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Einen Freispruch konnte die Regierung nicht ertragen, und so hat man diesen politischen Prozeß mit einem politischen Spruch beendet. Die Franzosen werden wohl erst in fernerer Feit einsehen lernen, was sie mit diesem Spruch des Kolmarer Gerichts angerichtet haben. Hohnlächelnd hat nicht nur die autonomistische Presse, sondern ebenso die autonomistenfeindliche Presse des gesamten Elsaß-Lothringen (mm den französischen Propagandablättern natürlich abgesehen), immer wieder gefragt: Wo ist das Komplott? Und dieser Polksstim- mung bietet man das bereits gemeldete Urteil. So hat Frankreich zum Selbstbestimmungs- und Minderheitenrecht gesprochen. Laut wird es der Welt verkünden: Daß elsässische Geschworene die Autonomie als ein Perbrechen verurteilt haben. Aber es vergißt, daß man in der Welt heute weiß, daß Ricklin und Rosse mit überwältigender Stimmenmehrheit vor vier Wochen zu Abgeordneten des elsässischen Volkes gewählt worden sind, daß in dem Prozeß Senatoren und Abgeordnete des elsaßlothringischen Volkes als Zeugen schützend vor die Angeklagten getreten sind, daß die Geschworenen im Elsaß Kraft einer unerhörten Bestimmung, daß der Geschworene die französische Sprache beherrschen muß, nicht Vertreter des elsässischen Volkes sondern einer kleinen Schicht der Frankreich durch dick und dünn folgenden Bourgeosie angehören. Die wenigen Ausnahmen, die aus den Arbeiter- und Bauernkreisen stammen, Hat man geschickt zurückzuweisen verstanden. Frankreich schickt die vom Volk gewählten Männer in die Verbannung. Es möge sich nicht wundern, daß man in der Welt aufhorcht. Frankreich kritisiert die deutsche Seorteilung Berlin, 26. Mat. Die Stellungnahme der deutschen Presse zum Kolmarer Prozeß, die in den Pariser Blättern in aller Breite wi^dergegrben wird, hat große Erregung hervorgerufen. Die Ausführungen der „Germania" und der „Täglichen Rundschau" werden mit dem Vorwurf zurückgewie- ler» daß mau sich iu Deutschland nicht i« die französische« Verhältnisse hineinmische« dürfe. Auch die Nachmittagspreffe bringt eine Reihe von Aeutze- rungen zum Kolmarer Prozeß, die sich nicht wesentlich von den Stimme» der Vormittagsblätter unterscheiden. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Frage, ob die Wahl Ricklins und Roffös gültig sei und ob die beiden Abgeordneten der nenen Kammer angehörc« würden. Die Entscheidung müsse von der Kammer selbst gefällt werden. Das Journal des Debats ist der Auffassung, daß die verurteilten Abgeordneten ihres Mandats verlustig seien. Ein Erlaß vom 2. Februar 1852 besage, daß jeder Abgeordnete seines Mandates verlustig sei der während seiner Mandatsdauer wegen eines schweren Verbrechens verurteilt worden sei. Eine Verschwörung sei auch ein derartiges Verbrechen. Es sei daher die Aufgabe des Justizministers, dem Präsidenten der Kammer die Unterlagen zu unterbreiten, sobald das Kolmarer Urteil rechtskräftig geworden und die Bernfnng verworfen sei. Der Jntransigeant bemerkt, daß Ricklin und Roffö Straf- auffchub erhalten würben, bis ihre Berusungsklage erledigt sei. Bei der Behandlung der Angelegenheit durch die Kammer würde die Regierung sicherlich nicht verfehlen, sich selbst zu äußern und die Verantwortung auf sich zu nehmen. Ter Abgeordnete von Hagenau, Michel Walther, hat dem Kammerpräsidenten den Beschluß unterbreitet, die Kammer möge gemäß Artikel 14 des Gesetzes von 1875 beschließen, daß die Abgeordneten Ricklin und Roffö für die Dauer der Parlamentssesfion sofort in Freiheit gesetzt werden. Damit hat Walther die Behandlung der Angelegenheit durch die Kammer sofort naK ihrem Zusammentritt notwendig gemacht Schweizer Stimme». Basel, 26. Mai. (Funkspruch.) Das „Baseler Volksblatt" verurteilt in deutlichster Form das Kolmarer Urteil. Der Spruch sei offenbar bereits im voraus festgelegt gewesen. Justitia" habe nicht mit verbundene« Ange«, sonder« mit gebundenen Hände» «nd zngestopste« Ohre« in Kolmar gestanden, nicht sie, sondern die Politik habe geurteilt. Auch die „Baseler Nachrichten" bedauern die unvermeidliche Verschärfung der Stimmung in Elsaß-Lothringen. Bei gewissenhafter Prüfung der Berhandlungsergebniffe hätten die Geschworenen die Angeklagten unbedingt freisprechen müssen. Es sei weder ein Rechts- noch ein Volksurteil gewesen. Das pariser Echo des Kolmarer prozeffes Paris, 25. Mai. (Funkspruch.) Das Blatt des Herrn Eoty, der „Ami de Peuple", schließt bei der Beurteilung der Kolmarer Urteile noch weit über den Rahmen der übrigen Rechtspresse hinaus. Das Blatt bemerkt, es seien immer stoch zwei Elsaß-Prozesse zu verhandeln. Der eine von ihnen würde sich vor allem wieder mit der deutschen Propaganda in Elsaß-Lothringen zu befassen haben. von Kolmar. Man habe aber den Eindruck, daß die französische Regierung ans Anhänglichkeit an Locarno diese» Prozeß gern verhindern wolle. In der unabhängigen und in der Linkspresse wird das Kolmarer Urteil wesentlich anders kritisiert. Nur der „Homme Libre" findet, daß die Kolmarer Geschworenen nach ihrem gesunden Menschenverstand geurteilt hätten. Die radikalsozialistische „Volontee" dagegen befürchtet, daß das Kolmarer Urteil keine Beruhigung in Elsaß-Lothringen schaffe. Die Geschworenen hätten sich durch ihr Urteil in einen Gegensatz zum elsässischen Volk gestellt. Das „Oeuvre" schreibt, wenn ein Komplott wirklich Vorgelegen hätte, sei das Kolmarer Urteil sehr milde gewesen. Wenn aber kein Komplott bestanden habe, so sei es nicht der Mühe wert gewesen, einen solchen Lärm zu machen. Tatsächlich sei zu erwarten, daß der ganze Kolmarer Prozeß die Autonomiebewegung eher gestärkt als geschwächt habe. Die kommunistische „Humanitee" erklärt, daß das Urteil in Kolmar nur durch die Einschüchterngsmanöver des Gerichts gegenüber den Geschworenen so hart ausgefallen sei. Es werde nicht mehr lange dauern und das elsässische Volk werde seine Revanche haben. ■ Bemerkenswert ist die Haltung eines in der Kolmarer Kritik bisher alleinstehenden Rechtsblattes, des „Victoir". Dieses erklärt den Kolmarer Prozeß für einen Manöver- prozetz, der bei der Eigenart des Elsasses keine neutralen Geschworenen gehabt haben könnte. Jeder kaltblütige Franzose müsse zugeben, daß die Kolmarer Angeklagten die elsässische Autonomie nur im Rahmen Frankreichs gewollt haben. Das „Petit Journal" erklärt dagegen wieder, das Kol- marer Urteil zeige, daß das Elsaß der dunklen Autonomiemanöver müde sei. Der „Gaulois" hofft, daß das Urteil das Elsaß vor weiteren Niedergang bewahre. Die letzten Kolmarer Demonstrationen hätten wieder einmal bewiesen, wie weit die irre geleiteten Elsässer demoralisiert seien. Revision wegen Kolmar eingelegt Kolmar, 26. Mat. Wie das „Berliner Tageblatt" aus Kolmar meldet, haben die Verurteilten im Kolmarer Prozeß bereits die Nichtigkeitsbeschwerde beim Kaffatianshof eingereicht. Es gilt, angesichts der zahlreichen Formfehler in der Verhandlung, für sicher, daß diese Erfolg hat und die ganze Angelegenheit noch einmal vor einem anderen Schwurgericht aufgervllt werden wird. Me Franzosen nehmen ln Zweibrücken Verhaftungen vor Zweibrücken, 26. Mai. (Funkspruch.) Bekanntlich war am 1. Mai vom französischen Offizierkasino in Zweibrücken die Trikolore heruntergeriffen worden. Dieser Vorfall führte gestern noch zu aufsehenerregenden Verhaftungen. Gegen 5 Uhr morgens wurde die in den 30er Jahren stehende Anna Kornberger aus ihrer Wohnung heraus verhaftet und nach Landau gebracht. Um %6 Uhr erfolgte die Verhaftung des Garagenbesitzers Eugen Franck, der um 9 Uhr gefesselt nach Landau überführt wurde. Beide Verhafteten, die nach dem Flaggenzwischenfall mit zwei jungen Leuten im Kraftwagen in das unbesetzte Gebiet gefahren waren, werden von den Franzosen beschuldigt, diese, die angeblichen Täter, nach dem rechtsrheinischen Ufer in Sicherheit gebracht zu haben, was beide Verhafteten jedoch entschieden bestreiten. Anhaltende Kundgebungen in Innsbruck Innsbruck, 26. Mai. Die antiitalienischen Kundgebungen am Donnerstag dauerten auch noch in den Nachtstunden an. Während in der inneren Stadt Ruhe herrschte, zog am späten Abend ein langer Zug von Demonstranten in die Straße, wo der italienische Konsul seine Wohnung/ijat. Die Polizei hatte jedoch einige Straßenzüge abgesperrt und hielt die Demonstranten zurück, die es bei lauten Protestkundgebungen bewenden ließen. Nach der Rückkehr des Zuges in die innere Stadt löste er sich auf, während sich in anderen Straßen und in der Maria-Therestenstraße abermals sich Demonstranten zusammenrotteten, die jedoch von der Polizei auseinandergetrieben wurden. Insgesamt wurden am Donnerstag 14 Personen verhaftet und dem Polizeiamt zugeführt. Bei den Zusammenstößen am Nachmittag zwischen Polizei und Demonstranten wurden eine Reihe von Personen, darunter auch Frauen, verletzt. Der Geßlerhut von Innsbruck. Dir Wien« Press« üb« den Zwischenfall von Innsbruck. Wien, 25. Mai. In den Blättern kommt das Bedauern darüber zum Ausdruck, daß die gewaltsame Entfernung der italienischen Flagge vom Konsulat in Innsbruck durch jugendliche Hitzköpfe die Tiroler Landesregierung in die Zwanglage versetzte, sich gemäß der Forderung bei dem italienischen Generalkonsul zu entschuldigen und die Flagge unter militärischen Ehren wieder hissen zu lassen. Die unbedachte Handlung der Tiroler Jugend wird daher von den Blättern bei Anerkennung der Motive gerügt. Bor allem aber begegnet dte Tatsache der Hissung der italienischen Flagge am Tage der Kriegserklärung siitens drs Siegers »m Lande des Besiegten scharfer Beurteilung. So schreibt die „Reue Freie Pressetz: Selbstverständlich wäre es rücksichtsvoll gewesen, und wir hätten cs dankbar empfunden, wenn im Lande der Besiegten und insbesondere in Tirol eine solche Kundgebung unterblieben wäre. Der „Tag" bezeichnet die Beflaggung der italienischen Vertretung in Innsbruck als eine Geschmacklosigkeit und Taktlosigkeit sondergleichen. In der „Polkszeitung" heißt es: Gerade dem Tiroler muß dieser Geßlerhut des italienischen EiegttS besonders schmerzlich sein. Wenn auch das reale Interesse Oesterreichs sicherlich gute Beziehungen zu Italien fordert, und die Demonstrationen in Innsbruck diesen Beziehungen ebenso gewiß nichts nützen werden, so kann man doch die Erregung der Innsbrucker Bevölkerung sehr wohl mitfühlen. Zaleski über Polens Wirtschaftspolitik. Warschau, 25. Mai. Der polnische Außenminister Zaleski gab heute im auswäritgen Ausschuß des Senats ergänzende Erklärungen zu seinem politischen Rechenschaftsbericht in der auswärtigen Kommission des Sejm. Der Minister ging dabei zunächst auf die Diskussion ein, die sich gestern an seine-Rede in der Sejm-Kommission angeknüpft hatte. Er verwies zunächst auf das Friedensstreben, das sich nach dem Kriege in allen Völkern geltend gemacht habe, das aber allerdings auch dazu geführt habe, destruktive Tendenzen tn den Mantel der Friedfertig' keit zu hüllen. Ausführlicher beschäftigte sich Zaleski dann mit Fragen der internationalen Wirtschaftspolitik. Polen habe den Willen, zum wirtschaftlichen Liberalismus in seiner Außenhandelspolitik zurückzukehren, wenn die Grundsätze des Freihandels internatlonale auch auf die Agrarproduktion und die Urproduk ton z. B. Kohlen, angewendet wurden. Es sei bereit, selber seine Zollschranken weiter abzubaucn, wenn andere Länder gleichzeitig ähnliche Maßnahmen ergreifen würden. Der Minister berührte dann kurz die schwebenden internationalen Diskussionen über die Revision des Dawes-Planes und über die schleunigste Räu- des Rheinlandes. Beide Fragen hätten indirekt, die Rheinlandräumung auch direkt für Polen Bedeutung und die polnisch« Außenpolitik würde ihr Interesse daran auch geltend machen. Zu den deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen äußerte sich Zaleski ähnlich, wie bereits im Sejm, indem er den gute» Willen der polnlßhen Regierung zum Abschluß des Vertrages- betonte und erklärte, daß leider in Deutschland bisher politische. Einflüsse eine Verständigung erschwert hätten. Eine Protestnote des Sowjetgesandten in Warscha« an die polnische Regierung. W a r sch a «, 2«. Mai. (Funkspruch.) Der Sowjetgesandte Bogomolo« hat der polnischen Regierung wegen der angeblichen Spionaegangelegenheit Tnrkow in Krakau eine Note überreicht, in der er in entschiedener Form gegen die Verbindung dieser Angelegenheit mit der Tätigkeit der So«» jetgesandtschast Verwahrung einlegt. Bogomolo richtet i» der Note die Bitte an die polnisch« Regierung, die Gesandtschaft gegen die wiederholte« grnndlose« Angriffe i« der polnischen Presse zu schützen. Die Donnerstag-Verhandlungen im Schachty-prozeß Sowno, 26. Mai. tFunkfpruch.) Wie aus Moskau gemeldet wird, wurde die Gerichtsverhandlung am Donnerstag mit der Vernehmung Babenkos, die sich auf die Oppositionsbewegung innerhalb der Partei bezog, fast vollständig ausgesüllt. Babenko betont, daß in den Jahren nach dem Bürgerkrieg die Auffassung vorherrschend war: „Es lohn« sich nicht, zuverlässige Baupläne auszuarbeiten, da man abgeben müsse." In der Abendsitzung wurden dann Zeuge» vernommen. Unter ihnen waren Mitglieder der Jugendverbände und, wie betont wurde, ehemalige Angehörige der russischen Armee. Sie behaupteten, Babenko gekannt zu haben, und sagten fast durchweg gegen ihn aus. Irgendwelche bestimmte Tatsachen wurden auch hier jedoch nicht angeführt. Die Deutschen im Kreuzverhör Wie aus Moskau gemeldet wirb, hat sich auf der Freitag- Verhandlung das eigentliche Ziel des Prozeffes herausgeschält. Neben der Einschüchterung der ausländischen Fachleute ist die Sowjetregierung bestrebt, den Kampf gegen die Opposition durchzuführen. Der Angeklagte Babenko sagte aus, daß die Organisation die Lppofitionsbewegung ausnutzen wollte, um einen gcgcnrevokutionärcn Aufstand in der Sowjetunion heranfz«beschwören. Heute wird der Angeklagte Tschernoknischnikow vernommen, der genauere An- gaben über die Tätigkeit der Ingenieure machte. Er äußerte sich zu den Zerstörungsplänen der einzelnen Gruppen und über die Vernichtung der Werke. Weiter wurde ein Kreuzverhör der deutschen Angeklagten vorgenommen. Ter Prozeß hat selbst in der Sowjetunion an Jntereff« bedeutend verloren. Die Ozeanflieger wieder in Aewyork Rewnork. 26. Mai. iFunksprnch.i Die Ozeanbesatzung ist Zn wenigen Worten Der Reichspräsident wird die Pfingstfeiertage in Berlin verbringen * Das Befinden des Reichsaußenministers Dr. Stresemaun hat sich in den letzten Tagen gebessert, so daß der Patient als Genesender betrachtet werden kann. * Der frühere Diktator Griechenlands, General Pangalos, soll nach einer Bürgschaftsleistung aus der Haft entlassen worden sein. * Die Nankingregierung hat dem Außenminister Wu de» Auftrag erteilt, den Präsidenten Coolidge zu bitten, sich für den Schutz der chinesischen Unabhängigkeit einzusetzen. * Amerikanische Blätter berichten dte Räumung Pekings durch die Truppen Tschangtsolins. Im Hochverratsprozeß Braun, Semmelmann und Genosten hat der 4. Strafsenat des Reichsgerichts am gestrige« Freitag das Urteil gesprochen. Samstag, den 26. Mai 1928. Rr. 123. Jahrgang 1928. wieder in Newyork eingetrvffcii. wo sie zurückgezogen bis zur endgültigen Abreise nach Europa Mitte Juni stch^ aus- halten wird. Der Zliig rom Aordpol Nobile noch nicht in Kingsbay eingetrosfe«. Oslo, 25. Mai. (Funkspruch.) Wie aus Spitzbergen gemeldet wirb, soll die „Jtalia" im Laufe des heutigen Nachmittags in Kingsbay eintreffen. Obgleich das Luftschiff bereits am Donnerstag alle drei Motoren in Gang gesetzt hat, kann es infolge der starken südöstlichen Gegenwinde nur halbe Fahrt machen. Die Hülle der „Jtalia" ist stark vereist. In Kingsbay herrscht Nebel, so daß die Landung aller Wahrscheinlichkeit nach mit Schwierigkeiten verbunden sein wird. Das Luftschiff hat genügend Benzin an Bord, um die Motoren bis Samstagnachmittag im Gang zu halten. Eine Landungsmeldung ist hier bis jetzt nicht eingetroffen. Prüfung der Kriegsschuwsrage im amerikanischen Senat beantragt Berlin, 25. Mai. (Funkspruch.) Wie die „Vörsenzeitung" aus Washington meldet, brachte Senator Shipstead, der einzige Vertreter der Farmerlabor-Partei, im Senat eine Entschließung ein, die Frage der Kriegsschuld zu prüfen und insbesondere festzustellen, ob angesichts des neuen, seit Unterzeichnung des Versailler Vertrages bekanntgewordenen Materials und der Aeußerungen vieler hervorragender Historiker und Staatsmänner, die das Versailler Verdikt als ungerecht und als Hindernis für die internationale Verständigung bezeichnet haben, jetzt für die Regierung der Vereinigten Staaten die Zeit gekommen sei, den Alliierten die Aufhebung des Artikels 231 des Versailler Vertrages vorzuschlagen. Bei der bereits gemeldeten Ueberbürdung des Kongresses, der in den nächsten Tagen seine Tagung mit vielen großen noch unerledigten Gesetzentwürfen schließt, besteht wenig Aussicht, daß dieser Antrag neben vielen anderen in der Oeffentlichkeit hier ebensowenig beachteten Resolutionen zur Beratung gelangt. Tfchangtsolin räumt Peking Berlin, 26. Mai. Wie die „B. Z." meldet, berichten amerikanische Blätter von der Räumung Pekings durch die Truppen Tschangtsoltns. 26 Güterzüge und der Extrazug des Generals haben die Stadt bereits verlassen. Amerika verzichtet aus den Schutz seiner Bürger in China durch Japan Tokio, 26. Mai. Wie gemeldet wird, hat das japanische Außenministerium ein Telegramm des Gesandten Joschi- sava veröffentlicht, worin gesagt wird, daß der amerikanische Gesandte im Namen seiner Regierung die Maßnahmen der japanischen Regierung zum Schutze der amerikanischen Staatsangehörigen in China nicht billige. Er ersucht sie japanischen Truppen, amerikanischen Staatsbürgern und der amerikanischen Gesandtschaft keinen Schutz angedeihen zu lassen. Dieser Schritt hat/ in Japan Unzufriedenheit hervorgerufen. Alle Posten sind eingezogen worden. Die Trup- 4 >en in Peking haben Anweisung, amerikanischen Bürgern keinen Schutz zu gewähren, selbst wenn diese von Chinesen überfallen werden. — Gestern fand eine Kabinettsfitzung über die Situation in China statt. Aus Peking wird gemldet, daß eine japanische Truppenabteilung vorgestern den Garten der östereichischen Gesandtschaft besetzte. Es wurden Maschinengewehre eingebaut. Der Reichspräsident bleibt pfing-en in Berlin Berlin, 26. Mai. (Funkspruch.) Der Reichspräsident wird die Pfingstfeiertage in Berlin verbringen. Das Befinden des Reichsaußenminifiers Berlin, 26. Mai. Das Befinden des Reichsaußenministers Dr. Stresemann hat sich in den letzten Tagen weiter gebessert .daß er bereits als genesen betrachtet werden kann. Immerhin bedarf er noch dringendster Schonung und wird auch noch einige Tage lang das Bett hüten müssen. Nach feiner völligen Wiederherstellung wird Dr. Stresemann sich einer längeren Badekur, wahrscheinlich in Bad Wildungen, unterzieh» und im Anschluß daran eine Erholungsreise an- treten. Werners Werbung. Roman von George Manville Fenn und Carl Johannes. „Ja, genug, um eine Gehirnentzündung herbeizufüh- ee»I" rief der Doktor hastig. — «Diese albernen Klatsch, maul er!" «Schrecklich! Schrecklich!" murmelte Glyddyr. „Was — was halten Sie von diesem Gerücht?" «O, es ist der reine Wahnsinn", antwortete der Doktor hastig. «Sie — ©ie denken also nicht, daß er ihn vergiftete?" fragte Glyddyr. «Nein, ganz gewiß nicht." «Natürlich, es wäre ihm ja auch ganz unmöglich ge- »efen. Aber man sagt, er wäre jetzt schr reich, hätte ungemein viel Geld. Wo sollte er das Ijcr haben? Er sagte früher doch immer, daß er nur wenig hatte?" «Das wäre noch das einzige, was man halbwegs gegen ihn geltend machen könnte", meinte der Arzt. «Aber schließlich hat auch das keinen Sinn. Gartram ist ja d«h zweifellos an Uebermaß von Chloral gestorben. Mein Kollege war ebenso fest davon überzeugt wie ich. Aber weshalb werden Sie denn auf einmal so blaß?" „Bin ich blaß? O, ich fühle mich jetzt schon viel besser. Aber sagen Sie mir offen, Herr Doktor, was denken Sie von dem allem? Man wird diesen Herrn von Werner jetzt wohl verhaften. Es wäre doch schrecklich, wenn er verurteilt würde." . . „Deshalb beunruhigen Sie sich nicht. Man wird chm kein Haar krümmen. Man wird eine Zeit lang darüber schwatzen. Das ist alles. Die Leichenschau hat ordnungs- gemäß stattgefunden, unser Gutachten wurde abgegeben und angenommen, und der Tote ruht in seinem Grabe. Das Gericht hat keine Veranlassung, sich um diese alber- nen Gerüchte zu kümmern." «Also — also Sie sind sicher — daß man nichts tun — ihn nicht etwa ins Zuchthaus sperren wird?" D« Landbote * Sinsheimer Zeitung. Eine Kundgebung für die Befreiung des Rheinlandes und seiner prefie Köln, 26. Mai. (Funkspruch.) Anläßlich der am gestrigen Freitag zusammengetretenen Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger fand in der Westhalle der Pressa eine Kundgebung für die Befreiung des besetzten rheinischen Gebiets und seiner Prefle statt. Der Vorsitzende des Vereins, Kommerzienrat Dr. Ahn, eröffnete die Kund- gebung mit dem Hinweis, daß die Zusammenkunft eine Gedenkstunde für diejenigen Verleger sein solle, die unter den Lasten der Besetzung zu leiden hätten. Rechtsanwalt Dr. Clären erläuterte die Ausstellung der rheinischen Zeitungsverleger in der Pressa. Anschließend daran wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt, daß der Verein rheinischer Zeitungsverleger anläßlich der Tagung der Deutschen Zeitungsverlegerschaft in der Pressa in Köln des zur Zeit noch besetzten rheinischen Gebietes gedenkt und dem Volk und der Presse dieses Gebietes seine lebhafte Anteilnahme ausspreche. Vernichtung der phosgenbestünde Beisetzung der Opfer Samstagnachmittag. Hamburg, 26. Mai. (Funkspruch.) Nach dem im Laufe des vorgestrigen Tages die Vorbereitungen zur Unschädlichmachung der noch vorhandenen Phosgenbestände abgeschlossen, und die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefundene Sachverständigenbesprechung beschloß, öte. Vernichtung an Ort und Stelle vorzunehmen, wurden die diesbezüglichen Arbeiten am gestrigen Freitag begonnen. Das chemische Staatslaboratorium in Hamburg wird an Hand der noch vorhandenen Phosgenreste Untersuchungen über Alter und Herstellung des Stolzenbergschen Phosgens anstellen. Die Zahl der sich in den Krankenhäusern in Hamburg und Harburg befindenden Kranken beträgt 162. Das allgemeine Befinden ist bis auf zwei, deren Zustand bedenklich erscheint, zufriedenstellend. Die sozialdemokratische Fraktion des Harburg-Wilhelmsburger Stadtparlaments richtete eine weitere Eingabe an den Magistrat, in der die sofortige Schaffung einer ärztlichen Hilfsaktion verlangt wird. Die preußische Staatsregiernug soll ansgefordert werden die Errichtung gemeingesährlicher Betriebe, wie der Stolzenbergsche, unmöglich zu mache». Tie Stadt Harburg-Wilhelmsburg soll die Kosten für die Beerdigung der Opfer übernehmen, die am heutigen Samstag stattfindet. Die Hundertjahrfeier der Gesellschaft für Erdkunde Festempsang im AnswLrtigsn Amt. Berlin, 26. Mai. Anläßlich der Hundertjahrfeier der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin veranstaltete am Freitag das Auswärtige Amt, vertreten durch Staatssekretär von Schubert, in den Festrüiirien der Reichsregieruug ein Essen, an dem die Vertreter Englands, Frankreichs, Australiens, Brasiliens, Bulgariens, Dänemarks, Finnlands, Italiens, Jugoslarüens, Lettlands, der Niederlande, Norwegen, Oesterreichs, Rußlands, Schwedens, der Schweiz, Spaniens, der Tschechoslowakei, Ungarns, der Bereinigten Staaten von Amerika teilnahmen. Während des Essens begrüßte Herr von Schubert die Gäste und übermittelte ihnen die herzlichen Grüße des Außenministers, der leider durch seine Krankheit am Erscheinen verhindert kej. Er gab dann einen Ueberblick über die Arbeit der Gesellschaft für Erdkunde und würdigte die Bedeutung der geographischen Wissenschaft für die Entwicklung der Menschheit. Er hoffe, daß sie auch in Zukunft wie bisher dazu beitragen, die Verständigung und Annäherung der Völker zu sörd:rn und schloß mit dem Wunsche, daß sie diesem Ziele mit Erfolg dienen möge. Der Vorsitzende der Gesellschaft für Erdkunde, Geheimrat Penck, gab in seiner Antwort dem Danke der Teilnehmer für die Einladung und die Wünsche des Staatssekretärs von Schubert Ausdruck und bat ihn unter lebhaftem Beifall der Anwesenden, ReichSministcr Dr. Stresema«, die beste« Wünsche für seine Genesung zu übermitteln. Die Iunkerswette liefern das 1000. Flugzeug Dessau, 26 Mai. Am Donnerstag fand in Dessau eine Feier der Belegschaft des Junkersflugzeugwerkes aus Anlaß der Fertigstellung des 1000. in den Werken hergestellten Flugzeuges statt, zu der u. a. Staatsminister Weber als „Nein — natürlich nicht — gar n cht daran zu denken. Aber auf seine Beziehungen zu Klara Gartram wirkt schon dies bloße Gerücht ebenso, als ob er gänzlich aus dem Wege geräumt wäre. Durch diesen Vorfall von gestern abend ist Ihr Erfolg gesichert." „Was meinen Sie?" „Sie verstehen mich recht gut. Zweifellos liebte Klara diesen Herrn von Werner, aber damit ist es jetzt zu Ende. Hallo — ist sie etwa kränker geworden?" Man hörte lautes, wiederholtes Klopfen an der Haustür und beide lauschten gespannt, bis der Diener meldete: «Der Herr Notar Trevrthick möchte Sie sprechen, Herr Doktor." Der Notar trat ein. «Nun denn, Herr Doktor — was meinen Sie zu diefmr Gerücht?" „Daß es der reine Unsinn ist." «Sie haben alles gehört? Das Fehlen einer großen Geldsumme, das Finden eines Arzueisiäschchens und die Anwesenheit Herrn von Werners an jenem Abend im Schloßgarten?" «Ja. gewiß. Aber was bsverst das alles?" sagte der Doktor entschieden. «Wir waren uns ganz klar darüber, wie Gartram seinen Tod fand. Dieses alberne Gerücht wird von selbst aushören — lassen wir den Toten ruhen." „Aber es ist für Herrn von Werner nicht so gleich- gültig, daß eine derartige Beschuldigung gegen ihn erhoben wird, zumal er ein Freund der Familie war." „Diese Beziehungen losten sich schon vor Herrn Gortrams Tode!" ries Glyddyr heftig. „Run, meine Herren, bitte entschuldigen Sie mich, ich muß setzt wieder zu meiner Kranken auss Schloß." „Ich werde mit Ihnen gehen", meinte Trevithick. Und mich läßt man unbeachtet hinterhertrotten", murmelte Glyddyr. als er ihnen langsam folgte. «Schadet Nichts! Später werden sie sich desto tieier vor mir beuge«. Der Doktor hat recht, setzt bietet sH mir die beste Gelegenheit. Dieser Werner kann sich ihr nie wieder Vertreter der Staatsregierung, der Landtagspräsiöent und der Oberbürgermeister erschienen waren. Das 1000. Jun- kersflugzeug ist eine „G 31", die von der österreichische» Luftverkehrs-A.-G. bestellt ist und in den nächsten Tagen nach Wien überführt werden soll. In Vertretung des t» Amerika befindlichen Professors Junkers, hielt Direktor Schleissing, einer seiner ältesten Mitarbeiter, «ine Ansprache, in der er besonders hervorhob, welche Leistung gerade für ein nur Verkehrsflugzeuge bauendes Werk der deutschen Luftfahrtindustrie die Fertigstellung des 1000. Flugzeuges ist. Nur 300 Flugzeuge seien während der Kriegszeit in de» Jnnkerswerken hergestellt worden. Ser Fall Mbowski Eine Verhaftung in der Jaknbowski-Asfäre. Berlin, 26. Mai. Wie die „B. Z " aus Bremen meldet, hat die Bremer Kriminalpolizei den in der Märzaffäre Ja- kubowski gesuchten und bisher flüchtigen Fritz Nogens verhaftet. Fritz Nogens ist durch die Aussagen des Landarbeiters Blöer schwer belastet. Oberstaatsanwalt Müller aus Strelitz ist nach Bremen gefahren. Fritz Rogens wieder a«s freiem Fnß. Berlin, 26. Mai. Wie in das „Berliner Tageblatt" aus Schönberg meldet, wurde Fritz Rogens nach seiner Verhaftung durch die Bremer Kriminalpolizei ins Gefängnis nach Schönberg transportiert Kurz nach der Einlieserung ins Schönberger Gefängnis suchte der Oberstaatsanwalt Müller aus Neustrelitz, der zur Vernehmung des Rogens schon vorher »ach Bremen gefahren war, mit Fritz Rogens den Mordort in Palingen auf und unterzog Rogens einem Verhör. Einen Tag später erfolgte auf Veranlassung des Oberstaatsanwalts Müller seine Entlassung. Ans mehrfache Anfrage bei der Staatsanwaltschast seitens des Vertreters des Hingerichtete« Jaknbowski über die Gründe der Entlassung verweigerte Müller jede Auskunft. Fritz Rogens hält sich zur Zeit wieder in Breme» ans. Iufiizrat Sahn verteidigt Klapproth Stettin, 26. Mat. (Funkspruch.) Im Klapprothprozeß stellte gestern Justizrat Hahn in seinem Vlatdoyer den Antrag, das Verfahren gegen Klapproth im Fall Gaedicke einzustellen, denn Klapproths Tat könne nur als einfache Körperverletzung angesehen werden. Wenn Klapproth den Gaedicke hätte töten wollen, so hätte er die in der Nähe deS Tatortes aufgefundenen Eisenschienen und nicht seine Faust benutzt. Nach einer größeren Pause nahm der Verteidiger des Angeklagten Schulz, Rechtsanwalt Dr. Sack-Berlin, das Wort und wies einleitend aus die besondere Schwierigkeit hin. über die Schuld oder Unschuld des Angeklagten Schulz ein Urteil zu sprechen, da bei den Geschworenen manches bestimmend mitspreche. Recht könne nicht nach Kombination gesprochen werden, sondern nach objektiven Ergebnissen. In dem Arbeitskommando herrschte eine übersvannte Atmosphäre besonders im Hinblick auf die Spionützegefohr. Die Kehrseite aber war die bereits 1921 einsetzende Femehetze, von der auch die Voruntersuchung nicht rnbci inslutzt geblieben ist. Der Verteidiger gibt ein Bild von der Tat selbst und bezeichnet die von der Anklage ausgestellte Konstruktion der Tat als vollkommen unhaltbar. „Wir wollen keine Milde", führte der Verteidiger aus, „prüfen Sie kühl und nüchtern den Sachverhalt, aber gerecht." Nach einer Erklärung des Oberstaatsanwalts tritt eine mehrstündige Pause ein. Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung im Revisionsprozeß Klapproth schilderte Rechtsanwalt Luetge- brune in seinem Plaidoyer die Verhältnisse des Jahres 1923, um die Auffassung der Mitglieder der Arbeitskvmmandos zu rechtfertigen, die sich zur Selbstjustiz für berechtigt kielten. Auf die in der Beweisaufnahme vorgebrachten Tatsachen eingehend, behauptet der Verteidger, daß der Be'ehl an Dankowski, sich mit Gaedicke im Fort Tschernow eivzu- sinben, unmöglich von Schulz gegeben worden sein könne, da Schulz durch die Verhinderung der von Leutnant Johnke geplanten Mißhandlungen gezeigt habe, wie er über diese Dinge denke. Die Verhandlung wurde auf Samstag vertagt. nähern. O, daß mich dieses Zittern und Beben wieder so packt. Ich muß etwas mehr Kognak haben, etwas mehr Kognak!" Er ging langsam weiter, wie geistesabwesend vor sich hinstierend und unbewußt den beiden noch immer sagend, bis ihm plötzlich ein Gedanke kam, der ihm mst neuem Leben zu erfüllen schien. „Ja. so geht es, wenn ich nur einige Zeit von diesem verfluchten Orte sortkomme. Der Doktor muß ihr längeren Aufenthalt in einem südlichen Klima verordneu — und dann kann ich dort in Ruhe meine Werbung um sie sortsetzen, ohne daß ich wie hier beständig dieses Grauen und Entsetzen zu fühlen brauche. «Arm« Teufel!" fuhr er dann mit einem leisen, höh- nischen Lachen fort. «Alles wendet sich zu meinen (Sun. (ien. Er darf sich nie wieder vor ihr sehen lassen. Er roirb sich nie wieder vor ihr sehen lassen." Plötzlich blieb er stehen und starke fassungslos vor sich hin; denn dort, nicht hundert Schritte von ihm ent- sernt, kam der Gegenstand seiner Gedanken den steilen Klippenweg vom Schloße her, wo dersAbe offenbar einen Besuch gemacht hatte, und in der näcWen Minute traf er auch schon mit dem Arzt und dem Notar zusammen» begrüßte dieselben und blieb in eifriger Unterhaltrmg mit ihnen stehen. „Ah, es freut mich sehr, gerade Ihnen zu begegnen, Herr Doktor!" ries Werner in kaum verhaltener zmmiger Erregung. „Ihr Diener, Herr Notar. Ich hörte heute früh, daß Fräulein Gartram PlMich erkrankt wäre. Ich ging deshalb nach dem Schloße und erkundigte mich nach ihrem Befinden. Sie ist doch nicht ernstlich erkmikt. Herr Doktor?" „Sehr ernsllich krank. Herr von Werner, usfe ich mochte deshalb ganz rücksichtslos mit Ihnen sprechen." Damit meinen Sie, daß auch Ihnen diese freche Ler- leunidung zu Ohr« gekommen ist." Der Arzt bejahte stumm. Nr. 123. Jahrgang 1928. Mischer Landtag Erhöhung der Fnrsorgekoften durch de« Landtag. Karlsruhe. 26. Mai. Der Haushaltsausschuß des Land- tags hat den Landesauteil an den Kosten der gehobenen Fürsorge von 564 000 Mark auf 6 000 000 Mark erhöht und mit allen Stimmen b:i zwei Enthaltungen der Deutschen Voikspartei ein Antrag der Koalitionsparteien, im Falle einer Verbesserung der Finanzlage des Staates in erster Reihe eine Erhöhung des Staatszuschusses zu den Kosten der gehobenen Fürsorge eintreten zu taffen und zu prüfen, ob nicht der Verteilungsschlüssel dieses Staatszuschusses an die Fürsorgeverbünde entsprechend dem in einzelnen Gemeinden durch diese gehobene Fürsorge erwachsender Aufwand verschieden gestaffelt werden sollte, angenommen. Ferner wurden die Mittel für die Lehrerbildungsanstalten in Freiburg und Heidelberg durch Zentrum und Sozialdemokratie gegen die Stimmen der Deutschen Volkspartei und der Bürgerlichen Bereinigung bewilligt. Tie Beratung über die Verlängerung des Koalitions- gesetzes bis 1. April 1831 wurde zurückgestellt, da die Regierung eine eingehende Vorlage über die Unterstützung der Kirchen aus Staatsmitteln geben soll. Wie würde der badische Landtag nach den Reichslagswahlen aussehen? Nach dem Wahlergebnis vom 20. Mai 1828 hätten für den badischen Landtag Mandate erhalten: 1828 1925 Zentrum 60 28 Sozialdemokraten 20 16 Deutsche Volkspartei 8 7 Deutschnationale Partei 7 9 Demokraten 6 6 Kommunisten 8 4 Wirtschaftspartei 3 2 Hitler-Partei 2 — Chr. Rat. Bauernpartei 1 — Volksrechtspartei 1 — 84 7S Ei« Staatszufchutz für die Universitätssportanlage in Frek- burg im Haushaltsausschuß genehmigt. Karlsruhe. 25. Mai. Ter Haushaltsausschuß genehmigte in feiner heutigen Sitzung einen Zinszuschuß wn 8100 Mk. im ordentlichen Etat auf Befürwortung des Ministers für die Schaffung einer Universitässportanlage. «Die Stadt Freiburg wird hierzu einen Zuschuß von 50000 Mk. gewähren Tie Staatsbeihilfe an bedürftige Gemeinden zu Schulhausneubauten wurde unter allgemeiner Zustimmung auf 150 000 Mark erhöht. — Die Beratungen über das Landestheater haben vertraulichen Charakter. Verbandstag der badischen Fleischbeschaner. Karlsruhe, 26 Mai. Kürzlich fand hier im Börsensaal des Städtischen Schlachthofes der Verbandstag der badischen Fleischbefchaueroereine statt, zu dem aus allen Teilen des Landes Vertreter erschienen waren. Die Tagung leitete der erste Vorsitzende, Bürgermeister Schwarz-Hausen a. d. Aente. Namens der Regierung sprach Oberegierungsrat Dr. Fes- senmeier. Nach der Erstattung der Jahresberichte erfolgten Referate über »Bericht über Angestellten-Versicherung" l2. Vorsitzender Bauer-Durlach), über „Versicherung der Beschauer bei Krankheit oder Unfällen im Dienst" <1. Vorsitzender Bürgermeister Schwarz» und über „Auskunft über Steuerzwecke aus den Tagebüchern und Festsetzung der Fleischbeschaugebühren (Hetzel-Lahr). Die Aussprache über die verschiedenen Themen waren sehr lebhaft. Am Schluffe der Tagung wurde an 61 Beschauer des Landes für 25jäh- rige treue Dienstverrichtung eit. Gedenkblatt überreicht Der nächstjährige Verbandstag fitiöet in Heidelberg statt. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 26. Mai. (Palast-Lichtspiele.) Das neu eröffnet« Palast-Lichtfpiel im Stadtparksaal brachte gestern Abend das bedeutende Filmwerk „Ben Hur" zur Vorführung. Es ist nach dem gleichnamigen Roman von Wallace, der unzählige Auflagen erlebt und die Welt in Spannung versetzt hat, bearbeitet und kein Roman aus der Zeit des Urchristentums hat auch nur «inen Teil feiner Popularität erlangt. Mit aller Zartheit und Vornehmheit, die der Inhalt erfordert, der eine künstlerische Parallele zur Bibel gibt, ist die Geschichte von „Ben Hur" auf den Bildstreifen gebannt worden. Wundervoll mischt sich die biblische Erzählung in die politischen Ereignisse des vom Römertum beherrschten Orients. Eine Anzahl hervorragender Darsteller haben sich zur Verfügung gestellt und Theater wurden eigens dazu hergerichtet, um die gigantischen Effekte, insbesondere das Wagenrennen im Zirkus von Antiochia, zu zeigech In wenigen Stunden bringt dieses lebende Bild die unsterbliche Dichtung von Wallace dem Publikum nah«, das auch begeisterten Lesern des Werkes Freude bereitete. Auch die technisch Vorführung dieses Films ist hervorragend und verdient einen zahlreichen Besuch. iS, Sinsheim, 26. Mai. (Turnverein.) Anläßlich der Anwesenheit des Kreis-Frauenturnwaries. Herrn Schulinspektor Laterner fand gestern Abend in der Turnhalle ein Turnen sämtlicher Abteilungen statt. Die in Reih und Glied aufgestellten Turner und Turnerinnen begrüßten den Herrn Kreis-Frauenturnwart mit einem dreifachen Gut-Heil. Ein Reigen der Schülerinnen bildete den Anfang der turnerischen Darbietungen. Während nun Freiübungen der Kleinen und der Schüler vorgesührt wurden, fanden gleichzeitig Uebungen an Reck und Barren, sowie Sprünge der Damenriege am Pferd statt, um einen Gesamtüberblick über die seitens des Vereins getätigten Arbeit zu geben. Herr Schulinspcktor Laterner sprach sich sehr lobend über die tüchtigen Leistungen aus, freute sich über den vorhandenen kräftigen Nachwuchs, gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Leitung des Vereins in besten Händen liege und brachte ein Gut Heil auf die Deutsche Turnerschaft aus. Ein gemütliches Beisammensein im Nebenzimmer des Gasthauses zum Löwen, bei Gesang und fröhlicher Stimmung, bildete den Abschluß des schön verlaufenen Abends. # Sinsheim, 25. Mai. (W. Bolkstheater.) Für die Feiertage hat das W. Volkstheater ein hochinteressantes Progmmm zusammengestellt. Für Pfingstsonntag die weltbekannte Operette „Die Försterchristl", welche wohl zu den besten ihres Genres gerechnet werden darf. Im Raimunütheater in Wien hat dieselbe schon über 300 Aufführungen. Neben schöner Handlung sind es die einschmeichelnden Melodien die unser Ohr gefangen nehmen- Reizende Walzer, rassige Zigeunermusik nebst feurigen Ehardas. Eie spielt unter der Regierung Kaiser Joses II. im Jahre 1764 in Wien und Umgebung. — Am nachmittag 3 Uhr Kindervorstellung: „Der gestiefelte Kater". Am Pfingstmontag V-h Uhr »Der Mädchenhändler", ein spannendes,, aktuelles Sensationsstück. Jährlich verschwinden tausende junger Mädchen, die ge- Der Landbote * Sinsheim« Leitung. wissenlosen Mädchenhändlern in die Hände fallen, die dieselben an Bordelle und Freudenhäuser verkaufen. Ihr Hauptabsatz» platz ist Brasilien. Daß ein sogenannter Mädchenhandel besteht ist klar bewiesen, hat sich doch der Völkerbund in Genf schon damit beschäftigt. Der Besuch der Vorstellungen kann nur empfohlen werden. c/ Sinshetm, 26. Mai. (Zweifelhafte Kreditangebote.) Den „Mitteilungen der 3.- und H-Kammer zu Berlin" entnehmen wir nachstehenden Hinweis auf die Stellung des Reichsgerichts zu der Frage der Kreditvermittlung durch Inserate mit Zahlung von Vorschüssen: „Seit langem wird darüber Klage geführt, daß die kreditbedürftigen Kreise des Mittelstandes und auch kreditbedürftige Private dadurch geschädigt werden, daß ihnen in Zeitungsinseraten die Beschaffung von Kredit versprochen wird, wenn sie einen bestimmten Vorschuß bezahlen. Die Tätigkeit der Personen, die auf diese Weise Beträge von zahlreichen Lesern der Inserate einziehen, ist meist völlig wettlos. Sie entnehmen anderen Zeitungen die Adressen von Geldgebern, die sie dann den Einsendern bekanntgeben. Das Reichsgericht hat in einer Entscheidung vom 1. März 1928 — 3 I 863/27 — die Bestrafung derartiger Personen wegen unlauteren Wettbewerbs bestätigt. Durch Me Anzeige würde der Anschein der Zusicherung einer Mavier- tätigkeit in den Lesern hervorgerufen, die sie provisionsfrei, zum Teil auch kostenfrei erhalten sollten. Die inserierende Firma habe sich den Anschein gegeben, als handele es sich um eine Maklerfirma, wenn auch die dahin gehende Behauptung sehr geschickt eingekleidet worden sei. Versprochen sei der Nachweis von Kaufliebhabern und Geldgebern: in Wahrheit fei aber nur die Gelegenheit zu Zeitungsanzeigen geboten worden, in denen die Kaufliebhaber und Geldgeber gesucht werden sollen. * Sinsheim, 25. Mai. Kauft deutsche Kartoffeln.) Eine Pfälzische Kartoffelgroßhandlung schreibt u. a.: „Deutschland steht mengenmäßig an der Spitze aller kartoffelerzeugenden Länder der Erde und produziert ein Drittel der Gesamtmenge der ganzen Welt. Es wäre also in der Lage, ohne das Ausland seinen Kartoffelbedarf reichlich selbst zu sichern. Bei der großen Auswahl an guten Sorten kann jeder Geschmackrichtung Rechnung getragen werden. — Bereits feit einigen Wochen hat der Bezug „neuer" Malteser und algerischer Herkunft wieder eingesetzt: bald wird auch Italien feine großen Ueberslüsse heranführen. Unsere heimische gelbfleischige Ware alter Ernte kann sich im Geschmack wohl mit der zum Teil wässerig schmeckenden ausländischen Kartoffel messen und hat noch den Vorzug, ein Viertel bis ein Fünftel des Preises zu kosten. Darum fort mit der luxuriösen „Modekrankheit", zu glauben, „neue Ausländische" essen zu müssen. Unsere Ware reicht aus bis zur neuen Ernte, die Anfang Juli beginnt. Eg3 Zuzenhaus««, 25. Mai. (Feuerwehrprobe.) Die freiw. Feuerwehr Zuzenhausen hielt gestern abend ihre Hauptprobe ab unter Anwesenheit des Herrn Feuerlöschinspektors Stoll Sinsheim. Bei dem an die Uebung sich anschließenden, vom Gemeinde- gestifteten Bierbankett, äußerte sich Herr Feuerlöschinspektor Stoll in anerkennender und lobender Weise über die von den Mannschaften sehr schön, ruhig und exakt ausgeführten Schulübungen und betonte, daß es ein Segen für eine Gemeinde fei, eine gui- ausgebildete, mit den Geräten vertraute Feuerwehr zu besitzen. Der Kommandant der freiw. Feuerwehr H. Ratschreiber Kirsch sprach dem Herrn Feuerlöschinspektor für die Anerkennung der Leistungen den Dank aus und betonte, daß diese Anerkennung ein Ansporn sein soll auch fernerhin fleißig zu üben um im Ernstfall gerüstet zu sein und dem Nächsten in Not und Gefahr helfen zu können, stets eingedenk des schönen Wahlspruchs, Gott zu Ehr und dem Nächsten zur Wehr! k Neckarbifchofshenn, 25. Mai. (Kameradschaftliche Bereinigung für Heimatpflege „Landmannschaft Mannheim".) Am vergangenen Samstag Abend hielt der Verein zum erstenmale eine Vollsitzung ab, die von sämtlichen Mitgliedern besucht war. Nach einer Begrüßungsansprache des ersten Vorstands und Schriftführers, Herrn Philipp Herbold, ging man nach Ausstellung der Bereinsordnung zur Tagesordnung über. Auf Vorschlag wurde zu Berwaltungsratsmitgliedern per Akklamation ernannt die Herren Hermann Frank aus Neckarbischofsheim, August Braun aus Reichartshausen, Fritz Siech aus Flinsbach und als Protokollführer Reinhard Wetzel aus Neckarbischofsheim. Beschlossen wurde, daß als Mitglied nur ausgenommen werden kann, wer das 20. Lebensjahr erreicht hat. Als Aufnahmegebühr wird 1 Mark erhoben, monatliche Beiträge kommen vorläufig in Wegfall. Die Mitgliedskarte berechtigt zur Teilnahme an allen vorkommenden Festlichkeiten des laufenden Jahres. Der Verein beabsichtigt vorerst ein Sängerquartett zu gründen, später vielleicht noch eine Musikkapelle. Mit Freuden begrüßt und einstimmige Annahme fanden die Vorschläge, gemeinsame Ausflüge nach der engeren Heimat der Bergstraße und in das Neckattal zu unternehmen. Anläßlich des einjährigen Bestehens des Vereins im kommenden Jahre wurde als erster Maiausflug Neckarbischofshrim und Waibstadt als Ziel vorgeschlagen. Die derzeitige Bereinsleitung setzt sich aus folgenden Herren zusammen: 1. Vorstand und Schriftführer Philipp Herbolü aus Neckarbischofsheim, 2. Vorstand Justus- Schmitt aus Helmstadt. Kassier Heinrich Eiermann aus Neckarbischofsheim. Immer mehr Landsleute schließen sich dem Verein an. Es ist jedem Landsmann aus unseren Httmatgemeinden gestattet, das Vereinslokal bei Herrn Justus Schmitt, Mannheim- Neckarvorstadt, Riedfeldstraße Nr. 77 auszusuchen, wo ihm jederzeit eine freundliche Aufnahme zu Teil wird. % Kirchardt, 25. Mai. (Unfall.) Als am Mittwoch Abend der Landwitt Ludwig Fehr mit einer eisernen Ackerwalze vom Felde Heimsuhr, wurde er auf der Landstraße Kirchardt—Rappenau von einem aus Rappenau kommenden Motorradfahrer angefahren.und so zu Boden geschleudert, daß er in bewußtlosem Zustande vom Platze getragen werden mutzte. Der Motorradfahrer, der ebenfalls vom Rade geschleudert wurde, kam jedoch glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Fehr überhörte wahrscheinlich durch das Getöse der Walze die wiederholt gegebenen Signale des Motorradfahrers. Es ist dieser Fall wieder ein« Mahnung an die Fuhrwerksbesitzer, auf den Straßen die vorschriftsmäßige Fahrtrichtung einzuhalten. ** Siegelsbach, bei Neckarbischofsheim, 26. Mai. (Unter die Räder geraten und getötet.) Beim Stammholzführen geriet der kaum 35jährige verheiratete Adolf Mann ron hier bei einer abschüssigen Stelle vermutlich beim Zuziehen der Bremse unter die RäHer des Langholzfuhrwerkes, so daß sein Kopf überfahren und bis zur Unkenntlichkeit zerstüm- mekt wurde. * Wollenberg, 25. Mai. (Bürgermeisterwahl.) Am Pfingstmontag findet in Wollenberg eine Bürgermeister-Neuwahl statt, veranlaßt durch den Tod des Bürgermeisters Bräuchle. Wahrscheinlich lockt diese Wahl mehr Wähler zur Wahlurne als die Reichstagswahl, bei der kaum 30 Prozent der Wahlberechtigten im hiesigen Dorf abstimmten. » Helmstadt, 25. Mai. (Handelsgerichtlich eingetragen) wurde die Firma „Blechwarenfabttk Emil Schümm, Gesellschaft mit beschränkter Haftung" in Helmstadt. Gegenstand des Unternehmens: Fabrikation und Petttteb von Blechwaren jeder Art. * dad Rappe«««, 25. Mai. (Arbeiten am Mufiktempel.) ' 3}te Arbeiten am neu erstellten Musiktempel in den Kuranlagen schreiten rüstig vorwätts, sodaß mit der Fettigstellung in den nächsten Wochen gerechnet werden darf. Die Einweihung wird voraussichtlich am Sonntag, den 10. Juni tn Form eines Musikfestes stattfinden. Um aber auch vorher den zur Kur hier weilenden Samstag, den 26. Mai 1928. Fremden genußreiche Stunden zu bereiten und ihnen die Pfingst- fetettage etwas unterhaltungsreich zu gestalten, veranstaltet der Kur- und Verkehrsverein an den beiden Feiettagen je 1 Konzett, ausgeführt vom Musikverein. Während das Konzett am Pfingstsonntag Nachmittag von 3—^5 Uhr in den Kuranlagen stattfindet. findet das zweite am Montag Vormittag von 11—12 Uhr auf dem Rathausplatze statt. oo Ittlingea, 25. Mai. (Ein seltenes Glück) wurde dem Mühlenbesitzer Gustav Seitz zuteil, dessen Schwein 21 Junge zur Welt brachte, die alle munter find. Bier davon wurden einem anderen Landwirt zur Ernährung abgegeben. % Eichelberg, 25. Mai. (Kriegerverein.) Das 25 jährige Stiftungsfest des hiesigen Kriegervereins findet nun bestimmt am 14.. 15. und 16. Juli ds. Is. statt. Damit verbunden ist auch der Gautag des Oberen Elsenzgau-Berbandes. Die Vorbereitungen auf ein gutes Gelingen der Festlichkeit find im Gange. t Neckargemünd. 25. Mai. (Strand- und Brückenbeleuchtung.) Der Verkehrsverein wird auch in diesem Sommer mit besonderen Veranstaltungen zur Unterhaltung der Kurgäste und der Einwohner hervottreten. Bon einer Mlsbergbeleuchtung muß der hohen Kosten wegen wohl abgesehen werden, dagegen wird die vorjährige Strandbeleuchtung am Sonntag, den 3. Juni wiederholt und die Erfahrungen des letzte» Jahres dabei verwertete Dam Lauer bei der Fähre, dem Mittelpunkt der ganze» Veranstaltung, wird besonders die Brückenbeleuchtung sich großartig ausnehmen. Konzettmusik wird von einer Kapelle auf einem im Neckar verankerten Schiffe das promenierende Publikum unterhalten. Auch die angrenzenden Gebäude werden sich beleuchtet zeigen und ein Feuerwerk von einem Schisse aus abgebrannt werden. Das genaue Programm ist noch nicht festgelegt. % Sulzfell», 24. Mai. (Der Rückgang der Kleinbrauereien.) Man braucht noch nicht im biblischen Alter sein um sich an die Zeit zu erinnern wo beinah in jedem größeren Dorf eine Brauerei anzutrefien war und wo mit dem bekannten Warmbier Hals- und sonstige Gebrechen und Schmerzen vettrieben wurden. Heute sind diese Einrichtungen auf dem flachen Lande eine Seltenheit geworden, denn die kleineren Brauereien sind dem Existenzkampf unterlegen, waren nicht mehr Konkurrenzfähig und mußten ihre Tätigkeit einstellen. Dazu kam noch die eigenartige Einstellung des Publikums bei denen nicht die Qualität, sondern der Name des Biers im Gaumen kitzelt. Wer sich heute einmal Gelegenheit nimmt, eine Modem eingerichtete Kleinbrauerci zu besichtigen, wird sehr bald vom Gegenteil dieser Meinung überzeugt sein. So finden wir z. B. im benachbarten Sulzfeld die Brauerei Weigert, die seit dem Jahre 1858 im Kamps ums Dasein standgehalten hat. Ausgestattet mit der Technik der Neuzeit ist dieser Betrieb heute in der Lage, jeder Konkurrenz die Stirne zu bieten. Peinliche Sauberkeit und hygienische Umsicht fallen dem Besucher sofort ins Auge. Interessant ist es, das Entstehen und Vollenden dieses Germanentrankes kennen zu lernen. In riesigen Gärbütten schäumt das gute Naß, um nach diesem Prozeß dem Gaumen des Genießers zugeführt zu werden. Bei einem derartigen Anblick kommt dem Besucher eines solchen Betriebes so recht zum Bewußtsein, welche große Arbeit Leber und Nieren der Menschen zu leisten haben. ** Wemheim, 26. Mai. lEin neues Erholungsheim.) In Schönberg bei Bensheim an der Äergstraße wurde in Anwesenheit der Gattin des verstorbenen Reichspräsidenten Eberl und einer Mehrzahl von Regierungsvertretern aus Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe das neue Erholungsheim der Ortskrankenkasse Heidelberg eingeweiht. Zn Ehren Friedrich Eberts wurde dem neuen Heim der Name Friedrtch-Ebert-Heim beigelegt. ** Karlsruhe, 26. Mai. (Ermittlung der Reichstagswahlergebnisse.» Heute Samstag, den 26. Mai 1928, vormittags 11 Uhr findet im großen Sitzungssaal des Ministeriums des Innern in Karlsruhe, Schloßplatz 19, 3. Stock, die Sitzung des Kreiswahlausi'chuffes des 32. Wahlkreises zur endgültigen Ermittlung der Abstimmungsergebnisse der Reichstagswahl statt. ** Oberkirch, 26. Mai. (Tagung.) Die 13. ordentliche Hauptversammlung des Historischen Vereins für Mittel- baöen findet am Sonntag, den 3. Juni, tn Oberkirch statt. ** Osfenburg, 26. Mai. (In das Schaufenster geraten.) Als gestern Mittag am Kaufhaus Spinner in der Langestraße eine Frau vorüberging, machte dort ein Pferd eines Landsuhrwerks Miene zu schnappen. Die Frau ging rasch zur Seite und drückte ein großes Schaufenster ein, das vollständig in Trümmer ging Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. ** Lahr. 26. Mai. (Berufung nach Genf.) Für die elfte Tagung der Internationalen Arbeiterkonferenz in Genf wurde Gustav Oehmen in Lahr als Sachverständiger vom Reichsarbeitsministerium berufen. ** Singen, 26. Mai. Die Diebstähle auf dem Güterbahnhof haben ihre Aufklärung gefunden. Bei dem verhafteten Chauffeur wurde so stark belastendes Material gefunden, daß an seiner Schuld, obwohl er noch leugnet, nicht gezwei- felt werden kann. ** Vom Bodensee, 26. Mat. Eine große Anfchlußknnö- gebung ist für den 10. Juni in Lindau geplänt. An diesem Tage werden die Teilnehmer an dem tn Bregenz stattfindenden österreichischen Reichsparteitag der Grotzdeutschen Volkspartei mit Sonderschiff nach Lindau kommen, wo dann die Kundgebung stattfindet. Hierzu werden bedeutende Politiker sowohl aust Oesterreich wie auch aus dem Reiche erscheinen Neustadt a. d. H. Der Reichsverband des deutschen Tischlergewerbes (Sitz Dresden), die anerkannte Spitzenorganisation des deutschen Schreiner- und Tischlergewerbes, dem alle großen Landesverbände des Reiches angehören, hält seinen 6. Deutschen Tischlertag in diesem Jahre vom 6. bis 8. Juli in Neustadt a, ö. H. ab. Mit der Tagung ist eine Reichsfachausstellung des deutschen Tischlergewerbrs verbunden, welche vom 6. bis 12. Juli dauert. Diese Ausstellung wird Holzbearbeitungsmaschinen, Werkzeuge, technische Einrichtungen und Apparate und sonstigen Tischlerei- beüarf umfaffen. Der Reichsverband des deutschen Tischlergewerbes zählt rund 30000 Mitglieder und hat von den 4 in Vorschlag gebrachten Orten für die diesjährige Tagung Neustadt a. H. deshalb gewählt, um die seit vielen Jahren unter der Besatzung stehenden Pfälzer Kollegen zu ehren und ihnen damit die Anerkennung für ihre Treue zum Ausdruck »u bringen. Zugentgleisung im Renchtal. Ei» Schaffner getötet. Oberkirch, 26. Mai. Amtlich wird gemeldet: Bei Einfahrt des Personenzugs 1362 im Bahnhof Oberkirch am 24. Mat rissen infolge verfrühter Weichenumstcüung ein Pxxsonen- und Packwagen ab und kieken auf die Lokomotive einer Rangierabteilung auf. Der Packwagen entgleiste mit einer Achse, der Personenwagen wurde beschädigt. Der Zugführer wurde leicht verletzt, ein Schaffner ertttt einen Schädelbruch, an dessen Folgen er nach einigen Stunden starb. Der Betrieb wurde nicht gestört. Nr. 123. Jahrgang 1928. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 26. Mai 1928. ** Ofsenburg, 26. Mai. (Identifizierung.! Wie mttge- teilt wird, staiymt der in der Station Oberkirch tödlich verunglückte Schaffner von Freiburg und heißt Wrag. Mangel an Aufträge« i« der Albtalfpinnerei. Ettlingen, 26. Mai. Wie verlautet, soll bei der Gesellschaft für Spinnerei und Weberei in Ettlingen auf 11. Juni eine große Anzahl von Arbeitern, man spricht von 300, wegen Mangel an Aufträgen entlassen werden. Bier Jahre Zuchthaus wegen Meineids. Frankenthal, 25. Mai. Unter Ausschluß der Oeffentlich- - feit verhandelte das Schwurgericht gegen den nicht vorbestraften 1906 geborenen Willi Vogelmann aus Ludwigs- Hafen am Rhein wegen Meineids. In einer Alimentationsflage vor dem Amtsgericht Ludwigshafen hatte der Ange- flagte unter Eid die Möglichfeit der Vater des Kindes zu sein, das ein Mädchen aus Pforzheim geboren batte, abge- leugnet und behauptet auch heute, feinen intimen Verkehr mit der Kinbsmutter gehabt zu haben. Das kurz nach der Geburt gestorbene Mädchen hat jedoch vor ihrem Tode ihrer Mutter erflärt. sie habe zweimal mit dem Angeklag.en intim verfehlt und dieser sei der Vater des Kindes. Das Urteil lautete aus 4 Jahre Zuchthaus, 10 Jahce Ehrverlust, dauernde Eidesunfähigfeit und Ausrechterhrltung des Haftbefehls. Der Angeklagte behauptete bis zum Schluß, unschuldig zu fein. Erdbeben in Gelsenkirchen. Grlsenkirchm, 25. Mai. Heute nachmittag kurz nach 4 Uhr wurde in dem nördlichen Ortsteil Bülfe eine etwa zwei Minuten anhaltende Erderschütterung verspürt, die so heftig war. daß sich Bilder an den Wänden bewegten und die Türen der Schränke aufsprangen. Die Bewohner verließen panikartig ihre Wohnungen und liefen auf die Straße. Man vermutet, daß der Erdstoß durch eine Verlagerung des Gebirges im Bergbau hervorgerufen wurde. Ein neues Bergwerksunglück in Amerika. Wilkesbarre (Kennsylvanien), 25. Mai. Auf einem Schacht der Hudson Eoal-Company wurden durch eine Explosion schlagender Wetter fünf Bergleute getötet und mehrere verletzt. Neue Erdbeben in Peru. London, 25. Mai. In Peru haben sich in den Berggegenden am Dienstag und Mittwoch wiederum einige Erdbeben ereignet, die umfangreichen Sachschaden angerichtet haben. Schwere Folge« einer Revolverspielerei. In Wüstenshorn (Bayerns spielte der Schreiner August Fischer aus Ahorn mit einem Revolver, wobei ein Schutz losging und den 17jährigen Wilhelm Engel aus Hönb in den Hals traf. Dieser stürzte sofort zu Boden. In seiner Bestürzung richtete Fischer die Waffe gegen sich selbst und brachte sich zwei schwere Kopfschüsse bei. In schwerverletztem Zustande liegt er im Landkranfenhaus darnieder, während Engel mit leichteren Verletzungen ins Krankenhaus verbracht wurde. Das Perlenhalsband im Rocksntter. Eine aufregende Jagd nach einem gestohlenen Perlen- holsbande im Werte von 200 000 Dollar ist in diesen Tagen rn Paris zu lyrem grucrncyen v-moe gekommen, inoem oas kostbare Schmuckstück seinem Eiaentümer. einem Juwelier in der Rue de la Paix, unversehrt wieder zugestellk' werden konnte. Die besten französischen Detektive hatten den Dieb durch die halbe Welt verfolgt, ohne seiner habhaft werben zu können. Endlich, nach einem aufregenden Hin und Her, das den Neid manches Phantasiebegabten Kriminalschriftstellers erregt haben würde, gelang es, den Dieb, einen bekannten internationalen Hochstapler zu stellen, aber seinen „Raub" konnte man nicht ausfindig machen, obgleich man seine Tiebesverstecke eingehend durchforschte. Da der Schmuck aber zu ausfallend und sein Verschwinden auch bereits überall angekündigt war, konnte der Dieb ihn nicht veräußert haben, er mußte ihn also noch irgendwo verborgen halten. Endlich erfuhr man durch Zufall, daß der Hochstapler wenige Tage vor seiner Verhaftung einen Rock an seine Mutter geschickt hatte mit der Bitte, ihn auszubessern, da das Futter desselben zerrisse» sei. Unter einem Vorwände wußten die Detektive sich diesen Rock zu verschaffen und fanden in dem beschädigten Rockfuttxr die Perlen. Nur dem Umstande, daß die Mutter den Schaden noch nicht repariert hatte, war dieser glückliche Fund zu verdanken! Pfingsten Dies Pfingstfest laß der Wahrheit Feier, Aus all den dunklen Winterträumen Ist neu die Erde auferweckt. Des Haines zartbelaubten Bäumen Sind duft'ge Blüten aufgesteckt. Besät mit Blümlein sind die Wiesen, Der Vöglein Stimmen lobt und preist, Das ganze Weltall will erschließen Des frohen Pftgstfests heil'ger Geist. Das Licht des Himmels ist die Quelle, Ter Geist der Wahrheit ruhet nicht. Bis er in blendend schöner Helle Auf all die Menschen niederbricht. Bis er aus Wirrsal und Beschwerden Die heil'ge Flamme angefacht, In deren Licht der Herr der Erdev Uns die Erkenntnis hat gebracht. Und immer soll er überwiegen, Der Geist, der heilig uns umweht. Des Glaubens Zeichen muß besiegen, Was drohend wider uns noch steht. Die Liebe hat am Kreuz das Leben Geopfert für die sünd'ge Welt, Verzeihend, duldend und vergebend Als ihre Losung ausgestellt. Tu ew'ger Gott, b u dem wir bitten, O nimm uns du in deine Hut; Viel Bitt'res haben wir gelitten, Belebe, gib uns neuen Mut. O banne falschen Wahnes Schleier, O läut're unsre Herzen rein. Das Pfingstfest laß der Wahrheit Feier, Laß es ein Fest der iLebe sein. Rosa Haefeie. Turnen, Sport und Spiel. Handball. Am Pfingstmontag spielt die Jugend und 1. Mannschaft des Turnvereins gegen die Jugend und (1. u. 2.) Komb. Mannschaft des Turnvereins 1862 Weinheim auf dem hiesigen Turn- und Spielplatz. Da Weinheim KreismeisterKlass« spielt, so wird Sinsheim mit einer fast sicheren Niederlage rechnen müssen. Am Montag spielt die 2. Mannschaft gegen die 1. Mannschaft des Turnvereins Wimpfen. Die 1. Mannschaft hat das Rückspiel gegen Hattersheim bei Frankfurt auszutragcn. Am Ostermontag war das Borspiel in Hattersheim, wo Sinsheim 10 :5 verloren hatte. Hattersheim spielt Sonderklasse, doch wird es auf dem hiesigen Platze zu einem für Sinsheim besseres Resultat aussallen. Gut Heil! Marktberichte. Schweinemarkt Eppingen vom 25. Mai. Der heuüge Schweinemarkt war beschickt mit 132 Milchschweine» und 44 Läufern. Die Preise der ersten waren 30—52 Mk., der letzteren 63—120 Mk. per Paar. Mosbacher. Schweinemarkt vom 24. Mai. Ausfuhr: 2ig Milchschweine, 11 Läufer. Preise: Rilch- schweine 30—60 Mark das Paar, Läufer 60—80 Mark pro P aar. Marktverlauf: gut. Mannheimer Kleinviehmarkt vom 24. Mai. Zugetrieben und die 190 Kilogr. Lebendgewicht je nach Klaffe gehandelt wurden: 272 Kälber 48—84, 140 Schweine 60—66, 517 Ferkel und Läufer: Ferkel bis 4 Wochen 11—16, über 4 Wochen 18—24, Läufer 25—30. Verlauf: Handel mit Kälbern. Schweinen und Ferkeln mittelmäßig, Kälber und Schweine langsam geräumt. _______ Heidelberger Wochenmarkt vomI25. Mai. Kartoffeln 5—6, Weißkraut 25—30, Wirsing 25—30, Blumenkohl 100—140, Rhabarber 15—20, Mangold 15—20, Spinat 20, Erbsen Ausl. 60, Tafeläpfel 30—45, auslädische Taseläpfel 100, Kirschen 100—120, Kopfsalat Et. 8—20, Echlangengurken 50—100, Rettich Et. 8—20, Gebund 10—15, Radieschen per Geb. 10, Spargel I. Wahl 130, II. 90, III. 70, Aprikosen 120, Karotten im Geb. 15—20 Karotten int Ged. 90—100 ,gelbe rotfleischige Rüben, 20— 30, rote Rüben 15, Bodenkohlrabi 15—25, Zwiebeln 20, Sellerie 1 Pfd. 100, Meerrettig Stück 30—100, Landeier 10—14, Landbutter 170 bis 180 Pfg. Evangelischer Gottesdienst. Pfingstsonntag, den 27. Mai 1928. Kirchenchor und Kollekte 1/219 Uhr: Gottesdienst. Dekan Eisen. 1 / 2 II Uhr: Abendmahl. „ „ 1/2 2 Ahr: Predigtgottesdienst. Bikar Becher Pfingstmontag, den 28. Mai 1928. 1/219 Uhr: Gottesdienst, Pfarrer Nerpel, Rohrbach. Evangelisches Dereinshaus. Sonntag Abend, den 27. Mai um 8V4 Uhr Versammlung. Pfingstmontag Mittags 2 Uhr Iahresfest des Bereinshauses Festredner Pfarrer Braun, Hoffenheim und andere. Wetterbericht. Karlsruhe, 25. Mat. Das von Westen heranrücke»de Zwischenloch liegt heute über Frankreich und der Nordsee. Unter seinem Einfluß ist bei uns bereits Aufheiterung eingetreten. Die Besserung wird jedoch auch nicht von langer Dauer sein, da der Hochdruckgürtel über Nordeuropa voraussichtlich keine Aussichten auf Aenderung des bestehenden Witterungscharafters zuläßt. 15 Wenn Dich drücken Zins und Steuer s Oder sonstige Ungeheuer £E Greif zum Palmbräu folg dem Rat 2 Eh’ Dich laust der Vater Staat. Svrungsähigen Simmentaler Znchtsmea mit Ohrenmarke und Abstammungsnachweis, Gelbscheck Oberländer Abstammung, 14 Monate alt, hat zu verkaufen R. Schmutz. Gut Bockschaft Fernsprecher Kirchardt Rr. 29. [Windjacken für Burschen Sllllllllllll!lifllllllllinii!illlllllllllll!lllllll!lllf|||||||||||il||||!||||||!>||^ [ Windjacken und Joppen t 6.50 [ 1.501 21 .—| 4.901 1.801 9.251 8.501 pindjacken in allen Größen, 12.50,8.50, für Herren in enormer Wahl, 19.50, 15.50, 11.25, Ia. elegante Sportform z. T. Lederknöpfe, 29, 25, prakt. waschb. 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Beckerfche Buchdruckerei in Sinsheim. ann- urn- »ird ann- »as Am wird esul- il! ine» der lasse 517 chen inen it. nen- 20. Kir- ico. par- Teb. 30 . Pfd. 170 un,. kest- 8 f che. ST . J 3 -' wvt uu; 8«R Deutsche Pfingsten 1928 1 Von Otto Lichthardt. Vernähe wäre das lieblichste der Feste, das Pfingstfest, in den trüben Fluten des Wahlkampfes untergegangen. Und auch jetzt, da das Ergebnis feststeht und die aufgeregten Gemüter sich allmählich beruhigen, müssen wir alle Willenskraft zusammennehmen, um dieses schöne Fest des Frühlings und der geistigen Erbauung nicht überschatten zu lassen von diesen nicht allzu erquicklichen Dingen. Die Pfingstsonne muß uns hinauslocken ins Freie, sie muß unseren Kopf freimachen von all den Problemen des Gelderwerbs und der Politik, sie muß uns zu uns selbst führen, zu dem Wesentlichen in uns. Wer in Gottes freier Natur das herrliche Sprießen und Grünen mit dankbarem Auge sieht, der wird wohl nicht anders können, als seine trüben und dumpfen Gedanken zu verscheuchen und Freude zu empfinden über diese Welt, wie sie nun einmal ist. Wer aber daheim in seiner Stube oder im Gotteshause Pfingsten erlebt, der soll in einer ruhigen Stunde sich Rechenschaft geben und Kraft sammeln für den Alltag. Wie wenige Menschen verstehen heutzutage noch Feste festlich zu begehen! Sie alle klammern sich an das Materielle, das ein Feiertag mit sich bringt, sie vergessen dabei aber, daß auch der Geist und die Seele nicht zu kurz kommen bürfea. Die Hast des Alltags läßt keine Zeit, und so müßten die Feiertage umso freudiger begrüßt werden, um einmal, losgelöst von den täglichen immer gewohnten Sorgen, das Wesentliche des Lebens zu durchdenken. Es ist gut, daß acht Tage nach der Wahlentscheidung Pfingsten ist. Jeder Wahlkampf, wenn er auch in noch so geordneten Bahnen geführt wird, hat starke Worte, hat Gehässigkeit jeder Art, hat Kampf der einzelnen Parteien und Kampf der Volksteile gegeneinander im Gefolge. Unter dem Zwange der politischen Notwendigkeiten und im Eifer des Gefechts vergißt man ganz, daß wir alle Brüder eines Volkes sind und daß politsche Meinungsverschiedenheiten keine unüberbrückbare Kluft schaffen dürfen. Nach der Entscheidung, wenn ruhigere Tage ihre Herrschaft angetreten haben, sieht dann alles viel weniger radikal aus. Und zu Pfingsten, wenn wieder die Menschen in hellen Scharen Freude und Erholung in Gottes freier Natur suchen, wenn sie die Gotteshäuser füllen und im trauten Familienkreise an festlich geschmückter Tafel, in Eintracht beisammen sitzen, dann sieht die Welt ganz anders aus als noch vor wenigen Tagen, wo noch der Wahlzettel und das Wahlplakat herrschten. Pfingsten ist ein uraltes Fest. Schon die Germanen feierten den endgültigen Sieg des Früblings über den Winter durch die Errichtung des Maibaumes und die christliche Welt feiert in Pfingsten die Ausgießung des heiligen Geistes und die Bildung der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem durch die Predigt des Petrus. Ueberall in Deutschland wird dieses Fest auf dem Lande mit frohen Liedern und festlichen Umzügen gefeiert, überall herrscht froher Jubel und Freude. In urewigem Rhythmus siegt der Frühling über den Winter, der Geist Die dank vor dem Haufe Pfingstgeschichte von W. A p p e l t. Immer um die Pfingstzeit kamen die ersten Sommergäste in das schmucke kleine Gebirgsdorf. Da gab es jedes Jahr zu richten und vorzubreeiten. Gartenzäune und Fensterläden wurden gestrichen, Wege mit Kies bestreut und was sonst noch getan werden konnte, um den Fermden ein paar angenehme Wochen zu bereiten. „Wie ist das mit der Bank vor dem Hause?" fragte ein Nachbar den Dorfschneider. „Die Hab ich als Brennholz verfeuert. Sie war zu morsch geworden in dem nahen Winter." „Aber wollt ihr keine neue aufstellen?" „. . . . ich weiß noch nicht." Das war mehr eine Flucht vor weiteren neugierigen Fragen, als die Wahrheit. Der Schneider war fest entschloffen, und wußte das sehr genau, vor seinem Hause keine Bank wieder aufzustellen. Die Nachbarn aber, trotzdem er alle Möglichkeiten offen gelaffen hatte, steckten die Köpfe zusammen und sagten spöttisch: Die Liesbet gibt es auf. Denn sie hatten alle oft genug gesehen und gehört, was es mit der Bank vor dem Schneiderhause für eine Bewandnis hatte . . . Ganz richtig war ja nun freilich ihre Vermutung nicht — schon deshalb nicht, weil das, woran sie dachten, sich meist mehr oder weniger zufällig ergeben hatte, als daß die Liesbeth es geradezu planmäßig darauf anlegte. Aber immerhin waren die nachbarlichen Gedanken auch nicht ganz falsch. So morsch, daß sie nicht Mt noch einen Sommer überstanden hätte, war die Bank nämlich nicht gewesen. Doch die Tochter hatte ein ernstes und vernünftiges Wort mit ihrem Vater ge- IC lA Pfingften mnnj MM IW über den Körper, die Wahrheit über die Lüge. Auch wir müssen aus dem deutschen Pfingstfest 1928 neue Kraft und neuen Glauben schöpfen an den Sieg dieser Mächte. Wie im Einzelnen nur der im Leben vorwärts kommt, der optimistisch und glaubensstark an seine Aufgaben herantritt, so im Großen nur ein Volk, das an seine Zukunft und an seine Sendung glaubt. Die Kräfte des deutschen Bürgertums sind noch ungeahnt groß. Sie müssen nur richtig verwaltet und richtig eingesetzt werden. Weite Volkskreise stehen fernab in unfruchtbarer Resignation. Sie gilt es lebendig zu machen und für die Zukunft unseres Vaterlandes zu gewinnen. Laßt die Parteien beiseite an Pfingsten und denkt an ein geeintes großes Deutschland, an das 60 Millionen-Volk, das, mitten im Herzen Europas gelegen, ein Bollwerk ist der Kultur und des Fortschrittes. Die deutschen Pfingsten 1928 müssen helfen, die kleinliche Zerklüftung zu überbrücken und das geeinte 60 Millionen-Volk für seine großen und schweren Aufgaben zu stärken. MgstsMt wer ran» Erzählung von Ly Bretschneider. Langer als einen Tag ließ der Lorenzbauer die Pferde nicht untätig im Stall stehen. Deshalb mußten sie an jedem zweiten Feiertag „bewegt" werden. Zu Pfingsten spielte sich das seit Jahren so ab, daß der Kremserwagen angespannt wurde und, festlich herausgeputzt, die Dorfjugend über Land fuhr. Irgendwohin, wo zum Tanz aufgespielt wurde... Und es wurde von Jahr zu Jahr immer später, daß tief in der Nacht unter Singen und Scherzen die Heimfahrt angetreten wurde... Diesmal war es eine sternenhelle, mondklare Nacht, die das lustige Jungvolk mit seinem Lärmen erfüllte. Wie schon andermal, war Rudolf wieder der Held des Tages. In dem Nachbardorf, nach dem die Fahrt ging, war es noch keinem der Burschen gelungen, den schwindelnd hohen, vor der Kirche aufgerichteten Maibaum zu erklimmen und den Kranz herunterzuholen. Rudolf brachte es beim ersten Versuch fertig. Lauter Beifall lohnte das Gelingen, nicht ganz neidlos von den Burschen, bewundernd von den Mägden gespendet. Besonders die Marie konnte sich nicht genug tun in Komplimenten über seinen Mut und seine Stärke, und darüber, wie herrlich der Kranz von Eichenlaub und Pfingstblumen zu seinenr dunklen Haar stehe . . . Die Marie war die Tochter des Lorenzbauern, der der reichste in dem kleinen Dorfe war. Es hieß, er habe allein soviel Vieh und Feld, wie die Kleinbauern zusam- men, deren einer Lenes Vater war. Die aber hatte gedacht, daß das alles gar nichts mit der Liebe zu tun hätte, denn sie war ein schlichtes, treuherziges Gemüt. Umso bitterer enttäuscht es sie, daß Rudolf gar so froh und stolz auf Mariens Werben um seine Gunst einging. Fast für keine der andern hatte er Auge und Ohr, auch für sie, die Lene nicht. So gut sie konnte, hielt sie an sich, ihren Schmerz vor den andern zu verbergen. Aber dem und jener fiel es schon auf, daß sie nicht so war, wie sonst . sprachen, und das Ergebnis war eben die Wegnahme der Bank. Die Liesbeth war nicht übel anzufehen, aber schon über die Jahre der eigentlichen Jugend hinaus. Und wenn sie „es", wie bereits angedeutet, nicht direkt „aufgab", so ivar sie doch der alljährlich neuen, alljährlich wieder enttäuschten Hoffnungen gründlich überdrüssig. Blieb aber die Bank vor dem Haust, so bestand alle Aussicht, daß das alte Spiel sich wiederholte: daß der eine oder andere ledige Herr unter den Sommergästen an einem stillen, milden Abend auf der Bank mit der Liesbet ins Gespräch kam. daß die Nachtigallen im Busch ihr Liebeslied sangen, daß die Grillen zirpten und der Jasmin duftete, daß der Mond die Gebirge in ein fabulierendes und betörendes Märchenblau tauchte —, daß das Schweigen rings und der weite Sternhimmel die Menschen einander näherbrachten in ihrem Fühlen und Denken und Reden. Daß dann eine Hand die andere fand und nicht wieder freigab, und daß die Stimmen, die erst von gleichgültigen Dingen gesprochen hatten, zum Flüstern gedämpft wurden und von einem zum andern sagten, was, kein Drittes hören sollte, weil es kein Drittes etwas anging. Ebensowenig aber würde das Weitere ausbleiben: daß dann am hellen, nüchternen Tage, wenn auch meist nicht gleich am nächsten, alles ganz anders klang und aussah als im nächtlichen, raunenden Märchenblau..., daß jeder der ledigen jungen Herren mit Ablauf seines Urlaubs heimfahren würde, ohne dann noch mehr von sich hören zu laffen, als die ein- oder höchstens zweimalige Vesircherung auf einer Postkarte, daß es ihm gut gefallen habe. Das also hatte die Liesbeth satt, und darüber hatte sie sehr offen mit dem Vater gesprochen. Mit dem Er- Als das dichtbesetzte Gefährt an dem großen Teich vorüberschwankte, der etwa an der Grenze der beiden Dorfbereiche lag, hieß Marie den Kutscher, der ein Knecht ihres Vaters war, anhalten. Und wer halbwegs noch einigermaßen nüchtern war, freute sich über das manniK fache Glitzern und Flimmern, zu dem das unruhige Wasser die Mondscheibe und tausnd Sternenpunkte zerteilte. Dazu quakten die Frösche so vielstimmig, daß es klanA wie fernes Glockenläuten . . . Wer das noch nicht gehört hat. wird es nicht glauben wollen —, aber es ist so. Doch nicht darum hatte die Marie anhalten laffen, auch nicht wegen der Nachtigall, die im Busche irgendwo schlug? „Rudolf", sagte sie vielmehr, „hol mir ein paar von den Teichrosen!" Dabei zeigte sie nach einem nicht deutlich erkennbaren Etwas, das in der Mitte des Teiches auf den Wellen, die der Wind hervorrief, schaukelte. „Das ist Wahnsinn!" rief Lene entsetzt, und auch die andern schüttelten die Köpfe. Einer sagte, es wären gar. keine Teichrosen, denn die blühten noch lange nichts Und« ein andrer sagte, auch wenn es welche wären, könnten' keine zehn Marien ihn veranlaßen, hinüberzuschwimmen. Sie seien erhitzt und das Wasser sei in Mondnächten eisiO kalt. - Marie aber wiederholte ihre Aufforderung. Sie schien nun erst recht Gefallen daran zu finden, sich mit ihrem Einfluß auf Rudolf zu schmeicheln und zu brüsten. Und wirklich tat der, was sie von ihm verlangte .... Wochenlang konnte er das Bett, das er mit mühsam qualvoller Beherrschung erreicht hatte, nicht verlaßen. Als er, nach ein Paar Tagen, langsam ins Bewußtsein zurückkehrte, saß an seinem Bett, bleich von durchwachten Nächten und Stunden angstvoller Ungewißheit — die Lene. Tief ergriffen schwieg Rudolf. Nur ihre Hand konnte er fassen und sanft an sich ziehen. Und es dauerte lange, bis er die Worte fand: „Ich muß dir sehr dankbar sein, Lene." „Ich hielt es für meine Menschenpflicht, dich gesund zu Pflegen." „Und wenn ich dann wieder gesund bin . . .?" fragte er zögernd. „Tann werde ich gehen", antwortete sie. „Nein, Lene, du wirst nicht gehen! Du wirst bleiben!" „Das . . . weiß ich noch nicht ..." Dunkel, ganz dunkel dachte jetzt Rudolf an eine andere, die Teichrosen von ihm hatte haben wollen, und die schmollend wie ein Kind kein Wort mehr mit ihm gesprochen hatte, weil es keine gewesen waren, was sie dafüy angesehen hatte .... „Aber ich weiß es", sagte er bestimmt. „Ich weiß es, Lene! Auch wenn ich wieder gesund bin, mußt du hier bleiben. Erst werde ich dich bitten, mir zu verzeihen. Und dann werde ich dich bitten, hier zu bleiben. Kannst du mir das dann abschlagen?" „Der Arzt hat gesagt . . .", wollte sie ausweichen. Er aber wiederholte: „Kannst du mir das dann abschlagen?" Da sagte sie: „Nein .." gebnis, daß die Bank für morsch erklärt und beseitig wurde.- „Daß ihr das ausgerechnet an den Feiertagen machen müßt", sagte ein anderer Nachbar am zweiten Pfingjst- tage zum Schneider, der — aus neuen festen Brettern — eine neue Bank zimmerte. „Ich hatte eher keine Zeit." Das war bewußtes «Schwindel. Aber zur Ehre des Zimmernden sei gesagt, daß ihm die Sache nach dem Vorangegangenen weder angenehm noch geheuer war. Doch was tut ein aufmerksamer Sommerwirt nicht alles für seine Gäste? Und wenn ein junger, lediger Herr extra sagt, daß er sich freuen würde, wenn vor dem Hause eine Bank stünde..., nun, dann ergibt sich das weitere für seinen Sommerwirt einfach ganz von selbst. ■#. Daß aber der junge Herr das zu dem Schneider sagte» das hatte eine Bewandtnis, in der die Liesbeth eine nicht ganz eindeutige, und bestimmt keine konsequente Rolle gespielt hatte. Rein zufällig, wirklich rein zufällig war, sie am Abend des ersten Pfingsttages, an dem der Gast angekommen war, mit ihm unter der Haustüre zusammengetroffen. Ein Wort gab das andere, die Nachtigall sang und die Berge waren so blau, die Grillen zirpten und die Sterne blinkten..., kurz, alles war gewesen wie sonst —, bis auf das eine, das die Liesbeth plötzkich sagen ließ: „Früher hatten wir eine Bank vor dem Hause." „Ach", sagte darauf der junge Herr, „schade..." „Wenn sie es dem Vater sagen würden, daß es sie freuen würde..." -So war der Hergang gewesen. Man kann nicht viel dazu sagen. . i ! I Nr. 123. Jahrgang 1928. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 26. Mai 1928. Winke für die Schnakenbekümpfung im 3ahr 1928. Friedrich Glaser, Mannheim. Das Frühjahr 1828 war für die Entwicklung oer Haus- und Waldschnakcn nicht besonders günstig. Die Kühle Witterung hat dir Eierablage der Hausschnaken so verzögert, daß die ersten Eier erst in der letzten Aprilwoche, also mit einer Verspätung von fast einem Monat sestgcstellt werden konnten. Nun aber geht die Entwicklung bei der herrschenden Wärme rasch vonstatten. Die der Winterbekämpfung entgangenen Hausschnaken werden jetzt wohl zum größten Teil ihre Eierschisfchen stlll- stehenden, verunreinigten Gewässern (Wasser und Pfuhlfässer in Gärten, Fauchegruben, Adwassergräben und-gruben) anvertraut haben. Diese noch nicht sehr zahlreich erste Generation dieses Fahres wird in der zweiten Hälfte des Mai ausfliegen. Jede von den 4—5 weiteren Generationen wird ungefähr 200 Mal stärker an Zahl sein, als die vorhergehende. Das kann verhindert werden, wenn Mitte Mai die in den genannten Brutstellen etwa vorhandene Brut (durch Untersuchung festzustellen) mittels einer dünnen Schicht Schnakcnseprol erstickt wird. In Ermangelung von Schnakenseprol kann in Wasserfässern der Gärten oder Gärtnereien auch Petroleum oder Benzin verwendet werden. Durch Ueberlauf ist die Oelschicht auch y 2 Stunde leicht zu beseitigen, die Schnakenbrut ist dann aber restlos vernichtet. Auch die Walvschnaken hatten bisher im Rhcingebiet keine günstige Entwicklungsmöglichkeit. Durch den niederen Rheiy- wasscrstand sind die meisten Waldtümpel und Gräben wasserleer. Die in Laub und Moos der Bodensenkungen im Sommer 1927 abgelegten Eier der Waldschnakenarten kommen erst zur Entwicklung, wenn sie unter Wasser gesetzt werden. Sobald daher Druckwasser erscheint, wimmelt es in wenigen Stunden von Schnakenbrut, die spätestens in 14 Tagen sich zu flugfähigen und stechlustigen Schnaken entwickelt. Die Feinde der Brut (Käfer- und Libellenlarven sowie Salamander) sind in solch periodischen Gewässern meist nichr vorhanden und bis sie etwa erscheinen, sind die Schnaken längst ausgcslogen. Frösche und Froschlaroen (Kaulquappen) ernähren sich nicht von Schnakenbrut. Wenn die Unmassen von Schnaken dann ausgeflogm sind, helfen weder Bögel noch Fledermäuse, die in neuerer Feit so sehr als Befreier von der Schnakenplage gerühmt werden. Diese von Insekten, aber meist größeren, lebenden Tiere lassen sich niemals in solchen Mengen anjiedcln, daß sic eine plötzlich austretende Schnakenplage beseitigen könnten. Die Wald- schnakenplage ist nur zu beseitigen oder zu mildern, wenn die Brutstellen verschwinden, wenn Fische eingreisen können oder wenn die Schnakenbrut mit Oel erstickt werden kann. Nicht alle Waldtümpel enthalten Schnakenbrut, daher gebietet die Vernunft, nur die Stellen mit Oel zu behandeln, wo tatsächlich sich Schnakenbrut in Massen zeigt. Nur geschultes Personal bietet Gewähr gegen sinnlose Materialverschwendung. Keine Gemeinde dürfte darum mit der Schnakenbekümpfung beginnen, bevor nicht die Grundlagen zur Schnakenbekümpfung — sachverständige Leitung, geschultes Personal und Entscheidung über Möglichkeit oder Zwecklosigkeit geklärt sind. Die Larven der Malariaschnaken bevölkern die meisten stillstehenden oder langsam fließenden Gewässer des Rheingebiets. Sie sind jedoch noch nicht so zahlreich, wie die übrigen Schnakenarten, und Ueberträger der Malaria können sie erst werden, wenn sie an Malariakranken Blut gesaugt haben. Verhiw- dern wir daher nach Möglichkeit eine Vermehrung dieser gefährlichen Schnaken. 1 Die Schnakenbekämpfung darf ebensowenig wie die übrige Schädlingsbekämpfung leicht genommen werden. Für viele Orte, namentlich unsere Kurorte und Bäder wäre Gleichgültigkeit- in dieser Frage beginnender Ruin, denn Vermehrung der Schnaken bedeutet unfehlbar Abnahme des Fremdenverkehrs. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß jetzt an allen Orten frisch drauflos geölt werden soll. Schnakenbekämpfung kann zum Unsinn werden, wenn Unerfahrene sinnlos alle Gewässer in Behandlung nehmen. Die seit 1910 bestehende Vereinigung zur Bekämpfung der Stechmücken- oder Schnakenplage, Versuchsstation Mannheim, Böcklinstraße 40 stellt ihre Erfahrungen jedermann bereitwilligst zur Verfügung. Verschiedenes. Wie wird die Welt in dreißig Jahre» anssehe«? In dreißig Jahren wird das jetzige, bereits allzuschnelle Lebenstempo sich bis zu einer irrsinnigen Raserei entwickelt haben. Amerika wird der Herr der Meere und der Beherrscher der anderen Nationen sein und das stolze England zu seinem Vasallen gemacht haben. In Rußland wird noch die Svwjetregierung herrschen, in Deutschland wird der republikanische Gedanke das Uebergewicht erhalten haben. Italien wird die Mittelmeerländer beherrschen: in Frankreich werden große Regierungsumwälzungen stattilnden, und nur junge Politiker werden die Staatsgeschicke lenken. Der Personenverkehr wird ausschließlich durch Flugzeuge vermittelt werden, jedes Land wird seine eigenen großen und kleinen Luftschiffahrtslinien haben. Eisenbahn und Schisse werden nur noch für den Frachtverkehr benutzt werden. Benzin als Betriebsstoff wird gänzlich durch die Elektrizität verdrängt sein. Für die Frauenwelt wird die Hosentracht allgemein sein, und Kino und Variete werden dem Schauspiel, der Oper und dem Konzertwesen nahezu völlig das Lebenslicht ausgeblasen haben! — Dies sind die Prophezeiungen, die ein bekannter französischer Schriststeller, Monsieur Paul Morand, in seinem neuesten Buche, einem spannend geschriebenen Zukunftsroman, verkündet. Was die ethische, künstlerische und ästhetische Entwicklung anbetrifft, so sieht Morand sehr schwarz, vor allen Dingen auch in Bezug auf sein eigenes Volk. „Frankreich, die Nation der Kultur, wird amerikanisiert sein!", so ruft er aus. „Seine Ma- lerei und Dichtkunst wird verflachen, keine Werke von Qualität werden mehr geschaffen werden. Frankreich wird nie mehr als ein Vierzigmillionenvolk, aber eine Nation der Geschäftsleute nach amerikanischem Muster werden. Der Begriff „Liebe" wird seine Bedeutung verlieren: nur noch die körperliche Uebereinstimmung wird maßgebend sein. Ehen werden ebenso zahlreich und leicht geschlossen, wie geschieden werden, aber die Pflege und Erziehung der Kinder wirb mehr und mehr aus der Familie in staatlich geleitete Heime und Schulen verlegt werden. Der Grundsatz der Ausmerzung der zur Fortpflanzung Untauglichen und Asozialen durch Sterilisation und Bewahrung in geschlossenen Anstalten wird sich allgemein durchsetzen, ebenso wie die Geburtenregelung nach den Gesetzen der Eugenik. Als Folge werden die Irren- und Krankenhäuser sich leeren und Syphilis, Tuberkulose und Krebs werden ihren Charakter als Vvlksseuchen verlieren. Dem Sport und der Körperkultur wird weitestgehende Beachtung geschenkt werden, und anstatt der Heilanstalt werden große öffentliche Institute für Schönheitspflege überall errichtet werden. Im ganzen werden die Völker in dreißig Jahren rassisch gesünder und besser entwickelt sein, aber leider wird diese Aufwärtsentwicklung von einem bedauernswerten moralischen und geistigen Niedergänge begleitet sein!" Die Frau mit dem Stranßenmage». Ein beinahe unglaublicher Bericht über den anormalen Appetit einer geisteskranken Frau findet sich in einer englischen medizinischen Wochenschrift. Der Leiter der Nervenheilanstalt, in der sich die Kranke noch jetzt befindet, erzählt von seiner Patientin folgendes: Frau L. hat die Gewohnheit, alle möglichen uuverdaulichen Gegenstände zu verschlingen, deren sie nur habhaft werden kann, und alle Wachsamkeit vermag sie nicht daran zu hindern. Bereits im Jahre 192b durchleuchteten wir sie und stellten das Vorhandensein einer großen Menge von Fremdkörpern, wie Sicherheitsnadeln, Drahtstücken und Knöpfe in ihren Eingeweiden fest. Da sie diese Gegenstände aber ordnungsgemäß und ohne Schwierigkeit durch den Darm wieder ausschied, lan kein «nray zu einer r^peranon vor. >Lerr zrurzem nagle sie nun aber über heftige Magenschmerzen und magerte rapide ab, so daß wir eine zweite Durchleutchung Vornahmen. Dabei ergab es sich, daß der Magen der Kranken vollständig mit Fremdkörpern verstopft war. Es gelang, diese zu entfernen, und folgende Liste von Gegenständen war das Resultat: 947 krummgebogene Stecknadeln, 865 Drahtstückchen, 191 Glasstückchen. 176 Sicherheitsnadeln, 58 Reißzwecken, 54 Köpfe von Korsettstangen, 28 Strumpfbandschnallen, sowie eine große Anzahl von Schrauben, Nägeln, Glas- und Holz- Perlen, Schlüflelbärten, Geldmünz , Manschetten- und Kragenknöpfen und Stahlsedern. Man kann von dem Magen dieser Frau tatsächlich nichts anderes als von einem Strau- ßenmaaen ivrecken. Das Grammophon als Zeage vor Gericht. Eine originelle Klage wurde dieser Tage in Paris vor Gericht verhandelt und auf Grund der Zeugenschaft eines — Phonographen entschieden. Ein Sänger klagte gegen einen Theaterdirektor auf Engagementserfüllung, doch der Theatergewaltige weigerte sich, seinen Verpflichtungen nachzu- kvmmen, da, wie er behauptete, die Stnmme des Sängers sich nach dem Abschluß des Vertrages verändert habe, was dieser jedoch bestritt. Um seine Behauptung zu beweisen, verlangte der Theaterdirektor, daß der Künstler vor Gericht eine Arie singe. Hierzu erklärte sich dieser auch bereit, stellte aber seinerseits den Antrag, daß dann auch eine Grammophonplatte gehört werden müffe, die er nachweislich zur Zeit der Engagementsverhandlungen besungen habe. Beiden Anträgen wurde stattgegeben, und so erschien das Grammophon als Zeuge vor Gericht. Klar und deutlick ertöt’*’ Mo Wrl«- rt’tÄ fiprn Ava rat aTMrfS daran? trug der Sänger sie im Original vor. wobei alle Anwesenden erklärten daß eine verblüffende Uebereinstimmung zwischen beiden Vorträgen herrschte. So wurde der Theaterdirektor verurteilt, und er grübelt heute darüber nach, ob inzwischen die Stimme Ves Sängers, oder die Grammophonplatte sich so katastrophal verschlechtert habe. Auferstanden von de« Tote«. Baron Kihachiro Okura, einer der reichsten japanischen Industriellen und im Lande als der „Krösus von Japan" bekannt, hat der ärztlichen Wissenschaft im fernen Osten eine Schlappe beia-f>racht, von der sie sich nicht so bald erholen wird. Der Mann lit seit Jahren au Magenkrebs und wurde von den ihn behandelnden Aerzten als ein ganz hoffnungsloser Fall betrachtet. Dieselben Aerzte, führende Kapazitäten ihres Faches, stellten auch eines Nachts das Ab- leben des Kranken fest. Die großen Blätter der japanischen Hauptstadt veröffentlichten bereits am anderen Morgen lange Nachrufe, aus denen man entnehmen konnte, daß der Verstorbene der Typus eines modernen japanischen „Selfmademan" war d sich bleibende Verdienste um die japa- nische Wirtschaft erworben hatte. Die Blätter erschienen gerade so rechtzeitig, daß sie — von den, Verstorbenen gelesen werden konnten. Dieser war nämlich zum großen Erstaunen ganz Tokios und zur peinlichsten Ueborraschnna der Aerzte. die ihn für tot und erledigt erklärt hatten, wieder zum Leben erwacht. Der kleine Ausflug ins Jenseits und dann die Lektüre all der für ihn so schmeichelhaften Nekrologe in den Zeitungen wirkten so gar so erfrischend auf ihn daß er sick b->,t- besser fühlt als seit langem und man große Hoffnungen auf seine Wiedergencsung hat. Die ärztliche Wisienschaft Jaoans aber ist durch diese an sich so erfreuliche Auferstehung eines Totgeglaubten in die unerfreulichste und tödlichste Verlegenheit gebracht und brütet nun krampfhaft über einer Theorie mit der sie diesen unerhörten „Fall erklären und ihr stark erschüttertes Anseben bei der Bevölkerung wieder Herstellen kann. Der Baron kann der Wts- senschaft gar nichts Boshafteres ankun. als nun noch völlis »« gesundem Aus dem Reiche der Mode. Zum Wochenende Von Jahr zu Jahr spielt das Wochenende eine immer größere Rolle. Je mehr Menschen während der Wochentage in den Steinmauern der Städte sich zusammenballen, desto größer ist das Bedürfnis nach frischer Lust und Sonne und je größer die Entfernung zwischen dem Stadtinneren und der grünen Umgebung wird, desto notwendiger wird die Ausdehnung des Wochenendes auf ein und einen halben Tag. Vor allem den Kindern und der lebensvollen Jugend ist ein Ausspannen und Lustschöpfen zu gönnen, und damit dies auch wirklich zweckmäßig geschieht, ist es notwendig, daß sie nicht durch unvernünftige Kleidung gehindert werden. Die Mode ist, wie überhaupt in neuester Zeit, darin äußerst entgegenkommend und bringt ganz reizende, dabei aber durchaus vernünftige und plastische Wochenendsteidchen für Jung und Alt. Nicht etwa duftige Voile- und Seidenkleider über weißen Spitzenunterröcken mit Spitzen und Bändern geziert, wie man sie ftüher zur Landpartie^ trug. Oh nein! Auch der konservativste Mensch würde nichtmehr aussolchen Gedanken kommen. Nicht einmal weiße oder Voile- oder Leinenkleider trägt man mehr. Hingegen gibt es jetzt ganz reizende bedruckte Kleider aus festem Waschstoff. Wollmusselin ist zwar auch sehr hübsch, besonders weil er nicht knW, aber er bleibt viel leichter hängen und hat dann schnell einen Riß oder ein Dreieck. Auch läßt er sich nicht so ohne Weiteres waschen wie die Indanthren-Kleidchen, die außerdem den Vorzug haben, lichtecht zu sein. Besonders die dunkelblauen Indanthrenkleider mit weißen Mustern oder weißen Kanten sind von einer unbegrenzten Haltbarkeit. Außerdem gibt es jetzt diese Nesselkleider auch in den zartesten Pastellfarben — Lachsrosa, Hellgrün, Hellblau, Lila, auch Kupfer, Rot oder Braun. Mst färbst aufgedruckten Kanten ergeben sie ganz allerliebste Kleidchen wie z. B. Favorit- Modell 1685, an dem die Kante des unteren Rockrandes auch zu Koller und \ Ärmeln verwendet wurde und die Enden der Krawatte schmückte. Besteht hingegen das Kleid aus einem durchweg gemusterten Stoff, so betonen einfarbige Blenden und Besatzstreifen die Schnittform, die sonst verschwinden würde. Besonders hübsch sind die beiden Favorit-Modelle 1683 und 1684, die beide die jetzt moderne, einseitige Anordnung zeigen. An 1683 ist der Rock seitlich in drei Plisseefalten geordnet. Diese sind bis hinauf zur Taille mit einfarbigen Streifen in der Farbe des Druckmusters besetzt. Bei Modell 1684 beginnt die linksseitige Anordnung am viereckigen Ausschnitt und wiederholt sich am Rock rechts und links einer nach innen liegenden Hohlfalte. Außer diesen baumwollenen Waschstoffen üt in diesem Jahr die zwar teuere, aber ebenfalls ungemein plastische Shantungseide sehr mo- derm Man hat sie nicht nur in naturfarbig, sondern auch gebleicht wie Effenbein sowie gefärbt in allen Modefarben. Diese echten Japanseiden sind nicht nur unbegrenzt haltbar, sondern man kann sie auch waschen wie ein Taschentuch, sie erstehen aus jeder Wäsche wie neu. Die Form dieser Shantungkleider ist dem Charaster nach die gleiche wie die der vorbeschriebenen. Eine besonders apafte Form dieser Aft zeigt Mod. 1660. Bearb. u. mtt Abbild, versehen vom Favorit-Verlag, Dresden. o ° *0 m ä