhr: Tanzmusik. 20.45 Uhr: Militärorchestcrkonzert.. 23.30 Uhr: Tanzmusik. Paris <1759), 13.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Kinderstunöe. 21.39 Uhr: Konzert. Zürich <588), 20.00 Uhr: Kleines Konzert. 20.30 Uhr: Alice Müller singt Lieder o. Rob. Schumann und Rich. Trunk. Wien <517), 20.40 Uhr: Abenvkonzcrt der Kapelle 1. Geiger. 21.20 Uhr: Operettcn-Tanzmusik. Prag <348), 19.30 Uhr: Symphonisches Konzert. E. Schick, Uhrmachermeister. SlNShetM (t. E. - - Lager ta Sclefunteit.9U$rca, Anode». Batterie» - « Ucheu Ersastetle», Barta-Allnmulatorrn-LadestaNo». — Telef«« Ul. KaMo-ettetfltnr, Pr,gr«m«.Zeitjü>riste> bei 3. Soll, Bschhkl,, Simhü» . Wetterbericht. Karlsruhe, 28. Februar. Das europäische Hochdruckgebiet: ist vor dem großen seit einigen aTgen über dem Ozean lie- genden Tiefdrucksystem etwas nach Osten znrückgcwichcn, sp daß Randstörungen heute in Südfrankreich an Einfluß gewonnen haben. Solange jedoch der hohe Druck noch im nahen Osten liegt, müffen wir erfahrnngsgemätz mit Fortdauer der heiteren und trockenen Witterung rechnen. Am«- Mt) BremihilzitttfttismW. Die Svang. Pflege Schönau in Heidelberg versteigert: I. am Montag, den 5. März 1928 vormittags 9 Uhr im „Lamm" in heff. Neckarhaufen: Brennholz aus Distr lll. Michelbuch bei Hess. Neckarhausen: Scheitholz: Ster 339 buch.. 10 eich., 2 birk.: Pr«, gelholz Ster: 132 buch., 25 eich., 4 birk.; Nes» hol, Ster : 220 buch., 82 eich.; Schlagraum : 13 Lose. II. am Dienstag, de« 9. März 1928 vormittags 9 Ahr im „Schwanen" in Neckarsteinach: Stammholz 1. AusDistr.UI.Michelbuch bei Hess. Neckarhause»: Stämme: 20 lärch., II.-IV. Kl., 103 lärch. V. u. VI. Kl.. 134 buch. I -III. Kl., 271 buch. IV.-V. Kl.; 40 ejch.u.-V.Kl.: 3 Hainbuch. V. Kl.. 3 Kirschb. IV.Kl.; Abschnitte: 10 lärch. I. Kl.. 15 liirch. II.—IV. Kl., 22 fort Il.-V. Kl. _ . 2. aus Distr. I. Buchwald und Distr. II. Bogel- herd bei Schönau: Stämme : 28 Lärch. III. u. IV. Kl., 47 Buch. III.—V. Kl. 83 Eich. IV.—Vi. Kl., 4 Birk. V. Kl.: Abschnitte : 1 Lärch. I. Kl. 810 Lärch. V.—VI. Kl. (für Hopscnanlagen zugerlchtct) 670 lärch. Baustangen I.—III. Kl. (für Einfriedigung und Baumpsähl): 320 Fori, l—V. Kl. Borgsrist gegen Bürgschaft bis 1. X. 1928. Auszüge von der Pflege. Obeisorstwart Kilian in Schönau und Forstwar: Daud aus Michelduch, die auch nähere Auskunft erteilen. 4 20 10/40 -«3000.-^*840.- illllffl P Zylinder JBm 7,34 12/50 -4 4600.- -4/250. Hiyiiiiiiiiü 15 70 -* 7750. der bewährteste populärste deutsche Wagen Generalvertreter: Hanssmann 6j.bl Heidelberg, Rohrbacherstraße 83 Telephon 2508 Verein „Bad. Heimat“ Mittwoch, 29. Februar abends 1/2 9 Uhr im LSwensaale Romeo-Abend „Vortrag eigener humoristischer Gedichte“ Zur Bestreitung der Unkosten werden 50 Pfg. erhoben. Ortsgruppe Sinsheim. Ordentlicher I Junge < der Lust hat das Schlosser- I Handwerk zu erlernen, i für sofort oder bis Ostern : gesucht. Zu erfragen unter Nr. 259 beim Landboten, Achtung!! Zum Fohlenmarkt empfehle ich sämtlichen Besuchern meine bekannt gute warme u. kalte Küche zu jeder Tageszeit bei billigsten Preisen. X Eigene Schlächterei Hausmacher Wurstwaren c Wilhelm Buck £ Gasthaus Reltkskrone“ v n.B. Für ff.Biere u. Weine istbestens gesorgt. 5 Für gesunden, kriifti- j gen 15 Jahre alten Jungen I eine Probe durch meine Versa»ü-Apo- theke zu. esandt. damit er sich vom Erfolg selbst überzeugt. Paul DreitKreuz, Berlin 80 36. Schrtstleitung: S- Becker: Druck und Vertag: G. Beckerfch« Buchdrückerei m Smshei».