i Ratgeber für Haus- und Landwirtschaft Beilage zum Landboten (Ginsheimer Zeitung) Feldbau Zur Sicherung der Halmfruchternre. Nach Winken des Erfinders der Druckrolle, eines alten Fachmannes. (Nachdruck verboten.) Ein volles Jahr muß der Landwirt sich mühen und sorgen, muß Geld und Arbeit in den Acker stecken und in den Tagen der Ernte steht doch alles auf dem Spiele. Kommt die Halmfrucht gut unter Dach, so ist dem Wirt um vieles leichter zu Mute; fault sie aber draußen auf dem Felde oder drinnen in der Scheune, dann sind Körner und Stroh minderwertig und decken nicht einmal die Unkosten. Da mögen folgende Winke eines alten Praktikers vielen behezrigeuswert erscheinen: Genau so, wie man heutzutage das Mähfutter nach dem Abwelken auf Gestelle bringt, um es vor der feuchten Erde zu schützen und dem Wind und der Sonne mehr auszusetzen, genau so sollte man jegliche Halmfrucht sogleich hochsetzen, auch im Regen; allerdings nur kleine Garben binden und das knotenlos geflochtene Band recht hoch rücken, damit Unkraut und Gründüngung schneller trocknen. Analog wird man auch nur kleine Puppen setzen, die zwar ebenso schnell naß werden wie große (10—20-garbige), aber noch mal so schnell wieder trocknen. Das Einfahren ist doch gewiß ein Stundengeschäft! Falls man dann noch auf jedem Wagen Ernteplänen verwendet, die sich nicht nur beim Raps bezahlt machen, und im Scheunenbansen mit leichten zweizinkigen Gabeln arbeiten läßt, dann federt der ganze Betrieb rach vorwärts und jeder Helfer denkt im Schweiße seines Angesichts an die kommenden Freuden des Erntefestes! Wenn sich erst der amerikanische Mähdrescher allgemein bei uns eingeführt haben wird, dann wird sich ja die ganze Ernte und Verarbeitung der Halmfrüchte bedeutend einfacher gestalten lassen. Gegen die Wiesrnschnake. «Nachdruck verboten) Aus moorigen Gegenden Mitteldeutschlands werden Stimmen laut, daß dort im kommenden Frühjahr mit Araßschäden der Schnakenlarven gerechnet wird. Diese sind 3—4 Zentimeter lang, von graubrauner Farbe und zerfreflen von August—September bis in den nächsten Sommer hinein nicht nur Grünländereien, sondern auch Getreide- und Kleeschläge. Gewöhnlich dauert die Schädigung nur ein Jahr, um dann mehrere Jahre aus- zusetzen; nur auf neu kultivierten Moorflächen scheint 2—Zjähriger Befall zu den Kinderkrankheiten zu gehören. Große graue Flecken zeigen die Fraßherde an, die an Ausdehnung dauernd zunehmen. Die Empfindlichkeit des Fraßschadens läßt die Frage nach Abwehrmaßnahmen hervortreten. Dazu gehört das. Walzen, möglichst des Nachts, weil sich dann Die Schnakenlarven in der obersten Erdschicht befinden. Wegen der Nachgiebigkeit des Moorbodens hat aber selbst die schwerste Walze hier wenig Erfolg. Daher kommen auf Grünland senkrecht abgestochene Fanggräben in Frage. In deren Gruben sammeln sich die Larven des Nachts und können morgens in Massen getötet werden. Die Holländer drücken einfach das Stützrad eines schwer belasteten Karrens in den Boden und kommen dadurch schnell zu senkrechten Gräben. Das dritte Mittel besteht in dem Ausstreuen eines Magengiftes (1 Teil Schweinfurter Grün (Vorsicht, starkes Gift!) auf 25 Teile Weizenkleie), da Berührungsgifte sich als unwirksam erwiesen haben. Durch Verrühren mit Wasier wird der Giftköder krümelig gemacht £■ (Li . und je 6—12 Pfund auf ^ Hektar verstreut. Am uäch- sten Morgen hat man schon bis 400 Larven auf einen, ! Quadratmeter tot aufgefunden, das waren 70—80% aller dort vorkomyienden Tiere. Auf Weideflächen darf man natürlich, je nach der Witterung, mehrere Wochen lang kein Vieh bringen. — Eine weitere Maßnahme gegen die Wiesenschnake stellt der Schutz der natürlichen Feinde dar. Krähen, Stare, Störche, Maulwürfe, Spitzmäuse, alle nähren sich mit Vorliebe von Schnakenlarven. — Zur Milderung der Fraßschäden dient schließlich noch eine entsprechende Stickstofsgabe. Anstelle des Schweinfurter Grün kann auch das dreimal so preiswerte Fluornatrium oder das fünfmal so billige Kieselfluor-Natrium genom- men werden. Von letzterem genügt schon der vierzigste Teil der Weizenkleie, der dieselbe Wirkung wie ein Arsen- kkder hat. In Gebieten, wo der Fraß der Wiesen- schnakenlarve wahrscheinlich ist, baue man beizeiten vor. (Die beigefügte Zeichnung zeigt Larve. Puppe und Insekt. Die Bekämpfung der Nnnkelfliege. An allen Rübenarten. Gänsefußgewächsen, dem Spinat, Bilsenkraut und Stechapfel kommt die Runkelfliege vor. Ain gefährlichsten wird sie dem Zuckerrübenbau. In der Provinz Sachsen verfolgt man seit Jahren ihr Ausbreiten mit Sorge und besonders in Pommern und Schlesien hat sie schon schlimm gehaust. Die Fliegende Station der Biologischen Reichsanstalt, die am 1. April 1928 von Rosenthal bei Breslau nach Heinrichau (Kr. Münsterberg) verlegt wurde, berichtet bereits von einem starken Ausbreiten der ersten und zweiten Generation, so daß Bespritzungen mit Fluornatrium notwendig werden. Oben: Fliege; links: Larve; Mitte: Fraßstelle; rechts: Puppe Gegen die Frühjahrsgeneration, die besonders jungen, kümmernden Beständen gefährlich werden kann, hilft kein Spritzen, sondern nur das einfache Mittel, daß man mit dem Verziehen wartet, bis alle Eier abgelegt sind. Auf diese elementare Weise wird man */ s der Plage los. — Der Flug der zweiten Generation beginnt um Mitte Juni Diese und die dritte Generation bekämpft man vorteilhaft mit Fluornatrium (0,3—0,4%), dem 2% (ev. denaturierter) Zucker als Köder zugesetzt werden. Da bei trockenem Wetter nur jede 5. Reihe, bei unsicherem jede 3. Reihe bespritzt zu werden braucht, so stellen sich die chemischen Ausgaben auf nur 30 Pf, je ^ ha. Bei eingetretenem Regen muß allerdings das Verfahren wiederholt werden. Ein weiteres natürliches Bekämpfungsmittel ist der Anbau auf rübensicheren.möglichst alkalischen Böden, wo der Fraßschaden, der zum Glück nur das Zwischengewebe der Außenblätter (nie das Herz) betrifft, bald verwachsen ist. Erwähnt sei noch, daß die Eier an der Blattunterseite abgelegt werden, daß die Rübenfliege unserer gemeinen Stubenfliege ähnlich ist und daß die das Blattgrün ausminierenden Larven im Herbst von zwei Schlupfwespenarten dezimiert werden. Im übrigen wird auf das betr. Flugblatt des „Vereins der deutschen Zuckerindustrie" verwiesen, das von allen Hauptstellen für Pflanzenlcbub kostenlos bezogen werden kann. - Obst- und Gartenbau Sachgemäße Anlage von Erdbeerbeeten. (Nachdruck verboten.) Der Monat August ist der Pflanzmonat für Erdbeeren. Gewiß kann man noch bis Mitte September pflanzen, aber eine etwas frühere Pflanzung ist in den meisten Fällen besser. Es kommt nämlich darauf an, daß die Pflänzchen gut anwachsen und gekräftigt, mit neuen Blättern versehen- in den Winter gehen. Das ist aber nur bei rechtzeitiger Pflanzung im August möglich. Aus Gründen eines geregelten Fruchtwechsels wird man die Neuanlage nicht auf der vorherigen Erdbeerfläche vornehmen, im übrigen aber eine möglichst warme und geschützte Lage wählen. Jnbetreff der Düngung darf man wohl die Behauptung aufstellen, daß sich kaum eine zweite Kulturpflanze für eine gute Stallmistdüngung erkenntlicher zeigt, als gerade die Erdbeere. Wo es sich nur irgendwie ermöglichen läßt, bringe man verrotteten Kuhdünger kurz lot der Pflanzung nicht zu tief unter; in Viesen schlagen die Erdbeerpflänzchen freudig Wurzeln. Natürlich sind auch abgelagerte Komposterde und namentlich feuchter Torfmull recht gut verwendbar; man bette die Wurzeln bei der Pflanzung in diese gute Erdmischung ein. Zum Pflanzen wartet man möglichst feuchte Witterung ab, da die Erdbeersetzlinge gegen Trockenheit sehr empfindlich sind. Festes Pflanzen der Setzlinge sowie Feuchthalten der letzteren bis zum guten Anwachsen ist sehr wichtig. Ein Bedecken der Anlage mit kurzem Dünger oder auch strohigem Mist ist anzuraten; einmal gewährt diese Düngerdecke den Pflänzchen einen gewisien Schutz vor der Winterkälte, sodann kommen die durch die Winterfeuchtigkeit ausgelaugten Nährstoffe dem Pflanzenwachstum sehr zugute. Diese Düngerdecke wird aber erst im November aufgelegt, wobei darauf zu achten ist, daß die Blätter der Pflanzen nicht.bedeckt werden. Der Wurzelschnitt. (Nachdruck verboten.) Bekanntlich wird recht oft befürchtet, man schaoe dem Baum außerordentlich, wenn man die Wurzeln so absticht, wie es unsere Abbildung zeigt. Das ist aber bei weitem nicht so schlimm, wie es aussieht. Die Hauptsache ist. daß man die Wurzeln an der richtigen Stelle durchschneidet. In der Abbildung ist angenommen worden, daß die Baumkrone einen Durchmesser von 3,60 Meter hat. Dann ist es nötig, den Graben in einem Umkreise von 1,20 V jr. 420 m 3.60r <— 1.20m . Meter vom Stamm entfernt auzulegen. Dieser Graben wird am besten mit Komposterde oder mit Torfstreu aufgefüllt. um den sich neu entwickelnden Wurzeln die Möglichkeit guter Faserwurzelbildung zu geben, d. h. die feh- lenden Wurzeln zu ersetzen. Die Beschaffenheit des Rankenmaterials ist natürlich auf den Ertrag von großem Einflüsse. Man entnehme die Senker nur reichtragenden zweijährigen, höchstens dreijährigen Mutterpflanzen. Bei Bezüge von Ranken- pflanzen verlange man ausdrücklich verschütte Senker, die sich naturgemäß im Preise höher stellen als nicht pikierte Pflanzen, dafür aber auch reichbewurzelter und kräftiger als letztere sind. Auch die Sortenreinheit lasse man sich garantieren. Daß man ferner mehrere Sorten anpflanzt, die in der Reifezeit aufeinanderfolgen, braucht wohl nur angedeutet zu werden; in diesem Sinne seien u. a. folgende anerkannt gute Sorten aufgeführt: Deutsch-Evern und Sieger, sehr früh, Laxtons Noble, früh, König Albert von Sachsen und Oberschlesien, mittelfrüh, desgleichen Madame Moutot bzw. Generalfeldmarschall Hindenburg, als späte Sorten, Späte von Leopoldshall und Lucida perfecta. Rundschau Zur Erzielung eines schmackhaften, saftigen Hühner, fleisches. (Nachdruck verboten.) Die Zeit rückt heran, wo das junge Geflügel auf den Markt bzw. auf den Tisch gebracht lvird. Je besser für diesen Zweck die Qualität ist, um so lohnender ist es für den Züchter. In Bezug aus Qualität und Geschmack kommt es insonderheit daraus an, was und wie wir füt- tern, in zweiter Linie kommt die Rasse. Zur Mast bestimmte Tiere sollten nie völlig frei herumlaufen; eingesperrt gehaltene Tiere setzen bei der Mast nicht nur leichter und schneller Fleisch an, sondern letzteres wird auch zarter und feiner. Bei eingesperrt gehaltenen Tieren kann man auch durch Auswahl der Futtermittel dem Fleisch einen bestimmten delikaten Geschmack anfüttern, was bei freilaufenden Tieren nicht möglich ist. Bei fast ausschließlicher Weizenfütterung erhält das Fleisch einen etwas herben und strengen Geschmack. Je jünger die Tiere zur Mast eingestellt werden, desto bester dieQua- lität des Fleisches. Einjährige Tiere sollten im Frühjahr und Sommer geniästet werden, mit anderen Worten vor der Mauser. Mit der Mauser verliert das Fleisch an Zartheit und Geschmack. Von Einfluß auf den Geschmack ist auch der Zeitpunkt der Verwertung. Geschlachtete Tiere sollten nicht am gleichen Tage in der Küche verwendet werden, sondern erst, nachdem sie völlig ausgekühlt sind. Zu dem Zwecke hängt man geschlachtetes Geflügel vor dem Gebrauch 24 Stunden an einen kühlen Qrt. Von großer Bedeutung für die Qualität des Fleisches' ist es, daß geschlachtete Tiere sofort ausgenom- men und gereinigt werden. Läßt man ein Huhn geschlachtet eine Nacht in seinen Federn liegen, so ist das Fleisch, was den Geschmack anbetrifft, völlig minder- wertig. Zu mästendes Geflügel darf nur sehr vorsichtig mit Grünfutte^ versehen werden. Durch zu viel Grünes verliert das Fleisch an Festigkeit. Bei zur Mast vor- gesehenen Tieren müsten die Geschlechter getrennt werden. Beide Teile verhalten sich dann ruhiger und setzen aus diesem Grunde leichter und schneller Wisch an. Rr. 186. Jahrgang 1928. Der Landbote * Sinsheimer Zettaag. Freitag, den 10. August 1928. Sie Politik des Herm Venizelos Ein Athener Brief. V. O. Athen, Anfang August 1928. Die Rückkehr des Herrn Venizelos in das politische Leben ist als ein Moment naturnotwendiger Entwicklung des politischen Lebens in Griechenland anzusehen. Gewiß, nach den Jahren der Wirren hatten sich die Verhältnisse durch die Bildung der Koalitionsregierung schon im wesentlichen stabilisiert. Aber angesichts der schweren und großen Aufgaben, vor denen Griechenland im Augenblick steht» schien eine aus mehreren Parteien mit verschiedenen Zielen bestehende Regierung nicht ganz geeignet, um mit der erforderlichen Beschleunigung diese Aufgaben zu erfüllen. So ist Herr Venizelos, der starke Mann am Peleponnes, wieder in das politische Leben seines Landes zurückge^hrt, um eine Regierung zu bilden, die, auf einheitlicher und straffer Grundlage aufgebaut, in der Lage ist, das politische Leben Griechenlands im Innern und nach Außen zu festigen und ein Regierungssystem zu schaffen, das allen Teilen des Volkes eine gerechte Verwaltung sichert. Wieweit bei dem Uebergewicht der Persönlichkeit des neuen Kabinettschefs allerdings das in der griechischen Presse so nachdrücklich betonte demokratische Prinzip in der Regierung auf die Dauer gewahrt werden wird, muß die Zeit lehren. Herr Venizelos ist bisher nicht als ein Mann bekannt geworden, der sich parlamentarischen Einflüffen oder gar Befehlen fügt. Er wird die Zügel der Regierung mit starker Faust führen, sei es in Gedeihen ober in Pein, und er wird in dem Augenblick aus dem Sattel steigen und das Weiterregieren anderen überlasten, wo er genötigt sein wird, den Wünschen des Parlaments nachzugeben. Nachdem der bisherige Finanzminister Kafanöaris, besten Ansichten in mehreren wichtigen Fragen sich nicht mit denen von Venizelos als Führer der liberalen Partei deckten, zurückgetreten war, war der naturnotwendtge Augenblick gekommen, daß Venizelos als Führer der stärksten Partei im griechischen Parlament die Bildung einer einheitlich zusam- mengefatzten Regierung übernahm. In der Presse wurde anfangs allgemein gefürchtet, daß die Rückkehr Venizelos in die Regierung die alten Parteileibcaschaften aufs neue entfachen könnte. Und tatsächlich brachten die ersten Tage der Regierungsbildung auch Beunruhigung und an einzelnen Stellen sogar Krawalle, die aber ans ihrem lokalen Charakter nicht heraustraten. Das bisherige Wirken des neuen Ministerpräsidenten deutet darauf hin, daß Venizelos jetzt seinen Ehrgeiz darein setzen wird, seinem Vaterlande ein dauerhaftes und gefestigtes System zu geben. Die Tatsache, daß er das Ministerium des Innern einem Manne anvertraute, der ohne irgendwie unter der Bindung einer Partei zu stehen, doch zweifellos der Gruppe der sogenannten Antivenizelisten angehört, und auch ein Mitglied der früheren royalistischen Partei in sein Kabinett aufnahm läßt vermuten, baß der alte Kämpe es sich zur Aufgabe gemacht hat, versöhnend und ausgleichenö zwischen den ein',-'' neu politischen Lagern im Volke zu wirken. Ist dies ehrliche Wille des «euen Ministerpräsidenten, so besteht kein Zweifel, daß es ihm gelingen wird, die innere Lage Griechenlands zu konsolidieren Freilich, Venizelos ist unberechenbar. Man weiß nicht, ob er dem jetzt eingeschlagenen Weg treu bleibt und man weiß auch nicht, ob die bevorstehenden Wahlen nicht wieder neue heftige Erschütterungen in das politische Leben des griechische» Volkes tragen. Deutschland ist mit Venizelos in nicht sehr angenehmer Weise in Berührung gekommen. Man kann in Deutschland nicht vergesten, daß dieser Mann die innige traditionelle Freundschaft zwischen dem deutschen und dem griechischen Volke abbrach, um auf Seiten der Alliierten in den Kriegszustand einzutreten. Auch nach Beendigung des Weltkrieges hat sich Herr Venizelos als Leiter der griechischen Politik nicht gerade um die Wiederherstellung der alten deutsch-griechischen Freundschaft bemüht. Heute ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland wieder auf dem Wege, die alten freundschaftlichen Formen anzunehmen. Die recht unerfreuliche Schtffsbauangelegenheit, die ihren Austrag vor dem Völkerbund gefunden hat, konnte als der letzte Versuch einer Störung in dieser Entwicklung betrachtet werden. Wird die Uebernahme der Athener Regterungsgeschäfte durch Venizelos die deutsch-griechischen Beziehungen wieder ungünstig beeinflussen? Oder wird Venizelos, der eingeschworene Freund Frankreichs, auch hier die Politik des Ausgleichs verfolgen, wie er es sich in Bezug auf die Innenpolitik vorgenommen hat? Die Erklärungen, die er Pressevertretern gegenüber machte, besagen, daß die auswärtige Politik Griechenlands dieselbe bleiben wirb wie bisher. Anläßlich der Ueberreichung einer Flagge an das griechische Unterseeboot „Katzonis" hielt er eine Ansprache, in der er sagte: „Die auswärtige Politik Griechenlands, wie sie nach den Leiden des großen Krieges geführt wurde, ist eine ausgesprochene Friedenspolitik. Wir sehe« alle unsere außenpolitischen Fragen fiir de« Angenblick als gelöst an» wenn auch die Lösnngen zum Teil schlechte Lösungen bedeuten. .." Mit der Türkei versucht Venizelos in ein enges Bündnis, eine Entente cordiale, nach dem Muster der engltsch- französtschen Entente, zu gelangen. Ebenso sollen mit Bulgarien Freundschaftsbeziehungen angeknüpft werden. Mit Juqoslavten soll der Abschluß eines Handelsvertrages — in dem die Durchfuhr serbischer Waren durch Saloniki geregelt werben soll - gefördert werden. Ganz besondere Aufmerksamkeit beabsichtigt die Außenpolitik Vemzelos dem baldigen Zustandekommen eines Paktes mit Italien, der „vorherrschenden Mtttelmeermacht, zu w-dmen. ^Aus solchen Erklärungen des neuen griechischen Ministerpräsidenten geht klar hervor, daß er Griechenland möglichst rasch und möglichst vollkommen in das Schlepptau Mussolinis bringen will. Der faschistische Block wächst zusehends uub umgurtet immer fester das Europa von Afrika trennende Mittelmeer. Italien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland und die Türkei. Sicherlich wird Herr Venizelos ein guter Wegbereiter oer Mustolinischen Machtpolttik sein . .. Solivien Als aussichtsreiches Wkrtschaftslan». Bon Attache F. Nielsen-Reyes. Bon um zehn Republiken, welche den süüamerikantschen Kontinent bilden, verdient keine mehr Aufmerksamkeit als Bolivien, die drittgrößte in dieser Gruppe, gerade weil dieses Land bis jetzt noch nicht genügend beachtet worden ist. Es gewinnt aber mehr^und mehr Bedeutung in den Augen derer, die am Handel interessiert sind,' und das sind doch eigentlich in der Gegenwart alle Länder der Welt. Der Ablauf des ersten Jahrhunderts in politischer Unabhängigkeit, besonders die beiden letzten Jahrzehnte förderten den Staat so weit, daß er in allkn Ländern berechtigtes Aufsehen verursacht und oft spricht man von den großen Möglichkeiten der wetteren Entwicklung, die angesichts der natürlichen Reichtümer des Landes nicht angezweifelt werden können. Unermeßliche Bodenschätze ruhen in den Anden und harren der Nutzbarmachung, die tropischen Gebiete versprechen die besten Plantagen für Kaffee, Kakao, Coca, Gummi und Früchte aller Art. Die Ebenen eignen sich hervorragend für den Ackerbau und die Viehzucht. Die großen Ströme und Seen bergen ungeheuren Fischreichtum und in den riesigen und herrlichen Wäldern findet der Jäger alle Arten von Tieren. Die Wälder stecken voll seltener Hölzer, die der Raster (Holzfäller) auf den Strömen zum Markte flößen könnte. Bolivien hat soviele Rohstoffe aller Art, daß es alle Länder der Welt damit versehen kann. Daß Bolivien in der Welt-Zinnproduktion an zweiter Stelle steht, ist bekannt. Nun wird Bolivien nach Ansicht namhafter Geologen auch bald das reichste Petroleumland der Welt sein. Die „Standard Oil Company" und andere Kapitalisten haben deshalb in Bolivien Land erworben und bauen entsprechende Eisenbahnen. Alles deutet daraus hin, daß die wirtschaftliche Entwicklung Boliviens alle Voraussagungen noch übertreffen wird. Im Herzen des südamerikanischen Kontinents und früher als „Alto Pederu" bekannt, hat es vor rund 100 Jahren unter Simon Bolivar und Antonio Josö Sucre die Herrschaft Spaniens abgeschüttelt und sich nach dem Namen des Befreiers Bolivar, genannt. In geographischer und geologischer Beziehung findet man in Bolivien jeden Charakter, den Südamerika überhaupt bieten kann. Riesige Gebirgsstöcke, weite Hochebenen, die viele tausend Ouadratmeilen Ausdehnung haben, weite Prairien, dichte tropische Wälder mit einer herrlichen Fauna und Flora, und neben zahlreichen großen Seen, unter welchen der in den Anden liegende Titicacasee der berühmteste ist, gibt es gewaltige Ströme,' der Madre de Dios, der Mamore,. der Paraguay und der Pilcomayo sind die größten unter denselben. Da die letzteren im Norden, Osten und Süden des Landes liegen und jene Gebiete noch keine Bahn haben, geschieht der Handelstransport bis jetzt auf diesen Strömen. Bolivien hat alle erdenklichen Klimaarten. Das Klima stuft sich von der strengsten Kälte, die auf den Gipfeln der Anden herrscht, bis zur größten trocknen Hitze in den Steppen und bis zum Fieberdunst der tropischen Flußgebiete. Leider ist Bolivien noch wenig bevölkert, es hofft indessen, daß mit zunehmender Kenntnis der Lanöesverhältnisse die weiße Einwanderung eine bedeutende Vermehrung erfahren wird. Die wirtschaftliche Entwicklung Boliviens erscheint unter der fortschrittlichen und liberalen Regierung sowie unter der freundlichen und praktischen Beihilfe anderer reicher und bevorzugter Nationen völlig gesichert. Man kann dies ruhig behaupten, denn England, Deutschland, die USA., Frankreich und Italien sehen seit Jahren Bolivien als ein sehr günstiges Auswanderungsland an und besonders aber auch als ein Land, in welches man ohne Risiko jedes Kapital investieren kann. Der weitere Ausbau des Eisenbahnnetzes wäre wohl besonders lukrativ für das ausländische Kapital, abgesehen vom Bergbau, dessen Ergiebigkeit ja weltbekannt ist: wer hätte noch nicht von den Patino-Minen gehört, die dem Besitzer Simon I. Patino in 23 Jahren 1 Milliarde Mark etn- trugen? Ein weiteres Feld wäre der Wegebau im Lande. Obwohl es schon ca. 4000 Meilen fertiger Chausseen und Autostraßen gibt, ist aui diesem Gebiete noch viel zu tun. An den großen Flüssen wären Sägemühlen anzulegen zur Verarbeitung der zahlreichen kostbaren Nutzhölzer; Dampfschiffahrtsgesellschaften könnten auf den Strömen die besten Geschäfte machen, so betreibt z B. die „Bolivian Con- cesstons" auch Schiffahrt. Die Landwirtschaft, die in Bolivien leider verhältnismäßig wenig entwickelt ist, fände die besten Bedingungen im Boden und im Klima. Der Amerikaner Henry Ford hat kürzlich in der Nähe der bolivianischen Kautschukdistrikte, allerdings auf brasilianischem Boden, große Landstriche erworben; es sei hier daran erinnert, daß vor dem Kriege in Bolivien im Norden (Provinz Beni) ein schwunghafter Handel in Kautschuk und Chinin betrieben wurde, der dann allerdings etwas abflaute, weil die indische Produktion stark einsetzte. Was ließe sich in der Landwirtschaft bet Verwendung moderner Mittel in kurzer Zeit erreichen! Bet der noch mangelnden Bahnverbindung zum Osten, dem Dorado für die Landwirtschaft, käme so recht der Kleinsiedler in Frage, der in und mit der Natur zu leben beabsichtigt, und .der, falls er ins Große bauen will, vorläufig die Wasserstraßen zum Abtranswort seiner Produktion benutzen könnte. Bis jetzt hat man kaum jemanden klagen hören, der sich wirtschaftlich nach Bolivien wandte, sei es, daß er dort selbst ein Unternehmen gründete oder daß er Gelb investierte. Bolivien ist bekannt als ehrenhafter Schuldner, der seinen Verpflichtungen treu und pünktlich nachkommt. Sowohl in den anderen Staaten Südamerikas als auch in den U.S.A. und in den Staaten Europas hat Bolivien einen guten Kredit. Jede folgende Regierung hat die fremden Verpflichtungen immer anerkannt, die entweder in Anleihen oder in Verträgen bestehen. Immer ist man bestrebt, die Staatsschulden so bald wie möglich zu tilgen, die eigentlich sehr gering genannt werden können im Vergleich mit denen der meiste» anderen südamerikanischen Länder. Das gegenwärtige Jahr findet Bolivien in gesunden ökonomischen Verhältnissen. Da ein Teil der Bahnlinie Arica—La Paz in diesem Jahre an Bolivien übergeben ist, kann man sich eine baldige Vermehrung des Handels versprechen. Bolivien litt sehr an dem Mangel eines Ausganges zum Pacific und hofft,daß nach Uebergabe der Bahnlinie ihm schließlich auch die Distrikte von Arica und Tacna gegeben werden, da die- selben quasi eine Lebensbeöingung für das Land bedeuten; Bolivien hat seine Küste nach unglücklichem Kriege an Chile abtreten müssen. _ S-° r „ einigen Jahren hat eine internationale Industrie- Ausstellung in La Paz (der Hauptstadt des Landes) statt- 8 i i Ctl ' iüe einen belebenden Einfluß auf den Jmport- ^^Ehairdel des Landes zeitigte. Durch die Unruhen, ote China als Antimonlieferant der Welt durchwacht, und me seinen Exporthandel lähmen, ist Bolivien mit diesem Exportartikel zu seinem größten Vorteil in die Bresche ge- sprungen; indem es sich beeilte, die Welt mit Antimon zu a " au * e Es diese Industrie schnell aus und brachte es dahin, daß es jetzt den gesamten Weltbeöarf an Antimon oeaen kann. Sulphide von Antimon existieren in Bolivien Menge und man hat einige gefunden, die recht Die Verbindung von Gold und Antimon ist häufig, aber der Betrag wechselt. Genügende Transportmittel vorausgesetzt, könnte Bo- livren heute schon beinahe die Weltmit seiner Erzförderung versehen. Seitdem die Bahnlinie La Paz—Buenos Aires ferttgge,teilt ist, die auch die berühmten Mtnen-Distrikte von Potoso und Oruro berührt, hat Bolivien einen ««deren Ausgang zum Atlantischen Ozean für den Handel gewonnen, was sich natürlich gleich in der Handelsbilanz svteaelte: die Restriktion öes Frachttarifes, die im vorigen Jahre erreicht wurde, trägt nicht wenig zur Vermehrung des Exportes bet. ; Hinsichtlich der gewaltigen Seen und der großen, zum Teil reißenden Ströme, wäre noch zu sagen, daß hier Wasserkräfte, also »weiße Kohle", in Hülle und Fülle der Ausnutzung warten. Patino war der erste, der mit hydraulischen Kräfte.« Versuche in großem Stile machte, und heute arbeiten die meisten seiner Minen schon mit „weißer Kohle". Alles in allem kann man Bolivien heute als das gelobte Land bezeichnen, das bei seinen natürlichen Eigenschaften in der glücklichen Lage ist, jedem Wunsch in industrieller, kommerzieller und technischer Beziehung reiche Erfüllung : SU gewähren. Das ausländische Kapital sollte sich, je eher, desto besser, entschließen, Bolivien und seine Verhältnisse genau zu studieren und an großzügige Unternehmungen dort' heranzutreten. Zur Ermunterung sei noch gesagt, daß Bolivien ein Ge-; schwader von Junkers-Flugzeugen besitzt, das den Verkehr mit den ferner gelegenen Distrikten des Nordens, Ostens! und Südens vermittelt, soweit nicht schon Bahnlinien und> Autostraßen existieren. Bolivien besitzt die höchste Schwebebahn der Welt, die über eine ausgedehnte Gebirgskette das! in den Caracolmine« geförderte kostbare Zinnerz hinweg- * trägt; auf dem Titicacasee schwimmen moderne Dampfer/ und die steilen und gewundenen Autostraßen erlauben es, mit dem Automobil die Anden zu durchqueren. — Stimmen int Dschungel. Der Lautsprecher als Retter vor dem Königstiger. n Von Paul Ankermann. Wenn man sich auf der Fahrt von Kalkutta nach Singapur, befindet, soll man sich nicht sonderlich anstrengen. Hitze und das Beispiel der Ostasiaten sorgen dafür, daß jeder Versuch, sich temperamentvoll zu zeigen, mit einem vollen Mißerfolg endet. Ein gütiges Geschick hatte uns einen kühlen Raum beschert. Da fassen wir nun am Morgen, - Mittag und Abend, in leuchtenden Tropenanzügen, erzähl-, ten Geschichten aus unserm Leben, ein Abenteuer folgte dem. anderen. Tigerjagden, deren Gefährlichkeit ans Wunderbare grenzte, Elefantenjagden, bei denen die Erzähler gerade noch mit dem Leben davon kamen. Abenteuer mit chinesischen Räubern, die vom Heldenmut der Hauptbeteiligten nur so trieften, alles, was an Garn vorhanden war, wurde gesponnen. Schließlich sprachen wir auch von den letzten Errungenschaften des Westens und ihrem Einfluß auf den Osten von dem Siegeszug der Schreibmaschine, und ihrer Anwendung auf chinesische Schriftzeichen, vom Flugzeug, von der drahtlosen Telepathie und Telephonie, vom Radio. Es war Herr Marttneau, Chef der Zentralverwaltung von Hanoi, der schließlich von einem paradiesischen Gebiet in Annahm der Provinz Ouang-Ng^n sprach, und dem wir mit Interesse zuhörten. Es ist ein wenig bekanntes, und doch gerade für Ost- astenfahrer anziehendes Land. Große, wohlhabende Dörfer liegen inmitten endloser Reisfelder. Dahinter in den Bergtälern liegen Siedlungen von Stämmen, die selten einen Weißen sehen, selten mit westlicher Kultur in Berührung kommen. Es ist das Land der Höflichkeit, der zeremoniellen Verbeugungen vor allem, was „groß" und „erhaben" ist. Es ist das Land, wo der Wohlhabende sich auf überdachtem Ruhelager von vier Dienern durch die Straßen tragen läßt, während ein Vorläufer den Namen, den Stand und die große Bedeutung des Mannes mit lauter Stimme verkündet. Es ist das Land der Probeehen. Ein junger Mann ist nicht gezwungen seine junge Angebetete ohne weiteres zu ehelichen, sondern es ist ihm gestattet, sich in dem Haus seiner eventuellen Schwiegereltern einzuquartieren, um bas erwählte Mädchen in der Nähe besser kennen zu lernen Die Flitterwochen sind dem Vater der; Braut, je länger sie dauern, desto mehr erwünscht, erhält er! doch auf diese Weise einen Arbeiter ins Haus, der nichts! kostet. Es kommt nicht selten vor. daß sich eine solche Probesache über zwölf Monate ausdehnt, oder daß mehrere mit verschiedenen Freiern einander folgen. , Wie man an einer solchen alten Tradition mit aller dem Orientalen eigenen Zähigkeit festhält, so verehrt man auch die Gottheit noch in der gleichen Weise, wie es vor Tausenden von Jahren geschehen ist. Man hat lokale Gottheiten. ; Kn der Hauptstraße stehen kupferne Schalen, auf denen j Abend für Abend den Göttern wohlriechende Opfer darge- bracht werden. Das schützt das Dorf oder das Städtchen! vor Krankheiten und besonders vor dem Herrn der Dschun-i zel, dem Tiger. In jenem abgelegenen Teil der Welt > hatte Herr Marttneau mit fünf Touristen Halt gemacht.! Warum sollte man nicht Tiger jagen? Man hatte die berühmten „Kmer"-Ruinen zu Ankhor, in Kambodscha besucht und war auf dem Wege nach Tonkin. Der Gouverneur freute sich, einer europäischen Gesellschaft , seine Aufwartung machen zu können, denn es kamen selten Reisegesellschaften auf dem uralten Mandarinenweg ins Land. Er lud daher' die ganze Gesellschaft ein, die Abende in seinem Palast, der am Rande des großen Waldes lag, zu verbringen und gern folgte -man der freundlichen Einladung. Die Geladenen waren nicht wenig erstaunt, allen Komfort der Neuzeit in den prächtigen Räumen vorzufinben. Selbst ein Radioapparat fehlte nicht. ° Nach dem Essen auf der Terrasse stellte der Hausherr den Lautsprecher ein, da es aber noch zu früh für die Ueber- tragungen war, kam bald eine Unterhaltung in Fluß. Eine englische Dame versuchte Herrn Marttneau kramvfhaft da- von zu überzeugen, daß England eben doch das erste uuk beste Land der Welt sei. — Der Amerikaner butterte in seinem Reiseführer. — Plötzlich verstummte wie auf einen Schlag jegliches Gespräch. Auf der Türschwelle stand ein massiver Tiger, der. vermutlich selbst erstaunt über eine solche, wie zu Stein erstarrte Ansammlung menschlicher Beute, scheu umherblickte. Die anwesenden Damen ware/r totenblaß geworden, die Männer, ihrer Hilflosigkeit bewußt — es war keine einzige Waffe zur Hand — wußten nicht was beginnen. — Eine, vielleicht zwei Minuten dauerte das unheimliche Schweigen, als plötzlich aus dem Lautsprecher die schnarrende Stimme des Ansagers einer französischen Station erklang: „Mesdames et Messieurs", wir geben jetzt die neuesten Nachrichten bekannt. . . Wäre die Lage nicht so gefährlich gewesen, man hätte laut auflachen müssen. Der Tiger, über die Stimme aus dem Nichts erstaunt, stieß einen unartikulierten Schrei aus. drehte sich um und trottete nach seinem Urwald zurück. Nr. 186. Jahrgang 1928. D» Laabbote 4- Sioshetmer Aiümg. Freitag, den 10. August 1928. Bom Lebenstempo einer Großstadt. Die Hast und Bielfältigkeit des Lebens in einer modernen Großstadt erhellt am besten aus einigen Zahle». To wird in Newyork in jeder sechsten Minute ein Kind geboren, u»d ^vr jeder siebenten Minute stirbt ein Mensch . Jeden zweiten Tag wird ein Mörder verhaftet, während Diebstähle und Einbrüche stündlich mehrere in der Riesenstadt zu verzeichnen sind. Alle zwei Stunden ereignet sich ein schwerer Unfall, während von den leichteren etwa alle Viertelstunde einer stattfindet. Eine Hochzeit folgt der anderen in einem Zeitabschnitt von etwa 30 Minuten, während alle 12 Minuten ein größeres Schiss den Hafen verläßt. Anderthalb Millionen Fahrgäste benutzen täglich allein die Untergrundbahn, von anderen Verkehrsmitteln ganz zu schweigen. Dementsprechend sind auch die öffentlichen Einrichtungen aus- gebaut. Die Wasserleitung z. B. kann täglich für jeden Kopf der Bevölkerung 400 Liter Wasser liefern. In Newyork leben fast ebenso viele Italiener wie in Nom, mehr Iren als in Dublin wohnen und mehr Deutsche als in Hamburg und Bremen zusammen. Die höchste Zahl der an einem Tage von und nach Newyork beförderten -Briefe betrug bei einer Reihe von Stichproben 21 998172 Stück. Die Ameiseuzüchterin. Einen ungewöhnlichen Frauenberuf hat sich eine Pariserin namens Loucheur erwählt, die lange Jahre die Kameradin und Gehilfin ihres Vaters, eines bekannten Naturforschers, war. Nach seinem Tode verblieb ihr außer einem nicht nennenswerten Vermögen noch ein altertümliches Landhaus in der Nähe von Paris, zu dem ein großer Park mit altem Baumbestand, meist Tannen, gehörte. Hier hat die Dame nun eine Ametsenzüchteret angelegt. Aus allen Gegenden des Landes bekam sie von ihren Agenten Zuchtstämme der verschiedenen Ameisenarten zugesandt. Diese siedelte sie in ihrem Park an und bald konnte sie mit Stolz auf eine blühende Ameisenkolonie blicken. Sie verkaufte sowohl die Tiere als auch nur ihre Eier loder vielmehr Puppenj an Zoologische Gärten, Fasanerien, aber auch an Apotheken zu medizinischen Zwecken. Die eigenartige Zucht befriedigt ihre Gründerin sehr und bringt guten Erlös ein. Wie Mademoiselle Loucheur den Berichterstattern mittetlte, beträgt ihr Tagesverdienst nicht unter 200 Fr-s., was auch in deutschem Gelde immer h.n mehr als dreißig Mark pro Tag und somit ein recht hübsches Einkommen darstellt. _ r Kostbare Schmetterlinge. Zu den kostspieligsten Liebhabereien gehört das Schmetterlingsammeln, wenigstens dann,, wenn man es ernsthaft und wissenschaftlich betreibt. Gewisse seltene Exemplare der leichtbeschwingten und oft außerordentlich farbenprächtigen Tierchen sind nur unter erheblichen Geldopfern zu erlangen; allerdings repräsentiert eine gute und reichhaltige Schmetter- ltngssammlung dann auch unter Umständen ein beträchtliches Vermögen. In Deutschland und Frankreich, am meisten in England, gibt es eine Anzahl von Firmen, die fachkundige Sammler beschäftigen und sie in die verschiedensten Weltteile entsenden, wo sie in zeitraubenden, mühevollen und selbst lebensgefährlichen Expeditionen den Bedarf an Schmetterlingen für Zoologische Gärten, Museen, Gelehrte und Privatliebhaber und Sammler herbeischaffen. Gelingt es diesen fachkundigen Schmetterlingsjägern, etwa eine neue unbekannte Art auf ihren Streifzügen zu entdecken, so ist das ungefähr für sie, als ob sie das große Los gewonnen hätten. Tenn noch heute werden seltene oder gar bisher unbekannte Exemplare sehr gesucht und erzielen bisweilen geradezu märchenhafte Preise. — So ist z. B. kürzlich auf Neu-Guinea ein wunderschöner bis dahin unbekannter Schmetterling mit schwarzgelbem Rücken und azurblauen Flügeln entdeckt worden. Man gab diesem seltenen Tiere den Namen „Sirene des Paradieses", und für die acht Exemplare, die der Sammler nach London brachte, sind Summen von 8—15 000 Mark bezahlt worden. Der teuerste Schmetterling der Welt befindet sich im Naturkundemuseum von Kensington. Dort nt eine Schmctterlingsart ausgestellt, die ganz schwarze, grüngesprenkelte Flügel hat. Diese Art war bereits seit langen Jahren bekannt, es war aber bisher noch nie gelungen, ein Weibchen von der Gattung zu bekommen. Ein reicher Sammler, der sich nun gerade aus ein solches kapriziert hatte, entsandte nun auf seine Kosten sechs Schmetterlingsjäger an die afrikanische Westküste-üenen es nach fast zwei Jahren fruchtlosen Suchens endlich^gelang, zwei Weibchen der betreffenden Schmetterlingsart zu finden. Die Kosten für die Ervedltinn betrugen allein etwa 4000 Pfund, also mehr als 80 000 Mk. Das eine Schmetterlingsweibchen stellte der Sammler auf einer Liebhaberauktion zum Verkauf, und das Kensington- Museum blieb dabei Meistbietender mit 5000 Pfund, so daß also ein einziger dieser beiden Schmetterlinge insgesamt 140 000 Mark gekostet hat. Herrn. K. Ritter Charakterbeurteilung, Fähigkeiten, Neigungen, Talente, Krankheiten. Berufswahl etc. nach der Handschrift. Psychographologe-Karlsruhe, Akademiestrasse 51 III Das bei Heidelberg Radiumheim - Neckargemünd dient vor allem der modernsten Form der Krebsbekämpfung. Das Radiumheim verfügt unter allen deutschen Instituten über die größte Menge strahlender Substanz. Wiss. Beratungsstelle zur Bekämpfung von Krebs, Tub. Haut-Geschikrkh. Institut Mannheim 0 2, I Tel. 26747. u. im Radiumheim Neckargemünd Tel.45. Brauchen Sie einen neuen Schirm 1 denken Sie an meine große Auswahl in Damen- n. Herrenschirme. 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