Erscheint SRontag, Mittwoch, Freitag. Bezugs-Preis; Durch die Dost bezogen und durch de» Briefträger u. unsere Austräger frei ins Haus mamttlich Goldmark ILO D« Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder aus Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28-5 Uhr, Sonnwgs geschloffen. Fernsprechanschlutz Nr. 11. Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903. andbote An^igen-Pretfer A«: drei« irnsbermer eitung vt. Ergründ« 3 9 General-Anzeiger für das Elsenz- und Schwarzbachtal Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Laupt-Anzeigen-Blatt. Wöchentliche Beilagen: Mode u. Heim * Der Kobold • Neue Illustrierte lMgen: Die 33 mm dr Millimeter-Zeile 7 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffest« Rabatt, der bei Nichtzahlung inner» halb 8 Tagen nach Rechnunas» datum oder bei gerichtlicher Bes treibung erlischt. Platzvorschristen werden nicht anrn» bannt und für Aufnahmen an bee stimmten Tagen keinerlei Gewäh» übernommen. Anzeigen-Annahme bis 8 Uhr vors mittags: größere Anzeigen müsse« am Tage vorher aufgegeben werdim^ M 38. Mittwoch» den 3V. März 1027. 88. Jahrgang Die Ranöftaaten und Rußland. Verhandlungen zwischen Lettland und Litauen Kowno, 29. März. Der englische Gesandte für die baltischen Staaten, Sir Tudor Banghan, der seinen ständigen Wohnsitz in Riga hat, ist für einige Zeit nach Kowno übergesiedelt. Noch am Tage seiner Ankunft hatte er eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten Woldcmaras. Was bei dieser Unterredung besprochen worden ist, ist im einzelnen zwar nicht bekannt, doch glaubt man in hiesigen politischen Kreisen, daß Banghan die Aufgabe hat. als englischer Vermittler zwischen Polen und Litauen tätig zu sein. Daß England Woldemaras' Plänen für eine möglichst enge Verbindung Litauens mit Lettland und Estland mit Nervosität verfolgt, ist klar. Eine solche baltische Koalition würde sich stark nach Rußland orientieren und gegen Polen gerichtet sein. Deshalb hat die englische Regierung alles Interesse daran, die polnischlitauische Spannung zu mildern und auf diese Weise ihre eigene Machtposition im Osten zu stärken. Wie weit die Annäherung zwischen üen baltischen Staaten bereits fortgeschritten ist, zeigt das starke Echo, das eine bisher völlig geheim gehaltene Zusammenkunft des litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras mit dem lrttländischen Außenminister Seelen in dem kleinen litauischen Städtchen Kibartq an der deutschen Grenze gefunden hat. Diese Zusammenkunft fand am 6. März, also unmittelbar vor dem Abschluß des lettisch-russischen Garantiepaktes statt. Wenn auch das litauische auswärtige Amt widerstrebend die Zusammenkunft schließlich zugeben mußte, sic aber als einen reinen Höflichkeitsakt bezeichnet, so will man doch in eingeweihten Kreisen sehr besttmmt wissen, daß die beiden Minister besonsers darüber gesprochen haben, ob ein solcher lettisch-russischer Vertrag die Annäherung zwischen Lettland und Litauen nicht gefährden werde. Woldemaras hat fein Einverständnis mit dem Vertrag erklärt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Mitte Mai die drei baltischen Außenminister in Riga zusammentrefsen, um die Koaliton endgültig zu schaffen. Polen und Rutzland. London, 28. März. Zur Wiederaufnahme der polnisch-sowjetrussischen Verhandlungen sagt der Warschauer .Times"-Korrespondent, daß> die geographische Lage Polens ebenso wie die der baltischen Staaten und die Deutschlands politische Abmachungen mit Rutzland notwendig mache. Wenn Polen fühle, daß jetzt die Zeit gekommen sei, wo es seine eigenen Abmachungen treffen müsse, so geschehe dies aus mehreren sehr tief empfundenen Gründen. Rußland und Deutschland besäßen bereits ihren Vertrag, und die wachsende Befürchtung, daß Deutschland seinen Anspruch auf Danzig, den Dan- ziger Korridor und Oberschlcsien nicht aufgeben würde, ließe Polen wünschen, einen Gegcngewichtsvcrtrag und geregeltere und gefestigtere Beziehungen im Osten zu besitzen. Die revolutionären Bewegungen unter den östlichen Minderheiten, den Weißrussen und den Ukrainern, deren Mehrheit in Sowjetrußland lebte, würden genähtt von den Kriegserwartungen und einer Revision der polnisch-russischen Grenze. Eine Verbesserung der russisch-polnischen Beziehungen, verbunden mit administrativen Reformen würde all den Uebel- ständen abhelfen. Man müsse sich ferner daran erinnern, daß die polnischen Industrien vor dem Kriege den ganzen russischen Markt bedient hätten. Eine Wiederbelebung des früheren Osthandels sei für Polen eine Notwendigkeit. Einigungöversuche in Genf. Reue englisch-französische Gegensätze. Genf, 29. März. Die vorbereitende Abrüstungskommission beschloß heute vormittag in der englisch-französifchen Streitfrage über Herabsetzung der Zahl der ausgebildeten Reservisten zunächst aus Verhandlungsgründen den französischen Text, der die ausgebildeten Reservisten aus der Abrüstung ausschließt, in 1. Lesung anzunehmen. Jedoch stellte der Vorsitzende ausdrücklich fest, daß sämtliche Vertreter nach wie vor auf ihrem Standpunkt beharren und ihre grundsätzlichen Vorbehalte voll aufrecht erhalten. Diese sollen bei der 2. Lesung des Konventionsentwurfes von neuem zur Aussprache gestellt werden. Eine Einigung über die englisch-französische Streitfrage ist somit in der 1. Lesung nicht erzielt und die Entscheidung Lediglich auf die 2. Lesung verschoben worden. Der amerikanische Vertreter, Gibson, versuchte heute -noch einen Einigungsvorschlag zu machen, indem er auf die Unklarheit, des Begriffs „ausgebildete Reservisten" hinwies. Er schlug vor, bei der 2. Lesung in den Entwurf zwei Kolonnen hineinzunehmen: 1. der ausgebildeten Reservisten, wobei die von der Unterkommission die Herabsetzung der aktiven Truppenbestände, 2. die Herabsetzung A von England, Deutschland, Amerika, Spanien, Schweden und Holland vorgeschlagenen Definitionen zugrunde gelegt werden sollen. Der amerikanische Vorschlag, der dem deutsch-englischen Standpunkt in der Frage der Abrüstung der Reservisten voll Rechnung trägt, wird somit in der 2. Lesung des Konventionsentwurfes zur Verhandlung gelangen. Die Abrüstungskommission wandte sich sodann dem nächsten Punkt des französischen Konventionscntwurfes zu, der eine Unterscheidung für die limitierbaren Streitkräste nach vier Kategorien Vorsicht: Heere im Mutterlande, Kolonialtruppen, militärisch-organisierte Formationen im Mutterland«, militärisch-organisierte Formationen in den Kolonien. Der Englische Entwurf fieht dem- . gegenüber keinerlei besondere Kategorien vor, sodaß nur der französische Vorschlag zur Aussprache stand. Hierbei ergab sich erneut ein tiefer Gegensatz zwischen der englischen und der französischen Auffassung. Lord Eecil lehnte nachdrücklich die französische Unterscheidung zwischen Heeren des Mutterlandes und Kolonialtruppen, für die ein verschiedener Abrüstungsschlüssel gefunden werden foll. ab. Nach den bisherigen Erfahrungen könne eine solche Unterscheidung nicht vorgenommen werden, da die Kolonial-Truppen im Dienste des Mutterlandes verwandt würden. Auch der italienische und der amerikanische Vertreter wandte sich gegen den französischen Vorschlag. In längeren Ausführungen verteidigte Paul- Boncour die französische Auffassung. Es handle sich vorläufig nur um die Herstellung eines Schemas für eine Abrüstungskonvention. Die endgültige Weltabrüstungskonferenz werde die Ma- I ximalstärke der Heere für jedes einzelne Land zu bestimmen haben. Die französisch« Abordnung habe lediglich beabsichtigt, durch ihre Unterscheidung zwischen Heeren des Mutterlandes und Kolonialtruppen eine Basis für die weiteren Verhandlungen zu schaffen. Nach ihrer Auffassung könne die Abrüstung ohne eine eindeutige Unterscheidung zwischen Kolonialarmes und Armeen des Mutterlandes nicht durchgeführt werden. Der Zweck der Unterscheidung wäre, sich klar darüber zu werden, was man eigentlich abrüsten oder beschränken wolle. Reservisten und Wehrpflicht. Graf Bernstorff verteidigt in Genf den deutsche« Standpunkt. Genf, 28. März. Die heutige Nachmittagssitzung des Vorbereitungsausschusses brachte die Fortsetzung des Ringens um die Frage der Einbeziehung der ausgebildeten Reserven in die Begrenzung der Landstreitkräfte, eine Frage, über die die Aussprache, wie Präsident Loudon zu Beginn der Sitzung ausdrücklich feststellte, durchaus noch nicht abgeschlossen ist. Der holländische Delegierte Rutgers, der der englischen Auffassung voll zustimmte, unv vie von den Vertretern Belgiens, Japans und Frankreichs oorgebrachten Argumente fast Punkt für Punkt widerlegte, erklärte im wesentlichen, daß man sich bei der Begrenzung der Landstreitkräfte nicht nur auf die Friedenspräsensstärke begrenzen könne, man müsse vielmehr auch die ausgebildeten Reservisten berücksichtigen. Der deutsche Vertreter Graf Bernstorff pflichtete den technischen Darlegungen des holländischen Delegierten weitgehend bei. Die ausgebildeten Reserven, so führte der deutsche Vertreter aus, müssen in irgend einer Weise bei der Begrenzung der Landstreitkräfte berücksichtigt werden. Eine Abriistungskonoen- tion ohne Berücksichtigung der ausgcbildeten Reserve« kann ich mir nicht vorstellen. Mit besonderem Interesse habe ich von den Ausführungen des belgischen Vertreters Kenntnis genommen, als er von den schlimmen Folgen sprach, die für einige Länder des europäischen Kontinents die Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht mit sich bringen würde. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Nutzanwendung dieser Ansicht auch auf andere Länder des europäischen Kontinents bald erfolgen würde. Die wirksamste Weise der Abrüstung wäre zweifellos eine möglichst kurze Ausbildung. Aber eine einjährige Ausbildungszeit wäre bei Anwendung dieser Methode immer noch zu groß. Als vor einigen Jahren die großen Militärs in Versailles die Bestimmungen für die deutsche Wehrmacht berieten und ausarbeiteten, wurde Deutschland schließlich ein System aufoktroiert, das eben darauf gerichtet ist, Deutschland seiner Reserven vollständig zu berauben, um Deutschland jede militärische Angriffs- oder Verteidigungskraft zu nehmen. Mit der Ausschaltung oder wenigstens Verringerung dieser jungen Reserven wird auch die Stoßkraft eines Landes herabgesetzt. Würde die Begrenzung der ausgebildeten Reserven, die übrigens mit dem Kriegs-Potentiel nicht zusammengcworfen werden dürfen, nicht in irgend einer Weise praktisch berücksichtigt werden, so würde dadurch der ganze Abrüstungsgcdanke ernstlich gefährdet werden. Schutzzölle für die englische Textilindustrie. Loichon, 29. März. Die schwierige Lage der englischen Textilindustrie wurde heute im Unterhaus durch die Anfrage an den Handelsmiyister bekannt gegeben, ob er bereit sei, für diejenigen Zweige der Textilindustrie, die scharfem ausländischen Wettbewerb ausgesetzt sind, Zollschutz zu gewähren. Der Handelsminister erklärte, daß die Frage des Zollschutzes der Textilindustrie von der Regierung sorgfältig beobachtet werde. Er habe aber bisher noch keine Veranlassung gefunden, Zollschutz zu gewähren. Iugoslavien ruft um Hilfe. London, 29. März. Jugoslawien hat die Großmächte benachrichtigt, daß es sich bedroht fühle durch die mit italienischer Hilfe ausgeführte allgemeine Mobilmachung in Albanien. Daily Herald meldet, daß in Italien fortdauernd kriegerische Vorbereitungen getroffen werden. Italiener im Alter von 20—27 Jahren dürsten nicht mehr ausreisen und die Einberufung von fünf Iahresklassen der Reserve soll unmittelbar bevorstehen. Schanghai unter Kriegsrecht. London, 29. März. Die heute in London eingegangenen Berichte aus dem fernen Osten lassen erkennen, daß die gestrigen Meldungen erheblich übertrieben waren, General Tschangkaischek hat im Eingeborenenviertel Schanghais das Kricgsrecht erklärt, um Ordnung zu schaffen. Wie weiter aus Schanghai berichtet wird, hat General Tschangkaischek heute dem amerikanischen Admiral Williams auf dessen Flaggschiff einen Besuch abgcstattet. Der Zwischenfall in Nanking. London, 28. März. Der Kommandant der Truppen in Nanking, General Tschantschien, gilt als ein Ultraradikaler und es ist ganz wahrscheinlich, daß der Angriff auf die fremden Konsulate und alle noch in Nanking befindlichen Ausländer auf seinen deutlichen Befehl zurückzuführen ist. Gemäßigte Mitglieder der Kuomintang versichern, daß die Vorfälle in Nanking, an denen in der Hauptsache Truppen aus der Provinz Honan beteiligt waren, die Frucht eines Komplotts gewesen sei, das die Kommunisten angezettelt hätten, um General Kaischek daran zu hindern, als siegreicher General in Nanking einzurücken, und um ihn zugleich mit den Mächten zu verfeinden. Diese Auffassung werde von Tschangtsolin geteilt mtt der Ausdehnung, daß er den Hauptschuldigen in Moskau suche. Einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung des Zwischenfalls in Nanking scheint uns folgende Pekinger Depesche des „Observer" zu liefern: „Der wilde Angriff auf das Leben und Eigentum der Fremden in Schanghai ging von den nationalistischen Irregulären aus. Ihre Anwesenheit in General Tschangkaischeks Armee ergibt die Zweiheit der militärischen Organisation der Nationalisten. Die Agitatoren die dem pol. Büro unterstellt sind, sollen den pol. Enthusiasmus der Armeen wachhalten u. sie konzentrieren sich darauf, als Spitzen des Vormarsches der regulären Armee die Bevölkerung fieberhaft aufzuregen, was schnell rn Gewalttätigkeiten ausgeht. Es scheint, daß diese Irregulären seit der Spaltung zwischen Tschangkaischek und den Extremen die Instruktion erhalten haben, in ihrem Progmmm der Aufhetzung viel weiter zu gehen wie bisher, um zugleich Tschangkaischek durch Verwicklungen mit den fremden Mächten zu überwältigen. Di« Vorgänge in Nanking und Schanghai wurden wohl durch das Gesindel verursacht, das für diese Taktik angesammclt worden ist. Bei aller ernster Auffassung der Lage tut man doch gut daran, nicht zu vergessen, daß es den extremen Elementen viel mehr darum zu tun ist, Tschangkaischek zu ruinieren, als die Mächte zu plagen, und daß heute die Wahrscheinlichkeit einer Verständigung zwischen Tschangkaischek und den christlichen Generalen Feng und Pangyu- ting besteht." * In dieser Meldung liegt eine Warnung, die sehr angebracht ist angesichts des energischen Versuches der Kanonenbootspolitik, die Vorgängei n Nanking und Schanghai für eine Förderung dieser Politik auszuschlachten. Die Zukunst Deutfch-Südwests. „Die Union gibt Eiidweftafrika nicht mehr heraus." Die führende englische Kolonialzeitschrift „The African World" schreibt über das südwestafrikanische Problem: „Zu verschiedenen Gelegenheiten ist feftgestellt worden, daß die Einwanderungen oder Nichteinwanderungen neuer Deutscher in Südwestafrika keinen Einfluß haben auf die zukünftige Stellung des Mandatsgebietes Südwestafrika im Rahmen der südafrikanischen Staaten. Mehrfach ist von den Deutschen im Lande versichert worden, daß das Schicksal der Kolonie in Europa und nicht in Afrika entschieden wird. Der „Windhoek Advertiser" ist anderer Meinung. Die Zeitung ist der Ansicht, daß, solange das Mandat besteht, der Völkerbund, mit anderen Worten die europäischen Staaten, ein direktes Interesse an den südwestafrikanischen Angelegenheiten nimmt und sich nicht mit einer unbestimmten Autorität begnügt. Zur gegebenen Zeit, wenn Südwestafrika seine Kinderjahre hinter sich hat, wird die formale Zustimmung des Völkerbundes für die Abschaffung des nicht länger notwendigen Mandatssystems erforderlich sein. Aber daß der Völkerbund oder einige von den europäischen Staaten Südwestafrika als Pfand benutzen wollen im Zusammenhang mit den großen internationalen Streitpunkten in diesem Teile der Erde, ist sehr unwahrscheinlich. Die Zukunft des Landes ist eng verbundcn mit der Zukunft der Nation, die sich nun in Südafrika entwickelt. Schlimmstenfalls wird die Kolonie von der Union geschluckt werden, bestenfalls wird sie ein Teil werden der großen Föderation der südafrikanischen Staaten. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, es fei denn, daß sich die Ereignisse von 1914—1918 wiederholen. Eine Abstimmung unter den 5000 Weißen in Südwestafrika würde niemals dazu führen, daß Deutschland in Südafrika wieder Fuß faßt und ein Beschluß in Genf würde das gleiche Ergebnis haben. Südwsstifrika wird an Deutschland zurückfallen, wenn die Südafrikanische Mion das nicht länger verhindern kann, sei es auf irgend welchen Druck hin, sei es durch Waffengewalt. Achnlich liegen die Dinge für das Imperium hinsichtlich des Mandatsgebietes Trnganyika. Das sollten sich alle vor Augen führen, die es angeht." Rumäniens Minderheitenpolitik. Bukarest 24. März. In der letzten Senatssttzung richtete der ftühere liberale Innenminister Tatarescu an den Innenminister Goga eine dringliche Anfrage wegen der Minderheitenpolitik der Regierung. Tatarescu wies einleitend daraus hin, daß sich die Minderheiten gegenwärtig in einem Zustand der Unruhe befänden, den sie mit der Enttäuschung begründen, die ihnen durch die mangelhafte Durchführung der in dem Wahlpakt gemachten Versprechungen bereitet wurde. Andererseits suche sich die Regierung durch eine Verlegenheitspolitik über die augenblickliche Lage so gut als möglich hinwegzuhelsen. Eine derartige Situation, die den Wiederaufbau des Landes störe, sei aber auf die Dauer unhaltbar. Die liberale Partei habe immer den Standpunkt vertreten, daß das Minderheitenproblem nicht zum Gegenstand eines politischen Kuhhandels gemacht werden dürfe, wie dies bei dem Abschluß des Wahlpaktes der Fall gewesen war, sondern im gemeinsamen Einvernehmen aller rumänischen Parteien einer endgültigen Lösung entgegengeführt werden müsse, die aber den höheren Staatsinteres- sen nicht zuwiderlaufe. Die Grundlagen für diese Lösung steht Redner in einer Politik der Duldsamkeit und des freundschaftlichen Verständnisses der Tatsache, daß den Minderheiten gewisse Rechte der Sprache, der Kultur und der Pflege ihre Volkstums zustehen, andererseits aber in der unbedingten Wahrung des Staatsinteresses, wie es schon in der Verfassung zum Ausdruck gelangt sei, in der Rumänien als ein einheitlicher Nationalstaat bezeichnet wird. Rumänien habe das Recht und die Pflicht, von den Minderheiten die unbedingte Anerkennung des Staatsgedankens zu fordern. Ihr Verhallen zeige aber, daß sie die völlige seelische Einstellung zu diesen Grundsätzen noch nicht gefunden hätten. Innenminister Goga dankte in seiner Antwort dem Vorredner für seine maßvollen und sachlichen Ausführungen. Auch er fei der Ansicht, daß eine Lösung des Minderhcitenproblems nur durch Duldsamkeit gefunden werden könne. Die von Tatarescu vorgeschlagenen Wege seien aber insofern verspätet, als die Volkspartei und vor allem Redner selbst den Gedanken einer einheitlichen Behandlung der Minderheitenfrage schon früher als die Liberalen aufgegriffen hätten. Minister Goga erklärte zum Schluß namens der Regierung, daß diese dem Gedanken eines Einvernehmens sämtlicher rumänischer Parteien über die Lösung des Minderheitenproblems gerne näher treten werde. Gefälschte Kellogg-Roten an Mexiko. Rrwyork, 28. März. Wie der amtliche amerikanische Funkspruch meldet, haben die letzten amerikanischen Geheimnoten an Mexiko einen außergewöhnlichen Inhalt gehabt. Sie stellten näm- H W Nr. 38. Jahrgang 1927. lich fest, daß die mexikanische Regierung gefälschte amerikanische Roten mit der gefälschten Unterschrift von Staatssekretär Kellogg erhalten hatte, die nichts weiter bezweckten, als die Mexikaner gegen Washington zu erbittern und die amerikanisch-mexikanischen Beziehungen damit zum Abbruch zu treiben. Bisher ist man den Notenverschwörern noch nicht auf die Spur gekommen. Abschiebung ausländischer Meiler aus Frankreich. Paris. 28. März. Die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit in Frankreich haben ir. a. die Folge gehabt, daß die Abschiebung ausländischer Arbeitskräfte aus Frankreich sehr stark geworden ist. Seit Beginn des Fahres haben rund 25 090 ausländische Arbeiter Frankreich verlassen. In der letzten Dezemberwoche war die Zureise noch größer, als die Abwanderung — 989 gegen 739 —, aber schon in den ersten Fanuarwochen änderte sich das Bild auf 697 Einreisende gegen 1028 Ausreisende. In den späteren Wochen stieg die Zahl der Ausreisenden auf durchschnittlich 2000 bis 2200, während die Zahl der Einreisenden auf etwa ein schwaches Dutzend fiel. Hönde weg von der Reichswehr! Reichswehrminister Dr. Geßl r weist im Reichstag di: ungerechtfertigten Angriffe zurück. Berlin, 28. März. Den Auftakt der Sitzung bildeten Reden zweier Sozialdemokraten, zuerst des Abgeordneten Stücklen als Berichterstatter. Er sprach sachlich, aber in seinen Mitteilungen über die Beschlüsse des Ausschusses steckt doch schon viel Kritik, so besonders, wenn er den Persona!aufu«nd in der Marineverwaltung schildert. Schärfer ging der Abgeordnete Schöpslin vor. Es war bemerkenswert, daß er das Vorgehen der Liga für Menschenrechte gegen die Reichswehr ausdrücklich mißbillige. Daraus mußte der Reichswehrminister, wie er cs später auch tat, notgedrungen die Folgerung ziehen, daß die Sozialdemokratie der Reichswehr an sich nicht feindlich gegenüber steht, daß sie aber darum kämpft, der republikanischen Armee auch einen republikanischen Charakter zu geben. Graf von der Schulenburg (D.N.) erklärt, im Wehretat sei nur das angefordert worden, was für die Landesverteidigung dringend geboten sei. Ganz Frankreich stellt sich in den Dienst der Landesverteidigung und billigt die Errichtung von Befestigungswerken von Dünkirchen bis nach Mülhausen. Nur wir sind das in Ketten gelegte Volk, zweiter Klasse, das über die Art und das Maß seiner Rüstung nicht selbst bestimmen darf. Mißhandlungen und vorschriftswidrige Behandlung dürfen in der Reichswehr nicht Vorkommen. Wir begrüßen die für Verbesserung der Unterkunft angeforderten Mittel. Die Offiziere müssen so bezahlt werden, daß sie ihre Laufbahn nicht mit Schulden anfangen. Ein sehr ernstes Kapitel ist die Versorgung der ausgedienten Soldaten. Der Redner gedenkt dann des Generalobersten v. Seeckt. Alle Vorwürfe gegen die Reichswehr und ihr Offi- zierkorps fallen in ein Nichts zusammen gegenüber der Tatsache, daß die Reichswehr in kritischen Zeiten der feste Halt von Ordnung und Autorität gewesen ist. Die Hoheitszeichen des neuen Staates und seine Farben sollen von der Wehrmacht geachtet werden. Wir lehnen «ns dagegen auf, daß der politisch« Mmpf in das Heer hineingetragen wird. Wir wissen, daß die Reichswehr von tiefem Ernst, heißer Vaterlandsliebe und hohem Pflichtgefühl beseelt ist und in den Pflichten gegen den heutigen Staat nicht versagen wird. Ersing (3.) führt aus, ein pazifistisch erzogenes Heer ist undenkbar. Di« Reichswehr ist ein Instrument der vom Parlament und Regierung gebilligten Polstik. Ich freue mich, feststellen zu können, daß General Heye diese Auffassung im Ausschuß klar und unzweideutig ausgesprochen hat. Das offene Bekenntnis des Generals Heye, daß die Offiziere der Reichswehr der deutschen Republik dienen wollen, hat im Lande gute Aufnahme gefunden. Die Reichswehr ist die Wehrmacht der deutschen Republik, der sie zu dienen und deren Hoheitszeichen sie volle Achtung entgegenzubringen hat. Wer das nicht tun will, scheide aus der Reichswehr aus! Aber auch die Behauptung gewisser Kreise, daß eine Zustimmung zum Wehretat mit einem Bekenntnis zu kriegerischer Politik gleichbedeutend sei, weisen wir entschieden zurück. Der Redner verweist auf die Feststellung der Botschafterkonferenz, daß Deutschland die Abrüstungsbestimmungen des Versailler Betrags erfüllt hat. Wir dürfen nicht eher ruhen, als bis die Abrüstung einheitlich durchgeführt ist. Die hohen Kosten der R.ichs- wehr sind eine Folge der Bestimmungen des Versailler Brtrags über das Aufstellen der Wehrmacht. Auch an den Besoldungskosten könnte gespart werden, wenn die Soldaten nicht zwölf Jahre dienen müßten. Wir zollen der Reichswehr für die Art, wie sie ihre Aufgaben erfüllt, Achtung und Anerkennung und wünschen, daß zwischen Volk und Wehrmacht ein Vertrauensverhältnis'geschaffen wird, damit die Reichswehr ihren Aufgaben gerecht werden Der Schatz von Boscoreale! Humoristische Novelle von M. O. Schmitz. 10) (Nachdruck »erboten.) „Himmel — Bomben — Element — Schock — Schwerenot. Da soll doch gleich ein Donnerwetter...." rief Fritz Wendeborn und schlug mit der geballten Faust kräftig auf den Tisch, daß das Frühstücksgeschirr durcheinanderflog. „Das schönste große Los in der Hand gehabt und auf so blödsinnige Weise drumzekommen!" Es dauerte eine ganze Weile, bis er sich so weit beruhigt hatte, daß er mit der Lektüre des Briefes fortfahren konnte. „Von wem ich diese Neuigkeiten habe?" schrieb Holberg weiter. Von dem Onkel meiner Braut, der in Geschäftsangelegenheiten acht Tage nach Paris verreist war. Herr Winter ist nämlich selber der amerikanische Nabob, der die von Rothschild verschmähten Stücke des Schatzes für eine Million Franken gekauft hat. Als ich ihm erzählte, daß uns der ganze Schatz vor etwa vier Wochen zu tausend Lire angeboten war, daß ich diesen Preis aber für zu hoch gehalten und Ihnen geraten hatte, dem alten Bäuerlein nur zweihundert Lire dafür zu bieten, schien er sich zuerst ein bißchen ärgern zu wollen, dann aber hat er sich vor Lachen geschüttelt und gesagt: Gut, daß du mir das sagst, mein Junge! Ich hatte den Schatz zu einem Hochzeitsgeschenk für Mary bestimmt. Aber da du seinen Wert so niedrig veranschlagt hast, kann ich euch unmöglich ein so ärmliches Geschenk machen. Ich werde ihn deshalb mit nach Amerika nehmen und für Mary ein anderes Hochzeitsangebinde aussuchen." „Sie sehen, lieber Wendeborn, man kann einem Amerikaner gegenüber nicht vorsichtig genug in seinen Aeußerungen sein." Schadenfreude ist, einem bekannten Ausspruche zufolge, die reinste Freude. Wer deshalb ein etwas philosophisch veranlagtes Gemüt hat, wird es als menschlich und entschuldbar anschen, wenn bei dieser Stelle des Briefes ein behagliches Schmunzeln über' das gutmütige Gesicht Wendeborns huschte und seine Lippen leise murmelten: „Das hätte auch noch gefehlt, lieber Doktor. Das schönste Mädchen der Vereinigten Staaten, ein fürstliches Vermögen und obendrein noch diesen unschätzbaren Silb-rfund, der von Gottes und Rechts wegen eigentlich mir zukommi!" Aber Holbergs Schreiben war noch nicht zu End«. „Ob ich bei den Worten Winters vielleicht ein komisches Gesicht gemach: habe, oder ob Mary glaubte, ich fühle mich da durch betroffen, weiß ich nicht, aber sie zupfte ihren Onkel an den Ohren und sagte: „Behalt nur ruhig deinen alten Silbcr- schatz und nimm ihn mit nach Amerika, damit dein« Freunde in Milwaukee einmal sehen, was für schöne Sachen in Europa Der Landbot« 4- Sinsheim« Ieivmg. kann. Inzwischen sind Mißtrauensanträge von den Sozialdemokraten und Kommunisten eingebracht worden. Das Haus nnnmt die Abstimmimgen zum Haushalt d:r besetzten Gebiete vor. Der Haushalt wird unter Ablehnung zahlreicher kommunistischer Aen- derungsanträge nach den Ausschußbefchlüffen angenommen. 3n zweiter und dritter Lesung wird auch das Besatzungsleistungsgesetz angenommen. Damit ist die 2. Lesung des Haushalts der besetzten Gebiete erledigt. Reichswehrminister Dr. Geßler fetzt im Reichstag die Aussprache zum Wehrhaushall fort. Er stellt mit Genugtuung fest, daß es möglich gewesen ist, hier im Hause eine grundsätzliche Aussprache über die Reichswehr von rein sachlichen Gesichtspunkten aus zu führen. Die Kritik habe besonderes Gewicht gelegt auf die Belastung des Haushalts und der deutschen Volkswirtschaft durch die Ausgaben, die wir für unsere Wehrmacht schaffen müssen. Leider hätten sich die Hoffnungen, daß nach den Erfahrungen des Weltkriegs eine Abrüstung durchgeführt werden würde, nicht erfüllt. Die englischen MMärlasten seien seit 1913 um ungefähr 700 Millionen gestiegen. Der „Ecorwmist" berechne, daß England und Frankreich je 31/2 Proz. ihrer Nationaleinkommen für ihre Sicherheit als Versicherungsprämie ausgeben, Italien 4 Proz., Deutschland dagegen nur Ihz Prozent. Während England für jeden feiner Berufssoldaten 4800 Mark im Jahre ausgebe, sei der Betrag für Deutschland nur 4000 Mark. Die deutsche Regierung verfolge mit Ernst alle Abrüstungsbestreb- ungrn. Wenn wir die Möglichkeiten des Vertrags von V rfailles erschöpfen wollen, nicht auf 80 000 oder 60 000 Mann zurückgehen wollen, können wir an dem Haushalt nichts streichen, denn ein großer Teil der Ausgaben ist absolut zwangsläufig. Ein Milizheer würde übrigens nicht billiger sein, weil es zur Ausbildung viel mehr geschultes Personal braucht. Deshalb ist unser System noch das relativ günstigste. Allerdings können wir mit diesem System nicht auf die Dauer leben. Wir können uns nämlich bei einem Angriff auf unser Volk nicht genügend verstärken. Wir müssen fordern, daß das, was man uns aufgezwungen hat, als Muster für eine allgemeine Abrüstung dient. Wir können aus unserem Heer nur einen bescheidenen Grenzschutz machen. Also entweder allgemeine Abrüstung oder wir müssen in die Lage versetzt werden, uns:ren Nachbarn gleichgerüstet gegenüberzutrrten. Man kann Deutschland nicht auf den Stand eines Indianerstammes zurückhalten. Wir können nicht auf die Gleichberechtigung im Kreis der Völker verzichten. Auch Sie (zu den Kommunisten) haben nicht darauf verzichtet. In Rußland fordern sie es ja auch. Die Kontrollkommission haben wir als tiefste Demütigung empfunden, die man einem tapferen Volk zumuten konnte, nachdem es trotz langer Gegenwehr unterlegen war. Wir haben sie umso bitterer empfunden, als die Durchführung der Kontrolle nicht in den Händen der französischen Liga für Menschenrechte lag, sondern in den Händen englisch-französischer Gcneralstabsoffiziere, die genau wußten, daß man mit ein paar alten Maschinengewehren keine Schlacht schlagen kann. Ich wünschte übrigens, daß auch die Berichte der Kommission veröffentlicht werden. Dann könnten wir mit Beschämung sehen, wie diese Kommission aus allen Kreisen der deutschen Bevölkerung unterstützt worden ist. Meist aus törichter Schwatzsucht! Ich erinnere nur an die Aussagen des Leutnants Tillessen. Sie würden erstaunt sein, wenn Sie lesen könnten, mit welcher Verachtung die Ententeoffiziere von uns geschrieben und gesprochen haben. Ich begrüße es, daß die Kontrollkommission fort ist, weil damit eine starke Hemmung für die Zusammenarbeit der Völker und auch ein Instrument zur Vergiftung der Seele des deutschen Volkes beseitigt ist. — Die Abgeordneten Schöpflin und von der Schulenburg waren sich völlig einig darüber, daß das Heer nicht politisch mißbraucht werden darf. Das Mißtrauen der Sozialdemokraten sctgnerzt mich tief. Aber ich halte ihr Urteil für ungerecht. — (Abg. Müller-Franken (Soz.): Der Verlauf der Femeprozesfe war dafür wesentlich). — Auf diese Angelegenheit will ich jetzt nicht eingchen. Sie (zu den Kommunisten) sind ja selbst Vertreter der Feme. (Widerspruch bei den Kommunisten.) Nach der Denkschrift der Hamburger Polizei über den Aufstand von 1923 hat Rcmmele damals den von ihm vereidigten Leuten zugerufen: „Wer verpfeift, verfällt der Feme!" In Weimar hat man nun einmal das Heer auf den alten Offizieren aufgebaut. Damit hatte ich zu rechnen, als ich Minister wurde. Und in der Zeit, wo ich mit der Entente um den Chef der Heeresleitung kämpfte, konnte ich nicht Meinungsverschiedenheiten mit diesem auskommen lassen. Ich habe aber niemals Zweifel an meiner Stellung zu den Wehrverbänden gelassen. Niemand kann jedoch mehr tun als in seinen Kräften liegt. Was aber haben die Sozialdemokraten getan? Eie standen in Opposition! Allerdings habe ich das Heer nicht auf republikanischen Ideologien aufgebaut, sondern auf dem Ideal des Soldaten: Pflichterfüllung, schon vor einigen tausend Jahren gemacht worden sind! Aber ein paar Stücke davon bitte ich mir unbedingt aus! Die müssen wir Herrn Wendeborn als Andenken geben. Dem bist du sowieso, ganz unter uns gesagt, eine Genugtuung für die sonderbare Begrüßung in Neapel schuldig. Ernst hat ja hoffentlich in mir seinen Schaß von Boscoreale gefunden, aber Herr Wendeborn ohne den Ernst und ich uns möglicherweise nicht kennen gelernt hätten, muß einige Stücke von dem Schatze erhalten!" worauf der Onkel erwiederte: „Liebe Mary, du kannst über den ganzen Schatz verfügen, ich habe nur einen kleinen Scherz machen wollen. Ich habe ihn für dich gekauft, und demnach ist er dein Eigentum. Dein Vorschlag, Herrn Wendeborn eine kleine Freude zu machen, findet meinen ganzen Beifall, und ich bitte dich, einige hübsche Stücke auszuwählen. Das Schönste hat ja leider Rothschild für sich behalten." Meine Braut hat nun zur Erinnerung an die kurzen schönen Augenblicke, die wir in Neapel zusammen verlebten, zwei Statuetten aus dem Schatz von Bocoreale für Sie ausgesucht, die heute an Ihre Adresse abgegangen sind. Meine Braut bittet Sie, dieses kleine Andenken aus Boscoreale nicht zu verschmähen, ich schließe mich ihren Bitten an, und Onkel Winter hofft, daß Sie ihm den mürrischen Empfang, den er uns beiden in Neapel bereitet hat, nicht weiter nachtmgen werden. Im übrigen sind Sie hiermit von Mary und mir freund- lichst eingeladen, bei unserer im Monat Mai in Berlin stattfindenden Hochzeit das Amt des Brautführers zu übernehmen, eine Bitte, die Sie uns hoffentlich nicht abfchlagen werden. Brautjungfer ist eine sehr hübsche Freundin Marys, ebenfalls eine Deutsch-Amerikanerin, die mit ihren Eltern augenblicklich auf einer Vergnügungsreise in Europa ist und vor einigen Tagen hier bei uns auf Besuch war. Wenn Sie nicht ein ganz hartgesottener und unverbesserlicher Junggeselle find, so glaube ich — na, ich will weiter nichts sagen, aber wer weiß, was der alte Silberfund von Boscoreale noch für schwerwiegende Ereignisse im Gefolge haben kann! In acht Tagen reise ich nach Berlin zurück und werde nicht verfehlen, Ihnen dann meine Aufwartung zu machen. Bis dahin seien Sic aufs freundlichste gegrüßt, sowohl von meiner Braut wie von Ihrem ganz ergebenen Ernst Holberg." Wendeoorn faltete bedächtig den Vrief zusammen und sagte: „Na, die Sache ml: der Brautjungfer wollen wir uns doch noch reiflich, sehr reiflich überlegen. So schnell fang.n wir nicht Feuer, lieber Doktor Holöerg! Aber daß mir zu guter Letzt doch noch ein paar Stücke aus dem Schatz von Boscoreale zufallen, das macht mir Spaß!" Ende. Mittwoch, den 30. März 1927. Treue und Festhalten an seinem Eibl Mdnche Polittkrr der Linken hätten den warmen Ton für die Reichswehr nicht gefunden, (Abg. Dr. Haas (Dem.): Das ist nicht richtig:!) Auf Dr. Haas trifft das nicht zu, aber lesen Sie nur, was Herr Erkelenz in der „Hilfe" schreibt! Der „Vorwärts" macht zum Beispiel eine Ueberschrift: „Schon wieder ein Kreuzer vom Stapel gelaufen!" Ja, diesem Kreuzer haben Sic (zu den Sozialdemokraten) selbst bewilligt. Man soll immer mißtrauisch sein, aber es nicht jeden Augenblick betonen. Das alle Reich ist zugrunde gegangen, weil es der Arbeiterschaft und England nicht traute. Auch unser Heer verlangt Vertrauen. Es hat im Kapp-Putsch nicht versagt. Nur ein Führer, Lüttwitz, hat damals versagt. Es ist. wie General Heye sagte: Das Heer gehorcht. Es kommt an auf die Führer! Das Abirren des Generals Seeckt bestand in einer Gefälligkeit. Sie war untragbar und die Konsequenzen wurden auch gezogen. Trotzdem müssen wir die großen Verdienste des Generals Seeckt in schwerster Zeit anerkennen. A:uh das Offizierkorps verdient Vertrauen, selbst wenn ein einzelner einmal, aus der Reihe kam. Den Kompagnieführern muß die Verantwortung bleiben für die Einstellung ihrer Leute. Ich habe aber angeordnet, daß keine Einstellung erfolgt, falls nicht die zuständige Polizeibehörde das verfassungsmäßig einwandfreie Verhalten bescheinigt. Auch die Einstellung des Offiziersersatzes ist neu geregelt. Verantwortlich bleibt der Kommandeur. Aber wir behalten uns Nachprüfung vor. Ich habe mit dem Chef der Heeresleitung verabredet, daß für Angehörige der besetzten Gebiete eine bestimmte Anzahl Stellen offen- gehalten werden müssen. Länder und Gemeinden müssen uns bei der Unterbringung der Entlassenen mehr unterstützen. Krankenkassen haben sich zum Beispiel geweigert, Militäranwärter einzustellen. (Zuruf links: Wir wollen die Krankenkassen, nicht militarisieren.) Auch nicht mit republikanischen Unteroffizieren? — Auf meine Amtszeit blicke ich mit Befriedigung zurück. Die Reichswehr ist heute eine in sich gefestigte treue Truppe.. Ich bin. dankbar für jede Kritik. Wir wehren «ns aber gegen dir maßlosen Uebertreibuagen und Verallgemeinerung:«, denn letzten Endes sind Volk und Reichswehr aufeinander angewiesen. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Förderung der Bautätigkeit. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat das Reichsarbeitsmini- sterium, veranlaßt durch die beunruhigenden Erscheinungen auf dem Baumarkt, neue Maßnahmen zur Förderung d r Bautätigkeit und Stabilisierung des Daustoffpreifes ergriffen. Die ungewöhnlichen Erscheinungen, die mit dem Wiederbeginn der Bautätigkeit eingetreten sind, machen sich vor allem auf dem Kapitalmarkt bemerkbar. Namentlich auf dem Pfandbriefmarkt sind Stockungen eingetrcten, so daß die Aufbringung der Mittel für die ersten Hypotheken sich verzögern kann. Das Rcjchsarbcitsministerium hat deshalb darauf hingewiesen, daß Reich und Länder mit Rücksicht auf diese Erscheinungen alle Möglichkeiten für Zwischenkredite weitgehend pflegen müssen. Hinzu kommt eine Steigerung der Baustoffpreise. Der Baustoffindex, der im Iahre 1923, 128 Prozent des Friedenspreises betrug, hat in den letzten Jahren Schwankungen durchgemacht. 2m Jahre 1924 stieg er vorübergehend auf 154 Prozent, im Jahre 1925 erreichte er zeitweilig 176 Prozent, 1926 schwankte er zwischen 157 und 164 Prozent. 2m Februar und März d. I. ist eine Steigerung auf 166 Proz. eingetreten rnttb es herrscht weiter steigende Tendenz, sodaß sogar die Gefahr besteht, daß diese Steigerung zu verhindern, hat der Reichsarbeitsminister, wie es schon im November vorigen Jahres einmal geschehen ist, die Länder darauf hingewiesen, daß es zweckmäßig sei, die Bauvorhaben auf das ganze Jahr zu verteilen, damit nicht in den einzelnen Jahreszeiten besonders starke Anforderungen an Baumaterialien eintreten und die Preise dadurch Hochgetrieben werden. Die Lage ist umso bedenklicher, als die angegebenen Indexziffern sich lediglich auf die großen Abschlüsse beziehen, wäyrend für kleinere Abschlüsse erheblich höhere Preise bereits gezahlt werden. Wie weit die Preissteigerung auf unberechtigte Gewinne der Baugesellschaften zurückgehen, kann nicht festgestellt werden. Es erscheint den zuständigen Berliner Stellen aber auffällig, daß an der Börse die Aktien der Baugesellschaftcn in der letzten Zeit stärker gestiegen sind als andere Aktien. Dr. Eckener über die Luftschifflinie Spanien—Südamerika. Berlin, 25. März. Dr. Eckener empfing heute oormiltag einige Pressevertreter, um der Oefsentliächeit über den augenblicklichen Stand des Luftschiffbaues und der Verhandlungen über die fpanifch-südamerikanifche Luftschifflinie zu berichten. Nach seinen Ausführungen ist damit zu rechnen, daß der Verkehr im ungünstigsten Falle im Oktober nächsten Jahres ausgenommen werden kann. Die Verhandlungen mit der spanischen Regierung haben dazu geführt, daß Spanien in Form von Subventionen für ausgeführte Fahrten die Mittel durch Schaffung der Hafenanlagen in Sevilla hergibt und im Falle einer Einstellung des Fährbetriebes die Aufwendungen vergütet. Da ähnliche Abkommen mit Argentinien und später wahrscheinlich auch mit anderen südamerikanischen Regierungen zu erwarten sind, ist die Durchführung des großen Planes damit endlich gesichert. Die spanisch Gesellschaft wird zunächst vom Luftschiffbau Zeppelin das im Bau befindliche Luftschiff L. 3. 127 verwenden. Das Schiff wird aü£ drei Wochen eine Fahrt hin und zurück ausführen. Es werden etwa 15000 Kilogramm Nutzladung hierbei auf jeder Fahrt befördert werden können, die zum großen Teil in Post und Paketen, zum geringen Teil in Passagieren bestehen. Die Fahrtdauer wird nach Südamerika 75—80 und zurück etwa 96—100 Stunden betragen, gegenüber 16 Tagen Reisedauer zur See. Der L. 3. 127 hat nicht allein die Aufgabe, der Welt den Beweis für die Verwendbarkeit des Zeppelin über ausgedehnte ozeanische Strecken zu erbringen. er hat gleichzeitig ein drohendes französisches Berkehrsmonopol auf dem Südatlantik zu vereiteln und für Deutschland einen großen presttgemäßigen Wert. Dr. Eckener hofft deshalb, daß die zwei Millionen Mark die zur Fertigstellung noch fehlen, aber vom Haushaltsausschuß des Reichstags in diesen Tagen gestrichen worden sind, doch wieder eingesetzt werden, zumal der Ausschuß über die Aufgaben oes Luftschiffes nicht richtig unterrichtet gewesen sei. Das deutsche Volk im Erwerbsleben. c Mitte Juni 1925 ist in Deutschland seit 18 Jahren zum erstenmal wieder eine Berufs- und Betriebszählung vorgenommen worden. Die Ergebnisse dieser Zählung liegen noch nicht vollständig vor. Die ersten Resultate lassen jedoch bereits erkennen, wie groß die wirtschafts- und sozialpolitische Bedeutung dieser Statistik sein wird. — Da die Gesetzgebung mit der zukünftigen Entwicklung rechnen muß, müssen alle irgend' erreichbaren Daten gesammelt werden, die einen Rückschluß auf di. Zukunft gestatten. Hierzu gehören in erster Linie die bevölkerungspolitischen Zahlen, d. h. die Ziffern über Geburtenzahl, durchschnittliche Sterblichkeit, Verteilung der Bevölkerung nach Altersklassen usw. Während des Krieges war man der Meinung, wir würden der Beendig- ung des großen Dölkerringens unier einem fühlbaren M.ngel an Arbeitskräften leiden. In Wirklichkeit hat sich das Gegenteil herausgestellt. Während vor dem Kriege die Zahl der Erwerbstätigen rund 37 Millionen betrug, ist sie jetzt aus 42 Millionen gestiegen, obwohl die Gesamtbeoölkerung inzwischen nur um 2 Millionen zugenommen hat. Nun könnte man meinen, daß allein die erschwerten Daseinsbedingungen einen größeren Prvzen fatz der Erwerbsfähigen in das Erwerbsleben treiben, daß also das Steigen Nr. 38. Jahrgang 1927. der Erwerbstätigenzahlen ausschließlich auf diesen Umstand zurück- zuführen sei. Das trifft jedoch nicht zu. Biel bedeutsamer ist die Steigerung, die das Verhältnis der Erwerbsfähigen zur Gsaml- brvölkerung nach dem Kriege erfahren hat. Infolge des Krieges und später auch infolge der ungünstigen Erwerbsverhaltmsse m der Nachkriegszeit ist nämlich die Geburtenzahl stark gesunken Die jungen Jahrgänge, — nämlich die 7—12 jährigen — sind viel weniger zahlreich als die mittleren Jahrgänge (die 13—25 iah- rigen), die nicht durch den Krieg dezimiert sind und die durch die hohen Geburtenziffern der Vorkriegszeit bestimmt werden. Ein Rückgang der Zahl derer, die neu ins arbeitsfähige Alter treten, wird erst oom Jahre 1930 an zu verzeichnen sein, nämlich dann, wenn der sehr knappe Jahrgang ISIS das arbeitsfähige Alter erreicht haben wird. Am 11. März hat die denische Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine Tagung in Berlin abgehalten und untersucht. welche bevölkerungspolitischen Gründe die in Deutschland herrschende Erwerbslosigkeit hat, und wie sich die Erwerbslosigkeit in den verschiedenen Wirtschaftszweigen stellt. Man wird die außerordentliche Erwerbslosigkeit am zweckmäßigsten wie folgt begründen können: Durch den Krieg ist eine Vermehrung des Angebots von Arbeitskräften cingetretcn, die durch die herrschenden ungünstigen wirtschaftlichen Umstände auch nicht annähernd hat wettgemacht werden können. Eine wichtige Rolle spielt natürlich der stärkere Eintritt von Frauen in das Erwerbsleben. Ein Vertreter des Statistischen Reichsamts hat auf der genannten Erwerbslosentagung geäußert, die Vernichtung von 2 Millionen Männern im besten Alter (durch den Krieg) verurteile etwa eine halbe Million deutscher Mädchen zur Ehelosigkeit. Außerdem kann man rechnen, daß durch die Zerstörung der Sparvermögen und durch andere Gründe weitere Millionen von Frauen neu ins Erwerbsl.ben hinausgetreten sind. Endlich hat natürlich die Auflösung des stehenden Heeres und der für viele frühere Erwerbstätige eingetretene Zwang, trotz fortgeschrittenen Alters die Berufsarbeit wieder aufzunehmen, die Armee der Befchäftigungsfuchenden vermehrt. Der Vertreter des Statistischen Amts glaubt, daß der Eintritt der dünnbefetztcn Kriegsjahrgänge ins Wirtschaftsleben in den ersten Jahren des kommenden Jahrzehnts zwar eine Verminderung des Neuangebots an Arbeitskräften herbeiführen wird, daß dies Minus aber durch eine dichtere Besetzung der andern arbeitsfähigen Jahrgänge ausgeglichen werden wird. Jedenfalls ergeben die bevölkerungspolitischen Erhebungen, daß wir besondere Anstrengungen machen müssen, um die während der nächsten Jahre ins Erwerbsleben hinausdrängenden Teile unseres Volkes ausreichend beschäftigen und versorgen zu können. Baden. Die Erhaltung der Klcinbrenu.reien. Auf der in Offenburg am Sonntag stattgehabten Generalversammlung des Landesverbandes badischer Klein- und Obstbrenner erstattete der frühere Direktor der Badischen Landwirtschaftskammer Dr. Müller ein eingehendes Referat über feine Bemühungen zur Erhaltung der Klcinbrennereien, im Kampf mit den Großbrennern. Durch Vereinbarung mit der Hauptarbeitsgcmein- schaft des preußischen Brcnnereigcwerbes wurde erreicht, daß die Ahfindungsbrennereien erhalten bleiben. Die gewerbl. Abfindungsbrennereien müssen sich entweder als landwirtschaftliche oder als Obstbrennereien erklären. Außerdem kann zu dem jetzt bestehenden Brennrecht von drei Hektoliter ein Zusatzbrennrecht von 5—10 Hektoliter gewährt werden. Die Monopolverwaltung soll verpflichtet werden, außer den Edelbranntweinen auch noch Branntwein zu einem angemessenen Preis von den Brennereien zu übernehmen. Es soll den badischen Brennern eines Ortes freistehen, ob sie sich zu einer Gemeinschaftsbrennerei zusammenschließen wollen oder nicht. Ein billigerer Verkauf als zu den von der Monopolverwaltung festgesetzten Preisen darf nicht stattfinden. Die Abmachungen bedürfen noch der Genehmigung der Rcichsregierung. Die Landesbürgschaft für die Landwirtschaftlichen Lagerhäuser A.-G. in Tauberbischofshrim. Karlsruhe, 28. März. Dem Landtag ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der das Ministerium des Innern ermächtigen soll, die für die Zentrale der Landwirtschaftlichen Lagerhäuser A.-G. in Tauberbischofshrim übernommene, mit Ende des Monats März 1927 erlöschend? Bürgschaft des Landes in Höhe von 850 000 Reichsmark zu erneuern und bis zum Schluß des Jahres 1927 bestehen zu lassen. Die Bürgschaft soll erlöschen mit einem Betrag von 150000 Reichsmark am 31. Oktober 1927, mit 400 000 Reichsmark am 30. November 1927 und mit 300 000 RM. am 31. Dezember 1927. Die Vorlage ist' erfolgt auf Grund eines Gesuches der Zentmle der Landwirtschaftlichen Lagerhäuser A.-G. in Tauberbischofsheim, die jetzt im Vorsommer nicht in der Lage ist, die Gelder zur Begleichung des Darlehens aufzubringen. * Eisenbahnverbindungen zwischen Rheinland-Westfalen und Südwefidrutschland. vk Der Südwestdeutsche Handelskammerausschuß für Hotelgewerbe und Fremdenverkehr (Vorort Handelskammer Karlsruhe) beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung in Frankfurt a. M. u. a. auch mit der Frage der Gestaltung der Schnrllvcrbindungen zwischen Rheinland-Westfalen und Südwcstdcutschland. Er faßte seine Wünsche in folgender Entschließung zusammen, die der Reichsbahnhauptverwaltung Berlin und den beteiligten Reichsbahndirektionen übermittelt wurde: „Besonders günstige, direkte Schnellverbindungen zwischen Rheinland-Westfalen einerseits und den ausgedehnten südwestdeutschen Fremdenverkehrsgebieten andererseits sind im übereinstimmenden Interesse der volkreichen rheinisch-westfälischen Gebiete wie auch Südwestdeutschlands unbedingt erforderlich. Auch die zum Iahresfahrplan 1927—1928 vorgesehenen Verbindungen entsprechen den tatsächlichen Bedürfnissen nicht. Trotz nachhaltigster Schritt« der vereinigten Interessenten ist es beispielsweise nicht gelungen, für den Odenwald und die Bergstraße auch nur eine einzige durchgehende Tagesverbindung auf dem kürzesten Wege mit dem Rheinland zu erhalten. Auf das lebhafteste beklagt werden die Einschränkungen des Schnellverkehrs im Winterfahrplan 1926/27 wie der Wegfall der wichtigen Tageszüge D 27/28, 27a 28a Wiesbaden und Frankfurt a. M.-Berlin und der Nachtschnellzüge D 94/93 Frankfurt a. M.—Stuttgart—München, sowie die die Interessen des Schwarzwaldes aufs stärkste beeinträchtigenden Einschränkungen des Fahrplans der Schwarzwaldbahn. Der südwestdeutsche Handelskammemusschuß für Hotelgewerbe und Fremdenverkehr, am 18. März 1927 im großen Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M., unter stärkster Beteiligung aus ganz Südwestdeutschland versammelt, gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Reichsbahn dem dringend notwendigen Ausbau der wichtigen direkten Verbindungen zwischen den dicht bevölkerten Gebieten Rheinland-Westfalens einerseits und dcn b.- deutenden südwestdeutschen Fremdenverkehrsqebietcn andererseits und zwar sowohl im Laufe des Rheins und d r Rheincbcne links- und rechtsrheinisch wie auch über das S cgerlanü, Oberhessen und Frankfurt a. M. ihre besondere Lnfmerksamkeft znwcnd«.i möge." Aus Nah und Fern. 4- Sinsheim, 29. März. (Versetzt) wurde Aufseher Ferdinand Bader beim Bezirksgefängnis Radolfzeii zur Fürsorge- rrziehungsanstalt hier. Der Landdote * Sinsheim« Zeitmiß. * Sinsheim, 30. März. (Handelskammerwahl.) Wir machen die Wahlberechtigten zur Handelskammer nochmals darauf aufmerksam, daß heute Nachmittag zwischen 1 und 3 Uhr die Erneuerungswahl stattfindet. Wahllokal ist das Rathaus Sinsheim, wo auch Wahlzettel aufliegen.^ > m Einsheim, 29. März. (Andreas Hofer-Auf f ü h r u n g.) Die am letzten Sonntag ausgefallene Abendvorstellung findet nun heute. Mittwoch, Abend statt. Die für Sonntag gelösten Karten haben hierfür Gültigkeit. Außerdem finden am nächsten Sonntag die bereits angekündigten beiden letzten Aufführungen statt. -p- Sinsheim. 30. März. (Garte n b a u o e r e i n). Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, wird am morgigen Donnerstag im Löwensaal ein Vortrag des Herrn Gartendirektor Diebolder aus Heidelberg stattfinden, zu welchem außer den Mitgliedern alle Gartenfreunde eingeladen sind. * Sinsheim, 30. März. (Eisen bahnfahrkartcn mit Prci sausdruck.) Von der Deutschen Reichsbahngesellschaft wird mitgeteilt: Während der Inflationszeit wurde auf den Eisenbahnfahrkarten nur die KÜometerzahl im Druck vermerkt, da sich die Preise fortgesetzt änderten. Nachdem aber nun seit längerer Zeit in den Personentarifen eine Stetigkeit eingetreten ist, wird die Reichsbahn jetzt beim Neudruck von Fahrkarten des Reichsbahn- Binnenverkehrs diese wieder außer mit der Kilometerangabe auch mit den Fahrpreisen versehen, um einem lang gehegten Wunsch des reisenden Publikums entgegenzukommen. * Sinsheim, 29. März. (Steuereinziehung durch P o st n ach nähme.) Die Finanzämter des Landesfinanzamtsbezirkes Karlsruhe werden künftig nach vorausgegangener öffentlicher Zahlungsaufforderung die noch rückständigen Landessteuern und Körperschaftsabgaben bis zum Betrage von 50 R.M. auf Kosten der Steuerpflichtigen durch Postnachnahme erheben. Für die Einlösung der Postnachnahme kann eine Frist von einer Woche, gerechnet vom Tage der Vorzeigung ab, verlangt werden. Der angeforderte Nachnahmebetrag wird stets auf der Rückseite der Nachnahmekarte erläutert werden, so daß sich der Steuerpflichtige über die Art des zur Einziehung gelangenden Betrages verlässigen kann. Bei Nichteinlösung der Nachnahme erfolgt die Einzahlung des Rückstandes ohne weitere Aufforderung durch den Gerichtsvollzieher. Mit dem Postnachnahmeverfahren soll denjenigen Pflichtigen, die es versäumt haben, ihre Steuern und Abgaben rechtzeitig an die Finanz- oder Hilfskasscn zu entrichten, noch einmal Gelegenheit zur Zahlung gegen Erstattung der Verfahrens- Kosten geboten werden. Es gibt den säumigen Pflichtigen die Möglichkeit, das Beitreibungsverfahren und die damit verbundenen höheren Kosten zu vermeiden. * Sinsheim, 30. März. (Die 24-Stundenzählung.) Bekanntlich wird am 15. Mai bei der Reichsbahn die 24-Stunden- zählung eingeführt, was namentlich bei den Fahrplänen in Erscheinung tritt. Die Nachmittagsstunden 1—12.00 nachts werden also durchgezählt, so daß es statt ihrer heißen wird Stunde 13—24. Nun soll aber, wie in den ausländischen, so auch in den deutschen Fahrplänen die Stunde 24 nur bei der Ankunft zur Anwendung kommen und zwar nur bei Zügen, die genau um Mitternacht ankommen. Bei Zügen, die um Mitternacht abgeheu, um 1230 nachts ankommen, um 12.35 nachts abgehen, heißt es nicht 24.00, 24,30 und 24.35, sondern 0,00, 0.30 und 0.35. Im Gegensatz dazu wird auf den Eisenbahnuhren, soweit sie abgeändert werden, zwar die Ziffer 24 unterhalb der Ziffer 12, die Ziffer 0 als Sekundenziffer aber überhaupt nicht angebracht. Auf Grund der klhren sollte man erwarten, bei sämtlichen Zügen, die in der Zeit von 12.00 Uhr bis 12.59 nachts ankommen oder abgehen, werde dies durch Stunde 24.00 bis 24.59 ausgedrückt. Darin, daß dies nicht geschieht, liegt eine Unstimmigkeit, die auch bei allen ausländischen Bahnen mit 24 Stundenzählung vorliegt, die wir eben wahrscheinlich auch nachmachen müssen. Im übrigen bedeutet die ganze Einrichtung eine Unstimmigkeit insofern, weil sie mit ihrem Uhrensystem nicht in Einklang zu bringen ist. Die württembergische und die bayerische Regierung haben sich gegen diese Aenderung entschieden gesträubt, aber leider vergeblich. P Hoffmheim, 29. März. (Handarbeitsausstellung.) Gestern fand im hiesigen Schulhaus eine Ausstellung der Handarbeiten der Schülerinnen der 4. bis 8. Klasse statt, welcher auch Echulinspektor Dr. Laule anwohnte. Die Arbeiten waren durchweg mustergültig und zeugten von eifrigem Fleiße und gutem Geschick der Schülerinnen. Besondere Anerkennung verdient die Handarbeitslehrerin, Frl. Johanna Schmidt aus Leimen, welche mit großer Gewissenhaftigkeit den Handarbeitsunterricht leitet. Die Ausstellung erfreute sich eines lebhaften Besuches, besonders der weiblichen Bevölkerung Hoffenheims. ä Waibstadt, 29. März. (Verschiede n e s.) Wie wir hören, beabsichtigt der B.e rkehrs- und Verschön e- r un gsverein hier anfangs September einen tzeimattag abzuhalten,- die Vorarbeiten sollen eingeleitet werden. — Am Sonntag waren die Arbeiten der Mäd chen-Handarbeitsschule hier von mittags 12 Uhr bis abends 6 Uhr zur Besichtigung im alten Schulhause aufgelegt. Die Ausstellung war sehr zahlreich besucht und es war mit großer Befriedigung zu sehen, was die Mädchen unter der Handarbeitslehrerin Diehm geleistet haben. — Die architektonische, schöne, frühgotische Pfarrkirche hier soll eine größere Reparatur von außen erfahren; die Vorarbeiten sind im Gange, daß bis Mai begonnen werden kann. 'v Waibstadt, 29. März. (Rh einlandsonderzug.) Die Anmeldungen zum Rhcinlandsonderzug gehen so zahlreich ein, daß damit zu rechnen ist, daß der kleine Rest von vorrätigen Karten diese Woche noch aufgebraucht wird. Wer die Absicht hat, nicht nur das Niederwalddenkmal, sondern auch die schönsten Plätze Burgen und Schlösser am Rhein zu sehen, tut gut, sich bei den bekanntgegebenen Stellen oder beim Berkehrsverband für das Schwarzbachtal selbst sofort anzumelden. Auf Berücksichtigung späterer Anmeldungen kann kaum gerechnet werden. Der Zug wird nunmehr bestimmt am Sonntag, den 19. Juni durchgesührt. O Reckarbischofsheim, 29. März. (Be rschiedenes.) Auf 1. April wird das hiesige Amtsgefängnis aufgehoben. Das Gebäude ist Eigentum der Gemeinoe, auch wird der Mietvertrag zwischen Staat und Gemeinde nicht berühtt. — Herr Gerichtsvollzieher Z ä u n e r wurde nach Mannheim versetzt. Diese und die Stelle des Gefängniswärters sollen nicht mehr besetzt und deren Funktionen mit den Stellen in Sinsheim verbunden werden. Die Bevölkerung sieht natürlich den weiterschreitenden Abbau nicht gern. Die Wohnung, die frei wird durch die Versetzung des Gefängnisaufsehers, soll einem Staats- oder Gemeindebcamten zugcwiesen werden, dem zugleich die Wartung der vorübergehend Inhaftierten anvertraut wird. — Lehramtsassessor Schenk, der Leiter der hiesigen Bürgerschule, wird zu Beginn des neuen Schuljahres an die Mädchenrealschule Lörrach versetzt. — Professor Dr. Schmitt- h e n n e r sprach am Sonntag im überfüllten Kronensaal über seine Forschungsreise in China. Seine wunderbaren Ausführungen wurden unterstützt durch prächtige Lichtbilder. Die Zuhörer folgten mit lebhaftestem Interesse. — Am Samstag abend hielt der Obst- und Gartenbauverein im Dreikönigsaal sein« alljährliche Generalversammlung ab. Nach Begrüßung durch den Vorstand Herrn L. A. Ruppert und Bekanntgabe des Jahresberichtes und der Rechnungsablage hielt Herr Kreisobstbauinspektor Brücker einen Bortrag über „Krankheiten und Schädlinge an den Obstgehölzen." Unterstützt war der Portrag durch Lichtbilder. Er zeigte Mittel und Wege den Krankheiten vorzubeugen und die Schädlinge zu bekämpfen. Als bester Verbündeter im Kampfe gegen die Mittwoch, den 30. März 1927. Schädlinge bezeichnete er die Vögel, besonders die Meisen und Stare, deren Schutz sich der Obstbaumzächter besonders angelegen sein lassen sollte. An die anwesenden Mitglieder wurden gratis Sämereien verteilt. Für eine angenehme Unterhaltungsmusik sorgte der Mandolinenverein. Z Neidenstein, 28.März. (Alte Maulbeerbäume.) Bei der netten malerischen Benningerburg, die von der engeren Heimat fast gar nicht geschätzt wird, stehen noch einige Maulbeerbäume, die aus der Zeit Karl Theodors stammen, und vor den Stürmen, die s. Zt. in fast allen Orten diese Bäume vernichtete, anscheinend deshalb verschont blieben, weil sie grundherrliches Eigentum waren. Reichartshausen, 29. März. (EinSommertagszug.) Durch die Straßen des Dorfes bewegte sich am Sonntag ein Sommertagszug, der den leidigen Winter mit seinen Freuden und Leiden zum Dorf hinau; trug und den Sommer mit seiner vielen gesegneten Arbeit und seinen Freuden jubelnd bei uns willkommen hieß. Die Waldwimmersbacher Musiker begleiteten die Lieder der frohen Jugend. Die beiden großen Wagen mit Sommer- und Wintergruppen konnten sich wirklich sehen lassen. Die ganze Gemeinde ist dem Veranstalter, Hauptlehrer Hauser, sür diesen Heimatfesttag dankbar. Bei der Auflösung des prächtigen Zuges nach einer Stunde gab der Veranstalter den ihm geäußerten Dank an die weiter, die in rechtem Gefühl der Freude an der kommenden Sommerzeit alle guten Kräfte und Zeit für diese Sache verwandt haben. co Untergimpern, 29. März. (Vom Friedhof.) Seit vielen Jahren war unser Friedhof, der sehr nahe am Ort angrenzt, an der oberen Seite von einem sogenannten lebenden Haag umgeben. Dieser wurde nach Beschluß der Ortsbehörde von den Arbeitslosen ausgerodet und soll jetzt durch einen Drahtzaun ersetzt werden. 0 Vad Rappenau, 28. März (Bei der Bürgerausschußsitzung) wurde einstimmig der einzige Punkt der Tagesordnung: Die Instandsetzung der Ortsstraßen, Herstellung von Gehwegen und der Ausbau der Wilhelmstraße genehmigt. Der Kostenaufwand der hiesigen Gemeinde sür sämtliche Bauten beträgt ungefähr 35-*4000 j Mark. Geleitet wurde die Sitzung durch Bürgermeister Hosmann. »c> Eppingen» 29. März. (D e r s chl e d e n e s.) Mit Wirkung vom 1. April ist Herr Stadtvikar Schulz nach Rastatt versetzt. — In der evang. Stadtkirche fano am Sonntag Bormittag vor zahlreich versammelten Gläubigen die Prüfung der Konfirmanden — 30 Knaben uno 29 Mädchen — statt. Am Abend hatten sich die Gemeindeglieder wiederum zahlreich eingefunden zu einer erhebenden Passions-Feierstunde, deren Weihe durch Gesangsvorträge des Kirchenchors, eines kleinen gemischten Chors, Sologesang, Biolin- und Orgelvortrag sowie Gesang der Konfirmanden noch erhöht wurde. — Der Musikverein hatte auf Samstag abend eine außerordentliche Generalversammlung im Nebenzimmer zur „Eisenbahn" anberaumt. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Zimmermeister Heinrich Zimmermann, wurden die bei der letzten Versammlung unbesetzt gebliebenen Stellen des Kassiers und Schriftführers neu besetzt. Der Beitrag wurde für aktive Mitglieder auf 20, für passive aus 30 Pfg. monatlich festgesetzt. Der Dirigent der Musikkapelle (Feuerwehrkapelle), Herr Malermeister Karl Specht, der nun 36 Jahre dieses Amt Innehatte, ist aus Altersrücksichten von seinem Amte zurückgetreten. In Anerkennung seiner Verdienste ernannte ihn die Versammlung zum Ehrenmitglied des Vereins. An seine Stelle wurde Herr Musiklehrer Helmut Kirchgeßner gewählt. Nach Erledigung sonstiger Pereinsangelcgenheiten schloß der Vorsitzende gegen halb 11 Uhr die gut verlaufene Versammlung mit den besten Wünschen für das Weiterbestehen des Vereins. — Die Industrieschule des Pinzentiusv ereins veranstaltete wie alljährlich wieder eine Ausstellung von Näharbeiten in Weißnähen. Sticken und Kleidermachen. Die Schau machte einen ausgezeichneten Eindruck. Als Abschluß des Winterhalbjahres der evangelischen Nähschule fand am Sonntag ein mit allerhand Darbietungen gewürztes Kaffeekränzchen statt. Eine Ausstellung wird das Halbjahr offiziell beschließen. — Bier hiesige Einwfhner, Berta Hinkel, Schreiner Alfred Braun und die Geschwister Eugen und Frieda Hofmann, haben am Sonntag unsere Stadt verlassen, um nach Amerika au szuwandern. X Gemmingen, 29. März. (Der Sängerverein) „Eintracht" brachte Sonntag abend seinem Sangesbruder Friedrich Haueisen aus Anlaß dessen Vermählung ein wohlgelungcnes Ständchen. )( Eberbach^ 29. März. (A uto u nfa l l.) In der Nähe der Gaimühle fuhr ein Auto aus Mannheim die steile Böschung hinunter. Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt; der Wagenführer erlitt ansehnliche Verletzungen und mußte ins hiesige Krankenhaus eingeliefert werden. Ein mitfahrender Gast blieb unverletzt. -st Mosbach, 29. März. (Tödlicher Unfall.) Pflasterer- meister Anton Hiesbach aus Großostheim wurde mit seinem Motorad derart gegen ein eisernes Geländer geschleudert, daß er an den Folgen der Verletzungen verstarb. 4- Heidelberg, 30. März. (Beethoven-Fe ier in Heide Iber g.) Der Heidelberger Freien Volksbühne ist es unter vielen Mühen und großen Aufwendungen gelungen, die Mannheimer Bolks-Sing-Akademie mit 600 Sängern und Sängerinnen für die 9. Sinfonie Beethovens zu verpflichten. Mitwirken das verstärkt« städt. Orchester und als Solisten Frl. Kirsamer und Haas und die Herren Isohmann und Fenten. Die Aufführung steht unter Leitung des Herrn Professor Schattschneider-Mannheim. Das gewaltige Chorwerk des großen Meisters wird für Heidelberg ein musikalisches und gesangliches Ereignis und da wir glauben, daß auch aus unserer Gegend die Aufführung besucht werden dürfte, wir ganz besonders darauf aufmerksam. Näheres siehe Inserat. — Heidelberg, 29. März. (Wieder ein Auto in den Neckar gefahren.) Am Samstag abend gegen 9 Uhr fuhr etwa 40 Meter oberhalb der alten Unfallstelle, wo damals die Tragödie der Frau Dr. Vogel und des Chauffeurs Laier sich ereignet hat. wiederum ein Personenauto in den Neckar. Es handelte sich um einen Wagen des Kaufmanns Ihrig aus Beerfelden, der einen Patienten zur Heidelberger Klinik gebracht hatte und sich auf dem Rückweg befand. Im Wagen befanden sich eine Verwandte des Kranken, sowie eine Krankenschwester. Als aus entgegengesetzter Richtung ein Radfahrer mit hellbrennender Laterne entgegenkam, glaubte der Chauffeur, es handle sich um , einen Motorfahrer, der die falsche Richtung einhalte, und lenkte stark nach dem Neckarufcr hin. Tatsächlich aber ist der Radfahrer vorschriftsmäßig gefahren. Das Auto riß einen Randstein um, schleppte einen zweiten mit sich und fuhr die Böschung hinab zum Stromufer, wo es sofort durch starkes Bremsen zum Stehen gebracht werden konnte und mit zwei Rädern im Wasser stehen blieb. Bei dem gegenwättigen Wasserstand, sowie infolge des glücklichen Umstandes, daß sich das Auto nicht überschlug ist den Insassen nichts passiert. Die beiden Damen verhielten sich vollkommen tapfer und ruhig. Bon den Patern des Stiftes Neuburg wurde das Auto später wieder auf die Straße gezogen und konnte nach leichter Reparatur die Fahrt fortsetzen Der Unfall zeigt aufs neue die große Gefährlichkeit jener viel zu engen und unübersichtlichen Straßenecke. Spaziergängern ist es ün Sonntagen überhaupt kaum noch möglich, an jener vom Autoverkehr stark überlasteten Straße und Berkehrskurve ohne Gefahr vorbeizupassieren. Die lange geforderte Verbreiterung der Straße liegt im dringenden Interesse der Oeffentlichneit. □ Leimen, 29. März. (Aus Schwermut in den Tod gegangen) Steinbrecher Philipp F. aus Leimen hat sich aus Schwermut durch Erhängen das Leben genommen. — Mannheim, 29. März. (Mehr Vorsicht auf der Straße.) Auf der Breitenstraße wurde eine 62 Jahre alte Frau, / in:, dtftu Nr. 38. Jahrgang 1927. Der Landdote * Sinsheim« Zeitung. Mittwoch, den 30. März 1927. als sie, ohne sich umzusehen, den Fahrdamm überschreiten wollte, von einem Radfahrer angefahren, zu Boden geworfen, aber glücklicherweise nicht verletzt. — Auf der Straße zwischen H 4 und 5 .lief ein 4 Jahre altes Kind gegen einen Personenkraftwagen, wurde überfahren und am Kopfe schwer verletzt. Man verbrachte es mit dem Sanitätsauto in das allgemeine Krankenhaus. Es besteht Lebensgefahr. Die Untersuchung ist im Gange. (-) Mannheim, 29. März. (S e l b st t ö t u n g s v e r s u ch.) Gestern mittag wollte sich ein 21 Jahre altes Fräulein in der elterlichen Wohnung in der Unterstadt durch Einnehmen von Tabletten das Leben nehmen. Noch rechtzeitig wurde die Lebensmüde in das allgemeine Krankenhaus verbracht. )( Mannheim, 29. März. (Unfall auf einem Sportplatz.) Beim Fußballspielen auf einem Sportplatz in Luzenberg erhielt gestern nachmittag ein 24 Fahre alter Spieler einen Fußtritt, so daß er infolge der erhaltenen Verletzung in das allgemeine Krankenhaus verbracht werden mutzte. -s- Mannheim, 29. März. (Wenn mit Schraubenschlüssel geworfen wird.) Auf einem Kinderspielplatz in Waldhof wollte ein Angestellter der dort sich befindlichen Schiffsschaukel mehreren jungen Burschen, die ihn neckten, einen Schraubenschlüssel nachwerfen. Dabei traf er ein abseits stehendes 4 Fahre altes Kind, das am Kopfe verletzt wurde und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. /X Mannheim, 29. März. (Eine K i n d s l e i ch e.) An der Oppauer Fähre wurde die Leiche eines neugeborenen Kindes geländet, das höchstwahrscheinlich nach der Geburt gelebt hat und dann getötet wurde. Die Leiche war in zwei Handtücher eingewickelt und mit einer Schnur umbunden. )( Ludwigsh fen a. Rh. 29. März. (Schwerer Unfall.) Ein 57 Jahre alter Maschinenarbeiter von Mannheim brachte die linke Hand in eine Holzbcarbeitungsmaschine, wobei ihm drei Finger abgerissen wurden Der Verunglückte hat früher bereits zwei Finger an der gleichen Hand verloren, fodaß die Hand nunmehr vollends verstümmelt ist. Der Unfall ist darauf zurückzuführen, daß sich an der Maschine das Profilmesser legte und dadurch das Arbeitsstück mit der Hand in die Maschine zog. /X Flehingrn, 28.März. (Eine grotze Ucberraschung) erlebten die Reisenden, als der Storch in einem Zug Heilbronn —Karlsruhe sich plötzlich einfand. Man verbrachte die Frau in die Wohnung des hiesigen Bahnhofsvorstehers, woselbst sie ein Kind gebar, das indes gleich nach der Geburt starb. Die unglückliche Mutter wurde im Auto nach Bruchsal gebmcht. $ Karlsruhe, 29. März. (B e rleihung der Rettungsmedaille.) Das Staatsministerium hat dem Fngenieur Arthur Eglin in Maxau, der unter eigener Lebensgefahr zwei Personen vom Tode des Ertrinkens gerettet hat, die Badische Rettungsmedaille verliehen. O Lahr, 29. März. (Tödlich verunglückt). Der 69 Fahre alte Zollamtmann a. D. Karl Dienst, hier, ist tödlich verunglückt. Er hatte seinen kleinen Enkel, der zu seinen Eltern nach der Schweiz zurückkehren wollte, auf dem Bahnhof Offenburg in den Konstanzer Zug gebracht und wollte nun wieder in den Schnellzug, Richtung Freiburg einsteigen. Dieser war schon in Bewegung. Dienst kam vor den Augen seiner Frau zwischen Trittbrett und Bahnsteig und erlitt schwere Verletzungen, denen er eine halbe Stunde später erlag. t Mainz, 29. März. (E r w i s cht e r D - Z u g - D i e b.) Ein Reisender des D-Zuges Wien—Ostende meldete um Mitternacht in Mainz-Kastel dem Bohnhofsaufsichtsbeamten, daß ihm fein« Brieftasche mit namhaftem Geldbetrag entwendet worden fei. Da der kurze Zugaufenthalt eingehende Nachforschungen nicht zuließ, wurde der Bahnhof Wiesbaden verständigt. Bei der Ankunft des Zuges dortfelbft standen bereits Bahnpolizei- und Polizeibeamte am Bahnsteig zur Aufnahme der Untersuchung bereit, denen es auch gelang, den in einem Bett des Schlafwagens versteckten Dieb festzunehmen und feiner Bestrafung zuzusühren, Es handelt sich um einen internationalen D-Zug-Dieb. — Magdeburg, 29. März. (ZweiKnaben verschüttet.) In dem nicht mehr in Betrieb befindlichen Tageraum der Grube Neuglück bei Rehmsdorf sind 2 Knaben, die sich eine Höhle gebaut hatten, verschüttet worden. Es gelang zwar bei den Rettungsarbeiten verhältnismäßig schnell die verschütteten Knaben zu bergen, doch blieben die Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg. Sechs Kinder verschüttet. Lltdwigshafrn, 28. März. Sechs Kinder des Arbeiters Hirsch von hier im Alter von 5—13 Fahren, die in einer Sandgrube hinter dem städtischen Schlachthof spielten, wurden von sich loslösenden Erdmassen verschüttet. Dabei fand das jüngste der Kinder den Tod durch Ersticken, die anderen Kinder konnten, nachdem sich der älteste Bruder freigemacht und um Hilfe gerufen hatte ausgegraben werden, ohne daß sie besonderen Schaden erlitten hätten. Die Eltern der Kinder waren in ihrem in der Nähe befindliche!» Pachtgarten beschäftigt, während die Kinder in der Sandgrube spielten. Dem Mannheimer Schlachthof wurden im Februar d. I. 1487 Rinder (gegenüber 1 540 im Januar) zugefühtt, ferner 1987 Kälber (1961), 291 Schafe (307) und 5129 Schweine (4793). Preise des Mannheimer Schlachtviehmarkts. Dem Schlachtviehmarkt am Montag waren zugeführt: 155 Ochsen, 108 Bullen, 310 Kühe 359 Färsen, 560 Kälber, 42 Schafe, 3183 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Ochsen al 59-61, all 48 -53, bl 47-52. bll 38-45, c 34—42, d 30—32; Bullen 1. Kl. 50-54, 2. Kl. 44-47, 3. Kl. 37-42 4.Kl. 30—34; Kühe 1. Kl.46-51,2. Kl. 36-42. 3. Kl. 30-34, 4. Kl. 16-24; Färsen a 59-62, i> 46-53, e 36-42 Kälber b 80-85, c 76—80, d 68—74, «52 - 60 Schafe a 36-46; Schweine a 63 bis 64, >> 63-64, c 64, d 62—63, e 62-63, f 60—62, g 52—58. Marktverlauf: mit Großvieh mittelmäßig, geräumt; mit Kälbern lebhaft, ausverkauft; mit Schweinen mittelmäßig, geräumt. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse 138 Bergleute bei einem Grubenbrande ums Leben gekommen. Tokio, 28. März. Bei einem Grubenbrande kamen 136 Bergleute ums Leben. Bisher konnten die Leichen von 80 Berg-eu- ten geborgen werden. vom 28. Preise verstehen stch per Ivo kg Weizen, inländischer 29,50 - 29,75 Weizen, ausländisch. 30,75—32,75 Roggen, inländischer 27,00—27.25 Roggen, ausländ. 27,25—27,50 Braugerste 26,50-30,06 Hafer, inländischer 21,75—22,75 Hafer, ausländischer 21,25—21,50 Weizenmehl Sp. 0 39,75—40,00 Roggenmehl 70<>/o 36,25—38,00 Tendenz: fester. März 1927 alles in Goldmark i» Reichsmark zahlbar Mais (mit Sack) . Weizenkleie m. Sack Biettreber mit Sack Roh-Melaffe . . Wiesenheu . . Luzernekleeheu. . Preßstroh . . Gebundenes Stroh Raps .... 18,50 13,75 16,00-17,00 9.20-10,00 11,00-11,90 4.50-4,90 4,00-4.60 Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. <5. m. b. H. Sinsheim, vom 29. März 1927. Reu« deutsche Flugrekorde. Der Rekordflicger der Iunkerswerke, Loohse, hat, wie uns aus Dessau gemeldet wird, in der Nacht zum Dienstag um 2 UIHr einen Dauerrekord für Wasserflugzeuge mit 500 Kilo Belastung, der bisher von den Bereinigten Staaten mit 7 Stunden 35 Minuten gehalten worden war, überboten, und eine halbe Stunoe vorher, den Streckenweltrekord von über 1000 Kilometer, den bisher Italien innehatte, gebrochen. ««leihe«: Ablösungsschuld mit Auslosungsschein ohne Auslosungsschetn . Bankaktie«: ln 0,0 318 23,55 Marktberichte. Echmeinemarkt. Sinsheim, 29. März. Dem heutigen Schweinemarkt waren zuge- führt: 30 Milchschweine zum Preise von 35—45 Mark prp Paar. 32 Läufer zuin Preise von 60- 70 Mark pro Paar. «ad. Bank .... Darmstädter- und Nattonalbank Deutsche Bank . Deutsche Vereinsbank Dresdner Bank Mitteldeutsche Ereditbank Nelchsbank . . . Rhein. Ereditbank . Südd. Dtsconw Gef. in m 164 277 180 124 187,75 258 150,75 168 Bergwerk»» Aktie« in o/o 243,25 208 220 156,75 120,50 Marktverkehr mit Dich. Aus den 35 bedeutendsten Schlachtvlehmärkten Deutschlands wurden im Monat Februar dieses Jahres 93 483 (im Januar 105 291) Rinder 104170 (99745) Kälber, 64 994 (70968) Schafe, 418721 (407 255) Schweine zugeführt. Bei den Rindern hatte Berlin den größten Auftrieb mit 13653 Stück; dann folgen: Hamburg 7 790, München mit 7 433, Lübeck mit 6316, Frankfurt a. M. mit 4922, Nürnberg mit 4 219, Breslau mit 4107, Mannheim mit 3 653. Stuttgart mit 3191, Mainz mit 2771, Magdeburg mit 2 716, Dresden mit 2447, Karlsruhe nur mit 1025. Die Zahl der auf dem Mannheimer Mehmarkt aufgetriebenen Kälber betrug im Februar d. F. 2597 (im Fanuar 2518), die der Schafe 310 (320). die der Schweine 11479 (10006). t arpener Sergbau alt Wcperegeln ManneSmnnnröhreinverle. Mansfelder Bergb. u. Hütteuw Oberschl. Gisenb. Bedarf . Phönix Bergbau u. Hüttenbetrted 141,56 Salzwerk Heilbronn . . — Bereinigte Königs- Laurahütte — Aktie« induftr. Unternehmungen: in O/o Allg. Glektr. Stammaktien . >62 Badenta Weinheim . . — Bad. Elektrizität Mannheim . 0,68 Bad. Maschinen Durlach . t»8 Eementwerk Heidelberg Daimler Motoren . Dtsch. Gold- und Stlberschetde Glektr. Licht und Kraft . Emaill. und Stanzwerk Ullrich Farbentndustrte Fuchs Waggon Stammaktien Grttzner Maschinen Dnrlach . Karlsruher Maschinen Knorr Hellbraun Matnkraftwerke Höchst . Neckarsulmer Fahrzeugwerke . Schlickert Glektr. Nürnberg Setlindustrte Wolss . Südd. Zucker .... Zellstost Waldhof Stammaktien 168,85 121 240 58 S15’/8 0,515 180 135 188,90 178,75 90 Aktien deutscher Tra«»t>»rtanftalte«: ln °4 öamburg. Amerik. Paketfahrt 155,50 oeidelberaer Straßen- u. Bergbahn — horddeulscher Lloyd . . l47,7S Devisen: New-Jork t Dollar London t Psund t olland 100 Gulden chwetz 100 Kranes Wie» 100 Schilling Paris 100 israncs Italien 100 Lire Geld 4,2125 20,458 >08.50 81,07 .18 23 l0,lO 18.40 «rief 4,222» 20,5 t 138,82 81,27 59.37 16.54 19.44 Wetterbericht Mutmaßliche Witterung bis Mittwoch abend; Wieder zunehmende Bewölkung, dann Niederschläge (allgemein als Regen); Temperaturen zunächst wenig höher. Gllüeiibiill-Verein Sinsheim. Kath. Junpänner-Verein Sinsheim. Heule Abend S Uhr im „Löwe n“ Wiederholung des Volksschauspiels Am Donnerstag, 31. März 1927, abends 81/2 sthr im „Löwensaal" Dortrag des Herrn Gartendirektor Diebolder aus Heidelberg Uber: «Zimmerpflanzen. Balkon-«. Fenflttfchmulk". Mit der Bitte um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ladet höflichst ein Der Borstand. NB. Gartenfreunde willkommen — Eintritt frei. Andreas Hofer wozu jedermann frenndl. eingeladen ist. =illllllHIHHllilllllll IIIIIIIIHIIHIIIIIHIHIilllllllllllllllllllllllllllHllllll ötommnoli'DßrilßfUßrung Die Stadtgemeinde Waibstadt versteigert aus ihren Gemeindewaldungen am Donnerstag, den 31. März ds. Fs., vormittags 7 Uhr beginnend: 350 Eichen l.— V. Klaffe 10 Buchen I.—III. Klaffe 15 sonstige Laubhölzer 140 Stück Nadelhölzer 12 Ster eichen Nutzholz. Am Freitag, de« 1. April ds. Fs., vorm. = 8 Uhr beginnend: 6 Eichen 89 Nadelhölzer (Bauholz) V. und VI. Klaffe. Zusammenkunft am 31. März beim Rathaus, am 1. April Waldeingang neue Sinsheim erstratze. Waibstadt, den 23. März 1927. Bürgermeisteramt: Spiegel m Zürn. = fjfegenmoniel aiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniHiiiiiiiiiiiiiiiinug i iYUl .Sportwesten |fflr Damen und Harren sind von unerreichter Haltbarkeit und änderst bequem. .- Moderne Farben und Melierungen. Lichtecht I Waschecht;! E. 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