Erscheint Montag, M ttwoch, Freitag. Bezugs-Preis; Durch die Post bezogen und durch sen Briefträger u. unsere Austräger frei ins Haus monatlich Goldmark 1.80 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Zn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1 / 28-8 Uhr. Sonntag, geschloffen. Fernsprechanschlutz Nr. 11. Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903. er Bandbotc /V Ergründ« fö ^ ^XXUUU 1 8 3 9 U Wto A Elsenz- und Schwarzbachtal Giusheimer General-Anzeiger für das Mi/O Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Äaupt-Anzeigen-Blatt. Wöchentliche Beilagen: Mode u. Heim » Der Kobold » Reue Illustrierte N zeigrn-Preife: Anzeigen: Die 33 mm ,breite Millimeter-Zeile 7 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. 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Jetzt nach Deutschlands Eintritt in den Völkerbund sollte auf Wunsch des Reichspräsidenten der feierliche Empfang am Neujahrstag repräsentativer gestaltet werden. Vor dem Palais des Reichspräsidenten in der Wilhelmstraße war im großen Vorgarten eine Kompagnie Reichswehr ausgezogen. Bor der Freitreppe des Hanfes, auf dessen Dach die Standarte des Reichspräsidenten in leuchtenden schwarz-rot-goldenen Farben weht, stehen die Ehrenposten und vor ihnen zwei Diener, deren grau-braune Livree mit schwarz-rot-goldener Litze eingefaßt ist. Fm Palais sind sämtliche Bedienstete aufgcboten und zahlreiche Diener in Escarpins auf den Treppen und in den Empfangsräumen helfen mit, den Repräsentationsglanz des Hauses zu heben. Den vor dem Palais vorfahrenden Gesandten der auswärtigen Mächte werden militärische Ehren erwiesen. Jedesmal, wenn ein Gesandter anfährt, tritt der die Reichswehrkompagnie befehligende Leutnant vor die Front und nach seinem Kommando werden die Gewehre geschultert. Den Botschaftern, die bekanntlich auch die persönliche Würde ihres Souveräns repräsentieren, wird noch ein« besondere Ehrung zu teil; während ihres Eintritts in das Palais wird eil/Trommelwirbel geschlagen. Fast sämtliche auswärtigen Diplomaten erscheinen in Galauniform mit goldftroßenden Aufschlägen, übersät mit Orden, auf dem Kopf den Dreispitz, an der Seite den Degen. Punkt 12 Uhr fährt ein Wagen des Reichspräsidenten vor, dem unter Trommelwirbel der Doyen des diplomatischen Korps, der päpstliche Nuntius Pacelli, entsteigt. Während drinnen die offiziellen Ansprachen zwischen dem diplomatischen Korps und dem Reichspräsidenten gewechselt werden, fahren die Reichsminister vor, um gleichfalls dem Reichspräsidenten ihre Neujahrswünsche zu entbieten. Sie werden nicht mit militärischen Ehrenbezeugungen empfangen, mit Ausnahme des Reichswehrministers Dr. Getzler. bei dessen Ankunft man wieder die militärischen Kommandos hört und die Trommel gerührt wird. Gehler, der als einziger in einem hellen Mantel und ohne Zylinder erscheint, tritt vor die Front der Ehrenkompagnie und sagt: „Kameraden, ich wünsche Ihnen ein frohes, neues Jahr! Guten Tag, Kameraden!" Die Autos der Reichsminister tragen vorn das schwarz-rot- goldene Schild der Reichsbehörden, nur der Wagen des Reichsinnenministeriums, in dem Staatssekretär Dr. Zweigert sitzt — der Minister Külz selber weilt im Erzgebirge — führt eine schivarz-rot-golden« Fahne mit dem Reichsadler ebenso wie der Wagen des Reichstagspräsidente,r Löbe, mit dem dieser mit den Mitgliedern des Präsidiums kurz nach den Vertretern des preußischen Staatsministeriums vor den Gratulanten der übrigen Reichsbehörden ankommt. Znzwischen fahren die Wagen der Diplomaten unter den Ehrenbezeugungen der Wache ab und nachdem der letzte Minister das Palais verlassen hat. marschiert auch die Reichswehrkompagnie ad. Des Papstes Wunsch an Frankreich. Reujahrsempfang des diplomatischen Korps in Paris. Paris, 2. Jan. Bei dem gestrigen Empfang des diplomatischen Korps durch den Präsidenten der Republik Doumergue Lderbrachte der Doyen Msgr. Maglione die Glückwünsche des diplomatischen Korps. In seiner Ansprache wies er darauf hin, | mit welcher Befriedigung die Bemühungen Frankreichs um die ' Befriedung der Völker betrachtet worden seien. Wir sind, so fuhr er fort, sicher, daß die französische Regierung dieses Werk fortfetzen wird. Unser volles Vertrauen ist noch durch die Gedanken bestätigt worden, die der französische Minister des Aeußern vor mehr als drei Monaten den Vertretern einer so großen Zahl von Nationen entwickelte. Seine so beredten und so ttef empfundenen Worte drückten die Sehnsucht der Völker nach jener Annäherung und vergeistigten Brüderschaft aus, die sie in den Stand setzen werden, ihre Wunden zu heilen, und die sie zu immer größeren moralischen und wirtschaftlichen und sozialen Fortschritten führen werden. Frankreich könne bei diesem Merke der tätigen und loyalen Mitarbeit unserer Regierung und be- desonders derjenigen des Heiligen Paters versichert sein, der niemals aufgehört hat, mit der Liebe eines Paters im Namen des Friedensfürsten die Abrüstung der Geister zu fordern. Der Präsident der Republik wies in seiner Antwort daraus hin, daß das abgelaufene Jahr in den noch durch den Krieg mitgenommenen Ländern eine große Hoffnung geweckt habe. Das Jahr habe einen neuen Fortschritt auf dem Wege der Annäherung der Nattonen und der schiedsgerichtlichen Lösung der Streitfälle unter den Völkern erstehen sehen und damit auch eine friedliche Zusammenarbeit, die für die Welt ein Pfand der Sicherheit sein werde, wenn jeder von aufrichtigem guten Willen und dem Geist großmüttger Menschlichkeit erfüllt sei, ohne sich von der loyalen Beobachtung der internationalen Pflichten zu entfernen. Diese glücklichen Ergebnisse seien zurückzuführen auf die lieber zeugung, daß die .Völker und die Regierungen immer klar: von den Gedanken einer sie einigenden Solidarität durchdrungen werden, von der Notwendigkeit einer schicklichen Rücksichtnahme auf ihre gegenseitigen Interessen, und von der Unfruchtbarkeit jenes Egoismus, der ehemals darauf abzielte, die Macht eines Staates auf dem Ruin seines Nachbarn aufzurichten. Mehr denn je werde es deutlich, daß die Wohlfahrt eines Landes nicht unabhängig von der der anderen Länder sich entwickeln könne. Oesterreichs Wünsche für Deutschland. Neujahrstelegrammwechsel des Reichspräsidenten. Berlin, 2. Jan. Aus Anlaß des Jahreswechsels drahtete der österreichische Bnndespräsident Hainifch an den Reichspräsidenten von Hindenburg: „Exzellenz jbitte ich, die ivärmsten Wünsche für Ihr persönliches Wohlergehen im kommenden Jahre entgegenzunehmen. Mit mir hofft ganz Oesterreich, daß das deutsche Brudervolk im Jahre 1927 den schon bisher so erfolgreich beschrittenen Weg der Kräftigung fortsetzen und einer glücklichen Zukunft entgegengehen möge." Der Reichspräsident antwortete mit folgendem Telegramm: „Exzellenz danke ich herzlichst für die freundlichen Wünsche, die Sie dem deutschen Volke und mir persönlich zum neuen Jahr ausgesprochen haben. In steter warmer Anteilnahme an den Geschicken Oesterreichs hoffe und wünsche ich, daß dem österreichischen Volke auch im Jahre 1927 eine weitere Kräftigung und ein weiterer Aufstieg beschieden sein möge. Ich verbinde damit meine herzlichsten Wünsche für sttn Staatsoberhaupt." Ferner wechselte der Reichspräsident Neujahrsglückwünsche mit dem König von Schweden, dem ungarischen Reichsverweser Horthy und mit dem Schah von Ersten. Stresemanns Neujahrswunsch. Berlin, 2. Jan. Die Nationalliberale Korrespondenz veröffentlicht einen Neujahrswunsch Dr. Stresemanns, in dem dieser u. a. erklärt: „Trotz großer Hemmungen und immer wieder ein- setzender Rückschläge hat die Festigung der Verhältnisse aus innen- wie außenpolitischem Gebiete Fortschritte gemacht. Gewiß ist zu einem Optimismus über die Weiterentwicklung, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete, keinerlei Veranlassung gegeben. Das große Problem der Erwerbslosigkeit ist einer Lösung noch nicht nähergeführt, während die finanziellen Leistungen an das Ausland wachsen; aber wir können doch feststellen, daß das deutsch« Volk die Kraft aufgebracht hat, das, was es zu leisten vermag, für die Rettung seines Staates hcrzugeben. Die psychologische Staatskrise, unter der wir lange Jahre gelitten haben, ist mindestens inbezug auf Staatsform und Verfassung überwunden und wenn das parlamentarische Leben sich krisenloser gestaltete, so würde auch nach außen hin die große Geschlossenheit des deutschen Volkes in allen Fragen klarer zutage treten, die seine Zukunft entscheiden. Eine spätere Geschichtsschreibung wird in erster Linie diejenigen als Träger des Wiederaufbaues nennen, die in schweren Zeiten die Verantwortung für die Führung der Staatsgeschäste übernommen haben." Dr. Bells Neujahrswünsche. Berlin, 2. Jan. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Bell, gab anläßlich des Jahres - Wechsels einem Pressevertreter eine Erklärung ab, in der er darauf hinwies, daß das Jahr 1927 das Jahr werden solle, in welchem die Frage der Besetzung der Rheinlande einer endgültigen Lösung entgegengeführt werden müsse. In der Zwischenzeit bis dieses Ziel erreicht werde, werde alles geschehen, um die Rechte der Zivilbevölkerung im besetzten Gebiet zu schützen. Denn darüber seien sich alle Deutschen einig, daß Leid und Leben, Ehre und Besitz der Zivilbevölkerung im besetzten Gebiete dem gleichen Schutz unterliegen müßten, den sie im Heimatlande der Besatzungstruppen genössen. Erlaß an die Wehrmacht. Berlin, 2. Jan. Zum Neujahrstage hat der Reichspräsident einen Erlaß an die Wehrmacht gerichtet, in dem er seiner Ueberzeugung Ausdruck gibt, daß sie wie bisher auch künfttg in selbstloser, treuer Arbeit ihre Schuldigkeit tun werde. Der Reichswehrminister ruft der Wehrmacht in einem Erlaß ein „Glückauf" zu. Entsprechende Erlasse haben der Chef der Heeresleitung General Heye, an das Reichsheer und der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, an die Reichsmarine gerichtet. so Jahre Reichsjustizministerium. Berlin, 2. Jan. Reichspräsident von Hindenburg hat am heutigen Gedenktage des 50 jährigen Bestehens des Reichsjustizministeriums an den Reichsminister der Iusttz folgenden Erlaß gerichtet: Sehr geehrter Herr Reichsminister! Das Reichsjustizministerium blickt am heutigen Tage auf «ine fünfzigjährige Tätigkeit im Dienste des Vaterlandes zurück. Ihm ist in den verflossenen Jahrzehnten die geschichtliche Ausgabe geworden, dem deutschen Dolk ein einheitliches Recht zu schaffen und zu erhalten, und es hat diese Aufgabe dank der unermüdlichen, hingebenden Arbeit hervorragender Juristen in mustergültiger Weise gelöst. In diesem, alle deutschen Stämme umfassenden einheitlichen Recht Einser Dolk ein Gut von unschätzbarem Wert, das sich in äfften nationaler Größe wie in den Jahren schwerster 88. Jahrgang .L__. ■■■■ ^ i n ,W Prüfung als fester und unverrückbarer Grundpfeiler der Reichs- einheit erwiesen hat. Die politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen der Nachkriegszeit haben die Reichsjustizgesetzgebung vor Aufgaben gestellt, wie sie frühere Zeiten nicht annähernd gekannt haben. Es ist das bleibende Verdienst des Reichsjustizministcriums, unbeirrt durch die Kämpfe der Zeit, treu seiner Ueberlieferung dahin gewirkt zu haben, daß der Rechtsgedanke in der Gesetzgebung lebendig bleibe. Unter den großen Aufgaben, die die Reichsjustizverwaltung gegenwärtig zu lösen hat, gilt mein besonderer Wunsch der baldigen Vollendung der sich in enger Zusammenarbeit mit dem Iustizressort des stammverwandten österreichischen Volkes vollziehenden Reform des Strafrechts. Ich hoffe, daß dieses Werk dazu beitragen wird, die sittlichen Grundlagen unseres Volkes und unseres Staates zu bewahren und zu festigen. Aus der Wiederanknüpfung der durch den Krieg zerrissenen Rechtsbeziehungen der Völker erwachsen der Reichsjustizverivaltung neue große Aufgaben. Die Hindernisse, die sich einer vom Rechtsgedanken getragenen Völkergemeinschaft immer von neuem entgegenstellten, durch zähes Festhalten am Rechtsgedanken zu überwinden, wird auch künftig eine besondere Aufgabe des Rechts- resforts des Reiches sein. Die Autorität des Rechtes zu stärken im Verhältnis der Völker wie der verschiedenen Volksschichten und der einzelnen Volksgenossen zueinander muß unser aller Ziel sein. Daß Sie und Ihre Mitarbeiter in diesem Geiste wirken, dessen bin ich gewiß. Mein aufrichtiger Wunsch, mit dem ich heute das Reichsjustizministerium und alle seine Mitarbeiter grüße, ist, daß seine Arbeit dem deutschen Volke auch fernerhin zum Segen gereichen möge. Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung bin ich Ihr ergebener (gez.) von Hindenburg. Gothein zur Regierungsbildung. Im „Hamburger Fremdenblatt" nimmt Reichsminister a. D. Gothein in einem Aufsatz „Koalition der Linken?" Stellung zur Regierungskrise und Neubildung der Regierung. Gothein betont, daß man Zentrum und Demokratische Partei von der Schuld an der gegenwärtigen Krise nicht freisprechen könne, und kommt nach längeren Erörterungen über die Möglichkeiten der Regierungsbildung zu dem Ergebnis, daß die Krise nur behoben werden könne, wenn „das Kabinett und die es tragenden Parteien der Mitte gewillt und entschlossen sind, sich nicht grundsätzlich nur auf die Linke oder nur auf die Rechte zu stützen, sondern auch bereit sind, je nach den Umständen, die Koalition nach links oder nach rechts einzugehen". Die Berliner demokratische Presse und ein Teil der Zentrumspresse hätten mit ihrer Parole, daß eine Koalition nach rechts ein Verbrechen wider den Heiligen Geist sei, bei den Sozialdemokraten das Empfinden geweckt, daß ohne sie überhaupt garnicht regiert werden könne. Im Hochgefühl ihrer Unentbehrlichkeit glaubten sie sich jede politische Erpressung erlauben zu können und riefen Skandale hervor, wenn ihnen nicht gewillfahrt werde. Das "Verantwortungsgefühl der Sozialdemokratie sei verloren gegangen, nicht zuletzt, weil sie „von einflußreichen Kreisen des Zentrums wie der Demokraten ständig umworben" werde. Der „Bürgerblock" sei eine Phrase. Gerade „Aufgabe der Demokraten wie der demokratisch eingestellten Zentrumsangehörigen wird es fein, eine Linksorientierung herbeizuführen, wenn eine eingeleitete Rechtsorientierung zu einer reaktionären Politik führen sollte". „So verkehrt es ist", schließt Gothein seinen Aufsatz, eine Partei, hinter der nun einmal die meisten Arbeitnehmer stehen, grundsätzlich von der Mitarbeit in de? Regierung auszuschließen und sie dadurch in eine unversöhnliche Opposition zu treiben, ebenso verkehrt ist es, sie unter allen Umständen darin haben zu wollen. Aber auch den Deutschnationalen gegenüber darf man nicht in Fehler verfallen, sie grundsätzlich von der Mitarbeit auszuschließen. Man muß ihnen erklären: Sobald ihr euch vorbehaltlos auf den Boden der heutigen Verfassung stellt, sobald ihr die jetzige auswärttge Politik unterstützt, sind wir grundsätzlich bereit, auch mit euch zusammen zu arbeiten." Eröffnung des Kabels Oestreich—Deutschland am 4. Farmar. Berlin, 31. Dez. Das gemeinsam von der Deutschen Reichspost und der österreichischen Post- und Telegraphenoerwaltung ausgeführte Telegraphen-Kabel Rürnberg-Passau-Wieu ist in dcu letzten Tagen fertiggestellt worden und wird am 4 . Januar eröffnet werden. Aus diesem Anlaß findet in der Hofburg ein Festakt statt, an dem der Reichspostminister Dr. Stingl und. andere Herren der deutschen Reichspost teilnehmen werden. Der Festakt wird «ingeleilet durch einen Gesprächswechsel zwischen dem Bundespräsidenten Hämisch und dem Reichspräsiden.en von Hindenburg, sowie zwischen dem Bundeskanzler Dr. Stingl und dem Reichskanzler Dr. Marx. Das Kabel hat eine Länge von rund 5Ü0 Km. besteht aus 98 Doppeladern und dient dazu, den Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und Oesterreich mii den modernsten Mitteln der Technik auf einen vollkommenen Stand zu bringen. Es wird gleichzeitig ein wichtiges Glied des alleuropäischen Fernsprechnetzes bilden. Die europäische Friedenspolitik. Eine Unterredung mit Herriot. Rewyork, 31. Dez. Die Blätter des I.N.S. veröffentlichen ein Interview ihres Pariser Korrespondenten mit Herriot, der sich dem amerikanischen Journalisten gegenüber ins.eso.ldere üeer^ den Gedanken der deutsch-französischen Annäherung ausjprach: Nr. 1. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. den 3. Januar 1927. „Die Massen, welche stets die ersten Opfer eines Krieges sind, wünschen einmütig und inständig Frieden", erklärte Herriot, „aber nur die gebildeten Kreise vermögen die Mittel zu liefern, um den Wunsch der Massen zu verwirklichen. Zu unserer Zeit ivürde ein Goethe oder Voltaire von unschätzbarem Nutzen sein, der einem breiten Strom des Pazifismus und des Internationalismus im besten Sinne des Wortes die Bahn bräche. In unserem Alter ist es nötig, den kommenden Generationen einen umfassenden Begriff von der nationalen Idee beizubringen. Sie ist die logische Schlußfolgerung der menschlichen Entwicklung. Der Mensch gehört zuerst zu seiner Familie, dann zu seiner Sippe und schließlich zu seinem Heimatland. Es ist der Irrtum der Bolschewisten zu glauben, daß der Gedanke einer Internationalen nur blühen könne, wenn alle anderen Gedanken aus dem Gehivil ausgerottet sind. Die Idee des Internationalismus kann nur in geistig reichen Gemeinschaften verwirklicht werden und sicher nicht in durch Verneinung verarmten Massen." Auf die Frage, was er von Briands Friedensbemühungen denke, erwiderte Herriot: „Ich habe durch die Tat bewiesen, daß dies dis einzige Politik ist, welche in Europa betrieben werden sollte. Ich bin ein guter Europäer, weil ich ein guter Franzose bin. Briand hat die nötige Ausdauer und eines Tages wird die Einsicht die Augen aller öffnen, und ihm die Verwirklichung aller seiner Wünsche gestatten, niemand freut sich darüber mehr als ich, daß Briand der Nobelpreis verliehen wurde. Ebensowenig vergesse ich, was Botschafter Kellogg in London für die deutschfranzösische Annäherung getan hat. Ich bin persönlich Kellogg zu größter Dankbarkeit verpflichtet. Es war bei einem Essen in seinem Londoner Hause während der Beratungen über den Dawesplan, daß ich Stresemann zum erstenmal traf und Kellogg war es, der mich mit dem deutschen Staatsmann zusamnienführte, welcher begriff, daß er durch ein Zusammenwirken mit Briand seinem Lande und Europa einen ungeheuren Dienst leisten könne, wenn er den Frieden so vollkommen errichtete, wie es Menschenwerk tun kann." Der deutsche Luftverkehr 1927. Der deutsche Luftverkehr hat im Jahre 1926 nach dem Zusammenschluß der beiden Luftverkehrsgesellschaften eine erfreuliche Entwicklung genommen. Nach den bisherigen Feststellungen wurden ungefährt 40 000 Passagiere und eine große Menge Fracht und Post befördert. Die Lufthansa hat die Absicht, auch im kommenden Jahre alles zu tun, um die Der- kehrsentwicklung zu fördern. Das wird zunächst in einer Verstärkung des inneren deutschen Luftstreckennetzes und in der Einrichtung einer Reihe wichtiger internationaler Linien zum Ausdruck kommen. Im übrigen versichert die Lufthansa, daß der Verkehr im innerdeutschen Netz »einheitlicher als bisher und mehr nach verkehrspolitischen Gesichtspunkten gestaltet werden würde. Insbesondere soll die Doppelbefliegung von Strecken vermieden werden und dafür ein verstärkter Zubringerdienst , an die wichtigsten mit Großflugzeugen besetzten Hauptstrecken eingerichtet werden. Ueber die Einbeziehung von Orten des besetzten Gebietes, wie Koblenz, Trier. Kaiserslautern, Saarbrücken, schweben zur Zeit noch Verhandlungen. Im Auslandsdienst sollen nach den bisherigen Dispositionen alle im Jahre 1926 beflogenen internationalen Strecken auch künftig aufrecht erhalten werden. An neuen internationalen Linien ist vor allen Dingen die von Berlin über Prag nach Wien vorgesehen, nachdem die Verhandlungen mit der Tschecho-Slo- wakei so gut wie abgeschlossen sind. Im Frühjahr wird dann auch der Luftverkehr zwischen München und Mailand mit Anschluß an Rom ausgenommen werden, der von Deutschland und Italien gemeinsam betrieben werden wird. Doch ist in Anbetracht der Erfahrungen, die hinsichtlich der Ueberfliegung der Alpen gemacht werden maßten, diese Strecke zunächst als Studienlinie gedacht, auf der vorläufig nur Post und Fracht befördert werden sollen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1927 dürfte der Dienst nach Spanien über Bafel-Genf und Marseille-Barcelona nach Madrid ausgenommen werden und zwar zwischen Marseille und Barcelona mit Wasserflugzeugen. Im Laufe des Sommers wird im Luftverkehr mit Rußland insofern eine Aenderung eintreten, als die Linie nach Moskau nicht mehr über Kowno, sondern über Riga mit Anschluß nach Helsingfors über Reval gelegt wird. Der endgültige Luftverkehr wird gemäß den von der Lufthansa an die Flugzeugindustrie gestellten Forderungen auch einige wertvolle technische Neuerungen bringen. Die Lufthansa verlangt künftig Maschinen für mindestens 12 Passagiere und vier Mann Besatzung. Grundsätzlich sollen alte Flugzeuge mit mehreren Motoren derart ausgerüstet sein, daß bei Ausfall eines Motors weitergeflogen werden kann. Größte Anforderungen werden hinsichtlich der Bequemlichkeit den der Pasfagierkabine und des Einbaues großer Gepäck-, Fracht- und Posträume, auch eines besonderen Raumes für Wertsendungen gestellt, und zwar muß jede Maschine mindestens 300 Kilo Fracht und 240 Kilo Gepäck tragen. Der Aktionsradius soll 1200 Km. die Reisegeschwindigkeit mindestens 170 Km. in der Stunde betragen. Besonderer Wert wird auf die Verwendung der Funkmtele- phonie und -telegraphie gelegt. Der deutsche Osten im Luftverkehr. Zu Beginn des neuen Jahres soll das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und der Tschecho-Slowakei unterzeichnet werden. Damit wird Schlesien zum Mittelpunkt des östlichen Flugverkehrs. Die erste Frucht des Abkommens wird die Einrichtung der Linie Breslau—Gleiwitz—Wien mit Anschluß nach Klagenfurth sein; damit wird es möglich sein, auch Venedig von Breslau aus an einem Tage zu erreichen. Mitte April soll die Linie Breslau—Gleiwitz nach Budapest weitergeführt werden, wodurch cs möglich wäre, am gleichen Tage noch Belgrad und Sofia zu erreichen. Schließlich soll auch die Strecke Breslau—Prag- München mit Anschluß nach Genf Wirklichkeit werden. Im Jahre 1927 soll auch Vorsorge getroffen werden, daß die Strecken Paris—Breslau und London—Breslau an einem Tage sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt zurückgelegt werden können. Alte Gewerbe im Schwarzwald. Gustav Heybach. Der Schwarzwald verdankt seinen Namen seinem Wald, aber auch gleichzeitig bedeutet der Wald, der nahezu 50 Prozent der Gesamtfläche des Schwarzwaldgebietes ausmacht, für die Bewohner eine Erwerbsquelle von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Schon seit urdenklichen Zeiten kennt man den Ausdruck „das ist ein tzplländer", als gleichbedeutend mit grad gewachsen, kernig fest und makellos, für einen hohen Fichtenstamm, selbst, wenn er im Neckartal oder im Odenwald steht. Das ist ein glänzender Beweis für die Güte der Stämme im Hochschwarzwald aber auch gleichzeitig ein Hinweis auf ihre Bedeutung und Verwendung. Vom Hochschwarzwald nach dem holzarmen, schiffereichcn Holland ist ein weiter Weg und die Transportverhältnisse ungünstig: und doch haben die Alten dort in den Bergen es verstanden, ihre Stämme an den Mann zu bringen trotz der schweren Verhältnisse, man übte die Wildflößerei. Me meisten Schwarzwaldflüsse sind nicht so breit und nicht so tief, daß sie einen zusammengebundenen Stammbündel, wenn man so sagen kann, trugen, daher wurden die Stämme einzeln in das Wasser geworfen, das Wasser gestaut und dann schossen oie Waldnscn zu Tal, begleitet von den stämmigen Flößern, die mit langen Stangen am Ufer mitlaufen mußten um die Stämme in der richtigen Bahn zu halten, die Stauungen und Anhäufungen mußten beseitigt werden, sonst waren die folgenden Stämme in Gefahr, denn diese beschädigten beim Auffahren sich und die vor ihnen schwimmenden und die Stämme mußten unbeschädigt zu Tal gelangen, wollte nicht die ganze Arbeit umsonst sein. Die Wildflößer geleiteten ihre Stämme nur zum Neckar (von der Enz aus) oder zum Rhein (durch die Murg), dann traten sie wieder den Heimweg an, um mit neuen Stämmen herabzukommen. Es hatte sich eine besondere Zunft der Flößer gebildet, lauter stämmige, knorrige Kerle, die ernst und verschlossen waren, denn mehr als einmal hatte der Too schon seltne Hippe erhoben, wenn die Stämme sich bäumten, vorschossen und splitterten. Manchen Flößer aber lockte die Ferne, er kehrte nicht in die Heimat zurück, sondern ließ sich anheuern auf einen oer Flöße, die nun g ebildet wurden aus den großen Stämmen und zog hinab nach Holland, sah andere Gegenden, andere Menichen, andere Sitten, mancher kehrte wieder, mancher aber auch verkam, weil er nicht mehr der Heimat Boden unter den Füßen hatte. Was roch vor wenigen Jahrzehnten im Schwange war, gehört heute der Vergangenheit an. An Stelle der Stause n, li: abgelassen wurden, wenn alle Stämme im Wasser lagen, sind mächtige Stauwehrö errichtet worden, das Wasser treibt riesengroße Turbinen, oie auf Lichterzeugungsmaschinen gekoppelt' uns Kraft und Licht schenken. Mo früher nur gangbare Wege durch die engen Täler führten, liegt heute ein Schienenstrang, auf dem das Dampfroß, die mit Holz beladenen Wagen zieht, ein breiter Weg läßt den tzolzl- fuhrwerken genügend Platz, um ihrer schweren Arbeit gerecht zu werden. So schön es ist, daß an Stelle der gefahrvollen Wildflößerei die einfache Art der Fortschaffung der Hölzer getreten ist, so schwand doch damit ein Stück Schwarzwaldromantik auf immer dahin und nur alte Bilder erinnern uns noch an jene Zeit und die Geschichte vom Holländermichel, die der alte Großvater, der den Zunftmeister noch gekannt hat, seinen lauschenden Enkeln erzählt. ‘ Gar vielseitig ist die Verwendungsmöglichkeit des Holzes. Da haben wir die Verwendung zum Hausbau, zu reinen Holzbauten, im Gegensatz zu den waldarmen Gegenoen. in denen Vorschriften bestanden, wieviel Holz für einen Bau gegeben wird, die Uhren- macherei und die Bürstenmacherei verbrauchen viel Holz und nicht vergessen sei auch die Schnitzerei der Mönche des Klosters St. Blasien, die ihre Schnitzereiarbeiten gegen Nahrungsmittel eintauschten. Die besten Holzabnehmer aber waren doch die Glasbläsereien (Glashütten) und die Köhlereien. Kohlenbrenner gab es in allen dichtbewaldeten Gegenden und sind auch eines der ältchten Gewerbe, denn viele Sagen und Geschichten erzählen uns von diesen Leuten, die draußen in oer Tiefe des Waldes hausen allein, abgeschlossen von der Außenwelt, mit der sie nur beim Verkauf ihrer Kohle Zusammentreffen. Heute noch erinnern Flurnamen wie Kohlplatte und Kohlbrücke an die Tätigkeit der rußigen Männer. Abnehmer für die Holzkohle gab es genügend. Die Hammer- und Nagelschmieden benötigten diese Kohlen, wie auch in anderen Betrieben die Holzkohle Verwendung fand. Mit der Blütezeit des Eisengewerbes im Mittelalter fällt auch die Blütezeit der Köhlerei zusammen; anzunehmen ist die Zeit im 15.,uttb 16. Jahrhundert. Damals entstanden die vielen Köhlereien auf den Bergen und im Tal und es mag ein ganz schemenhaftes Bild gewesen sein, wenn die Kohlenmeiler ihren bläulichen Rauch zur Höhe sandten und der rußgeschwärzte Köhler mit einer langen Schürstange das Feuer regulierte. Vereinzelt finden wir heute noch den Köhler, seine Zeit ist vorbei, der Bedarf an Holzkohlen ging zurück, seit dem Schoße der Erde die Steinkohle entrissen wurde: und die Dampfmaschine für Zugzwecke umgebaut worden war, die schwerbeladenen Güterzüge brachten billig die Steinkohle in alle Teile des Landes. Neben den Köhlereien waren es die Glasbläsereien, die für den Schwarzwald von Bedeutung waren. Buchenholz und Quarz muhten vorhanden sein, wenn sich der Glasbläser niederlossen wollte, und dieser war ein freier Mann, er sieoette sich dort an, wo er günstiges Arbeitsfeld hatte, um die Stelle wieder zu verlassen, wenn der Holzreichtum und das Quarz nachließen. Urkundlich werden die Glasbläsereien schon im 12. und 13. Jahrhundert erwähnt, sodatz wir die Glasbläserei als eines der ältesten Gewerbe des! Schwarzwaldes ansprechen können. Die fortschreitende Entwicklung der Industrie drängte aber die Glasbläser ab. da auch der Holzreichtum geringer wurde, begannen für die Glasbläser trübe Zeiten. Im 17. Jahrhundert wanderten ein Dutzend Meister und Gesellen nach St. Blasien und begründeten dort eine Vläsergenossenschaft in Aeule (Gemarkung Schluchsee). Da man die Kosten und oie Gewinne teilte in diesen Bläsergenossenschaften konnten diese noch eine Weile fortbestehen, mußten aber im 18. Jahrhundert eingehen, weil die Konkurrenz der Glasbläser in Bayern bessere und billigere Glaswaren herstellte, auch die Glasbläserei in den böhmischen Wäldern bedeutete eine Gefahr für unsere Schwarzwäloer. Weiter liefert der Wald den Lebensunterhalt für döe Harz- scharrer und Pechmacher. Mit scharfen Eisenhaken werden oie Fichten angerissen, daß das goldige Harz herausquillt, das dann verwendet wird um das Pech für Schuhmacher und Brauer zu gewinnen. Die Harzbrocken werden vom Baum entfernt und in großen steinernen Kesseln von dem Schmutz und de» Rindenstücken, die daran hängen, gereinigt. Das Bild ist sondersam schön, wenn im Dunkel des Waldes eine große rußige Flamme lodert und der Pecher mit seiner Stange den Kesselinhalt umrührt. Für den Instrumentenbau ist das Nadelholz sehr gut geeignet, daher ist es picht verwunderlich, wenn die Instrumentenindustrie Fuß faßte im Schwarzwald und es zu einer beoeutenden Fertigkeit und einem guten Ruf in der weiten Welt gebracht hat. Was zuerst in emsiger Heimarbeit gemacht wurde, das stzellt man heute in den Fabriken her und manches Orchestjnon, das im fernen Amerika in einer kleinen Hütte steht, entstammt den kunstbeflissenen Händen der Schwarzwälder. Das für den Schwarzwald bedeutendste Gewerbe ist die Uhrmacherei. Im 17. Jahrhundert soll die erste Uhr mit drei Rädern und einem Zeiger mit einem Brotmesser hergestellt worden sein. Der Weg war mühsam, denn die zur Arbeit notwendigen Geräte mußten zuerst gefunden werden und im 18. Jahrhundert, um 1770 verfertigte man schon Uhren die 8 Tage gingen, Stunden- und Minutenzeiger, Metallräder und ein Pendel hatten. Die verfertigte Ware, die durch Schnitzereien und Bemalung der Zifferblätter sich auszeichneten, wurden durch die Träger in die weite Welt hinaus getragen und verkauft und der Erlös in die Heimat zurückgebracht. Heute ist die Uhrmacherei in Händen der Großindustrie und den Kleinmeister findet man nur noch in den entlegenen Seitentälern. Ein dunkles Rätsel. Roman von Alfred Wilson in autorisierter Uebersetzung von IohannaZunk. 41) (Nachdmck verboten). Gordon gab nicht gleich eine Antwort, er sah angestrengt auf die Erde. „Wenn wir die Fußspur, lange, schmale Füße, mit leichtem Schritt finden könnten," sagte er zu Sterret und spähte die Straße entlang. Aber die Straße war naß und schmutzig: es hatte die letzten beiden Tage geregnet. Obgleich in der Gasse keine besonderen Läden waren, und wenig Menschen sie zu passieren schienen, waren doch die meisten Spuren unkenntlich. Gordon stieß auf eine und die andere, die ihn wohl an die, welche er in Minden Lane gefunden hatte, erinnerte, aber immer wieder fand er doch Verschiedenheiten von jener, daß er einsehen mußte, er war auf falscher Spur. Verzweifelt wollte er schon die ganze Sucherei aufgeben, als Sterret einen Ruf der Ueberraschung ausstieß. Der Junge hatte sich nach den ersten Worten von Gordon an die Arbeit gemacht. Er hatte sich in einiger Entfernung von den beiden aufgestellt und schien denn auch wirklich Erfolg gehabt zu haben. Sein helleuchtendes Auge und sein rasches Winken kündete an. daß er etwas entdeckt zu haben glaubte; beide Männer traten zu ihm heran. Er zeigte auf eine Spur, die ungefähr jiünfzig Schritte von dem Platze entfernt war, wo Sterrets Stock auf den Boden gestoßen. Prüfend fah Gordon hinunter, er tat einen langen Atemzug. „Das stimmt," sagte er. „Ich bin dessen ganz sicher. So ist es auch Ushers Bleistifthülse, denn die Spuren sind's auch." Vor ihnen lag genau auf dem weichen Boden zu erkennen, dir Abzeichnung der langen, schmalen Ssiefel Ushers. Für jeden andern wär's doch noch schwierig gewesen, die Spur weiter zu verfolgen, aber für Gordon nicht. Die Erfahrungen, die er in Afrika gesammelt hatte, kamen ihm gut zu statten. Er fand sie, obgleich oft von andern Tritten unterbrochen und verwischt. jedesmal wieder, wenn Sterret und sein Sohn sie schon verloren glaubten. Es war ein glücklicher Zufall, daß die Straße so still und ruhig war, und daß sie keines Menschen Aufmerksamkeit erregten, denn aus den kleinen, einfachen Häusern sah ihnen niemand zu. Bei einem Hause, welches ebenso still wie die andern schien, machten sie Halt. Hier verloren sich die Spuren. Das Haus stand ein wenig an der Seite, sie sahen es sich genau an. Aber von außen war nichts Besonderes daran zu finden. Es konnte leer sein oder auch bewohnt. Die Vorhänge waren heruntergelassen: aus dem Schornstein stieg kein Rauch empor, kein Laut verriet, ob Leben darin sei. Sterret war um das Haus herumgegangen. Als er nach einigen Minuten wiederkam. sagte er: „Es ist keine Hintertür da. aber ich habe meinen Jungen für alle Fälle dort postiert. Ob unser Mann nun drin ist, oder ob nicht. Das werde ich auf alle Fälle bald heraus haben." Gordon nickte und der Beamte zog die Klingel. Rach e inigen Sekunden kamen Schritte die Treppe herunter, die Tür wurde geöffnet und ein junges Dienstmädchen fragte nach ihrem Begehr. Sterret nahm aber gar keine Notiz von ihr. sondern drängte sich brüsk vorbei und trat in den Gang hinein. Da rechts war eine Tür, er öffnete sie und sah hinein. Gordon, der ihm schnell gefolgt war, sah ihm über die Schulter und eine Sekunde blieben beide regungslos, denn vor ihnen stand Usher! „Sie?" schrie er. „Sie? Welcher Teufel führt Sie hierher?" Sterret ließ Gordon zur Seite treten und schloß die Tür ab. „Sie werden unter Mordverdacht von der Polizei gesucht! Hier ist der Haftbefehl gegen Sie!" Ushers bleiche Lippen zitterten, als er auf das Papier sah, aber er raffte sich zusammen. „Der Teufel hole Sie und Ihren Haftbefehl!" sagte er. „Meinen Sie, ich bin ein solcher Dummkops, daß ich mich lebendig so leicht fangen lasse? Sie haben ja die Verfolgung ganz geschickt und schlau durchgeführt, aber ein Tiger, der aus seinem Lager aufgestöbert ist. ist noch lange kein gefangener Tiger! Sehen Sie sich vor!" Sterret war gerade noch zur rechten Zeit zur Seite gesprungen. denn Usher hatte seinen Revolver gezogen und mit äußerster Schnelligkeit abgefeuert. Dies schnelle Zurückweichcn Sterrets hatte sein Leben gerettet, der Schuß streifte nur seine Schulter. Gordon sprang auf Usher zu, um ihn am Schießen zu verhindern. Aber der Spieler war schneller als er. Unter Gor- dons Arm hinweg, an dem in Rauch gehüllten Sterret vorbei, erreichte er die Tür. 3m nächsten Augenblick hätte er die Klinke heruntergedrückt gehabt, wenn sich plötzlich nicht die Tür geöffnet hätte. Eine alte, schlanke Dame mit weißem Haar stand auf der Schwelle und ließ ihre Augen mit Furcht und Erstaunen von Usher zu den beiden anderen wandern. „Philipp!" schrie sie entsetzt. Usher. der einen Versuch machte, den Revolver zu verstecken, stand totenbleich mit gesenktem Haupte und herabhängenden Armen da. Er schien ganz außer Fassung zu sein. Die alte Dame wandte sich an Gordon und Sterret. „Wer sind Sie? Was tun Sie hier? Was soll das bedeuten?" fragte sie streng. Gordon fühlte bei ihrem Anblick etwas wie Mitleid in sich aufsteigen, er gab keine Antwort. Aber Sterret fiel chr ins Wort. „Wenn Sie's gern wissen wollen, weshalb wir hier sind, so hören Eie denn: Ich habe einen Haftbefehl für jenen" und er zeigte barsch auf Usher. „Und er hat eben den Versuch gemacht, mich aus dem Wege zu räumen, er geht ein bißchen leichtsinnig mit dem Revolver um." Die Dame erschrak und als sie das Wort „Haftbefehl" hörte„ fuhr sie mit der Hand nach dem Herzen, aber sie richtete sich mit Anstrengung wieder auf. „Ich weiß nicht, wessen man meinen Sohn beschuldigt, meim Herren", sagte sie. Stolz fügte sie hinzu: „Eh ist sicherlich nichts Schlimmes. Vielleicht ein Mißverständnis, welches er sicher bald aufklären wird. Mein Sohn ist mit einer jungen, sehr reichen Dame. .Miß Gaunt. verlobt. Augenblicklich geht es uns nicht besonders, sonst würden wir nicht in einem solchen Hause wohnen. Wenn mein Sohn erst das junge Fräulein Gaunt heiratet —" Rr. 1. Jahrgang 1927. Die Städte als Wirtschaftszentren. ' XV Die lebhaften Bemühungen privater Kreise und öffentlicher Organe, der bereits seit einer langen Reihe ckin Zähren andauernden Wohnungslosigkeit zu steuern, haben Erörterungen darüber zur Folge gehabt, ob es eigentlich vernünftig fei. den derzeitigen Wohnungsbedarf in den Großstädten einem Wohnungsbauprogramm zu Grunde zu legen. Die Großstädte „fressen" — wie man sich auszudrücken pflegt — Menschen. Das bedeutet, daß die Großstädte mit wenigen Ausnahmen eine geringere Geburtenzahl als Todeszahl haben. Wenn wir also der Ausdehnungssucht der großen Städte freien Lauf ließen, würden wir nach kurzer Zeit im gesamten Reichsgebiet eine abnehmende Beoölkerungszahl erleben. Darum wird aus nationalen und bevölkerungspolitischen Gründen empfohlen, das Anschwellen der großen Städte nach Möglichkeit zu hemmen. Die Großstädte sind die Sammelbecken der aus ihren wirtschaftlichen Geleisen geworfenen Teile der Bevölkerung. Sie haben eine weit über dem Durchschnitt liegende Arbeitslosigkeit und bieten außerdem skrupellosen Individuen unabsehbare Möglichkeiten, sich in den Besitz einer Erwerbslosenrente zu setzen, dabei aber nebenher allerhand einträgliche Arbeit zu verrichten. Die Leiter der großstädtischen Arbeitsämter sind sich darüber einig, daß- die Mißbrauchsmöglichkeiten der sozialen Schutz- und Hilfseinrichtungen in den großen Städten ungleich größer sind, als in kleinen Städten und auf dem Lande. Es ist mehr als zweifelhaft, ob die zur Zeit in den großen Städten wohnenden oder auf Wohnung wartenden Menschen auch durchweg dort beschäftigt werden können. Am Allgemeinen besteht die Tendenz, daß die Industrien in die Reviere der Rohstoffgcwinnung übersiedeln. Kommt diese Entwicklung auch in Deutschland zum Durchbruch, so könnten wir erleben, daß wir in den großen Städten Wohnraum für Menschen errichtet haben, die wir in diesen Städten garnicht vollzählig beschäftigen können. Kürzlich hat der erste Unterausschuß der Enguetekommission einen Bortrag des Münchener Professors Morgenstern über die wirtschaftliche Verflechtung von Stadt und Land entgegengenommen. Der Gelehrte gab interessante Zahlen über die Zusammensetzung der Bevölkerung in den Großstädten bekannt. Während z. B. in der mehr kleinbürgerlichen Stadt München die in der Industrie beschäftigte Bewohnerschaft nur etwa 43 Prozent ausmacht, steigt dieser Satz in der Reichshauptstadt Berlin auf etwa 52 Prozent und erreicht in gewissen Städten des rheinisch-westfälischer Industriegebietes (z. B. in Gelsenkirchen) 78 Prozent. So viel man auch gegen die großen Städte anführen mag. eines ist sicher: Die Städte sind durchaus nicht allein Verzehrer der auf dem Lande erzeugten Produkte, sondern sie versorgen in großem Umfange sich selbst und das Land. Besonders für die überseeischen Erzeugnisse sind die Aädte volkswirtschaftlich unentbehrlich. Sie liefern die Waren, gegen die wir die Produkte des Auslandes eintauschen. Wir werden also die Städte mit ihrer massierten Produktion für den Export nicht entbehren können. Allerdings ist die ländliche Produktion ebenso unentbehrlich. Wir werden also daran festhalten müssen, daß das neue Deutschland ebenso wenig ivie das alte Deutschland ein reines Industrieland oder ein reines Agrarland werden darf. Ob wir zur Zeit allerdings die goldene Mitte einhalten, steht auf einem anderen Blatt. Wenn wir natürlich auch nicht die verfassungsmäßig gewährleistete Freizügigkeit in Deutschland abschaffen dürfen, so können wir doch indirekt den allzugroßen Andrang nach den Großstädten dadurch abschwächen, daß wir der Schaffung von landwirtschaftlichen und gewerblichen Arbeitsund Derdienstmöglichkeiten auf dem Lande erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Es darf nicht dahin kommen, daß ein immer größerer Prozentsatz des deutschen Volkes in die Städte strömt, um dort arbeitslos zu werden und dauernd an Arbeitsfähigkeit zu verlieren. Baden. Eine Reujahrsrede des bsd. Staatspräsidenten. Karlsruhe, 2. Jan. Auf Einladung des badischen Staatspräsidenten Dr. Köhler versammelten sich am Neujahrstage über 1000 Personen im badischen Landestheater zu einer Morgenfeier. Neben den badischen Behörden waren alle Stände der Bevölkerung vertreten. Staokpräsident Dr. Köhler hielt eine Ansprache, worin er feststellte, daß unser staatliches Sein befestigt sei und Usher hieß sie durch eine Gebärde stillschweigen, aber sie achtete nicht auf ihn und fuhr fort: „Die Dame ist die Tochter eines sehr reichen Mannes; wenn sie erst verheiratet sind, wird mein Sohn auch Geld haben. Wir werden dann alles arrangieren. Bedenken Sie doch das, meine Herren, und haben Sie noch Nachsicht mit ihm." Sie hielt inne und sah Sterret und Gordon zögernd an. Usher stand mit gesenktem Haupte dabei. Aber etwas in den Gesichtern der Männer schien sie zu beunruhigen, sie wurde noch bleicher. „Weshalb, weshalb kommt dieser Haftbefehl?" fragte sie. Usher wandte sich zu Sterret. „Ich bin bereit, kommen Sie schnell." Aber die alte Dame hielt Sterret zurück. „Weshalb kommt dieser Haftbefehl? Was hat mein Sohn verbrochen? Ich will es wissen!" beharrte sie. Gordon fühlte Mitleid und selbst Sterret zögerte einen Augenblick. Endlich sagte er: „Es liegt Verdacht wegen Mordes gegen ihn vor! So!-" „Mein Gott, Mord? das ist ja unmöglich —" Aber plötzlich hielt sie inne, denn Usher hatte aufgesehen, und ihre Augen hatten die ihres Sohnes getroffen. Sie schrak zusammen, aber mit äußerster Selbstbeherrschung sagte sie: „Es muß unmöglich sein. Da waltet ein Mißverständnis. Es ist alles meine Schuld; er tat es für mich! nur für mich! — Wir sind arm, sehr arm, wie Sie sehen. Er wollte unser altes Haus für mich zurückkaufen. Es war der letzte Wunsch meines Lebens. Das hat ihn dazu geführt. Es ist. o, mein« Herren, taffen Sie mich —" Gordon sprang hinzu um sie aufzufangen, es war zu spät. Sie war zu Boden gestürzt. Usher sah die beiden streng an, er stand zwischen ihnen und seiner ohnmächtigen Mutter. „Ich bin bereit. Ihnen zu folgen." ^agte er. „Wir gehen, ehe sie wicher zu sich -kommt. Es ist.-wahr. -Ich tat's um ihretwillen. Ich-kann nichts weiter sagen. Gunmen Sie" — als die beiden noch zögerten. „Um Gottes willen, kommen Sie!" Der Laudbote * Sinsheim« Zeitung. Deutschland sich in der Well behauptet habe. Das fei das Ergebnis unserer durchaus gradlinigen Außenpolitik der letzten Jahre. Man müsse sich aber draußen überall bewußt sein, daß die immer noch fortdauernde Besetzung nicht vereinbar ist mit dem Gedanken eines Bundes freier Völker in der Welt. Der Redner wünschte Stetigkeit der inneren Politik und sagte: Was wir brauchen, ist eine klare und feste Führung, die möglichst viele Volksgenossen heranzieht zu verantwortlicher Mitarbeit in den Parlamenten. Der Redner erinnerte dann an die ungeheure materielle und seelische Not unseres Volkes und di« sich daraus ergebenden sozialen Pflichten des Staaets und des einzelnen Darüber hinaus dürfte man aber auch nicht die kulturelle Mission unseres Volkes vergessen. Die Fcstnschtsocranstaltungen. Rach einer Bekanntmachung des Ministers des Innern ist die Veranstaltung von karnevalistischen Umzügen auf öffentlichen Straßen und Plagen und an andere» öffent ichen Orten verboten. Das Verbot bezieht sich nicht auf Kindern unter 14 Jahren und auf die üblichen ^historischen Umzüge besonderen lokalen Charakters. Aus Nah und Feen. * Sinsheim, 3. Jan. (N e u j a h r) Mit Silvesterseiern daheim oder in Restaurants, allein oder mit seinen Angehörigen und Freunden, hat man das alte Jahr, das sorgenbeschwerte, für viele leiderfüllte, das uns manch« Hoffnung wieder unerfüllt ließ, hinaus begleitet. Heiter und frohgestimmt begrüßte man dann das neue Jahr, hörte vom Kirchturm das vielstimmige uralte Lied der Glocken. Ein Ehoral erscholl, und die Töne hallten durch Winkel und Gassen. Wiederum ein Jahr verschwunden... Und was'wird uns das neue bringen? Keine Antwort wird uns auf diese Frage, undurchdringlich ist der Zukunft Angesicht. Aber die Fackel der Hoffnung leuchtet... ^ Sinsheim, 3. Jan. lPferdezuchjt,) Im Laufe der letzten Woche wurden vom Ministerium des Innern durch Herrn Oberregierungsrat Rau-Karlsruhe und Herrn Zuchtinspektor Beterinärrat Hock-Heidelberg im Zuchtgebiet der unterbadischen Pferdezuchtgenossen- schasten („Verband der unterbad. Kaltblutzüchter") mehrere Zuchthengste angekauft, um in verschiedenen Hengststationen zur Aufstellung zu gelangen; so z. B. von der Fohlenweide Sinsheim der Dunkelfuchs „Günther" (Gustav-Liesel) nach Assamstadt, von Herrn Iunker-Eulen- derg der Braunrotschimmel „Gambo" (Gambrimis-Lotte) nach Bruchsal, vom Landesverband für Zucht und Prüfung des badischen Pferdes der Fuchshengst „Iwan" (Iwo-Hulda) vvn der Fohlenweide Sinsheim nach Freiburg. Es sind das für die Leistungen der unterbadischen Pferdezucht wieder sehr bemerkenswerte und ermutigende Erfolge und Anerkennungen. — Der Beruf des Landwirts ist ein immerwährender Kampf mit den verschiedensten Elementargewalten und Widersachern, und besonders der „Züchter" hat mit Mißhelligkeiten und Widerwärtigkeiten aller Art zu Kämpfen. Umfo erfreulicher ist dieser schöne Erfolg zu buchen, zumal auch die Anforderungen an das Pferd im heutigen Existenzkampf strenger und schärfer geworden sind. Ziel- bewußte Arbeit und Beharrlichkeit wird aber auch unsere Pferdezucht allmählich wieder in die Höhe bringen. Trotz Eisenbahn, Motor und Elektrizität nimmt der Bedarf an Pferden in Deutschland ständig zu. In der Landwirtschaft, sowie auch in der Industrie bleibt das Pferd unentbehrlich, und eben das deutsche Kaltblut wird rascher wie jeder andere Schlag das Feld wieder behaupten, da es, wie sich neuerdings die Berhältniffe gestalten, von der Kraftmaschine nicht verdrängt wird, sondern Motor und schweres Arbeitspferd, wie untrennbare Geschwister sich gegenseitig ergänzen und einander unterstützen. — Vom Standpunkt unserer heimatlichen Pferdezucht ist auch sehr zu begrüßen, daß das Ministerium den auf der Station Daisbach abgängigen Hengst „Anton" in entgegenkommendster Weise so rasch und zielgemäß wieder ersetzte durch den wirklich schönen reinrassigen und wuchtigen Rheinländer Fuchshengst „Janus" (Iagow-Marie). Dieser Zugang wird unseren Pferdezüchtern gewiß sehr gefallen und sie zu emsiger Züchterarbeit ermuntern. Namens der Pfcrdezuchtgenoffenschaft Sinsheim sei dem Ministerium des Innern und deffen Respicienten für Pferdezucht, Herrn Oberregierungsrat Rau in Karlsruhe auch an dieser Stelle der verbindlichste Dank für die wohlwollende Berücksichtigung der Zuchtverhältnisse unseres Bezirks ausgesprochen; ebenso sind wir aber auch Herrn Hcngsthalter Schmitt in Daisbach zu großem Dank verpflichtet, daß er nicht „luck gelassen" und keine Kosten gescheut hat, diesen edle» Hengst für seine Station zu erwerben. * Sinsheim, 31. Dez. (Ein kalter und schneereicher Januar?) Die Berechnungen von A. M. Grimm, Direktor des Zcn- tralbüros für astronomische Wetterkunde, ergeben für den Monat Januar 1927 folgende Witterung: Der Januar wird vorwiegend kalt und schneereich werden. Trübes und klares Wetter wechseln in bunter Reihenfolge, nur werden sich Mitte des Monats die Schneefälle mehren, worauf dann einige klare Frosttage folgen. * Sinsheim, 3. Jan. (Ke ineErhöhung derFra cht- briefstempel gebühren.) Bekanntlich sollte eine wesentliche Verteuerung der Gebühren für die Stempelung der Frachtbriefe mit dem 1. Januar 1927 in Kraft treten. Der Zentralverband des deutschen Großhandels, e. V., Berlin, hat im Hinblick auf die. verkehrsschädigenden Wirkungen einer solchen Maßnahme bei der Reichsbahn Einspruch gegen eine derartige Absicht erhoben. Wie nunmehr dem Zentralverband des deutschen Großhandels von der Reichsbahn mitgeteilt wird, ist die Absicht einer Gebührenerhöhung aufgegeben worden.- Demzufolge wird es bei den bisherigen Gebühren von 10 bezw. 20 Pfg. für Stempelung von je 100 Stück deutscher bezw. internationaler Frachtbriefe vom 1. Januar 1927 ab weiter verbleiben. X Neckarbischofsheim-Helm Hof, 31. Dez. (Einen bitteren Nachgeschmack) wird das Weihnachtsfest für einzelne hiesige Einwohner haben, die in fremden Waldungen ihre Christbäume holten. Die Gendarmerie hat die Spur gefunden und die Täter entdeckt. S Siegelsbach, 31. Dez. (Wasserleitungsbau.) Die hie- emeinde baut im kommenden Jahr eine Wasserleitung. Das Projekt ist fertig und auch die Geldmittel sind besorgt. Eine Heil- bronner Bank stellt das Geld zu 7 o. H. zur Verfügung. ; Ans dem Krrbsbachtal, 31. Dez. (Ein Pseudo-Uhrmacher) wußte sich auf einsachste Art Geld zu verdienen in unserem Tale. Er ließ sich von der vertrauensseligen Bevölkerung Uhren zur Reparatur übergeben. Bon der einen Uhr nahm er das Werk oder Teile davon heraus und fügte sie in andere, auch das Zifferblatt ergänzte er auf diese Weise, ließ sich dann feinen Tribut entrichten und empfahl sich. Am tollsten trieb er es in Untergimpern. Dort erhielt er den ehrenvollen Auftrag, der Kirchenuhr ihr Launen zu vertreiben, mit der sie schon des öfteren die Bevölkerung genarrt hatte. Dieser Auftrag wurde zum Verhängnis für ihn. Er flickte und doktorte die rapiate Kirchenuhr vollends zu Tode. Nun hat sich die Gendarmerie seine Kunst etwas genauer angesehen und festgestellt, daß er als Straßenkehrer in der Pfalz approbiert hatte. Den Uebergang in's neue Jahr kündet ihm deshalb die Uhr im Amtsgefängnis zu Neckarbischofsheim. )( Wiesloch, 2. Jan. (Verschiedenes.) Der Arbeiter Stiebnitz geriet durch das Gleiten des Koks in den Silo. Er war vollkommen durch den Koks verdeckt worden, und nur dadurch, baß sein Fuß herausstand, bemerkte man sein Fehlen. Nach beinahe halbstündiger Bergungsarbeit konnte man den Berunglückteu in bewußtlosem Zustande bergen. — In einem hiesigen Kolonialwarengeschäft wurde aus der Ladenkaffe ein größerer Betrag entwendet. + Mannheim, l. Jan.. (Zur Förderung des Wohnuitzgs- b a u e s) in Mannheim wird in einer Vorlage an den Bürgeransschuß ein weiterer Kredit von fünf Millionen Reichsmark beantragt. Zur Etraßenherstellung und Erwerbung baureifer Grundstücke für zusammenhängenden Wohnungsbau soll semer ein Anlehen in Höhe von fünfzehn Millionen Reichsmark ausgenommen werden, die u. a. der Erstellung von Schulgebäuden, dem Ausbau des Flughafens, der Aus- fiihrung weiterer Ausstellungsbauten und ferner der Erwerbung von Grundstücken von den Mannheimer Motorwerken dienen sollen. Montag, den 3. Januar 1927. 0 Mannheim, 3. Ion. (Selbsttötung einer K ra n k> lisch wester.) In einem Krankenhaus hier wurde eine 27 Jahre alte Lehrschwester aus Pillingen bewußtlos in ihrem Bett aufgesunden. Es wurde festgestellt, daß sie Gift eingenommen hatte, wodurch der Tod am solaenden Tage eintrat. Furcht und Scham vor (Strafe dürsten die Ursachen der Tat sein. ^ _____ ' G Weinheim.?2. Jan. (Silvestersi ng'e n.) ^Die" hier cin- gesührte Sitte des Silvestersingcns gestaltete sich diesmal besonders feierlich. Die Stadt- und Feuerwehrkapclle spielte am Silvesterabend auf dem sehr belebten Marktplatze das „Niederländische Dankgebet", während auf dem Balkon des Rathauses der „Weihnachtsbaum für Alle" brannte. Der Männergesangverein „Eintracht" sang „O schöner Tag" (Pfeil.) Ein Choralspiel beendete die Feier, worauf der Männerchor sich zum städtischen Krankenhaus begab, nni den Kranken durch Liederoorträge eine Silvesterfreude zu bere iten. M □ Mörtelstein. 3. Jan. (Leichenländung.) Die^seit dein ersten Weihnachtstag vermißt gemeldete Frau Hilda Schielst aus Neunkircheu ist jetzt aus dem Neckar bei der Fähre geländet und heute nach Neunkirchen überführt worden £>' Mud au. 3. Jan. (H oh es Alter.) Hier starb die älteste Einwohnerin und wohl auch die älteste Frau des ganzen Bezirks, Frau Katharina Holzschuh, im Alter von 97 Jahren. — Hambrücken bei Brachial, 3. Jan. (Unglücksfall.) Das einjährige Kind des Landwirts Sebastian Köhler fiel aus dem Kinderwagen, wobei es sich eine schwere innere Kopfverletzung zuzog. Da äußerlich keine Zeichen einer Verletzung zu erkennen waren, brachten die Eltern das Kind zu spät in das Spital nach Bruchsal. Die sofort oorgenommenc Operation konnte das Kind nicht mehr retten. ^ Bauerbach, 2. Jan. (Verunglückt.) Der seit kurzem verheiratete Joseph Friedrich Albert jr. wurde in der Ziegelei von Bott in Gochshcim von einer abrutschenden Erdmasse verschüttet. Er war sofort tot. K Lörrach, 1. Jan. (Festgenommen.) Ein Basler Groß- kaufmann erhielt dieser Tage von einem Unbekannten einen Brief, in welchem er ausgefordert wurde, an einer bestimmten Stelle eine Summe von 6000 Franken zu deponieren, anderfalls er seines Lebens nicht mehr sicher sei. Kurz darauf wurden in die Wohnung des Grotzkauf- manns fünf Reoolverschllffe abgefeuert. Zwei Polizisten, die sich als Dienstmädchen verkleideten, gelang es dann, de» Täter in der Person eines Basler Metzgers festzustellen und zu verhaften. Er gab an, sich auf diese Weise die notwendigen Mittel für seine Heirat verjchast haben zu wollen. # Berghausen (Pfalz), 3. Jan. (Es gibt noch ehrliche Handmerksburschen!) Ein durchreisender Handwerksbursche fand im Wartesaal eine Aktenmappe mit 350 Rm Bargeld nebst Papieren, die auf den Besitz pnes Viktualienhändlers in Herrheim hinwiesen. Der Handwerksbursche meldete den Fund beim Gemeindesekretär, der dem rechtmäßigen Besitzer das Fundgeld wieder zustellte. Der Verlierer gewährte einen Finderlohn von zwanzig Reichsmark, die der Gemeindesekretär dem ehrlichen Finder aushändigen wollte. Der Handwerksbursche wünschte aber anstatt des Geldes Kleidungsstücke zu erhalten. Der Gemeindesekretär erfüllte den Wunsch und hünd-gte dem Handwerksburschen noch den Restbetrag von 1.80 Rm. als Zehrgeld aus. t Eisenstein, 3. Jan. (Tod und Leben.) Bei einem Brande in der Nähe von Eisenstein im Bayrischen Wald wurde eine kurz vor der Entbindung stehende Frau von dem zusammenstürzenden Dach begraben. Ihr Mann hatte sich bei Ausbruch des Feuers durch einen Sprung aus dem Fenster in Sicherheit gebracht und dann seine Frau nicht mehr retten können Man fand später ihre verkohlte Leiche, daneben aber lebend das Neugeborene, das unverletzt geblieben war. t Hannover, 2. Jan. (Töd l icher Unglücksfall.) In der Bahnhofhalle in Hannover wollte ein Mann auf einert Zug auffpringcn. Dabei kam er zu Fall und geriet unter die Räder Um den Verunglückten befreien zu können, mußte ein Stück aus dem Trittbrett herausgesägt werden. Der Mann, der keine Auswcispapiere bei sich trug wurde als Leiche geborgen. - Lauenburg (Elbe), 1. Jan. (Raubmord ans der Landstraße) An der Iuliusburger Landstraße wurde ein Händler mit zertrümmerter Schädeldecke in einem Wassertümpel tot aufgefunden. Man vermutet Raubmord. Orleans, 2. Jan. (Trotz Reichtum verhungert.) In^Krankenhaus von Orleans starb eine 80 jährige Witwe kurz nachdem sie halbverhungert eingeliefert worden war. Eine Haussuchung in ihrer Wohnung förderte ein Vermögen in Höhe von 53 000 Franken in Gold und Silber zutage. London, 1. Jan. (Großer I u w e l e n d i e b st a h l.) In öt r Iuwelenabteilung des bekannten Warenhauses Harrods wurden Schmuckgegenstände im Wert von ungefähr 10 000 Pfund Sterling gestohlen. Die Einbrecher sind dabei höchst geschickt vorgegangen. Es konnte bisher nicht ermittelt werden, auf welchem Wege sie in das Warenhaus eiNdringen konnten. Sie verl eßen das Gebäude, wo sie die ganze Nacht ungestört arbeiteten, morgens um 5 Uhr und fuhren in einer Autodroschke davon. London, 1. Jan. (Abgestürzt.) Wie aus Alahabad berichtet wird, stürzte über dem Flugplatz von Ämbala ein mit 2 Offizieren besetztes britisches Militärflugze- g ab. Die beiden Insassen waren sofort tot. Kowno, 2. Jan. (Eine s echsköp fige Familie ermordet.) In einem Dorfe bei Koivno wurde in der Nacht vom 27. zum 28. Dezember eine aus sechs Köpfen bestehende Familie ermordet. Die beiden Eltern sind mit einem Jagdgewehr erschossen worden, während den vier Kindern mit Dolchmessern die Kehlen durchschnitten worden sind. Bon den Mördern, die nach der Mordtat noch das Wohnhaus in Brand gesteckt hatten, fehlt jede Spur. Orkan in Württemberg. Stuttgart, 31. Dezbr. Nach einer Meldung tobt auf der Hohenloher Ebene ein Orkan von einer Stärke, wie er in Württemberg seit langem nicht erlebt wurde. Biele Kilometer weit wurden die Telegraphenleitungen umgeworsen und auf die Schienen gestürzt, sodaß zeitweise die Züge nicht verkehren konnten. Zahlreiche Straßenstrecken sind gesperrt. Schornsteine wurden umgeworfen, Dächer und Häuser stark beschädigt. Die Elektrizitätsversorgung der betroffenen Ortschaften wurde gestört. Die Störungen find bis jetzt noch nicht behoben. llnglücksfälle im Bergbau. Aus Bochum wird berichtet: Auf der Zeche „Julia" in Bauckau wurden zwei Bergleute verschüttet; sie konnten nur als Leichen geborgen werden. — Auf der Zeche „Lothringen" stürzte ein Schlaffer in den Schacht und fand den Tod. Schweres Eisenbahnunglück. Berlin, 2. Jan. Wie die Blätter aus Danzig melden, hat sich am Freitag abend gegen 8 Uhr ein schweres Eisenbahnunglück auf der Eisenbahnstrecke zwischen Hohenstein (Freistadtgebiet) und Beront auf polnischem Gebiet ereignet. Don einem Personenzuge sind bei Schöneck (Skarsewy) zwei Wagen entgleist und den dort sehr hohen Eisenbehndamm heruntergestürzt. Soweit bisher zu ermitteln war. forderte der Unfall viele Todesopfer und zahlreiche Schwer- und Leichtverletzte. Lawinenungliick in Arlberg. Insbrnck, 2 . Fan. Aus Arlberg wird «jn schweres Lawinenunglück gemeldet, bei dem elf Personen verschüttet wurden. Bisher konnten drei Personen lebend geborgen werden; zwei Personen sind tot ausgegraben worden. Die übrigen Verschütteten liegen noch unter den Schneemassen. Unter den Verunglückten befindet sich der bekannte Arlberger Schilehrer und Bergführer Strolz. Die meisten der übrigen Teilnehmer der betreffenden Schierpedilion sind Engländer. Von Zuers und anderen umliegenden Orten Nr. 1. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung Montag, den 3. Januar 1927. sind Rettungsmannschaften eingetroffen, die die Bergungsarbeiten leisten. Acht Menschen von einer stürzenden Mauer erschlage«. Aus Melilla wird gemeldet: Eine Mauer stürzte, von den heftigen und anhaltenden Regengüssen der letzten Tage unterhöhlt. zusammen. Acht Personen wurden von den Steinmasfen erschlagen. Schweres Erdbeben in der Reujahrsnacht. Newyork, 2. Jan. Niederkalifornien und Nordamerika sind in der Neujahrsnacht von einem Erdbeben heimgesucht worden, dem mehrere Städte zum Opfer fielen. Die Erdstöße dauerten in der Gegend von Mexicala die ganze Nacht an; sie erstreckten sich 150 Meilen weit nach Norden und 60 Meilen weit nach Süden von der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Bisher sind keine Todesopfer festgestellt, doch ist der Materialschaden sehr bedeutend. Das Zentrum des Erdbebens scheint in der Gegend von Imperial Valley zu liegen. Schweres Eisenbahnunglück in Chile. 11 Tote, 29 Verletzte. Paris, 1. Jan. Wie aus Santiago gemeldet wird, entgleiste bei Lola ein Schnellzug. Elf Reisende wurden getötet und 20 schwer verletzt. Das erste Stahlhaus. Da i erste wirklich Wohnzwecken dienende Stahlhaus ist in Duisburg auf dem Kaiserberggelände erbaut worden. Nachdem das Kellergeschoß in der üblichen Weise errichtet worden war, wurde mit der Aufstellung des von den „Vereinigten Stahlwerken" degonnenenen Hauses innerhalb zweier Tage einiges Aufsehen erregt. Wie aus dem Boden gewachsen, stand das Haus an seinem Platze. Es erhält ein Ziegeldach, da man vorläufig von der Bedeckung mit Elahlplatten Abstand genommen hat. Dieses Haus aus Stahl hat drei geräumige Zimmer nebst Küche und Kellerräumen, Gas, elektrisch Licht und Warmwasser. Bis spätestens 15. Januar soll das Haus bezugsfertig sein. Eine seltene Mißgeburt. In Wolfis bei Sonthofen, brachte eine Kuh des Landwirts Frick ein Kalb zur Welt, das mitten au der Stirn ein Auge, aber keine Nase hatte. Außerdem war der Unterkiefer stark gewölbt, wie bei einer Bulldogge. Die Abnormität lebte nur zwei Stunden. Der Kopf wurde zu Studienzwecken an die tierärztliche Hochschule nach München gesandt. Wo die Steuern hinkommen. August der. Starke hatte einen witzigen und kühnen Hofnarren, namens Kyau, dessen geistvolle Einfälle ihn und seine Tafelrunde oft zum Lachen brachten. Einst fragte der König bei Tisch, wie es wohl zugehe, daß die vielen Steuern, die er ausschreibe, ihm so geringen Ertrag brächten. Da nahm Kyau aus einem Weinkühler ein Stück Eis und reichte es seinem Nachbarn mit der Bitte, das Eisstück weiterzugeben, bis es zu beim Herrscher gelangen werde. So ging nun das Eis rund herum um die Tafel durch die Hände der sämtlichen Minister und hohen Beamten, die an dem Bankett teilnahmen. Nur ein winziges Stückchen kam zu August. „Da sehen Eure Majestät", sagte der kluge Narr, „wie Ihre Steuern zu Wasser werden." Schwer bestraste Leichtgläubigkeit. Keine Geschichte aus der Zeit der Hexenverbrennung, aber aus dem Jahre der Aufklärung 1926: Zu dem Kaufmann Tauzia in Nizza kommt ein Unbekannter, der das Geschäft kaufen will. Beide schließen Freundschaft. Der Fremde verkehrt im Hause Tauzias, erzählt unter anderem, daß er den sensationellen Versuchen zweier Amerikaner deigewohnt und von ihrer Zauberkraft etwas gelernt habe. Er könne Tauzia und seinen Angehörigen die Gabe des zweiten Gesichtes verschaffen, wenn sie ihre Augen mit einem in Essig getränkten Tuche verbänden und Hände und Beine an den Stuhl fesseln ließen. Die Familie ließ sich fesseln. Der Unbekannte tötete durch einen Schuß Tauzia, verwundete die anwesende Tochter und entfloh mit 14 000 Franken in barem Gelde. Flucht tn die Ehe. Der italienische Heiratsmarkt steht nach Einführung der neuen Steuer auf Junggesellen in voller Blüte. Die Heiratsvermittler haben alle Hände voll zu tun. Tausende von Listen find in den letzten Tagen angefordert worden. Eine Familie, die vom Diebstahl lebt. Die Kopenhagener Kriminalpolizei ist gegenwärtig mit der Untersuchung zahlreicher Einbruchs- dirbstShle beschäftigt, an denen insgesamt 13 Personen, alles Angehörige einer Familie, beteiligt sind, die in den letzten Monaten ausschließlich vom Einbruchsdiebstahl gelebt haben. Zahlreiche Einbruchsdiebstähle, die während des vergangenen und dieses Jahr verübt wurden und vor allem Geldschränke betrafen, konnten bisher nicht aufgeklärt werden, bis es der Polizei gelang, eine Spur zu finden und den bekannten, wegen schweren Einbruchs bereits mit Strafarbeit bestraften Einbrecher Jörgen Nielsen als einen der Haupttäter zu ermitteln. Angesichts des von der Polizei zusammengetraqenen Belastungsmaterials legte Nielsen schließlich ein umfassendes Geständnis ab, nach dem er gemeinsam mit seinen Brüdern uud Schwestern und seinen zwei Vettern insgesamt 93 Einbruchsdiebstähle verübt hat, von denen zwar die Hälfte mißglückt, die andere Hälfte jedoch eine reiche Beute ergeben hatte. Weitere Einbrüche dürften der Liga, deren sämtliche Mitglieder verhaftet wurden, zur Last fallen. Die Affäre ist die größte, die die Kopenhagener Polizei bisher jemals beschäftigt hat. Dom Dienstmädchen zum Minister. Diesmal nicht in Amerika, sondern in Finnland: Bei der Bildung des Kabinetts Tanner wurde zum Wohlfahrtsminister Fräulein Silaanpa .ernannt, die ihre berufliche Tätigkeit als — Dienstmädchen begonnen hat. Durch unermüdlichen Fleiß hat sie sich ein umsaffendes Wiffen angeeignet, so daß daran nicht zu zweifeln ist, sie werde auch ihren neuen Posten zufriedenstellend versehen. Vollend ing eines russischen Kraftwerkes. Gestern fand die Eröffnung der großen Wolkowstroi-Ucberlandzentrale bei Leningrad statt. Mit dem Bau des Werkes wurde 1922 begonnen. Die Kosten schließen 97 Millionen ab; davon sind rund 30 Millionen für den Bau von Schleusen aufg wendet worden. Die Arbeiten sind zum Teil unter Mitwirkung schwedischer Firmen bewältigt worden. Ein Opfer der „Möwe". Unter den englischen Schiffskommandanten, die . jetzt in den Ruhestand treten, befindet sich auch Kapitän Mackenzie, und aus diesem Anlaß erinnern englische Blätter daran, daß der Kapitän eines der berühmtesten Opfer des deutschen Kreuzers „Möwe" geworden ist. Mackenzie machte zu Anfang des Jahres 1917 mit dem Schiff „Breck- nockshire" die Iungfernreise, die zugleich seine letzte sein solle. Nachdem das Schiff eine Woche lang mit einem schweren Sturm gekämpft hatte, begegnete es einem anderen Schiff, das Mackenzie für einen britischen Kreuzer hielt. Aber als das andere Schiff nahe herangekommen war, enthüllte es plötzlich die glänzenden Kanonenrohre und Torpedoröhren, Kapitän Mackenzie mußte sich mit seiner ganzen Mannschaft ergeben, und die „Brccknock- shire" wurde versenkt. Der Exschah als Parfilmverkäufer. Der Exschah von Persien, der bekanntlich durch keine Aufforderung dazu zu bekehren war, aus Paris nach seinem Lande zurückzukehren und von Riza Khan entthront wurde, befindet sich in einer schwierigen Vermögenslage und hat auf den Besuch der teuren Restaurants und Tanzlokale, in denen er früher Stammgast war, verzichten müssen. Er hat sich bereits von den meisten seiner Juwelen trennen müssen und muß daran denken, wie jeder andere Sterbliche, sich einen Broterwerb zu suchen. Um wenigstens der Üeber- lieferung seiner düftereichen Heimat treu zu bleiben, will er als Parfümverkäufer austreten und soll in einem wundervoll ausgestatteten Laden die Düfte des Orients feilhalten. Für 3,8 Millionen Dollar Alkohol beschlagnahmt. Wie aus Newyork gemeldet wird, wurde in der Fabrik des amerikanischen Chemikers Dr Mac Kenna, der während des Krieges Präsident des chemischen Untersuchungskomitees war, Alkohol im Werte von 3,8 Millionen Dollars beschlagnahmt. Drei Personen wurden verhaftet. Der ZuftlH als Erfind«. Eine amerikanische Fabrik phono- graphischer Platten machte die merkwürdige Beobachtung, daß die Kupfermatritzen aus einem bestimmten Bad bedeutend härter waren als die aus allen anderen: infolgedessen ließen sich mit weniger Kupfer viel mehr Phonographenplatten pressen. Man ging dieser merkwürdigen Erscheinung nach und ließ das Bad durch eine chemische Untersuchungsanstalt prüfen, die das Vorhandensein eines organischen Stoffes feststellte. Da ein solcher Stoff der Lösung nicht beigegeben war, stand man vor einem Rätsel. Der Chemiker Dr. William Blum fand aber, wie in der „Umschau" berichtet wird, die ebenso überraschende wie einfache Lösung. Bei der Herstellung der fraglichen Platten hatten sich während der Frühstückspause ein par italienische Arbeiter geneckt, und der eine hatte ein Stück Käse als Wurfgeschoß benutzt, um einen anderst zu treffen. Er hatte aber sein Ziel verfehlt, der Köse war in eines der Kupferbäder gefallen und hatte dort unerkannt die günstige Wirkung ausgeübt. Nachdem auf diese Weise di« Ursache der Härtung erklärt war, setzt die Firma jetzt allen ihren Knpferbädern Kasein zu und hat dadurch die Herstellung der Platten verbilligt and verbessert. Eine amerikanische Studentin als Bankräuber. In der amerikanischen Berbrecherchronik tritt zum ersten Male «in junges Mädchen auf, das auf eigene Faust einen Banküberfall verübte. Die zweifelhafte Ehre dieser Rolle fällt der 22 jährigen Miß Bradley zu, die die Universität von Texas besucht, um sich dort für ein Examen vorzubereiten und nebenbei als Stenotypistin beschäftigt ivar, um sich ihren Lebensunterhalt und ihr« Studiengelder zu verdienen. Sie wurde von der Polizei verhaftet, leugnet aber die Tat, die man ihr zur Last legt. Unverdächtige Zeugen erkennen indessen in ihr ein junges Mädchen wieder, das in Buga, einem Borort von Austin im Staate Texas, die landwirtschaftliche Bank betrat, während der Kassierer und der Buchhalter allein anwesend waren. Das Mädchen zog einen Revolver hervor und zwang den Kassierer ihm den Kasseninhalt in Höhe von 2500 Dollar auszuliefern. Es schloß dann die beiden Männer in einem Gewölbe ein, verließ die Bank, als ob nichts geschehen sei, und fuhr in einem Automobil davon. Ein paar Stunden später wurde es bereits verhaftet. Die Uhr, die immer geht. Calixto Orbero, ein junger kata- lonifcher Uhrmacher, hat, einer Nachricht aus Madrid zufolge, tüe Uhr geschaffen, die man nicht aufzuziehen brauche. Diese Uhr zeigt nicht nur Sekunden, Minuten und Stunden, sondern auch Tage, Wochen, Monate, Schaltjahre, die Zeichen des Tierkreises, die Zahl der noch nicht verflossenen Wochen des Jahres, Sonnenauf- und -Untergang, Mondphasen und manche andere astronomische Daten. Die Uhr hat 1100 Arbeitsstunden erfordert und besteht aus rund 800 Teilen. Was tun Sie mit 50 Fahren? Eine amerikanische Filmzeitschrift hat einer Anzahl von „Weltberühmtheiten" diese Frage vorgelegt. Für Amerika rangieren unter den Weltberühmtheiten selbstverständlich an erster Stelle die Filmgrößen. So hat man Gelegenheit zu erfahren, daß Pola Negri mit 50 Jahren so etwas wie ein weiblicher Film-Reinhardt zu sein und einen Trust von großen und guten Theatern zu beherrschen hofft. Lillian Gish will zwar mit 50 Jahren in ein Kloster gehen, gibt aber zu, daß sich ihre Ansicht darüber bis dahin noch geändert haben könne. Marry Pickford will um diese Zeit endlich einmal ihren eigenen Gedanken nachhängen können und nur Gloria Swanson hofft, mit 50 Jahren die Frau eines angesehenen Mannes und Mutter einer Schar kluger Kinder zu sein. Neueste amtliche Kurse tn 0/0 Bad. Ban! .... 16.'. Darmftädler und Nattonalban! 366 Deutsche Ban! . . . . 191 Deutsche Beretnsbank . us Dresdner Ban!. ... >76 Mitteldeutsche Credttban!. 17« Reichsbank .... t7l,50 Rhein. Credttban! . . ltl Südd. Dtsconto Ges. . . i«3 Sergweth« » MHn in °/o Sarpener Bergbau . . — «alt Weperegeln . . . 167,25 ManneSmnnnröhremverke. 312,25 Mansfelder Bergb .u. Hüttenw 14« Oberschl. Gisenb. Bedarf . . — Phönix Bergbau u. Hüttenbetrieb 140 Salzwerk Heilbeonn . . 150 Bereinigte I Königs- Laurahütte 33,50 Aktie» industr. Unternehmung«»: tn o/o Ällg. Elektr. Stammaktien . >70 Badenia Wetnheim . . . — Bad. Elektrizität Mannheim . 0,13 HO 147 . 88 . SO«,75 . 166 60 . 32j,75 . 0.54» 134,75 48 163 127 110 171 38 243 . 144 141,5 » Aktien dentfchrr Transport«, ftalte»: t» 0/0 Hambuig. Amerib. Paletfahrt 1/5,75 Heidelberger Straßen« u. Bergbahn 7» Norddeutscher Lloyd. . • 174,50 Depiseu: Geld Brief New-Dorl l Dollar 4.0,5 4.20,5 London 1 Pfund 20.381 20.433 Holland 100 Gulden 163 05 >63.47 Schweiz 100 Francs 81. It 813! Paris inv Kran >6.65 16 6, mitgeteilt von der Vereinsbank. e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 39. Dezember 1926. Anleihen: 50/0 Deutsch« Retchsanlethe . Deutsche Sparprämienanleihe Bnnknkti«»: tn 0/0 6 , 7971/2 0,515 Bad. Maschinen Durlach Cementwerk Heidelberg Daimler Motoren Dtsch. Gold- «nd Silbers chewe Elektr. Licht und Kraft . Emaill. und Stanzwerk Ullrich Farbenindustrte . . Fuchs Waggon Stammaktien Gritzner Maschinen Dnrlach . Karlsruher Maschinen . Knorr Hetlbronn Mainkrastwerke Höchst . Nettarsulmer Fahrzeugwerke . Schuckert Elektr. Nürnberg Setlindustrte Wolfs Zellstoff Waldhof Stammattie» Zuckerfabrik Waghäusel „ Hetlbronn. Garantier! Ziehung Kächfte üdd-Lofkrie BBadener W> Fiinsortfebs £ 1" 11a 10 Äf 3000 12 , 1 , 192 ?, Stürmer MANNHEIM 07/11 - fbsfScheck -Xonf-o Karlsruhe >1?043 Hier bei: J. Rohleder. Tom-Verein Sinsheim e. V. Vereinigte Turnvereine 1861 Zu der am Mittwoch, den 8. Januar abends 1/28 Uhr im Gasthaus zum „Stadtpark" stattfindenden laden wir unsere Mitglieder sreundlichst ein. Tagesordnung: Turn- und Spielplatz betr. Der Vorstand. Brennf]DliDßr(lßifleruna des Forstamts Neckarschwarzach am Mittwoch, den 5. Fauna? 1927, morgens 9 1/2 Uhr. im „Deutschen Kaiser" in Aglasterhausen aus Distrikt Jungholz: 3 Ster erlen Nutzrollen, 424 Ster bu. Scheit, 137 Ster Prügel, 118 Ster Reisprügel, 2875 Stück du. Wellen und 8 Lose Schlagraum. Borzeiger: Oberforstwart Heiß in Neunkirchen. Die durchftrichenen Nummern kommen nicht zum Ausruf. Die Verbürgung des Holzgeldes findet während der Versteigerung statt. Frachtbriefe liefert die 6. ßeth?r’[die Budidrutfterei. nach SÜDAMERIKA FÜR PASSAGIERE UND FRACHT Regelmäßige Abfahrten der Passagier', dampfer .BADEN’ .BAYERN’ .WÜRTTEM- BERG’ Auskünfte and Drncksa ch en dardi die fllliV 4 HAMBURG-AMERIKA LINIE HAMBURG / ALSTERDAMM 25 and deren Vertreter an al’en größeren Plätzen in: Sinsbeim, BERHAHH BETSCH Hauptstraße 304. 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