Erscheint tiiglich Mit Än e. G. >n. b. L 89 . Jahrgang Sicherheit für die weisenden. Neue Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung. — Dauernde Beaufsichtigung der Strecken. — 100 Kilometer Höchstgeschwindigkeit. Berlin, 7. Aug. Wie der demokratische Zeitungsdienst mitteilt hat Reichsverkehrsminister von Guerard eine neue Eisenbahn- Bau- und Betriebsordnung für alle dem allgemeinen Verkehr dienenden Eisenbahnen Deutschlands erlassen, die am '1. Oktober in Kraft tritt. Unter den Vorschriften befinden sich wichtige Bestimmungen zur Sicherung der Reisenden. Auf den Hauptbahnen muß die Strecke jeden' Tag. auf den Nebenbahnen jeden zweiten Tag auf ihren ordnungsmäßigen Zustand untersucht werden. Zur lluter- suchnng der Bahn dürfen Trauen nicht verwendet werden. Gefahrdrohende Stellen sind während der Dauer des Betriebs zu beaufsichtigen. Bahnstrecken, wo die für gewöhnlich zugelassene Geschwindigkeit ermäßigt werden muß, sind durch Signal kenntlich zu machen. Die Weichen, die mit den für die Fahrt gültigen Signalen nicht in Abhängigkeit stehen oder deren Abhängigkeit vorübergehend aufgehoben ist, müssen, wenn ein Zug gegen ihre Spitze fährt, durch Verschluß gegen fremden Eingriff gesichert werden. Als größte zulässige Geschwindigkeit wird bestimmt auf den Hauptbahnen für Personenzüge ohne durchgehende Bremse 68 Kilometer in der Stunde, für alle Züge mtt durchgehender Bremse 188 Kilometer in der Stunde. Unter besonders günstigen Verhältnissen kann die Bahnaufsichtsbehörde Geschwindigkeiten bis zu 120 Kilometer in der Stunde zulassen. Für Güterzüge und einzelne Lokomotiven beträgt die Höchstgeschwindigkeit 65 Kilometer. Für Gefälle und Krümmungen sind besondere Geschwindigkeiten vorgesehen. Die Münchener preffe zu den Ausführungen Dr. Dorpmütters München, 8. Aug. Zu den Ausführungen des Generaldirektors Tvrpmüller in München äußern sich die Münchner Blätter nicht sehr befriedigt. Die Münchner „Neuesten Nachrichten" sagen, die Münchner Stellen könnten aus den Ausführungen des Generaldirektors der Reichsbahn wenig Lehren entnehmen. Tie Münchner Preffe sei darauf eingestellt gewesen, ein warmes Wort des obersten Leiters der Bahn zu hören, welche Garantien für die Zukunft gegeben sind, um die Sicherheit der Bahn zu erhöhen. Diese sachlichen Angaben habe Tr. Dorpmüller nicht gemacht, sondern sich in eine Belehrung der Presse verloren, zu der er kein Recht besitze. Seine Auffassung, daß zwischen Reparationskasten und Betriebssicherheit der Bahn kein Zusammenhang bestehe- werde er nicht zur Auffaffung aller Deutschen machen können. Auch der „Bayerische Kurier" hat etwas anderes von Dorpmüller erwartet. Tie Ausklärung über die Betriebssicherheit der Reichsbahn sei er schuldig geblieben. Nach den Ausführungen des Generaldirektors wäre alles in schönster Ordnung. Nach wie vor werde man aber die Frage erheben: Wo liegen die tieferen Ursachen dieser schrecklichen Unfälle? Mehr Disziplin. Es war schon nach dem Münchener Eisenbahnunglück sehr stark, wie sich die Bevölkerung selbst durch täglich neue Gerüchte von immer neuen Eisenbahnunglücken beunruhigen und in wachsende Erregung hineinsetzen ließ. Die Redaktionen, die ja das sicherste Barometer der öffentlichen Stimmungen, Gerüchte, Ge- sühlswallungen sind, wissen davon ein Lied zu singen. Fetzt, nach Dinkelscherben, ist es nur noch schlimmer geworden. Es hat wirklich den Anschein, als gäbe es Menschen, die eine Freude und eine Befriedigung darin haben, ihre Nachbarn durch das Ausfireuen und Umeinanderschwätzen unwahrer Hiobsbotschaften in Unruhe und Angst zu stürzen. Bei Leipzig, bei Hannover, bei Magdeburg, bei Würzburg, in der Pfalz — überall da sollten in den letzten Tagen nach der geschwätzigen Fama neue große Eisenbahnunglücke passiert sein. Kein halber Tag verging ohne neue Unglücksgerüchte, ohne neue Aufregungen, ohne neue Stürme und Massenanfragen bei den Redaktionen und wenn gar irgendwo ein Zug plötzlich auf freier Strecke anhiclt oder ein Wagen einen Rumpler machte, so waren auch schon wieder Erzählungen über ein neues, bei einem Haar vermiedenes Eisenbahnunglück fertig. Gewiß, Nervosität, Aengstlichkeit mögen jetzt begreiflich, menschlich, naheliegend, verständlich sein. Aber es genügt schon, wenn diese Hemmungen des Augenblicks ihre Begründung finden in dem, Gott fei's geklagt, was wirklich geschehen ist. Es bedarf nicht auch noch der Ausstreuung und des Weitertragens unwahrer Gerüchte, die das Mißtrauen gegen die Bahn auch noch unberechtigt steigern, die Nervosität des Reiseverkehrs ins Unerträgliche erhöhen und auch für den ruhig und nüchtern Denkenden das Reisen zur Qual machen. Mehr Disziplin! Es ist nicht alles wahr, was in den Gassen herumgetragen wird, es tut keiner sich und den anderen einen Gefallen, wenn er Kopf und Nerven verliert, es handelt keiner recht und menschenfreundlich der die Eisenbahnpsychose durch Lügen und Alarmgerüchte vermehrt. Besonnenheit, Ueberlegung, persönliches Berantwortlichkeiisgefiihl, Selbstzucht tut not. Unserer Zeit fehlen ruhig denkende überlegende Menschen. Wir verlangen von der Eisenbahn und ihren Beamten einen gesicherten Verkehr. Wollen wir ihn, dann geht es nicht ohne die Befolgung eines Gebotes für uns selbst: Mehr Disziplin! MnzWe Spionage Ludwigshafen a. Rh.. 8. August. Durch die Aufdeckung eines umfangreichen Spionagefalles ist in den letzten Wochen in der französischen Zone des besetzten Gebietes wiederum das Bestehen einer weitverzweigten französischen Spionageorganisation im besetzten Gebiet festgestellt worden, die sich neben der Militärspionage und neben der Bespitzelung der verschiedenen politischen Organisationen zur Aufgabe gemacht hat, wertvolle technische «nd wissenschaftliche Geheimnisse der Industrie z« schaffen und dem Auslande zu übermitteln. Durch einen raschen Zugrifs in der letzten Zeit gelang es gerade noch, unübersehbaren wirtschaftlichen Schaden zu verhüten und mehrere deutsche Agenten zu fasten, als deren Auftraggeber einwandfrei Beamte 55t französischen Kriminalpolizei im besetzten Gebiet, der sogenannten Surete, festgestellt sind. Sie haben sich durckp briefliches Ersuchen an Arbeiter und Angestellte von Jndustriewerlen herangcmacht und sie für ihre Zwecke gewonnen und zu gewinnen versucht. An den Eingangstoren der Werke, auf der Straße und in Kneipen halben sie sich ihre Helfershelfer gesucht. Zunächst traten sie als Vertreter von Konkurrenzfirmen auf, um später ungescheut den Deckmantel abzuwersen und sich als Beamte der französischen Kriminalpolizei vorznstellcn und auszuweisen. Obwohl sich die betreffenden Arbeiter und Angestellte der Gemeinheit und Strafbarkeit ihrer Handlungsweise bewußt waren, ließen sie sich durch Drohungen. Einschüchterungen und Versprechungen dazu verleiten, Spionage in großem Umfange zu treiben. Ihre Bezahlung war kaum nenyens- wert. Die französischen Suretebeamten find als Angehörige der Besatzungsarmee, deren Schutz ihnen angeblich anvertraut ist, dem Zugriff der deutschen Justiz und ihrer Vollzugsorgane entzogen. Ihre Spionagetätigkeit erstreckte sich auch ans das Gebiet der Militärspionage . Obwohl es in der Reichswehr nichts zu spionieren gibt, erhalten die deutschen Agenten den Auftrag, „Geheimakten" und „Gehetmbefeyle" der Reichswehr, des Roten Front- käMLferbunöes, des Stahlhelms zu beschaffen und festzustellen, ob nicht die verschiedenen Jugendwehrverbände etwa »geheime militärische Uebungen" abhalten. Auch die Kriegervereine «ud die Feuerwehr werden überwacht. desgleichen die Wirtschaft des besetzten Gebietes. Für die Industrie- und Hanöelsspionage besteht in Mainz, der Zen- im besetzten Gebiet. trale des französischen Spionagedienstes, in dem im Hause Eerichtsstraße 6 befindlichen Büro der Surete eine besondere Abteilung, die ihre Instruktionen erteilt und bei der die durch die einzelnen Suretebeamten und ihre deutschen Agenten beschafsten Berichte zriiammeillansen und ausgewertet werden. Neuerdings werden die Beamten der französischen Surete im besetzten Gebiete in Nnterrichtskursen in Paris für die Spionagetätigkei: besonders ausgebildet. Polnischer Größenwahn „Doch fällt der Triumph Gauner» und Tyrann:» zu." Warschau, 7. Aug. Die polnische Presse ist noch immer mit Nachrichten über üen mißglückten polnischen Ozeanflug angefnllt. ni Venen die Flieger als Helden hingestellt werden, indem erklärt wird, daß die Zeit, während der sie in der Luft gewesen seien, der zur Erreichung Amerikas notwendigen Zeit gleichkomm: und daß sie insofern ihr Ziel also doch erreicht hätten. U. a. wird erklärt, noch niemals sei die Ueberfliegung des Ozeans von Ost nach West gelungen w»bei in bezug auf die deutschen Ozeanflieger ein Wort Sheakspears zitiert wird: „Doch füllt der Triumph Gaunern und Tyrannen zu". Ueber die Rettung der polnischen Flieger wird berichtet, leider habe das Geschick gewollt daß ausgerechnet ein deutscher Dampfer die Flieger rette. Um die Massen zu betrügen, wird die Nachricht verbreitet, die Flieger hätten die Absicht, den Ozeanflug zum zweitenmal zu versuchen. Bon unterrichteter Seite wird allerdings erklärt, die polnische» Flieger hätten gar nicht genug Benzin mitgeführt und seien nicht wegen schlechten Wetters oder Motordefekt umgekehrt, sondern weil sie eingesehen hätten, oaß sie infolge Mangels an Brennstoff Amerika garnicht erreichen konnten. Wie weiter gemeld.t wird, wollen zwei andere polnisch« Flieger Kowalczyk und Kotlichi in den nächsten Tagen von Bromberg oder Thorn aus zum Ozeanflug über Irland auf der gleichen Linie starten, die die deutschen Ozeanflieger benutzten. Das Flugzeug ist ein zweimotoriger Typ mit 1200 PS. von der gleichen Bauart wie die „Bremen". Es f oll s ich bereits in Thorn befinden. Eduards VII. Einkreisungspolittk, 3n London ist, wie wir schon gestern berichteten, der dritte Band der britischen Dokumente über die Entstehung des Krieges herausgegeben worden. Er enthält eineAnzahl vtn Kommentaren und Notizen, die König Eduard auf den Dokumenten des Auswärtigen Amtes verzeichnet hatte. 2m Januar 1905 berichtete der Botschafter in Berlin über eine Unterhaltung mit dem Rechskanzl r Fürsten Dü ow. Dieser beklagte sich über die feindliche Haltung der englischen Presse gegenüber Deutschland und erklärte, daß seinen Informationen kurz vor Delcasses Sturz England Frankreich ein Offenfiv- und Defensivbündnis angeboten habe. Dies habe Frankreich zwar abgelehnt, aber die Tatsache, daß das Angebot überhaupt gemacht wurde, sei ein Beweis für die Entfremdung Englands gegenüber Deutschland. Unter diesen Bericht hat König Eduard geschrieben: „Wie schlecht er informiert ist!" Auf eine geheime Information, die Lord Grey dem Botschafter in Frankreich zugehen ließ und worin er meinte, er habe dem französischen Botschafter auseinandergesetzt, inwieweit Frankreich auf Englands Hilfe bei einem Angriff Deutschlands auf Frankreich sich verlassen könne, schrieb König Eduard das Wort: „Gutgeheißen". Das Dokument, das aus dem Jahre 1906 stammt, besagt, die englische Nation werde kaum bereit sein zu kämpfen, um Frankreich in den Besitz von Marokko zu bringen. Sollte es aber scheinen, daß Deutschland Frankreich zum Kriege zwinge, um die französisch-englische Entente zu brechen, dann würde die öffentliche Meinung in England zweifellos sehr entschieden auf Frankreichs Seite stehen. Der Papst an die Katholiken Chinas. „Osservatore Romano" veröffentlicht ein Schreiben des Heiligen Paters an die chinesischen katholischen Bischöfe und Priester und an das ganze chinesische Volk, in dem der Papst daran erinnert, daß die Haltung des Heiligen Stuhles gegenüber Chinas besonders wohlwollend gewesen sei, namentlich bei der Weihe der ersten chinesischen Bischöfe. Der Papst gibt weiter seiner Freude über das Ende des Bürgerkrieges Ausdruck und spricht die Hoffnung aus, der innere und äußere Friede werde sich auf Liebe und Gerechtigkeit gründen. In dem Schreiben heißt es weiter: „Um diesen Frieden zu verwirklichen, wünscht der Heilige Vater, daß die gerechten Forderungen und die Rechte des zahlreichsten Volkes der Welt anerkannt werden, eines Volkes alter Kultur, das Größe und Glanz gekannt hat und dem eine große Zukunst nicht versagt werden kann, wenn es auf dem Wege der Gerechtigkeit und Ordnung bleibt!" Der Heilige Vater wünscht, daß die katholischen Missionen zum Frieden und Wahlstand in China beitragen und sagt weiter: „Die katholische Kirche lehrt Achtung und Gehorsam gegenüber der rechtmäßigen Obrigkeit und verlangt für ihre Missionare und ihre Gläubigen Freiheit und Sicherheit unter dem allgemeinen Recht." Das Schreiben empfiehlt zum Schluß den katholischen Verbänden, sich an dem Werk der Glaubenspropaganda eifrig zu beteiligen. M uni» gegen Rußlands Veilritt zum KnegsverzichApakt Die japanische Presse znr Tschitscherin-Erklärnng. Tokio, 8. Aug. (Funkspruch.» Tschitschertns Aeutzerun- geu über den Kellogg-Pakt haben in der japanischen Preffe großes Aufsehen erregt. Tie der Regierung nahestehenden Blätter schreiben, der russische Außenlommissar habe mit be? inerkenswerter Offenheit den Standpunkt der Sowjetregie- rung in der Paktfrage dargelegt. Tschitscheriu habe nicht Unrecht, wenn er die Beteiligung der Sowjetregierung am Kellogg-Pakt fordere. Es müsse jedoch hinzugesügt werden, daß dre Sowjetregierung einen sehr erheblichen Teil der Schuld daran habe, daß sie bisher von der Besprechung der Mächte ausgeschlossen wurde. Japan zweifle nicht an der Friedensliebe der Sowjetregierung. Diese müsse aber dafür sorgen, daß aus ihrer Hauptstadt nicht jvLtwährend Kriegsrufe ertönen. Ratlosigkeit in Washington Washington, 8. Aug. lFunkspruch.) In Kreisen des amerikanischen Staatsdepartements ist man über das russische Angebot, den Kellogg-Pakt mit zu unterzeichnen, stark überrascht und ans der Faffung geraten. Einerseits befürchtet man, daß falls Sowjetrußland den Vertrag unter-, zeichnen werde, das-gleichbedeutend sei mit der Anerkennung Sowjetrutzlands. Andererseits wünscht man, die europäischen Länder, die mit Rußland auf freundschaftlichem Fuße stehen, nicht dadurch zu beleidigen, daß man Sowjetrußland nicht mit einladet. Voraussichtlich soll die Frage so gelöst werden, daß man Frankreich die Einladung überläßt. Keine deutsch-amerikanischen Besprechungen über Bekem- gung Rußlands am Kellogg-Pakt. Paris, 8. Aug. lFunkspruch.» Wie die „Chicago Trt- bune" aus Washington meldet, nehme man dort allgemein an, daß Staatssekretär Kellogg sich dem Beitritt Rußlands zum Kriegsverzichtspakt zu einem späteren Zeitpunkt nicht widersetzen werde. Das Staatsdepartement weigere sich. Zn wenigen Motten Eni italienisches Küsten-U-Boot ist mit 30 Mann an Bord gesiiilken An den Rettungsarbeiten wird eifrig gearbeitet. Das russische Angebot zur Uuterzeichnug des Kellogg-- Paktes hat in Kreisen des amerikanischen Staatsdepartements sehr überrascht. Voraussichtlich wird mau Frankreich die Einladung an Rußland überlassen. * Der amerikanische Professor Borchard fordert nachdrück- lichst eine Aenderung des Versailler Vertrages. * Die Vorbereitungen zur Legionärtaguug in Wilna find im Gange. * Durch einen 8:5-Sieg über England qualifizierte sich Deutschland für das Endspiel des olympischen Wasierball- Turniers. Für die Kunstspring-Entscheidungen haben sich Riebschläger, Mund und Plumanns qualifiziert. Am Dienstag morgen ist der erste Aufstieg des deutschen' Riesen-Ozeanflugbootes Rohrbach Romar erfolgt. „ , Rr. 184. Jahrgang 1928. eine amtliche Erklärung über die Auslassung Titscherins ab- zugcben. In Washington werde erklärt, daß das deutsche Außenamt über die Beteiligung Rußlands am Kellogg-Pakt mit der Berliner Botschaft der Bereinigten Staaten verhandele. Weder a>^ zuständiger deutscher Stelle, noch in der amerikanischen Botschaft in Berlin iit von den oben erwähnten Verhandlungen irgendetwas bekannt. Spanien soll in den Völkerbund Englands und Frankreichs Schritt sür die Wiederwählbarkeit Spaniens. Genf, 8. Aug. Das Generalsekretariat des Völkerbundes veröffentlicht die Schreiben der Londoner und Pariser Regierung an den Völkerbund, in denen der telegraphisch erfolgte Schritt beim Generalsekretär des Völkerbundes zur Vorbereitung der Wahl Spaniens als nichtständiges wiebcrwählbares Ratsmitglied bestätigt wird. Das Foreign Office erklärt, die Bestimmungen der Wahlordnung von 1926 über die Wiederwählborkeit der nichtständigen Ratsmitglieder seien im Hinblick auf gewisse Ereignisse getroffen worden. Leider habe sich die Lage jedoch nicht so entwickelt, wie damals angenommen worden sei. Jetzt biete sich eine Gelegenheit, die Wünsche der Völkerbundsversammlung von 1926 vollinhaltlich durchzufühlen. In dem Schreiben des Quai ü' Orsay, das inhaltlich mit dem Schreiben des Foreign Office übereinstimmt, wird noch daraufhin gewiesen, die Umstände hätten bisher nicht gestattet, daß das von der Völkerbundsversammlung von 1928 angestrebte Ziel voll erreicht würde. Hierdurch sei eine bedauerliche Krise für den Völkerbund entstanden. Es biete sich jetzt Gelegenheit, die Spuren dieser Krise verschwinden zu lasten. Tie französische Regierung glaube, daß dieses Ziel noch vollständiger erreicht werden könnte, wenn die Völkerbnndsversammlung die kommenden Wahlen unter den gleichen Bedingungen vornehmen könnte, wie die Wahlen Im Jahre 1926 und wenn sie die Möglichkeit hätte, die Wiederwählbarkeit eines nichtständigen Ratsmitgliedes sofort nach der Wahl zu erklären. Die Schreiben der Londoner und Pariser Regierung haben, ohne daß es ausdrücklich erwähnt wird, ausschließlich den Fall der Wahl Spaniens 'in den Völkerbundsrat im Auge. Dieser Schritt ist somit lediglich als eine rein juristische Vorbereitung aufzufassen, um Spanien nach seiner Rückkehr in den Völkerbund zugleich außer der Wahl in den Rat auch den Charakter der Wiederwählbarkeit zu sichern. Das Schreiben der deutschen Regierung, die sich bekanntlich dem Schritt der englischen und französischen Regierung angeschloffen hat, ist bisher vom Sekretariat des Völkerbundes noch nicht bekanntgegeben worden Das ilalienisthe L-Voot „F14" ulilergegangen Berlin, 7. Aug. Rach einer Meldung der „Vossischen Zeitung" aus Rom. tauchte am Montag bej einem Angriffsma- növer sieben Meilen westlich der Insel Brioni das Küstenunterseeboot F 14 plötzlich unter dem Bug des Torpedobootzerstörers „Miffori" auf und stieß mit ihm zusammen. Das U-Boot sank alsbald 40 Meter tief bis zum Grund. Tie genaue Lage des Unterseebootes ist noch nicht festqe- stellt. Das gesunkene italienische Küsten-U-Boot F 14 ist vom Typ Fiat San Giorgio, h«t 233 Tonne« Wafferverdrängnng, ist 45 Meter lang und 4,2V Meter breit. 'Das Boot wnrde 1917 vom Stapel gelaffen, ist mit zwei Lanzierrohren und zwei Geschützen ausgerüstet «nd hat zwei Diesel-Fiat-Mo- tore zu 7V» P.S. und zwei elektrische Motore mit 25« P.S. Seine Geschwindigkeit über Wasser beträgt 13, unter Wasser 8 Knoten. Die Besatzung besteht a«s dem Kommandanten Wiel, dem Fähnrich Fasnlo und 29 Mann. F 14 gehört zur besonderen Division des Generals Foschini. Schwierige Bergungsarbeiten Rovigno, 8. Aug. Die Rettungsarbeiten für das Unterseeboot F 14, das Montag früh sieben Meilen westlich von der Insel Brioni infolge Zusammenstoß mit dem Torpedojäger „Miffori" unterging sind in vollem Gange. Wie die Taucher festgestellt haben, befindet sich das Unterseeboot etwa 24 Meilen südwestlich von St. Giovanni in einer Tiefe von 27 Metern. Tie Rettungsarbciten werden mit Hilfe eines großen Brückenschiffcs von 240 Tonnen, zwei kleinen Brückenschiffen von je 15 Tonnen und drei großen Scklevv- Der Landvolk * Tinsheimer Seitens. schiffen durchgesührt. An der Unglücksstelle sind ferner ein Unterseeboot und sechs Torpcdojäger eingetroffen. Nach späteren Meldungen aus Pola befürchtet man, daß ein Teil des Bootes mit Wasser gefüllt ist. Trotzdem glaubt man, daß ein Teil der Besatzung lebt. Ob die wasserdichten Abteilungen dem riesigen Wasserdruck bis zur Hebung des Bootes standhalten werden^ muß abgewartet werden. Im Laufe des Dienstagvormittag gelang es de,n Tauchern, eine Stahlröhre in das Unterseeboot zu leiten, mit dessen Hilfe man Luft in das Unterseeboot zu pumpen beabsichtigt. Die rauhe See gestaltet die Hebungsarbeiten außerordentlich schwierig. Wie jetzt bekannt wird, befinden sich aufgr der 29 Mann starken Besatzung noch einige Mechaniker an Bord. Die Verbindung mit der Mannschaft des gesunkenen italienischen Unterseebootes durch Klopfzeichen ausgenommen. Rom, 8. Aug. Es ist gelungen, mit der Besatzung des gesunkenen U-Bootes F 14 durch Klopfzeichen die Verbindung auszunehmen. Taucher haben bereits eine Ttahl- treffe an dem Unterseeboot befestigt. Am Unglücksort sind die Pontons eingetroffen die zur Hebung notwendig sind. Ferner ist der Kreuzer „Aquila" in der Nacht vor Anker gegangen, auf dem Admiral Foschini befindet, den die Leitung der Rettungsarbciten übertragen worden ist. Immer noch Ablehnung der Deutschen in Australien Da unüberlegte Auswanderung sehr oft die größte Not bei den deutschen Auswanderern herbeisührt, sind das Reichs- mswanderuugsamt und die von ihm anerkannten und gemeinnützigen Beratungsstellen sür Auswanderer bemüht, aufklärend über die Anstcllungsverhältnisse in allen Ländern der Welt zu wirken. So bringt z. B. die Ausländsabteilung des Gewerkschaftsbundes der Angestellten, Hamburg 36, als eine dieser -anerkannten Auskunftsstellen in ihrem Auswan- dcrerblatt „Der Handelsstand im Auslande" den Bericht eines Mitarbeiters in Australien, der sich ganz entschieden gegen eine Auswanderung nach Australien ausspricht. Es heißt darin: „Jeder Angestellte ist zu warnen, nach Australien auszuwandern. Selbst wer eine feste Stellung hat, ist nicht gesichert vor Erwerbslosigkeit. Der Deutschenhaß ist wohl in keinem Land so ausgeprägt, wie hier in Westaustralien. In den anderen Provinzen, z. B. Südaustralien, toll es dem Vernehmen nach nicht so schlimm sein. Während meines Aufenthaltes in P e r t h, der Hauptstadt von Westaustralien, bekam ich in jedem Büro und Geschäft dasselbe zu hören, nämlich: „Für Deutsche haben wir keine Beschäftigung". Selbst verschiedene deutsche Kaufleute, .die ich besuchte, bedauerten, mich nicht einstellen zu können, da sie dadurch Gefahr liefen, daß das gesamte Personal in den Streik treten könnte. Die einzige Arbeit, für die in Australien Deutsche angenommen werden, ist die iandwirt- schastl'che, der ich mich nun auch zugewandt habe, um wenigstens von der Straße zu kommen." Die ebenfalls von der Ausländsabteilung des G.D.A. herausgegebene, über 100 Seiten umfassende Broschüre „Die Berufsaussichten des kaufmännischen Angestellten im Auslande" beantwortet alle für auswanbernde Angestellte wichtigen Fragen. 3m Zeichen des Zusammenschlusses. Die Presfeorganisationm des Wrltprotefiantismus. Auch die religiöse Presse in den verschiedenen Ländern zeigt zurzeit eine wachsende Tendenz zur Bildung größerer nationaler und übernationaler Orgänisatiansformen. So besitzt DmtfchßOkst- reich seit dem Jahr 1925 einen Evang. Presseoerband, der dem Eoang. Preßverband für Deutschland angeschlossen ist. Zn Frankreich hat sich im Fahre 1926 ein „Syndicat de la presse protestante" gebildet und fest organisiert. Die Gründung eines Schweizer Evang. Preßverbands ist im Borjahr erfolgt. Auch in Holland find ähnliche Bestrebungen im Gange. In Deutschland ist bereits feit dem Fahr 1911 in dem Evang. Preßverband für Deutschland eine einheitliche Gesamtvertretung des evang. Pressewesens gewonnen, deren Grundsätze und Methoden zum Teil für die ausländischen Organisationen des Kontinents richtunggebend geworden sind. Die „Church of England" unterhält seit dem Jahre 1921 ein „Church Assembly Preß Bureau". In Amerika hat die evang. Pressearbeit in dem „Editorial Council of the Religions Preß", Unterkomitee des Amerikanischen Kirchenbundes, bereits seit längerem einen organisatorischen Mittelpunkt,- die größeren Kirchcngruppen haben vielfach noch ihre besondere Pressestelle. Durch diesen innerstaatlichen Zusammenschluß in nationalen Presfeorganisationen ist eine wichtige Voraussetzung geschaffen für Mittwoch, den 8. August 1928. eine fruchtbare internationale Zusammenarbeit der christlichen Presse. wie sie neuerdings durch die Internationale Pressekommission der Stockholmer Weltkonferenz (Vorsitzender: Professor D. Hin- derer-Berlin) in die Wege geleitet ist. Bekanntlich tritt diese Stockholmer Pressekommission im August dieses Jahres mit einer Internationalen Chrsstlichen Pressekonferenz in Köln erstmals vor die breite Oeffentlichkeit; Fragen der Zeitungsethik, sowie die Mitarbeit der christlichen Presse aller Länder an der kirchlichen Einheitsbewegung stehen zur Verhandlung. Reichswehrminister Groener und Admiral Zenker beim Aebungsschießen der Marine Kiel, 8. Aug. Reichswehrminister Tr. Groener und der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, wohnten am Dienstag an Bord des Linienschiffes „Schleswig Holstein" dem Artillerieschießen bei, wobei auch Hebungen mit dem Fernlenkzielschifs „Zähringen" ansgeführt wurden. Der Reichswehrminister und der Chef der Marineleitung werden den Reichspräsidenten von Hindenburg, der am Mittwoch früh 1.56 Uhr von Berlin über Hamburg mit dem fahrplanmäßigen D-Zug in Kiel eintraf, zur Teilnahme an den Flottenübungen an Bord des Linienschiffes „Schleswig- Holstein" geleiten. Der Reichspräsident wird noch am Mittwoch abend die Rückreise nach Berlin antreten. Abreise des Reichspräsidenten »ach Kie,. Berlin, 8. Aug. Der Reichspräsident ist Dienstagabend %8 Uhr in Begleitung seines Sohnes, Major von Hindenburg, vom Lehrter Bahnhof nach Kiel abgefahren, um dort an dem Kaliberschießen der Reichsmarine teilzunehmen. Aebersicht über die verfügbaren Gelder und vorgenommenen Transfers im 4. AnnuMsjahr Berlin, 8. Aug. Der Generalagent für Reparationszahlungen v. sfentlicht jetzt die Uebersicht über die verfügbaren Gelder und vvrgenommenen Transfers im 4. Annuitätsjahre bis zum 31. Juli 1928. Danach waren im Juli 1928 145 Millionen 971 880,63 Mark verfügbare Gelder vorhanden, in der 4. Jahresaunuität bis zum 31. Juli 1928 eine Gesamtsumme vo» 1682 813 004,46 Mark. Die vorgenom- mencr: Transfers beliefen sich im Juli einschließlich der Sachliescrungen in Höhe von 52 433048,93, der Kosten für die Bcsatzungstruppen in Höhe von 5 281924,16 und der Kosten der interalliierten Kommission in Höhe von 269 817,33 Mark auf 137 839 596,81 Mark. Die Gesamtsumme der vor- gcnonrmenen Transfers in der 4. Jahresannuität stellte sich einschließlich der Sachliescrungen in Höhe von 643 212 092,40, der Kosten für die Besatzungstruppen in Höhe von 60 698 912,79 und der Kosten für interalliierte Kommissionen in Höhe von 4 984 854,37 Mark auf 1521722 921,74 Mark, so daß sich per 31. Juli 1928 ein Saldo von 161 090 082,72 Mark ergibt. Aus der Verteilung der vorgenommenen Transfers au die Mächte ergibt sich, baß Frankreich in der 4. Jahresannuität 755 053608,02 Mark (im Juli 69 970 432,57 Mk.j, England 319 874 679,50 (31 789 106,80 Markt, Italien 107 361884,82 (8 676 648,35 Marks, Belgien 96 684 244,63 (11307 243,02), Polen 250 923,83 (21 204,78 Mark) erhalten haben. Für Prioritätszahlungen sind geleistet worden für den Dienst dre deutschen Ausländsanleihe im Annuitätsjahr 85 Millionen, für Kosten der Schiedsgerichtskörper, schakten in der 4. Jahresanuität 53 933,37 Mark. Ein deutsches Fern-Kino. Das Frruseh-Problem gelöst! Nachdem man in anderen Ländern der Lösung des Fernsehproblems bezw. der Uebertragung beweglicher Bilder bereits sehr nahe gekommen ist, kommt aus Leipzig die überraschende Meldung. daß es Professor Dr. Karolus, dem bekannten Physiker der Leipziger Universität gelungen ist, zusammen mit der Firma Telesunken in Berlin einen Fernsehapparat zu konstruieren, der sich hauptsächlich die Uebertragung von Filmstreifen zur Aufgabe macht. Prof. Karolus, ist der Erfinder der nach ihm benannten Karolus-Zelle, die auch bei den bisher bekannten Systemen der Bildübertragung eine große Rolle spielt. Wenn es jetzt gelungen ist, die Versuche bewegliche Bilder drahtlos zu übertragen, aus dem Laboratoriumsexperiment in die praktische Anwendung überzuführen, so wäre damit der Anfang einer Entwicklung auf dem Gebiete des Bildtelcgraphen gemacht, die sich in ihren nächsten Zielen kaum übersehen läßt. Von fachmännischer Seite erhalten wir über den Stand des Verfahrens folgende autentifchs Mitteilungen: Auf der großen deutschen Funkausstellung Anfang nächsten Monats wird Prof. Karolus im Verein mit der Telefunken-Ge- l sellschaft zum ersten Male mit einem sogenannten Fern-Kmo vor MM ROMAN vok 3.SCHNEIDER-FOERSTL „Wollen Sie mich wirklich zu sich nehmen, Herr Doktor?', sagte sie unter Tränen lächelnd. „Solch' ein verwöhntes, verzärteltes Geschöpf, wie ich bin?" Da zuckte er zusammen. Die alten Bedenken kamen wieder. Er zog sie an seine Seite in einen Stuhl und gestand ihr alles, all sein Fürchten, das ihn draußen vor dem Tor und in der Halle überkommen hatte. Ihre Hände lagen regungslos in ihrem Schoß. Mit großen, glückleeren Augen sah sie in den Raum. ^Elisabeth!" sagte er bittend. Sie blickte an ihm vorbei. Ihre Stimme war klanglos. _ „j>err jjutxor, m; yaoe, wenn ich an öm> dachte, niemals überlegt, was Sie mir bieten können und was nicht! Ich wollte nichts, als Ihre Liebe, aber ich wußte nicht, daß das Geld meines Vaters ein Hindernis ist. mir dieselbe zu erringen! Sie wollte ihm wehren, aber er hielt sie fest im Arm und preßte sie ,ubelnd an sich und küßte ihr die Tränen von den Wangen. Er wurde nicht müde, zu bitten, bis wieder das alte Leuchten in ihren Augen und das sonnige Lächeln um ihren Mund lag. Arm in Arm gingen sie nach dem Park. Der Diener, welcher die Flügeltüren nach der Halle öffnete, hatte alle Mühe, seine Ueberraschung zu verbergen. Wenn er sich jemand an der Seite der Tochter des Hauses gedacht hatte, so war ihm immer die Gestalt von Billermanns erstem Direktor. Hans Helbing, vorgeschwebt. Nun war es ein anderer. Da hatte er sich einmal gründlich getäuscht. „Nun gilt es noch den schwersten Kampf zu überwinden," dachte Karsten, zwischen all' seine junge Seligkeit hinein. Würde der Multimillionär Billmann sein jugendschönes Kind ihm so ohne weiteres zum Weibe geben, ihm, dem Arzte von St. Wylten, der noch obendrein schon graues Haar hatte?" Aber auch hier hatte der Freund ihm den Weg geebnet. < Billmann drückte Karsten mit einem bittenden Blick die Hand. „Machen Sie mein Kind so glücklich, als Sie es vermögen!" bat er. „Eine andere Bedingung stelle ich nicht! Meine Tochter hat mir mit keinem Wort verraten, daß sie ihr Herz an Ihre Person verloren hat. Aber mein erster Direktor hat mich darauf vorbereitet. Sie sind ja — besser gesagt — du bist ja befreundet mit ihm, mein lieber Schwiegersohn. Ich beneide dich um diese Freundschaft. Ich habe kürzlich ein Buch gelesen: „Der geniale Mensch!" von Herrmann Türck, da mußte ich immer an Helbing denken, das ist wirklich der reine Typ eines solchen. Ich begreife sehr wohl, daß Petersen alle Hebel in Bewegung setzte, ich solle den Vertrag, den ich mit ihm abgeschloffen hrche annullieren. Aber gerade Peteesens Drängen, ihn frei zu bekommen, hat mich gereizt, ihn für mich zu gewinnen. Und ich werde ihn halten. Ein wenig habe ich schon vorgesorgt," sagte er und rieb sich dabei die Hände mit einem vergnügten Lächeln. „Ich habe ihn für fünf Jahre vertraglich für unsere Firma verpflichtet. Die Strafe, die er bei Kontraktbruch bezahlen muß, ist derart hoch, daß er sie unmöglich begleichen kann." „Ist Herr Helbing nicht im Büro, Vater?" fragte Elisabeth. „Nein, mein Kind, er ist gestern früh weggefahren, um eine geschäftliche Angelegenheit zu besorgen. Sie war zwar nicht gerade dringend, aber er wollte sie gerne erledigt wissen!" Karsten griff unwillkürlich an die Stelle seines Ueber- rockes wo Helbings Zeilen lagen. „Du wirst diesen Tag für Dich und Dein Glück allein benötigen. Da will ich Dir auch nicht ein Stündchen wegnehmen!" „Was bin ich für ein glücklicher Mensch," jubelte er innerlich, „daß mir das Leben solch' ein Weib und solch' einen Freund geschenkt hat." Sieben Wochen später, als des Abends die Iohannisfeuer auf den Bergen glühten, hob Dr. Karsten sein junges,Äeib rus dem Kraftwagen, der sie von der Station geholt hatte. Der Himmel war ein einziges Glühen. Smaragdfarben leuchtete das Grün der Wiesen, weit drüben über dem Flusse blauten die Berge. Wald und Wehr rauschten ihr Willkomm'. Eine einzige wunderbare Harmonie.! Der Chauffeur lenkte den Wagen durch die große Ein- kabrt. Karsten aber, seine iunae Frau am Arme, schritt >urch die von Noisetterosen umschlungene Garten- iüre. Vor dem Eingang in das Haus stand Lene in schwarzem, steifem Seidenkleide. Elisabeth zog den Arm ms dem ihres Gatten und eilte rasch auf sie zu. „Darf ich kommen, Lene?" Die Augen der beiden Frauen tauchten ineinander. „Nun hat er endlich sein Glück gefunden, mein Doktor!" agte Lene, während Tränen der Freude über ihre Wangen perlten. Zögernd nahm sie die schmalen, weichen Hände der jungen Frau in ihre abgearbeitete Rechte. „So viel lieb sind Sie und so viel fein!" sagte sie, „und nein Doktor und ich werden gewiß alles tun, daß Sie nicht vieder fort wollen von uns." Karstens damalige Bedenken waren vollständig üüer- flüffig gewesen. Sein junges Weib fühlte sich restlos glücklich unter dem hohen Giebeldachs. Elisabeth fand das alte Haus entzückend und hatte auch nicht geduldet, daß in der Einrichtung etwas geändert wurde. Nur ihr prachtvoller, schwarzer Flügel stand in dem großen Wohnzimmer, das neben des Doktors Studierzimmer lag. Sonst war alles beim alten geblieben. Wenn Pfarrer Schmitt sein Brevier las, klang aus dem Doktorgarten das Lachen der jungen Frau herüber. „Er hat's verdient das Glück," nickte Schmitt. „Warum sollten die Menschen nicht selig sein? Es war ja Gottes ureigenster Wille gewesen, daß sie kein Leid trügen und keine Sorge und nicht Tod und Verwesung kannten!" Jeden Mittag konnte die junge Frau geduldig bei Wind und Sonnenschein am Tor stehen, auf die Heimkehr des Gatten wartend. Wenn es hin und wieder allzulange dauerte und um Elisabeth Karsten immer wieder umsonst die Straße hinabspähte» dann öffnete sich drüben im Pfarrhof ein Fenster und Schipitt rief scherzend herüber: „Will er heute wieder gar nicht kommen, der böse Mann?" Dann flammte Elisabeths Gesichtchen auf und sie trat an den Zaun des Pfarrgartens und plauderte mit dem Greis, den sie verehrte, und mit all' der reinen Liebe ihres Kinderherzens zugetan war. Kam dann Karsten nach Hause, so flog sie ihm entgegen und küßte ihn im Uebermaß ihrer großen Seligkeit. „Kind," mahnte er dann scherzend, „wir haben den Herrn Pfarrer zum Nachbar." Rr. 184. Jahrgang 1928. Der Landdste H- Smsheimer Zeiwsg. Mitwochs den 8. August 1928. die Oeffentlichkcit treten. Es handelt sich hierbei zunächst um ein Laboratoriumsgerät, sodaß also Immerhin Störungen nicht ausgeschlossen sind. Indessen wird zumindest der Beweis erbracht werden, daß auch in Deutschland an dieser zur Zeit hochwichtigen Frage erfolgreich gearbeitet wird und die erzielten Ergebnisse hinter den vielbesprochenen Leistungen des Auslandes nicht zurückstehen. Es ist heute nicht nur möglich, kleine in den Aufnahmebereich der Sendeeinrichtung gebrachte Gegenstände und Diapositive auf einer Mattscheibe des Empfängers wahrzunehmen, sondern auch einen senderseitig laufenden Film auf. der Empfangs- feitc auf einer Projektionsfläche sichtbar zu machen. Nachdem es gelungen ist. die Trägheit der Selen-Zelle zu überwinden, ist es jetzt möglich, Bilder mit 10 000 Flächeneinheiten zu übertragen und so die Widergabe eines absolut porträt- ähnlichen Bildes zu erzielen. Andererseits aber — und das Ist das Wesentliche des Gerätes von Prof. Karolus — ist dieser Physiker in der Lage, diese vorher dezeichnetey B'lder in der Sekunde 10 bis 15 mal zu senden, sodaß sich daraus die Borbedingungen für das bewegte Bild ergeben. Die Entwicklung ist ferner so weit gefördert, daß in der Sekunde etwa 100 bis 150 000 Punkte übertragen werden können. Auf der Empfangsseite befindet sich die allenthalben bekannte Ka- rolus-Zelle, während auf der Senderseite die bekannte Telefunken- Photo-Zelle arbeitet. Die Sendegröße entspricht dem gewöhnlichen Filmstreifen in ihrem Ausmaße. Auf der Empfangsseite wird dieses Bild durch Spiegelung gegen eine Projektionswand^auf die Größe von 1 gm gebracht. Das Tellspiel auf der Aaimbühne Seti'gheim Am nächsten Samstag, den 11. August sVerfassungstag), ist Oetigheim in der glücklichen Lage, seine 180. Tellauffüh- rung zu feiern. Ein kleiner Festakt wird dieses immerhin beachtenswerten Ereignisses gedenken. Wer die ersten Tell- aufführungen auf der anfänglich recht primiliveü Naturbühne miterlebt hat und damit die Schönheit und Großartigkeit seines heutigen Tellspiels auf der jetzt grandiosen Natur- und Freilichtbühne vergleicht, den nimmt es nicht Wunder, daß dieses Tellspiel auch bei seiner 150. Aufführung nichts an Zugkraft verloren hat. Könnte man erst die Hunderttausenden, die zusammengesetzt aus allen Weltteilen und Nationen im Laufe der Jahre sich am Oetigheimer Tell begeistert haben, heute vereint vor sich sehen, dann könnte man erst ermessen, welche idealen Werte von diesem schönen Spiel ausgegangen sind. Von Spieltag zu Spieltag macht sich die internationale Wertgeltung des Oetigheimer Tellspiels mehr und mehr bemerkbar, besonders der letzte, von kühlerem Wetter begünstigte Spieltag wies in seiner Zusammensetzung ein ganz internationales Gepräg« auf. Ein starker Zugverkehr, und dazu über 50 Autos und Gesellschaftswagen aller Art brachten dem Spiel ein vollbesetztes Haus mit starkem ausländischen Einschlag. In höchst anerkennensiverter Weise ist besonders die Kurdirektion Baden-Baden bestrebt, das schöne Tellspiel den Kurgästen zugänglich zu machen, was ihr von diesen Besuchern ausnahmslos recht dankbar vermerkt wird. Könnte dieses Beispiel nicht auch sonst, besonders bei Tagungen und Kongressen Nachahmung finden? Wer einen erhabenen schönen Nachmittag verleben will, wird ihn in Oetigheim sicherlich finden: auch jene, die das Tellspiel schon öfter in Oetigheim gesehen haben, werden auf ihre Rechnung kommen. Mit dem Versasiungstag und Maria Himmelfahrt (15. 8.) sind es etwa noch ein Dutzend Spieltage, an denen der Tell in Oetigheim zu sehen ist. er wird dann aus längere Zeit vom Oetigheimer Spielplan verschwinden. Benütze darum jeder Kunstfreund und Gönner des Spiels die kurze Zeitspanne. Von Interesse dürfte es auch sein, daß eine amerikanische Tonfilmgesellschaft es für wert gefunden hat, einige bemerkenswerte Akte und Gesänge in Oetigheim zu filmen. DeoWand im Mafferball-Endspiel Amsterdam, 8. Aug. Durch einen 8:5 Sieg im Waffer- ball-Spiel über England hat sich die deutsche Mannschaft am Dienstagvormittag für das Endspiel qualifiziert. Sie wird im Endspiel wahrscheinlich gegen Ungarn antreten. In den Vorläufen des 100 Meter Rückenschwimmens stellte der Amerikaner Kojac mit der Zeit l Min. 9,2 Sek. einen neuen Weltrekord ans. Von den Deutschen qualifizierte sich Küppers, der in seinen Borläufen gewann, für die Zwischenläufe Für die Kunstspring-Entscheidungen haben sich auch die drei Deutschen Riebschläger, Mund und Plumanns qualifiziert. Fräulein Schräder schwimmt Weltrekord Sietas in der Entscheidung. — Rur «och 2 deutsche Boote im Renne». Amsterdam, 8. Aug. Am Tienstagnachrtsittag fanden »m olympischen Stadion in Anwesenheit der Königin Wilhel- mine der Niederlande und des gesamten Hofstaates gymnastische Vorführungen Hollands. Deutschlands und Ungarns statt. Die Vorführungen der Deutschen Hochschule für Leibesübungen fanden hierbei ungeheuren Beifall. Beim Rudern fielen am Dienstag weitere Entscheidungen. Im Vierer mit Steuermann schied Deutschland gegen Italien, im Achter gegen England aus, so daß nur noch dar Doppelskuller und der Riemenzweier Deutschlands im weiteren Wettbewerb verbleiben. Im 200 Meter-Brustschwimmen gewann Rademacher seinen Zwischenlauf verhalten. Auch Sietas qualifizierte sich als Dritter für die Entscheidung. Im anderen Vorlauf unterbot der Japaner Tsuruta abermals die olympische Rekordzeit. Im 200 Meter-Freistil der Herren sind die Deutschen Berges und Handschuhmacher ausgefallen. Nur Heinrich vertritt Deutschland in der Entscheidung. Im 200 Meter-Brustschwimmen sür Damen unterbot Fräulein Schrader-Magdeburg den Weltrekord von Frl. Mühe mit der Zeit von 3 Min. 11.6 Sekunden. Neben Frl. Schräder find noch Frl. Mühe und Frl. Zimmermann an dem Zwischenlauf teilno5irieLerechtiqt. Ich Wafferballspiel ist Deutschland die silberne Medaille bereits sicher. Ungarn, das Frankreich mit 5:3 schlug, ist Endspielgegner. Kongresse in Amsterdam Handball unter deutscher Führ«««. Gründung eines Internationale« Verbandes. Nach den vorhergegangenen Besprechungen war die Gründung eines Internationalen Handball-Verbandes noch in Amsteroam zu erwarien. sie erfolgte nun auch prompt in einer Sitzung, der die Vertreter von Deutschland, Schweden, Frankreich, U.S.A., Kanada, Irland, Dänemark, Finnland, Griechenland, Tschechoslowakei, Oesterreich, Australien und England beiwohnten. Als Satzungen wurden die des Leichtathletik-Verbandes bis aus weiteres bestätigt. Ter neue Verband enthält tschechische Ausschüße sür das Rasen-Handball das in England, Irland und U.S.A. gepflegte Hallenhandball und das in den romantischen Ländern betriebene Basketball. Jedes Land kann je einen Verband dieser drei Arten zur Mitgliedschaft in den Internationalen Handball- Verband anmelden. Für die Aufnahme kommen vorerst die Verbände in Frage, die Mitglieder der Amateur-Athletic- Union sind. Spiele der Länder untereinander bedürfen keiner besonderen Genehmigung des Verbandes, wohl aber einer Meldepflicht. Zum ersten Vorsitzenden des neuen Verbandes wurde der D.S.B.-Vorsitzende Rechtsanwalt F. G. Lang-München gewählt. Generalsekretär ist Haßler-München. Dem Vorstand gehören ferner an: Baer-U.S.A., Crocker- Kanada. Dr. Schwartz-Oesterreich, Frantina-Tschechoslowakei sowie je ein Engländer und Australier. Die explodierende Opel-Rekete Der neue Raketenwagen Fritz von Opels ist bei einem Startversuch, der in aller Heimlichkeit bei. Burgweüel vorgenommen wurde, da die Eisenbahn das Gelände nur unter der Bedingung der völligen Geheimhaltung zur Verfügung stellte, nach kurzem Anlauf von etwa 70 Meter ex- ‘ ✓ ' : 4 plädiert. Dabei wurde der schwere Wagen ungefähr fünfzig Meter hoch in die Luft geschleudert, wo seine einzelnen Teile auseinanderflogen. Unser Photograph hat diesen Moment sehr geschickt erfaßt: Man sieht, wie die einzelnen Teile rechts und links in die Felder sausen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt: die Eisenbahnbehörde und der Landrat haben aber sie Vornahme weiterer Versuche verboten. Erster Austieg des deutschen Ozeanflugbootes ,/Romör" Travemnuoe, 8. Aug. (Funkspruch.j Am Dienstag Morgen ist in aller Frühe der erste Ausstieg des deutschen Ozean- flugbvotes „Romar" erfolgt. Auf dem Flugplatz hatten sich etwa 30 Gäste und mehrere Pressevertreter eingesunden. Man sah auch viele Filmoperateure und Photographen, die die ersten Aufnahmen von dem Riesenflugbovt machten. Im Flugzeug, das auf der Pötenitzer Wiek lag, waren bereits die Führer, der Rvhrbachpilot Steindorfs und der frühere türkische Hauptmann Samt, anwesend. Um 6 Uhr war das Flugboot, das mit drei B.M.W.-Motoren vo nzusammen 21000 P.S. ausgerüstet ist und Platz für 12 Fahrgäste, zwei Führer und einen Borömonteur bietet, startbereit. Es erhob sich leicht und schnell vom Waffer und gebrauchte insgesamt 15 Sekunden, um sich in die Lust zu erheben. Eine Viertelstunde lang blieb die „Romar" in der Lust und landete dann wieder glatt und sicher auf der Pötenitzer Wiek. Der erste Aufstieg des Ricsenflugbootes ist damit vollauf geglückt. Die Flugzeugfachleute, unter denen man den Konstrukteur des Bootes, Tr. Ing. Adolf Rohrbach, bemerkte, waren über den Probeslug sehr befriedigt. Ein weiterer Probeflug wurde noch im Laufe des gestrigen Tages unternommen. FrmzSWe Rekordsucht Start zweier französischer Flieger «m de« WeltentfernnngS» rekord und den Weltrekord im Rundflng. Paris, 8. Aug. (Funkspruch.j Tie französischen Flieger Favreau und de Marmier starteten Dienstag vormittag um 5 Uhr zu einem Flug um den Welteutsernungsrekord und im Rundflug. Im Falle des Gelingens werden die beiden Franzosen nach Ueberholung des Apparats und Anstausch des Motors zu einem Ozeanslug starten, sobald günstige Wetternachrichten vorliegen. Ter Tauerrekord wird bekanntlich von den Deutschen Risticz und Zimmermann mit 65,14 Stunden und der Weltrekord im Rundflug von den Italienern Ferrarin und del Prete mit 7666 Kilometern gehalten. Neues aus aller Mett Botschafter von Prittwitz ans dem Wege »ach Dentschland. Paris, 8. Aug. Ter deutsche Botschafter in Washington von Prittwitz und Gafron traf am Montag mit Familie auf einem Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie in Cherbourg ein. — Die amtliche Großhandelsrichtzahl im Monatsdurchschnitt Juli 1928. Berlin, 8. Aug. Die für den Monatsdurchschnitt berechnete Großhandelsrichtzahl des Statistischen Reichsamts hat mit 141,6 gegenüber dem Vormonat 141,3 um 0,2 vom Hundert angezogen. Ein nener Herzanfall Raditschs. Agram, 8. Aug. Raditsch wurde am Dienstagvormittag nochmals untersucht. Die Aerzte lehnten es jedoch ab, irgend eine Mitteilung für die Oefsentlichkeit zu machen. Für Mittwoch wird der Münchener Prof. Romberg erwartet, der zusammen mit dem Wiener Prof. Wenckebach den Kranken untersuchen wird. Danach wird über den Gesundheitszustand Raditschs ein Bulletin ausgegeben werden. Wie aus der Umgebung Raditschs verlautet, hatte Raditsch am Dienstag neuerlich einen Herz-Anfall, der aber gegenüber dem Anfall am Montag, der sechs Stunden dauerte, nur eine viertel Stunde währte. 0 Die Sennssi unterwerfen sich den Italienern. Berlin, 8. Aug. Der Führer der Senuffen, Kufra Mohammed el Nahes hat, wie die D.A Z. aus Mailand meldet, der italienischen Kolonialregiernng in Cyrenaika seine Un- terwerfung angcboten und seine beiden ältesten Söhne nach der Hauptstadt Bcnqasi entsandt. Amerikanische Stabilifiernngsanleihe für Spanien. London, 8. Aug. Das amerikanische Bankhaus Morgan trifft Vorbereitungen sür die Gewährung einer großen Stabilisierungsanleihe für Spanien. Tie Bank von Spanien übernimmt die Garantie. Bratia«« j« einem französischen Kurort. Paris, 8. Aug. Der rumänische Ministerpräsident Bra- tianu verließ nach mehrstündigem Aufenthalte Paris, um sich zur Kur nach Royat zu begeben. Er beabsichtigt, Ende des Monats einen längeren Aufenthalt in Paris zu nehmen. Das Geheimnis von Fontainebleau ansgeklärt. Paris, 8. Aug. Das „Geheimnis von Fontainebleau scheint rasch aufgeklärt zu sein. Wie das „Journal" erklärt, befinden sich die angeblich verschwundenen 50 kostbare Wandteppiche seit dem Kriege in der Nationalmöbelsammlung. Als man einen weiteren Vormarsch d?r deutschen Armeen befürchtete, wurden die Wandteppiche in die Nationalmöbelsammlung gebracht, die sie nur bei Galavorstellungen der Oper zeitweise verließen. Roch keine Antwort Stresemanns auf die Einladnng nach Paris. Berlin, 8. Aug. Zu der von einem Montagsblatt verbreiteten Meldung, wonach Stresemann die Einladung zur Teilnahme an der Unterzeichnung des Kellogg-Paktes in Paris bereits zusagend beantwortet habe, wirb von Berliner zuständiger Stelle mitgeteilt, daß dies noch nicht der Fall sei. Die Antwort dürste erst in nächster Zeit, voraussichtlich erst nach der Rückkehr Stresemanns nach Deutschland erfolgen. Vier Todesopfer beim Absturz eines Bombenflugzeuges. Paris, 8. Aug. (Funkspruch.) In Revers stürzte in der Nacht zum Dienstag ein Bombenflugzeug ab. Die vier Insassen wurden getötet. Berösfentlichnng des englisch-französischen FlottenabkommenS am heutigen Dienstag. Paris, 8. Aug. (Funkspruch.j Wie verlautet, wird bat englisch-französische Flottenabkommen am heutigen Abeul» in Paris und London zur Veröffentlichung gelangen. Aus Rah und Fern. * Sinsheim, 8, Aug. (Ernennung.) Herr Rechnungsdirektor Ludwig Ziegler beim Evang. Oberkirchenrat in Karlsruhe, ein geborener Sinsheimer, wurde zum Finanzrat ernannt. * Sinsheim, 8. Aug. (Bürgerausschuß.) Der Bürgerausschuß hatte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der endgiltigen Stellungnahme zur Polksschulhausfrage und der Kapitalbeschaffung hierzu zu befassen. Zu Eingang derselben präzisierte der Vorsitzende Bürgermeister Sidler nochmals kurz den Stand der Angelegenheit. Bonseiten der Bürgerpartei wird der Ausbau des Etsenz- werks aus den verschiedensten Gründen als unzweckmäßig erachtet. Das Elsenzwerk sei für eine landw. Winterschule angekauft worden und der Ausbau zur Volksschule für ein Provisorium zu kostspielig. Einem dem Gemeinderat vorgelcgten Antrag auf ein Bolksvotum konnte nicht stattgegeben werden, weil ein solches gesetzlich nicht zulässig ist. Es wurde daher eine Erklärung im Sinne obiger Ausführungen abgegeben, welche die ablehnende Stellung der genannten Partei zum Ausdruck brachte. Der Vorsitzende erklärte, daß die Gemeindeverwaltung sich die größte Mühe gegeben habe, die landw. Winterschule zu bekommen und, nachdem der Kreis dieselbe zurückgestellt habe, eine solche im Zweckverband mit anderen Gemeinden selbst errichten wollte. Aber auf die Anfrage beim -Ministerium, ob man hierfür Lehrkräfte zur Verfügung gestellt bekomme, sei bis heute noch keine Antwort eingegangen. Bon demokratischer Seite, die den Schulhausneubau auf dem vorgesehenen Platz der Siedlung in früheren Jahren eifrig betrieben hatte, wurde die ganze Schylhaus- angelegenheit nochmals eingehend erläutert und die Stellungnahme der Fraktion begründet. Nach verpaßter Gelegenheit und bei der heutigen äußerst schwierigen Wirtschaftslage sowie den im Verhältnis zum Gemeindevermögen hohen Gemeindeschulden sei der Ausbau des Elsenzwerkes der billigste und rascheste Weg, alle schwebenden Schulfragen für die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte zu lösen, zumal durch Verkauf von Gemeindehäusern Deckung für die neuen Ausgaben beschafft werden kann, sodaß die Gesamtschulden keinen großen Zuwachs erfahren. Die Demokratische Fraktion ist sich wohl bewußt, daß der Ausbau des Elseyz- werks kein Fdealzustand ist, sie kann aber auch nicht die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Schuldenlast der Gemeinde noch um einige Hunderttausende vermehrt wird. Das Projekt des Ausbaues des Elsenzwerkes wurde bei der nun folgenden Abstimmung mit 36 gegen 15 Stimmen angenommen. Der auf Punkt 2 bis 4 der Tagesordnung stehende An- bezw. Verkauf non Liegenschaften wurde einstimmig genehmigt. Der Vorsitzende schloß die Sitzung mit dem Wunsche, der heute gefaßte Beschluß über die Schulhausangelegenheit möge der Gemeinde in jeder Hinsicht zum Segen gereichen. * Sinsheim, 8. Aug. (Tödlicher Unglücksfall.) Beim Legen der Hohlseile der Walchensee-Rheinleitung ereignete sich gestern Abend ein schwerer Unglücksfall am Mast auf der Waibftadter Höhe. Beim Anziehen eines Seiles brach der obere Seitenarm, auf dem Arbeiter beschäftigt waren. Zwei Arbeiter stürzten ab. Der eine war sofort tot. währeno der andere kurze Zeit später seinen schweren Verletzungen erlegen ist. P Meckesheim, 7. August. (Ausbau der Walchensee-Rhein- ruhrleitung). Im vergangenen Jahre wurde der Unterbau für Deutschlands größte Ueberlandleitung. die Walchensee-Rheinruhrleitung. welche über die hiesige Gemarkung führt, fertiggestellt. Nun begannen dieser Tage die Arbeiten für den Ausbau der Drahtleitung. Mächtige Holzrollen, auf denen der Kupferhohl- draht mit seinen 42 Millimeter Durchmesser aufgespannt ist, werden am hiesigen Bahnhofe entladen und der Draht mit Kraftfahrzeugen zur Baustelle befördert. Lieferfirma ist das Heddern- heimer Kupferwerk. Werk Gustaosburg. Das Aufziehen der Drähte auf die mächtigen eisernen Träger des Unterbaues erfolgt mit Hebemaschinen. Die Arbeiten schreiten so rüstig vorwärts, daß die Inbetriebnahme der Leitung in kurzer Zeit erfolgen kann. — Oestringen, 6. Aug. (Der 90. Geburtstag) des ehemaligen Kirchensteuererhebers Ferdin. Essenpreis wurde in erhebender Weife gefeiert. Nach einem Ständchen des Cäcilienvereins sprach Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Heinzmann von den Verdiensten des Jubilars im Kirchen- und Gemeindeleben. Eine besondere Note erhielt oie Feier dadurch, daß gleichz«tig das 40 jährige Lehrerjubiläum seines Schwiegersohnes, Rektor Bender, mitbegangen werden konnte, der seit 1910 als Leiter der hiesigen Volksschule tätig ist. Bürgermeister Heinzmann schilderte den Lebensgang des Jubilars und begrüßte es. daß diesem aus Anlaß seines 40 jährigen Lehrerjubiläums ein Anerkrnnungs- libAaatBami Nr. 184. Jahrgang 1928. Der Landvolk * Sinsheim« Ieitssi. Mittwoch, den 8. August 1928. schreiben zuteil wuroe von seiten ocs Kultusministeriums. Rektor Bender dankte in bewegten Worten für die Ehrungen, worauf man sich noch zu einigen gemütlichen Stunden zusammenfand. = Tairnbach, 6. Aug. (Verbesserungen im Postverkehr.) Seit dem 1. August ist die 'seitherige hiesige Posthilfsstelle in eine Postagentur verwandelt worden. Zugleich wurde auch die Postzustellung dahingehend verbessert, daß die Post nunmehr zweimal täglich, vormittags um II Uhr und nachmittags um 3 Uhr ausgetragen wird. Die hiesige Post muß bekanntlich von Mühlhausen täglich geholt werden, da Tairnbach selbst etwa 4 Kilometer von der Bahnlinie entfernt liegt. Diese Verbesserung, der auf Antrag der Gemeindeverwaltung seitens der Oberpoft- direktion stattgegebcn wurde, wird von der hiesigen Einwohnerschaft, vorab von der Geschäftswelt, dankbar begrüßt. Die Post- Hilfsstelle wird auch weiterhin von dem seitherigen Inhaber der Posthilfsstelle, Wilhelm Wolf, verwaltet werden. - Wirslech. 6. Aug. (Die Allgemeine Ortskrankenkasse) er- warl^dic in der Bahnhofstraße gelegene Villa Führer zum Preis« von 37 000 RM. Die Krankenkasse wird ihre Geschäftsräume Ende dieses Jahres in dieses Gebäude verlegen. - Dielheim, 6. Aug. (Das Patronatsfest. — Bautätigkeit.) Am Sonntag beging die hiesige Kirchengemeinde das Fest des Ortsheiligen Zyriakus. das sowohl in den Morgenstunden wie auch am Nachmittag der Anlaß einer erhebenden kirchlichen und weltlichen Feier bildete. Die Festrede hielt jeweils der Kapuzinerprediger Angelus aus Waghäusel. Die Veranstaltung wurde durch, die Darbietungen des Kirchenchors, des Gesangvereins Konkordia und der Musikkapelle in stimmungsvoller Weise umrahmt. — In diesem Jahre wurden bereits 20 Neubauten errichtet, wovon schon 18 unter Dach sind. Außerdem sind noch vier Umbauten vorgenommen worden. Mit dieser Bautätigkeit konnten über 30 Wohnungen gewonnen werden. ** Ludwigshasen a. Rh., 8. Aug. (Betriebsunfall. — Kindesleichenfund). In einem Betriebe der J.-G.-Farben- industrie entstand gestern aus bisher unbekannter Ursache eine kleine Explosion, bei der ein 28jähriger verheirateter Arbeiter aus Freinsheim Verbrennungen im Gesicht, an der Brust und an beiden Armen erlitt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr besteht nicht. — Am Sonntagmittag wurde im Rhein bei der Bootsüberfahrtsstelle aus pfälzischer Seite die Leiche eines etwa 6 Monate alten Kindes, die wenige Tage im Wasser lag. an Land gebracht. Ter Fall ist noch nicht aufgeklärt. ** Grünwettersbach bei Durlach, 8. Aug. (Tödlich ver- nngliickt.l Ter 54 Jahre alte Kreisstraßenwart K. Höckele erlitt bei einem Sturz vom Rade einen schweren Schädelbruch. Er wurde in daß Diakonissenhaus Karlsruhe gebracht, wo er seinen schweren Verletzungen erlegen ist. ** Baden-Baden, 8. Aug. (Seinen schweren Verletzungen erlegen.) Der am Sonntag am Battertfelsen abgestürzte Karlsruher Kaufmann Josef Ott ist im hiesigen Krankenhause seinen schweren Verletzungen erlegen. ** Winterödors bei Rastatt, 8. Aug. (Leichenländung.) Seit Sontag war die Tochter des Leopold Wetzel von hier vermißt worden. Vorgestern wurde nun die Leiche von Fischern aus dem Wasser des Sandbaches gezogen. Zerilönmgen durch Gwßfeuer Großes Schadenfeuer im Bauland. Adelsheim, 8. August. Sonntag früh war in der mit Heuvorräten von unten bis oben gefüllten Heuscheuer des Gntspächrers Wittmer im nahen Hofgut Selgental Feuer ausgebrochen, das auf das angebaute Wohnhaus und den Getreidespeicher mit reichen Vorräten überzugreifen drohte. Auch das Gesindehaus war in Gefahr und ivurde zum Teil geräumt. Trotz sofortiger Hilfe ist die Heuscheuer mit den darin aufgespeicherten 4000 —5000 Zentnern Heu und Erbsenstroh bis auf die Umfassungsmauern vollständig aus- und niedergebrannt. Weiter ist durch den Brand der Giebel des Gemeindespeichers stark beschädigt und das darin aufgespeicherte Frtthdruschgetreide durch Waffer stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch Sas Dach des angebauten Wohnhauses hat stark unter dem Feuer gelitten. Der Schaden durch die Vernichtung der gesamten Heuvorräte ist sehr groß, doch durch Versicherung gedeckt. Die abgebrannte Scheuer war die Kirche des einstmaligen Klosters Selgental. Als Ursache des Brandes dürfte Selbstentzündung des Heues in Betracht kommen. Schon seit mehreren Tagen waren die Beivohner des Hofes durch verdächtigen Geruch beunruhigt, konnten aber den Herd nicht entdecken. Ein großer Brandtag im Odenwald. Hardheim, bei Buchen, 8. Aug. Gestern morgen entstand in den beiden neuerrichteten Häusern der beiden hiesigen Landwirte Weimann und Lust Feuer. Das Feuer griff sofort auf drei Scheunen über, die ebenfalls vollständig nie- oerbranntcn. Auch wurden zwei weitere Wohnhäuser stark beschädigt Erst nach langer und schwerer Arbeit gelang es dem Brande Einhalt zu gebieten. Tie Entstehungsursache ist unbekannt. Die Geschädigten sind zum Teil schlecht versichert. Miltenberg, 8. Aug. In dem benachbarten Großheubach fiel das erst im vorigen Jahre erbaute Sägewerk der Firma Hammel und Neuburger einem Großfeuer zum Opfer. Das Werk brannte samt den großen Vorräten an lagerndem Holze vollständig nieder. Die Geschädigten sind nur mangel- bast versichert. ** Bietigheim bei Karlsruhe, 8. Aug. (Großfeuer.) Gestern nachmittag gegen %2 Uhr brach in dem Oekonomte- gebäude des Kaufmanns und Händlers Joses Dürrschnabel. Rheinstraße, Feuer aus, das sich rasch ausbreitete und aus die Nachbargebäude des Metzgers Ludwig Schlick und des Landwirts Lukas Bertsch Übergriff. Die Bietigheimer Feuerwehr war alsbald zur Stelle, auch mußte man die Wehren von Durmersheim und Oetigheim zu Hilfe rufen. Abgebrannt sind drei Wohnhäuser mit Oekonomiegebünden. Möbel und Fahrniffe wurden teilweise gerettet. Auch das Vieh konnte, bis auf zwei Schweine, gerettet werden Die Ent- stchungsursache ist noch unbekannt. Ein Großfeuer in der Pfalz. Fünf Scheunen mit Futtervorräten vernichtet. Kapsweyer, 8. August. Montag nachmittag um 3 Uhr brach hier ein Großfeuer aus ,öem bis zum Abend insgesamt 5 Scheunen mit Nebengebäuden zum Opser fielen. Drei Wohnhäuser gerieten ebenfalls in Brand, konnten ober,gerettet werden. Die Scheunen waren bis -»um Sveicker- boden mit neuen Erntevorräten gefüllt. Nur der angestrengten Tätigkeit der Feuerwehren ist es zu verdanken, daß nicht noch viel größerer Schaden entstand. Die Löscharbeiten litten stark unter Wassermangel. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Wie man hört, sind die Geschädigt»« «ur zum Teil versichert. Eine Mordtat in der Pfalz. Die Braut erstochen. Münchweiler, 8. Aug. Am Samstag abend haben Spaziergänger in der Nähe des Friedhofs die etwa 20 Jahre alte Fabrikarbeiterin Elsa Gutwein von Münchweiler ermordet aufgefunden. Bis jetzt konnte festgestellt werden, daß die Ermordete am Samstag abend mit ihrem 22jährigen Bräutigam V. Vollkammer einen Spaziergang unternommen hatte. Von der Untersuchungsbehörde wird nun angenommen, daß Vollkammer, der als Täter betrachtet wird, mit seiner Braut intim verkehren wollte. Auf deren Weigerung muß es zwischen Beiden, wie aus der Obduktion der Leiche hervorging, zu einem schweren Kampf gekommen sein, in deren Verlaus die Gutwein drei Stiche in den Hals und mehrere in die Brust erhielt. Die Verletzungen müssen sofort ihren Tod -erbeigeführt haben. Man nimmt an, daß sich Vollkammer aach der Tat ein Leid angetan hat. Der Wald wird durch Arbeitslose unter Leitung der Gendarmerie nach Volkammer durchsucht. Schweres Unwetter in der Nordpfalz. # Wolfstein, 8. August. Am Samstag ging über das Glanzebiet ein Unwetter nieder, wie es seit langem nicht mehr beobachtet worbet war. Hagelkörner von selten gesehener Größe fielen in Mengen zur Erde und richteten auf den Feldern und an den Häusern erheblichen Schaden an. Der gewaltige Sturm entwurzelte viele starke Bäume und deckte verschiedentlich Dächer ganz oder teilweise ab. Auch im Hautertal hauste das Unwetter schwer. In wenigen Augenblicken war die Erde weiß von Hagelkörnern. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert, in den Gärten die Pflanzen niedergeschlagen und auf den Feldern das Getreide zu Boden geworfen. Aus manchen Orten wird berichtet, daß sich die ältesten Leute nicht an ein so schweres Unwetter erinnern können. Auch über Frankenthal und Umgebung entlud sich am Samstagabend ein schweres Gewitter mit Hagelschlag. Es wurden Hagelkörner bis zur Größe eines Hühnereies gesehen. Großer Schaden richtete der Hagel in den Gärtnereien an, wo Treibhausfenster und Pflanzen zerstört wurden. Glücklicherweise gelangte bas Unwetter nicht bis zum Weinbaugebiet. Aufdeckung eines MLdcheumordes. Essen, 8. Aug. Am Montag vormittag wurde bei Hösel die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, an dem allem Anschein nach ein^Lustmord verübt worden ist. Es handelt sich um eine Kontoristin Maria Lappe, die seit dem 29. Juli vermißt wurde. Auf die Ergreifung des Täters hat der Regierungspräsident eine Belohnung von 500 Mark ausaeietzt. Familientragödie in Stade. Stade. 8. Aug. * In der Nacht znm Dienstag hat sich hier eine entsetzliche Familientragödie abgespielt. Die Ehefrau des Händlers Raab öffnete im Schlafzimmer ihrer drei Kinder den Gashahnen. Als der Ehemann am Dienstag früh den Gasgeruch wahrnahm, eilte er in das Kinderzimmer, wo er seine Frau und die Kinder bewustlos vorfand. Alle vier gaben nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Sofort herbeiaerufenc Aerzte sorgten für die Neberführung der Ohnmächtigen in das Krankenhaus, wo ein Sohn bald nach seiner Einlieferung starb. Die beiden anderen Kinder liegen hoffnungslos darnieder, während die Frau mit dem Leben davonkommen dürfte. Der Beweggrund zu der grauenvollen Tat ist noch nicht aufgeklärt. Bekanntmachung. Die BekLmpfung der Reblaus. Die Vertrauensmänner der örtlichen Beobach- tungskommifion Hertel Wilhelm, Etadtgärtner Kaufmann August, Landwirt Buhl Peter, Ralfchreiber sind befugt, in Erfüllung ihrer Aufgaben jederzeit ohne vorherige Erlaubnis der Besitzer, die Rebgrund- stücke und die Rebpflanzungen in Gärten, Höfen und an Häusern zu betreten und die dort erforderlichen Arbeiten und Beobachtungen oorzunehmen. Sinsheim, den 7. August 1928. Bürgermeisteramt. □□□□□□□□□□□□□□DODDDDDCraoPODOIDDn □ n D D □ □ □ Dentist 0. Wickenhäuser LehrMche« aus guter Familie gesucht. K. Blum 3nh. Max Kühn Sinsheim ÄW-Verkauf Ein neues zweistöckiges Wohn-Haus mit ausgebautem Dachstock in schöner Lage ist sofort, unter günstigen Bedingungen, z u verkaufen. Angebote unter Nr. 1158 an den Landboten. NIMM DOCH Frachtbriefe liefert die Q.B edier'[cheBuchdrudterei. FÜR DEN 5000 ! uxA-mttr, uMA-aeze, «n Todes-Anzeige Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, I I unser liebes Kind nach shwerer Krankheit 1 im Alter von nahezu 12 Jahren zu sich in [ die ewige Heimat zu rufen. Sinsheim, den 7. August 1928. Oie trauernden Hinterbliebenen:! Gustav Köhl nebst Familie. Die Beerdigung findet am Donnerstag Abend 6 Uhr statt 1. I II 1! Ein Wahnsinniger im Pilsndski-Landhans verhaftet. Berlin, 8. Aug. Wie die Abendblätter melden, ist in den Abendstunden des vergangenen Sonntags ein Wahnsinniger in das Landhaus des Marschall Pilsuds'ki in Sulejuwek ein- gedrungen. Gendarmerieposten haben ihn sofort verhaftet. Der Geisteskranke hatte verschiedene Papiere bei sich und beabsichtigte, sich über ihm zugefügte angebliche Benachteiligungen beim Marschall zu beschweren. Ein Mord anf der Küßbrücke in Straßbnrg. Straßbnrg, 7. August. Montagabend erschoß der Chauffeur Wenzel im Verlaufe eines Wortwechsels seine 30jährige Ehefrau durch einen Revolverschuß. Bei seiner Verhaftung erklärte der Mörder, daß er seine Frau nur mit dem Revolver habe einschüchtern wollen- wider seinen Willen sei der Schuß losgegangen. Schweres Zugunglück in Illinois. Berlin, 7. August. Wie Berliner Blätter aus Kairo (Jlli- nios) melden, entgleiste ein Schnellzug der Jllinois-Zentral- eisenbahn. Zwei Wagen fuhren in einen auf dem Nebengleis haltenden Personenzug hinein, von dem sechs Wagen umgeworsen wurden» Acht Personen wurden getötet und etwa 200 verletzt, darunter mehrere schwer. Die Entgleisung wurde durch eine auf den Schienen liegende Eisenröhre verursacht, die von einem Gttterzng heruntergefallen war. . 17 Personen bei einem Brand umgekommen. London, 8. Aug. Wie aus Asuneion (Paraguay) gemeldet wird, brach auf einem Segelschiffe Feuer aus, wobei 17 Personen ums Leben kamen, darunter 5 Frauen. Vulkanausbruch und Springflut. Amsterdam, 7. Aug. Die Sundainsel Flores wurde in der Nacht vom Samstag zum Sonntag von einem Vulkanausbruch Md einer Springflut heimgesucht. Zwanzig Schiffe sollen untergegangen sein. Das Unglück soll viele Menschenopfer gefordert haben. Einzelheiten fehlen noch,. Aus der benachbarten Insel Soenbawa wurden am Samstag um Mitternacht die starken Vulkanausbrüche wahrgenommen. Den ganzen Sonntag über fiel ein leichter Aschenregen. 12 Tonne« Pulver in die Lust geflogen. Tacoma (Washington), 7. Aug. Durch die Explosion einer Ladung von 12 Tonnen Pulver auf dem Dampfer „La Blancü^ wurde in der Stadt beträchtlicher Schaden angerichtet. Die Mannschaft des in Brand geratenen Schiffes war nach einigen vergeblichen Löschversuchen ins Wasser gesprungen, um schwimmeiw die Küste zu erreichen. Gleichzeitig wurde durch eine gewaltige Explosion an Bord des Schiffes der Kajütenanfbau der „La Bianca" auf den Strand geschleudert. Neueste amtliche Kurse mitgcteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim vom 7. August 1928. A»1e«h«»: Huld mit ÄuslosungSschetn ohne ÄuslosungSschetn . Vaataitic ln o/o 50,85 17,521/2 tu «/» Bad. Bank .... >»»,75 Darmstädler- und Naitonalbanl 268 Deutsche Bank . . . x«5 Deutsche Veretnsbanl . 1«2 Dresdner Bank .... 16«,75 Mitteldeutsche Credttbanl > .1»» Retchsvank . . . . tao Rhein. Credttbank . . 127,15 8üdd. Dtsconto «es. . . ISS v«rg»«»K». Aktie» IN o.n Sarpener Bergbau . t««,5S «alt Weperegeln . . . 260 ManneSmannröhrenwerle. >39 Mansselder Bergb. u.tzütteuw ll 2 Oberschl. «ifenb. Bedars . - Phönix Bergbau u.Hnttenbetrteb »2 Sazwerl HrUbronn . . . tS5 verlelntgt« Königs- Laurahülte — Aktie» tataltf. N»ter»«h»»»»e«»: tn o/o Sllig. Elektr. Stammaktien. . 173.5» Bad. Elektrizität Mannheim . — Bad. Maschinen Durlach . . I»3 Cementwerl Heidelberg . Daimler Motoren . Dtfch. Sold- un Stlberscheide. Elektr. Licht und Kraft . Ematll.und Stanzwerl Ullrich . Farbenindustrie Britzner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . Knorr Hetlbronn Malnlrastwerle Höchst . , Reekarsulmer Fahrzeuawerke . Schuckert Eleltr. Nürnberg Seilindustrie W-lss . . . Südd. Zucker . ... Zellftost Ma'dhof Stamaktten . Aktie» dentscher StaafDoctaafattca: Hamburg. Amertk. Paletsahrt Heidelberg. Straßen-u.Bergbah Norddeutscher Lloyd >37,5 109,5 20«,50 J*8 51 203,50 65,50 150,25 I«1 In lee/'a 11 — l!6 Devise»: Seid « 1894 20.431 New-Hoct 1 Dollar London ! Pfund t olland 4 /0 Gulden >68.19 chweiz 400 FraneS 80,64 i/t Wie» 100 Schilling 59.io Parts 100 Franc 16.374 Jl alten 100 Lire e>,99>/2 Brte! 4,197« 20,491 »8,53 80 801/1 89 22 1« 414 *l» s, /a Wetterbericht. Karlsruhe, 7. Aug. Das aus Kaltluft groß ausgebaute Festlandhoch ist von einer neuen atlantischen Zyklone, die herbstlichen Charakter zeigt, nach Südosten gedrängt worden. Nahezu ganz Europa wird heute von dem, Aufgleitregen der auf der aus der Vorderseite des Wirbels heran- flutenöen Warmluftmasien bedeckt. Der Einfluß des Wirbels wird sich jedoch voraussichtlich aus Norddeutschland beschränken, während bei uns heiteres Wetter im-Wesentlichen noch anhalten wird. Charakterbeurteilung, Fäh ig- keiton, Neigungen, Talente, Krankheiten. Berufswahl etc. nach der Handschrift. Psychograßhologe-KarUrulie, Aftidemiestriue 51III. Herrn. K. Ritter Weiße Zähne machen jedes Antlitz ansprechend und schön. Ost schon durch einmaliges Putzen mtt der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zah npaste erzielen Sie einen wundervollen Elsenbeiuglsnz der Zähne, auch an den Seitenflächen, bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont- ZahnbUrste mtt gezahntem Borstenfchnstt. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als Ursache des üblen Mundgeruchs werden restlos damst beseitigt. Versuchen Sie es zunächst mst einer Tube Chlorodont-Zahnpaste zu 60 Pf., große Tube 4 Mk. Chlorodom-Zah-tbürste für Kinder 7» Pf., für Damen 1.25 Ml. (weiche Borsten), sür Herren 1.25 Mk. tharte Borsten). Rur echt in blau- wI'xgruner Originalpackung mit der Aufschrift «Chlorodont“. lleberall zu haben. NOBPPEUTSCHEB LLOYD BREMEN CANADA Regelmäßige direkte Abfahrten diA Halifax Quebec Montreal Nähere Auskunft über Einreisebedingungen u. Abfahrten erteilt Sinsheim: Georg Eiermann Ww. Eisenbahnstr. 344. Neckarbisrhofsheim : Max Jeselsohn, Hauptstraße 4. 1 Manie—die Seele des GWfts. SÄriftleitung: H Becker: Druck und Verlag: G. Beckerfche Buchdruckerei in Sinsheim.