i * feMietei titgttch mM Ausnahme rer Feiertage. Bezugs-Pret»: D»rch die Post bezogen und durch *«• Briefträger und unsere Austräger ftei ins Hau« «ouatltch Goldmark 1.80 ^e» Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Ln Fällen von höherer GewaU »»steht kein Anspruch auf Liefer- nng der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreise«. Geschäftszeit i/r8 bis 5 Lhr «onntaqS geschloffen. Gernsprech-Anschlutz Nr. «SS Postscheck-Konto Karlsruhe Rr. SSvS Der Landbote in >9 Sinsheimer MM Leitung ?i§i y mj&BSSw / ** General-Anzeiger für öas^W^Elfenz-un- Lcluoarzbaclital Geltest» lmä verdrettetfla Leitung «tiefer Gegenct. IZaupt-Hn)eigen-8i»tt VtUMrtlU)« BiiU}Mit D*t»e JUaTtiiert« • Ha* dem Reich der ffiede • R»tgeber für y»r>»- tmd CendwirttdMft Anzetgen-Prets». Anzeigen: Die 33 mm oren, Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg Grundschriit im Anzeigen- und Textteil ist Petit. 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Mr. Morrison erklärt, daß er in allen Reden, die er in England zur Förderung des Planes gehalten habe, besonders betonte, daß die Vereinigten Staaten es vermieden haben, irgendwelche Vorbehalte oder irgendwelche Ausnahmen zu ihren Verpflichtungen unter den Kelloggpakt zu machen, und da fei ihm ausgefallen, daß die englische Presse in allen ihren Berschten über seine Reden gerade diese nachdrücklichen Erklärungen völlig außer acht gelassen hat. Auf seine Frage, woher das komme, habe er von zwei hervorragenden Mitgliedern des Parlaments die Antwort erhalten: weil ihm doch niemand glaube. Ganz Großbritannien und Europa glaubte« vielmehr, daß die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin von der Geltung drs Kelloggpaktes ausschließen. Das sei ein schrecklicher und verhängnisvoller Irrtum Chamberlains. In der ganzen Korrespondenz sei Chamberlain der einzige Mann, der die Monroe-Doktrin erwähnt habe. In seiner ersten Note an Mr. Kellogg habe Chamberlain angedeutet, daß die Vereinigten Staaten besonderes Interesse analog deren Großbritanniens hätten, oie Mr. Kellogg ohne Zweifel ebenso reservieren wolle. In seiner Antwort vom 23. Juni habe Kellogg die anoeren Bemerkungen, die in der Korrespondenz gemacht wurden, besprochen und gezeigt, daß sie die Gültigkeit des Paktes nicht abschwächen, dagegen habe er Chamberlains Anerbieten, für die Reservierung der Monroe-Doktrin völlig ignoriert. In seiner endgültigen Note habe Chamberlain den Vorbehalt wieder gemacht. Me Vereinigten Staaten hätten die Absicht gehabt, den Krieg als ein Werkzeug nationaler Politik ohne Vorbehalte und ohne Rücksicht auf spezielle Interessen abzu- schaffen, und einen solchen Kelloggpakt hätte der Senat mit überwältigender Mehrheit, vielleicht sogar einstimmig angenommen. Wenn der Senat aber sehe, daß /Großbritannien sich das Recht, Krieg zu führen, für das ganze Feld seiner imperialistischen Politik Vorbehalte, dann werde der Senat entweder eine Ratifikation ablehnen, oder die Monroe-Doktrin in den Pakt selbst ein- fügen. Jedenfalls würde dann die antibritische Stimmung in den Bereinigtes Staaten wieder aufleben und ein entsetzlicher moralischer Zusammenbruch in den internationalen Beziehungen eintreten. Das ftanzösisch-englischr Flottenabkommen. Paris, 11. Aug. Ueber den Inhalt des französisch-englischen Flottenabkommens berichtet teilweise in Bestätigung der aus englischer Quelle stammenden Nachrichten der „Matin": Mr Beschränkung unterliegen: 1. Schiffe von 10800 Tonnen oder darunter, soweit sie mit stärker als sechs bis achtkalibrigen Geschützen bestückt sind. 2. Hochsee-Anterseeboote mit mehr als 600 Tonnen. Keiner Beschränkong'unterworfra sind die nicht unter Ziffer 1 fallenden kleinen Kreuzer und Unterseeboote unter 600 Tonnen, also solche für die Küstenverteidigung. * Daraus ergibt sich, daß England Genugtuung erhalten hat hinsichtlich der Beschränkung der großen Kreuzer und hinsich lich des Baus neuer leichter Kreuzer. Frankreich dagegen erhält Genugtuung hinsichtlich seiner Unterseeboote. Aus besonderer Quelle will der „Matin" wissen, daß man bei den Verhandlungen einmütig zu der Erkenntnis gekommen sei, daß man die kleinen Einheiten unmöglich beschränken könne, wenn man nicht den Hilfsschiffen Rechnung trage. Handelsschiffe zu beschränken sei aber gewagt und schwierig. Was den Veschränkungsmodus anlange, würde für die oben genannten Schiffseinheiten grundsätzliche Parität für alle Mächte zugelassen. Es gebe keine Proportionen mehr wie bei den „Capital Ships". Jede Marine werde angeben müssen, in welchem Verhältnis sie die Ziffern, zu deren Einhaltung sie sich verpflichte, nutzbar zu machen gedenke. Worte aber! keine Taten. London, 11. Aug. Mr peinliche Widerhall, den die Nachricht von der Teilnahme eines britischen Kavallerieregiments an den Rheinlandmanöoem der französischen Truppen in Deutschland gefunden hat, findet in England kein Verständnis. Man glaubt? die Angelegenheit mit dem Hinweis darauf abtun zu können,. daß die britischen Rheinlandtruppen unter französischem Oberbefehl stünden. Durch oie Teilnahme eines britischen Regiments habe man offenbar die gute Zusammenarbeit zwischen den französischen und englischen Besatzungstruppen bekunden wollen, im übrigen werde ja hierdurch an der englischen Einstellung zugunsten der Rheinlandräumung nichts geändert. Es muß in diesem Zusammenhang wirklich einmal ausdrücklich festgestellt werden, daß der rheinischen Bevölkerung mit den uvigen englischen Beteuerungen, das Rheinland räumen zu wollen, dies aber mit Rücksicht auf die fortdauernde französische Besetzung nicht zu können, nicht gedient ist. Bon der moralischen Schuld wird England erst dann freigesprochen werden können, wenn es seinen wiederholten Versicherungen die Tat folgen läßt. Poineare über Kriegsächtung. Paris, 10. Aug. Ministerpräsioent Poineare hat bei einer Preisverteilung vor den Schülern des Dorfes seines Sommeraufenthaltes Sampigny eine Ansprache gehulim, in der er auch auf den Antikriegspakt einging. „Heute" so erklärte er, „verurteilt die ganze Welt den Krieg und man muß sich darüber freuen. Aber ebenso wie von Zeit zu Zeit immer noch Mebe in Privatwohnungen einbrechen, um dort Geld oder Juwelen zu stehlen, könnten einige zu gewissen Stunoen versucht sein, auf Gewohnheiten zurückzukommen, die sich mit der Verurteilung des. Krieges schlecht vertragen und den friedliebenden Nationen .gefährliche Ueberraschungen bereiten würden. Verurteilen wir also den Krieg und tun wir alles, was von uns abhängt, damit er niemals wiederkehre. Gehen wir sogar noch weiter, Versuchen wir, unsere Leiden zu vergessen und zu verzeihen was uns angetan worden ist. Aber oamit Frankreich vollkommen vor un- verschuldeten Abenteuern geschützt bleibt, muß es die Mittel in der Hand halten, um sich gegebenenfalls gegen diejenigen zu wehren, die in einer Stunoe der Verirrung seine Ruhe zu stören versuchen sollten." Gibt es Krieg im Osten? Gin aufreizender Ausruf ruffifcher Kommunisten. Moskau, 10. Aug. Nach hiesigen Anschauungen ist eine Verschärfung des polnisch-litauisch:« Konfliktes eingetreten, Die Komintern veröffentlichen einen Aufruf an die proletarischen Massen der Welt, worin zu Protestdemonstrationen und Streiks gegen „das kriminelle Komplott Polens gegen die litauische Unabhängigkeit" aufgefordert wird. Weiter wird erklätt, daß ein polnischer Einmarsch in Kowno den gemeinsamen Aufmarsch der feindlichen Westmächte gegen Rußland herbeiführen würde, wodurch sogar die Freie Stadt Mnzig beoroht wäre. Me Arbeiter und Bauern Polens und Litauens sollten oie Diklaturherrschast in ihren Ländern über den Haufen schmeißen, weil die Mafien beider Länder keinen Krieg wollen. Don Pilsudfki hängt der Friede ab. Vorbereitungen zur polnischen Legionstagung. Warschau» 10. Aug. Die Vorbereitungen zur Legionärstagung in Wilna am 12. August lassen erkennen, daß es sich um eine Der- anstjaltung handelt, die wett über de» Rahm« einer gewöhnlichen alljährlichen Zusammenkunft ehemaliger Legionäre hinausgeht. Pilsudfki selbst hat seine Auslandsreise aufgegeben und bereitet sich, wie es heißt, auf die Reden vor, die er in Wilna vor seinen ehemaligen Waffengefährten halten wird. Er wird von mehreren Ministern begleitet werden, was der Tagung einen nteiteren politischen Anstrich gibt. M zu dieser Tagung Tausende von Legionären und Soldaten Urlaub und freie Fahrt erhalten können, wird es sich um eine Mmonstration handeln, die zwar weniger gegen Litauen als gegen oie von Woldemaras in seiner Verfassung ausgesprochene Erhebung Wilnas zur litauischen Hauptstadt gerichtet ist. Die Wahl der Stadt Wilna zum Tagungsott, die keinerlei historische Erinnerung für die Gründung der Legion im Weltkriege besitzt, erlaubt kaum einen Zweifel. Ob diese an sich stille Mmonstration zu einer lauten werden wird, wird von der Rede abhängen, die Pilsudfki in Wilna halten wird. Mit Ueberraschungen nach der einen oder anderen Seite wird man immerhin rechnen können. Zur widerrechtlichen Schließung deutscher Minderheilsschulen in Ost-Oberschlesien Sattomitz, 13. August. Zu der bevorstehenden widerrechtlichen Schließung deutscher Minderheitsschulen ist festzustellen, daß diese Maßnahme den Bestimmungen des Genfer Abkommens widerspricht, da die Schülerzahl die im Genfer Abkommen vorgesehene Höhe von mindestens 30 Schülern erreicht. Die Wojewodschaft begründet die Maßnahme mit Mangel an Schulräumen. Diese Begründung ist durchaus nicht stichhaltig. Die Schließung soll mit Beginn des neuen Schuljahres am 1. September durchgeführt werden. Ter Deutsche Volksbund in Kattowitz hat daher in seiner Beschwerdeschrift an den Völkerbundsrat die Bitte ausgesprochen, daß die Beschwerde der Dringlichkeit wegen auf der bevorstehenden Septewbertagung des Völkerbundsrates mit behandelt wird. Zvm Tode Stefan Raditschs Beisetzung Rabitschs auf Staatskosten abgelehut. Agram, 10. Aug. Raditschs Leiche wurde am Donnerstag aus dem Zryni-Platz öffentlich aufgebahrt. Alle öffentlichen Gebäude und Privathäuser tragen Trauerschmuck. Die Eisenbahnarbeiter veranstalteten zum Zeichen der Trauer eine dreistündige Arbeitspause und zogen vor die Villa des Parteiführers. Auch sämtliche Läden in Agram waren von 8 bis 11 Uhr vormittags geschloffen. Der bäuerlich-demokratische Block legten den ersten Kranz am Sarge Raditsch nieder. Er trägt drei Schleifen in den serbischen, kroatischen und slowenischen Farben. Die Inschrift lautet: „Seinem unvergeßlichen Präsidenten, dem Großen des Volkes!"' Der Vorstand des bäuerlich-demokratischen Blattes hat beschlossen, die am Sonntag stattfindende Beerdigung Raditschs auf Kosten der Partei und der Stadt Agram vorzunehmen. Damit ist der Wunsch der Regierung, Raditsch auf Staatskosten zu beerdige«, zurückgewiese«. Die kroatische Bauernpartei erließ anläßlich des Todes ihres Führers einen Aufruf an das Volk. Darin wird u. a. gesagt, Raditsch sei von Verbrechern ermordet worden, um die festgefügten Reihen des kroatischen Volkes zu lockern und seinen Kampf für Freiheit und Gleichberechtigung zu brechen. Man habe sich aber getäuscht. Raditsch lebe unter seinem Volke fort. Der Kampf werde bis zum Sieg weiter gehen. Der Aufruf fordert schließlich die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und der Parteileitung voll zu vertrauen. An der Leichenfeier für Raditsch in Agram wird sich die jugoslavische Regierung vollzählig beteiligen. Der König wird einen Vertreter entsenden. Raditschs politisches Testament Berlin, 10. August. Der Vörsenkurier meldet aus Agram: Donnerstag früh wurde das von Radiffch hinterlaffene politische Testament eröffnet. Wie verlautet, hat Stefan Raditsch den Führer des kroatischen Blocks und früheren Außenminister Dr. Trumbitsch zu seinem Nachfolger in der Führung der kratische Bauernpartei bestellt. Ferner enthielt das Testament Raditschs einen Appell an das kroatische Volk, nach seinem Tode Ruhe zu bewahren. Wie weiter verlautet, hat der Ausschuß der Bauernpartei beschlossen, den Mitgliedern der Belgrader Regierung und der Skupschtina die von ihnen angemeldete Teilnahme an der Leichenfeier zu verweigern. pariser preffestimmen Paris, 10 August. Die Nachricht vom Tode Raditschs hat auch in Paris einen sehr tiefen Eindruck gemacht Die Blätter nehmen ausführlich dazu Stellung. „Paris Sotr" hebt die Bedeutung dieses Ereignisses für den Frieden der ganzen Welt hervor und erklärt, die Folgen seien noch nicht abzusehen, zumal man weiß, wie gefährlich sich jede politische Agitation aus dem Balkan auswtrken könne. Der „Temps" sieht in Raditsch keinen Siaatsmann, sondern einen Agitator ohne politische Ueberzeugung. einen Gewaltmenschen und Revolutionär, dessen Einfluß aus die Masse erstaunlich stark gewesen sei. Raditsch habe der Regierung oft große Schwierigkeiten bereitet. In Zukunft werde Jugoslavien den durch die Frie- densverträge in Europa errungenen Platz nur behaupte» können, wenn es möglich sei, die inneren Gegensätze nach Raditschs Tode zu Überdrücken. „Journal des DebatS" schließt seine Würdigung der Persönlichkeit Raditschs mit den Worten: Er war ein lebendiger lenkender, aber verwirrter Geist von leidenschaftlichem Charakter, stets wechselnd I» seinen Anschauungen, dabei völlig unbeeinflußbar. In einem so jungen Staat wie Jugoslavien mußte ein Geist ivie der Raditschs verhängnisvoll wirken." Die „Liberte" sieht in Raditsch einen Typus, der sich in den neuen Staaten Europas häufiger vorfänbe, z. B. in Polen, der Tschechoslowakei und Rumänien. Wie die Kroaten nicht darauf verzichten sollten, seinen Tod zu rächen, so sei Schlimmes zu befürchten. zrassttich« Sedinaimgen fttr eine frühere Sänmuna? London, 13. August. Wie der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" hört, ist eine Fühlungnahme der deutschen Regierung in den alliierten Hauptstädten in der Frage der Rheinlanbräumung erfolgt, weil die deutsche Regierung die Rheinlandräumung mährend der Septemdertagnng des Völkerbundes anzufchneide« beabsichtige. Das Ergebnis sei nicht befriedigend gewesen, weil Paris klar zu verstehen gegeben habe, daß eine frühere Räumung nur erfolgen könne: 1. wenn eine dauernde internationale Kontrolle über die entmilitarisierte Rheinlandzone errichtet werden und 3. eine endgültige Abänderung des DawesplaneS entsprechend den Wünschen Frankreichs erfolge, d. h. ein wesentlicher Teil der Daweszahlungen bald mobtlistert werde. Diesen beiden französischen Forderungen habe sich auch Belgien zu eigen gemacht und außerdem noch Sie Einlösung von sieben Milliarden Franken verlangt, die während des Krieges von den deutschen Besatzungsbehörden in Belgien aus- gegeben worden seien. Das belgische Kabinett zeige sich in dieser Frage unnachgiebig. Weiter hört der Korrespondent, daß die italienische Regierung entschlossen sei, sich nicht von den Räumungsverhandlungen ausschließen zu lassen, weil diese Frage nicht nur die Besatzungsmächte, sondern alle alliierten Hauptmächte angehe. * Eine dauernde Kontrolle der Rheinlanözone ist eine Bedingung, über die Deutschland überhaupt nicht in Verhandlung eintreten kann, weil diese Kontrolle nichts anderes darstellen würde, als die Verewigung der Besatzung in anderer Form. Außerdem arbeitet ja die Zeit für Deutschland. Aklendiebstchl bei der Reparalionskommijfion Paris, 12. Aug. Ter erste Reparationsschieberprozeß hat ein unerwartetes Nachspiel gefunden, das in Kreisen der Reparationskommission unliebsames Aussehen erregt. Ein früherer Angestellter der Reparationskommission, ein höherer Beamter des französischen Ministeriums für öf- fentliche Arbeiten, de Sally, befindet sich, wie erst jetzt be- kannt wird, seit dem 29. Juli wegen des Diebstahls von Geheimdokumenten der Reparationskommission in Untersuchungshaft. Dieser Diebstahl wurde durch einen Generalkontrolleur des Finanzministeriums aufgedeckt, der den Verhandlungen des ersten Skandalprozeffes Netter, Wolfs Nr. 187. Jahrgang 1928. und Genoffen beiwohnte und dabei feststellte, daß sich die Angeklagten und ihre Rechtsbeistände vertraulicher Aktenstücke der Reparationskommission zu ihrer Verteidigung bedienten. Die Untersuchung ergab, daß Aktenstücke. Noten und vertrauliche Schreiben abhanden gekommen sind, die von de Sally, der seit acht Monaten die Reparationskommission verlaffen hatte, den Angeklagten zugänglich gemacht worden waren. Außerdem wurde.sestgestellt. daß de Sally nach seinem Ausscheiden aus der Reparationskommission durch eine Maschinenschreiberin der Reparationskommission noch weitere vertrauliche Aktenstücke erhielt. Man glaubt außerdem, daß noch weitere Persönlichkeiten in die Angelegenheit hineingezogen werden können. Eine hochgestellte Persönlichkeit, deren Name noch nicht genannt wird, wurde bereits vernommen. Zum Aktenüiebstahl bei der Reparationskommission wirk ergänzend gemeldet, daß nunmehr auch die in die Angelegenheit verwickelte Maschinenschreiberin unter Anklag« gestellt worden ist. De Sailly und die Maschinenschreiberiri haben eingestanöen, einen vertraulichen Brief Poincarss an den französischen Vertreter in der Reparattonskommis- fu tt sowie einen Brief Tardieus. an einen seiner Ministerkollegen entwendet und dem Viehhändler Levy übergeben zu haben, der bekanntlich in den ersten großen Reparationsschieberprozeß verwickelt ist. Levy konnte nach Holland fliehen. Dem Auslieferungsbegehren der französischen Regierung wurde bis jetzt noch keine Folge gegeben. Eine bet der Maschinenschreiberin vorgenommene Haussuchung förderte einen von ihrem früheren Geliebten de Sailly ausgestellten Scheck über 50 000 Franken zutage. Sie erklärte, dieses Geld von de Sailly als Abfindungssumme erhalten zu haben, als er im Dezember 1927 angesichts seiner bevorstehenden Vermählung mit ihr gebrochen habe. De Sailly der etwa 40 Jahre alt ist, verfügt über ein großes Vermögen. In seiner Eigenschaft als Mitglied der Reparationskommission weilte er lange Zeit in Berlin. Er erhielt ein Jahresgehalt von etwa 170 000 Goldfranken. Nach seinen Ausscheiden aus der Reparationskommission eröffnete ei ein Büro für Naturalleistungen. Er hatte also ein Interesse daran, die Verfügungen der Ministerien zu kennen, um die Verträge seiner Kunden so abzufaffen, daß die Reparation^ - kommission die Zustimmung erteilen mutzte. Der neue Reparationsskandal, der Diebstahl vertraulicher Dokumente der Reparationskommission durch einer ihrer früheren Angestellten, dürfte, einem Pariser Mittags- vlatt zufolge, so beträchtliche Ausmaße annehmen, daß dic an diesem Skandal unmittelbar interessierte nationale Ver teidigung sich gezwungen sehen wird, eine Untersuchun? gegen das zweite Büro des französischen Generalstabcs z. beantragen. .. Aeue Vesatzungszwischönfalle Speyer, 13. Aug. Während der Einquartierung französischer Truppen, die sich auf dem Durchmarsch zu den Trup. penübungsplätzen befanden, kam es in Ottenberg zu einem Zwischenfall. Ein französischer Hauptmann kam mit einem Hauseigentümer wegen der Einquartierung in Streit, in deffen Verlauf er den wehrlosen Deutschen mit zwei Faustschlägen zu Boden schlug. Eine ähnliche Behandlung mußte sich der dienstlich anwesende deutsche Schutzmann von einem französischen Offizier gefallen laffen. Ein zweiter Zwischenfall ereignete sich, wie erst jetzt bekannt wird, in Grotzkarlsbach, wo am 3. und 4. August eine französische Truppenabteilung mit Tanks, die in Worms in Garnison sein soll und die sich ebenfalls auf dem Durch- mrasch durch die Pfalz befand, in Quartier lag. Die Besatzung der Tanks gab in den Straßen und in der nächsten Nähe des Ortes blinde Schüfle aus den in den Tanks befindlichen Maschinengewehren ab, wodurch die Einwohnerschaft in großen Schrecken geriet, da sie sich den Grund der Schießerei nicht erklären konnte und auch nicht wußte, daß es sich um blinde Schüße handele. Der Panzerkreuzer wird gebaut Der Beschluß -es Kabinetts wird einstimmig gefaßt. Berlin, 10. Aug. Das Reichskabinett beschloß in seiner unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzung, den Bau des Panzerschiffes in Angriff zu nehmen. Zu diesem Beschluß ist die Reichsregierung gelangt, nachdem festgestellt wurde, daß die durch den Bau des Panzerschiffes entstehenden Mehrausgaben in den folgenden Jahren durch - entsprechende Ersparnifle bet sonstigen Ersatzbauten wieder eingebracht werden. _ Der La ndbote * Sinsheimer Zetwng. Das Reichskabinett erhöhte ferner die Versicherungsgrenze in der Ztzrgestelltenversicherung von 6000 auf 8400 Reichsmark und beschloß u. a., dem Reichstag die Rati- sizierungsgcsetze für drei internationale Abkommen über die Seeschiffahrt vorzulegen. Der Beschluß des Reichskabinetts über den Bau des Panzerkreuzers ist einstimmig, also mit den Stimmen der Sozialdemokraten, gefaßt worden. Dr. Ckkeners Sank Friedrichshafen, 13. August. Die große Anzahl von Glückwünschen, die Dr. Eckener zu seinem 60. Geburtstag übermittelt wurden, — es sind außer einen großen Anzahl von Briefen allein über dreihundert Telegramme eingegangen — macht es Dr. Eckener unmöglich, sich für die Glückwünsche einzeln zu bedanken. Er bittet uns deshalb um Aufnahme folgender Danksagung: „Anläßlich meines 60. Geburtstags sind mir Glückwünsche insbesondere auch sür erfolgreiche Fahrten des L.Z. 127 in so großer Zahl zum Ausdruck gebracht worden, daß es mir unmöglich ist, auf jeden einzelnen, wie ich es möchte, besonders zu antworten. Ich bitte deshalb, allen, die in so freundlicher Weise ihr Interesse und ihre guten Wünsche für die Zeppeltnsache bekundeten, hiermit meinen wärmsten Dank aussprechen zu dürfen. Dr. Eckener/ Reichspräsident von Hindenburg hat an Dr. Eckener folgendes Telegramm gerichtet: „Zu Ihrem heutigen 60. Ge- bnrtstage spreche ich Ihnen meinen herzlichsten Glückwünsche aus. Daß dieses neue Lebensjahr Ihnen in Ihrer Arbeit weitere Erfolge bringen möge, ist mein besonderer Wunsch am heutige» Tage. Gez.: v. Hindenburg, Reichspräsident/ Auch der Reichskanzler und der Reichsverkehrsministcr haben Dr. Eckener herzliche Glückwünsche übersandt. Der Verein Deutscher Ingenieure hat folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Zum 60. Geburtstage entbiete» Ihnen die deutschen Ingenieure ihre besten Glückwünsche. Durch die zielbewußte Fortführung der Pläne und Arbeiten des Grafen Zeppelin haben Sie sich um die Förderung des völkerverbindenden Luftschiffverkehrs unvergängliche Verdienste erworben und das Ansehen der deutschen Technik in aller Welt gefestigt. Mögen die bevorstehenden Fahrten des Luftschiffes „Graf Zeppelin" und Ihr ferneres Schaffen von gleichem Erfolg gekrönt sein/ Dr. Eckener in Erholungsurlaub. Friedrichshafen, 13. August. Dr. Eckener, der einige Zeit leicht erkrankt war, begibt sich, wie die Telegraphen-Union erfährt, nächste Woche auf 8—10 Tage zur Erholung nach Tarasp. Neuer Rhön-Dauerrekorb. Fliegerlager Wafferkuppe, 10 . Aug. Bei den Flügen am Donnerstag auf der Rhön gelang es dem bekannten Flieger Dittmar, mit dem Flugzeug „Albert" einen neuen Rhön- Dauerrekord aufzustel' ml Er blieb etwa 4)4 Stunden in der Luft und überbot damit den bisherigen Rekord Pom- nitz's von der Akademischen Fliegergruppe Dresden von vier Stunden sieben Minuten. Eine Anzeige gegen Beamte der Münchener Polizeidirektio« wegen angeblicher Paßsülschung. München, 13. August. Ein außerbayerisches Blatt hat dia Meldung verbreitet, daß ein gewisser Abel gegen den Chep der bayerischen Landespolizei, Oberst von Seiffer, gegen den Oberregierungsrat Bernreuther und den Kriminalkommiffar Wenzel von der Münchener Polizeidirektion Anzeige wegen Paßfälschung erstattet habe. Dem Abel soll ferner in Ungarn ein wegen Fememordverdachtes gesuchter Oberleutnant Braun gestand enhaben, er sei der bis jetzt vergeblich gesuchte Mörder des sozialdemokratischen bayerischen Abgeordneten Garets. Hierzu schreiben am Sonnabend die „Münchener Neuesten Nachrichten": „Wie wir erfahren, ist eine solche Anzeige tatsächlich eingegangen. Sie wird von der zuständigen Stelle, wie es dem Gesetz nach selbstverständlich ist, weiter verfolgt. Der anzeigende Abel ist bei der Münchener Polizei wohl bekannt nach den verschiedensten Richtungen, so daß man den von ihm stammenden Angaben nicht ohne weiteres Gewicht beilegen kann. Hinsichtlich der Behauptung zu dem Gareis- Mord wird man das Untersuchungsergebnis abwarten müssen. Zu der Behauptung wegen der Ausstellung von Püffen mit anderen Namen müffen wir jedoch heute schon sagen, daß auch hierin nicht ohne weiteres ein Unrecht wird gesehen werden müssen. Sind derartige Maßnahmen tatsächlich getroffen worden, so können sie sehr wohl eine Art Not- Montag, den 13. August 1928. wehr gewesen sein in Zeiten, da Poinearö das Ruhrgebiet besetzen ließ und wider alle Verträge am Rhein ein Hindernis zog, das deutsche Gebiete, wie die Pfalz, vom Mutterlande abtrennte und in höchste Not versetzte. Eine amtliche Erklärung. München, 13. August. Zu der Notiz der „Frankfurter Zeitung" vom 9. August über Paßfälschungen der bayerischen Landespolizei teilt die amtliche bayerische Pressestelle mit: „Polizeioberst von Seiffer hat als Beauftragter des damaligen bayerischen Generalstaatskommissars am 22. Oktober die Polizeidirektion München schriftlich angewiesen, für einen gewiffen Helmut Isenburg, dessen nähere Personalien angegeben waren, einen Personalausweis auszustellen. Nach den für den Wirkungskreis des Generalstaatskommissars damals geltenden Bestimmungen war die Polizeidirektion verpflichtet, diesem Antrag Folge zu leisten. Die Paßabteilung hat daher den gewünschten Paß ausgestellt. Polizeioberst von Seiffer, der sich zurzeit in Urlaub befindet, hat mitgeteilt, daß ihm seinerzeit von vertrauensw.ürdiger Seite ein Mann namens Isenburg vorgestellt und bestens empfohlen worden sei. Am 3. November 1923 wurde von der Polizeidirektion jedoch sestgestellt, daß man es mit einem politischen Abem teurer zu tun hatte. Der Mann, deffen richtiger Name Werner Abel war, wurde festgenommen und befand sich längere Zeit in Schutzhaft, bis er Anfang 1924 aus Grund eines gegen ihn wegen Münzfälschung erlassenen Haftbefehls nach Berlin abgeltefert wurde. In der an das Staatsministerium der Justiz gerichteten Strafanzeige des Abel sind Angaben über den Mord an dem Abgeordneten Gareis nicht enthalten. Die Mitteilungen der „Frankfurter Zeitung" haben jedenfalls den zuständigen Stellen'Veranlassung zur Nachprüfung gegeben/ Roch ein Todesopfer von Dinkelscherbcn. Stuttgart, 13. Aug. Von der Reichsbahndirektion StutL gart wird mitgeteilt: Die S9jährige Witwe Rosa Schmidi aus Döflingen bei Ulm ist am Freitag früh im Krankenhaus Zusmarshausen in Bayern an den Folgen ihrer Verletzung beim Dinkelscherbener Eisenbahnunglück gestorben Die Leiche wird in ihren Heimatort zurückgeführt. Damij ist die Zahl der Opfer der Dinkelscherbener Eisenbahnkatastrophe auf 18 gestiegen. i Sin ungültiger Ausschlußantrag gegen Sugenberg Berlin, 12. August. Wie sich der „Jungdeutsche" aus Detmold melden läßt, soll dem Vorstand der Ortsgruppe Detmold der deutschnationalen Volkspartei am 8. August ein Antrag eingereicht morden sein, aus Einleitung des Ausschlußverfahrens gegen den Abgeordneten Hugenberg durch den Vorstand des zuständigen Landesverbandes Lippe. Wie hierzu von deutschnationaler Seite mitgeteilt wird, handelt es sich um den Antrag eines einzelnen Herrn. Die Zuleitung eines solchen Ausschlußantrages an die Ortsgruppe Detmold stehe im Widerspruch mit den Parteisatzungen, da Ausschlußanträge nach Absatz 19 dieser Satzung nur von der Parteileitung oder von dem Vorstand der Ortsgruppen oder des Kreisverbandes, denen der auszuschlie- ßenüe angehörte oder von dem Vorstand des Landesverbandes eingeleitet werden könnte. Die Ortsgruppe Detmold werde daher den Antrag an den Antragsteller zurückgeben müffen, da sie nach den Satzungen sür den Antrag nicht zuständig sei. Letzte Aachrichten Wie die Polizei in Weiden mitteilt, sind bei dem großen Brand in Luhe insgesamt IM Gebäude dem verheerende« Element zum Opfer gefalle«. Darunter befinden sich neben Scheunen, die angefüllt waren mit Futtervorräten, Getreide und Vieh, zahlreiche Wohnhäuser. Der Brand konnte erst in der Nacht gelöscht merde«, nachdem die Feuerwehr zehn Stunden lang an der Bekämpfung des Feuers gearbeitet hatte. Man weiß immer noch nicht, ob unter den Trümmern Tote liegen. Die Obdachlosen wurden teils in den Häusern untergebracht, die vom Feuer verschont blieben, teils mit Lastkraftwagen nach Weiden gebracht. Die Ursache des Brandunglücks ist «och nicht völlig geklärt. Auf jeden Fall steht fest, daß das Feuer aus seinen Herd hätte beschränkt werden können, wenn nicht der starke Wind ROMAN vo N O.SCHNEIDER'FOERSTL Sie stand kaum einige Minuten ln ihrem Zimmer, ar. das alte Schwindelgefühl wieder auftrat, diesmal noch etwas tärker. Im Bett würde es gut werden. Sie entkleidete ich eilig und löste das Haar für die Nacht. Kaum lag sie in den Kiffen, kam wieder dieses Würgen im Hals. Sie schloß die Augen! Nur schlafen! Nichts mehr denken! Aber unter den geschloffenen Lidern rann Träne um Träne auf das weiße Kiffen. Was hatte ihn erzürnt? War er S ekränkt, daß sie nicht bei ihm im Garten geblieben war? der sie hatte so gefroren. Ihr Kopf schmerzte und ihre Augen brannten. Nur noch verworren drang von unten herauf eine Stimme an ihr Ohr. — War er schon wieder zurück? Ein dumpfes lähmendes Etwas ließ ihr Haupt zurücksinken. Wie eine weiße Blume lag ihr schmales Gesicht- chen auf dem Kiffen. Karsten hing Hut und Mantel an den Ständer und ging in fein Studierzimmer. Wenige Minuten später klopfte Lene an seiner Türe. Ein kurzes Herein kam von Innen. Sie bat ihn zu Tisch. Als er keine Antwort gab, trat sie zu ihm an den Schreibtisch und sagte bittend: „Wenn Sie doch erst noch nach der Frau Doktor sehen möchten!" „Was ist es mit meiner Frau?" fragte er zwischen Un- gehaltensein und unbestimmter Sorge. „Als ich nach Haufe kam/ sprach sie und sah ihm forschend ins Gesicht, „da hat sie im Flur gelegen, wie tot. Ich meine, Sie sollten nichts versäumen, Herr Doktor! — So eine zarte Frau/ Sie sah, wie er erschrak. „Ist meine Frau noch wach?" „Nein, sie ist gleich zu Bett gegangen! Lene hörte, wie die Treppe unter seinem Tritt knarrte, dann das Oeffnen einer Türe. Sie drehte das Licht der Schreibtischlampe ab. Es mochte wohl einen Zank gegeben haben. Das kommt in jeder Ehe vor. Die arme, junge Frau batte es wobl zu schwer Lenommen. Karsten trat in Elisabeths Zimmer. Unschlüssig blieb er einen Augenblick an der Türe stehen. Mit beiden Händen faßte er sich an den Schläfen. Nur Gewißheit haben, Gewißheit, ob neben der Liebe zu ihm noch eine andere in ihrem Herzen lebt, die Liebe zu Hans Helbing. Und er? Der Freund hatte ihm den Weg zum Glück geebnet — vielleicht aber^am er nun morgen schon und bat: „Gib dein Weib frei für mich/ Nun war es da, was er gefürchtet hatte. Sie paßte nicht herein in sein bescheidenes Doktorhaus. Sie sehnte sich zurück nach dem Glanz ihres früheren Heimes, nach all' dem Luxus, der betäubenden Geselligkeit, die dort war. All' seine Liebe vermochte sie nicht zu halten, das ander« war stärker in ihr und dort in Degenbach war ja auch der Mann, den sie lieben mußte, weil sie nicht anders konnte. Sein Gesicht war bleich. Alles in ihm schrie in Aufruhr. Er schaltete die Nachto.mpel ein. Sie warf ein leichtes, blaues Licht auf die glänzenden Mahagonimöbel. Wie Aetber floß ihr Schein auf Elisabeths blasses Gesichtcken. Mit klopfenden Bulsen blieb Karsten vor seinem schlafenden jungen Weibe stehen: „Wissen, nur Wissen, wie weit das Unheil schon gediehen war. Noch war sie sein. Aber wenn der andere kam, dann hatte er alles verloren, Weib und Freund, und er konnte sehen, wie er das Leben weiter ertrug. Aber er würde sich nicht bescheiden! Er nicht! Er wollte sie halten und wenn sie darüber zugrunde ging. Sein mußte sie bleiben und wenn er den Freund erwürgen müßte. Er hatte besessen und würde nicht verzichten, denn er würde nie mehr vergessen können» was sie ihm war. Er bog sich herab und horchte auf die Atemzüge der Schlafenden. Sie waren ruhig und gleichmäßig. Das Gesicht war allerdings auffallend blaß. Aber daran mochten wohl die seelischen Vorgänge in ihrem Innern Schuld tragen. Lene hatte ihn also ganz umsonst in Schrecken versetzt. Er drehte das Licht wieder ab. Beim Hinausgehen stieß er an einen Gegenstand, der polternd zu Boden siel. „Elisabeth erschrak jäh aus dem Schlummer. „Rolf!" rief sie angstvoll. Sie richtete sich in den Kiffen auf. „Bitte, mache Licht, Rolf!" Er schaltete die Lampe wieder ein. „Danke/ sagte sie leise. Er trat an ihr Bett und schob ihr die Kissen, die etwas herabgeglitten waren, unter den Rücken. „Bist du nicht wohl?" fragte er. Eine riesenhafte Sorge walzte sich auf seine Brust, als er in ihre glanzlosen Augen sah. Sie blickte sich suchend um. „Wünschest du etwas?" fragte er. „Nur ein Glas Wasser. Bemühe dich nicht, Rolf, ich hole es mir selbst!" „Bleib, ich bringe dir welches!" Er trat in fein Zimmer. Dort stand auf dem Waschtisch immer eine Wasserkaraffe frisch gefüllt. Er war gewohnt, des Abends, wenn er zu Bett ging, noch ein Glas zu trinken. Er füllte das auf den Hals gestürzte Glas und trug es ihr an das Bett. Sie griff hastig darnach! Ein Zittern kam in ihre Hand, ihr Kopf neigte sich seitwärts und fiel schwer gegen die Marmorplatte des Nachttisches. „Elisabeth!" schrie Karsten auf: „Liebe, kleine Elisabeth!" Sie hörte, wie er sie mit den zärtlichsten Worten rief, aber sie konnte keine Bewegung machen, kein Wort über die Lippen bringen. Sie fühlte nur, daß er sie in den Armen hielt -uni ihr die Schläfe mit einer starkriechenden Flüssigkeit rieb. Sie hörte den wilden? hastenden Schlag seines Herzens, an dem ihr Kopf lag. Aber vor ihren Augen lagen schwarze Schleier, die auf und ab wallten. Immer wieder senkten sie sich herab. Dann wurde es heller. Noch einmal kam das Dunkel! Dann blieb es Licht! Angstvoll, erschrocken, sah sie den Gatten an. „Ist es nun wieder bester, mein Armes?" fragte er zärtlich. Sie nickte. Er hielt sie noch immer im Arm und strich ihr beruhigend über Gesicht und Hände. „War das schon öfter so?" forschte er. „Ja!" sagte sie scheu. „Schon seit einigen Tagen und dann heute abend im Wohnzimmer vor der Truhe. Es ist etwas in mir, das treibt mich zu weinen und ich habe keinen Grund dafür und dann bin ich wieder so übermenschlich glücklich, bis wieder dieses Schwindelgefühl und dieses Würgen im Halse kommt." Er wurde fahl über das ganze Gesicht. In seine Augen trat ein -Flimmern. Sie deutete sein Erblaflen falsch. Bittend hob sie die Hände. Nr. 187. Jahrgang 1928. öl« Flammen nach allen Richtungen getrieben hätte. Die Be- völkerung der Umgegend ist herbeigeeilt, um Hilfe zu leisten. Die Stellungnahme des Reichsverkehrsministers zur Denkschrift der Lokomütivsabriken. Berlin, 10. August. Wie von unterricbieter Seite mitgc- teilt wird, hat der Reichsverkehrsministei zu der bekannten Denkschrift aus den Kreisen der deutschen Lokomotivindustrie, die zur Erhaltung eines ausreichenden Beschäftigungsgrades der deutschen Lokomotivfabriken eine Hilfsaktion des Reiches in Form der Gewährung eines Kredites all die Reichsbahn fordert, Stellung genommen Die Denkschrift ist Gegenstand eingehender Besprechungen zwischen den zuständigen Reichs- Ministerien und der Deutschen Relchsbahnaescllschaft gewesen Die Antwort des Reichsverkehlsmintsters erkennt zwar die Notwendigkeit an. dem Deutschen Reiche eine leistungsfähige «nd ausreichende Lokomotiv- industrie zu erhalte«, weist aber andererseits darauf hin, daß es unter den heutigen Verhältnissen auf lange Zeit hinaus völlig unmöglich sein werde, die sämtliche« vorhandenen Lokomotivfabriken in ihrem jetzigen Umfange auch nur einigermaßen ausreichend zu beschäftige«. Da nach den Ausführungen der Denkschrift auch >tte Aufträge des Auslands gegenüber der Vorkriegszeit ..anz erheblich zurückgegangen feien, so müsse zur Herbeiführung iuer Gesundung der Verhältnisse mit einer erheblichen Einschränkung der Fabrikationsmöglichkeiten gerechnet werden. Solange in dieser Beziehung nicht greifbare Vorschläge ror- lägen, sei zu befürchten, daß durch Gemähkung von Krediten nur unbegründete Hoffnungen erweckt würden. Bei der gespannten Finanzlage des Reiches muß es der privaten Initiative überlassen bleiben, die für die Umgestaltung auf andere Fabrikationszweige erforderlichen Schritte selbst zu tu». Wo bleibt die Sekung der Realsteuern. rli Ueber die starke steuerliche Belastung wird seitens der gesamten deutschen Wirtschaft ständig Klage geführt. Mit Recht hat daher noch kürzlich der Reichsverband des deutschen Handwerks einen Ausgleich der, Belastungen und insbesondere einen wesentlichen Abbau der drückenden Realsteuem gefordert. Gerade auf die letzteren Steuern hat das Handwerk immer wieder hingewiesen, eine Belastung, die umso schwerer empfunden wird, als fast durchweg in den städtischen Kollegien die Vertreter der Gruppen den Vorlagen zur Erhöhung dieser Steuern zustimmen, di« sie nicht zu entrichten brauch«. Der Gesetzgeber hat die schwere Notlage von Handwerk und Gewerbe anerkannt und zu ihrer Abhilfe ausdrücklich im Paragraph 4 a des Finanzausgleichsgesetzes vom 10. August 1925 in der Fassung vom 9. April 1927 die Länder verpflichtet, Vorsorge dafür zu treffen, daß die Mehrerträg« der Ueberweisungen aus der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer, die über den Betrag von 2,4 Milliarden Reichsmark hinausgehen, in erster Linie zur Senkung der Grund- und Gebäudesteuern und, Gewerbesteuern unter das am 31. März 1927 gegebene Maß verwendet werden. Bekanntlich hat das angeführte Gesetz die sogenannte Garantiesumme an die Länder und Gemeinden auf 2,6 Milliarden RMk. erhöht. Leider hat man von einer auf Grund dieser Bestimmung erfolgten Herabsetzung der Realsteuerzuschläge, die eine wesentliche Erleichterung gebracht hätte, nichts gehört. Die anfangs Juni vom Reichsminister oer Finanzen dem Reichstag vorgelegte U ebersicht über die Gestaltung der Reichseinnahmen und »Ausgaben in den Rechnungsjahren 1924 bis 1928 weist überraschenderweise aus, daß die den Ländern vom Reich zugeflossenen Steuerbeträg« für 1927 ein Rechnungsergebnis von 3 011 761 153 Reichsmark hatten. Somit hätten 611 Millionen RM. zur Senkung der Realsteuem im verflossenen Haushaltsjahr zur Verfügung gestanden. Wie erleichtemo für die Wirtschaft sich eine Verwendung dieser Ueberweisungen in dem vorgeschriebenen Sinne ausgewirkt hätte, mag daraus hervorgehen, daß das gesamte Aufkommen an Realsteuern für 1927 (ohne tzauszins- steuer) mit rund 2 Milliarden RM. angenommen werden kann. Demnach hätten die Zuschläge zu den Realsteuern, roi> gerechnet, um ein Drittel ermäßigt werden können. Die Ueberweisungen für das Rechnungsjahr 1928 sind nach dem Haushaltsplan für 1928 mit 3 217 817 000 RM. angefetzt, sodaß voraussichtlich über 800 Millionen RM. zur Senkung der Realsteuern im laufenden Haushaltsjahr zur Verfügung stehen. Es wird Aufgabe der Wirtschaftsoertreter in den städtischen Kollegien sein, mit allem Nachdruck auf diese Zusammenhänge hinzuweisen. Mit großem Interesse kann auch die durch den kürzlichm Reichslagsantrag der Abgeordneten Scholz und Genossen geforderte Denkschrift erwartet werden, die Auskunft geben soll über die Steuersenkungen, welche die Länder und Gemeinden auf Grund des Paragraph 4 a des Finanzausgleichsgesetzes vorgenommen haben. Baden. Traneraudacht in Vadeuweiler. Badenweiler, 10. Aug. Im grobherzoglichen Palais in Badenwetler fand am Donnerstagabend eine Abendandacht für die Beamten und Angestellten des großherzoglichen Hofes statt. In die aufgelegte Trauerliste haben sich viele Personen eingezeichnet, darunter auch zahlreiche Kurgäste. Fortwährend treffen als äußeres Zeichen der Trauer prachtvolle Kränze ein. ^ Der Oberbürgermeister von Freiburg hat den Stadtrat zu einer Trauersitzung für den verstorbenen Großherzog auf Freitagvormittag 11 Uhr einberufen. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 14. Aug. (Staatsgesinnung.) Der 11. August des Jahres 1919 brachte oie Unterzeichnung der Weimarer Verfassung und damit dem deutschen Hause wieder ein Dach und der großen deutschen Familie Schutz gegen Unbill des Wetters. Das Wort „Verfassung", die geschriebenen Gesetze all', sind toter Begriff, wenn wir ihnen nicht zum Leben verhelfen, wenn wir nicht hingehen und als ehrliche Mitarbeiter am Werk des Staates, der uns efft durch unser Eintreten für ihn, durch unsere Mithilfe zum Vaterland wird, für die Gesamtheit Opfer bringen. Vaterland — das ist das rechte Wort das viel schneller eine positive Stellung des eiozelnen zum Ganzen hervortreten läßt, denn es hat einen helleren, wärmeren Klang, bei dem die Herzen Mitschwingen, als der Begriff „Staat", der ungleich härter in den Ohren klingt und gleich die Staatsgewalt als Hüter und Wächter der Gesetzesparagraphen in Erscheinung treten läßt. Und dann gibt es einige, die wohl ihr deutsches Vaterland zu liebem angeben, aber dabei behaupten, der heutige Staat sei nicht ihr Staat. Als ob sich die beiden Begriffe, wenn sie in einem lebendig sind, trennen ließen, als ob einer, der echte Liebe in sich trägt, beiseite stehen könnte, nur weil ihm die Hülle nicht gefällt. Nein, Mitarbeit ist notwendig, Der Lavddote * Ernsheimer Zeitung. um so alle staatserhaltend eingestellten Kräfte zusammenwirken zu lassen zum Wohle des Ganzen. Gewiß, es wird viele geben, die zu sehr in der alten, vergangenen Zeit wurzeln, als daß sie sich rückhaltlos zur neuen bekennen könnten: aber auch ihre Pflicht ist es, die im Leben gesammelte Erfahrung zum Segen der Gesamtheit einzusetzen. Wo bliebe sonst die Liebe zum Vaterland, zum Staatswesen, das 'alle Deuffche in sich vereint, jetzt wie 1914 und früher? Der Staat ist dasselbe geblieben, nur die Verfassung hat gewechselt, der Zusammenhang in der Entwicklung des Staatsrechts ist unterbrochen, nicht der des Staatslebens. Der Gemeinwille hat neue Träger und Organe erhalten, bestehen b.lieb der deutsche Staat als Gesamtstaat, als nationales Gemeinwesen, bestehen blieb das Reich. Und aus diesem Grunde sollte man es. ohne seiner Gesinnung untreu werden zu müssen, über sich bringen, dem Staate von heute, dem deutschen Vaterland, alles Große und Gute zu wünschen, weil wir es uns wünschen. Freilich nicht als Leute, die beschenkt werden wollen, sondern als opferbereite Mitstreiter am Werke der Zukunft. Man könnte sich vorftellen, haß die Verfassungsfeier den Mittelpunkt des Nationalfeiertags bildet, Volksfeste, Turnfeste, Spiel und Tanz den Tag einrahmen. Aber nichts von alldem, der gestrige Nationalfeiertag hat sich in Sinsheim lediglich als Tag der Arbeitsruhe ausgewirkt. Von offiziellen Festakten hat man dieses Jahr gänzlich abgesehen, die Intentivr der maßgebenden Behörde bestand lediglich in der oorgeschriebenen Beflaggung ihrer Gebäulichkeiten. Nur die Feuerwehr fand sich zusammen, um die üblichen Auszeichnungen zu verabfolgen. Es erhielten für 25 jährige aktive Mitgliedschaft die Feuerwehrleute Josef Wild, Karl Heitinger und Jak. Brunner die von der Regierung gestiftete Auszeichnung, die Feuerwehrleute Konrad Petri, Karl Körber und Karl Morano das von der Stadt Sinsheim für 20 jährige Zugehörigkeit gestiftete Diplom. Wie gesagt, man hätte sich vorstellen können..., aber dir Zeit, in der das Vaterland noch eine Domäne weniger Bevorzugter war, liegt noch zu nahe. Auch in Sinsheim hat man noch keine neue Form für den Staatsfeiertag gefunden, die das ganze Volk an der Feier beteiligte. - 2? Sinsheim, 14. Aug. (Zum Heimgang Großherzog Friedrichs.) Wie in allen evang. Kirchen des Landes wurde gestern auch in der hiesigen evang. Stadtkirche beim Hauptgottcsdienst des verewigten Landesbischofs gedacht, wobei «ine Ansprache des Oberkirchenrats an die Gemeinden verlesen wurde. Am Tag der Beisetzung werden die Glocken von 11—12 Uhr in drei Absätzen läuten. * Sinsheim, 14., Aug. (Erntefest.) Ganz besonders schönes Wetter begünstigte dieses Fahr die Getreideernte und ermöglichte das frühzeitige Einbringen des täglichen Brots. Die Scheunen sind voll dieses Gottessegens, und über der Felder Stoppeln streicht leicht der Wind. Es waren heiße, arbeitsreiche Tage für den Landwirt. Mit Recht denkt nach oiesen sauren Wochen der Landwirt' auch daran, ein frohes Erntefest zu feiern. Am gestrigen Sonntag fand in verschiedenen Orten unseres Bezirks der Erntetanz statt, an dem sich Jung und Alt erfreute. Nun wird die Oehmdernte beginnen, die bei dem sonnigen Wetter bald vorüber sein wird. Leider ist die Quantität infolge der großen Trockenheit gering. Mögen auch die künftigen Wochen dem Landwirt für die Obst-, Gemüse- und Kartoffelernte schönes Wetter — hie und da auch mit köstlichem Naß gesegnet — bringen, damit dem gerade in heutiger Zeit so sehr um seine Existenz ringenden Landwirt für seine schwere, harte Arbeit ein schöner Lohn beschieden ist. — Der gestrige Sonntag stand fast durchweg im Zeichen einer tropischen Hitze. Gegen Mitternacht zog ein Gewitter auf, dem ein kräftiger Regen folgte, der heute früh noch anhält und einige Abkühlung und den ausgetrockneten Fluren die nötige Erfrischung brachte. x Sinsheim, 10. Aug. (Wenn Kleider oder Hüte der Gäste gestohlen werden), haftet der Schank- und Speisewirt, der nicht gewerbsmäßig Fremde beherbergt, nicht. Das tut nur der Gastwirt, der Fremde gewerbsmäßig in Logis nimmt. Wertpapiere, müssen ihm unter Hinweis auf ihre Eigenschaft als Wertsachen übergeben werden, sonst haftet er nur bis zum Höchstbetrage von tausend Mark. Hat der Wirt oie Aufbewahrung abgelehnt, so'muß er für den ganzen Betrag hasten. T Hoffen heim, 11. Aug. .(Tod auf dm Schimm.) Heuto Bormittag kurz nach 9 Uhr ereignete sich bei der Wartestation zwischen Zuzenhausen und Hoffenheim ein schweres Unglück. Zn dem Augenblick, als der von Heilbronn kommende beschleunigte Personenzug die Unfallstelle passierte, lief das Kind des Wärters Schölch ln einem unbewachten Augenblick auf das Geleise. Der Vater sah die drohende Gefahr und wollte das Kind noch retten. Leider zu spät. Das Kind wurde vom Zuge erfaßt und war sofort tot. Der Wärter Schölch wurde vom Zuge ebenfalls erfaßt und auf die Seite geschleudert, wo er in schwerverletztem Zustande liegen blieb. Der Unglückszug nahm den Verunglückten sofort auf, um ihn in das Krankenhaus Heioelberg zu verbringen, wo ein doppelter Armbruch und Kopfverletzungm festgestellt wurden. /X Hoffenheim, 13. Aug. (Verunglückt.) Am Samstag Abend fuhr unterhalb der Mühle ein Sinsheimer Motorradfahrer in rasendem Tempo in einen mit Eisenstangen beladenen Handwagen hinein, wobei ihm eine Eisenstange durch den Schenkel ging. Er wurde ins Krankenhaus nach Heidelberg verbracht. V Meckesheim, 11. Aug. (Verfassungsfeier.) Anläßlich de- Berfassungstages veranstaltete Ser hiesige Musikverein in Verbindung mit oer Ortsgruppe des Reichsbanners «inen Festabend mit italienischer Beleuchtung. Die Feier wurde außerdem umrahmt durch einige vom hiesigen Gesangverein Liedertafel stimmungsvoll vorgetragene Chöre. Herr Karl Greiner hielt die Ansprache, in der er auf den Sinn und die Bedeutung des Verfassungstages hinwies. Die Veranstaltung, welche Mhlreich besucht war, fand erst in später Stunde ihrm Abschluß. Möge der Berfassungstag immer mehr der Festtag des ganzen deutschen Volkes werden. * Helmstadt, lr. Aug. (Wildstand. — Lagerhaus.) Die Frühjahrswitterung hat auf den Wildbestand, besonders Hasen und Rebhühner, einen günstigen Einfluß gehabt. Die Jungtiere haben die gefährliche erste Zeit gut überstanden, und wenn die Witterung nicht noch sehr ungünstig werden sollt«, werden die Jäger mit dem Fahr 1928 sehr zufrieden sein können. — Die bad. landw. Hauptgcnossenschaft Karlsruhe hat in ihrem Lagerhaus in Helmstadt eine erstklassige Saatgutreinigungsanlage eingerichtet, um es den Landwirten der Umgegend zu erleichtern, einwandfreies oaatgut für Winter- und Frühjahrssaat herzurichten. Bekanntlich gilt doch, und in der heutigen Zeit ganz besonders, in der nur Qualitätsware erstklassige Preise erzielen kann, das Sprichwort: „Wie die Saat, so die Ernte." Feder Landwirt sollte darauf sehen, qualitativ gute Ware anzubauen und dem entsprechend behandelt, zum Verkauf anzubieten. Es wäre dem Produzenten wie dem Konsumenten der Verkehr erleichtert. 0 Rabenau, 13. Aug. (Beerdigung.) Am Freitag Nachmittag wurde der infolge eines tragischen Geschickes aus dem Leben geschiedene, allgemein beliebte. Ratschreiber Stöcker zu Grabe getragen. Die ungemein zahlreiche Beteiligung der Einwohner, der fast unabsehbare Leichenzug ließ die Verehrung und Werk schätzung ermessen, welche der Verstorbene als Mensch und pflichttreuer Gemeindebeamter genossen hat. Am Zuge nahmen ferner teil die Feuerwehr, deren Kapelle Trauerweism spielte, die verschiedenen Vereine mit umflorten Fahnen und die Ratschreiber des Amtsbezirks. Durch die Trost spendenden Worte des Geist, lichen zitterte noch die Aufregung, welche durch die Einwohnerschaft beim Eintreffen der Trauernachricht ging, aber auch die Montag, den 13. August 1928. Liebe und Verehrung, die der Dahingeschiedene als Gemeindsglied und gewissenhafter Beamter im öffentlichen und privaten Leben genossen hat. Am Grabe legten unter ehrenden Nachrufen Kränze nieder Herr Landrat Strack namens des Bezirksamts Sinsheim, Herr Iustizrat Seltsam fürs Notariat, Herr Ratschreiber Gilbert-Hoffenheim namens der Ratschreiber des Bezirks^ Herr Dr. Münz für den Kur- und Berkehrsverein Rappenau, Herr Eisenbahninspektor Schmitt für den Odenwaldklub, Herr Vorstand Braun für den Turnverein, Herr Inspektor Kreuzer für die Saline ferner ein Bertteter der Realschule Wimpfen namens dieser Schule. Mit Ratschreiber Stöcker, der nahezu 30 Jahre das Amt des Ratschreibers hier bekleidete, ist nicht nur ein gewissenhafter, pflichttreuer Beamter, sondern auch ein liebenswürdiger Mann aus dem Leben geschieden, der am Wohl und Wehe seiner Mitmenschen stets warmen Anteil genommen und für das öffentliche Leben reges Interesse bekundet hat. Seine Gemeinde wird ihm immerdar «in ehrendes Andenken bewahren. Z Bad Rappenau, II. Aug. (Kur- und Verkehrsvereins.) Wie bereits bekannt, finoet das Kurfest am Sonntag, den 19. August statt. Die Arbeiten dazu sind im vollen Gang. Vormittags ist das übliche Kurkonzert. Nachmittags um s/i2 Uhr wird in der Salinenstraße ein großer Kinderfestzug zusammengestellt werden. Gruppenbilder größeren Stils sollen zur Verschönerung desselben Mitwirken. — Rauenberg, 8. Aug. (Der hiesige Darlehens- und Sparkassenverein) kann auf ein 30 jähriges Bestehen zurückblicken- und weist gegenwärtig einen Mitgliederstand von 237 auf. Der Geschäftsumsatz betrug im letzten Fahre rund 73 000 Reichsmark, von denen ein Reingewinn von 1039 Reichsmark erzielt wurde, von dem 200 Rm. dem Sparkonto der Betriebslage und 153 Rm. 8 prozentige Dividende aus 1914 Rm. und dem Reservefond 285 Rm. überwiesen wurden. Da die Darlehensverausgabung das eingezahlte Sparerkapital um etwa 11000 Rm.'übertrifft, so mußten diese von auswärtigen Kreditanstalten ausgenommen werden. t Bretten, 12. Aug. (Erntebericht.) Die gesamte Getreideernte ist dieses Jahr infolge des trockenen Wetters ohne Unterbrechung rasch und in bestem Zustande unter Dach und Fach gebracht worden. Seit mehreren Fahren war es wieder das erste Mal, daß die Landwirtschaft unter so günstigen Voraussetzungen' das Erntegeschäft erledigen konnte. Die Tatsache ist gerade für unsere Gegend, wo der Getreidebau eine bedeutende Rolle spielt, recht erfreulich. Manchem Landwirt wird die Ernte eine Besserung seiner wirtschaftlichen Lage bringen. Der Ertrag der Früchte ist nach Menge und Güte recht zufriedenstellend. Besonders ergiebig ist auch der Strohertrag. Nur bei den Spätgetreidearten, die in ihrer Entwicklung längere Zeit noch in die Twckenperiode kamen und sehr rasch reiften, dürste die Körnerentwicklung vollkommener sein. Fast überall -reicht jedoch der Ertrag an eine Vollernte heran. Ein glücklicher Umstand in diesem Erntejahr war es auch, daß die Früchte nicht, wie in anderen Gegenden durch anhaltende Trockenheit beeinflußt wurden, sondern durch einige Regengüsse zur Reife begünstigt wurden. Leider gestattet die Trockenheit es dem Landwirt nach Aberntung der Aecker jetzt nicht, daß zur Erhaltung der Bodengare so nötige Schälen der Fruchtäcker durch- zuführen. Daß dadurch das Anpflanzen von Stoppelrüben unterbunden wird, ist in Anbetracht des geringen Nährwertes kein großer Schaden. Ein Umschlag des Wetters wäre nunmehr auch im Hinblick auf die übrigen Feldfrüchte sehr notwendig. t Birkenau, 11. Aug. (Die alte Geschichte.) Eine junge Frau von hier, die erst einige Monate verheiratet ist, setzte sich auf, der neuen Weschnitzbrücke auf den Soziussitz eines Motorrades, scheinlich die Macht über die Steuerung: das Rad kam zu Fall und Dieses kam alsbald ins Schwanken: der Führer verlor wahr- die Frau stürzte mit dem Kopf auf das Pflaster.-Man zog alsbald den Arzt zu Rate und dieser verordnte, da es sich um einen Schädelbruch handelt, die Ucherführung in das Akademische Krankenhaus in Heidelberg. Der Zustand der Frau soll bedenklich sein. t Seckenheim, II. Aug. (Ein Waldbrand.) Fm Gemeindr- wald brach am Mittwoch nachmittag abermals ein größerer Brand aus, der von der Freiwilligen Feuerwehr mit Hilfe zahlreicher Einwohner auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Nach einiger Zeit brach das Feuer wiederum aus, konnte sich jedoch nicht weiter ausdehnen. Der Brand erstreckte sich über eine Fläche von 5 Hektar. t Weinheim, 11. Aug. (Diamantene Hochzeit.) Landwirt und Altgemeinderat Vhilipp Meier begeht in diesen Tagen mit seiner Gattin in voller Frische das Fest der diamantenen Hochzeit. Baden-Baden, lO.'August. (An einen Baum gerannt.) Vorgestern nachmittag stieß ein Omnibus der Postautolinie Baden-Baden—Ebersteinburg aus bisher unbekannter Ursache an einer Kurve beim alten Schloß gegen einen Baum. Die Insassen wurden von den Sitzen geschkeudert, einige von ihnen erhielten durch Glassplitter leichtere Verletzungen. Der größte Teil der Mttfahrenden konnte seine Fahrt in einem zweiten von der Postdtrektion gestellten Auto fortsetzen. ** Kehl a. R., 10. August. (Beim Nestausnehmen abgestürzt.) Der 13 Jahre alte Adolf Brandner aus dem Neudorf hatte im Rhetnwald auf einer Pappel ein Sperbernest mit Jungen entdeckt. Bei dem Versuch, das Nest auszunehmen, stürzte er aus einer Höhe von 18 Metern ab und trug außer inneren Verletzungen noch einen doppelten Bruch des rechten Armes davon. Kehl a. Nh., 10. August. (Brand auf dem Schuttablage- rungsplatz.) Hier geriet wohl infolge von Selbstentzündung die städtische Müll- und Schuttablagerung beim Wasserturm in Brand. Trotz allen Bemühungen konnte das unterirdisch .brennende Feuer nicht erstickt werden. Der gegen Abend einsetzende starke Sturm entfachte den Brand zur mächtigen Flamme, so daß die benachbarten Häuser in Gefahr kamen. Der städtische Motorsprengwagen wurde eingesetzt und diesem gelang es im Laufe des Abends und der Nacht, den ganzen Brandherd unter Wasser zu setzen und dadurch das Feuer zum Erlöschen zu bringen.' ** Schallstadt bei Freiburg, 10. August. (Umfangreiche Feld- und Rebenversteigerung.) Eine LiegenschaftSversteige- rung, wie sie in Schallstaöt in einem halben Jahrhundert niemals stattgefunden hat, war die auf den 4. August <>**-7- raumte Versteigerung des Grundbesitzes der Firma Krafft u. Vogt. Ungefähr ein Fünftel k»-s Liegenschaftsbesitzes der' Gemeinde Schallstadt wechselte den Besitzer. Die Zusammenkunft der Steigerungslusttgen glich einer kleinen Volksver- > sammlung. Sie zu fasien, war der Rathaussaal nicht ans-1 reichend, weswegen die Versteigerung in einem Wirtschafts-s garten 'abgehalten wurde. Es kamen 145 Parzellen an Reben, j Aeckern und Wiesen zum Aufruf. Für die Grundstücke in? besieren Lagen, besonders bei den Weinbergen im Rebge-! lände des Batzenbergs, übertrafen sich die Angebote. In? einem Falle blieb für einen badischen Morgen (36 3) Reb- fläche, ein Höchstgebot von 6500 Mark an der Spitze. Der Gesamterlös übersteigt lOOOOO Mark. Zum Ausgleich des Herbstertrages kommt für das Ar Reben ein Zuschlag von 35 Mark. Von zwei Ausnahmen abgesehen, kamen sämtliche Grundstücke in die Hände der Bewohner von Schallstadt. ** St. George«, 10. August. (Ein Waldbrand verhütet.) Im letzten Augenblick konnte hier wieder ein gefährlicher t D« goahhaic » Sinsheim« Aiwa,. Rr. 187. Jahrgang 1928. Waldbrand verhüter werden. Ein Haufen Abfallrtnde war im Hochwald in Brand geraten, so daß die Flammen lichterloh emporschlugen. Nur durch rasches Eingreifen der Feuerwehr und von Passanten wurde der Gefahr oorgebeugt. Da es kürzlich in der Nähe schon einmal brannte, wird böswillige Brandstiftung vermutet. ** Billiugen, 10. August. (Brand in einem Holzlager.) In der Nacht geriet ein Holzwellenlager der Wirtschaft Kühn in Hammereisenbach in Brand. 300 Wellen wurden ein Raub der Flammen. Doch konnte noch rechtzeitig eingegriffen werden, so daß das Wohnhaus vom Feuer verschont blieb. ** Billiugen, 10 August. (Mißglückte Landung.) Eine» Unfall erlitt dieser Tage aus dem hiesigen Flugplatz das Verkehrsflugzeug der Schwarzwaldlinie D. 600. Von Konstanz kommend hatte die Maschine beim Landen bereits auf den Boden aufgesetzt und war im Auslaufen begriffen, wobei sie der Pilot zu wenden versuchte. Dabei brach das Fahrgestell zusammen und ein Flügel des Propellers ging 'n Trümmer. Auch der Rumpf des Flugzeugs wurde etwas aufgeriffen. Das Flugzeug war mit drei Pasiagieren besetzt, die jedoch ebenso wie der Pilot keinerlei Verletzungen erlitten. Sie setzten sofort ihre Reise mit der^Bahn fort. ** Ünter-Homberg bei Ueberlingen, 10. August. (Brand.) Heule nach brach im Anwesen des Landwirts Hügle Feuer aus. Der Brand wurde erst bemerkt, als der Schweinestall und der Holzschopf bereits in hellen Flammen standen. Nur mit Mühe konnte das Oekonomiegebäuöe und das Wohnhaus gerettet werden. Der Schaden ist immerhin nicht unbeträchtlich. Die Brandursache ist unbekannt. j ** Frankenthal (Pfalz), 10. August. (Zwei tödliche Unfälle.) Am Samstag verunglückte in der Gießerei der Schnellpressenfabrik der 52 Jahre alte Former Georg Förster aus Lambsheim dadurch, daß Formkasten im Gewicht von sechs Zentnern durch Kettenbruch von einem elektrischen Kran herabstürzten, unter dem sich Förster gerade befand. Eine Gußform traf den Unglücklichen am Kopf und verursachte einen Schädelbruch, an dessen Folgen Förster, der seit 30 Jahren im Betrieb beschäftigt war, starb. — Der 68 Jahre alte Vorarbeiter Georg Bruckmayer stürzte beim Abmontieren von Wasserrohren in der Zuckerfabrik von einer Leiter «nd fiel aus einer Höhe von 2)4 Metern aus die Erde. Er erlitt einen Schädclbruch, an desien Folgen er ebenfalls im Krankenbaus verschied. ** Stratzbnrg i. E., 10. Aug. (Die älteste Elsäfferin gestorben). Am vorigen Samstag ist. wie jetzt bekannt wird, die älteste Elsäsierin im Alter von 106 Jahren gestorben. Es war eine Witwe namens Marie Florence. die ihr ganzes Leben im Breuschtal zugebracht hat. Die Greisin erfreute sich bis an ihr Ende einer ungebrochenen Gesundheit und eines frischen Geistes. Verhaftung einer Kokainschmngglerbaude. Kehl a. Rh., 10. August. Aus der Terrasse eines Cafös am Straßburger Bahnhofsplatz beobachtete die Sicherheitspolizei eine verdächtige Gesellschaft, die anscheinend lebhaften Handel mit Rauschgiften trieb. Nach Abschluß des Geschäfts grisf die Polizei zu und konnte sechs Personen verhaften, darunter einen Schweizer und mehrere Elsässer. Einige Pakete Kokain, zwei gültige Schecks über 35 000 Franken sowie eine Menge Bargeld konnten beschlagnahmt werden. Unter den Räder» des Zuges. Fünf Personen getötet. Berlin, 10. "Aug. (Funkspruch.) Der „Börsenkurier* meldet aus Feldkirch: Am Donnerstagnachmittag überfuhr der Personenzug Feldkirch—Buchs in Alterstadt ein Per- sonenauto aus Nenzing, in dem sich sechs Personen befanden. Fünf Personen sind tot, eine junge Frau schwer vrr- letzt. Das Unglück ereignete sich dadurch, daß der Schranken, Wärter, um ein zwischen den Schranken festgehaltenes Fuhr» werk freizulasien, die geschloffene Schranke nochmals öffnet«. Der Autvführer wollte in dem Augenblick, als das Fuhrwerk außerhalb der Schranke war, noch rasch mit seinen: Wagen durchfahren. Das Automobil wurde mitten auf de» Schienen vom Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert. Schwere Hochofenexplosion Saarbrücken, 12. August. Auf der Burbacher Hütte stießen Freitag vormittag glühende Eisenmaffen einen Teil der Schutzmauer des Hochofens um und ergossen sich in den Gaskanal, in dem sich einen halben Meter hohes Wasser befand. Bei der Berührung der glühenden Eisenmaffen mit dem Waffer entstand eine gewaltige Explosion. Haushohe Flammen stiegen empor und in weitem Umkreis wurden die Fensterscheiben der Werkbauten zertrümmert. Ein Sprühregen glühender Eisenteile ging in der ganzen Umgegend nieder. Es handelt sich um einen Ofen älteren Systems, auf deffen Sockel schon mehrmals Durchbrüche vorgekommen sind. Wie ein Wunder mutet es an, daß sich die Arbeiter rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten und nicht die geringsten Verletzungen erlitten. Ein Arbeiter flüchtete in einen Ftiegerunterstanü aus der Kriegszeit, ein zweiter Arbeiter, der durch die Gewalt der Explosion 20 m weit geschleudert wurde, verlor die Besinnung, trug aber sonst keine Verletzungen davon. Durch die umhergeschleuder- - te« glühenden Eisen stücke entstand in der mehrere Hundert Meter entfernt, liegenden Koksanlage ein Brand. Der Einwohnerschaft des Stadtteils Burbach, wo die meisten Arbeiter wohnen, bemächtigte sich darauf eine ungeheure Aufregung. Vor dem Eingang des Hüttenwerkes sammelte sich eine große Menschenmenge an, und mit Windeseile verbreiteten sich die ungeheuerlichsten Gerüchte über die Zahl der Toten und Verletzten. Mehrere Burbacher Aerzte unterbrachen ihre Sprechstunde, ebenso ein evangelischer und ein katholischer Pfarrer eilten zur Hilfeleistung herbei. Die städtische Sanitätswache stand mit ihrem gesamten Wagenpark bereits in Alarmbereitschaft, strls von der Werkleitung die Nachricht eintraf, daß sämtliche im Hochofen beschäftigten Arbeiter unverletzt seien. Sine halbe Million unterschlagen. Berlin, 10. Aug. Die Generalstaatsanwaltschast des Landgerichts l beschäsügt sich seit einigen Tagen mit einer Aufsehenden erregenden Riesenunters »Tagung beim Wirtschaftsamt der Kommandantur Berlin. Nach den noch im Gange befindlichen Ermittelungen ist schon jetzt ein Fehlbetrag von 450000 Mark festgestellt worden. Beschuldigt wird in erster Reihe der bei dem Wirtschaftsamt tätige Oberzahlmeister Martin. In die Untersuchungsaffäre ist außerdem der Vorgesetzte Inspektor, ein Beamter, der erst vor kurzem sein 50 jähriges Dienstjubiläum gefeiert hat, verwickelt. Die Unterschlagungen erstrecken sich aus einen längeren Zeitraum. Aussehen erregender Raubmord in Paris. Paris, 11. August. Am Freitag nachmittag wurde hier ein Raubüderfall verübt, bei dem es zwei Tote und zwei Verwundete gab. Am Vormittag erschien in einem Iuwelierladen ein Kunde und ließ sich von dem Inhaber eine Reihe von Schmucksachen zur Auswahl vorlegen. Hieraus verließ er das Geschäft, ohne irgend etwas zu kaufen. Ary Nachmittag erschien er wieder. Ohne ein Wort zu verlieren, gab er mehrere Schüffe ans den Juwelier ab, der tot hinfiel. Die Frau des Juweliers, die sich im oberen Stockwerk aufhielt, sprang aus Schreck aus dem Fenster und verletzte sich schwer. Die von Vorübergehenden herdeigerusene Polizei sah sich zu einer regelrechten Belagerung des Ladens gezwungen, da der Verbrecher aus dem Fenster wiederholt Schüffe aus die Straße adgab. Nach lebhaftem Kugelwechsel gelang es der Polizei, in das Geschäft einzudringen, wo sie den Banditen mit einem Reoolverschuß im Rücken tot vorsand. Ein Weinhändler in einem gegenüberliegenden Geschäft war gleichfalls von einer Kugel getroffen worden. Sein Zustand,- ebenso wie der der Frau des Juweliers, ist ernst. Ehefcheidnngsbetrieb in Paris. In Paris begann dieser Tage ein Sensationsprozeß, wie er nur in Paris möglich ist. Auf der Anklagebank sitzen sieben der bekanntesten Rechtsanwälte der Weltstadt (Spezialität: Ehescheidungsprozeffe!) Der Vizepräsident des Setue- gcrichts und ein Kanzleibeamter, die verdächtig sind, mit den Angeklagten im Bunde gehandelt zu haben, sollen vor ein Disziplinargericht gestellt werden. Die Vorliebe der reichen Amerikaner für Paris kennt man. Warum sich aber seit Jahren besonders eheschctdungslustige amerikanische Ehepaare von der ..Lichtstadl" an der Seine angezogen kühlten, wird man aus diesem Prozeß erfahren. Die sieben Advokaten sind nämlich angeklagt, unter Mißbrauch und Umgehung französischen Rechts, aber mit hohem persönlichen Geivinn Ehescheidungen von Amerikanern betrieben zu haben. Es ist an sich schon leichter, in Paris geschieden zu werben, als in Neivyork. Die Angeklagte» >,'> > ^>-inen es ihren Klienten ganz besonders leicht gemacht und dabei ein Rekorötempo erreicht zu haben, das wahrhaft amerikanisch war. So soll es in einem Falle gelungen fein, eine Ehe binnen fünf Ta- gen rechtskräftig zu scheiden. Die Sache wurde durch falsche Aufenthaltsbescheinigungen gemacht. Das französische Gesetz schreibt nämlich eine bestimmte Aufenthaltsdauer vor, ehe die Ehe eines Ausländers geschieden werden kann. In den meisten Fällen nun wurde einfach eine fingierte Wohnung angegeben. während die Klienten in Amerika weilten und erst, und meist nur aus wenige Tage, herüberkameu, wenn die Sache „spruchreif" war. Ein einziger der Angeklagten hat auf diese Weise in einem einzigen Juhr nicht weniger als 42 solche Scheidungen erfolgreich burchgeführt. Besonders be- rühmt war in dieser Hinsicht eine Wohnung in der Rue Spontinni, die in der Newyorker Gesellschaft allgemein das „Mekka der Ehescheidungen" genannt wurde. Einmal verlief die Sache sogar allzuschnell. Ein Ehepaar, das nur für Stunden nach Paris gekommen war, um die Scheidungsklage einzuleiten, hatte dem Anwalt bcionders ans Herz gelegt, den Prozeß zu beschleunigen, vor allem schien es die Frau sehr eilig zu haben. Dann waren sie wieder abgereist. Auf der Rückfahrt blühte aber noch auf dem Ozean die alte Liebe wieder auf. Durch ein Funktelegramm wurde der Advokat ersucht, die Klage zurückzuziehen. Zu spät! Die Scheidung war bereits ausaesprochen. Es blieb den beiden nichts übrig, als nach ihrer Ankunft in Newyork eine neue Ehe zu schlie- ßen. Die Angeklagten dieses, wie der Gerichtsvorsitzende be- tonte, in der Tat sehr peinlichen Prozeffes, behaupten nun. sie hätten von der ganzen Scheidung nichts gewußt und die Aufenthaltsbescheinigungen der Klienten auf Treu und Glauben hingenommen. Sie seien Rechtsanwälte und keine Detektive. Es fei nicht ihre Aufgabe, nachzuprüfen, ob die amtlichen Dokumente stimmten. Der ganze Skandal falle nur den verantwortlichen französischen Behörden zur Last. Nur deren beispiellose Schlamperei habe es ermöglicht, daß der Betrug mit den Aufenthaltsbescheinigungen Jahre hindurch unentdeckt blieb. - Man darf auf den weiteren Verlaus dieses Prozeffes gespannt sein. Die größte Glocke der Welt. Diesmal ist es ausnahmsweise nicht Amerika, bas den Rekord hält,- die größte Glocke der Welt befindet sich in Japan, und zwar in der Umgebung der javanischen Stadt Montag, den 13. August 1928. Osaka, welch letztere im gewerblichen Leben Japans eine ähnliche Stellung einnimmt, wie etwa Manchester in England oder Elberfeld-Barmen bei uns. Die Glocke ist erst vor wenigen Jahren gegossen worden und wurde nach japanischer Art in einem Gestühl neben dem Haupttempel der Stadt ausgestellt; sie ist dem Gedächtnis des Reformators Schotoku gewidmet, der sich vor mehr als 1300 Jahren große Verdienste um die Verbreitung des Buddhismus in Japan erwarb. Die Höhe der Glocke beträgt 8 Meter, ihr Umfang nahezu 17 Meter, ihr Gewicht aber 140 000 Kilogramm Bor dem Kriege hatte die Riesenglocke des Kreml in Moskau den Ruhm, die größte Glocke der Welt zu sein. Sie hatte eine Höhe von 5,3 Meter, einen Umfang von 18 Mete: ynd ein Gewicht von 201916 Kilogramm. Sie wurde 153c gegossen, siel beim Brande von Moskau von ihrem Gestühl herab und stand seitdem auf einer Granitunterlage neben dem Glockenturm. Auch China hat in der 4,5 Meter hohen eisernen Glocke zu Peking, die der Kaiser Iong-Co 140? gießen ließ, ein ziemlich großes Exemplar. Das Glockengut der Schotokuglocke ist zum größten Teile aus allerlei frommen Stiftungen von verschiedenem Metall gewonnen worden, worunter sich nicht weniger als 150 000 alte Kupferspiegel befanden. ' Die Leseratte. Ueberall kann man sie antresfen und beobachten, dies« menschliche Spezies des kanggeschwätzten Nagetieres, uni wenn die Leseratte zwar harmlos und im allgemeinen für die Mitwelt unschädlich ist» so stiftet sie andererseits dock auch manches Unheil, und zwar in erster Linie gegen sick selbst. Tie schönste Ferienerholung kann illusorisch werden wenn die Leseratte ihrem Laster allzu hingebungsvoll frönt und nicht selten sieht man sie, selbst aus dem besten Fenster, platz in der Gebirgsbahn oder aus dem Aussichtsdeck des Vergnügungsreise-Dampfers über ihr Buch, ihre Zeitunl gebeugt, versunken in dem Reigen der kleinen schwarze« Kobolde, der Druckbuchstaben, und umbckiimmert um all bi« Herrlichkeiten, die an ihr vorüberziehen. Am häusigsicu aber ist die Leseratte, die ebenso oft männlichen wie weiblichen Geschlechtes ist. in den Kaffees und Gasthäusern anzutreffen Wer kennt sie nicht, wie sie unter Büchern, Zeitungen uni Zeitschriften halb vergraben, unwillige und drohende Blick« schleudern auf jeden Mitgast. der etwa Miene macht, sick am gleichen Tische niederzulaffen oder — noch schlimmer - etwa von den angehäuften Leseschätzen zu beanspruchen' Selbst bis in die Speisesäle der großen Hotels verirrt sick die Leseratte. In früheren Zeiten, wo die allgemeine Tafe üblich war, fand sie hier allerdings kein genügendes Feld Aber heute sind wir ungesellig geworden, und der kleirst Einzeltisch dominiert. Da kann man es nun nur allzu- häufig beobachten, wie zahlreiche Teilnehmer an der Mahl zeit, während sie ihre Suppen löffeln oder zwischen den ein zelnen Gängen, ja beim Effen selber, eifrig das mitgebracht- Buch, Magazin oder die Zeitung studieren. Ja. biswcilei tritt die sonst meist einzeln lebende Leseratte sogar gv sellig auf, kommt es doch vor. daß sich Mann und Frau Mutter und Sohn. Vater und Tochter oder sonstige Tisch genossen wortlos gegenübersitzen und, während die Recht mechanisch Löffel oder Gabel führt, ihrer Lesegewohnhet »frönen. „Nun, warum sollen sie das nicht?" könnte man frage« Mag doch jeder auf seine persönliche Art und Weise seit, werden! Und wenn dies für-die Leseratte eben im Ver schlingen möglichst vieler Druckbuchstaben besteht — so laß ihr doch das Vergnügen! Gewiß, wir leben im Zeitalter de ' persönlichen Freiheit — aber damit ist das Problem dot nicht erschöpft. Ganz abgesehen davon, baß namentlich da! Lesen beim Effen eine geradezu gesundheitsschädliche Ange wohnheit ist. weil es die für den Verdauungsprozß nötig« Blutzufuhr vom Magen ab — nach dem Gehirn leitet - ganz hier von abgesehen, ist es nicht ein Armutszeugnis baß wir uns selber ausstellen, wenn wir unser Leben nich bester zu genießen und auszunutzen verstehen, als inben wir die ewige Leseratte spielen? Wir haben ohnehin schoi , das gedruckte Wort viel zu viel Gewalt über uns gewinne» , laffen, und selbst das beste Buch ist nur ein Abglanz det ! Lebens selber. Laßt uns ins volle Menschenleben hinein greifen, wie der Dichter sagt, und wo wir's packen, wird et interessanter sein, alS der spannendste Roman und hie se» sationellste Notiz. Laßt unS in unseren Freistunden. tm Woche >ri"brten. Ferien, oder Ilrlaubsreisev in den? V««b« lesen, das Mutter Natur bereitwillig sür u«.s ausgeschläMr hält und laßt uns die langen Winterabende oder die Regentage dazu verwenden, uns in gute Lektüre zu vertiefen, anstatt uns in die Schnell- und Vielleserei stürzen, die daS Kennzeichen der echten „Leseratte" ist! Turne«, Sport und Spiel. Um de« Pokal des Frankfurter Stadions. in Altona: Süddeutschland — Rorddeutschiand 5:3 (3:3) Gesellschaftsspiele Eintracht Frankfurt — Köln/Sülz 3:4 F.E.V. Frankfurt — Hask Aarom 4:0 Karlsruher F.V. — Turu Düsseldorf 6: 3 6.25. 98 Darmstadt — 8p.Bg. Fürth 4:2 Phönix Ludwigshafen — F.K. Pirmasens (6a.) 4:4 1. F.C. Idar — Altona 93 5:l F.V. Saarbrücken — F.C. Mecheln 7:0 Saar 05 — 04 Würzburg 6:5 Alemania Worms — Phönix Karlsruhe 4:4 Stuttgarter Kickers — Karlsruhe F.V. 9:0 Viktoria Aschaffenburg — Kickers Würzburg 3:4 1860 München — AS N. Nürnberg 3:0 Bayern München — Armania München 8:1 Süddeutsche Vereine aus Reisen Borussia Fulda — Rot-weiß Frankfurt 2:3 Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher An-1 I «eil nah nie ai dem schweren Verluste unseres lieben Kindes sprechen wir auf diesem 1 Wege nnseren herzlichen Dank ans. Beson- I ders danken wir Herr Dekan Eisen iür die tröstenden Worte am Grabe, Herr Haupt- lebrer Berg und ihren Mitschülern für die Begleitung zur letzten Hubes ätte,dtn katholischen Krankenschwestern für die liebevolle Pflege während ihrer schweren Krankheit wie allen denen, die ihr während der Krankheit Gates erwiesen haben nnd für die vie- | Kranz- und Blumeuspenden, [Die trauernden Hinterbliebenen | Familie Gustav Köhl Sinsheim, den 13. August 1928. Frachtbriefe 1 "'“ *■ aus guter Familie gesucht, t Die glückliche Geburt ihres zweiten K. BkM3llh.RaxKsh« } Sinsheim NIMM OOCH i fjM lob ja 6.8 echer’ftheBudidrutherei. fURDBtBOOBt tM AfW X ir . UMA-88U, «Ti Sohnes zeigen an Professor Lutz Wittmann und Fran Anne geb. Nettei Sinsheim (Elsenz), 8. August 1928 z. Zt Mannheim AUgem. Krankenhaus Bin unter Nr. 337 an das Fernsprechnetz angeschlossen. Gasthaus „zur Reichskrone“ Wilhelm Buck. I □aDoaaaanDQDmnnnnnnnnnnnnnn nn n Ohne Reklame keine Einnahme! Statt besonderer Anzeige. Samstag früh starb nach kurzer, schwerer Krankheit meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin urd Tante Emilie Wagner geb. Wickenhäuser im Alter von 39 Jahren. Sinsheim, 11. August 1928. Im Namen der Hinterbliebenen: Rieh. Wagner u. Kinder. Die Beerdigung findet Dienstag, 14. August 101/2 Uhr statt. Schristlettung: tz. Becker; Druck und Berlag: 9. Beckerfche Buchdruckerei in Sinsheim Gin Wlttk in die Welt. Unwetterkatastrophe in Süddeut^chland. Bon der Marine-Bundestagung in der Meichshauptstadt. - > '' '' v ö- * ' - " • V* ' \ Durch ein schweres Unwetter wurden die Stadt Bamberg und ihre Umgebung heimgesucht. Große Verwüstungen richtete eine Windhose auf dem neuerbauten Stadion der Stadt an- — Ein zu einem unentwirrbaren Knäuel zerdrücktes Karussell. -' ' Gelegentlich der reich besuchten Marine-Bundestagung in Berlin, wurde auch ein F e st z u g veranstaltet. — Der F e st w a g e n mit „v 9". Turnvater Jahn zum Gedächtnis. Deutsche Frauen im Olympischen Lorbeer. Dr. Fritz Skowronnek. "-“•v FriedrichLudwigIahn,der Begründer deutschen Turnens, wurde vor 150 Jahren am 11. August in Lanz (Priegnitz) geboren. — Das Grab Jahns in Freyburg. Frl. Helene Mayer, die Meisterin des Floretts, und Frau Lina Radke, Siegerin im 800-Meter-Lauf, errangen in Amsterdam die gold eye Medaille für Deutschland. Der bekannte deutsche Jagd- und Roman- schriftsteller, „der Vater der Ostpreußen", begeht am 20. August seinen 70. Geburtstag. Zum Probeflug der „Romar". Die Plünderung der chinesischen Kaisergräber. Das größte Flugboot der Welt, das in den Rohrbach-Werken erbaute Romar- Flugboot, stieg dieser Tage in Travemünde zu einem wohlgelungenen Probeflug auf. — Der Rumpf des Riesenflugbootes auf dem Transport. In Peking wurden auf der Grabstätte der chinesischen Kaiser in. mehreren Nächten 13 Särge erbrochen und ihrer Juwelen beraubt. Es handelt sich um Edelsteine und Edelmetall im Werte von etwa 120 Mill-M. u Ar. 187. äahrgarig 1828. Wie Kriegslüge« entstanden Interessante Kriegsliigenkatalog — Sin Engländer entlarvt feine Landsleute. Arthur Ponsonby, der bekannte englische Arbeiterführer. Abgeordneter der Labour Party im Unterhaus. Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt unter der Regierung Macdonald 1924, veröffentlicht soeben unter dem Titel „Falsehood in War Time" eine Sammlung von Lügen und falschen Behauptungen, wie sie während des Krieges in den kriegsführenden Ländern verbreitet und geglaubt wurden. Das sorgfältig geschriebene Buch befaßt sich im einzelnen weniger mit der Kriegsschulblüge, sondern deckt auf Grund authentischen Materials unerbittlich die Lügengeschichten auf, die von den Regierungen der kriegführenden Staaten zur moralischen Schädigung des Gegners in die Presse der Welt lanciert wurden. Das. Buch ist von dem Standpunkt eines Menschen geschrieben, der wissend und darum überlegen auf die menschlichen Schwächen heruntersieht, er nimmt die.Lügnerei als eine in Kriegszeiten stets gebräuchliche Gepflogenheit und will kein Volk besonders beladen. Die menschliche Bereitschaft zu glauben, übertreffe vielleicht noch die Gewohnheit zu lügen. Ponsonby selbst hat sich schon während des Krieges frei von Kriegspsychose und Leichtgläubigkeit den Kriegslügen gegenüber gehalten. Er gehört zu den fünf Männern, die mit" E. D. Morel zusammen am 17. November 1914 die „Union of democratic Control" gründeten, unter dem Eindruck, daß von der englischen Regierung die wahren Gründe für den Kriegseintritt verheimlicht worden waren. 1921 nahm er in einem Aufsatz in den Schweizerischen Monatsheften für Politik und Kultur erstmalig Stellung zur Kriegsschuldsrage und erklärte die erpreßte Unterschrift unter das Versailler Diktat für wertlos. Seitdem hat er zusammen mit dem unvergeßlichen Morel, wie nach dessen Tode allein den Kampf gegen die Kriegslügen weiter fortgesetzt, die er nunmehr in der vorliegenden Sammlung zusammengefaßt hat. Ponsonby gibt ohne weiteres zu,*daß die meisten und dazu die gefährlichsten Kriegslügen angelsächsischen Ursprungs waren. Die britische Regierung war wohl ausgerüstet mit Spionen, Spitzeln, Mit Aufnahmeabteilungen, Fälschungsabteilungen, Propaganda, Zensurabteilungen, um das Volk zu „unterrichten". Sehr wirkungsvoll war die britische, offizielle Propaganiiaab- teilung in Creme House. Fhre Methoden, besonders der Regen von Millionen Flugblättern auf die deutsch« Armee Lbertrafen alles, was der Feind unternahm. Heute können wir in ruhigem Ueber- blick besser, die vernichtende Wirkung des Lügengiftes übersehen. Mit Recht hat man gesagt, daß die Einflößung des Haßgiftes in die Menschenseelen schlimmer ist, als der Verlust des Lebens. Wenn auch nach 1918 sich die Heftigkeit der Lügen milderte, so leben einige doch heute noch Wenn auch dem Wissendem neues nicht vorzubringen ist, so ist die Wahrheit doch noch Millionen Getäuschter unbekannt. Zn einzelnen Abschnitten werden nun die häufigsten Lügen und Unwahrheiten des Weltkrieges vorgeführt. Als erstes rechnet Ponsonby mit dm offiziellen Gründen für den Kriegseintritlt Englands ab. Er wiederholt, was die „Union of democratic Control" schon sofort erkannt hatte, daß England durch sein „Com- mitment to France", seine Gebundenheit an Frankreich zum sofortigen Eintritt in den Krieg veranlaßt wurde. Die Ableugnungen dieser geheimen Bindungen ist in Ser Geschichte- der Geheimdiplomatie ohne Vorgang. Das als Kriegsursache hingestellte Ultimatum an Serbien ist in Wirklichkeit nur die Gelegenheit zum Kriege gewesen, das Streichholz, mit dem das Feuer an das Pulverfaß gelegt wurde. Die serbische Sache war an sich schwer populär zu machen und Zahn Bull schrie damals: „Zur Hölle mit Serbien." Trotzdem wurde bald aus Serbien das „arme, kleine Land", das unschuldig brutalem Ueberfall ausgesetzt war. „Wäre 1914 dem britischen Volke die Wahrheit über Gründe und Anlaß zum Mord von Serajewo bekannt gewesm, wie es heute der Fall ist, dann hätte es das östreichische Ultimatum mit anderen Augen betrachtet." Der deutsche Einmarsch in Belgien war nicht Ursache, sondern erste Folge des Krieges, und für die englische Der Lanbbote * Smshetmer Zeitu ng. Regierung nur ein willkommmer Borwand, den Krieg als für die „Freiheit der Völker", den „Schutz der kleinen Rationen" notwendig zu stempeln. Trotzdem nach Kriegsschluß von führenden britischen Staatsmännern offen zugegeben wuroe, daß zunächst britische Znteressen, sodann die Bindungen an Frankreich zum Kriegseintritt gegen Deutschland zwangen, hängt heute noch in manchen Volksschulen der „Fetzen Papier" (ein Faksimile des belgischen Vertrags), und oer Einmarsch gilt als ein in dieser Schwere noch nie vorgekommener Vertragsbruch Ponsonby kommt nun zu den Greuellügen. Die Tragödie der geschändeten Krankenpflegerin Grace Hume endete schließlich mit der Verurteilung ihrer Schwester Kate Hume, die die ganze Geschichte erfunden und gefälschte Briefe an die Presse gegeben hatte. Die Geschichte von den gekreuzigten Kanadiem mußte schon im Mai 1915 im Unterhaus von dem Unterstaatssekretär im Kriegsministerium als unwahr bezeichnet werden. Die belgischen Kinder zogen mit abgeschnittenen Händen durch die ganze Welt. Niemand kam auf den Gedanken, ob ein Kind mit abgeschnittenen Händen überhaupt noch leben könnte. Man wollte die Geschichte eben glauben und viele gingen soweit zu sagen, sie hätten die Kinder gesehen. Auch die Lügengeschichte über das vor den deutschen Mordbrennern aus den Flammen eines belgischen Gehöfts in Courbeck gerettete Baby wird in Ponsonbys Buche festgenagelt. Der Erfinder dieses Märchens, der ameriaknische Journalist F. W. Wilson, der die Geschichte als von ihm erfunden zugab hat im Februar 1922 in den „Rcwyorker Times" darüber wie folgt geschrieben: Zu Anfang des Krieges befand ich mich als Korrespondent der „Daily Mail" in Brüssel. Das Blatt verlangte Greuelgeschichten. Run, es gab zu jener Zeit keine Greueltaten, und ich gab das zur Antwort. Da verlangte man Geschichten über Flüchtlinge. Gut, sagte ich, die Sache läßt sich machen, untT ich brauche nicht abzureisen. Außerhalb Brüssels lag eine kleine Stadt, wo man gern zum Essen hinausfuhr, denn es gab dort ein ganz vorzügliches Diner. Ich hörte, daß die Hunnen auch dort gewesen waren, und da ich als selbstverständlich annahm, daß in jenem Ort sicherlich auch ein Baby lebte, so schrieb ich eine herzzerreißende Geschichte über das Baby von Courbeck das vor den hunnischen Mordbrennern aus den Flammen eines angezündeten Hauses gerettet wurde. Kurz darauf schrieb die Redaktion, ich möchte alles versuchen, um ihnen das Baby zu übersenden, denn sie hätten schon mehr als 5000 Briefe von Leuten erhalten, die das Kind adoptieren wollten. Zugleich wurden der „Daily Mail" große Mengen von Kindcrkleidem und Kinderwäsche zugeschickt. Sogar die Königin Alexandra sandte ein Sympathie- Telegramm und Kinderkleidung. Run, ich konnte doch unter den Umständen nicht zurückberichten, daß das betreffende Baby überhaupt nicht existiere. So machte ich mit dem die Flüchtlinge behandelnden belgischen Arzt ab, daß jenes Baby an einer äußerst ansteckenden Krankheit gestorben sei und ihm deshalb nicht einmal ein öffentliches Begräbnis habe gewährt werden können. Lady Rorthcliffe, die Frau des bekannten Zeitungsmagnaten, gründete dann mit Hilfe der «ingegangenen Geldsummen, der Kleider und der Wäsche eine Babyhilfe. Als der Papst einen gewaltigen Protest versprach, falls auch nur rin Fall von verstümmelten Krankenpflegerinnen oder Kindern nachgewiesen werden könnte, gelang es nicht einmal einer mit Unterstützung des Kardinals Mercier durchgeführten Unter- suchung, einen einzig« FaN ausfindig zu mache». Als die scheußlichste und zugleich die bekannteste und erfolgreichste Kriegslüge bezeichnet Ponsonby die Kadaoerlüge, die zuerst in den „Times" vom 16. April 1927 erschien und besonders mit voller Absicht in China und dem Osten verbreitet wurde, um die Deutschen als Scheusale hinzustellen und der erst im' Dezember 1925 durch Chamderlain der Garaus gemacht wurde. Ponsonby bringt dieses traurige Kapitel widerwärtigster Verhetzung mit allen Belegen. Ein lehrreiches Beispiel dafür wie seitens der Entente-Preff« eine Kriegslüge zurecht gestutzt und ihren Völkern suggeriert; wurde, gibt der Fall der Festung Antwerpen. Aus Anlaß desselben Montag, den 13. August 1828. war sin einem Artikel der „Kölnischen Zeitung" folgender Satz geschrieben worden: „Als der Fall Antwerpens bekannt wurde, läuteten die Kirchenglocken" (d. h. natürlich in Deutschland). — Daraufhin geht folgende Notiz durch die Presse der Ententeländer: „Le Matin": Laut „Kölnische Zeitung" wurde die Geistlichkeit von Antwerpen gezwungen, beim Falle der Festung die Kirchenglocken läuten zu lassen." Die „Times": Wie der „Matin" aus Köln erfährt, wurden die belgischen Geistlichen, die sich weigerten, beim Falle Antwerpens die Kirchenglocken läuten zu lassen, aus ihren Aemtern vertrieben." Der „Corriere della Sera", Mailand: „Wie die „Times" aus Paris über Köln erfahren wurden die unglücklichen belgischen Geistlichen, die sich weigerten, beim Falle Antwerpens die Kirchenglocken läuten zu lassen, zu Zwangsarbeit verurteilt." „Le Matin": „Wie der „Corriere della Sera" aus Köln über London erfährt, bestätigt es sich, daß die barbarischen Eroberer von Antwerpen die unglücklichen belgischen Geistlichen für ihre heldenhafte Weigerung, die Kirchenglockcn läuten zu lassen, dadurch bestraften, daß sie sie mit den Köpfen nach unten als lebende Klöppel an die Glocken hängten." Dieser Kriegslügenkatalog, den Ponsonby zusammengestellt hat, bildet ein besonderes unrühmliches Kapitel in der Geschichte menschlicher Dummheit und ^rlogenheit. Möge es dazu beitragen, auch die letzten Reste der noch heute zu verspürenden Nachwirkungen zu zerstreuen. Zn Deutschland können wir das Erscheinen des Buches nur begrüßen und seinem Verfasser Dank wissen. I« den Gärten des Versailler Schlosses ist ein Teil der Zierteiche infolge der großen Hitze der letzten Zeit vollständig verpestet, so daß die Gewässer für die Anwohner eine gesundheitliche Gefahr bilden. Ans einem der Becken sind bereits zwei Tonnen toter Karpfen entfernt worden, doch dauert die fürchterliche Ausdünstung der Gewässer fort. Eine gründliche Reinigung ist bisher nicht vorgenommen worden, weil sie sehr große Kosten verursachen würde. Die Wasser befanden sich vor einiger Zeit bereits einmal in dem gleichen Zustande. Damals gelang es einem Geistlichen, durch ein besonderes Reinigungsverfahren die Verpestung zu beseitigen. Der Geistliche ist inzwischen gestorbdn, ohne das Geheimnis seines Verfahrens zu verraten. Ein sonderbares Angebot. In einem englischen Provinzblatt erschien dieser Tage ein Brief, den ein hübsches 19jährtges Mädchen. Miß Cla- rice Hardcastle, an die Zeitung gerichtet hatte und in dem sie erklärte, daß sie sich erbiete, jeden beliebigen Mann zu heiraten, der 60 000 Mark für ihre kranke Mutter zahlen könnte. Sie erzählte, daß die Mutter seit 20 Jahren kränklich gewesen wäre, und daß sie einen verzweifelten Kampf geführt habe, ihre Tochter ohne die Hilfe eines Vaters aufzuziehen, so daß es ihre Pflicht wäre, ihr auf diese Weise zu helfen. Sie habe alles versucht, eine Stellung zu erlangen, aber es wäre immer vergebens gewesen, und in ihrer Verzweiflung habe sie beschlossen, sich selbst aus dem Hetratsmarkt anzubieten. „Was mich selbst betrifft, so bin ich schmächtig, habe aber ein hübsches Gesicht Ich habe Kin- - der sehr lieb und bin für ein häusliches Leben." Sie wüßte, daß sie einen drastischen Schritt tue, aber sie wäre durch die Umstände dazu gezwungen. Sie wiffe, welche Gefahren es biete, einen Mann zu heiraten, den sie nicht kenne, aber sie denke nicht an sich selbst, wenn sie nur ihrer Mutter helfen könnte. Sie wäre völlig bereit, ihre Pflichten als Frau ihrem Manne gegenüber zu erfüllen. Das merkwürdige Angebot erregt großes Aufsehen, so daß auch andere englische glätter sich dcmit beschäftigen. Ua5 / r v. 0407 J_ i TDCXTL C&2i° M Meldung der stärkeren Damen j Igenllich haben sie heute gar keine eigene Mode mehr, die älteren und stärkere« Im* Damen; das eiiyige, was ihre Kleidung von der allgemeinen Mode, von der Mode der Schlanken und ganz Schlanken unterscheidet, ist eine Vermeidung jeglicher Extravaganz, ein Ausschalten aller übertriebener Formen, Stoffe und Garnierungen. Wer sich danach richtet, wird, auch wenn er sich nicht zu den ganz Schlanken zählen darf, immer gut und paffend gekleidet sein. Ein wichtiger Punkt, vielleicht sogar der wichügsie, ist die Wahl der Stoffest Es gehört im Grunde genommen garnicht einmal ein allzu großes modisches Verständnis dazu, schon rein gefühlsmäßig müßte eine stärkere Frau grellfarbene, bunte und großmnfkrig bedruckte Gewebe als absolut ungeeignet ablehnen; wenn sie diesen Rat nicht befolgt, wird sie erstaunt und enttäuscht sein über die ungünstige Wirkung des Kleides, von dem sie sich soviel versprochen halte! — Vorzuziehen sind dagegen all« diejenigen Stoffe, die entweder gänzlich ungcmustert sind oder bei denen eine feingezeichnet« Musterung Ton in Ton, höchstens aber in sehr wenig von der Grundfarbe abweichender Säcrtierung gehalten ist. Außerdem aber gibt es Farben, die, auch wenn sie ungemustert sind, eine stärkere Frau noch stärker erscheinen lasten; zu ihnen gehören unter anderen besonders Hellgrau und Rot. Das Vorteilhafteste ist und bleibt natürlich — unabhängig von Zeit und Mode — Marineblau uni) Schwarz. Aber eine starke Dame kann nicht immer Schrvarz und Marineblau tragen; es gibt für sie auch noch andere Schattierungen — Prün«. Braun, Rostrot und Dunkelgrün — die kleidsam und absolut paffend sind. V« den Formen ist als besonders wichtig heroorzuheben, daß «ine Längstellaug de, Stoffes, von oben nach unten laufend, stets sehr günstig ist. Man kann solch eine Teilung mit Blenden in abfiechender Farbe betonen, man kann auch einen glatten «der pliffierteu Einsatz einfügen usw. Auch der Westeneinsatz und der schmale Reverskragen geben ein« günstige Linie. — Den größten Fehler machen unsere Damen, wenn sie, aus Furcht, durch eine größere Stoffülle stärker zu erscheinen, sich ihre Kleider und Mäntel in der hüstgegend zu eng. zu prall arbeiten lasten; sie bewirken dadurch nur, daß eine stärkere Körperfülle ungünstig und über - flüssig betont wird. Viel ausgleichender ist ein gewiffer, natürllch nicht übertriebener Stoffreichtum. Am Ärmel ist es eher umgekehrt; die stärkere Frau sollte lieber einen, wenu auch nicht gerade prallen, so doch anliegenden Ärmel wählen und dm nach unten erweitertm Blusenärmel oder gar dm weit ausfallenden vermeiden, — Zu den hier abgebildetru Modellen sind Lyon-Schnitte erhältlich. A. K * T 0407 vornehmes Kleid für stär- bre Damen. Das aus pmnefarbe- «em Rip» gearbeitete Modell zeigt tine breite, Helle Weste und Aufschläge ms weißem Crepe de Chine. Am Rock falten, die sich jederieils an der Taille vrtfehen. Schlanker Ärmel mit fchma- Wi Manschetten. Lyon-Schnitt, Gr. lö und SO. Preis 95 Pfennig. 34619 Nachmittagskleid aus braun gemusiertem Crepe de Chine, für stärkere Damm geeignet. Eine Helle plissiert« Vorderbahn und ein Kragen nebst Aufschlägen mit dunkler Blm- denverziemng blldm die Garnitur. Dunkle Einfassung weisen auch Gürtel und Revers auf. Lyon-Schnikt, Gr. 40 und 50, Preis 95 Pfennig. 3 4621 Ikachmikiagskkeid aus blau- weiß gemustertem Foulard, vorteilhaft für stärker« Damm. Uni Blmdm, Kragen und ein hierzu paffmder Gürtelergeben die Garnitur. Auder wrißm Seidmweste Knopfschluh. Schöne Schnalle am Gürtel. Lyon-Schnitt, Größe 46 und 50, Preis 95 Pfennig. 0307 10301 Elegantes Nachmittagskleid aus rostrotem Crepe-sattn, reich mit Biesen ausgefiattct. Vom eingesetzter Glockenteil. Dm Seikmkeilm sind die Paffen sowie di« Gürielteile angeschnitten; letztere wirden vom von einer Schnalle zusammmgehalkm. Das Modell ist durch seine schlank wirkende Schnittsorm für stärkere Damm sehr vorteilhaft. Lyon-Schnitt, Größe 46 und 50, Preis 95 Pf.