»rscheiut t&glid) Ausnahme der Feierlag«. Bezugs-Preis. »diePost bezogen und durch Zriesträaer und unsere Austräger frei ins LauS «onatltch Soldmark 1.60 dster Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Fällen von höherer Gewatt eht lein Anspruch auf Liefer- »mg der Zeitung oder auf Rückzahlung de« Bezugspreis«-. »eschäftSzei« i/r8 bi« 5 Uhr Sonntags geschloffen. Uerusprrch'Anschlutz Nr. 462 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6808 Der Lanöbote §lnskeimer General-Anzeiger für das 339 Zeitung? 'enz-unö Läurarzbacktal rreltellO unct verbreitetfla Leitung clieler Gegencl. tzaupt-irnzeigen-SiLtt HUSck»«nlllck,» Seilnge«! Neu, Illustrierte » Nu» «Um Reich der (ßode » Ratgeber für fs»o» und Eand-wirttebaft Anzeigeu-Prels« je«: Die 33 mm breir» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen.- Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdal^m oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Uhr vormittags; größere Anzeige» müssen am Tage vorher aul- gegeben werden. Bank-Konto: Pereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 162. Freitag, den 13. 3uU 1628. Ein folgenschwerer Zusammenstoß. 8 Tote, 25 Schwerverletzte. Nordhausen, 12. Juli. In der Nähe von Walkenriet ereignete sich heute nachmittag um 16.39 Ahr ein folgenschwerer Zusammenstoß. An dem ungeschützten Bahnübergang' an der Chaussee nach Bad Sachsa stieß ein Zug der Südharzbahn mit einem Autobus der braunschweigischen Autobuslinie aus Wolfenbüttel zusammen. Boa de» 32 Insassen des Autobus wurden drei sofort getötet. Der Chauffeur erlag seinen schweren Verletzungen auf dem Transport. Urber zwanzig Personen wurden schwer verletzt. Der Autobus wurde vollständig zertrümmert. Die Lokomotive des Zuges stürzte um und begrub das Führerpersonal unter sich, von dem jedoch niemand verletzt wurde. Die Insassen des Autos stammen aus Kramme bei Wolfenbüttel. Der Ausflug war in zwei Autobussen veranstaltet worden. In dem ersten Wagen befanden sich die Kinder, im zweiten die Erwachsenen. Während das Auto mit den Zindern noch im letzten Augenblick vor dem Zuge voriiberkam, wurde der nachfolgende andere-Wagen vom Zuge erfaßt. Bon einer Frau, die schwerverletzt im Nordhausener Krankenhaus liegt, wurde die Schwester bei dem Unglück getötet. Zu dem schweren Autounglück im Südharz erfährt man noch folgende Einzelheiten: Es handelt sich bei dem Unglück um einen Schulausflug aus Walkenried, der in zwei Autobussen unternommen worden war. Zwischen Walkenried und Wieda, etwa eine Wegstunde von Walkenried entfernt, mußten die Kraftwagen die Kleinbahnstrcckc Braunslage-Walkenried passieren. Die Straße ist an dieser Stelle sehr unübersichtlich. Sie führt in vielen Windungen durch den Wald und obendrein ist sie noch abschüssig. Als die Kraftwagen den Bahnübergang erreicht hatten, tauchte plötzlich der Zug auf, der von den Chauffeuren weder gesehen noch gehört worden war. In dem ersten Auto saßen die Schulkinder. Dieses kam noch glücklich vorbei. In dem zweiten befanden sich die Eltern. Dieses Auto fuhr mit voller Gewalt auf die Maschine der Kleinbahn .Der Zusammenprall war ganz fürchterlich. Die Kleinbahnlokomotioe wurde zur Seite geschleudert und die Böschung hinabgeworfen, während das Auto völlig in Trümmer ging und alles unter sich begrub. Bei dem Unglück wurden acht Personen deren Namen im Augenblick noch nicht zu erfahren sind, gelötet und 25 schwer verletzt. Die Schwerverletzten wurden in den Krankenhäusern öon Nordhausen und Bad Sachsa untergebracht. Unter den getöteten befindet sich auch der Chauffeur des verunglückten Wagens, während die Besatzung der umgeworfenen Maschine mit dem Schrecken daoonkam. Sie wurde während des Sturzes herausgeschleudert und auf diese Weise gerettet. Auch die übrigen Reisenden des Zuges blieben unverletzt Sie Unterzeichnung des Kellogg - Paktes ourti) Deutschland. Ein weltgeschichtliches Ereignis! Die Reichsregierung hat den Kellogg-Pakt unterzeichnet. Obwohl es kaum anders zu erwarten war, nachdem Deutschland als erste Macht die erste Kellogg-Note bejahend beantwortete, ist diese Tatsache geeignet, die allgemeine Auf. merksamkeit auf sich zu lenken. Denn wiederum ist da,» Deutsche Reich als erster europäischer Staat, der mit nicht zu überbietender Bereitwilligkeit auf die zweite Kellogg- Note reagierte. Es lagen bekanntlich für Deutschland keine Gründe vor, irgendwelche Eii.wände gegen den Kellogg-Pakt zu erhebe», wie es Frankreich und England getan haben. Deshalb hat Deutschland keine Hemmungen gehabt, als es galt, von den Reden über den Kellogg-Pakt zur Tat überzugehen. Der deutsche Schritt ist geeignet, in Amerika die größte Genugtuung hervorzurufen, besonders weil dort ein entscheidender Wert auf die Schnelligkeit gelegt wird, mit der die Kellogg. Angelegenheit zum Abschluß gebracht werden soll. Tie Entscheidung Deutschlands muß daher die Entschlnßkraft a». derer Nationen stärken, die nicht« unterlassen, was die Verzögerung der Unterschreibung herbeiführen kann. Tie Gründe, dir manche Staaten veranlanen, es mit Sem Kellogg-Pakt nicht allzu eilig zu haben, sind vielerlei Art, Zunächst dar vor allen Dingen Frankreich Angst, Verpflichtungen einzugehen, die seine durch den Versailler Vertrag bedingte Stellung irgendwie erschüttern könnte. England seinerseits will nachprüfen, ob der Kelloggpakt in der Form, wie er jetzt vorliegt, mit den Jntereffen Englands auf allen Kontinenten des Erdballs in völligem Einklang steht. Washington hat bekanntlich die Einwände der künftigen Signatarmächte möglichst weitgehend berücksichtigt. Trotzdem scheinen sowohl in Prais als auch in London einige Bedenken gegen die Formulierung des Kellogg-Paktes zik bestehen. Und wenn diese Bedenken nicht bestehen würden, werden sie künstlich geschaffen. Die Absicht, die dabei verfolgt wird, ist recht durchsichtig. Frankreich wie England sind Schuldner Amerikas. Der amerikanischen Regierung liegt viel daran, den Kellogg-Pakt unter Dach und Fach zu bringen, und dies schon aus dem einfachen Grunde, weil dadurch die Präsidentschaftskampagne der Regierungspartei nicht unerheblich erleichtert wird. Frankreich und England sehen aber nicht ein, warum sie ohne jegliche Gegenleistung Wasser auf die Mühle der Republikaner gieße» sollen. Was. wenn Hvover eine entscheidende Niederlage erleidet und sein Gegner Smith, der Kandidat der feindlichen demokratischen Partei gewählt wird? Es sind in beiden europäischen Siegerländern Tendenzen wach, eine solche Möglichkeit auszuspielen. Aber noch ein anderer Grund liegt vor, der eine Verzögerung der Unterschrift für Frankreich und England rechtfertigt, ein Grund, der viel schwerwiegender und schicksalsvoller ist als der erste. Es ist daS Problem des Völkerbundes. Es liegt in der Tat eine kraffe Diskrepanz vor, zwischen der Schnelligkeit, mit der die Sache des Kellogg- paktes vorwärtskommt «nö der bedrückenden Langsamkeit, mit der eine im Grunde ganz identische Frage in Genf behandelt wird. Die Kriegsächtung und die Kriegsverhütung ist durch Genf fo kompromittiert wie möglich. Die unendlichen und hoffnungslosen Debatten, die den ganzen Fragenkomplex auf das Problem der Sicherheit zugespitzt haben, führe» dazu, daß eine Krise des Völkerbundes als unmittelbar bevorstehend bezeichnet werben muß. Diese Krise wird noch schneller durch den Gegensatz herbeigcführt, der zwischen Genfer und Washingtoner Methoden so klar zutage tritt. Es ist daher zu vermuten, daß die maßgebenden Bölkerbundsmächte, d. h. England und vor allen Dingen Frankreich, die Unterzeichnung des Kellogg-Paktes am liebsten erst nach der Septembertagung des Völkerbundes vorgenommen hätten, um auf dieser Tagung doch zu versuchen, den Völkerbund aus seiner heiklen Situation zu retten. Daß aber Washington am wenigsten geneigt sein wird, solche Motive der Verzögerung zu billigen, ist ohne weiteres klar. Wie man sieht, ist das Problem des Kcllogg-Paktcs mit einer Reihe wichtiger Probleme verquickt, die das Leben einzelner Nationen sowie das Schicksal des Völkerbundes beeinflussen. Der Vorstoß Deutschlands in der KelloHg- pakt-Angelegenheit ist jedenfalls geeignet, eine Klärung in Europa sowie in den Beziehungen einzelner europäischer Länder zu Amerika herbeizuführen. ,N. %, Deutschlands Antwort an Amerika Berlin, 13. Juli. (Funksprnch.j Die am 11. Juli dem amerikanischen Botschafter in Berlin überreichte deutsche Antwort auf die letzte Kelloggnote hat folgenden Wortlaut: „Herr Botschafter! Ew. Exzellenz bestätige den Empfang der Note vom 23. Juni ds. Js. üb« den Abschluß eines internationalen Paktes zur Aechtung des Krieges und beehre mich darauf im Aufträge der deutschen Regierung folgendes zu erwidern: Die deutsche Regierung hat die Ausführungen der Note . und den ihr beigesügten revidierten Entwurf des Paktes mit größter Sorgfalt geprüft. Sie stellt mit Genugtuung fest, daß der in der Note dargelegte Standpunkt der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika der grundsätzlichen deutschen Aufsaffung entspricht, wie sie in der Note vom 27. April ds. Js. mitgeteilt wurde. Auch mit den Aenderungen in der Präambel des Entwurfes des Paktes ist die deutsche Negierung einverstanden.. Sie freut sich daher, erktären zu können, daß sie von den in der Note Ew. Exzellenz vom 23. Juni enthaltenen Darlegungen der Regierung der Vereinigten Staaten vor Amerika Kenntnis nimmt und daß sie der Auslegung zustimmt, die darin den Bestimmungen des in Aussicht genommenen Paktes gegeben wird und daß sie demgemäß bereit ist, diesen Pa-t in der jetzt vorgeschlagenen Form zu unterzeichnen Genehmigen Sie. Herr Botschafter, die Versicherung meiner ausgezeichaeicn Hochachtung aez Schubert. Zur deutschen Antwort ans die Kellogg-Rote. Berlin, 13. Juli. sFunkspruchj Die deutsche Antwort auf die Note des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg vom 28. Juni beantwortet die klare und genaue Frage des amerikanischen Staatssekretärs mit einem ebenso eindeutigen Ja. ! Damit hat Deutschland seine Bereitwilligkeit zur Unterzeichnung des Kriegsverzichtsvertrages in der letzten von den Bereinigten Staaten übermittelten Form und zwar ohne Vorbehalte oder sonstige Mentatreservationen zu erkennen gegeben Gegenüber irreführenden Bemerkungen der ausländischen Presie ist darauf hinzuweisen, daß die deutsche Stellungnahme zum Kriegsverzichtvertrag durch die Juristenzusammenkunft vom 8 Juli in keiner Weise berührt worden ist und daß insbesondere Deutschland keine Erklärungen abgegeben hat, wonach es den französischen Standpunkt in der Frage des Kelloggvertrages anerkennt. Es handelt sich bei derartigen Behauptungen der ausländischen Preffe sichtlich um ein Täuschungsmanöver, das zu dem Zweck unternommen wird, um den französischen Rückzug in der Frage des Kriegsverzichtvertrages zu verschleiern, nachdem Frankreich eingesehen hat, daß es mit seinen Vorbehalten und Mentalreservationen nicht durchöringen wird. Deutscher Reichstag Die Lohnsteuersenkung beschloffen. Berlin, 12 . Juli. Präsident L 0 e b e eröffnet die Sitzung «m 14 Uhr. Äuf der Tagesordnung steht die zweite Beratung dys von den Kommunisten beantragten Gesetzentwurfes zur Aufhebung der Lohnsteuer. Der Ausschuß beantragt mit Wirkung ab l. Oktober den von der Lohnsteuer monatlich erfolgenden Abzug von 15 Prozent auf 25 Prozent bezw. höchstens 3 Mark monatlich 89. Jahrgang zu erhöhen. Unter die Ermäßigung sollen Einkommen bis zu 15 000 Mark fallen. Ferner soll eine Ermäßigung dadurch erfolgen, daß das zu versteuernde Monatseinkommen auf volle 5 Mark nach unten abgerundet wird. In einer Entschließung ersucht der Ausschuß die Regierung angesichts des hohen Steuerdrucks in den Sommermonaten eine Prüfung der Frage der Einkommensteuer in den unteren und mittleren Stufen durchzuführen und dabei die von den Parteien gestellten Anträge zu berücksichtigen. Abg. Neubauer (Komm.) wirft der Sozialdemokratie Demagogie vor. da sie heute denselben Weg weiter gehe, den der Bürgerblock begonnen habe. Abg. Rademacher tD.N.) weist auf die eigenartige Sach- läge hin, daß die Steuersenkung nur gegen die Stimmen zweier Koalitionsparteien und mit den Stimmen der Kommunisten angenommen werden könne. Der Zweck des Gesetzes sei nur, daß der „Vorwärts" morgen von einer Steuer- senkung des Reichsfinanzministers berichten könne. Der weitaus größte Teil der deutschnattonalen Fraktion werde gegen die Vorlage stimmen. Abg. Dr. Horlacher tBay. Vvlksp.) äußert starke Bedenken gegen die Vorlage. Es sei außerordentlich zu bedauern, daß Steuersenkungen ohne Rücksicht auf Länder und Gemeinden vorgenommen werden. Im übrigen könne man nicht gegenwärtig eine Einzelfrage aus dem Gesamtrahmen des Finanzausgleichs herausgreifen. Der Redner lehnt die Vortage ab und tritt frü die Vertagung der Frage bis zum Herbst ein. Abg. Hergt lSoz.s wnist darauf hin. daß man nach der Stellungnahme der bisherigen Redner mit einer Ablehnung im Plenum rechnen müsse. Auch die Sozialdemokraten seien der Auffassung, daß die Senkung außerordentlich gering sei. Gegenüber den Angriffen der Kommunisten mußten sie aber feststellen, daß gegenwärtig die formalen Voraussetzungen der lex Brüning überhaupt nicht gegeben seien. Die Tatsache, daß trotzdem eine Senkung der Lohnsteuer herbeigeführt werden soll, taffe erkennen, daß die Wünsch« der Lohn- und Gehaltsempfänger ain Zukunft besser berücksichtigt werden, als früher. Die Möglichkeiten einer weiteren Ermäßigung der Lohnsteuer wurden durch die Annahme des vorliegenden Entwurfs durchaus nicht verbaut. Eingegangen ist ein Antrag der Dentschen und Rayeri» schen Bolkspartei und der Wirtschaftspartei, de« Gesetzent» wurs bis zum Herbst znrückznstelle« «nb dann gemeinsam mit de« Reformen ans snßeren Stenergebiete« z» behau» deln. Avg. Drewitz tWtrtfchafisp.j lehnt es av. mit Hilfe von Steuersenkungen politische Geschäfte zu machen und stimmt dem Antrag auf Zurückstellung bis zum Herbst zu. Jetzt könne doch nur Stückwerk geschaffen werden. Notwendig sei aber eine grundsätzliche Regelung Abg. Dr. Brüning (Ztr3 er klärt, kei^x Partei [tintme der jetzigen Steuersenkung nur" unser Ter festen Voraussetzung zu, daß die für den Januar vorgesehene Reform damit vorweg genommen werde. Sie werde daran festhalten, daß im Jahre 1920 das Aufkommen von 1300 Millionen garantiert bleibt. Man könne nicht behaupten, daß die Senkung den Steuerzahlern keine Vorteile bringe. Darüber hinaus wünsche auch das Zentrum möglichst bald eine allgemeine Steuerreform zu Gunsten des Mittelstandes, der Landwirtschaft und der kleinen Kanfleute. Abg. Dr. Becker-Hesse» tD.Vp.) tritt für die Verschiebung der Steuersenkungsfrage bis zum Herbst ein. Die Lohnsteuer jetzt herauszugreifen, stehe im Widerspruch mit dem. was alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten aus der Regierungserklärung herausgehört haben. Es bestehe auch die Gefahr, daß man sich durch die Vorwegnahme der Lohnsteuer andere Steuerreformen verbaue. Abg. Tr. Fischer-Köln tDem.t sieht in der Vorlage den ersten Schritt zur Erfüllung des Regierungsprogrammes. Es sei gefährlich, eine Steuersenkung abzulehnen, die der Minister als erträglich bezeichnet habe. Weite Kreise des Volkes würden für eine solche Ablehnung kein Verständnis haben. Die Lohnsteuersenkung werde so vorgenommen, daß sie die zukünftige Steuerreform nicht verbaue. Abg. von Sybel lCH. Rat. Vauerup.s erklärt, wenn die .Regierung ernsthaft an die steuerliche Entlastung Herangehen wollte, hätte sie sich zunächst der Realstenern annehmen müssen. Die jetzige Vortage entspringe nur einem agitatorischen Bedürfnis und werde von seiner Partei abgelehnt. Abg. Stöhr tNat.-Soz.i stimmt den Vorschlägen des Ausschusses zu. da sie immerhin eine kleine Verbesserung seien. Damit schließt- die Aussprache. Der Antrag, die Vortage bis zum Herbst zu vertagen, wird gegen die Stimme« 3n wenigen Worten Der Sienerausschuß des Reichstages nahm gestern de« Entwurf der Lohnsteuerreform an. * Der deutsche Botschafter in Paris hatte am Donnerstag eine einstündige Unterredung mrt Poincars. Die von dem russischen Flieger Tschuchnowskt entdeckte Malmgreengruppe ist am Donnerstag früh von dem russischen Eisbrecher „Kraffin" gerettet worden. Malmgreen selbst ist bereits vor einem Monat gestorben. Tschuchnowskt mutzte auf seinem Entdeckungsflug notlanden. * Der jugoslawische Kriegsmtnister Hadtschitsch ist mit der Bildung einer neutralen Regierung, der auch vier Kroaten angehören sollen, beauftragt worden. » Der Kaiser von Japan is am Mittwoch erneut öffentlich 1 belätztigt worden. j Nr. 162. Jahrgang 1928. Freitag, den 13. Juli 1928. der Dentschnationalen, der Deutsche« Bolksyartei, der Bayrische« Volkspartei uud der Wirtschaftspartei abgelehnt. — Der kommunistische Antrag, das Existevzminimum auf 1680 Mark zu erhöhen, verfällt mit 313 Stimmen gegen 59 Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten der Ablehnung. Das Haus stimmt dann über den Gesetzentwurf des Ausschusses ab. Da die Abstimmung zweifelhaft bleibt, muß Auszählung erfolgen. Paragraph 1 der Vorlage wird mit 203 gegen 187 Stimmen angenommen. Dafür stimme« «eben den Sozialdemokraten. den Demokraten und dem ZentruM, die Nationalsozialisten, einige Dentschnationale «nd Volksparteiler. Mit -er gleichen Mehrheit wird der Rest der Vorlage in zweiter Beratung angenommen. In der dritten Beratung gibt Abgeordneter Dr. Nenbaner (Komm.) eine Erklärung ab, in der den Sozialdemokraten vorgeworfen wird, baß sie mit der Ablehnung des kommunistischen Antrages ihren eigen früher gestellten Antrag abgelehnt hätten. Die Kommunisten würden auch in der Schlntzabstimmung gegen die Vorlage, die dem Arbeiter einen täglichen Steuererlaß von einem halben Pfennig bringe, stimmen. Abg. Dr. Hertz lSoz.) erwidert, baß angesichts der Gesamtsituation und der bescheidenen Mehrheit, die der Aus- schußantrag gefunden habe, der frühere sozialdemokratische Antrag, an dessen Ziel auch heute noch festgehalten werde, nicht durchsetzbar sei, und daß die Abstimmung nur eine leere Demonstration dargestellt hätte. Bon der Wirtschaftspartei ist inzwischen ein neuer Antrag eingegangen, die Vorlage an den Steuerausschuß zurückzuverweisen mit dem Ziele, das voraussichtliche Mehr- anfkommen der Lohnsteuer den Ländern zur Senkung der Realsteuern zu überweisen. Der Antrag wird abgelehnt. In namentlicher Schlntzabstimmung wird der Gesetzentwurf über die Senkung der Lohnsteuer in der Ausschntzsas- snng mit 210 gegen 188 Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen. Annahme fand auch die Entschließung des Ausschuffes über die Vornahme einer «mfasseuden Prüfung der Stenerfrage« mit dem Ziele einer Steuerreform. Es folgt die zweite Beratung des Handelsvertrages mit Siam. Abg. Meyer-Berlin (Dem.) weist daräüf M. daß sich die deutsche Regierung um die Aufhebung des siamesischen Reis- tolles bemüht, aber den Widerstand der siamesischen Regie- ' rung gefunden habe. Der Vertrag wirb ?« zweiter «nd dritter Lesung angenommen. Das Haus vertagt sich auf Freitag, 11 Uhr: Amnestie- sragrn «nd Kleine Vorlagen. Schluß gegen ig Uhr. Aus dem RechtsauslKuß Berlin, 13. Juli. Im Rechtsausschuß des Reichstages teilte zu Beginn' der Donnerstagsitzung der Vorsitzende, Abg. Dr. Kahl, den Eingang des Gesetzentwurfs über den Nationalfeiertag mit. Ohne Aussprache stellte er die Ueber- einstimmung des Ausschusses dahin fest, mit der Beratung dieser Vorlage wegen der Geschäftslage des Reichstages erst im Herbst zu beginnen. Im übrigen beschäftigte sich der Ausschuß nur mit den Vorlagen über die Erstattung von Rechtsanwaltsgebühren in Armensachen und über die Aen- derung der Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher. . Kein Veamrenabbau bei der Reichspost Berlin, 13. Juli. Die „Deutsche Beamtenbundkorrespondenz" verbreitet eine Meldung, wonach das Reichspostministerium einen neuen Abbau plane. Das Reichspostmini- ' sterium teilt hierzu mit. daß diese Nachrcht von Ansatz bis Ende frei erfunden ist. Die alte deutsche Reichsflagge aus einem ftanzöfischen Schulhaus Saarbrücken, 13. Juli. Bei einem von vielen hundert Sängern besuchten Gausest des Saarsängerbundes mit Fahnenweihe in Heiligenwald erregte es nicht geringes Erstaunen, als man am französischen Schulhaus aus dem Zimmer des Direktors die alten deutschen Reichsfarbcn schwarz- weitz-rot an schwarz-weißer Fahnenstange im Winde flattern sah. Dem französischen Schuldirektor schien die große Aufmerksamkeit, welche die Festzugteilnehmer dieser Fahne an einem französischen Schulgebäude entgegenbrachten, ganz besondere Freude zu machen, doch war diese Freude nur von kurzer Tauer. Schon in den nächsten Tagen setzte eine hochnotpeinliche Untersuchung seitens des französischen Äon- Der La«dS»te * Tiirsheimer Zeitssg. snlats in Saarbrücken ein, um die Ursache zu ergründen, wie sich die Farben schwarz-weiß-rvt ausgerechnet auf ein französisches Schulhaus verirren konnten. Der Schuldirektor wird wahrscheinlich scharf zur Rechenschaft gezogen werden. ' Oberhausflrett um Südtirol . Berlin, 13. Juli. Wie die Börsenzeitung aus London' meldet, brachte Lord Parmoör im Verlauf der Oberhaus- erörterungen die allgemeine Frage der Vertragsbestimmungen zum Schutze der Minderheiten zur Sprache. Bezugnehmend auf SWtirol erinnerte Parmoor an die Aeuße- rung Ceccionis, daß die italienische Regierung wenn nicht vertragliche so doch moralische Verpflichtungen bezüglich der Minderheiten habe. Der Regierungsvertreter Lord Cushendun, der Parmoor bereits während seiner Rede unterbrochen hatte, drückte seine „Ueberraschung" über das Gehörte aus und erklärte, es handele sich hier um eine unberechtigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer befreundeten Macht. Lord Cecil sagte: „Lord Parmoor hat seine Auffassung nicht genügend begründet. Aber die Frage der Minderheiten bedarf aufmerksamer Ueberwachung. Ter seinerzeitige Anspruch Oesterreichs gegen die Ueberweisung Südtirols an Italien mar mit sehr gewichtigen Gründen belegt worden. Wenn unter solchen Umständen ein bestimmtes Land auf einer internationalen Konferenz im Vertrauen auf seine Zusicherungen den,^Gebietsteil eines anderen Landes überwiesen bekommt, dann haben die Mitunterzeichner des Vertrages, die dem betreffenden Land das Gebiet überwiesen haben, wenigstens während einer bestimmten Periode das Recht zu sagen: „Ihr haltet Eure Verpflichtungen nicht ein. Wir sind der Ansicht, daß dies ein unbefriedigender Zustand iß." Einfuhrverbot für Weizen und Roggenmehl ! nach Danzig und polen * Danzig, 13. Juli. Am 12. Juli ist die Verordnung über das polnische Einfuhrverbot von Weizen- und Roggenmehl erschienen. Die Verordnung tritt sofort in Kraft und dauert bis zum 31. August 1928 einschließlich. Wie aus der Verordnung hervorgeht, sind weder einfuhrfreie Kontingente noch Uebergangsbestimmungen vorgesehen, doch ist der Handelskammer in Danzig von dem Minister für Handel und Industrie in Warschau zugesagt worden, daß für Waren, die vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum Versand gebracht sind, noch Einfuhrbewilligung erteilt wird. Die Sicherheitsvorkehrungen zur Enthüllung des „Siegerdenkmals" in Bozen. Innsbruck, 11. Juli. Truppen aller Waffengattungen sind zur Teilnahme an der Enthüllung des „Siegesbenk- mals" in Bozen eingetroffen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind in den letzten 24 Stunden noch bedeutend verschärft worden. Einige Rechtsanwälte aus Bozen wurden zur Polizei geladen, wo man ihnen mitteilte, daß man sie verantwortlich machen werde, wenn am Tage der Einweihuug des Denkmals irgend etwas passieren sollte. Ein Aufruf des Amtsbürgermetsters, der Überall angeschlagen wurde, weist auf die völkerversöhnenöe Tendenz des Grabes des unbekannten Soldaten in Rom hin und setzt diesem die Bedeutung des Bozener Denkmals mit folgenden Worten entgegen: „In dieser Stadt verlautbart das Denkmal das unbestreitbare Recht Italiens auf seine unabhängigen Grenzen." 165 faschistische Lorbeerkränze «ach Bozen unterwegs. Rom, 18. Juni. Der König, Minister und die übrigen amtlichen Vertreter sind zur Teilnahme an der Enthüllung des „Siegesöenkmals" in Bozen eingetroffeu. Ein Lastautomobil, beladen mit 165 Lorbeerkränzen der faschistischen Verbände aus der Provinz Trient, ist nach Bozen unterwegs. Die italienische Presse bringt seit Tagen Bilder des Denkmals, die zum Teil eine ganze Druckseite einneümen. Botschafter von Soesch vei poincare Paris, 13. Juli. Die deutsche Pariser Botschaft veröffentlicht folgende halbamtliche Mitteilung: „Der deutsche Botschafter von Hoesch hatte gestern morgen eine etnstündige Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Poincars. Der Botschafter gab zunächst einige Aufklärungen über die deutsche Regierungsbildung. Im weiteren Verlause des Gespräches wurde in allgemeiner Weise der gegenwärtige Stand der deutsch-französischen Beziehungen in ihrer Gesamtheit erörtert." Maffenverhaftungen in Spanien Paris, 13. Juli. Im Zusammenhang mit der aufgedeckten Verschwörung in Spanien wurden, wie aüs Madrid gemeldet wird, allein in den Provinzen Katalonien und Calicia über 500 Personen verhaftet. Oeffeniliche Velästigung der japanischen Kaimt Tokio, 13. Juli. Der japanische Kaiser besuchte Mittwoch in Begleitung des Hofes die Grabstätte seiner Tochter. Hierbei ereignete sich ein Zwischenfall, der die Aufmerksamkeit ganz Japans auf sich gelenkt hat. Während' der Trauerfeier überreichte ein japanischer Bürger namens Negiffi, dem Kaiser eine Bittschrift über die Abschwächung der strengen polizeilichen Maßnahmen in Japan. Bei seiner sofort erfolgten Verhaftung erklärte er. keinerlei Ab- sichten gehabt zu haben, einen Anschlag gegen den Kaiser auszuführen. Die japanische Regierung hat zwei Millionen Neu für den Kampf gegen die kommunistische Propaganda im Fernen Osten bewilligt. . Me Ralmgreen-Gruppe gerettet Mlmgreen selbst gestorben Kowno, 13. Jnli. Wie aus Moska« gemeldet wird, ist es dem rnsfische« Eisbrecher Krassi« gelungen, die Malm» gren-Grnppe z« erreiche«. Malmgree« selbst soll schon seit einem Monat tot sei«. Seine Leiche wurde geborgen. Di* beide« Italiener Maria«» «nd Zappi wurde« gerettet. Die Auffindung Hoffnnngslofe Lage der Biglieri-Gruppe. Oslo, 13. Juli. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist in Tromsö ein Funkspruch eingelaufen, der die Auffindung der Malmgreengruppe durch den Flieger Tschuch- nowskt bestätigt. Daß es sich um die Malmgreengruppe und nicht um Sora und dessen Begleiter handelt, steht außer allem Zweifel, da die Sora-Gruppe sich nicht soweit nördlich befinden kann. Spät in der Rncht stieg Tschuchnowski noch einmal auf, während der „Krassin" seinen Kurs änderte und direkt auf die Malmgreengruppe lvssteuerte. Mgn hofft, die Gruppe am Donnerstag gegen mittag erreichen zu können. Ter Entschluß des „Krassin", seine ganze Kraft für die Rettung der Malmgreengruppe aufzuwenden .macht die Lage der Viglierigruppe noch hoffnungsloser. Der „Krassin" verfügt nicht über genügend Kohlen, um beide Gruppen zu retten. Er müßte also, ehe er zur Viglierigruppe vorstoßen könnte, einen Hafen anlaufen, um Kohlen einzunehmen. Die deutsche Klemm-Daimler-Maschine ist jetzt in Spitzbergen eingetroffcn. Sie soll sofort startbereit gemacht werden, um zur Viglierigruppe- zu fliegen. Man fürchtet allerdings, daß es auch für dieses leichte Flugzeug fast unmöglich sein wird, auf dem brüchigen, mit bloßem Schnee bedeckten Eis zu landen. Wie fie gerettet wurden Konmo, 18. Juli. Wie aus Moskau gemeldet wird, gelang es dem russischen Eisbrecher „Krassin", am Donnerstag früh um 6.40 Uhr, die von dem russischen Flieger Tschuchnowski am Dienstag nachmittag um 18.45 Uhr entdeckte Malmgreen-Gruppe z« rette« Tie beiden geretteten Italiener Mariano und Zappi hatten in den letzten dreizehn Tagen sehr nnter Nahrungsmangel z« leiden gehabt. Mariano hat infolge einer Beinverletzung große Schmerzen aushalten müssen. Die geringe, von Tag zu Tag abnehmende Aussicht auf Rettung, sowie der vor vier Wochen eingetrctene Tod ihres Führers, des Schweden Malmgreen, hatte auf ihre seelische Verfassung natürlich sehr eingewirkt. An Bord des Eisbrechers „Krassin", der seine Suche nach der Vilgierie-Gruppc weiter fortsetzt, hegen die beiden Geretteten die Hoffnung, noch Augenzeugen der Rettung ihrer Kameraden werden zu können. Um die Bergung des Fliegers Tschuchnowski, dessen Bemühungen die Rettung der Malmgreen-Gruppe zu danken ist, bemüht sich jetzt der russische Eisbrecher „Malygin", der den Flieger Babuschkin an Bord hat. Der notgelandete Flieger steht mit den Eisbrechern in ständiger Radio-Verbindung. ROMAN von 3.SCHNE1DER-F0ERSTL „Weiter, sjerr Kooperator, mir g'sallts nimmer," warnte der Knecht. Ahnte der Geistliche denn nichts von der Gefahr, in der sie schwebten? Dem Ferdl stand der kalte Schweiß auf der Stirne. Kam denn düs Ende noch immer nicht? — Jetzt noch einen Schritt, — noch einen, dann fühlte der Knecht Wiesengrund unter den Füßen und riß Ellermann zu sich herab. Dann ein Blitzstrahl — ein kaum hörbares Krachen, — der Steg war verschwunden, fortgerissen von der Wucht des Wassers. „Eine einzige Minute früher," sagte der Geistliche schaudernd. t „Ja! A oanzigs Schritil weniger und hin warn wir g wefn, alle zwoal Dös hätt a schiache Himmelfahrt geb'n Hochwürd'n! Die Ihrige war' ja no anganga, — aber die meinig! — O jeh!" fügte er aufatmend bei. „War s so schlimm gewesen?" fragte Ellermann und mußte lacyeln, daß der Ferdl sich so ehrlich als den größeren Sünder bekannte. „Hm — ja. — grad sauber wär's nöt ausg'fall'n. Da hätl'ns scho a Fürbitt einleg'n müss'n, für mi. Herr Kooperator," gestand der Knecht. „Wir sollen immer so leben, daß wir jederzeit vor das Angesicht Gottes treten können," sprach Ellermann. „Denn Ihr wisset weder den Tag, noch die Stunde, sagt der Heiland!" „Mei, Herr Kooperator, wahr is schon! Aber schau'ns diamal in der gachn Hitz, da rutscht eahne so a Wörtl aussa, a gottlos's und d' Sünd is fertig, Sö wiss'n gar nöt wial" „Aber ein einziger Gedanke der Reue würde alles wieder gut machen." Darauf wußte der Ferdl nichts mehr zu erwidern. Der Himmel goß Wasserfluten herab. Dem Knecht gab's einen Stick durchs Herz. Der Geistliche trua nichts, als den Talar von leichtem Tuch! Der'mußte naß sein'bis auf die Haut. „Hochwürden," bat er, „tun's mei Lederjopp'n nehmen." Ellermann wehrte entschieden ab. „Sie is ganz sauber, Herr Kooperator! Es war' mir a Ehr, wenn's neischlupf'n möcht'n!" Ellermann wollte den Knecht nicht kränken. Die Größe der beiden Männer stimmte. Aber in die Weite, da hätte der junge Geistliche noch einmal hineingepaßt. Nun hatten sie die Straße erreicht. Eine Telegraphenstange, die der Sturm gefällt hatte, lag quer über den Weg. „Dös bedeut' was," jagte der Knecht. „Hinter uns hat's den Steg wegrasiert, vor uns liegt a Baum über'n Weg. Da gibt's a Unglück!" „Aber Ferdl!" mahnte der Kooperator, „das ist Aberglauben! Glück und Unglück kommt alles aus einer Hand, und die ist Gottes!" Das Hindernis war rasch überwunden. Dann kam der Pfarrhof mit seinen hellerleuchteten Fenstern im Erdgeschoß. Ferdl zog an der Glocke. Schrill klang der Ton durch das Haus. „Gute Nacht, Herr Kooperator!" rief er dem Geistlichen , dessen Dankesworte der Sturm und der Regen verlang. Dann stand Ellermann vor Pfarrer Schmitt, der selbst die Haustür geöffnet hatte. „Weil du nur da bist, Ludwigl!" atmete der Pfarrer auf. „So viel in Aengst'n bin i g'wesen um dich! Geh, nur gleich nauf in dein Stüberl. Alles hat die Marte! schon zurecht g'richtet. Und gleich tust dich ins Bett leg'n, gelt! Ich komm' hernach schon nauf zu dir und bring dir was zu essen!" „Ich komme schon nochyial herunter, Herr Pfarrer!" „Tu' schön folgen!". zankte Schmitt und schaltete das Treppenlicht ein. Ellermann gehorchte schweigend. Als er in seinem immer die nassen Kleider abstreifte, rann ein unheimliches rösteln durch seinen Körper und seine Zähne schlugen zit- i*rnd aufeinander. Fünf Minuten später kam Schmitt mit einer Tasse dampfenden Tee's und trug ihn seinem Kooperator ans Bett. „Hast Hunger auch, Ludwigl? S' ganze Essen steht noch varm für dich." Cin heißer Blick der Liebe und des Dankes traf den pfarrherr« aus Ellermanns Augen. Er trank den Tee und »rzählte dabei das gehabte Erlebnis. Der Greis hob vor Scyrecken die Hände und iah dantvar nach dem yolzgelchnttz- ten Christus über Ellermanns Bett. Dann ging er hinunter, um seiner Schwester zu sagen, däß sie nicht mehr wach zu bleiben brauche. Als er wieder' ins Zimmer trat, ein Buch in deck Händen, war der Kooperator bereits eiw- geschlafen. Schmitt beugte sich über ihn und horchte auf die etwas raschen Atemzüge des Schlummernden. Mit einem leisen Stöhnen wandte sich Ellermann gegen die andere Seite. „Denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde:" murmelte er halblaut. „Tust träumen, Ludwigl?" frug Schmitt und strich ihm über das dunkle Haar. Als keine Antwort kam, nickte er. „Er wird halt den Schreck von vorher noch einmal erleben," sprach er zu sich selbst, machte das Zeichen des Kreuzes auf dessen Stirne, löschte die Lampe und verließ das Zimmer. * * Der Ferdl überholte auf dem Heimweg den Direktor Helbing. Dieser hatte Karsten nicht zu Hause angetroffen und das ärgste Unwetter bei Lene abgewartet, die ihm sehr dankbar für sein Bleiben gewesen war. , „Ich wollte erst über den Steg gehen," sagte Helbing, „aber .-ich hatte noch mit dem Werkmeister Dringendes zu besprechen, da nahm ich gleich den Weg über die Brücke." „Den Steg hätt'ns umsonst g'sucht, Herr Direktor. Den hat's wegg'riss'n vor einer halben Stund'!" Helbing wollte etwas erwidern, als eine Frauenstimme Ferdls Namen rief. „Ja!" schrie der Knecht. „Bist da. Ferdl?" „Freili, bin ich da!" ^ „Fehlt dir nix?" „A na! Was soll mir denn fehssn?" lachte er, als die Zenzl auf ihn zutrat. „Gott sei Lob und Dankl" sagte sie mit einem Seufzer der Erleichterung. „Gless am nächsten Sonntag geh' i wall» fahrt'n nach Frauenbründl. Zwoa Kerz'n Hab' i ver» svrock'n." Rr. IW. Jahrgang 1928. Trauer in Schweden. Stockholm, 12. Juli. Der Tod Dr. Finn Malmgrens hat in ganz Schweden tiefe Trauer hervorgerufen. Die Abendblätter widmen dem jungen Forscher spaltenlange Nachrufe, in denen Lehrer und Kameraden den Perunglücktcn als «inen hervorragenden Forscher und Gelehrten bezeichnen, dessen Erfolg für die Missenschaft und Forschung von größter Bedeutung war und dessen Verlust einen schweren Schlag für die arktische Forschung darstelle. Malmgrcn wurde im Fahre 1895 in Falun geboren, studierte in Upsala und wurde nach einer längeren Studienzeit in einem Höhenobservatorium Assistent im Meteorologischen Institut in Upsala. Als 25 jähriger nahm er an Roald Amundsens Expedition auf der „Maud" als Meteorologe und Tiefseeforscher teil und machte auf Amundsens Anregung auch die „Norge"- Expedition mit. Als Nobile zu seiner unheilvollen Expedition startete, forderte er Malmgren auf, als Meteorologe an der Fahrt der „Italia" teilzunehmen, die nun die letzte Fahrt des jungen schwedischen Gelehrten geworden ist. jüdischer Landtag Karlsruhe, 13. Juli. In Fortsetzung der politischen AuS- hrache gab Abg. JD. Maye r - Karlsruhe (Dt. Nat.l eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Die Deutschnationale Fraktion wird in Wahrung ihrer Haltung das Finanzgesetz »blehnen. Wem: sie das tut, so darf darin keine Spitze seien den derzeitigen Finanzminister gesucht und gefunden »erben. Wir würdigen vielmehr vollauf seine Sachkunde, Nüchternheit und Gründlichkeit. Das möchten wir auch auf eine Mitarbeiter im Ministerium ausdehnen. In der Ein- iclberatung haben wir das Unfrige getan zum Zustandekommen des Besoldungsgesetzes. Wir können unsere Ab- ' ehnung des Finanzgesetzes genügend durch den Hinweis iegründen, daß das nicht Sache der Opposition ist, den Regierungsparteien und der Regierung zu helfen, ein Gesetz »u beschließen, das sachlich so schwer ist, wie das vorliegende. Vor allem hat unsere Ablehnung darin ihren Grund, daß wir der im Reich herrschenden Steuerpolitik, trotz mancher Verbesserungen, grnndfätzlich widerspreche« müffe«, wegen ihrer die Substanz zerstörenden, eine Doppelbesteuerung und lleberbesteuerung herbeiführenden Wirkung, wovon meist die bescheidenen Existenzen, wie der Mittelstand, betroffen werden. Das wirkt auch auf die Finanzgebarung der Länder. Wir wiederholen unsere Forderung nach einer einfachen, gerechten und gesunden Steuerpolitik. Ahg. Dr. Glöckner (Dem.) erklärte gegenüber dem Abg. Klaiber lW. P.), daß man zu der Sachkenntnis und zu der Tätigkeit des neuen Reichsernährungsministers Dietrich das Vertrauen haben könne, daß er der Landwirtschaft in jeder Hinficht diene« werde. Zu den Ausführungen des Abg. Dr. Föhr (Ztr.) sei zu sagen, daß die Demokraten nur aus Verantwortungsgefühl in die Reichsregierung eingetreten seien. In Baden seien sie seinerzeit nicht aus eigener Schuld aus der Regierung gegangen. Dem Abg.- Dr. Mattes 2 Pfg. ls. Tafelbutter Pfd. Mk. 2.10 KKühibre« '«ust«& Für die Reise Wanderung«»! und das Wochenende unerlätzlich Lhkorodont-Zahnpaste und die dazugehSrige «yIor o d o n t-Z ahnbürste mit gezahntem Borsten- lchmtt zur Beseitigungfauliger, übelriechender Speisereste in den Zahnzwischenräumen und zum Weist, putzen der Zähne. Die ges. gesch. < lilorodou». Zall “‘ >ürstc von bester Qualität, jür Erwachsene 1.25 Ml., für Kinder 70 Pf., ist in dlau-weist- grüner Orlgmnl-Chlorodontpackung überall erhältlich. » Palast-Lichtspiele Sinsheim Stadtpark-Saal Freitag 13., Samstag 14., Sonntag 15., Montag 16. Juli jeweils abends V 20 Uhr. Panzerkreuzer d I 81 Potemkin Der erste, russische Großfilm von 8. M. Eisenstein ist jetzt von der Reichs-Film- Zensur in seiner russischen Original-Fassung freigegeben worden. Der Stoff zu diesem Film ist einem Protokoll entnommen, das im Archiv der kaiserlich russischen Marine gefunden und an Hand von Original-Photographien aus dem Moskauer historischen Museum getreu nach der Ueberlieferung für den Film bearbeitet wurde. Der Film hatte vor längerer Zeit in der gekürzten Fassung in allen Städten den größten F&merfolg und erscheint nun in der längeren russischen Original-Fassung, m welcher auch die seinerzeit von der Zensur gestrichenen Stellen gezeigt werden. Liebe und Pleite 2 Akte Hochzeitsreise nach Paris ifj 2 Akte Schriftlettung: H Becker; Druck und Verlag: S. Beckersche Buchdruckerei in Sinsheim.