Crft&etet taglid) wM Ausnahme der Feierlag«. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch p«u Briefträger und unsere Aus- träger frei ins Laus Monatlich Goldmark 1.60 V« Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Sn Fällen von höherer Gewalt »«steht kein Anspruch auf Liefer- Mg der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Der Lanöbote ÄnsKeimer MM Zeitung ?KZ -LAS ä** General-Anzeiger für §ÄiwarzbacKtal Uerusprech-Anschlutz Nr. <62 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6808 Kettelt» und verbreitetst» Leitung dieser Gegend. yaupl-Hnzeigen-ölLN OMMtlldi« Beilagen: Deo« JllaTtriert» • Ho* dem Reich der fflode • Ratgeber für Qao*- and Eandwirttcbaft Anzeigen-Pretfe: . rigen: Die 33 mm drei», Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffest« Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdalrmi oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aus- gegeben werden. Bank-Konto: Vereinsband Sinshet» e. G. m. b. L. M 177. Dienstag, den 31. 3ult 1928. 89. Jahrgang Wichtige Erklärungen Ehamberlains. Au-enpolttlfche Debatte im Unterhaus. London, 31. Juli. jFunkspru.) Bei der Beratung des Haushalts des Außenministeriums im Unterhaus ivurden an Chamberlain verschiedene Anfragen gerichtet. Hinsichtlich des Kollegg-Paktes fragte Major Grawford die Regierung, ob sie den Pakt ohne Rußlands Teilnahme für wirksam halte und wie Englands Vorbehalt, die Einmischung in ge- wiflen Gegenden der Welt dürfte nicht beeinträchtigt werden, zu verstehen sei. Der Redner wünschte anch eine baldige Abkürzung der Zeit der Rheinlandvesetzung. In der Beantwortung der verschiedenen Anfragen erklärte Chamberlain zur Chinafrage, daß eine weitere Herab- setzung der englischen Chinatruppen in nicht langer Zeit wahrscheinlich sei. Da die Ruhe in China noch nicht vollkommen sei, sei Vorsicht noch am Platze. Die Mandschurei halte England nach wie vor für einen Bestandteil der so wünschenswerten chinesischen Einheit. Japans hervorragende Interessen in der Mandschurei müßten jedoch auch anerkannt werden. Zur ägyptischen Frage übergehend betonte Chamberlain, daß England zu seiner Erklärung vom Jahre 1922 stehe und daß britische Truppen in Aegypten nur für Aufrechterhaltung der Ordnung da seien. Neue Verhandlungen mit Aegypten über einen Vertragsabschluß seien jetzt nicht nrgängig. Die Abrüstungsfrage — führte Chamberlain weiter aus — müsse vom Kellogg-Pakt getrennt behandelt werden. Mit der französischen Regierung sei er nunmehr zu einem Ab- . cüstungskompromiß gekommen, das für alle Mächte annehmbar sei. Dieser Kompromißvorschlag werde jetzt den »»deren Mächten zugeleitet werden. Er könne über den Vorschlag solange nichts sagen, bis er bei den Mächten ein- »egangen sei. Auch die.Mißstimmigkeiten in der Flotten- ibrüstungssrage seien aber in diesem Vorschlag enthalten. Der Kellog-Pakt — betonte Chamberlain — sei mit der Bölkerbnndssatznng und dem Locarnovertrag wohl vereinbar. England sei nicht gezwungen — das müffe immer wieder estgestellt werden — auf Grund seiner Locarnogarantien zu landein, wenn nicht einer der Vertragsstaaten von Locarno bereits eine Angrifsshanülung unternommen habe. Eine Verletzung des Locarnovertrages bedeute ja auch eine Verletzung des Völkerbunds- und des Kelloggvertrages. Offensichtlich sei es, daß Amerika seine Monroe-Doktrin richt aufgeben wolle. So gäbe es auch für England Gegenden, über die es eine Monroedoktrin besitze. Die britische Doktrin sei aber keine agresstve. Der Kellogg-Pakt selbst — :tn Zeichen der Zeit könne viel für den Weltfrieden bedeuten. Wenn vor allem die amerikanische öffentliche Me!- aung hinter den Vertrag trete, so werde die Friedenssicher- heit bedeutsam vermehrt werden._ Zum Besuch in Paris. Berlin, 30. Juli. Der französische Botschafter hat heut« nachmittag dem Auswärtigen Amt einen Besuch abgestattet und bei dieser Gelegenheit mündlich die offiziell« Einladung der frast- zösischrn Regierung an den Außenminister Dr. Stresemann aus- gerietet, zur Unterzeichnung des Antikriegspaktes am 27. August nach Paris zu kommen. Diese offizielle Einladung wird nunmehr Dr. Stresemann nach seinem Kuraufenthalt nach Karlsbad mitgeteilt werden. Da di« inoffizielle Zusage Dr. Stresemanns. die Pariser -Reise zu unternehmen, beretts gegeben war und da die glatte Erledigung der Auslieferungsfrage die Gründe, die für Dr. Stresemanns Reise sprechen, eher noch verstärkt haben, ist die offizielle Einladung und die nun zu erwartende deutsche offi. zielle Antwort lediglich noch eine Formalität. Die Antwort wird voraussichtlich im Laufe dieser Woche gegeben werden. Prag, 30. Fuli. Dr. Stresemann stattete heute in Karlsbad dem Präsidenten Masaryk um 12 Uhr mittags einen längeren Besuch ad. painleve spricht zu den Turnern Paris, 31. Juli. Kriegsminister Painlevs begab sich nach Taen, um an einem Turnfest und an einer Kundgebung der Vereine für die militärische Vorbereitung teilzunehmen. Bei der Uebergabe des Bundesbanners hielt er eine Rede, in der er an die Vaterlandsliebe der normannischen Regimenter erinnerte und erklärte, wenn er diese Erinnerungen wachrufe, wolle er damit keine kriegerischen Worte sprechen. Niemand brauche sich darüber zu wundern, daß die Kundgebung unter Leitung des Kriegsministers stehe. Das französische Heer sei eine im Dienste des Friedens geschaffene Macht, die erste Verwirklichung der bewaffneten Nation. Es sei ein Reservistenheer, das sich nur für eine heilige Zache in Bewegung setzen werde. Bei einem Festbankett sprach Painlevö über die Einjährigendienstzeit. Wenn Frankreich die besten Kräfte in den Dienst des Landes stelle, - werde es am besten dem Frieden dienen. Sie wollen nicht mehr einrülken Dte Pariser Reservisten gegen die Rescrvistenübunge«. Paris, 30. Juli.' Am Sonntag fand hier eine Vertreter, »agung der Reservisten des Pariser Bezirks statt, auf der ««stimmig der Meinung Ausdruck gegeben wurde,' daß die ateservistenübungen ein Akt der Kriegsvorbereitung seien und die ^2i Tage" abgeschafft werden sollten. Die Versammlung sowohl wie die Zugänge zum Versammlungssaal wur- l'vlizeilich überwacht und die Versammlungsteilnehmer mutzte» ihre Personalausweise vorzeigen. Ruffen-Verhaiinngen in Stockholm Stockholm, 31. Juli. jFunkspruch.j In Stockholm ist der Chef des russischen Telegraphen-Büros, Dr. Alexanbrow, verhaftet worden. Als Grund seiner Verhaftung nimmt man Spionage an. Titulescv zurückgeireien Berlin, 31. Juli. Wie die Berliner Blätter aus Bukarest melden, ist Außenminister Titulescu zurückgetreten. Er wirb nach einer längeren Urlaubsreise sein Amt als rumänische^ Gesandter in London wieder übernehmen. Kronjuwelen gegen landwirtschaftliche Maschinen Teheran, 31. Juli. Der Schah von Persien hat den Verkauf der Kroqjuwelen angeordnet, um für den Erlös landwirtschaftliche Maschinen in Amerika zu kaufen. Die Lage in Mexiko Präsident Calles lehnt die Weitersührnng der Präsidentschaft ab. London, 31. Juli. jFunkspruch.j Nach Meldungen aus Mexiko Stadt hat Präsident Calles erklärt, daß er nach Ablauf seiner Amtszeit die Präsidentschaft nicht weitersühren wolle. Diese Erklärung hat zu einer wesentlichen Verschärfung der Lage in Mexiko geführt. Südslawien und der Anschluß. Ein« bemerkenswert« Stimme. Agram, 30. Zuli. Der Agramer „Iugoslowenski Lloyd", das Organ der südslawischen Wirtschaftskreise, widmet der Anschlußfrage einen Leitartikel, in dem es heißt: „Wir Südslawen haben unsere Vereinigung auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Pölker verlangt und wären daher ungerecht, wenn wir dies dem Volke des rein deutschen Oestreich nicht gestatten würden. Daher ist auch-der amtliche Standpunkt unseres Auhemniaisteri- ums, der gegen dr» Anschluß gerichtet ist, nicht der Standpunkt unseres Volkes und seiner Vertreter, die mit mehr Freiheit und mit weiterem Blick die realeyj Interessen unseres Staates betrachten. Von jedem unserer Leute können die Deutschen in Oestreich und in Deutschland hören, daß wir für den Anschluß sind und, wenn gewisse Personen aus gewissen Rücksichten dagegen sprechen, so ist daran nur der Umstand schuld, daß sie nicht frei und aufrichtig sprechen dürfen. Besonders unsere Wirtschafts- Kreise empfinden es schwer, daß sie durch so viele Grenzen von der großen deutschen Industrie getrennt werden und daß unsere Agrarprodukte so viele Grenzen überschreiten müssen, weshalb so viele Vermittler angesprochen werden müssen, die ganz unnötig sind. Der Anschluß ist nicht bloß ein Bedürfnis für Oestreich und Deutschland, er ist auch ein Bedürfnis für Südslawien «ad den ganzen Balkan, die ihr« wirtschastspolitische Orientierung früher oder später dorthin richten müssen, wo ihnen dies dir nationalen und wirtschaftlichen Interessen vorschreibea. Mit dem Anschlüsse bekämen wir eine unmittelbare Grenze mit dem einheitlichen und mächtigen Deutschland und unsere nationalen und wirtschaftlichen Interessen fordern, daß wir diese Grenze so bald als möglich bekommen." Südafrika und fein König London, 30. Juli. In einer Rede, die in England sehr übel genommen wird, erklärte der südafrikanische Premierminister Hertzog, daß Südafrika zwar die englische Krone, aber nicht den jeweUigen englischen König anzuerkennen brauche. Sei Südafrika mit dem jeweilig regierenden englischen König nicht einverstanden, so werde es auf der Ernennung eines Südafrikaners zum Genrralgouverneur bestehen müssen. Jetzt sei dafür aber die Zeit noch nicht bekommen. Die Lage in China. Nankings Kampf gegen das ausländische Kapital. Paris, 30. Juli. Der Agentur Indo Pazifique wird aus Peking gemeldet, daß die nationalistische Regierung in einem Erlaß den ausländischen Kapitalisten verbietet, di« Petroleumge- biete auszubeuten und hierzu bestimmt« Nuternehmuagen zu leiten. In Zukunft sollen ausländische Fachleute nur als Angestellte beschäftigt werden können. Innenpolitische Kämpfe in Mukde«. Paris, 30. Juli. Die Agentur Indo Pazifique berichtet aus Chardin: In Mukden besteht ein scharfer Kampf zwischen den verschiedenen Parteien. Während die linksstehenden Elements sich für eine Verständigung mit der nationalistischen Regierung einsetzen, tritt die konservative Richtung für die politische Unabhängigkeit der Manoschurei ein. Aus guter Quelle wird behauptet. daß die Konservativen von den Japanern unterstützt werden und daß unter ihrem Druck sich die Verhandlungen zwischen den Regierungen von Nanking und Mukden in die Länge ziehen. Aus japanischen Druck sei es auch zurückzuführen, daß Tfchangtsuliang beschlossen habe, für die Mandschurei nicht die nationalistische Fahne anzunehmen. Die Agentur Indo Pazifique meldet aus Schanghai, daß Marschall Tschankaischek provisorisch de» status quo in der Mandschurei vorbehaltlich der Möglichkeit der späteren Erörterung eines Abkommens an«-- bannt habe. Die amerikanische Regierung hat der Nanking- Regierung mitgeteilt, daß sie bereit ist, unverzüglich in Verhandlungen über die Verträge einzutreten. Sie erkennt die volle Zollautonomie Chinas an, hält es aber auch weiter für notwendig, die Meistbegünstigungsklausel beizubehalten. Die Japaner haben, da Marschall Fengjuhsiang angekündigt hat, daß der gegen die Truppen Tschangtschuntschangs vorgehest will, die Zurückziehung ihrer Truppen eingestellt. Penshischan verläßt die Pekinger Zone und setzt seine Truppen nach der Provinz Echansi in Marsch. Sayern vermindert seine Mnisterien Ministerpräsident Held wiedergewählt. Berlin, 31. Juli. Der bayerische Landtag nahm Montag mit 69 gegen 62 Stimmen bei einer Stimmenthaltung den Vcrordnungsentwurf über die Verminderung der bayerischen Ministerien an. Darauf erfolgte die Wiederwahl des Ministerpräsidenten Dr. Held mit 72 Stimmen. Drei Stimmen waren auf den Kommunisten Büchs, eine Stimme auf den Nationalsozialisten Dr. Buttmann entfallen. 46 Stimmzettel waren unbeschrieben. Tie Sitzung wurde dann aus Dienstag nachmittag 4 Uhr vertagt, da die Verhandlungen der Koalition über die Regierungserklärung noch nicht abgeschlossen sind. Der Abg. Funke, der Führer der Arbeiter- Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei hat inzwischen im Aufträge seiner Freunde ein längeres Schreiben an den Ministerpräsidenten gerichtet, worin die Bedenken wegen der Aufhbung des Sozialministeriums geltend gemacht werden und betont wird, daß die weitesten Volkskreise große Erregung über den geplanten Abbau des Sozialministeriums erfaßt habe. Kranze am Vismarckdenkmal vor dem Reichstag Berlin, 31. Juli. Am Denkmal des Altreichskanzlers vor dem Reichstagsgebüude wurden ans Anlaß des 30. Todestages Bismarcks am Montag vormittag auch vom Deutschen Offiziersbund, dem Deutschen Ostmarkenverein und dem Berliner Bismarck-Verband Kränze ntedergelegt. Der deutsch-litauische Handelsvertrag - vor dem Abschluß Berlin, 31. Juli. Montag wird der soeben aus Kowno zurückgekehrte litauische Gesandte Sidzikauskas das Auswärtige Amt aufsuchen, um Verhandlungen über den Abschluß des deutsch-litauischen Handelsvertrages zu führen. Da die Verhandlungen besonders durch die letzte Kownoer Reise des deutschen Gesandtschaftsrates von Schack sehr weit fortgeschritten sind, stehen dem Abschluß keine nennenswer- ten Schwierigkeiten mehr entgegen. Daher ist die Unterzeichnung des Vertrages in diesen Tagen zu erwarten. Reichstarisverlrag für das Vankgewerbe allgemein verbindlich Berlin, 31. Juli. Die am 19. April d. I. zwischen dem Deutschen Bankbeamten-Berein, dem Reichsverband der Bank-Kaffenboten und dem Reichsverband der Bankleitungen abgeschlossene Vereinbarung, durch die der Reichstarifvertrag bis zum 31. März 1930 verlängert wurde jGehaltsregelung bis 31. März 1929) ist vom Reichsarbeitsminister durch Verfügung vom 28. Juli 1928 für allgemein verbindlich erklärt worden. polizeikommiffar Bauer ausgewlesen Landu«, 31. Juli. Dem Zweibrücker Polizeioberkommisiar 3n wenigen ®wfen Bei einer Benzinexploston in einer chemische» Fabrik ist Lodz sind zahlreiche Personen ums Leben gekommen. * Bei einem Zugzusammenstoß auf der Newyorker Hochbahn sind drei Personen getötet und über 40 verletzt worden. * Auf der Strecke Grunewalö-Nordring entgleisten Montag früh die Lokomotive und drei Wagen eines Ringbahnzuges. Personen kamen nicht zu Schaden. * Nach Wiener Blättermelöungen find in Wien 70 Personen an Typhus erkrankt. Davon sollen neun gestorben sein. * Nobile und seine Begleiter sind am Montag mittag auf der Durchreise nach Italien in Halle eingetroffen. * Der in dem Zweibrückener Flaggenzwischenfall verwickelte Polizeikommiffar Bauer ist von der französischen Besatzungs- behöröe ausgewiesen worden. Er hat sofort Einspruch erhoben. * Die Unterzeichnung des deutsch-litauischen Handelsvertrages ist in den nächsten Tagen zu erwartem * Zwischen Japan und China find Verhandlungen wegen der Kündigung des japanisch-chinesischen Vertrages durch dte Nanking-Regierung eingelettet worden, die nach chinesischer Ansicht möglicherweise zu einer Verständigung führen werden. * Der Arbeitszeitschtedsspruch ist von den sächsischen Textilarbeitern abgelehnt worden. Die Entscheidung liegt jetzt beim Reichsarbeitsminister. * Präsident Calles hat dte Weiterführung der Präsidentschaft nach Ablauf seiner Amtszett abgelehnt. * Der rumänische Außenminister Titulescu ist zurückgetreten. * Der Streit im Saarbergbau ist beigelegt worden, nachdem sich die Grubenverwaltung zur Zahlung einer Sonder- beihilfe für die Bergarbeiter bereit erklärt hat. Der Laadbote ♦ Emsheimer Zeitusg. Dienstag, den 31. Juli 1928. Nr. 177. Jahrgang 1928. Bauer ist im französischen Militärgefängnis in Landau der I Ausweisungsbefehl aus dem besetzten Gebiete zugestellt worden. Er hat dagegen Einspruch erhoben. Von einer Freilassung des Bauer ist noch nichts bekannt. Rückbeförderung der Turner aus Köln Köln, 31. Juli. Tie Rückbeförderung der Turner aus Köln hat bereits am Sonntagabend eingesetzt. Bis jetzt wurden 27 Sonderzüge nach den verschiedensten Gegenden Deutschlands abgelassen. Die meisten Turner fahren den Rhein entlang, da sie mit der Rückfhart noch eine Rheinfahrt zu verbinden suchen. Der Reiseverkehr am Sonntag wurde von der Reichsbahn glatt und ohne jeden Zwischenfall bewältigt. Aebernahme der paffagiere des „Monte Cervantes" durch einen Sapagdampser Hamburg, 31. Juli. Nach den bei der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft von dem Kapitän des „Monte Cervantes" eingetroffenen Mitteilungen haben die Ausbesserungsarbeiten infolge Behinderung durch Eisgang nicht den Fortschritt genommen, der ursprünglich erwartet worden war. Die Reederei hatte vorsichtshalber mit der Hamburg-Amerika-Linie vereinbart, deren zurzeit im Hamburger Hafen befindlichen Dampfer „General Bel- granv" für eine etwa erforderlich werdende Uebernahme der Paffagiere vom Motorschiff „Monte Cervantes" bereitzuhalten. Der Dampfer „General Belgrano" ist nunmehr am Montag von Hamburg nach Spitzbergen in See gegangen. Sollten die Ausbesserungsarbeiten am „Monte Cervantes" vor Eintreffen des „General Belgrano" beendet sein, so werden die Passagiere voraussichtlich auf dem „Monte Cervantes" bleiben und mit diesem Schiff nach Hamburg zurückkehren. Die Lage, in welcher sich die „Monte Cervantes" gegenwärtig befindet, birgt für die Passagiere keine Gefahr in sich, so daß keinerlei Anlaß zur Beunruhigung vorhanden ist. Aobiles Glück und Ende Berlin, 31. Juli. (Funkspruch.) In einer Unterredung mit einem Preffevertreter erklärte, wie das „8-Uhr-Abend- blatt" mitteilt, General Nobile, daß die meisten bisherigen Schilderungen über seine Expedition, soweit sie von anderer Seite ausgingen, niemals den Tatsachen entsprochen haben. Am meisten empört habe ihn, daß man sogar sich zu der Vermutung verstiegen habe, Zappt und Mariano hätten von der Leiche Malmgreens gegeffen. Im übrigen legte er Wert »uf die Feststellung, daß der Kapitän der Citta di Milano von sich aus Darstellungen in die Welt habe hinausgehen lassen, in denen er, Nobile, keinerlei Kenntnis besaß. Auf die Frage, warum er sich als erster aus dem Roten Zelt habe retten lassen, erklärte der General, dies sei auf besonderen Wunsch seiner Gruppe und aus zwingenden Gründen »eschehen. Er sei i« der Lage, dies unter Beweis zu stelle«. Niemand könne sich ein Urteil über das Scheitern der Expedition machen, wer sie nicht selbst in ihren allen Phasen mit- zemacht habe. „Heute bin ich soweit, mich um die unseligen Berichte, die sich mit mir befaffen, nicht mehr zu kümmern. Ich kann nichts an ihnen ändern. Es wirb die Zeit kommen, vo ich sprechen und alles sagen werde." Darüber hinaus dezeichnete es Nobile als ein erfreuliches Aktivum, daß alles wiffenschaftliche Material von Wert geborgen sei. Er erklärte, es sei falsch, von einem Schwetgebefehl des Duce zu sprechen. Mussolini habe lediglich den Wunsch geäußert, er pnd seine Leute möchten sich nach Möglichkeit jeder über» flüssigen Mitteilsamkeit enthalten. Der Rordpolgeneral aus deutschem Voden - Waruemüude, 31. Juli. General Nobile und seine Begleiter sind Montag früh, von Kopenhagen kommend, hier eingetrofsen. ^ «Pass r Entgegen den letzten - Meldungen wird Nobile Berlin nicht berühren, vielmehr wird er den kürzesten Weg »ach Italien einschlagen und zwar über Rostock, Ludwigslust, Magdeburg, Halle und Sühdeutschland. Nobile traf 8.54 Uhr in Schwerin ein. Auf dem Bahnhof hatten sich der Pressechef der Reichsbahndirektton Schwerin und eine Reihe von Pressevertretern eingefunden. Der italienische Salonwagen Nobiles war hinten an den Zug angehängt. Die Fenster waren verhängt, so daß Nobile selbst nicht zu sehen war. Das Bähnhofgelände und der Bahnsteig wurden von einigen Sipobeamtcn und einigen Beamten der blauen Vnlirei bemackt Magdeburg passiert. Magdeburg, 31. Juli. General Nobile und seine Begleiter trafen Montagvormittag 12.35 Uhr mit dem fahrplan» mäßigen Zuge aus Ludwigslust, über Stendal kommend, auf dem hiesigen Hauptbahrxhof ein, auf dem sich eine Reihe von Preffevertretern eingefunden hatten. Einige Detektive und Sipobeamte waren zur Ueberwachung anwesend. Nobile, der sich für kurze Zeit am Abteilfenster zeigte, macht einen müden und vergrämten Eindruck. Zu irgendwelchen Kundgebungen ist es nicht gekommen. Kurz vor 12 Uhr verließ der Zug Magdeburg in Richtung Halle. Nobile passiert Halle. Halle, 31. Juli. General Nobile und seine Begleiter trafen am Montagmittag auf dem hiesigen Hauptbahnhof ein. Ihr Sonderwagen wurde hier an den fahrplanmäßigen D- Zug nach München angehängt. „Laybach....? Ausgeschloffen!" Von Rolf Fritzsche. Der Ehrenausschuß des ^Landesverbandes Potsdam II der Deutschnationalen Volkspartei hat — rvie wir bereits kurz meldeten — am Dienstag, den 24. Juli, durch einstimmigen Beschluß den Reichs- tagsabgeorüneten Walter Lambach, Vorsitzenden des Deutschnationalen Hanölungsgehilfenver- bandes, aus der Partei ausgeschloffen. Wie wir hören, hat der Abgeordnete Lambach zur Klärung der Angelegenheit Berufung gegen diesen Ausschluß beim Partetgericht eingelegt. Die Schriftleitung. Der Ausschluß des Reichstagsabgeordneten Walter Lambach -aus der Deutschnattonalen Volkspartei ist nicht nur eine Sache, die diese Partei und ihre Anhänger allein angeht,' dieser Ausschluß ist auch nicht bloß von Belang für die gesamten deutschen Rechtsparteien, er ist von größter Wichtigkeit und Tragweite für das gesamte deutsche Bürgertum. Darum möchte auch ich mich und an dieser Stelle mildem Lambach-Zwischenfall und seinem vorläufigen Ausgang eingehender beschäftigen. Wie den meisten Lesern bekannt sein wird, hat der Reichstagsabgeordnete Lambach vor einiger Zeit in der „Politischen Wochenschrift" einen auffehenerre- genden Aufsatz über die innere Einstellung der Anhänger und Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei zur neuen und alten Staatsform veröffentlicht. Eigentlich sollte man glauben, daß dieser in höchstem Maße sachlich und taktvoll gehaltene Artikel heute durchaus nicht mehr dazu angetan sein könnte, im deutschnationalen Parteilager derartig viel Staub aufzuwirbeln. Man sollte meinen, daß auch den Gewählten der deutschnationalen Partei nicht entgangen fein kann, daß ein hoher Prozentsatz der Wähler nicht aus monarchistischer, sondern — sagen wir — lediglich nationalistischer Gesinnung seine Stimme für die Deutschnationale Volkspartei abgibt. Eine Abstimmung innerhalb der deutschnationalen Wählerschaft über die Frage Monarchie oder Republik würde zweifellos für alle, die diese innere Entwicklung nicht verfolgt haben, zu den größten Ueberraschun- gen führen. Nach dieser Abstimmung würde die Deutschnationale Volkspartei, so wie sie in den letzten Wahlkampf ging, eine republikanische Partei sein. Der monarchistische Flügel im deutschnattonalen Lager ist fortgesetzt und ganz besonders seit der Amtstätigkeit Htndenburgs als Deutschen Reichspräsident kleiner geworden. Die Erkenntnis, daß eS wichtiger ist, durch eine nationale staatsbewußte Regierung und Politik im In- und Auslande vertreten zu sein, als um Monarchie und Republik zu streiten, hat heute die breitesten Schichten auch der Deutschnationalen ergriffen. Ich habe wiederholt aus dem Munde unverwässerter Deutschnationa- ler gehört, daß dies ja alles nicht so wichtig sei; Frankreich sei ebenfalls eine Republik, und wer wollte daran zweifeln, daß es eine nationale sei?! Von all dem haben aber, wie eS scheint, die politischen Schildbürger in Potsdam nichts ge- hört; sie verharren in der Starrheit ihrer Parteidoktrin und schließen einen ihrer fähigsten Abgeordneten aus, nur well er fortschrittlich ist und den Kontakt mit der Gegenwart und den Wählern zu halten weiß. Wahrhaftig, man wundert sich beim Lesen der Potsdamer „einstimmigen Entscheidung" nur noch, daß die Herren des Ehrenausschusses nicht noch telegraphisch die Allerhöchste Entschließung aus Doorn eingeholt haben. Walter Lambach ist der Vorsitzende des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes und Mitglied des Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Es besteht kein Zweifel. CMAflvo, a SCH V. E1DER -FOERSTL „Vorbei! Alles vorbei!" Lona sank ausschlucyzenv vor dem Ruhebett ihres Zimmers in die Knie und preßte das Gesicht in das weiche Fell. „Er lebte, aber er war tot für sie durch ihre eigene Schuld. Wir bereuen immer erst, wenn es zu spät ist. Wie schrecklich wahr hatte Karsten gesprochen!" Und das Leben lief seinen Gang weiter. Der Winter am! Weihnachten war in der Villa noch nie so ruhig >efeiert worden, wie in diesem Jahre. Behrens hatte eine nächtige Weißtanne geschmückt, aber ihre Lichter entzünde- en in Lonas Augen keinen Widerschein. Der Kommerziell- «t hatte seinem Kinde in Ueberfülle bescheert. Lona hatte »eide Arme um seinen Hals geschlungen und sah ihn mit »roßen, müden Augen an. „Ich danke dir, Vater! Ich bin iS gar nicht wert!" Mit leisem Weinen preßte sie ihr vesicht gegen seine Schulter. „Kind, hast du schon wieder vergesien, daß er lebt?" nahnte Petersen. „Nein, nein! Ich will mich zufrieden geben, wenn es ,ur nicht so entsetzlich schwer wäre!" Am zweiten Weihnachtsfeiertag kam Karsten und blieb sum Abendtisch. . „ , ., , .Wenn ich wieder einmal geboren werde," lachte er gut- lelount, „dann werde ich alles - nur lern Arzt mehr! Am Christabend wurde ich um sechs Uhr nach dem Maxhof gerufen. Mit Auto ging's nicht, der Schnee war zu hoch. Pferd habe ich keines mehr. Die Schindermahre, die mir Hans abgeworfen hat, habe ich glücklich losgeschlagen. Also mußte ich zu Fuß gehen. Zu allem Gluck war s dort nicht schlimm. Der Gutsinsvektor fürchtete bei feiner sechsjährigen Kleinen einen Scharlach, aber es war nur kl" Nestel ausschlag. Als ich heimkam, zankte die Lene, daß alles verfotten und verbraten war. Um zwei Uhr nachts mutzt» ich aus den Federn. So ein kleiner Erdenbürger Mte es stck in den Kovk gesetzt, aerade am Christtag zur Welt zu kommen und meinte, es fei so einfach, gleich mit vewen Füßen ins Leben zu springen. Als ich ihn dann eines Besseren belehrte, dauerte es ziemlich lange, bis er mit einem Schrei seiner Entrüstung Ausdruck gab, daß auf dieser kugeligen Erde scheinbar alles nach einer Schablone gehen muß. Ich war ehrlich müde, als ich gegen sieben Uhr heimkam und habe die ganze Kirche verschlafen. Das getraue ich mir dem Herrn Pfarrer gar nicht zu sagen," lachte er Petersen goß ihm frischen Wein in den feingeschliffenen Kelch und Lona bot ihm von dem Packwerk, das auf der Matt-Silberschale aufgeschlichtet war. Sie hegte ein Gefühl rührender Dankbarkeit für ihn, schickte ihm die schönsten Knospen des Treibhauses und wußte ihm immer etwas Liebes zu tun, wenn er kam. Karsten wußte, wie es um Lona Petersen stand und wie sehnsüchtig ihr Herz dem Verlornen nachpochte. Aber nie machte er eine Andeutung hierüber. Als er den letzten Abend vor Helbings Abreise mit diesem zusammensaß, sagte er so nebenbei: „Lona Petersen weint sich die Augen blind um dich, Hans!" Da war Helbing aufgestanden und hatte das Zimmer verlaßen und war erst nach einer halben Stunde wiedergekommen. Aber das Thema hatten sie nicht wieder berührt. „Haben Sie keine Nachricht von Herrn Helbing?" fragte der Kommerzienrat. _ .. „Doch!" sagte Karsten. „Er ist m St. Moritz und es geht ihm gut. Nach Neujahr will er bei Herder & Billmann ein- treten." Er sah, wie Lonas Augen an seinen Lippen hingen, nahm Helbings letzten Brief aus der Brusttasche, entfaltete ihn und reichte ihn ihr. „Lesen Sie, Fräulein Petersen, das ist Hans, wie in einem Spiegel!" Lona suchte vergeblich das Zittern ihrer Hände zu meistern. Das gelbe, grobe Leinenpapier mit den steilen, festgefügten Buchstaben, kam ihr vor wie eine Reliquie. Während der Doktor sich mit ihrem Vater über den Ankauf eines neuen Reitpferdes unterhielt, las sie mit brennenden Auaen: „Mein treuer Alter! Du frägst, wie es mir geht und ich muß sagen, „gut", sonst kommst Du mit dem nächsten Postzug angerückt und siehst nach, was mir fehlt. — Aber es ist gräßlich hier! Dieses Nichtstun macht mich verrückt. Ich begreife die Menschen nicht, die sich hier wohl fühlen. Sie fahren Ski und Bobsleiall. sie rodeln, sie flirten und sind i« daß fein Ausschluß aus der Partei die nachhaltigsten Folgen nach sich ziehen muß. Die deutschnationalen Arbeiter und Angestellten stehen nach wie vor fest zu diesem ihrem Führer und auch zahlreiche andere Abgeordnete in Fraktion und Partei werden den Konnex zu diesem Parlamentarier auch jetzt nach seiner Entfernung aus der Partei nicht aufgeben. Die Deutschnationale Volkspartei hat durch die Potsdamer f laßnahme einen Schlag erlitten, von dem sie sich in keinem alle wieder ganz erholen wird. Selbst dann, wenn das inzwischen angerufene Parteigericht, dem der erfahrene Wall- raf nicht mehr präsidiert, zu Gunsten des Abgeordneten Lambach und seiner Anhänger entscheidet, wird die leichtsinnig und durch die Torheit weltfremder „Politiker" geschaffen: Kluft nicht mehr zusammengefügt werden können. Man wir» sie bestenfalls nur überbrücken können, aber die Kluft wivt bleiben. Eine Brücke aber wird der nächste Sturm hinwe»- !bsen. „Und auch dieser ist schon im Entstehen. Der Lau», bundfuhrer Hepp hatte bereits am 20. Mai eine eigene Liste aufgestellt und auf dieser einen immerhin recht guten Erfolg erzielt. Die restlose Loslösung dieser Gruppe vom deutschnationalen Block ist mit einer leichten Geste hergestellt. Der kleinste Anlaß kann dazu führen. So stehen wir vor dem unmittelbaren Zusammenbruch der stärksten bürgerlichen Partei. Wohin werden die Teil« der Partei abschwimmen, die man am besten unter der Bezeichnung Lambachisten zusammenfaßt? Wird der deutschnationale Angestelltenführer eine eigene Partei, eine „Nationale Republikanische Partei" gründen? Wie verlautet, sollen solche Erörterungen bereits im Gange sein. Soweit sich heute prognosifizieren läßt, würde eine solche Partei sehr eng mit der heutigen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Berührung kommen und im Laufe der Zeit wahrscheinlich mit dieser Zusammengehen. Der faschistische Arbeitnehmerblock nach dem Muster in Italien würde marschieren. Was bedeutet diese Entwicklung für das übrige, insbesondere das liberal eingestellte Bürgertum? Und welche Folgen müßte ein eventuelles Ablaufen in das rote Lager für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland haben. Es muß abgewartet werden, ob Lambach auch der Mann ist, der seine Anhänger fest zusammenhalten kann. Von seiner Persönlichkeit hängt alles ab. Welchen Weg wird er gehen?- Rückblick auf den kaufmäunischen Stellenmarkt im ersten Halbjahr 1928. 77 Proz. Gehilfeustellen mehr als im Vorjahre gemeldet. Die Lage älterer Angestellter noch verschärfter. Die Zahl weiblicher Lehrlinge «m 60 Proz. gestiegen. Trotzdem mehr ‘ Lehrstellen als Lehrlinge. Kaufmännischer Stellenmarkt und Wirtschaftslage verhalten sich wie zwei kommunizierende Röhren zueinander. In die ersten Monate des Jahres 1928 fiel das Saison- geschüft, deshalb war auch die Bewegung auf dem kaufmännischen Stellenmarkt eine günstigere. Im zweiten Viertel des Jahres flaute der Geschäftsgang ab, demzufolge zeigte auch der kaufmännische Stellenmarkt eine fallende Kurve. Günstigere Tendenz ist in der Meldung offener Gehilfenstellen aufzuzeigen. Die Meldeziffer ist um 77 Proz. gestiegen. Es soll jedoch abwegig fein, aus dieser Tatsache auf eine erhöhte Unterbringungsmöglichkeit lediglich Stellensuchender zu schließen. Den» darin sind auch die offenen Gehilfenstellen enthalten, die infolge Stellenwechsels früherer Angestellter zu besetzen sind. Die starke Personalfrage kam fast ausnahmslos den jüngeren Jahrgängen zugute und konnte oft nicht annähernd gedeckt werden. Die Vermittlung älterer stellenloser Bewerber und Bewerberinnen war jedoch nach wie vor außerordentlich schwierig. Die Notlage der älteren Stellenlosen verschärfte sich wesentlich Die Zahl der am 30. Juni d. I. vorhandenen stellenlosen Angestellten über 40 Jahre wies eine Steigerung von 11 Proz. auf, gegenüber den am 30. Dezember 1927 gezählten stellenlosen Bewerbern dieser Altersgruppe. Die Gesamtzahl der Stellenlosen ist dagegen nur um 4 Proz. gestiegen. Während die Zahl der männlichen Lehrlinge zurückging, die der weiblichen sich um 60 Proz. erhöhte, war eine Steigerung der gemeldeten Lehrstellen um 248 Proz. festzustellen. Daraus ist zu erkennen, daß das Verlangen der Firmeninhaber nach den allerjüngsten Kräften sehr groß ist. Die Statistik der in Stellung befindlichen jüngeren Angestellten zeigt eine lebhafte Bewegung von Firma zu Firma. Die jüngeren Angestellten nutzen die für sie günstige Marktlage aus, um ihre Kenntnisse durch Stellenwechsel zu erweitern und ihr Einkommen zu verbessern. _ seelenzufrieden und glücksich dabei und ich möchte am liebsten davonlaufen vor Langeweile. Arbeit muß ich haben! In diesem Faulenzerleben ersticke ich. Uebrigens, warum hast Du mich nicht besser zusammengeflickt, Rolf? Mit meiner Narbe laufe ich hier herum, wie mit einem Kainszeichen. Du hast gesagt, die ganze Schönheit sei dahin, aber die Frauen scheinen- häßliche Männer zu bevorzugen. Wenn ich nur erst fort wäre! Am Sylvesterabenib reise ich hier ab. Den Rummel mache ich nicht mehr mit.. Ab 2. Januar bin ich bei Herder & Billmann. Ich hoffe dort Nachricht von Dir vorzufinden. Lache nicht, — aber ich muß gestehen, daß ich eine ganz krankhafte Sehnsucht nach St. Wylten habe. Eben kommt von unten herauf das Lied: meine einige Liebe, mitten im Weltengetriebe — ufw. Für mich bist es du, mein Alter. Ich habe sonst keine.. Immer Dein Hans." Als Lona fertig gelesen hatte, wandte sie das Blatt und fing nochmal von vorne zu lesen an. Erst, als sie merkte, daß Karsten sie beobachtete, faltete sie, während eine flammende Röte über ihr Gesicht zog, de» Bogen zusammen und reichte ihm denselben mit verlegenem Danke. Er steckte ihn wieder in seine Brusttasche und sagte ruhig: „Es ist gut, daß er einen solchen Drang nach Arbeit hat Das ist mir nur lieb. Er Hai in der "tzten Zeit allzu viel gearübelt. Da ist das die beste Ablenkung! In dem großen Gesellschaftssaal "Eben dem Speisezimmer, stand der mächtige Christbaum, eine Weitztanne. von seltem schönen Wuchs. Ferdl hatte sie n^ eifrigem Suchen entdeckt und in die Villa gebracht. Behrens steckte, als ihm Lona zunickte, die Lichter in Brand. Eine blendende Helle flutete durch den Raum. . . „Herr Doktor, ich habe eine kleine Weihnachtsfreude für sie," sagte Lona, „wollen Sie mit mir herüber kommen?" Er erhob sich sofort. Auf der langen Tafel mit dem dem weißen Damast und den grünen Tannenzweigen dazwischen, lagen noch Lonas Geschenke, dieser gegenüber stand eine aroße Staffelei mit emem Bild in kunstvoll aeicknitztem. breitem Goldrahmen. f £ O » 4 > » Skr. 177. Jahrgang 1928. Südens Kriegsopfer Wieviel gehöre« davon zu« Reichsbnnd? Nach einer neuerlichen Zusammenstellung über die Zahl der Versorgungsberechtigten sind in Baden außer den Kapitulanten und deren Hinterbliebenen noch immer 89 09-2 Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene vorhanden. Darunter befinden sich 3-2 364 Kriegsbeschädigte (1926 : 31030), wovon 15 086 Schwerbeschädigte und 17 278 Leichtbeschädigte sind. Im Jahre 1926 wurden 14 397 Schwerbeschädigte und 16 633 Leichtbeschädigte gezählt. Die jetzt festgestellten Kriegsbeschädigten verteilen sich nach dem Grade ihrer Erwerbs- befchränkung wie folgt: In ihrer Erwerbsfähigleit sind gemindert um: 30 v. H. 12 261 Beschädigte (1926: 11871) 40 v. H. 5 017 Beschädigte (1926: 4 762) 50 v. H. 5 712 Beschädigte (1926: 5 522) 60 v. H. 2 997 Beschädigte (1926: 2 892) 70 v. H. 2 428 Beschädigte (1926; 2409) 80 v. H. "95 Beschädigte (1926: 1344) 90 v. H. 266 Beschädigte (1926: 256) um mehr als 90 v. H. 2 248 Beschädigte (1926: 1974) zusammen 32 364 Beschädigte (1926: 31 030) 'Bon den Kriegsbeschädigten erhalten Ausgleichszulage (8 288 R.B.G.) keine 3561 Beschädigte (1926: 3 7741) die einfache 28 339 Beschädigte (1926 : 26 866) die erhöhte 464 Beschädigte (1926: 31 030) zusammen 32 364 Beschädigte (1926: 31 030) Frauenzulage nach 8 29 R.B.G. erhalten 12 298 Schwer» beschädigte (1926: 11293) und Kinderzulage nach 8 30 R.B.G. wird an Kriegsbeschädigte für 52 085 Kinder'gezahlt (1926: 47127). Gestorben sind in der Zeit vom 1. April 1927 bis 31. März 1928 insgesamt 389 Kriegsbeschädigte (vom 1. April 1925 bis 31. März 1926: 404. Pflegezulage nach den neuesten Feststellungen erhalten: 1. Stufe der Pflegezulage ( 600 RM.): 579 Krigsbeschädigte 2. Stufe der Pflegezulage ( 900 RM.): 210 Kriegsbeschädigte 3. Stufe der Pflegezulage (1200 RM.): 106 Kriegsbeschädigte 4. Stufe der Pflegezulage (1500 RM.): 178 Kriegsbeschädigte zusammen 1073 (1926: 909). Kriegerhinterbliebene sind vorhanden: 8797 Witwen mit 50 v. H. der Vollrente (1926: 8854); 3861 Witwen mit 60 v. H. der Vollrente (1926 : 3001, außerdem noch 750 mit 40 v. H. der Vollrente),- 29 764 Halbwaisen (1926: 34 100): 2212 Vollwaisen (1926: 2494): 6357 Eltern, Elternteile (1926: 6070): 3022 Eltern, Kopfzahl der Eltern- paare (1926: 2903): 344 Witwenbeihilfenempfängerinnen (1926: 223): 332 Halbwaisenbeihilfenempfänger (1926: 171); 25 Vollwaisenbeihilseempfänger (1926: 13); 520 Elternbeihilfeempfänger, Kopfzahl der Elternpaare (1926: 514); 308 Elternbeihilfeempfänger, Elternteile: 358 Elternbeihilfeempfänger, Kopfzahl der Etlernpaare. Zusammen: 56 672 Hinterbliebene (1926: 59 373). Obgleich in der Zeit vom 1. April 1927 bis 31. März 1928 sich 147 Kriegerwitwen wieder verheiratet haben und 85 gestorben sind, hat sich deren Zahl gegenüber 1926 erhöht. Es ist dies ein Beweis dafür, daß viele Kriegsbeschädigte an'den Folgen ihres Kriegsleidens sterben. Die Möglichkeit der Wiederverheiratung bei den Kriegerwitwen ist nach obiger Zahl sehr gering. Die Zahl der Kriegerwaisen ist seit 1926 um rund 4500 zurückgegangen, was sich daraus erklärt, daß mit dem Heranwachsen der Kriegerwaisen diese das 18. Lebensjahr überschreiten und — wenn nicht Berufsausbildung vorliegt — Versorgung nicht mehr erhalten. Kriegerwaisen sind in der letzten Zählungsperiode 52 gestorben, während 505 Kriegereltern (Kopfzahl) durch Tod aus der Versorgung ausgeschieden sind. Wenn sich bei den Kriegereltern die Zahl der Renten- oder Beihilfeempfänger vermehrt hat, so dürfte das zu einem Teil auf die verschlechterten wirtschaftlichen Verhältnisse der alten Kriegereltern, zum anderen Teil schließlich auch auf die Erleichterungen zurückzuführen sein, die für Erlangung der Elternrente oder -Beihilfe eingetreten sind. Ausgleichszulage wird an 62 011 Kriegerhinterbliebene gezahlt, und zwar: die einfache an 51214 Hinterbliebene, die erhöhte an 797 Hinterbliebene. 4661 Kriegerhinterblte- bene erhalten keine Ausgleichszulage. . HLrteausgleich nach R.V.B1. 1927 Sette 19 Nr. 60 erhalten 22 Kriegsbeschädigte, 12 Witwen, 20 Waisen und 2 Eltern; zusammen also 56 Personen. Bon den z. Zt. in Baden vorhandenen rund 55 000 Kriegsbeschädigten, Kriegerwitwen und Kriegereltern (die Waisenkinder bleiben bei der Zählung außer Betracht) gehören nach dem gegenwärtigen Stand rund 30 000 — 55 v. H. allein dem Reichsbund an. Die Bcrnhardusfeier in Karlsruhe. Karlsrnhe, 31. Juli. Am Sonntag fand nun auch hier dir Feier der katholischen Gemeinde für den seligen Markgrafen Bernhard von Baden statt. Am Sonntaavormittaa wurde in der Bernharduskirche (am Durlachertor), die am Samstagabend eine stimmungsvolle Konturenbeleuchtung erfahren hatte, von Weihbischos Dr. Burger ein Pontifikalamt abgehalten, in dessen Verlauf der Weihbischof die Weihe des neuen St. Bernhardusaltars vornahm. Das Pontifikalamt, in dessen Mittelpunkt die Festprcdigt von Stadtpfarrer Dr. Kiefer stand, war von prachtvollen musikalischen Darbietungen umrahmt. Am Sonntagabend fand sodann im ausverkauften großen Festhallesaal eine öffentliche Bernhardusfeier statt, die von der katholischen Jugendgemeinschaft vorbereitet und durch- geführt wurde. Stadtdekan Msgr. Dr. Stumpf begrüßte die zahlreich Erschienenen, vor allem auch den Weibbischof, den Vertreter der Regierung, Justizminister Dr. Trunk, und dann die katholische Jugend, die sich mit dem Kreuz auf der Rüstung Bernhards stärken will. Tann ergriff Weihbischof Dr. Burger das Wort zur Festansprache, worin er das Leben des seligen Bernhards schilderte und die Jugend zur Treue an der katholischen Kirche auffordcrte. Auch diese Feier wurde durch musikalische und gesangliche Darbietungen und durch ein Festspiel verschönt. . Aus Nah ttttb Fern. „ 'Op Sinsheim, 31. Juli. (Selbftonschlußbetrieb.) Da in den wachsten Tagen mit der Eröffnung des Selbstanschlußbetriebes “Ji hiesigen Ortsnetz zu rechnen ist, hat das Postamt hier im bchaltervorraum zwei der neuen Selbstanschluß-Telephonapparate aufgestellt, «« denen die Fernsprechteilnehmer den zukünftigen Fernsprechbetrieb kennen lernen können. In der Zeit von 8—12 und 14—18 Uhr ist daselbst Gelegenheit geboten, sich mit der Der LandSote * Fmsheimer Zeitung. Handhabung der Apparate vertraut zu machen und gleichzeitig Kenntnis zu bekommen über sie neuen Signale. 'OP Sinsheim, 31. Juli. (Briefumschläge mit unzulässigem Aufdruck.) Die Deutsche Reichspost macht erneut darauf aufmerksam, daß nach den Bestimmungen der Postordnung die Absenderangabe sowie die Reklame des Absenders nur auf der Rückseite und dem linken Drittel der Vorderseite der Briefumschläge angebracht sein dürfen. Ferner müssen Umschläge, deren Rückseite zu Aufdrucken benutzt wird, am oberen Rande der Rückseite einen mindestens 2Va Zentimeter freien Raum haben, der zur Niederschrift postoienstlicher Vermerke benötigt wird. Für den Aufbrauch von Umschlägen, die über das zulässige Maß mit mit Aufdrucken auf der Vorder- oder Rückseite versehen sind, ist eine Frist von 2 l k Jahren gewährt worden. Diese Frist läuft am 30 September 1928 ab. Mit einer Verlängerung der Aufbrauchfrist über diesen Zeitpunkt hinaus ist nicht zu rechnen. Die Versender werden daher gut tun, sich nur auf den Aufbrauch vorhandener Bestände an unzulässigen Umschägen zu beschränken und nicht — wie von den Postanstalten vielfach wahrgenommen wird — Neudrucke Herstellen zu lassen, die bis' zum 30. September 1928 nicht aufgebraucht werden können. Nach diesem Zeitpunkt müssen Briefumschläge, die den Postordnungsbestimmungen nicht genügen, von der Postbeförderung ausgeschlossen werden. * Sinsheim, 31. Juli. (110er-Tag in Bruchsal.) Anläßlich des 110er-Tages in Bruchsal am 5. August 1928 hat die Reichsbahndirektion Karlsruhe für die Benützer des Zuges (Lauda ab 4.30 und aus Richtung Zagstfeld 6.20) sofortige Fahrgelegenheit (Heidelberg ab 9.00, Bruchsal an 9.33) zugesagt. Für die Rückreise ist den Teilnehmern aus Odenwald und Bauland bei Zug 379, ab Osterburken 23.00 Uhr, ebenfalls für Anschluß mit Halt auf allen Stationen bis Lauda gesorgt. Der'Besuch des Kameradschaftsfestes läßt sich also in einem Tage ohne große Mühe ermöglichen. Drum auf Kameraden zum 110er-Tag nach Bruchsal. * Sinsheim, 31. Juli. (Fliegen und Mücken in der heißen Jahreszeit.) In der jetzigen heißen Jahreszeit, besonders bei feucht- warmer, schwüler Witterung, nimmt die Zahl der kleinen Insekten, der Quälgeister, die Menschen und Tiere belästigen, in erschrek- kender Weise zu. Aus weiter Ferne kommt die Schmeißfliege herangeflogen, wenn sie irgendwo Fleisch wittert, um ihre Eier. Schmeiß genannt, daran abzulegen. Im Freien begegnet uns die graue Aasfliege, die sich in verwesenden Pflanzen- und Tier- stoffen aufhält. Der Stich einer solchen Fliege birgt die Gefahr der Vergiftung in sich Die Stubenfliege mit ihrer Frechheit, Aufdringlichkeit und Naschhaftigkeit ist wiederum jedermann bekannt. Ebenso unangenehm bemerkbar machen sich an warmen Sommerabenden, besonders in der Nähe von Gewässern die Mük- ken. Als Schutz gegen Mücken- und Insektenstiche sind Einreibungen mit Fenchelöl zu empfehlen. Nach erhaltenem Stich gilt als Linderungsmittel angefeuchtete Waschseife (durch ihren Aetzkaligehalt), weiter das Auflegen von frischgeschnittenen Zwiebeln, sauren Apfelstücken, das Ausreiben von Sauerampfer, das Aufträufeln von Zitronensaft und Glycerin. Eine brennende Zigarre dicht an die Stichwunde gehalten, zerstört das Gift durch ihre Hitzewirkung. % Bad Rappenau, 30. Juli. (Verschiedenes.) Mit Entschließung des Staatsministeriums wurde der techn. Inspektor Gustav Kreuzer an der hiesigen Saline zum techn. Oberinspektor ernannt. — Am Samstag Abend überraschte der Männer-Gesang- verein Frohsinn, sowie der Musikverein sein Mitglied, Herrn Heinrich Schenzel, anläßlich dessen Vermählung mit Fräulein Helene Edelmann von hier, je durch «in wohlgelungenes Ständchen. 3 Eppingen, 30. Juli. (Verschiedenes.) Aus Köln kommt die Nachricht, daß die 2 Teilnehmer des hiesigen Turnvereins beim Einzelturnen sich sehr wacker gehalten haben. Karl Wieser konnte im Fünfkampf (ältere) Klasse I. mit 102 Punkten 11. Sieger werden. Gustav Schmelcher, der durch eine Handoerletzung stark behindert war, brachte es im Zwölfkampf auf 153 Punkt«. — Der Gesangverein Frohsinn Eppingen brachte am Samstag abenü seinem Herbergsvater, Gastwirt Luowig Wittmer aus Anlaß seiner bevorstehenden Uebersieolung nach Kirchheim ein wohlgelungenes Ständchen. 3 Gemmingen, 30. Juli. (Landwirtschaftliches). Infolge der Hitzeperiode hat die Getreideernte unerwattet rasch eingesetzt. Die Sommergerste ist nahezu unter Dach; ihr folgte der Roggen, Wintergerste und Weizen. Auch der Hafer ist schon ziemlich in die Gelbreife ejngetreten, sodaß in ungefähr 1 Woche das Feld in der Hauptsache geräumt sein wird. Der Ettrag ist allgemein zufriedenstellend. Die Trockenheit hat keine bemerkbaren nachteiligen Wirkungen zur Folge gehabt. Hoffentlich kommt der reiche Erntesegen vollends wohlbehalten in die schützende Scheune. * Rmienbrrg, 30. Juli. (Die Bürgermeisterwahl.) Trotz der stattlichen Kandidatenzahl von 6 ist es bei der gestrigen Wahl schon zu einer Entscheidung gekommen. Im ersten Wahlgang wurde der seitherige Ratschreiber Robett Menges zum neuen Bürgermeister unserer Gemeinoe gewählt. Das Stimmenverhältnis ist folgendes: Bon 1014 wahlberechtigten Personen der Gemeinde haben 844 gewählt. 3 Wiesloch, 30. Juli. (Die Meslocher Wienfahrer.) Am Samstag abend gegen 10 Uhr wurden die Sänger des Liederkranzes. welche in Wien waren, am Bahnhof mit Musik abgeholt. Die Sänger haben noch eine kleine Reise über die Schweiz gemacht. 3 Mülhausen, 30. Juli. (Eine Frau verbrannt.) Die Ehefrau des Fuhrunternehmers Traem in Schiffweiler (U. E.) war ihrem Sohne behilflich, ein Autotaxi zu reinigen. Aus unbekannter Ursache explodierte plötzlich der Benzinbehälter des Wagens und im Nu stand die arme Frau in Hellen Flammen. Die Frau hatte derattige Brandwunden am ganzen Körper erlitten, daß sie nach kurzer Zeit verstarb. 3 Baiertal, 30. Juli. (Bürgermeisterin«!»!.) Wider Erwarten schnell hat die gestrige Bürgermeisterwahl zu einem Ergebnis geführt. Herr Oswin Laier, Alt-Gemeinderat, wurde mit 469 Stimmen gewählt, während Altbürgermeister Goos 219 Stimmen, Johannes Pfister 113 und Josef Neuburger 77 Stimmen erhielten. 3 Neckargemiiud, 30. Juli. (Turn-, Spiel- und Sportfest.) Das seit einigen Jahren jedesmal vor Beginn der Sommerferien an der hiesigen Volksschule eingeführte Turn-, Spiel- und Sportfest erfreut sich bei der Bevölkerung immer größerer Beliebtheit, was in dem zunehmenden Besuch am Samstag nachmittag deutlich zum Ausdruck kam. Die Schulleitung hatte ein reichhaltiges Programm aufgeftellt, das aber leider infolge des eingetretenen Regens nicht ganz abgewickelt werden konnte. Die Hebungen wurden präzis ausgeführt, so daß alle Zuschauer davon befriedigt waren. Die besten Leistungen wurden mit Preisen bedacht. ( 3 Rrckarfieinach, 30. Juli. (Schwerer Unglücksfall.) In einer hiesigen Metzgerei ereignete sich heute ein schwerer Unglücksfall dadurch. daß dem Lehrling, der mit dem Ausbeinen eines Fleischstückes beschäftigt war, das Messer an dem Knochen abglitt und der Junge sich mit voller Wucht das scharfe Messer in den Unterleib rannte. Der hiesige Arzt, der sofort zur Stelle war, legte einen Notverband an und begleitete den Transport selbst nach der Klinik in Heidelberg, woselbst sofort die Operation vorgenommen wurde. Trotzdem die Verwundung eine sehr schlimme ist, hofft man den Burschen am Leben erhalten zu können. i ] Dienstag, den 31. Juli 1928. 3 Eberbach, 31. Juli. (Motorradunfall.) Gestern Abend stießen unterhalb Bahnhof Pleutersbach zwei Motorradfahrer aus Stuttgart und Mannheim zusammen, wobei eine Stuttgarter Dame vom Soziussitz geschleudert und erheblich an den Beinen verletzt wurde, sodaß sic in ärztliche Behandlung genommen werden mußte. Me Schuld trifft den Mannheimer Fahrer, der noch nicht einmal einen Führerschein besaß. 3 Neckarsulm, 30. Juli. (Autounfall.) Als gestern vormittag nach dem Bahnübergang beim Kochendorfer Wäldle zwei auswärtige Personenkraftwagen sich kreuzten, hat der Führer eines Hamburger Wagens dadurch die Herrschaft über seinen Wagen verloren, daß ihm der entgegenkommende Wagen nicht genügend ausgewichen ist. Der Hamburger Wagen ist mit voller Wucht auf einen Straßenbaum aufgefahren. Me Insassen des Wegens kamen mit dem Schrecken davon, während der Wagen sehr stark beschädigt wurde und in eine hiesige Reparaturwerkstätte abgeschleppt werden mußte. Der entgegenkommende Wagen hat sich um seinen Leidensgenossen an dem Baum nicht bekümmert, sondern ist davongefahren. Polizeiliche Untersuchung ist eingeleitet. 3 Brette», 30. Juli. (Motorrad-Unfall.) Gestern früh gegen 11 Uhr ereignete sich an der Kreuzstraße Promenadeweg—Mühlgasse ein Motorradunfall der für die Beteiligten noch gut ab- gelausen ist. Vom Bahnhof her kam im mäßigen Tempo ein Motorradfahrer von hier mit seinem Bruder auf dem Soziussitz die Melanchthonstraße heraufgefahren. Als er die Stelle passieren wollte, wo die Mühlgasse in di« Hauptverkehrsstraße einmündet, kam im selben Augenblick ein Motorradfahrer mit seiner Schwester auf dem Soziussitz die Mühlgasfe herauf, und fuhr dem andern Fahrer in die Seit«. Mit einem lauten Krach flogen die Fahrer mit ihren Rädern auf die Straße. Zum Glück kamen die beiden Führer mit dem Beisitzer mit zerrissene«! Kleidern und einigen Beulen und Schürfwunden davon, während die Schwester des einen Motorradfahrers bewußtlos in das nahe Krankenhaus verbracht wuroe, wo es sich hevausstellte, oaß auch sie ohne Verletzungen aus dem Zssammenstoß heryorging. Auch die beiden Räder wurden nur leicht beschädigt. Brühl, 30. Juli. (Seltenes Jagdglück.) Herr Hubert Eder, Sohn des Ziegeleibesitzers Josef Eder, konnte gestern auf der Kollerinsel, Gemarkung Brühl, ein Wildschwein (Keiler) erlegen, welches 145 Pfund wog. Hemsbach (an der Bergstraße), 31. Juli. Die Granit, werke Rüth und Reinemuth G. m. b. H. (Hemsbach und Hep- ' penheim) haben einen Millionenauftrag seitens der argentinischen Regierung erhalten, der zurzeit in der Ausführung begriffen ist. Es handelt sich um ein Denkmal zu Ehren des ersten Präsidenten der argentinischen Republik, Rivadavia. Das aus rötlichem Granit erstellte Denkmal nimmt eine Grundfläche von 20:14 Meter in Anspruch und besitzt eine Höhe von 3 Metern. Das mit einer Anzahl Karyatiden in reicher Bildhauerarbeit ausgestattete, architektonisch wuchtige Denkmal ist ein Meisterwerk, das der Gewerbskunst kr Bergstraße zu Ehren gereicht. ** Appenweier, 31. Juli. (Die badischen Bahnhofswirte) ' sielten hier ihre Hauptversammlung ab, ans der auch die ; Neuwahl des Gesamtvorstandes vorgenommen wurde. Der langjährige Vorsitzende, Stelzer-Karlsruhe, lehnte eine Wiederwahl infolge seines hohen Alters ab. Zum 1. Vorsitzen- l )en wurde gewählt Föhrenbach-Konstanz, zum 2. Vorsitzen- ! »en Stiegler-Freiburg. Der bisherige Vorsitzende Stelzer vurd« zum Ehrenvorsitzenden ernannt. ** Billinge», 31 Juli. (Ein folgenschwerer Zusammen- toß.) Zwischen einem Pferdefuhrwerk und einem Motorradfahrer ereignete sich am Samstag nachmittag bei der gefährlichen 8-Kurve der Landstraße Villingen—Marbach unter der Bahnunterführung ein Zusammenstoß. Ein Motorrad aus Billingen fuhr derart auf ein von Bad Dürrheim kommendes Pferdefuhrwerk aus, daß das Vorderteil des Rades völlig »erstört wurde und der Soziusfahrer auf einen Steinhaufen - flog, so daß er, soweit bis jetzt festgestellt ist, mit einer Gehirnerschütterung weggebracht werden mußte. Der Fahrer selbst kam wie durch ein Wunder fast unverletzt davon. Dagegen wurde auch das Pferd zur Seite geschleudert, die Deichsei zerbrochen und der Vorderwagen schwer mitgenommen. Die Schuld soll auf beiden Seiten liegen, da beide nicht richtig gefahren sind ** Vöhrenbach, 31. Juli. Ein schwerer Schicksalsschlag hat aufs neue die Familie des Hirschenwirts in Langenbach betroffen, die Ende des letzten Jahres schon einen erwachsenen Sohn durch einen Unfall verlor. Letzten Samstag abend wurde der andere 21jährige Sohn Hugo Winterhalter unterhalb der Säge bewußtlos neben seinem Motorrad aufgefunden. Im Krankenhaus wurde ein schwerer Schäöelbruch und Verletzungen an den Beinen festgestellt. Die Ursache des Unfalls konnte noch nicht geklärt werden, da der junge Mann noch nicht bei Bewußtsein ist. ** Donaueschingen, 31. Juli. (Bürgermeisterwahl.) Bet! der heute stattgefundenen Bürgermeisterwahl stimmten von. 72 wahlberechtigten Gemeinderäten und -Vertretern 71 ab. Auf den bisherigen Bürgermeister Fischer entfielen 69 Stimmen, 2 waren ungültig. Bürgermeister Fischer ist somit wieder auf neun Jahre zum Stadtoberhaupt gewählt. ** Lörrach, 31. Juli. Beim Training des Oberländer ADAC ereigneten sich drei Unfälle. Drei Fahrer wurden in schwerverletztem Zustande ins hiesige Krankenhaus etngelie- fert. Glücklicherweise sind alle drei außer Lebensgefahr. ** Lörrach, 31. Juli. (Abermals verhaf t) wurde die Italienerin Daroni, die vor einigen Tagen unter dem Verdacht, mit dem Arbeiter Maier ihr l^jähriges Kind ermordet zu haben, festgenommen worden war. Sie wurde damals wieder freigelaffen, weil Maier behauptete, daß sie an dem Morde unschuldig sei. Jetzt äußerte sich dieser anderen Personen gegenüber, daß die Daroni ihn selbst zu dem Mord angestiftet habe. e , ** Steinen (bei Lörrach), 31. Juli. Postmeister Kirner, der gegenwärtig mit seiner Frau und Tochter in Bludens in den Ferien weilt, wurde in seinem Auto von einem hinter ihm fahrenden Auto, das ihn Überholen wollte, angefahren und gegen eine Telegraphystange geschleudert, wobei die Frau und die Tochter aus dem Wagen geschleudert wurden. Kirner selbst kam unter d»n Wagen zu liegen, wobei ihm fünf Rippxn eingedrückt wurden. Er mußte ins Krankenhaus gebracht werden. ** Renenbnrg, 31. Juli. (Tob durch Trinken kalten Wassers.) Der Landwirt Robert Grozinger, Vater von drei Kindern, war auf dem Felde mit Erntearbetten beschäftigt. In stark erhitztem Zustande trank er von einem Brunnen reichlich Wasser. Später'stellten sich Krämpfe ein, die den Tod des Mannes herbeiführten. ^ i Renenbnrg, 31. Juli. Auf der Landstraße Neuenburg— Müllheim wurden zwei Personen von vorüberfahrenden Autos angefahrcn. Ein Angestellter der Firma Cusenier namens Schmitt wurde von einem Auto angefahren und erlitt dabet Verletzungen im Gesicht und am Rücken, die seine Ueberführung ins Müllheimer Krankenhaus notwendig machten. — Weiter angefahren wurde der in Badenweiler be- Nr. 177. Jahrgang 1928. D« Landdote -a Sinsheim er Jeiwu-. Dienstag, den 31 . Zuli 1928. schäftigte Boso. Er erlitt ernste Muskelverletzungen und mußte nach Müllheim ins Krankenhaus gebracht werden. ** Schachen (Bei Waldshut), 31. Juli. Der von hier gebürtige 23jährige Josef Geng verunglückte mit seinem Motorrad in einer Kurve bei Lörrach und zog sich einen Bruch des Unter- und Oberschenkels sowie ernstere Verletzungen zu. ** Singe«, 30. Juli. (Brände durch Lokomotivfunken.) Bei der Dürre entstanden hier infolge Fnnkenfluges zwei Waldbränöe. An der Bahnlinie Gottmaöingen—Singen wurde das 18 ar große Ackerfeld des Landwirts Emil Rim- mele in Gottmaöingen ergriffen. Der Schaden ist bedeutend. An der Bahnlinie Singen—Radolfzell wurden 3—4 Morgen Wald ebenfalls durch Funkenflug teils vernichtet, teils zerstört. Der Schaden beträgt etwa 3000 Mark. Friedrichshofen, 31. Juli. lGroßseuer.) In der Nacht zum Sonntag brannte das Hauptfabrikationsgebäude der Lederfabrik Hünd & Co. an der Seestraße, die von Friedrichshafen nach Lindau führt, vollständig ab. Wie wir erfahren, beträgt der Schaden an Gebäuden und Maschinen etwa 200 000 RM., an Halbfabrikaten und Materialien ebenfalls etwa 200 000 RM., so daß sich der Gesamtschaden etwa auf eine halbe Million RM. belaufen dürfte, der jedoch durch Versicherung gedeckt ist. Brände in Baden. ** Reibsheim «bei Breiten, 31. Juli. In der Nacht zum Sonntag sind hier drei Wohnhäuser und zwei Scheunen mit Nebengebäuden niedergebrannt. Das Feuer war in dem Anwesen der Witwe Schleicher ausgebrochen und erfaßte das Wohnhaus von Josef Klözer samt Scheune und Stall und das Wohnhaus, Scheune und Stall des Malermeisters Joh. Rtnderspacher. Mit knapper Not wurde sämtliches Vieh gerettet, wogegen alles Inventar verbrannte. Durch die frischgefüllten Scheunen fand das Feuer Nahrung. Bei den Löscharbeiten wurden durch herabfallenöe Ziegel zwei Feuerwehrleute schwer verletzt. ^Die Brandursache steht noch nicht fest. Forbach, 31. Juli. Zum dritten Male ist innerhalb weniger Tage Schönmünzach von einem Brande ^heim- gesucht worden. Am Sonntag früh ist die alte Sägemühle, gegenüber dem Hotel Post, vollständig niedergebrannt. Die Bewohner des Hauses, Familie Ottenhöfer mit drei kleinen Kindern, konnten das nackte Leben retten. Als Ursache der beinahe systematisch ausbrechenden Feuer wird allgemein Brandstiftung vermutet. Durch einstürzende Erdmaffen getötet. Schachen (bei Waldshut), 31. Juli. In der Sandgrube des Johann Eckert an der Straße nach Tiefenstein lösten sich durch die in den letzten Tagen niedergegangenen Gewitter ziemliche Erdmassen los und begruben den Besitzer der Grube sowie zwei Arbeiter unter sich. Der 25jährige Friedrich Schmidt, der dem Besitzer bei den Arbeiten behilflich gewesen war, fand dabei den Tod. Der Besitzer und der andere Arbeiter konnten sich retten. Schwerer Ranbüberfall. Ein Arbeiter auf dem. Heimweg beraubt und schwer verletzt. Speyer, 31. Juli. In der Nacht auf Samstag wurde zwischen Speyer und Otterstadt ein schwerer Raubüberfall verübt. Der Ziegeleiarbeiter Ackermann wurde, als er sich auf dem Nachhausewege nach Otterstadt befand, von mehreren Männern überfallen, schwer verletzt und vollkommen ausgcplündert. Die Täter ergriffen sodann die Flucht und entkamen. Dem Ueberfallenen wurde ein Geldbetrag von über 100 RM. geraubt. Die Räuber flüchteten in den nahen Wald und konnten in der Dunkelheit ungehindert entkommen. Der Ringbahnzng in Berlin entgleist. Berlin, 31. Juli. In Westend entgleiste am Montag früh gegen 7 Uhr ein Ringbahnzug auf der Strecke Grunewald- Nordring. Die Lokomotive sprang aus den Schienen und riß die drei nachfolgenden Wagen mit um. Personen wurden nicht verletzt. Die Ursache des Unfalls ist noch nicht geklärt. Zwischenfall in einem Biertnnnel in Dresden. Dresden, 31. Juli. Im Viktoria-Keller in der Waisenhausstraße verletzte am Samstag abend der dort als Kunstschütze austretende Anton Kasawa seine Braut, ein 20jähr. Mädchen aus Freita, durch einen Kopfschuß. Der Schütze hatte dem Mädchen allabendlich kleine Bälle und andere Gegenstände vom Kopf geschoffen. Dieses Mal ging der Schuß fehl. Das verunglückte Mädchen wurde nach dem Krankenhaus gebracht, doch soll ihr Befinden zu keinerlei Besorg- ntffen Anlaß geben. Von den anwesenden Gästen erlitten fünf Ohnmachtsanfälle. ' Profeffor Behonuek in Berlin. Berlin, 31. Juli. Das tschechoslowakische Mitglied der Nobile-Expedition, Prof. Behounek, traf am Montag vormittag mit seiner Schwester mit dem fahrplanmäßigen D- Zug aus Kopenhagen auf dem Stettiner Bahnhof in Berlin ein. Zum Empfang hatte sich ein Vertreter der tschechoslowakischen Gesandtschaft eingefunöen. Wann Profeffor Behounek die Weiterreise nach Prag antritt, steht noch nicht fest. Das verschollene Ehepaar Kofka. Seit dem 19. Juli 1927 ist, wie bereits mehrfach mitgüeilr wurde, das Apothekerehepaar Waldemar und Elise Kofka aus Nürnberg vermißt. Die beiden Ehegatten hatten einen Ausflug über Geist ruben nach Hinterhernbach gemacht, sind seitdem verschollen und alle Nachforschungen sind ergebnislos verlaufen. Es wird angenommen, daß das Ehepaar in einen Schneesturm gekommen und abgestürzt ist und daß die Leichen durch Vermurung und Versandung bedeckt sind. Nun sollen die Nachforschungen neuerdings wieder ausgenommen werden, da eine „Hellseherin" in der Lage sein will, die Stelle der Verschüttung genau zu bezeichnen. Das ExplosionSüngliilk in Lodz Lodz, 31. Juli. (Funkspuch.) Der durch die Explosion in der Benzinfabrik von Hadrian in der Nacht vom Samstag zum Sonntag hervorgerufene Brand stellt sich als das größte Unglück dar, das sich hier seit vielen Jahren ereignet hat. Das Feuer konnte sich deshalb soweit ausbreiten, weil die Zufahrtsstraßen wegen Erdarbeiten gesperrt waren, so daß die Feuerwehr nur mir Mühe an den Brandherd gelangen konnte. Wie sich herausstellte, war ein Lager von etwa 5000 Kilogramm Benzin aus noch nicht geklärter Ursache in Brand geraten, das innerhalb weniger Minuten auf das gesamte, fünf Stock hohe Gebäude und die übrigen Häuser des gleichen Blockes Übergriff. Noch ehe die Feuerwehr eingrei- fen konnte, stürzte das Gebäude, ein und riß die Verbtn- dungsmauern mit den Nachbargebäuden mit. In einem der Nachbargebäuöe befindet sich eine Frauenklinik. Unter den Patienten brach eine heftige Panik aus, jedoch konnten alle gerettet werden. Die Feuerwehr mußte sich auf die Rettung der Nachbargebäude beschränken, da der gesamte mit der Fabrik, zusammenhängende Häuserblock nicht mehr zu retten war. Das Feuer dauerte die ganze Nacht und den ganzen Sonntag über an, noch am Montag vormittag waren die Feuerwehren an der Brandstelle beschäftigt. Fünfundzwanzig Tote. Wie die B. Z." zu dem schweren Explosionsunglück in Lodz ergänzend berichtet, war der Luftdruck so stark, daß Passanten auf der Straße meterweit fortgeschleuöert wurden Eine ungeheure Panik bemächtigte sich der Leute, die an ein Erdbeben glaubten und laute Hilferufe ausstießen. In den Wohnungen wirbelten die Möbel durcheinander und die Schlafenden wurden aus den Betten geworfen. In wenigen Minuten verfärbte sich der Himmel mit einem roten Schein. Die genaue Zahl der Verunglückten steht noch nicht fest, übersteigt aber bei den Getöteten die Zahl 25. Die Anzahl der Verwundeten beläuft sich auf mehrere Hundert. Der Sachschaden beträgt nach vorläufigen Schätzungen 8 Millionen Zloty. Schweres Sochbahnunglülk in Aewyork Newyork, 31. Juli. Ein furchtbares Unglück, durch daS 46 Personen zum größten Teil schwer verletzt wurden, hat sich auf der Newyorker Hochbahn zugetragen. Infolge Kurzschluß war ein Zug stehen geblieben, auf den dann ein zweiter Zug aufsuhr. Drei Wagen wurden vollkommen zertrümmert. Unter den Insassen der dicht mit Ausflügler« besetzten Züge entstand eine große Panik. Bisher drei Todesopfer. Newyork, 31. Juli. (Funkspruch.) Zu dem schweren Hochbahnunglück, das sich am Sonntagabend hier ereignete, ist , noch ergänzend zu berichten, daß drei der Verletzten inzwischen gestorben sind. Man befürchtet, daß das Unglück noch weitere Todesopfer fordern wird. Turnen» Sport und Spiel. Sportverein Sinsheim — D. f. B. Sontheim 2:1. Im Freundschaftsspiel standen sich am Sonntag obige Gegner gegenüber. Sinsheim trat mit einer verjüngten Mannschaft an, auch Sontheim hatte seine spielstarke Mannschaft nicht zur Stelle, sodaß sich beioe Mannschaften ein offenes ausgeglichenes Spiel lieferten, das die Sinsheimer Elf mit 2 :1 gewinnen konnte. Sontheim spielte technisch besser, was aber die Einheimischen durch Schnelligkeit ausglichen. Sontheim kann in der 20. Minute durch Strafstoß in Führung gehen auch Sinsheim kann einige gefährlich« Torschüsse anbringen, die gerade noch auf der Torlinie gehalten werden,- mit i:0, für die Gäste werden die Seiten gewechselt. Fn der zweiten Spielhäifte hat Sinsheim den Wind im Rücken und spielt überlegen. Aus einem Strafstoß kann dann der Mittelstürmer den Ausgleich Herstellen, dem bald darauf der Halbrechte ourch entschlossenes Handeln den Siegestreffer einsenden konnte. Sontheim strengt sich in den letzten Minuten noch mächtig an, die gefährlichen Torschüsse werden aber von dem ballsicheren Torhüter unschädlich gemacht, es bleibt beim Stande 2 :1. Olympische Spiele Williams-Canada gewinnt de» 100-m-Lanf. Lammers Dritter. Amsterdam, 31. Juli. lFunkspruch.) Der Montag brachte | als erste Leichtathlettkentscheiöungen den 400-Meter-Lauf, der überraschend von dem Engländer Burghley in der Zeit von 53,4 vor den beiden Amerikanern Cuhel und Taylor gewonnen wurde. In den Zwischenläufen für die 100 Meter isualifizierte sich nur Lammers von den drei Deutschen für die Entscheidung, während die mit Lammers im Lauf liegenden Eorts sowie Houben nicht unter den ersten drei waren. Den Entscheiöungslauf, der unter der Erregung der zahlreichen Zuschauer stattfanö, gewann der Kanadier Williams in 10,8 Tek. vor dem englischen Neger London und dem Deutschen Lammers. In dem Vorlauf über 100 Meter für Damen gewannen sämtliche deutsche Teilnehmerinnen Holz- nann, Steinbcrg, Junker und Schmidt. In den Zwischenläufen schieden aber Holzmann und Junker aus. Nur Lchmiöt und Steinberg kommen in die Entscheidung. Im dem 800-Meter-Zwischenlauf qualifizierten sich von den Deutschen nur der in seinem Lauf als Zweiter hinterj dem Schweden Bylhen einkommende Engelhardt für die Ent- ! cheidung, während Tr. Peltzer und Müller in ihrem Zwi- ! jchenlauf nicht unter den drei ersten Läufern waren. I Eine weitere Leichtathletikentscheidnng in Amsterdam. * Amsterdam, 31. Juli. lFunkspruch.) Die letzte Leicht- | athletikentscheidung am Montag fiel im Hammerwerfen, da»; der Irländer O Callaghan mit der nicht gerade überragen. j den Leistung von 51,39 Metern gewann. Deutsche waren, daran nicht beteiligt. ! Marktberichte. Mannheimer Schlachtviehmarkt. Dem Schlachtviehmarkt am Montag waren zugeführt: 246 Ochsen. 197 Bullen. 233 Kühe. 387 Färsen, 590 Kälber. 38 Schafe. 2745 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Ochsen 58—60, 45—46. 48-50, 36—38, 32—34, 30 - 32; Bullen 50—52, 40—43, 36— 38, 30- 34; Kühe 50—51, 40—42, 32—34, 18-22; Färsen 59-61, 48-51, 38-40; Kälber 78-80, 74—76, 60— 68, 50—58; Schafe 45—50; Schweine 71—72, 73—74, 74 bis 75, 75—76, 72—73, 65—68. Marktverlauf; mit Großvieh mittelmäßig, geräumt; mit Kälbern mittelmäßig, geräumt; mit Schweinen mittelmäßig, ausverkauft. Karlstuher Schlachtviehmarkt vom 3«. Juli. Ansfuhr: 53 Ochsen, 48 Bullen, 31 Kühe, 156 Färsen, 75 Kälber, 1006 Schweine. Preise: Ochsen: 55—58, 53—55, 50 bis 52, 48—50, 47—48; Bullen: 48-49, 47—48, 46—47, 44 bis 46; Kühe: 24—34,, 14—24; Färsen: 52 58, 44—52; Kälber: 71—77, 56—71, 52—56, 48—52; Schweine: 61—65, 65 bis 37, 68-71, 71—78, 65—67, 61—65, 53—61; norddeutsche Schweine: 74—77. Tendenz: Bei Großvieh langsam. Ueber- stand, bet Schweinen lebhaft, geräumt, bei Kälbern langsam, geräumt. Mannheimer Prodnktenbörse. Bei unveränderten Forderungen des Auslandes verkehrte die Börse in ruhiger Haltung. Futtermittel haben weiter festen Markt. In Braugerste werden Muster in neuer Ware gezeigt, die im allgemeinen von sehr schöner Beschaffenheit sind. Eine Preisbasts hat sich aber noch nicht gebildet. Man nannte im nichtoffiziellen Börsenverkehr gegen 12*4 Uhr nachmittags: Weizen inläd. 25*4—25*4, ausländ. 27*4 bis 30, Roggen hierländischer 24*4—25, Hafer inländischer 27—27%, ausländ. 26*4—27*4, Futtergerste 23*4—24, Mais m. S. 24*4. Südd. Weizenmehl Spezial Null 34%—35*4, südd. Roggenmehl 85—86*4, Kleie 14—14*4, Biertreber m. S. 18%—19*4 Reichsmark, alles per 100 Kilo waggonfrei Mannheim. Reuefte amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank. e. G. m. b. H. Sinsheim vom 30. Fuli 1928. «»leih«»: ..„.,., 4 » mit AuslosungSschein ' ohne AuslofimgSschei» . Bankaktie Bad. Bon! .... Darmstädler- und Notionalbanl Deutsche Bank . . ... Deutsche Bereinsbanl Dresdner Bank .... MUteldentsche «reditbanl - . Reichsbank .... Rhein. SredUbank . Südd. DiSconto Bef. in °/o 51,30 17,15 in >K> 167 262 122 102 JO 164.50 tee 278.50 127 137 Beegmerk»» Aktien in o/o Harpen« Bergbau . . — »alt Westeregeln . . .244 ManneSmanntöhrenwerl«. . 131,50 ManSfelder Bergb. «.Hütte»« >«7,75 Oberschl. Blsenb. Bedarf . . — t hSnir Bergbau u.Hütteubetrieb — azwerk Hellbronu . . .19» verleiuigte Königs- LaurahüUe — Aktien inbnftr. Nniernehmnngen: in o/o Nllg. ültttr. Stammaktien. . 170, be Bad. Elektrizität Mannheim . — Bad. WalLUiin Durkach . . Iw Lementwerk Heidelberg . l»s,5o Daimler Motoren . . . 101,25 Dlfch. Bold-un Silberlcheid«. 204,2» Eleltr. Licht und straft . . 210,75 Emaill.und Stanzwerk Ullrich . 14 Farbeninduftrie . . . »5» Grttzner Maschinen Durlach . 130 «arlsrutzer Maschinen . . — Knorr Heilbronn — Mainkraftwerke Höchst . , Ix» Neckarsulmer Fahrzeugwerk« . 58,10 Schlickert Elektr. Nürnberg . 194^» S-ilindnstri- Wolss ... 45 Südd. Zucker . . . >46,50 Zellstoss Waldhos Stamaftie» . »91,75 Aktien deutscher Scanawactanftatten: in •;« Hamburg. Amerit. Paketsahri 15» Heidelberg. Siraheu-u.Bergbahn ör Norddeutscher Lloyd . . 15», 75 Devise»: Bei» Brief Rew-Iork i Dollar 4 186 » 4,1952 London 1 Pfund »0.325 20,365 t olland too Gulden 168.33 1 * 8,67 chwei, 100 Fraues «,57 30 7 » Men U» Schilling 59.V1 °9 19 Paris Ivo Franc 16.3?» I» 419 Italien 100 Lire >l,eo>/> 21 . 941 /» Wetterbericht. Karlsruhe, 31. Juli. Der von Gewittern und Regeu- ichauern begleitete Kaltlufteinbruch hat über dem Festland :in flaches Zwischenloch aufgebaut, unter deffen Einfluß bet aus gestern mittag Aufheiterung eintrat, Di» Höchsttemperatur in der Ebene betrug nur 23 Graisf Nachts sanken di« Temperaturen bis zu 10 Grad. Aus der Bikaya fällt d«r Luftdruck bereits wieder, so daß die Aufheiterung nicht von Bestand sein wird. zum Erfolg Einfach möbliertes Zimmer in ruhiger, gesunder Lage sofort zu vermieten. Zu erfragen unter Nr. 1103 beim Landboten. ist und bleibt eia ständiges lnsersi nt der >m Elsenz-n.Schwarzbachtal weit verbreitetsten und meistgelesensten Zeitung, des Landbolen Sinsheim SeffestlicheBergedung der Erd», Maurer-, Steinhauer-(Kunststeine) Zimmer-, Dachdecker-, (Bibeffchwanzdach) Blechner-, Schmiedearbeiten und Eifeulieferung für Reichsbeamten-Wohnhaus Sinsheim nach Verordnung vom 20.1.28. Gef. u. Der- ordn. Bl. 35 (V.O.B.) Unterlagen -Bezirksbauamt Heidelberg Zimmer 2 vom 2.—11. August von 9—12 Uht. Angebote verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen dis Dienstag, den 14. August 1928, vormittags 10 Uhr an das B.B.A. Heidelberg einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Fleißiges Mädchen bei guter Bezahlung gesucht Bahahofwirlschaft Gteinsfurt. Augenarzt Dr. Zeller Heilbronn, Hohestr. 6 verreist. Rtfii jidn Iiukttntlcli * hilft das große Mittel „Spirusanit“. Keine Entzündung, keine Anschwellung, sofortige Wirkung. Lr»tral-Dr»gerie Wage«. MeMkdienft! Reue Wege — f. Herren u. Damen — Jeder ist Käufer ! Anl. u. Preis!, gratis durch Walter Bornewald, Leipzig Katharinenstr.15,'21 In den letzten 5 Tagen unseres Ausverkaufs bringen wir unsere gesamten Restbestände an Ausverkaufswaren zu ungeheuerlich billigen Serienpreisen, nochmals gewaltig reduziert. Unsere Angebote sind wohl die vorteilhaftesten, die wir je brachten. Eilen Sie, die Preise gelten nur solange Vorrat reicht und bald dürften diese fast unglaublich billigen Posten vergriffen sein. Kommen Sie nach Heidelberg ZU Schrtftleitim«: H. Becker: Druck und Verlag: Wch»»i>l' >>l*> !• -»M WMWWWWW