Ers ch ein t tdgltch W» Ausnahme der Feiertag«. Bezugs-Preis: Durch di« Post bezogen und durch ft«a Briefträger und unsere Austräger frei ins Lau« «ouatlich Goldmark 1.60 cher Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. 8» Fällen von höherer Gewalt »«steht kein Anspruch auf Liefer- Mg der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. H bis 5 !lhr Der Lanöooie EeschäftSzei, Sonntag! tag» geschloffen. Er r nspr e ch-Auschltch Nr. 465 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6606 Stnsheimer eral-Aryeiger Mr das Leitung Elsery-und Ltkwarzbaektal Geltest» mi«l verdreitelfte Leillmg «lisser Gegenct. tzevpt-Hnzeigen-Sldtt N l ö ck i entl ick,» BdUgttt von» 3TU«ftri*rt» • Ho* drm H«U> der wock» • Ratgeber ffir ly»«»- and C»ndwirtfd>»ft Auzeigem-Pratf« 9ni(taen : Die 33 mm breit» Millimeter-Zeile 6 Doldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit» Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffeste» Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdaünn oder bei gerichtlich« Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 !lhr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Drrrtnsbank Sinsheim r. G. m. b. L. M 164. Montag» den 16. Juli 1928. 89. Jahrgang Gerichtliche Untersuchung der Mlia-AiastWhe? Eine Anregung Schwedens. Amundfen gerettet? OSlo, 16 Jnli. (Funkspruch.f Wie soeben ans Kings- bay gemeldet wird, ist dem russische« Eisbrecher „Krasfin" zelungeu, Amnndsen mit seinem Begleiter »om Treibeis südwestlich von Köuig-Karl-Land an Bord zu nehme». Eine Bestätigung dieser Meldung steht »och aus. Gerichtliche Untersuchung in der Jtalia-Katastrophe? Stockholm, 16. Juli. Die schwedische Regierung erwägt die Anregung einer gerichtlichen Untersuchung über die Atalia-Katastrophe und den Tod Malmgreens. die durch norwegische Gerichte vorgenommen werden soll. Dem Gerücht, wonach Nobile auf der Citta bi Milano" gefangen gehalten werde, wurde in einem Telegramm an bas „Astonbladet" von Nobile selbst widersprochen. Der General versichert darin, daß er keinen Streit mit Malmgreen gehabt habe und die Trennung herzlich und ergreifend gewesen sei. Malmgreen habe gehasst, Nobile bald Hilfe zu bringen können. Sein Ziel sei das Nordkap gewesen. Kommt Nobile vor ein Gericht?,..--"'' Die norwegische Presse richtet neue Angriffe gegen Nobile und verlangt gerichtliche Klärung der Vorgänge. Es müffe festgestellt werden, warum Malmgreen das Lager auf dem Eise verlassen hat und auf welche Weise er gestorben ist. Ein Blatt weist daraus hin, daß Nobile und die übrigen Italiener sich auf norwegischem Gebiet befänden und aus diesem Grunde auch von norwegischen Beamten verhört werden müßten. Der norwegische Ministerpräsident warnt vor einem vorschnellen Urteil und stellt fest, daß Norwegen sich vorläufig abwartend verhalten müsse. Allerdings könne man Nobile den Borwurf nicht ersparen, daß seine unzusammen- vänaenden und unklaren Reriibte Miüsttmmuna bervorae- rufen hätten. Wenn alles geklärt sei, werbe Nobile sich eine eingehende sachliche Kritik gefallen lasten wüsten. Dem weißen Tod entronnen. Die Ballongruppe ansgesuude«, aber «och nicht an Bord des Eisbrechers „Krosfim". OSlo, 16. Juli. Entgegen den Meldungen, wonach sich die vallongruppe bereits an Bord des Eisbrechers „Krasfin" befindet, wird aus Spitzbergen gemeldet, daß der Standort der Gruppe wohl festgestellt ist, die Bergung der Schiffbrüchigen jedoch erst erfolgen könne, nachdem der Eisbrecher seine Kohlenvorräte in Adventbay ergänzt hat. In Spitzbergen hofft man, daß sich auch Amundsen« und sein« Begleiter bei der Ballongruppe befinden. Wie weiter aus Spitzbergen gemeldet wirb, soll es dem russischen Flieger Tschuchnowski gelungen sein, sich aus eigener Kraft zu retten. Er soll sich bereits an Bord des „Krassin" befinden. Die Bergung Soras und seines Begleiters, des Holländers van Dongen, erfolgte durch schMe'- bische Flieger. Die Flieger landeten bei der Foyn-Jnsel in einer Wafferspalte und brachten die beiden Hundeschlittenführer nach Ouest. Die beiden Leute haben sich in den letzten 14 Tagen von dem Fleisch der von ihnen getöteten Hunde genährt, da sie keinerlei andere Nahrungsmittel mehr besaßen. Die Rettung des dritten Hundeschlittenführers, des dänischen Ingenieurs Warming, bestätigt sich ebenfalls. Bor der Bergung der Ballongrnppe. Kown», 18. Juli. Die Moskauer Meldung über die Bergung der Ballongruppe durch den russischen Eisbrecher „Krassin", die sich inzwischen als verfrüht herausgestellt hat, ist nach einer neuen Moskauer Meldung durch einen Fehler entstanden, der der Empfangsstation in Moskau unterlief. Richtig ist, daß die Alexandrini-Gruppe gesichtet wurde und daß mit ihr Signale ausgetauscht werden konnten. Tie rasch auseinanderfolgenden Mitteilungen und Berichte des „Krassin" über die Rettung der übrigen Gruppen bewirkten, daß die Ballongruppe und die Sora-Gruppe verwechselt wur- den. Einer amtlichen Mitteilung zufolge versucht der Eis-' brecher bereits, an die Alexandrini- bezw. Ballongruppe her- anzukommen. Dem Kommando des „Krasfin" ist nahegelegt worden, den Forscher Amundsen, der sich bei dieser Gruppe befinden soll, auf alle Fälle zu retten. c Zuerst soll Tschuchnowski gerettet werden. «owno, 16. Juli. Wie aus Moskau gemeldet wirb, hat der Eisbrecher „Krassin" beschlosten, zuerst den Flieger Tschuchnowski an Bord zu nehmen und dann erst die Alexandrinigruppe zu retten, da nur mit Hilfe bcS Flugzeuges Tschuchnowskis die Gruppe geborgen werden könne. Wie Malmgreen starb. Berlin, 16. Juli. Die „B. Z." meldet aus Mailand: Nobile gibt die Meldung des Majors Zappt über MalmgreenS Tod wieder. „Er blieb dort liegen, wo er hingefallen war, erklärte Major Zappt, und sagte zu uns, daß seine letzte Stunde gekommen sei und er flehte uns an, ihn seinem Schicksal zu überlasten. Er starb wie ein Held. Bis zuletzt drängte er uns, schnell vorwärts zu marschieren, um Hilfe für General Nobile und den Rest der gestrandeten Mannschaft zu holen." Major Zappi erklärte ferner, daß sie 20 Stunden lang das Surren des Flugzeuges vom „Krassin" gehört hätten, ohne es zu sehen. Sie hatten bereits alle Hoffnung aufgegeben und wanberten ziellos umher, um den Tod zu erwarten, als das Flugzeug plötzlich über ihnen erschien. Sie ergriffen eine der Decken und schwenkten sie heftig. Tie andere Decke, die über dem Eise ausgebreitet lag, hatte der russische Flieger für den dritten Mann, der in der Nähe der beiden anderen auf dem Eise laa. anaeseben. Die Ozeanflieger in Nürnberg. Nürnberg, 16. Juli. Die deutschen Ozeanflieger weilten Sonntag zu einem kurzen Besuch in Nürnberg. Aus ,em Flugplatz Fürth wurden sie vom Bürgermeister von Fürth empfangen. In Nürnberg empfing sie Oberbürger, meister Dr. Luppe mit herzlichen Worten. Nach einer Rund- fahrt durch die Stadt starteten sie nach Wien. Wien, 16. Juli. Die Bremenflieger Köhl und von Hünefeld sind um 18.28 Uhr auf dem Flugplatz Aspern glatt ge- landet, nachdem sie um 15.85 Uhr in Fürth gestartet waren. Sie wurden von Handelsminister Dr. Schürff und Graf Lerchenfeld empfangen. Nach einer Rundfahrt um den Flugplatz wurden die Flieger in die Stadt geleitet, wo sie von der Bevölkerung gefeiert wurden. Kleber eitf Explosion in der Pulverfabrik §3»ro« Haßloch, 16. Juli. In den ersten Vormtiiagspunden ocs Samstags stieg wieder in den Hatzlocher Bergen eine Rauchsäule auf, die wieder einmal ein Unglück bei der Haßlocher Pulverfabrik ankündigte. Es sind gerade zwei Jahre her, seit die Pulverfabrik Haßloch durch eine Explosion vollkommen vernichtet wurde. Aus bisher unbekannter Ursache brach vormittags in einem Raum eine Explosion aus, die einen Brand im alten Teil der Fabrik zur Folge hatte. An Verletzte« find bisher etwa acht z« beklage». Entgegen anderslautenden Meldungen sind bisher noch keine Toten zu verzeichnen. Schwer verletzt wurde der Pfarrer pon Schöllbrunn, der nach Bekanntwerden des Unglücks gleich zur Unglücksstelle eilte. Haßloch, 16. Juli. Die schwere Explosion ereignete sich trat ii.ij im Trockenraum II der Pulverfabrik und zwar vermutlich..ins» - Selbstentzündung. Bis jetzt wurden —Tote» vier Schwerverletzte und vier LetchtverleHte geborgen. Die Hälfte der Fabrik- anlagen ist schwer beschädigt. Der Schauplatz der Katastrophe bildet einen wüste« Trümmerhaufen. Der Hauptschaden ist nicht durchs tzie Explosion entstanvr», sondern durch das Uebergreifen des Brandes auf die nebenstehenden Gebäude. Wie die Direktion der Pulverfabrik Haßloch mitteilt, find btS jetzt drei Tote und ein Schwerverletzter als Opfer der Explosionskatastrophe festgestellt worden. Die Zahl der Leichtverletzten konnte bisher noch nicht ermittelt werben, da die im Betriebe beschäftigten Arbeiter sofort nach Ausbruch des Feuers die Fabrik verlaffen haben. Auch die Entstehungsursache Loool- üiitmotthto-Jil üs&er noch nicht festgestellt werden. Sin« NanMche pulversabnl I« die Last gestogen PariS, 1 «. Juli. Ein schweres Explosionsunglück ereig-! net« sich am Freitagabend in der Staatlichen Pulverfabrik von Bergerae bei Bordeaux. Die Bevölkerung wurde durch einen dumpfen Knall in Schrecken versetzt, dem unmittelbar darauf eine mehrere hundert Meter hohe Stichflamme folgte. Der größte Teil der Pulverfabrik flog in die Luft. Die in der Näh« befindlichen Häuser wurden eine Beute der Flam-! men. Eine große Anzahl der Wohnungen mußte geräumt! werben. Das Unglück ist auf die Entzündung von Pulver durch die große Hitze, die in den letzten beiden Tagen auf 40 Grad stieg, zurückzuführen. Zahlreiche Anwohner der Pulverfabrik erlitten Verletzungen, hauptsächlich an Armen und Beinen. Etwa 50 Personen, darunter mehr als die Hälfte Kinder, mutzten in die Krankenhäuser gebracht werden. Im Augenblick der Explosion befanden sich nur zwei Arbeiter in dem betreffenden Lager, die schwer verbrannt wurden. Etwa 13 Personen wurden ernsthaft verletzt. Das Feuer griff auch auf die Gasfabrik über, konnte aber hier rasch gelöscht werden. Zwei andere Fabriken wurden durch die Feuerwehren gerettet. Der Schaden beläuft sich auf Mehrere Millionen Franken. Prvpaganda gegen die Antonomiebewegung im Elsaß. Paris, 16. Juli. Wie die Morgenpreffe auS Straßburg meldet, begann am Freitag eine großzügige Propaganda gegen die Antonomiebewegung, die in erste Linie durch einen Ausschuß betrieben wird, den in den Bereinigten Staaten wohnhafte Elsässer unterstützen. In 700 Gemeinden des Elsaß wurde eine in deutscher Sprache abgefatzte und von Elsässern aller sozialen Schichten Unterzeichnete Kundgebung angeschlagen, die gegen die Antonomiebewegung Verwahrung einlegt. In der Kundgebung wird auf die ständigen Fühler über die Revision des Dawesplanes Paris, 13. Juli. Obwohl über den gestrigen Besuch des deutschen Botschafters in Paris, von Hoefch, bei dem Mmister- prandenten Poincare keine weiteren amtlichen Mitteilungen we- oer von deutscher noch von französischer Seite herausgegeben worden sind, glaubt die heutige Morgenpresse sicher zu sein, daß die Unterhaltung größtenteils der Frage der Revision des Dawcs- planes gegolten habe. Der „Excelsior" weiß sogar mitzuteilen, daß diese Frage in allernächster Zeit eine sehr interessante und bedeutsame Entwicklung nehmen werde. Man erwartet in Paris für die nächste Woche die Ankunst des Generalagenten für die deutschen Reparationszahlungen, Parker Gilbert, ferner die des Gouverneurs Strong und endlich die amerikanischen Schotzsekretärs Mellon, der anläßlich seines Fenen- aufenthaltes in Dinard die Gelegenheit wahrnehmen werde, um Poincare einen Besuch abzustatten. Besonders bedeutsam sei der Besuch Parker Gilberts. Dieser werde sicherlich die Gelegenheit wahrnehmen, um erneut auf die Eröffnung möglichst baldiger Der- handlungen zur allgemeinen Liquidierung der Kriegsschulden zu drängen. Außerdem werde Parker Gilbert auch zahlreiche politische und wirtschaftliche Persönlichkeiten in Paris sprechen. Man müsse sich auch daraus gefaßt machen, daß Deutschland in kürzester Frist die Eröffnung von Verhandlungen über die Revision des Dawesplanes fordern werde. Aus alledem geht her. vor, schreibt das Blatt weiter, daß ein Meinungsaustausch zwischen den interessierten Regierungen über die finanziellen Probleme, die der Krieg hinterlasfen habe, unweigerlich beginnen» werde. Da aber die Lösung aller dieser Finanzfragen von Amerika abhängt und da Amerika sich vor den Präsipentfchaftswahlen nicht festzulegen wünsche, müsse man Voraussagen, daß aus diesen Verhandlungen vor dem nächsten März nicht viel Greifbares hervorgehen werde. Immerhin fei aber Frankreich dabei sehr lebhaft interessiert. Fm Jahre 1928 nämlich sei die Zahlung für den Kauf der amerikanischen Kriegsbestände fällig. Bis zu diesem Zeitpunkt aber müsse sich Frankreich klar sein, ob es entweder feine Zahlungen in Höhe von 400 Millionen Dollar wahrnehmen wolle, oder ob es das Mellon-Berenger-Abkom- men ratifizieren wolle. Eine dritte Möglichkeit gäbe es nicht. Es fei vorauszufagen, daß Poincare vom Parlament die Ratifizierung des Schuldenabkommens nicht verlangen werde, wenn er nicht vorher von den Bereinigten Staaten die bindend« Zusicherung erhalten Könne, daß dies als Gegenleistung für den moralischen Erfolg der Ratifizierung eine Revision der gesamten Kriege liquidierung zulassen würde eine Revision, die von vornherein von den an den Reparationen und interalliierten Schulden interessierten Mächten festzulegen set. Vas Locarno-Auto in Versin Berlin, 16. Juli. Nach einer Dauerfahrt von 16 Tagen ' !raf Freitagmittag vom Ausgangspunkt Paris aus über < Maux, Epernay, Brüssel, Köln, Düsseldorf, Hameln,,Brau6- ; chweig das mit deutschen und französischen. Fähnchen ge- . chmückte „Locarno-Auto" in Berlin ein. Schon früh mor- j ;cns begab sich eine stattliche Anzahl von Wagen des Deut- I lchen Autoklubs nach Werder hinaus, um ihren Vorläufer aoch vor den Toren der Reichshauptstadt zu empfangen. Kaum war die Wagenkolonne durch das Städtchen gefahren, Us der schon 1889 erbaute, heute antiquarisch anmutende Peugeot-Wagen, der eigens zu dieser Propagandafahrt in >er französischen Provinz ausfindig gemacht und aufgekauft vorder, war, gesichtet wurde. Die beiden Fahrer, Dr. DueS- derg, Berichterstatter der „Bolonts" und des „8-Uhr-Abend- j blattes", und der französische Schriftsteller Uronde wurdenj »on den Mitgliedern des Autoklubs mit einem großen Rosenstrauß begrüßt, worauf sich die Autokolonne in einem 10- bis iO-Kilometertempo durch Potsdam und über die Avus nach; Berlin hineinbewegte. Unterwegs stiegen die Autler aus »nd winkten dem Wagen zu. Noch größere Beachtung fand rr auf den Straßen Berlins, zumal ein Plakat „Locarno,! Paris—Berlin. 1889—1928" von feinem Zweck berichtete. Den Kaiserbamm und die Charlottenburger Chaussee entlang durch bas Brandenburger Tor fuhr das Locarno-Auto »m Auswärtigen Amt vorüber, sodann durch den Tiergarten zum Hotel Eden, wo die Fahrer durch die Ueberreichung eines großen Eichenkranzes geehrt wurden. Anschließend daran begaben sie sich zu einem Frühstück, bei dem sie von einem Vertreter des Auswärtigen Amtes und von Beauftragten der hiesigen französischen und^belgischen Gesandt, schäften offiziell begrüßt wurden. Dr. Scholz' politische Meinung Die Neue Freie Presse in Wien veröffentlicht in ihrer Sonn- tagsnummcru Erklärungen des Vorsitzenden der Deutsch?« Polks- partei, Dr. Scholz, der auf die Frage: „Glauben Sie an den Zusammenschluß der Deutschen Bolkspartei und der Demokraten?" antwortete: Die Botschaft hör ich wohl! Verschmelzung? Ausgeschlossen! Parteiprogramme können sich nähern. Niemals läßt sich eine Kluft zwischen Weltanschauungen überbrücken. Dies« Kluft liegt wesentlich in den Komplexxen: Vaterland — Wirtschaft. Schließlich wollen ja auch die Demokraten eher Abgrenzung als Zusammenschluß. Eine andere Frage ist, ob man sich in der Zusammenarbeit im Staat finden könMe. Zum Lieben kann man niemand zwingen, aber man könnte an einem Tisch sitzen, auch wenn man nicht miteinander verheiratet ist. Freilich beurteile ich vorläufig auch diese Bereitschaft pessimistisch. Sie könnte sich erst entwickeln, wenn im Herbst die Kardinalfrage der Innenpolitik: Hegemonie der Regierungskoalition im Reich und in Preußen, gelöst würde. Zur Außenpolitik sagte Dr. Scholz: Darüber könne es keinen Zweifel geben: Die Fortführung der deutschen Außenpolitik auf der bisherigen Linie ist der einzig mögliche Kurs. Allerdings wäre zu überlegen, ob nicht in der Hauptfrage, dem Rhein-Problem, elne neue Methode angewandt werden könnte. Mir scheint es, indem wir immer wieder die Okkupationsfrage in den Vordergrund stellen, hat sich der Gegensatz zwischen deutscher und französischer Auffassung verhärtet. Vielleicht sollte man hier erwägen, ob man nicht die Taktik ändern könnte^. Zur Anschlußfrage erklärte Dr. Scholz: Der Anschlußgedank« darf nicht schlafen. Die Bereinigung Oesterreichs und Deutschlands ist kein politisches Problem mehr, sie ist Schicksalszwang und Recht auf die Zukunft. Wenn in diesen Tagen 200 000 deutsche Sänger im Lande der österreichischen Brüder erscheinen werden, dann wird im Lied der Ruf nach der Heimat ertönen. Es wird Oesterreichs Ruf sein nach dem Leben und ein Weckruf an die europäischen Gewissen. Die ersten Gntlaffenen Buchfiabenauslegung beim Reichsgericht. Berlin, 15. Fuli. Zm Laufe des Sonntags find aus den preußischen Strafanstalten die ersten Gefangenen auf Grund der Nr. 164. Jahrgang 1928. Amnestie entlassen worden, unter ihnen auch der Hardrn-Attrntäter- Ankermann. Es handelt sich ausnahmslos um Gefangene, di« von preußischen Gerichten abgeurteilt worden sind. Das preußische Justizministerium hatte bereits alles für die Entlassung sofort nach der Annahme der Amnestie vorbereitet. Im Gegensatz dazu hat der Oberreichsanwalt noch keine Entlassungsbefehl« erteilt. 2m Reichsjustizministerium ist man der Ansicht, daß vor dem formellen Inkrafttreten der Amnestie am Montag nachts um 12 Uhr niemand aus dem Gefängnis herausgelassen werden soll. Um diesen formalistischen Standpunkt zu mildern, haben die preußischen Strafanstalten denjenigen Festungsgefangenen, die Strafen des Reichsgerichtes verbüßten und zweifellos unter die Amnestie fallen, einfach für den heutigen Tag Urlaub erteilt. Die in der Presse verbreitete Nachricht, daß Hölz am Montag aus dem Zuchthaus entlassen wird, trifft nicht zu. Heut« prüfen die Behörden eine Eingabe seines Verteidigers, in der die baldige Entlassung beantragt ist. Spätester Zeitpunkt für die Entlassung Hölz ist in einem halben Jahr. Die Gefangenen von Sonnenburg, die vor einigen Tagen in den Hungerstreik getreten sind, haben jetzt sämtlich bis auf zwei dm Hungerstreik abgebrochen. VadWer Landtag Karlsruhe, 13. Juli. Dir Bormittagssitzung am Freitag wurde eingeleitet mit der Beantwortung einer Kurzen Anfrage von Zentrumsseite, was die badische Regierung für die Unwetterschüden am 4. Juli im badischen Hinterland zu tun gedenkt, eingeleitet. Wie Ministerialrat Dr Bunt milteilte, haben die Finanzämter vom Finanzministerium allgemeine Weisung erhalten, wie sie sich bei Naturschäden zu verhalten haben. Ebenso sind die Bezirksämter und Landes- ökonomieräte allgemein angewiesen worden, Vorbereitungen zur Festsetzung der Schäden zu treffen. Daher seien neue Anweisungen für die Unwettergeschädigten am 4. Juli im badischen Hinterland nicht erfolgt. Wasser- und Straßenbau. Das Plenum stimmte dann über die verschiedenen Paragraphen des Titels Wasser- und Straßenbau ab. Dabei brachte Abg. Engelhardt (Ztr.) Wünsche hinsichtlich der Renchkorrektion vor, ebenso Abg. Seubert lZtr.f. Abg. Kurz (Soz.) erklärte, man solle ärmeren Gemeinden, die eine Wasserleitung bauen wollen, größere Zuschüsse geben. Abg. Dr. Mattes (D. Vp.) bemerkte bei der Förderung von Kulturunternehmungen sei dankbar anzuerkennen das harmonische Zusammenarbeiten zwischen den verschiedenen Städten. Dr. Waldeck (Dt. Vp.) befürwortet den beschleunigten Bau der Rhetnbrücken. Abg. Dr. Wolfhardt (Dem.) hob besonders die trostlosen Verhältniffe auf der Mannheimer Rhernbrücke hervor. Finanzmimster Dr. Schmitt erkannte die Dringlichkeit sämtlicher Rheinbrückenprojekte an, doch müßte der Bau einheitlich begonnen werden. Darüber fänden zwischen der Regierung und den beteiligten Städten ein enges Zusammenarbeiten statt, ebenso mit dem Lande Bayern. Es bestehe aber noch eine Schwierigkeit, die von der deutschen inneren Politik allein nicht gelöst werden kann. Der Finanzminister sprach seine Freude darüber aus, daß der Landtag grundsätzlich seine Zustimmung gegeben hat. Auf Vorschlag des Präsidenten brachte der Landtag das Interesse der Volksvertretung an dem Bau der drei Rheinbrücken zum Ausdruck und ersuchte um die Einstellung der erforderlichen Mittel. Der Titel fand darauf Annahme. Rheinschifsahrt. Auf Bemerkungen der Abgg. Waldeck (Dt. Vp.) und Dr. Wolfhardt (Dem.) antwortete Finanzminister Dr. Schmitt, bei den Verhandlungen mit der Reichsbahn wegen ihrer Tarifpolitik sei bisher noch nicht viel dabei herausgekommen. Man hoffe aber etwas zu erreichen, während der gegenwärtigen Verhandlungen über die Häfen von Mannheim und Kehl. Auch dieser Titel wurde dann angenommen. Bei Ruhegehältern und Hinterbliebenenversorgung sagte Finanzminister Dr. Schmitt Prüfung der vorgebrachten Wünsche von verschiedenen Seiten zu. Das Haus beschloß darauf, den Abg. Schneider (Ztr.) als Beirat der Preußisch- Süddeutschen Klaffenlotterie zu wählen. Die noch ausstehenden Titel des Ministeriums wurden ohne Wortmeldung erledigt Die Einnahme«. Abg. Lechleiter (Komm.) verlangte bei der Beratung der D« Landbote ♦ Emsheimer Zeitung. sinnaymen öisentiiche Bortage der Steuererklärungen und verdichtete seine Ausführungen zu einem Antrag, der mit allen gegen 10 Stimmen (Kommunisten, Sozialdemokraten) abgelehnt wurde. Abg. Dr. Mattes (Dt. Vpt.) begründete seine Anträge auf Steuersenkung. Finanzminister Dr. Schmitt wies darauf hin, daß die Bewegung im Wirtschaftsleben abwärts und nicht aufwärts gehe. Daher könnten die volksparteilichen Anträge nicht öurchgeführt werden. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Lechleiter (Komm.) und Eggler (Ztr.) und Rnckert (Soz ) wurde die Abstimmung über die Steuern vom Grundvermögen und Gewerbebetrieb bis zur Erledigung des Finanzgesetzes zurückgestellt. Die Gebäudesondersteuer wurde von dem Kommunisten Lcchleiter als die ungerechteste bezeichnet. Der sozialdemokratische Abg. Maier-Heidelberg nagelte diesen Satz eines Kommunisten unter Zustimmung des ganzen Hauses je! Dr. Schäfer (Ztr.) rühmte die Initiative, Badens im Wohnungsbau. Der Antrag Dr. Mattes auf Abstrich von 700 000 wurde abgelehnt. Der Haushaltsausschutzantrag auf Abstrich von 2850 000 RM. für Wohnungszwecke wurde gegen 17 Stimmen angenommen. Hausschlacht- «nb Flcischsteuer. Eingeschoben wurde hierauf die Beratung des Gesetzesantrags auf Aufhebung des Fleischsteuergesetzes. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wurde in erster Lesung der sozialdemokratische Gesetzesantrag auf Aufhebung des Fleischsteuergesetzes zum 1. April 1928 mit 27 Stimmen gegkn 25 (Zentrum und Hertle) bei 6 Enthaltungen (Demokraten) angenommen. Auf Antrag des Finanzministers wurde die zweite Beratung des Gesetzes ausgesetzt. Gegen 14 Uhr wurde die Sitzung unterbrochen. Zu Beginn der Nachmittagssttzung teilte Präsident Dr. Baumgartner auf eine Anfrage des Zentrumsabgeordneten Duffner mit, die Anlegestelle in Breisach könne erst errichtet werden, wenn die Rheinregulierung durchgeführt sei. Dann wandte sich das Haus der Beratung des Voranschlags der Amortisationskafle zu, über den der Zentrumsabgeordnete Senbert berichtete. Der Kommunist Heymann klagte über die Arbeitsverhält- ntffe in der Karlsruher Majolikafabrik, in der es nicht selten vorkomme, daß die Hälfte der Arbeiter auf der Straße liegen. Finanzminister Dr. Schmitt erwiderte, daß hier eine Reformierung eintreten werde. Es schweben Verhandlungen, die eine solche Reformierung an Haupt und Gliedern zur Folge haben werden. Abstimmung. ^ 4 Nachdem die Zusammenstellung im Personalanhangge- nehmigt worden war, wurden verschiedene Anträge, einzelne Gesuche der Regierung empfehlend zu überweisen, angenommen. So u. a. des Reichsbunöes der höheren Beamten um Entschädigung der während der Besetzung Offenb-rrgs von den Franzosen inhaftierten Beamten. Stenervereinheitlichungsgefetz Im Laufe der Abstimmung wurde ferner die Regierung' ersucht, für die Beratung des dem Reichsrat vorliegenden Entwurfes eines Steuervereinheitlichungsgesetzes dem Reichsrat bevollmächtigte Weisung für eine entsprechende Fassung der Bestimmungen der Entwürfe des Grundsteuer- und Gewerbesteuerrahmengesetzes zu erteilen. Der Antrag des Geschäftsorönungsausschusses auf Abänderung des Paragraphen 47 der Geschäftsordnung, der gestern im Wortlaut mitgeteilt worden war, wurde unter Protest des Kommunisten Bock mit 50 gegen 7 Stimmen an genommen. Nun folgte die Beratung verschiedener Anträge. Angenommen wurde ein Haushaltsausschußantrag zur Rindertuberkulose, auf Winzerkreüite, ferner ein Antrag Klaiber über Schutzpolittk zu gunsten der Landwirtschaft durch die Regierungserklärung und das Notprogramm der Reichs- regieruug für erledigt erklärt, ebenso ein weiterer Antrag Klaiber, nach dem die Rentenbankgrund-Schulözinsen auf das Reich übernommen werden sollen. Der Errichtung eines Amtsgerichtes in Singen soll unter Voraussetzung nähergetreten werden, daß die Stadtgemetnde Singen ihre Zusage entsprechend, die Diensträume mit Einrichtung sowie Beamtenwohnungen tn dem vom Justizministerium für notwendig erachtenden Umfang zur Verfügung stellt. Montag, deg 16. Juli 1928. Zum Schluß wurde noch das lAesuch der Staötgemetnöc Neckargemünd um Bewilligung eines Staatszuschuffes zum Bau eines Berbindungssteges zwischen den durch den Neckar getrennten Ortsteilen Neckargemünd-Kleingemünd der Regierung empfehlend überwiesen und das Gesuch der Gemeinde Seebach um Arbeitslosenfürsorge durch die Beschlußfassung zum Voranschlag des Ministeriums für erledigt erklärt. — Nächste Sitzung Dienstag vormittag 9 Uhr. Aus Nah und Fern. X Sinsheim, 16. Juli. (Vezirksfest der Evang. Kirchenchöre.) Vom schönsten Wetter begünstigt, fand gestern das Bezirksfest der Evang. Kirchenchöre statt. Um halb 2 Uhr versammelten sich die zahlreich erschienenen Vereine zu einem liturgischen Gottesdienst in der Kirche. Herr Pfarrer Braun aus Hoffenheint hielt als Vorsitzender der Chöre die Begrüßungsansprache und unter seiner Leitung stand der vortrefflich dirigierte Gesamtchor, der seiner schwierigen Aufgabe vollauf gerecht wurde. Meisterhaft spielte Herr Grether die Orgel und die unter der bewährten Leitung des Herrn Christmann vorgetragenen Stücke des Sins- heimer Chores, das Te Deum von Creutzburg und der 150j. Psalm waren vortrefflich. Im Anschluß an den Gottesdienst fand ein Zusammensein der Chöre im Saale zum Stadtpark statt. Vikar Becher hieß namens der Gemeinde die zahlreichen Gäste willkommen. Im Mittelpunkt der Festfeier stand ein Vortrag, von Herrn Universitäts-Professors Dr. Frommel, der in seiner klaren und anschaulichen Weise zuerst einen Ueberblick über die Geschichte des Kirchengesanges gab und dann über die Bedeutung und ^Aufgaben der Kirchenchöre in der Gegenwart sprach, wobei mancher Verein für seine Arbeit wertvolle Anregung erhielt. Umrahmt war der Vortrag von den Darbietungen der einzelnen Chöre, die gezeigt haben, daß unser Sinsheimer Bezirk was Pflege, des Gesangs anbelangt durchaus auf der Höhe steht. Hochbefriedigt vom Gesehenen und Gehörten zogen die Vereine wieder nach Haus, in dem Bewußtsein, einen fröhlichen Tag in Sinsheim verlebt zu haben. * Sinsheim, 16. Juli. (Der Ausverkauf beginnt.) Der Sommer war kurz, wenige heiße Tage und schon ist für den Kaufmann die Saison vorbei! Ein paar Tage nur herrschte stürmisch« Nachfrage nach all den leichten und feinen Stoffen, die etwas die Hitze mildern können, nach den Utensilien zum Bad im Freien, den kostbaren Bademänteln, den vielfarbigen Badetiichrrn, den vielformigen Badeanzügen, und heute schpn ist diese Mode vorüber. Was gestern noch kostbar, fast unerschwinglich war, morgen ist es billig bezahlbar. Ein dicker Strich wird, gezogen, alte Preise ausgestrichen, neue, billigere, fast nicht glaubbare, eingesetzt. Der Kaufmann braucht Geld, er muß es in Händen haben um einkaufen zu können, um seine Disposition auf lange Sicht zu treffen. Was veralten kann, was dem Wechsel der Mode unterliegt, muß geräumt werden. Am Tage vor dem Beginn des großen Räumens werden alle Lager besichtigt, die Preise korrigiert, Klassen von Waren-Gruppen und -Preisen gebildet, in die eingegliedert werden all die Wünsche uno Begehrlichkeiten so vieler Frauenherzen: Mäntel und Kleider, Wäsche und Hüte, Strümpfe und Schuhe, Wollwaren und Seideartikel. Aber auch für den Herrn und seinen erschöpften Gelvbeutel wird gesorgt, Socken, Beinkleider, Schlipse, Anzüge, Hemden in den schönsten Farben und edelsten Stoffen, werden heruntergezeichnet. Aus dem edlen Konkurrenzkampf — jedes Haus, jede Firma will am billigsten sein — profitiert der Käufer. Er geht suchend an den Auslagen vorbei, er mustert genau. T Sinsheim, 15. Juli. (Warnung vor Wechselaustausch). Die Mitteldeutsche Handelsrundschau, Amtliches Organ der Handelskammer Leipzig, bringt nachstehende, sehr beachtliche Warnung: „Firmen, die sich in Zahungsschwierigkeiten befinden lassen sich nicht selten in einen Akzeptaustausch dergestalt ein, daß sie Wechsel lediglich zu dem Zwecke Herstellen, sich diese gegenseitig zur Beschaffung von Geld auszuhändigen, ohne daß den Wechseln irgendwelche Warengeschäfte zugrunde liegen. Diesen Wechseln wird meist noch durch Nichtabrundung der Beträge der Anschein von Kundenwechseln gegeben, um jedes Mißtrauen von vornherein zu beseitigen. Ein solches Gebaren hat regelmäßig für die Beteiligten schwere wirtschaftliche Nachteile zur Folge, insofern sich an der Wechselreiterei nur zahlungsschwache Firmen beteiligen und der erste Akzeptant, wie die Erfahrungen gelehrt haben, meist nicht nur den von ihm akzeptierten, sondern auch den von ihm ausgestellten oder weitergegebenen Wechsel einlösen muß. Wird bei Anträgen zu Vergleichsverfahren, die vor der gerichtlichen Entschließung regelmäßig der amtlichen Berufsvek- tretung zur Begutachtung vorgelegt werden, festgestellt, daß die Firma sich der Wechselreiterei schuldig gemacht hat, so spricht sich die Handelskammer grundsätzlich gegen die Eröffnung des Vergleichsverfahrens aus. Weiter teilt sie die Namen der ihr bekannt werdenden Firmen, die am Akzeptaustausch teilnehmen oder ihn zu vermitteln suchen, den zuständigen Stellen mit. WKW ROMAN«,,.. D.SCHNcIPER'^OEPSTL „Was heißt gefährli?" sagte Karsten.' „Wenn ich ihn nur fortbrächte, wenigstens die ärgsten Wintermonate! Aber er geht ja nicht weg von Schnitt. — Hans, ich sag dir, nichts sollte der Mensch kennen, nicht Weib, nicht Kind, nicht Freund, je mehr du liebst, desto schrecklich! trifft dich das Unglück, wenn es kommt und so viele du liebst, ebenso ostmal trifft es dich!" „Schalte mich aus von deiner Liebe, sagte Helbing mit wehem Lächeln. „Dann trifft es dich um einmal weniger!" „Das sagst du so, mein Alter! Aber mir geht's, wie Ellermann, ich kann ja nicht weg von dir!" Helbing sah ihn groß und stumm an und wandte sich wortlos zum Gehen. Karsten hielt ihn zurück. „Weiß Petetsen schon, daß du gehst?" „Nein, Rolf, der große Krach, der kommt erst noch!" „Du bist ja schuldlos!" sprach der Doktor. „Meinst du? Man kann schuldlos sein und sich doch schuldig fühlen." „Soll ich mit dem Kommerzienrat sprechen, Hans? Ich tu's gerne!" „Ich danke dir, Rolf, aber laß es lieber fein! Es steht so entsetzlich feige aus! Ich mache es am besten selbst! Ob ich dann die halbe oder die ganze Schuld auf mich nehme, macht nichts mehr aus!" „Das sähe dir ähnlich!" schalt Karsten. „Wenn du das im Sinne hast, bin ich morgen bei Peterfen und erzähle ihm den ganzen Hergang!" Laß mich nur machen!" sagte Helbing mit einem bitteren Zug um den Mund. „Mehr als mir das Genick brechen, kann ich nicht!" Karsten begleitete ihn noch bis an die hölzerne kleine Türe im Obstgarten des Pfarrhofes, sie hatten Ellermann und Schmitt guten Tag gesagt, und der Doktor sagte mit einem erleichterten Aufatmen: „Ich finde Ellermann wieder bester. Hoffentlich bleibt es so." Dann trennten sich die Freunde. Helbing mußte den Weg durch den Park nehmen, da das Tor des Gutshofes geschlossen war. Lona saß auf der Veranda und sah ihn raschen Schrittes über den breiten Kiesweg kommen. Peterfen beobachtete sie von der Verandatüre aus. Er behütete sie wie ein Kind. Beim Näherkommen Helbings bog sie sich etwas über die Brüstung, um ihn besser sehen zu können. Peterfen bemerkte den heißen, sehnsüchtigen Blick in den Augen seines Kindes und S lötzlich dämmerte in ihm ein Verstehen auf. In seinem nneren klang ein Jubel, ein Jauchzen, so riesengroß war das Glück, das ihn erfüllte. Eine Mutter hätte längst erkannt, woran ihre Tochter erkrankte, nur ein Mann, und wenn er der zärtlichste Vater war, mußte es erst durch einen Zufall erfahren. Nun wußte er wenigstens, was er zu tun hatte. In dieser Nacht schlief der Kommerzienrat wieder einmal einen tiefen, gesunden Schlaf. Lona aber riß, wie schon oft, die beiden Fenster auf, um frische Luft ins Zimmer zu lasten, sie glaubte ersticken zu müssen, eine solche Zentnerlast lag auf ihrer Seele. „Ich werde verrückt," dachte sie. „so kann es nicht mehr weitergehen. Wenn nur der Vater verreisen wollte. Spurlos würde sie noch am gleichen Tage verschwunden sein!" Wie oft hatte sie schon vor seiner Türe gestanden, die Hand auf der Klinke, immer mit dem Vorsatz, alles zu sagen. Aber mit einem Male dünkte es sie dann wieder so ungeheuerlich, was sie getan, daß sie den Mut verlor und daoonschlich wie eine Berbrecherin. Am andern Morgen hatte sie tiefe Ringe um die Augen. Liebkosend fuhr Peterfen über ihr weiches Blondhaar. „Mein armes Kleining," sagte er zärtlich. Am Nachmittag lag sie wieder wie zerschlagen auf der Veranda. Behrens hatte ihr einige Bücher gebracht, aber sie schlug keines derselben auf. „Was soll ich die Geschichten aus anderer Leute Leben lesen?" dachte sie apathisch. „Ich trage schon schwer genug an meinem eigenen Dasein." Der Kommerzienrat kam wie zufällig die Stufen der Veranda heraus. Er zog sich einen Korbsessel nahe dem ihren und nahm ihre weißen Hände zwischen seine beiden. „Mein Kleining, ich weiß, was dir fehlt!" „Vater? — Du weißt?" Wie ein Ruf der Erlösung kam es von ihren Lippen. — Hatte Hewing endlich gesprochen? Oder hatte er es durch Zufall erfahren?" Peterfen zog ihren Kopf gegen seine Schulter! „Du liebst Helbing!" sagte er weich. Sie richtete sich auf und starrte ihn an, schneebleich bis in die Lippen, die sich zu keinem Laut öffneten. Dann schlug sie beide Hände vor das Gesicht und weinte bitterlich. „Kind, warum hast du dich so gequält?"^sagte Peterfen mit leisem Vorwurf! Du weißt doch, wie ich an Helbing hänge. So oft ich mit ihm zusammenkomme, schlägt mir das Herz um einen Takt rascher! — Daß er dich liebt, habe ich längst gemerkt!" „Lieben?" — rief sie. — „Mich? — Nein Vater, er haßt mich, er verachtet mich! — Er muß mich ja ^verachten! — O Vater, du weißt ja nicht, wie schlecht ich bin!" „Schlecht?" Sie hörte die namenlose Angst aus seinen lützorten. „Warum bist du schlecht, Lona?" fragte er hart. Sie begriff plötzlich was er dachte. Eine verzehrende Scham trieb ihr das Blut ins Gesicht. Vater, ich habe mir nichts vergeben!" stöhnte sie. „Wenn du das von mir denkst, bleibt mir nur noch ein Sprung in das Wehr! Das ertrage ich nicht! Das nicht!" Er faßte sie fest um das Handgelenk. „Sieh mich an, Lona!" Ihre Augen senkten sich groß und offen in die seinen, aber es lag eine so wilde Verzweiflung in denselben, daß er ganz erschüttert sprach: „Ich glaube dir ja, Kind! Ich glaube dir ja! — Sage mir nur, was es ist!" „Heute nicht! — Morgen, Vater!" „Nein, heute, mein Kind!" „Ich kann ja nicht! — Hab' Erbarmen, ich kann nicht!" Aller Ernst, alles Bitten verfehlten die Wirkung. Wie eine Schwerkranke schleppte sie sich auf ihr Zimmer. Erst kurz vor Mitternacht entkleidete sie sich. Mit dem Entschluß, den sie gefaßt hatte, war auch die Ruhe über sie gekommen. Morgen wollte sie zu Helbing gehen und ihm Abbitte leisten. Mochte er sie demütigen, sie hatte ihn auch aedemütigt. Sollte er auch nicht verzeihen, sagen wollte sie ihm doch: „Ich war im Unrecht! Mein ist die Schuld!" Und dann sollte der Vater wissen, was sie getan hatte. Sie wollte wieder einmal Frieden haben, mit sich selbst. MontaF, den 16. Juli 1928. Nr. 164. Jahrgang 1928. Der Landbote * Tinsheimer Zeitvag. Offenbar ist auch noch nicht genügend bekannt, daß im Akzeptaustausch Betrug erblickt werden kann, wenn statt der Kunden- wechsel reine Finanzwechsel hingegeben werden, denen in irgend einer Weise der betrügerische Schein von Kundenwechseln verliehen wird. Die Firmen setzen sich also durch Akzeptierung eines solchen Wechsels oder durch dessen Herreinnahme der Gefahr der Bestrafung wegen Betrugs aus. Dem Unwesen des Akzept- austauschs, der für alle Kreisen die schwersten Gefahren in sich birgt, kann nur gesteuert werden, wenn jeder dazu beiträgt, daß die Personen und Firmen, die sich des Akzeptaustausches schuldig gemacht haben, zur Kenntnis der zuständigen Stellen gebracht werden. Nicht zuletzt aber muß sich das Vorgehen gegen diejenigen Darlehensvermittler richten, die Wechselaustausch, Akzeptkredit. Teildiscont oder ähnliches anbieten, denn dadurch werden manche Firmen erst zu der betrügerischen Handlung verleitet. * Sinsheim, 16. Juli. (Heiße Sommertage.) Alle prophetischen Vorhersagen, daß auch dieser Sommer kein richtiger Sommer werden wird, daß «r kühl und feucht bleiben würde, sind durch das schon einige Wochen anhaltende herrliche und heiße Sommerwetter zu Fehlprophezeihungen geworden. Die Hitze hat in l etzter Zeit von Tag zu Tag zugenommen und man hat gestern 35 Grad Celsius im Schatten gemessen. Dies bedeutet bei uns schon eine gewaltige Hitze. Die Aussichten auf baldige Abkühlung sind gering: die Wetterlage ist so, daß die Hitze aller Voraussicht nach noch einige Zeit anhalten wird. Die Luftfeuchtigkeit ist mächtig gesunken und mit am Nachmittag nur mehr etwa 30 Prozent. Der Erdboden ist brottrocken und dürstet nach Regen. O Siegelsbach, 16. Juli. (Bürgerineisterwahl.) Nachdem kurz vor der Wahl der dritte Kandidat, Hugo Mann, seine Kandidatur zurückgezogen hat, war die Wahl wesentlich vereinfacht. Es wurden 405 Stimmen abgegeben, von denen Altbürgermeister Wagendach 185, Christoph Gooß 217 erhielt. Letzterer ist somit gewählt. * Aus b.em Amtsbezirk, 12. Juli. (Tierschutz im Sommer.) Verschiedene Tierschutzvereine geben folgende Anleitungen zur Schonung unserer Haustiere bei großer Hitze. 1. Setze Kanarten- u. andere Käfigvögel nicht der grellen Mittagssonne aus. 2. Stelle Pferde und andere Zugtiere, die warten müssen, an einen schattigen Ort. 3. Lasse deinen Hund bei Fahrradausflügen zu Haus. 4. Zum Schutz vor quälenden Insekten, wie Bremsen, dient deinem Pferde eine Einreibung mit Bremsenöl. Stutze deinem Pferde den Schweif nicht, denn oas ist nur eine Modetorheit; der Schweif ist das natürliche Mittel zur Abwehr der geflügelten Plagegeister. 5. Verwehre deinen Tieren niemals, den Durst zu löschen. 6. Laß deinen Kettenhund, besonders bei großer Hitze, einige Stunden frei. Die ständig.eingespcrrten oder angehängten Tiere sind Krankheiten viel leichter ausgesetzt, als die anderen. Sorge auch dafür, daß die Trinkgeschirre der Tiere mehrmals im Tage mit frischem Wasser gefüllt und sauber gehalten werden. In die Hundehütte eingelegte Farrcnkrautwedel vertreiben das Ungeziefer. 7. Schütze die nützlichen Vögel, denn sie sind die besten Freunde des Landmannes, des Obstzüchters und des Forstmannes, Halte die Katzen, wenn die jungen Vögel ausfliegen, im Hause. Auch die Raubvögel, besonders die Eulen, Turmfalk und Bussard sind als Mäusejäger nützlich. P Meckrshetm, 12. Juli. (Besserung der Straßenverhält- nisse.) Der hiesige Ort, der vou einer Land- und zwei Kreis- straßen durchzogen wird, leidet infolge des gegenwärtigen Kraftverkehrs besonders unter der Staubplage. Der Durchgangsverkehr ist hier infolge der zentralen Lage des Ortes als Ausgangspunkt in das Elfenz-, Schwarzbach- und Lobbachtal besonders groß. Zudem ist die Staubentwicklung in Kalk- und Lößgebieten sehr stark. Nach vielen Vorstellungen und Gesuchen von seilen der Gemeinde ist es nun gelungen, daß wenigstens die Landstraße innerhalb des Ortsetters geteert wird. Diese Teilarbeit genügt aber zur Besserung der Verhältnisse keineswegs. Es scheint überhaupt, daß die Grenzorte des Amtsbezirks Heioelberg in der Straßenpflege recht stiefmütterlich behandelt werden und daß die größten Summen der zur Verfügung'stehenden Mittel in der Nähe'der Städte verbraucht werden. Schon von jeher waren hier die Straßenverhältnisse die denkbar schlechtesten, während im Nachbarbezirk Sinsheim, einem angesprochenen Landbezirk in dieser Beziehung musterhaft gesorgt wird. Hoffentlich gelingt es, die maßgebenden Stellen nochmals auf diese Mißstände hinzuweisen und im Interesse der Bolksgesundheit Wandlung zu schaffen. Dann würde vielleicht auch die bedenkliche Tatsache verschwinden, daß die im Gemeindebudget gegenüber den früheren Jahren so außerordentlich gesteigerten Etraßenunterhaltungszuschüsse nicht mehr so starken Widerstand fänden. Das Volk sollt« eben auf dem Lande merken, daß diese Gelder auch ihm zum Vorteil gereichen. L Gaiberg, 14. Juli. (Von der Kirschen- und Beerenernte.) Durch das warme Wetter geht die Kirschenreife sehr vonstatteir. Die Ernte fällt besser aus, als man erwartet hatte. Die Himbeer> ernte hat begonnen. Händler holen alle Abend die Früchte ab. Es herrscht reges Leben in Gaiberg, und es wird auch noch manchen Wanderlustigen locken, die Gaiberger Kirschen zu kosten. ** Heidelberg, 15. Juli. (Studiensttftung.) Am Donnerstag fand hier die konstituierende Sitzung des Verwaltungsrates der bedeutsamen Stndienstiftung des Rheinischen Chemikers und Industriellen Dr. Robert Emanuel Schmidt statt. Die Stiftung soll dem Zweck dienen, die geistigen Be> ziebunaen r»-i-chen Deutschland und den romanischen Län- )ern, vor allem Frankreich, zu fördern. Der VerwaltnngS- cat der Stiftung setzt sich ans den Stiftern, Herr und Frau Dr. Robert Emanuel Schmidt, ihrem Sohn und dem Jnsti- iiar, aus Vertretern des Lehrkörpers der Heidelberger Universität und einem Vertreter der Freien Berufe zusammen. Heidelberg, 14. Juli. (Die Raupenbekämpfung im hiesigen Stadtwald.) Nach einer Mitteilung des Forstamts Heidelberg wird die Esturmit-Bestäubung durch Flugzeug, mit der am Mittwoch abend begonnen wurde, in den nächsten Tagen fortgesetzt. Wanderer und Beerensucher werden erneut gewarnt. Mannheim, 15. Juli. (Selbsttötungsversuch.) Durch 'Einatmen vou Leuchtgas versuchte eine 36jährige Frau in ihrer im Lauge-Röttergebiet gelegenen Wohnung sich das Leben zu nehmen. Eie konnte rechtzeitig daran gehindert werde». Ueber den Grund zur Tat ist noch nichts bekannt. Opfer des Badens und der Ätze Opfer des Badens und der Hitze. — 10 Todesopfer. In der Nähe der Rohrhofer Sandbank beim Mannheimer Hafen sind zwei Schüler ertrunken. Sie waren beide 11 Jahre alt und heißen Heinrich Balbach und Erwin Jungholz von Rheinau. Sie hdtten sich beim Baden zu weit von der Sandbank entfernt und waren von der Strömung erfaßt worden. Beim Baden im Neckar in der Nähe von Mannheim ist der ledige 22jährige Maler Peter Rost aus Frankweiler ertrunken. In der Nähe der Schleuse am Schwabenheimer Hof bet Dossenheim ertrank der 19jährige Konrab Gries. Oberhalb der Schiffbrücke bei Maxau hat im offene» Rhein der aus Dortmund stammende Student Hermann Schmidt von der Technischen Hochschule beim Baden den Tod gesunden« ,« - ------- ■ Im Mühlbach von Ottenheim (bet Lahr) ist der 19jährige Kranz Josef Mußler, Sohn einer Landwirtsßiitwe, ertrunken. Zwei Kinder ertranken in Neudingen (Baar), und zwar der 6jährige Sohn des Gemeinderats Karl Degen und der jjährige Sohn des Landwirts Josef Hermann. Beide Kinder waren in den Mühlkanal gestürzt und konnten nicht mehr gerettet werden. Die 12jährige Maria Storrer von Gottmadingen wollte :n dem in der Nähe befindlichen Biberbach baden, sank aber unter und ertrank. Bei der Insel Reichenau ist bas 8jährigc Söhnchen des Wagnermeisters Brendle beim Baden im Badenser ertrunken^ Verhängnisvolle Weissagung einer Zigeunerin Säckingen. 16. Juli. Zu der Auffindung der Leiche bei 26jährigen Franz Rnsle. bei dem Selbstmord festgestellt worden ist, wird berichtet, baß die Behörde als Bewegungsgrund zu der traurigen Tat folgendes ermittelt hat: Eine Zigeunerin hat dem Rufle geweissagt, er müsse im Juli sterben. Demzufolge wollte er seine vermeintlich nur noch kurze Lebensfrist noch nach Möglichkeit ausnutzen. Er verjubelte daher sein und seiner Braut erspartes Geld, einige hundert Mark, und machte daun seinem jungen Leben auf dem Ka- puzinerkranz ein Ende. Sensationslüsternes Gerede sucht die Tat in Zusammenhang zu bringen mit dem Doppelmord auf dem Turner und dem Manne mit der schwarzen Haste und suchte so den Schleier des Verhängnisses zu lüften. Der Mörder von der Weitztannenhöhe verhaftet? In Stockach wurde am Freitag von der dortigen Gendarmerie ein gewisser Meisel unter dem Verdacht verhaftet, den aufsehenerregenden Mord an den beiden Mannheimer Lehrerinnen aus der Weitztannenhöhe im Feldberggebiet begangen zu haben. Ter Verhaftete hatte einem Handwerksburschen, mit dem er zusammen war, erzählt, daß er den Mord begangen habe. Darauf hat der andere bei der Gendarmerie Anzeige erstattet, was zur Verhaftung des Meisel führte. Ob es sich hier tatsächlich um den seit langem gesuchten Mörder handelt, muß die weitere Untersuchung ergeben. Reu» Todesopfer des Bergwerksunglücks in Limburg. Amsterdam, 16. Juli. Die Zahl der bei dem Bergwerksunglück in Limburg ums Leben gekommenen Personen ist auf neun gestiegen. Vier Bergarbeiter werden noch vermißt. Unter den Toten befindet sich ein Deutscher, unter den Vermißten ein Oesterreicher. Schweres Touristenunglück am Bretthorn. Bier Touristen abgestürzt. Zermatt» 14. Juli. Am sogenannten Iunggrat des Breithorns verunglückten gestern vier Touristen aus Paris, die führerlos die Besteigung von der Gandrgghütt« aus unternommen hatten. Kurz vor dem Breitgrat bemühten sie sich mehrere Stunden lang vergeblich, ohne weiter zu kommen. Bei einer Travesterung stürzte der erste Tourist ab und ritz, di« andern drei etwa 500 bis 600 Meter mit in die Tiefe, wobei drei in einen großen Schrund fielen, während der vierte auf dem Eist liegen blieb. Mast beobachtete vom Corrergrat aus Blutspuren und drei Eispickel, die sich in der Nähe der Leichen befanden. Von Zermatt ist in der vergangenen Nacht noch ein« Rettungsmannschaft von neun Man» und von der Rüffelalp eine solche von drei Führern nach der Unglücksstelle abgegangen und dort bereits eingetrvffen. Die beiden Rettungsexpeditionen sind bereits wieder im Abstieg begriffen, nachdem wahrscheinlich keine Möglichkeit mehr bestand, die Touristen noch lebend anzutreffen. Heute früh ging von Zermatt aus noch eine wettere aus 11 Führern bestehende Exxpedition ab. Es dürste sich um einen der größten Unglücksfälle im Zermatter Gebiet feit 25 Jahren handeln. Aus dem Reiche der Mode. Das stimmliche McheMch 3 u dem Elegantesten, was uns die Sommermode gebracht hat, gehört entschieden darJäckchen- kleid. Er gibt eine Fülle der entzückendsten Jäckchenformen, ganz kurze und längere, — ärmellos« und solche mit langen, nach unten erweiterten Ärmeln. — aus dem Material des kleide» oder aus einem abstechenden Gewebe gearbeitete, — verschlußlose und elu- oder zweireihig geknöpfte. Am sommerlichsten sind natürlich die ärmellosen, ganz losen Jäckchen, die nicht ün geringsten wärmen, sonder,» lediglich eine schmückende, sehr elegante Vervollständigung der leichten duftigen Sommerkleider bilden: für dies« Art Jäckchen wird vorzugsweise ein abstechendes Material verwendet, z. B. zu der ganz zartblauen oder rosa Bastseide des Kleider eine dunkle getönte oder zu einem Kleid aus weißer Seide, CrSpe de Chine, Bastseide oder Leinen ein leuchtend rote», gleicharüge» Gewebe; dies« weiß-rot Kombinaüon ersteut sin, in diesem Sommer ganz besonderer Beliebtheit. — Natürlich wird man, um die Übereinstimmung von Kleid und Jäckchen hervorznheben, da, abstechende Matettal der Jacke irgendwie am kleit wiederholen, etwa für die — kragenbekleidung, für einen Gürtel, ein, Krawatte usw., und selbstverständlich wird man die Farbe des Jackenstoffes an dem sommerlichen, breitkrempigen Strohhut wiederholen. — Die andere Art der sommerlichen Jäckchenkleide» ist in der ganzen Aufmachung und verarbtttung korrekter, completartiger; vielfach werden hierfür zwtt verschiedene Stoffe — Wollstoff oder Seide — genommen, rin glattes und ein gemustertes, karierte» oder gestreiftes Matettal. Und aus bttden Stoffen werden Kleid und Ja cke zusammengestellk. Unsere beiden Modelle (J 4536-37 nndJ453S-39) sind vorbildlich hübsch Kr deu komplizierten, gut erdachten Kombinaüonen der beiden Gewebe. — Al» Vorlage für die Kleider kann alle» genommen werdeu, wa» die Sommermode bringt: Bluseuklrider und Jumperkleider; dies« letzteren verlange« naturgemäß längere Jacke«, die di« Jumper vollkommen decken. Für den Schmuck de» Kleide, kommt lediglich da» zweüe Material in Frage; irgend etwa» Abstechender — außer vielleicht ein paar hübschen, farblick paffenden Knöpfe« oder einem in der Farbe der Jacke äüsgeführten großen Monogramm — würde da» Ganz« zu unruhig machen. — 3« vornehmer, dezenter Farbe müssen auch die hüte sein, denen, wie bereits erwähnt, irgend etwa» — ein schöner Seidenband oder «ine Blüte in der Farbe de» Jacken- oder des Kleiderstoffe» als Garnierung dient, paffend find auch die Handtaschen za wählen^ oo^denen un» Frau Mode eine reiche Auswahl prächtiger^ m>5 sehreleganter neuer Mo- delle^gebracht hat, au» Leder und au» Seide gearbeitete uud ebenfall» aus zwtterlel Materialien zusammengestellt. — Zu den hier abgebildete« Modellen sind Lyon-Schnitt« erhältlich. A. K T 0545 Elegantes sommerliches Com- plet au» hellblauer Bastseide für das fesch« Blusenkleid und blauer, weiß bestickter Seide für das kurze, ärmellose Jäckchen, das mit einer weißen Blende abschiießt. Lyon-Schnitt. Größe 44, Preis Sö Pf. I 4538—39 Jumperkleid aus hellgrauem Wollstoff mit blaukariertem Material belebt. Da» Klttd wird durch di« Jacke I 4539 zum Eomplet ergänzt. Lyon-Schnitt, Größe 44 und 40, zum «leid für 95 Pf», zur Jach für 75 Pf. . J 4321 Jugendliches Eomplet. au» einem weihen Crepe de Chinc-Kleid uud rötlicher Seidenjacke bestehend. Gleiche» Material ergibt auch die scheinbar durchgezogene tzrawatte. Quastenverzierung Lyon-Schüitt, Gr. 44 u. 4S. Preis 951 I 4536 - 37 Ärmelloses Kleid au, kariertem und uni Kajha zufammenge- fiellt. Für die Blenden ist der kariert« Stoff schräg verarbeitet. Jacke au» gleiche« Stoffen. Lyon-Schnitt, Gr. 44 und 46, >iiiii>iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii>iiiiiiiiii>iiii>iiiiiiiiiiiiiiiiii>ii>iiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii,,iiWii,iiiiiiiuiii!Wiiiiiii>iiiiiiiiii>iliiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiii,ii,,,i,„,„i„„„„„i„„„ii„„„„„„„„i„„„„„„„„„„„„„„„„„„„„i„„„uiklZ Nr. 164. Jahrgang 1928. Da Laadbote * Sinsheim« Zeit»»,. Montag, den 16. Juli 1928. Turnen, Sport und Spiel. DsR. Mannheim schlägt 1. 5. C Nürnberg 1 :3. Im Rahmen des Nürnberger Flug- und Sporttages kam am Sonntag vor über 20 000 Zuschauern im Nürnberger Stadion die Begegnung beider in stärkster Ausstellung spielender Mannschaften zum Austrag. Das Spiel bewies erneut, daß Nürnbergs überragende Stellung im süddeutschen Fußball eigentlich gebrochen sst und daß die Nürnberger heute schon von einer nicht unbedingt erstklassigen Mannheimer Mannschaft sicher niedergehalten werden können. Neben dem ideenreichen und systemvollen Angriffsspiel der Mannheimer war für ihren Erfolg die größere Durchschlagskraft und oas bessere Schußvermögen der Fünferreihe ausschlaggebend. Besonders in der ersten Halbzeit dominierten d ic Gäste und konnten bereits in der neunten Minute durch den Linksaußen Specht in Führung gehen. Sechs Minuten später erhöhte der Mittelstürmer Langbein auf 2:0 und in der 24. Minute fiel nach schönem Durchspiel im Innensturm der dritte Treffer durch den Halbrechten Banhauer. Erst kurz vor der Pause konnte Nürnberg ourch Hochgesang ein Tor ausholeft. Handballmeisterschaft der Polizei. Polizei Heidelberg schlägt Hannover 6 :4. Der Polizeisportverein Heidelberg empfing gestern auf seinem Platz hinter den neuen Kasernen den norddeutschen Meister derDSB., Polizeisportverein Hannover im Zwischenrundspiel um die deutsche Handballmeisterschaft der Polizei. Beide Mannschaften spielten mit großer Aufopferung und hielten trotz der sengenden Sonnenglut infolge ihrer vorzüglichen körperlichen Verfassung das schnelle Tempo gut durch. Durch rationellere Spiel- .— -B——= » einteilung sicherte sich die Heidelberger^ Elf, deren Torwart Hh- kert wiederum eine sehr zuverlässige i^ütze war, einen hart erkämpften 6 :4-Sieg, nachdem das Treffen bei Halbezit noch unentschieden 3 :3 gestanden hatte. Die Siegerelf verlegte sich vornehmlich auf konzentrische Angriffe des Innentrios, das von dem Mfttelläufer Sartör gut bedient wurde. Bei den Gästen war besonders die linke Sturmseit« gefährlich. Nunmehr können noch drei Vereine deutscher Polizeimeister werden, nämlich: Berlin, Heidelberg und eine sächsische Mannschaft. Seinen nächsten Kampf bestreitet der.Polizeisportverein Heidelberg in Köln, wo er anläßlich des Deutschen Turnfestes seinen Titel als deutscher Meister der D. T. verteidigen muß. Radio-Program« für Dienstag, den 17. Juli 1928. Berlin <483), Königswusterhausen <1250). 20.30 Uhr: Bor der Leinwand. Breslau <322), 19.20 Uhr: Aus der Jugendzeit, Scherz und Ernst. Ue. a. d. Restaurant „Südpark" 20.30 Uhr: Militärkonzert. Frankfurt <428), 12.30 Uhr: Kassel: Mittagskonzert. 16.30 Uhr: Konzert d. Rundfunkorchesters. 20.15 Uhr: Franz Schubertkonzert. Hamburg <394), 20.00 Uhr: „Ingeborg", Komödie v. Kurt Götz. Darauf: Ue. d. Konzerts a. d. Cafe Wallhvf. Küln-Laagenbrrg <469), 20.15 Uhr: „Wozzeck". Von Georg Büchner. Anschl. Abendkonzert. Königsberg <303), 20.00 Uhr: Alfred Hein. 22.20 Uhr: Leichte Unterhaltungsmusik. Leipzig <365), 20.15 Uhr: Dresden: Konzert. 22.15 Uhr: Ein« Stunde E. T. A. Hoffmann. Münch« <535), 20.40 Uhr: Kammermusik. 22.25 Uhr: Schallplattenkonzert. Stuttgart <379), 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. Ue. a. d. großen Fesssaal d. Liederhalle: 20.00 Uhr: Konzert des Berliner Mozartchors IIIIIIIIIIIIIIIII>IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINIIIIIII!IIIIIIIIIIIII>IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlIIlIIIIIIII!IIiIIIlI!IIIIIIIIIIIIIIIII>IIIIIIIIlIIIIIIIIIIIIIIIIIIII»IIIIIIIIIIIIIlII»»III>IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIII>IIIII»l!IIIIIWIIII>I» zu ganz enorm niederen Ausnahmepreisen, von Samstag, den 14. Juli bis Dienstag, den 31. 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Reinseide 49- Hlddren-Miiitel Cevertcoat und teils reinwollene Stoff« 65— 35 lang 350 Bumml, Kasha, Cevertcoat 65—95 lang 550 Kasha, reinwollener Rips und Serge 60—75 lang 750 Reinwollener Rips und Serge 90-05 lang 950 Serge, Rips und Kasha 90—95 lang 1450 Fesche Herrenstoffe und Serge 75—90 lang 19- Kostüme Englisch gemusterte Stoffe auf Sarge gefüttert 750 Ia. Donegals und reinwollene Cheviots toffe 1250 Rips, Burburry und Gabardine z. T. auf Seidenfutter 19- Ia. reinwollene Kostüme und Komplett auf Seide 29- Erstklassige Stücke In modernen Formen 42- Ia. Qualttüten Frauenwelten ganz ruf Seide 60 - Kickt und Blusen Hemdblusen, Zefier J, e Crepe, Satin, Volle 140 Rücke schwarz'we'fl karr. * Blusen, MuBlin und Volle, Rücke aus Zwirn und Cheviot 290 Blusen, Popeline Waschseide, Veile Oabardlnerückc 475 Blusen aus Waschseide, Veile, PepoMae, Woilmuülln 975 Ia. 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