Erscheint tLgttch att Ausnahme der Feieilag« Bezugs-Preis: T^orch diePost bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Kaus monatlich Goldmark 1.6V Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. ftn Füllen von höherer Gewalt Hestedt kein Anspruch auf Lieser- •ng der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit l/r8 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Jernsprech-Anschluß Nr. 465 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6863 Der Lan-bote Zinslieimer H Zeitung?sis General-Anzeiger für -as^^^^klsety-un- §ckwarzbaclüal Heltette und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. I)aupt-Hn^eigen-Blatt CaSdietitl. Beilagen r Ein Blick in cii« killelt » Oie Brunnenlrud« « Bus äem Reick, «ler Woche • R>tqtb«r tar Bans- g. r»«ckver«»ck»ke Anzeigen-Preife: Anzeigen: Die 33 mm breii» Millimecer-Zeile 6 Goldr>t>> Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg- Grundschrift im Anzeigen- und Textten ist Petit. 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Er beschwört Briand, der das Westlvcarno verwirklicht habe, jetzt ein Ostlocarno zu schaffen, ha Deutschland noch immer Pläne schmiede, sei es hinsichtlich des Ansttlusses Oesterreichs, der Beseitigung des Danziger Korridors oder Schlesiens. Es liege eine Gefahr darin, daß man Berlin zum Zentrum der Kräfte gemacht habe, die sich früher auf das österreichisch-ungarische Reich verteilten. Er befürchte, daß der Versailler Vertrag, der den Anschluß Oesterreichs an Deutschland verhindern sollte, wie ein Spinnennetz zerreißen könnte. Briand wendet ein, er habe vor einer Versammlung, auf der 82 Nationen vertreten waren, darauf hingewiesen, daß darin eine ernste Bedrohung für den Frieden liegen würde, und ei ne ungeheure Mehrheit der Versammlung habe seinen Worten zuge- stimmt. Francois Albert erklärt darauf, diese Bedrohung sei tatsächlich vorhanden, zumal in Deutschland nicht nur die Alldeutschen für den Anschluß seien, sondern sogar der deutsche Sozialismus, obwohl er eine große Friedenspartei sei, in dieser Frage geteilter Ansicht sei. Briand erklärt, er sei überzeugt, daß man deutscherseits die Rücksicht auf den Frieden über alle anderen.Erwägungen stellen werde. Francois Albert äußert dann die Befürchtung, daß viel- leicht die Politik des Vatikans den Anschluß Oesterreichs an Deutschland günstig beurteilen könnte, um einen katholischen Block in Mitteleuropa zu schaffen. Briand wendet ein: Wie würde der Heilige Stuhl gleichmäßig das Perschwinden eines Landes wie Oesterreich mit ansehev können, das vom katholischen Standpunkt gesehen eine unvergleichliche mystische Kraft darstellt? ! , , Francois Albert erklärt, die Politik des Heiligen Stuhles könne zwar widerspruchsvoll erscheinen, aber sie könne sehr wohl in einem doppelten Spiel bestehen. Nicht nur die katholischen Zeitungen in Deutschland sprächen sich günstig für den Anschluß aus, sondern auch die Protestanten. Albert appelliert an die französischen Sozialisten, sie möchten die deutschen Sozialisten dazu bringen, auf den Anschlußgedanken zu verzichten. Briand erklärt: Wenn es auch berechtigt sei, wie man das ja getan habe, vom Selbstbestimmungsrecht der Völker zu sprechen, so habe man niemals das Selbsttötungsrccht der Völker ins Auge gefaßt. Wen« i n einem Lande nenn Zehntel der Broölkerunz es auf die Selbsttötung abgesehen habe und als Nation verschwinden wolle und wenn nur ein Zehntel der Bevölkerung diesen Gedanken ablehne und an den Traditionen festhalten wolle, dann habe man nicht das Recht, dieses eine Zehntel zu zwingen, den anderen zu folgen und das Selbstbestimmungsrecht könne nicht diesem Lebenswillen entgegentreten. Briand appellierte schließlich an das europäische Gewissen des österreichischen Bolkes, damit es nicht unter Verkennung der gegenüber den zivilisierten Nationen übernommenen Verpflichtungen den Weltfrieden störe. Francois Albert fordert zum Schluß Briand auf, alle diplomatischen Waffen zu benutzen, um den Anschluß zu verhiadern. Erstaunen in Berlin über Chamberlains Rede Berlin, 5. Dezember. Obwohl der authentische Text der Rede Chamberlains vom Montag tn Berlin noch nicht vorliegt, wird in politischen Kreisen schon jetzt daraus hinge- wicscn, baß es höchstes Erstaunen erregen müffe, wenn Chamberlain im letzten Augenblick eine solche Erklärung abgcbe. Bislang Ist es von englischer Seite immer vermieden worden, den Artikel 431 in einer bestimmten Weise ausznlegen. Das ist nunmehr durch Chamberlain geschehen, und zumr in einer so scharfen Fassung, wie man fie auch von Frankreich nicht gewohnt war. Man wiffe noch nicht, was Chamberlain veranlaßt habe, diese Erklärung abzugeben. Sollte die englische Regiernug meme«, hiermit eine« Druck in der Reparationsfrage ansüben zu könne», so würde das ei« vergebliches Bemühe« sei«. Die deutsche Regierung sei nicht geneigt, irgendwelche Zugeständnisse zu machen, um eine beschleunigte Räumung des Rhcinlandes herbeizuführen. Der Rede Chamberlains knuffe entgegengehalten werden, daß Deutschland alle seine Berpslichtungen aus dem Versailler Vertrag erfüllt habe. Tie Dawes-Regelung, auf die sich Chamberlain hauptsächlich beziehe, sei nicht nur ein Versprechen, sondern enthalte für die Alliierten ganz bestimmte Sicherungen. Man könne deshalb nur schwer verstehen, was Chamberlain mit seiner Rede eigentlich bezwecken wollte. In Artikel 431 des Versailler Vertrages heiße es, baß, wenn Deutschland vor Ablauf von 16 Jahren seine Verpflichtungen erfüllt habe, die Alliierten das Rheinland räumen würden. Daß Deutschland nicht in der Lage fei« würde, in- »erhalb von 18 Jahre« die gesamte« Reparations- zahlnngen z« leiste», habe jeder wirtschaftlich vernünftig denkende Mensch von vornherein eingesehe«. Wenn Artikel 431 des Versailler Vertrages also irgend einen Sinn haben solle, so müffe er heute in der Weise aus- gelegt werden, daß die Räumung der Rheinlande nunmehr stattfinden müffe. Im zweiten Bande der Erinnerungen Wilsons spreche der Sekretär Wilsons, Barker, davon, daß Lloyd George und Wilson fich von Anfang an den Bestrebungen entgegengesetzt hätten, daß das Rheinland 15 Jahre besetzt werden sollte. Sie hätten erst nachgegeben, als sich Frankreich mit der Auslegung des Artikels 431 in dem oben beschriebenen Sinne einverstanden erklärt hatte. In diesem Sinne wirb in Berlin auf die vor einiger Zeit von dem englischen Schatzminister Churchill im Unterhaus abgegebene Erklärung verwiesen. Alles in allem genommen, könnten Chamberlains Erklärungen nur so ausgelegt werden, daß Chamberlain der Auffassung sei, baß die Rheinlandsrage und das Reparationsproblem aufs engste miteinander verknüpft seien. Die Meldung des »TempS", daß die deutsche Regierung mit einer Ernennung der Sachverständigen durch die Repko einverstanden sei, wird von zuständiger Berliner Seite als falsch bezeichnet. Die Verhandlungen tn dieser Frage dauern zurzeit noch an. Chamberlain im sranzöWen Fahrwasser Lsndo«, 5. D«z. Die Erklärungen Chamberlains im Unterhaus, daß Deutschland aus dem Artikel 43i des Versailler Beitrages keinen rechtliche« Anspruch auf eine vor- tzttttge Räumung de» Rheinlandes herleiten könne, da es seinen ReparationSvcrpflichtungeu noch nicht vollständig »achgekommen fei, werden von -em diplomatischen Mtt- arteiter des »Daily Telegraph" der Erklärung Churchills »vm vorigen Monat segenübergestellt. Der Schatzkanzler habe damals ausdrücklich die Snffaffnng avgelehnt, daß die Rein» mnngsfrage mit der Reparationsfrage irgendwie znsammenhänge. Die Anffaffnng des Anßenministers werde von de« französische« Juristen einmütig unterstützt, während die Ansicht der britische« Jnrifte« geteilt sei. Die große Mehrheit der Letzteren scheine jedoch die Ansicht des Schatzkanzlers zu teilen. Die These Churchills werde überdies unterstützt durch das vielerörterte Schriftstück, das während der Friedenskonferenz im Jahre 1819 von Lloyd George, Wilson und Clen.enceau unterzeichnet wurde, ferner auch durch die von dem obersten alliierten Rat zur gleichen Zeit an die deutsche Abordnung gerichtete Note. Allerdings bleibe die Tatsache bestehen, daß, solange die Ansichten der Alliierten über die Rechtslage auseinandergingen, Fortschritte nicht erzielt werden könnten, da für die Durchführung des Art. 43i Einstimmigkeit notwendig sei. Chamberlain sei daher klug gewesen, als er eine Regelung auf praktischer Grundlage befürwortete, da auf diesem Wege eine schnellere Entscheidung zu erzielen sei. als auf rechtlicher Grundlage. Bei der nächsten Zusammenkunft Chamberlains, Briands und Stresemanns werde die Angelegenheit zweifellos erörtert werden. Die »Daily Expreß" weist in einem Leitartikel daraus hin, daß s« der ganze« Frage kein Fortschritt erzielt werde» könne, solange fich Sir Anste« Chamberlain mit solche« juristischen Haarspaltereien befasse. Wenn Chamberlain mit der Darlegung solcher juristischen Spitzfindigkeiten aufhöre und die britischen Truppen vom Rhein zurückrufe, dann werde er der europäischen Annäherung einen großen Dienst geleistet habe». Das Programm der bevorstehenden Ratstagung in Lugano Paris. 4. Dez. In französischen diplomatischen Kreisen glaubt man, daß neben den Privatbesprcchnngen zwischen Briand, Chamberlain und Streseman« auch die politischen Unterhaltungen in größerem Kreise stattfinden dürften, an denen die fünf Großmächte, Deutschland. England, Frankreich, Italien und Japan, teilnehmen werden. Ter wichtigste Gegenstand der Kuliffenverhandlungen werde aber die Besprechung über eine vorzeitige Rheinlandränmnng und die Einsetzung der Feststellnngs- «nd Bersöhnnngskommls- fione» sein. Tie französische Regierung soll die Äbncht haben, die Lebensdauer der Kommission nicht begrenzen zu Affen. An den Beratungen von Lugano in der Rheinlandfrage wird die belgische Regierung nicht teilnehmen, da fie im Völkerbundsrat nicht vertreten ist. Umso verständlicher ist es, daß der belgische Botschafter in Paris während seiner Montagsunterredung mit Außenminister Briand seine Auffassung über die vorzeitige Räumung des Rhcinlandes ausgesprochen hat, wobei ctz auch' der Erwähnung bedarf, daß Belgien und Frankreich die Rheinlandfrage vom gleichen Gesichtspunkt betrachten. Ein Regentfchastsrat in London. Lonoo«, 4 . Dez. Der König hat eine ruhigere Nacht verbracht. Besuche der Aerzte während der Nacht waren nicht erforderlich. weil einer der Leibärzte jetzt dauernd ins Schloß überge- siedrlt ist. um bei bedrohlicher Zuspitzung derHerzschwäche sofott eingreifen zu können. Der heutige Krankheitsbericht stellt fest, daß zwar die leichte Besserung, die gestern abend festgestellt wurde, »vorläufig angehalten habe", daß aber der Zustand des Herzens weiterhin Besorgnis errege. Heute nachmittag um 4 Uhr wurde ein Krankheitsbericht ausgegeben, wonach die Temperatur des Königs trotz seines ruhigen Bormittags im Steige» degriffru sei. Das Allgemeinbefinden sei gegen heute vormittag unoer- ändett. Die medizinischen Mitarbeiter der Blätter setzen heute worden. Der Daily Telegraph meldet, daß die englische Regierung me Ernennung einer Kommission in Erwägung ziehe, die während der Krankheit des Königs die Regierungsgeschäfte wahrmmmt, da der König nicht in der Lage sei, wichtige Staatspapierc zu unterzeichnen. Bereits vor einigen Fahren wurde während einer ernstlichen Erkrankung des Königs und seiner nachfolgenden Reise nach dem Mittelmeer fine derartige Kommission, bestehend aus Prinz Henri, dem Premierminister, dem Lord-Kanzler und dem Erzbischof von Canterbury, ernayni. > ^ Die Einsetzung dieses Regentschaftsrntes erfolgt, wie die Frühausgaben der Abendblätter melden, weil der König nicht mehr fähig ist, auch nur noch eine einzige Unterschrift zu erteile«. Diese Angabe läßt darauf schließen, daß die Herzschwäche zur Zeit einen äußerst gefährlichen Grad erreicht haben muh. Fm Unterhaus teilte Baldwin mit, daß heute vormittag am Bett des Königs eine Sitzung des Staatsrates stattgefunden hätte, in welcher als Vertreter des Königs die Königin, der Prinz von Wales, der Herzog von Park, der Erzbischof von Canterbury. der Lordkanzler und der Premierminister als Regentschaftsrat mit der Stellvertretung des Königs beauftragt worden seien. Ei« Betrug an den kleinen Sparern? Zweiselhastr Finanzgesellschaften ln Frankreich. Paris, 3. Dez. Das französisch« Gericht beschäftigt sich seit einigen Tagen mit der Angelegenheit einer französischen Wochenschrift »La Gazette du Franc", der Beilage der „Gazette des Natrons", die sich ernstlich um eine Wiederaussöhnung in Europa bemüht. Diese „Gazette du Franc" wird geleitet von Frau Martha Hanau, die neben der Wochenschrift fünf Finanzgesellschaften gegründet hat mit einem Kapital von rund zehn Millionen Franken. Diese Gesellschaften wenden sich an die kleinen Sparer und stellen ihnen für Einlage» 8 Prozent und die Möglichkeit eines Gewinnes bis zu 40 Prozent in Aussicht. Einige Blätter haben auf dieses seltsame Versprechen hingewiesen, und die Folge war, daß das Gericht eine inoffizielle Untersuchung über das Ge- schäftsgebahren der genannten Gesellschaften einleitete. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen und man muß sich deshalb des Urteils enthalten. Die Tatsache, daß sich seit gestern die ganze Presse mit der Angelegenheit beschäftigt, zwingt jedoch von ihr Kenntnis zu nehmen. Auf den ersten Blick, so schreibt Blum im „Populaire", habe die Angelegenheit eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Fall Röchelte, doch > sei es wohl möglich, daß die Regierung und die öffentliche Meinung durch die Großbanken alarmiert wurden, die sich darüber beunruhigen, daß ihre Agenten im Lande auf die starke Konkurrenz der Unternehmen Hanau gestoßen sind. Bis jetzt ist noch nicht bekannt geworden, daß irgendwelchen Leuten, die Geld gaben und die Rückzahlung ihrer Einlagen fordetten, dies verweigert wurde. Man darf gespannt sein, wie sich die Angelegenheit, die großen Staub aufgewirbelt hat, weiter entwickelt. pastive Resistenz der österreichischen Postbeamten Die Auswirkungen des passive» Widerstandes -ei der österreichische» Post. Wie», 4. Dez. (Funkspruch.) Bundeskanzler Dr. Seipel empfing nach seiner Rückkehr aus Innsbruck den General- pvstdircktor, um mit ihm die durch den passiven Widerstand geschaffene Lage zu besprechen. Nach dieser Aussprache empfing der Generalpostöirektor die Vertreter der Post- und Telegraphen-Gewerkschaften. Die Besprechung, die iänaere Zeit dauerte, brachte keinerlei Aenderung der Lage. Ji- Kreisen der Postangestellten ist das Gerücht verbreitet, daß die Regierung die Anwendung von Tisziplinarmaßnahmei' zum Zwecke der Bekämpfung des passiven Widerstandes plant. Die Personalvertreter erklären, daß die Anwendung solcher Mittel nur zu einer Verschärfung des Streites führen würde. Im übrigen ist die Stimmung unter den Postangestellten zuversichtlich. Man erwartet von den Verhandlungen der parlamentarischen Parteien einen Fortschritt. Bis in die Abendstunde« hinein hatte« sich ans dem Wiener Hauptpostamt Rückstände von rund 706 060 Postsendungen als Folge des passive« Widerstandes angesammelt. Die Sonntag-Rede des Bundeskanzlers in Innsbruck wird von den Postangestellten mit Befremden ausgenommen, hauptsächlich deshalb, weil der Bundeskanzler den Angestellten Dinge »achsagte, die ste nicht beabsichtigen. Ter Bunöes- Vyrd auf dem Wege zum Südpol Rewyork. 8. Dez. Der Dampfer »Eleanor Bölling" hat mit Commander Byrd und fünfzig weiteren Personen an Bord, sowie einem kleineren Schiff im Schlepptau den Hafen von Wellington tn Neuseeland verlasse». Commander Byrd beabsichtigt, zunächst an der Grenze des antarktischen Eises eine Operationsbafis einzurichten. Zn wenigen Worten In allen Industriestädten des Ruhrgebietes sind die Arbeitnehmer durch Anschläge und persönliche Benachrichtigung zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert worden. * Der Auslegung des Artikels 431 des Versailler Vertrages am Montag durch den englischen Außenminister Chamber- lain hat in Berliner politischen Kreisen größtes Erstaunen hervorgerufen. * Die Ausstellung für Berkehrswerbung der Deutschen Reichsbahngesellschaft im Auslande wurde Dienstagvormittag durch Generaldirektor Dr. Dorpmüller eröffnet. * Die Lage der Wartestandsbeamten wurde Dienstag vor dem Haushaltsausschuß des Reichstages verhandelt. Nr. 285. Jahrgang 1928. D«r Lauddote v- Stnstzet»« Setv»,. Mittwoch, den 5. Dezember 1928. Sas Zahl der Aatllk-Katastrophen 300 Tote bei dem chilenische« Erdbebennnglück. London, 4. Dez. (Funkspruch.s Nach den letzten Meldungen beträgt die Zahl der bei dem chilenischen Erdbeben ums Lebe» gekommenen Personen über 200. Einzelne Gerüchte sprechen von 280 . Die Zahl der Verletzten wird auf mindestens 800 beziffert. Einige Städte find faktisch von der Erdoberfläche «er- schmunden. Uebcrall halten besondere Truppenabteilungen die Ordnung aufrecht, doch ist es bisher nirgends zu irgendwelchen Ruhestörungen gekommen, da die Androhung der Todes- ^ strafe im Falle von Plünderungen von der Bevölkerung ! respektiert wird. Ein Augezeuge aus Talca, der vom Erdbeben am schwersten betroffenen Stadt, berichtete nach seiner Ankunft in Santiago, daß es den Anschein hatte, ... als werde die ganze Stadt i« die Höhe gehoben. Darauf seien sofort die Erdstöße entstanden, die ganze Hauser begruben, so daß alle Bewohner, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, lebendig begraben oder durch einstürzende Gebäude getötet wurden. Das Beben war von fürchterlichem unterirdischen Donnern begleitet. Ein notdürftig hergerichteter Verbandsplatz für die erste Behandlung der Verwundeten wurde zerstört und die meisten der Insassen getötet. Die vorläufige Endziffer des Erdbebeuunqlücks in Chile belauft sich aus 308 Tote und 500 Berwundete. Die Städte Constitution und Talca find vollkommen, andere Ortschaften teilweise zerstört. Der Sachschaden beläuft fich aus 100 Millionen Dollar. Die Ueberschwemmunge« i« Astrachan. Kowno, 8. Dez. Wie aus Moskau gemeldet wird, hält das Hochwasser in Astrachan weiter an. Die halbe Stadt Kakarat ist überschwemmt. Die Bevölkerung mußte von Truppen gerettet werben. 600 Häuser stehen unter Wasser. Auch Menschenopfer sind zu beklagen. Die Regierung hat eine besondere Kommission für die Hilfeleistung verlangt und eine Million Rubel verteilt. A Fortsetzung der Aussprache über die Not der Landwirtschast. 28. Sitzung. Berlin, 4 Dezember 1928. In der Dienstagssitzung, die um 13 Uhr eröffnet wurde, gab es zunächst eine lebhafte Geschäftsordnungsdebatte. Es handelte sich um die Verteilung der Ausschußsitze. Bisher wurde einmal im Jahre nach Zusammentritt des Reichstages im Herbst eine Verteilung der Ausschußsitze vorgenommen. Diesmal ergaben sich Schwierigkeiten, da die zahlreichen Splittergruppen sich erst zögernd entschlossen» Anschluß zu suchen. Infolgedessen mußten mehrfach Aen- derungen in der Ausschußbesetzung vorgenommen werden. Es wurde schließlich beschlossen, daß nur einmal im Jahre im Herbst eine Verteilung der Ausschußsitze vorgenommen »erden soll. Das Haus setzte dann die Aussprache über bie Notlage der Landwirtschaft fort. Die Zahl der Anträge ist inzwischen auf 180 angewachsen. Abg. Freybe (Wirtschaftspt.s forderte die völlige Aufhebung der Einfuhr von zollfreiem Gefrierfleisch. Die Not der Landwirtschaft sei eine Folge der verkehrten Wirtschaftspolitik. Die Zollerhöhung für Zucker sei zu begrüßen, aber sie dürfe ntchl zu einer Liebesgabe für die Grosindnstrie werden. Abg. Tautze« (Dem.) ist der Meinung, daß der deutschen Landwirtschaft nur geholfen werden könne» wenn sich die Landwirte selbst verständigen und über die Parteien hinweg die Landwirtschaftspolitik nach rein sachlichen Gesichtspunkten treiben. Andererseits mutz die Landwirtschaft einsehen, daß sie nur in Verbindung mit allen anderen Wtrtschafts- gruppen vorwärts kommen kann. Die Grundläge« der Landwirtschaft sind noch gesund, aber die Gefahr für ihre Existenz war noch «jemals so groß wie jetzt. Mit Zöllen allein sei der Landwirtschaft nicht zu helfen. Solange aber an den europäischen Grenzen, die zum Unheil Europas um 13 000 Kilometer verlängert worden sind, noch Zölle bestehen, könne Deutschland nicht eine Oase der Zollfreiheit bilden. Der Redner wendet sich gegen jede Zwangs. Wirtschaft, auch gegen den Plan eines Getreidemonopols. Die Standardisierung müsse regional dnrchgcführt werden. Allzu pessimistisch sei die landwirtschaftliche Verschuldung Oer Kuß glitt humoristische Schuberi-Novelle Bon Matthäus ^erster _ Mit Essen, Spiel, Musik und Tanz verging der Tag ist allzu schnell, und als es gegen Abend süßen Wein und ckere Brötchen gab, stieg die Ausgelassenheit auf den ipfel. Und da geschah es, daß Anna Fröhlich plötzlich Huberts gedachte. „Jessas,- rief sie in komischem Entsetzen, „da habe ich :n Schubert herbestellt, damit er sich den Chor anhöre, nd nun ist alles verschwitzt. Hat der arme Kerl vielleicht tunden umsonst gewartet!" „Warten?" rief Pepi. ,^Der Schubert-Franzl «nd war- n? Da kennt ihr ihn schlecht. Er wird wohl irgendwo is neue gute Bier versucht haben." Das leuchtete allen ein, und fast hätte man ihn wieder rrgessen. Da sagte Anna, die das Gewissen wohl zwackte, ielleicht auch schon ein Gläschen mehr getrunken hatte, ls einer sittsamen Jungfrau anstehen mochte: „Schön ist in Ständchen, Eosmar. Nicht wahr? Man muß den chubert gernhaben, ob man will oder nicht. Und wenn h könnt', möcht' ich ihm jetzt was recht Liebes tun." „So geben's ihm, wenn Sie ihn sehen, den Kuß, den ie"ihm geben wollten, als er am Klavier stand," spottete ichwind. . _ _ , Set net frech. Cherubin," entgegnete Anna. ,I8arum .ll's gerade ich sein? Gibt es nicht Hübschere, von denen ,m ein Kuß mehr Spatz machen würde als von mir altem ratschen." ^ . , Wißt ihr was?" rief Schwind und stand auf. als wolle c eine Rede halten. „Wir wollen eine Lotterie veraastal- :n und Schubert verlosen. Wer gewinnt, darf ihm etnen ;uß geben!" Mit Lachen, Kichern und einiger Verlegenheit wurde er Vorschlag angenommen; Schwind'entwickelte nun seien Plan. Es sollten so viele Lose gemacht werden, als lkädchen da seien, alle weiß bis auf eines, das ein rotes >erz trage. Wer das ziehe, müsse dem Komponisten einen iutz geben. „Aber," fuhr er fort. „Schubert darf von der Lotterir nicht anzusehen. Die deutsche Landwirtschaft kann die Zinsen tragen, wenn der Staat ihr entgegenkommt. Abg. Dr. Horlacher (BVP.) weist aus die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft hin, die sich in einer Massenerzeugung äußere, die allein an Vieh, Fleisch und Speck über neun Milliarden Mark jährlich beträgt. Abg. Schmidt-Cöpenick (Soz.) warnte vor einer Uebcr- treibung der landwirtschaftlichen Not. Durch die Bnchfüh- rungsergebnisse ist nachgewiesen worden, daß die Fideikommisse sehr gut wirtschaften. Man glaubt in der Allgemeinheit nicht mehr an die Rechnungen, nach denen die Gutsbesitzer Jahr für Jahr zuschietzen müssen. Durch die Bauerndemonstrativnen dürfe man sich nicht verblüffen lassen. Wenn es zü toll werde, dann werde die Arbeiterschaft sich einmal überlegen, was dagegen zu tun sei. Die Sozialdemokratie lehnt eine Echkhung der Getreidezölle ad, ist aber für einen höheren Zuckerzoll zu haben, wenn dadurch der Zucker für den Verbraucher nicht verteuert wird. Zur Stabilisierung der Preise forderte der Redner ein Getreide- moropol. Reichsernährungsminister Dietrich beantwortete darauf zunächst die Interpellation zugunsten des Weinbaues. Er wies darauf hin. daß die Finanzämter von sich aus nach Eingehen der ersten Nachrichten über die Frostschäden bereits Stencrcrleichteruugen gewährt hätten. Wegen geringen Einkommens und Vermögens seien die Winzer von de« Reichsstenern großen Teils überhaupt befreit. Die Zinsen der Winzerkredite wurden zunächst bis zum 3t Dezember gestundet. Um für die Zukunft große Frostschäden nach Möglichkeit auszuschlietzen, sei im Einvernehmen mit den Ländern ein Ausschuß eingesetzt worden, dem die Bearbeitung aller die Frostabwehr betreffenden Fragen obliegt. Der Ausschuß schlägt bereits schon für das kommende Frühjahr in besonders bedrohten Weinbaugebieten großzügige Versuche znr Frostabwehr durch Beräucherung vor. Im ganzen gesehen, so erklärte der Minister, ist die Weinernte 1928 als recht befriedigend anzusehe«. Trotzdem sind die Schäden, die einzelne Gebiete infolge des Frostes erlitten haben, noch immer sehr beträchtlich. Der Minister stellte fest, daß er sich im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzminister aber angesichts der Finanzlage des Reiches nicht in der Lage sehe, für die betroffenen Gebiete neue Hilfsmaßnahmen zu treffen. Wegen der Rückzahlung der am 31. Dezember fälligen 38 Millionen Winzerkredite stehe er mit dem Reichsfinanzminister in Verhandlungen. Die bisherige Art der Unterstützung der Winzer kann schon allein aus finanziellen Gründen nicht mehr fortgesetzt werden. Sie entspricht auch nicht dem richtig verstandenen Interesse des Weinbaues. Der Weinba« muß sich aus eigene Füße stellen. Ich bin bereit, bie Wege zum Zusammenschluß der Winzer in Genossenschaften ebnen zu helfen und werde den Rest des Weinsteuerdrittels, der mir in Höhe von 800000 RM. noch zur Verfügung steht, zu diesem Zweck verwenden. Der Minister erfncht «m Ablehnnng des «irtschafts- parteilichen Antrages anf Abänderung der Gefrier- fleifchverteilnng. Er stimme mit dem sozialdemokratischen Redner damit überein, baß die Sebventio« anfhöre« müsse. Man könne aber kaum von Subventionen sprechen, wenn Kredite zu Zinssätzen gegeben werden, die bie Landwirtschaft erschwingen kann. Die verständigen Landwirte werden eingesehen haben, daß Demonstrationen zwecklos sind. Abg. Willike» (Nat.-Soz.) beginnt eine Rede unter großer Heiterkeit mit der Anrede: „Deutsche Volksgenossen". Als der Redner erklärte, ein Staat, der einen so hohen Zinsfuß dulde, sei ein Wucherstaat, erhält er einen Ordnungsruf. Die Kreditwürdigkeit der Landwirtschaft müsse wiederhergestellt werden. Abg. Neddenriep (Christ!. Nat. B.P.) bezweifelte den blichen Willen des Reichstags, dem deutschen Bauer zu lsen. Eine Vertagung der Äheinbrückenfrage Im Reichslag ist eine Zentrumsinterpellation eingegangen. in der es heißt: Beglaubigten Nachrichten zufolge hat die französisch-belgische Felbeisenbahnkommission deutsche Anträge auf de« Neubau von drei festen Rheiübrücken» die auch Bahnhofserweiterungen betreffen, dahin beschteden, daß die endgültige Antwort auf diese Frage vertagt werden müsse, bis die Gesamtprüfung der rheinischen Eisenbahnen durch die Botschafterkonferenz beendigt sei. Wir fragen an: Was gedenkt die Reichsregierung angesichts dieser Sachlage zu tun, um die hiermit gegebene unerträgliche Beeinträchtigung der im Interesse der Weltwirtschaft unbedingt notwendigen Entwicklung des Verkehrswesens am Rhein wirksam zu begegnen. Sie Ankurbelung der Aleiallindufirie Aordwest Essen, 8. Dezember. I« alle« Jndustriebezirken des uhrgebiets find die Arbeitnehmer dnrch Anschläge «nd per- önliche Benachrichtigung znr Wiederaufnahme der Arbeit m Dienstag vormittag ausgesordert worden, und zwar mit 'emselben Schichtbeginn wie vor der Anssperrnng. Die Friedrich Krupp AG. in Essen hat am Dienstag früh die Arbeit in den mechanischen Werkstätten ansgenommen, nachdem bereits am Montag in de« Keffelbetriebe« znr Ißstün- • digen Vorbereitung der Arbeit die Arbeitnehmer wieder eingestellt waren. I« Mülheim-Ruhr wurden ans der Friedrich Wilhelm- Hütte die Arbeiter in de» Maschinenabteilnnge» wieder eingestellt, so daß hier seit dem gestrige« Dienstag der Betrieb wieder in vollem Gange ist. Etwas länger dauert die Arbeitswiederansnahme in den Hochöfen. Bis Ende der Woche werde« aber anch hier alle Arbeiter wieder beschäftigt sein. Ebenso vollzieht sich die Einstellung der Arbeiter im Stahlwerkbetrieb der Abteilung Thyssen. Bei der Deutschen Maschinenfabrik istder größte Teil der Arbeiter bereits wieder tätig. Der Rest sängt am Mittwoch an. Ebenso ist bei den Siemens-Schnckert-Werke« der Betrieb seit Dienstag' früh wieder im Gange. Im Duisburger Bezirk hatte« die große« Werke bereits am Montag mit der Wiederaufnahme der Arbeit begonnen, nachdem im einzelne« Hochofenbetriebe« bereits in der Sonntagnacht Areiter eingestellt worden waren. Bei Krnpp- Rheinhansen waren am Montag 308 Man« wieder eingestellt. Am Dienstag werde« 600 Mann anfangen. Den Rest hofft man am Mittwoch beschäftige« z» könne«. Bei den Rheinischen Stahlwerke« in Meiderich wurden 10« Mann angenommen. Die Einstellung wird fortgesetzt. In den nächste» Tage« wird anch hier bie Gesamtbelegschaft wieder arbeite«. Die Aktiengesellschaft Vulkan hat ihre Kokerei wieder in Betrieb gebracht. Bei den Bereinigte« Stahlwerken in Ruhrort müsse« zunächst die Hochöfen wie, der bereitgestellt werden. Die Niederrheinische Hütte hat eine« Teil der Arbeiter bereits wieder anfange» lasse«. Die Kupferhütte wird bis Mittwoch genügend Arbeiter angesetzt haben, «m den Betrieb wieder laufe« z« lasse«. Die übrigen Maschinenfabriken haben am Dienstag mit der Ar, beit begonnen. Im Gelsenkirchener Bezirk arbeitete am Dienstag der größte Teil der Belegschaften wieder. So habe« bei de« Vereinigten Stahlwerke» (Schalter Vereins etwa 10 v. H. der Arbeiter bereits am Montag ihre Tätigkeit anfuehmeu können. Anf den Hochöfen der Bereinigten Stahlwerke, Abteilung Gelsenkirchen, arbeite» bereits über 2888 Man«. Bei den Vereinigte« Sesselwerke« „Crange" sowie bei Küp- persbusch «. Söhne rechnet man damit, daß am Freitag der gesamte Betrieb wieder läuft. Hier verzögert fich die Arbeitsaufnahme etwas wegen der notwendige« allmählichen Erwärmung der Oese«. Am DienStag früh wurden wieder eingestellt die Belegschaften der Mannesmann-Röhrenwerke «nd der Gnte« Hoffnnngshütte, Abteilnng Gelsenkirchen- Bner. In alle« diese« Betriebe» rechnet man mit der vollen Wiedereiustellnng der Belegschaften. In Bochum zeigt fich dasselbe Bild. Eine fast geschloffene Arbeitswiederansnahme erfolgte am Dienstag früh in d«r Weiterverarbeitenden Industrie, während die Hochöfen «nd Hüttenbetriebe erst i« de« nächsten Tagen wieder in Betrieb genommen werden. Bei dem Bochnme» Verein sind heute schon 2008 Mann bei der Arbeit. Das Walzwerk wird wahrscheinlich am Freitag in Betrieb gesetzt. ArveiiSlosenunterMling für die Aichleingestelliell Arbeitnehmer Essen, 8. Dez. In der Frage der Unterstützung für die Ausgesperrten in der Gruppe Norbwest bis zu der Zeit, in der die erste Lohnzahlung wieder einsetzt, hat die Reichsversicherungsanstalt folgende Entscheidung getroffen: Da naturgemäß die Aufhebung der Aussperrung durch den Arbeitgeberverband Nordwest zunächst nur die Wieder- einstellung eines Teils der Belegschaften bedeuten kann, ist es unausbleiblich, daß ein großer Teil der Ausgesperrte» 1 erst nach Ablauf einer gewissen Zeit die Arbeit wieder auf- nichts erfahren, sonst bringen ihn keine zehn Psetde mehr in eine Gesellschaft. Und dann zweitens darf keine der Losenden einer andern zeigen oder sagen, was sie gezogen hat. Darum müssen alle Zettel nach der Ziehung sofort verbrannt werden." Man erklärte fich einverstanden und schwor lachend, die beiden Hände erhoben, einen feierlichen Eid ewigen Stillschweigens. Rasch wurden nun die Lose geschnitten. Schwind zeichnete mit dem Stift auf eines der Lose ein großes Herz, und da ihn gute Laune trieb und die Mädchen noch eine Urne zum Ziehen suchten, Schuberts bebrillten Lockenkopf, der von einem Mädchen geküßt wird, in das Herz. Als er fertig war und aufblickte, kam der Baron mit der Komtesse Esterhazy gerade auf ihn zu. Verblüfft betrachtete der Maler die Zeichnung, die er eben vollendet hatte, und fand zu seinem Erstaunen, daß der Mädchenkopf die Züge der jungen Komtesse trug. Rasch faltete er das Blatt zusammen und steckte es in die Urne. Run begann die Ziehung. Schwind beobachtete die Gesichter. Neugier und Spannung wandelten fich in Enttäuschung, wohl auch Erleichterung. Die Komtesse nestelte an ihrem Mieder und suchte ihr Tuch. Dann warfen alle die Lose in ein rasch angezündetes Feuer. Schwind schien es, als habe die Komtesse rötere Wangen als zuvor. Aber sie schritt so sicher und beherzt zum Feuer, als wäre nichts geschehen. Und doch hätte er schwören mögen, ihr sei das Herz mit ihrem eigenen «nd Schuberts Bild in die Hand gefallen. Wer hatte nun das Los gezogen? — Man sah sich lachend an; jede hätte ein Fingerglied um das Geheimnis gegeben. Und merkwürdig! Run war es plötzlich, als erwachten alle aus einem Rausch. Der Scherz, der so lustig begonnen hatte, bekam eine Wendung ins Schicksalhafte, daß aller Uebermut verschwand. So war es gut, daß die Zeit zum Aufbruch kam. Man küßte fich noch einmal auf Mund und Wangen, nahm zärtlich Abschied und bestieg die Wagen. Erst draußen in der warmen Sommernacht erwachte wieder die volle Lustigkeit; singend «nd scherzend fuhr man nach Wien zurück. Dort ging das Leben den alten Gang. Aber der verloste Kuß ließ die kleine Mustkgesellschaft nicht zur Ruhe kommen. Die ungestillte Neugier, zu erfahren, wer das herzlos gezogen habe, war stärker als die Bindung durch das Versprechen, nichts auszuplaudern und nach der Ee- winnerin nicht zu forschen. Wo zwei oder drei Sängerinnen zusammenkamen, sprachen sie von der Landpartie, und jede versicherte, mit Recht, daß sie ein weißes Blatt geigen habe. Und da die eine das gleiche von dieser, die andere von jener wußte, und jede schwor, daß sie die Wahrheit sage, so konnten sie bald zusammenrechnen, daß alle bis auf eine weiße Lose gezogen hatten. Und diese eine wagte doch keine der Freundinnen z» fragen. War es möglich, daß... ? Ra, dann konnte Schubert lange auf den Kuß warten. Vielleicht aber hatte doch eine die Wahrheit nicht gesagt »nd das Herzlos nur verleugnet, um nicht verlacht zu werden. „Ich würde mich nicht selbst verraten," dachte jede im zeheimen. So gingen die Vermutungen hin und her, ohne »aß etwas herauskam. — ' [ Als Schubert bald darauf zu den Schwestern Fröhlich kam, wurde er von Pepi ausgezankt, weil er nicht mit nach Döbling gekommen war. , v „Ich hab's vergessen," entschuldigte er stch, , „Vergessen? Ein Musiker vergessen, daß ein Werk von ihm aufgeführt wird?" schalt sie. „Hören Sie, Schubert. Sie vergessen noch, in den Himmel zu kommen. Und was „Dann," sagte Schubert lächelnd, „würde ich dmr heiligen Petrus bitten, er möcht' mir doch auf emen Aug«^ blick die weiland Pepi Fröhlich und jetzigen Engel SanÄ Josepha ans Tor rufen." „Und wenn ich käme?" . ... „ . Dann würde ich selbigen Engel bitten, er soll um beil'iaen Schlüsselwächter ein Paar recht liebe Aeugerl» machen, daß er dem armen Musikanten das Himmelsu» ein bißchen aufschließe." . . • e * *' „Und wenn's im Himmel drm find? ‘ Ja wenn ich dann dri» bin. g,b ,ch zuerst dem lwoe» schönen'Engel Pepi.^will sagen Sankt Joseph«, zum Dank einen Kuß und..." - - — Rr. 285 - Jahrgang 1928 .__ nehmen kan«. Diese Arbeitnehmer werden, soweit sie min. bestens sieben Tage ausgesperrt waren, in die Arbeitslosen. Versicherung ausgenommen. Für die Arbeiter, die weniger als sieben Tage ausgesperrt waren, tritt die Aufnahme ,» die Arbeitslosenversicherung am 7. Tage ihrer Arbeitslosigkeit automatisch ein. Einzelne Werke, wie die Firma Krnpp-Effe», haben beschlossen, bis zur ersten Lohnzahlung den wiedereingestcllten Arbeitnehmern Erleichterungen zu schaffen durch Zahlung von Lohnvorschüssen, Stundung der Mieten für Werkwohnungen sowie Stundung sonstiger Abzüge. In allen Gemeinden des Aussperrungsgebietes sind durch die laufenden Unterstützungen Riesenbeträge verausgabt worden. So hat z. B. die Stadt Mülheim a. d. Ruhr mit 13 50V Unterstützten bisher 500000 Reichsmark zu zahlen. Zu diesem Betrag trete» beträchtliche Aufwendungen für Sachleistungen. • Die Steuerausfälle werden für diese Stadt aus etwa 40 000 Mark wöchentlich geschätzt. Die Stadt Duisburg hat im November au durchschnittlich über 20000 Unterstützte fast eine Million Mark ausgegeven. Bochum leistete infolge der Aussperrung etwa 400 000 Mark Barunterstützung. Sehr viel stärker wurden die ohnehin nicht günstigen Etats der Jndustrielandkreise durch die Unterstützungen belastet. Der Kreis Hattingen z. B. mußte wöchentlich allein 84 000 RM. auSzahlen. Der Prozeß der Phosgen-Geschadigien gegen den Hamburger Staat Hamburg, 5. Dez. Der Prozeß der bei der Phoögen-Kata- strophe Geschädigten gegen den Hamburger Staat begann »m Dienstagnachmittag. Rechtsanwalt Dr. Levy wies auf die Folgen des Explostonsunglücks am 20. Mai hin, das be- sonders deshalb so schrecklich gewesen sei, weil die Menschen zar nicht gewußt hätten, um was es sich handelte. Hamburg habe keine« Pseunig gehabt für die, die durch das Unglück geschädigt morde« seien, übgesehen von geringen Wohlfahrtsunterstützungen in einzelnen Füllen. Auch in Wilhelmsburg habe man sich auf »en Hamburger Standpunkt gestellt und seit dem 15. Juni !einerlei Unterstützungen gewährt. Rechtsanwalt Tr. Levy !am bann auf den rechtlichen Standpunkt zu sprechen, der »ach seiner Meinung durch den § 131 der Reichsverfaffuug «egeben sei. Danach habe der Staat die Entschädigungs- Pflicht für alle Versäumnisse und Unterlassungen seiner Beamten. In Reichsgerichtsentscheidungen werde ausdrücklich gesagt, daß auch das Versäumnis von Amtspflichten gegenüber Dritten — Einzelnen wie auch der Gesamtheit — dabei in Frage käme. Die Polizei habe ihre Pflicht besonders -adurch versäumt, daß man keine Ueberflutuugsanlageu und unterirdische Lageruug vorgeschlagen habe, wie sie doch bei jedem kleinen Beuzinqnantum vorgeschrieben sei. Die vorgeschriebene Druckprobe sei lediglich durch Tr. Stolzenberg selbst vorgenommen. Welche Ursachen zur Explosion geführt hätten, sei nicht festgestellt worden. Man könne aber annehmen, daß Ueberhitzung durch Sonnenstrahlen und mangelnde Expansionsfähigkeit des Gases die Ursache gewesen seien. Dann ergriff Rechtsanwalt Dr. Persen als Vertreter des beklagten hamburgtschen Staates das Wort. Er beschränkte sich auf allgemeine Bemerkungen. So führte er aus, daß der Staat nur für solche Verfehlungen und Unterlassungen seiner Beamten verantwortlich sei, die nach dem Staatshaf. tungsgesetz erfaßt werden könnten. .Das komme sür diesen Fall nicht in Betracht. Das Staatshaftungsgesetz schreibe ausdrücklich vor, welche Pflichten dem Staat gegenüber verletzt sein müssen, spreche aber nicht von Pflichten Dritten gegenüber. Eine Verurteilung des Staates könne nicht erfolgen. Um 3.30 Uhr verkündete der Vorsitzende den Gerichtsbeschluß, daß die Urteilsverkündung am 11. Dezember erfolgen werde. Wer will Beamter werden? Reue Richtlinien für die Beamtenlaufbahn. Am Dienstag hat im Reichsinnenmimsterium unter dem Vorsitz des Ministers Severing eine Besprechung mit den Beamtenspitzenorganisationen über die Laufbahn-Richtlinien stallgefunden. Diese Richtlinien sehen Bedingungen für den Eintritt in den Vorbereitungsdienst, die planmäßige Anstellung und die Beförderung der Beamten aller Laufbahnen vor. Dazu gehören Bestimmungen über die Schuloorbildung für jede Laufbahn; für den unteren und einfachen mittleren Dienst soll sie in der Volks- fchulbildung, für den gehobenen mittleren Dienst in der Unterprimareise einer neunstufigen höheren Lehranstalt, für den höheren Dienst im Abiturium nebst abgeschlossener Hochschulbildung be- stehen. Ferner ist festgelegt, ob eine Anstellungsprüfung stott- zufinden hat. Sodann werden die Bedingungen für den Aufstieg angegeben. Zu den Besörderungsprüfungen sollen die Beamten nur nach dem dienstlichen Bedürfnis «inberufen werden. Es kann sich also nicht jeder melden, sondern er muß warten, bis und ob ihn die Behörde dazu anruft. 2n der Sitzung sprach sich der freigewerkschastliche Allgemeine Deutsche Beamtcnbund gegen das Verlangen des Deutsche» Beamtenbundes, das Abiturium für den gehobenen mittleren Dienst zu fordern, aus, und plädierte für Obersekundareife. Beide Gewerkschaften verlangten ferner, daß zu den Beförderungsprüfunzen sich alle Beamte melden können. Rur dadurch könne dem Prinzip des Aufstiegs Geltung verschafft werden. Daneben müsse besonders tüchtigen Beamten das Aufrücken aus einer Laufbahn in die nächst höhere ohne Prüfung ermöglicht werden. Eine wichtige Forderung der Beamtenorganisationen zielt auf die Wiedereinführung der sogenannten Verzahnung ab. Nach Schluß der Aussprache macht Reichsminister Severing den Vorschlag, eine Kommission zu bilden, die sich aus Vertretern der Regierung und der Beamtenorganisationen zusammensetzen so«, um die voWetragenen Wünsche zu prüfen. Letzte Telegramme in Kürze. Sittlichkeitsskaudal fe Cottbus. <£o«6a§, 4. Dezember. Wie der .Märkische Landesdlenst" aus Cottbus meldet, wurde hier ein Sittlichkeitsskandal .chnmmster Art durch die Kriminalpolizei aufgedeckt. Die Untersuchung, die noch im Gange ist. hat bereits das Eingeständnis des eine» Beteiligten erbracht. Es handelt sich um einen Kolonialwarenhändler Kürse», der ein Geschäft in der Rübe der zweiten Gemetndeschule hatte. Wie erwiesen ist hat Kursen seit Jahren schon Schulmädchen durch Süßigkeiten ««gelockt und sich in schwerster Weise tu seiner Wohnung an vielen vergangen. Die Zahl der in Frage kommenden Mäd. chen steht noch nicht fest, ist aber allem Anschein «ach sehr groß. Eine besondere Rolle spielte dabei ein Schwesternpaar Erna und Else Lehmann, von denen die erster« bereits sieb- -ehu Jahre alt-ist und wahrscheinlich ihre 13 jährige Schwe- sier Kürsen zngeführt hat. Diese ihrerseits hat weitere Freundinnen mit Kürfcn bekanstaemackt. Kn Berbinduna C* gaaMttt * B ta Mt tt » flettwj, damit wird noch der Name eines Wollagenten Räbitzsch genannt. Tötung auf Verlangen. Osterfeld, 5. Dez. In der Nacht zum 30. November war am westlichen Ufer des Rhcin-Herne-Kanals der Lehrling G*oh aus Osterfeld erschossen aufgefunden worden. Die Oberhauscner Kriminalpolizei hat auf Grund der Aussagen des Lehrlings Ritter festgestellt, daß kein Selbstmord, wie man ursprünglich angenommen hatte, sondern Tötung auf Verlangen vorltcgt. Aus Furcht vor der Strafe hatten die beiden jungen Leute beschlossen, gemeinsam in den Tod zu gehen. Ritter brachte zunächst dem Groh den tödlichen Schuß bei. dann fehlte ihm aber der Mut zum Selbstmord. Der Lawinenniedergang am Arlberg. Die Strecke von neuem gesperrt. Buchs, 5. Dez. Eine in der Nacht auf Montag in Lange» am Arlberg niedergegangene Lawine hat den dortigen Güterschuppen weggefegt. Das Stationsgebäude liegt bis zum Dach in den Schneemaffe«. Der Streckenhof von Bludenz, der von der Lawine überrascht wurde, ist verletzt. Auch zwischen Dalaris und Dauösen ist eine große Lawine niedergegangen, die das Bahngeleise auf eine Strecke von 150 Metern überschüttete. Der Schnellzugsverkehr wird über München—Bregenz umgeleitet: der Lokalverkehr ist vollständig eingestellt, da ein Umstetgen unmöglich ist. Ein Zug, der seii 24 Stunden an der Station Wald am Arlberg steht, konnte noch nicht freigemacht weredn. Die Reisenden, die sich in dem gehetzten Zuge befinden, können sich von der nächsten Ortschaft aus verpflegen. Auch die Arlbergstraße ist wegen Lawinengefahr gesperrt. 17 Todesopfer beim Absturz des brasilianische« Flugbootes. London, 5. Dez. Wie aus Mo be Janeiro gemeldet wird, sind bet dem Flugzeugunglück 17 Personen ums Leben gekommen. Ein Augenzeuge berichtete, daß das Flugzeug tn- einer Höhe von etwa 100 Meter in Gefahr kam, mit einer anderen Maschine zusammenzustoßen. Der Führer riß das Steuer herum, wobei infolge der außerordentliche» Belastung ein Flügel des Flugzeuges abbrach. Der Absturz war unvermeidlich. Beim Aufschlagen auf Wasser ereignete sich dann die Explosion. Nur der Mechaniker konnte lebend geborgen werden, verstarb aber auf dem Transport ins Krankenhaus. Die Festlichkeiten zu Ehren des brasilianischen Luftpioniers Santos Dnmont. zu deren Teilnahme das verunglückte Flugzeug eine Anzahl führender Persönlichkeiten nach Rio bringen wollte, sind infolge des Unglücks auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Baden. Der neue Schlichter sür Südwestdentschlaud. Karlsruhe, 5. Dez. Nach einer Meldung aus Berlin scheiben die bisherigen Schlichter für Württemberg und Baden, Ministerialrat Schmucker im württembergischen Wirtschaftsministerium in Stuttgart und Landrat Stehle in Karlsruhe mit Ablauf des Jahres aus ihren Aemtern aus. Der bisherige Vorsitzende des Schlichtungsausschuffes Stuttgart, Dr. Kimmich» wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1920 zum Schlichter für den neuen Bezirk Südweftdeutsch. land mit dem Dienststtz in Karlsruhe bestellt. Die Streitfrage um de« Sitz bei der Reichsbahn. Karlsruhe, 5. Dezember. Die badische Regierung hat den Staatsgerichtshof um die Bestätigung ihres Anspruchs auf einen Sitz im Verwaltungsrat bei der Reichsbahw- gesellschaft angegangen. Darauf hat das Reich alsbald mit einem weitgreifenden Gegenantrag geantwortet, nachdem den süddeutschen Ländern das Recht auf Benennung von Mitgliedern zu der genannten Körperschaft abgesprochcn werden sollte. Daraufhin hat Baden beim Staatsgerichtshof den Erlaß einer einstweiligen Verfügung beantragt, die dahin lauten soll, daß dem Lande Baden auf alle Fälle ein Verwaltungsratssitz fretzuhalten sei, bis die Entscheidung im Rechtsstreit zwischen dem Reich und den vier süddeutschen Länder» vorliegt. Eine Krisennnlerftiitznng für die Textilarbeiter des Albtals. Ettlingen, 5. Dez. Der Präsident des Landesarbeitsamts genehmtgte für die Dauer von einem Vierteljahr eine Krtsennnterstützung für die verheirateten und ledigen Berufsangehörige des Spinnstoffgewerbes im Amtsbezirk Karlsruhe. Die Unterstützung läuft vom 26. November 1928 bis 25. Februar 1929. Ob eine weitere Verlängerung von einem Vierteljahr eintritt, hängt von den wirtschaftlichen Verhältnissen und der weiteren Entscheidung des Präsidenten des Arbeitsamtes ab. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 4. Dez. (Verbot wilder Weihnachtssammlungen.) Wie in früheren Fahren kommt auch jetzt wieder das Regierungsverbot fiir wilde Weihnachtssainmlungen in Betracht. Sonder- sammlungen von Bereinigungen aller Art zur Gewinnung von Mitteln für Wrihnachtsbescherungen werden deshalb nicht genehmigt, und jedes Nachsuchen darum ist zwecklos. Fn diesem Fahre soll der Erlös der gemeinsamen Sammlung ebenfalls wieder in erster Linie den Kriegerwaisen und Kindern oer bedürftigen Kriegsbeschädigten zugute kommen. x Sinsheim, 4. Dez. (Prämien bei der Reichsbahn zur Verhütung von Schäden!) Bon der deutschen Reichsbahngesellschast sind ab l. Oktober 1928 neue Richtlinien für die Gewährung von Prämien bei der Entdeckung oder Verhütung von Schäden an Bahnanlagen und Fahrzeugen und bei der Ermittlung und Anzeige von Diebstählen in Kraft getreten. Ordentliche Prämien erhalten Reichsbahnbedlenstet«, die an Betriebscinrichtungon usw. Schäden entdecken, oie die Sicherheit des Betriebs gefährden können, wenn besondere Aufmerksamkeit oorliegt und Schaden durch rechtzeitige Anzeige verhütet wird. — Außerordentliche Prämien bis zu 200 Mark können für jeden Beteiligten an Reichsbahnbedienstete oder Privatpersonen bewilligt werden für entschlossenes und zweckmäßiges Handeln in besonderen Fällen (Abwendung von Betrtebsgefahren, bei Brand, Hochwasser usw.) KP Sinsheim, 3. Dez. (Das neue Postbuch.) In der nächsten Zrst wird das im Reichspostministerium bearbeitete Postbuch herausgegeben werden. Es enthält nach dem Stand vom 1. November die fiir die Allgemeinheit wichtigen Bestimmungen über die Benützung der Einrichtungen der Deutschen Reichspost, die Versendungsvorschriften und die Gebühren für den In- und Auslandsverkehr. Für die Herausgabe des Postbuches (Preis 75 Pfg.) ist die Absicht bestimmend gewesen, dem Publikum «inen Wegweiser und Ratgeber sür die Benutzung der Post in bie^ Hand zu 4 eben und dadurch den Verkehr zwischen den Versendern und den Postdienststellen, insbesondere an den Postschaltern, zu erleichtern und zu beschleunigen. * Sivrchet«, 2. Dez. (Ausstellung ungedeckter Schecks.) Der badische Iustizminister weist in einem Erlaß auf die Mißbräuche durch Ausstellung ungedeckter Schecks hin und führt hierzu aus: Mitlwoäx den 5. Dezember 1928. -!-- r - r -^^ , - ■ ■ I II I W I „Klagen aus Kreisen des Bankgcwerbes und des Handels geben mir Anlaß, darauf hinzuweisen, daß im Interesse der Sicherheit des Scheckverkehrs gegen Scheckjchwindeleirn jeder Art mit Nachdruck cingefchritten werden muß. Die Vorschriften des geltenden Strafrechts über Betrug und Urkundenfälschung bieten hierzu eine genügende Handhabe. Bezüglich der Verübung von Betrug durch Hingabe deckungslojer Schecks, insbesondere wird auf das Urteil des Bayrischen Obersten Landesgerichtes vom 3. Februar 1925 (Leipz. Zeitschrift 1829, Spalte 487) verwiesen. Danach kann bei der Hingabe eines nur teilweise gedeckten Schecks als vollwertiges Zahlungsmittel Betrug auch dann vorliegen, wenn der Aussteller glaubte, daß bis zur Vorlage des Schecks zwecks Einlösung volle Deckung vorhanden sein werde. * Sinsheim, 30. Nov. (Raucher- und Nichtraucher-Abteile.) Die Reichsbahnverwaltung hat bekanntlich scharfe Bestimmungen für den Schutz der Nichtraucher erlassen, es aber unterlassen, ebensolche Bestimmungen sür den Raucher zu schaffen. Nach der neuen Tariferhöhung hat aber jeder Reisende Anspruch auf einen Sitzplatz. Nun sind aber die Raucherabteile meist überfüllt, dagegen dagegen die Nichtraucherabteile mäßig besetzt. Das kommt daher, daß die meisten Frauen wahllos in das nächstbeste Abteil einsteigen, ohne zu'sehen, ob es sich um Raucher- oder Nichtraucherabteil handelt. Nachher wird dann gehustet und geschimpft über den Tabaksrauch. Will die Reichsbahnverwaltung ihren Beamten Unannehmlichkeiten und Beschwerden von seilen der Raucher ersparen, so muß sie auch in dieser Hinsicht Bestimmungen treffen. % Waibstadt, 3. Dez. (Turnverein.) In einer kürzlich zu- sammcngerufenen Turnratssitzung wurde beschlossen, den Mitgliedern des hiesigen Turnvereins einen Bergnügungsabend zu veranstalten. Mit turnerischen Vorführungen und Tanz wird das Programm des Abends abgewickelt werden. 2+ Cteinsfurt, 4. Dez. (Den Reigen der diesjährigen Weih- nachtsvcranstaltungen) eröffnete der Fußballverein Phönix am Samstag abend im Gasthaus zum „Lamm". Im Anschluß an die Christbaumversteigerung hielt noch Tanzunterhaltung die Mitglieder und Gönner des Vereins in gemütlicher Weise beisammen. .Z Bad Rappenau, 4. Dez. (Vermißt) wird seit gestern abend um 5 Uhr die ledige Emilie Rothenhöfer, Tochter des hiesigen Gärtnermeisters Rothenhöfer. Schon seit längerer Feit zeigte das Mädchen Anzeichen von Schwermut und auch gestern wieder hatten ihre Angehörigen alle Mühe, das Mädchen zu beruhigen. Leider gelang es ihr doch, das Haus zu verlassen. In Bietigheim wurde sie, wie man hört, zuletzt gesehen, wo sie in einem Hotel übernachtete, doch hat man seither ihre Spur verloren. * Eppingen» 4. Dez. (Grabschändung.) In der Zeit vom 25. bis 27. November wurden auf dem israelitischen Friedhof vier Grabsteine umgeworfen. Für die Ermittlung der etwaigen Täter hat der Synagogenmt Eppingen eine Belohnung von 100 RM. ausgesetzt. Sachdienliche Mitteilungen sind an die Staats- anwaltschast oder die Gendarmerie Eppingen zu machen. * Eppingen, 4. Dez. (Frauenverein.) Der Frauenverein hielt gestern nachmittag im Saale des Gasthofes zur „Eisenbahn" seine diesjährige Generalversammlung, verbunden mit einem Nachmittagskaffee, ab. Den zahlreich erschienenen Mitgliedern war ein retchhaltiges Programm, bestehend aus musikalischen, theatralischen und deklamatorischen Vorträgen geboten. Auch in diesem Jahre war es dem Frauenverein vergönnt, zwei Dienstboten für 5- und mehrjährige Tätigkeit bei ein und derselben Herrschaft auszuzeichnen. Es sind dies Frl. Lisette Meng (im Dienste bei Herrn Jakob Gebhard) und Frl. Anna Hildenbrand (bei Frau Am(s- gerichtsrat Weeber). x Aus ocm Amtsbezirk, 4. Dez. (Was sagt chos Reichsgericht zum Kuh.) Der Kuß bedarf stets der Erlaubnis des Geküßten, denn er ist eine Einwirkung auf den Körper des anderen. Ohne besondere Erlaubnis darf man nur küssen, wenn man das stillschweigende Einverständnis der anderen gewiß ist, nämlich bet nahen Verwandten, Eltern und Kindern und Liebesleuten. Sträubt sich jemand ernsthaft gegen das Küssen (nicht nur zum Schein), so ist anzunehmen, daß er den Kuß als rechtswidrigen Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht und Verletzung seiner Ehre betrachtet. Nach einer reichsgerichtlichen Entscheidung macht sich der Küssende unter solchen Umständen tätlicher Beleidigung schuldig. P Meckesheim, 4. Dez. (Errichtung einer Hilfsstelle für Arbeitslosenfürsorge.) Das Arbeitsamt Heidelberg beabsichtigt die Errichtung einer Hilfsstelle für die Äbwicklung aller Geschäfte der Arbeitslosenfürsorge in hiesiger Gemeinde. Dieser Hilfsstelle (pllen alle Orte der Umgebung angeschlossen werden. Den Bürgermeisterämtern werden dadurch die bisherigen Geschäfte abgenommen. Als Lokal ist ein Raum des hiesigen Rathauses in Aussicht genommen. * Hüffenhardt, 4. Dez. (Die Postzustellung) hat hier ab 1. Dezember eine erfreuliche Besserung erfahren. Seither wurde nur einmal nachmittags zugestcllt. Ab 1. Dezember' wird jetzt wieder am Vor- und Nachmittag ausgetragen. Damit ist ein allgemeiner Wunsch der Einwohnerschaft in Erfüllung gegangen. V Mönchzett, 4. Dez. (Bortrag.) Auf Veranlassung des Kreises Heidelberg wird am kommenoen Freitag im Schulsaal hier durch den Fürsorgsarzt des Badischen Landesverbandes für Säuglings- und Kleinkinderfürsorge ein Lichtbildervortrag über allgemeine Fragen der Kindergesundheitspflege gehalten. Der Eintritt ist frei. — Aus dem Odenwald, 3. Dez. (Die Holzarbeiten) in den einzelnen Gemeinde- und Privatwaldungen wurden fast überall ausgenommen. Als Arbeitslohn wird 1,50 Mark bis 3.20 Mark pro Ster, Festmeter oder ein Biettel Wellen bezahlt. Damit hat die wochenlange Arbeitslosigkeit ihr Ende. Zahlreiche Gemeinden haben außerordentliche Holzhiebe genehmigt bekommen, da üi« Forstverwaltungen durch die neuzeitliche Waldbewirtschastungen das überständige Holz freigeben. Die Gemeinden, die große» Wald besitzen, erhalten hierdurch Geldmittel zu verschiedenen kommunalen Projekten und die Arbeiter haben den ganzen Winter Berdienstmöglichkeiten. Große Nachfrage herrscht nach Papier- Holz, das auch jedes Jahr reichlich geschlagen wird. Die großen Lberständigen Eichen werden dieses Jahr meistens geschlagen). Bei Neupslanzung des Waldes gehl man jetzt zum Mischwald über, well er viel rentabler ist als der reine Buchen- oder gar Eichenwald. Das Weihnachtsgeschäft hat auch bereits eingesetzt. Das Hauen der Christbäume wurde in fast allen Gemeinden bereits vergeben. Um Mitte Dezember werden dann die Christ- bäume waggonweise verladen und versandt. fler £r/ofg aller Ihrer Unternehmen hängt zum größten Teil von Ihrem Aeußeren ab. Wirklich guttitzende, elegante und dabei preitwerie Kleidung erhalten Sie bei unt, denn wir tind seit vielen Jahren bekannt dafür. Gebrüder JttatteS Mannheim P 4, 11—12 Die Quahtätskleidang für Herren und Knaben Rr. 285, Jahrgang 1928. Mittwoch, den 5. Dezember 1928.. Der Laadbote * Sinsheimer Zetümg. = Mosbach, 4. Dez. (Die erste Pelzfarm im Odenwald.) Die Herren R othenhäufer aus Michclstadt i. O. und Arms aus Ober-Ostern haben auf einem dem letzgenannten gehörigen Waldstück eine Blaufuchs und Waschbärsarm angelegt. Die Zuchttiere stammen aus Nordamerika, dieser Tage treffen noch weitere Tiere ein. Die Pelzfarm, die von Rochenhäuser geleitet wird, wurde „Bon der Ostrahöhle" benannt. Aus dem Amtsbezirk. T Die letzten Feldarbeiten find beendet. Die heimatliche Flur öde und verlassen, rüstet zum Winterschlafe. Dichte Nebelstreifen breiten sich über die kahlen, lößbedeckten Hügelreihen, deren Fruchtbarkeit auch in diesem Fahre dem Menschen Keller und Scheunen füllte. Auf dem moosbedeckten Grenzsteine sitzt träumend der Mäusebussard, den das Iagdhandwerk aus dem sicheren Gehege des. Forstes lockte, und trauert um Sommer und Herbst. Die Scharen schwarzgefiederter Krähen ziehen als Kinder von Tod und vergehen über den verlassenen Feldern und Wiesen hinweg und suchen in der Nähe menschlicli-er Bel>ausungen Schutz vor den Unbilden der kalten Jahreszeit. Zn den Dörfern hat die Hast und Geschäftigkeit der Ruhe und der Geselligkeit den Platz überlassen. Die durch die Winterzeit bedingte Arbeitspause ermöglicht die Dornahme von Arbeiten, zu deren Erledigung sonst nur wenig Zeit vorhanden ist. Der Landwirt überschaut prüfend den Erfolg des verflossenen Jahres, er rechnet, vergleicht und entwirft den Arbeitsplan für das kommende Wirtschaftsjahr. Die erzielten Erträge sind zufriedenstellend, leider übersteigen die Preise geraoe für die Haupterzeugnisse kaum die Porkriegspreise. Die ruhige Zeit wird außerdem benützt für die heute so notwendig geworoene Weiterbildung im Berufe. Die landwirtschaftlichen Organisationen bieten hierzu durch Vorträge und Abhaltung von Kursen auf den verschiedenen Gebieten willkommene Gelegenheit. Auch die Tageszeitung kommt in den langen Winterabenden wieder zu ihrem Rechte. Wie beim Landwirt, so sind auch beim Handwerk die kommenden Monate der beruflichen Fortentwicklung mehr gewidmet. Unter Leitung der Handwerkskammer werden an den verschiedenen Fachschulen die üblichen Kurse abgehalten, die zum großen Teile der Vorbereitung auf die inr Frühjahr stattfindende Meisterprüfung dienen. Im Hinblick auf die Heranbildung eines gutgeschulten Handwerkerstandes sind diese Kurse eine unentbehrliche Einrichtung geworden, da gerade das ländliche Handwerk, das unter dem Druck der mißlichen Wirtschaftslage schwer zu leiden hat, in seiner Fachausbildung keine Lücken aufweisen darf. Träger der Bildungsarbeit sind auch die Vereine der verschiedenen Art, besonders in größeren Orten. Erwähnung verdienen hier die Abhaltung von Bolkshochfchulkursen, von literarischen Abenden und theatralischen Ausführungen seitens der Ortsgruppen der badischen Heimat. Das Interesse, das diesen Veranstaltungen von den breiten Schichten der Bevölkerung entgegengebracht wird, zeigt, daß solche Veranstaltungen fruchtbringend und bildungsfördernd sind, und daß ihnen besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist. Wenig erfreulich, ist die alljährlich vor Weihnachten auch in unserer Gegend eintretende Arbeitslosigkeit. Dies macht sich in größerem Ausmaße besonders in der Tabakindustrie bemerkbar, wo manche Betriebe die Arbeit stark eingeschränkt haben. Zur Aufklärung in Berufssragen sind im Laufe des Winters für die Tabakarbeiter Wandervorträge sozial- und kulturpolitischer Art vorgesehen, die in den einzelnen Gemeinden mit Tabakindustrie abgehalten werden sollen. Bei den übrigen Industriezweigen sind bis jetzt Arbeitseinschränkungen nur vereinzelt erfolgt. ** Heidelberg, 5. Dezember. (Im Walde erschoi- s e n.) Der Mährige Sohn des hiesigen Holzhändlers Rotz, der sich vom Elternhaus offenbar in der Absicht entfernt hatte, sich das Leben zu nehmen, wurde im Walde erschosien ansgefunden. ** Leime« (bei Heidelberg), 5. Dezember. (Tödlicher Unglücksfall.) Im Zementwerk verunglückte der Arbeiter Fink dadurch tödlich, daß er sich nach Wegnahme einer Abdeckung auf den Rand eines Schneckeneinlauss zum Ausruhen setzte und dabei in die Schnecke fiel. Der Unglückliche, ein schon lange Jahre im Werk tätiger Arbeiter, wurde zermalmt. ** Broggingeu (Bei Emmendingen), 5. Dez. (Bon einer Kalbin tödlich getreten.) Der in den 80er Jahren stehende verheiratete Landwirt Matthias Scheer führte eine Kalbin, die plötzlich scheute. Scheer kam zu Fall und die Kalbin sprang ihm auf den Leib, wobei er so schwere innere Verletzungen erlitt, baß er einige Stunden nachher verschied. Der Verunglückte hinterlätzt eine Witwe und zwei unmündige Kinder. ** Maulbnrg (bei Schopfheim), 5. Dez. (Grippeepidemie.) Die Einwohner der Gemeinde Maulburg werden gegenwärtig stark von Grippe und Lungenentzündung heimgesucht. Auch die Fälle von Tuberkulose haben sich vermehrt. Im Laufe eines Monats find nicht weniger als sechs Todesfälle vorgekommen, welche die genannte Krankheit zur Ursache hatten. Manlburg ist eine Gemeinde, die vorwiegend aus Fabrikbevölkerung besteht. v ** Freiburg, 5. Dez. (Bet Bauarbeiten tödlich verunglückt.) Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute mitsag gegen 2 Uhr beim Neubau der Kliniken. Ein Kanal- fchacht stürzte ein und begrub zwei Arbeiter mit Erümaffen. Durch rasch herbeigeeilte Mitarbeiter konnten die Verschütteten befreit werden. Der 50jährige Aufseher Burg war jedoch bereits tot. Ein 20jähriger Arbeiter konnte lebend, wenn auch mit Verletzungen geborgen werden. Der Verunglückte konnte sofort in die Klinik geschafft werden. ** Freiburg, 5. Dez. (Bei Dachreparaturen tödlich abgestürzt.) Im Baldenweger-Hof bei Freiburg stürzten zwei Maurer, die mit Tachreparaturen beschäftigt waren, ab. Der eine Maurer, Willi Scherer aus Rötenbach, erlitt so schwere Verletzungen, daß er ihnen in kurzer Zeit erlag. Der andere, Josef Thoma, mußte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus verbracht werden. ** Buggingen, 5. Dezember. (Weitere Verbreitung der Masern unter den Kindern.) Vor 14 Tagen mußte hier die erste Klasie der Volksschule wegen der Masern geschlosien werden. Nunmehr mutz auch die Kinderschule schließen, da die meisten Kleinen an der Krankheit darniederliegen. Auffallenderweise leiden besonders die kleinen Kinder an Fieber und teils sogar an Lungenentzündung, während der Krankheitsverlauf der größeren Kinder harmlos ist. ** Lörrach, 5. Dez. (Messerstecherei.) In der Spitalstraße in Lörrach kam es zwischen einigen jungen Burschen zu einem Streit, der in eine große Stecherei ausartete. Einer der Burschen stach mit seinem Messer auf die anderen ein, wobei einer davon so verletzt wurde, daß er sich in das Krankenhaus begeben mußte. Der Messerheld, namens Scheffel, war erst vor einigen Tagen aus dem Gefängnis enltaffen worden. Er war im Frühjahr 1927 zu 1 % Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er auf Polizeiveamte schoß. Diese Freiheitsstrafe hatte er gerade verbüßt. Und nun ist er wiederum verhaftet worden. ** Weil-Leopoldshöhe, 5. Dez. (Schwerer Unfall.) Dem Metzgerlehrling Franz Rohrer aus Degerfelden, der bei dem Metzger und Gastwirt Stiegeler in Weil beschäftigt ist, stieß beim Fleischausbeinen ein ernster Unfall zu. Das Messer rutschte ihm aus und ging ihm tief in den Leib. Mit schweren Verletzungen mußte er ins Krankenhaus n Lörrach gebracht werden. ** Konstanz, 5. Dez. (Vom Wagen gestürzt und überfahren.) Am Montagabend stürzte das 9jährige Töchterchen der Familie Klöckler vom Pferdefuhrwerk ihres Vaters herunter, wobei ihm der Wagen über den Oberkörper ging und «L so schwer verletzte, daß es kurze Zeit nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb. Ei« großes Baueruhofgut eingeäschert. Gutach, 5. Dez. Am Samstag brannte am Turm das Moser-Bauernhofgut bis auf den Grund vollständig nieder. Die Besitzerin, Frau Christian Wöhrle Witwe, eine ältere, schwerhörige Frau, die den Hof an den Langenbachbauern Breithaupt verpachtet hat, war allein zu Hause und bemerkte den Ausbruch des Feuers zu spät. Nahrung fand das Feuer hauptsächlich in den großen Stroh- und Heuvorräten. Das lebende Inventar wurde vollständig gerettet, während vom Mobiliar nur ein verschwindend kleiner Teil in Sicherheit gebracht werden konnte. Die Brandursache ist noch nicht jichergestellt. Brandstiftung liegt jedoch nicht vor. Die Besitzerin ist versichert. Großfeuer i« Donaueschiuge«. iüvü Zentner He«, 299 Zentner Stroh «nd nenn Magen mit He« vernichtet. Donaueschiuge«, 5. Dez. Vorgestern abend *Ä7 Uhr brach in dem in der Nähe des Bahnkörpers gelegenen Heu- und Ltrohmagazin der Holz- und Fouragehandlung Kühn Feuer rus, dem zirka 3000 Zentner Heu, 200 Zentner Stroh und reun mit Heu beladene Wagen, Dreschmaschinen usw. zum Opfer fielen. Der Brandschaden — der Gebäudeschaden ist mit eingerechnet — beläuft sich auf 80 000 Mk. und ist durch Versicherung gedeckt. Als Brandursache nimmt, man Brandstiftung an. Weihnachtsschaufenster im Licht! Was gibt es Schöneres, als an frühen Abenden durch di, Straßen zu spazieren, die von einer Lichtflut übergossew fink und in den tausenderlei Schaufenstern zauberhafte Ding, bergen? Solche Straßen und Schaufenster mit all' den gro tzen und kleinen Herrlichkeiten an Spielzeugen und süßer Sachen mit dem Wirbel an Farben und Glanz an Lichtern find Paradiese für die Kinderwelt. Unzählige Augen schauer selig in das Wunderland, viele, viele Wünsche werden laut viele Wünsche und Träume . . . Sie scheinen den Zanberstab zu besitzen, Kinderherzen süi sich zu gewinnen, unsere Geschäftsleute. Mit größter Sorgfalt und mit Geschmack haben sie ihre Schaufenster zu kleiner Bühne» umgestaltet, die die Märchenwelt deS Kindes bedeuten. Tannengrün und Gold und Silber umrahmen di, weihnachtliche Pracht,- da läuft die Eisenbahn an wirklicher Häusern. Bahnhöfen und Schranken vorbei, um im Tunne zu verschwinden, all« Wagen führt sie wie eine richtige Eise» bahn, sogar die Lichter der Lokomotive glühen. Dort rag eine alte trutzige Ritterburg auf. vieltürmig und moosüber zogen am Gestein, und im Burghof« tummeln sich Soldaten Hier marschieren die Soldaten mit klinkenden Waffen in Zuge, drüben stehen die Dampfmaschinen mit einer Gefolg schaft hübscher Anhänger, daneben die Modelle aus Holz und Metallbaukästen, endlich gibt es die schönsten Malbücher die Märchen- und Geschichtsbücher aller Art: Und kocken nicht die Kindersachen für die Kleinen auch die Aelteren, die hier ausgebreitet sehen, was ihrer eigenen Kindheit Freude war? Und hört man nicht das alte Wort: zu uns«- rer Zeit hat's so was nicht gegeben? Führt eure Kinder in die Straßen, werdet selbst jung an der Freude der Jungen, deren Fest herannaht: Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. ®. m. b. H. Sinsheim, vom 5. Dezember 1928. Sementnxrl Heidelberg . tn »,„ Daimler Rotoren . Dtsch. Sold- un SUb-rscheid«. «»leibe»: mit Aus ohne AuSlofuu chetn lfchetn . 51;5o U,90 lklektr. Licht und «rast Tmaill.und Stanzwerk Ullrich. «taafcoftüc tn •/» «ad. Bank . . , .iso DarwstSdter- und Nationaldaul es» Deutsche Bank .... 174,50 Deutsche Bereinsbank . 10 1 Dresdner Bank .... 1 13 , 2 s Mitteldeutsche Sredttbank ■ . sir .25 Relchsdank .... 338,75 Rheku. Sredttbank . . 125,50 Südd. DtSconto «es. . . . l»«,»o srttzner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . «norr tzetlbronn . Mainkraftwerke Höchst . , Neckarsulmer Kahrzeugwerk« . Schlickert Slektr. Nürnberg . SeUtnduftrte Wollt . Südd. Zucker . . . Zellstoff Waldhof Stamaltteu . «Mira bcatf<%» 139.50 81,10 18S 2«3 273,5« 11 » 1*7,5« 118,35 sa.» 283 87 158,5« 194.50 Berg» erb» < tiktie» tn o,„ tzarpener Bergbau . . 130.50 aalt Wefteregeln . . . »93 ManoeSmannröhrenwerke. . 130,50 WanSfelder Bergb. u.tzütleuw — Oberfchl. «lfenb. Bedarf . . — f höuix Bergbau u.HAtenbetrled »,075 alzwerk Hellbronu . . . 832,95 vereinigt« Königs» Laurahütle 79 ■Ml« i»d»str. U»t,r«eh»»»g,»: tn a lo Allg. Slektr. Stammaktien. . 8«o Bad. EleltrizttSt Mannheim . — Bad- Maschinen Durlach . . I«2 50 Xra»a*»cta»tlau««i ln «• -amburg. Amerih. Paletfahrt >45,5« ieidelbera.StrLßen-u.Bergbaha — lorddrutscher Lloyd . . 14» Deutle»: «eld «rief New-Aorl l Dollar 4 1085 4.2005 London l Wund 80.387 20,377 Holland 100 Gulden Schweiz 100 Kranes 16S.4» 188,76 80,76 80,81 Wien 100 Schilling 58.08 59.05 Parts 100 Krane 16J8 16.48 Italien 100 Lire 81.85 21.80 Heule Die heutige Nummer der „Brunnenstube ist advent- lich eingestellt und bringt schon einen Borschmack auf Weihnachten. !WIIU«I,M>IIIIUMWUIIIIIIlWIIIIIIIIIUWWMI»M Bücher. Pierer's landwirtschaftlicher Schreib- und Taschcnkalender für das IHr 1929 ist nunmehr im 10. Jahrgang bei H. A. Pierer Verlagsbuchhandlung, Altenburg in Thüringen. Auf den Röhren 13, wie bisher in 2 Ausgaben erschienen. Die Ausgabe A enthält Tagelohntabellen, die Ausgabe B enthält Einnahme- und Ausgabetabellen anstatt der Tagelohntabellen. Preis jeder Ausgabe dauerhaft in Ganzleinen gebunden nur 2.— RM. Jeder Landwirt wird sich viel Aerger ersparen, wenn er im nächsten Jahr zur rechten Zeit im. Haus, im Hof, im Stall und auf dem Feld sich in einen Kalender mit praktischen Tabellen und Registern und reichlichen Notizeinrichtungen laufend Notizen machen kann. Der Inhalt ist voll und ganz auf die Praxis eingestellt. Er ist ein billiges, praktisches und empfehlenswertes Weihnachtsgeschenk und kann durch jede Buchhandlung bezogen werden. Bei Bestellung ist die gewünschte Ausgabe anzugebm. Geschäftliche Mitteilungen. Für Auswanderer nach de« Vereinigte« Staaten Wie uns die hiesige Vertretung der Hamburg-Amerika Linie mitteilt, schreitet die Erledigung der bei den amerikanischen Konsulaten während der letzten Annahmefrist eingegangenen Anträge auf Erteilung des Einwanderungs- fichtvermerkes rasch voran. Es besteht daher Grund ;u der Annahme, daß in nicht zu ferner Zeit neue Anträge wieder eutgegengenommen werden. Personen, die nach den Vereinigten Staaten auswandern wollen, einen Antrag auf Erteilung eines amerikanischen Zinwanderungssichtvermerkes aber noch nicht gestellt: haben, tun daher gut, sich schon jetzt um die Beschaffung )er für den Antrag erforderlichen Papiere und sonstigen Unterlagen zu bemühe«. Zu allen näheren Auskünften ft die Hamburg-Amerika Linie, Hamburg, Alsterramm 25, bzw. deren Vertretung am Platze gern by-ejl,. i Vergebung von Erdarbeiten. Für die Entwässerung des Babstadter Tales auf Gemarkung Rappenau ist die Ausführung der Tal- bach'wrrektion (etwa 2200 m Länge: und der einmündenden Seitengräben (etwa 1400 m Länge zu vergeben.) (etwa 9000 ebw Erdbewegung). Angebote hierauf 5 nd verschlossen und mit Aufschrift: „Entwässerung lappenau" beim Bürgermeisteramt Rappenau bis längstens Mittwoch, de« 12. Dezember 1928, vormittag» 11 Uhr, zu welcher Zeit die Eröffnung der Angebote stattfindet, einzureichen. Angebotsoordrucke sind beim Kulturbauamt Heidelberg, so lange Borrat reicht, gegen Erstattung von Mk. 1.— erhältlich. Pläne und Bedingungen liegen auf beim Vad. Kulturbauamt Heidelberg. Jagd-Verpachtung. Die Eoang. Pflege Schöna« i« Heidelberg steigert am Montag, den 10. Dezember 1928 !rm. 1 / 2 11 Uhr im ftüheren Verwaltungsgebäude Sinsheim a. E. die Ausübung d r Jagd in dem kircheneigenen Walddistnkt: „Linsenstein“ mit rund 164 ha (Gemarkung Sinsheim a.E aus weitere 6 Jahre d. i. vom 1. Februar 1929 bis 31. Januar 1935. Die Bedingungen liegen auf dem Geschäftszimmer derBerwal- ,g in Heidelberg, Zähr.ngerstraße 18 zur Ein- ,t auf. Hohen Drrdienst finden redegewandte Vertreter die allerorts f. Wäsche u. Aussteuerart. ges. werden. Offette unter Nr. 1883 an den Landboten. HlirmmM mit 8 Register. Eichen, wenig gebraucht, umständehalber zu verkausen. Zu erfragen unter Nr. 1879 beim Landboten. Einfache Ausffihrung R.-M. 8.— Bessere „ „ 12.— Beste ,, „ 20 — Reiche Auswahl. E. SCHICK. Gegr. 1875. Verein „Badische Heimat“ Donnerstag, den 6. Dezember 1928 abens 1/2 9 Uhr im Löwensaale aus der Umgebung von Sinsheim Lichti'ilder-Vortrag des Herrn Baurat Kart Koeh- Heideiberg. Zur Bestreitung der Unkosten werden Mk. 0.60 pro Person erhoben. Schüler die Hälfte. Ortsgruppe Sinsheim. A» Freitag, de« 7. Dez. 20 Uhr Dtmts- im oberen Raum des Cafe Glasdrener Anschließend gemütliches Beisammensein. Sewerkschaslsbsud der Angestellten Ortsgruppe Sinsheim a. E. Chlorodont befett fibt Mundgeruch u häßlich gefärbt. Zahnbelag. CAFE „LINDE“ Morgen Donnerstag Schlachtfest Vormittags ab 10 Uhr VTeUfleisch. Abends Schlachtplatte. Zweistöckiges Wohnhaus mit Hintechaus, Stallung und Scheune in S i n s h e im an der Hauptstr. gelegen, für Geschäftshaus geeignet, zu verkaufe». Zu erfragen unter Nr. 1882 beim Laudboten. a iJL f sachgemäße Anpassung u. Bedienung UPUB.Aik.Wickenbäoter Schristleitung: H. Becker; Druck und Perlag: G. Becker'sche Buchdruckerei in Sinsheim.