Erscheint tSglich •ril Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch diePost bezogen und durch de» Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.60 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieser- «ug der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Uhr Sonntags geschloffen. Derusprech'Anschlub Rr. 468 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6968 Der Landbote §mskeimer MM Leitung ?iis General-Anzeiger jüv Llfenz-und 5ckwarzbacktal Helteft» und vei-breiletll» Leitung ditfer Gegend. yLUpt-Hnzeigen-Slatt mS^ntUcht B«iU9«n: Neu» Illustriert« » Ha» «len, Reick, der (IftcxU » Ratgeber für Y»u»- unck r»nckmirtsck,»s» Anzeigeu'Preise: Anzeigen: Die ZZ mm breit, Millimeter-Zeile 6 Gvldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 2V Gvldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Pettt. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Uhr vormittags; größere Anzeige» müssen am Tage vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Dereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 134. Montag, den 11. Juni 1928. 89. Jahrgang Schweres Eisenbahnunglück. 22 Lote, 7 Schwerverletzte und 12 Leichtverletzte. Nürnberg, 11. Juni. Sonntag um 1.23 Uhr früh ereignete sich bei Siegelsdorf, zwischen Nürnberg und Würzburg, ein entsetzliches Eisenbahnunglück. 200 Meter hinter der Station Siegelsöorf entgleiste 4er SchneLzng D 47 München—Nürnberg—Würzburg—Frankfurt—Köln ans freier Strecke «nd stürzte den Damm hinnuter. Die Folgen «hsren entsetzlich. Die Lokomotive stürzte die 10 Meter hohe Böschung hinab, überschlug sich und blieb, tief in das Erdreich eingebohrt, liegen. Der nachfolgende Gepäckwagen blieb auf dem Körper stehen, während die nächsten fünf Personenwagen umfielen, zum Teil ineinan- dergeschoben und völlig zertrümmert wurden. Der mittlere Wagen wurde gänzlich zerknickt, so daß die beiden Hälften nebeneinanderliegen. Aus diesem Wagen wurden die meisten Toten geborgen. Der Schlußwagen ist fast vollständig unbeschädigt geblieben. Bis jetzt wurden außer 14 Toten über 11 Schwerverletzte und gegen 100 Leichtverletzte geborgen. Man nimmt jedoch mit größter Bestimmtheit an. daß sich unter den Trümmern noch weitere Tote befinden. Um halb 0 Uhr wurde der letzte der Toten geborgen. Kurz vorher zog man eine Dame aus den Trümmern, die zwischen zwei Toten schwer verletzt eingeklemmt war und noch Lebenszeichen von sich gab. Unter den Toten befindet sich auch der Lokomotivführer, während der Heizer im letzten Augenblick die Geistesgegenwart besaß, abzuspringen. Die meisten Verletzungen entstanden durch den aus der umgestürzten Lokomotive entströmenden Dampf, der entsetzliche Verbrühungen verursachte. Auch die Toten sind zum größten Teil durch den ausströmenden Dampf derart verbrüht worden, daß sie vollkommen unkenntlich waren. Die Verletzungen der Reisenden waren grauenerregend. Aus den Wagen klangen ununterbrochen die Schreie der Verwundeten. Immer wieder wurde der Ruf nach Waffer laut. Etwa 40 Verletzte wurden mittels Sanitätsauto, sowie durch Sanitätswagen der Reichsbahn in das Fürther Krankenhaus überführt. Zwei Santtätskolonnen, sowie Abteilungen der Nürnberger Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr waren sofort zur Stelle. Der Zugverkehr von München nach Nürnberg ist einstweilen noch gesperrt. Auf welche Weise das schwere Unglück sich ereignen .onnte, wurde bis jetzt noch nicht festgestellt. Man neigt der Ansicht zu, Last es sich um ein Attentatsanschlag auf de« D-Zug handelt. Nach anderer Auffassung hat ein Dammrutsch Anlaß zur Entgleisung des Zuges gegeben. 22 Tote Berlin, 11. Juni. Wie die Reichsbahndirektion mitteilt, hat sich bisher die Zahl der Todesopfer auf 22 erhöht. — Schwerverletzt werden amtlich dagegen nur sieben Personen gezählt, von denen vier in Lebensgefahr schweben. Die Zahl der Leichtverletzten soll nur 12 betragen, wovon zwei bereits aus dem Krankenhaus entlaffen sind. Die Opfer München, 11. Juni. Die Namen der bisher geborgenen Opfer des großen Eisenbahnunglücks in Mittelfranken sind bereits ermittelt. Die Namen der Toten lauten wie folgt: 1- Referendar Dr. August Keßler aus Würzburg; 2. Geschäftsreisender Kaiser, Herkunft unbekannt,- 3. Ingenieur Eugen Provarcy aus Ungarn; 4. der Lokomotivführer des Zuges, Jmhof aus Würzburg,- 5. Stellwerkmeister Ehrhard Oberhäuser, Aschaffenburg,- 0. Stellwerksmeister Josef Dürr aus Gminöen,- 7. Stellwerksmeister Johann Jäckel aus Würzburg,- 8. Oberwerksmeister Peter Bauer aus Würzburg: 9- Bergpraktikant Hellmut Gebhard aus Worna bei Leipzig,- 10. Eisenbahner Caspar Klug aus Köln-Nippes,- 11. Eliese Donner, Frau eines Lokomotivführers aus Westfalen: 12. Eisenbahner Leonhard Kul aus Oberhausen im Rheinland: 13. dessen Ehefrau, und 14. eine noch nicht ermittelte Frau. Die Namen der elf Schwerverletzten lauten: 1. Johann Wolfert aus Obernau bei Aschaffenburg: 2. Caspar Koch, Eisenbahner aus Ottobeurrn: 3. Matthias Bleschhut, Würzburg: 4. Johann Schloder, Lokomotivführer aus Aschaffenburg: 5. Johann Schreck. Lokomotivführer aus Aschaffenburg: 0- Burkhard» Büchner aus Würzburg: 7. Robert Donner, xoromonvfüyrer aus Etjenhunden: 8. Werner Hold, München,- 9. Anna Prottengeier aus Nürnberg: 10. Bruno Knotteck, Bochum: 11. Erna von Laffert-Waldeck. Kaufmannstochter aus Leutersdorf im Rheinland. Unter den Schwerverletzten befinden sich vier mit so schweren Verletzungen, daß mit ihrem Ableben gerechnet werden muß. Eine ursprüngliche Meldung, daß in den Nürnberger Krankenhäusern zwei Schwerverletzte bereits gestorben seien, hat sich bis zur Stunde nicht bestätigt. Die Anglükksstatte Nürnberg, 11. Juni. Der Vertreter der Telegraphen- Union begab sich nach Bekanntwerden des schweren Eisenbahnunglücks bet Siegelsdorf sofort an die Unglücksstelle, die ein furchtbares, grausiges Bild darbot. Die von der Landespolizet abgesperrte Unfallstelle war von Tausenden von Personen umlagert, die die Verwüstungen besichtigen wogten. Die Lokomotive des Unglückszuges war den ungefähr io Meter hohen Bahndamm hinuntergestürzt, hatte sich rn der Luft um sich selbstt gedreht und lag in entgegengesetzter Fahrtrichtung. Die v-Zugwagen hatten st« zum Leu tneinandergeschoben. Gegenwärtig werden die langen Wagen in mehrere Teile zersägt. Die genaue Ursache des Unglücks dürfte erst durch eine Untersuchung festgestellt werden. Auch die Angaben über die Zahl der Verletzten gehen noch weit auseinander, doch dürften die Angaben der Sanitätswache, die von 119 Schwer- und Leichtverletzten spricht, bei der Schwere des Eisenbahnunglücks wohl dem tatsächlichen Stand der Verletzten ziemlich nahekommen. Vertreter der Reichsbahn und der Zentralbehörde an der Uuglücksftätte. Berlin, 11 Juni. Sofort nach Bekanntwerden des Eisen- bahnunglücksfallcs begab sich auf Anordnung des Generaldirektors der Reichsbahngesellschaft der zuständige Referent für Unfallwesen an die Unglücksstelle. Auch vom Reichsverkehrsministerium wurde ein Dezernent entsandt. Die Lage der „Aalia" festgestelll Oslo, 9. Juni. lFunkspruch.) Wie die Funkstation in Kingsbay meldet, wurde sie Donnerstagabend um 20.30 Uhr von der „Citta di Milano" gebeten, ihren Funkverkehr mit dem Schiff vorläufig einzustellen, da diese selbst mit der „Jtalia" in Funkverbindung gekommen sei. Um 22 Uhr teilte der Kapitän der „Citta di Milano" weiter mit, daß er von der „Jtalia" einen Funkspruch erhalten habe, nachdem sich das Luftschiff 81 bis 80 Grad nördlicher Breite und 25 bis 30 Grad östlicher Länge befinde. Mser-Larsen auf der Suche Der pessimistische Amnndsen Oslo, 10. Juni. Kapitän Riiser-Larsen ist am Freitag, wie aus Spitzbergen gemeldet wirb, zu seinem ersten Er- kunüungsfluge aufgestiegen. Nachdem die angebliche Positionsmeldung Nobiles auf dem Wege über Amerika hier bekannt geworden ist, erklären die Sachverständigen, daß die „Jtalia" unmöglich an einer Klippe zerschellt sein könne, da es in der betreffenden Gegend nördlich von Spitzbergen weder Land noch Klippen gebe. Demnach müsse entweder die Positoinsangabe falsch oder der Inhalt des Funkspruches erdichtet sein. Um Störungen durch die öffentlichen Radiostationen zu vermeiden, hat man in einer Hütte eine neue Kurzwellenstation eingerichtet. Trotz widersprechender Meldung ist es bisher noch nicht gelungen, mit Nobile in Verbindung zu treten. Amundsen hat sich darin geäußert, daß mau die amerikanischen Meldungen über die funkentelegraphische Verbindung mit Nobile mit äußerster Vorsicht aufnehmen müsse. Er sei in dieser Beziehung Pessimist. Funkverkehr „Citta di Milano" — „Jtalia". Berlin» 9. Juni. Um 23 Uhr dem Fahrrad sitzen und wollte einem Müllerfuhrwerk aus- weichen, als gerade ein Auto vorbeikam. Durch die rasche Lenkbewegung kippte das Rad um, das Kind siel auf die Straße und wurde von dem Müllerfnhrwerk überfahren und so schwer verletzt, daß es starb. ** Weinheim, 9. Juni. (Beseitigung der Unwetterschäden.) Die gröbsten durch das Unwetter am 29. April hervorgerufenen Verwüstungen sind jetzt beseitigt An den Aufrän- mungsarbeiten waren etwa 150 Erwerbslose beschäftigt, die in 2300 Tagewerken einigermaßen wieder Ordnung schafften. ** Ulm, bei Oberktrch, 9. Juni. Tödlicher Sturz beim Kirschenbrechen.) Der 70jährige Landwirt Ignaz Schnöder fiel beim Kirschenbrechen von der Leiter und erlii so schwere innere Verletzungen, daß er starb. ** Dnrbach, bei Offenburg, 9. Juni. (An einem Sturz gestorben.) Der 72jährige Witwer Karl Geiler (Unterweiler) fiel vor einigen Tagen die Haustreppe hinunter und zog sich innere Verletzungen zu, denen er erlegen ist. ** Haslach, 9. Juni. „Der Leutnant von Hasle" kommt als Festspiel am Sonntag, den 24. Juni, auf vielseitigen Wunsch auswärtiger Jntereffenten nochmals zur Aufführung. ** Friedrichshafen, 9. Juni. Das neue Ozeanflugschiff der Dornier-Metallbaugesellschaft mit seinen 6000 PS, das bei Altenrhein gebaut wird, wirb in diesem Jahre voraussichtlich noch nicht fertig. Vom Ausland sind bereits mehrere Stücke fest in Auftrag gegeben. Das erste Flugschiff wirb deutsch sein. ** Heppenschwand (bei Waldshut), 10. Juni. (Tot auf- gefunden.) Der vermißte Waldarbeiter Eduard Rogg, der seit Ende Mai gesucht wird, wurde im Walde erhängt aufgefunden. ** Säckingen, 10. Juni. (Aus der Familienchronik der ermordeten Lehrerinnen.) Die beim Thurner ermordeten Lehrerinnen entstammen einer weitverzweigten, alten Lehrersfamilie, die von Niederhof (Amt Säckingen) stammt. Der in Gengenbach lebende Vater der Luise Gersbach, Pius Gersbach, ist in Säckingen geboren, und der in Waldshut lebende Lehrerveteran Johann Gersbach ist ein Großenkel der Ermordeten. ** Straßburg, 9 Juni. Das fortdauernde große In- tereffe am Kolmarer Komplottprozetz geht ans der Tatsache hervor, daß die vom „Elsäflischen Kurier" veranstaltete und in starker Auflage herausgebrachte Buchausgabe der aus- führlichen Prozeßberichte schon durch Vorausbestellungen vergriffen war Eine zweite Auflage war binnen drei Tagen ausverkauft. — In der kommunistischen „Humanitö" veröffentlicht der flüchtige, in der Schweiz weilende Autonomist Dr. Roos eine öffentliche Erklärung, in der er erneut bestreitet, von den sagenhaften Reuchltng-Millionen etwas zu wissen, über die im Kolmarer-Prozetz der Staatsanwalt- gar keine Klarheit mehr zu schaffen wünschte, sowie sich die Gelegenheit bot, das durch Zeugeneid zu verwirklichen. Schweres Grubennnglück a«f der Zeche „Westfalen" ia Ahlen bei Hamm. Hamm. 11. Juni. In der Nacht zum SamStag verunglückten bei Reparaturarbeiten im Schachtsumpf unter der zweiten Sohle in Schacht 2 drr Zeche Westfalen in Ahle» drei Schachthäuer. Nach Mitteilung der Bergbehörde rief einer der Verunglückten noch kurze Zeit um Hilfe. Ehe aber die Rettungsmannschaft zu ihm gelangen konnte, stürzten die Schachtwände weiter nach. Lebenszeichen gaben dik. Verunglückten nicht mehr von sich. Noch keine Ergebnisse in der Ermittelung des Schwarzwald-Mörders. Freiburg, 11. Juni. Aus Magdeburg ist berichtet worden, daß dort auf Veranlassung der Freiburger Staats- anwaltschaft der vereidigte Bücherrevisor Schmidt verhaftet und dem Untersuchungsrichter zugesührt worben ist. Die Vernehmung des Schmidt hat einwandfrei festgestellt, daß er mit dem Mord nicht in Verbindung steht. Er wurde deshalb sofort auf freien Fuß gesetzt. Aus Mannheim wird berichtet: Entgegen anderslautenden Meldungen, die davon sprechen, daß der gestern am Mannheimer Hauptbahnhof verhaftete Wiener Staatsangehörige Kaufmann Schnitzer bisher nicht auf freien Fuß gesetzt worden fei, da er sein Alibi nicht einwandfrei habe Nachweisen können, wird uns von zuständiger Seite erklärt, daß Schnitzer in keinem Zusammenhang steht, und daß er sofort nach seiner Einvernahme auf freien Fuß gesetzt wor- den ist. Nr. 134. Jahrgang 1928. Der Laadbote * Sinsheimer Jeiüm-. Aus Offenburg meldet unser Berichterstatter: Die Gerüchte, wonach die in der Nähe von hier aufgefunbenen Gegenstände, nämlich ein Revolver und ein Messer, mit dem Mord an den beiden Lehrerinnen im Schwarzmald im Zu- sammenhang stünden, bestätigen sich nicht. Der Eigentümer der Geqenstände ist ermittelt. Ueber die angebliche Festnahme des Mörders der beiden Lehrerinnen laufen zur Zeit verschiedene Gerüchte herum. Wie wir aber von amtlicher Sette erfahren, ist eine erfolg- reiche Spur im Bezug auf den Mörder noch nicht gefunden worden. Bor der Fertigstellung des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Stuttgart, 11. Juni. Es wir» damit gerechnet, daß die eigentlichen Arbeiten an dem in Bau befindlichen Luftschiff in Friedrichshafen in der letzten Juniwoche beendet sein werden. Dann wird mit dem Einbau der Motoren und der Füllung begonnen werden. An die sich dann anschließenden Werkstättenfahrten schließt sich die Deutschlandfahrt an, der vielleicht ein Europaflug unmittelbar darauf folgt. Ein Flug nach der Arktis kommt sür dieses Jahr nicht mehr in Frage, da dieser spätestens im September ausgeführt werden müßte. Die Taufe des Luftschiffes wird voraussichtlich am 9. Juli, also zur Zeit des Luftfahrertages in Konstanz, stattfinden. Das älteste Schmarzwaldhans niedergebrannt. Mönchweiler (bei Villingen), 10 . Juni. Das Doppel- Haus der Landwirte Johann Haas und Johann Storz, das als bas älteste Haus des Schwarzwaldes gilt, ist niederge- vrannt. Das Haus soll seit 200 Jahren stehen, war völlig ans Holz errichtet und mit Schindeln gedeckt. Wohnräume, Stallungen. Scheune und Schopf befanden sich unter einem Dache. Das Haus brannte bis auf den Grund nieder. Nur der Viehbestand wurde gerettet. Der Gebäudeschaöen beträgt 30400 Mark, der Fahrnisschaden bei Storz, der ver- sichert ist, 18500 Mark, bei Haas, öer nicht versichert ist, min- destens 5000 Mark. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Qualvolle Untersuchungshaft im frauzöfischen Militär- gesängnis in Landau. Landau, 9. Juni. Im hiesigen französischen Milttärge- fangnts sitzen immer noch der Autogaragenbesttzer Eugen Frank und die ledige Anne Kornberger aus Zwetbrücken in Untersuchungshaft wegen des Flaggenzwischenfalls in Zwei- brücken, wobei in der Nacht zum 1. Mai die Trikolore am Offizierskastno der Garnison herabgeholt und zerrissen am Bismarckdenkmal nieüergelegt wurde. Bekanntlich gelang es nicht, die Verüber dieser unüberlegten Tat festzunehmen. Dafür ergriff die Besatzungsbehörüe den genannten Frank, der mehrere junge Leute über den Rhein fuhr und die Kornberger, die die Automobilfahrt mitgemacht hatte. Beide Verhaftete sitzen in Landau in Einzelhaft und sind bis heute noch nicht vernommen worden. Erst in dieser Woche durften sie den Besuch von Verwandten und ihres Rechtsbeistandes empfangen. Die Ausrüstung der Zellen bestand bisher nur aus einer Pritsche. Nur eine halbe Stunde dürfen sie sich täglich im Freien bewegen. Den gesamten übrigen Teil der Tage müssen sie in der Einzelzelle ohne Beschäftigung oder geistige Anregung verbringen. Dabei ist bisher nicht nachgewiesen, daß die ins Rechtsrheinische beförderten jungen Leute auch wirklich die Täter waren. Ueber 190 neue Schlaf- «nb Speisewage« für de« Sommerreiseverkehr. Um ihren Wagenpark zu ergänzen und zu vergrößern, hatte die Mitropa im vergangenen Jahre 40 Speise- und 68 Schlafwagen in Auftrag gegeben, von denen die ersten Wagen bereits im vergangenen Winter im Engadin-Expreß liefen. Gegenwärtig sind bereits von diesen 108 neuen Wagen 63 im Verkehr eingestellt, und die restlichen 45 Wagen sollen noch während der diesjährigen Reisezeit ihren Dienst aufnehmen. In Aussehen und Einrichtung unterscheiden sich die neuen Wagen vorteilhaft von den alten. Sie haben alle einen bordeauxroten Anstrich und sind länger als die Wagen früherer Bauart. Die einzelnen Abteile der Schlafwagen sind nach modernen architektonischen Grundsätzen gestaltet und bieten den Reisenden mehr Beguemlichkeit. Die Heizung und Lüftung ist verbessert worden und die Betten sind breiter. Alle Abteile sind mit fließendem warmen und kalten Wasser ausgerüstet. Die neuen Speisewagen sind breiter als die bisherigen und erwecken den Eindruck eleganter Restaurants. An Stelle der Stühle sind bequeme, gut gepolsterte Klappsitze angebracht. Die Fenster können vom Mittelang geöffnet werden, ohne dadurch die Gäste an den Tischen zu stören. Nach Einstellung dieser neuen Wagen wird der gesamte Wagenpark der Mitropa 659 Wagen umfassen. Würde ma» diese Wagen zusammenstellen, so würde sich ein Zug von 14 Kilometern Länge bilden lassen. 120 Chinesen ertrunken. London, 10. Juni. Nach Agenturmeldungen aus Hongkong sind bei einem Schisssunglück 120 Chinesen ertrunken, als der Flußdampfer „Kochow" auf der Fahrt von Wuchow nach Hongkong auf eine Sandbank auflief und sofort sank. Herbeieilende Dampfer retteten 320 Personen, darunter den Kapitän und die Offiziere der „Kochow". Europäer sind bei dem Unglück nicht ums Leben gekommen. M«ffoli«is Z«k»«ftsplä»e. Wie denkt sich Mussolini feine persönliche Zukunft? Das ist eine Frage, die wohl alle, sowohl die Freunde als auch die Gegner des Diktators interessiert. Es war daher eine gute Idee eines amerikanischen Berichterstatters, Mussolini über diese Frage zu befragen. Natürlich durfte er nicht mit der Tür ins Haus fallen, denn lediglich zum Zwecke des Ausgefragtwerdens läßt sich Mussolini nicht oder nur sehr selten sprechen. Mr. Davis, der nicht nur ein tüchtiger Jounarlift, sondern auch ein berühmter und in Amerika äußerst beliebter Schriftsteller ist, sammelte deshalb Grüße und Botschaften von einer Reihe prominenter Amerikaner und Mussoliniverehrer, an welchen sich auch viele jetzt in Amerika lebende gebürtige Italiener beteiligt hatten. Mit diesen Grüßen führte er sich bei Mussolini ein, der ihn aufs freundlichste empfing. „Ich fand den Diktator" so berichtete Mr. Davis, „äußerst aufgeräumt und sehr wohl aussehend, welche Tatsache die immer wieder auftauchenden Gerüchte von seiner zerrütteten Gesundheit zu zerstreuen geeignet sein dürste. Mussolini betonte auch aus Befragen daß er sich nie wohler gefühlt habe, als zur Zeit, und daß er sich überhaupt einer eisernen Gesundheit erfreue. Allerdings sei die aufreibende Lebensweise und intensive Tätigkeit, in der er sich befinde, wohl geeignet, auch die stärksten Konstitutionen anzugreifen,' von allem anderen abgesehen, müsse er z. B. täglich ungefähr dreitausend Menschen begrüßen, die als Abgesandte von Körperschaften als Bittsteller oder auch nur, um ihm ihre Verehrung zu bezeigen, zu ihm kämen. Aber er tröste sich damit, daß ja alles nur seine bestimmte Zeit bauere, und er hoffe auf die ruhigen Jahre des Alters. — Auf eine Bemerkung des Besuchers, daß Mussolinis Anhänger sich oft darüber beunruhigten, daß er in bezug auf seine Persönlichkeit alle Vorsichtsmaßregeln außer acht lasse und sich allen möglichen Attentats- und anderen Gefahren aussetze, erwiderte der Diktator: „Ich fürchte keine Attentate und ich weiß, daß ich einmal eines natürlichen Todes sterben werde! Eine alte, weise Fra« hat mir einmal gesagt, daß meine Lebenslinie nicht plötzlich, also nicht durch Gewalt endet. Aber davon abgesehen: Wenn ich meine Mission hier beendet habe, werde ich von der Weltbühne abtreten und mich für mein Alter in das Familienleben zurückztehen, das doch die Quelle allen Glückes ist, und es wird dann niemand mehr ein Interesse daran haben, ob ich existiere oder nicht!" Diese sozusagen lyrische Resignation enthüllt jedenfalls eine ganz neue Seite im Charakterbild; dieser temperamentvollen und durchaus aktiven Persönlichkeit, als welche man Mussolini zu betrachten, gewohnt ist. Die Tücke des Dr«ckfehlerte«sels. Wohl niemand, der in irgend einer Verbindung mit .der „schwarzen Kunst" steht, sei er als Genießender, d. h. als Leser, sei es als Ausübender, d. h. Schriftsteller oder Buchdrucker, ist von dem tückischen Walten des boshaften kleinen Koboldes, den man den Druckfehlerteufel nennt, ganz verschont geblieben. In ganz besonderer Weise hat sich aber anscheinend ein großer Pariser Verlag der zweifelhaften Gunst des Teufelchens zu „erfreuen", gegen welchen jetzt zur gleichen Zeit vier der namhaftesten französischen Autoren Schadenersatzklagen angestrengt haben, weil ihre durch ihn veröffentlichten Werke von Druckfehlern nur so wimmeln. Einer dieser Schriftsteller fand in der letzten Ausgabe seines Romaues nicht weniger als 543 Druckfehler, die zum Teil völlig sinnentstellend wirkten und er verlangt daher, daß diese Ausgabe zurückgezogen und neu hergestellt werde,' außerdem beansprucht er einen Schadenersatz von 80000 Franken. Der Verlag seinerseits macht geltend, daß in keinem Lande der Welt die Autoren so nachlässig und unleserlich geschriebene Manuskripte abzuliefern pflegten, wie in Frankreich. — Aber diese Feststellung wird ihm wohl nicht viel nutzen. — De« Bes«cher» der Ostseebädern ist bekannt, daß sich nach schweren Stürmen auf der Ostsee stets eine Menge toter Vögel am Strande und in den Küstengebieten vorsinden. Auch in den letzten Sturmtagen hat sich wieder eine Tragödie im Vogelleben abgespielt, deren Größe noch nicht zu ermessen ist. Von der Naturwarte Mönne kommen Mitteilungen über den Untergang unabsehbarer Massen von Vögeln in der pommerschen Bucht, die erschütternd wirken können. Es wurde der übliche Frühjahrs-Revisionsgang zwischen den Bädern Heringsdorf und Zinnowitz auf Usedom unternommen und dabei festgestellt, daß die diesjährige die größte Unglückszisfer ist, die im Bo- gelleben bisher ermittelt worden ist. Wochenlang wüteten bis in die letzten Tage hinein bei teilweise starkem Nebel schwere Stürme auf See, in welche die Vogelzüge hineingerieten, in ungeheuren Mengen wurden sie in das offene Meer geschleudert und ertranken, nur kleine Teile der Massenopfer und doch riesige Scharen wurden von den Wellen an den Strand gespült, vom Flugsand überschüttet oder von Füchsen und Krähe., geholt. In den todbringenden Sturmwirbeln geht alles unter, was von ihnen erfaßt wird, selbst die stärkste Schwung- und Steuerkraft der pfeilschnellen Luftsegler kann dem Verderben nicht entrinnen, auch Schwimmvögel versinken in den aufgepeitschten Wogen. Die Literatur weist nur wenige Zugvögelarten auf, die jährlich nicht in ungeheuren Mengen ein Opfer der See werden. Bei der letzten Strandrevision hat man wieder festgestellt, daß in weitaus größter Zahl Drosseln ertrunken sind, Wein- Montcy, den 11. Juni 1928. drosseln, Singdrosseln, Wachholöeröroffeln. In zweiter Linie find es Krähen, die zu Grunde gingen, dann Rotkehlchen, Rotschwänze, Buchfinken, Dohlen, Goldhähnchen, Fliegenschnepper, Bergfinken, Lerchen, Ringeltauben, Eisente», wilde Sstwäne und Gänse usw. Freund Star mußte in ungezählten Mengen sein Leben lassen. So vernichten jähr- lich schwere Seestürme große Teile der deutschen Vogelwelt. Turnen» Sport und Spiel. Arbeitersportb ewegung. 1 Sandhaufen 1. — Sinsheim 1. 2:4 (2:2). Die freie Sportabteilung des Arbeitergesangvereins Bolks- chor weilte gestern zum fälligen Serienspicl in Sandhaufen. Dieses Spiel sst das neuangefetzte Spiel, während das vor Wochen wie bekanntlich ungesagte Spiel wegen Unwetter abgebrochen worden ist. Auch gestern fand das Spie! unter starkem Regen statt. Punkt %3 Uhr gab der Unparteiische den Ball frei, den Sinsheim aufnimmt und sofort durch eine schöne Vorlage dem gegnerischen Tor gefährlich wurde. Beide Mannschaften spielen etwas aufgeregt. Trotzdem kann Sinsheims Stürmerreihe in der 15 Minute durch schönes Zusammenspiel zum Führungstreffer kommen. Die Platzmannschaft liegt jetzt im Angriff und kann 10 Minuten später durch einen Flachschuß, für den Sinsheimer Torwart unhaltbar, gleichziehen. Die Sinsheimer Mannschaft kommt jetzt mehr aus und drängt den Gegner in seine Spielhälfte. Zahlreiche Chancen werden verschossen und verpatzt, was durch zu weites aufrücken der Sinsheimer Verteidigung den Sinsheimer zum Verhängnis wurde. Denn der Linksaußen von Sandhaufen macht einen Flankenlauf, gibt zur Mitte, wo der Sinsheimer Verteidiger im letzten Augenblick zur Stelle ist. der aber in seiner Aufregung Hände macht. Der gegebene Elfmeter wird von Sandhaufen gut plaziert. 2:1 für Sandhausen Sinsheim nicht entmutigt, kombiniert schön zusammen und bringt den Ball vor des Gegners Tor, was ihm auch bald das längst- oerdiente Tor einbrachte. Sinsheim setzt sich gut durch und kann durch schönen Schuß 7 Minuten vor Halbzeit das Resultat auf 2 :2 stellen. Kurz nach dem Wechsel machte sich gleich eine kleine Ueberlegenheit Sinsheims bemerkbar. Durch schönes Feldspiek und Willenskraft schafft Sinsheim zahlreiche Chancen, die jedoch von der guten Sandhausener Verteidigung zunichte gemacht wurden. Fn der 60. Minute fiel endlich das dritte Tor durch den Mittelstürmer Sinsheims. Sandhaufen strengt sich an, aber ohne Erfolg. Sinsheim dagegen will jetzt den Sieg sicher stellen und drängt die Platzmannschaft in ihre Spielhälftc. 5 Minuten vor Schluß sendet der Sinsheimer Mittelstürmer unter tosendem Beifall im Alleingang das 4. Tor ein. Kurz darauf pfiff der Unparteiische den Schlußpfiff. Mit 4 :2 für Sinsheim trennten sich die Mannschaften. Sinsheims Mannschaft war gestern wieder auf der Höhe. Besonders der Torwart Dietle, der für den Verletzten Vanderoth einsprang, war glänzeno und erntete großen Beifall._ F«tzb«rll->Ergebnisse aus Süddeutschland. Trostrunde Südost: In München: Sp. V. 1860 — B. f. R. Fürth 2:1 (0:0) Aufstiegsprele: Gruppe Main: Sp.V. Heusenstamm — Viktoria Kahl 3:1. Germania Bieber — Sp.V. Heddernheim 2 :0. Gruppe Rhein: Sp. Vg. Mundenheim — Fortuna Edingcn 4 :1. Gruppe Saar: Sp.V. 05 Saarbrücken — Vikt. St. Ingbert 3 :1. Sp.Bg. Obefftein — F.V. Kürenz 3 :2. Gruppe Württemberg: Sp.Vg. Cannstatt — Sp.V. Feuerbach 4 :3 Gesellschaftsspiele: Sp. Bg. Baden-Baden — V.f.R. Mannheim (Sa.) 0:12. Phönix Mannheim — S.G. Höchst 01 0:2. F.C. Villingen — V.f.R. Mannheim 2 :4. V.f.B. Stuttgart — Germ. Brötzingen 1 :3. Phönix Karlsruhe — Ludwigshafen 03 7 :5._ 6-ielplan des Städtischen Thesters Heidelberg. Dienstag. 12. Juni, 20 Uhr: Tosca. Mittwoch, 13. Funi, 20 Uhr: Der Liebestrank. Montag, 11. Juni, 20 Uhr: Der Barbier von Sevilla. 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