Ersckel-t Montan. M trwoch Freitag. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger u. unsere Austräger frei ins Haus monatlich Goldmark 1.5V Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Süllen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 128 —5 Uhr, Sonntags geschloffen. Fernsprechanschlust Nr. 11. Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903. M 18. andoole ieitrmg; GegrünSrr 8 3 S General-Anzeiger für das Tlsenz- und Schwarzbachtal Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Äaupt-Anzeigen-Blatt. Wöchentliche Beilagen: Mode u. Heim » Der Kobold * None Illustrierte Freitag, den 11. Februar 1927. Ar-zeigen-Preise: Anzeigen: Die 33 mm breite Millimeter-Zeile 7 Goldpfg. Reklamen. Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung inner- halb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Platzoorschriften werden nicht anerkannt und für Aufnahmen an be-° stimmten Tagen keinerlei Gewähr übernommen. Anzeigen-Annahme bis 8 Uhr vormittags: größere Anzeigen müssen am Tage vorher ausgegeben werden.. 88. Jahrgang Mmlj da MnoertyniMttigeti ? Heute Entscheidung des Relchskabinetts. Berlin, 10. Febr. Am morgigen Freitag wird voraussichtlich das Reichskabinett zusammentreten, um sich darüber schlüssig zu werden, ob angesichts der polnischen Ausweisungspolitik die Verhandlungen über den Abschluß eines deutsch-polnischen Handelsvertrags noch weiter geführt werden sollen. Die Ausweisungs- frage ist zur Stunde noch nicht völlig geklärt. Wenn aber auch zurzeit in Warschau durch den deutschen 'Gesandten über diese Frage mit der polnischen Regierung noch verhandelt wird, so sind nach den bisherigen Erfahrungen besondere Erwartungen auf ein günstiges Ergebnis dieser Verhandlungen kaum gerechtfertigt. Man nimmt deshalb in hiesigen politischen Kreisen an, daß der morgige Kabinettsrat zu dem Beschluß kommen wird, die Berliner Verhandlungen so lange zu unterbrechen, bis das Ergebnis der Schritte des deutschen Gesandten in Warschau zu übersehen ist. Fm Falle eines befriedigenden Ausgangs dieser Verhandlungen wäre die Reichsregierung natürlich geneigt, die Berliner Verhandlungen wieder aufzunehmen. Alle von polnischer. Seite in dieser Angelegenheit verbreiteten Meldungen über den angeblichen Stand der Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland sind durchaus tendenziös und entsprechen in keiner Weise dem tatsächlichen Stand der Dinge. Kattowitz 10. Febr. Auf Anordnung der Polizeidirektion Kattowitz wurden die gestrigen Ausgaben des „Volkswille", der „Kattowitzer Zeitung" und des „Oderschlesischen Kurier" wegen einer Berliner Meldung über den Stand der Handelsvertragsverhandlungen zwischen Polen und Deutschland beschlagnahmt. Eine Antwort an die „Times.- Berlin. 10. Febr. Zu den Angriffen der „Times" gegen die Reichsregierung wegen der in den deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlungen ausgebrochenen Krise bemerkt die „Tägliche Rundschau": Die „Times" verschweigt ihren Lesern geflissentlich, daß die neue deutsche Regierung, die durch das brutale Borgehen der Polen gegen deutsche Reichsangehörige in Ostoberschlesien geschaffene Lage, aus der die Krise entstanden ist. bereits vorfand und daß die Angehörigen der Rechtsparteien in der neuen Regierung auf di« Gestaltung der Dinge gar keinen Einfluß gehabt haben. Es kommt dem Blatte eben nut darauf an. Deutschland ins Unrecht zu setzen, weil das wieder einmal im Interesse der englischen Politik liegt. Schäbige Praktiken, die sich hier von selbst ad absurdum geführt haben. Kein Zollkrieg mit Frankreich. Berlin, 10. Febr. Am 21. Februar läuft das Provisorium der deutschi-französischen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen ab. Ueber den noch immer ausstehenden deutsch-französischen Handelsvertrag wird bekanntlich bereits seit zwei Jahren unterhandelt und es sind schon wiederholt provisorische Abkommen getroffen und nach ihrem Ablauf verlängert worden. Die Hauptschwierigkeit liegt in der mangelnden Stabilität der französischen Währung, eine Tatsache, über die auch die derzeitige Ruhe der Frankenbewegung nicht hinwegtäuschen kann. Deutschland hat nun seinerseits eine abermalige Verlängerung des Provisoriums um drei Monate vorgeschlagen, da dieser Zustand einem vertragslosen Verhältnis immer noch oorzuziehen ist, selbst in Anbetracht des Umstands, daß auch in dem letzten Provisorium nur ein Bruchteil der deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen erfaßt wurde, nämlich nur ein Mertel. Die Franzosen möchten gerne den Wein in den Abschluß des Provisoriums hineinbeziehen. Das wird aber von deutscher Seite abgelehnt. Ob es bis zum 21. Februar zu einer Einigung kommen wird, läßt sich noch nicht absehen. Nötigenfalls müßte dann ein oertragsloser Zustand eintrctcn. Das bedeutet aber nicht etwa einen Zollkrieg: es kann schon jetzt gesagt werden, daß auch in dem Fall die Verhandlungen weitergehen würden. Die neuen Fernsprechgebühren. Beschlüsse des Derwaltungsvats der Reichspost. Berlin, 10. Febr. Bei der Fortsetzung der Beratungen des Derwaltungsrats über die neue Fernsprechordnung wurde vom Rcichspostminister Dr. Schätze! und Staatssekretär, Dr. Feyer- avend ein weiterer Ausbau und die dringend nötige Automati- stermig des Fernsprechwesens für unmöglich erklärt, wenn der Reichspost die Mittel dazu entzogen würden. Der Berwaltungsrat trat den Vorschlägen der Verwaltung wegen Wiedereinführung einet Grundgebühr bei, ermäßigte- die Satze aber auf drei bis acht Reichsmark monatlich. Die Orts- gefprächsgebühr wird einheitlich zehn Pfennig betragen, mindestens hat jeder Teilnehmer monatlich 20—40 Ortsgespräche zu bezahlen. Die Annahme des Kompromißcmtrages bedeutet für die Verwaltung eine Mindereinnabme von etwa vier Millionen Reichsmark und ein Entgegenkommen an die Wenig-Sprecher gegenüber den vom Arbeitsausschuß oorgeschlagenen Sätzen. Im Fernverkehr werden die Gebührensätze auf Entfernungen von 50 bis 75 Kilometern von 45, 90 und 120 Pfennig auf 40. 70 und 90 Pfennig herabgesetzt. Die weiteren vom Arbeitsausschuß gebilligten Gebührenermäßigungen. Berechnung aller Ferngespräche von mehr als drei Minuten Dauer nach Einzelminuten Herabsetzung der Ferngesprächgebühren in der Zeit von 7 Uhr abends bis 8 Uhr vormittags auf zwei Drittel. Ermäßigung der Herbeirufungsgebühr auf 40 Pfennig und der Gebühr für Benutzung der öffentlichen Sprechstellen von 15 auf 10 Pfennig und eine Reihe anderer Gebührenermäßigungen fanden ebenfalls die Zustimmung der Vollversammlung des Berwaltungsrates. 2m Sprechverkehr der Großstädte mit den benachbarten Ortsnetzen sollen Gebührenerleichterungen geschaffen werden. Hierbei wurden Hamburg und Berlin hinsichtlich des Umfangs der Vergünstigung gleichgestellt. Die neuen Gebührensätze treten am 1. Mai in Kraft. Wirth und das Zentrum. Die Erledigung des „Falls" Keudell. Berlin. 10. Febr. Am heutigen Nachmittag traten nach der kurzen Plenarsitzung die Fraktionen des Reichstages zu Fraktionssitzungen zusammen. Außerdem verhandelten die Regierungsparteien mit dem Reichskanzler über die in der Freitag-Sitzung anstehende Erörterung über die Angelegenheit des Reichsinnenministers Dr. v. Keudell. Diese interfraktionellen Besprechungen vollzogen sich streng vertraulich. Aus den Fraktionssitzungen erfährt das Nachritenbüro des V.d.Z., daß der Vorstand der Zentrumsfraktion folgenden, von ihm gefaßten Beschluß der Fraktion vorgelegt hat: „Unter Hinweis auf Paragraph 8 der Richtlinien für die politische und parlamentarische Arbeit hat der Borstand der Zrntrumsfraktion des Reichstags bedauert, daß Herr Dr. Wirth sich bei der Abstimmung vom ö. Februar von der Fraktion getrennt und mit Rein gestimmt hat." Die Zentrumsfraktion hat diesem Beschluß des Vorstandes einstimmig zugesttmmt. Abg. Dr. Wirth nahm an der Sitzung nicht teil. Außer mit den Regierungsparteien besprach sich der Reichskanzler heute nachmittag auch mit den Abgg. Müller-Franken und Landsberg von der sozialdemokratischen Partei und mit dem Abg. Koch-Weser von der demokratischen Pariei über den „Fall" Keudell. Der Reichskanzler ist. wie das Nachrichtenbüro des V.d.Z. hört, bei der Untersuchung der von den Sozialdemokraten gegen den Minister v. Keudell erhobenen Bonvürfe zu der Aeber- zeugung gekommen, daß die Anschuldigungen unberechtigt sind. In der Reichstagssitzung am Freitag wird nach der Begründung der kommunistischen Interpellation und des kommunistischen Mißtrauensantrages Reichskanzler Dr. Marx mit einer längeren Erklärung antworten, deren Grundzüge er bereits den Parteiführern in der interfraktionellen Besprechung mitgeteilt hat. Rach der Erklärung des Reichskanzlers wird dann eine Aussprache stan- finden, die mit der Abstimmung über den Mißtrauensantrag abgeschlossen wird. Poineare und die Oeffnurrg der Archive. Paris, 10. Febr. Die Kammer beschäftigte sich heute mit den Nachtragskrediten für das Etatsjahc 1926. Im Verlaufe der Diskussion besprach beim Titel Auswärtige Angelegenheiten der sozialistische Abgeordnete Fontanier die Veröffentlichung der Dokumente zum Kriegsausbruch. Er forderte, baß sie sobald wie möglich bekanntgegeben würden, da Frankreich das einzige Land sei, das noch nichts veröffentlicht habe. Das sei so seltsam, daß man fragen müsse, welche Gründe dafür maßgebend seien. Der Ministerpräsident möge erklären, ob er sich der Veröffentlichung widersetze. Poineare erklärte: Keineswegs ! In dem Augenblick, wo diese Veröffentlichungen in verschiedenen anderen Ländern unternommen worden sind, besteht kein Grund, sie hinauszuzöger». Ich würde dem Minister des Aeußern den Wunsch übermitteln, : der soeben zum Ausdruck gebracht wurde und den ich teile. * Diese Erklärung Poincares besagt, praktisch genommen, nichts anderes, als daß die Veröffentlichung der französischen Dokumente wieder bis zu den griechischen Kalendern verschoben worden ist Es dämmert! Eine amerikanische Stimme zur Kriegsschuldfrage. Chicago. 9. Febr. Der Herausgeber der weitverbreiteten Zeitschrift „Christian Century" erklärte in einer Rede in der Syra- cuse-Unioersität zur Kriegsschuldfrage: Das Gerede von einer Kriegsschuld Deutschlands ist eine Fabel. Alle an dem Krieg beteiligten Nattonen sind ungefähr in dem gleiche« Maße am Krieg schuld. Eine Roie Esslidges über die Marmeadröstung. Washington, 10. Febr. In einer Botschaft an den Kongreß hat Präsident Eaolidge bekannt gegeben, daß er in einer Rote an die Mächte oorgeschlagen hat, die Mächte sollten ihre Delegierten auf der Genfer vorbereitenden Abrüstungskonferenz mit Bollmachtm zur Beratung und zum baldigen Abschluß eines Abkommens über eine weitere Einschränkung der Rüstungen zur See ausstatten. Rücktritt des chilenischen Kabinetts. London, 10. Febr. Wie aus Santiago berichtet wird, ist das chilenische Kabinett zurückgetreten. Kriegsminister Oberst Ibanez wird eine neue Regie,ung bilden. Er erklärt, daß eine starke Regierung zur Bekämpfung des Bolschewismus in Chile geschaffen werden würde. Zusammenbruch des Aufstandes in Portugal. Paris. 10. Febr. Die portugiesische Gesandtschaft teilt in einem heute früh aus Lissabon erhaltenen amtlichen Telegramm mit. daß der Aufstand niedergeschlagen sei. Die Aufständischen hätten sich ergeben. Der Kreuzer „Carvalho Aranjo" habe die weiße Fahne gehißt. Seine Besatzung habe sich an Bord eines deutschen Schiffes begeben. Rach einer Haoasmeldung aus Porto haben sich die Aufständischen in Porto am 8. Februar um 9 Uhr vormittags ergeben. Das Marinearsenal in Lissabon, in dein sich Marinesoldaten und ein Teil der republikanischen Garde befanden, hätte sich gestern um 10.30 Uhr nach 44stündigem Angriff ergeben. London. 10. Febr. Reuter berichtet, daß die Ruhe fn Porto wiederhergestellt und daß das Marinearsenal in Lissabon von den Regierungstruppen eingenommen worden ist. Wachsender Aufruhr in Portugal. Paris, 9. Febr. Ueber die Dorgänge in Portugal sieht man auch heute noch nicht klar. Das eine jedenfalls scheint festzustehen, daß man es mit einer größeren Beivegung zu tun hat, als die portugiesische Regierung gern glauben machen möchte. Im Laufe des gestrigen Tages sind verschieden«, einander widersprechende Nachrichten aus Lissabon cingetroffen, aus denen sich ergibt, daß die Regierungstruppen tatsächlich eii.e.i Teil von Porto besetzt haben, die Aufständischen jedoch aus ihren verschanzten Stellungen im Zentrum der Stadt noch nicht ver- tteiben können. Die Truppen, die die Bewegung niederwerfen sollen, stehen unter der direkten Leitung des Kriegsministers, der fein Hauptquartier in der Nähe von Porto, in Aveiro, aufgeschlagen hat. Die Eisenbahner von Portugal sind in den Generalstreik getreten. In Lissabon selbst hat die Bewegung ziemlich viele Anhänger gefunden. Die Führer sind nunmehr bekannt. Jedenfalls ist anzunehmen, daß die Liste, die von den Revolutionären in Umlauf gesetzt ist und die die Mitglieder des neuen Kabinetts wiedergeben soll, Männer nennt, die mit dieser Bewegung sympathisieren oder Mar aktiv an ihr teilnehmen: u. a. wird genannt der Führer der republikanischen Aktion, de Castro, der frühere Kriegsminister de Mattos, der auch Oberkommissar in Angola und Botschafter in London gewesen ist. ferner der frühere Generglgouverneur von Portugiesisch-Indien. de Morais, der früher Abgeordneter der Demokratischen Partei mar und als erster das Ultimatum unterzeichnet hat, durch das die Regierung Larmaria aufgefordert wurde, zurückzutreten. Unter den Mitgliedern steht ferner der frühere Führer der demokratischen Partei und frühere Borsitzende der pornigcesischen Abordnung beim Völkerbund, Alfonso Costa, der gegenwärtig in Paris wohnt. Don den Revolutionären ist ein Manifest verbreitet worden, das bekannt gibt, daß Verhandlungen eingeleitet worden feien, die unter Mitwirkung des Volkes die frühere republikanische Verfassung wiederherstellen sollen. , Die Lage sehr ernst. i Lottdon, 9. Febr. Seit Montag nachts 1 Uhr sind keine direkten Meldungen aus Portugal in London eingetroffen, da die Grenze vollkommen gesperrt ist. Die Entsendung eines kleinen britischen Kreuzers und zweier moderner Torpedojäger nach Porto zeigt, wie ernst die Lage den britischen Behörden dort scheint. Offenbar wurde auch gestern nacht wcitergekämpft. In Lissabon mußte die amerikanische Gesandtschaft geräumt werden, weil sie sich zu sehr in der Feuerlinien befand. Der Umstand, daß die Führer des linken Flügels der liberalen Partei sich schon vordem Ausbruch der Erhebung ins Hauvtqnartier der aufzstän- difchen Truppen in Porto begaben, zeigt den politischen Charakter der Bewegung an. Peking nationaler als Kanton. Derschärfung im China-Konflikt. Peking 10. Febr. Das Pekinger Kabinett beschloß: 1. den Einspruch der Mächte gegen die Entlassung Aglens zu ignorieren und wenn nötig auch seinen Nachfolger Edward wegen Obstruktion zu entlassen, 2. das zweite britische Memorandum nicht zu beantworten, bis Nordchinas Einspruch gegen die Truppentransporte durch England befriedigend beantwortet worden ist. 3. Amerikas Vorschlag. Schanghai zu neutralisieren, unbeantwortet zu lassen und damit abzulehnen, daß Schanghai unter der Jurisdiktion des Nordens stehe und von seinen Truppen genügend geschützt werde. Der zum Nachfolger Sir Francis Aglens als Generalinspektor der chinesischen Seezölle ernannt« bisherige Cbeffekretär der Seezollverwaltung, Edwards, lehnte es ab, den Posten zu übernehmen, da es unmöglich fei, d:n Zollzuschlag von 2y* P.oz. zu erheben, weil die japanische Regierung, deren Einverständnis erforderlich sei, gegen dies« Maßnahme ist. Der Befehlshaber der Truppen von Kwei-Tei-Zschau, General Iuan-Tsu-Ming ist von den Kantongeneralen während eines Essens, zu dem er geladen war, ermordet worden. London, 10. Febr. Im Unterhaus erklärte Ehamberlain, die wieder aufgenommenen Verhandlungen zwischen Tschen und O'Malley führten zu einer Vereinbarung über die Konzession von Hankau, wonach die letztere dem britischen Munizipalrat übergeben werden soll und von diesem formell der chinesischen-briti- schen Munizipalität. Der neue Munizipalrat wird nach dem Muster des bereits in der vormals deutschen Konzession bestehenden und befriedigend arbeitenden Munizipalrats gestaltet werden. Wenn dieses Abkommen unterzeichnet wird, werden die ersten bereits auf dem Wege nach Schanghai befindlichen Truppen in Schanghai gelandet werden, weil dies der Regierung als unverzüglich notwendig zum Schutze des britischen Lebens bezeichnet wird, aber die weiteren vom Mittelmeer und von England kommenden Truppen werden dann in Hongkong konzentriert werden und sich nicht nach Schanghai begeben, außer, wenn dies durch die Dringlichkeit neuerer und größerer Gefahr nötig würde. Bor dem Rückzug in China. Eine Entschließung des englischen Kabinetts. London, 9. Febr. Don der gestrigen Unterhausaussprache vet- dienen nur zwei Dinge besondere Erwähnung, nämlich Macdonalds Erklärungen, daß es die Pflicht jeder britischen Regierung wäre, britisches Leben und Eigentum in China zu schützen, daß aber die entscheidende Frage die sei, ob die Entsendung von Truppen die Sicherheit der Briten in China erhöht oder vermindert habe, eine Auffassung, die aus dem linken Flügel der Arbeiter Widerspruch erregte und sodann Paldwin Veranlassung gab, Mitteilung zu machen von der erst letzten Montag gefaßten Entschließung des Kabinetts, die zu verstehen gibt, daß die Regierung in der Frage der Belastung der Truvp n in Schaiighai bereits den Rückzug ins Auge Maßt habe. Die Bewegung der Truppen werde allein von dem Rat der britischen Vertreter in Schanghai abhänqen und nicht von Forderungen, die Tschen oder irgend jemand sonst stellen möge. Wenn die britischen Vertreter berichten, daß die Gefahr in Schanghai nicht dringend sei, werde die erste Brigade in Honkong halten und die Konzentration dort erfolgen. Halbamtlich wird auch versichert, daß die Unterhandlungen zwischen O'Malley und Tschen durchaus nichts mit Schanghai zu tun haben. Selbst wenn Tschen und Tschangtsolin den amerikanischen Vorschlag auf Neutralisierung der internationalen Ri.'* derlassung annehmen würden, würde für die britisch.- Rcci'rung die Beantwortung der Frage, ob Truppen in Schanghai gelandet werden sollen oder nicht, einzig und allein von dem Ritt ihrer Vertreter an Ort und Stelle abhängen. Der bereits beschlossene Rückzug aus einer unhaltbaren Position soll offenbar möglichst verschleiert werden. Nr. 18. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. China, England und der Völkerbund. London 9. Febr. Im Oberhaus gab heute Lord Balfour bekannt, daß die britische Regierung eine Mitteilung an den Völkerbund gesandt habe, in der sie die chinesische Lage auseinandersetzt und erklärt, daß die Politik der britischen Regierung voll in Ucbereinstimmung mit dem Buchstaben und dem Geiste der .Völkerbundssatzung ist. Die Mitteilung schließt mit der Erklärung, 'baß die britische Regierung tief bedauere, daß kein Weg zu Bestehen scheine, auf dem die Hilfe des Völkerbundes in der Regelung der Schwierigkeiten in China augenblicklich gesucht werden könne, daß jedoch, wenn irgend eine Gelegeahett sich ergeben sollte, die guten Dienste des DAKerbundes in Anspruch zu nehmen, die brttische Regierung gerne davon Gebrauch machen werde. Rußlands Absage an Genf. Genf 9. Febr. Litwinoff hat an das Generalsekretariat des Völkerbundes folgendes Schreiben gerichtet: Die Regierung der , U-S.S.R. hat ein vom 18. Januar datiertes Schreiben des Generalsekretariats erhalten über die Einberufung einer Konferenz nach Genf zum Zwecke der Gründung einer internationalen Hilfsunion. Die Regierung der U.S.S.R. hat bei wiederholten Gelegenheiten den Völkcrbundsorganisationen mitgeteilt, daß jede Einladung zur Teilnahme an einer Versammlung, welche auf schweizer Boden stattfindet, von ihr als null und nichtig betrachtet wird. Da unbeachtet dieser Mitteilungen weitere derartige Einladungen wie im vorliegenden Falle meiner Regierung zugehen, sehe ich mich gezwungen, Ihnen ihr Lriginalschreibm vom 18. 3sm. hiermit zurückzusenden. Meine Regierung weigert sich kategorisch sich als zu Verhandlungen eingeladen zu betrachten, deren Tagungsort schweizer Städte sind. Kritik aMdDölkerbund. Berlin, 9. Febr. Der Vortragszyklus, den die deutsche Liga für Völkerbund im Reichswirtschaftsrat veranstaltet, wurde gestern durch ein Referat des Grafen Montgelas über „Die Aufgaben der Völkerbundsligen und der Deutschen Liga für Völkerbund" fortgesetzt. Bemerkenswert war die außerordentlich scharfe Kritik, die Graf Montgelas in seinen von gründlichster Sachkenntnis getragenen Darlegungen an der bisherigen Tätigkeit des Völkerbundes übte. Er wies an zahlreichen Beispielen nach, daß der Völkerbund noch weit davon entfernt ist, die Mindestforderungen^ die man an ihn stellen müsse, zu erfüllen, nämlich, daß er dir eigenen Satzungen beobachte. Daß gerade aus einem Kreise so entschiedener Anhänger des Völkerbundsgedankens diese Feststellung getroffen und so einem bei uns vielfach herrschenden Illusionismus entgegengetreten wird, ist nur geeignet, die Werbekraft für die Ligen zu stärken. Die Loearnopolitik wird weitergeführl. Etresemmns Versprechungen an Amerika. Rewqork, 9. Febr. Die Blätter veröffentlichen ein Interview. das der Berliner Korrespondenz der „United Preß" mit dem Außenminister Dr. Stresemann gehabt hat. Stresemann versichert darin, daß die Außenpolitik unverändert bleibt. Im einzelnen erklärt Stresemann: „Ob das neue Kabinett im Sturme der parteipolitischen Leidenschaft Erfolge erringen, lange Dauer haben oder Schwierigkeiten sich ausgesetzt sehen wird, das ist eine Frage, die niemand heute beantworten kann. Aber seine Bildung und die vorangegangenen Debatten zeigen das eine, daß es große Fragenkomplexe gibt, über die heute eine so weitgehende Einheitlichkeit der Auffassung die Grenzen der Parteien weit überschreitet und anfängt, Gemeingut der Nation zu werden: Da ist einmal die Frage der republikanischen Staatsform, in der abgesehen von wenigen, die nicht zählen, lediglich noch ein Kamps ausgefochten wird zwischen denen, die sich Herzensrepublikaner nennen und eine gesinnungsmäßige Festlegung auf das Ideal der Republik verlangen, und den Vernunftsrepublikanern die den heutigen Staat nicht nur bejahen, sondern auch gegen jede rechtswidrige verfassungsmäßige Gefahr zu verteidigen bereit sind. Die größte Wunde war bisher der Kampf um die Tradition der alten deutschen Vergangenheit. Der Außenminister kam dann auf die in die Regierungserklärung aufgenommenen Manifestformulierungen Wirths zu sprechen, und fuhr dann fort: „Wenn sich hier eine Wunde zu schließen beginnt, die das Volk bisher teilte, so scheint es ebenso mit der Außenpolitik zu liegen, in der wohl der innere Kampf darüber noch nicht beendet ist, ob man auf anderem Wege als auf dem beschrittenen besser vorwärts gekommen wäre, bei der aber die Tatsachen der Locarno-Verträge und des Völkerbundes heute als Grundlage der deutschen Außenpolitik weitgehendst anerkannt werden. So darf man wohl sagen, daß die Konsolidierung der deutschen Verhältnisse und der politischen Anschauungen große Fortschritte gemacht hat. Eine Regierungserklärung wie die von Herrn Dr. Marx verlesene hätte noch vor einem oder zwei Jahren niemals die Zustimmung der Deutschnationalen Fraktion gefunden." Die Bettlerin vom Pont des Arts. Novelle von Wilhelm Hauff. Die allgemeine Fröhlichkeit und der Wein steigerten Faldner immer höher und es war endlich hohe Zeit, die Tafel aufzuheben, denn er und einige Herren aus der Nachbarschaft erlaubten sich schon Scherze und Anspielungen, welche jedes zartere Ohr beleidigten. Man fuhr nach der neuen Dampfmühle, man weihte sie unter Scherz und Lachen förmlich ein, man ging wieder zurück und erstaunte aufs neue über die geschmackvollen und doch so bequemen Anordnungen, welche Josefe indessen im Garten getroffen hatte. Sie hatte es gewagt, nach ihrer eigenen Erfindung schnell eine große, geräumige Laube errichten zu lassen; alle möglichen Erfrischungen erwarteten dort die Gäste, und ihr allgemeines Lob bewirkte ein Wunder: der Baron wurde nicht einmal ungehalten, daß man junge Eschen und Tannen aus seinem Wald zu der Laube verwendet, daß man seinen eigenen Plan, ein Zelt aus Brettern und Teppichen aufzuschlagen, nicht befolgt hatte. Er küßte seine Frau auf die Stirne und dankte ihr für die angenehme Ueberraschung. Man setzte sich in bunten Reihen umher. Die Männer sprachen den alten Weinen des Hausherrn fleißig zu, und bald hatte eine allgemeine Fröhlichkeit die Gesellschaft erfaßt. Man spielte witzige, geistreiche Spiele, und als die mutwillige Li une der Männer noch höher stieg, wurden sogar Pfänderspiele nicht verschmäht. So kam es. daß bei ihrer Auslösung auch Fröben sein Pfand mit einer Strafe lösen sollte, und Josefe, welcher die Bestimmung dieser Strafe auferlegt war, befahl ihm, eine wahre Geschichte aus seinem Leben zu erzählen. Man gab ihrer Wahl allgemeinen Beifall, der Baron schlug vor Freuden über die kluge Frau in die Hände, und als Fröben zauderte und sich besann, rief er: „Nun soll ich etwas für dich erzählen aus deinem Leben? Etwa die pikante Geschichte von dem Mädchen vom Pont des Arts?" Fröben errötete und sah ihn mißbilligend an; aber die Gesellschaft, die hier vielleicht ein lusttges Geheimnis ahnte, rief: „Die Geschichte von dem Mädchen, die Geschichte vom Pont des Arts!" — und vielleicht nur, um der Indiskretion eines Freundes zu entgehen, den der Wein schon etwas über die gewöhnlichen Grenzen hinausgerückt hatte, bequcmte er sich zu erzählen: der Baron aber versprach der Gesellschaft, sobald der Erzähler von Die deutschen Reparationszahlungen. Berlin. 9. Febr. Der Bericht des Generalagenten für die Reparationszahlungen weist für Januar einen Einnahmeposten von insgesamt 94 666 666 G.M. auf. womit denn sich sich die deutschen Leistungen zur dritten Annuität auf 464 079 640 Goldmark erhöhen und die Gesamtsumme des dem Generalagenten einschließlich des Kassenbcstandcs vom Ende des zweiten Annuitätsjahres zur Verfügung stehenden Betrags auf 557 705 715 Goldmark ansteigt. Als Ausgaben sind für Januar insgesamt 88 479 805 Goldmark und für die ersten fünf Monate der dritten Annuität 438 320 985 GM. gebucht, sodaß Ende Januar ein Kassenbestand von 119 384 730 GM. vorhanden ist. Die Zahlungen, unter denen sich für Sachliefermigea ein Posten von insgesamt rund 49 000 000 GM. bezw. für die ersten fünf Monate von 220 000 000 GM. befindet, betragen u. a. für Frankreich 42,2 bezw. 191,8 Millionen, für England 17,9 bezw. 89,9 Millionen, für Italien 5 bezw. 28.7 Millionen, für Belgien 4,2 bezw. 21,2 Millionen GM. Für die Besatzungskosten figuriert unter den Zahlungen ein Posten von 3,55 bezw. 27,7 Millionjen Goldmark. Der deutsch-französische Studiemmsschuß. Berlin, 11. Febr. Der deutsch-französische Studienausschuß hat unter Vorsitz seines Präsidenten, Emil Mayrisch-Luxemburg, am 7. und 8. Februar in Berlin eine von fast sämtlichen Mitgliedern aus Deutschland und Frankreich besuchte Tagung gehalten. Entsprechend den bei der letzten Zusammenkunft in Paris gefaßten Beschlüssen wurde eine Reihe in der Zwischenzeit geprüfter Fragen erörtert. Auf kulturellem Gebiet befaßte sie sich mit dem Einfluß, den die in beiden Ländern entstandenen Nachkriegsverhältnisse im 'Hinblick auf die sozialen, politischen und intellektuellen Fragen gehabt haben. Aus wirtschaftlichem Gebote wurden grundsätzliche Fragen des modernen Industrieaufbaues erörtert. Der Ausschuß wählte den bisherigen Ministerialdirektor im französischen Außenministerium. Jacques Seydoux, als neues Mitglied hinzu und beschloß, zur Fortführung seiner Arbeiten zu Beginn des Sommers wieder zusammenzutreten. Hoefch bei Briand. Paris 9. Febr. Der deutsche Botschafter von Hoesch, der gestern von Berlin nach Paris zurückgekehrt ist, hatte heute abend eine einstündige Unterredung mit Briand. Auf Grund der Unterredung, die der Botschafter in Berlin mit dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann gehabt hat, besprach er mit Herrn Briand die verschiedenen Fragen, die Deutschland und Frankreich beschäftigen. Dabei wurde u. a. der Abschluß der Verhandlungen über die Entwaffnung Deutschlands und die weitere Gestaltung der deutsch-französischen Handelsbeziehungen berührt. Man geht kaum fehl, wenn man anmmmt, daß! neben den in dem amtlichen Bericht erwähnten Fragen auch die Frage der Rheinlandräumung eingehend erörtert und die Möglichkeit einer Zusammenkunft zwischen Briand Md Stresemann in Betracht gezogen worden ist. Auch die bevorstehende Genfer Ratstagung und die auf ihr zu behandelnden Gegenstände sind allem Anschein nach gestreift worden. Die Frage des Konkordates. Berlin. 9. Febr. Die amtlichen Erklärungen, die von seiten des Reiches und Preußens zur Konkordatsfrage ergangen sind, befriedigen in parlamentarischen Kreisen nicht. Die Reichsregierung hatte in einem amtlichen Kommuniquee erklärt, daß Verhandlungen über ein Reichskonkordat nicht im Gange sind, daß lediglich vorbereitend geprüft werde und die Möglichkeit zum Abschluß eines Konkordats besteht. In politischen Kreisen wird daran erinnert, daß im Jahre 1924 die Vorbereitungen für ein Reichskonkordat schon sehr weit gediehen waren. Damals hat bereits ein fertiger Entwurf des Reichsinnenministeriums Vorgelegen und der damalige Reichsinnenminister Dr. Iarres hat während der Reichspräsidentenwahlen auch mehrmals in seinen Erklärungen diesen Entwurf erwähnt. Es gilt als unwahrscheinlich. daß der Entwurf jetzt wieder vollständig fallen gelassen worden ist und daß nicht schon bei seiner Aufstellung die Möglichkeiten für den Abschluß eines Konkordats geprüft worden wären. Die Annahme, daß die Vorverhandlungen über ein/Konkordat schon weiter gediehen sind, als es sich aus der amtlichen Meldung ersehen läßt, wird auch dadurch bestätigt, daß, wie jetzt bekannt wird, der Reichsinnenminister Dr. Külz vom Reichskanzler Marx aufgefordert worden ist, sich zur Konkordatsfrage zu äußern. In eingeweihten Kreisen war bekannt, daß Dr. Külz dieser Bitte nachgekommen war, die Vorbereitungen aber wieder ins Stocken kamen, weil drängende parlamentarische Arbeiten ihre Fortführung behinderten und besonders auch, weil nach Auffassung des Reichsinnenministers die Beschleunigung der Verhandlungen nicht ratsam erschien. Wahrscheinlich werden die bisherigen Erklärungen des Reiches und der preußischen Regierung noch ergänzt werden müssen und es ist anzunehmen, daß von seiten der Deutschen der genauen Wahrheit abweichen würde, wolle er Noten zu der Geschichte geben, denn er sei selbst dabei gewesen. 21 . „Ich weiß nicht", Hub Fröben an, „ob der Gesellschaft bekannt ist, daß ich vor mehreren Jahren mit unserem Faldner reiste, namentlich in Paris mit ihm einige Zeit zusammenlebte, ja ein Haus mit ihm bewohnte? Wir hatten so ziemlich gemeinschaftliche Studien, besuchten dieselben Zirkel, machten gegenseitig unsere früheren Bekannten mit dem Freunde bekannt! und lebten auf diese Weise unzertrennlich. Wir hatten einen gemeinschaftlichen Freund, den ebenso liebenswürdigen als gelehrten Doktor M.. einen Landsmann, der in der Rue Ta- ranne wohnte, die bekanntlich in die Ru« St. Dominique führt und auf dem linken Ufer der Seine liegt. Unser gewöhnlicher Abendspaziergang war durch die Champs Elysees über die schöne Brücke ins Marsfeld und von da durch Faubourg St. Germain in die Wohnung unseres Freundes, wo wir oft noch bis tief in der Nacht vom Daterlande. von Frankreich, von dem. war wir gesehen, von allem möglichen plauderten. Wir wohnten, um dies noch hinzuzusetzene, an der Place des Victoires, ziemlich entfernt von der Rue Taranne, und wählten zum Rückweg gewöhnlich den Pont des Arts, um das Louvre zu durch- schneiden und uns eigen Umweg durch die Seitenstraßen zu ersparen. Eines Abends, es mochte nach elf Uhr sein — es hatte etwas geregnet, und der Wind wehte besonders in der Nähe des Flusses sehr kalt und schneidend — gingen wir auch vom Quai Malaquais über den Pont des Arts dem Louvre zu. Der Pont des Arts ist nur für Fußgänger zugänglich und so kam es, daß um diese Zeit nicht mehr viel Leben um und auf der Brücke war. Wir gingen, die Mäntel fester um uns ziehend, stillschweigend über die Brücke; schon woll te ich die Brückenstufen auf der andern Seite hinabeilen, als ein überraschender Anblick mich sesthielt. An die Brücke gelehnt, stand eine schlanke, ziemlich hohe weibliche Gestalt. Ein schwarzes Hütchen war tief ins Gesicht geknüpft und zum Ueberfluß noch mit einem grünen Schleier versehen: ein schwarzer Mantel von Seide fiel um den Leib, und der Wind, der die Gewänder in diesem Augenblick fester anschmiegte, verriet eine ungemein zarte, jugendliche Taille; aus dem Mantel ragte eine kleine Hand hervor, die einen Teller hielt; vor ihr aber stand ein kleines Laternchen, dessen Licht un- _ Freitag, den 11. Februar 1927. Volkspartei sowohl wie auch aus der Opposition weitere Eingaben an die zuständigen Stellen gerichtet werden. Die Trotz-Hamburg. Frage. Hamburg bereit zu neuen Verhandlungen. Hamburg 9. Febr. Bei der Beratung des Haushalts in der Hamburger Bürgerschaft sprach Bürgermeister Dr. Petersen zur Groß-Hamburg-Frage. Er vertrat die Auffassung, daß Preußen durch unerfüllbare Forderungen den Abbruch der Verhandlungen herbeigeführt habe. Die preußische Groß-Hamburg-Politik! beruhe auf dem Gedanken, daß die staatlkhr Selbständigkeit Homburgs dem fiskalischen Interesse Preußens zuwiderlaufc, weil angeblich Hamburg die preußischen Nachbargemeinden belaste und daß diese Selbständigkeit auch den staatspolitischen Zielen Preußen entgegenstehe, die auf die Aufsaugung der norddeutschen Kleinstaaten in ein Groß-Prenßen hinausliefen. Der Bürgermeister wandte sich zunächst unter Vorlegung umfangreichen Zahlenmaterials gegen die Behauptung, daß Hamburg Preußen belaste. Er wies darauf hin, daß Hamburg allein die Lasten für den größten deutschen Seehafen zu tragen habe und führte über die Notwendigkeit zukünftiger großer Aufwendungen Zahlen an. Es sei unrichtig, daß Hamburg Verhandlungen über einen Siedlungsoerband abgelehnt habe. Dann betonte der Bürgermeister, daß er persönlich Unitarier sei, daß die Entwicklung zum Einheitsreich niemals über ein Groß-Preuhen führe. Dieses führe zur Main-Linie. Der Wille zum Einheitsstaat müsse aus dem ganzen Volk heraus entwickelt werden und dürfe nicht Angelegenheit der Politik eines einzelnen Landes sein. Auch heute noch sei Hamburg bereit, über einen Finanzausgleich zu verhandeln, wenn Preußen das Gebiet abrrete, für das Hamburg gleiche territoriale Gegenleistungen zu machen nicht in der Lage wäre. Auch über eine Hafengemeinschaft sei Hamburg bereit, zu verhandeln, wenn Preußen präzisieren würde, was es unter dieser Anregung verstehe, and unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß es die Entschlußfreiheit Hamburgs in seinem eigenen Hafengebiet nicht irgendwie behindere. Dr. v. Meine! zurückgetrelen. München. 9. Febr. Der bayerische Handelsminister Dr. W. v. Meinet hot nunmehr sein Rücktrittsgesuch eingereicht und sich heute bereits von den Beamten des Handelsministeriums verabschiedet. Meine! hatte bereits im Dezember einen längeren Urlaub angetreten und sich seither von dem Staatssekretär Dr. Schmidt vertreten lassen. Meinet ist im Jahre 1865 geboren und nach seinem Studium in Erlangen, Berlin und München in die innere bayerische Verwaltung eingetreten. Nach einer längeren Tätigkeit im bayerischen Außenministerium erfolgte seine Berufung zum Handelsminister. Meine! ist der einzige ausgesprochene Fachminister im bayerischen Kabinett, keiner Partes angehörig und alle Nachkriegsregierungen überdauernd. Er gehörte der deutschen Vertretung bei der Konferenz in Genf als Beauftragter Bayerns an. Ueber seine Nachfolge ist noch alles in der Schwebe, weil ja bekanntlich im Rahmen der bayerischen Staatsvereinfachung an eine Aufhebung dieses Ministeriums gedacht wird. Die bayerische Staatsregierung hat, wie wir zuverlässig erfahren, den Ministerialdirektor im Reichspostministerium, Abteilung München, Neumayer, als Nachfolger des zum Reichs- postmlnister ernannten' Staatssekretärs Dr. Schätze! in Vorschlag gebracht. Die Ernennung des Staatssekretärs ist Sache des Reichskadinetts, das über den bayerischen Vorschlag noch keinen Beschluß gefaßt hat. Verwaltungsral der Deutschen Reichspop. Berlin, 9. Febr. Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost beschäftigte sich eingehend mit dem von der Post vorgeschlagenen neuen Fernsprechgebührentarif, der bekanntlich für die sogenannten Wenig-Sprecher eine Erhöhung der Gebühren bringen will. In der sehr lebhaften Aussprache traten Kommunisten, Sozialdemokraten, Deutschnationale. Wirtschaftspartei und Deutsche Volkspartei für eine bessere Behandlung der Wenig-Sprecher ein. während die Vertreter von Handel und Industrie den Vorschlag des Arbeitsausschusses, die Gebühr für 50 Gespräche von monatlich 7.50 Mark auf 14 Mark zu erhöhen, als mäßig bc- zeichneten. Zu einem Beschluß kam es nicht. Das Durgenland will heim. Wien, 9. Febr. Der burgenländische Landtag beschäftigte sich gestern mit den blutigen Zwischenfällen in Schattendorf. Es wurden zwei Beschlüsse gefaßt, in denen betont wird, daß das Burgenland niemals wieder zu Ungarn zuröckkehren könne und niemals eine andere Staatsangehörigkeit anerkennen werde als die zum großen deutschen Baterlande. Der sozialdemokratische Landeshauptmann Leser wies darauf hin, daß das Burgenland einen Anschluß an Oestreich nur als ein Uebergangsstadium auf dem Wege zur Heimkehr zum deutschen Volke auffassen könne. ruhig flackerte, sein Schein fiel auf einen zierlichen Fuß. Es wohnt vielleicht nirgends so sehr wie in jener Stadt das tiefste Elend neben dem höchsten Glanz und Wohlleben, aber dennoch sieht man verhältnismäßig wenige Bettler. Sie drängen sich selten unverschämt herzu, und nie wird man sehen, daß sie den« Fremden nachlaufen, ihn mit Bitten verfolgen. Alte Männers oder Blinde sitzen oder knien an den Ecken der Sttaßen, den Hut ruhig vor sich hinhaltend, und überlassen es dem Vorübergehenden, ob er ihren bittenden Blick beachten will. Am schauerlichsten, wenigstens für mein Gefühl, waren immer jene verschämten Bettler, die nachts mit verhülltem Haupt, eine brennende Kerze vor sich, regungslos, fast schon wie erstorben, in einer Ecke stehen; viele meiner Bekannten in Paris hatten mir versichert, daß man darauf rechnen könne, daß dies meistens Leute aus besseren Ständen seien, die durch Unglück so tief herabgekommne sind, daß sie entweder Arbeit suchen! müssen, oder sind sie zu verschämt, vielleicht zu schwach, uck für Brot zu arbeiten, so ergreifen sie diesen letzten Ausweg, ehe sie, wie so viele Unglückliche, ihr Leben in der Seine der Vergessenheit übergeben. Von dieser Klasse der Bettelnden war die weibliche Gestalt an dem Pont des Arts, deren Anblick mich unwiderstehlich fesselte. Ich sah sie näher an; ihre Glieder schienen vor Frost noch heftiger zu zittern, als das Flämmchen in der Laterne, aber sie schwieg und ließ ihr Elend und den kalten Nachtwind für sich reden. Ich suchte in der Tasche nach kleinem Geld«, aber, es wollte sich kein Sou, sogar kein einzelner Frank finden. Ich wandte mich an Faldner und bat ihn um Münze; aber unmutig, durch mein Zögern der schneidenden Kälte ausgesetzt zu sein, rief er mir in unserer Sprache zu: So laß doch das Bettelvolk und spute dich, daß wir zu Bette kommen, mich friert! Nur ein paar Sous. Bester, bat ich; aber er packte mich am Mantel und wollte mich ivegziehen. Da rief die Verhüllte mit zitternder, aber wohltönender Stimme, und zu unserer Verwunderung auf gut deutsch: O. meine Herren! seien Sie barmherzig! Diese Stimme, diese Worte und unsere Sprache hatten etwas so Rührendes für mich, daß ich nochmals um einige Münze bat. Er lachte: Nun wohlan, da hast du ein paar Franken, sagte er, versuche dein Heil mit der Jungfer, aber mich laß aus dem Zuge treten. Er drückte mir das Geld in die Hand, und ging lachend weiter. Ich war in diesem Augenblick (Fortsetzung in der Beilage.) Nr. 18. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Freitag, den 11. Februar 1927. Der Kongreß der Unterdrückten. Freiheit für Alle! Brüssel 9. Febr. Heute nachmittag hielt unter dem Vorsitz von Dr. Marten der international« Kongreß gegen die Untere drückung der Kvloniolvölker und gegen den Imperialismus, der erste dieser Art, eine Sitzung ab. Der Zusammentritt des Kongresses war am 14. Januar von der Liga der unterdrückten Völker des Orients in Berlin beschlossen worden. Zu diesem Kongreß sind zahlreiche Vertreter erschienen, darunter aus Deutschland, Professor Alfons Goldschmidt. Willi Münzenberg und Ernst Toller. Der Vorsitzende legte die Entstehungsgründe dar. Er erklärte, der Zusammentritt des Kongresses sei eine Folge der revolutionären Bewegungen, die infolge der den verschiedenen Völkern nach dem Kriege gemachten Versprechungen entstanden seien. Der Kongreß wolle die Befreiung der Rassen. Er müsse die Grundlagen in wirtschaftlichen Verständigungen zwischen den verschiedenen unterdrückten Völkern schaffen und die Selbstregierung der Rassen herbeiführen. Das Nächstliegende Ziel des Kongresses fei die Schaffung einer bändigen Zentralorganisation zur Zusammenfassung aller nach Befreiung strebenden Kräfte, sowohl der nationalen Bewegung als auch der Arbeiterbewegung aller Länder. Der offizielle Vertreter der Kanton- Regierung, Hsiung Kwang, überbrachte in deutscher Sprache die'herzlichsten Grüße der chinesischen nationalistischen Regierung. Der deutsche Vertreter, Prof. Goldschmidt, gab seiner Freude über den Zusammentritt des Kongresses Ausdruck. Biele Völker der Welt seien unterdrückt und strebten nach Befreiung. Den Bestrebungen habe bisher die einheitliche Leitung gefehlt. Fast alle feien gescheitert. Hoffentlich werde die chinesische Bewegung Erfolg haben. Reform der Staatsoemaltung in der Tschechoslowakei- Prag 9. Febr. Die tschechoslowakische Regierung bereitet eine Reform der Staatsverwaltung vor. Danach soll die tschechoslowakische Republik in vier Länder zerfallen, die eigene Parlamente erhalten. Rur zwei Drittel der Mitglieder dieser Landesvertretungen sollen jedoch nach dem Proportionalwahlrecht gewählt werden. Ein Drittel der Landesabgeordneten will die Regierung aus den Ständegrappen ernennen. Die vier Ber- waltungseinheiten würden sein: 1. Böhmen. 2. Mähren und Schlesien. 3. Slowakei und 4. Karpatho-Rußland. Insbesondere in Karpatho-Rußland (ein Teil des früheren nördlichen Ungarn), erhebt sich sehr starker Widerspruch gegen diese Reform, weil in den Friedensverträgen Karpatho-Rußland eine autonome Stellung verbürgt worden ist. Auch die deutschen Parteien, die jetzt in der Regierung sitzen, haben schwere nationalpolitische Bedenken geäußert, die sich namentlich gegen die Bestimmung richten, daß die Regierung das Recht haben soll, ein Drittel der Abgeordneten für die Länderparlamente zu ernennen. Beginn der Marokkokonferenz. Erhebliche Schwierigkeiten. Paris 9. Febr. Heute vormittag beginnt im französischen Außenministerium die seit vergangenen Herbst erwartete spanischfranzösische Marokkokonferenz. Auf spanischer Seite werden die Verhandlungen vom Botschafter Quinones de Leon, dem'Berichterstatter für Marokkofragen im spanischen Außenministerium und einem weiteren Sachverständigen geführt, auf französischer Seite von den ehemaligen französischen Gesandten in Wien, dem jetzigen politischen Direktor am Quai d'Orsay, de Beaumarchais, unterstützt vom Berichterstatter für Afrikaangelegenheiten, de St. Quentin, und dem ehemaligen französischen Konsul in Marokko, Delillon. Die Verhandlungen sind überaus schwierig, da die Forderungen Spaniens nach einer Revision des Tangerstatuts von 1923 gehen, da gewisse Mächte dem Statut noch nicht zugestimnu haben. Die spanischen Interessen in Marokko könnten nur dann gesichert sein, wenn Spanien Tanger und die umliegende Zone beherrsche. Der Riffeldzug habe nach spanischer Ansicht bewiesen, daß nur von Tanger aus die Eingeborenen unterstützt werden können, um gegen die Protektoratsmächte aufzutreten. Französifcherseits leugnet man den besonderen Charakter der Tangerfrage nicht, erklärt sich auch bereit, eine Abänderung des mit England verabredeten Statuts vorzunehmcn, weigert sich aber kategorisch, den französischen Einfluß in Tanger zugunsten des spanischen auszugeben. Die französischen Unterhändler werden vor allem darauf bedacht sein, nichts zuzugestehen, was die Algecirasakte berühren könnte, was also den in Marokko nicht direkt interessierten Mächten Veranlassung wäre, die alte Protektoratsfrage in Marokko aufzurollen. Frankreich ist es gelungen. England und Italien vorläufig von den Verhandlungen fernzuhalten. Erst wenn die jetzigen Verhandlungen zu einem Erfolg führen, werden England und in zweiter Linie auch Italien ihre Zustimmung zu den Beschlüssen der französisch-spanischen Konferenz geben müssen. Man rechnet in Paris mit der englischen Unterstützung, weil England bis jetzt immer den Standpunkt vertreten hat, daß Tanger, das Gibraltar gegenüber liegt, nicht in den Besitz einer einzelnen Macht kommen dürfe. Der Standpunkt der Internationalität darf nach Ansicht der Franzosen auch nicht dadurch verletzt werden, daß der Mendoub, der maßgebende eingeborene Beamte, nicht mehr vom Sultan, dem französischen Vasallen, gewählt werden soll. Luftfahrt und Kriegführung. Die zur Zeit in Brüssel tagende Zioilluftfahrtkonferenz hat in ihren bisherigen Verhandlungen wieder den Beweis erbracht, daß von iitsresfierter ausländischer Seite jcbcs denkbare Mittel versucht wird, um den Borsprung der deutschen Zivilluftfahrt einzuholen. Die Konferenz wurde wie erinnerlich, einberufen, nachdem das Komitee des Völkerbundes für die Vorbereitung der Ab- kustungskonferenz sich nicht für zuständig erklärt hatte, um zu entscheiden, inwieweit die zivile Luftfahrt in die Abmachungen über me militärisch« Abrüstung einbezogen werden könnte oder müßte. Der von der Unterkommission des Völkerbundes eingesetzte Sach- verstandigenausschuß, der zu prüfen hatte, ob eine solche Einbeziehung in die militärische Abrüstung ohne eine Schädigung der zwilen Luftfahrt möglich sei, konnte zu keiner zufrieden-» stellenden Beantwortung dieser Frage kommen. Es wurde u. a. betont, daß kein Mensch auf die Idee käme, andere wichtige Verkehrsmittel, wie z. B. Schleusen, Landstraßen oder Eisenbahnen in ihrer Entwicklung zu hemmen und deren Ausbau zu verhindern, lediglich weit diese Verkehrsmittel im Kriegsfälle auch zur Beförderung von Militär verwendet werden könnten. Die Einführung der zivilen Luftfahrt beruhte letzten Endes «lf einem krassen Mißbrauch des Begriffes „Potentiale d'air". D!je höchst entwickelte Zivilluftfahrt kann in den Händen eines «ktzeriisteteten Volkes, wie es das deutsche ist, nicht entfernt beh gleichen Kriegswert haben wie eine minder entwickelte Luft- mhrt eines in Waffen starrenden Landes. Auch wenn man die ckihl der Bevölkerung mit in Betracht zieht, so ergibt sich ein durchaus unrichtiges Bild, da Deutschland durch den Friedens- Vertrag an ein Heer von nur 100 000 Mann ohne Reserveausbildung gebunden ist. Wenn trotzdem auch in Brüssel wieder der Derßich gemacht wird, die zivile Luftfahrt in die Abrüstung ein- zubeziehen. so bedeutet dieses Bestreben schließlich nichts anderes, als den Weltgedanken der Abrüstung zu einer Farce herabzu- würhigen. Man darf nicht das große Ziel des Weltkrieges Vortäuschen, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Amerika hat sich ! dem Standpunkte des deutschen Vertreters auf der Konferenz, Geheimrat Fisch, angeschlossen und ebenfalls erklärt, daß die Zivilluftfahrt in den Begriff der militärischen Abrüstung nicht hineingehöre. Aber andere Mächte fordern wenigstens eine vorübergehende Einschränkung, die natürlich nur das eine Ziel hat, nämlich die eigene Luftfahrt solange konkurrenzlos zu entwickeln, bis der deutsche Vorsprung eingeholt ist. Zu einer solchen indirekten Wiederbelebung der glücklich beseitigten „Begriffsbestimmungen" kann aber Deutschland niemals seine Zustimmung geben. . 1 Baden. Zentrum, Sozialdemokratie und Ein Dortrag von Minister Remmele. In einem Vortragsabend der Heidelberger Ortsgruppe des „Verbandes sozialdemokratischer Akademiker" hielt der badische Innenminister Remmele einen Dortrag über „Zentrum, Sozialdemokratie und Hochschulpolitik". Die geschichtliche Entwicklung des badischen Parteiwesens und die Wandlungen der bad. Parteikonstellationen stellen sich, so führt der Mimster eingangs aus, folgendermaßen dar: Bis 1905 auf der einen Seite die durch das Dreiklassenwahlrecht gestützte Nctionalliberale Partei als Regierungspartei, in Opposition Zentrum, Sozialdemokratie und Demokratie: nach der Einführung des allgemeinen direkten Wahlrechts im Jahre 1905, wodurch die nationalliberale Mehrheit gestürzt wurde, entstand der Großblock von Nationalliberalen, Demokraten und Sozialdemokraten als Mehrheitspartei, gerichtet gegen Zentrum und Konservative. Die damalige konservative Tendenz des Zentrums trennte dieses scharf von der Sozialdemokratie. Innerhalb der Sozialdemokratie waren es die sogenannten Revisionisten, die von der eigenen- Partei scharf bekämpft. sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellten, die Monarchie als Vorläufer des sozialistischen Staates ansahen und sich für eine aktive Beteiligung der Partei auch in der Monarchie einsetzten. Sie eben waren es, die nach der Staatsumwälzung ohne eine Schwenkung vornehmen zu müssen als Regierungspartei austraten. Das bis dahin konservativ eingestellte Zentrum schwenkte, der Stimmung der Wähler seit 1917 folgend, nach links. Die Sozialdemokratie war vor die Wahl gestellt, ob sie es zu einem Bürgerblock kommen lassen, oder mit dem bisherigen Gegner Zusammengehen wolle. Im Gegensatz zu der sich umorientierenden katholischen Kirche stand die evangelische Landeskirche, die auf Restaurierung des Landesherrn und des Landesbischofs hoffte und sich damit in Widerspruch setzte, zur neuen Staatsform. Minister Remmele kam dann auf den Vorwurf mangelnden Wohlwollens gegenüber der Heidelberger Universität zu sprechen, den er als ungerechtfertigt und unsachlich zurückweist. Nach sozialdemokratischer Auffassung könne von konfessionellen oder parteipolitischen Gesichtspunkten bei der Ernennung von Dozenten nicht die Rede sein, die Forderung der Verfassungstreue ist eine staatspolitische Notwendigkeit. Das Zentrum begründet seine Forderung eines der katholischen Bevölkerungszahl entsprechenden Prozentsatzes positiver Katholiken auf den Lehrstühlen damit, daß die Universität Freiburg seinerzeit fast ausschließlich von katholisch-kirchlichen Dotationen unterhalten worden ist. Bezüglich der Heidelberger Angriffe anläßlich des Baues der Freiburger Kliniken betonte Minister Remmele, daß auch in Heidelberg vieles unhaltbar und überaltet sei, daß aber die Aufwendungen zu groß seien, um aus einmal geleistet werden zu können. Die Dringlichkeit der Heidelberger Unioersitäts- neubauten ist vom Ministerium' längst anerkannt worden und sie werden so bald als möglich zur Ausführung kommen. Wenn auch diese Lasten für das kleine Baden außerordentlich sind, werde unter allen Umständen Heidelberg den Charakter einer Landesuniversität auch weiterhin behalten. Bon badischen Jugendherbergen. B.V. Mit der Ausdehnung der sportlichen Betätigung unserer Jugend ist auch in sämtlichen Orlen eine erhöhte Frequenz der überall bestehenden Jugendherbergen festzustellen. Wie das Städtische Verkehrsamt Heidelberg mitteilt, bewegte sich die Besucherzahl der dortigen Jugendherberge in ständig aufsteigender Linie. Während im Jahre 1921 1754 Personen die Jugendherberge besuchten, stieg von Jahr zu Jahr die Besucherzahl um etwa 1000, erreichte im Jahre 1924 den Stand von 5483, im Jahre '1925 von 6364, um im Jahre 1926 das beachtenswerte Ergebnis von rund 15 000 Besuchern zu bringen. Mit Unterstützung des Stadtausschusses für Leibesübungen und Jugendpflege konnte jetzt auch die Stadt Bruchsal der wandernden Jugend ein eigenes Heim schenken. In den geschmackvoll ausgestatteten Räumen der ehemaligen Dragonerkaserne wurde die Herberge eingerichtet. Der Schlafraum für die männlichen Wanderer weist vorläufig 12 Betten, der für die weiblichen 8 Betten auf. Beide Schlafräume bieten Platz genug, um im Notfälle 30 bis 35 Gäste aufzunehmen. Hotelpreise in Baden 1927. kV. Das bisher vorliegende Ergebnis einer Umfrage bei den Fremdenbetrieben in Baden durch den Badischen Berkehrsverband läßt bereits erkennen, daß im allgemeinen die Hotelpreise des Jahres 1926 auch im Jahre 1927 wieder Geltung haben werden. Bekanntlich ist im Jahre 1926 bei einem nicht unerheblichen Teil oer Hotels und Gasthäuser eine Herabsetzung der Pensionspreise erfolgt, die sich für den Besuch des badischen Landes günstig auswirkte. Etwa 80 Prozent der für 1927 angemeldeten Preise stimmen mit den letztjährigen überein, bei etwa 15 Prozent sind Berichtigungen nach unten und bei 5 Prozent Heraufsetzungen erfolgt. Bei letzteren Aenderungen handelt es sich teils um Betriebe mit neugeschaffenen verbesserten Einrichtungen. Es muß anerkannt werden, daß die Festsetzung der Hotelpreise, die zwangsläufig durch die kurze Saisondauer und die große Belastung der Fremdenbetriebe beeinflußt werden, wiederum mit größter Vorsicht unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage eines großen Teiles der Erholungssuchenden erfolgt ist, sodaß in Verbindung mit der geplanten umfangreichen Werbung des Badischen Verkehrsverbandes und seiner Mitglieder auch für das Jahr 1927 eine fortschreitend günstige Auswirkung hinsichtlich eines vermehrten Besuches des badischen Landes erwartet werden darf. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 1l. Februar. (Bortrag.) Auf Veranlassung de^ Vereins „Bad. Heimat" spricht heute Abend im Bürgersaal des Rathauses Herr H. E. Busse aus Freiburg über I. P. Hebel, den alemanischen Dichter. Da der Redner auf dem Gebiet der Heimatforschung mit an erster Stelle steht, darf man einen interessanten Abend erwarten, dessen Besuch sicher befriedigen wird. * Sinsheim, II. Febr. (Theater-Abend.) Der evangelische Kirchenchor wird am Sonntag Abend seine alljährliche Winterveranstaltung abhalten. Zur Aufführung gelangen ein Märchen- und zwei Singspiele. Daran an schließt sich eine gesellige Unterhaltung mit Gabenverlosung. Der Abend verspricht recht unterhaltend zu werden. s Eins' eim, II.Febr. (5.Vortrag in der Gewerbeschule.) Ueber das Thema „Hundert Jahre Eisenbahn" sprach am Mittwoch Abend im oberen Saale der Schule Gewerbeschulvorstand Heiß. Der Referent verstand es, einen intereffanten und allgemein verständlichen Rückblick über die alles uinwertende Einwirkung der Eisenbahn auf unser ganzes Kulturleben zu geben. Hat doch die Eisenbahn der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung des oben genannten Zeitabschnittes das Gepräge verliehen: sie ist Schrittmacherin für die gesamte Technik gewesen. Ursachen und Wirkungen wechselten so miteinander ab, denn die Eisenbahnen wären undenkbar gewesen ohne die großen Leistungen des Eisenhüttenmannes und des Maschinenbauers, ebenso wie deren Erfolge wieder leistungsfähige Verkehrsmittel zur Boraussetzung hatten. Je mehr die Technik vorwärts schritt, desto engmaschiger wurde das Retz dieser Wechselwirkungen. Die Eisenbahn, die auf Beschleunigung eingestellt war, forderte auch rasches Arbeiten, Herstellen, Liefern und nicht zuletzt Denken. Sie ries neue Industriezweige ins Leben, weil sie ihrer bedurfte, sie gab Anstoß zu ganz neuen Kultursormen. 2m Verlaufe des lehrreichen Bortrages erklärte Herr Heiß an Hand zahlreicher Lichtbilder den Anwesenden die einzelnen Entwicklungsstusen des Lokomotivbaucs. Im Jahre 1825. am 27. September, fuhr in England der erste Eisenbahnzug, vom Erbauer der ersten Lokomottve, George Stephensen, geführt. Bereits 10 Jahre später konnte in Deutschland die erste Eisenbahnlinie Rürnberg-FLtth feierlich eingeweiht werden und in verhältnismäßig kurzer Zeit entwickelte sich die Eisenbahn immer weiter und weiter, die Lokomotiven wurden verbessert bis zur Turbo- und Diesellokomotive, welch letztere als Betriebsstoff flüssige Kohle verwendet. Hand in Hand damit sehen roft eine Vervollkommnung der Personen- und Güterwagen, des Oberbaues und des Weichensystems. Aufmerksam folgten die Zuhörer den Worten des Referenten und lebhafter Beifall dankte ihm für seine Ausführungen. * Sinsheim, 11. Febr. (Spenoung der hl. Firmung). In dem lausenden Jahr wird das hl. Sakrament der Firmung gespendet werden: In Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg, Bruchsal und St. Peter ferner in Ottersweier, Lahr, Endingen, Stüh-' lingen, Villingen, Neustadt und Triberg. * Sinsheim, 11. Febr. (Pfändbarkeit der Mieten.) In einem Beschluß hat das Kammergericht erneut dahin entschieden, daß der prioatrechtlichen Verfügung entzogen, also unabtretbar und unpfändbar derjenige Teil der gesetzlichen Miete sei, der zur Zahlung der Steuern und überhaupt zu einer ordnungsmäßigen Hausbewirtschaftung erforderlich und vom Gesetzgeber in der Zwangswirtschaft dazu bestimmt sei. Das Kammergericht nimmt an, daß für die Zeit ab 1. September 1925 vier Fünftel der Miete als zweckgebunden und nur ein Fünftel als pfändbar anzusehen sind. * Sinsheim, 11. Febr. (Wohlfahrtsbriefmar ke n.) Der Vertrieb der zugunsten der Deutschen Nothilfe herausgegebenen Wohlfahrtsbriefmarken zu 5, 10, 25 und 50 Pfg., sowie der Markenheftchen mit 8 Wohlfahrtsmarken zu 5 Pfg. und! 6 Stück zu 10 Pfg. wird bei den Postämtern am 15. Februar eingestellt. Diese Marken können aber noch bis zum 20. April durch die über das ganze Reich verzweigten Organe der Deutschen Nothilf« bezogen werden. Die Gültigkeit der Wohlfahrtsmarken zum Freimachen der Postsendungen erlischt erst mit dem 30. Juni 1927. zWaibstadt, 10.Febr.(Verschiedenes.) Der Schützenverein veranstaltete am vergangenen Sonntag im Gasthaus zum Engel einen Lichtbilder-Vortrag für sein« Mitglieder, der von Herrn Adam Engel-Eschelbronn ausgesührt wurde. — Der Kanonierverein St. Barbara gab am Sonntag Abend im Gasthaus zum Adler einen Ball, bei dem die Teilnehmer hinsichtlich der angenehmen Unterhaltung voll auf ihre Rechnung kamen. cg] Weiler, 10. Febr. (Evailg. Kirchencho r.) Bor einigen Tagen hielt der eoang. Kirchenchor seine Generalversammlung ab. Der Tätigkeitsbericht zeugte unter der rührigen Leitung des Dirigenten Johann Eiermann von dankbaren Arbeitsleistungen. Der Kassenbericht fiel zur allgemeine» Befriedigung aus. Hierauf erfolgten die Wahlen, wobei der seitherige Gesamtvorstand einstimmig wiedergewählt wurde. 1. Vorstand Wilhelm Hauser, 2. Vorstand Otto Hildenbrand, Schriftführer und Kassier Gustav Klein. Am diesjährigen Bezirksausflug nach dem Niederwalddenkmal wird sich der hiesige Kirchenchor mit ungefähr 120 Mitgliedern beteiligen. + Kirchardt, 10. Febr. ^Beerdigung.) Vorgestern wurde Ludwig Stecher, einer der letzten Altveteranen des Dorfes, unter militärischen Ehren zur letzten Ruhe gebettet. £ Grombach, 11. Febr. (Altveteranen.) Wir haben in unserer Gemeinde noch drei Altveteranen, die die Feldzüge 1866! und 1870—71 mitgemacht haben. Es sind dies die Herren Breunig, Altbürgermeister Frank, Altgemeinderechner, und Dörr, Schmied, der aber seinen Beruf nicht mehr ausführen kann. Breunig und Dörr zählen 83 und Frank 78 Lebensjahre. Alle drei sind körperlich und geistig noch ziemlich frisch. Wir wünschest unseren Altveteranen einen schönen, frohen sebensabend. □ Siegelsbach, 10. Febr. (Ka t h. Kirche nchor). Bot zahlreichem Publikum haben die Mitglieder des kath. Kirchenchors das große, vaterländische Trauerspiel „Stark bis in den Tod" in 4 Akten zur Aufführung gebracht. Herr Hauptlehrer Riffel und Frau hatten die beiden großen Hauptrollen übernommen, beide haben sich sehr gut in ihre Rollen eingefühlt. In der größeren Zwischenpause zwischen 3. und 4. Akt führte uns der kath. Ortsgeistliche durch seine Lichtbilder hinauf auf die Tiroler Berge und hinein in die alten schönen Städte und Dörfer Tirols. Am Schluß folgten noch einige heitere Darbietungen. Die ganze Veranstaltung kann als gut gelungen bezeichnet werden und muß auf vielfachen Wunsch nochmals wiederholt werden. m Richen. 10. Febr. (P r e i s s i n g e n.) Im Löwensaale hielt der Gesangverein seine diesjährige Generalversammlung ab, bei welcher die gesamte Vorstandschast mit Rücksicht auf das im Juli dieses Jahres bevorstehende Preissingen (ohne Wahl) im Amte bleiben mußte. Das einzige durch den Elsenzsängergau veranstaltete Preissingen fällt also in diesem Jahre unserer wackeren Sängerschar uMer der bewährten Leitung ihres seit 25 Jahren tätigen Dirigenten, Herrn Robert Meny, zu. Schon sind die Vorarbeiten eifrig im Gange und stehen namhafte Preise zur Verfügung. Der am 13. Februar im Saale der Brauerei Schwein- furt stattfindende Delegiertentag wird die Einzelheiten regeln und dürste das.Fest za einem wirklichen gesanglichen Genasse werden. Wie man hört, trägt sich die Bereinsleitung mit dem Gedanken, ein fettes Schwein als Preis für den bestsingenden Verein zu geben. Eppingen, 10. Febr. (Verschiedenes.) Am Sonntag, den 6. Febr. fand hier die Generalversammlung des Reichsbundes der Krieg sbefchädigten, Kriegsteilnehmer und Kr?egerh interbli ebenen statt, die einen sehr guten Besuch aufzuweisen hatte. Der Geschäftsführer L. Weil von der Gauzweiggeschäftsstelle Heidelberg referierte dabei über Tagesfragen im Versorgungswesen. Zum Schluß gab er noch praktische Ratschläge über die Durchführung von Bersorgungsangelegen- heiten, nachdem schon vor der Versammlung eine Sprechstunde angesetzt war, die von den Mitgliedern stark in Anspruch genommen worden ist. Die Versammlung hat gezeigt, daß der Reichsbund hier gut organisiert ist und daß die Leitung bei dem 1. Vorsitzenden Karl Lang in guten Händen liegt. — Der Radfahrerverein „Wanderer" hielt am Sonntag nachmittag seine Generalversammlung in der Bahnhofwirtschaft ab. De? 1 . Vorstand, Herr Konrad Lampert, begrüßte die Erschienenen und dankte für den zahlreichen Besuch. Ueber die Tätigkeit des Verfangen Sie kostenlos meine Broschüre über das Glaser-Piano Ule Vorzüge eines ausgezeichneten Fabrikats finden Sie hier bei mäßigem Preis vereinigt "ntiiohans Pfeiffer, Heidelberg, Hauptstraße 44. Rr. 18. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 11. Februar 1927. .Bcrcins berichtete der Schriftführer, Herr Karl Schellenschmidt, und über den Kassenstand der Kassier. Herr Karl Wirth. Beiden wurde für ihre Mühe der Dank des Vereins ausgesprochen. Die vorgenommenen Wahlen hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorstand: Hermann Dieffcnbacher, 2. Vorstand: Adolf Dieffen- bacher, Schriftführer: Karl Schellenschmidt, Kassier: Karl Wirth, 1. Fahrwart: Rudolf Karg, 2. Fahrwart: Ernst Herker. Aus- schußmitglicder: Albert Geier, Heinrich Welz, Albert Pittroff und Heinrich Schmitt. Der Verein hat u. a. beschlossen, am Fastnachtdienstag einen Maskenball im Saal zum „Schwanen" abzuhaltcn. Rach Erledigung verschiedener Wünsch« und Anträge konnte der Vorstand die gut verlaufene Versammlung schließen. Mühlhausen bei Wiesloch, 11. Febr. (Drillinge im K u h st a l l.) Die Kuh des Landwirts Johannes Pfeifer brachte drei lebende gesunde Kälber zur Welt. Die Kuh gibt obendrein noch 18 bis 20 Liter Milch täglich. ^ Schwetzingen, 10. Febr. (Raub übe rfall im Ketscher. Wald.) Eine 21 Jahre alte Kaufmanns-Ehefrau aus Ketsch, die sich von Schwetzingen auf dem Heimweg befand, wurde am Ausgang des Ketscher Waldes von zwei Handwerksburschen überfallen. Der eine der beiden Komplizen stand Schmiere, während der andere die Frau tätlich artgriff und ihr die'Tasche zu entreißen versuchte. Die junge Frau setzte sich aber so kräftig und energisch zur Wehr, daß "der Strolch den geplanten Raub vorerst nicht ausführen konnte, obwohl er der Frau schon die Einkaufstasche aus den Händen gerissen hatte. Der Straßenräuber wäre sicher zu seiner Beute gelangt, wenn nicht ein Radfahrer aus Schwetzingen, der zufällig angefahren kam, durch Zuruf« die Kerle verscheucht hätte. Beide verschwanden schnell im Dickicht des Waldes a nd konnten bis jetzt noch nicht gefaßt werden. L St. Ingbert. 11. Febr. (Vom Starkstrom getötet.) Jitfolge Unvorsichtigkeit kam der neunzehnjährige Kranführer Baus ans Altstadt bei Homburg der Starkstromleitung zu nahe und wurde auf der Stelle getötet. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod des jungen Mannes feststellen. ;■ — Eppelheim, 11. Febr. (Schwerer Zusammenstoß.) Auf der Eisenbahnstreckc zwischen Plankstadt und Eppelheim wurde an einem ungesicherten Bahnübergang ein mit Kies beladener Lastkraftwagen von einem Personenzug erfaßt und die Böschung herabgeschieudert. Der Chauffeur und der Mitfahrer wurden erheblich verletzt. Außerdem erlitten acht Reifende des Personenzuges mehr oder weniger schwere Verletzungen. - Mannheim. 10 . Febr. (Zwei Selbstmorde.) In der Neckarstadt hat sich ein 24 Jahre alter lediger Schriftsteller in der elterlichen Wohnung einen Schuß in di« rechte Schläfe beigebracht. Auf dem Transport zum städtischen Krankenhaus ist er gestorben. Die Tat ist vermutlich auf einen krankhaften Zustand zurückzuführen. — Ein 64 Jahre alter verheirateter Arbeiter aus der Neckarstadt, der in einem hiesigen Krankenhaus untergebracht war, hat sich in vergangener Nacht erhängt. Auch hier dürften krankhafte Störungen die Ursache der Tat sein. —; Mannheim. 10. Febr. (Feuer in einer Lackfahr i k.) In der Lack- und Spachtelkuttfabrik von Aledy G.m. b. H., tzochuferstraße 34, war infolge Ueberkochen eines Lackkessels, dessen Inhalt in Brand geraten war, Feuer ausgebrochen. Das Feuer war beim Eintreffen der Verufsfeuerwchr bereits auf den Fabrikationsraum überqegangen. Mit zwei Stahlrohren, d.e durch die Motorspritze gespeift wurden, konnte das Feuer nach zweistündiger Arbeit durch die Berufsfeuerwehr gelöscht werden. Der Schaden ist bedeutend. © Kirrlmh. 10. Febr. (Sturz aus dem Fenster.) Hier fiel ein zweijähriges Mädchen aus dem Fenster des zweiten Stockwerkes und zog sich- dabei eine schwere Gehirnerschütterung zu. /X Offenburg 10. Febr. (Mord infolge plötzlicher G e i st e s g e st ö r t h e i t.) In Ebersweier zertrümmerte der 26 Jahre alte Heinrich Männle, der seit einiger Zeit an Kopfgrippe litt, seinem Bekannten, dem Wagnermeister Leo Gumtt, bei einem Besuch in dessen Werkstatt mit einer Axt die Hirnschale. Männle hat offenbar in einer plötzlichen Geistesstörung, die als Folge der Grippe ausbrach, die Tat begangen. Gumtt hinterläßt eine Frau und vier Kinder. x Hardheim 10. Febr. (Ein seltenes Iubiläum) begeht in diesen Tagen Frl. Iosephine Farrenkopf. Sie ist nunmehr 40 Jahre im Dienste der Familie Dertinger hier. cf Bad Mergentheim. 10. Febr. (Ein Eisenbahnunglück verhütet.) Der Bahnwärter Schwager bemerkte, wie kurz vor Schluß der Schranken vor einem nahenden Zug ein Gespann die Schienen überfahren wollte, dabei aber mitten auf dem Gleise nicht mehr weiterkam. Die Situation überschauend, eilte der Bahnwärter mit seinem Notsignal dem Zug entgegen, und es gelang ihm, diesen rechtzeitig zum Stehen zu bringen. 4 - Krauthsirn. io. Febr. (Ein Unglücksfall.) Schreinermeister Fritz Fluhrer von hier verunglückte beim Holzfällen in der Klinge dadurch schwer, daß er unter einen fallenden Baum geriet. Der Verunglückte erlitt schwere Verletzungen am Kopf sowie einen Schlüfselbeftibruch und wurde sofort ins Krankenhaus nach Boxberg verbracht. 6 Kaiserslautern. 11. Febr. (Volksschül er als Kassenknacker.) Zwei 13 jährige Volksschüler plünderten unter Anweisung eines 16 jährigen Burschen, einem Bruder des einen Schülers, in einem Geschäftshause in der Steinstraße die Ladenkasse. .Sie erbeuteten 95 Mark und vergruben sie unter einem Gartenzaun. Beim Nachforschen wurden noch 63 Mark vorgefunden, von dem Rest wollen die Burschen nichts wissen. Während der 16 jährige den Aufpasser spielte, „arbeiteten" die beiden Jungen im Laden." 0 Pirmasens 10. Febr. (Selbstmord einer Grei- s i n.) Die 74 jährige Katharina Keim aus Erlenbrunn hat sich in einer Scheune an einer Leitersprosse erhängt. Die Tat dürfte in einem Anfall geistiger Umnachtung verübt worden sein. — Berlin, 9. Febr. (Gattenmord.) Der im Norden Berlins in einer Gemeindeschule wohnende Heizer Buchholz teilte seinen Verwandten mit, daß seine Frau seit mehreren Tagen spurlos verschwunden sei. Die Kriminalpolizei, die daraufhin benachrichtigt wurde, fand in einer kleinen Rumpelkammer des Schulgebäudes die Frau Buchholz in einer großen Blutlache tot auf dem Boden. Der Gerichtsarzt' stellte fest, daß sie mit einem Ziegelstein erschlagen worden sei. Buchholz, der verhaftet wurde, gab in voller Gelassenheit zu. daß er seine Ehefrau am vergangenen Freitag erschlagen habe, konnte aber keinen Beweggrund für die Tat angeben. i Berlin 10. Febr. (Feuer auf dem Rieselgut Münchehof.) Auf dem städtischen Rieselgute Münchehof bei Hoppegarten entstand ein größeres Feuer, durch das etwa 2000 Zentner Getreide, das in zwei Schobern aufgespeichert war, vernichtet wurde. Die Gutsleitung vermutet, daß das Feuer vorsätzlich angelegt worden ist, zumal aus beiden Schobern zu gleicher Zeit die Flammen herausschlugen. t Berlin 10. Febr. (Gemeinsamer S e l b st m o r d.) Der zwanzigjährige Arbeiter Erwin Lamprecht und die 17 jährige Gertrud Neuenburg begingen Selbstmord, indem sie von der Möckernbrücke in den Kanal sprangen. Die Leichen wurden geborgen. Der Doppelselbstmord ist darauf zurückzuführen, daß die jungen Leute keine Aussicht sahen, sich zu heiraten. t B r in, 11. Febr. (Der mumifizierte Tote im Belt.) Der 55 Jahre alte Maier Richard Bartel, der in der Pappel-Allee wohnte, wurde tot in seiner Wohpung aufgefunden. Es stellte sich heraus, daß der Tod bereits vor Ende des vergangenen Jahres einge- lreten ist. Die Mordkommission stellte fest daß der Maler eines natürlichen Todes gestorben ist. Trotz der langen Zeit seit Eintritt des Todes wies die Leiche nur wenig Berwesungsfpuren auf. Durch die Kälte in dem ungeheizten Zimmer ist sie fast mumifiziert worden. t Berlin, II. Febr. (Liebestragödie in einem Hotel.) 2n einem Hotel in der Kurfürstenstraße schoß ein 25 jähriger Kaufmann aus Meißen einem 20 jährigen Mädchen, ebenfalls aus Meißen, eine Kugel in die linke Schläfe. Er stellte sich selbst der Polizei und gab an, die Tat im Einvernehmen mit dem Mädchen begangen zu haben, da eine eheliche Verbindung unmöglich war. Als er sich selbst erschießen wollte, habe die Pistole versagt. Das junge Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. - Billstein, 10. Febr. (Der Tod im Steinbruch.) In einem Basaltsteinbruch am Billstein wurden zwei Arbeiter durch herabstürzende Gesteinsmassen verschüttet. Einer von beiden wurde mit zerschmetterten Gliedern tot geborgen, während der zweite mit schweren inneren und äußeren Verletzungen in bedenklichem Zustande im Krankenhaus darniederliegt. t Steglitz, 10. Febr. (Im Streit den Vater erschlagen.) Vor einem Lokal geriet der Fischhändler Bölt mit seinen beiden Söhnen in einen heftigen Wortwechsel, in dessen Verlauf einer der beiden seinen Vater niederschlug. Bölt fiel so unglücklich auf das Straßenpflaster, daß er bewußtlos liegen blieb. Im Krankenhaus ist er seinen Verletzungen erlegen. Die beiden Söhne sind festgenommen worden. Grotzfeuer in der Herderschen Buchhanrlung. Freiburg, 10. Februar. In den ausgedehnten Kellerräumen der Buchhandlung Herder & Co. in der Kaiserstraße brach heute mittag um l e3 Uhr ein Brand aus, der in den aufgestapelten Kisten und Kasten, alten Büchern und Makulatur reiche Nahrung fand und sich rasch ausbreitete. Gegen 5.30 Uhr abends gelang es endlich, des Feuers' Herr zu werden, lieber die Brandursache selbst konnte Genaues noch nicht gesagt werden. Es wird aber die Vermutung ausgesprochen, daß das Feuer in dem Kellerraum, wo sich der Ofen für die Zentralheizung befindet, zum Ausbruch kam. Der Schaden ist sehr erheblich. 25 Hochzeilsgäste vergiftet. Warschau, 10. Febr. In einem Dorfe des Wilnagedietes wurden 25 Hochzeitsgäste vergiftet. Der Bauer, der die Hochzeit ausrichtete, hatte aus Sparsamkeitsgründen Schnaps von einem illegalen Händler gekauft und dabei offenbar Methylalkohol erhalten. Am Tage nach der Hochzeit starben 13 Gäste und weitere 12 liegen hoffnungslos darnieder: die übrigen Gäste sind mit leichteren Erkrankungen daoon- gekommen. Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 10. Februar 1927. Anleihen: 5° o Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Sparprämienanlethe Bankaktien: in ° o 0,83 0,6771/2 tn 0/0 189 293 204,25 134 189 195 187 16c 180 in o/o 224,75 227,50 1531/8 128,30 135,25 100 Aktien inbnftr. Unternehmungen: in 0/0 Ällg. Elektr. Stammattten . >71,25 Badcnta Wcinhetm . . . — Bad. Elektrizität Mannheim . 0,105 Bad. Bank .... Darmstädter und Nationalba»! Deutsche Ban! .... Deutsche Veretnsbank Dresdner Bank.... Mitteldeutsche Creditbanl. Reichsbank .... Rhein. Creditbanl Sndd. Disconto Ges. Bergwerks - Aktien Harpener vergbau Kali Westeregeln Manuesmannröhrenwerle. Mansfelver Bergb .u. Hütteuw. Oberschl. Kisenb. Bedarf . Phönix Bergbau u. Hüttenbetrieb Salzwerk Heilbronn . Bereinigte Königs- Laurahütte Bad. Maschinen Durlach . 13« Cementwerk Heidelberg . 170,50 Daimler Motoren . . . io« Dtsch. Goid- und Silberscheide . 245,50 Elektr. Licht und Kraft . — Emaill. und Stauzwerk Ullrich «o Farbeniudustrie .... 318,25 Fuchs Waggon Stammaktien . 0,«0 Gritzner Maschinen Durlach . 129 Karlsruher Maschinen . . »3,50 Knorr Heilbronn ... ioO Mainkraftwerke Höchst . . 137,75 Neckarsulmer Fahrzeuawerke . 132 Schlickert Elektr. Nürnberg . m Seilindustrie Wolfs . . 91 Zellstoff Waldhof Stammaktien 264,50 Zuckerfabrik Waghäufel . . 158,52 , Heilbronn. . 156,50 Aktien deutscher Tcanspoetanstalten: in 0/0 Hamburg. Amerik. Paketfahrt — Heidelberger Straßen- u. Bergbahn 89 Norddeutscher Lloyd. . '154 Denisen: Geld Brief New-Hork l Dollar 4.2151 4.2254 London 1 Pfund 20.449 20 501 Holland 100 Mulden 133.72 L68.,4 Schweiz 100 Francs 81 04 85.24 Paris 100 Fran 16.504/2 I6.6QV2 Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 10. Februar 1927 Preise verstehen sich per 100 kg alles in Goldmark in Reichsmark zahlbar Weizen, inländischer 30,00 Weizen, ausländisch. 3 >,50—32,50 Roggen, inländischer 27,25 — 27,50 Roggen, ausländ. 27,50 - 28,00 Braugerste 26,00—30,00 Hafer, inländischer 21,00—22,00 Hafer, ausländischer — Weizenmehl Sp. 0 40,00 -40,25 Roggenmehl 700/o 37,00—39,00 Tendenz: ruhig. Mais (mit Sack) . 19,00 Weizenkleie m. Sack 13,50 Biertreber mit Sack 18,75-17,25 Roh-Melaffe . . — Wiesenheu . . 9,10- 9,50 Luzernekleeheu. . 10,50—11,50 Preßstroh . . 4,50— 4,90 Gebundenes Stroh 4,00— 4,60 Raps. — plllllllllllllllllllllllllll!llllllllllilllllllllll!l!lllllllllllllllllll!lilllllllll^ 1 Voranzeige. g | Turn-Verein Sinsheim | | Grosser Maskenball 1 ü am 19. Februar im „Löwensaal“. = | Der Turarat. | iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM VrmnM-VerllelMiW. Das Forstanrt Reckarfchwarzach versteigert am Mittwoch, den 18. Februar, morgens 10 Uhr. im Wirtshaus in Schwaicheim: aus den Domänenwaldungen Regberg, H-rschbrünnle und Rüden» wald: 66 ei. und du. Wagnerstangen, 477 Ster Scheiter (318 du., 88 ei., 71 hbu. u. gem.), 9 Ster trlene Rolle», 301 Ster Prügel (129 bu., 43 ei., 124 hbu. u. gem., 5 nadel), 222 Ster Laubreisprügel. Borzeiger: Forstwart Heiß in Schönbrunn. mmWvMMiwm Die Gemeinde Hoffenheim. Amt Sinsheim versteigert am Dienstag, den 22. Februar ds. 3s. 1V Uhr vormittags anfangrnd. im Großen Wald: 90 Eichen bis zu 2,26 km., 8 Buchen. 38 Nadelhölzer, Akazien, Birken, 8 Ster Eichennutzholz sowie 1280 Bau-und Hopfenstangen sowie Rechtecken. Zusammenkunft am Kriegerdenkmal, wozu Kausliebhaber em- geladen werden. _ Vereinsbank Sinsheim eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Besorgung aller bankgeschäftiichenAngelegenheiten nach genossenschaftlichen Grundsätzen. * Abnahme von Spareinlagen bei günstigster Verzinsung. Erstklassigen Simmentaler Zuchtsarren —Oberländer - Abstammung, Gelbscheck, 18 Monate alt, hat zu verkaufen 3t. Schmutz, Gut Bockfchast Fernsprecher Kirchardt Nr. 29. ^»«tbaus z. Krokorf, , Sinsheim Spielplan für Samstag, den 12. und Sonntag, den 13. Februar, jeweils abends 8 Uhr. Programm: Ein interessanter Film wird gespielt Kammermusik in 6 Akten. In der Hauptrolle: Heuny PorteD. Brownie und die Millionenerbin Lustspiel in 2 Akten Jonny der Sonntagsjäger Lustspiel in 1 Akt. Es ladet freundliebst ein Die Direktion. Ata m % Danksagung. Anläßlich der uns bei der Beisetzung unseres lieben Verstorbenen des Herrn Philipp Freudenberger Altbürgermeister bezeugten Teilnahme, insbesondere für die zahlreiche Leichenbegleitung der früheren Amtskollegen, die zahlreichen Kranzspenden weitester Kreise, sowie für die Kranzniederlegungen und ehrenden Nachrufe der verschiedenen Vereinigungen, denen der Verstorbene angehörte, sagen hiermit auf diesem Wege aufrichtigen Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Bad Rappenau, den 9. Februar 1927. / 6 Henkel' 5 Scheuermittel' Keine Hausfrau mag es entbehren! Slung! GelegeuHeitskaus. Moderne Schlafzimmer» einrichtung, kompl., hell eiche neu, mit dreitürigem Ooalspiegelschrank.ui. weiß Marmor, hat billig zu verkaufen. Näheres b. Schreinermeister August Stall. Hauptstr. 19 Gute M-u.Schi>W«h 35 Wochen trächtig mit dem 4.Kalbhat zu verkaufen Ko trad Grab PH. S. Nohrbach bei Sinsheiin. Guterha'tenes für Anfänger geeignet, wegen Platzmangel lehr billig zu verkaufen. Zu erfragen unter Nr. 148 beim Landboten. Statt besonderer Anzeige. Allen Verwandten, Freunden u.Bekannten I j die traurige Nachricht, daß unser lb. Bruder | Philipp Körber infolge eines Schlaganfalls im Alter von I 49 Jahren am Donnerstag früh 5 Uhr sanft | entschlafen ist. Sinsheim, den 10. Februar 1927. Die tieftrauernden Geschwister: j Emma Körber Lina Körber. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. Februar ] nachmittags 2 Uhr statt. Oie Hatisfrat* auch am deutschen Herd Bleibt immer schon durch Steckenpferd« NWK Wolle Die altbewährte gute Strickwolle Ueoeratt erhältlich I Aut Wunsch Bezugsquellen • Nachweis durch: Stemwoff-Solnnerei öahrenfeld G. m. b. Aftona-Bahr#nf«fd Zucht- lind Legehuhn« beft.Legeraffeu liefert best. u. billigst. (Preisliste gratis. L. Hellmuth, Unter/chüpf (Baden). Wie fühlen Sie sich? Nimmt man Kruschen-Salz» so fühlt man sich immer wohl, erfreut sich bester Gesundheit und voller Lebensfreude. Kruschen-Salz erfrischt die inneren Organe (Leber, Nieren und Magen), so daß der Stoffwechsel 'mmer gut funktioniert» Mark 3,— pro Glas. Ad. Engel, Engeldrogerie Sinsheim. Braver, fleißiger Junge welcher Lust hat das Bäcker- Handwerk zu erlernen, kann sofort oder bis Ostern eintreten. Karl Eiermann, Bäckermstr. Bienen-Honig allerfeinster, goldgelber, reiner Qualität. 10-Pfd.- Eimer Mk. 10.70, 5-Pfd.- Eimer Mk. 6.20 Nachn. 30 Pfg. mehr. Pandsacii, Lehrer a. D. Hude 297 i. Oldbg DruSarbeiten jegNcver 3lrt fflr tfe- werbe, vanbel unO »edSrVen in sauberster aiusfübruna Ursen in kürzester Zeit und zu mäßigen Preisen G. Becker'sche BuchbniSerei Sinsheim beim Babndos. SS— Echristleitung: H. Becker: Druck und Perlag: G. Beckersche Buchdruckerei in Sinsheim. Nr. 18. Jahrgang 1927. Vauernfiedlung im Norden und Osten. Ueder dieses Thema hielt, wie wir bereits kurz erwähnten, Herr Oekonomierat Pielhauer, Karlsruhe auf dem Laydesparteitag der Deutschen Demokratischen Partei am 5. Februar 1927 ein ausgezeichnetes Referat. Er führte folgendes aus: Die Frage der Bauernsiedlung in den dünn bevölkerten Gegenden ist zwar keine Parteisache, sondern sie ist oder sollte ivenigstens sein eine Dolkessache in des Wortes vollkommenster Bedeutung. Aber weil sie dieses ist, muh sich auch unsere Partei ihrer annehmen. Mit Freude und Stolz kann festgestellt werden, daß es im Reich sowohl, wie in Preußen und einigen anderen norddeutschen Ländern angesehene Führer unserer Partei waren, die der Siedlungsfrage neuestens wiederum die Bedeutung beimes'sen die ihr gebührt. Es seien nur die Namen 'Ronneburg im Reichstag, Wachhorst de Wenle. und Meinkc im Preußischen Landtag'und Tantzen in Oldenburg genannt, möchte es auch in Baden so iverden. Wie alle großen Abschnitte in der Geschichte unseres Volkes durch ganz besondere Aufgaben ihr besonderes Gepräge aufgedrückt erhielten, so auch die Zeit, in der wir leben. Sie wird vielleicht am besten durch die Worte Arbeit und Brot" kurz gekennzeichnet. Zn allen Zeitabschnitten ob es sich um die Kämpfe wegen *bcr geistigen Vormachtstellung ber Gewissensfreiheit ufto. handelte, oder um Ttaatcnbildungen und Verfassungskämpfe, oder wie heute um wirtschaftliche Fragen, allemal bleibt Raum für wahre Demokratie. Heute soll uns das Verhältnis der Menschen zum Grund und Boden, auf dein sie leben, insbesondere die Grundbesitzvcrteilung auf kurze Zeit beschäftigen. Dieses Verhältnis war immer von grundlegender Bedeutung für das Wohl von Volk und Land. Darum find auch die Gesetze und die Gebräuche über die Verteilung des Grund und Bodens und über das Eigentums- und Nutzungsrecht an ihm wohl so alt wie die Kultur selbst, mindestens so alt. als es einen „Kampf um den Nahrungsspielraum" gibt. Wir wollen durch unsere Bodenpolitik wie durch alle unsere politischen Maßnahmen dem Volke und dem Baterlande dienen und zivar dem Volke in allen seinen Schichten und dem Paterland in allen seinen Teilen. Die Besitzoerteilung ist in Deutschland nach 2 Richtungen verbesserungsbedürftig: Im Süden und Westen sind die Einzelbetriebe häufig zu klein, um der betreffenden Familie volle Beschäftigung oder doch volle Nahrung zu gewähren. Auch wirkt das Fehlen eigener Gespanne in vielen Fällen stark ertragoermindernd. Daher die häufig außerordentlich niedrigen Durchschnittserträge an den wichtigsten Erzeugnissen des Ackerbaues. — Hier ist also Mangel an Land und Ueberschuß an Menschen! Im Norden und Osten herrschen vielfach Betriebe vor, die wegen ihrer großen Ausdehnung nicht so intensiv bewirtschaftet werden können, wie es wünschenswert wäre. Sie erfüllen also nur aus einem anderen Grunde wie bei uns ihren volkswirtschaftlichen Zweck ebenfalls nicht. Dort ist Mangel an Menschen, bei Ueberfluß an Land. Die aus den genannten Tatsachen sich ergebenden Uebelstände sind verschiedener Art. Sie sind staats-, wie kulturpolitisch wirtschafts- wie sozialpolitisch gleichermaßen vom Uebel. Die zwei wichtigsten Dinge, nämlich Menschen und Grund und Boden sind vorhanden. Um die crsteren im Sinne unserer Ziele möglichst vorteilhaft auf letzteren zu verteilen, sind zwei weitere Dinge nötig, nämlich Kapital und Organisation. Auch dieses ist teils vorhanden, teils kann es verhältnismäßig leicht beschafft werden. Mit gutem Beispiel sind uns in beiden Punkten das Reich und Preußen vorangegangen. Der Zweck unserer Bemühungen soll sein, aus dem dicht bevölkerten Süden und Westen möglichst viele Bauern im Osten und Norden anzusiedeln, und zivar in erster Linie auf Kulturland, in zweiter Linie auf kultiviertem Oedland. Es wird die Leser interessieren, daß nach dem Urteil des besten Kenners der Fragen der Oedlandkultur in Deutschland (Geheimrat Tacke. Bremen) 2,7 Millionen Hektar kultioierbares Meer und 1,7 Millionen Hektar kultioierbare Heide, zusammen 4,4 Millionen Hektar kultivierbares Oedland vorhanden sind, welche mit bekannten Mitteln und nach vielfachen Erfolgen in der Praxis in hochwertiges landwirtschaftliches Nutzland verwandelt werden können. Durch das Diktat von Versailles sind uns 4,32 Millionen ha genommen worden. Zwei andere Zahlen: In Baden gibt cs 154 000 Kleinbetriebe unter 2 ha, die zusammen nur 106 000 ha Land bewirtschaften. Auf einen dieser Betriebe kommen im Mittel somit nicht einmal zwei badische Morgen. Sollen wir den gewaltigen Mcnschenüberschuß, den das Land naturgemäß produziert in den Städten verkommen oder im englischen Sprachgebiet Amerikas für das Deutschtum verloren, oder in Südamerika an der Ungunst der Verhältnisse zu Grunde gehen lassen? Es sind wahrlich nicht die Schlechtesten, welche den Mut haben, über das große Wasser auszuwandcrn. Sie zu erhalten, ist gleichermaßen vaterländische Pflicht, wie volkswirtschaftliche Klugheit. Aus Baden sind Landwirte ausgewandert 1924: 1000 , 1925: 1800, 1926: 2500; aus dem Reich sind 1923 über wirklich verlegen, was ich tun sollte; sie mußte ja gehört haben, ivas Faldner sagte, und beleidigen mag ich am wenigsten einen Unglücklichen. Ich trat unschlüssig näher. Mein Kind, sagte ich, Sie haben hier einen schlechten Standpunkt geivählt, hier iver- den heute abend nicht mehr viele Menschen vorübergehen. Sie antwortete nicht gleich. Wenn nur, flüsterte sie nach einer Weile kaum hörbar, diese Wenigen Gefühl für Unglück haben! Diese Antwort überraschte mich, sie war so ungesucht und doch so treffend. Die edle Haltung des Mädchens, der Ton. womit si- jene Worte gesagt, verrieten Bildung. Wir sind Landsleute, fuhr ich fort, darf ick Sie bitten, daß Sic mir sagen, ob ich vielleicht nicht mehr für Sie tun kann, als so im Vorübergehen zu geschehen pflegt? — Wir sind sehr arm, antwortete sie. ivie mir schien, etwas mutiger, und meine Mutter ist krank und ohne Hilfe. Ohne weitere Ueberlegung, nur von dem unbestimmten Gefühl, daß mich das Mädchen sehr anzog, getrieben, tagte ich: Führen Sic mich zu ihr! Sie schwieg, der Vorschlag schien ste zu überraschen. Halten Sie dieses für nichts anderes, fuhr ich fort, als für meinen redlichen Willen, Ihnen zu helfen, ivenn ich kann. — So kommen Sic, crividertc die Verschleierte. hob ihr Laternchen auf, löschte es aus und verlmrq es samt dem Teller unter ihrem Mantel." 22 . „Wie?" rief der Baron laut lachend, als Fröben schwieg, „weiter willst du mchi erzählen? Willst es auch heute ivieder machen, wie du es mir schon damals machtest? Nämlich bis hierher, meine Herren und Daineu, hat er ganz nach reiner historischer Wahrheit erzahltt Er glaubte mich vielleicht weit weg. und ich stand keine zehn schritte von der erbaulichen Samariter- szene unter dem Portal des Palais und sah ihm zu; ob der Dialog wirklich so vor sich gegangen, weiß ich nicht, denn der schändliche Wind verwehte die Worte, aber ich sah. wie die Dame ihr Lämpchen auslöschte und mit ihm zurück über die Brücke ging. Die Nacht war mir zu kalt, um ihm bei seinem galanten Abenteuer zu folgen, aber am Ende, ich wollte wetten, sah er iveder eine kranke Mama noch dergleichen, sondern die Dame vom Pont des Arts hatte das alte Sirenenlied nur auf andere Meise gesungen." Er belachte seinen eigenen Witz, und die Männer stimmten ein in das roh« Gelächter, die Damen aber sahen vor sich nieder, und Josefe schien mit den Worten ihres Gatten so unzufrieden Der Landbote 4- Sinsheim« Zeitung. 50 000 Landwirte a usgewandert, 1925 nahm die Stadt'Berlin 200 000 Einwohner zu. Sie kamen zum größten Teil „vom Lande". Diese Zahlen wie auch di« IV* Millionen Arbeitslose, und die -Milliarden, die wir für Lebensmittel dem Auslande liefern, sollten allen verantwortungsbewußten Politikern Anlaß sein, raschestens einzugreifen. Das Reich hat auf 5 Jahre je 50 Millionen Mark für Siedlungszwccke bereit gestellt, in allen preußischen Provinzen bestehen Siedlungsgesellschaften, und Staatsbehörden, mit dein Zweck, große Güter zu erwerben, aufzuteilen, und mit Bauern zu besiedeln. Da Baden den höchsten Prozentsatz an Auswanderern stellt, und da es das einzige Land ist, das noch keine dem genannten Zweck dienende Orga- nasation besitzt, sollten ivir nicht säumen, das fehlende nachzuholen. Ein schönes Ziel wäre, zunächst anzustreben, vielleicht 4 badische Dörfer im Norden und Osten zu gründen, wovon je zivei aus dem Oberland und Unterland, bezm. aus katholischen und evangelischen Bauern zu bilden wären. Der Landtag müßte zu diesem Zwecke allerdings einen entsprechenden Geldbetrag zur Verfügung stellen, der aber in gar keinem Verhältnis steht, etwa zu den Aufwendungen für Arbeitslosenunterstützung und, andere Fürsorgezwecke. Wir werden unsere diesbezügliche Meinung in einer Entschließung zasammenfassen, und unsere Parteifreunde im Landtag veranlassen, im Sinne obiger Ausführungen zu wirken. Der Redner schloß seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit folgenden Worten: Einer Partei, die sich deutsch und demokratisch nennt, steht es ganz besonders gut an, im Sinne der besprochenen Aenderung der Bodenbesitzverteilung zu wirken, denn es ist gewiß gut deutsch, wenn man die Zahl und die Qualität der deutschen Bauern auf deutschem Boden mehrt. Und es ist gewiß gat demokratisch, wenn man durch bekannte Maßnahmen tzunderttauseaden arbeitsfroher und arbeitstüchtigen deutscher Männer und Frauen eine gesicherte Arbeitsstatt verschafft, auf der sie, sich selbst zum Nutzen und dem Volke und Baterlande zum Wohle jene Arbeitsfreude und Arbeitstüchtigkeit ausnützcn können. Ich benutze als Schlußwort eine Aeußerung Friedrich Naamann's, der uns gleichermaßen als Deutscher, wie als Demokrat Vorbild ist: Bauernhof an Bauernhof, von der Maas bis an die Memel, und Bauerndorf an Bauerndorf von der Etsch bis an den Belt, das soll das agrarpolitische Ziel deutscher und demokratischer Arbeit der nächsten Jahre sein. Die Wünsche der Landwirtschaft. w Anfang Februar pflegt in Berlin seit Jahrzehnten die landwirtschaftliche Woche abbehalten zu werden. Seit dem vorigen Jahre wird sie mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung verbunden, die den Namen „Grüne Woche" trägt. Die Hauptversammlung des Reichslandbundes fand diesmal am 2 . Februar in der alten Ausstellungshalle am Kaiserdamm statt und erreichte ihren Höhepunkt in der großen Programmrede des Reichslandbund-Präsidenten Graf Kalckreuth. Bei der Eröffnungsfeier der Grünen Woche, ein paar Tage vorher, hatte der Berliner Oberbürgermeister Böß die Grüne Woche im Namen der Reichshauptstadt begrüßt und den Wunsch ausgesprochen, daß Stadt und Land in ihrem gegenseitigen Verständnis für einander und in der Rücksichtnahme auf einander Fortschritte machen möchten. Da hat es einen besonderen Reiz, die einzelnen vom Grafen Kalckreuth vorgebrachten Wünsche daraufhin zu prüfen, wie sie sich mit den Interessen der Stadtbevölkerung vertragen. Graf Kalckreath ging in seiner Rede von der rnMfy immer unbefriedigenden Lage der deutschen Landwirtschaft aus. Wenn auch die Zukunft nicht mehr ganz so düster wie im vorigen und im vorvorigen Jahre sei, so hält der Landdundführer auch für das Jahr 1927 eine Rentabilität der Landwirtschaft noch nicht für gegeben. Die Preise der meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse .seien unbefriedigend. So weit sie an sich auskömmlich seien, brächten sie dem Landwirt nur geringen Nutzen, da infolge der geringen Ernte des Vorjahres die zum Verkauf verfügbaren Bestände nur gering seien. Obwohl für Biehprodukte die Preise ein wenig gestiegen seien, müsse bedacht werden, daß Deutschland im Jahre 1925 von allen europäischen Staaten die niedrigsten Goldmarkpreise für Agrarprodukte gehabt habe. Dabei sei die landwirtschaftliche Erzeugung in Deutschland durch hohe Schuldzinsen und Steuern in einem solchen Maße vorbelastet, daß eine Rentabilität in der Regel nicht erzielt werden kann. Selbst wenn man annehme, daß die Arbeit des Landwirts 4 Prozent Zinsen aus dem Kapital herauswirtschaftet, so werde diese Summe doch durch etwa 2 < Prozent Schuldzinsen und 2',4 Prozent Steuern vollkommen aufgezehrt. Unter der gesunkenen Kaufkraft der Landwirtschaft leide' die gesamte gewerbliche Bevölkerung unseres Vaterlandes. Werde aber der Landwirtschaft durch ausreichende Schutzzölle eine bescheidene Rentabilität beschert und gesichert, so könne die Intensivierung der Bodenkultur bis zur völligen Deckung des Inlandsbedarfs aus eigenen Kräften fortgesetzt und dem heimischen Gewerbe ein aufnahmefähiger In- als mit der sonderbaren Erzählung ihres Freundes, denn bleich wie der Tod hielt sie ihre Tasse in den Händen, daß sie klirrte, und sandte dem jungen Mann nur einen Blick zu, für den er in diesem Augenblick keine andere als eine tief beschämende Deutung wußte. „Ich glaube zwar", sprach er, mit starker Stimme das Gelächter unterbrechend, „mein Pfand gelöst zu haben, aber mein eigener Vorteil will, daß ich eins Deutung dieses Vorfalls nicht zulasse, die mein Freund mir unterzulegen scheint; Sie erlauben mir daher, daß ich sortfahre, und bei meinem Leben", setzte er hinzu, indem er errötete und sein Auge höher leuchtete, „ich will Ihnen die reine Wahrheit sagen. Das Mädchen bog über die Brücke ein, woher ich gekommen ivar. Während ich schweigend mehr hinter als neben ihm ging, hatte ich Zeit, es zu betrachten. Ihre Gestalt, soweit sie der Mantel sehen lieh, ihre ganze Haltung, besonders aber ihre Stimme war sehr jugendlich. Ihr Gang schnell, aber leicht und schwebend. Sie hatte meinen Arm abgelehnt, als ich ihn zur Führung angeboten. Am Ende der Brücke bog sie nach der Rue Mazarin ein. Ist Ihre Mutter schon lange krank? fragte ich. indem ich wieder an ihre Seite trat und versuchte, durch den Schleier etwas von ihren Zügen zu erspähen. Seit zwei Jahren antwortete sie seufzend, aber seit acht Tagen ist sie recht elend» geworden. — Waren Sie schon öfter an jenem Ort? — Wo? fragte sie. — Auf der Brücke. — Diesen Abend zum erstenmal, enviderte sic. — Dann haben Sie sich keinen guten Platz gesucht, andere Passagen sind frequenter. Doch schont indem ich dies sagte, bereute ick, es gesagt zu haben, denn es mußte sie ja verletzen. Mit unterdrücktem Weinen flüsterte sie: Ach, ich bin ja hier so unbekannt und — ich schämte mich, so ins Gedränge zu Rehen. ' Wie grenzenlos mußte das Elend sein, das dieses Geschöpf zwang, zu betteln. Zwar wollten auch mir, ich gestehe es, einigemal solche Gedanken kommen, wie sie Faldner hatte, aber immer verschwanden sie wieder, weil sic widersinnig, unnatürlich ivaren; wenn sie zu jener verworfenen Klasse von Mädchen gehörte, warum sollte sie sich verhüllt an einen einsamen Ort stellen? Warum geflissentlich eine Gestalt verbergen, die, soviel die Umrisse flüchtig zeigten, gewiß zu den schöneren zu zählen war? Rein, es war gewiß wirkliches Elend .mb jene zarte Verschämtheit vor unverschuldeter Armut da, die das Unglück so unbeschreiblich rührend macht. Freitag, den 11. Februar 1927. landsmarkt geschaffen werden. — 2n der Praxis wird allerdings stets zwischen zwei Extremen ein Ausgleich gesucht werden müssen, nämlich zwischen dem Schutz der inländischen landwirtschaftlichen Produktion und der Erschließung ausländischer Märkte für deutsche Industrieerzeugnisse. Der vom Grafen Kalckreuth entwickelte Gedanke, daß wir durch ausreichende landwirtschaftliche Schutzzölle den andern Ländern gegenüber Kompensations- möglichkeiten für die Abtragung der fremden Zollmauern in der Hand haben, enthält einen durchaus richtigen Kern. Hohe Zölle bringen aber nur dann Nutzen, wenn man entschlossen ist, sie zur Erreichung von Vorteilen auf anderen Gebieten zu ermäßigen. In Bezug auf die Steuerpolitik verlangte der landwirtschaftliche Redner die Ausdehnung der Grundvermö- gcnssteuer auch auf die mobilen Vermögen, damit der ohnehin in seinen Erträgen viel besser gesicherte Besitzer mobiler Wette nicht auch steuerlich ungerechtfertigterweise bevorzugt werde. Don der Siedlungspolitik, die energischer betrieben werden müsse, erwarten die deutschen Landwirte eine stärkere Bindung des ländlichen Nachwuchses an die heimische Scholle. Von den Be- .mühungen der Reichsregierung, die auf einen Abbau der hohen Zinssätze abzielen, kann sich Graf Kalckreuth vorerst noch keinen großen Erfolg versprechen. Insbesondere zweifelt er, daß die herausgebrachte fünfprozentige Reichsanleihe schon sehr bald den Zinsfuß für Hypothekengeld auf den niedrigen Vorkriegsstand herabdrücken werde. Die neue Gewaltpolitik in Südtirol. Wien, 9. Febr. Die neuesten italienischen Gewalttaten in Südtirol haben hier eine starke Erregung hervorgerufen, die um so größer ist. als vielfach die Hoffnung gehegt worden war, daß mit der Schaffung der Provinz Bozen die Möglichkeit einer Besserung der Lage der Südtirolcr eingetreten sei. Aber die widerrechtliche Verurteilung des deutschen Führers, Rechtsanwalt Dr. Noldin zu fünfjähriger Deportation, und andere Vorfälle der jüngsten Zeit haben gezeigt, daß sich an der italienischen Gewaltpolitik nichts geändert hat. Diese Deportation läßt sich nur mit der administrativen Verschickung vergleichen, wie sie in Rußland üblich ist; ohne gerichtliches Verfahren, ohne Urteil, ohne Verhör, ja selbst ohne von Gründen verständigt zu werden, wird der Betroffene in ein« unwirtliche Gegend versetzt, in der sonst nur Verbrecher schwerster Art in menschenunwürdigen Unterkünften, abgeschieden von aller Welt und aller Tätigkeit fest- gehalten werden. Die Absicht der italienischen Machthaber ist. die Deutschen Südtirols ihrer führenden Köpfe zu berauben. r>er Deputation Noldins ist die des Lehrers Riedl gefolgt und die „Verwarnung" — die letzte Vorstufe vor der Deputation — des Rechtsanwalts Dr. Reui-Nicolussi und des Kanonikus Gamper. Die Fälle Naldin und Riedl rühren an einen Punkt, der als der Schwerpunkt der Südtiroler FriM bezeichnet werden muß, an den deutschen Sprachunterricht. Es zeigt sich jetzt, daß auch der deutsche Privatunterricht außerhalb der Schule in der neuen Provinz Bozen elienso rücksichtslos unterdrückt wird, wie in den der Provinz Trient zugeschlagenen 14 deutschen Gemeinden. Noch strenger wird gegen eine häusliche Erziehung an Stelle der italianisierenden Schalerziehung vorgegangen. So hat man dem ehemaligen Lehrer Lergetporer in Böran, welcher sein Kind außerhalb der Schule zu Hause erziehen wollte, mit der Entziehung der väterlichen Gewalt gedroht, falls er nicht sofort sein Kind in die öffentliche Volksschule sende. Eine Verschärfung hat die Italianisierung der Schulen noch dadurch erfahren, daß nach einer Verordnung vom 31. Dezember das tägige Schulgebet in allen Klassen in italienischer Sprache verrichtet werden muß. Geistlichen, welche sich diesem Aufträge entziehen sollten, ist die Entfernung aas der Schule angedroht. Gleichzeitig wurde ein neues Gebet für Mussolini (!) vorgeschrieben, wonach die deutschen Schulkinder täglich dem Herrgott dafür danken müssen, daß Mussolini „ihnen den Ruhm verlieh, sich Italiener nennen zu dürfen". Aus der Bezirks- lehrcrkonferenz in Bozen vom 17. Januar wurde nochmals unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß die Anwendung deutscher Schulgebete die sofortige Ausschließung der Lehrkräfte zur Folge habe. Es zeigt sich also, daß auf dem Gebiete des deutschen Unterrichtswesens in keiner Weise eine Erleichterung eingetreten ist. Dasselbe gilt für das Vereins- und Versammlungswesen, für den Gebrauch der deutschen Sprache 'in Aemtern und vor Behörden für die Ortsbezeichnungen und das Pressewesen. Die beiden wieder genehmigten deutschen Blättchen, die „Dolomiten" und der „Volksbote" dürfen sich nur einer völlig farblosen Schreibweise b edienen. Ferner märe zu berichten von einer neuerlichen Erschwerung des Südtiroler Handels, durch das Dekret vom 16. Dezember vorigen Jahres nebst Durchführungsverordnung vom 31. Dezember. Alle tzandelstreibenden müssen danach ein Gesuch einbringen und eine Kaution von 500 bis 5000 Lire erlegen. Innsbruck, 9. Februar. Die beiden verbannten Deutschen Dr. Noldin aus Salurn und Lehrer Riedl aus Tramin sind Hat Ihre Mutter einen Arzt? fragte ich wieder nach einiger Weile. — Sic hatte einen; aber als wir keine Arznei mehr kaufen konnten, wollte er sie ins Spital des Incurables bringen lassen, und — das konnte ich nicht ertragen. Ach Gott, meine arme Mutter ins Spital! — Wieviel tiefer Schmerz lag in den letzten Worten dieses Mädchens! Sic weinte, sie führte ihr Tuch unter dem Schleier ans Auge, und Laterne und Teller, die sie in der anderen Hand trug, verhinderten sie, den Mantel zusammenzuhalten; der Wind wehte ihn weit auseinander, und ich sah, daß ich mich nickt betrogen l-attc; sie war von feiner, schlanker Taille, sie trug ein einfaches, soviel mein flüchtiger Blick bemerkt«, sehr reinliches Kleid. Sie haschte nach dem Mantel, und indem ich ihr behilflich war, ihn wieder umznlegen, fühlte ich ihre weiche, zarte Hand. Wir waren schon durch die Straßen Mazarin, St. Gcr- main, Ecole de Medecine und von dort durch einige kleine Seitenstraßen gegangen, als sie auf einmal stehen blieb und klagte, sie habe den Weg verfehlt. Ich fragte sie, in welcher Gegend sie wohne, und sie gab St. Severin an. Ich war in Perlegenheit, denn diese Straße wußte ich selbst nicht zu finden. Machte es Angst oder Kälte, ich sah sie heftiger zittern. Ick sab mich um; ich bemerkte noch Licht in einem Souterrain, wo Branntwein verkauft wurde, ich bat sie, zu warten, stieg hinab und erkundigte mich. Man wies mich zurecht, und ich glaubte mich hinfinden zu können. Als ich heraufkam, hörte ich in der Nähe laut reden; ich sah beim schwachen Schein einer Laterne, wie sich das Mädchen heftig gegen zwei Männer wehrte, von denen der eine seine Hand, der andere den Mantel gefaßt hatte; sic lachten, sie sprachen ihm zu: ich ahnte, was oorging, sprang herzu und riß dem einen die Hand weg. die er gefaßt lyrtte; sprachlos, weinend klammerte es sich fest an meinen Arm. Meine Herren, sagte ich, ihr sehet, ihr seid hier im Irrtum. ihr werdet im Augenblick den Mantel von Mademoiselle loslassen! Ach. Verzeihung, mein Herr! enviderte der, welcher ihren Mantel gefaßt hatte. Ich sehe, Sie haben ältere Rechte auf Mademoiselle! Und lachend zogen sie weiter. Wir gingen weiter. Das arme Kind zitterte heftig: es hielt noch immer meinen Arm fest und war nahe daran, niederzusinken. — Nr. 18. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinshermer Zeitung Freitag, den 11. Februar 1927. aus dem Gefängnis in Trient nach Süditalien überführt worden. Als Derbannungsort ist für Dr, Noldin eine der kleinen Inseln nördlich von Sizilien bestimmt worden. Wohin Lehrer Riedl verbannt werden wird, ist noch nicht bekannt. Verschiedenes. — Berlin, io. Febr. (Seine Braut ermordet.) Im Polizeipräsidium erschien der Friseur Josef Kolb aus der Böttcherstraße und bat um seine Verhaftung. Er gab an, in seinem Laden am Bahnhof Gesundbrunnen seine Geliebte ermordet zu haben. Als man die Tür gewaltsam öffnete, fand man im Damen- abteil des Friseurladens, die 40 jährige Geliebte des Kolb erwürgt vor. ^ Berlin. 9. Febr. (Geständnis des Sommerfelder Mörders Sommer.) Der Sommerfelder Mörder Kurt Sommer ist jetzt in vollem Umfange geständig. Die Absicht. das Ehepaar Tschentke zu töten, hätten sie nicht gehabt. Als sie durch Tschentke überrascht worden seien, habe Librenz diesen und er selbst Tschentkes Frau überwältigt. Sie hätten nicht geglaubt, daß die geknebelten Eheleute tot seien. Im ganzen hätten sie 1500 bis 1600 Mark erbeutet, di« sie sich geteilt hätten. — Altenburg 10. Febr. (Ausbruch eines Zuchthäuslers.) Aus dem Landgerichtsgefängnis ist der zu längerer Zuchthausstrafe verurteilte Einbrecher Ioh. Müller ausgebrochen. Müller, der in schweren, mit einem Vorlegeschloß gesicherten Ketten lag, hat den Ausbruch dadurch bewerkstelligt, daß er nächtlicherweise das Schloß sprengte. Man glaubt, daß Müller sich nach Leipzig gewandt hat. Wien, 11. Febr. (Eine neue Tragfläche für Flugzeuge.) Der österreichische Ingenieur Nickel hat ein auf neuen Prinzipien aufgcbautes Tragorgan für Flugzeuge konstruiert, dessen Vorteil darin besteht, mit Flugzeugen von geringer Motorleistung bis über 100 Proz. mehr Nutzlast befördern zu können oder Flugzeugen eine 50 Proz. höhere Heizfähigkeit zu verleihen ohne Verlust an Fluggeschwindigkeit. Ein weiterer Vorzug sei die Möglichkeit, auf engbcgrenztem Raume durch eine Verminderung der Fluggeschwindigkeit zu landen. Genua, 11. Febr. (Rauschgiftschmuggel.) Nach einer Meldung der „Tribuna" wurden hier sechs schwere Kisten beschlagnahmt, die von einer Schweizer Firma stammten und dort lagerten, um nach Newyork verladen zu werden. Da auf den Frachtdokumenten der Inhalt der Kisten einerseits als elektrotechnisches Material, andererseits als Aluminium bezeichnet war, wurden die Zollbehörden stutzig, öffneten die Kisten und stellten fest, daß sie Kokain und Morphium im Werte von zwei Millionen Lire enthielten. Die Schweizer Ursprungsfirma, ein Mailänder Spediteur, sowie der Genueser Spediteur wurden zu insgesamt 1 600 000 Lire Geldstrafe verurteilt. Mailand. 11. Febr. (Neuer Weltflug Pinedos.) Am Dienstag mittag ist de Pinedo zu seinem 2. Weltflug von Sesto Calande a. Gardasee aufgestiegen. De Pinedo wird den Atlantischen Ozean durchqueren und eine Forschungsfahrt über das unerforschte Quellgebiet des Arnazonenstromes machen. Warschau 10. Febr. (Eine Familientragödie.) Heute nacht erschoß ein Erwerbsloser seine Frau, seine Schwiegermutter und drei Geschwister seiner Frau. Nach vollbrachter Tat nahm er sich selbst mit einem Schuß das Leben. Die Ursache der Tat soll in Not und Familienzwistigkeiten zu suchen sein. Florida. 11. Febr. (Der älteste Amerikaner ge- st o r b e n.) Hier ist im 'Alter von 122 Jahren der ältest« Amerikaner gestorben. Hyere. 10. Febr. (Absturz eines französischen Militärflugzeuges.) Hier stürzte ein Militärflugzeug ab. Der Pilot konnte nur als Leiche geborgen werden. Aus Nordamerika, 9. Febr. (Wie sie ihr Studium finanzieren wollte.) In Dermilion in Süd-Dakota ist eine 19 jährige Studentin, bei einem Einbruchsversuch in die Tresors der First-Nationalbank festgenommen worden. Bei den Verhandlungen gab sie an, sie habe sich ans diese Weise das Geld zur Beendigung ihres Universitätsstudiums beschaffen wollen. Eft« französische Schuhfabrik eingeäschert. In Toulouse wurde eine große Schuhfabrik durch eine Feuersbrunst völlig zerstört. Der Schaden beläuft sich auf über zwei Millionen Franc. Dreihundert Arbeiter und Arbeiterinnen wurden brotlos. Der Scheintote. Eine lustige Gripprgeschichte hat sich in Haßloch zugetragen. Ein Angestellter einer hiesigen Fabrik verspürte vor kurzem etwas an sich, woraus er schloß, daß die böse Grippe ihn befallen habe. Um etwas dagegen zu tun, ritt er eine tüchtige Attacke gegen dir heimtückische Krankheit, indem er so viel Glühwein zu sich nahm, daß er in einen tiefen Schlaf verfiel. Im Schlafe strampelte er die Beine los und als nach St,nden die Eheliebste nach dem Schwerkranken sah, mußte sie zu ihrem Schrecken feststellen, daß er bereits eiskalt war, und flugs wurde der Leichenschauer bestellt. Dieser kam und besah sich siinen Freund. Der „Tote" erwachte jedoch bei dessen Hantierungen, brauchte aber einige Zeit, bis er begriff, was da vorging und den Leichenschauer energisch anfuhr. Der also Angehauchte verschwand schleunigst und der Totgeglaubte ward „gesund zur selbigen Stund." Getrockneter Most. Unter den Betrachtungen und kleinen Mit- teilungen der „Umschau" finden wir eine Notiz, die von der Erfindung zweier Ungarn, Bakony und Lazar, berichtet, nach der es möglich ist, den Most gerade so wie Milch nach einem neuen Verfahren zu trocken. Das feine Pulver, das dadurch erhalten wird, daß die drei Viertel Wasier. die der Most enthält, enfernt werden, löst sich in Wasser leicht aus und besitzt alle Eigenschaften des frischen Mostes, es hat also dasselbe Aroma, denselben Geschmack, denselben Vitamin- und Zuckergehalt und läßt sich leicht vergären. So getrockneter Most soll sich unbeschränkte Zeit ausbewahren lassen. gk 1926 — kein schlechtes Baujahr. Soweit bis jetzt Unterlagen vorhanden und man übersehen kann, ist das abgelaufene Jahr für den Baumarkt nicht ungünstig gewesen. Gebaut wurde bis in die letzen Wochen des Dezember hinein. Erst als ungünstiges Wetter einsetzte — zum Glück stellte es sich, bis auf vereinzelte Ausnahmen, sehr spät ein — ließ die Bautätigkeit nach. Der Monat Oktober brachte einen Zugang von 1975 Gebäuden, davon 1676 Wohngebäude mit 6101 Wohnungen allein in den Großstädten. In 47 Gemeinden von 50—100000 Einwohner, über die ein Nachweis vorliegt, beträgt die Zunahme an Gebäuden 567; davon sind 447 Wohngebäude. Der Zugang an Wohnungen beträgt I72>>. Gegenüber dem Monat September ein Mehr von 163 bezw. 147 bezw. 741. Da an Baugenehmigungen auch im Monat Oktober gegenüber den Vormonat eine weitere Steigerung zu verzeichnen ist, zwar keine allzu große, aber immerhin in der vorgeschrittenen Jahreszeit doch noch ein Zugang vorhanden ist, so sind für die nächste Zeit die Aussichten auf dem Baumarkt vorläufig noch nicht schlecht. Die schönste Burg des Lahngebietes wird wieder hergestellt. Es gibt zahlreiche Burgen an der Lahn, die von bezaubernder Schönheit sind. Die schönste aber ist unbestritten das alte Schloß Runkel. Sein Besitzer, der Fürst zu Wied, läßt jetzt umfangreiche Erneueruags- arbeiten an der Burg vornehmen, zu deren Leiter der Vorsitzende der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen, der Architekt Geh. Prof. Bodo Edhardt, bestellt wurde. Dadurch ist die Beobachtung aller wissenschaftlichen und denkmalpflegerischen Grundsätze bei den Arbeiten gewährleistet. Nach Beendigung der Restaurationsarbeiten wird die Burg auch wieder in erhöhtem Umfange dem öffentlichen Besuch zn- gänglich'sein. Die Zähne im »Apfel. Herzhaft biß ein junger Mann, der in einer Gastwirtschaft in einem Hunsrück'schen Orte saß, in einen prächtigen Apfel. Brr . . . »schmeckte der aber abscheulich und kurzerhand warf er den Biffe» in den nahen Ofen. Plötzlich sprang er zur Ver- wunderung der anderen Gäste von seinem Sitz hoch, sauste an besagten Ofen und suchte dort krampfhaft nach dem Äpfel. Aber vergeblich, der Apfel war mitsamt dem Gebiß, das drin stecken geblieben war, schon ein Opfer der Flammen geworden. Eine schlaue Gattin. Kürzlich wurde in Oregon ein Mann wegen Verletzung des Prohibitionsgesetzes zu hundett Dollar Geldstrafe oder drei Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Frau richtete nun als unterstützungsbedürftige Person ein Bittgesuch an die Behörden und erhielt auch wirklich für die Zeit, in der ihr Mann hinter schwedischen Gardinen brummen sollte, eine Unterstützung auf Vorschuß. Als der Mann nun seine Strafe anzutreten hatte, erschien sie mit ihm vor Gericht und bezahlte die Buße mit der ihr vom County (Bezirk) überwiesenen Unterstützung! Ein eigenartiger Schülerstreik. Im Smith College, einer der berühmtesten Prioatschulen von Rorthampton in den Bereinigten Staaten, ist dieser Tage ein Streik der Schüler ausgebrochen, wie er wahrscheinlich nur in Amerika entstehen kann. Die Schüler verlangen nämlich nicht weniger und nicht mehr, als daß sie während der Unterrichtsstunden in Zukunft rauchen dürften. Auf den Einwand der Colieg-Leitung hin, daß dies sogar auch den Lehrern verboten sei, antwortete die Streikleitung der Schüler, da diese ja auch nicht nicht lernen, sondern gewisse rmaßen nur die passive Tätigkeit des Zuhörens und Wartens hätten. Außerdem sei die Schule der Schüler wegen und nicht der Lehrer wegen da. Trotzdem ließ sich die Schulleitung aus lange Verhandlungen mit den Streikenden ein. und gab schließlich dahin nach, daß einmal in der Woche dem Verlangen der Schüler stattgegeben würde. Hoffentlich werden die Schüler nicht in absehbarer Zeit die Prügelstrafe für die Lehrer verlangen! Evangelischer Gottesdienst. 8. Sonntag, nach Weihnachten. 18. Februar 1927 i 210 Uhr : Gottesdienst Dekan Eisen. 211 Uhr: Christenlehre „ 1 Uhr: Kindergottedienst. Stadtoikar Wöifle.. Wochengottesdienst. Donnerstag, 17. Februar 1927. 8 Ahr: Wochenandacht. Stadtoikar Wülste. Die vielseitige Verwendung von Maggi'ö Würze ist mancher Hausfrau noch unbekannt. Nicht nur Suppen aller Art, sondern auch Gemüsen, Soßen und Salaten verleiht ein kleiner Zusatz feinen, kräftigen Wohlgeschmack. Man verlange ausdrücklich Nllaggi'ö Würze. m Die kluge Hausfrau sieht- beim Einkauf von Kaffee-Zusah nicht auf Zugaben, sondern. nur auf die anerkanntbeste Qualität und das ist nach wie vor ! Aechl Franck mit der Kaffeemühle. Haben Sie Grippe und wollen Sie die Ansteckungsgefahr nahezu unmöglich machen, dann helfen Ihnen bestimmt Kaisers Brusf-Caramellen mil-den Ä 3Tannen" die seit 35 Jahren bewährten und unübertroffenen Hustenbonbons. Zu haben in Apotheken, Drogerien nnd wo Plakate sichtbar. Achten Sie auf die Schutzmarke 3 Tannen. In unserer Versand-Abteilung - ----- kommen während der =a=u- Welssen Woche ca. 25000 Meter weisse Waren zum Verkauf, die wir zn ganz niederen Preisen an die Verbraucher abgeben. Ein Probeauftrag wird Sie davon überzeugen, daß wir hinsichtlich der Preiswürdigkeit unserer Angebote kein Mott zuviel sagen. 1. Wäscheinch, solide Qualität .... Mir. 34 Pfg. 2. Wäschetnch, besonders kräftige Qualitäten, 80 cm breit . . ... „ 56.48 „ 3. Wäschetuch, besonders empfehlenswerte Qualität, f. Aussteuerzwecke . „ 68 „ 4. Wäschetuch, hervorragend schöne Aussteuerqualität.* 85 „ o. Makotuch, für elegante Leibwäsche. . 95, 78 „ 6. Makotnch. ganz besonders schöne Qualitäten.Mtr. 3.35, 1.20 Mark 7. Pelzcroise. ca. 80 cm breit, schön gebleichte Qualitäten .... Mtr. 78,62 Pfg. 8. Pelzcroise, sehr kräftige, schöne Qualitäten.. So, 85 „ 9. Pelzcroise ganz hervorragend schön Qualitäten.Mtr. 1.15, 1.— Mark 10. Haustuch. für Bett- und Leibwäsche, ca 80 cm breit ..... Mtr. 68 Pfg. 11. Haustuch, besonders schöne Qualität, ca. 80 cm breit „ 85 „ 12. Haustuch, ca. 140 cm breit, besonders kräftige Qualität ... „ 1.86 Mark 13. Halbleinen, kräftige Qualität, ca. 80 cm breit.\ „ 95 Pfg. 14. Halbleinen, besonders kräftige Qualität, ca. 80 cm breit . . . „ -* 1.05 Mark 15. Halbleinen, sehr schöne, feinfädige Qualität, ca. 80 cm breit . . „ 1.20 „ 16. Halbleinen, hervorragend schöne Qualität, ca. 80 cm breit ... „ 1.30 „ 17. Halbleinen, ca. 150 cm breit, starkfädige Qualität. . 1.70 » 18. Halbleinen, ca. 150 cm breit, schöne u. kräftige Qualität.... „ 1.98 * 10 Halbleinen, ca. 150 cm breit, ganz vorzügliche Qualität, schön gebleicht .. 2.25 „ 20. (bersten kornhandtiicher. gesäumt u. gebändert 40/90 Stück 25 Pfg. 21. Handtücher, grau Drell. gestreift, gesäumt u. gebändert, 40/90 . . „ 28 „ 22. Gerstenkornhandtirch. ca. 40 cm breit, sehr kräftige Qualitäten . . „ 35.28 „ 2:. Küchen Handtuch, grau Drell, sehr kräftige Qualität, ca. 40 cm breit .. 38 „ 24. Küchen Handtuch, blau karrtet, sehr dauerhafte Qualität . .. „ 42 25. Weihes Drellhandtuch ca. 40 cm breit, schöne Qualität ...... 45 „ 26. Gerstenkorn Handtuch, prima Qualitäten, ca. 46 cm breit.. 68, 58 * 27. Damast, schöne Blwnendessins, ca. 80 cm breit, für Kinderbetten Mir. 1.15. -95 Mark 28. Damast schone Muster, gestreift, ca. 130 cm breit.Mtr. 1.15 * 29. Damast gestreift, sehr schöne u. kräftige Qualität ...... „ 1.65 „ 30. Damast, gestreift u. geblümt, sehr schöne Aussteuerqualitäten ... „ 1.90 „ 31. ^etttrchbiber. ca. 140 cm breit, kräftige Qualität ....... „ 1.20 „ 32. Bettuchbiber, ca. 150 cm breit, schwere Äöperware ..... „ 1.75 „ 33. Bettta'tun, ca. 80 cm breit, solide Qualität in verschied. Mustern - 58 Pfg. 34. Bettlattun, ca. 80 cm breit, sehr kräftige Qualität, echt indanthrenfarb. * 72 „ 35. Bettkattnn, ca. 130 cm breit, echt indanthrenfarbig.„ 1.08 Mark 36. Bettkattun, ca. 130 cm breit, prachtvolle Qualität, verschied. Muster * 1.35 „ 37. Glafertücher. 45/45 cm, rot- oder blaukarriert.Lick. 18 Pfg. 38. Künstlertischdecken. schw. Nreppqualit., in fchön.neuen Dessins. 130/130 cm „ 2.20 Mark 39. Künstlertischdecken, schw. Kreppqualit.. in schon, neuen Desnns 130-160cm „ 2.95 Wenn Ihr Kamin nichtzieiit oder Rauchbelästigungen auftreten, ist diesen Mißständen leicht vorzubeugen durch Aufsetzen d. tausendfach bewährten Kaminaufsatz Schwendilator aus Kunststein. Derselbe ist billig, besser als Blechaufsätze, in jeder Größe lieferbar, gut funktionierend b. jeder Witterung. Kein Verrosten! Angenehme Architektur! Niederlage HEINRICH SCHNEIDER Holz- und Baumaterialienhandlung Telefon Nr. 121 SillSheim £A. E. Telefon Nr. 121 40. Sportflanell schöne weiche Qualität, walchecht .... Mir. 58 Pfg. 41. Lportstanell, kraft. Qualit., für Touristenhemden, nur dunkle Muster „ 68 „ 42 Lportflane'l. schöne u. kraft. Qualit.. in vielen De sms. ca. 76 cm br. - „ 75 „ 43. Lportflanell. indanthrenf.. schwere Qual..dunkle Deistns. ca. 76 cmdr. „ 95 „ 44. Sportflanell, gain chwere Straoaziergualität. echt indanthrenfarb.. ca. 78 cm breit .... ..... * l.tO 3Kart 45. Hemdenflanell, gestreift, solide Qualität.58,45 Pfg. 46. Hemdenflanell, farricri, ganz schwere Köperqualität, 76 cm breit * 95 „ 47. Schürzenzeug. ca. 120 cm breit, schöne dunkle Desnns, Mtr. 1.05, -.95 Pfg. Der Berjand erfolgt unt. Rach«, von 19 Mt. an, von 2D3ftf. an portosr Die belle Empfehlung: Wir nehmen jede Sendung gegen Rückerstattung des bezahlten Bettags zurück, wen» dieselbe nicht Ihren Beifall findet- Webwaren-Haus zur Brücke, G. in. b. H. Heilbronn a. N. Kaiserstrasse 3 z / muß das an sich wenig erfreu* liehe Schuhputzen sein. Tragen Sie die Creme hauchdünn auf, lassen Sie die Schuhe einen Augenblick stehen, bürsten Sie dann mit reiner Bürste blank und polieren Sie mit weichem Lappen nach. Aber nicht irgendeine Creme dürfen Sie nehmen, sondern nur die hochwertigste Lederpasta Erdal &cjLuJbl. ffi&jt JUi Skd»\ / fi