Ratgeber für Haus- und Landwirtschaft Beilage zum Landboten (Sinsheimer Zeitung) ■ " 1 —■—■■'. ^ ^ - ' " — : —- BwfKlänött Spinat ffelragonia sxfsnsa) Dieses au Nährwert sv äußerst wertvvUe Gemüse sollte eigentlich auf unseren einheimischen Märkten unb Küchen eine viel größere Verbreitung finden. Es gibt sehr viele Märkte, -m denen dieses nahrhafte Gemüse überhaupt nicht bekannt ist. Dieser Umstand dürfte in der Hauptsache in der Unkenntnis der Aussaat resp. Pflanzung zu suchen sein. Tetrasonia expansa stammt von den australischen Meeresküsten, daher eine Wörme und Feuchtigkeit liebende PftanZe. Die Aussaat ist am sichersten und rationellsten im Februar bis Anfang März in Schalen oder Kästchen zu machen. Der Samen ist ziemlich groß, sehr hart und braucht bis zur Keimung ea. 4—0 Wochen. Stets gut seuchthaltcn bei einer Temperatur von 13—20' Grad Celsius: die Sämlinge erscheinen dann mit zwei schmalen Keimblättern. Wenn der Samen gut ist, bringt jeder 5lern 2—8 Keimlinge. Nachdem die Pflänzchen ca. 8 Ztm. hoch sind und genügend Wurzel haben, pflanzt man in 8-Ztm.-Töpfe je 2 Stück. An einem Hellen Standort in einem mäßig temperierten Hause auf- stellen. oder auf warmen Fuß im Mistbeet einsenken. Anfangs wachsen die Pflanzen sehr langsam, brauchen auch ziemlich lange zur Durchwurzelung. An diesem Standort bleiben die Töpfe stehen bis Mitte Mai, wenn keine Nachtfröste mehr zu befürchten sind,' hierfür sind die jungen Pflanzen sehr empfindlich und brauchen mehrere Wochen, bis sie von unten wieder neue Triebe gemacht haben. Bis dahin haben die Triebe die Töpfe ganz bedeckt und sind gut durchwurzelt. Der Anbau sür den Marktbedarf über den ganzen Sommer, bis die ersten starken Fröste kommen, ist folgender: Mau tretet auf einem im Vorjahre gut mit Stallmist und über Winter mit Jauche überschütteten Land Beete von 8g Ztm. Breite ab. Aus diesem Beet werden dann 2 Rillen, 1.5—20 Ztm. tief, M Ztm. voneinander, mit der Hacke oder dem Spaten ausgehoben. Diese Rillen füllt man mit verrottetem Dung, Komposterde, oder Misibeeterde, deckt sie mit der ausgeworfenen Erde wieder ab, aber nicht zu stark anhäufeln. Auf die vorbereiteten Beete wird dann Mitte Mai der Neuseeländer im Abstand von 3 Ztm. in den Reihen aus den Töpfen ausgepflanzt. Die Pflanzen wachsen dann sicher alle an und können, nach ca. 4 Wochen schon den ersten Schnitt liefern. / Der richtige Schnitt ist die Hauptsache im Erwerbsgartenbau. Hier wird am meisten aus Unkenntnis gesündigt. Mir sind Fälle bekannt, wo ein „Gärtner" die gerade mit 5—6 Seitentrieben jungen Pflanzen glatt mit der Wurzel wie gewöhn!. Spinat ausstach. Wieder andere Fälle, die 'Koß die öickfleischigen Blätter abzupsten, alles unrentable Handlungen. Wenn die Seitentriebe auslaufen und ungefähr 13 bis 38 Ztm. lang sind, werben sämtliche Triebe, einschließlich Ritteltrieb, stark fingerlang zurückgeschnitten. Der Spinat wird gewaschen und ist so vcrkaufsfertig. Nach jedem Schnitt wird gejaucht mit Harnstoff, oder Harnstoff, Kali, Phosphor nach Vorschrift gegoffen und, wenn der Boden abgrtrvcknet ist, stach gehackt, nicht zu tief, da Tetragonia expansa flachgehende Wurzeln hat. Nach ungefähr 14 Tagen erfolgt der zweite Schnitt. Dieses zweite Zurückschneiden ist von großer Wichtigkeit. Diesmal werden wieder sämtliche Triebe bis auf etwa 2 Ztm. zurückgeschnitten: es ist aber von größter Wichtigkeit, daß kein Trieb vergessen wird. Durch diese Schnittmethode erhalten wir stets einen gedrungenen, runden, gleichmäßig hohen Wuchs mit immer gleich alten, gleich zarten Trieben: denn alte Triebe bleiben beim Kochen faserig, schmecken bitter und verderben den Spinat. Dies ist für den Erwerbsgartenbau die rationellste und ausgiebigste Kultur. Die weitere Pflege besteht im Jauchen und Hacken- nach jedem Schnitt und bei Trockenheit eine ausgiebige, tiefgehende Bewässerung. An Nährwert übertrifft Neuseeländer sogar den gewöhnlichen Spinat. Nach Schleinitz landw. Jahrbuch L. III. 5, S. 882, enthält die Trockensubstanz von Neuseeländer Spinat 31,70 Proz. Rcineiweitz und 4,90 Proz. Fett, während der gew. Spinat nur 29 Proz. Eiweiß und 3.69 Proz. Fett enthält. An Geschmack kommt er dem gew. Spinat unbedingt gleich, seine Ertragfähigkeit ist die 3- bis Sfache. Dazu kommt noch, daß wir während des ganzen Sommers, wo der gew. Spinat kaum aufzutreiben ist, Spinat immer in gleicher Menge und Güte auf dem Markt haben. Aus allen diesen Tatsachen ist ersichtlich, daß der Neuseeländer Spinat mit seinen vielen Vorzügen noch viel zu wenig bekannt ist. —- j Obst- und Gartenbau |= ■ Was muß der Gartenbesitzer über seine Sämereien wisse»? Er muß vor allem seinen restlichen Vorrat sofort auf Keimfähigkeit prüfen. — Zu diesem Zweck sät er von allen Vorräten je 15—20 Korn sortenweise in einen Topf ober in ein Kistchen aus, stellt sie ins Wohnzimmer, hüll sie 5*8 zum Ausgehen durch Ueberdecken mit einem Stückchen Pappe gtzxr dergl. dunkel und feucht, zählt die aufgegangenen ^ümlinge und berechnet danach 1. die prozentuale Keimfähig- j*** seiner Vorräte, 2. den Bedarf an Samen für dieses Jahr, **** Preislisten jetzt zum Versand kommen, an Hand deren ® att fofort bestellen soll, wenn man rechtzeitig und wunsch- ^"Uiß bedient werden will. — Da dic'Sämereien bekanntlich eit Jahr zu Jahr an Keimfähigkeit verlieren, soll man -®**j** auf alle gekauften Samendüten den Jahrgang ver- . in dem man die Samen gekauft har. dann weiß man .^^sten Jahr bei Verwendung des übriggebliebenen Saat- offT« öie Keimfähigkeit von selbst einiger motzen zu über- Iwtagen und bewahrt sich vor Enttäuschung und Verlust. — Die Aufbewahrung und Aussaat zweifelhafter Sämereien ohne Keimprobe ist deshalb verlorene Zeit, Mühe und Geld. Die Dauer der Keimfähigkeit der Gemüsesamen ist folgende: Es blieben von frischgeernteten Samen keimfähig: Artischocken 4—5 Jahre, Bohnen 2—3 Jahre. Endivien 4—5, Erbsen 3—4, Gurken 6—8, Blumenkohl 4—5, Weiß-, Rot-, Wirsing-, Rosen- und Grünkohl 4—5, Kohlrabi und Kohlrüben 4—5. Kresse 2—3, Kopf- und Pflücksalat 4—5, Mangold, Kürbis. Pufsbohneu und Rote Rüben 5—6. Radies, Rettich, Spinat 4—5, Möhren, Rabinzchen, Sellerie iKnollen- und Bleich-) 3—4. Petersilie, Porree, Spinat lNeuseeländer), Schwarzwurzeln und Zwiebeln 2—3, Tomaten und Cicho- rrenmurzel 6—7; von den Gewürz- und Küchenkräutern: Basilikum 4, Bohnenkraut 1—2, Boretsch lGurkenkraut) und Mop 3—4, Dill, Eiskraut, Estragon, Kerbel. Majoran, Portulak, Sauerampfer 2—3, Fenchel, Löffelkraut, Melde, Pim- pinelle 2, Salbei 3, Rapontica, Thymian, Zuckerwurzel 2 Jahre. Blumensamen bleiben keimfähig: Strohblumen 2 Jahre, Löwenmaul 1—3, Malven 1—2, Astern 2, Balsaminen 1—5, Nelken 1—4, Goldlack 2—3, Levkojen 1—3, Tabak 2—3, Petunien 2, Reseda 2, Scabiosa 2, Tagetes 2, Verbenen 2, Mohn 2—3, Stiefmütterchen 2, Zinnia 2, Kornblumen 2—8, Ringelblumen 2—4, Glockenblumen 2—3, Clarkia 2—4, Rittersporn 2—3, Sonnenblumen 3, Kapuzinerkresse 2—3 Jahre. — Aeltere Gemüse- und Blumensamen also noch länger aufznbewahren oder auszusäen, ist vollständig zwecklos. Vorsicht beim Einkauf von Gemüse- und Blumensamen! Billiger Samen ist zweifellos der Wunsch vieler Gartenbesitzer, denn wer möchte heutzutage nickst alles möglichst billig kaufen?! — „Billig" ist aber nun gerade bei Samen ein dehnbarer Begriff, denn wenn der Preis schon die üblichen von jeder reellen Samenfirma verlangten Samenpreise nicht erreicht, also viel billiger ist, da kann man ohne weiteres annehmen, daß Sortenechtheit und. Keimfähigkeit mangelhaft sind. — Wie die Saat, so die Ernte muß der Wahlspruch beim Sameneinkauf lauten, der eine reine Vertrauenssache ist: bei der Beachtung dieses Grundsatzes wird man sich dann auch bei der Ernte manche Enttäuschungen ersparen, Herrn das durch den „billigen" Samen gesparte Geld setzt man im Herbst infolge mangelhafter Ernte durch Zukauf von Gemüse sehr häufig 3 bis 4fach wieder zu. — Wirklich gutes, echtes, reines Saatgut kann also ähnlich wie viele andere menschliche Bedarfsartikel unmöglich gleichzeitig billig sein! Die B e d a r f s m e n g e an G e m ü s e s a m e n : Es sind bei Reihensaat sür eine Flache von 100 qm folgende Mengen nötig: Möhren und Karotten, 60 gr, Petersilie 50 gr, Schwarzwurzel 60 gr, Salat- oder Rote Rüben lBeete oder Randen) 50 gr, Speiserüben 46 gr, Zwiebeln 156 gr, Radies 1000 gr, Rettich 5—600 gr, Spinat 8 —900 gr, Gurken 30 bis 40 gr, Kneiselerbsen 2 kg, Markerbsen 3 kg, Busch- und Stangenbohnen (je nach Größe der Samen) 2—3 kg. — Um sich die für 100 gm Landflächc erforderlichen Sctzpflanzen heranziehen zu können, benötigt man an Tamenmenge von Blumenkohl etwa 5 gr, Rot-, Weiß-, Rosen- oder Wirsingkohl 8—10 gr, Porree 25 — 30 gr. Die Vermehrung der Gnrtenhortensicn. Die Gartenhortensien gehören zu unseren beliebtesten, n>eil dankbarsten Zimmerpflanzen. Es ist zu wenig bekannt, daß sie sich innerhalb gewisser Vorschriften sehr leicht auf Stecklinge vermehren lassen. Die geeignete Zeit dazu sind Februar und März, auch noch die Zeiten bis Ende Juli. Februar- und Märzveredelung haben aber den Vorzug. Ausgang des nachfolgenden Winters bereits blühende Pflanzen zu ergeben. Als Stelllinge wählt man am besten die Austriebe, die sich am Grunde der Pflanzen zahlreich und üppig bilden. Diese werden dicht am alten Zweigteil abgeschnitten, bte unteren Blätter werden ganz entfernt, die Mittelblätter zur Hälfte gekürzt. Die beste Stecklingslänge beträgt zehn Zentimeter, und es wird ein Erdgemisch von je zur Hälfte Torfmull und scharfer Flußfand verwendet, wie letzteren die Bauleute benötigen. Dieses Gemenge wird in einen großen geräumigen Topf mit verdecktem Abzugsloch nur soweit gefüllt, daß die Stecklinge, wenn eingepflanzt, den Topfrand noch nicht erreichen. Zur guten und sicheren Bewurzelung ist näni- lich unbedingt notivendig, daß mit einer Glasscheibe abgedeckt wird, damit die Luft im Innern des Raumes genügend feucht erhalten bleibt. In Hinsicht auf das verwendete Erdreich, welches sehr locker ist, muß dieses sehr gut angedrückl und gründlich durchfeuchtet werden. Die Stecklinge dürfen nur reichlich 1 Zentimeter tief gepflanzt werden. Je flacher sie stehen, umso schneller ukd reichlicher bewurzeln sie sich. Der Topf soll hell gestellt werden, aber kühl stehen. Im Durchschnittsfalle ist die Bewurzelung nach etwa 14 Tagen bis drei Wochen erfolgt. Mit dem Verpflanzen wartet man bis Anfang Mai. Es wird dasselbe Erdreich verwendet, nur gibt man etwas Lehnierde hinzu, um es gehaltvoller zu inachen. Wiederum ist es nützlich, bis zur Einwurzelung die Pflänzchen unter Glasschutz zu halten. Da sie einzeln in Töpfe von etwa zwölf Zentimeter Durchmesser gesetzt sind, ist es natürlich ^unmöglich, in obiger Weise vorzugehen. Man setzt die Töpfe vielmehr dicht beieinander in eine Kiste mit Sägemehl, in welches sie bis fast an den Rand eingejenkt werden sollen, und deckt das Kistchen mit Glasscheiben zu. Das umgebende Sägemehl hält das Erdreich in den Blumentöpfen feucht. Man muß Hortensien sehr reichlich und häufig begießen und, nachdem sie angewachsen sind, allwöchentlich einmal flüssig düngen. Etwas von Lavendel. Von Carl Dahlgard, Altona. Als Fassadeneinfassung zu meinem Garten habe ich eine Lavendelkante. Sobald jemand an diese Stelle kommt, zieht er. soweit er Kenner und empfänglich für solche Eindrücke ist, den modernen Menschen aus und fühlt sich in frühere, in Großinütterchens Zeiten versetzt. Wie kommt es nun, daß diese herrliche Einfassungspflanze so ganz in Vergessenheit geraten ist? Ist doch dieser blühende Halbstrauch eine der schönsten und bestgeeignetsten Emfassungspflanzen, weit sauberer ugd formvoller zu halten als Fevernelke, Tausendschön oder Schwertlilie, die nur an ganz breiten Wegen genoinmen werden sollten. Gepflanzt wird er im Frühjahr, geschnitten im Herbst. Daß der Lavendel offiziell auch zu Parfümeriezwecken benutzt wird, ist bekannt. Der Lavendel bietet uns außer der schönen blauen Blüte auch den aromatischen Duft, der unsere Vorfahren veranlaßte, die Blüten zu trocknen, in kleine Leinenbeutel zu sammeln unv diese dann in Wäsche- und Kleiderschränke zu legen, damit sich der Wohlgeruch auch der Garderobe mitteile. Auch soll sich der Duft als motten- schenchend bewähren. Man muß den echten Lavendel wählen, die „Spike". Schon das lanzettliche Blättchen erfreut uns durch seine einzigartige silbergraue Färbung. Ein Hauch aus alten Pfarr- und Bauerngärten umweht uns. Tie Hecke ist besser zu erhalten und zu behandeln als eine Buchsbaumeinfassung, der ja ihre schöne Wirkung nicht abzusprechen ist, die aber leicht ausfriert. Auch als Einzelpflanze müßte der Lavendel.als beson- föriniges, 1 Meter hohes Sträuchlein mit seinen stiellosen. feinen Blättern an den flaumhaar-filzigen Aesten gut wirken. Gesehen habe ich das noch nicht, da die Pflanze, wie gesagt, gänzlich unmodern geworden ist. Laßt die Lavendeleinfassung wieder zu Ehren kommen, sie verdient es eben dieser Schönheit wegen. Vieh- und Geflügelzucht Das Schlachten der Kaninchen. Beim Schlachten erfordert schon das Gebot der Menschlichkeit, daß wir das Tier durch einen kräftigen Hieb ins Genick betäuben, und zwar vermittels der flachen oder einer geeigneten Holzleiste, während man es mit der linken Hand an den Ohren etwas aufhebt. Nun wird das Kaninchen auf den Rücken gelegt und mit einem scharfen Messer das Fell des Halses geöffnet. Die jetzt sichtbaren beiden Aederchen werden rasch durchschnitten, indem man die Spitze des Messers (mit der Schneide nach oben) unten durchstößt. Jetzt hält man das Kaninchen an den Hinterläufen hoch, damit das Blut abfließen kann. Will man das Blut im Haushalt verwenden, so fängt man es unter ständigem Umrühren. in einer mit etwas kaltem Wasser gefüllten Schüssel auf. _ Das Abbalgen soll tunlichst gleich nach dem Schlachten geschehen. Man verfährt hierbei wie beim Hasen. Jedes Kaninchenfell ist wertvoll, deshalb muß es sofort gespannt werden .damit es an der Luft, niemals an der Sonne, getrocknet werden kann. Das Aufziehen der Felle auf keilförmigen Hölzern ist die einfachste Art des Spannens. Doch kann man die Felle auch aufschneiden und auf Spannbretter glatt aufnageln. Bei jedem Spannen muß man aber darauf achten, daß die Felle immer ganz straff und stets mit der Haarseite nach innen aufgezogen werden. Auch sollen die Bretter mit den Fellen möglich kühl und trocken (Zugluft) aufgestellt werden. Nach zirka 14 Tagen sind die gespannten Felle trocken und werden, in Zeitungspapier gewickelt, aufbewahrt. Die beste Schlachtzeit für Kaninchen sind die Wintermonate, dann haben Fell und Fleisch den besten Wert. Kann der unangenehme Geruch der Ziegenböcke beseitigt werden? Die Natur hat der männlichen Ziege, dem Bock, als Eigentümlichkeit einen sehr starken, unangenehmen Geruch beigelegt; darum muß er doch wohl nötig sein. Das ist er auch in der Tat, denn er dient dazu, bei der weiblichen Ziege die Brunst herbeizuführen. Man kann das z. B. daran sehen, daß eme Ziege, die zum Bock geführt ist, sehr oft durch den mitgebrachten Geruch Veranlassung ist, daß sämtliche in demselben Stall stehende Ziegen nunmehr sehr rasch, oft schon am nächsten Tage, brünstig werden. Häufig ist ein Ziegenbock, der nicht stinkt, zeugungsunfähig. Ani stärksten ist der Geruch naturgemäß in der Deckzeit. Für den Bockhalter und die nächste Umgebung kann das eine große Belästigung bedeuten. Den häßlichen Geruch ganz zu beseitigen, ist nicht möglich. Wohl aber kann er gemildert werden, und zwar durch Beobachtung größter Sauberkeit. Der Stall inuß gut gelüstet, häufig gereinigt und gelveißt werden. Der Dünger ist oft zu entfernen und durch frische Einstreu zu ersetzen. Der Bock soll täglich im Freien geputzt werden, auch niüssen die Klauen regelmäßig geputzt sein. Der Genick ixiftet den Böcken sämtlicher Ziegenrassen und ZiegenMege an. Nr. 54. Jahrgang 1928. D« Lasdbote 4- Sinsheim« ZettnnW. Samstag, den 3. März 1928. finden Sie in sorgfältiger, großer Auswahl zu billigen Preisen im Spezialhaus für Herren- u. Knabenbekleidung En» Zinrnnni, Hellbronn Sülmerslraße 39, beim Hafenmarkt *************** Einige gebrauchte, gut erhaltene Piauos unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. Wetz u. Kircher Musikhaus Heilbronn a. Neckar Kieselmardt 7 Lohtorstraße 31.1 TUU HU m UUT UI I Ohne keiclame keine kinnahme! Dauernkäse Wenn Sie einen guten Bauernkäse essen wollen, bestellen Sie 5 Kg. netto zu Mk. 5.50 frei Haus (Nachn.) bei Albert Schmidt, Ortenberg, Oberhessen Smriprmtn gleich in den ersten Frühlingstagen behandeln mit unserm erprobten u. preisgekrönten Mittel Hakabe I. Kostenlose Auskunft und Prospekt Nr. 48 durch Schönheitssalon der Dame, St u 11 g a rt, Könie- str. 10 A I. NuWol;-verstelgenmu des Forstamts Reckarfchwarzach am Freitag, den s. 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Nach allen Kriegen hat die Gefallenenehrung eine besondere Bedeutung und zeugte von der allgemeinen Verehrung und Dankbarkeit für die sich zum Schutze und zur Ehre des Vaterlandes ielbstlvs Opfernden fsast al! - kr > Einenden Staaten sind sich gleich nach Abschluß des Weltkrieges dieser Pflicht bewußt geworden und haben neben vielen anderen Ehrungen einen Tag im Jahre als Nation alse iertag für die Gefallenen bestimmt - Ganz besonders war es aber für das d e u t s ch e Volk nach dem größten und verlustreichsten aller Kriege erste Pflichr. das Andenken an «eine 2 Millionen Gefallenen zu ehren, in allen Volksichichten wachzuhalten und zu vertiefen Unter Führung des Volksbundcs Deutsche Kriegsgrük>erfüriorge wurde im Einvernehmen mit den Behörde», den Religionsgemeinschaften, den großen Körperschaften und den bedeutendsten Berbäirden der b. Sonntag vor Ostern „Reminiscere" als Gedenktag für die deutschen Gefallenen erkoren. Seit mehreren Jahren wird dieser Tag als Volkstrauertag begangen. Tie Beteiligung aller Schichten des deutschen Volkes in Stadt und Land an den von den Verbünden und Ortsgruppen des Volksbundes veranstalteten Trauerkundgebungen wurde von Jahr zu Jahr größer und einmütiger, so daß bewiesen ist. daß der Gedanke des Volkstrauertages tief in der Seele und iru Herzen unseres Volkes wurzelt. In diesem Jahre ist es der 4. März, an dem wir unserer Gefallenen in Einmütigkeit gedenken. Obwohl sich der Ausschuß für die Festsetzung eines Volkstrauertages mit aller Tatkraft für den Erlaß »tnes Vergnügungsverbotes an diesem Tage eingesetzt hat. konnte die reichsgesetzltche Regelung aus innerpolitischen Gründen noch nicht erzielt werden. Auch der Herr Reichspräsident und der Herr Reichskanzler. die dem Volkstrauertag ein großes Interesse ent- gegenbringen und jedmögliche Förderung zusagten, konnten der gesetzlichen Festsetzung des Volkstrauertages bis jetzt nicht zum Siege verhelfen. — Der Ausschuß für die Festsetzung eines Volkstrauertages hat sich nach eingehenden Beratungen und im Einvernehmen mit der Reichsregierung und den kirchlichen Behörden entschlossen, den Bolkstrauer- tag wie in den Vorjahren zu begehen und nicht nachzulaflen. den allseitig verlangten gesetzlichen Schutz zu erlangen. Um die würdige Begehung dieses Tages, soweit es nur irgend möglich ist, zu fördern, hat der Bolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.. die Städte- und Gemeindeverwaltungen gebeten, die Bevölkerung aufzusordern, auf all« Lustbarkeiten am 4. März freiwillig z.u verzichten. Auch die Theater- und Lichtbildbühnen sind gebeten, ihr Programm dem Ernst des Tages anzupassen. Wenn auch leider nich zu hoffen ist, daß diesen Wünschen allgemein stattgegeben wird, so ist doch zu erwarten daß sich der verantwortungsbewußte und ernst gestimmte Teil des deutschen Volkes danach richten wird. Am Totensonntag und am Allerseelentag gedenkt das Land, die Stadt, die Familie, seiner, ihrer Toten! Am Volkstrauertag aber ehrt bas gesamte deutsche Volk ohne Unterschied der Konfession oder politischen Einstellung seine gefallenen Helden. Das ist der grundlegende Unterschied zwischen den beiden Totengedenktagen. Aber noch ein anderer! Totensonntag — Allerseelen — novemberlich trübe. Stimmung! Die Natur stirbt und erinnert uns an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Die winterliche Not klopft an unsere Türen! Volkstrauertag — hoffnungsfro. hes Erwarten! Alles sprießt und grünt, Frühling wird es wieder! Hoffnungsstarke Jugend, Männer in der Vollkraft ihres Lebens und Schaffens sanken für uns dahin — „Reminiscere"! Ist die Not, die furchtbare innere uuö äußere Not unseres Volkes auch heute noch so groß. Bolks- trauertag an der Schwelle des Frühlings gibt uns bas Recht und den Mut, den Blick freudig in die Zukunft zu richten, und mag es im Augenblick auch noch so dunkel und trübe um uns sein. Deutschland wird auferstehen. Volkstrauertag an der Schwelle des Frühlings gibt uns die Gewißheit, daß unsere 2 Millionen Helden nicht vergeblich gefallen sind, unb die Saat, die von Gott gesäet ist, am Tage der Aehren zu reifen, aufgehen und tausendfältige Frucht tragen wird. Das ist unser Vertrauen, unser Glaube, unsere Hoffnung am Volkstrauertage, am Sonntag „Reminiscere". Fast gleichzeitig stürzte eine Frau von etwa dreißig Jahren mit dem Ruf aus der Hütte: „Ich kann das nicht länger mit ansehen!" und sank dann mitten auf dem steinbedeckten Weg in die Knie, barg ihr Gesicht in den Händen und schluchzte herzbrechend. Klara näherte sich ihr mit strömenden Tränen, legte ihr zärtlich die Hand auf die Schulter und flüsterte. sich zu ihr niederbeugend: „Sarah, meine arme Sarahl" Bei diesen Worten innigen Mitgefühls und der sanften Berührung richtete sich die Frau etwas auf und starrte wie geistesabwesend zu Klara empor, aber da ertönte wieder die Stimme des Verwundeten: „Sarah, bleib bei mir, er ist mein Mörder!" Die Frau blickte Klara wild an, erhob sich von ihren Knien und schwankte nach der Hütte zurück, während man Gartrams scharfe, entschiedene Antwort vernahm: „Eigentlich ist es ebenso zwecklos, Euch zu antworten. Jsaac Woodham, wie einem Wahnsinnigen. Durch Eure eigene, hartnäckige Widersetzlichkeit seid Ihr zu Schaden gekommen, und nun möchtet Ihr die Schuld mir auf- l^it den letzten Worten trat Gartram aus der Hütte und flüsterte seiner Tochter zu: „Komm mit nach Hause. Kind, hier kannst du doch nicht helfen." „Ich sage Euch, er ist mein Mörder", hörte man es wicher aus der Hütte schalen. „Bah!" rief Gartram zornig, bereits im Fortgehen begriffen, aber kehrte wieder um und fragte kurz: „Nun. kommst du, Klara?" „Ja. Papa. bald. Ich will nur erst sehen, ob ich irgenwie helfen kann". „Hören Sie, Glyddyr," wandte sich Gartram an die- seu, sehr leise und erregt sprechend, „ich muß jetzt fort. Bitte bleiben Sie zu Klaras Schutz hier und bringen Sie sie dann nach Hause". Er eilte hinweg, während Klara auf die Hütte zu- ging. Als Glyddyr sie zurückhalten wollte, trat ein stattlich aussehender Herr aus der Tür. dem die bellen Reminiscere Zum Volkstrauertag am 4. März. Vom sterbenden Weizenkorn. das Früchte trägt, handelt der Evangelientext aus Johannes für den Sonntag Reminiscere. den Sonntag des Gedenkens, dem wir in Deutschland durch die Bolkstrauer um die Gesallenen tm Weltkrieg noch tiefere Weihe geben. Das sterbende Weizenkorn hat Früchte getragen, — fie scheinen noch unanfebnlich. — und die Erinnerungstreue, die wir unseren für das Vaterland gefallenen Brüdern wahrten, ist eine der tretbensten seelischen Gewalten in diesem Prozeß gewesen. Unermeßliche Vlutsaat unserer Besten, unserer Jugend, ist vier Jahre lang in der Hölle moderner Geschützfeuer in fremde Erde gestreut worden, kaum ein Haus im weiten Vaterlande unter dessen First der Schlachtentod nicht eine schmerzliche Lücke gerissen: und als dann nach den für uns unerforschlichen Gesetzen des Fatums ein ganzes Volk unter der Wucht der vereinigten Welt zusammenbrach. trieb es geraume Zeit in den schwindelnden Wirbeln der Halt- und Ziellosigkeit. Fürchterliche Zeitspanne der nahenden und triumphierenden Inflation: da klang die stumme Mahrning der Toten zu den besten Männern des Volkes, riesen sie auf zur Selbstbesinnung, und zur Ueberlegung: „Soll das alles ganz und gar umsonst gewesen sein?" Das Weizenkorn in die Erde gesenkt unter den Tränen der Mutter. Witwen und Waisen, soll es keine Früchte tragen? Von du an begann die große innere Wandung bei uns, deren Weg noch nicht vollendet ist. die Toten hatten die Lebenden zum tätigen Volksempfinden aufgerüttelt. Immer noch geht ein leiser Nachhall böser Zeiten durch unser Blut. Aber wir wissen und sehen den Weg, den wir auch allen anderen weisen müssen. Er führt von der Idee der sich jene geliebten Toten geopfert, über Selbstbeherrschung, Pflichtbewußtsein und Arbeit in die deutsche Zukunft. Anseren deutschen Helden zum Gedächtnis Von Dr. phil. Otto Lichthardt. Kaum eine deutsche Familie wird es geben, in der heute nicht schmerzliches Gedenken herrscht an einen teuren Toren der auf dem Felde der Ehre sein Leben für das Vaterland gab. Schon wächst eine Generation heran, die nichts mehr weiß von jenen aufrüttelnden Jahren, von jenen Zeiten, in denen die Welt in Brand stand und die unermeßliche Opfer an Gut und Blut kosteten. Aber auch nns. die wir jene Zeit in der Heimat oder draußen an der Front mitcr- lebt haben, rücken diese Tage allmählich in eine unwirkliche märchenhafte Ferne. Da ist es gut. daß einmal wenigstens im Jahre das ganze Volk aufgerüttelt wird durch den einen großen Gedanken der dankbaren und schmerzlichen Erinnerung an unsere teuren Helden, die für uns eines kitteren Todes starben. Ucber 1,8 Millionen deutscher Kümvfer fanden den Tod während des Bölkerringens. In allen Teilen der Wett, auf Frankreichs blutdurchtränktem Boden, in Rußlands öden Steppen, auf vereistem Hochgebirge, auf son- nendurchglühtem Boden im Orient, in den Urwäldern Ostafrikas «nd in den unendlichen Wellen des Ozeans hauchten die deutschen Helden chren letzten Seufzer aus. Wieder erstehen vor uns die Tage bangen Wartens und hoffenden Glaubens, bis dann nach Monaten quälender Ungewißheit eine karge Nachricht den Tod meldete. Es gibt Tausende von Familien, die jetzt noch nicht einmal wissen, und die es wohl nie erfahren werden, wo ihre Angehörigen zur letzten Ruhe gebettet sind. Keine Blume kann ihr Grab schmücken, keine sorgende Hand die letzte Ruhestätte pflegen. Umso «tiefer und unvergeßlicher lebt das Andenken an diese teuren Toten in den Herzen der Hinterbliebenen. Unsere Toten dürfen aber nicht umsonst gestorben sein! Wir erweisen ihnen einen schlechten Dienst, wenn wir hrer nur tu schmerzlicher Erinnerung gedenken, ohne für unser Tun und Denken die Konsequenzen aus den von ihnen für uns gebrachten Opfern zu ziehen. Wir alle wollen den Frieden, aber diese begreifliche Sehnsucht darf nicht in ihr Gegenteil Umschlagen, und zu einem hemmungslosen Pazifismus führen. Wir wollen unsere Toten ehren, indem wir überall, und an vorderster Front, für eine wahre Verständigung und für den Frieden eintreten. Wir wollen aber nicht uns in einer Zeit, in der von Abrüstung, innerer und äußerer, nichts zu spüren ist. uns nicht an Illusionen klammern, die für unser Vaterland einst verhängnisvoll werden können. Wir ehren unsere Toten bann am besten, wenn wir. jeder an seiner Stelle, unsere Pflicht erfüllen, wenn wir unseren Kindern von den Heldentaten ihrer Väter erzählen und von ihrem hohen Glauben an das deutsche Vaterland. Tann werden unsere Helden nicht umsonst gestorben sein. Zum fünften Male sährt sich dieser Tag schmerzlichen und dankbaren Gedenkens. Unsere hastende und entseelte Zeit, die von jedem von uns. ob klein oder groß, den Einsatz aller Kräfte verlangt, vergißt schnell. Darum versenkt Euch ganz in Trauer und Erinnerung, wenn um die Mittagsstunde durch unser ganzes Vaterland die Trauerglocken ertönen. wenn in Scharen Angehörige und Kameraden zu den Feiern in der Kirche und auf den Friedhöfen eilen, und wenn die Fahnen auf Halbmast wehen. Ganz Deutschland durchströmt dann ein Gefühl, das über alle Parteigegensätze und Meinungsverschiedenheiten hinweg eine Volksgemeinschaft erstehen läßt. Beginnt dann der Alltag wieder und zwingt uns tn seinen Bann, so tragen wir doch den be- seeliaenden Gedanken in uns. daß unsere Helden nickt vergebens gestorben sind, baß die stillen Gräber, in alle« Weltteilen zerstreut, noch eine beredte Sprache sprechen. v ‘ "Ci syy. Ei« unbekanntes deutsches Heldenmal im Ansland. Das schlichte Totendenkmal für die Gesallenen des Kreuzers „Dresden", das auf dem Friedhof in Coneep- cion tSüdchiles steht und von den gortigen Ausländsdeutschen in Ehren gehalten wird. Deuttcker Butter Gedenken am Volkstrauertag, 4. März 1828. Mein Kind! Ein Ehrentag ist's, den wir heut' begeh'», — Siehst du die deutschen Fahnen dort auf Halbmast steh'»? Hörst du den Grabgesang über die Hügel weh'u Und sieht du Eltern, Brüder, weinend sie umsteh'«? Denn unsern Helden, unfern toten Brüdern ist ja der Tag sgerveiht' Der Trauerglocken klagend, dumpf Geläut Verschmelzen sich mit der Erinnerung Gedanken, Die für die teuren Toten sich ins Jenseits sanken! Und all der Helden Grab in fernem, fremdem Land, Schmückt Blumengruß, den Heimatstreue wand. Für den der „Volksbund" sorgt in heil'ger Liebcspflicht, Heil! Kamerad, du trener, man vergaß dich nicht! ao falte zum Gebet auch du, mein Kind, die Hände Und fleh mit mir, baß uns der Herrgott sende Für uns're deutsche Heimat gleichen Schirm und Schutz — Ob auch die Welt voll Feinde, voller Trutz! — In stetem Dankl — Laß uns're toten Helden schau'u. Daß hoffend wir, auf dich, Herr, fest vertrau'» — Und Weisheit. Kraft und Mut verleih' uns deutschen Frau'n An freier, stolzer deutscher Zukunft tätig mit zu bau'»! Herrgott, dich loben wir! Maria Harnecker. Schweißtropfen aus der Stirn standen, während er beschäftigt war. seine Manschetten einzuknöpfen. und dieser wandte sich leise flüsternd zu Klara: «Nein, mein liebes Fräulein. Sie können da drinnen gar nichts helfen", während gleichzeitig wieder das qualvolle Stöhnen des Verwundeten ertönte. „Steht es so schlimm mit ihm. Herr Doktor?" fragte Klara. St'tt ist - r Nnlwort hl'ck - er sie ftumm und. mit tinem kaum wahrnehmbaren Neigen des Kopfes. „Ohl" rief Klara schmerzlich. „Beinahe völlig zerquetscht, mein liebes Fräulem. Das beste ist, man läßt die beiden allein." Es herrschte ttefes Schweigen, nur unterbrochen durch das Murmeln in der Hütte, bis dasselbe sich plötzlich in ein lautes Ausschluchzen wandelte und der Arzt eilig wie- Ser hineinging. „Jsaacs Hütte ist frei geworden", sagte einer von den Arbeitern leise. „Wer von Euch Lust hat. sie zu nehmen?" „Tot?" fragte Klara, als der Arzt bald darauf zu- cückkehrte. „Nein, das schmerzstillende Mittel, welches ich ihm rinflößte, hat seine Wirkung getan, er schläft. In diesem Augenblick kam ein Mann völlig außer »tem, auf sie zugelaufen, und Klara wurde womöglich noch blaffer, als sie in demselben einen der Diener aus dem Schlöffe erkannte. ^Fräulein Gartram — Herr Doktor Asher!" rief ser Mann keuchend. „Kommen Sie sofort, der Herr hat wkeder einen seiner Anfälle". Sechstes Kapitel. Sarah Woodhavrs Gelübde. - riria: BAvußtlofigkeit von vielen Stunden und m Abwesenheit des Doktor Asher, welcher sich inzwischen noch einmal in aller Eile nach diesem hoffnungslosen szaile umgeieyen hatte und dann m das Gartramsche Schloß zu seinem vornehmen Patienten zurückgekehrt war, öffnete Jsaac Woodham wieder seine Augen und blickte starr aus die qualoerzerrten Züge seiner Frau. „Lieber Jsaac. kann ich irgend etwas für dich tun?" fragte se>ne Frau zärtlich. „Ja. ich werde es dir sagen," stöhnte er. „Ich wußte recht gut. daß es so kommen würde, ich hatte es schon immer im Gefühl. Ja. liebe Sarah, ist doch sehr, sehr schwer zu sterben." „Sterben! Jsaac. ich bitte dich!" „Ja. und bloß durch seine Schuld zu sterben, durch c«n erbarmungslosen Tyrannen, und bloß um ihm noch reicher zu machen." „Nein, nein, lieber Mann, sag das nicht." „Doch, ich will es sagen, wieder und wieder, so lange ich den Atem dazu habe. Gartram allein ist schuld. Oh, wie ich ihn Haffe, verflucht soll er sein, der elende Hund!" „Jsaac. mein lieber, guter Mann!" „Ja, ich habe ihn immer gehaßt, diesen Tyrannen; er machte mich ganz unsinnig vor Wut wegen der Sprengung des Felsblocks, und ich fühlte, ich müßte so tun» wie ich es wollte. Aber mit seinen nichtswurdigen Anschreien hatte er mich so in Wut gebracht, daß meine Hand zitterte und ich an nichts weiter denken konnte, als was er mir gesagt hotte, bis ich nicht mehr wußte, was ich tat und beinahe von Sinnen war und die Ladung zu früh losging. Aber es war bloß seine Schuld, er ist mein Mörder, und wenn er nicht gewesen wäre, dann wäre ich ießt noch wob! und aesund. Fluch dem Sckurken!" „Nein, nein, lieber Mann, fluche nichtI" „Sally!" keuchte er, und seine Stimme begann sich schon zum letzten Todesröcheln zu wandeln. „Sally l" „Ja. lieber Mann". „Geb' nicht von mir — wo bist bu?* „Hier, lieber Mann, ich halte ja deine Hand." „Weshalb, weshalb hast du denn das Licht ausge- löiLt?" Nr. 54. Jahrgang 1928. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 3. März 1928. Die Vetrüqereien bei den Leuna-Werken Fraukeuthal, 2. März. Als Abschluß der Vernehmung Wagners wurde zu Beginn des dritten Verhandlungstages (Mittwoch) eine Kassiber-Affäre erörtert. Wagner hat nach seiner Verhaftung versucht, sich mit einigen seiner Angestellten, vor allem mit dem Leiter seines Betriebes in Merseburg, in Verbindung zu setzen. Eine besondere Rolle spielte dabei die für Hans Stallmann bestimmte Bemerkung ,Jlean, bleib treu!" in einem geschäftlichen Brief vom August 1926. Wagner versucht, dieser Bemerkung die Auslegung zu geben, daß er Stallmann ermahnen wollte, sich an der Hetze der anderen Angestellten gegen ihren Chef nicht zu beteiligen. Der Vertreter der Nebenklage fragte daraufhin Wagner, ob er nicht nach der Aufdeckung der sogenannten Schönseld- Affüre in Leuna, in die auch der jetzt angeklagte Hechtenberg verwickelt ist, dem Stallmann in Gegenwart des früheren Direktors Krämer Anweisungen gegeben hat, wie er sich zu verhalten habe, wenn einmal auch die Durchstechereien und Betrügereien der Firma Wagner aufgedeckt werden sollen. Als erster der Mitangeklagten wurde der frühere Leiter der bautechnischen Abteilung, Oberingenieur Schönberger, vernommen, der aus dem bayerischen Staatsdienst hervorgegangen ist, 1906 in die Anilinfabrik eintrat und 1616 beim Beginn des Baues des Leunawerkes nach Merseburg versetzt wurde. Schönberger bestritt jede Schuld, stellte auch in Abrede, daß er in seinem geschäftlichen Verkehr mit Wagner über die Grenzen hinausgegangen sei, die man sonst für Lieferanten eines großen Werkes einzuhalten pflege. Er bestritt auch, daß Wagner ohne vorherige Anmeldung das Büro Schönberger betreten durfte. Zu der Behauptung Wagners, daß er Schönberger die Genehmigung zu Preiszuschlägen bei der Lieferung der Flanschen und Schieberkappen gegeben habe, erklär S^önberqer, daß er sich nicht daran erinnern könne, Da es im Werk Grundsatz ist, daß alle Vereinbarungen schriftlich bestätigt werden, was auch in den allgemeinen Lieferungsbedingungen festgelegt ist, so hätte der Zuschlag beanstandet werben müssen. Von der Beiladung von Blechabsällen und anderen Gegenständen bei den Kap- penlieserungen will der Angeklagte nichts wissen. Er gab zu, daß er von Wagner eine Kiste Wein erhalten hat, die er jedoch bezahlt haben will, allerdings ohne Quittung und mit einem Betrag, den er selbst festsetzte. Zu einem Zwischenfall kam es, als der Vertreter der Nebenklage, Justizrat Wagner ,an den Angeklagten Schönberger die Frage richtete, ob er nicht auch von anderen Lieferanten des Leunawerkes Geschenke erhalten habe. Die Verteidigung erhob hiergegen lebhaften Einspruch. Schönberger antwortete dahin, daß er Geschenke, die er als Schmiergelder hätte betrachten müssen, nicht angenommen habe. Wohl habe er aber beim Einzug in sein neues Heim von einem Lieferanten ein Gemälde bekommen. Es wurde dann der Mitangeklagte Ingenieur Frühauf vernommen, der zugab, von Wagner Geldbeträge erhalten zu haben, bestritt aber, regelmäßige Zuwendungen in Höhe von mehreren Tausenden erhalten zu haben. Die empfangenen Beträge gab er mit 6000 bis 7000 Mark an. Die Geschenke Wagners habe er nie als Schmiergelder angesehen. Weiter bestritt Frühauf, von den Bestechungen und Betrügereien bei der Lieferung der Flanschenkappen etwas gewußt zu haben. Der dann vernommene Angeklagte Räumer, der frühere Betriebsleiter der Werkspenglerei im Leunawerk, schildert, wie er Wagner kennen lernte, und gab zu, daß Wagner ihm durch Vermittlung von Steinmann einen Geldbetrag geschenkt habe. Er habe nicht daran gedacht, daß es sich um Bestechungen gehandelt habe. Nachmittagssitzung des Wagner-Prozesses. Frankenthal, 1. März. Der in der Nachmittagssitzung des Donnerstag vernommene Mitangeklagte Stallmann war Angestellter der Firma Wagner. Während der Geschäftsbeziehungen Wagners mit dem Leunawerk habe er die Rechnungsstelle nur nebenbei erledigt. Er will keine große Auskunft geben können. Sehr interessant war die Bekundung des Angeklagten, daß Wagner im Januar 1927 ihn auf- gefordert habe, eine zweite Wage zu beschaffen, die nach Lubwigshafen zu senden wäre, um sie dort so herzurichten, daß sie ein Kilo mehr anzeige. Der Grund dieser Anordnung war, daß die neuen Kontrollmaßnahmen im Leunawerk und die neue Preisfestsetzung sich im Januar 1927 zum ersten Male ausgewirkt habe. Wagner habe damals geäußert, die Gewichte und Preise der Kappen seien derart herabgesetzt worden, daß man nicht mehr soviel verdienen könne wie früher. Nach Angaben des Angeklagten soll zwischen Wagner und dem Geschäftsführer Wüst der Firma Metzger u. Kerner eine Sondervereinbarung hinter dem Rücken dieser Firma bestanden haben. Auf Ersuchen des Vorsitzenden schildert dann der Angeklagte eine Besprechung, die im Jahre 1924 nach der Entlassung des Mitangeklagten Geschäftsführers Hechtenberg aus dem Leunawerk zwischen Wagner, dem früheren Direktor Krämer und ihm stattfand und in der Wagner darauf hinwies, Stallmann solle in Zukunft im Verkehr mit den Angestellten des Leunawerkes sehr vorsichtig sein. Bei dieser Gelegenheit war es auch, als Wagner dem Angeklagten die genauen Instruktionen über sein Verhalten im Falle einer Verhaftung gcüb und ihm empfahl, unter allen Umständen zu leugnen. Der zweite Teil der Vernehmung des Angeklagten Stallmann befaßte sich mit der Beihilfe bei den Bestechungen. Stallmann gibt zu, Geldbeträge in Umschlägen an bestimmte Personen überbracht zu haben, so an Klopfer, Römer, Herrmann, Gou- thier, Hammann und Frühauf. Davon, daß diese Briefumschläge mit den Schmiergeldern „nichtempfindliche Platten» genannt werden, will der Angeklagte nichts wissen. Verschiedenes. Seltsame Hochzeitgebräuche. Bei einem kleinen ruthenischen Volksstamme der Huzulen gibt es noch seltsame Hochzeitsgebräuche. Schon, baß nicht nur die Braut, sondern auch der Bräutigam bei der Trauung einen Kranz trägt, berührt seltsam: auch den Kränzen selbst fehlt es nicht an Merkwürdigkeiten. Sie bestehen aus Jmmergrünblättern und werden mit Geldstücken und Flittergold geschmückt. Im Kranze mutz aber vor allem auch — Knoblauch vorhanden sein, weil dieser als Abwehrmittel gegen das Böse gilt. Im huzulischen Brautkranze, muß außerdem die Nadel stecken bleiben, mit der er zusammengenäht wurde. Das Originellste sind aber die Ringe des Brautpaares. Sie bestehen aus — Käse, hartem, getrocknetem Käse, und werden wegen ihrer Größe am linken Arm getragen. Nach der Trauung reitet die Braut zuerst heim. Zum Zeichen seiner Ankunft sendet dann der Neuvermählte seinen Käsering hinein, die junge Frau schickt ihm dafür den ihrigen heraus, und die Festlichkeit nimmt nun ihren weiteren Verlauf. Diese Käsetrauringe werden oft jahrelang zum Andenken an die Hochzeit oufbewahrt. Vom Kammerdieuer zum — Schloßbefitzer! Eine «eue „Zubkow-Ehe". Eine sensationelle Liebesehe l?> ist kürzlich in Palermo geschlossen worden. Eine Gräfin Valerio. die schon im reiferen Alter steht und seit mehreren Jahren verwitwet ist, hat ihren Kammerdiener geheiratet. Der Mann trat als ihr Günstling schon nach dem Tode des Gatten in Erscheinung. Vom Kammerdiener avancierte er schnell zum Schloßverwalter und später zum Güterdirektor. Mit der Zeit geriet die Gräfin ganz in seine Gewalt und fügte sich seinen Wünschen durchaus. Auf diese Weise verhinderte der Diener die Ehe einer Tochter der Gräfin mit einem armen Fürsten, da er wahrscheinlich fürchtete, von dem neuen Schwiegersöhne aus seinen Rechten verdrängt zu werden. Ein Versuch, die Tochter selbst zum Traualtar zu führen, mißlang aber, da die Mutter, wenn sie auch sein willenloses Werkzeug war, soviel Energie aufbrachte, den ehemaliaen Diener hinauszuwerfen. Schließlich aber versöhnte man sich wieder und der ehrgeizige Mann heiratete die Mutter Gräfin, um so der Nutznießung ihrer ungeheuren Besitztümer teilhastig zu werden. — Man kann sich verschiedene Meinungen über diese Liebesheirat bilden, jedenfalls steht das eine lest, daß dieser Mann aus dem Volke kür sich den richtigen Weg zu Reichtum und Ansehen gefunden hat. Der Mond beherbergt Insekte«? Der Direktor der Sternwarte Meudon bei Paris will in der vergangenen Woche unverkennbare Spuren organischen Lebens auf der Fläche des Mondes wahrgenommen haben. Er behauptet, die vor längerer Zeit von dem Amerikaner Pickering gemachte Feststellung, daß der Mond riestge Jn- sektenschwärme beherberge, mit Gewißheit bestätigen zu können. Der Amerikaner hat beobachtet, daß im Innern jenes großen Mondkraters Erathvstenes eine Anzahl dunkler Flecken ständig ihre Lage verändern. Nach seiner Auslegung kann es sich nicht um einen gewöhnlichen Schatteneffekt handeln, sondern nur um Jnsektenschwarme, die das Innere der Krateröfsnung durchschwirren Jetzt hat auch der französische Astronom dieselben Schatten sestaestellt und findet dafür keine andere Auslegung, als die Pickertngs. — Wie man allgemein weiß, hat der Mond keine Atmosphäre. Er gilt als völlig ausgestorben. da die Wassermengen, die früher einmal dort vorhanden waren, längst verdunstet sind. Bisher hat man deshalb auch alles Vorhandensein von Lebewesen aus dem Monde nicht sür möglich gehalten. Jetzt ist man schon wieder anderer Meinung. Die Kombinationen der Astronomen werden täglich kühner - wahrscheinlich weil man ihnen nicht das Gegenteil beweisen kann. — Ei« schlagfertiger Pastor. Ein nettes Histörchen von einem schlagfertigen Pastor erzählt ein amerikanisches Blatt. Die Geschichte spielt in Lcadville in Kolorado, einem Orte, an dem noch dtz Sitten der Prärie zu herrschen scheinen. . Dort machte die Familie eines jungen Mädchens eines Tages die Entdeckung, daß dieses mit einem der vielen Abenteuer, die sich in dieser Gegend aufhalten und nach Silber suchen, ein wenig allzugut bekannt sei. Da man aber in dieser Familie sehr viel auf Ehre hält, begaben sich ihre zwei Brüder z» dem Verführer und teilten ihm mit, daß er entweder das Mädchen auf der Stelle heiraten müsse oder sein Testament machen solle, da sie die Absicht hätten, ihn im Weigerungsfälle niederzuschietzen. Der also Bedrohte wählte natürlich die Hochzeit als das weniger Lebensgefährliche und unter der Bewachung der zwei bewaffneten Brüder ging es sofort zur Kirche. Der Pastor nahm die Trauung sofort vor, scheint seine Rede aber nicht ganz den Wünschen des Bräutigams entsprechend gehalten zu haben, denn dieser zeigte bei einer Stelle der frommen Ansprache seinen deutlichen Unwillen dadurch, daß er den Revolver zog und auf den Pastor schoß. Die Kugel pfiff aber glücklicherweise nur am Ohre des Prdigers vorüber, der sich nicht weiter stören ließ und kaltblütig die Hochzeit beendete. Tann schritt er, einem alten Herkommen entsprechend, auf die Braut zu und küßte sie auf die Wange. Das chaßte aber dem jungen Ehemann wiedre nchit und er gab dem Prediger einen starken Fanstschlag. Jetzt hatte dieser aber, wie er meinte, genug Geduld bewiesen. Handfest, wie er war, packte er den Frechling mit der einen Hand am Hosenbund, mit der anderen am Kragen und warf ihn mit einem lauten Krach an die Wand. Hierauf prügelte er ihn noch tüchtig durch, was den ruhig zuschauenden Schwägern ein besonderes Vergnügen zu bereiten schien, und erklärte die Ehe nun als „rechts gültig und rechtskräftig". In der Lokomotive über de« Abgrund. In der Nähe von Vancouver (Kanada) ereignete sich nach Mitteilungen kanadischer Blätter eine grauenhafte Eisenbahnkatastrophe, die durch einen fast unglaublichen Zufall ein glückliches Ende nahm. Die Schienen der „Canadier National Railway" stellen eine kühne Jngenieurfahrt dar, da sie durch felsige Gebirge und über Schluchten und Abhänge von mehr als 200 Meter führen. Vor einigen Tagen sauste der Zug dieser Eisenbahnlinie in der Nacht gerade auf eine der gefährlichsten Stellen dahin, die sich über einem steilen Abgrund von 200 Metern Tiefe befindet. Es hatte während der ganzen Zeit geregnet, und die unterwühlten Erd- und Steinmassen waren infolge eines Erdrutsches aus den Schienenweg gestürzt, ohne daß der Lokomotivführer es rechtzeitig bemerkte. Als nun der Zug mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde in dieses Hindernis hineinraste, entgleiste die Lokomotive und stürzte mit fürchterlichem Getöse in den Abgrund. Durch die Erdmassen war aber die Wucht des Stoßes derartig gehemmt, daß die Maschine an dem Tender über dem Abgrund hängen blieb, wodurch verhütet wurde, daß der ganze Eisenbahnzug mit Hunderten von Menschen in die Tiefe gerissen wurde. Die Fahrgäste erwachten bei dem starken Zusammenprall des Zuges mit dem Felsen und stiegen aus, um nach der Ursache der Verzögerung zu sehen. Zu ihrem Entsetzen stellten sie fest, daß die ungeheure Maschine über der tiefen Felsenschlucht schwebte. Man nahm an, daß Heizer und Führer selbstverständlich entweder getötet oder schwer verletzt seien, zumal die Lokomotive mit den Rädern nach oben hing. Als sie damit beschäftigt waren, festzustellen, ob vielleicht die beiden Beamten noch zu retten wären, sahen sie plötzlich, daß die Feuersglut unter dem Kessel hinausgcworfen wurde. Sie erkannten daraus, daß mindestens einer trotz der schrecklichen Lage der Lokomotive noch am Leben sein mußte. Auch hörten sie Rufe um Hilfe. Die Lokomotive drohte jeden Augenblick durch ihr eigenes Gewicht sich loszureißen und die Menschen, die sich in ihr aufhielten, in den Abgrund zu reißen. Sehr schnelle Hilfe tat also not. Nach langer Mühe gelang es, eine Art von Hvlzbrücke zu erreichten, auf der die beiden Gefährdeten sich retten konnten. Nun kamen die entsetzlichsten Minuten, denn die hölzernen Balken hatten keinen festen Halt, sondern schwankten hin und her, und es war darum sehr schwierig, auf ihnen herüberzukriechen, zumal auch der Weg aus der umgestürzten Lokomotive für die beiden Beamten mit größter Lebensgefahr verbunden war. Immer wieder mutzte der Rettungsversuch aufgegeben werden und es verging eine bange Viertelstunde nach der anderen, bis endlich der Erste auf der Holzbrücke festen Fuß gefaßt hatte. Auch jetzt war noch größte Vorsicht notwendig, da jede falsche Bewegung den Tod bedeutet hätte. Schließlich gelang es dem Lokomotivführer trotz der Dunkelheit der Nacht, im Schein der Fackeln aufs feste Land zu kriechen, und nach ihm unternahm der Heizer denselben Versuch mit demselben glücklichen Erfolge. Durch einen Hilfszug, der den Reisenden aus Vancouver entgegengeschickt wurde, konnten nunmehr alle das Ziel ihrer Reise erreichen. Ein Justizirrtum. Durch die Presse gingen kürzlich Mitteilungen über den Fall eines Maurers Johann Leister, der tm März 1924 von der Strafkammer des Landgerichts in Eisenach — die Strafkammern waren damals vorübergehend an die Stelle der Schwurgerichte getreten — der Ermordung seiner Frau schuldig befunden und zum Tode verurteilt, dann aber zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurde, der aber nach neueren Ermittelungen offenbar das Opfer eines Justizirrtums geworden ist. Rechtsanwalt Dr. Eyck Merlin) teilt jetzt in der „Voss. Ztg." den aktenmätzigen Verlauf der Angelegenheit mit. Danach ist Frau Leister eines Nachts in ihrem Bett erschossen worden. Leister, der in einem anderen Zimmer schlief, gab an, er sei durch Schreien seiner Frau aufgewacht, habe seinen Bruder geweckt und dann auf die Treppe stürzend einen htnaveilenden Mann bemerkt, der znm Haus hinaussprang, sowie einen zweiten, der aus der Wohnstube hinauslief,' er sei diesem ein Stück nachgelaufen, dann aber ins Haus zurückgekehrt und habe nun die Frau blutend im Bett gefunden. Das gegen ihn eröffnete Verfahren wegen Mordes bot zunächst wenig Anhaltspunkte, bis sich herausstellte, daß er in zwei Punkten unwahre Angaben gemacht hatte. Einmal hatte er verschwiegen, daß er damals eine Armeepistole besessen hatte, und dann hatte er in einem Ehescheidungsprozeß eines Ehepaares L. fälschlich bestritten, mit Frau L. Verkehr gehabt zu haben. Die Strafkammer nahm nun an, daß er seine Frau beseitigt habe, um Frau L. heiraten zu können. Ein Zivilprozeß, der auf Veranlassung des Bormundschaftsrichters für seine unmündigen Kinder gegen ihn wegen Erbunwürdigkeit geführt wurde, ergab aber in der Berufungsinstanz vor dem Oberlandesgericht tn Jena ein ganz anderes Bild, io daß schließlich die Erbunwürdigkeitsklage abgewtesen wurde. Es stellte sich heraus, daß der tödliche Schuß nicht aus Leisters Pistole abgegeben sein konnte: er hatte ihren Besitz nur aus Angst abgeleugnet. Auch der Ehebruch kam für ihn als Tatmottv nicht in Betracht, weil damals zwischen ihm und Frau L. kein Liebesverhältnis mehr bestand. Schließlich bekundete ein Zeuge, daß er in der Nacht des Mordes zwei Männer aus dem Leistertchen Hause habe heranslaufen sehen. Darauf ist nun ein Wiederaufnahmeverfahren beantragt worden, das Erfolg haben dürfte. Robert Silbermann vorm. C. Schüler Hauptstraße 88 HcidclbBrQ Filiale Bismarckplatz Hemden nach MaQ Großes Stofflager. Garantie für guten Sitz- Iagd-Derpachtung. Am Donnerstag. 8. 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