Erftheini täglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger ftei ins Laus monatlich Goldmard 1.60 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Fn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Einspruch auf Liefer- ung der Zeitung oder auf Rückzahlung de s Bez ugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschlossen. 3-ernsprrch-Anschluß Nr. 465 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lanöbote 5in§lieimer General-Anzeiger für bas (ßcgri 839 Zeitung t Äsenz-unö Schuxugbachtal HelteTte und verbrcitetftc Leitung dieser Gegend. I)LUpt-Hnzeigen-klLtt Wöchentliche Keilagen: Heu« Illustrierte » Hus dem Reich der Mode » Ratgeber kür ksaus- und Landmirtschakt Anzeigen'Preise: Anzeigen: Die 33 mm breite Millimeter-Zeile 6 Goldpsg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpsg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. 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In Erwiderung auf die Feststellungen Macdonalds wonach Englands Ansehen in Aegypten durch den Verlauf der letzten Krise beeinträchtigt worden sei, stellte Chainbcrlain fest, daß Naha Pascha vor einigen Tagen Lord Lloyd um eine Unterredung gebeten habe. In dieser Unterredung habe Naha Pascha Lord Lloyd gebeten, Chamberlain seinen Dank auszusprechen für die versötznltchr und angenehme Art, in der Chamberlain die letzte Krise aus der Welt geschafft habe. Naha Pascha versicherte in dieser Unterredung seine persönliche Bereitschaft, in freundschaftlichstem Geiste mit England zusammcnzuarbcitcn. Die Debatte über Kellogg; Ir.edensoorWag enttäuschte das Haus, da Chamberlain. statt den Inhalt der englischen Antwort mitzuteilen, sich darauf beschränkte, auscinanderzusetze», daß England die amerikanische Initiative warm begrüßt und die Hoffnung hege, daß es möglich sein werde, den amerikanischen Plan erfolgreich durchzuführen. England müsse aber seine Verpflichtungen auf Grund der Bölkerbundssatzung und des Locarnovertrages in Betracht ziehen. Der Text der englischen Antwort, der ..Kommentare und Anregungen" zu der Aussührung von Kelloggs Gedanken enthalte, fei den Dominions zur Gcgenäußerung zugesandt, da England gleichzeitig mit den Dominions zu unterzeichnen beabsichtige. Wenn der Entwurf der englischen Antwort von den Dominions akzeptiert werde, würde Amerika feine Antwort erhalten. Die englische Regierung werde sich darum bemühen, Amerika dabei zu unterstützen, daß die sechs von Amerika eingeladcncn Mächte ihre Unterschrift leisten. Um eine einheitliche Auffassung über Sinn und Bedeutung des Kellogg- fchen Vorschlages herbeizuführen, habe er eine Iuristenkonfercnz der sechs Großmächte vorgeschlagen. Als eine Großmacht diese Konferenz abgelehnt habe, habe er den Vorschlag Englands wieder zurückgezogen. Jetzt müsse der Meinungsaustausch über den Pakt nnter den sechs in Betracht kommenden Mächten auf diplomatischem Wege geführt werden. Als Chamberlain im Verlaufe feiner Rede erklärt«, England habe niemals von dem Krieg als einem Mittel der Politik Gebrauch gemacht, schreit ihm das ganze Haus entgegen: „Südafrika". Chamberlain, dem vorübergehend die Worte ausgehen, gestikuliert in den Sturm hinein und vermag endlich heraus zu bringen, daß England doch den Bmenrepubltken nicht den Krieg erklärt habe — ein schwächlicher Einivand, über den das Haus mit einem wiederholten „Lächerlich" quittierte. Dieser Zwischenfall beraubte die Rede von Chamberlain um einen erheblichen Teil ihrer Wirkung. Reue Mordiastrvmevte der italienischen Soldaten. Mailand, 10. Mai. Wie die Turiner Gazetta de! Popolo über die neue Ausrüstung der italienischen Infanterie meldet, ward das Gewehr immer mehr durch einen Karabiner ersetzt, der mit einem kleinen automatischen Bombenwerfer versehen ist. Diese Vorrichtung soll gestatten, kleine Bomben bis auf 800 Meter Entfernung mit ziemlich sicherem Ziel zu schleudern. Diese Gc- wchrbomben können zugleich als Handgranaten verwendet werden. Jeder Infanterist wird in Zukunft mit 12 solcher Bomben ausgerüstet; dafür wird die Munition erheblich vermindert werden. Die Anklage im Schachty-Prozeß Kowno, 11. Mai. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat das Büro der Ingenieure und Techniker den Professor Schein z»m öffentlichen Kläger im bevorstehenden Schachty- Prozeß gewählt. Schein soll in der öffentlichen Anklage seitens der Spezialisten den angeblichen Schachtyverrat verurteilen. Ter Vorsitzende des Bergarbeiterverbanöes, Schwarz, ist erneut nach Rostow am Ton abgereist, um die Reorganisation der Bergmerksvermaltungen im Don-Ugol zu überwachen. Er kündigt eine verstärkte Beteiligung der Arbeiter an den Grubenverwaltungen an. Auch die wirtschaftliche Verwaltung der Gruben soll in unmittelbarer Kontrolle des Verbandes der Bergarbeiter gehalten werden. Eine große Kundgebung. Rechtsanwalt Munte in Moskau. Moskau, 11. Mai. Wie aus den Veröffentlichungen der Moskauer Blätter über die Schachti-Angelegenheit zu ersehen ist, ist kaum daran zu zweifeln, daß der bevorstehende Prozeß für eine große Kundgebung herhalten soll. U. a. behauptet jetzt die Anklageschrift, die übrigens in ihrem ganzen Umfange noch nicht vorliegt, daß das Geld für die Tonez-Verschwörung durch amtliche ausländische Vertretungen, wobei scheinbar an französische und polnische Konsulate gedacht ist, vermittelt worden sei. Auch werden neuerdings unter einer Reihe von Franzosen sogar die Mitglieder ser französischen Schuldenkommission und ein gewisser Marow der Sabotage beschuldigt. Ter deutsche Rechtsanwalt Munte von der AEG ist in Moskau angekommen. Der afghanische König in Leningrad Tie Frage der Ordensverleihungen. Kowuo, ii. Mai. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist der König von Afghanistan in Begleitung des Krieqskom- miffars Woroschilow in Leningrad eingetrofsen. Ter König wurde auf dem Bahnhof von einer Kosaken-Ehrenwache unter Führung des Befehlshabers des Leningrader Militärbezirkes empfangen. Am Freitag sollen die Manöver der balttschen Flotte vor Kronstadt stattsinden. . Heber die Verleihung von Orden an die russischen Beamten vertäutet, daß solche nur au Miiitürpersonen verliehen werden sollen, während die Beamten der Kommissariate vom afghanischen König Ehrenurkunden erhalten sollen. Larol wird die Ausweisung angedrohk London, 11. Mai. Prinz Carol ist vorgestern ein« zweite Aufforderung des britischen Innenministeriums zugegangen, England so bald wie möglich z« verlassen, da die britische Regierung sich sonst gezwungen sehen würde, eine» Answeisnngsbefehl zu erlassen. Rumänische dauern verjagen ihre Gemeindebeamten . Bukarest. 11. Mai. Das regierungsfreundliche Blatt „Universul" bringt eine Nachricht aus Bihos, wonach es dort zu Ruhestörungen gekommen ist. Die aus Alba Julia heimkehrenöen Bauern wollten den Gemeinöerat vertreiben. Io einigen Dörfern ist es ihnen gelungen, die Regierungsanhänger aus ihren Aemtern zu verjagen. Die Polizei hat erst um 1 Uhr nachts die Ruhe wieder Herstellen können. Araki gewinnt den Wettreiseprets Tokia, 11. Mai. Toichiro Araki, einer der beiden japanischen Weltreisenden im Zweikampf um die schnellste Welt- umrundung ist vorgestern nach 33 Tagen, 18 Stunden und 28 Minuten in Tokio, seinem Ausgangspunkt, wieder eingetroffen und hat damit als erster das Ziel erreicht. Vom ch>ue«sch.ja»anis«m KnegWauplatz Die japanische Flagge über Tsingtau. Peking. 11. Mai. Wie aus Peking gemeldet wird, ist vorgestern in Tsingtau im Beisein des japanischen Ober- befehlshabees die japanische Flagge auf der Festung gehrtzi worden. Der Befehlshaber begab sich hierauf nach Tsinanfu Die Linie Tstnanfu—Tsingtau wird von japanischer! Panzerwagen bewacht. Die Brigade Tajama hatte bei Tstnanso größere Kämpfe mit den Südtruppen zu bestehen. Die Sud truppen leisteten den Japanern heftigen Widerstand. De, Befehlshaber der Südtruppen, General Tschetulin wurd« getötet. Nach amtlichen Angaben verloren die Japaner vre: Tote und 22 Verwundete. Befehlshaber Tajama ver. langte von den im Bezirk Tsinanfu verbliebenen Südtrup pen die Auslieferung der Waffen rn 24 Stunden. Jcdi Meuterei seitens chinesischer Soldaten soll mit dem Tod durch Erschießen bestraft werden. Im Falle des Widerstan des sollen die chinesischen Soldaten gewaltsam entwaffn« werden. Die Japaner beschießen Tsinans«. 500 Tote? London, 11. Mai. Wie aus Nanking gemeldet wird, st vorgestern Tsinanfu drei Stunden lang von der japanische Artillerie beschossen worden. 500 Menschen sollen dabei um gekommen sein. . Meldungen aus Tokio besagen, daß ein Terl der rn T? nanfu liegenden südchinesischen Truppen den Gelben Flu überschritten hat, um den sich,«rückziehenden Tschangtsolr, truppen nachzustoßen. Die neuen japanischen Truppenverstärkungen für Schar tung haben nach Meldungen ans Tokio den Ministerpräf denten Tanaka erneut veranlaßt, zu erklären, daß alle j, panischen Truppen aus dem Schautunggebiet wieder zurüc gezogen werben, wenn das jetzt bedrohte Leben und Eigei tum der dort ansässigen Japaner sichergestellt ist. Eine Erklärung hat auch die japanische Botschaft ,n Lo, don herausgegeben. Eine Schlacht bei Tstnanfu im Gange. London, 11. Mai. Wie Reuter ans Tokio berichtet, ist in der Umgebung von Tsinanfu eine Schlacht zwischen der 28. japanischen Brigade und einer südchinesischeu Armee im Gange. Tie Verluste der Chinesen solle» bereits sehr de- deutend sein. Ser Lolmarer Auionomisken-Prozeß Der Generalstaatsauwalt wünscht Abkürzung des Verfahrens. Kolmar. 11. Mai. Die Donncrstag-Bormittagsfitzung des Kolmarer Prozesses begann mit einer Sensation. Zur größten Ueberraschung des Saales erhebt sich gleich zu Beginn der Verhandlung der Generalftaatsanwalt zu einer längeren Rede, in der er den Nachweis zu erbringen sucht, daß eine Wetterführung des Prozesses in der gegenwärtigen Weise einen Abschluß »or dem Herbst nicht möglich erscheinen lasse, da von den 15 Angeklagten 13 noch nicht und von den 300 Zeugen erst einer verhört sei. Man habe viel davon gesprochen, daß dieser Prozeß am 1. Juni mit einem Theatercoup abschließen würde. Er versichere, daß nach der Natur der Anklage, diese Sache bis zu ihrem endgültigen Ende durch- gesührt werden würde. Er wisse, daß er die Beweise für seine Anklage erbringen müsse und er werde sie erbringen. Gerade die Zeugen der Verteidigung würden die besten Helfer der Anilage sein. Der Generalstaatsanwalt weist dann darauf hin, daß zur Abkürzung dieses Prozeßverfahrens die beiden Parteien entweder auf alle Zeugen verzichten, oder eine Beschränkung der Zahl der Zeugen auf eine gleiche Zahl vornehmen könnten und stellte anheim, nunmehr eine endgültige Entscheidung über die Wetterführung des Prozesses zu treffen. Die Verteidigung beantragt sofort Unterbrechung der Verhandlungen, um eine Stellungnahme der Angeklagten und der Verteidigung zu den Vorschlägen des Generalstaatsanwalts herbeizuführen. Die Abkürzung beschlossen Kolmar, ll. Mai. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen erklärte stch Rechtsanwalt I ä g l e im Namen der Verteidigung und der Angeklagten zn eiuer weitgehenden Abkürzung des Prozesses bereit «uter der Bedingung, daß das Verhör der Angeklagten fortgesetzt, jedem Angeklagten vorher vom Staatsanwalt klar und einwandfrei der Grund der Anklage angegeben wird und die Staatsanwaltschaft sich nach Verzicht a«s die Mehrzahl ihrer Zeugen formell verpflichtet, auch ans die Verlesung der ans den Händen dieser Zengen im Aktenmaterial befindlichen Schriftstücke zu verzichten. In diesem Falle wolle auch die Verteidigung auf die Mehr- zahl ihrer Zeugen verzichten. Sie lege jedoch entscheidenden Wert darauf, die Aussagen der Belastungszeugen deS Staatsanwalts, und zwar in erster Linie der Kronzeugen, der Anklage zu erfahren. Hierher gehöre in erster Linie der Agent, Provokateur, Riehl, dessen Persönlichkeit geklärt werden müsse. In seiner Begründung erklärte Jägle, di» öffentliche Meinung des ganzen Landes wisse daß die gesamte Anklage zusammengebrochen «nd der gesamte Prozeß eine fürchterliche Blamage für die Ankläger bedeute. Der Generalstaatsanwalt habe ein „Geschäft" vorgeschlagen und bei diesem „Geschäft" wolle die Verteidigung und wollten die Angeklagten auf keinen Fall ungünstig abschneiben. Der Staatsanwatl erwidert hierauf, daß er nicht gewillt sei, jedem Angeklagten den Grund der Anklage genau dar-- zulegen. Er wolle vielmehr die Angeklagten hören und stch dann ein Bild über die Situation der Anklage machen. Nachdem Rechtsanwwalt Jägle dies ablehnt mit der Erklärung, die Verteidigung werde nicht zulasten, daß der Staatsanwalt, nachdem die eigentliche Anklage ans Komplott zusammengebrochen, sich ans der weiteren Verhandlung eine weitere Anklage konstruiere, erklärt der Vorsitzende sich bereit den Vorschlägen der Staaksanwatlschaft und der Verteidigung Folge zn leisten, ersucht jedoch, ihm die Führung der Verhandlung künftighin ausschließlich zu überlassen. Der Staatsanwalt erklärt dann, daß er etwa fünf bis sechs Zeugen vorstellen werde. Tie Verteidigung wirb dementsprechend aus jeder einzelnen Gruppe der Zen- gen einen oder zwei vorladen. Rechtsanwalt Fournier erklärt hierauf, die Verteidigung sei bereit, den Prozeß innerhalb der nächsten Tage zn Ende zu führen und alles zu tun, was sich im Rahmen ihrer Pflicht als Vereidigung ermöglichen lasse. Ten Angeklagten drohe Deportation nach den afrikanischen Strafkolonien: Pflicht der Verteidigung sei es daher gewesen, alles vorhandene Material zu benutzen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und eine vollkommene Rehabilitierung der 15 Angeklagten durchzu- setzen. Nach einem kurzen abschließenden Verhör des Polizeikommissars Bauer wird die Sitzung dann auf nachmittags vertagt, um den Verteidigern und dem Generalstaatsanwalt Gelegenheit zu geben. Verhandlungen über die Wetterführung des Prozesses und der Zeugenvernehmungen zn führen. Kolmar, 11. Mai. Im Kolmarer Autonomisten-Prozeß ist es gestern zu einem Waffenstillstand zwischen dem Ge- richtshof und der Verteidigung gekommen, dessen Dauer und Tragweite sich noch nicht ganz übersehen läßt. Bet Eröffnung der Nachmittagtzsitzung gab die Verteidigung bekannt, baß sie von den ursprünglich vorgesehenen 250 Entlastungszeugen nur noch 28 beibehalte. Der Staatsanwalt seinerseits teilte mit, daß er von seinen 50 Zeugen sechs aufrechterhalte, unter denen stch der Polizeiagent Riehl und der General Bourgeois befinden. Der Präsident betonte vor Wiederaufnahme des Verhörs der Angeklagten, er werde alles tun, um den Prozeß so schnell als möglich zum Abschluß zu bringen. Unter diesen Umständen rechnet man in den Kreisen der Verteidigung damit, daß die Vernehmung der Zeugen und Angeklagten möglicherweise noch tm Laufe dieser Woche zu Ende gehen wird, so daß dann Anfang der nächsten Woche die Plaidoyers des Generalstaatsanwaltes und der acht Verteidiger eröffnet werden könnten. Zn wenigen Worten Zum 50 Geburtstag Dr. Stresemanns find dem Jubilar aus allen Teilen und Schichten Deutschlands zahlreiche Glückwünsche zugegangen. » Im Kolmarer Prozeß ist am Tonnerstagvormittag eine Wendung eingetreten, aus der man einen Rückzug des Generalstaatsanwalts herauslesen kann. * Nachdem die Schiedssprüche in der sächsischen Metallindustrie von beiden Setten für verbindlich erklärt worden sind, wurde die Arbeit mit dem gestrigen Donnerstag wieder ausgenommen. Am Mittwoch ist in Tsingtau im Beisein des japanischen Oberbefehlshabers die japanische Flagge auf der Festung gehißt worden. ^ Bei einer Motorradschwarzfahrt rannten zwei Technikumschüler bei Lemgo in Westfalen in einer scharfen Kurve gegen einen Leitungsmast. Beide waren sofort tot. _Nr. 111. Jahrgang 1928. Der Prozeß könnte dann endgültig in der nächsten Woche znm Abschluß gelangen. Jedoch hängt die Einhaltung dieses zunächst nur in einer stillen Vereinbarung vorgesehenen Zeitpunktes ausschließlich davon ab, ob die Bedingungen des Waffenstillstandes von beiden Teilen wirklich eingehal- teu werden. Schall schloß dann seine am Vortage unterbrochenen Ausführungen über die Schutztruppe des Heimatbundes. Das unerwartete Vorgehen Zorn von Bulachs habe zum Handeln gezwungen, da man dieses Vorgehen für verwerflich hielt. Bulach habe den Extremismus in Schwung gebracht. Die Autonomisten aber wollten die Antonomie im Rahmen Frankreichs. Der Vorsitzende wandte sich dann an den Angeklagten Hauß und fragte ihn, wie er Autonomist geworden sei. Hauß erklärt, es sei wohl selbstverständlich, daß er als Sohn des früheren Staatssekretärs, Reichs- und Landtagsabgeordneten Hanß elsaß-lothringischer Heimatrechtler geworden sei. Hauß wollte dann Einzelheiten schildern, wurde aber vom Vorsitzenden unterbrochen mit der Frage, ob er diese Kleinigkeiten für wichtig halte. Rechtsanwalt Feillet erklärte, selbstverständlich müsse, wenn Hauß diese Kleinigkeiten nicht gebe, auch der Staatsanwalt darauf vernichten, sich ihrer in seinem Plaidoyer zu bedienen. Generalstaatsanwalt Fachot anwortete: „Sie können ja die Anklagerede Kalten." Rechtsanwalt Fournier erwiderte: „dann würde er in außerordentlicher Verlegenheit sein". Hauß erklärt dann, er habe erst nach dem Erscheinen der „Zukunft" einen kleineren Kreis heimattreuer Elsässer um sich versammelt. Er teilte das Programm der autonomistischen Partei voll und ganz. Der Vorsitzende kam dann auf ein Protokoll über die Gründungssitzung der autonomistischen Partei zu sprechen, in dem er aus einer Rede des Dr. Roos die Worte gefunden habe: „Es lebe ein freies und unabhängiges Elsaß!" Der Bericht der „Zukunft" über diese Rede enthalte nicht die Worte „und unabhängiges". Es sollte daher bas Original des Protokolls in deutscher Sprache aus den Akten gesucht werden, wobei sich jedoch herausstellte, daß das Schriftstück nicht mehr vorhanden ist. Die Verhandlung wurde schließlich auf Freitag vertagt. Sine Erklärung des schweizer Rechtsanwalts Wild! Genf. 11. Mai. Der im Kolmarer Prozeß vielgenannte Schweizer Rechtsanwalt Engen Wildi in Zofingen bei Luzern stellt in der „Züricher Post" fest, daß das an die Druckerei Erwinia in Straßbnrg gegebene Darlehen von IM 00» Schweizer Franken ausschließlich Schweizer Geld sei. Es sei zum Ankauf von Maschinen und Einrichtungen und zwar größtenteils ebenfalls in der Schweiz verwandt worden. Sitzung des Reichsrats Berlin, 11. Mai. Nach Erledigung einiger laufender Angelegenheiten beschäftigte sich der Reichsrat in seiner gestrigen Sitzung mit der Uebersicht der Aufwendungen, die den Gemeinden zur Deckung der Kosten zur Vorbereitung und Durchführung der Reichstagswahlen am 20. Mai 1928 erwachsen und die vom Reich zurückzuerstatten sind. Staatssekretär Zetgert schlug vor, die Angelegenheit nochmals an den Ausschuß zu überweisen, da sich die Notwendigkeit einer Nachprüfung der Vorlage ergeben habe. Der Reichsrat sch'eß sich diesem Vorschläge an. Die Plenarverhandlung darüber wurde auf den nächsten Mittwoch festgesetzt. Ende der Aussperrung in der sächsischen Metallinduflrie Dresden, 11. Mai. Nachdem der Reichsarbeitsminister die Schiedssprüche in der sächsischen Metallindustrie für verbindlich erklärt hat, und sich beide Parteien dahin ausgesprochen haben, daß sie sich für die sofortige Wiederaufnahme der^- beit einsetzen, erfolgt je nach den technischen VorausseD»«- gen die Ärbeitswiederaufnahme in der sächsischen Metallindustrie zum Teil bereits am Donnerstag bzw. Freitag. Warum Landbundgenoffenfchaften Not leiden Guben, 10. Mai. Vor dem erweiterten Schöffengericht in Guben hatte sich der frühere Direktor der Landbundgenossenschast in Crossen, Btrkholz, zu verantworten, dem zur Last gelegt wird, den Mitgliedern der Genossenschaft nach Abschluß des Geschäftsjahres 1924 falsche Bilanzen vorgelegt zu haben, die Uebcr- schüsse aufwiesen, während tatsächlich große Verluste vorhanden waren. Ferner wird ihm vorgeworfcn, ungesicherte Warenkreditr gegeben und sich durch Provisionen für Lieferungen unrechtmäßig l Werners Werbung. Roman von George Manville Fenn und Carl Johannes. „Aber Glyddyr, mein lieber Junge, was sind Sie doch für ein törichter Mensch. Na, hören Sie, ich verzeihe Ihnen alle Ihre Unliebenswürdigkeiten und erkläre entschieden, daß ich nicht um Geld gekommen bin." „Weshalb wären Sie denn gekommen?" „Aus zwei Gründen. Erstens, mich zu überzeugen, wie es Ihnen ginge — und zweitens, mit Ihnen ein wenig über eine gewisse Dame zu sprechen." Glyddyr zuckte zusammen und Gellow sah es recht wohl, ließ sfch aber nichts davon merken, sondern fuhr gelassen fort: „Nun, dann wollen wir davon erst nachher reden. Aber was für Fortschritte machten Sie oben auf dem Schloße?" GlhWyr antwortete nur durch eine ungeduldige Gebärde. „Sie-sind nicht woht, mein Lieber, weiter fehlt Ihnen nichts. Aber vor allen Dingen meine herzlichsten Glückwünsche. Schöne junge Frau, dazu Ihre Jacht und ein paar Rennpferde — das formen Sie jetzt ganz bequem. Alle Wetter. Sie sind doch ein glücklicher, beneidenswerter Mensch. Sehr traurig das mit dem alten Herrn, aber für Sie Än großer Glücksfall. Es freut mich, daß Sie hiergeblicben sind. Das war sehr klug von Ihnen, denn Natürlich wird sich jetzt eine Schar von armen Verwandten-einfinden, um die schöne Erbschaft anzuknabbern, un- seve Erbschaft, nicht wahr? Ich bin hergekommen, um Ihnen behilflich zu sein, diese Geschichte zum Abschluß zu bringen. Ich bin ja freilich ken Rechtsgelehrter, aber mindestens so gut, vielleicht besser. Es gibt kaum noch Rechts- schliche, mit denen ich nicht Bescheid wüßte — Sie fön» »en mich also ruhig mit nach dem Schlosse hinausnehmen, mich der jungen Dame vorstellen, und ich werde ihr bei der Erbschaftsreaulieruna behilflich sein und ihr viele Der Landbote ♦ Sinsheimer Zeitung. bereichert zu haben. Die Beweisaufnahme ergab Kein Klares Bild. Der Oberstaatsanwalt sah die Verfehlungen als gegeben an und beantragte sechs Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf vier Monate Gefängnrs und 300 Mark Geldstrafe. Zu Stresemanns Geburtstag Die Glückwünsche Berlin, 11. Mai. Der Reichspräsident hat anläßlich des Geburtstages des Reichsaußenmtnisters Dr. Stresemann ein herzliches Handschreiben sowie ein Blumengebinde übersandt. Desgleichen hat dies der Reichskanzler getan, der sich noch im Urlaub befindet. Außer den Genannten haben bisher die Minister des Kabinetts, ferner im Namen der Reichskanzlei, Staatssekretär Pünder, sowie die preußischen Minister dem Reichsaußenminister ihre Glückwünsche ausgesprochen. Am Donerstagabend findet ein Empfang der Beamten des Auswärtigen Amtes statt. Berlin, 11. Mai. Unter den zahllosen Glückwünschen, die bisher anlätzilch des 50. Geburtstages des Reichsaußenministers Tr. Stresemann eingelausen sind, seien erwähnt: Der Reichsarbeitsminister Brauns, der preußische Ministerpräsident Braun, der preußische Innenminister Grze- sinski, der preußische Handelsminister Dr. Schreiber, der sächsische Ministerpräsident Heldt, namens der sächsischen Regierung Exzellenz Lewald, namens des deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen Flinsch, namens des Vereins Berliner Kanfleute und Industrieller Kommerzienrat Krumbhaar, der Verein deutscher Zeitungsverleger, der Zentralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes, die Industrie- und Handelskammer Berlin, der Reichsverband der deutschen Industrie und das Reichsbankdirektorium. Heidelberg, 11. Mai. Ter Rektor der Heidelberger Universität hatte gestern an den Reichsaußenminister Dr. Strc- semann folgendes Telegramm gerichtet: „Mit herzlichsten Wünschen für die Zukunft gedenkt die Universität Heidelberg der 50 gerundeten Jahre ihres jüngsten Ehrendoktors und seiner Arbeit für Deutschland n»b den Völkerbund!" Ausländische Stimmen Basel, 10. Mai. Zu dem heutigen 50. Geburtstage Dr. Stresemanns führt der „Berner Bund" u. a. aus, nicht nur in Deutschland, sondern auch außerhalb der Reichsgrenzen würden am 10. Mai alle aufrichtigen Freunde einer Verständigung zwischen den Völkern des 50. Geburtstages des deutschen Staatsmannes gedenken, der sich für diesen Ge-' danken mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit eingesetzt und entscheidend am Festigung des Friedens in Europa bei- hundert Pfund an Unkosten ersparen. Wann machen Sie Ihren nächsten Besuch?" „Ich weiß es nicht." „Sie werden auch noch etwas bares Geld gebrauchen. Sie brauchen nicht zu knickern. Ich bin hier mit voller Börse — Sie können die Sache jetzt hier mit allem Anstand durchführen. Alle Wetter, Glyddyr, Sie haben doch ein heidenmäßiges Glück. Ter Grundbesitz mit dem Stein- brsch ist allein mindestens eine Million Pfund wert. Und völlig unverschuldet." Kötzer wollen Sie das wißen?" „Woher ich das weiß?" meinte Gellow lachend. „Durch meine Geschäftsroutine. — Nette Sache das. Sie begannen Ihr Leben mit einer Maße Geld. Ich fing mein Leben mit zwei Hellern in der Tasche an. Aber ihr vornehmen Herren habt nun doch einmal mehr Glück und werdet schließlich eher Millionäre als unsereins." „Sagen Sie mir doch endlich, wie die Sache steht. Ich weiß es zwar schon ziemlich genau, möchte es aber noch aus ?Krem Munde bestätiat hören." „Von mir weroen Die mcyrs goren - , murrie Myooyr. „Auch gut, dann werde ich Ihnen sagen, was ich weiß. Sie können mich dann korrigieren, wenn ich mich rrgenü- wie irre. Also, um mit dem Anfang zu beginnen. Der Herr Papa sagte der jungen Dame, sie sollte Sie heiraten, und Sie glaubten, damit wäre die Sache erledigt. Aber — hier kommt wieder so ein unangenehmes Aber — da ist auch ein anderer Herr, ein Herr Arnold von Werner eine Reisebekanntschaft, guter Freund und so weiter, den die Dame entschieden vorzieht, nicht wahr?" Glyddyr ließ einen unartikulierten Ausruf hören. „Und dann kommt noch etwas dazwischen. Ein großer, starker Herr hat sich auf dem Schloße eingefunden. Er und die junge Dame sind viel und lange miteinander allein." „Woher wißen Sie das alles?" „Woher ich das weiß", entgegnete Gellow lachend, „woher ich das weiß, mein lieber Junge? Sie hätten durch Jbren Witz nie reiib werden rönnen. Ich bin ein wahrer Freitag, den 11. Mai 1928. gerragen yave. Erst ln untrerer Zeit weroe man unbefangen die Größe seiner Leistungen zu würdigen vermögen. Deutschland habe jedenfalls Grund, Stresemann und sich selbst -u wünschen, daß er der Wilhelmstraße noch lange erhalten bleibe. Budapest, 10. Mai. Anläßlich des 50. Geburtstages des Reichsautzenministers Tr. Stresemann würdigen die Regierungsblätter eingehend das Wirken des Jubilars. So schreibt der „Pester Lloyd" u. a., was die Wirksamkeit des Reichsaußenminister in letzter Zeit anlange, so habe es den Anschein, als ob er die Versäumnisse des alten Deutschland wettmachen wollte. Er zeige die größte Aufmerksamkeit für das Wirken internationaler Zusammenarbeit. Was Frankreich von Stresemann sagt. Der Temps gedenkt heute Stresemanns 50. Geburtstag in seinem Leitartikel, der einen interessanten Beitrag zur Beurteilung des deutschen Außenministers und seiner Politik im Ausland liefert. Das Blatt nennt Stresemann den typischsten Repräsentcnten der moralischen Wandlung, die sich in Deutschland in den letzten Fahren vollzogen hat. Noch in den Tagen der Ruhrbesetzung habe nichts in ihm den kommenden Mann der internationalen Entspannung, der Annäherung und Versöhnung vorausahnen lassen. Erst die bitteren Erfahrungen des Ruhrkrieges hätten ihn zu der Ueberzeugung kommen lassen, daß die Fortsetzung dieser Politik zu neuen Katastrophen führen müsse und daß ihr Wechsel unerläßlich sei, um zunächst den wirtschaftlichen und dann den politischen Wiederaufbau Deutschlands sicher zu stellen. Aus dieser Erkenntnis heraus habe Stresemann sich zu einer Politik entschlossen, die unter geschickter Anpassung an die Umstände ihr Hauptziel darin sah, aus dem in ganz Europa gehegten Wunsch nach Frieden größtmögliche Vorteile für Deutschland zu ziehen. Diese Politik sei von ihm mit ungewöhnlichem Geschick durchgeführt worden. Das schwierigste Kunststück, gestützt auf eine ausgesprnchene Rechtsmehrheit, die Außenpolitik der demokratischen Parteien zu machen, sei ihm wider Erwarten gelungen und bade ihm ermöglicht, nicht nur die Mehrheit, des deutschen Volkes für feine Politik zu gewinnen, sondern auch bei den Alliierten beträchtliche Konzessionen zu erlangen. Daß feine Konzessionen des Friedens ausschließlich von den deutschen Interessen diktiert seien und in erster Linie darauf ubziclen, Deutschland in Europa den Platz wieder zu gewinnen, den es durch den Krieg verloren habe, werde man ihm kaum verübeln können. Wenn cs auch nai» wäre, sich über den deutschen Pazifismus Illusionen hinzugeben, so sei doch anderseits an der Loyalität von Stresemanns Der- ständigungswillen und an der Aufrichtigkeit feiner Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit kein Zweifel möglich. Was er durch diese Politik für Deutschland erreicht habe, das zeige am besten ein Vergleich zwischen der Stellung, die Deutschland im Fahre 1924 in Europa eingenommen habe und dem Weg, den es seitdem zurückgelegt habe. Die Kandidaten für den badischen 32. Reichslagswahlkreis Wir bringen nachstehend die Spitzenkandidaten in der amtlich festgclegten Reihenfolge der Parteien. Ein Stern (*) bedeutet, daß der Betreffende bereits dem Reichstag ange- hört hat. 1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands. 1. Oskar Geck, Redakteur, Mannheim*: 2. Georg Schöof- tin, Redakteur, Karlsruhe*: 3. Stefan Meier, Kaufmann, Freiburg*: 4. Tr. Adam Remmele, Staatspräsident und Innenminister, Karlsruhe: 6. Amann, Kohlfahrtspfleger, Heidelberg: 6. Therese Blase. Hausfrau und LandtagSabgevrd- nete, Mannheim. 2. Deutschnationale Volkspartei. 1. Gr. Alfred Hanemann, Landgerichtsdirektor, Mannheim*: Hermann Gebhard, Landwirt und Ehrenpräsident des Landbundes, Eppingen: 3. Wilhelm Kinöner-Pankow, Geschäftsführer des Deutschnatioialen Arbeiterbundcs: 4. Ferdinand Lang, Glasermeister und Landtagsabgeordneter, Karlsruhe. 3. Deutsche Zcntrumspartei. 1. Dr. Köhler, Reichsfinanzmtnister, Berlin: 2. Diez» Landwirt, Radolfzell*: 3. Ersing, Gewerkschaftsführer, Karlsruhe*: 4. Dr. Föhr, Diözesanpräsident des Bolksvereins für das katholische Deutschland und Landtagsabgeordneter, Freiburg: 5. Damm, Landwirt, Wagenschwend*: 6. Tonner» Bankdirektor, Karlsruhe*: 7. Klara Philipp, Hansfran, Karlsruhe*: 8. Büchner, Bürgermeister, Mannheim, 9. Tust- ner, Gutsbesitzer und Landtagsabgeordneter, Furtwangen: 10. Henrich, Gewerschaftsführer und Landtagsabgeordneter, Karlsruhe. Schatz für Sie. Aber ich habe doch recht? Ein großer' Herr ist oben im Schloße." Glyddyr nickte stumm. „Wann waren Sie zum letztenmale oben im Schloße?" „Herr Gellow, ich kann Ihnen diese Art des Kreuz. Verhörs nicht gestatten." „So. Können Sie das nicht? Nun, dann muß ich es eben ohne Ihre Erlaubnis fortsetzen, mein Herr Parry Glyddyr, wenn Sie selber nicht wißen, was Ihnen gut ist. Nun, also, ich frage noch einmal, wann waren Sie zum letztenmale oben im Schlosse?" „Ich bin seit Gartrams Tode nicht dort gewesen." ^ „Aber was fällt Ihnen ein?" ries Gellow, „Die sind mit der jungen Dame verlobt und haben sich seit dem Tode ihres Vaters nicht mehr bei ihr sehen laßen? Wes- halb?" Wyddyr schwieg. „Alle Wetter, Mann, sehen Sie denn nicht ein, wie blödsinnig, ja wahnsinnig Ähr Verhalten ist?" „Ich halte es für bester, mich nicht eher auf dem Schlosse sehen zu laßen, als bis der erste Schmerz sich etwas gelegt hat." . , „Hat man je so etwas gehört", rief Gellow in heftiger Erregung, „wo jeder Tag, den er svrtbleibt, ihm zehntausend Pfund kosten kann." „Während der ganzen Zeit können die Schätze des Alten abhanden kommen oder von armen Verwandten beiseite geschleppt werden. O, Glyddyr! Was ist das eigentlich mit Ihnen. Ich sage es Ihnen, Sie mußten nach dem SHoffe gehen. Er zittert und bebt und schlottert am ganzen Körper, als ^ er sich seit sechs Nächten um seinen Verstand gesoffen hätte. ^Sie fürchten sich doch nicht vor einem Toten, Mann, he?* „Herr Gellow, Ihre Sprechweise ist empörend.", ries Wyddyr leidenschaftlich- Nr. 111. Jahrgang 1928. 4. Deutsche Bolkspartei. 1 Dr. Curtins, Reichswirtschaftsminister, Berlin*: 2. Tr. äRatteS Landwirt u. Landtagsabgeordneter: 3. Ernst Blum, ecklosse'rmeister, Karlsruhe: 4. Dr. Obkircher, Erster Staatsanwalt und Landtagsabgeordneter, Freiburg. 8. Kommunistische Partei. 1 . Hermann Remmele, Berlin*. 2. Schreck, Lanötagsab- geordneter, Mannheim. g. Deutsche Demokratische Partei. 1 Hermann Dietrich, Minister a. D. und Hofbesitzer, Wilö- autach*- 2 Otto Burckhardt. Tapeziermeister und Verbrnds- vräsident, Landtagsabgeordneter, Heidelberg: Luise Riegger, Lehrerin Karlsruhe: 4. Karl Hügle. Landwirt, Wahlwies, A-» Stockach: 5. Alfred Scheel, Dozent an der Universität Heidelberg und Landtagsabgeordneter. 8. Linke Kommunisten. l. Kenzler, Mannheim*. » Wirtschaftliche Bereinigung des badischen Mittelstandes (Wirtschaftspartei). 1 von Au, Hauptlehrer, Verbandspräsident der badischen Grund- und Hausbesitzervereine und Landtagsabgeordneter, Mannheim: 2. Klaiber. Landwirt und Landtagsabgeordneter, Gundelfingen: 3. Vogt, Malermeister, Freiburg: 4. Reinau Diplomingenieur Lörrach. 10 . Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. «Hitlerbewegung). 1. Wagner, Karlsruhe. 11. Deutsche Bauernpartei. 1. Fischer, Landwirt und Bürgermeister, Meisenheim (Amt Lahr). 12. Völkisch-Nationaler Block. 1. Kübler: 2. Lansche. 15. Christlich-Rationale Bauer«- uub Laudvolkpartek. 1. Julier. Landwirt und Mühlenbesitzer, Mingolsheim (Amt Bruchsal)*: 2. Merk, Landwirt, Grafenhausen. 16. Volksrechtspartei (Reichspartei für Volksrecht und Auswertung). 1. Siegrist. Oberbürgermeister a. D., Karlsruhe. 17. Unabhängige Sozialdemokratische Partei Dentschlqnos. 1. Liebknecht, Rechtsanwalt, Berlin. 18. Christlich-Soziale Reichspartei. 1. Lehmann. 19. Alte Sozialdemokratische Partei DeutschlaudS. 1. Winnig. 20. Deutscher Rekchsblock der Geschädigte». 1. Schendel. Auf den Reichslisten finden sich' folgende auch in Baden Namen an aussichtsreicher Stelle: Sozialdemokra- ttsche Partei Deutschlands: Dr. Marum, Rechtsanwalt, staatsrat und Landtagsabgeordneter. Karlsruhe: Deutsche Zentrumspartei: der bisherige Reichstagsabgeordnete Dr. »irth: Deutsche Demokratische Partei: Dr. Hellpach. Uni- versitätsprofeffor, Heidelberg. Die Evangelische Landessyuode zur Simnltanschulfrage. Karlsrnhe, 11. Mai. In der zweiten öffentlichen Sitzung der Evangelischen Landessynode wurde zur Simultanschule folgende Resolution gefaßt: „Die Synode verweist auf ihren vorjährigen Beschluß über die badische Simultanschule. Die Synode erwartet, daß die bestehende, in der badischen Bevölkerungsmischung begründete Simultanschule erhalten bleibt. Sie begrüßt daher, daß die Kirchenregierung in ihrer Erklärung vom 16. September 1927 für die badische Simultanschule mit ihrer vorbildlichen Ordnung der Besorgung und Beaufsichtigung des Religionsunterrichts ein- getreten ist und vertraut darauf, daß das auch ferner geschehen wird." Branertag in Schwetzingen. Schwetzingen. 10. Mai. llnter außerordentlich zahlreicher Beteiligung fand gestern hier der 18. Brauertag des Bundes der badischen Klein- und Mittelbrauer statt. Oberregierunzsrat Buccerius. der Vorstand des Landesgerverbcamts. war anwesend. Präsident Ketterer-Hornberg gab in seinen einleitenden Worten einen Rückblick über das Wirtschaftsjahr und über die das Braugewerbe besonders interessierenden Fragen, die vielen Probleme, die andauernd dieses Gewerbe erschüttern. Direktor Ernst von der Hochschule Weihenstephrn referierte über den Gärungsprozeß in der Brauerei, Oberrevisor Tipper, über Wirtschafts- und Steuersragen, woran sich eine lebhafte Diskussion schloß. Gegen die derzeitige Handhabung der Biersteuer wurde eine Protestresolution angenommen. Tagung des Reichsbundes der Zivildienstberechtigtem, Landesverband Bade«. Der Landesverband Baden des Reichsbundes der Zivildienstberechtigten hielt am 5. und 6. Mai 1926 in Bad.-Baden seinen diesjährigen Verbanöstag ab. Als Tagungsort war Baden-Baden gewählt worden, weil der dortige Ortsvxrein die Feier seines 28 jährigen Bestehens damit verbinden wallte. Die Tagung war sehr zahlreich besucht. Sämtliche Vereine Badens und Hohenzollern waren durch Delegierte vertreten. Die Aussprache über den vom 1. Verbandsvorsitzenden, Herrn Bittel in Karlsruhe, erstatten Jahresbericht ließ erkennen, daß die Zivilversorgung auch im letzten Geschäftsjahr trotz der sehr rührigen Tätigkeit des genannten Bundes keine wesentlichen Fortschritte gemacht hat. Die Vorschriften über die Sparmaßnahmen im neuen Besoldungsgesetz, die auch auf die Länder und Gemeinden ausgedehnt wurden, — jede 3 Beamtenstelle, die frei wird, darf nicht mehr besetzt werden—, dazu die geringe Neigung einer Reihe von Behörden, besonders Kommunalverwaltungen, Bersorgungsan- wärter einzustellen, ließen ein trübes Bild der Zukunft in der Zivilverforgung erkennen. Jahrelang muffen die aus der jetzigen Wehrmacht nach 12 jähriger Dienstzeit ausscheidenden Versorgungsanwärter warten, bis es ihnen gelingt, eine Stelle im öffentlichen Dienst mit Hilfe des Bersor- gungsscheines zu bekommen. Von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abend haben sich die Vertreter mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt. IN Anwesenheit der Vertreter der Behörden wurde am 8. 5., vormittags 10 Uhr, von dem Vorsitzenden des Bundes in Berlin ein Bortrag über die Entwicklung der Ziviloer-. sorgurkg in den letzten Jahren gehalten. Zunächst gab der Redner einen kurzen Ueherblick über den Werdegang und die Ausbildung der Wehrmachtsangehörigen für den 'fäteren Beamtenberuf. Hierbei war zu erkennen, daß die Reichswehrschulen aus einer recht beachtlichen Höhe sind. Umso unverständlicher ist es, daß die für den Beamtenbcruf so ausgezeichnet ausgebtldeten Bersorgungsanwärter benso oder noch mehr wie Beamte anderer Herkunftsklaffen den Sparmaßnahmen der Behörden zum Opfer fallen. Ferner hat der Redner an verschiedenen Bestimmungen des neuen Besoldungsgesetzes scharfe Kritik geübt. Eine Reihe ganz besondere Härten und Ungerechtigkeiten, die das neue Besoldungsgesetz gebracht hat, wurden näher beleuchtet und dringende Abhilfe gefordert. Hierbei trar die Frrge der Anrechnung der Militärdienstzeit auf das Besoldungsdicnst- Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. alter in den Vordergrund. Weiter wurden eine Reihe anderer Beamtenfragen behandelt. Die ganze Tagung hat einen sehr guten Verlauf genommen und erneut den Beweis erbracht, daß der S.and der Bersorgungsanwärter auch ferner gewillt ist, durch Einigkeit und engen Zusammenschluß seine Interesse» zu ivaheen und zu fördern. Aus Nah und Fern. =*= Sinsheim, 11. Mai. (Allgemeine Ortskrankenkasie.) Zu der am Sonntag, den 6. ds. Mts. hier einberufenen Ausschutzsitzung der Allgemeinen Ortskrank enkaise Sinsheim, waren der Einladung des Vorstandes gefolgt: 22 Vertreter des Ausschusses, 10 Vertreter des Vorstandes und 2 Vertreter der Verwaltung, Die Sitzung wurde von dem 2. Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn H. Hauser mit Worten der Begrüßung, besonders an die neugewählten Ausschußmitglieder eröffnet. Vor Eingang in die Tagesordnung erfolgte die Wahl von 2 Beisitzern und wurden die Herren Hch. Städler und Rich. Roßnagel hierzu bestimmt. Als Schriftführer fungierte der Buchhalter der Kaffe E. Herbst. Den Hauptpunkt der umfangreichen Tagesordnung bildete die Erstattung des Geschäfts- und Kassenberichtes für 1927 durch den Geschäftsführer der Kasse Herrn Lehmann. Da derselbe bereits allen Ausschuß- und Vorstandsmitgliedern zugestellt worden war, konnte von einer eingehenden Aussprache Abstand genommen werden. — Der Krankenstand der Kasse war dauernd ein ziemlich hoher. Besonders die Grippe-Epidemie im Frühjahr 1927 hat das Kassenergebnis ungünstig beeinflußt, sodaß für das Geschäftsjahr nur ein bescheidener Ueberschuß übrig blieb, der hinter den vorgeschriebenen Rücklagen erheblich zurückbleibt. Trotzdem haben Vorstand und Ausschuß der Kasse einmütig beschlossen, ab I. 6. 28 den erkrankten arbeitsunfähigen Mitgliedern 60 Prozent des Grundlohnes (bisher 50 Proz.) als Krankengcld zu gewähren. Bei der nun folgenden Wahl des Ausschußvorsitzenden wurde Herr Otto Stahl als 1. und Georg Stecher als 2. Vorsitzender wieder gewählt. Herr Stahl ■ dankte in beider Namen für das erwiesene Vertrauen und sprach die Hoffnung aus. daß der neue Ausschuß und Vorstand im laufenden Geschäftsjahr ebenso für die Interessen der Kasse besorgt sein möge wie dies bisher der Fall war. An der Aussprache über sämtliche Punkte der Tagesordnung beteiligten sich in der Hauptsache die Herren Hch. Hagmaier, E. Wengenroth, Ph. Koch und Fr. Hclmstätter und der Vorsitzende des Ausschusses Herrn O. Stahl der am Schlüsse seiner Ausführungen der Verwaltung für ihre eingehende Arbeit den Dank der Versammlung übermittelte. Nach Bortrag verschiedener Wünsche und Anregungen, deren Beachtung vom Vorstand und der Verwaltung zugesagt wurde, konnte der Vorsitzende die Versammlung nach 2 stündiger Beratung schließen. * Sinsheim, 1l. Mai. (Heidelberger Schloßbeleuchtungen) Für diesen Sommer sind die berühmten Schloßbeleuchlungen in Heidelberg an folgenden Tagen vorgesehen: 11. und 27. Mai, 10. Juni, voraussichtlich 31. Juli, 11. August und 6. September. * Sinsheim, 11. Mai. (Fahrraddicbstähle.) Bei Eintritt günstiger Witterung nehmen leider auch die Fahrraddiebstähle wieder zu. Die Ermittelung der Täter und die Beibringung abhandengekommener Räder wird jedoch dadurch erschwert, daß die Bestohlenen nur selten in der Lage sind, die Marke und Nummer ihres Rates anzugeben. Es liegt daher in oeren Interesse, sich hierüber entsprechende Aufzeichnungen zu machen, um im Bedarfsfälle der Polizei oder Gendarmerie die notwendigen Auskünfte geben zu können. Ferner wird vor dem Ankauf von Fahrrädern, an denen die Fabriknummern ganz oder teilweise entfernt sind, dringend gewarnt, da es sich in den meisten Fällen um gestohlene Räder handelt und der Ankauf solcher Räder in der Regel der Verfolgung wegen Hehlerei nach sich zieht. Es empfiehlt sich, überhaupt, gebrauchte.Räder nur von persönlich bekannten Personen oder in den einschlägigen Geschäften zu kaufen. Beim Landespolizeiamt in Karlsruhe kann auch durch persönliche oder Fernmündliche Anfrage (Fernsprecher 6090—6095) jederzeit sestgestellt werden, ob das betr. Rad als abhandcngckommen gemeldet ist oder nicht. Nur durch gegenseitige Zusammenarbeit des Publikums mit Polizei und Gendarmerie ist es möglich, den Fahrraddiebstahl wirksam zu bekämpfen. cg] Weiler, 10. Mai. (Verschiedenes.) Am vergangenen Sonntag fand hier im Gasthaus zum Adler eine gutbesuchte Wählerversammlung der Deutschen Bolkspartei statt. Eröffnet wurde die Versammlung durch Herrn Landwirt Georg Günther aus Hilsbach. Der Referent des Tages, Herr Bopp aus Heidelberg, sprach eingehend über die Grundsätze seiner Partei und die kommenden Reichstägswahlen. Seine Ausführungen und Darlegungen wurden beifällig aufgenommcn ohne nennenswerte Gegendebatte, ein Beweist, daß der frühere liberale Sinn auch hier nicht erloschen ist. — Infolge Ueberlastung der Gemeinde Weiler und der allgemeinen Geldknappheit ist man hier noch nicht dazu gekommen, den im Weltkrieg gefallenen Helden aus Weiler ein würdiges Denkmal zu setzen. Der Gemeindcrat wird sich nun dahingehend verwenden, daß zugunsten eines Denkmals am Himmelfahrtstag und bei Besuch größerer Vereine auf der Burg Steinsberg ein Eintrittsgeld erhoben werden kann. Auch soll ein Fond für Denkmalspflege gegründet werden. = Esth-elbronn, 10. Mai. (Eine kirchenmusikalische Feier.) Am Sonntag, den 13. Mai findet in der evangelischen Kirche eine kirchenmusikalische Feier statt. Zur Aufführung gelangt: „Vom Kreuz und Thron" von August Rücker unter Mitwirkung des Posauncnchors. des gemischt-n Chors der Gemeinschaft und des Solisten Spengler-Durlach. Der Reinertrag ist zu Gunsten eines Grundstockes für ein evangelisches Gemeindehaus bestimmt. x Ehrstädt, 10. Mai. (Dienstjubiläum.) Das 25 jährige Ortsjubiläum als Polizeidiener konnte gestern Philipp Lautermilch begehen. Lautermielch hat ia seinem Berus sich allezeit als ein Mann kernfesten Charakters bewiesen, der seine Pflichten stets voll und ernst nahm. fl Bargen, 10. Mai. (Sängerbesuch.) Schöne und genußreiche Stunden wurden der hiesigen kath. Kirchengemeinde am letzten Sonntag bereitet durch den Besuch des Cäcilienchors von Wiesenbach. Fm Bormittagsgottesdienst sang der Wiesenbacher Verein in der Pfarrkirche in Bargen eine lateinische Messe und stimmte durch seinen sehr schönen Gesang alle Kirchenbcsucher zur besonderen Andacht. Das gesellige Beisammensein im Gasthause zum Stern am Nachmittag zeugte von einem harmonischen Zusammenklang der Wiesenbacher Gäste und der hiesigen Kirchengemeinde und nur zu rasch waren die wenigen Stunden verflossen. Sobald es sich ermöglichen läßt, wird der Kirchenchor von Bargen einen Gegenbesuch in Wiesenbach abstattcn. x Wimpfen, 10. Mai. (Die Schachteinfahrt in das Salzbergwerk Kochendorf), sowie die Besichtigung der Pfalz und der Klöster von Wimpfen hat in diesem Jahre erstmals am 6. Mai mit einer Teilnchmerzahl von zirka 1000 Personen stattgefunden. Nächste Schachteinfahrt ist am kämmenden Sonntag, den 13. Mai. Um eine reibungslose Einfahrtsmöglichkeit zu bewerkstelligen, ist vorherige Anmeldung von Bereinen bei den Gemeinden Wimpfen, Iagstfcld oder Kochendors notwendig. — Am Pfingstsonntag findet eine Beleachtung der Stadtsilhouette And der Hohenstaufen-Kaiserpfalz statt. ^ » Nrckarsteimuh, io. Mai. (Unglücksfall.) Ein 8 jähriger Schüler wollte am Montag kurz hinter einem vorbeifahrenden Auto die Straße überqueren und beachtete dabei nicht, daß noch Freitag, den 11. Mai 1928. ein weiteres Auto des gleichen Weges kam. Er wurde von diesem erfaßt und kam unter das Auto. Fn schwerverletztem Zustande brachte man das Kind in die Klinik nach Heidelberg.- jedoch ist Hoffnung vorhanden, es am Leben erhalten zu können. * Neckargemünd, 10. Mai. (Heimatgeschichtliche Siewmäler.) Zurzeit wird beim Klosschen Besitztum am Slreckfüßel die Gar- tenmauer repariert. Dabei wurden auch die dabei stehenden c^tein- kreuze ausgehoben. Während nun das eine noch ganz unbeschädigt durch seine wuchtige Größe auffällt, hat das andere schwer gelitten. Erfreulich ist. daß die beiden Kreuze wieder an der alten Stelle aufgestellt werden und aus der geplanten Versetzung nichts wird. x Vom südlichen Odenwald. 10. Mai. (Schnee.) Heute früh waren unsere Höhen von einem winterlichen Schneetreiben umspielt, so stark, daß an Hängen und auf den Hochflächen eine Schneedecke lag. Die Sonne leckte sie später wieder rach, ab. Auch tagsüber genoß man öfters dasselbe Schauspiel. Z Odenheim, 10. Mai. (Die Hand in die Stanzmaschine) brachte der in der Metallfabrik Bolich beschäftigte jugendliche Arbeiter Josef Iochum, sodaß ihm drei Fingerspitzen abgedrückt wurden. x Sulzfeld, 10. Mai. (Auswanderer.) Wieder haben zwei junge Leute die Ausreise nach Amerika angetreten: Kail Schlez und August Eigenmann. Ihre Abreise zeigte die in dem Kreise ihrer Freunde herrschende Kameradschaftlichkeit; es wurde nicht nur der Abschied gebührend gefeiert, sondern für ein weites Geleite Sorge getragen. x Nußloch, 10. Mai. (Aus der Mahlbewegung.) Nachdem dies bereits am Tage zuvor in Leimen geschehen war, fand ain Montag abend im Nebenzimmer „zum Löw'n" ein demokratischer Franenabend statt. Frau Hofheinz (Heidelberg) sprach, über die Notwendigkeit der politischen Aufklärung der deutschen Frau und über die Entwicklung des Fraucnwahlrechtes. x Michelstadt, 10. Mai. (Hellpach in Michelstadt.) Professor Hellpach-Heidelberg hielt !m „Alldeutschen Hof" einen überaus gut besuchten Bortrag über das Wesen und die Ziele der deutschen demokratischen Partei. Er bczeichnete es als das Ziel des nächsten politischen Strebens, den deutschen Bolksstaat innerlich zu festigen. Er befürwortete die Bildung einer großen Linkskoalition, wobei er die Deutsche Bolkspartei der Linken hinzu zählte. Eingehend sprach er über die für Deutschland notwendige Kulturpolitik, die von der gleichen Toleranz getragen sein, müsse, wie sie der kulturpolitische Inhalt der Weimarer Verfassung ausweist. Die Rede wurde mit starkem Beifall ausgenommen. **' Mannheim, 11. Mai. (An den Rechten gekommen.) Ter erste Gewinn in der Mannheimer Maimarkt-Lotterie, ein Viererzug im Werte von 4500 Mark, kam an den seit längerer Zeit arbeitslosen Dreher August Benz, Mannheim. ** Mannheim, 11. Mai. (Opfer eines unausrottbaren Unfugs.) Auf dem Gehweg der Breitenstraße vor R 1 glitt ein 67jähriger Kaufmann auf einer Apfelsinenschale aus, stürzte zu Boden und brach das linke Bein. Er wurde durch einen Kraftwagen nach seiner Wohnung verbracht. ** Mannheim, 11. Mai. (Durch Alkohol zum Verbrecher.) Wegen Sittlichkeitsverbrechens und zahlreicher Betrugsstrafen hat der 53jährige Händler Christian Scherz von Fürfelö schon 13 Jahre im Zuchthaus verbracht. In Wallsthdt hatte er wieder einmal zu viel Alkohol zu sich genommen und sich dann schamlos benommen. Dem Antrag des Staatsanwalts gemäß wurde der Angeklagte zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. ** Durlach, 11. Mar. (Verkehrsunfall.) Auf der Straße zwischen Durlach und Karlsruhe wurde eine 20jährige ledige Fabrikarbeiterin, als sie mit ihrem Fahrrad in Richtung Durlach fuhr, von einem entgegenkommenden Personenauto angefahren und an beiden Beinen schwer verletzt. Sie wurde, nach dem Krankenhaus in Turlach verbracht. ** Dnrlach, ll. Mai. (Ein Traindenkmal.) Im Herbst soll in Dnrlach der zweite badische Traintag stattfinden und damit gleichzeitig hie Enthüllung des Traindenkmals verbunden werden. Die Borbcrcitnngen hierzu sind bereits im Gange. ** Karlsruhe, 11. Mai.'(Unfall.) In der Maschinenbau- gesellschaft erlitt ein verheirateier 48jähriger Taglöhner aus Knielingen beim Transport von Formkästen in einem Eisenbahnwagen einen Unfall dadurch, daß ein Formkasten vom Wagen hernnterrutschte und ihm auf dem Kops fiel. Mit einer Gehirnerschütterung und Hautschürfungen an Beinen und Armen mußte er in das Städtische Krankenhaus verbracht werden. ** Karlsruhe, 11. Mai. (Festnahme eines Betrügers.) Ein 90jühriger Eisenbahnassistent von hier, der sich Beamtenwitwen gegenüber als Angestellter der Beamtenbank ausgab und sich Scheckhefte vorzeigen ließ, aus denen er im unbewachten Augenblick Scheckblättcr stahl. Bei verschiedenen Zahlstellen der Bcamtenbank und anderen Bankinstituten löste er die Schecks ein, so daß ihm zirka 1300 Mark in die Hände fielen. ** Karlsruhe, 11. Mai. (Blinder Passagier.) In Straßburg schlich sich ein Lehrling von Greincang (Polen) in den nach Prag fahrenden Schnellzug, um kostenlos nach der Tschechoslowakei zu kommen. Zwischen Offenburg und Karlsruhe jedoch wurde er vom Zugpersonal aufgefunden und hier der Polizei übergeben. ** Lahr. 11. Mai. (Verkehrsunfall.) Gestern nachmittag fuhr ein aus der Bahnhof- in die Luisenstrahe einbie- gender Lastkraftwagen, der von einem Metzger aus Mahlberg gelenkt wurde, auf den Gehweg in der Luisenstraße. Der bet der Firma Waeldin-Hubcr beschäftigte Ausläufer Ernst Blaschka. wohnhaft Roonstraße 13, der auf dem Gehweg ging und ein Fahrrad auf der Fahrbahn schob, wurde vom Wagen angefahren und gegen ein Haus gedrückt. Der Ausläufer erlitt schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen ** Freibnrg, ii. Mai. (Eine Eheschließung mit falschen Papieren.) Aus einem Wohnwagen wurde in der Umgebung von Freiburg der von den Behörden seit langem gesuchte Buchdrucker Karl Fiedler aus Kulmbach aufgegriffen. Fiedler ist 1922 aus dem Zuchthaus in Luckau (Provinz Brandenburg), wo er eine Strafe verbüßte, ausgebrochen, seitdem war er nicht wieder aufzufinden Er reiste auf die Ausweispapiere eines Karl Möser aus Dresden, die dem rechtmäßigen Inhaber vermutlich geraubt wurden, vielleicht aber existierte der fragliche Möser überhaupt nicht. Fiedler behauptete, er habe die Papiere in einer Dresdener Herberge käuflich erworben. Mit den falschen Dokumenten heiratete er im Jahre 1925 in Bohlingen bei Radolfzell eine von Haslach im Äinzigtal stammende Frauensperson. ** Teningen, 11. Mai. (Auf die Straße gestürzt.) Das sechsjährige Kind des Kaufmanns Bertsch lehnte sich über die Veranda und stürzte auf die Straße, wo es mit schweren Verletzungen liegen blieb Das Kind ist kurze Zeit darauf im Krankenhaus gestorben. ** Riedereschach, 11. Mai. (Vom elektrischen Strom getötet.) Tie Warnung, baß Nfchtfachleute sich an elektrischen Leitungen nicht zu schaffen machen sollen, hat im benachbarten Schura wieder einmal eine traurige Bestätigung ! i I : Nr. lll. Jahrgang 1928. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 11. Mai 1828. gefunden. Der 19 Jahre alte Fritz Köhler wollte von der im Hanse angebrachten elektrischen Leitung einen Draht in den Keller führen. AlS er nach Fertigstellung der neuen Leitung die Birne einsetzen wollte, sank er plötzlich vor den Augen der erschreckten Mutter tot zu Boden. Jedenfalls wurde bei der Anlage ein grober Fehler von dem Vernn- gliickten gemacht. Billingen, 11. Mai. Großes Glück beim Fischfang halte ein hiesiger Fischwasferpächter. Er sing in der Donau bei Nendingen seinen ersten Hecht, der ein Prachtexemplar von einem Meter Länge und 16 Pfund Gewicht war. ** Salem, bei lleberlingen, 11. Mai. (Schwerer Kirchendiebstahl.> Borgestern wurde in dem hiesigen berühmten Münster entdeckt, daß ans dem Schatz in der Sakristei die schönste und wertvollste Monstranz, außerdem drei der wertvollsten Kelche gestohlen waren. Augenscheinlich sind noch andere Kostbarkeiten des Schatzes entwendet worden. Fenster und Türen sind unverändert, so daß es sich um keinen Einbruchsdicbstahl handeln kann. Bon den Dieben fehlt bis jetzt jede Spur. ** Speyer, 11. Mai. sSelbstmord eines Schülers.) In feiner elterlichen Wohnung erhängte sich der 16 jährige Mittelschüler 'Robert Durst. Man nimmt an, daß er sich ans verletztem Ehrgeiz das Leben genommen hat, weil er sich dem Gesangsstndium nicht widmen durfte. ** Saarbrücken, 11. Mai. (Gilt ungetreuer Bankdirek- ivr verurteilt.) Tie Strafkammer verurteilte den früheren Direktor der Rheinisch-Saarländischen Wirtschaftsvermitt- lnng G. m. b. H., Erwin Herz, dessen Verhaftung im November vorigen Jahres großes Aufsehen erregte, wegen Untreue zu einem Jahr Gefängnis mit Strafausschnb. Her" hatte in den Jahren 1914—1927 als Bevollmächtigter der eidgenössischen Versicherungsgesellschaft durch eigenmächtige Verfügung über Gelder der Gesellschaft insgesamt 300 00i’ Mark veruntreut. Zwei Scheunen eingcäschert. Reckargerach, 11. Mai. In der Nacht zum Montag brannten hier die Oekonomiegebünde der Landwirte Hanf und Veith vollständig nieder. Die anstehenden beiden Wohnhäuser konnten vor dem Brande geschützt werden. Auf etwa 6000 M. dürfte der Brandschaden geschätzt werden. Erdrutsch in Mittelilalien Rom, 11 . Mai. Wie das „8-Uhr-Abendblatt" aus Rom meldet, kam es bei Ascoli Picenod infolge anhaltenden Regens in der Nähe der Eisenbahnlinie zu einem Erdrutsch, von dein zwei Häuser erfaßt wurden. Ein Personenzug. der bald darauf die Strecke passierte, entgleiste infolge der Gesteinsmasten, die die Schienen befleckten. Aus den Trümmern des Zuges, dessen Wagen sämtlich umstürzten, wurden bisher drei Tote geborgen. Unter dem Schutt der in die Tiefe geiisscnen Häuser lagen sechs Tote. 18 Personen wurden verletzt. Ter Verkehr auf der Strecke wird voraussichtlich erst in fünf Tagen wieder ausgenommen wer- - ' den. Rom, 11. Mai. (Funkspruch.) Aus den Trümmern des bei Grottamare infolge eines Erdrutsches entgleisten Eisen- bahnznges sind elf Tote, darunter zwei Kinder, und 16 Verwundete geborgen worden. Raubübersall bei der Tunneldurchfahrt Paris, 11. Mai. Im Schnellzug Lyon—Nantes wurde am Mittwochnachmittag, während der Zug den Tunnel St. Irene durchfuhr, auf den Beamten im Postwagen ein Attentat verübt. Der Beamte, der zufällig allein im Wagen befand, wurde von mehreren Unbekannten überfallen und ; schwer mißhandelt, bis er bewußtlos am Boden liegen blieb. Diesen Augenblick benutzten die Verbrecher; um einen Postsack, enthaltend Einschreibesendungen, zu stehlen. Es gelang ihnen zu entkommen, bevor noch der Zug den Tunnel verlaffen hatte. Ter Postbeamte, der nach einiger Zeit wieder zu sich kam, konnte schließlich die genauen Einzelheiten des Ueberfalles schildern. Der geleerte Postsack wurde im Tunnel wiedergefunöen. Von den Verbrechern keblt jede Svur. 3m Gefängnis vergessen. Berlin, 10. Mai. Der ungewöhnliche Fall, daß jemand im Gefängnis vergessen wird, hat sich in Moabit ereignet. Seit kurzem befand sich ein Provisionsreisender in Untersuchungshaft. Bor zehn Tagen wurde jedoch der Haftbefehl aufgehoben: er hätte demgemäß sofort auf freien Fuß gesetzt werden müssen. Gestern kam nun der Verteidiger in einer anderen Sache nach dem Untersuchungsgefängnis. Dort wurde ihm gesagt, daß der Reisende, den er schon seit zehn Tagen in der goldenen Freiheit vermutete, ihn zu sprechen wünsche. Richtig wurde auch bald darauf der Reisende vorgeführt und es stellt« sich heraus, daß er vergessen worden war. Schuld daran scheint der Umstand zu sein, daß die Akten über seine Strafsache seit der Aufhebung des Haftbefehls verschwunden sind. Sie sollten an eine andere Amtsstelle übersandt werden und seitdem hat man von ihnen nichts mehr gesehen; sic sind wahrscheinlich an einer falschen Stelle abgegeben worden. Der Reisende will nun durch seinen Verteidiger Schadenersatzansprüche an die Fustizverwaltung stellen. Der Man«, der kein Kindergeschrei liebt. Einen eigenartigen Fund machte kürzlich ein Chauffeur in Vichy in Frankreich, der, von einer längeren Fahrt zurückgekehrt, sich in einer Gastwirtschaft ein wenig erfrischt hatte. Als er wieder an seinen Wagen trat, fand er zu seinem Staunen zwei recht kleine Passagiere darin, die friedlich schliefen, und zwar zwei Babys, die fein säuberlich je eine Karte um den Hals gebunden trugen, aus welcher hervorging, daß der eine der beiden kleinen Fahrgäste ein Junge von 8 Monaten und Nr. 2 ein Mädchen von 4 Monaten sei. Weitere Angaben fehlten jedoch, und der bestürzte Kraftwagenfüyrer konnte auch keinerlei Spuren finden, wer ihm diese „Fuhre" aufgelaüen hatte. Es blieb ihm schließlich nichts weiter übrig, als zur Mairie zu fahren und dort seine beiden Gäste abzusetzen, die denn auch zunächst einmal in einem städtischen Kinderheim untergebracht wurden. Späteren Nachforschungen der Polizei gelang es dann, festzustellen, wohin die Kinder eigentlich gehörten und wie sie in den Wagen des Chauffeurs gekommen waren. Sie waren von ihrem Vater, einem kleinen Photographen, ausgesetzt worden. Seine Frau war ihm mit einem Liebhaber durchgebrannt, und wie er erklärte, habe er sich keinen Rat gewußt, was er mit den Kindern anfangen sollte. Er habe zwar eine Pflegerin für sie engagiert, aber ihr beständiges Geschrei habe ihn zur Verzweiflung gebracht, so daß ihm zuletzt der Gedanke kam, sich ihrer irgendwie zu entledigen. Eines Tages, als sie beide schliefen und die Pflegerin ausgegangen war, habe er sie in Tücher gewickelt und sei mit ihnen aus die Straße gegangen, wo er nach einer Weile des ziellosen Herumwanderns das unbewacht dastehende Auto gefunden habe. Der Pflegerin habe er dann erklärt, er habe die Kinder zu seiner Schwester aufs Land gebracht. Das mörderische Radium. Großes Aufsehen erregt in Newyork der Tod von sechs jungen Mädchen, die in einer Radium-Gesellschaft beschäftigt waren. Auf Grund dieser Todesfälle haben sich jetzt die sämtlichen weiteren weiblichen Angestellten der Firma geweigert, ihre Arbeit fortzusetzen, falls nicht besondere Vorsichtsmaßnahmen dabei seitens der Gesellschaft getroffen würden. Bereits vor einem halben Jahre waren die jungen Mädchen bei dem Betriebsleiter in der gleichen Angelegenheit vorstellig geworden, doch ohne Erfolg. Sie behaupteten, daß ihre Beschäftigung sie in des Wortes wahrster Bedeutung langsam auffräße. Sie mußten nämlich die Zifferblätter und Zeiger von Taschenuhren mit einer radiumhaltigen Leuchtmasse bestreichen und die hierbei gebrauchten Pinsel mit den Lippen anfeuchten. Wie die neuesten Forschungen der medizinischen Wissenschaji ergaben, hat nun Radium, selbst in geringen Mengen dem menschlichen Körper zugeführt, die Eigenschaft, unter gewissen Umständen gewebezerstörenü zu wirken und namentlich auch Veränderungen in der Knochensubstanz hervorzurufen, die mit den durch Tuberkulose verursachten große Aehnlichkeit haben. Wie die Gutachten der medizinischen Sachverständigen vor Gericht bestätigen, haben diese Gewebeveränöerungen auch den Tod der sechs jungen Mädchen herbeigeführt. Die beklagte Firma behauptete zwar, daß die gesundheitliche Schädigung aus die eigene Unvorsichtigkeit der Arbeiterinnen zurückzuführen sei, denn es sei diesen niemals befohlen worden, die Pinsel mit den Lippen anzufeuchten, aber sie wurde trotzdem zur Zahlung eines beträchtlichen Schadenersatzes an die Angehörigen der Verstorbenen verurteilt, weil sie es unterlassen hatte, Wassernäpfchen aufzustcllen, in die die Pinsel getaucht werden konnten. Anstiftung zum Selbstmnrd. Schwere Verfehlungen eines Privatlehrers. Die Berliner Kriminalpolizei verhaftete den 37 Jahre alten Dolmetscher und Privatlehrer Johannes Bandlon, der sich an einem seiner Schüler aufs schwerste vergangen und versucht hatte, ihn zum Selbstmord anzustiften. Bandlon hatte vor einiger Zeit in einem Warenhaus einen 13jährigen Gymnasiasten, den Sohn eines kleinen Beamten aus Neukölln, angesprochen und sich erboten, ihm Nachhilfeunterricht zu erteilen. Der Knabe zeigte die Karte seines neuen Bekannten den Eltern. Auf eine Zuschrift des Vaters erschien Bandlon in der Wohnung und vereinbarte, baß mit Rücksicht auf die materiellen Verhältnisse des Vaters der Unterricht unentgeltlich sein sollte. Die Nachhilfestunden wurden bald in der Wohnung des Lehrers, bald in der des Schülers gegeben. Wie jetzt feststeht, hat Bandlon sich an dem Knaben vergangen. Als eines Tages durch einen Zufall bei dem Knaben ein Brief gefunden wurde, der keinen Zweifel über die wahren Zusammenhänge ließ, gab Bandlon dem Kinde sechs Tabletten eines starken Schlafmittels, mit der Weisung, drei auf der Straße und drei kurz vor Betreten der elterlichen Wohnung einzunehmen. Glücklicherweise gehorchte der Schüler nicht, die Mutter fand in der Tasche die Tabletten. und erst letz« fand der Schüler den Mut. eine erschöpfende Beichte abzulegen. Die Niedertracht Bandlons ging aber noch weiter. Er schrieb an die Eltern des Schülers am nächsten Tag eine« Brief, in dem er den Knaben beschuldigte, ihm das Gift ge- stöhlen zu haben. Er wollte auf diese Weise die Selbstinvrd- suggestion von sich abwälzen und den Knaben, den er körperlich und seelisch ruiniert hatte, zum Diebe stempeln. ^ Radio»Programm ^ für Samstag, den 12. Mai1928. Berlin (483), Königswustrchanfen (1250), 20.30 Uhr: Einakter- Abend. 22.30 Uhr: Maienzeit. Breslau (322), 20.30 Uhr: Das Mikrophon belauscht den Früh-' ling! Nachligallenkonzert in einem Breslauer Park. 21.0« Uhr: Fm Volkston. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Frankfurt (428), 11.30 Uhr: Kassel: Elöffnungsfeieriichkeiten der „Grünen Maiwoche" Kassel. 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.3« Uhr: Konzert: F. Smetana. 17.47 Uhr: Die Lefestund«. 18.30 Uhr: Der Briefkasten. 18.45 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Bunter Abend. Darauf' Tanzmusik. Hamburg (394), 20.30 Uhr: Ue. v. Berlin. Darauf: Ue. d. K«n- zerts a. d. Cafe Wallhof. Köln-Lwigenberg (488), 11.00 Uhr: Ue. d. Eröffnung der Internationalen Ausstellung „Pressa". 20.15 Uhr: Lustiger Abend, eine fröhlich« Rheinfahrt. Darauf: Nachtmusik und Tanz. Leipzig (365). 20.00 Uhr: Aus Fritz Reuters Werken. München (535), 19.30 Uhr: Die Werdenfclfer. Bolkschöre mit Schrammelbegleitung. 20.30 Uhr: „Der Liebesbrief". Ein« Groteske v. Awertfchenko. 20.05 Uhr: Freut euch des Lebens! , Stuttgart (379), 11.00 Uhr: Uebcrtragung von Köln. Anfchl. Schallplattenkonzert. 14.00 Uhr: Kinderstunde. 15.00 Uhr: Unterhaltungskonzert. 20.30 Uhr: Kammermusikabend. 21,15 Uhr: Funkbrettl. Anfchl. Tanzmusik. Daventry-Experimmtal (491), 20.00 Uhr: Bunte Stunde 21.0» Uhr: „Cedipus Rex", Opern-Oratorium. 22.20 Uhr: Orchesterkonzert. E. Schick, Radio-Vertrieb. StNSheiM 0. E. Zubehör — Einzelteile — Reparaturen — Beratung — Ladestativn Radio-LtterMr, Prsgrsmul-Zettschrist?« bei 3 . Do«. Buchhdl,.. kinshei«. Reueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Dereinsbank. e. <5. m. b. H. Sinsheim vom 11. Mai 1928. Unleihe»: Isfchuld mit «nslofnngSfchein • ohne Auslosungsschetn . «hndMkHc Bad. Baut .... Darmftiidter- und Nattonalbanl Deutsche Bank .... Deutsche Beretnsbank Dresdner Bank .... Mitteldeutsche Lredttbaul < . Reichsvank .... Rhein. Kreditbank 8üdd. Disconto Bes. in »fo 51,70 181,4 in «A> 157 >74 163 lu2 1 /s llli/i >14 338 128 138 Birg»«»«»- WH« ln E arpener Bergbau . . — ak Weperegeln . . . 2o«»/s ManneSmannröhrenwerke. . iss Mansfelder Bergb. u.Hütteuw — Oberschi. Sisenb. Bedarf . . 107-/. Phönix Bergbau u.Hüttenbetrteb 9t-,« Sazwerk Heilbronn . . . 184 Berleinigte NöntgS- Laurahütte S4>/> WHen indnNr. ttutcntlwiit«: in °/o Ällg. iklelrr. Stammaktien. . I6sy, Bad. Elektrizität Mannheim . — Bad. Matchtneu Durlach . . 14» v* Sementwert Heidelberg . Daimler Motoren . Dtfch. «Sold- un Silberschetd«. Elektr. Licht «nd «rast . Smaill.und Stanzwerk Ullrich Srttzner Maschinen Dnrlach . Karlsruher Maschinen . . Nnorr Hellbraun Mainkraftwerke Höchst . , Reckarfulmer Fahrzeugwcrke.. Schmiert Elektr. Nürnberg . Selltndustrtc Woist . Südd. Zucker . . Zellstost Waldhof Slamattlen . Aktie» deutscher Transnortanstalle»: 1511/4 > 17»,2 193 228,86 »7*1,4 l36 167 113 »W, 205 751/, 1479/4 3041/, kn *'• 1*4% Wetterbericht. Karlsruhe, 10. Mai. Unter dem Einfluß der von Norden cinströmenden Kaltluft gingen die Temperaturen auch gestern noch etwas zurück. Die schauerartigen Niederschläge fielen bis zur Ebene herunter als Schnee. Auf dem Jeld- berg haben die Schneefälle der letzten beiden Tage eine Schneedecke von 10 Zentimeter erreicht. Der hohe Druck schiebt sich jetzt langsam aus Nordwesten gegen das Festland vor. Zu Niederschlägen wird es daher kaum noch kommen, dagegen besteht nunmehr auch für die Ebene erhöhte Nachtfrvstg-'fahr. A'IiIII!III!I!IIttIiIss!NMIIIMIINlMlttI»riIINlIIMI»II>NII«IIIIIINM»L Täglich frische I Knaben-Kleidung I SGwetzlnger Mmdvkrmge mi' " Bnxkinart Sportform, Größe 1 . . ia Manchester Sportform, Große 1 ♦ . . 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