•cf«betet ia,«ch mtt Ausnahme der Feiertag«. Bezugs-Preis: •«rch die Post oezogen und durch te« Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus «ouatltch Soldmark 1.SV ^«r Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Sn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Liefer- >«- der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit V 18 bis 5 Uhr Sonntags geschloffen. Gerusprrch-Anschlutz Rr. 4«» Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. SSOS M 188. Der LanSbote Änsüermer Oeaeral-lliyeiger für bas Zeitung?iss Elsenz-uud LÄuoarzbacktal Heit eit* und vtrbrtitttftt Ziitanj) dUTer Gegend. Fjaupt-Htijcigen-Blatt SttdMatlicbe BeiUgea: Dm JUoftrierte » Has dem Reich der fflode • Ratgeber für is»o» and CnndxplrtTdtaft Dienstag, den 14. August 1928. Anzeigen-Prelse: Anzeigen: Die Z3 mm r rette Millimeter-Zeile 6 Goldptg Reklamen: Die 92 mm bretu Millimeter-Zeile 20 Goidpfg. Grundschrist tin Anzeigen- und Textteil ist Petit Bei Wiederholungen rariffeste* Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdal^m oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 6 Upe vormittags; größere Anzeige» müssen am Tage vorher auff gegeben werben. Bank-Konto: Dereinsband Sinsytt« e. G. >n. ß. L. 89. Jahrgang Der Völkerbund antwortet Litauen. Kein Grund zum Eingreifen. Genf, 13. Aug. Der litauische Ministerpräsivent Woldemaras hatte bekanntlich am 23. Juli beim Generalsekretär des Völkerbundes einen Schritt unternommen, um die Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen durch den Völkerbund zum Schutze gegen Grenzzwischenfälle anläßlich der polnischen Manöver an der litauisch-polnischen Grenze herbeizuführen. Die lstauische Note war damals vom Generalsekretär oes Völkerbunds gemeinsam mit der polnischen Antwortnote die eine Gefahr von Grenzzwischenfällen in Abrede stellte, dem Präsidenten des Bölkerbuudsrates sowis dem Berichterstatter im Rate, dem holländischen^ Außenminister zur Entscheidung übermittelt worden und Mar ln Verfolg der Bestimmungen der bekannten Ratsentschließung vom 10. Dezember 1927 über die Regelung der polnisch-litauischen Beziehungen. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat nunmehr in einem Schreiben den litauischen Ministerpräsidenten davon in Kenntnis gesetzt, daß der gegenwärtige Ratspräsident, der Berliner Gesandte von (Kolumbien und der holländische Außenminister im Hinblick auf die Erklärungen der polnischen Regierung eine Anwendung der in der Ratsentschließung vom Dezember 1927 vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen für den Fall drohender Grenzkonflikte nicht für erforderlich erachten. Der Schritt der litauischen Regierung hat somit von seiten des Völkerbundes eine amtliche Absage erfahren. Der Ratspräsident und der Berichterstatter im Völkerbundsrat für die polnisch-litauischen Fragen haben sich auf den Boden der polnischen Note gestellt und entsprechend der Mitteilungen in der Note der polnischen Regierung die Notwendigkeit von besonderen Sicherheitsmaßnahmen nicht als gegeben angesehen. Wieweit diese Entscheidung des gegenwärtigen Ratspräsidenten der wahren Lage der Dinge an oer polnisch-litauischen Grenze entspricht, wird erst die Zukunft lehren. Das Treugelöbnis der polnischen Legionäre Erklärungen an die Presse. Wilna, 11. Aug. Auf der Legionistentagung in Wilna wurde unter großem Beifall der Teilnehmer eine Entschließung gefaßt, in der die Legionäre dem Marschaü Pilsudski ihre unbedingte Treue geloben. In der Entschließung heißt es: „Ebenso wie wir im Kriege den Weg zur Unabhängigkeit Polens gebahnt haben, io stehen wir auch heute bereit, das Lünd zu verteidigen." Am Sonntagnachmittag empfing der Leiter der Ostabteilung des polnischen Außenministeriums, Ministerialrat Holowko, sowie der Vorsitzende einer der polnischen Kommissionen, Zumlakowski. die in Wilna anwesenden Vertreter der litauischen Presse und gaben ihnen auf ihre Fragen längere Erklärungen über den Stand der polnisch-litauischen Frage ab. Vernichtende Kritik der „Zswestija" am Kellogg-patt Lowno, 14. Aug. Wie aus Moskau gemeldet wird, schreibt die „Jswestija" über die Stellungnahme der ausländischen Presse zu den Aeußerungen Tschilscherins betreffend die Sowjetunion und den Kellogg-Pakt. Diese Aufnahme in der amerikanischen und europäischen Presse sei bezeichnend für den wahren Sinn des Kellogg-Paktes. der mit der Ablehnung der Einladung der Sowjetunton zur Unterzeichnung zum Angriff,spakt gegen die Sowjetunion gestempelt werde. Diese Tatsache könne von der Sowietunion nicht übersehen werden. Ferner weist bas Blatt auf die in den letzten Tagen in der europäischen Presse wiederholt betonte Tatsache hin. daß der Kellogg-Pakt ausdrücklich die Rüstungen zulaffe. Auch daraus sei der wahre Charakter des Paktes zu erkennen. Es gehöre reichlich viel Optimismus dazu, um den Kellogg-Pakt unter diesen Umständen als ein Friedenswerk anzusehen. Die Beschwerde des Deutschen Volksbundes in Gens emgettoffen Genf, 14. August. Die neue Beschwerde deS Deutschen Volksbundes für Ostoberschlesien zu der bevorstehenden Schließung mehrerer deutscher Minderheitsschulen ist soeben im Generalsekretrariat des Völkerbundes eingetroffen. Es, Handelt sich bekanntlich um die neuen Maßnahmen der polnischen Behörden, die in Widerspruch zu der Genfer Minderheitenkonvention stehen. Tie erforderliche Schülerzahl ist in den Minberheitenschulen voll erreicht worden, so daß jede berechtigte Gründung zur Schließung der Schulen fehlt. Die von polnischer Seite angegebene Begründung der Maßnahmen wegen „Mangels an Tchulräumen" kann nicht als stichhaltig angesehen werden. E/steht fest, daß die Beschwerde auf der am 30. August beginnenden Ratstagung zur Verhandlung gelangen wird. Sie wird zunächst von dem Dreierkomitee des Völkerbundsrates, bas aus dem columbianischen Vertreter sowie dem holländischen und finnischen Außenminister besteht, geprüft werden. „Weg von Locarno"? London, 14. August. Ter „Manchester Guardian" wendet sich in einem Leitartikel „Weg von Locarno" sehr nachdrücklich gegen die Beteiligung britischer Truppen an den Rheinlandmanövern. Jedermann wisse, so sagt das Blatt, daß die Verwendung von Besatzungsarmeen auf deutschem Boden neun Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages eines der Hindernisse für die Herstellung von Freundschaft und Vertrauen bilde. Die Teilnahme britischer Kavallerie an den französischen Manövern im Bezirk von Trier sei wie kaum etwas anderes geeignet, die deutschen Gefühle auszustacheln und zu entflammen. Das Blatt fragt, ob es sich hier lediglich um eine Taktlosigkeit handele, oder ob den Beschluß politische Gründe veranlaßt hätten. Tie Teilnahme britischer Truppen an den Manövern sei im gegenwärtigen Augenblick aus zwei Gründen schwer verständlich: Einmal sei es sicher, daß die Rheinlandräumung auf der nächsten Tagung des Völkerbundsrates erörtert werde, und zweitens stehe der Beschluß in befremdendem Gegensatz zu Locarno. Dieser Zwischenfall helfe den Eindruck verstärken, daß in der englischen Außenpolitik eine Wendung eingetreten sei und daß England in die letzten Methoden und die letzte Geheimpolitil zurückgefallen sei. Im weiteren Verlauf des Artikels richtet der „Manchester Guardian" heftige Angriffe gegen die Regierung. Man stehe mehr unter dem Eindruck, daß die britische Nation immer stärker ihren militärischen und maritimen Ratgebern folge. Das „Zomnal de Geneve" zur Rheinland, raumung Genf, 13. Aug. Nach dem im allgemeinen gut unterrichteten Pariser Mitarbeiter des „Journale de Geneve" soll gegenwärtig in maßgebenden Kreisen damit gerechnet werden, daß Dr. Stresemann während seines Pariser Aufenthaltes zunächst in privaten Unterredungen mit Briand, die wahrscheinlich in Genf fortgesetzt werden sollen, die Räu. mung der zweiten Rheinlanözvue zur Verhandlung stellen werde, ohne hierbei die Frage der Gesamträumung des Rheinlands zu berühren. Eine solche Forderung würde, betont der Mitarbeiter des Blattes. ! in Paris gegenwärtig aus kategorische Ablehnung stoßen. Völlig unbekannt sei zur Zeit, wie Briand über diese Frag« denke. Die öffentliche Meinung in Frankreich sei sich eitttc in der Ablehnung der Hallung der Brüsseler Sozialistei'- konferenz Eine Räumung der zweiten Zone wird nur all denkvar erachtet, wenn Deutschland die erforderlichen Zu- geständnisse aus dem Gebiet der Sicherheitsgarantie uuk der Mobilisierung des Dawesplanes mache. Man sei ferne, in Paris beunruhigt, ob das französische Kabinett bereit« zu einer einheitlichen Stellungnahme in diesen für Frank, reich entscheidenden Fragen gekvmmen sei. Man müsse di, ^ Gewißheit haben, daß zwischen Poincars und Briand vor dem Beginn der allgemein erwarteten Verhandlungen »>i< j Dr. Stresemann völliges Einverständnis in der Frage de: Rheinlandränmnng bestehe, da sonst Ueberraschungen befürchtet werden müßten. Die Groteske von Versailles. Aus dem Tagebuch des englischen Marschalls Wilson. Der Kampf gegen das Diktat von Versailles darf nicht zur Ruhe kommen. Zuviel hängt für Deutschland von seinem erfolgreichen Ausgang ab. Schwere, an dem deutschen Namen und der deutschen Ehre rührende Beschuldigungen sind in ihm verankert und — was noch schlimmer ist — diese Beschuldigungen sind zum Borivand genommen worden, um die unmenschlichen Bedingungen, die Deutschland auferlegt wurden, zu begründen und zu recht- fertigen. Bon den Voraussetzungen, unter denen Deutschland sich zum Waffenstillstand und zum Beginn der Friedensverhandlungen entschloß, wurde in Versailles überhaupt nicht gesprochen. Wenn die deutsche Abordnung den Versuch machte, an diese Voraussetzungen, z. B. an Wilsons 14 Punkte zu erinnern, wurde sie von den „Siegern" in ungewöhnlich überheblichem und brüskem Ton abgefertigt. Deutschland wuroe schlimmer behandelt als ein angeklagter Verbrecher. Es wuroe von seinen Anklägern verurteilt, ohne daß ihm die Möglichkeit gegeben wurde, sich zu verteidigen, ja, es wurde verurteilt auf Grund falscher und gefälschter Unterlagen. Wenn es nun auch schon gelungen ist. «inen Teil dieser Grundlagen des Versailler Diktats zu erschüttern, so lehnen unsere Feinde aus dem Weltkriege doch jeden Versuch einer Revision schroff ab. Ihre leitenden Staatsmänner berufen sich dabei gern auf „die Heiligkeit" des Versailler Vertrages. Wie es damals in Versailles zugegangen ist, darüber ist ja im Laufe der Fahre mancherlei zn die Oeffentlichkeit gedrungen. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Wilson, der nach Paris gekommen war mit dem ehrlichen Willen, einen -„gerechten" Frieden zu schließen, der von Bölkeroersöhnung und Völkerbund- träumte, war den Intrigen seiner Verbündeten nicht gewachsen. Er wurde allmählich mürbe und gab schließlich resigniert in allen Punkten nach Daß man in dem Präsidenten Wilson in Versailles einen Schwärmer und Illizfionisten sah, geht deutlich hervor aus den Tagebüchern des englischen Fekdmarschalls Sir Henry Wilson. Der englische General spricht in den geringschätzigsten Ausdrücken von seinem amerikanischen Namensvetter und besonders von dessen Bestrebungen. So lesen wir im 2. Band auf Seite 109 unter dem 14. Februar 1919 folgende Eintragung: „Winston (Churchill) und ich begaben uns zum Quai d'Orsay, wo eine Planarsitzung des Völkerbundes tagte (Frau Wilson war zugegen!) und wo ein Delegierter nach dem anderen ekelhaften Quatsch über Fricdrn usw. erzählte." Auf den Völkerbund scheint man in den Kreisen der britischen Abordnung überhaupt nicht gut zu sprechen gewesen sein. „Uebrigens sagte Lloyd George in der Sitzung der Delegierten des britischen Reichs, nach seiner Ansicht sei die Verfassung des Völkerbundes ein höchst lächerliches und scheinheiliges Dokument. Und dabei beginnt d:r Vertrag damit," so plaudert General Wilson unterm 5. Mai 1919 aus der Schule (Band 2, Seite 189), um dann weiter zu erzählen: „In dieser Sitzung bestanden auch noch ernsthafte Meinungsverschiedenheiten über mehrere grundsätzliche Fragen! Und das zu diesem Zeitpunkt." Für den Nachmittag des 7. Mai war nämlich die Uebergabe der Friedensbedingungen an die deutsche Abordnung in Aussicht genommen. Am 3. Mai hatte Wilson von Fach gehört, daß der „Friedensvertrag ein ungeheuer dicker Band" sei, mit einer solchen „Unmenge oon Anmerkungen, geänderten Paragraphen, umgeschriebenen Artikeln usw., daß kein Mensch miss», was er unterschreibe, wenn er nicht das ganze Buch durchstudieren könne, daß niemand es durchstudiert hätte, daß weder der Tiger (Clemenceau) noch Lloyd George eine Ahnung davon hätten, was in dem Buch stände" (Band 2, Seite 187). Auch zwei Tage später, am 5. Mai, hatte noch „niemand den Vertrag in seiner vollständigen Form gesehen, denn er existierte, überhaupt noch nicht" (Band 2, Seite 188). Und auf der folgenden Seite heißt es, ebenfalls. unter dem 5. Mai: „Ich speiste in der Botschaft: eine große Gesellschaft. A. I. B(alfour) war da. Ich sprach mit ihm über die Frieoensbedingungen. Auch er hat sie natürlich, wie die anderen, noch nicht gelesen. Er machte sich ganz offen, 'in Gegenwart von Damen, über das Lächerliche der ganzen Sache lustig — und dabei muß er doch unterzeichnen!" Und an anderer Stelle lesen wir: „So werden wir denn die Bedingungen den Boches aushändigen, ohne sie selbst vorher gelesen zu haben.' Ich glaube nicht, daß sich in der ganzen Weltgeschichte dafür ein Beispiel finden läßt." Wilsons Befürchtungen trafen ein, denn am 7. Mai schrieb er in sein Tagebuch (2. Band, Seit« 190): „Die Zusammenkunft mit den Boches fand uch 3 Uhr in Versailles statt, und die Friedensbedingungen wurden ihnen übergeben, ohne daß irgendeiner von uns sie in ihrer Gesamtheit gelesen hätte." Erst „27 Stunden nach den Boches" erhielt Wilson einen Abdruck des Vertrags! Und einen Vertrag, der auf solche Weise zustandegekommen Dfi, soll das deutsche Volk als unabänderlich ansehen? Die Vulareffer petroleumterram-Schiebereien Wien, 14. Aug. Wie ans Bukarest gemelder wird, trat in ter kürzlich ausgedeckte» Affäre der Peiroleumterrain- Schiebereien, die infolge gefälschter Eintragungen einen Schaden von 4.5 Milliarden ergaben, eine sensationelle Wendung ein. daß der untersuchende Oberstaatsanwalt Peiresk« nach einem plötzlich eingetretenen Nervenzusammenbruch im Irrenhaus starb Ter offiziöse „Universui", dessen Chef- redakteur Justizminister Popesco ist, meldet tu sensationeller Aufmachung, daß Oberstaatsanwalt Petre'ko seit drei Iah. ren durch wiederholte Eingaben und Berichte die Aufklä. rung des Petroleumskandals und die Bestrafung der Schul- üigen vergebens forderte, da sich einflußreiche Personen fei. nem Ansinnen entgegenstellten und das Vers ihren immet wieder nieberschlugen. Ter Oberstaatsanwalt habe zwar ein- timte Genugtuung durch Einleituna der Untersuchung uno Veryaskung eine? Teiles der Schuldigen erwirkt, fei aber als ein Opfer des jahrlangen Kampfes gestorben. Weiter wird berichtet, daß auch politische Persönlichkeiten und Abgeordnete in die r.sfäre verwickelt sind. Matschet Aachfolger Aadiffch« Agram, 14 Aug. In der Sitzung des Abgeordnetenklubs der kroatischen Bauernpartei ist Dr. Matschek einstimmig, zum Präsidenten des Klubs anstelle des verstorbenen Ra- bitsch gewählt morden. ^ Im Verlaufe der Sitzung wurde festgestellt, daß Radttsch kein formell-s politisches Testament hinterlassen und auch der Parteileitung für die künftige organisatorische Tätigkeit keine Weisungen erteilt habe. Dagegen habe er noch kur, vor seinem Ableben der Parteileitung Weisungen über die weitere politische Orientierung nach innen und außen gegeben. Es wurde festgestellt, daß alle Abgeordneten in de» politischen Fragen einheitlich vorgehen und im Sinne Ra- ditschs Weiterarbeiten werden. Die Abgeordneten leisteten dem verstorbenen Führer den Treueid. I» einer einstimmig gefaßten Entschließung heißt es: Raditsch hat nicht auf- gehört unser Volksführer zu sein. Es ist selbstverständlich, daß er auch nach seinem Tode Präsident der Partei bleiben wird lfm die Regelung der Kriegsfchuldenfrage Newyork. 14 Aug. In unterrichteten Washingtoner Kreisen wird damit gerechnet, daß sowohl Stresemann als auch Briand gelegentlich der Unterzeichnung des Kriegsverzichtpaktes in Paris diplomatische Fühler über die Haltung der Vereinigten Staaten in der Reparationssrage ausstrecken werden. während amerikanische Baukkreise für eine Kon» fcrenz zur endgültigen Regelung der Reparationssrage Zn wenigen Worten Die Rekiörden ssnd mit der Untersuchung der Angelegen- feit der angeblichen neuen Hamburger Phosgensunde be» chäftigt. In der Kieler Förde kcnterte ein mit zwanzig Matrosen besetztes Motorboot, wobei zwei Matrosen ertranken. * Der Reichskanzler hat dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann zu seinem fünfjährigen Amtsjubiläum Glückwünsche übersandt. * Der größte Teil der Reichsmintster hat Berlin w'.üer verlassen. m An der Küste von Maryland (U.S.A) hat ein schwerer Orkan große Verheerungen angerichtet. Der Schaden beläuft sich auf eine Million Dollar. JIMi 4 H ipÄil j Ü •< it ^ MIlW i| 1 r 5 * * * h * r.ft'i Nr. 188. Jahrgang 1928. Der Landbote * Siusheimer Zeitung. Dienstag, den 14. August 1928. :1 1 Mi f ; ,,n °’ &■** öte ^Eung 0er amerikanischen Regierung noch unvestlmmt. Dem Staatsdepartement nahestehende Personen erklären demgegenüber, daß Amerika ein Wieöeran- schneiden der Kriegsschuldenfrage ablehnen würde, da diese Frage bereits geregelt sei. Sie Minister wieder in «rinn» «»gereist Berlin, 14. August. Nach der Verfaffungsfeier hat der größte Teil des Reichskabinetts Berlin wieder verlassen. ,Darunter Reichsinnenminister Severing, Postminister Stingl, Finanzminister Hilserding und Wirtschastsminister Curtius. Reichskanzler Müller, der am Sonntag an einer iBerfassungsfeier in Nürnberg teilgenommen hat, ist am Montag früh wieder nach Berlin zurückgekehrt. Auch der preußische Ministerpräsident Braun ist zu einem kurzen Urlaub nach Bad Gastein abgereist. Entscheidende Beratungen dürften voraussichtlich erst nach der Rückkehr des Rcichs- anßeuministe»s aus Oberhof Anfang nächster Woche zu er? warten sein. Glückwünsche zum 5 jährigen Amlsjubiläum Dr. Stresemanirs Berlin, 14. August. Der Reichskanzler und die Beamten des Auswärtigen Amtes haben'dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann zu seinem 5jährigen Amtsjubiläum am Montag ihre Glückwünsche ausgesprochen. Die angeblichen neuen phosgen-Zunde in Hamburg Hamburg, 14. August. Die Hamburger Volkszeitung" hatte gemeldet, daß die Firma Stoltzenberg am 10 . August eine Phosgenflasche erhalten habe. Gegenüber den an diese Meldung geknüpften Behauptungen und Vorwürfe gegen die Behörden teilt die staatliche Pressestelle mit. daß eine am Montagvormittag von Beamten der Polizei und des Grwerbeaufsichtsamtes vorgenommene Untersuchung ergeben hat, daß keine Phosgenvorräte in der Fabrik Stoltzenberg oder auf ihrem Gelände lagern. Bet der am Freitag von dem Laboratorium Schering in Berlin an die Firma Stoltzenberg gelieferten Phosgenflasche handelt es sich uni eine der handelsüblichen Stahlfaschen von 34 Zcnckmeter Länge und einem Inhalt von vier Litern, die •»» Versuchszwecken in der chemischen Industrie allgemein geliefert werden. Hünefeld fchentt die „Bremen" den Amerikanern Berlin, 14. Aug. Die Deutsche Tageszeitung veröffentlicht ein Schreiben des Freiherrn von Hünefeld an den amerikanischen Botschafter in Berlin. Schurmann, in dem Hünefeld mitteilt, daß er bas ihm gehörige Flugzeug „Bre-^ men", das den ersten Ozeanslug von Ost nach West ausgeführt hat, nach Wiederherstellung demjenigen Museum in Newyork schenken werde, das bereits den Propeller der „Bremen" als Erinnerungsgabe erhalten habe. Tödlicher Fallschirmabsprung Krems, 14. August. Am Sonntag wurde in der Gemeinde Gneixendvrf von deutschen Unternehmern ein Flugmeeting veranstaltet. Im Programm war neben den üblichen Kunstflügen auch ein Fallschirmabsprung vorgesehen. Erst nachdem der Veranstalter, der deutsche Chefpilot Lehmann und ein Kaufmann Groß, die entsprechenden Schriftstücke über ihre Befähigung auf asiatischem Gebiet vorlegen konnten, wurde auch die Erlaubnis zum Fallschirmabsprung erteilt. Der Fallschirmmann Leopold Kreisinger stürzte zum Entsetzen der Zuschauer ab und wurde als zerschmetterte Leiche »ufgefunden. Letzte Aachnchlen Eine französische Stimme z« Strescmanns Außenminister» jubiläum. Paris, 14. August. Zu dem fünfjährigen Jubiläum Dr. Stresemanns als Reichsaußenminister nimmt als erste französische Zeitung „Paris Soir" Stellung und schreibt, Stresemann sei cs durch seine Friedenspolitik gelungen, den Geist ,von Locarno auch nach Deutschland zu verpflanzen. Er sei der deutsche Staatsmann gewesen, der seinem Volke den Eintritt in den Völkerbund ermöglicht habe. Das Blatt hebt besonders hervor, daß Stresemann sich zur Republik bekannt habe. Bomben aus die Stellungen der Nicaraguaner. Newyork, 14. August. Amerikanische Marineflugzeuge belegten nach den letzten Zusammenstößen die Verstecke der nicaraguanischen Banditen am Eoco River mit Bomben, weil man vermutet, daß sich dort noch Versprengte aushalten könntem Aufbahrung der Leiche des Großherzogs im Badenweiler Schloß. Eintressen der T rauer gaste. Badenweiler, 14. August. Die Leiche des Grobherzogs war am Sonntagvormittag im sogenannten Btedermaierzimmer des Schlosses für den allgemeinen Zutritt aufgebahrt. Sie ist mit einer Fülle von Kranz- und Blumenspenden bedeckt. Am Sarge stehen zwei Ehrenwachen. König Gustav von Schweden ist in Badenweiler einge- trofsen und im Hotel Römerbad abgestiegen. Prinz Bert- hold hat im Großherzoglichen Palais Wohnung genommen. Prinz und Prinzessin Max von Baden werden im Laufe des heutigen Tages hier erwartet. Die Leiche des Großher- zogs wird in aller Stille in der Nacht zum Donnerstag nach Karlsruhe übergeführt werden. Zur Uebersuhrung des ehemaligem Großherzogs. Freivurg, 14. August. Nach neuerlichen Bestimmungen wird die Leiche des verstorbenen Großherzogs am Donnerstag abend um 8.30 Uhr in aller Stille nach Karlsruhe überführt werden. Tie Fürstlichkeiten fahren am Donncrstag- morgen mit der Bahn nach Karlsruhe. Dem Oberbürgermeister von Freiburg ist von der Gemahlin des ehemaligen Großherzogs folgendes Telegramm zugegangcn: „Der Stadt Freiburg danke ich von ganzem Herzen für ihre Treue und Anteilnahme. Hilda." **Karlsr«he, 14. Aug. (Berichtigung zu der Beisetzuugs- feierlichkett des Großherzogs.) Zu den Betsetzungsfeterlich- keiten des verstorbenen Großherzogs am Donnerstag, den 16. August, wird berichtigend ergänzt, daß der Trauerzug sich nicht über die Kaiserstraße, sondern über den Zirkel durch den Fasanengartcn nach der grobherzoglichen Grabkapelle bewegen wird. Auf dem Wege dahin wird Vereinen usw. Gelegenheit zur Spalierbilöung gegeben sein. Telegrammwcchsel zum Tode des frühere» Großherzogs. Karlsruhe, 14. August. An die Badische Staatsregierung ist vom Prinzen Max von Baden folgende Drahtnachricht aus Salem (Baden) eingegangen: „Als nunmehriger Chef des Grotzherzoglichen Badischen Hauses teile ich eben aus Bayern zurückkommend, schmerzerfüllt der Staatsregierung mit, daß mein geliebter Vetter, Seine Königliche Hoheit Großherzog Friedrich II., nach langem, schweren Leiden verschieden ist. Ich bin gewiß, daß die Badische Regierung ebenso wie alle Badener dieses pflichterfüllten Fürsten und ausgezeichneten Menschen in Traüer und Verehrung ge-, denken wird. Max, Prinz von Baden." Die Regierung hat hierauf erwidert: „Prinz Max von Baden, Salem jBaden.j Die badische Regierung bestätigt mit Tank den Empfang der Nachricht vom Ableben Grotz- herzogs Friedrich II. Sie spricht Ihnen sowie den Angehörigen aufrichtige, warme Teilnahme aus. Die Regierung gedenkt an der Bahre des Verblichenen mit hoher Achtung des von Pflicht erfüllten Lebens und der ausgezeichneten menschlichen Eigenschaften des früheren Landesherrn. Bei Regierung und badischem Volke wird ein gutes Gedenken an den Heimgegangenen weiterleben. Remmele, Staatspräsident." Zum Tode des chem. Großherzogs Die Regierung des Freistaats Baben gedenkt mit hoher Achtung der Persönlichkeit Friedrichs II.. der über ein Jahrzehnt an der Spitze des badischen Staates gestanden hat, in vorbildlicher Gewissenhastigkeit und Pflichterfüllung seiner hohen Aufgabe gerecht zu werden immer bestrebt war und dessen Leitstern bei der Ausübung der durch die Stellung gebotenen Pflichten die Wohlfahrt des badischen Landes gewesen ist. Die warme Anerkennung der republikanischen Nachfolgeregierung Friedrichs II. ist typisch für das gute Verhältnis des ehemal. Fürsten zum Freistatt. Wenn man die Aeutze- rungen der letzten Tage hört und liest, die sich mit der Person und der Tätigkeit des beliebten Fürsten beschäftigen, so kann man nur eine Stimme der Sympathie und Anerkennung hören. Es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn man sich in diesen Tagen die Worte ins Gedächtnis znrückruft. die Großherzog Friedrich I. bei der Eröffnung des Badischen Landtages sprach, als am 9. Juli 1867 101 Kanonenschüsse um die Mittagsstunde die Geburt des Thronerben angekündigt hatten: „Ich bitte Gott um die Erleuchtung, daß es mir gelinge, meinen Sohn zu einem gerechten Fürsten zu erziehen." Und überblickt man nun rückschauend noch einmal alle die Ereig- niffe, die das Leben Friedrichs II. bestimmen und bedeuten, so kann man mit großer Berechtigung und Befriedigung sagen, daß jenes Wort seines Vaters Erfüllung geworden ist. Tie kleineren Verhältnisse des Landes und der Residenz machten es aus, daß zwischen dem Fürstenhaus und dem Volk engere Beziehungen geknüpft wurden als es anderswo der Fall war; so war es auch möglich, daß auf beiden Seiten für Rechte und Pflichten gleiches Verständnis herrschte. In Baden mit hnndertjähriger Verfassung war die Mitarbeit oller Bürgerschichten und die Vertretung im Parlament Selbstverständlichkeit. Und gerade darum ist die Trauer soviel tiefer an der Bahre im Scklok »u Badenweiler, weil außerhalb aller politischen Einstellung die Herzlichkeit des Empfindens sprechen darf. Es ist gewiß eine echte Dankespflicht, wenn man sich die Hauptzttge des Lebens Friedrichs II. einprägt. Im Sinne des Wunsches Großherzogs Friedrich I. war seine Erziehung einfach und streng. Er besuchte die Prin- zenschule in Karlsruhe, zusammen mit gleichaltrigen Knaben. Die Schule stand damals unter Leitung des vortrefflichen Pädagogen Geheimrat Dr. Wagner. Mit 18 Jahrm trat der Erbgroßherzog beim 1. Badischen Leib-Grenadierregiment Nr. 109 in Karlsruhe als Sekondeleutnant ein. 1876 wurde er auf unbestimmte Zeit zum Besuch der Uni- versiäten Heidelberg und Bonn beurlaubt. In den Heeresdienst zurückgekehrt (1880) war er im 1. Garderegimcnt zu Fuß in Potsdam. 1881 wurde er zum Premierleutnant ernannt, 1882 zum Hauptmann und 1884 zum Major. Ein Jahr später wurde er nach Freiburg zur Dienstleistung beim 5. Bad. Infanterieregiment Nr. 113 kommandiert, wo er nach 4 Jahren Oberst und Kommandeur dieses Regiments wurde. 1891 erfolgte seine Ernennung zum Chef der 118er. Am 27. Januar dieses Jahres wurde er ä la suite dieser Regiments gestellt und zum Generalmajor und Kommandeur der 4. Garde-Jnfanterie-Brigade ernannt. Zwei Jahre später sehen wir ihn als Generalleutnant. Damit erhielt er das Kommando über die 29. Division in Freibura übertragen. 4 Jahre später wurde er General der Infanterie und im selben Jahre Kommandierender General des 3. Armeekorps in Koblenz. Damals war sein Stabschef der jetzige Reichspräsident von Hindenburg. Bis 1903 stand er an -er Spitze der rheinischen Truppen und übernahm dann das Jnspektorat über das 14. und 15. Armeekorps. Im Herbst 1905 erhielt er die Ernennung zu» Generaloberst mit dem Rang eines GencralfelbmarschaM Während seiner Universiätsstudien hatte der Erbgroßher- zog Profefforen wie Kuno Fischer, Immanuel Becker, Schultze-Gaevernitz, Georg Meyer, Bluntschli. Bunsen, Vier» ordt und Viktor Meyer gehört. In Bonn war er zusam- men mit seinem Vetter, dem späteren Kaiser Wilhelm II. immatrikuliert. Beide verkehrten oft bei den „Borussen", ohne aber in ein näheres Verhältnis zu ihnen zu treten. Nachdem Friedrich in Leipzig und Freiburg noch Borlesun- gen gehört hatte, erweiterte er sein Wissen durch ausgedehnte Reisen im Ausland. Nach seinem Wiedereintritt in den Heeresdienst rief ihn bald eine schwere Krankheit seines Vaters nach Karlsruhe zurück, wo er ein Jahr lang stellvertretenderweise die Regierungsgeschäfte führte. Mit seinem Vater als Vorbild wuchs er als eifrigster Freund und Unterstützer des Reichsgedankens aus. 1902 siedelte er aus Rücksicht aus seinen nicht ganz gesunden Vater aus Koblenz nach Karlsruhe über, wo er Mitglied der Ersten Kammer der Badischen Landesstände und als solches 1904 und 06 Berichterstatter der Vudgetkommission über den Staatsvoranschlag für Landwirtschaft und Gewerbe wurde. Ten Thron seines Vaters bestieg er 1907 f seinen Spuren in der Regierung folgend und von klugen Ministern umgeben. Ein guter Schutz Liberalismus, den er von seinem Vater hatte, veranlaßte ihn, die vom sog. Grotz- block beschlofleuen Gesetze durch seine Unterschrift zu sanktionieren. Unter seiner Regierung wurden eine Anzahl großer Werke beschloffen und ausgeführt, u. a. das Murgwerk, deren Reihe ahxr durch den Krieg unterbrochen wurde. Im Jahre 1885 hatte er sich mit der Tochter des letzten Herzogs von Naffau, des späteren Großherzogs Adolf von Luxemburg, Prinzessin Hilda, vermählt. Diese Ehe hat viel zur Versöhnung in verschiedenen Fürstenhäusern beigetragen. WM s ROMAN von 3.5CH NEIDER F0ER5T „Erzürne dich nicht wieder, Rolf! Ich kann ja nichts da« für! Laß' mich heim zu Vater bringen, hier mache ich dir und Lene nur Mühe. Du bist ohnedies so überlastet den ganzen Tag. Vielleicht wird es bald wieder besser! Dann komme ich sofort wieder oder ich schreibe dir, daß du mich heimholst!" Sie barg in plötzlichem Aufschluchzen das Gesicht in die Hände. Er löste seinen Arm von ihr und kniete vor ihrem Bette nieder: „Elisabeth!" sagte er heiser. Der Sturm in seinem Innern raubte ihm fast die Sprache: „Elisabeth sieh mich an!" bat er noch einmal. Da lösten sich ihre Hände. Angstvoll tauchten ihre Augen in die seinen. „Dieser Zustand wird so schnell nicht vorübergehen!" sagte er stockend „Hann bin ich dir nur mehr zur Last!" klagte sie. „Maß sollst du mit einer kranken Frau?" Sie wußte nicht, sah sie es wieder im Schwindelqefühl, oder war es Wirklichkeit! Sein Kopf lag auf ihrer Decke und das Gesicht hinein- gedrückt, weinte er bitterlich. „Rolf, ach Rolf!" rief sie erschrocken und strich über sein ergrautes Haar. „Wenn es so schlimm mit mir steht, warum sagst du es mir nicht? Warum willst du es mir verheimlichen? Ich habe es mir ja schon oft gedacht, es müsse einmal etwas kommen! Dieses Uebermaß an Glück erträgt kein Mensch! Nun ist es da! Und ich bin so dankbar, daß es mich getroffen hat und nicht dich!" Er lag noch immer auf den Knien, das Gesicht in die Decke gedrückt. Er wagte nicht, ihr in die Augen zu sehen. „Wie lange habe ich denn noch zu leben?" scherzte sie tapfer. „Du mußt das doch wissen, Rolf! Solch' ein gesuchter Arzt, wie du! Wenn es nur mehr ein paar Monate sind, dann laß' mich bitte, bei dir bleiben und schicke mich nicht fort. Ich werde gewiß sehr vernünftig sein und deine Zeit nicht zu sehr in Anspruch nehmen!" Da hob er das Gesicht und griff nach ihren Händen und legte seine Stirne darauf und klar, ohne sich zu beschönigen, gestand er seine große Gedankenschuld an ihr und dem Freunde. Sie entzog ihm ihre Hände nicht! Er fühlte nur wie sie bebten. „Ich weiß," sagte er, „ich habe dich tödlich getroffen. Das vergißt ein Weib nie, das sich rein in der Seele fühlt. — Du bist frei, Elisabeth! — Morgen schreibe ich an Hans und gestehe ihm alles, wie ich es dir gestanden habe. — Und dann will ich versuchen, weiter zu leben. Nur eine Bitte habe ich an dich! Wenn unser Kind zur Welt kommt, dann laß es mich sehen und es für einige Minuten in den Armen halten. Dann will ich dich nicht mehr belästigen!" — Sie sah ihn erst verständnislos an. Dann schoß eine glühende Röte über ihr Gesicht. Sie wollte sprechen, aber kein Laut kam über ihre Lippen. In tödlicher Verlegenheit wandte sie den Blick von ihm ab. „Wann soll ich dich heimbringen?" Karstens Stimme klang wie eine zersprungene Saite, so rauh, so rissig. „Glaubst du, daß ich sterben muß, wenn — wenn?" Sie brachte es noch chcht fertig den Gedanken in Worte zu kleiden. „Nein! Elisabeth, du brauchst dich nicht zu ängstigen. Es wird alles ganz gut vorübergehen und in Ellerfelde sind sehr tüchtige Aerzte, wenn wirklich etwas fehlen sollte, — denn mich würdest du ja wohl nicht rufen lassen!" schloß er, und sie hörte, wie seine Zähne aufeinanderknirschten. Sie verspürte nicht einen Hauch von Groll in sich, nur Erbarmen und Mitleid mit seiner großen Not. „Wenn es dir nicht zu viel Störung macht," meinte sie zaghaft, „möchte ich gerne hier bleiben bei dir. Ich kann ja dann mein Zimmer verlegen und nach dem Garten zu schlafen mit dem Kinde, damit du nachts Ruhe hast!" Wieder jagte eine glühende Röte über ihr Gesicht. „Elisabeth, du könntest noch bei mir bleiben, nachdem du weißt, wie niedrig ich von dir gedacht habe?" fragte er und ein leises, scheues Hoffen stieg in ihm auf. Sie sah ihm innig in die Augen. „Wenn du mich nicht so namenlos lieb hättest, Rolf, würde dich der Gedanke, ich könnte einen anderen im Herzen tragen, nicht so furchtbar erregt yaven! Ach yave dir also nichts zu vergeben, als deine große Liebe!" Er saß bis zwölf Uhr nachts an ihrem Bett. Alle Gewissensbisse sprach sie ihm von der Seele. Sie dachten beide nur mehr an ihr Kind. Als Karsten am Morgen sein Bett verließ, schlief sein junges Weib noch tief und gut. Er trat ganz leise zu ihr und küßte das Blondhaar, das auf dem Kiffen lag. Sein Haar war noch etwas grauer geworden! Aber er sah es nicht! An der Türe blieb er noch einmal stehen und blickte nach ihr zurück. Dann stieg er leise ins Erdgeschoß und trat zu Lene in die Küche. Sie trocknete eben ihre Hände, die einen Teig geknetet hatten, an dem gestreiften Handtuch hinter der Türe. „Lene!" sagte er bittend, „willst du dich jetzt immer recht um meine Frau sorgen, wenn ich nicht zu Hause bin?" Sie blickte ihn besorgt an. Dann begriff sie. Ein feuchtes Glänzen stieg in ihre Augen. „Wirklich? — So eine große Freude sollen wir nun in unser Haus kriegen? Und ob ich mich soraen will. Ich «erde sie nicht aus den Augen lassen!" „siauvst ou, vag es reicht, Lens," sagte er schalkhaft, „wenn sich noch eines mehr mit uns zu Tische setzt?" „Für zehn reicht's, Herr Doktor! Für zehn!" gab sie lebhaft zurück. „Dann hat's keine Not!" sprach er lächelnd im Hinausgehen. Er öffnete jeden der Räume im Erdgeschoß und nickte glücklich zufrieden. Wie gut, daß das Haus so groß war und so kühl im Sommer und so huschelig im Winter und als er ins Freie trat, blickte er den großen Obstgarten entlang. Er sah braungebrannte Iungens und blondköpfige Mädchen und hörte ihre hellen Stimmen die ihn „Vater" riefen. • Er schnitt die schönsten weißen und roten Rosenknospen, welche die Hochstämme trugen, und legte sie neben den Frühstücksplatz seiner Frau. Ehe er den Garten verließ, sah er noch einmal nach ihrem Fenster hinauf. Leise schaukelten die weißgetupften Mullgardinen im Morgenwind. In ihm war ein Freuen, ein Jubeln, als sei die Welt ihm zweifach geschenkt worden. Er übersah sogar Pfarrer Schmitt, der vor seiner Gartentüre stand. „Guten Morgen, Herr Doktor." lachte Schmitt. „Sie tragen ja das Glück mit auf die Straße! Da aebt's verloren!'" Nr. 188. Jahrgang 1928. Dem Ansturm des Jahres 1918 erlag auch das Haus der Zähringer. Das Badener Land hat als eines der ersten tm Reich einen gerechten und friedlichen Ausgleich mit den Vermögensverhältnissin seines Fürsten gesucht und gefunden. Bis zu seinem Tode hat das badische Bolk seines einstigen Herrschers in Dankbarkeit und Verehrung gedacht. An der Bahre des toten Fürsten steht das ganze Volk in einmütiger Trauer und vereint seine Gefühle der Dankbarkeit, Verehrung und des Schmerzes zu letztem Gruß. Kein besseres Denkmal kann dem letzten Zähringer in seinem Volke gesetzt sein als das stete und treue Gedenken und die verehrungsvolle Dankbarkeit, als die rückblickende Erinnerung seines badischen Volkes. ___ Aus Nah und Fern. Sinsheim, 14. Aug. (Vom Odenwaldklub.) Bellberg— Crailsheim in Wttbg. war das Ziel einer herrlichen, zweitägigen Wanderung der hiesigen Ortsgruppe des Odenwaldklubs. Per Bahn ging's am Samstag Bormittag bis Schwäbisch-Holl, der bis zum Jahr 1802 freien Reichsstadt im württbg. Iagstkreis. Die idyllisch, auf Hügeln und am Kocher gelegene Stadt wurde eingehend besichtigt, wobei insbesondere die gotische Michaelskirche mit ihrem mächtigen Treppenaufgang gewaltigen Eindruck auf die Besucher hinterließ. Auch das alte Steinsalzbergwerk Wilhelmsglück, das heute nicht mehr im Betrieb ist, wurde gezeigt. Rach darauffolgendem, mehrstündigen Marsch über die Com- burg—Einhorn erreichten die Wanderer nach Sonnenuntergang das reizende Bellberg-Stöckcnburg, das am Sonntag morgen einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurde. Auch heute zeigt Bellberg, trotz starker Zerfallserfcheinungen, die wuchtige Kraft seiner mittelalterlichen Befestigungen. Bon einem Bergkegel, der von drei Seiten vom Avisier umschlossen ist. grüßt die alte fränkische Königsburg Stöckenburg herab. Schön erhalten 'tfi hier noch die im Jahr 741 von Karls des Großen Bruder- Karlmann, dem Würzburger Erzbischof geschenkte Kirche, die heute noch als Missionskirche der Gegend dient. Das romantische Bichlertal wurde noch am frühen Bormittag verlassen. Trotzdem drückte die Scknne schon ordentlich auf die Rucksäcke. Rach- kurzem Marsch auf oer Landstraße nahm herrlicher Laubwald die Wanderer wieder auf. Erreicht wurde gegen Mittag der 543 Mir. ü. d. M. gelegene Aussichtspunkt Burgberg, auch fränkischer Rigi genannt. Rach etwa einstünoiger Rast ging's dem Endziel der Wanderung, dem gewerbereichen Crailsheim, zu, von wo aus die Heimfahrt angetreten wurde. Alles in Allem: eine schöne Tour, von herrlichstem Wetter begünstigt, die Herz und Sinne der Wanderer belebt und gewaltige Eindrücke bei allen Teilnehmern hinterlassen hat. * Sinsheim, 14. Aug. (Motorradunfall.) Zu dem von Hoffen- heim gemeldeten Unfall wird uns mitgeteilt, daß derselbe dadurch verursacht wurde, daß der Handwagen auf der Mitte der Straße fuhr, nicht durch zu schnelles Fahren des Motorradfahrers. Beim Einlenken des Handwagens in die Fahrtrichtung stellte er sich auf den Stangen quer und sperrte den Weg. Der Porsall ist eine erneute Mahnung an alle Fahrzeuge, die Fahrtrichtung streng einzuhalten. * Sinsheim, 14. Aug. (Keine Steueramnestie.) Das Reichsfinanzministerium teilt mit: Durch die Tageszeitungen lief kürzlich die Nachricht, oaß auf Grund einer Amnestie des Reichsfinanzministers Geldstrafen, die bei Verstößen gegen die Steuergesetze ausgesprochen worden sind, in Höhe von vielen Millionen erlassen worden seien. Diese Nachricht ist unzutreffend. Eine Amnestie auf diesem Gebiet ist nicht ergangen, auch nicht beabsichtigt. Die in jener Nachricht wieoergegebenen Zahlen sind einer Nachweisung entnommen, die der Reichsfinanzminister erstmalig für 1927 dem Reichstag zugeleitet hat. nachdem dieser durch eine Entschließung vom 19. März 1928 jährliche Nachweisungen über Festsetzung,- Erlaß und Niederschlagung von Steuer- und ähnlichen Strafen verlangt hatte. Es handelt sich also lediglich um eine Zusammenstellung über im gewöhnlichen Geschäftsgang des Fahret 1927 getroffene Entscheidungen. Das Recht des Reichsfinanzministeriums zu solchen Entscheidungen beruht auf Paragraph 443 der Reichsabgabenordnung uno hat mit einer Amnestie nichts zu tun. cf Sinsheim, 14. Aug. (Erdet die Antennen!) Die Tatsache, daß eine Antenne an einem Hause in der Eisenbahnstraße in Offenbach nicht geerdet war, hatte zur Folge, daß bei einem der letzten Gewitter ein Blitz einschlug und erhebliche Beschädigungen anrichtete. * Sinsheim, 14. Aug. (Keine Unterbrechung der Waisenrente.) Der Reichsarbeitsminister hat an die Hauptversorgungsämter einen Erlaß gerichtet, der eine Unterbrechung in der Zahlung der Waisenrente vermieden wissen will. Wenn ein ver- sorgungsbcrechtigtes Kind Vollwaise wird, so entsteht für das Kind ein neuer Anspruch, der in einem besonderen Verfahren geregelt werden muß. Da bis zur Bestellung eines Vormundes immer eine gewisse Zeit verstreichen wird, die Zahlung der Gebührnisse aber weder sich verzögern noch unterbrochen werden soll, so ist es zweckmäßig, inzwischen einen Beamten der zuständigen Fürsorgestelle als besonderen Vertreter heranzuziehen. Der besondere Vertreter ist aber allerdings nicht so ohne weiteres berechtigt, Zahlungen in Empfang zu nehmen. Der Reichsarbeits- minister hat aber, wie er in seinem Erlaß ausführt, keine De- vnmen, während der Uebergangszeit bis zur Bestellung des gesetzlichen Bormundes Zahlungen für die Vollwaisen an die Fürsorgestelle usw. zuzulassen, wenn diese der Berforgungsbehörde gegenüber für die Perwendung der Rente im Fntereffe der Mündel ausdrücklich gewährleisten. * Sinsheim, 14. Aug. (Neue Dreimarkstücke.) Nach einer Be- kanntmachunq des Reichsministers oer Finanzen werden, wie der Berliner Börsen-Courier meldet, neue Reichssilbermünzen im Nennbeträge von drei Reichsmark im Mischungsverhältnis von 500 Teilen Silber und 500 Teilen Kupfer hergestellt. Auf der einen Seite sind u. a. die stehende Figur des Markgrafen Hermann, des Gründers der Stadt Naumburg an der Saale, die Jahreszahlen 1028 und 1928 sowie die Umschrift .Gründungsfeier Naumburg Saale" in Antiqua angebracht. Der Rand trägt die vertiefte Inschrift „Einigkeit und Recht und Freiheit". □ Sinsheim. 13. Aug. (Gefälschte Reisekreditbriefe.) Die Kreditschwindlerbande, die schon bei verschiedenen holländischen Banken mit großem Erfolge operiert hat. ist nun auch in Deutschland aufgetreten, und die Gauner machen anscheinend Versuche, Reisekreditbriefe anzubringen. Bisher haben sie aber bei den deutschen Banke« noch keinen Erfolg gehabt. Jedesmal, wenn eine genauere Prüfung des Kreditbriefes oder des vorgelegten Passes vorgenommen wird, verschwinden sie schleunigst aus den Geschäftsräumen. So in Nürnberg und Frankfurt a. M. Die Gauner müssen Verbindungen mit Taschen- und Hoteldieben haben, die Reisekreditbriefe von Ausländern stehlen und sie dann an die Kreditbriefschwindler weitergeben. * Neckarbischofs heim, 14. Aug. (Auszeichnung.) Dem Feuerwehrmann Heinrich Hub wurde am Samstag Abend in feierlicher Weise im Rathaussaale die Auszeichnung fiir 40 jährige Feuerwehrdienste überreicht. Ä Reihen, 14. Aug. tzGasthaus-Renovierung.) Das altbekannt« Gasthaus „zum Adler", Besitzer Theodor Barth, wurde einer gründlichen Renovierung von außen uno innen unterzogen. Was hier von den ortsansäßigen Fachhandwerkern geleistet wurde. Da Laaddote * Finsheimer 3eit»Rg. stellt ihnen das beste Zeugnis aus. Das ganze Anwesen ist ein Schmuckstück im Straßenbild des Orts. * Rappenau, 14. Aug. lBerschiedenes.) Dem Bericht über die Beerdigung Stöckers ist noch nachzutragen, daß namens der Gemeinde Rappenau Herr Bürgermeister Hosmann einen Kranz am Grabe niederlegte, wobei er dem Dank und der Anerkennung für die Verdienste des Verstorbenen um die Gemeinde warmen Ausdruck verlieh. — Am Samstag Abend fand im Rathaussaal dahier in feierlicher Weise ourch Herrn Regierungsrat Goll-Sins- heim, die Verleihung des Ehrenzeichens für 25 jährige treue, Dienstzeit bei der freiw. Feuerwehr statt. Bier-Wehrleute konnten mit dieser Auszeichnung bedacht werden: Es sind dies der zweite Kommandant Aug. Rothenhöfer, die Obleute Leopold Zimmermann und Jakob Schmalzhaf und der Hornist Friedrich Laible. — Am Samstag Mittag gerieten im Hofe des Saliners und Landwirts Gustav Hofmann in der Heinshetmerstraße. auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise, mehrere Strohballen in Brand. Das Feuer wurde alsbald nach seinem Entstehen entdeckt und konnte, ohne daß es größeren Schaden anzurichten vermochte, gelöscht werden. — Der hiesige Schützenverein hielt am Samstag eine Mitgliederversammlung ab, wozu auch der Gauleiter des Wollenbachgaues erschienen war. Es wurde beschlossen, das zweite Gauschiehen am 9. September aus dem hiesigen Schießstand abzuhalten. Schöne, und zahlreiche Preise werden wieder zur Verfügung stehen. P Aus dem Elfenztal, 13. Aug. (Stand der Felder.) Nach der langen Trockenperiode der letzten Wochen ist nun der sehn- lichst erwartete Witterungsumschlag eingetrrten. Mit kurzen Unterbrechungen geht am heutigen Tage nach einem nächtlichen Gewitter ein steter Regen auf die dürstende Landschaft nieder. Er wird besonoers den Kulturen von Nutzen sein, die noch der Aberntung warten. Die Kartoffel sind allerdings schon so stark im Abstehen begriffen, daß der Ernteertrag nicht mehr wesentlich beeinflußt wird. Dagegen werden besonders die Futterpflanzen, die am meisten unter der Hitze gelitten hatten, zu ihrer letzten Entwicklung ansetzen. Auch oer Tabak, der sich bisher gleichmäßig aber langsam entwickelt hat, wird durch die Niederschläge günstig beeinflußt. Infolge oer vorausgegangenen Trockenheit haben die Landwirte bereits mit dem Oehmdmachen begonnen, da sie fürchten mußten, daß der Ertrag täglich geringer wird. Die Ernte ist der Menge nach sehr mittelmäßig. Ein unerfreuliches Bild zeigt auch der Feldgemüsebau, für den der Regen schon fast zu spät kommt. Die zu erwartende Obsternte bietet schlechte Aussichten. Das Steinobst ist zum großen Teil heruntergefallen, während das wenige Kernobst stark unter den Schädlingen leidet. Die große Trockenheit hat die Entwicklung der Bäume sehr ungünstig beeinflußt, manche werden sogar vollständig dürr. Im allgemeinen werden die Späternten recht früh einsetzerx, was auch eine zeitige Herbstbestellung zur Folge haben wird. x Aus dem Amtsbezirk, 13. Aug. (Das Tabakrauchen { n allen Waldungen verboten.) Wegen der in der jetzigen Trockenperiode besonders großen Feuersgefahr sei auf das Verbot des Rauchens in den Waldungen und deren unmittelbarer Nähe hingewiesen. Schon fahrlässige Verursachung eines Waldbrandes wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. P Meckesheim, 13. Aug. (Erntefest.) Am gestrigen Sonntag war hier im Gasthaus zum Lamm und in der Brauerei Mall der übliche Erntetanz. Die Stimmung war gerade in diesem Jahre, wo der reiche Erntesegen nun unter das schützende Dach gebracht ist, besonders froh. Oeffentliche Verkaufsbuden und ein Karusell sorgten dafür, daß auch die Kinder zu ihrem Recht kamen. Aus den Nachbargemeinden waren viele Besucher anwesend. „ — Malsch bei Wiesloch, 13. Aug. (Ertrunken.) Am gestrigen Nachmittag 2 Uhr fuhren einige hiesige junge Burschen frohgemut nach Heidelberg ins Freibad. Dort angekommen nahmen dieselben eine Karte für die Schwimmabteilung, die sie schon öfters besucht hatten. Einer der Burschen, Ambros Heinzmann, kam während des Badens etwas unter Wasser und hatte bereits geschluckt. Dies sah der 18 Jahre alte Joseph Weick, sprang nach und brachte den Heinzmann hoch, ging aber selbst dabei unter, ohne daß es von den anderen gleich bemerkt wurde. Nach einigen Minuten wurde der Bademeister aufmerksam, sprang in die Tiefe, konnte aber den Weick cfft nach etwa sieben Minuten hoch bringen. Alle Versuche, den Bewußtlosen ins Leben zurückzurufen, waren erfolglos. = Mühlhausen, 14. Aug. (Des Kindes Engel oder ein gut abgelaufener Unfall.) Bor einigen Tagen stand der Kinderwagen eines hiesigen Landwirts, in welchem ein s/ 4 Jahr altes Kind gelegen hat unbewacht im Hof. Der Hof ist der Rückseite hin abschüssig und grenzt an den Angelbach. Unterhalb des Grundstückes ca. 80—100 Meter ist die Mühle. Das Kind hat anschcänend in dem Kinderwagen geschlafen als es aber aufwachte und sich bewegte setzte durch die Erschütterung der Kinderwagen sich in Bewegung und rollte in den gestautest ca. 2 Meter tiefen Angelbach. Da das Unterteil des Kinderwagens von Eisern und der daraufgeschraubte Korb wasserdicht mit Wachstuch ausgeschlagen war, so konnte das Gleichgewicht beissehaltqn werden und das Kind blieb vom Wasser unocrührt. Wie in einem ^Kahn segelte der Kinderwagen der Mühle zu. Da das Untexteil tief im Wasser war, so ging der Kinderwagen nicht über die Stellfalle (Wehr) und konnte so der Wagen mit dem Kind wohlbehalten aus dem Mühlkanal gezogen werden. — Mühlhausen, 14. Aug. (Autounfall.) Vor einigen Tagen fuhr ein hiesiges Mietsauto mit 6 Insassen in das berühmte Schwefelbad nach Mingolsheim. Die Insassen warm meistens Rheumatismusleidende Personen, welche durch ein erquickendes Bad Linderung ihrer Schmerzen suchten. Unterwegs lösten sich die Mhraubcn eines Rades und dasselbe sprang vom Wagen. Durch die Geistesgegenwart des Lenkers der durch sein sicheres und selbstbewußtes Fahren sich der allgemeinen Beliebtheit erfreut. war es zu verdanken, dgß ein großes Unglück verhütet wurde. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. ^ ^Schwetzingen, 14. Aug. (Schweres Autounglück.) Bei dem Uer,uche auf der schmalen Straße zwischen Speyer und Ketsch "" ^ ut0 * u überholen, fuhr am Samstag abend eine mit b Personen besetzte Opel-Limousine aus Pirmasens vor dem .rtseingang Ketsch in den Straßengraben und anschließend gegen einen Saum. Das Auto wunde beschädigt, die Insassen erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen. Am schlimmsten wurd« der Chauffeur verwundet,- «r mußte in das Schwetzinger^Kranken- haus uberführt werden. Das Auto wollte zur Heidelberger Schloßbeleuchtung. . “ Mosbachs 14 . Aug. (Der 16. Zucht- und Milchviehmarkt in Mosbach.) Der Verband der Unterbadischen Fleckviehzuchb- genossenschoften wird die gewohnte Zuchtvieh-Ausstellung mit tu f örr L® onnersio 9> den 13. September wiederum in Mosbach abhalten Der Markt dauert von vorm. 9 bis nachmittags 1 Uhr und wird mit einer großen Zahl des bekannten unterbadischen Fleckviehs — Farren, Kühe, Kalbinnen und Rinder — beschickt werden. Es werden nur Tiere die markiert, in Zuchtbüchern eingetragen und im Besitze von Genossenschaftsmitgliedern find zugela„en. ' , ... = ® w 5 i Die Entstehungsursache ist noch nicht geklärt, doch vermutet man Brandstiftung. Zwei Balrosen in der Kiele? Förde ertrunken Kiel, 14. Aug. Montag nacht kenterte in der Schwentine- mündung das mit 20 Matrosen besetzte Motorboot »Allee*, das Matrosen an Bord ihrer Schiffe bringen sollte. Obwohl das Boot nur zwölf Personen faßen konnte, waren gegen den Willen des Besitzers etwa zwanzig an Bord gestiegen. Einige hatten auf dem Kajütendeck Platz genommen. Das Boot kam dadurch zum Kentern und die Jnsaffen fielen ins Wasser, während der Heizergefreite Schuseil vom Linienschiff »Schleswig-Holstein* und der Friseur Rommer vom Linienschiff »Hessen* ertranken, konnten sich alle übrigen durch Schwimmen retten. Drei Tote bei einem Motorradunfall. ^ ' Dhligs, 14. August. Am Sonntag nachmittag ereignete sich ein schwerer Motorradunfall. Der Kaufmann Schulz aus Solingen geriet beim Ueberholc» in eine aus entgegengesetzter Richtung kommende Radfahrergruppe. Dabei stürzten der Kaufmann und seine auf dem Soziussitz mitsahrende 14 jährige Tochter sowie zwei Radfahrer. Alle vier Personen wurden schwer verletzt. Schulz und seine Tochter starben auf dem Wege zum Krankenhaus. Eine Radlerin nach mehreren Stunden. Antobnsunglück in der Turmstraße in Berlin. Berlin, 14. August. In den Montagmorgenstunden gegen Uhr fuhr ein Wagen der Linie 11 in der Turmstraße mit großer Geschwindigkeit gegen einen Baum. Der Wagcu wurde stark beschädigt und leider neun Personen dabei zum Teil schwer verletzt. Die Verletzten fanden im Krankenhaus Moabit Aufnahme Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Angeblich soll der Führer die Gewalt über das Steuer verloren haben. 1 Schwerer Motorradnnfall bei Penig jSachseuj. Penig» 14. August. Am Sonntag vormittag hat sich auf der Staatsstraße Penig—Leipzig an der Kreuzung der Straße von Waldenburg nach Rochlitz ein schwerer Zusammenstoß zweier Krafträder ereignet. Ein von Chemnitz kommender Elektromonteur fuhr mit seinem Kraftrade, auf deffen Soziussitz sich seine Frau befand, an der erwähnten Straßenkreuzung einem aus der Richtung Waldenburg kommenden i itt ebenfalls zwei Personen besetzten Kraftrade mit voller W cht in die Seite. Sämtliche vier Personen wurden auf die ? 'ße aeschleudert, wo ffe schwer verletzt liegen blie- oen. Lire . ni des Chemnitzer Elektromonteurs erlitt eine« Schädelbrua» und verstarb alsbald. Die drei Schwerverletzte« wurden dem Krankenhaus zugesührt. Braudkatastrophe bei Stratzburg Straßburg, 13. Aug. Sturm, Blitz und Unwetter haben in der vergangenen Nacht im Elsaß allenthalben schweren Schaven angerichtet. Ein Brand, der in der Ortschaft Dübbigsheim, nur wenige Kilometer unweit Straßburgs ausbrach, stellt sich als eine der schwersten Brandkatastrophen dar, die das Elsaß im letzten Jahrzehnt heimsuchten. Das Teuer entstand durch Blitzschlag: 13 stattliche Bauernhöfe fielen dem Brand zum Opfer. Scheunen und Schuppen waren oabei samt und sonders mit Ernte- vorräten von oben bis unten angefüllt. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Franken beziffert, denn es ist viel Bieh verbrannt. Auch in anderen Gegenden des Elsaß, hat der Blitz eine Anzahl Wohnhäuser cingeäschert. Die Vermehrung der lan-wrrtsehaftUthenVevöl^ruNA durch fcitüm&lurtg. tyty-iyrb Un. Preußen sind angeselzi worden Familienangehörige Selbständige Siedler U.uf einen Siedler entfallen demnach 3ns- gesami b(>7YL 000,o?o) ■ 5*365 154*7 (23..o%) 3,3 Feunilienang-eFioricye. Wer hat das Wäschestärken erfunden? Wenn jetzt in den heißen Sommertagen die Herrenwelt die Sitte verwünscht, steifgestärkte Kragen und Manschetten tragen zu müffen, so denkt wohl kaum jemand daran, daß man die Erfindung dieser Mode einer — Frau zu verdanken hat. Nach alten Urkunden ist das Verfahren, Wäschestücke mit in heißem Wasser aufgelöstem Mehl zu imprägnieren, um sic steif und glänzend zu machen, schon in der ersten Hälfte des 15 ^Jahrhunderts hin und wieder in England angewendet worden, aber erst zur Zeit der Königin Elisabeth, also in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam diese Mode allgemein in Aufnahme. Die Königin hatte der Frau ihres Loibkutschers, namens Guilham, einer Holländerin von Geburt, die Instandhaltung ihrer Leibwäsche, insbesondere der zahlreichen Rüschen, Krausen und Spitzenjabots übertragen, welche in jenen Tagen einen wichtigen Teil der vornehmen Kleidung bildeten. Die Holländerin erfand nun ein? Methode, durch welche die fraglichen Stücke mehrere Tage lang ihre Form behielten, anstatt wie bisher bereits nach wenigen Stunden schlapp, zerknittert und unansehnlich zu werden, was ein täglich wiederholtes Waschen und Bügeln notwendig machte. Dieses Verfahren, eben bas Stärken der Wäsche, fand bald Aufnahme in der ganzen vornehmen Welt Englands und wurde bald eine LiebltugS- beschäftigung der Damen des hohen Adels, so wie zu anderen Zeiten das Sticken. Malen oder Musiziere«. Das Klopfen, Ausdrücken, Ausspannen und Bügeln der gestärkten Spitzen, Krausen, Kragen, Manschetten und Röcke etc. wurde mir Feuereifer in den elegantesten Salons und mit Assistenz der vornehmsten Kavaliere betrieben, und die Erfinderin dieser Kunst kam zu hohen Ehren. Das Verfahren blieb auch wet- terhin in Gebrauch, nachdem es sich als Modesport überlebt hatte, ja, es wurde eine regelrechte -Akademie der Stärkekunst" in London errichtet und nach dem Tode der Frau Guilham eine Flamländerin, Frau Dinghen van der Piaffe, als »Professorin der Stärkekunde" an dieses Institut berufen. Aus Holland stammt übrigens auch die Sitte, die Wäsche zu blauen, welche von den vornehm. Engländerinnen ebenfalls mit Begeisterung ausgegrisfen wurde. Später faßte allerdings die alternde Königin Elasibeth eine heftige Abneigung gegen alle geblaute Wäsche und erließ ein Manifest, durch das es auch ihren Untertanen unter Androhung schwerer Strafen verboten wurde, geblaute Wäsche zu tragen. — Erst ganz allmählich ging das Verfahren, die Wäsche zu stärken, auch auf die Bekleidungsstück, der Herrenwelt über. Kuustvorstellnngen vor Gericht. In Paris wurde kürzlich ein griechischer Jongleur von einer jungen Dame auf Schadenersatz verklagt, weil er sie, wie sie behauptete, bei der Vorführung seiner Kunststücke mit einem fallenden Apfel verletzt habe. Entrüstet leugnete der Artist, und bevor noch jemand seine Absicht erraten konnte, hatte er eine Mütze mit Stahlspitzen aufgesetzt, auf denen er einen Apfel, den er hoch in die Luft warf, aüffing. Drei weitere Aepfel und eine Kartoffel folgten und führten nach dem Willen des Künstlers einen vielfach verschlungenen Reigen in der Luft auf. ohne daß auch nur die geringste Entgleisung vorgekommen wäre. Zum Schluß stieß der Artist einen kurzen Ruf aus, und augenblicklich wurde ihm aus dem Zuschauerraum von einem dort postierten Kollegen ein Apfel zugeworfen, der jedoch beinahe den Richter getroffen hätte, wenn nicht der Artist mit einem katzenartigen Satze vorgesprungen wäre und bas abirrenbe Geschoß rechtzeitig aufgefangen hätte. Durch diese Gratisvorstellung vor Gericht wollte der Jongleur beweisen, baß eine Verletzung des Publikums selbst bei einem Versagen eines seiner Tricks garnicht möglich sei. Da gleichzeitig ein als Sachverständiger vernommener Arzt bekundete, daß die fragliche Verletzung am Kopfe des jungen Mädchens nicht von einem Apfel herrühren konnte, so wurde die Klage abgewiesen. — Eine förmliche Vorstellung vor Gericht wurde auch jüngst in Prag veranstaltet. Diesmal war der Hauptakteur aber ein Hund. Ein Manufakturwarenhändler namens Wetnert wurde ebenfalls auf Schadenersatz verklagt. Der Kläger, ein Ingenieur, behauptete, daß der bösartige Hund des Kaufmanns ihn gebissen habe. Der Angeklagte bestritt jedoch, baß dieser Hund gerade der seine gewesen fei, denn er sei das friedlichste und zutrauliche Tier von der Welt. Zum Beweise deffen machte er den mitgebrachten angeblichen Miffetäter von der Leine los und bat die Anwesenden, das Tier zu ärgern und zu necken. Anstatt auf diese Hetzversuche zu reagieren, kroch Fido mit affenartiger Geschwindigkeit unter den Gerichtstisch und machte keinerlei Anstalten, seinen Peinigern in die Beine zu fahren. Wieder hervorgerufen und freundlich angeredet, ließ da? kluge Tier bann alle feine Künste spielen, lief auf zwei Beinen, apportierte, stellte sich auf Befehl tot und reichte zuletzt dem Richter mit treuherzig bittender Gebärde die Pfote. Unter schallendem Gelächter der Anwesenden wurde der Termin beendet und die Klage des Ingenieurs abgewiesen. Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Dereinsbank, r. <5. m. b. H Sinsheim vom 13. Haltige«: in 0/0 AbUsungSschuld mit Auslosungsschein • . 51 ohne «uSlosungsfchein . . 17,05 Bankaktie in •/» Bad. Bant . . . . 170 DarmvSdier- und Raiionalbanl 26»,60 Deutsche Banl . . 165.»« Deutsche BereinSbanl 102 Dresdner Bank . . 166,75 MMeldeutfche Srediibank < ReichSvank . 188 . 885,50 . 127,85 Rheni. Erediibank küdd. DiScouw Des. . . 136 Der»»«»«» - Whtiea in o/o t arpener Bergbau . . — alt Wefteregelu . . . — ManneSmannröhrenwerle. — ManSfelder Bergb.n.Hüileuw vberschl. «Isenb. Bedarf . . — hönil Bergbau u.Hütienbetrteb »Ws azwert tzeilbronn . . . ISS Brrleinigir Königs- Laurahütte — Aktie» i»d»«r. «»t»e»eh«»»»,»: tu o/o »llg. «lettr. etaaunattten. . 131,73 Bad. Slektrtzttat Mannheim . — Bad Maschinen Durlach . . 1 »S August 1928. Sementwerk Heidelberg . . 133,73 Daimler Motoren . . lii,7» Lisch. Bold- un Silberscheide. 70» «lektr. Licht und «rast . . 821 Emaill.und Sianzwerl Ullrich. li,3» arbenindustrie . . . 119,%% ritzner Maschinen Durlach . MO. Karlsruher Maschinen . . — «norr Heilbronn . .1*7 Mainlrastwerke Höchst . , 120 Neckarsulmer Fahrzeugwerle . 63,3a Schultert Sleltr. Nürnberg . 708,50 Seilindnftrie Wolfs ... 63 Südd. Zucker . . . U9 Zellstost Wlt/'dhos Stamattien . — Aktien deutscher DranuportuustuUeu/ in »/« Hamburg. Amerik. Paletfahri >63 Heidelberg. Siratzeu-u.Bergbahn 58,50 Norddeutscher Lloyd . .136 »euiseu: Veld PF\ 5 * 01. icfzf^V B JAaV Wurz« Owiefett würzt das Futter reizt die Frrßluft. Die Tiere freuen sich, wachsen schneller u. bleiben gesund. Mischung 8 nur für Schweine. Mischung V für alle anderen Tiere. '-wesest' - Probesäckchen 9 l/rPfund 3.50 ftei Nachnahme. Verlangen Sie Prospekt bei der i lü.ifrthrifc « 3itnf Vfl/ftnmtfl'sfimh (Badens. Die Zentralleitmig des Landesverbandes der Bad. Bezirksvereine hat bestimmt, daß der Entwurf der neu aufgestellten Satzungen zur Abstimmung im Landesverband gebracht werden soll. Absttmmungstermm wird auf: Donnerstag, den 23. August 1828» vorm. 11 Uhr in das Amtsgerichtsgebäude (Schöffensaai) bestimmt' Hierzu werden die Mitglieder^des Vereins ringelnde«. Sinsheim, den 7. August 1928. Bezirksverei« Sinsheim für Fugendschutz und Sefangenenfürsorge Für Kirchweihe: A«sr>rgr«chl i Ps.27 4 S ZAüschge» 1 „ 504 S ltflBtaen Vi „ 25 „ Kännchen „ „ 22 „ Zibeden „ „ 20 » Mandela „ „ 55 „ und sämtl. Backartikel K. Kühlbrey (Wilhelm Scheeder Rachf.) Telefon 332. Sroue Haare erhalten Naturfarbe und Fugendfrische oh«e zu färbe». Seit20 Jahren glänzend bewähtt. Kur 3.75 , Mk. (ohne Potto). B. Herbst, Nürnberg ! Kaulbachstraße 38. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unserer lieben Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Luise Gangnus geb. Grab sagen wir auf diesem Wege Herrn Pfarrer Nerbel für die trostreichen Worte am Grabe, sowie allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Gangnus Rohrbach b. 8., den 13. August 1923. Schriftleitung: H Becker: Druck und Verlag: ®. Beckersche Buchdruckerei tu Sinsheim.