Erscheint täglich ^ mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durck den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.20 Der Bezugspreis ist im Voraus _ zu entrichten. 3» Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit »r8 dis 5 Ahr Sonntags geschlossen. Fernsprech-Anschlutz Nr. 488 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6803 Der Landbote 9 Sinsheimer B Zeitung ssr General-Hnzeiger für öas^^^Elsenz-unö §ctuoarzbacktal Kellefitz unct verbreitetste Leitung äieler Gegenä. hLupt-Knzeigen-klatt Mächentliche Beilagen r Neu» Illustrierte • Hb* dem Reich der fflode • Ratgeber fflr 15 *as- und Eatidwirtfchaft Anzei-en-Preis«: Anzeigen: Die 33 mm breit« Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamenr Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen» und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahluninnerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeige» müssen am Tage vorher auf- gegeben werden; Bank-Konto: Vereinsdank Sinsheim e. G. m. b. Sb. M 97. Mittwoch, den 28. April 1928. 89. Jahrgang pkeisechöhung oder Exportbeschränkung. Die Drohung des Ruhrkohlenfgndikats. Essen, 24. April. Das Rheinisch-westfälische Kohlensyndikat teilt über das Ergebnis der heutigen vorberaienden Verhandlungen einen etwaigen Preiserhöhungsantrag betreffend, mit, es habe sich in Syndikatskreisen die Ansicht herausgebildet, daß eine Kohlenpreiserhöhung nicht in dem Umfang zu erzielen ist, daß ein Ausgleich für die Belastung durch den Schiedsspruch geschaffen würde. Als einziger Ausweg bleibe daher die Einschränkung des Exrports. Nähere Angaben, in welcher Höhe «in Preiscr- höhungsantrag gestellt werden soll, werden nicht gemacht. Cs wird lediglich darauf hingewiesen, daß die Exportbeschränkung um so stärker sein müsse, je geringer die etwaige Preiserhöhung sein werde. Aus der Erklärung des Syndikats ist nicht ersichtlich, welchen Weg man einzuschlagen gedenkt. Der Hinweis auf die Relation zwischen Preiserhöhung und Ausfuhrbeschränkung scheint zu bezwecken, den zuständigen Instanzen und namentlich dem Reichswirtschaftsminister die Verantwortlichkeit für die künftige Absatzpolitik des Syndikats zuzuschreiben. Im Inland Monopolstellung, im Ausland schärfste Konkurrenz, das ist die Lage des Kohlenmarktes. Wenn auch die Inlandspreise nicht von den Syndikaten allein abhängcn, so sind sic doch eine sichere Kalkulationsgrundlage, da sie nicht unterboten werden und auch die Absatzmenge verhältnismäßig gleich bleibt. Um so schärfer ist der Kampf um den Auslandskunden; man muß sich vor Augen halten, daß es den neben Deutschland bedeutendsten Kohlenproduzenten durchaus nicht besser geht. Englands Verhältnisse wurden durch den Kohlcnstreik allgemein bekannt; noch jetzt ist eine Konsolidierung nicht herbeigeführt, noch jetzt kämpft man um ausländische Märkte, ja man muß sogar um den Inlandsmarkt kämpfen, denn die Berbandsbildung hat eben erst begonnen und kann in absehbarer Zeit einen inneren Ausgleich, wie ihn etwa die deutschen Kohlensyndikate schaffen, nicht erreichen. Frankreichs Kohlenindustrie fühlt sich durch die aus Deutschland kommende Reparationskohle im eigenen Markt so bedrängt, daß sie mit allen Mitteln und geringstem Gewinn Auslandsabsatz sucht. Die polnischen Kohlengruben liegen verkehrspolitisch so ungünstig, daß die möglichst restlose Belieferung des Nahgebietes als Lebensfrage angesehen wird. Ueberall Kampfstimmung, undüberall Mißstimmung gegen Deutschland, das. nach Ansicht ausländischer Kotzlenfachlcute seinen Kohlenexport nicht so bitter notwendig hat, wie die genannten anderen Länder. Wenn tatsächlich für die deutschen Kohlensyndikate die Frage heißt „höhere Kohlenpreise oder Einschränkung des Exportes", dann kann die Wahl volkswirtschaftlich nicht schwer sein. Die Verhältnisse auf dem Weltkohlenmarkt haben sich so zugespitzt, daß die erzielten Preise eine Rentabilität kaum gewährleisten; der Gewinn wird lediglich aus dem Inlandsabsatz erzielt, ja man kann annehmen, daß zeitweise die Verluste aus Exportkreisen durch die Inlandspreise wieder gutgemacht wurden. Man darf bei der Kohlenproduktion nicht den Maßstab industrieller Erzeugung anlrgen. Kohle, die nicht verkauft wird, ist volkswirtschaftlich nicht verloren; viel eher könnte man von volkswirtschaftlichen Verlusten sprechen, wenn die Kohle ohne genügenden Gegenwert in das Ausland abgeführt wird. Nachteile eines verringerten Exportes sind lediglich die geringere Ausnutzung der vorhandenen Anlagen und die geringere Beschäftigung der im Kohlenbergbau Tätigen. Nachteile einer Kohlenpreiserhöhung sind dagegen Erschwerung der schon genug belasteten industriellen Produktion. Gewiß soll weder das eine noch das andere Argument unterschätzt werden, aber bei den zur Zeit völlig unzureichenden Weltmarkt^ preisen sollte eine Verminderung des Exportes das kleinere Uebel fein, wenn überhaupt das von dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat behauptete Dilemma besteht. » Sin Schiedsgerichtsvertrag mit den Vereinigten Staaten Berlin, 25. April. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, sind zwischen dem amerikanischen Staatssekretär Kel- log und dem deutschen Boffchafter v. Prittwitz Verhandlungen über den Abschluß eines Sicherheits- und Ausgleichsvertrages zwischen de« Bereinigten Staaten und Deutschland ausgenommen worden. Die Auffyxderung zu diesem Vertrag ist bekanntlich in diesem Jahr an Deutschland ergangen. Es ist damit zu rechnen, daß bereits in der nächste» Woche die Unterzeichnung des Vertrages erfolgen wird. Dieser Vertrag darf nicht mit dem Kriegsoerzichtspakt- vertrag verwechselt werden, sondern ist zu der Reihe der Schiedsgerichts- und Ausgleichsverträge zu rechnen, die die Bereinigten Staaten abgeschloffen haben. Der Schiedsge- richtsvertrag bezieht sich insbesondere auf gelegentliche Schwierigkeiten, während der Ausgleichsvertrag eine^ bestimmte Regelung von politischen Schwierigkeiten vorsieht, die jedoch nicht soweit gehen, wie dies in den Schiedsgerichtsverträgen der Fall ist, die Deutschland mit anderen Staaten abgeschloffen hat. Der Schiedsgerichtsvertrag wird normalerweise auf fünf Jahre abgeschloffen, während der Ausgleichsvertrag unbegrenzt zu sein pflegt Bekanntlich hat Deutschland aus formalen Gründen bisher den Abschluß derartiger Verträge mit den Bereinigten Staaten abgelehnt. Vor der Entscheidung über das Aotstont. Verbot Berlin, 2s. April. Der Reichstagsausschuß zur Wahrung der Rechte der Bolksvertretuna tritt heute nachmittag zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Stellungnahme zu der Aufforderung des Reichsinnenministers au die LLnderregierunge». ein Verbot des Roten Frontkämpferbundes zu erlaffen. Sie SeriisuiiMerhandluMN gegen die Richter KSlüng mid Soffmann Berlin, 25. April. Vor dem großen Disziplinarsenat des Kammergerichtes begann am Dienstagvormittag die Beru- fungsverhandlnng gegen die Magdeburger Richter Kölling und Hoffmann, die im Zusammenhang mit den Vorgängen beim Mordprozeß Schröder sich bereits vor dem Disziplinar- senat des Magdeburger Oberlandesgerichtes zu verantworten hatten. Kölling wurde seinerzeit mit einem Verweis bestraft, Hoffmann zur Strafversetzung und 200 Mark Geldstrafe verurteilt. Den Vorsitz der gestrigen Verhandlung führte Kammergerichtspräsident Tigges. Ter Disziplinarsenat tagt in einer Zusammensetzung von 18 Mitgliedern. Tie Anklage vertritt Generalstaatsanwalt Rhode, die Verteidigung liegt in den Händen von Dr. Görres-Berlin. Prof. Finger-Halle und Schaper-Magdeburg. Nach Eröffnung der Verhandlung nahm zunächst einer der Beisitzer, Senatspräsident Kray, das Wort zu einer allgemeinen Berichterstattung über den Stand des Verfahrens. Kölling und Hossmann werde zur Last gelegt, in mehreren Veröffentlichungen in der Preffe nicht erweislich wahre Vorwürfe gegen andere Behörden und Beamte erhoben und den Vehördenstreit, der sich in der Mordsache entwickelt hatte, erneut in die Oefsent- lichkeit getragen, sowie die Pflicht der Amtsverschwiegenheit verletzt zu haben. Kölling werde darüber hinaus vorgeworfen, daß er sich bei seinen Maßnahmen nicht lediglich von seiner richterlichen Ueberzeugung habe leiten lassen, daß er nach der Entdeckung der Leiche nicht sofort auf Schröder die Untersuchung wegen Mordes ausgedehnt habe und baß er über die Ausgrabung der Leiche kein Protokoll führen ließ und auch keinen Gerichtsarzt hinzuzog. Hoffmann werde vorgeworfen,' Kölling beratend beeinflußt und einer Anordnung des Lanögerichtspräsibenien bewußt zuwider gehandelt zu haben. Der Reichssparkommiffar zur Verwattungsreform Stnttgart, 25. April. Der Reichssparkommiffar Saemisch, dem die Arbeiten der Württembergischen Regierung zur Verwattungsreform vorliegen, hat an den Staatspräsidenten Bazille ein Schreiben gerichtet, in dem er für die tätige Mitarbeit dankt und dann u. a ausführt, daß die von der württembergischen Negierung ausgearbeiteten Entwürfe zur Reformgesetzgebung eine Grundlage für Einfachheit und Klarheit des Rechtes und des Behördenaufbaues geschaffen hätten. Er sei mit der württembergischen Regierung der gleichen Ansicht, daß die schwierigen und zum Teil heiß umstrittenen Fragen nicht überstürzt gelöst werden dürfen und freue sich, daß die Württemberg, sch« Regierung trotz der bekannten Sparsamkeit ihrer Verwaltung und ihrer eigenen weitvorgeschritien Vorbereitungen sich seines Rates bedien, um das gemeinsame Ziel eines planvolle» Jneinan- dcrgreifens der Verwaltung im Reich und in den Ländern durch gegenseitige Verständigung bei der Reformarbeit näher zu bringen. Zusammentritt des Reichstagsausfchuffes zur Wahrung der parlamentsrechte Berlin, 28. April. Der Reichstagsausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung trat am Dienstagabend unter dem Vorsitz des Abg. Henke lSvz.» zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stand das Ersuchen des Reichsministers des Innern, an die Läuderregierungen ein Verbot des Roten Froutkämpferbundes zu erlaffen. Anwesend waren u. a. die Reichsminister Hergt und von Kendel!. Dr. Stresemann in München München, 28. April. Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der gestern früh in München eingetroffen war, erklärte in einer Preffebesprechung, daß er im Falle seiner Wahl als volksparteilicher Reichstagskandidat für Oberbayern-Schwa- ben dieses Mandat auch tatsächlich annehmen werde. Im Interesse der gesamtdeutschen Politik liege es, wen» sich Norddeutsche in Süddeutschland und Süddeutsche in Norddeutschland politisch betätigen würden. Teilstreik ln der Göttinger Metallindustrie Göttinge», 25. April. Infolge Lohndisferenzen sind die Belegschaften der optischen Werkstätten Winkel und des Aluminiumwerkes in den Streik getreten. Der Rosenfelder Fememord-Prozeß vor dem Stettiner Schwurgericht Stetti», 25. April. Zu Beginn der gestrigen Verhandlung im Rosenfelder Fememordprozeß stellte Rechtsanwalt Bloch zunächst einen neuen Beweisanirag. Hiernach sollen u. a. geladen werben: Ministerialdirektor z. D. Spiecker, Kriminalkommissar Dr. Hobus und Kriminalkommissar Beitzek von der Berliner politischen Polizei. Der Btweis- antrag behauptet, baß die genannten Zeuge» 1920 bzw. 1921 in Breslau eine Sonöerpolizet organisiert hätten, die auf Befehl u. a. auch von Ministerialdirektor Spiecker "öt.rngen von Verrätern vorgenommen habe. Auch die Ladung von General v. Seeckt ist in Aussicht genommen. General v. Pawelsz erklärte bann, er müffe noch einige Ergänzungen zu seinen bisherigen Ausführungen geben, da er 'n der Oeffentlichkeit offenbar nicht ganz verstanden worden sei. Die Reichswehr sei damals auf dem Wege zu ihrer inneren Festigung fortgeschritten, ohne sich um die So npathien von rechts oder von links zu kümmern. Auf diesem Wege habe sie notwendigerweise mit den Freikorps zusammenstoßeu müssen. Der Zeuge fuhr dann fort: „Ich halte es durchaus nicht für meine Ansgabe, die von de« Führer» »erführten Angeklagte« z» belaste«, doch hatte ich es für meine Pflicht, die Wahrheit festzustellen. Niemals ist die Reichswehr verantwortlich für die in Frage stehenden Tötungen gewesen! Jeder meiner Offiziere wird dasselbe aussagen. Der Gedanke an Fememord ist in unserem Stab nicht einmal gestreift worden!" Ter Zeuge äußert sich weiter zu der von Bodunge» behaupteten Mobilmachung der Reichswehr gegen Polen. Es mären damals lediglich Vorbereitungen zur Schaffung eines Grenzschutzes getroffen worben. Im Juli 1920 sei im Quartier des Oberleutnants Roßbach an Sabo bei Greifen!) igen ein Operationsplan beschlagnahmt worden. Die Urschrift befinde sich bei der preußischen Staatsregieruug. In diesem Operationsplan sei im Falle von Unruhen in Stettin der Vormarsch der Rvßbachtrnppen vorgesehen gewesen. Im Falle einer drohenden Haltung der Aufständischen sollten mehrere Rädelsführer verhaftet und beseitigt werden. Es habe sich hier also um die geplante Tötung politischer Gegner und somit um krassen politischen Mord gehandelt. Von Rechtsanwalt Bloch wird die Echtheit des Operationsplanes bezweifelt. Als nächster Zeuge wurde Dr. Köhler vernommen, der seit langem Landrat ist. Der Zeuge betonte, daß damals im Kreise Greifenhagen zwar zahlreiche Etgentums- vergehen vorgekommen seien daß aber iunerpolitische Unruhen damals dort nicht zu befürchten waren. Der Zeuge stellte im übrigen dem Angeklagten Amtsvorsteher Berg- feldt ein gutes Zeugnis aus. Unter allgemeiner Spannung begann dann die Vernehmung des OberleutnMlts Roßbach. Tie Verhandlung dauert an. Die Bedeutung des franMKen Wahlausganges für Vriands volittk Paris, 25. April. Durch eine längere Krankheit ist die Persönlichkeit des französischen Außenministers Briand in der ganzen Wahlkampagne völlig in den Hintergrund getreten und mit ihm auch die Politik der Verständigung mit Deutschland, deren Träger er ist. Noch mehr als während der ersten Wahlschlacht dürfte am kommenden Sonntag der Kampf für oder gegen Poincare geführt werden, der mit dem Programm der gegenwärtigen französischen Regierung völlig identifiziert wird, wobei die außenpolitischen Probleme eine nur sehr geringe Rolle spielen. Aus dieser einseitigen Wahlparole der bürgerlichen Parteien zugunsten Poincares scheint klar hervorzugehen, daß im Falle der Niederlage der Linken Vriands Stellung innerhalb des neuen Kabinetts sich sehr schwierig gestalten dürfte. Im Gegensatz zu der Parole der französischen Presse vor den Wahlen, die die Behauptung aufstellte, daß alle französischen Parteien mit gleichem Eifer für eine Politik des Friedens und der Entspannung eintreten, hat sich die Stimmung infolge der Erfolge der Rechte« nicht unwesentlich gewendet. Das tatsächliche außenpolitische Programm der Rechten und gemäßigten Parteien steht keineswegs in dem Umfange eine Verständigungspolitik mit Deutschland vor, wie es Briand im Gegensatz zu seinen Ministerkollegen von der Rechten durchzusetzen versuchte. Eine Stärkung des rechten Flügels des Kabinetts — mit dieser Möglichkeit ist durchaus zu rechnen — dürfte das Verhältnis von Frankreich zu Deutschland nicht unwesentlich beeinflussen. Charakteristisch hierfür erscheint «ns ein Ausspruch des „Temps", der bereits heute auf die Unmöglichkeit der Erfüllnng der deutsche» Wünsche hinweist, die er allerdings, in Verkennung der Sachlage, den Deutsch- nationalen allein znschreibt. Er nennt als derartige Wünsche: Die Revision der Friedensverträge, die Revision — wenn nicht Beseitigung — des Dawesplanes, die Herabsetzung der Reparationslasten, die Unterdrückung jeder Art von Finanzkontrolle «nd den Anschluß Oesterreichs. Dem „Temps" ist es anscheinend entgangen, daß einzelne dieser sogenannten Programmpunkte sogar von den deutschen Sozialdemokraten mit Nachdruck vertreten werden, wie beispielsweise die Anschlnßfrage. Was bringt der zweite Wahlsonniag? Motmaßnuge«! Paris, 25. April. Das Ergebnis der ersten Kammerwahlen zeigt eine starke Verwirrung in allen Parteien. Die Vorbereitungen für die entscheidenden Abstimmungen am kommenden Sonntag laffen bereits jetzt zwei Absichten erkennen, die einerseits alle Parteien und Wähler in einen Block gegen den Kommunismus zusammenfaffen und andererseits auf die Einigung im früheren Lindkskartell htnaus- gehen. Anzeichen für die Wiederherstellung des Linkskartells sind besonders in der Tatsache zu suchen, daß in einer Reihe von Wahlkreisen das Bekenntnis der Radikalen und Radikalsozialisten zur Politik Poincares, den alten Traditionen und der Neigung zu einem Bündnis mit der Linken Platz zu machen scheint. Auch die Rechtspresse hält einen gewissen Erfolg der früheren Kartellparteien im zweiten Wahlgang für wahrscheinlich. Dazu kommt, daß die Sozialisten, die de« Hauptstoß der Kommunisten aufgefangeu hatten, sich weigern dürften, mit den Moskowitern zu marschieren, und die Schlacht am kommenden Sonntag schein» sich besonders zwischen dem Kommunismus und den Kartellpartete» abzuspielen L»ZtWWWMnBSMWN»W«««8E«»I«»U WS Nr. 97. Jahrgang 1928. Der La»db»t« * Sm»tze»er 9ettnag. Mittwoch, den 25. April 1928. Die protefiwahlen in Elsaß-Lothnngen L Stratzbnrg, 25. April. Die Gegner der Hcimatidee verhohlen ihr Entsetzen über die offenkundige Niederlage nicht, hen der von ihnen mit verfochtene nationalistische Kurs am letzten Sonntag erlebt hat. Die antiklerikalen französischen Blatter im Lande begnügen sich damit, die Schuld einem vermeintlichen Bündnis der Katholiken mit den Heimat- bündlern und de» Kommunisten zuzuschieben. Sie rufen alle „Patrioten" an die Urne, um am kommenden Sonntag durch eine Zusammenfasiung aller nationalen Kräfte „zu retten, was noch zu retten ist". Die katholischen Blätter verweisen besonders darauf, daß man in Elsaß-Lothringen durch Gewaltkuren noch immer genau das Gegenteil desien erreicht habe, was bezweckt war. Vor allem habe das Volk durch den Stimmzettel deutlich ausgesprochen, daß es die 'eit Monaten im Gefängnis sitzenden Heimatbündler für unschuldige Opfer einer Justiz hält, die sich zu politischen Zwecken hat mißbrauchen lassen. Jedenfalls hätte alles französische Gezeter über die „deutschen Agenten" und „Hochverräter" nichts geholfen. Im Hinblick auf den am nächsten Dienstag beginnenden Colmarer Prozeß ist die Absage an die Hetzpreffe überall gebührend zur Kenntnis genommen worden. Wenn das Mülhausener französische Blatt von einem „schlechten Tag für das Elsaß" spricht, so zeiat es ^durch liur noch einmal daß es von dem wahren Willen des el,a„ischen Volkes Nicht das geringste begriffen hat. Zum Erdbebenungliick in Korinth Bisher 20 Tote und 70 Verwundete gemeldet. Die Stadt Korinth hat das Aussehen eines nenen Pompeji. In Korinth selbst und in den Dörfer« Lntrakion» Kalamaki und Amazdebris sind etwa 80 vom Hundert aller Häuser zerstört. Ueber 10 000 Menschen sind obdachlos geworden. Bisher werden ans Korinth allein 20 Tote und 70 Verwundete gemeldet. Durch das Erdbeben wurden in Korinth alle Bäckereien zerstört» so daß die Gefahr einer Hnngersnot droht. Ans Athen wnrden daher 20000 Kilogramm Brot als erste Hilfe abgesandt. Die Regierung hat sofort Hilfszüge und Truppenabteilungen nach Korinth entsandt. Ferner sind ans Athen zwei Dampfer nach Ko rinth abgegangen, «m die Bevölkerung «ach Athen z« brin gen. Im Kanal von Korinth hat das Erdbeben einen sol che« Seegang verursacht» daß die Schiffe den Kanal nicht ver lasten konnten. Der erste Erdstoß erfolgte um 22.18 Uhr und dauerte fünf Sekunden. Durch diese« Erdstoß wurde das Elektrizitätswerk Korinth zerstört, so daß die ganze Stadt i« Dunkel« lag. Ans den ersten Erdstoß folgten zahlreiche weniger heftige, und zwar wurden bis gestern vormittag 1* Uhr insgesamt 47 Erdstöße verzeichnet» deren Zentrum Patras «nd Korinth ist. Wie weiter festgestellt wnrde, ist das Beben tektonischer Natur. Montag mittag sind der Jnnenminister und der Jnstiz- »inikter nach Korinth abgereist. Der Präsident der Republik, der einen Aufruf zur Spendensammlung für die Notleidende« an die Bevölkerung gerichtet hat, wird sich gleichfalls in das Erdbebengebiet begebe«. Philippopel ei« Bild wilder Verwüstung. ' Sofia, 24. April. Das gestrige Erdbeben war, obgleich es nur kurze Zeit -anerte» furchtbar in seinen Folgen. Wieder«« war es Philippopel, das besonders stark heim- gesucht wnrde. Die wenigen noch erhaltenen Häuser stürzten bis auf die Grundmauern ein, wobei nach den bisherigen Feststellungen acht Personen getötet und viele verwnndet wurden. Die verhältnismäßig geringe Zahl der Todesopfer ist darauf znrückznsühren, daß die Be- völkernng noch immer im Freien kampiert. Die meisten Minister befinden sich im Erdbebengebiet. Die Hilfe» die das jngoslavische Rote Krenz dem bulgarischen Volke zuteil werden läßt, wurde mit Freude und Genugtuung ausgenommen. Flucht aus Korinth. Athen, 24 . April. Die griechischen Minister, die in das Erdbebengebiet von Korinth gereist waren, sind heute nach Athen zurückgekehrt.d Nach den vorläufigen Schätzungen beträgt der Schaden in Korinth und Umgebung 600 Mill. Drachmen. Me noch stehenden Mauern der Häuser müssen wegen Einsturzgefahr niedergerissen werden. Ob Kortnch wieder aufgebaut wird, ist noch ungewiß; jedenfalls hat eine Maffenslucht der Bevölkerung aus Korinth eMgefrtzt, die sich in Athen und anderen Städten Griechenlands niederlassen will. Die Bauern der Umgebung von Korinth kampieren nach wie vor auf ihren Feldern. In einem Dorfe bei Korinth ist dia Erde in einer Länge von 300 Metern aufgerissen und aus dem Riß strömt eine schwarze Flüssigkeit. Auch im antiken Korinth wurde großer Schaden angerichtet. In dem antiken Museum ist die berühmte Statue der kleinen Muse gesprungen, während der Kopf des „römischen Soldaten" zur Erde fiel und beschädigt wurde. Acht Basen von unschätzbarem Werte wurden zerschlagen. Die Säulen des Apollotempcls blieben unversehrt. Neue Erdbebenstöße in Bulgarien. Sofia, 24. April. In den letzten 24 Stunden wurden weitere schwache Erdstöße in Phtlippopel und anderen Orten wahrgenommen. Heftiger waren die Erdstöße in Stara-Iayora und besonders in Haskowo. wo einige Mauern cinstürzten. In dem ganzen vom Erdbeben betroffenen. Gebiet sucht sich die Bevölkerung verzweifelt gegen das ungünstige Wetter zu schützen, da die errichteten Baraken noch nicht ausreichcn. Infolge der dauernden Rcgenfälle und der Kälte, die in den letzten Tagen zugenommen hat, muß man ernstlich den Ausbruch einer Epidemie befürchten. Der Ministerpräsident erklärte, daß die Behörden alle Anstrengungen unternehmen, um den Bau von Baracken zu beschleunigen. Me Verheerungen in Griechenland Ausländische Hilfe benötigt. London, 25. April. Wie aus Athen bericytet wird, sind durch das schwere Erdbeben in Korinth etwa 900 Häuser zerstört worden. Die verhältnismäßig geringe Zahl der Opfer erklärt sich daraus, daß die Bevölkerung durch mehrere, dem Hauptstoß vorangegangene leichte Beben gewarnt worden war und die Häuser bereits verlassen hatte. Neben Korinth haben besonders Lutraki und Xylocastro, sowie die längs des Kanals gelegenen Dörfer schwer gelitten. Etwa 50000 Personen sind obdachlos und ohne Nahrungsmittel. Die griechische Regierung hat mit Hilfe des Roten Kreuzes und zahlreicher freiwilliger Hilfseinrichtungen ein grosies Hilfswcrk eingeleitet, ist aber bei dem großen Umfang des Unglückes außerstande, ohne ausländische Hilfe auch nur die dringendste Not zu lindern. Das britische Kriegsschiff „Pertshire" ist von Malta mit Nahrungsmitteln und Hilfsgcrät nach Griechenland ausgelaufen. Ein Zerstörer wird heute folgen. Tie amerikaniicke Gesandschaft in Athen hat einen Vertreter nach dem Erdbebengebiet entsandt, um an Ort und Stelle Untersuchungen über die Notwendigkeit amerikanischer Hilfe anzustellen. Kühner Ueberfall Wandinos. Newyork, 23. April. Ein indianischer Läufer überbrachte die Nachricht nach Puerta Cabezas, daß der Revolutionär Ean- dino mit einer Gruppe unerschrockener Anhänger die amerikanische Goldmine La Luz besetzt, alle Gold- und Geldvorräte geraubt und 4 amerikanische und einen englischen Angestellten als Geiseln fortgeführt hat. Roch ein Anschlag in Italien. Lugano, 23. April. Wie man nachträglich von Lrzzo am Eo- mersee erfährt, sind unmittelbar vor dem nach dem Bombenattejtt- tat in Mailand erfolgten Besuch des italienischen Königs unter der Eisenbahnbrllcke über die Adda an der Linie Mailand— Lezzo Dynamitbomben entdeckt worden, mit denen diese Brücke bei der Durchfahrt des Hofzuges in die Luft gesprengt werden sollte. Diese Bomben konnten noch rechtzeitig entfernt werden. Es wurde eine strenge Untersuchung eingeleitet. Die Polizei nimmt an, daß auch dieser Attentatsversuch mit jenem von Mailand in Zusammenhang steht. Die Bombe war entdeckt worden, weil man nach dem Attentat in Mailand und dem Bombensund an der Linie Mailand—Rom vor der Weiterfahrt des Königs nach Lezzo alle Brücken genau untersucht hatte. Die «Bremen- ist startbereit. Newyork, 24. April. Nach anstrengender Arbeit gelang es die „Bremen" am Dienstag früh startbereit zu machen. Der Abflug nach Murray Bay war für Dienstag mittag angefetzt, mußte aber wegen morgens einsetzender schwerer Nordweststürm« und heftigen Schneetreibens abgesagt werden. Das Flugzeug wird nunmehr Greenly Island kaum vor Mittwoch früh verlassen können. Herta Junkers kehrte von Quebec nach Murray Bay zurück, wo sie das Krankenlager des Fliegers Bennet aufsuchte. Bennet hat sich eine doppelseitige Lungenentzündung zugezogen, als er den Hilfs-Aeroplan „Detroit" nach Murray Bay flog. Er deliriert ständig; die Aerzte befürchten das Schlimmste. Paris, 24. April. Bon den Junkers-Werken in Dessau sind sechs Kisten voll Rrsrrvetelle für die „Bremen" in Cherbourg angekommen. Sie werden heute an Bord des Dampfers „Leviathan" verfrachtet, der sie nach Newyork bringen wird. Lindbergh erwartet die Ozeanflieger Newyork, 25. April. Ozeanflieger Lindbergh ist int Flugzeug auf dem Curtiß Field eingetroffen, um. wie er erklärte, die Bremenmannschaft dort zu begrüßen. Der Ozeanstug. Lehren des Fluges. Newyork, 26. April. Commandeur Fitzmaurice gelangt in der Beschreibung die er über die Erlebnisse der Ozcanflieger in der „Newyork Times" veröffentlicht, heute zu folgenden Lehren: 1. Es sei für Ozeanfliegcr unerläßlich, Radiogerät mitzunehmen, und zwar nicht so sehr, um Hilfe Herbeirusen zu können oder über das Fortschreiten des Fluges zu berichten, sondern mn bei der Annäherung an Neufundland Radiopeilungen vornehmen zu können. 2. Es müsse der Abflug aller Qst-West-Flüge so eingerichtet, werden, daß sie Neufundland bei Morgendämmerung erreichen, da die Gefahren bei einer Ankunft in der Nacht dort zu groß seien. 3. Es müsse für Ozeanflieger noch ein besonderer kleiner Gyrokompaß konstruiert werden, da die im Innern Labradors gelegenen großen Kupfererzlager unbedingt die normale Kompaffe wertlos machten. 4. Kein Flugzeug dürfe einen Ozcanflug ohne Paraffinüberzug unternehmen, weil Paraffin allein Schutz gegen Eisbildung auf den Flügeln gewährt. Das Empfangskomitee des Newyorkcr Bürgermeisters hat übrigens einen Beschluß gefaßt, daß nur die offizielle deutsche Reichsflagge Schlwarz-Ror-Gold aufgezogen werden soll. In den Straßen Newyork werden bereits überall Knopflochrosetten mit dem Bildnis der drei Flieger und einem schwarz-rot-goldenen Bändchen verkauft. > Wilkins will zum Südpol. Oslo, 24. April. Das Osloer Dagbladet erfährt durch Funkspruch aus Svalbard, daß Kapitän Wilkins einen Vorschlag Byrds, das Flugzeug, mit dem Wilkins feinen Polflug vollführte, anzukaufen, mit der Begründung abgewicstn hat, daß er zusammen mit Leutnant Eyelson Anfang September dieses Jahres einen Südpolflug zu unternehmen gedenke. Lhamberlin in Lake St. Agnes Newyork, 25. April. Chamberlin ist in Lake St. AzneS eingetroffen und wollte noch gestern, falls es das Wetter erlaubt hat, nach Greenly Island weiterfliegen, um die Bremcnflieger nach Newyork zu begleiten. Sin Flug England-Australien London, 24. April. Der Geschwaderführer der Marine» luftstreitkräste, Kommandeur Manning. ist gestern vormittag ohne Begleitung vom Flugplatz Lypone in einem Eindecker zum Fluge nach Australien aufgesticgen. Er hofft Mitte Mai in Sidney einzutreffen. Manning erklärte, daß er bereits vor Hincklers Start den Flug beschlossen hatte und nicht beabsichtige, Hincklers Höchstleistung zu brechen. Vadischer Landtag Karlsruhe, 25. April. Der Haushaltsausschuß trat gestern in die Beratung des Entwurfes des Landesiusrizkosien- gesetzes ein, das an die Stelle des alten Kostengesetzes von 1908 bezw. Juli 1928 treten soll und eine Gebtthrenanglct- chung an die durchweg höheren Gebühren der anderen Länder vorsieht. Man verspricht sich hieraus einen erheblichen Mehrertrag, besonders aus den höheren Gebühre» für Urkunden. Das Gesetz umfaßt 122 Paragraphen. Der Ausschuß erledigt zuerst die allgemeinen Bestimmungen über Gebühren und Auslagen (88 1 bis 25). Bei 8 13, der die Berechnung des Wertes von Nutzungen und Leistungen behandelt, werden Aenderungsanträge des Berichterstatters angenommen. 8 19 sieht die Gebührenfreiheit für Land, Reich, Religionsgesellschaften, Kirchengemeinden und kirchliche Fonds, öffentliche Anstalten und Stiftungen für Wohltätigkeil oder Unterricht, Körperschaften des öffentlichen Rechts usw. vor. Der Vertreter der Deutschen Volkspartei will die Gebührenfreiheit der Religionsgesellschaften, Kirchengemeinöen bei Grunöstückskänfen und -Verkäufen beschränken, da die finanzielle Notlage des Staates eine solche Liberalität nicht recht- fertige. Die Steuern seien anders zu werten als die Gebühren, und für den Staat sei der entstehende Ausfall recht beachtlich. Von sozialdemokratischer Seite wird Gebührenfreiheit auch für die Versicherungsträger der Kranken-, Invaliden- und Angestelltenversicherungen beantragt. Der Justizminister wendet sich gegen die volksparteilichen Ein- wänöe und sagt Prüfung des sozialdemokratischen Antrages zu. Die Abstimmung wird ausgesetzt. Beraten wurden noch die Vormundsschafts- und Pflegschaftsgebühren, worauf sich der Ausschuß auf Dienstag vormittag 9 Uhr vertagte. Werners Werbung. Roman von George Manoille Fenn und Earl Johannes. „Beoaure oen Mann wegen feines schlechten Ge- jchmacks", murmelte der Arzt halblaut vor sich hin. als sich plötzlich die Tür öffnete und Glyddyr, bleich und abgespannt aussehend, in den Calon trat. „Kommen gerade zur rechten Zeit", rief der Doktor, „wir werden noch ein Lied hören. Warum kommt denn Herr Gartram noch nicht?" „Er schläft noch ganz fest", antwortete Glyddyr hastig. „Ich sprach zu ihm, als ich mit meiner Zigarre fertig war, aber er antwortete mir nicht." „Sie fühlen sich nicht ganz wohl, Herr Glyddyr?" fragte der Arzt, ihn nachdenklich betrachtend. „Nun, wenn ich offen sein soll", antwortete Glyddyr, sichtlich verlegen, „mir ist ganz seltsam zumute. Viäleicht war die letzte Zigarre ganz besonders schwer. Wenn Sie mich freundlichst entschuldigen wollen, so möchte ich Mich für heute abend beurlauben und nach dem Hafen hinuntergehen. Meine Leute werden schon auf mich warten. Ich ffrgte, um zehn wollte ich dort sein; dann werde ich mich bald bester fühlen. Gute Nacht, Fräulein Gartram; gute Nacht, Fräulein Dillon. Empfehle mich Ihnen, Herr Doktor. Gute Nacht." Und damit ging er. „Liebe Mary, schläft Papa heute nicht ungewöhnlich lange?" fragte jetzt Klara ängstlich. „Ich weiß nicht", antwortete Mary; „aber ich will mich einmal nach ihm umsehen." Sie verließ das Zimmer und kam bald darauf mit den Worten zurück: „Er ist noch immer nicht erwacht." Klara wandte sich ängstlich an Doktor Asher: „Sonst hat Papa doch nach dem Diner nie so lange geschlafen?^" „Aber es schien mir wirklich schade, ihn zu stören", antwortete Mary, und der Arzt stimmte ihr mit einem Kopfnicken bei. „Er schien sich im Schlaf so wohl zu fühlen. Sarah Waodbam war bei ibin. als ick bereinkam. Sie faate. sie wäre schon einmal dagewesen, um das Kaffeegeschirr za holen." Man plauderte noch einige Minuten, dann sang Mary ein Lied, dem der Doktor großen Beifall zollte; da trat plötzlich, ganz verstört aussehend. Sarah Woodhain in das Zimmer und flüsterte atemlos: „Ihr Herr Vater, liebes Fräulein — ich ängstige mich so sehr." „Lasten Sie sich nicht erschrecken", sagte Doktor Asher hastig, erhob sich mit vollkommener Ruhe und Gelassenheit und folgte Klara aus dem Zimmer. Sarah Woodham aber, die allein in dern Zimmer zurückblieb, rang mit einem heiseren Schluchzen ihre Hände, sank aus die Knie und stöhnte verzweifelt: Jsaac, Jsaac, es ist zu schrecklich! Der Himmel helfe mir, weshalb kam ich auch hierher? Sechsunddreißigstes Kapitel. Eine Schreckensbotschaft, Klara hielt in angstvoller Besorgnis die eine Hand ihres Vaters, während der Doktor den Schirm der Lampe entfernte und dieselbe so stellte, daß ihr Licht doll auf des Patienten Antlitz fiel, ihm dann den Puls fühlte und das Lid in die Höhe zog, um ihm sorgfältig forscherck in das Auge zu blicken. „Stznell, sagen Sie mir", flüsterte Klara, „ist es wieder ein Anfall?" „Nein", antwortete der Doktor. „Seien Sie ruhig und gefaßt, ich möchte nicht, daß er geweckt wird. Es ist bester, wenn er ausschläft und von selber aufwacht. Es ist nichts m stirckten." Klara schaute erleichtert «ms und fragte daun: „Was fehlt ihm eigentlich?" „Ich bin meiner Sache noch nicht ganz sicher; aber es scheint mir das zu sein, was ich schon längst befürchtete: eine zu starke Dosis Chloral." „O, Herr Doktor!" „Still, mein Kind, regen Sie sich nützt unnötig auf. To, jetzt wird er bester schlafen", fuhr er fort, während er Kragen und Krawatte des Kranken avnaym. Cs freur mich aber doch, daß ich noch nicht fort war." „Si5 denken also, daß Gefahr ist?" ^ „Gefahr? Nein, nein, mein liebes Kind. Lasten Sie ihn nur ruhig schlafen. Frau Woodham, bitte, stellen Sie die Lampe wieder fort und setzen Sie den Schirm auf. Recht so. Ich werde mich morgen ganz früh wieder nach ihm umsehen; vielleicht könnte es auch nicht schaden, wenn jemand die Nacht bei ihm wachte." Klara versuchte zu sprechen, konnte aber kein Wort über die Lippen bringen. Sie legte ihre Hand bittend auf den Arm des Doktors und blickte mit zuckenden Lippen auf ihren Vater, bis sie endlich wieder Worte fand und heiser flüsterte: „Bleiben Sie hier!" „Gewiß, wenn Sie es wünschen — aber ich muß Ihnen offen gestehen, daß ich es kaum für notwendig halte. Darauf begab sich Klara mit ihrer Cousine nach ihrem Schlafzimmer. „Wollen wir aufbleiben oder uns schlafen legen?" fragte Mary. „Ich werde aufbleiben, Mary, du aber sollst dich hin- legen und schlafen." t . Klara antwortete nichts, sondern blickte jtumm auf das mondbeleuchtete Meer hinaus. „Liebe Klara, soll ich das Fenster jetzt schließen?" Klara wandte stck wie träumend zu ihr und flüsterst« leise: „Die Flut wendet sich zur Ebbe. Hast du nicht auch das GefW, als ob in dem alten Volksglauben Wahrheit läge, daß die Sterbenden mit dem Eintritt der Ebbe von uns zu scheiden pflegen?" „Liebe Klara, wie kannst du solches Zeug reden und noch dazu gerade jetzt. Es ist doch kein Sterbender im Hause." Klara antwortete nichts. Wieder wandte sie sich ab und blickte auf den breiten silbernen Streifen, den das Mondlicht über die Meeres» wellen aoo. & ? I Rr. 97. Jahrgang 1928. Ser Mrd im Käfertaler Wal- vor Gericht > Der Mordprnzrß Kettner. Mannheim, 25. April. Bvr dem Schwurgericht begann am Montag die Verhandlung gegen den 27jährigen ledigen Arbeiter Friedrich seltner aus Mannheim wegen Mords. Der Angeklagte streckte !n d.r Nacht zum 3. Oktobern. I. seine Geliebte, die 20jährige Anna Becker aus Tholcy (Saar» im Käfertaler Wald durch 'echs Revolverschüsse nieder. Das Mädchen wurde am andern Morgen verblutet ausgefunden. Es handelt sich um :iu Liebesdrama. Lettner übte als flotter Tänzer, der sich durch gute Kleidung als „besserer Herr" aufspielte, auf die Mädchen eine besondere Zugkraft aus. Auch die Anna Becker lernte er beim Tanz kennen, stellte sich als Fred May vor und das Mädchen, dem er über seine Stellung und sein Vermögen alles mögliche vorlog, schenkte ihm auch seine Zuneigung. Tie Eltern des Mädchens waren gegen die Heirat, weil ihnen das Mädchen noch zu jung erschien, dann machte sich »Fred" auch lästig durch seine für einen gebildeten Mann ungewöhnliche Zudringlichkeit, mit der er das Mädchen in der Wohnung der Eltern aufsuchte. Dem Mädchen kam endlich der Gedanke, das Verhältnis zu brechen und sie schrieb ihm einen Abschiedsbrief. Er unternahm dann nachts auf -er Straße einen Selbstmordversuch durch Einnehmen einer giftigen Flüssigkeit. Später gelang es ihm. das Mädchen zu einem Spaziergang im Käfertaler Wald zu bewegen. Dort soll das Mädchen auf die Frage, wenn sie sich verloben wollten, ihm ablehnend geantwortet haben, sogar einen Kuß verweigert haben. Darauf habe er den Revolver gegen sie gerichtet, jedoch versagte die Waffe. Alsdann schoß er. auf das Mädchen, bas er zunächst in den Unterleib traf, so baß es tot zusammenbrach. Auf die am Boden Liegende, die um ihr Leben bat, gab er weitere Schüsse ab. Er schleppte sie dann ins Gebüsch und hier erhielt sie die tödlichen Schüffe. Der Täter ist der Sohn eines Trinkers, verließ die Schule aus der sechsten Klasse und er konnte dann wegen seiner Arbeitsunlust und seines untätigen Charakters nirgends festen Fuß fassen. Die Tat will er im Affekt begangen haben (also Totschlag). Es sind zu der Verhandlung etwa 50 Zeugen geladen. Nach der gestrigen Einvernahme des Angeklagten, des Gelegenheitsarbeiters Friedrich Kettner, begann die Vernehmung der Zeugen. Kriminalsekretär Hoffmann be- zeichnete den Leumund des Angeklagten nicht als schlecht. Die Zeugen, die als Lehrmeister mit dem Angeklagten oder wie der Hausmeister des Pilgerhauses in Weinheim in seiner Berufstätigkeit in Berührung gekommen sind, stellten ihm kein günstiges Zeugnis aus Dagegen lauten die Aussagen über das Wesen und den Ruf der Getöteten ganz allgemein günstig. Allerdings hat sie niemandem, auch ihrer Freundin nicht, mitgeteilt, wie weit ihre Beziehungen zu dem Angeklagten gingen. In der Nachmittagsverhandlung war während der Vernehmung der Mädchen, die zu dem Angeklagten in mehr oder weniger nahe Beziehungen getreten waren. die Oesfent- lichkeit ausgeschlossen. Eine hat böse Erfahrungen gemacht, indem er sie nach Abbruch der Beziehungen abends auf der Straße am Halse würgte, so daß man am anderen Tage noch die Würgemale sah, wie auch ihre später als Zeugin vernommene Mutter es bestätiate. Einer anderen hat er auf dem Zimmer einen Revolver gezeigt mit den Worten, wenn er den bei ihrem vergangenen Streit dabei gehabt hätte, wäre sie heute nicht mehr am Leben. Von den meisten hat er kleine Geldgeschenke bekommen. Fast alle be- zeichnetcn ihn als „Sprüchklopfer", der sich aufspielt, ren- »ommiert und bisweilen zudringlich wurde. Die Zeugenvernehmung geht am Dienstagvormittag weiter. Mannheim, 25. April. In der Dienstagvormittagssitzung wurde die Zeugenvernehmung fortgeführt. Es wurde dabei u. a. erörtert, ob die Angaben des Angeklagten Friedrich Kettner, er habe sich nach der Tat selbst erschießen wollen, der Wahrheit entsprechen könnten. Der Schicßsachverstän- dige Otto Riegel aus Karlsruhe bemerkte in seinem Gutachten, daß die Pistole in gereinigtem Zustand bei 25 Schutz ohne Versagen gut funktioniert habe. Bei der Tat seien aber alte Patronen verwendet worden und es sei daher möglich, daß Versager vorgekommen sein können. Weitere Zeugenvernehmungen erstreckten sich auf den Giftselbstmordversuch des Angeklagten. Es wurde weiter festgestellt, daß der Angeklagte bei der Besorgung des Revolvers in Ludwigs- Hafen auf dem Heimweg große Eile gehabt hat. Man kann das mit der Absicht, sich selbst erschießen zu wollen, nicht recht in Einklang bringen und ist versucht, dies mit dem abendlichen Besuch der Anna Becker in Zusammenhang zu stellen. Medizinalrat Dr. Manz, der die Oesfnung der Leiche der Anna Becker vorgenommen hatte, erklärte, alle Schüffe seien tödlich gewesen. — In der Nachmittagssttzung wurde die Beweisaufnahme zu Ende geführt. Tie Urteilsverkündung ist erst in den späten Abendstunden zu erwarten. * Der als Sachverständiger geladene Med.-Rat Dr. Gölz bezeichnet den Angeklagten als leicht erregbar, mit psycho- patischen Zügen, aber ohne pathologische Eriunernngs- trübnnge«. Der Staatsanwalt bezeichnet den Angeklagten als frech, er sei ei« Lügner und Bersteller «nd habe die Tat «it Ueberlegnng begangen. Er beantragte daher Todesstrafe wegen Mordes «nd Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Der vom Angeklagte« bestellte Verteidiger» der Mannheimer Dr. Katz sen. plädierte in langen psychologische» Ansführnnge« für Bestrafung wegen Totschlages. Nach V6 ständiger Beratung wurde das Urteil verkündet. Der Angeklagte wird wegen Totschlages z« 15 Jahre« Znchthans abzüglich 8 Monaten Untersnchnngshaft «nd 18 Jahre« Ehrverlust verurteilt. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 25. April. (Der Muttertag 1928). Auch in diesem Jahre soll der Gedanke einer Ehrung der Mutter dadurch zum Ausdruck gebracht werden, daß man einen Muttertag abhält, für den im allgemeinen der zweite Maisonntag in Betracht kommt. Leider ist es kn diesem Jahre aber gerade der letzte Sonntag vor den Reichstagswahlen und die leitenden Persönlichkeiten fürchten eine Beeinträchtigung des dem Muttertag zu Grund liegenden Gedankens durch die Wahlvorbereitungen. Der badische Muttertag 1928 soll daher um etwa einen Monat zurückgestellt »erden. * Sinsheim, 25. April. (Tagung des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen.) Für diese am Donnerstag in Heidelberg beginnende Tagung wächst das Interesse der kirchlichen und auherkirchlichen Kreise von Tag zu Tag. Der Saal des Luther- Hauser will die Pielen nicht fassen können, die zur. öffentlichen D« Landbot« * Smsheimrr Zeitung . Versammlung am Donnerstagabend Eintrittskarien sich geholt haben; es muß deshalb diese Versammlung in einen größeren Saal verlegt werden. In der Versammlung am Frettagmorgen wird die badische Evang. Kirchenregierung durch den Kirchenpräsidenten D. Wurth und die hiesige theologische Fakultät durch Professor D. Littge die Versammlung begrüßen. „ * Döhren, 24. April. (Jubiläum des Kreditvereins.) Am Samstag abend feierte im Saal des Gasthauses „Zum Engel" der hiesige ländliche Kreditverein sein 40 jähriges Bestehen. (Der Verein wurde am 24. Februar 1888 im gleichen Saale von hiesigen Bürgern unter dem Vorsitz des Landwirtschaftslehrers Weizel aus Karlsruhe gegründet. Vorstand war damals Altbürgermeister Brehm, Kassier Hauptlehrer Georg Bretzel). Rach Begrüßung durch den Vorstand Ludwig Landes ergriff Oberrevisor Hof- mann-Karlsruhe das Wort, schilderte die Leistungen, sowie die Notlage der Genossenschaft während der Inflation und überreichte dem Rechner Heinrich Sanier, sowie den Borstandsmit- giiedern im Namen der Badischen Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank für ihre wertvollen Dienste beim Wiederaufbau im Jahre 1924 Diplome. Darnach erfolgte die Ehrung der noch lebenden Mitbegründer der Genossenschaft: Dionys Holder, Rudolf Frank, Friedrich Allgeier, Schreiner, Heinrich Kunz. Jakob Kegel alt, Friedrich Beck, Friedrich Schmitt, Steuererheber und Johannes Maier ebenfalls durch Diplome. Im Anschluß erfolgte die diesjährige Generalversammlung. Das Resultat befriedigte im allgemeinen die Mitglieder. Es wurde u. a. beschlossen, die Statuten des Ländlichen Kreditvereins aufzuheben und den Verein unter dem Namen „Spar- und Darlehenskasse Dühren" weiterzuführen. Nach der neuen Satzung wird der Rechner Heinrich Sauter zugleich auch als Vorstandsmitglied betrachtet. Zum Schluß hielt Diplom-Landwirt Salm- Karlsruhe einen Lichtbildcrvortrag über den Wert des Stickstoffes und seine Verwendung ab. Eine Stunde gemütlichen Beisammenseins im Gasthaus schloß das 40 jährige Jubiläum. -- Waibfiadt, 24. April. (Vorschußverein.) Die am Sonntag nachmittag im Hotel Lang tagende 47. Generalversammlung des Borschußvereins Waibfiadt wies zwar einen guten Besuch auf, doch fehlten aber die Genossen aas den entfermeren Orten wie Spechbach usw. Nach Eröffnung durch Herrn Bürgermeister Winkelmann-Neidenstein erstattete der Kassier Striffler den Jahresbericht. In der Diskussion ging Herr Neudeck-Lobenfeld auf den Bericht näher ein, stellte fest, daß er in Ordnung, der Umsatz im vergangenen Jahre wieder gestiegen sei. Redner bemängelte, daß die Einlagen seitens der Genossenschaftler noch nicht voll einbezahlt sind und sprach der Geschäftsführung wie dem Aufsichtsrat Dank und Anerkennung aus. Nachdem Herr Konrad- Waibstadt als Rechnungsprüfer erklärt hätte, daß die Bilanz zu keinerlei Beanstandung Anlaß gegeben, wurde diese genehmigt und Entlastung erteilt. Ueber die Verwendung des Reingewinns äußerten sich die Herren Hofherr, Ebert und Bcith. Es blieb jedoch bei der vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen Verteilung, die eine Dividende von 10 Prozent vorsieht. Die Frage der Umwandlung in eine G. m. b. H. wurde zurückgestellt. Die aus- fchcidenden Aufsichtsräte Winkelmann und Bertsch wurden wiedergewählt. Nach kurzen Dankesworten des greisen Direktors Witt- mann, der Mitbegründer der Genossenschaft, die in zwei Jahren ihr goldenes Jubiläum feiern kann, schloß der Vorsitzende die harmonisch verlaufene Versammlung. x Ziegelhausen, 24. April. (Der Kleinkaliberschützenverein „Republik") hat sich auf dem „Hahnberg" einen idyllisch gelegenen Schießstand errichtet. Die Anlage ist, was Lage und Einrichtung anbelangt, mustergültig und steht sicher in Baden einzig da. Ein am letzten Sonntag abgehaltenes Probeschießen wurde stark besucht und zeitigte schöne Resultate. Die Standweihe soll auf Pfingsten erfolgen. Es wird damit ein Gauschießen verbunden, das eine große Anzahl Schützen aus dem Lande Baden hier vereinigen wird. x Friedrichsfeld, 24. April. (Kein Doppelselbstmord.) Nach den bisherigen Ermittelungen hat sich ergeben, daß die vor einigen Tagen bei Friedrichsfeld auf den Bahngleiscn fot ausgefundenen jungen Leuten möglicherweise das Opfer eines Unglücksfalles geworden sind. Der junge Mann kannte das Mädchen erst feit wenigen Tagen. Das Mädchen soll die Absicht geäußert haben, sich das Leben zu nehmen und hat wahrscheinlich gedroht, sich überfahren zu lassen. Vermutlich hat Stein sie zurückreitzen wollen und ist dabei auch vom Zuge ersaßt und getötet worden. Eine einwandfreie Klärung des Falles war noch nicht möglich. Der Staatsanwalt hält weiter an der Möglichkeit des Selbstmordes fest. * Seckenheim, 24. April. (Ein Seckenheimer ums Leben gekommen.) Am Samstag mittag stieß bei Baden-Baden der 26 jährige aus Seckenheim stammende Gustav Rheinschmitt mit seinem Motorrade, aus vessen Soziussitz sein Bruder saß. mit einem Auto zusammen. Dabei flog der auf dem Soziussitz befindliche 26 jährige Hans Rheinschmitt im hohen Bogen vornüber und erlitt einen Bruch der Wirbelsäule, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der jüngere Bruder erlitt leichtere Verletzungen. Der Verunglückte war verheiratet und Vater eines Kindes. >:( Karlsruhe, 25. April. (Die gefährliche Orangenschale.) Eine 24 Jahre alte Angestellte stürzte am Montag vom Fahrrad, weil dies beim Ueberfahren einer Orangenschale ausrutschte. Die Angestellte zog sich einen starken Bluterguß am linken Fußknöchel zu. ** Bühl, 25. April. (Das Denkmal der 143er.) Tie Pla- niernngsarbeiten an dem Denkmal der 143er hinter der Winöeck sind soweit gediehen, daß in den nächsten Tagen mit den Funöamentierungsarbeiten begonnen werden kann. Tie Grundsteinlegungsfeierlichkeiten finden bestimmt am Sonntag, den 6. Mai, statt. Zu denselben werden Vertreter der 143er aus den verschiedensten Städten Nord- wie Süddeutschlands erwartet. ** Acher«, 25. April. (Einer der letzten von 1866.) Im Alter von 84 Jahren starb Amtsdiener Xaver Schemel. In den Kriegszeiten 1866 und 1870 zog der Verstorbene mit dem 3. badischen Dragoner-Regiment ins Feld «nd machte viele Schlachten mit. Er war das älteste akttve Mitglied der hiesigen Feuerwehr. Motorrad mit einem Kraftwagen znsammengestoße«. München-Gladbach, 25. April. Ein aus Rheydt kommen- des Motorrad fuhr einem in schneller Fahrt befindliche» Kraftwagen in die Flanke. Der Motorradfahrer und der Beifahrer wurden auf die Straße geschleudert. Der Führer war sofort tot, während der Beifahrer nach wenigen Stunde» im Krankenhaus starb. Die Jnsaffen des Kraftwagens, der im Straßengraben landete, kamen ohne ernsthafte Ber- leyuirgen davon. Zwölf Jahre Znchthans wegen Totschlags. Hannover, 25. April. Das hiesige Schwurgericht verurteilte gestern den Landwirt Joseph Luüewig aus Dingelbe bei Hildesheim wegen Totschlags zu 12 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Ludewig hatte einen Verwalter durch 5 Revolverschüffe niedergestreckt und dann bestialisch mißhandelt, so daß der Ueberfallene kurz daraus starb. 178088 Mark erschwindelt Duisburg, 25. April. Ein Duisburger Kaufmann hat es verstanden, von einer Anzahl Personen ins gesam t 170 000 M. Mittwoch, den 25. April 1928. zu erschwindeln. Das Geld sollte für geschäftliche Zwecke in wenigen Wochen mit 100% Zinsen zurückgezahlt werden. Ein Reichsbahnbeamter und ein Kaufmann sind allein um 64 000 Mark geschädigt worden. Autobus ««gestürzt. Fünf Schwer-, zahlreiche Leichtverletzte. Berlin, 23. April. Wie die Abendblätter melden, ist Berlin wieder von einem schweren Verkehrsunglück betroffen worden. In der Schönhauser Allee im Norden Berlins, dicht am Hochbahnhof Danziger Straße, stürzte gestern mittag gegen 12 Uhr ein mit etwa 15 Fahrgtzsten besetzter Autobus der Linie 9 um. Fünf Personen wurden schwer und inehrer leicht verletzt. Unglück im Steinbruch. Paris, 25. April. Bei Toulon ereignete sich in einem Stcinbruch ein schwerer Unglücksfall. Vier Arbeiter wurde» von einem Einsturz von etwa 12 000 Knö.kmeter Gestein, Erde und Bäume überrascht und gerötet. Gin gefährlicher Taschendieb verurteilt Leipzig, 35. April. Das Leipziger Schöffengericht verurteilte gestern den Kaufmann Aizig-Schmul-Ltebeskind ge- nannt Orelanü aus Lodz nach zweitägiger Verhandlung'wegen Bandendiebstahls und Bestechung zu zwei Jahren und vier Monaten Zuchthaus und zum Verlust Ser bürgerlichen Ehrenrechte aus vier Jahre. Liebeskind-Oreland hat zusammen mit einer Taschen- Siebesbande längere Zeit unter dem Schutze von bestochenen Kriminalbeamten Taschendiebstähle in Leipzig begangen. Er ist von seinen Mittätern als Führer der Bande bezeichnet worden. Man hatte den Oreland in Paris verhaftet. Tie Verurteilung erfolgte lediglich auf die Feststellung seiner Zugehörigkeit zu der bekannten Bande, ohne daß man ihm einen tatsächlich begangenen Diebstahl hätte Nachweisen kennen. Liebeskinö ist eine jener abenteuerlichen Gestalten, die mit nichts in Berlin und Paris Geschäfte treiben und die ihren Lebensunterhalt aus Diebstählen fristen. Reue Erdstöße in Italien Rom, 24. April. In Nordtoscana und in Foggia wurden heftige Erdstöße verspürt, die unter der Bevölkerung große Bestürzung hervorriefen. Die Bewohner von Castel Nouve verbrachten die Nacht unter freiem Himmel. Mehrere Häuser des Orts wurden beschädigt und mußten geräumt werden. Meldungen über Menschenopfer liegen bis zur Stunde nicht vor Schwere Schiffsunsälle 28 Personen «ms Lebe« gekommen. London, 26. April. Bei einer Kesselexplosion an Bord des Fischdampfers „Amancia" wurden, nach Meldungen aus Vigo, sieben Mann getötet, während 18 ertranken. Der Fischdampfer „Sobral" lief in der Nähe von San Sebastian aus Grund, wobei snns Mann der Besatzung ertranken. Schissstrandnnq bei Skagcu. Kopenhagen. 26. April. Am Sonntagworgen strandete der holländische Danxfer „Waal" im Nebel auf einer Sandbank bei Skagen. Zwei Bergungsdamp'er eilten zur Hilfeleistung herbei. Der Kapitän, der seine erste Reise als Schiffssührer machte, weigerte sich jedoch, irgendwelche Hilfe anzunehmen. Gestern abend wurden bei hohem Seegang die Rettungsboote von Skagen zur Hilfeleistung ausgesetzt. Weitere Nachrichten fehlen noch. Aeberschwemmung in Aferbeidschan 1 Konmo, 25. April. Nach einer Meldung aus Moskau ist in Aferbeidschan der Fluß Kura aus den Usern getreten. Durch die Ueberschwemmungen sind 17 Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten, wobei 350 Bauernwirtschaften vernichtet worden sind. J Radio»Programm für Donnerstag, den 26. April 1928. Berlin (483), Kimigswufiekhauscn (1250), 20.30 Uhr: „Die gelbe Nachtigall" o. Herm.. Bahr. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Breslau (322), 20.00 Uhr: Abschlußfeier der Hindenburger Volkshochschule. Frankfurt (428), 13.30 Uhr: Kassel: Mittagsständchen. 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Konzert, Operetten. 17.47 Uhr: Die Lesestunüe. 18.30 Uhr: Vortrüge. 21.15 Uhr: Konzert des Rundfunkorchesters. Danach: Tanzmusik. Hamburg (394), 20. Uhr: Arno Holz z. 65. Geburtstage. 21.00 Uhr: Wanderlieder im Frühling. Darauf: Kabarett. Köln-Langenkerg (468), 20.05 Uhr: Viertes Oeffentliches Konzert. Anjchl. Ue. d. Konzerts a. d. Handelshof Essen. Königsberg (328), 20.15 Uhr: Kammermusik. 21.10 Uhr: Die Kunst der deutschen Stämme u. Landschaften. Leipzig (385), 20.15 Uhr: Selten gehörte Orchesterwerke des 18. Jahrhunderts. 21.15 Uhr: Volkstümliches Orchcsterkon- zert. 22.00 Uhr: Funkpranger. München (535), Ue. a. d. Nationaltheater: 19.35 Uhr: „Hoff- manns Erzählungen", Oper von Offenbach. Stuttgart (379), 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.00 Uhr: Plauderei u. Blumenpflege. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.30 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Uhland-Gedenkfeier z. Geburtstag des Dichters. 21.15 Uhr: „Dyckerpotts Erben", Komödie von Rob. Grötzsch. Daventry-Experimmtal (491), 18.45 Uhr: Tanzmusik mit Bor. trägen. 20.00 Uhr: Bunte Stunde. 22.15 Uhr: Borlesung a, „Major Browns erschütterndes Abenteuer". Daventry-London (361), 10.15 Uhr: Kurzer Gottesdienst. 12.00 Uhr: Konzert. 15.00 Uhr: Abendgottesdienst. 16.00 Uhr: Konzert. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.45 Uhr: Bunte Vorträge 19.15 Uhr: Beethovens-Sonaten. 19.45 Uhr: Klaviersoli. 20.00 Uhr: „Belsazar", Oratorium v. Händel erster Teil. 21.35 Uhr: Bunte Charlottstunde. 22.3 5Uhr: Tanzmusik. C'-toc-SS«-SSc'fe> Stobio^cttticb f^9cJ9r4SCM E. Schick, Uhrmachermeister. Sinsheim a.E. Dr. Sewt-Bertreter — Laaer irr Telefurcken-Röhren, Anode». Batterie» - Samt, lichen Ersatzteile», Barta-Allumulatore».Ladesiatton. — Telefon sis. Raöi«.Literawr. Programm-Zeitschnstea bei 3. Do«. Buchhdl^ Süvhei».: Wetterbericht. Karlsruhe, 24. April. Unter dem Einfluß restlicher Tiefdruckstörungen im Osten und Südrande des hohen Druckes, hatten wir zeitweilig noch wolkiges Wetter. Da das jetzt über Deutschland liegende Hoch aus Luftmaffen polaren Ursprungs aufgebaut ist, halten sie aus diesem herauswehenden Winde die Temperatur auf sehr niedrigen Ständen, so daß es gestern, selbst im Bodenseegebiet noch etwas geschneit hat. Die den ozeanischen Wirbel begleitende Warm- luftströmung hat heute früh bis Norüwestdeutschland über- gegriffen und wird bald unser Gebiet erfaffen. Nr. 97. Jahrgang 1928 . Der Landbote * Sms-ei«er Zeitung. Mittwoch, den 25. April 1928. %sifphL g e währlei sfef JewocAe* 9(i>ischqueUe*Spmdel JUmstalrSpmdei Lebensfreude Gesundheit jf3rcwfn a ' »m,.> Vertreter: Franz Metzger, Mineralwasserhdlg. Waibstadt, Tel. 26. ■ÜKk Bekanntmachung. Die Epang. Pflege Schönau in Heidelberg setzt am Montag, den 3V. April 1928 vormittags 1V Ahr im Gasthaus zum „Löwen" in Sinsheim a.E. die auf Martini dieses Jahres pachtfrei werdenden Pflege- und Psarr - Grundstücke aus Gemarkung Sinsheim einer N e u v e r p a ch t u n g aus. [Windjacken und Joppen j für Burschen in allen Größen, ] 2.50, 8.50, für Herren in enormer Wahl, 19.50, 15.50, 11.25, la. elegante Sportform z. T. Lederknöpfe, 29, 25, prakt. waschb. Zwirnst. 15.50, 11.—, 8.50, 6.50, leichte, flotte Sport- formeu . 15.50, 12.50, enorme Wahl, schwarz, blau, grau, 25, 21, 19, 17, imitiert Rohseile, Ia. l „Konf., 29.-, 17.—, 13.50, 7.501 21.—I 4.901 7.801 9.151 8.501 | E. Speiser, Sinsheim. | nt!!ll > !iilllllilll!illllllliliill!illiii!liil!lllii]|||||ililij||illllllliJ||filill|||ji QU ALITÄTS ARBEIT III bedingt III QUALITÄTS REKLAME! TGSGDGSGSTSSSSDSSSSSDSSTDSSSSSTSSSS © © © © G Am Sonntag, den 29. April 1928 nachmittags 2 Uhr 30 © spricht im Saale des Qasthofes „Reichskrone“ in Sinsheim-a. E. Landesverband Baden. Herr Schriftsteller Karl Grube-Berlin über das Thema: Das heutige System die Uriache nuferer Not. © © © © T © © © © © © © Q T © © © Anschließend wird der Unterzeichnete 70 Lichtbilder aus der q R evolution- und Münchener Rätezeit vorführen. q Hierzu laden wir unsere Freunde und die deutsche Bevölker- q ung von Sinsheim und Umgebung nebst deren Familienangehörigen a ergebenst ein uud bitten auch in Bekanntenkreisen für den Besuch ä des Vortrages werben zu wollen. Die Veranstaltung findet bei Wirtschaftsbetrieb statt. Landesverband Baden. I. A. K. Ernst — Schwetzingen. © © © © © Haut-Bleichkrem Jetzt Ist es Zeit, Sommersprossen, Leberflecke, gelbe Flecke im Gesicht und an den Händen zu beseitigen durch Bleichen mir Klorokrem, Tube 80 Ps. und Kloroseife ä Stück 60 Pf. Unschädlich und seit Jahren bewährt. Mit genauer Anweisung in allen Chlorodont-Verkaufsstellen zu haben. Will man im Spätjahr schöne Sellerie - Kul« ernten, ist es jetzt Zeit dieselben zu pflanzen. 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