Erscheint täglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Aus- träger ftei ins Haus monatlich Goldmark 1.80 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Zn Fällen von höherer Gewalt besteht lein Anspruch auf Liefer- ung der Zeitung oder auf Ruck- zahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit t/28 bis 5 !lhr Sonntags geschlossen. Fernfprech-Änschlutz Nr. 468 Postscheck-Konto Karlsruhe Rr. 6903 Der Lanöbote Zinskeimer General-Hnzeiger für Kos Zeitung ftss Äsenz'unö 5cku>arzbacktal Heltefte und verbreitetste Leitung dieser Gegend. I)Lup1-Hnzeigen-8lLtt Möchentlich« Keilsgen: Neu» Sllaltrierte » Ras eiern Reick, cker Qtode • Ratgeber für F)aus- and EandwirtTchaft M 110 . Donnerstag, den 10. Mai 1928. ^ Zakubowski war nicht der Mörder. Der Justizirrtum an dem Rüsten vor der Aufklärung. Die wahren Mörder verhaftet Anzeigen-Preife: Auzeißen: Die 33 mm breite Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 tlhr vormittags; größere "Anzeigen müssen am Tage vorher au f - gegeben werden. Bank-Konto: Dereinsbank Sinsheim e. G. m. b. &). 89. Jahrgang Wie die Landeszcitung für beide Mecklenburg erführt, find der Leiter des Landeskriminalamtes in Neustrelitz, Regierungsrat Steuding, und der als wissenschaftlicher Berater hinzugc- zogcne Kriminalpsychologe Dr. Hans von Henting (München) auf Grund ihrer Ermittelung in der Sache Zakubowski zu folgendem Ergebnis gekommen: „Die neu festgestelltea und sorgfältig durchgcprüften Tatsachen führe« zn der Vermutung, daß der im Jahre 1922 wegen Mordes an feinem angeblrch n Kinde verurteilte und Hingerichtete russische Kriegsgefangene Zakubowski der Mörder nicht gewesen fein kann. Drei der vermutlichen Täter wurden verhaftet und dem Amtsgericht Schöneüerg zugeführt." Der Fall des russischen Elaatsangchörigcn Zakubowski, der im April 1925 von dem mecklenburgischen Schwurgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, hat in den letzten Tagen «ine Wendung genommen, die den Beweis dafür zu erbringen scheint, daß Zakubowski tatsächlich einem entsetzlichen Justizirrtum zum Opfer gefallen lst. Die Ermittelungen, die aus Anordnung des mecklenburgischen Staatsministers von Rcibnitz durch den Chef des Landeskriminaiamtes in Neustrelitz geführt wurden, haben zur Verhaftung von drei Personen geführt, deren Zeugenaussagen Zakubowski damals schwer belasteten. Die drei Verhafteten, die den Meineid vor Gericht ohne weiteres zugaben, stehen unzweifelhaft in ursächlichem Zusammenhang mit der Tat. Eie belasten sich gegenseitig und schieben die Ausführung des Verbrechens einander zu. Es besteht kaum ein Zweifel, daß die Rolle, die die drei Verhafteten, der Pferdeknecht Heinrich Blocker, der Arbeiter August Mergens und der Landarbeiter Paul Kreuzfeld in der Mordsache gespielt haben, sich dermaßen verteilt, daß einer als Anstifter, der zweite als Mörder, der dritte als Helfer in Frage kommt. Die Vorgeschichte des Falles Zakubowski ist folgende: Ia- kubowski war früher russischer Kriegsgefangener und wurde im NovenP>er 1923 unter der schweren Beschuldigung verhaftet, seinen vier Zahre alten unehelichen Sohn Ewald Mergens, dessen Leiche in einem Kaninchenloch der Palinger Heide gefunden wurde, ermordet zu haben. Zakubowski wurde am 22. April 1925 vor das Gericht fein Emmingersches Schwurgericht) gestellt und zum Tode verurteilt. Belastungszeugen waren Mn Schwach- finniger und die drei jetzt Verhafteten. Obwohl der Indizienbeweis ohne Zweifel lückenl)ast war, kam das Gericht zn der Uederzcugnng, daß Zakubowski das Kind umgebracht habe, um die Alimente zu sparen und verurteilte ihn zum Tode. Die Hinrichtung wurde am 15. Februar 1926 vollzogen. Die Liga für Menschenrechte nahm sich des Falles an. Ein Fahr später erschienen die ersten Veröffentlichungen, itf denen der Verdacht eines Justizirrtums auftauchte. Ein Wiedcraufnahme- antrag wurde gestellt. Der Antrag wurde von dem Oberstaals- anwalt in Neustrelitz, der fcincrzeit die Begnadigung Iakubowskis abgelehnt hatte, zurückgewiefm. Gleichzeitig gab der Oberstaatsanwalt eine amtliche Richtigstellung der Nachrichten. Am Schluß des Kommuniquecs hieß es wörtlich: „Die in unverantwortlicher Weise einzelne Sätze aus dem Zusammenhang heraus- rcißenden Bemängelungen des Schwurgerichtsurteils find lediglich gewissenlose, die Ehre ihrer Mitmenschen in leichtfertigster Weise verunglimpfende und die Justiz herabsetzende Klatschereien," Dennoch setzte es der Stxelitzer Staatsminister durch, daß die polizeilichen Untersuchungen sich neuerdings mit dem Fall befaßten. Das Ergebnis ist die Verhaftung dreier Männer unter dringendstem Tatverdacht. Eine SrNäwng »er Firma Knapp zu den ruMen Sewnldignngen Esten, 10. Mat. Bekanntlich wird von somjetrusstschcr Seite in dem Schachtyprozeß u. a. auch gegen die Fa. Knapp in Wanne die Anschuldigung erhoben, daß Ne in Rußland mit Hilfe ihrer Angestellten unlautere Machenschaften ge rrieben habe. Hierzu erklärt die Firma, daß sie selbstverständlich niemals, wie ihr vorgeworsen werde, minderwertige Maschinen nach Sowjetrußland geliefert habe. Es sei ausgeschloffen, daß der Monteur Baüstieber gestanden haben solle, minderwertige Maschinen der Firma Knapp ausgestellt zu haben. Auch könne von einer Bestechung eines Grubendirektors durch den Monteur Badstieber nicht die Rede sein, da Badstieber hierzu die Mittel gefehlt hätten. Ferner wird das angebliche Eingeständnis des Ingenieurs Gorletzki auf das entschiedenöste bestritten, daß er nämlich mit der Firma Knapp einen Vertrag über Lieferung minde rivertiger Maschinen abgeschloffe» habe und dafür von der Firma Knapp 5000 Mark erhalten habe. Scharfes Vorgehe» gegen die kacholifche Kirche in Sowjetrsßland Kowuo, 10. Mai. Im Hinblick auf den Prozeß gegen die deutschen Ingenieure, die im Zusammenhänge mit der Donezaugelegenhett verhaftet wurden, ist es von besonderem Interesse, daß die Sowjetregierung, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, den katholischen Geistlichen unter Strafe der Verschickung auf die Solowezkij-Jnsel im Weißen Meer «ine Ergebenhettserklärung dem Sowjetstaate gegenüber aufzwingen will, mit Punkten, die der katholischen Religion und dem katholischen Gewissen aufs schärfste widersprechen. Unter anderem enthält die Erklärung vorbehaltlose Anerkennung der Sowjetreligionsgesetze und Verweigerung »es Gehorsams gegenüber den eigenen Bischöfen sowie die Verpflichtung, sie Verbindung mit dem Heiligen Stuhl nur durch Vermittlung der Sowjetregierung zu unterhalten. ^ Der Kampf der Sowjetregierung gegen die intellektuellen «^rialisten würde sich sonach auch auf die römisch-katholische Geistlichkeit ausdehnen. Daß die Sowjetreaieruna schon Gelegenheit hatte, in Auseinandersetzungen mit der russischen Kirche zu geraten, ist bekannt. In Berliner diplomatischen Kreisen würde man es sehr begrüßen, wenn die von der Sowjetregierung beabsichtigten Maßnahmen gegen die katholische Geistlichkeit nicht in die Tat umgesetzt würöem Die Amerika-Rundreise der Vremenflieger Newyork, 10. Mai. Die Ozeanflieger sind gestern mit der Junkersmaschine auf dem Curtiesfielb zu der geplanten Durchreise durch die Bereinigten Staaten gestartet. Ihr nächstes Ziel ist Philadelphia. Die Ozeanflieger in Philadelphia. Newyork, 9. Mai. (Funkspruch.) Die Ozeanflieger sind an Bord der Junkersmaschine in Philadelphia gelandet. Sie wurden von einer riesigen Menschenmenge jubelnd begrüßt. Fitzmaurice gegen die angeblichen deutschen Knegsgreuel Berlin, 10. Mai. Räch einer Meldung des „Berliner Mittag" aus Newyork erklärte Fitzmauriee auf einem Festessen des Verbandes „Friend Ly Sons of St. Patrick", das zu Ehren der Vremenflieger stattfand, die Geschichten über die deutschen Grausamkeiten während des Weltkrieges seien Unsinn. Am den zweiten deutschen Ozeanflug Saalseld, 10. Mai. Entgegen allen Nachrichten, die von einer Gefährdung des geplanten Ozeansluges wissen wollen, verlautet aus zuverlässiger Quelle, daß die Junkerswerke nunmehr ein festes Angebot für die Uebereignung des Flugzeuges abgegeben haben. Der Kostenbetrag für den Ozeanflug ist sichergestellt, er wird ausgebracht durch eine Ozean- flug-G. m. b. H., der die Mittel aus Berliner, Wiener und holländischen Kreisen zufließen. Fest steht ferner, daß der Flugplatz Rudolstadt-Saalseid Ausgangspunkt des Ozeanfluges sein wird. Man ist sich nur noch nicht über den Stützpunkt im klaren. Je nachdem wie die Seewetterwarte entscheidet. sollen Baldonnell für eine etwaige Nordstrecke oder die Azoren für eine Südstraße angeslogcn werden. Versuchsflüge Aobiles Berlin, 10. Mai. Die „Nachtausgabe" meldet aus Kings- bay: General Nobile hat sich entschlossen, vor dem eigentlichen Noröpolslug erst noch einen bis zwei größere Flüge nach Osten zu unternehmen. Er glaubt, bei dieser Gelegenheit wichtige Erkahrnngen sammeln zu können. Der erste Erkundungsflug soll Kaiser-Franz-Joses-Land oder Niko- laus-II.-Land gelten. Auf dieser Fahrt sollen anck neue Meßinstrumente, die General Nobile zum ersten Maie in Gebrauch hat, ausprobicrt werden. Larol will in England bleiben London, 10. Mai. Der Innenminister erhielt gestern eine längere Erklärung des Prinzen Carol, in der dieser, wie verlautet, das Innenministerium ersucht, die gegen ihn ergangene Aufforderung, Großbritannien zu verlassen, aufzuheben. Er habe nie die Absicht gehabt und beabsichtige auch ferner nicht, irgend etwas zu unternehmen, was gegen die internationalen Gepflogenheiten während seines Aufenthaltes in England verstoßen würde. — Das Schreiben Carols ist sofort vom Außenminister erwidert worden, lieber den Inhalt verlautet noch nichts. Im Unterhaus erklärte der Innenminister auf eine Anfrage, daß Prinz Carol den für Ausländer gültigen Bestimmungen unterliege. Eine weitere Frage beantwortete der Minister dahin, daß Carol über ein Visum sür die Einreise verfügt habe. Für Donnerstag kündigte der Innenminister eine nähere Erklärung an. Die Verhandlungen vor dem Haager Schiedsgericht über die Auslegung des Tawesplanes Amsterdam, 10. Mai. Sir John Fisher-Williams, der in der Drenstagssitzung des Haager Schiedsgerichts für die Auslegung des Tawesplanes seine Ausführungen beendete, wandte sich gegen die Auffassung Deutschlands, daß die Alliierten durch den Versailler Vertrag bloß ein Pfandrecht über das deutsche Eigentum im Ausland erhalten hätten. Der Vertrag habe das Prnmteigentuin Deutschlands im Ausland den Alliierten ausgeliefert, um eine schnelle Bezahlung der deutschen Schuld zu ermöglichen. _ Jaques Lnon-Paris betonte daraus, daß der deutsche Standpunkt nach Ansicht der Reparationskommission unhaltbar sei. Tie Tawes-Jahreszahluiigen stellten nur das Höchstmaß dessen dar. was Deutschland zahlen könne, nicht aber dessen, was es eigentlich hätte zahlen sollen Die ganze deutsche Schuld sei viel größer. Wenn die Alliierten durch die Lignidierung des deutschen Eigentums eine Ergänzung der Jahreszahlungen erhielten, So bedeute dies keinen Nachteil für Deutschland, da diese Güter vor dem 1. September 1924, dem Tag des Inkrafttretens des Tawesplanes, nicht Mehr zu dem deutschen Volksvermögen gehörten. Eine Anrechnung auf die Jahreszahlungeu käme nur in Betracht, wenn die Güter nach dem 1. September 1924 noch dem deutschen Nationalvermögen anaebört bätten. „ *«auimann wird als Vertreter der deutschen Regie- ."""brstag auf die Ausführunaen der Vertreter der Reparatronskommissio« antworten. 54000 Japaner in Schantung. London, g. Mm. Dir japauische Regierung verständigt« heute die Botschafter von Frankreich, England und Amerika als Mir- unterzeichner des Ehmaabdommens vom Zahre 1921, daß drei Diotfionen i» einer Kriegsstärke von 84 000 Mann in der nächsten Woche in S cha n t u n g tonzrntnrrt fein würden zmn Schutze des Lebens und des Eigentums der Japaner ohne Absicht ans eine« dauernden Gcbictserwerb. Der Manchester Guardian betont, daß jetzt sofort ein Wettrennen aller in China interessierten Großmächte zwecks Erwerb von Einflußsphären als Kompensation für die Besetzung Schan- tungs durch Japan beginnen werde. Die englische Regierung werde jetzt die ihr seit langer Zeit nahegelegte Festsetzung im Pangtse- tal nicht länger vermeiden können. Paris, 9. Mai. Die japanische Note, die heute früh in Paris eingetroffcn ist, scheint an der zuständigen Stelle einen günstigen Eindruck hinterlassen zu haben. Jedenfalls glaube man dort Grund zu der Annahme zu haben, daß man sich in Tokio des Ernstes der Situation und der Schwere der Verantwortung in vollem Umfange bewußt ist, und daß die japanische Regierung deshalb nichts unternehmen wird, was zu internationalen Komplikationen Anlaß geben könnte. Diese Auffassung wird auch vom Temps vertreten, der offenbar vom Quai d'Orsay inspiriert ist, wenn er ichreibt. die japanische Regierung sei sich darüber klar, daß jeder gegen die Unabhängigkeit Chinas gerichtete Versuch nicht nur die beiden streitenden Parteien zu gemeinsamem Gegner haben und zu einem sehr riskanten militärischen Abenteuer werden müsse, sondern auch die anderen an China interessierten Mächte auf den Plan rufen werde. Diese könnten keinerlei isolierte Aktion zulassen, die den Zweck verfolge, eine Vormachtstellung zugunsten eines dritten Landes zu schaffen. Bor allem in England und in den Vereinigten Staaten, wo man das japanische Vorgehen mit stärkstem Mißtrauen verfolge, sei man entschlossen, keine Verletzung des Abkommens von 1922 zuzulassen, das jede politische und militärische Intervention ausdrücklich untersage. Die japanische Regierung habe also alles Interesse daran, keinen Zweifel über ihre Handlungsweise aufkommen zu lassen und nach den hier vorliegenden authentischen Informationen bestehe kein Grund zu der Annahme, daß sie in den Maßnahmen zum Schutze von Leben und Eigentum ihrer Staatsangehörigen über das Recht zu legitimer Selbstverteidigung hinausgeganaen feien. Die anderen Abendblätter sind allerdings weit weniger zurückhaltend in ihren Kommentaren. Die hiesige chinesische Gesandtschaft gibt den T:xt der Note bekannt, in der die Regierung von Peking in Tokio gegen das japanische Vorgehen protestlert hat. Sie macht darin die japanische Regierung für alle Folgen des Zwischenfalls verantwortlich und gibt von diesem eine Darstellung, die die ausschließliche Schuld an dem Zusammenstoß den japanischen Truppen in Tsinansu zuschreibt. Interessante Wahlziffern. Das Stärkeoerhältnis der franzöftschen Parteien. Paris, 9. Mai. Es ist in politischen Kreisen Frankreichs ausgefallen, daß das Ministerium Noch keine Statistik über die Stimmenzahl der einzelnen Parteien im ersten Wahlgang am 22. April veröffentlichte, denn nur diese Zahlen können über das Stärkeverhältnis aufklärcn, da jede Partei im ersten Wahlgang auf sich selbst angewiesen war. Man las nur in sozialistischen und kommunistischen Blättern, daß die Sozialisten 1 700 009 Stimmen und die Kommunisten 1 500 000 Stimmen erzielt haben und daß die Verteilung der Mandate dadurch, daß ländliche Wahlbezirke mit nur 3000. dagegen eine Reihe von städtischen Bezirken mit weit über 20 000 Stimmen vorhanden waren, die Linksparteien bei der Perteilung der Mandate nicht so günstig abgeschnitten hätten wie die Mittel- und Rechtsparteien. Fetzt veröffentlicht die Zeitschrift „Buc" eine Statistik des Wahlstatistikers Lachappelle. Hiernach haben erhalten: Konservative 328,135, Rechtsrepubliaaner 1008 244. Linksrepublikaner 1 225 942, Rechtsradikale 551600, Radikale 1 617 442, Sozialrepublikaner 323 832. Sozialisten 1 717 212, Kommunisten I 060 334, Verschiedene 223 332. Diese Veröffentlichung nimmt die koinmunistische „Humanite" zum Anlaß, um auszurechnen, wie sich bei dem lückenlosen Verhältniswahlsystem die Kammer zusammensetzen würde, 7las Blatt faßt die Parteigruppierungen in der Kammer zusammen und stellt die Zuteilung der Mandate auf Grund des jetzigen Arrondissementswahlsystem -in Frankreich dem Verhältniswahlsystem gegenüber. Dieser Vergleich fördert außerordentlich interessante Ziffern zu Tage. Partei Kreiswahl-^K Verhältniswahlsystem systcm: die Rechte: $260 Eitze - 189 Eitze die Mitte: 353 Sitze £3,/ 41 Sitze die Linkes 261 Sitze 269 Sitze die Kommunisten: 14 Sitze 78 Eitze Verschiedene: 5 Eltze 16 Sitze Zn wenigen Worten Gestern wurde in Berlin im Lanöesausstellungsgebäude . die große Berliner Kunstausstellung 1928 eröffnet. • Der Redakteur des kommunistischen „Roten Echos" lEr- furtl wurde wegen Beleidigung der katholischen Kirche zu 600 Mark Geldstrafe an Stelle einer 60 tägigen Gefängnisstrafe verurteilt. * Auf den sibirischen Flüssen hat der schwere Eisgang der Schiffahrt groben Schaden zugefügt. 39 Schiffe der staatlichen Fluhflotte find schwer beschädigt. «> Gestern vormittag fand im Dom zu Hildesheim die Beisetzung des Bischofs Dr. Joseph Ernst von Htldsheim statt. * ließet Norditalien sind in Verbindung mit einer Kältewelle schwere Hagelstürme niedergegangen. * Im Kolmarer Autonomistenprozeß kam es gestern erneut zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Verteidigung und dem Gerichtshof. k Angebliche Verhaftung eines deutschen Spions bei Velfort Paris, 10. Mai. Eine Havasdepesche aus Belfort behanv- tet' daß am 2. April in der Umgebung von Belfort ein deutscher Spion namens S. verhaftet morden sei. Bereits seit Anfang März seien verdächtige Zusammenkünfte zwischen einem Elsässer und einem Deutschen, wohnhaft in Freiburg i. Br., der Polizei von Mühlhausen und Telle gemeldet worden. S. habe besonderen Wert ans militärische Ausweise, enthaltend Mobilisierungsanordnungen, gelegt. Er sei gerade in dem Augenblick verhaftet worden, als er in einem Bauerngehöft in der Nähe von Belfort von dem Elsässer fünf Militärausweise übernahm. Dem Elsässer sei es gelungen, durch ein Fenster zu entkommen. Nachforschungen in der Umgebung von Mühlhausen sollen belastendes Material gegen S. ergeben haben. An Berliner zuständigen Stellen ist von diesem Vorfall bisher noch nichts bekannt. Der Lolmarer Auionomisten-prozeß Fashauer über die Gelder der „Ervinia". Kalmar, 10. Mai. Nach kurzer Unterbrechung der Sitzung am Dienstag wurde die Frage der Herkunft der Gelder der „Erwinia" erörtert, über die der Angeklagte Fashauer Auskunft gab. Fashauer begann seine Ausführungen mit der Frage an Bauer, ob dieser ihm sagen könne, wann und in welcher Form er mit anderen Personen Be- schlüffe gefaßt habe, die die Komplottanklage rechtfertigten. Man frage, so fuhr Fashauer fort, woher die Gelder der Bewegung stammten. Er frage, ob es verboten sei, ausländische Gelder ins Land zu bringen und möchte dabei daran erinnern, daß dem Generalstaatsanwalt von einer ernst zu nehmenden Seite der Vorwurf gemacht worden sei, Gelder aus dem Ausland bezogen zu haben. Fashauer spielte hier auf die schweren Angriffe des Senators Helmer gegen den Generalstaatsanwalt Fachot an. die sich auf angebliche persönliche Gewinne bei der Sequestierung deutscher Kaligesellschasten in Elsaß-Lothringen beziehen. Fachst richtete an den Angeklagten daraus das Ersuchen, sich doch über diesen Punkt genauer zu äußern. Fashauer überging diese Frage und gab dann einen genauen Bericht über die Gründung der „Erwinia". Er wies nach, daß der Vorsitzende und die Anklagevertretung über die eingekommenen Gelder vollkommen falsch unterrichtet worden seien. Aus der Aufnahme eines Darlehens in der Schweiz könne man der Bewegung doch keinen Vorwurf machen. Fashauer teilte dann mit, daß in den einzelnen elsäffischen Bezirken große Summen gesammelt und der „Erwinia" zugeführt worden seien. Die Listen mit den Namen der Geldgeber werde man nicht veröffentlichen, da sonst ein neues Komplottverfahren angestrengt werden könnte. Die Verhandlungen verloren sich dann ins Uferlose und wurden zu einer ins einzelne gehenden Debatte über rein geschäftliche Dinge. Die Sitzung wurde schließlich auf Mittwoch vormittag vertagt. Kalmar, 10. Mai. Nach Schluß der Vernehmung Bauers erhielten in der Nachmittagssitzung die Angeklagten das Wort. Ricklin erklärte u. a., Bauer habe nicht gesagt, welche Rolle er bei den ganzen antonomistischen Bestrebungen um Tchwanöer und Hautz gespielt habe. Er sei es gewesen, der schon 1918 klar zum Ausdruck gebracht habe, daß 4 Fünftel der Elsaß-Lothringer für Frankreich stimmen würden. Er habe damals vorgeschlagen, die elsaß-lothringischen Forderungen Poincarö durch eine Abordnung unterbreiten zu lasten. Wäre man damls seinem Vorschlag gefolgt, so würde sich Elsaß-Lothringen nicht in der gegenwärtigen schwierigen Lage befinden. Es entspann sich darauf eine längere Auseinandersetzung zwischen Dr. Ricklin und dem Vorsitzenden, in deren Verlauf der Vorsitzende ans den angeblichen Briefwechsel zwilchen Ricklin und dem von Bauer erwähnten Reuse W. Ley, der laut Bauer Leiter der deutschen Spivnageabteitung gewesen sei, zu sprechen kommt. Die Verteidigung macht darauf aufmerksam, daß Ley an fast alle an dem Prozeß beteiligte Personen Briese geschrieben habe, die davon zeugten, daß Ley geistesgestört gewesen sein müsse. Ricklin erklärte, nur ein einziges Mal an Ley geschrieben und ihm für seine Glückwünsche anläßlich der Gründung der „Zukunft" gedankt zu haben. Er glaube, behaupten zu können, daß auch Ley ein „agent provocateur" gewesen sei. Diese Bemerkung rief allgemein große Erregung hervor. Die Verteidigung stimmte lebhaft zu. Ricklin erklärte dann weiter, er und seine Mitangeklagten könnten unmöglich verantwortlich gemacht werden, wenn in Deutschland die dortigen Elsässer einen Hilfsbund oder andere Verbände ins Leben riefen. Der Vorsitzende stellte dann eine neue Zwischenfrage, in der er dre Tatsache festlegcn wollte, daß Ricklin ständige Besprechungen mit den anderen Angeklagten und sonstigen autonomisti- schen Persönlichkeiten gehabt habe. Ricklin erwiderte, er verstehe vollkommen. Der Vorsitzende wollte ihn festlegen auf die Kolmarer Besprechungen, als es sich um die Kundgebung für die gemaßregelten Beamten handelte. Offenbar wollte man die Angeklagten in Zusammenhang bringen mit dem später folgenden Generalstreik. Niemals sei daran gedacht worden, politische oder gewerkschaftliche Mittel im Kampf der Heimatbewegung anzumenden. Die weitere Vernehmung beschäftigte sich dann mit den Einzelheiten der Gründung der „Erwinia". Immer wieder wurde von allen Angeklagten bestätigt, daß nur elsaß-lothringisches Geld bei der Gründung verwendet war'..'" Kolmar, Ul. Mai. In der gestrigen Vormittagssitzung des Kolmarer Äutonomistenprvzeffes gibt der Präsident zunächst bekannt, daß der Gerichtshof die vorgestrigen Anträge der Verteidigung gegen die Methoden der Prozeß'ührung des Vorsiu^nden und Generalstaatsanwalts, die dem Jusliz- minsterium zur Entscheidung überwiesen worden sind, uneingeschränkt abgelehnt hat. Hieraus kommt es sofort zu einem Zusammenstoß, als Abbs Fashauer dem Gerichtshof die Aufnahme einer Hypothek non 100 000 Schweizer Franken während der Inflation des französischen Fraukens aus- eingnderzusetzen sucht. Die Verteidigung, die fortgesetzt vermittelt und den Gerichtshof aufklären will, wird vom Präsidenten durch unentwegtes Schwingen der Glocken zum Schweigen gebracht. Fashauer, der deutsch spricht, läßt sich jedoch durch die Erregung des Präsidenten nicht stören und fordert die Geschworenen aus, den Gerichtshof über die von ihm bereits mehrfach dargelegten geschäftlichen Vorgänge aufzuklären Der Präsident verbitte sich erregt diesen Don und fordert einen hinter Fashauer Menden Gendarmen auf, diesen zum Schweigen zu bringen. Der Gerichtshof will in der Aufnahme der Hypothek einen Zusammenhang mit dem angeblichen Komplott gegen die Staatssicherheit sehen, während Verteidigung und Abbe Fashauer immer wieder den sachlichen Hintergrund zu klären suchen. Der Vorsitzende richtet dann an Abbs Fashauer eine Reihe von Fragen wegen der Aufnahme einer Hypothek in der Schweiz. Aus der Art der Fragestellung des Vorsitzenden wird dabei ersichtlich, daß dieser immer wieder versucht, den Nachweis einer deutschen Herkunft dieses Geldes zu erbringen. Es kommt zu >mmer erregteren Auseinandersetzungen und die Verteidigung teilt schließlich mit, daß sie neue Schlußfolgerungen vorlegen will. Hierauf wird die Sitzung für einige Minuten unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung stellt die Verteidigung erneut eine Zusammenarbeit zwischen Vorsitzenden und dem Zeugen Bauer und somit eine offenbare Verletzung des Artikels 319 der Strafprozeßorönung fest. Hierauf wird die Vernehmung des Polizeikommissars Bauer fortgesetzt. In seinen Ausführungen wird er jedoch ständig von Fashauer und der Verteidigung unterbrochen, ow öagegrn Einspruch erheben, daß Bauer während der ganzen Ausführungen Fashauers im Saale haben bleiben dürfen und sich jetzt nach diesen Aussagen richten könne. Bauer bedauerte, daß er die Untersuchung nicht vollkommen habe zu Ende führen können, da sonst die volle Wahrheit ans Licht gelangt wäre. Bauer erklärte weiter, daß die Untersuchung 1917 begonnen habe. Er verbesserte sich aber gleich und meinte, daß dies 1927 gewesen sei. Fashauer stellte fest, daß das erstere wohl richtig sei. Er teilte gleichzeitig mit, daß eine hochangesehene parlamentarische Persönlichkeit, die er jetzt nicht nennen könne, Beweise habe, daß die Anklage selbst nicht der Ueberzeuguug sei, daß die 100000 Schweizer Franken deutscher Herkunft seien. Mehr sage er nicht. Der Präsident forderte dann in erregtem Tone den Polizeikommissar Bauer auf, seine Ausführungen endlich zu beendigen. Nach einem Zwischenruf Bauers an die Geschworenen, für das Schweizer Geld seien keine Garantien geboten worden, schließt der Präsident die Sitzung. Da ruft Abbe Fashauer dazwischen, das gesamte zur Verfügung stehende Eigentum im Werte von 337 000 Schweizer Franken sei dem Schweizer Gläubiger als Garantie verschrieben worden für eine Belastung von nur 153 000 Schweizer Franken einschließlich der schweizerischen Anleihe. Die Nachmittagsverhandlung verlief wiederum unter ungewöhnlicher Erregung und neuen schweren Zusammenstößen, die manchmal einen tumultartigen Charakter an- nahmen. Es handelt sich um die Zeugenaussage des Kom- miffars Bauer. Rechtsanwalt Jägle rief schließlich in höchster Erregung: „Unsere Empörung über einen derartigen Menschen ist zu groß. Wir können nicht schweigen." Ter Verteidiger Faillet rief: „Fu achtstündigen Aussagen har Polizeikommissar Bauer noch nicht ein halbes Wort über das Komplott vorgebracht.' Die Verteidigung gibt dann bekannt, daß die Liga für Menschenrechte gegen die unerbittlichen Verfolgungen der Elsästerautvnomisten Beschwerde einlegt, auf die Ungeschicklichkeiten der Regierung aufmerksam macht und sofortige Freilassung sämtlicher Kolmarer Gefangenen gefordert habe. Rosse stellte an den Zeugen die Frage, ob er Beweise dafür habe, daß er. Rosse, an der Streikbewegung des Jahres 1920 als Urheber teilgenommen habe. Bauer erwiderte: „Wir haben Beweise." lEr korrigiertl: Wir haben Mitteilungen ernst zu nehmender Personen . . ." Tie Verteidigung springt erregt auf. Ter Vorsitzende ist gegenüber der wachsenden Empörung der Verteidigung und sämtlicher Angeklagten über die entstellenden Behauptungen Bauers völlig machtlos und versucht vergebens durch fortgesetztes Schwingen der Glocke die Angeklagten zum Schweigen zu dringen. Bei einer weiteren Aussage Bauers, die keinerlei Beweise bringt, steigert sich die Erregung immer mehr, so daß zeitweise kein Wort zu verstehen ist. Rosse gibt sodann einen kurzen historischen Ueberblick über die Entwicklung des Gedankens der nationalen Minderheit und führt ans, daß das ganze Gebäude der Anklage des Polizeikommissars Bauer, das auf der Theorie des Seperatismus aufgebaut sei, zusammenstürze, wenn man sich Klarheit über das Wesen der nationalen Minderheitenbewegung verschaffe. Bauer fehle jede Kenntnis. Er kenne nicht einmal die Geschichte Frankreichs. Der Präsident versuchte immer wieder, im Saale Ruhe zu verschaffen, um Bauer die Fortsetzung seiner Aussagen zu ermöglichen. Er hält seine Behauptungen aufrecht, Rosse sei der geistige Urheber der Streikbewegung vom Jahre 1920 gewesen. Rosse und die Verteidigung weisen den Zeugen Bauer bei jedem einzelnen Punkt die Unrichtigkeit seiner Behauptungen nach. Bon einer sachlichen Weiterführung des Prozesses kann unter diesen Umständen keine Rede mehr sein. Bauer zieht sich bei jedem Angriffs des Angeklagten Rosse darauf zurück, daß die von ihm unter Eid gemachten Aussagen auf Angaben dritter Personen beruhen. Im weiteren Verlauf der Nachmittagssitzung gab Roste eine längere Erklärung über den Streik von 1920 ab. Er hob einleitend mit Nachdruck hervor, daß sich seine Kritiken niemals gegen die französische Verwaltung als solche, sondern nur gegen die Methoden dieser Verwaltung in Elsaß- Lothringen und insbesondere gegen die Entsendung ungeeigneter Beamten gewandt hätte. Er schilderte dann die politische Lage im Jahre 1920 in Elsaß-Lothringen und wies auf die vielen Protestversammlungen hin, die zu Beschlüssen auf Einführung der regionalen Selbstverwaltung geführt hätten. Die Leitung der elsaß-lothringischen Beamtenverbände. denen 40 000 Beamte angehören, habe in den Händen von drei einander gleichgestellten Direktoren gelegen. Für den Streikbeschluß könnte nur die Leitung als solche verantwortlich gemacht werden. Er sei jedoch für seine Person bereit, die volle Verantwortung ans sich zu nehmen. Der Streikbeschluß sei in einer Sitzung in Straßburg gefaßt worden, an der er nicht teilgenommen habe. Demgegenüber hielt Bauer seine Erklärung ausrecht, daß RÄse in dem Aktionskomitee zur Vorbereitung des Generalstreiks mitgearbeitet habe. Seine Ziele seien mit denen der K»m- munisten gleichlautend gewesen. Rosse entgegnete, sämtliche Verbände in Elsaß-Lothringen strebten das gleiche Ziel an. Er verlas hierbei einen Brief Clcmenceaus vom Februar 1919 an Paderewski, in dem Clemenceau die nationalen Rechte der Minderheiten anerkennt. Auf die Frage des Vorsitzenden, woher Rosse das Geld für die „Erwinia" und für den Bau eines Wohnhauses bekommen habe, erwiderte Rosse, durch Sparsamkeit bis zum äußersten und durch den Ertrag seiner journalistischen Arbeit. Dann erhielt die Verteidigung das Wort. Rechtsanwalt Fournier las dem Zeugen Bauer ein paar Zeilen aus einer Rede vor, in der gesprochen wird von den grausamen und folgenschweren Mißverständniffen, die bewiesen hätten, daß die Regierung aber auch gar nichts von der elsaß-lothringischen Lage verstehe und daß sie unglaubliche Fehler gemacht habe in einem Lande, daß 50 Jahre unter fremder Herrschaft gestanden habe. Fournier fragte anschließend Bauer, ob er denn niemals deutsche Stimmen im Lande gehört habe. Als Bauer erklärte, diese Klagen seien übertrieben, legte Fournier unter stürmischer Heiterkeit die Psinte seiner Rede dar, daß nämlich niemand anders als P»in- Werners Werbung. Roman von George Manoille Fenn und Carl Johannes. Angstvoll eilte sie"nach dem Bett, denn die Kranke richtete sich aus, kniete in ihrem Bett nieder, rang die Hände und stieß wilde, unzusammenhängend!: Worte aus. „Sieh, sieh!" rief sie entsetzt, griff dabei nach Klaras Hand und hielt dieselbe krampfhaft fest. „Schicke ihn fort; nein, ich kann es nicht tun. Sieh doch, sich!" „Nichts ist dort. Sarah, nichts. Beruhige dich doch. Lege dich hin und versuche wieder einzuMafen." „Du bist grausam, o, so grausam — du bist schrecklich gegen mich. Nehmen Sie nur Ihre Hand fort, Fräulein Klara, es hilft doch nichts. Ich kann ihn dort stehen sehen. Ja — dort — aus dem Grabe gekommen, um mir Vorwürfe zu machen.-O! — Jetzt ist er fort." Noch wenige Sekunl«n vorher war sie in einer so krampfhaften Erregung gewesen, daß Klara sie kaum zu halten vermochte, jetzt schien es aber, als ob der Paro- pismus ganz vorüber wäre, denn erschöpft sank sie auf ihr Lager zurück und lag bald in tiefem Schlummer. Sechsundvierzigstes Kapitel. Myddyr wird aufgemuntert. „Herr Glyddyr an Bord?" Glydlchr saß, eine Zigarre rauchend und uriverwa-K>t nach dem Schlöffe hinüberstarrend, in seiner Kajüte. Im Innern der Granitburg befanden sich die beiden Schätze, nach denen er so heftig verlangte und von denen ihn doch die Erinnerung an den Toten immer wieder zurücktrieb. Dreimal batte er, seit Gartram tot war, sich mit großer Selbstüberwindung dazu gebracht, einen herzlichen Brief an Klara zu schreiben — denn sie zu bstuchen und persönlich zu ihr zu sprechen, das wagte er nicht — Briefe, in denen er darauf hinwies, daß er sich jetzt nur aus zarter Rücksichtnahme auf ihren Gram von ihr fern- hieite — daß er einige Tage auf hoher See kreuzen, dann aber nach feiner Rückkehr sie unverzüglich aufsuchen werde. Wieder ergriff er sein Fernrohr und richtete es auf den zum Schloß hinaufführenden Weg, in eifersüchtiger Angst, daß er seinen Nebenbuhler erblicken werde, als er plötzlich eine Gestalt wahrnahm — eine große, kräftige Männergestalt — eben im Begriff, das äußere Tor zu passieren. Glyddyr geriet sofort in fieberhafte Erregung. Ein Fremder — der Kleidung nach ein Herr der besseren Stände — und den er nicht kannte, ging ins Schloß? Was konnte das zu bedeuten haben? Während dieses Tages ging er kaum von dem kleinen Kajütenfenster fort, sondern hielt fein Fernrohr nach wie vor auf das Schloß Herrn wieder. Derselbe trat aus der Glastür des Ar- gerichtet. Am Nachmittage sah er dann den großen beitszimmers, ging eine Zeitlang, die Hände auf den Rücken gelegt, auf der Terraffe auf und ab, trat dann in eine gegen den Wind geschützte Mauerecke, gleich darauf erhob sich eine feine, bläuliche Rauätzrwlke, und faffungs- Io§ starrte Glyddyr hinüber, während der Herr wieder auf der Terraffe hin und her ging. Zehn Minuten später sah Glyddyr Kvei Gestalten in Schwarz kommen, an der Brüstung der Terrasse ftill- stehen und auf das Meer Hinausblicken. Durch sein vorzügliches Fernglas konnte er Klar« und Mary deutlich unterscheiden, und fah dann, wie sie langsam dem großen Herrn entgegenkamen, wohl eine Stunde lang in eifrigem Gespräch mit ihm auf der Terraffe auf und ab gingen und mit ihm zusammen in das Haus zurückkehrten. „Also ein Gast, scheint noch jung zu sein, steht offenbar auf vertrautem Fuße mit beiden. Keine von ihnen hat einen Bruder. Ein Vetter ist freilich vorhanden — der ist aber, wie ich hörte, bei der Botschaft in Berlin und wird jetzt kaum Urlaub haben. Wer kann es also fei»?" Voll Erbitterung nagte Glyddyr an seinem Schnurrbart, denn hier drohte eine neue Verwicklung. Während er also vergeblich darauf gewartet hatte, ob ihm etwa durch einen Besuch Werners im Schlosse Gefahr drohen würde, war schon ein Fremder eingedrungen und hatte ruhig Besitz ergriffen. „Und ich bin in meiner jämmerlichen Feigheit ruhig auf dem Schiff sitzen geblieben und wagte es nicht, meine Werbung fortzusetzen." «Herr Glyddyr an Bord?" Glyddyr hatte kein Ruderplätschern gchört, ebensowenig wie das leise Schrammen eines Bootes in der Dacht, aber als er jetzt diese Stimme vernahm, fuhr er in heftigem Zorn auf und knirschte ingrimmig mit den Zähnen. „Schon gut, ich werde herunterkommen." Gleich darauf fah er sich Gellow gegenüber, der ihn mit seinem unangenehmsten. Grinsen wie einen alten Freund begrüßte. „Nun, wie geht's, mein Lieber, haben Sie gar kein Verlangen, mir die Hand zu drücken? — Wenn Sie keine Lust haben, können Sie es auch laffen. Mir Ms gleich. Das letzte Mal trennten wir uns kurz, und ich wB nicht leugnen, daß ich schlimme Absichten hotte, sehr schlimme Absichten. Ihr hattet mich sozusagen mit Fußtritten traktiert und ich wollte mir so was nicht gefallen laffen. Ich wollte die Schlinge zuzichen und der Sache ein Ende machen, aber dann sagte ich mir doch — nein, wir sind bis dahin immer gute Freunde gewesen, und ich will ihn lieber doch nicht ruinieren." „Weshalb sind Sie gekommen?" fragte Glyddyr kurz. ' „Na, hören Sie mal, sprechen Sie doch nicht in fol- hem Tone zu einem Manne, der Ihnen blos zu helfen wünscht. Nh kam hierher, um Sie wiederzusehen, natürlich." „Um mir Ge8> abzupreffe», mich um Einlösung Ihrer vernichten Wechsel zu quälen." t Nr. 110. Jahrgang 1928. eure selbst diese Worte ausgesprochen habe. Es folgte ein Kreuzverhör des Kommissars Bauer durch sämtliche Rechts- anwälte Rechtsanwalt Klein fragte u. a. Bauer, ob er Rick- lin und Rosse als Separatisten ansehe. Das würde, da Rick- lin und Rosse zu Abgeordneten gewählt seien, somit bedeuten, daß die Mehrheit des elsässischen Volkes separatistisch gesinnt sei. Rechtsanwalt Klein wies weiter darauf hin, daß alem Anschein nach die Telephonverbindungen der Verteidiger überwacht würden. Die Verhandlungen wurden schließlich auf Donnerstag vertagt. Glückwunsch an Dr. Stresemann. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Ministerpräsident Braun an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann das folgende Glückwunschtelegramm gerichtet: Sur Vollendung des 50. Lebensjahres übermittle ich Ihnen, zugleich im Namen des preußischen Stnatsmtnistcriams herzlichste Glückwünsche. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch viele Jahre in bester Gesundheit auf Ihrem verantwortungsvollen Posten zum Wohlc unseres Vaterlandes zu wirken und insbesondere Ihre, auf die Berständigung der Völker gerichtete Friedenspolitik zu vollem Erfolg zu führen. Ausländsanleihen deutscher Städte Berlin, 10. Mai. Amtlich wird mitgeteilt: Die Beratungsstelle für Auslanöskreöite befürwortete in ihrer gestrigen Sitzung den Antrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, im Laufe der Zeit eine Sammelanleihe deutscher Städte in Höhe von ungefähr WA Millionen Dollar an den Auslandsmarkt zu bringen. Die Beratungsstelle wird dafür Sorge tragen, daß alle die Städte, die im Nahmen der Anleihe der Girozentrale zu berücksichtigen sind, anteilmäßig nach Maß, bei der von der Beratungsstelle befürworteten Beträge an dem Erlös der Anleihe teilnehmen. Ferner befürwortete die Beratungsstelle die alsbaldige Ausgabe von Anleihen der Städte Berlin und Frankfurt am Main. Die Feststellung der endgültig den Städten im Rahmen der Anleihe der Girozentrale zufallenöen Beträge und die endgültige Feststellung der auf Berlin und Frankfurt a. Main entfallenden Beträge ist noch Vorbehalten. Für den Herbst ist die Ausgabe eines zweiten Teils der Anleihe des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und die Ausgabe einiger weniger Einzelanleihen großer deutscher Städte vorgesehen. Ein kommunistischer Schristletter wegen Beleidigung der Therese Aeumann verurteilt Weimar, 10. Mai. Vorgestern hatte sich vor dem Schöffengericht in Erfurt der Redakteur des kommunistischen Blattes „Rotes Echo", Otto Thomas, wegen Beschimpfung der katholischen Kirche zu verantworten. Thomas hatte unter der Ueberschrift „Der Bolksbetrug von Konnersreuth" in seiner Zeitung eine Artikelreihe gebracht, die Therese Neumann und darüber hinaus der katholischen Kirche Lug, Betrug, Geschäftsmacherei und Terror gegen Andersdenkende vorwarf. Rach eingehender Zeugenvernehmung, in deren Verlauf auch der Freiburger Arzt Dr. Aigner, der Therese Neumann 14 Tage lang beobachtet hatte und daraufhin jeden Betrug für ausgeschlossen hält, vernommen wurde, beantragte der Staatsanwalt drei Monate Gefängnis. Der Verteidiger setzte sich für Freispruch ein mit der Begründung, daß ein ^ Mensch mit anderer Geisteseinstellung gegenüber der Kulturwelt die Pflicht habe, seine Meinung zu äußern. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 800 Mark Geldstrafe an Stelle einer A« tägigen Gefängnisstrafe, da der Angeklagte mit vollem Bewußtsein gehandelt habe. Serficherungspsiichtige und versicherungsfreie Beschäftigung Nach den neuesten Bestimmungen des Gesetzes zur Aen- derung der Reichsversichernugsordnung, des Angestelltenversicherungsgesetzes und des Reichsknappschaftsgesetzes vom 29. März 1928 ist von den biherigen Bestimmungen über den Nebertritt aus versicherungspflichtiger in versicheruugsfreie Beschäftigung und umgekehrt im allgemeinen nur die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Nachzahlung von Versicherungsbeiträgen bestehen geblieben, wenn Personen, die versicherungsfrei sind, aus der versicherungsfreien Beschäftigung ausscheiden, ohne daß Ruhegeld oder Hinterbliebenenrente oder eine gleichwertige Leistung aufgrund des Beschäfti- gungsverhültntffes gewährt wird. Es sind dann für die Zeit, während der diese sonst versicherungspslichtig gewesen wären, für jede Woche bis zum Schluffe des Jahres 1923 Beiträge in der Lohnklaffe ll, für die spätere Zeit solche in der dem jeweiligen Lohne entsprechenden Lohnklaffe zu entrichten. Durch die Aenderung des Gesetzes sind namentlich die Vorschriften in Wegfall gekommen, wonach Personen, die bisher versicherungspflichtig waren und in ein versicheruugs- freies Beschaftigungsverhältnis getreten sind, oder deren Hinterbliebene beim Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen 80 v. H. der seit dem 1. Januar 1924 entrichteten Versicherungsbeiträge zurückerhielten, und dafür jeden sonstigen Anspruch gegen den Bersicherungsträgcr verloren, sowie die Vorschrift, daß eine freiwillige Fortsetzung der Versicherung durch diese Personen nur möglich war, wenn sie auf obigen Ersatzanspruch binnen 2 Monaten nach dem Eintritt in das versicherungssreie Verhältnis gegenüber schriftlich verpflichteten. Für all diese Personen gelten mit Wirkung vom 1 . April 1928 ab wieder die allgemeinen Vorschriften über die freiwillige Fortsetzung der Invalidenversicherung, d. h. sie müssen zur Erhaltung ihrer Anwartschaft auf die Leistungen aus der Invalidenversicherung während 2 Jahren nach dem auf der letzten Quittungskarte verzeichneten Ausstellungstag mindestens 20 Marken in der dem jeweiligen Einkommen entsprechenden Lohnklasse entrichten. Wird kein Einkommen oder nur ein solches in Höhe der Lvhuklaffe I bezogen, so hat die freiwillige Beitragsleistung mindestens in der Lohnklaffe II zu erfolgen. Um den zahlreichen Personen, die infolge der nicht rechtzeitigen Abgabe der in dem bisherigen 8 1242c vorgeschriebenen Erklärung von der freiwilligen Fortsetzung der Versicherung ausgeschloffen waren, die Aufnahme dieser wieder zu ermöglichen, sieht Artikel 4 des neuen Gesetzes vor, daß diese früher Versicherten bis zum 31. Dezember 1929 freiwillige Beiträge auch für mehr als ein Jahr zurück entrichten können, sofern sie nach den allgemeine» Vorschriften über die Entrichtung freiw. Beiträge hierzu berechtigt sind. Auch dürfen freiw. Beiträge, die vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes entrichtet worden sind, nicht deshalb beanstandet werben, weil die ehemals vorgeschriebene Berzichtserklärung nicht oder nicht rechtzeitig abgegeben worden ist. Es ist somit in allen Fällen, in denen die in Frage stehenden Personen die Beitragsletstung in der zuständigen Lohnklaffe und in dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestumfang fortgesetzt haben, die Anwartschaft erhalten und ist ketzie weitere Nachentrichtung erforderlich. Der Landbote ♦ Sinsheirner Zeitung. _ Aus Nah und Sern. * Sinsheim, 10. Mai. (Flcckoiehzuchtschau.) Auf der Stadt- wiefe fand gestern eine staatliche und genossenschaftliche Flcck- viehzuchtschau statt, die sehr stark befahren war. Das aufgeführte Material war durchweg von guter Qualität. Verbunden mit der Schau war eine Prämiierung. Die von den Prämiierungskom- mifsionen zuerkannten Preise werden noch veröffentlicht. * Sinsheim, 10. Mai. (Das Verpflegungsdorf beim 14. Deutschen Turnfest.) Neben der Aufgabe, die großen turnerischen Wettkämpfe, an denen sich insgesamt nahezu 100 000 Turner und Turnerinnen beteiligen werden, durchzuführen, ist eine ebenso wichtige Frage: Wie werden alle die Tausende in Köln verpflegt? Daß auch hier das 14. Deutsche Turnfest alle bisherigen Veranstaltungen, bei denen wohl auf einige Stunden mehrere Zchntausende zusammengekommen sind, weit in den Schatten stellt, geht schon daraus hervor, daß die Vorbereitung in Köln bereits soweit getroffen sind, daß im Kölner Sportpark ein Berpflegungsdorf mit insgesamt 30 000 Sitzplätzen geschaffen wird, damit alle Turnfestteilnehmer in ordentlicher Weise ihre Mahlzeiten einnehmen können. Mit den Kölner Gastwirte-Ber- bänden und den übrigen städtischen Stellen sind Verhandlungen gepflogen wegen einer einheitlichen Preisgestaltung für die Mahlzeiten und Getränke. In sieben Zelten, die etwa eine Fläche von 40 000 Quadratmeter bedecken und die durchschnittlich 4000 Personen fassen, werden Mahlzeiten und Getränke in der Form abgegeben, daß Bier, Wein, Mineralwasser zu normalen Preisen ausgegeben wird, ebenso gibt es in einem Kaffeezelt Kaffee und alkoholfreie Getränke zu den ortsüblichen Preisen. Für die Mahlzeiten find sestgelegt: ein Eintopfgericht zu 80 Pfg., ein gutes Mittagessen mit 200 Gramm Fleisch, Gemüse und Kartoffeln wird zum Preise von 1 Mk. verabreicht. Damit die Verpflegung der Tausende sich reibungslos abwickcln kann, werden schon rechtzeitig vor dem .Feste Eßkarten ausgegeben. In der Stadt sind die Getränke ebenfalls zu den üblichen Preisen zu haben, ein ordentliches Mittagessen wird schon zum Preise von 1.25 Mk. zu haben sein, es ist außerdem auf dem Festplatz wie in der Stadt Vorsorge getroffen, daß keine Preissteigerung Vorkommen wird. cp Sinsheim, 10. Mai. (Zum Hebeltag.) An allen Hebelorten werden Gedenkfeiern gehalten werden, so das „Hebel- mähli" zu Hausen, so die tzebelfeier im Schloßgarten zu Karlsruhe, die schon 60 Jahre lang alljährlich unter großer Teilnahme stattfindet. Zum diesjährigen Hebeltag ist ein Buch erschienen, das Erinnerungen an Hebel enthält. Die Straßburger Hebelfreundin Frau Sofie Haufe hat einstens hochbetagt ihre Lebenserinnerungen niedergeschrieben. In allen Hebelbiographien werden die vergilbten Blätter erwähnt und sehr gewürdigt. Vergebens warteten sie aus einen Herausgeber. Nun hat der bekannte Hcbelforschcr Direktor Dr. Sütterlin in Heidelberg diese Erinnerungen mit philologischer Schärfe und Genauigkeit bis ins Kleinste bearbeitet. Der Evang. Preßverband für Baden gab das Buch, mit zwei Bildern geschmückt, heraus. Gerne werden alle Hebelfreunde von heute nach dem schönen und inhaltsreichen Buche greifen. % Neckarbischofshelm, 9. März. (109 er Bezirksversammlung) Am Sonntag, den 13. Mai ds. Is. nachmittags 2f/» Uhr, findet bei Kamerad Müller „zum Hirschen" in Neckarbischofsheim eine Bezirksversammlung aller ehemaligen 109 er und den über den Krieg nahestehendcn Formationen statt. Zweck der Versammlung: „Gründung einer Bezirksgruppe mit dem Sitz Neckarbischofsheim" (umfassend alle Orte zu dem Amtsgerichtsbezirk Neckarbischofsheim gehörend), sowie Besprechung zum Besuch des 109 er Tages in Karlsruhe. Ein Vertreter vom Hauptausschuß in Karlsruhe wird zu der Bersammlunjg erscheinen. % Eppingea, 9. Mai. (Verschiedenes.) Der Männergesangverein Eintracht brachte gestern abend seinem Langesbruder Friedrich Preusch aus Anlaß seiner Vermählung ein wohlgelungenes Ständchen. — Die 109 er der Umgebung treffen sich am kommenden Sonntag nachmittag halb 3 Uhr, hier im „grünen Hof" zu einer Bezirksversammlung zwecks Besprechung der Teilnahme an der diesjährigen Regiments-Wiedersehensfeier in den Tagen vom 1. bis 4. Juni. £ Eppingm, 9. Mai. (Verschiedenes.) Die Freiwillige Feuerwehr rückte am Sonntag zu ihrer ersten Uebung aus, die einen programmäßigen Verlauf nahm und dargetan hat, daß die Wehr jederzeit auf ihrem Posten steht. Bei der anschließenden Wahl des Ersatzmannes der zweiten Spritze wurde 'Philipp Lang jun. gewählt, da der seitherige Inhaber dieser Stelle, Philipp Staub zum Requisitenvcrwalter ernannt worden war. — Unter der Leitung des ersten Vorsitzenden Tierarzt Dr. Hecker fand am Sonntag die Generalversammlung des Rcitervereins statt. Sämtliche Vorstands- und Ausschußmitglieder wurden wieder gewählt: auch die übrigen Bereinsberichte lauten günstig. Das Schulreiten wird erst Samstag in acht Tagen auf dem eigenen Reitplatz wieder ausgenommen, da durch den landwirtschaftlichen Betrieb das Pferdematerial se>hr in Anspruch genommen ist. Die Haftpflichtversicherung für dreißig Mann und Pferde wurde der großen Kosten wegen aufgegeben. — Das Arbeitsamt Heidelberg hat im hiesigen Rathaus eine Nebenstelle für die Stadtgemeinde Epptngen und die Gemeinden Adelsheim, Gemmingen, Richen, Rohrbach und Stebbach errichtet. Sämtliche Gesuche auf Arbeit und Anträge auf Arbeitslosen- und Krisenunterstützung sino bei dieser Nebenstelle einzureichen. * Eichelberg, 9. Mai. (Kriegeroerein.) Auch in unserer Gemeinde findet in diesem Jahre wieder eine größere Festlichkeit statt. Der Kriegeroerein feiert sein 50 jähriges Bestehen. Der Tag der Abhaltung ist noch nicht festgelegt, voraussichtlich wird der 1. oder 8. Juli als Festtag gewählt. Der Verein und die Einwohnerschaft werden sich alle Mühe machen, um den Festteilnehmern gemütliche Stunden in unserem Weinorte zu bereiten. % Mühlhausen, 9. Mai. (Abschluß der Religiösen Woche.) Am Sonntag nahm die Religiöse Woche ihren Abschluß. Es war wirklich recht erfreuend, zu sehen, wie die Iungmännerschar während des Amtes gemeinsam die hl. Kommunion empfing. Etwa 70—80 Kommunionen wurden aus der Hand des Hochw. Herrn Paters ausgeteilt. Nach der Predigt richtete der H. H. Pater nochmals die herzlichsten Abschiedsworte an die Iungmänner und gab dem Wunsche Ausdruck, daß seine Worte hoffentlich auch auf guten Boden gefallen und für das spätere Leben auch fruchtbringend seien. x Neckargerach, 9. Mai. (Brand.) Auf bisher unaufgeklärte Weise brach in der Nacht von Sonntag auf Montag in den Anwesen des Gastwirts Haas und Landwirt R. Beith hier Feuer aus, welchem die Oekonomiegebäude beider Eigentümer zum Opfer fielen. Durch das tatkräftige Eingreifen der hiesigen freiw. Feuerwehr mit ihrer Kleinmotorspritze war es gelungen, die anstehenden beiden Wohnhäuser vor dem Brand zu schützen. Der schaden dürfte auf 5—6000 Mark zu bemessen sein. r Neckarsulm, 9. Mai. (Steine gegen den Zug geworfen) haben am Sonntag Kinder von hier und zwar gegen den beschleunigten Personenzug nach Ludwigshafen, der Neckarsulm gegen halb 7 Uhr abends passiert, nicht, wie es erst hieß, gegen den Berliner D-3ug. Ein Reisender wurde verletzt. Me Polizei hat sofort die Untersuchung des Falles eingeleitet. Auf alle Fälle gehört allen denen, die derartigen gefährlichen Unfug .treiben, eine ordentliche Portion Prügel! Donnerstag, den 10. Mai 1928. * Seckenheim, 9. Mai. (Die elektrische Schnellbahn.) Die Vorarbeiten für die Elektrifizierung der O. E. G.-Bahn zwischen Mannheim und Seckenheim sind nunmehr soweit vorgeschritten, daß mit der Aufnahme des Schnellbahnbetriebes binnen einer Woche zu rechnen ist. Es wurden bereits Bügelfahrten zur Prüfung der Bahnanlage unternommen. Die Inbetriebnahme des Umformerwerks Ladenburg, von dem aus die Speisung des neuen Netzes erfolgt, hängt noch von der Anlieferung einiger Teile der Inneneinrichtung ab, die in den nächsten Tagen von Siemes- Schuckert erwartet werden. t Mannheim, 9. Mai. (Mar und Moritz in Mannheim.) An einem Brunnen, ausgerechnet gegenüber der Polizeiwache an der Iungbuschbrücke hatten sich zwei kleine, aber ziemlich Pfiffige Bürschchen, auf die Lauer gelegt. Der eine hatte eine mit Wasser gefüllte Büchse. Da kam ein Auto. „Jetzt kommt ein Auto!", und schon — schwupp — hatte der Chauffeur im Vorbeifahren die Büchse Wasser ins Gesicht bekommen. Die Bürschchen kniffen aus. Der Chauffeur, der mit seinem Auto, da er plötzlich Wasser ins Gesicht bekam, leicht hätte verunglücken können, setzte dem größeren der beiden nach, erwischte ihn und brachte ihn auf seinen Schultern zur Polizeiwache. Dort wurde das Bürschchen weiter behandelt. Der kleine aber stand bleich wie Käse, machte eine saure Miene und sprach nur immer vor sich hin: „Ich habe nichts gemacht, ich habe doch nur gesagt, jetzt kommt ein Auto." Damit wollte er sich, wahrscheinlich vor sich selbst rechtfertigen und die moralische Verantwortung an der Handlungsweise des größeren von sich schütteln. x Nendemm, 9. Mai. (Vom Zug getötet.) Als der Wagncr- meister Johann Schwarz unterhalb des Bahnhofs den Bahnkörper überquerte, bemerkte er. da er schwerhörig ist. nichr das Herannahen des Schnellzuges Berlin—Stuttgart und wurde vom Zug getötet. ** Triberg, 10. Mai. (Badischer Mtetertag.) Ter Landesverband Badischer Mietervereine wird seine» Verbandstag in Triberg abhalten und zwar am 23. und 24. Juni. Es wird etwa mit der Teilnahme von gegen 200 Personen zn rechnen sein. ** Freibnrg, 10. Mai. (Schädlingsbekämpfung.) Das Badische Weinbauinstitut in Freiburg gibt folgendes bekannt: Der reiche Regenfall in Oberbaden am 4. und 5. Mai wird, zu den ersten Peronosporainfektionen geführt haben. Ta von Ende April ab auch die Motten der Traubenwickler flogen, muß in Oberbaden bis zum 20. Mai die erste Bespritzung mit einprozentiger Kupferkalk- oder Nosperalkalkbrühe und Zusatz von 150 Gramm eines arsenhaltigen GrünpräparateS oder mit 1,5prozentiger Nosprasenkalkbrühe durchgeführt sein. In Mittelbaöen kann noch einige Tage zugewartet werden. Wo die Heuwurmmotten stark fliegen, wird man zweckmäßig schon Mitte Mai mit einem arsenhaltigen Stäubemittel die Gescheine leicht bestäuben. In Rotbrennerlagen muß die erste Bespritzung mit einer kupferhaltigen Brühe schon Mitte Mai erfolgen. Grotzfener in Grabe«. Drei Scheunen eingeäscherr. Graben (bei Karlsruhe), 10. Mai. In den Scheunen der Landwirte Philipp Metzger und Karl Flohr brach gestern früh nach 4 Uhr ein Vraüd aus, der mit großer Schnelligkeit auf die große Scheuer des Landwirts Fritz Blau übersprang und auf das Nachbaranwesen überzngreifen drohte. Dank dem tatkräftigen Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr konnte das Feuer eingedämmt und die bedrohten * Wohnhäuser vor der Einäscherung bewahrt werden. Bei dem Eintreffen der Feuerwehr standen die drei Scheunen, darunter befindet sich die grüßte ihrer Art in Graben, in Hellen Flammen. Sie sind bis auf die Grundmauern abgebrannt. Ein Glück, daß der Brand nach hinten trieb und die Scheunen leer standen, wodurch das Feuer keine weitere Nahrung erhielt. Tie Entstehungsursache ist noch nicht festgestellt, doch wird Brandstiftung vermutet. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 20 000 Mark. Außer einem Stück Großvieh verbrannte noch ein Schwein sowie Geflügel. Gegen 6.30 Uhr war die Gefahr soweit beseitigt, daß Kein weiteres Umsichgreifen mehr zu befürchten mar. Ein Kriminalbeamter erschaffen Essen, 10. Mai. Gestern vormittag ist der 48 Jahre alte Kriminalsekretär Oßhopp vom Raubkommiffariat in der hiesigen Wohnung des unter dem dringenden Verdacht an dem Gladbecker Äankraub beteiligt gewesen zu sein, verhafteten August Hübsche, erschossen worden. Ter Beamte hatte sich früh mit anderen Gladbecker Beamten in Alten- Effen getroffen, um die Gebrüder Jakob und Anton Hübsche wegen dringenden Verdachts des Raubes festzunehmen. Nach- ' 5ent dies geschehen, begab sich Oßkvpp nach der hiesigen Wohnung des Hübsche. Hier stieß er im Schlafzimmer auf die Gebrüder Johann und Heinrich Heidjer, beide in Alten-Essen wohnhaft. Einer der Brüder streckte den Kriminalsekretär sofort beim Betreten des Zimmers durch einen Brustschuß nieder. Beide ergriffen dann die Flucht. Die Mordkommission war bald zur Stelle. Auf die Ergreifung der Täter hat der Regierungspräsident eine Belohnung in Höhe von 1000 M. ausgesetzt. In der Wohnung des Hübsche wurde auch der graue Sack vorgefunden, in dem die Bankräuber am Samstag ihren Raub verpackt hatten. Außer den Gebrüdern Hübsche ist auch der Vater verhaftet worden. Zur Ergreifung der flüchtigen Gebrüder Heidjer sind alle Maßnahmen getroffen worden. Die Asien-Expedition des deutschen und österreichischen Alpenverekns. München, 10. Mai. Am Dienstag abend verließen die Münchener und süddeutschen Teilnehmer der Asienexpedttion des deutschen und österreichischen Alpenvereins München. Die Expedition begibt sich über Leningrad und Moskau nach Taschkent, von wo aus sie die Reise in das asiatische Forschungsgebiet antreten wird. Der Landstreckenflng der Brüder Arrachart abgebrochen. Paris» 10. Mai. Die Brüder Arrachart haben ihren Versuch, den Weltrekord im Landstreckenflng zu schlagen, nach 11Ä stünöiger Flugzeit aufgegeben. Sie haben insgesamt 1900 Kilometer zurückgelegt. Tschangtsolin fordert Einstellung des Bürgerkrieges. Paris. 10. Mai. Tschangtsolin hat nach einem am Quai d'Orsay eingetroffenen Telegramm sämtliche Führer der chinesischen Streitkräfte anfgefordert, den Bürgerkrieg einzustellen. Die Leiche des Schanghaier amerikanischen Bize- konsnls gefunden. London, 10. Mai. Die Leiche des vor einer Woche verschwundenen amerikanischen Bizekonsuls in Schanghai, Wilson, ist gestern im Wangpufluß, acht Meilen unterhalb von Schanghai, gefunden worden. Man glaubt, daß Wilson Selbstmord begangen hat. Den Lehrer erstochen. Kopenhagen, 10. Mai. In Hjärring ist der Inhaber einer Erziehungsanstalt für geistig minderwertige Knaben, Win- ther, am Dtenstgg vormittag von einem neueintretenden 18 jährigen Zögling durch einen Stich mit einem Jagdmeffer getötet worden. Das Aeberfchwemmungsunglüü in Vorwegen Stockholm, 10 . Mat. Das Ueberschwemmungsunglück in Norwegen hat einen riesigen Umfang angenommen. Nr. 110. Jahrgang 1928. Der Laadbote * Sinsheimer Zeitung. Donnerstag, den 10. Mai 1928. -m SHerttötermmer einer hiesigen Zeitung meldet, daß die Wälder und Ländereien im Tale des Glomm auf Jahre hinaus vernichtet und aller Fruchtbarkeit beraubt feien. Die groben Bauernhöfe im großen Storelv-Tal sind dem Erdboden gleichgemacht und die ausgedehnten Uecker gleichen einer Eiswüne. Loweik das Auge reicht, ist das mit Baumstämmen und Geröll vermischte Treibeis, das die Wasser- maffcu mit sich führte, zu förmlichen Bergen ausgetiirmt. Die Zerstörungen sind so groß, daß zahlreiche Bauern ihre alte» Erbliöfe für immer verlassen wollen. An Getreideanbau tu in dieser Gegend vorläufig nicht mehr zu denken. Am lluterlaus des Glomm sind auch die Heimstätten einer großen Anzahl Kleinbauern heimgesucht worden. Viele hundert Bauern sind ihres gesamten Besitztums beraubt. Der Landstrich gleich einer Polarlandschaft. Eisnot auf Grönland. Kopenhagen, 10. Mai. Wie die „Berlinske Tihende" aus Grönland meldet, hat das Land so sehr unter Eisnot zu leiden, wie es seit'1921 nicht mehr der Fall war. An der Küste erstreckt sich ein stellenweise 40-50 Seemeilen breiter Eis- gürtel. Alle Sunde und Fjorde sind gesperrt Die Orte Fre- dcriks Haab und Jvigtut sind vollständig vom Schiffsverkehr abgeschnitten. Radio-Programm für Freitag, den 11. Mai 1928. Berlin (483), Königswusterhausen (1230), 20.30 Uhr: Carl Haupt- mann. 21.00 Uhr: Schumann-Lieder. 21.30 Uhr: Cello-Konzert, Breslau (322), 20.45 Uhr: „Die armseligen Besenbinder". Altes Märchen v. C. Hauptmann. Frankfurt (428), 13.00 Uhr: Sck>a!lplattcnkonzert. 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Hausfrauennachmittag. 17.47 Uhr: Borträge. Ue. a. d. Opernhaus: 19.30 Uhr: „Othello", Oper von Berdi. Hamburg (394), 20.00 Uhr: Carl Hauptmann Abend (zum 70. Geburtstage des Dichters). Köln-Laagenberg (468), 20.15 Uhr: Leichte Musik. 21.45 Uhr: Der Dichter und der Krieg. Darauf Nachtmusik und Tanz. Königsberg (329), 20.00 Uhr: Symphoniekonzert Ludwig van Beethoven. 22.15 Uhr: In lauschiger Nacht — Nachtdonzert. Leipzig (365), 20.15 Uhr: Ue. a. d. Hotel Fiirstenhos in Eisenach: Anläßlich der Wartburg Diaicntag 1923. 21.15 Uhr: Dresden: Finnische Kammermusik. 22.45 Uhr: Unterhaltungs- konzert. München (535), Ue. a. d. Nationaltheater: 19.35 Uhr: „Tiefland", Oper v. E. D'Albcrt. Stuttgart (379), 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Dr. Karl Loewenberg: „Carl Hauptmann zum Gedächtnis" (geb. 11. Mai 1858). 18.45 Uhr: Borträge. 19.30 Uhr: Ue, v. Frankfurt. Anschl. Groteske Historien. Daventry-Experimental (491), 20.00 Uhr: Ost- und West: Musik der beiden Erdhälften. 21.30 Uhr: Bunte halbe Stunde und Tanzmusik. 22.15 Uhr: Tanzmusikübertragung. E. Schick, Radio-Vertrieb. «MSheiM «. E. Zubehör — Einzelteile — Reparaturen — Beratung — Ladestatiou Nadio-LUeratur, Programm-Zeltschrift n bei 3. Doll. Bnchhdlg.. Sinsheim. ^E«»>>WW>>W>W>»MWW>WWWW»WW>W>>W>W>>WWW^>>W Marktberichte. Schwetziugcr Spargelmarkt vom 8. Mai 1828. Ausgefahren waren 35 Zentner. Erste Sorte kostete 55 bis 75 Mark, zweite Sorte 35 bis 45 Mark und Suppenspargel 20 bis 25 Mark. Schweinrmarkt in Bruchsal vom 9. Mai 1928. Angefahren wurden: Milchschweine 147, Läufer 27. Verkauft wurden: Milchschweine 120, Läufer 20. Höchster Preis für Milchschweine Paar 40.—, für Läufer 50.— RM. Häufigster Niedrigster 36.-. 30.— 48.- 40.— Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank. r. ©. m. b. H. Sinsheim vom 10. Mai 1928. «»teitz«»: AblölnngSichuld mit AnslofrmgSschei» . ohne Anslosnngsschetn . «hmfcaktie öab. «Bartl .... Darnilliidter- und Nattooalbaol Deutsche Baul .... Deutsche BereinSbanl . Dresdner Baul .... «tncldeuttche «redttbanl > . Retchsüanl .... Rhein. Sredttbanl SSdo. Dis conto Qkf. . in 51,70 18,50 in io 158 173 164 iao 162,15 215 £28,75 128 13« Bern» erd» . flktki in 8/ 0 ßai'Bentc Bergbau , . — Saft Westeregeln . . . 213,tO ManneSmnnnröhreuwerle. . 153 ManSselder Bergb. ».Hütten« 120 Oberschl. Sisenb. Bedarf . . 111^0 Phönix Bergbau ».Hüttenbetrt-b » 1,75 Sarwerl Hetlbronn . . . »gj 50 verleinigte Königs- Laurahütte 84,»0 rllltie» indnftr. Nntrrnehm»»,,«. in 0/0 Sllg. Elellr. Stammaltten. . 168 Bad. ElevrtjUät Mannheim. — Bad. Maschinen Durlach . . 141 Semeutwerl Heidelberg . Daimler Motoren . Dtsch.»old- nn Stlberschetd«. Sleltr. Licht und Kraft . PmaM.nnd Stanzwerl Ullrich Farbentudustrte Britzner Maschinen Durlach Karlsruher Maschinen . Knorr Heilbronn Mainkraftwerle Höchst . , Neclarsnlmer Fahrzeugwerl« Schartert Sleltr. Nürnberg . Seiltndustrte Wolfs. Südd. Zucker Zellstoff Waldhof StamaUien • Aktien deutsche» Dr»»»»»rta«B«lten: tu l'S Hamburg. Amerit. Patetfahrt l«4 Heidelberg. Straßen-«. Bergbahn — Norddeutscher Lloyd . . >60 »eolsen: 152 111,50 18- 233 1b «2 137 113,56 78 205 75,5# 148 Veld Briet Rew-Horl l Dollar 4 17§Q 4,1840 London I Pfund 20.374 20,418 Holland iao Bulben Schwei» 100 Kranes 168.44 148.80 80.47 80,43 Wie» 100 Schilling 58.74 88 8« Paris 100 Franc 16.425 14.445 Italien 100 Lire 88 28.04 Wetterbericht. Karlsruhe, 9 Mar. Die von Norden eingebrochene Kältewelle hat uns jetzt erreicht. Die Temperaturen find allenthalben um 5—10 Grad seit gestern zurückgegangen. Im Gebirge ist ab 500 Meter- Frost eingetreten, so daß die Niederschläge bereits heute nacht in Schnee übergingen. Auch in der Ebene fielen heute morgen aus den Kaltluftschichten der Höhe einzelne Schneefälle. Der Kälterückfall bewirkt Druckanstieg über Mittel- und Westeuropa. Hierdurch bedingte Südostverlagerung des hohen Druckes über England und dem Nordmeer wird uns anhaltende Aufheiterung bringen. Bezirkspolizeiliche Vorschrift vom 8. Mürz 1910, abgeändert durch bezirkspolizeiliche Borschrifi vom 27. Mai 1924, 8. Oktober 1925 und 8. März 1928. Die Reinigung der Kamine «nb die Festsetzung der Kaminfegerlaxen betr. Nachstehend bringen wir die mit bezirkspolizeilicher Vorschrift vom 8. 3. 1928 abgeänderte und vom Herrn Landeskommissär in Mannheim unterm 30. März 1928 für vollziehbar erklärte bezirkspolizeiliche Vorschrift über „Die Reinigung der Kamine und die Festsetzung der Kaminfeger- taxcn" in ihrer neuen Fassung zur öffentlichen Kenntnis. Auf Grund der §§ 113, 134 P. Sir. G. B„ §§ 39, 77 der Gew. O. § 114 Ziff. 2 der Vollzugs-Verord. dazu und § 25 der Bad. Kaminfeger- Ord. vom 29. 11. 1921, i' d. F. v. 16. Aua. 1922 wird ijiii Zustimmung des Bezirksrats vom 8. März 1928 und mit Vollziehbarkeitserklärung des Herrn Landeskommissärs in Mannheim vom 30. März 1928 folgende Dezirkspoltzeiliche Borschrift erlassen: A. IrelnigungSzeiten: § 1. I. Die Reinigung der gewöhnlichen Hauslamine jeder Art (steig- barer ober ruffifcher) hot ftattzufinden: a) der Küchenkamine alle drei Monate, also viermal im Jahr, wenn sie aber den Rauch von mehr als zwei Feuerungen aufnehmen während der Ofenfeuerungszeit, d. i. in der Regel in den Monaten Oktober, November, Dezember. Januar, Feburar und März alle zwei Monate, also fünfmal im Jahr; b} der Kamine, welche ausschließlich zu Oefen und anderen nur im Winter gebrauchten Feuerungsanlagen gehören, während der Ofenfeuerungszeit alle zwei Monate, also in der Regel dreimal; c) der Kamine für Luft-, Dampf-, Warm- und Heißwasserheizungen während der Dcnutzungszeit alle Monate; ck) der Kamine, welche ausschließlich für Badezimmer, oder welche für Wasch- und Backöfen dienen, die nur zeitweise benutzt werden, jährlich zweimal. Bei solchen Kaminen, die nur als Rauchabzug für ausschließlich mit Anthracitkohlen geheizte Oefen dienen, sowie bei ausschließlich der Koks- feuerung dienenden Kaminen genügt zweimalig« Reinigung während der Dauer einer Heizperiode. II. 3n nachfolgenden Gewerbebetrieben find zu reinigen: a) monatlich die Kamine der Bäcker und Wurstler, die Küchenkamine bei Gastwirten und ähnlichen Gewerben, die Kamine der Bierbrauer während der Brauzeit, der Brennereien, Trocken- und Dörranstalten während der Gebrauchszeit, k) alle zwei Monate die Kamine der Echreinerwerkstätten; c) einmal jährlich die Kamine der Schlosser- und Schmiedwcrkstätten. sowie die Kamine s onstiger Feuerarbeiter, soweit die genannten Kamine nicht als Fabrikkaminc anzusehcn sind und sofern nicht wegen Unständig- keit und Unregelmäßigkeit des Betriebs durch das Bezirksamt eine anderweitige Regelung der Reinigungszeiten erfolgt ist. UI. Rauchkammern find zu reinigen: a) die gewerblichen, d. h. diejenigen der Metzger und Wurstler, und anderer Gewerbebetriebe, in denen ständig Fleischwaren geräuchert werden, monatlich bei der Kaminreinigung (Ila); b) die häulichen, d. h. die in Privathaushaltungen gebrauchten, wenn sie in der baulichen Erweiterung von Küchenkaminen ohne Abschluß nach Diesen bestehen, viermal im Jahr bei der Reinigung des Kamins (l a), sonst einmal jährlich vor Beginn der Räucherperiode (Herbst), soweit nicht in einzelnen Fällen durch Bezirksamtliche Entschließung eine andere Zahl von Reinigungen festgesetzt wird. IV. Fabrikkamine. welch« umbaut sind oder in der Nähe von Gebäuden stehen, sind zweimal, freistehende Fabrikkamine jährlich einmal zu reinigen, soweit nicht im Einzelfalle vom Bezirksamt andere Anordnung getroffen ist. V. Kamine, welche nicht benutzt werden, sind, solange diese der Fall ist, einer regelmäßigen Reinigung nicht unterworfen; sie sind jedoch, falls sie nicht ganz unbrauchbar gemacht, oder falls die betreffenden Gebäude nicht ganz außer Gebrauch gesetzt sind, jedenfalls einmal des Jahres durch den Kaminfeger genau zu untersuchen. 8 2 . Der Kaminfeger ist verpflichtet, auf ausdrückliches Verlangen des Ge- däudebefitzers oder dessen Stellvertreters die Kamine auch öfters als in § l vorgeschrieben, zu reinigen. 8 3 . Die Reinigung ist in der Zeit vom 1. Oktober bis 1. April von morgens 7 Uhr dis abends 5 Uhr, in der Zeit vom 1. April bis 1. Oktober von morgens 6 Uhr bis abends 7 Uhr vorzunehmen. In den Monaten Juni, Juli und August kann die Reinigung mit Zustimmung der Wohnungsm- haber bezw. Gedäudebefitzer schon um 5 Uhr morgens begonnen werden. B. Taxen. 8 4. Die Taxen für die Verrichtungen der xaminfeger des Kaminfegerbe- ,i,d- wi< *, «am,»., (gleichviel ob russisch oder fteigbar). für jedes weitere Stockwerk mehr 10 Pfg. für ein einstöckiges Kamin 25 Pfg. Bei Berechnung der Taxen sind alle Stockwerke zu berücksichtigen, welche das Kamin durchzieht oder überragt. Als Stockwerke gelten hiernach auch Keller, oouterains. Dachraume, bis zum Kehlgebälk oder die Höhe des Kehlgebälks, Dacheinbauten (Man- sarden, Gauben usw.). Knie- und Halbstöcke. Bei Kaminen, die in der Decke eines Stockwerks beginnen, wird die von unten einmündende Feuerung 1 Stockwerk gezählt. Ueberragt ein Kamin das Kehlgebälk um 3 Mir. so werden je 3 Mir. weitere Erhöhung als Stockwerk berechnet. Bei freistehenden Kaminen oder Kaminteilen, oder in sonstigen Fällen. in denen die Möglichkeit einer Berechnung nach Stockwerken durch die Anlage selbst nicht gegeben ist, gelten je 3 Mir. als Stockwerk. II. Weitere Gebührensätze: 12 P g- Rauchsang größere Rauchfänge Kominabschlußklappe Abdecken der Kamine 10 P g. Kaminaufsätze jeder Art (Berlängerungsrohre werden als 15 Pfg. 10 Pfg. 10 Pfg. 12 Pfg. 10 Pfg. 30 Pfg. 20 Pfg. 8 Ptz. 12 P 16 Pß. 30 Pfg. 25 Pfg. 30 Pfg. 50 Pfg. 9. 1.20 Rm. 30 Pfg. 40 Pfg. 80 Pfg. 1.40 Rm. Kamine berechnet) Kaminerweiterungen Wandzüge Bodenzüge dis 2 Mtr. weiter je 1 Meter Herausnehmen und Wiedereinsetzen der der Reinigung unter, liegenden Zuleitungsrohre bis 1 Meter bis 2 Meter bis 3 Meter Füchse für größere Feuerungsanlagen pro Meter Eine einfache bürgerliche Rauchkammer Eine einfache gewerbliche Rauchkammer Eine doppelte gewerbliche Rauchkammer Für abgelegene, d. h. mehr als 1 Kilometer von der gefcklos- fenen Ortslage entfernten Gebäude und Höfe für jedes Kamin mehr (Ganggebühr) 15 Pfg. III. Für da« Reinigen der großen Betriebskamine: der Bäcker und in Gebäude eingebaute Kamine größerer Feuerungsanlagen, sowie russische Kamine von außergewöhnlicher Lichtweite über 26 cm 1.— Rm. Für Zentralheizungskamine bis zu 10 qm Heizfläche I.— Rm. Für Zentralheizungskamine von 10 bis 29 qm Heizfläche 2.— Rm. IV. Für Ausbrennen: Für «in einstöckiges Kamin für jedes weitere Stockwerk mehr Eine bürgerliche Rauchkammer Eine gewerbliche Rauchkammer Eine 2 stückige Rauchkammer Das zum Ausbrennen nötige Brennmaterial hat der Hauseigentümer zu stelley oder zu vergüten. V. Untersuchung der Kamine und Rauchkammern: Die Taxen für das Untersuchen von neu ausgeführten, ausgebesserten oder teilweise erneuerten Kamine (§ 18 der Kaminfegerordnung) betragen: Für ein einstöckiges Kamin ' 50 Pfg. Für jedes weitere Stockwerk mehr 30 Pfg. Für die Untersuchung unbenutzter Kamine sind die gleichen Gebühren wie für die Reinigung zu bezahlen. Für die Besichtigung einer neuerstellien Rauchkammer (§ 171 der Landesbauordnung) 50 Pfg. Erfolgt die Prüfung neuerstellter Kamine und Rauchkammern außerhalb des Wohnorts des Kaminfegers, so hat er, wenn sie nicht gelegentlich der Kaminreinigung vorgcnommcn wird, eine Gebühr von 10 Pfg., für den zurückgelegten Kilometer anzusprechen. 8 5. Die Forderung für die geleistete Arbeit hat der Kaminfeger stets an den Hausbesitzer oder dessen Stellvertreter zu richten. Für weitere als die im § 4 aufgrführten Perrichtungen hat der Kaminfeger eine besondere Vergütung nicht anzusprechen. Das Anfordern von Trinkgeldern ist unbedingt untersagt. 8 6 . Die Gebäudebesitzer haben dafür zu sorgen, daß die Schornsteine in ihren Gebäuden rechtzeitig gereinigt werden. An dem Vollzug des Reinigungsgeschäftes darf der Kaminfeger ohne ganz dringende Gründe von den Hausbewohnern nicht gehindert werden. 8 7- Die Kaminfeger und ihre Gehilfen haben die Bessimmung der Kaminfegerordnung, insbesondere der §§ 7 bis 21 und dieser Vorschrift genau einzuhalten. Das Begehen des Daches durch den Kaminfeger von einem Kamin zum andern ist untersagt. 8 8 . Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift werden, sofern nicht nach anderen Gesetzen und Verordnungen höhere Strafen angedroht sind gemäß 113, 116, 134 Pol. St.G.B., § 368 Ziff. 4 R. St.G.B, §§77, 148 Ziff. 8 Reichsgewerbeordnung. § 26 Kaminfegerordnung mit Geldstrafe oder mit Hast bestraft. Einsherm, den 8. März 1928. Bad. Bezirksamt. Eine gute Drucksache ist die beste Leschättsrekiame Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Christine Hassel geb. Schreck sagen wir unseren herzlichsten Dank. Ganz besonders danken wir Herrn Dekan Eisen für die die trostreichen Worte am Grabe, für die vielen Kranzspenden und die zahlreiche Begleitung zur letzten Ruhestätte. Die trauernden Hinterbliebenen. Sinsheim, den 9. Mai 1928. Brav« Junge mit guten Schulzeugnissen, der Lust Hat das Bäckei- Handwerk zu erlernen, kann sofort in die Lehre treten. Emil Kolmer Bäckermeister, Eschelbach. Ehrliches, braves Mädchen mit guter Schulbildung, kann sofort in die Lehre treten bei Luise Stempel Putzmachermeisterin Sinsheim. Beschlsgnahmfteik Wohn»»; 3 oder 4 Zimmer und Küche in Helmstadt zu v « r- mieten. Angebote an Frau Laute in Leime« b. H. W i r s u ch e n » tüchtige» jungen Mm j mit Realschulbildung, der Lust hat Kaufmann ? zu werden. Es ist ihm Gelegenheit geboten. , sich in allen kaufmännischen Arbeiten gründ- » sich auszubilden. Eintritt 1. Juni. Horn & Salzgeber G m. b. H. Bürste,ifnbrik, Meckesheim. 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