«-scheint tikgiich «nt Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch diePost bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger ffei ins Laus monatlich Goldmark 1.80 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Kn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des 'Bezugspreises. Geschäftszeit t/28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Fernsprech-Anschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6908 Der Lanöbote Sinsheimer General-Anzeiger für bas 3eitung fsn Eljenz-un- §äuoarzbaclital Heltefte und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. I)aupt-Hn^eigen-Blatt Oa5d>*ntlid>« Beilage« r Q)od* and Beim » Der Kobold • Neue Illustrierte • EandwirtfcbaftUcbe Beilage A«zeige«»Preise: Anzeigen: Die 33 mm breite Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen; Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffest« Rabatt, der bei Nichtzahluninnerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlich« Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ah- vormittags; größere Anzeige» müssen am Tage vorher auf- gegeben werden. Bank-Konto: Dereinsbank Sinsheim e. G- m. b. L. M 42. Dienstag» den 5. April 1927. 88. Jahrgang Starke Zunahme der Erwerbstätigen. Die bernfliche und soziale Gliederung der deutschen Bevölkerung. Die Ergebnisse der Berufszählung vom 16. Juni 1925, die gleichzeitig mit der Volkszählung durchgeführt wurde, liegen jetzt für die meisten deutschen Länder und den größten Teil des Freistaates Preußen, also zusammen für mehr als die Hälfte der Reichsbevölkerung vor. Diese Ergebnisse liefern wertvolle Aufschlüsse über die Wandlungen in der beruflichen und sozialen Gliederung der Reichsbevölkerunz. Es ergibt sich aus ihnen nicht nur eine starke Zunahme der Erwerbstätigen, sondern auch eine umfassende Umschichtung in der sozialen Gliederung der Bevölkerung. Die Berufszählung vom 16. Juni 1925 hat zunächst die eine wichtige Tatsache festgestellt, daß heute über die Hälfte der BeoSlkerung im Erwerbsleben steht, also gezwungen ist, einen Beruf zu ergreifen. Zum Vergleich sei angeführt, daß bei der ersten Berufszählung im Zahre 1882 nur 42 tu, H.. i. 3. 1895 43 v. H. und i. 3. 1907 45 vom Hundert als erwerbstätig gezählt wurden. Dabei ist zu beachten, daß die Zunahme der männlichen Erwerbstätigen lediglich durch die größere Zahl von erwerbsfähigen Männern bedingt ist. Dagegen ist die Zahl der erwerbstätigen Frauen über das durch die Altersgliederung bedingte Maß stark gestiegen. Soweit die Teilergebnisse der Volkszählung einen Schluß zulassen, find heute drei Viertel aller ledigen über 2« Jahre alten Frauen erwerbstätig Aber auch die verheirateten Frauen find weit mehr als bisher in das Erwerbsleben hineingerissen. Eine Verschiebung ist auch in bezug auf die Verteilung der Erwerbstätigen und ihrer Astgehörigen auf die hauptsächlichsten Erwerbsquellen auf Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, eingetreten. Fast in allen Ländern hat sich der Anteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung an der Ge- samtbevölkerung verringert. Als einziges Land weist Oldenburg eine Zunahme (um 12 v. H.) auf. Entsprechend dieser Verminderung ist der Anteil der in Industrie und Handel tätigen Bevölkerung gewachsen. Die überschüssigen, in das Erwerbsleben drängenden Massen haben natürlich in Handel und Industrie ein Unterkommen gefunden. Dabei wird der Handel besonders bevorzugt. Eine weitere wichtige Veränderung, die durch die Berufszählung festgestellt wurde, ist eine Umschichtung in der sozialen Gliederung der Erwerbstätigen. Die Zahl der Selbständigen, deren Verminderung schon bei früheren Berufszählungen beobachtet wurde, ist weiter zurückgegangen,- dagegen ist die Zahl der i« abhängig« Stellung befindlichem Arbeiter und Angestellten in erheblichem Ausmaße gewachsen. Neue selbständige Existenzen haben sich nur im Handel gebildet, während Landwirtschaft, Industrie und Handwerk eine Abnahme der Selbständigen zu verzeichnen haben. Die Angestellten (einschließlich der Beamten) haben sich in einer ganzen -Reihe von Ländern geradezu verdoppelt. Das trifft besonders auf die weiblichen Angestellten zu. Dagegen ist die Zahl der Arbeiter nicht so rasch gestiegen wie die Gesamtzahl der Erwerbstätigen. Die Zunahme bei den Arbeitern erstreckt sich im übrigen nur auf die Industriearbeiter, die Zahl der Landarbeiter ist zurückgegangen. Ein Ausgleich wird aber gerade in der Landwirtschaft durch eine verstärkte Heranziehung von Familienangehörigen (Bauernfrauen, -söhnen und -töchtern) hergestellt. Zum Teil erklärt sich diese Zunahme allerdings auch durch bessere statistische Erfassung. Zu erwähnen ist endlich noch ein« Verminderung der Schicht der Hausangestellten. Diese Tatsache steht im Gegensatz zu der sonst beobachteten Zunahme der Frauenarbeit. Es ergibt sich also insgesamt eine Reihe von wichtigen Strukturwandlungen in der beruflichen und sozialen Gliederung der deutschen Bevölkerung. Nom—Belgrad direkt. Keine Asttersuchungskommission. Berlin, 4. April. Die Verhandlungen der Mächte über den italienisch-jugoslawischen Konflikt sind jetzt bis zu einem gewissen Abschluß gediehen. Außenminister Dr. Streseman» hat darüber dem Reichskabinett Bericht erstattet, das sich mit den Vorschlägen des Außenministers einverstanden erklärte. Nach den unter den Mächten getroffenen Vereinbarungen kommt die ursprünglich in Aussicht genommene Untersuchungskommission nicht mehr in Frage. Es wird vielmehr in Rom und in Belgrad vorgeschlagen werden,, durch einen direkten Meinungsaustausch der zwei Staaten den akuten Konflikt beizulegen. Damit während der Dauer dieses Meinungsaustausches Zwischenfälle nach Möglichkeit verhütet werden oder, falls sie sich ereignen, sofort beigelegt werden können, soll eine internationale Kommission eingesetzt werden, die im Bedarfsfall eingreifen kann. Diese internationale Kommission würde also zunächst nur aus Gründen der Vorsicht gebildet und erst bei besonderen Vorfällen zum Zwecke einer Untersuchung und Vermittlung in Aktion treten. Ob Deutschland an dieser Kommission mitbeteiligt sein wird, ist noch fraglich. Der deutsche Standpunkt geht unverändert dahin, daß das Reich sich einer Aktion, die der Aufrccht- erhaltung des Friedens dient, nicht entziehen kann, wenn alle beteiligten Mächte die Mitarbeit Deutschlands wünschen. Washingtons China-Instruktion. Rewyork, 4. April. Die Washingtoner Regierung übermittelte heute dem amerikanischen Gesandten in Peking, Mac Murray, die bislang verzögerte Instruktion betreffend die gemeinsame Aktion mit anderen Mächten. Mac Murmy wurde beauftragt, in bezug auf Entschädigungssorderungcn für den Zwischenfall in Nanking und den künftigen Schutz der Fremdenkolonien gemeinsam mit den anderen fremden Mächten vorzngehen, jeooch ist er nicht dazu autorisiert, sich einem etwaigen Ultimatum der Mächte anzuschlietzen. Chamberlain über die Lage in China. Der Einfluß Moskaus. Lostdon, 4. April. In der heutigen Sitzung des Unterhauses wurden zahlreiche Fragen über die Ereignisse in China an den Staatssekretär des Aeußern gerichtet. Chamberlain teilte mit, daß die Lage für die chinesische Bevölkerung in Nanking normaler und die Haltung der Nationalisten gegenüber den Ausländern und dem ausländischen Eigentum immer feindlich« wird. Die Lage in Hankau sei weniger gespannt, aber eine neue Krise sei im Anrücken. Auf eine Anfrage, ob Beweismaterial vorliege, daß die Plünderung britischen Eigentums uno die Ermordung britischer Staatsangehöriger in Nanking durch die englandfeind- liche Propaganda von Agenten der Sowjetregierung hervorgerufen fei, und ob er beabsichtige, entsprechend der Ankündigung seiner letzten Note die diplomatischen Beziehungen mit der Sowjetregierung abzubrechen, erwidert Chamberlain: Ich habe kein Beweismaterial dafür, daß die Verantwortung für die letzten Ereignisse in Nanking oder anderen Orten in China auf bestimmte Dowjetagenten fällt, aber die ausländerfeindliche Stimmung im allgemeinen und die engläudrrfeindliche Stimmung im besonderen ist zweifellos von Moskau ermutigt und gestärkt worden. Die britische Regierung hält es nicht für zweckmäßig, gegenwärtig einen weiteren Schritt auf Grund meiner Note oder der russischen Antwortnote zu tun. Auf die Anfrage, ob er unter Moskau die russische Regierung oder die dritte Internationale verstehe, sagte Chamberlain: Ich bin nicht in der Lage, einen Unterschied zu machen bezüglich der Verantwortlichkeiten der russischen Regierung für Handlungen, die sie durch ihre verschiedenen Organisationen ausführt. In Erwiderung auf eine andere Anfrage sagte Chamberlain, er habe jetzt Grund zu der Vermutung, daß es in der Gegend von Schanghai zwei chinesische Regierungen gebe, die sich mehr oder weniger im Amte befänden. Drei Probleme. Entschließungen der Zweiten und der Gewerkschafts- Internationale. Paris, 4. April. Auf der gemeinsamen Tagung des Vorstandes der Zweiten Internationale und der Sozialistischen Gewerkschaftsinternationale in Paris wurde gestern in einer Nachtsitzung eine sehr energische Entschließung zum italienisch-serbischen Konflikt gefaßt. Alle sozialistischen Organisationen, vor allen Dingen die Parlamentsfraktionen, werden aufgeforoert, ihren ganzen Einfluß geltend zu machen, damit der Völkerbund zur Schlichtung des Konfliktes einberufen werde. Weiter wird gefordert, daß man endlich einmal die italienischen Anklagen gegen Serbien, die die Grundlage des Konfliktes bilden, im Wortlaut veröffentliche, daß man die Praktiken der geheimen Diplomatie aufgebe und daß man den ganzen Konflikt öffentlich vor den Völkerbund entsprechend dem Artikel II des Paktes zur Regelung stelle, daß man weiter auch den Bericht einer eventuellen Untersuchungskommission des Völkerbundes ebenfalls öffentlich verhandle und daß man schließlich die Selbständigkeit Albaniens frei von jedem italienischen oder serbischen Protektorat gewährleiste. In der zweiten Entschließung wird gegen die Sabotage des Völkerbundes und des Internattonalen Arbeitsamtes in Genf durch den italienischen Faschismus protestiert und erklärt, daß ein Veto gegen jede Bölkerbundsaktion, wie es jetzt von Italien in seinem Konflikt mit Serbien eingelegt worden sei, vollkommen unzulässig sei und von allen anderen Völkerbundsmächten sofort hätte zurückgewiesen werden müssen. Eine dritte Entschließung endlich spricht der chinesischen Un- abhängigkritsbrwegung die Sympathie des internationalen Proletariats aus. Es wird gefordert: Abschaffung des Privilegiums der Exterritorialität für die Fremden in China, Verzicht auf die Konzessionen, Abberufung der Truppen und Kriegsschiffe und Einleitung sofortiger Verhandlungen. Die Lustfahrtabrüstung in Genf Genf, 5. April. Die vorbereitende Abrüstungskommission nahm heute bei der Beratung der Beschränkung der Luftrüstungen einen schwedischen Vermittlungsvorschlag an. Nach diesem sollen für die Luftabrüstung in der Abrüstungskonvention zwei Tabellen aufgestellt werben, von denen die eine für jeden Staat ein zahlenmäßiges Maximum der Militärflugzeuge und die andere die Gesamtmotorenstärke jedes Landes ausweist. Für die Luftschiffe wurde auch die Festsetzung des Gesamtvolumens beschlossen. Ter holländische und der japanische Delegierte gaben dem schwedischen Kompromiß nur unter Vorbehalt ihre Zustimmung, da sie für das Kompromiß keine Instruktionen hatten. Eine längere Debatte entspann sich dann, als die Einbeziehung der Luftfahrt in die allgemeinen Rüstungsbeschränkungen erörtert wurde, die von den Franzosen gefordert wird. Tie Engländer lehnten diele französische Forderung entschieden ab. Daraufhin brachte der belgische Delegierte de Broucquere einen Vermitlungsvorschlag ein, der in seinen fünf Punkten im Wesentlichen die völlige Trennung von Zivil- und Militärluftfahrt vorsteht. Graf Bernstorff stimmte dem belgischen Vorschlag zu und lehnte den französischen Vorschlag auf Nichttrennung von Militär- und Zivilluftfahrt entschieden ab. Die Diskussion wurde darauf auf die Nachmittagssitzung vertagt. Der belgische Vcrmittluugsvorschlag angenommen. Genf, 5. April. Die vorbereitende Abrüstungskommission hat heute die Verhandlungen über die Bestimmungen des Konventionsentwurses über die Wettrüstungen abgeschlossen. Der wichtigste Artikel 8 des französischen Entwurfs über die Kontrolle der Zivilluftschiffahrt wurde bis zu dem Zeitpunkt, wo die internationale Kontrolle der Rüstungen zur Verhandlung gelangt, zurückgestellt. An Stelle des Artikels 8 nahm die Abrüstungskonferenz einen Vermittlungsvorschlag des Senators de Brouquere an. der auf den Beschlüssen der Brüsseler Sachverständigenkonferenz für die zivile Luftschiffahrt im Februar aufgebaut ist. Der Bermitt- lungsantrag, der nunmehr zur Annahme gelangt ist, umfaßt folgende fünf Punkte: 1. Die vertragsschließenden Staaten verpflichten sich, eine Trennung zwischen denjenigen Behörden vorzunehmen, die sich mit der militärischen und der zivilen Luftschiffahrt befassen. Jedoch ist die Zusammenfassung der zivilen und der militärischen Luftschisfahrt in ein Ministerium gestattet. 2. Die vertragsschließ. Staaten verpflichten sich für den Bau des Materials für die zivile Luftschiffahrt keinerlei Anweisung zu erlaffen, die eine Verwendung des Materials auch für militärische Zwecke ermöglichen würde. 8. Die vertragsschließenden Staten verpflichten sich, darauf hinzuwirken, daß in der zivilen Luftschiffahrt keinerlei militärisch ausgebildetes Personal verwandt wrd. Hierzu wurde ein Zusatzantrag des Vertreters von Chile angenommen, nach dem in Ausnahmefällen vorübergehend miliäri- sches Personal und Material in der zivilen Luftschiffahrt verwandt werden kann. 4. Die vertragsschließenden Staaten verpflichten sich, der», artige Luftsahrtlinien nicht zu unterstützen, die Dank ihrer Anlage zu strategischen Zwecken verwandt werden können, statt lediglich zu administrativen oder wirtschaftlichen Zwecken. 5. Die vertragsschließenden Staaten verpflichten sich, soweit es möglich ist, den Anschluß internationaler Organisationen in der zivilen Luftschiffahrt zu unterstützen. Damit wurden die Beratungen über die Luftrüstungen abgeschloffen. In den nächsten Sitzungen wird nunmehr das Kapitel über die Beschränkung der Seerüstungen begonnen werden. Eröffnung -es 73. Rheinischen Provinziallandtages Düsseldorf, 5. April. Bei der gestrigen Eröffnung des 73. Rheinischen Provinziallandtages hielt Oberpräsident Fuchs eine Rede, in der er auf die bedauerliche Tatsache hinwies, baß heute, sieben Jahre nach dem Frieöensschlutz, noch immer 75 000 Mann fremder Besatzung auf deutschem Bode« stehen. Niemand bedauere so sehr wie die Rheinprovinz, die» ja in erster Linie betroffen sei, das Fehlschlagen der im vergangenen Jahre emporgeblühten Hoffnungen auf baldige Räumung. Bei manchen Stellen der Besatzungsmächte sei zweifellos der Wille vorhanden, das Besatzungsregime für die Bevölkerung erträglicher zu gestalten; aber abgesehen davon, daß eine so unerhört starke Truppenbelegung zwangsläufig eine ungeheure Belastung mit sich bringe, sei schon die bloße Tatsache, daß sieben Jahre nach Eintritt des Friedens noch flemöe Truppen in einem der älteste» Kulturländer stehen, völlig unfaßbar und Niederdrücken-. Aber so lebhaft die Rheinprovinz auch die Befreiung ersehne, so dürfe doch eine vorzeitige Räumung nicht auf Kosten deS gesamten Vaterlandes erstrebt werden. Dankbar anzuerkeu- nen sei die wirtschaftliche Fürsorge, die das Reich und der Preußische Staat den besetzten und besetzt gewesenen Gebieten angeöeihen lasse. Der Oberpräsident kam dann auf die im Verhältnis zu dem übrigen Reiche besonders schlechte wirtschaftliche Lage der Rheinprovinz zu sprechen. Staat und Selbstverwaltung dürften nicht alb einander widerstrebende Mächte erscheinen. Sie müßten sich gegenseitig werten und schätzen als ergänzende Kraft auf dem Wege zum herrlichen Ziel. Der verpfändete französische Goldschatz Die Berhdndlnnge« über Rückgabe des französische« Golddepots noch in der Schwebe. Paris, 5. Azril. Zu der vom Londoner Korespondenten des „Petit Journal" gegebenen Meldung, nach der zwischen der Bank von Frankreich und England ein Uebereinkommen über die bevorstehende Rückgabe des Goldvfandes von achtzehn Millionen Pfund Sterling zustande gekommen sein soll verlautet jetzt, daß die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Die Bestrebungen zur Lösung des Albanien-Konflikts Berlin, 5. April. Die Entwicklung des Albanienkonfliktes geht, wie die Te.-Union an zuständiger Stelle erfährt, allgemin dahin, daß versucht wird, einen direkten Meinungsaustausch zwischen Albanien und Jugoflawien zustandezubringen. der die bestehende Spannung beseitigen soll. Ferner sind Bestrebungen im Gange, zu vermeiden, baß in Zukunft neue Zwischenfälle eintreten. Es soll eine Kommission ernannt werön, die keine direkte Funktion hat, aber im Augenblick weiterer Konflikte zur Untersuchung bereit stehen jL°?* ^ eU S' 1 ^ Beteiligung an dieser Kommission läßt sich noch nicht «Ersehen. Die deutsche Politik ist nach wie 6 e richtet, den Frieden zu erhalten. Wenn an Beteiligung an dieser Kommission ergeht, wird es sich diesem unter der Voraussetzung, daß die ^teiligten Staaten, Italien, Albanien und Jugoslawien ihr Einveritandnis erklären, beteiligen. Ein Kolleitivschritt der rÄ- x übrigens nicht erfolgt und ist auch nicht beabsichtigt. Rr. 42 . Jahrgang 1927. Japaner-Kämpfe in Hankau London, 5. April. Wie Reuter aus Schanghai meldet, ist «ach japanischen Nachrichten aus Hankau dort als Folge ernes Streites zwischen einem japanischen Matrosen und einem chinesischen Kuli das japanische Äonzessionsgebiet vom Pöbel gestürmt und geplündert worden. Bon japanischen Kriegsschiffen gelandete Matrosen mußten mit Maschinengewehren Vorgehen. Ueber zweitausend im Hankauer Konzessionsgebiet lebende Japaner suchten Zuflucht auf japanischen Kriegöschis- fen. Aus Nanking und Schanghai haben vier japanische Kriegsschiffe sofortige Order nach Hankau erhalten. Londo», 5. April. Tie englische Presse setzt heute ihre Bemühungen fort, durch sensationell aufgemachte Meldungen über angeblich ernste chinesisch-japanische Zusammenstöße in Hankau, die japanische Oeffentlichkeit zu beeinflussen. So wird jetzt gemeldet, daß japanische Kriegsschiffe infolge der Plünderungen in der japanischen Konzession in Hankau gezwungen gewesen seien, die Stadt zu bombardieren. Truppenteile Tschangtsolins im Bunde mit der Südarmee Paris, 4. April. Nach einer „Havas"-Meldung aus Peking verlautet dort, daß ein Teil der Truppen des Marschalls Tschangtsolins ein Geheimbünönis mit den Südtruppen abgeschlossen hat und im günstigen Augenblick zu ihnen . übergehen wird. London und die chinesische Krise Die Gründe für die Entsendung weiterer britischer Truppen nach China. London, 8 . April. Baldwin, Chamberlain und der Kriegsminister sind während des Wochenendes wegen der chinesischen Krise in London geblieben. Für die Entsendung weiterer Truppen nach China sind anscheinend die Möglich- .keiten der Ausdehnung der Gewalttätigkeiten gegen die Ausländer in nördliche» Bezirken, die Erweiterung des Per- teidigungskordons an der internationalen Niederlassung in Schanghai, sowie die Aufstellung beweglicher Streitkräfte zur Verteidigung britischer Jntereflen in abgelegenen Gebieten maßgebend gewesen. Aus Rangnon wird gemeldet, daß die chinesischen Nationalisten jetzt tatsächlich Herren der Lage in der Provinz Kunnan an der Grenze von Tonkin sind. Der Gouverneur der Provinz ain Amman, Fu, wurde von drei Offizieren gefangcngesetzt. Amman war bis jetzt Peking treu geblieben. Eine Note Amerikas an die Kantonregierung Nenryork, 4. April. Staatssekretär Kellogg hat jetzt die Note fertiggestellt, die die Kantonregierung wegen der Vorfälle in Nanking überreicht werden wird. Coolidge hat heute der Note zugesttmmt. Sie ist angeblich in ihren Forderungen sehr mäßig, aber trotzdem bestimmt gehalten. Unter anderem wird eine Entschuldigung wegen des Angriffes auf das Konsulat und die Bestrafung der Schuldigen sowie Schadenersatz verlangt. Me Rote wird in einer Abschrift auch den anderen an China interessierten Regierungen übermittelt werden. Die schwierigen Tangerverhandlungen London, 8. April. Wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, haben die französisch-spanischen Verhandlungen in der Tangerfrage bisher zu keinem Ergebnis geführt. In der vergangenen Woche hätten sowohl Frankreich als auch Spanien Großbritannien um Rat und Beistand gebeten. Beide Staaten hätten aber zur Antwort erhalten, daß die britische Regierung zur Zeit mit anderen Problemen voll beschäftigt sei. Paris und Madrid sollten daher versuchen, allein zu einer Einigung zu kommen. Falls ihnen jedoch das nicht gelingen sollte, würde die Zeit gekommen sein, Großbritannien und Italien um Rat anzugehen. ' v ' * ' Oeffnet Frankreich die Kriegsarchive? ki. Paris, den 8. April. Alle Regierungen, die an dem Weltkrieg teilgenommen haben, haben die Archive geöffnet, um die aus historischer Forschung sich ergebenden wahren Ursachen des Kriegsausbruches aufzuklären. Nur Italien und Frankreich schlossen sich von diesen Veröffentlichungen aus. Zu wiederholten Malen hat allerdings der Quai d'Orsay versprochen, seine diplomatischen Archive der Forschung zugänglich zu machen. Am 81. Januar 1928 ließ er erkläre«, daß er zur „Klassifizierung" der Archive schreiten und sich Der Birkenhof. Novelle von Clara Dressel. 4) (Nachdruck »e.botrn) Der Stadtgast hinwieder blickte in scheuem Mißtrauen auf die wuchtige Streitaxt. Sie forderte ja die nervige Kmft eines Urgermanen heraus, mit dem sich die nervöse Schmächtigkeit seines Leibes nicht messen konnte. Der Anblick dieses Echlacht- deils wirkte entschieden deprimierend auf ihn. Er kam ins Grübeln. „Sind wir Deutsche des zwanzigsten Jahrhunderts nun Dekadenten oder Uebermenschen?" fragte er sich. Da sah «r auf Gret. Die handhabte das Unding mit spielender Leichtigkest pnd löste somit di^ Frage aus das glücklichste. Er lächelte der Kraftmaid dankbar zu und dachte beruhigt: „Sie kann die Stammutter eines urwüchsigen Geschlechts werden mit ihrer robesten kernigen Gesundheit. Es hat noch gute Wege mit dem Niedergang, solange es noch solche Kern- mädel gibt." Gret konnte zwar nicht begreifen, warum er nicht lieber seine Kleidung nach Landessitte im Kasten bewahren wollte, sie hatte aber auch nichts dagegen, ein Dutzend Nägel in die Wand zu rammen, allerdings mit mehr Kraft als Grazie. Aber jeder Hieb saß mit unfehlbarer Sicherheit, und das war die Hauptsache. . Dann setzte sie ihrer Willfährigkeit die Krone auf, m dem sie sich Hänschens annahm, der sich weinend quälte, das nasse Zeug abzustreifen und laut nach Großmama jammerte. Da diese ahnungsvolle Dame aber für eine reichhaltige Ersatzgarderobe gesorgt hatte, so machte die Neuklcidung weiter keine Verlegenheit. Und wenn Gret auch hierbei viel überschüssige Kraft entwickelte und dazu eine unbeholfene Langsamkeit, so beruhigte sich doch das kleine Opferlamm allgemach: nun, und mit der Zeit brauchte man ja in den gesegneten Ferien nicht zu geizen. Nach diesem Intermezzo unternahm der Professor mit den Jungen einen Streifzug in den nahe» Wald, und hier fand er dann die unvermffchte Erholungsfreude, nach der fein ftadtmüdes Herz sich gesehnt. Auch die Kinder jubelten in erhöhter Daseinslust. Jedes schwirrende Käferchen entzückte sie, hinter den dicken Buchen konnte man prachtvoll Versteck spielen, und jedes sprudelnde Wässerchen wurde auf Tiefe und Gehalt geprüft. Ja, er Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. die Mitarbeit namhafter Historiker für die Veröffentlichung sichern wolle. Am IS. November d. I. konnte er „bereits" feststellen, daß. eine „erste Klassifizierung" der diplomatischen Dokumente begonnen sei und die Regierung die Veröffentlichung eines Gelbbuches mit den diplomatischen Urkunden und späterhin der auf die während des Kriegs gepflogenen Verhandlungen sich beziehenden Dokumente vornehmen werde. Es sollte auch eine Kommission für diese schwere und umfangreiche Arbeit — demnächst — ernannt werden. Es verging fast wieder ein Jahr, bis das französische Außenministerium am 28. September 1926 wissen ließ, daß „diese Vorarbeiten wegen der überaus großen Zahl der für die vorbereitende Klassifizierung der Dokumente methodisch betrieben würden". Dabei blieb es. Weder hat bis jetzt das angekündigte Gelbbuch das Licht der Welt erblickt, noch wurde je die Kommission der qualifizierten Köpfe ernannt. Zugegeben, daß die Arbeit nicht ganz einfach und auch etwas zeitraubend ist, so dürfte aber das Beispiel Deutschlands und Rußlands, die schon seit Jahren die diplomatischen Akten veröffentlichten oder veröffentlicht haben, und auch Englands, das die Un- " tersuchung vor nicht allzu langer Zeit abschloß, den Beweis dafür geliefert haben, daß bei einigermaßen gutem Willen sich in verhältnismäßig kurzer Zeit doch recht wertvolle Arbeit leisten läßt. „Fürchten Sie nicht," fragte die französische Liga für Menschenrechte Ende Februar d. I. beim Quai d'Orsay an, „daß man die Gründe für diese unerklärliche Verzögerung sucht und vermutet, Frankreich müsse Gründe haben, um der Welt zu verheimlichen, was diese zu wissen berechtigt ist?" Nicht nur in Deutschland, sondern auch in England und Amerika stellt man seine eigenen Betrachtungen über die Geheimnistuerei der französischen Regierung an. Auch in einem großen Teile der französischen Oeffentlichkeit versteht man nicht, daß die französische Regierung sich hinter hartnäckigem Schweigen verschanzt, wenn sie die behauptete weiße Weste hat. Im „Oeuvre" unternimmt nun der Vorsitzende der französischen Liga für Menschenrechte, Victor Basch, einen neuen Vorstoß, um die Regierung zu etwas größerer Eile anzuspornen. Daß Herr Basch dabei von guten Vorsätzen geleitet ist, ist durchaus anzunehmen, da ja in dem Gründungsstatut der Liga ein Abschnitt steht, daß sie sich die Aufklärung der Kriegsursachen zum Ziele setzt. Ihr Vorsitzender ist allerdings durch seine Vergangenheit etwas belastet. Nicht nur unternimmt er gleichzeitig mit seinem Druck auf die französische Regierung einen Vorstoß gegen die Reichsregierung, weil diese gegen Vaterlandsverrüter und notorische Besudler des eigenen Vaterlandes ein Untersuchungsverfahren einleiten ließ, sondern er schrieb auch im Jahre 1918 ein Buch mit dem Titel „Der Krieg von 1914 und das Recht". In diesem Buche stand u. a., daß am Kriegsausbruch in erster Linie Oesterreich, in zweiter Deutschland schuld sei und außerdem, daß Rußland erst zur Abwehr gegen die deutschen und österreichischen „Angrifsspläne" die allgemeine Mobilisierung angeordnet habe. Daß er mit dieser Behauptung etwas voreilig war, gibt Herr Basch jetzt auch zu, hält aber nach wie vor an seiner, durch alle bisherigen Veröffentlichungen widerlegten Beurteilung der Kriegsschuld fest. Allmählich scheinen ihm doch gewisse Bedenken gekommen zu sein, da er im „Oeuvre" schreibt: „Die Stellurg, die ich ergriffen habe, ist nur ganz provisorisch. Es ist möglich, daß die Veröffentlichung der Dokumente aus unseren Archiven diejenigen von Grund aus ändern läßt, die wie ich denken. Die Wahrheit, wie sie auch sein möge, ist aber immer besser als Unwissenheit oder Irrtum. Geistes- oder Eharakterschwäch- linge sind diejenigen, die die Wahrheit fürchten". Leider wird die Liga für Menschenrechte auch jetzt wieder denselben Mißerfolg zu verzeichnen haben wie bisher. Die Möglichkeit, die französischen Archive dem Studium und der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen, wird zum mindesten solange nicht bestehen, wie ein Pomcarö auf dem Präsidentenstuhle sitzt. Ob nachher, ist auch uoch eine große Frage. Der Dawesplan. In der Züricher Volkswirtschaftlichen Gesellschaft erstattete der Altdirektor der Schweizerischen Kreditanstalt Hermann Kurz einen Bericht über den Dawesplan und seine Wirkungen. Nach der Neuen Züricher Zeitung kam er dabei zu folgenden interessanten Schlußfolgerungen, die die deutsche Politik von 1924 in vollem Maße rechtfertigen: „Im Dawesplan haben wir nicht nur die klare, eindeutige Lösung der Frage der Reparationszahlungen zu erblicken, sondern eine der Grundlagen für die wirtschaftliche Sanierung Europas: für Deutschland bedeutete er die Rettung aus einer schweren Notlage. Die Sachverständigen hatten in wenigen Mo- war wirklich unterhaltend dieser wundervolle Wald, den Kurts durch Märchenbücher angeregte Phantasie überdies noch mit geheimnisvollen Lebewesen bevölkerte, die Hänschen leider mit dem besten Willen nicht sehen konnte und wenn er seine gläubig spähenden Blauaugen auch bis Teetassengröße ausriß. Sie kehrten ebenso seelenvergnügt als wanderhungrig heim, und das sehr frugale Abendessen, Eier, saure Milch mit kräftigem Schwarzbrot mundete, als bäte es erlesene Leckerbissen. Später, als, die müden Kinder nach dem Bett verlangt, schleuderte Professor Steiger, eine gute Zigarre im Munde, durch die stillen dämmerdunklen Felder. Wie unsagbar beruhigend dieser tiefe Landfriede war. Ja, die traumhafte Abgeschiedenheit, die patriarchische Einfachheit war gerade das Schöne an dem Ferienasyl, just das, was seine überreizten Nerven brauchten. Und so lösten sich die Erregungen des Tages in süße, behagliche Zufriedenheit. Es ließ sich doch wohl aushalten in dem wunderlichen Gehöft. Am nächsten Morgen freilich zeigte sich die Idylle, trotz des lachenden Himmelblau, von einer weniger heiteren Seite. Zunächst fühlte sich Hans von der robusten Dorfmaid nicht zart genug beim Ankleiden behandelt und eröffnete unter wahrem Kriegsgeheul ein regelrechtes Gefecht mit ihr. Natürlich zog er den kürzeren und erhielt dazu eine handgreifliche Vermahnung von Papa, der sich derartige Fehden in aller Herrgottsfrühe entschieden verbat. Herauf jammervolles Weinen und stürmisches Verlangen nach der guten Großmama von seiten des doppelt gemaßregelten Bübchens, bis die Anmeldung des Frühstücks dem unharmonischen Konzert endlich Schluß machte. Gret hatte dasselbe auf des Professors Wunsch wieder in der Laube serviert, in der er di. Mahlzeiten um so lieber einnahm, als es im Hause überhaupt keinen besonderen Speiseraum zu geben schien. Doch als er nun mit Zeiiungen und Rauchmaterial versehen eintrat, in Erwartung einer behaglichen Morgenstunde, fuhr er unangenehm berührt zurück. Auf dem groben, unbedeckten Tisch, an dem, untrüglichen Zeichen nach, eben noch die Hühner getäfelt, stand das Geschirr Dienstag, den 5. April 1927. naten erreicht, was der Reparationskommission und den Regierungen während Jahren nicht gelungen war. Deutschland ist bis jetzt seinen „Dawes-Verpflichtungen" nachgekommen, ohne daß sich die geringste Störung für seine Währung oder seinen Staatshaushalt daraus ergeben hätte. Wenn sich auch die Leistungen erst in den nächsten Jahren voll auswirken werden, so ist nicht zu bezweifeln, daß Deutschland den eingegangenen Verpflichtungen wird Nachkommen können. Als direkte Folge des Dawesplanes steht Deutschlands Währung heute gesichert da, ohne diese Voraussetzung wäre die Stabilisierung nicht denkbar gewesen. Ja, es bietet sich heute das beachtenswerte Schauspiel dar, daß das besiegte Deutschland mit gesunder Goldwährung dasteht, während Frankreich noch um die Stabilisierung des Frankens kämpft. Die Stabiiifierungskrise in Deutschland hat verhältnismäßig rasch einem Aufstiege der Konjunktur Platz gemacht, der unter dem zunehmenden Vertrauen ausländischer Kapitalgeber geradezu zu einer Haussebewegung am Effektenmarkt führte. Man darf sich füglich fragen, wo Deutschland ohne den Dawesplan heute stünde, und der Widerstand, der sich immer noch dagegen geltend macht, ist nicht ohne weiteres verständlich. Als berechtigt muß dagegen das Begehren nach Kapitalisierung der Schuldsumme angesehen werden: so könnte in einer Reihe von Jahren durch Aufnahme von Anleihen die ganze Summe abgetmgen werden und es verschwände damit eine mächtige Sperre auf dem Wege zur Bölkerversöhnung. Koch und Stresemanns Kulturrede Berlin, 3. April 1927. Der Parteivorsitzenöe der Deutschen Demokratischen Partei, Koch, äußerte sich dem Demokratischen Zeitungsdienst zufolge über die gestrigen Ausführungen Dr. Stresemanns wie folgt: „Ich bin hoch erfreut über die entschiedene Stellungnahme, die Dr. Stresemann zur Frage des Konkordats eingenommen hat unk, vergesse gern die kleine Polemik, die er bei dieser Gelegenheit gegen die Deutsche Demokratische Partei geführt hat. Ich darf aber feststellen-. Tie Deutsche Demokratische Partei hat niemals einen Zweifel daran gelassen, daß sie weder durch ein Reichs- noch durch ein preußisches Krmkordat auch nur die geringsten Rechte des Staares auf die Schule zugunsten der Kirche preisgeben wird. Diesen Standpunkt hat übrigens bei Abschluß des bayerischen Konkordats, ans das Dr. Stresemann verweist, die Deutsch« Demokratische Partei als einzige nichtsozialistische Partei in einem entschiedenen Kampf vertreten. Wir hoffen, daß die Deutsche Volkspartei in Zukunft bei der Abfassung des Reichsschulgesetzes, für das sie als der Koalition angchörende Partei eine besondere Verantwortung trägt, die gleiche Entschiedenheit ausbringen wird, eine Entschiedenheit, die wir bei den früheren Beratungen über ein Schulgesetz im Bildungsausschuß auf Seiten ihrer Vertreter manchmal vermißt haben. Mir erscheint es angebracht, daß diese für das Kulturleben des deutschen Volkes so wichtige Frage zwischen den Parteien nicht im Wege einer polemischen Konkurrenz, sondern im Wege einer versöhnlichen Verständigung geklärt wird." Die „Germania* zur Rede Stresemanns Berlin, 3. April. Die „Germania" bemerkt zu der Rede Dr. Stresemanns u. a.: „Das ist das Allererstaunlichste an der Rede, daß sie von dem Außenminister des Deutschen Reiches gehalten worden ist. Ist der Herr Minister blind gegen die Bedeutung des Vatikans als eines gewichtigen außenpolitischen Faktors? Kein Land ist so sehr wie Deutschland darauf angewiesen, daß die geistigen, die moratt'chen Kräfte in der internationalen Politik gestärkt werden. Kein Land hat von festerer Verankerung und von der Ausbreitung des Völkerrechts und des Völkerbundsgedankens zu gewinnen als Deutschland. Mit dieser Situation scheint sich der Vorstoß schlecht zu reimen, den Stresemann jetzt unternommen hat. Tie Rede ruft uns die unwahren Gerüchte ins Gedächtnis, die bei Gelegenheit der Bildung der jetzigen Reichsregierung über ein angebliches Komplott zwischen der Kurie und den Deutschnationalen wieder und wieder verbreitet wurde. Man versteht jetzt vielleicht etwas besser, wieso die Gerüchte damals — allen Dementis zum Trotz — nicht verstummen wollten. Im übrigen ist der Trompeten, stoß des Führers der Deutschen Volkspartei als ein Partei- politisches Manöver zu werten." Eine Erklärung der Deutschen Volkspartei Berlin. 6. April. Parteioffiziös wird mitgeteilt: Die Ausführungen, die der Reichsaußenminister Dr. Strese. mann,auf der Fünften Allgemeinen Knltixrtagung der Par- nicht zierlich geordnet, sondern massig aufgestapelt und zwar in einem ebenso unsauberen als schadhaften Zustande. Das war nun wieder eine recht gemischte Sommerfreude. Zn nicht gerade melodischen Tönen rief er nach der Gret. Allein, auch Sphärenklänge hätten sie vermutlich nicht herbeigelockt, es war absolut nichts von ihr zu sehen oder zu hören. Und da im ganzen Gehöft wieder jene unheimliche Todesstille herrschte, die das Vorhandensein dienstwilliger Bewohner ausschloß, so ließ er sich resigniert an der unappetitlichen Tafel nieder. Die Kinder, in dieser Hinsicht weniger anspruchsvoll, waren schon über ihr Frühstück hergefallen. Der sichtliche Genuß, mit dem sie Brot und Milch vertilgten, wirkte dann schließlich anfeuernd auf ihren noch zögernden Vater. Er griff nach der braunen henkellosen Kaffeekanne, bei deren schwieriger Handhabung ihm der Angstschweiß ausbrach und die Finger verbrannten, und entlockte ihr endlich eine trübe, gelbbraune Brühe, die mit dem aromatischen Trank der Levante nicht das geringste gemein hatte. Schaudernd schob er die geborstene Tasse mit dem zweifelhaften Gebräu fort und langte nach dem Milchtopf. Einen Fingerhut voll Milch sonder Arg und Tücke hatten die ausgehungerten Buben noch drin gelassen. Er begnügte sich damit und labte sich im übrigen an einer Zigarre. Die Sorgenbrecherin verfehlte auch hierin nicht ihre friedliche Mission. Und danebenwirkte sie gewissermaßen gedankenlösend, denn des Professors Augen blitzten plötzlich auf. Durch sein Hirn zuckte eine angenehme Vision. — Großmamas Liebesgaben, unter denen sicher auch die gewohnte Kaffesorte vorhanden war. Wie schämte er sich jetzt des Spottes, mit dem er der umsichtigen wackeren Dame gelohnt. Schließlich aber, was half ihm der gute Kaffee, solange er noch in der Büchse steckte. Nur mit Grets Hilfe konnte §er in einen mundgerechten Trank umgesetzt werden. Es hieß vor allem, die Flüchtige zu ergattern. Mit vereinter Lungenkraft fahndeten er und die Kinder nach dem entschwundenen Hausgeist. Vergebens. War diese letzte Magd etwa dem letzten Knecht gefolgt? Ein unheimlicher Gedanke, den nur die Hoffnung abschwächte, daß sie vielleicht zeruhen werde, wenigstens zur Mittagszett wieder anzutreten, und man dann Gelegenheit fände, die Herstellung eines trinkbaren Nachmittagskaffees mit ihr zu besprechen. Nr. 42. Jahrgang 1927. rer noet ruuurpottttscye Fragen gemacht hat. sind in der Presse zum Teil dahin verstanden worden, als ob der Reichs- außenminister eine verstärkte Aktivität der Partei in der Krage des Konkordats gefordert hätte. Tatsächlich hat der Reichsaußenminister ganz allgemein ausgeführt, baß es sein Wunsch sei. daß die kulturpolitischen Fragen mehr in den Mittelpunkt der politischen Arbeit der Partei gestellt werden möchten. Me Kulturpolitik drr Dolkspartei. Berlin, 4. April. Der Kampfruf Dr. Stresemanns gegen den Abschluß eines Konkordats hat in politischen Kreisen einen starken Eindruck hinterlassen. Seine gestrige Rede wird in parlamentarischen Kreisen als die Einleitung einer großen politischen Aktion der Deutschen Dolkspartei gegen die Konkordatsbestreb- ungen gewertet. Die Feststellung Stresemanns, daß nach den Vorgängen in Bayern die Frage nicht mehr hieße: „Reichskonkordat oder nicht?", sondern „Reichskonkordat oder Landeskonkordat?" wird dahin ausgelegt, daß die preußische Fraktion der Deutschen Volkspartei verstärkte Anstrengungen machen wird, durch Verhinderung des Konkordats den Einfluß auf die preußische Regierung zurückzugewinnen. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß die volksparteilichc Fraktion entsprechend dem gestrigen Beschluß der Kulturtagung der Partei alsbalo einen ähnlichen Beschluß fassen wird, wie die demokratische Fraktion, die jedes Konkordat, in das Schulfragen einbezogen werden, für untragbar erklärt hat. Es ist wahrscheinlich, daß noch vor Ostern die volksparteiliche Landtagsfraktion sich mit dieser Frage beschäftigen wird und es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß es über kurz oder lang zu politischen Verhandlungen zwischen Dolkspartei und Demokraten kommt, deren Ziel die Verhinderung eines schulpolitischen Konkordats wäre. Me Demokraten zur Konkordats frage. 2m Reichstage haben die Demokraten eine Entschließung eingebracht, in der die Reichsregierung ersucht wird: 1. kein Konkordat abzuschließen, das die Freiheit der kulturpolitischen Gesetzgebung beschränkt und dessen Bestimmungen Fragen des Bildungswesens berühren, 2. auf alle Länderregierungen im gleichen Sinne einzuwirken, 3. in dem angekündigten Reichsschulgesetz, a) die verfassungsmäßigen Rechte der Gemeinschaftsschule, b) die Schulfreiheit des Staates, c) die Beamtenrechte und die Gewissensfreiheit des Lehrers zu gewährleisten und d) der Tätigkeit des deutschen Schulwesens durch Zersplitterung vorzubeugen. Demokratischer Wahlkreispartettag Magdeburg, 5. April. Die Demokratische Partei im Wahlkreis Magdeburg-Anhalt hielt am Sonntag hier ihren Parteitag ab, dem am Samstag eine Beamtentagung vorausge- gangen war. Am Sonntagvormittag fnd eine öffentliche Bersammlung statt, in der Abgeordneter Staatspräsident a. D. Hummel, ausgehend von der Regierungskrise, zunächst über die außenpolitische Lage sprach und sich dann mit de« Brief an General Reinhardt auseinandersetzte. Der Redner betonte, daß es Pflicht jedes Parlamentariers sein müsse, mit der Kritik an der Reichswehr nicht zurückhalten, um Schäden sofort abzustellen. Abgeordneter Dr. Bohner beschäftigte sich dann mit Kul- turfragen, besonders mit der Frage eines Konkordats. Zum Schluß der Tagung wurde eine Entschließung angenommen, die sofortige Bereitstellung von Mitteln zur Beschleunigung des Baues des Mittellandkanals fordert. Deutscher Reichstag 305. Sitzung. - Vizepräsident Dr. Rießer eröffnet die Sitzung um 11 Uhr. Die erste Lesung des Arbeitszeitnotgesetzes wird fortgesetzt. Abg. Dr. Pfeffer (DVP.) stellt mit Bedauern fest, daß alle sozialen Verträge, die jetzt zum Abschluß gelangen, stets zu Kampfobjekten zwischen den verschiedenen Volksschichten gemacht werden. Das treffe gerade für die Frage der Arbeitszeit zu. Die Arbeitgeber sind an den allgemeinen Zuständen nicht schuldlos. Aber wenn der Streit um die Arbeitszeit so böse Formen angenommen hat, so trifft die Hauptschuld daran die Gewerkschaften. Die Deutsche Volkspartei strebt eine Verkürzung der Arbeitszeit an, aus kulturellen, gesundheitlichen und anderen Gründen. Man müsse dies aber der organischen Entwicklung der Wirtschaft überlassen. Man könne nicht feststellen, daß mit der Ueber- stundenwirtschaft Mißbrauch getrieben worden ist. Nur zwei Fälle, in Frankfurt a. M. und in Leipzig, liegen aus ganz. Deutschland vor, in denen hohe Geldstrafen verhängt worden seien. Abg. Rädel (Komm.) erklärt, das Wehgeschrei der Arbeitgebersyndici sei nichts neues. Der Kampf der Arbeiterschaft um den Achtstundentag sei ein Kulturkampf. Er sei notwendig, weil die Kapitalisten in der Ausnutzung der Arbeitskraft keine Grenze kennten. Das Proletariat kämpfe um seine Existenz. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns wirft dem Vorredner Uebertreibung vor. Die Ueberstundenzuschläge stehen nicht nur auf dem Papier. Sie gelten, nur nicht für einzelne Arbeiter, die Vorbereitungs- oder Aufräumungsarbeiten vor oder nach der allgemeinen Arbeit zu verrichten haben. Tie Arbeiter hätten sich lieber für zweimal vier als für viermal zwei oder sechsmal eine Ueberstunde entschieden. 90 bis 95 Prozent aller Ueberstunden würden zuschlagpflichtig' sein. Ds Ueberschichtenabkommen im Ruhr- bergbau sei zum 31. Januar 1928 kündbar. Solche Abkommen gelten auch nur weiter, wenn sie freiwillig zustande gekommen seien, das sei beim Ruhrabkommen der Fall. Man solle im übrigen die Schiedssprüche und Verbindlichkeitserklärungen nicht ungerecht kritisieren. Sie seien doch ln der Zeit nach der Inflation, wo die Gewerkschaftskassen leer gewesen seien, vor allem den Arbeitern zugute gekommen. Täe Schwierigkeiten gehen im übrigen nicht von Deutschland aus, sondern von England. Dort wolle man Len Achtstundentag nicht einmal im Berabau unter Tage burchführen. Mißbräuche seien tatsächlich vorgekommen, namentlich in der Schwereisenindustrie und im Bergbau. Das neue Gesetz sei also nötig, zumal die Unternehmer der Wirtschaftskrise immer noch durch lange Arbeitszeit und niedrige Löhne beizukommen versuchten. Auf Einzelheiten könne man im Ausschuß eingehen. Ter Minnter schloß mit der Hoffnung, der Ausschuß möge seine Arbeiten so beschleunigen, daß das Gesetz noch vor Ostern verabschiedet werden könne. Abg. S,ch neider- Berlin (Dem.» wein darauf hin. baß der Mißbrauch der Ueberstunden durchaus nicht vereinzelt fei. Tie neue gesetzliche Regelung sei daber unbedingt erforderlich. Durch freiwillige Vereinbarungen sei es nicht gelungen, die Arbeitszeir zu verkürzen. Der Zuschlag verliere seinen Wert, wenn immer geprüft werde, ob die Ueber- Ltunden einen produktiven Wert gehabt hätten. Ungeklärt lei die Frage, wie groß die Zahl der Arbeiter eines Be- D« Landbote * Sinsheimer Zeitung. irte&e8 fein dürfe, die zu Ueberstunden über iv Stunden verpflichtet werden darf. Die Bestimmungen der Vorlage seien so schwierig, daß sie erst verständlich gemacht werden müßten Wir wollen, so erklärt der Redner, einen friedlichen Ausgleich und machen unsere endgültige Stellungnahme vom Ausaana der Ausschußarbeiien abhängig. Abg Schwarzer-Oberbayern (BVP.) erklärt, wenn man die sozialdemokratischen und kommunistischen Reden höre so könnte man glauben, daß es sich hier um eine Verschlechterung der Arbeitszeit handle, während eine Verbesserung unbestreitbar sei. Tie Mißbräuche mit der freiwilligen Mehrarbeit würden durch die Vorlage beseitigt. Wo Ueberstunden geleistet würden, sollten sie auch mit Zuschlägen bezahlt werden. Alles in allem bandelt es sich demnach um einen Fortschritt und nicht um einen reaktionären Gewinn. i‘ Abg. Holzammer (W.Vgg.) fürchtet, daß das Gesetz .nicht denjenigen treffe, für den es bestimmt sei. nämlich die Industrie, die es immer gut verstanden habe, sich dem Zwang zu entziehen. Handwerk und Gewerbe hätten sicher einmal die Kosten des Gesetzes zu tragen. Die Wirtschaftliche Vereinigung lehne den Gesetzentwurf ab, weil sie nur Nachteile und Gefahren für das Handwerk von ihm befürchte. Abg. Thiel (DVP. betont, es gebe zahlreiche Fälle, in denen das Ausmaß der Ueberstunden als unerträglich bezeichnet und auch Sonntagsarbeit festgestellt werden müffe. Die Banken hätten vielfach Ueberstundenarbeit bis 10 und 11 Uhr abends ausführen lassen. Verstöße gegen die Sonntagsarbeitsbestimmungen und die Dauer der Mehrarbeit seien äußerst zahlreich festgestellt. Vielfach hätten die Unter- nehmer dauernde Ueberschreitung der Arbeitszeit noch dazu bei Entlohnung unter Tarif verlangt. Die Bestrafungen seien fast alle auf Anzeigen des D.H.V. erfolgt. Durch die zahlreichen Beispiele, die man feststellen könne, sei die Notwendigkeit des Gesetzes zur Genüge erwiesen. Damit ist die erste Beratung beendet. Der Gesetzentwurf wird dem sozialpolitischen Ausschuß überwiesen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes, über Wahlen nach der Reichsversicherungsordnuna und dem Angestelltenversicherungsgesetz. Abg. Richter (Soz.) begrüßt es. daß durch den Entwurf eine einheitliche Regelung der Mahlzeit herbeigeführt und auch andere Mißstänöe dadurch beseitiat würden. Der Redner wendet sich dann gegen frühere Angriffe es Abg. Vaetzold (W.Vgg.) und Beythien (DVP.) aeaen die »sozialistisch durchgesetzten" Ortskrankenkaffen. Die Vorwürfe gegen Errichtung teuerer Krankenkaffen-Palastbauten träfen nicht zu. Die Vorlage wurde in zweiter und dritter Lesung angenommen. Die Wahlperiode beträgt danach fünf Jahre. Es folgt die zweite Beratung eines von den Sozialdemokraten eingebrachten Gesetzentwurfes, wonach bis zu einer anderweitigen gesetzlichen Regelung Jnnungskrankenkassen nicht mehr errichtet werden sollen. Der Soziale Ausschuß hat diesen Gesetzentwurf abgelchnt und ersucht in einer Entschließung die Reichsregierung, darauf hinzuwirken, daß die Voraussetzuntzen für die Errichtung neuer Land-, Betriebs- oder Jnnungskrankenkassen von den Oberverfiche- rungsämtern schärfer geprüft und die Genehmigung bei der Bildung leistungsunfähiger Kassen versagt wirb. Der sozialdemokratische Gesetzentwurf wirb nach kurzer Aussprache abgelehnt und die Ausschußentschließung angenommen. Es folgt die Beratung des Berichts des Sozialausschuffes über Leistungen und Beiträge in der Invalidenversicherung. Der Ausschuß schlägt eine Novelle zur Invalidenversicherung vor. Danach sollen nach der Höhe des wöchentlichen Arbeitsverdienstes für die Versicherten sieben Lohnklassen gebildet werden und zwar: Klasse 1 bei einem Verdienst bis zu 6 Mark, Klasse 2 bis zu 12 Mark usw. in regelmäßigen Abständen bis zu Klasse 7 bei einem Verdienst von mehr als 36 Mark. Als Wochenbeitrag werden erhoben in Lohnklasse 1: 30 Pfg., in Lohnklasse 2: 60 Zfg. usw. bis zu 2 Mark in Lohnklaffe 7. Abg. Karsten (Soz.) hält die vorgeschlagene Regelung für unzureichend.und fordert eine Erhöhung der Rente. Abg. Frau Arendsee (Komm.) bekämpft die Sozialdemokratie, die nicht mehr die Interessen der Arbeiterschaft km Auge habe, sondern nur gern wieder in die Regierung hineinmöchte. Das Arbeltszeltnotgefetz vor dem Reichstag Berlin, 5. April. Der Reichstag erledigte gestern das Arbeitszeitnotgesetz in erster Lesung und überwies die Vorlage dem sozialpolitischen Ausschuß, der bereits am Dienstag feine Arbeiten aufnehmen wird. Brauns verteidigt das Notgesetz. Berlin, 5. April. Im Reichstag erwiderte gestern Reichs- arbeitsmiuister Dr. Brauns bei der Beratuna des Arbeitszeitnotgesetzes aüf verschiedene Kritiken an dem Entwurf. Er erklärte, die Ueberstundenzuschläge stünden nicht nur auf dem Papier. Sie gälten nur nicht für einzelne Arbeiter, die Vorbereitungs- oder Anfräumungsarbeiten vor oder nach der allgemeinen Arbeitszeit zu verrichten haben. Die Bergarbeiter selbst hätten sich lieber für zweimal vier als für viermal zwei oder sechsmal eine Ueberstunde entschieden. 90 bis 95 Prozent aller Ueberstunden würden zuschlagspflichtig sein. Das Ueberschichtenabkommen im Ruhrbergbau sei bis zum 31. Januar 1928 kündbar. Solche Abkommen gälten auch nur weiter, wenn sie freiwillig zustandegekommen seien. Das sei aber beim Ruhrabkommen der Fall, da eine Verbindlichkeitserkläruua nicht nötig ge- ovesen sei. Aus Rah und Fern. * Sinsheim, 5. März. (Dortrag). Auf Veranlassung des Vereins Bad. Heimat sprach gestern Abend Herr Baurat Koch aus Heidelberg über das Stift in Sinsheim und die Ergebnisse der neuesten Ausgrabungen. Dem Bortrag wurde begreiflicherweise so großes Interesse entgegengebracht, daß der Raum in der Oberrealschule sich viel zu klein erwies und die Besucher weitaus nicht alle zu fassen vermochte. Herr Baurat Koch hat eine langjährige Forschertättgkeit auf dem Gebiet der Klosterbauten ausgeübt und als Leiter der Um- und Neubauten auf dem Stift auch die Ausgrabungen geleitet, welche die früheren Feststellungen bestätigt und erweitert und genaue Aufschlüsse über die ganze Klosteranlage gebracht haben, über die bisher noch große Zweifel bestanden. Nach einem kurzen baugeschichtlichen Ueber- duck über die Entstehung und die Schicksale des Stifts im Laufe der Jahrhunderte trat der Vortmgende in die Erläuterung der baulichen Anlage, die um das Jahr 1100 entstanden ist, ein. An Hand einer Reihe von Zeichnungen und Vergleichen mit ähnlichen Klosteranlagen und den Stichen Merlans wurde mit zwingender Logig nachgewiesen, wie das Stift bei der Erbauung angelegt war und nach wiederholter Zerstörung wieder ausgebaut worden ist. Verschiedene Bruchstücke an der Ruine der Kirche lassen erkennen, wie dieselbe mit ihren beiden Seitenschiffen ehemals beschaffen war. Die Ausgrabungen aber, welch« die Grundmauern des Kreuzganges und eines Seitenschiffes! bloslegten, bewiesen klar, daß die übrigen Gebäulichkeiten des Klosters gegen Nordosten an die Kirche angebaut waren und etwa den heutigen Garten zwischen den Werkgebäuden und dem Verwaltungsgebäude umschlossen haben. Rekonstruktioe Zeichnungen ließen erkennen, wie die Kirche und die übrigen Bauten ausgesehen haben müssen und welchen Gesamteindruck die ganze Klosteranlage gemacht haben dürfte. Der klar aufgebaute Portrag machte es den Zuhörern leicht, den äußerst interessanten Ausführungen des Redners zu folgen und sich hineinzudenken in die Pläne altertümlicher Baukunst. Erfreulich wäre, wenn die Andeutung des Vortragenden in Erfüllung ginge und die Stiftskirche eines Tages in ihrer altertümlichen Form wieder aufgebaut würde. Die Zuhörerschaft dankte dem Vortragenden, dem Herr Landrat Strack für seine Bemühungen noch besonderen Dank ausspmch, mit reichem Beifall. Sinsheim, den 5. April 1927. * Fahrpreisermäßigung zum Besuche ausländischer Mustermessen. Tie Hauptverwaltung der Deutschen Reichs- bahngesellschaft hat sich bereit erklärt, den Besuchern ausländischer Mustermeffen aus Deutschland eine Fahrpreisermäßigung von 25 v. H. der regelrechten Fahrpreise auf Strek- ken der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft zu gewähren. * Der Kamps um die Einheitskurzschrift. Der Steno- graphenverbanö Stolze-Schrey und der Deutsche Stenographenbund Gabelsberger haben an die Regierungen des Reiches und der Länder eine Eigabe gerichtet, in der sie eine alsbaldige Aenderung der deutschen Einheitskurzschrift verlangen. Zur Begründung dieser Forderung wird u. a. erklärt: Die deutsche Einheitskurzschrist ist im Oktober 1924 trotz heftiger Einsprüche gegen ihre unvollkommene Form' von Seiten aller fortschrittlichen Kurzschriftgemeinschaften, hervorragender stenographischer Wissenschaftler und weiter Kreise aus Handel und Industrie sowie aus der deutschen Geisteswelt durch einen Verwaltungsakt ius Leben getreten. Eingaben von 500 Studiendirektoren, von den amtlichen Stenographen des Reichstag, Reichswirtschaftsrats und des Preußischen Landtags und von zahlreichen Stenographenverbände der verschiedenen Systeme um Ueberprüfung und Umarbeitung dieser Schrift, sind unberücksichtigt geblieben. Tie Einsprüche und die Kritik richteten sich insbesondere gegen die schwere Erlernbarkeit des Systems, seine mangelhafte Deutlichkeit, die vielen Verwechselungsmöglichkeiten der Schrift und die Unvollkommenheit der Systemurkunde. Die Berechtigung dieser Kritik hat sich alsbald nach Einführung der Einheitskurzschrift erwiesen. Das angestrebte Ziel, eine allgemeine Kurzschrift für Deutschland zu schaffen, ist mit der vorliegenden Form nicht erreicht worden. Es wird sich nur dann verwirklichen lassen, wenn es gelingt, in einer alsbald vorzunehmenden Revision eine einwandfreie Form des Systems zu finden. Ein weiteres Hinauszögern der dringend notwendigen Reform würde den Schaden, der mit der überstürzten Einführung der Einheitskurzschrift in einer unzeit- ßern, da der Kreis derer, die amtlich zur Erlernung des Sy- tzern, da der Kreis derer, die amtlich zur Erlenung des Systems verpflichtet sind, naturgemäß wächst, und eine umso größere Zahl später zum Umlernen gezwungen ist. * Briefzustellung «ud Hausbriefkasten. Jedermann hat ein Interesse daran, seine Post so schnell und früh wie möglich zu erhalten. Da die Finanzlage der Deutschen Reichs- poft auf absehbare Zeit die Rückkehr zu den Vorkriegsverhältnissen nicht zuläßt, sollte eine Beschleunigung der Briefzustellung mit anderen Mitteln erstrebt werden. Einen Weg dazu bietet die Anlage von Hausbriefkästen, die für alle Wohnungen im Flur jedes Hauses oder am Vorgarten anzubringen und mit einer Klingelleitung zur Wohnung des Briefkasteninhabers zu versehen wären. Solche Briefkasteneinrichtungen sind in der Oeffentlichkelt bereits sehr beliebt, weil dadurch eine raschere Briefzustellung erreicht wirb und auch andere Personen (Zeitungsfrauen, Besucher usw.) sich gerne der Einrichtung bedienen. Das Anschaffen und Anbringen von einzelnen Briefkasten an den jeweiligen Wohnungen, die damit verbundenen Beschädigungen an Türen und Wänden, deren Wiederherstellung mit fühlbaren Unkosten verknüpft ist. fallen weg. was sicher jeder Hausbesitzer freudig begrüßen wird. Die Mühe, die Post selbst aus dem Briefkasten im Erdgeschoß abzuholen, lassen sich die Bewohner bei den sonstigen Annehmlichkeiten nicht verdrießen. Da zudem die Kosten der Anlage nicht hoch sind, sollten die Hausbesitzer von dem auch in ihrem Vorteile liegenden Verfahren in großem Umfange Gebrauch machen. Zum mindestens sollte kein Neu- oder Umbau ohne eine solche Vriefkastenanlage bleiben. Zu jeder Auskunft in der Sache, Besprechungen, Vorlage von Musterabbildungen usw. sind die Zustell-Postämter gerne bereit. ' K Waibstadt, 5. April. (Handarbeitsausstellung.) Vor einigen Tagen fand im alten Schulhaus eine Ausstellung von Handarbeiten der hiesigen Handarbeitsschule statt. Die zur Ausstellung gelangenden Arbeiten wurden allgemein bewundert und bewiesen, daß die Schule unter Leitung der Industrielehrerin Frau Rasa Diehm in bestbewährter Hand liegt. » Neckarbischofsheim, 5. April. (Konfirmation.) Am gestrigen Sonntag wurden in der hiesigen Stadtkirche 32 Kinder <18 Knaben und 14 Mädchen) konfirmiert. Der durch Herrn Pfarrer Christ vor- genommenen Einsegnung wohnte die Kirchgemeinde in großer Zahl an. Leider war das Weiter wenig günstig; ein regenschwerer, grauer Himinel überspannte die sprossende Erde, es war kühl und windig» CEb Weiler, 5 . April. (Verschiedenes.) Aus der hiesigen Volksschule wurden dieses Jahr 12 Mädchen und 5 Knaben entlassen. Zur Neuaufnahme gelangen 11 Kinder. — Dreschmaschinenbesitzer Georg Rudy, der in seinem hohen Alter noch tatkräftig mithalf, wurde von seinem Fuhrwerk überfahren, als er den Wagen gegen Rücklauf unterschlagen wollte. Der Bedauernswerte erlitt einen schweren Unterschenkelbruch. * Kirchardt, 5. April. (Konfirmation.) Am gestrigen Sonntag Iudica wurden in der hiesigen evang. Kirche 22 Kinder, und zwar 11 Knaben und II Mädchen konfirmiert und eingesegnet. Mögen all die herzlichen Glücks- und Segengswünsche, die den Neukonfirmierten an diesem Tage von ihren Eltern und Verwandten für den ferneren Lebensweg bezeugt wurden, reichlich in Erfüllung gehen und mögen all die Ermahnungen, die ihnen seitens ihres Seelsorgers während des Unterrichts, wie am Tage ihrer Konfirmation, zuteil wurden, beherzigt und befolgt werden. % Bat» Rappenau, 5. April. (Konfirmation). Am gestrigen Sonntag Iudica fand hier die Konfirmation statt. Eine zahlreiche Festversammlung, insonderheit die Eltern und Verwandten der Konfirmanden, hatten sich zu diesem feierlichen Akte in der Kirche versammelt. Nach vorausgegangener Prüfung erneuerten die Konfirmanden, 13 Knaben und 17 Mädchen, durch ein öffentliches Gelöbnis ihren Taufbund und wurden so in die Gemeinschaft der Kirche als selbständige Glieder ausgenommen. Umrahmt wurde die Feier durch einen Choral des Kirchenchors und der Konfirmanden. * Bad Rappenau, 5. April. (Besitzwechsel.) Die Ziegelei der Fa. Laible u. Co. ging bei der am Samstag im Rathause «4 Planohaus Pfeiffer Heideiber* / HanptatnUIe 44 bietet Ihnen ente Fabrikate bei weitgehendste* Zahlungserlelchtorungen / Dienstag, den 5. April 1927. Nr. 42. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. hier stattgehabten Versteigerung an die Firma Rathenhöfer Mann n. Cie. hier über. Wie wir hierzu erfahren, wird das Unternehmen, das seit einiger Zeit still liegt, demnächst wieder den Betrieb aufnehmen. r Ittlingen, 5. Ap-il. (Wasserleitung.) Die Vorarbeiten zur Erstellung der Wasserleitung in hiesiger Gemeinde machen gute Fortschritte. Ausgangs letzter Woche wurden Leitungsrohre an der Bahn ausgeladen und an die vorgesehenen Baustellen verbracht. — Neckargemünd, 5. April. (Fleischabschlag.) Am Samstag vormittag ließ Metzgermeister Weigel durch die Lrtsschelle bekannt machen, daß er das Schweinefleisch, bisher 1.20—1.30 Rm., von jedem Stück zu 1 Rm. das Pfund verkauft. — Buchen, 5. April. (Ein 94 jähriger.) Fm nahen Done- bach feierte dieser Tage bei voller körperlicher und geistiger Frische der älteste Einwohner des Ortes, Karl Berst, seinen 94. Geburtstag. — Heilbronn, 5. April. (Die Geliebte erstochen.) Der 61 Fahre alte Schreiner Karl Rumm von hier unterhielt seit dem Tode seiner Frau vor etwa sechs Wochen ein Liebesverhältnis mit der 25 Jahre alten ledigen Arbeiterin Luise Schneider von hier, wobei es am Samstag abend zu einer Auseinandersetzui^ zwischen beiden kam, die sich auf dem Heimweg fortsetzte. Rumm zog sein Taschenmesser und brachte ihr unterhalb des Schlüsselbeins ein Stich bei. Die Schneider schleppte sich noch ein Stück weiter, brach aber bald zusammen und verschied. Rumm der angetrunken war, begab sich nach der Tat ohne sich um die Schneider zu kümmern, in eine andere Wirtschaft und zechte weiter. Er wurde dort festgenommen. ** Mannheim. 5. April. (Tot aufgefunöen.) Nach dem Polizeibericht wurde am Samstagvormittag in einem Hause T 6 ein gctrenntlebender 62 Jahre alter Kontrollmeister in . seiner im 5. Stock gelegenen Wohnung tot aufgefunden. Die Feststellungen ergaben, daß der Mann bereits am Abend vorher vermutlich einem Schlaganfall erlegen ist. ** Mannheim. 5. April. (Selbstmordversuch im Arrest.) Am Sonntagmittag wollte sich eine wegen Verdachts einer strafbaren Handlung vorläufig festgenommene 26 Jahre alte Frauensperson im Notarrest der Zentralwache durch Erhängen das Leben nehmen. Noch rechtzeitig wurde ihr Vorhaben entdeckt. Die Lebensmüde fand Aufnahme im Allg. Krankenhaus. ** Mannheim, 5. April. Seinen 85. Geburtstag konnte gestern Moritz Steiner, der Mitinhaber der weit über Mannheims Grenzen hinaus bekannten Getreidesirma M. Steiner und Co., feiern. Der Jubilar hat sich trotz seines hohen Alters noch eine erstaunliche Rüstigkeit bewahrt, die es ihm sogar erlaubt, noch heute in der Firma tätig zu sein. ** Bosshcim bei Adelsheim, 5. April. (Zur Bluttat.) Zu der unseligen Bluttat, die unseren Ort in so große Aufregung brachte, erfahren wir noch, daß der Täter Reinhardt gestern früh seinen Verletzungen erlegen ist. ** Heidelberg, 5. April. (Musikhistorischer Kongreß in Heidelberg.) Der musikhistorische Kongreß, der zur Zeit in Wien tagt, hat, wie das Heidelberger Tagblatt" meldet, einstimmig beschlossen, den nächsten Kongreß in Heidelberg abzuhalten. '* Ncnnkirchen (bei Mosbach), 6. April. Die vom Bezirksrat in Mosbach für die Gemeindeverordnetenwahl ausgesprochene Ungültigkeitserklärung wurde angesochten, die Beschwerde aber vom Verwaltungsgerichtshof abgelehnt. Der Beschluß des Bezirksrates bleibt bestehen, es wird eine Neuwahl vorgenommen werden. ** Schnee im Odenwald. Am Samstagvormittag stelen im höheren Odenwald dicke Schneeflocken. Während in den Ortschaften der unerbetene Gast rasch wieder verschwand, ist die Neunkircher Höhe in Weiß gehüllt. ** Wiesloch, 5. April. (Hokzversteigerung.) Die in der letzten Woche durch die hiesige Stadtgemeinöe vorgenommenen Holzversteigerungen im unteren Wald brachten durchweg Erlöse, die über dem Anschlag standen. Wellen kosteten durchschnittlich 8—9 Mark. Für Sterholz wurden 14—15 M. bezahlt. ** Böhrenbach, 5. April. (Selbstmord oder Verbrechen.) Am Sonntag vormittag wurde bei Hammereisenbach in der Breg die Leiche einer 61jährigen Frau gesunden, welche eine schwere Kopfwunde aufwies und als die Frau des Gie- Hermeisters Strauß aus Vöhrenbach festgestellt wurde. Die Untersuchung schwebt noch darüber, ob Selbstmord oder ein Verbrechen vorliegt. Heute wird die Leiche durch das Gericht seziert. Die Frau soll schon seit längerer Zeit schwermütig gewesen sein. ** Neulußheim (bei Schwetzingen) 5. April. (Disziplinarverfahren gegen den Gemeinderat.) Das Bezirksamt Mannheim hat gegen den Hiesigen Gemeinderat ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Ter Grund hierzu ist eine gesetzwidrige Neicklußsaffuna in der Strafsache des früheren Hilfspolizeidieners Philipp Ullrich gegen Kullmann. Ter Gemeinderat hat beschlossen, die Geldstrafe von 150 Mark, zu der Ullrich verurteilt wurde, auf die Gemeindekasie zu übernehmen. ** Altlußheim bei Schwetzingen, 5. April. (Sommertags- zug.) Trotz des regnerischen Wetters hielt gestern Altluß- heim seinen Sommertagszug ab. Um 3 Uhr stellte sich der Frstzug auf dem Schulhof auf, um kurz darauf seine Wanderung durch die Ortsstraßen anzutreten. Er bot hübsche Wagen und Gruppen, so die vier Jahreszeiten darstellend. Auch das Handwerk kam zu seinem Recht. Zwischen die einzelnen Gruppen waren die fröhlichen Schulkinder verteilt. ** Gengenbach, 5. April. (Unfall.) Beim Lanaholzführen im Bermerstal wurde der 22 Jahre alte Franz Bauer von dem vom Weg abrutschenüen Wagen an einen Baum gedrückt und so schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werben mußte. ** Vom Schwarzwald, 5. April. (Neuschnee.) Bis auf 700 und 800 Meter herunter ist Neuschnee. Von Bestand ist natürlich dieser Neuschnee nur dort, wo er auf eine Altschneedecke fiel. Es erhöhen sich aber im Hochschwarzwalö die Schneehöhen seit rund einer Woche fortgesetzt und der Felöberggipfel, der schon auf 110 herunter war, ist wieder bei 140 bis 150 Zentimeter Schneehöhe angelangt. ** Villingen, 5. April. (Dirigentenkurs.) Am Samstag und Sonntag fand hier ein vom Badischen Sängerbund veranstalteter Dirigentenkurs statt, welcher von der stattlichen Anzahl von 51 Herren aus dem Schwarzwalügau und dem Kinzigtalgau besucht war und von Musikdirektor Rahner- Karlsruhe geleitet wurde. Die hiesigen Gesangvereine veranstalteten in der „Lilie" am Samstag einen Begrüßungs- abend, an dem auch der Obmann des Badischen Sängerbundes, Tr. Metzger, sowie der Präsident des Schwarzwaldgaues, Fabrikant Schultheiß-St. Georgen, teilnahmen. ** Freiburg i. Br.. 5. April. (Alemannische Woche.) Die auch für das Jahr 1927 geplante alemannische Woche soll vom 8. bis 14. Mai stattfinden. Stürmische Kundgebungen in München gegen den Potemkin- Film. München, 5. April. Am Sonntag fanden in München stürmische Kundgebungen gegen die Aufführung des Potem- kin-Filmes statt. Schon am Nachmittag wurde im Licht- schauspielhaus eine Vorstellung durch eine Gruppe junger Leute, die sich offenbar verabredet hatten, gestört, so daß ein Teil der Zuschauer fluchtartig das Theater verließ. Polizei stellte die Ruhe wieder her und nahm die Personalien von 15 Ruhestörern auf. Am Abend wiederholten sich die Kundgebungen in verstärkter Form auch im Filmpalast, wo die Demonstrationen mehrere Stunden andauerten. Es wurden Stinkbomben geworfen und heftige Raöauszenen veranstaltet. Schließlich mußte die Polizei das Theater räumen. Gruppen jugendlicher Demonstranten zogen unter den Rufen „Nieder mit dem Potemkin-Film" durch die Straßen. Ei« schwerer Antonnsall. — Zwei Tote, drei Schwerverletzte. Stuttgart, 5. April. In der Nähe des Klosters Lorch im Remstal geriet gestern abend ein Kraftwagen in einer Kurve ins Schleudern und stürzte die zweieinhalb Meter tiefe Böschung hinunter. Von den sechs Insassen wurden zwei getötet, drei weitere mußten schwerverletzt in das Krankenhaus gebracht werden. Der Führer des Wagens wurde verhaftet. Ein Polizeiwachtmeister von einem Verbrecher erschossen. Stuttgart, 5. April. Gestern abend wurde in Oberndorf am Neckar ein Polizeiwachtmeister von einem Gelegenheitsarbeiter, den er verhaften wollte, erschossen. Der Täter, der als arbeitsscheuer Raufbold bekannt ist, konnte bis jetzt nicht ergriffen werden. Schweres Grubenunglück. Wattenscheid, 6. April. Bei Benutzung eines Blindschachtes der Zeche Engelsburg verunglückten fünf Bergleute tödlich. Der Förderkorb, in dem sich die Bergleute befanden, fuhr in den Schachtsumpf. Die bergbauliche Untersuchung ist eingeleitet. Ei« granfiger Lustmord. Breslau. 5. April. Die noch nicht schulpflichtige Margarete Rugala ist einem Sittlichkeitsverbrechen zum Opfer gefallen. Die Leiche wurde völlig zerstückelt ausgefunden. Der Mörder, der aus Gleiwitz stammende Josef Zozowa, konnte noch nicht festgenommen werden. Vanknotensälscher in London. London, 5. April. Eine weitere Durchsuchung des Hauses, in dem vor einigen Tagen vierzig Banknotenfälscher verhaftet wurden, förderte fünf Aktentaschen ans Tageslicht, die englische Banknoten im Werte von nicht weniger als 20 Millionen Mark, sowie mehrere tausend gefälschte,englische Silberstücke enthielten. Die Nachrichten von den Fälschungen haben bei ausländischen Banken Beunruhigung hervorgerufen die die Polizei um Einzelheiten gebeten haben. Es ist noch nicht sestgestellt worden, ob ein Teil der gefälschten Noten ins Ausland gegangen ist. Der Führer der Fälscher- gruppe ist ein Italiener namens Guedo Costo. Sieben Kinder beim Spielen verschüttet. Linz a. d. D., 5. April. In Steyregg in Oberösterreich wurden beim Spielen sieben Kinder durch Erdrutsch verschüttet Glücklicherweise gelang es, alle Kinder zu retten. Sie haben jedoch schwere Nervenschäden davongetragen. Das Kowmoer Feldgericht fällt Todesurteile. Kowno, 5. April. Das Feldgericht in Kowno verurteilt« die Bürger Melamed und Kiapenas zum Tode, zwei weitere Angeklagte zu lebenslänglichem Zuchthaus wegen versuchte» Umsturzes der herrschenden Macht. Ein weiteres Urteil auf lebenslängliche Zuchthausstrafe wurde wegen Verbreitung von Proklamationen der Armee verhängt. Die von der Tel.-Un. kürzlich verbreitete Meldung über die bevorstehende Niederknüppelung der litauischen Oppoft» tio» durch Feldgerichte findet somit ihre Bestätigung. Millionenverlnste des Wiener Dorothenms. Wie«, 5. April. Bei der Bankabteilung der großen staat- lichen Versatz- und Versteigeruugsanstalt Dorotheum wurden in der letzten Zeft Verluste in einer Höhe von weit über fünf Millionen Schilling festgestellt, die auf mißglückte Transaktionen zurückzuführen sind. Der bisherige Generaldirektor hat seinen Rücktritt angeboten. Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 4. April 1927. Anleihe»: Ablöfungsfchuld mit Auslosungsschein ohne Auslosungsschetn . Bankaktie»: «ad. Bank .... Darmstädier- und Nattonalbank Deutsche Bank .... Deutsche Vereinsbank Dresdner Bank Mitteldeutsche Creditbank Reichsbank .... Rhein. Kreditbank . Südd. Disconto Ges. in o,'o 310.50 25,26 in o/o 167 287 191,75 128.50 199 359 179.50 156 16S Cementiverk Heidelberg Daimler Motoren . Dtsch. Goid- und Silberscheide Elektr. Licht und Kraft . Emaill. und Stanzwerk Ullrich Farbentnduftrie Fuchs Waggon Stammaktien Gritzner Maschinen Durlach Karlsruher Maschinen . Knorr Hetlbronn . Mainkraftwerke Höchst . Neckarfulmcr Fahrzeugwerke Schuckert Elektr. Nürnberg Seilinduftrte Wolst . Südd. Zucker . Zellstoff Waldhof Stammaktien 175.50 128.50 241 211,80 56 331 0,615 122.50 205 140 131.50 191.50 96 283.50 Bergwerk» - Aktien in 0/0 t arpener vergbau . . 250,50 ali Westeregel» . . . 228,25 ManneSmunnröhrenwerle. . 228, so Mansfcldcr Bergb. u.Hüttenw 164,25 Oberschl. Etsenb. Bedarf . . 182,75 Phönir Bergbau u.Hüttenbetrteb 140,75 Salzwerk Hetlbronn . . 176 Bereinigte Königs- Laurahütte 99,75 Aktien indnftr. Unternehmungen: in 0/0 Allg. Elettr. Stammaktien 177 Badenta Wetnheim . — Bad. Elektrizität Mannheim . 0.055 Bad. Maschinen Durlach . n5 Aktien deutscher Transportanftalten: ln 0/0 Hamburg. Amertk. Paketfahrt 156,5» Heidelberger Straßen- u. Bergbahn 87 Norddeutscher Lloyd . . 154 Devise«: Geld Brief New-Iorl 1 Dollar 4,2125 4,2225 London 1 Pfund 20,489 20,521 t olland 100 Gulden 166,57 168,99 chweiz 100 Franes 81.020, 81,221/2 Wien 100 Schilling 59 25 59.89 Baris 100 Francs 16,51 18.85 Italien 100 Lire 20.25 20.29 Marktberichte. Schweinemarkt. Sinsheim. 5. April.. Dem heutigen Schweinemarkt waren zugeführt: 15 Milchschweine zum Preise von 35—45 Mark pro Paar. 35 Läufer zum Preise von 65—70 Mark pro Paar.? Mannheimer Viehmarkt vom 4. April. Ausfuhr: 191 Ochsen, 144 Bullen, 326 Kühe, 324 Färsen, 681 Kälber, 62 Schafe. 3162 Schweine, 10 Ziegen. Preise: Ochsen 69—62, 48—53, 48—54, 38—46, 34—42, 30—32, Bullen 51—55, 44-48, 88—42, 30—34, Kühe 46—50, 35—42, 30—32, 16—22. Färsen 60—63, 46—54, 39—42. Kälber 82—86, 76—80, 70—74, 54—62. Schafe 36—46. Ziegen 10—20, Schweine 62—68, 63—64, 62—63, 61 bis 62, 60—61, 50—56. Verlauf des Marktes mit Großvieh mittel, geräumt, Kälber lebhaft ausverkauft. Schweine ruhig. Ueberstanü. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 4. April 1927. Preise verstehen stch per 100 kg alles in Goldmark ln Reichsmark zahlbar Weizen, inländischer 29,00 - 29,75 Weizen, ausländisch. 30,25—32,50 Roggen, inländischer 27,25—27,75 Roggen, ausländ. 27,50—27,75 Braugerste 27,00—30,00 Hafer, inländischer 22,25—23,25 Hafer, ausländischer 21,50—22,00 Weizenmehl Sp. 0 39,75 Roggenmehl 70o/o 36,00—38,00 Tendenz: stetig. Mais (mit Sack) . 18,50 Weizenkleie m. Gack 13,50—18,75 Biertreber mit Sack 15,50—16,50 Rah-Melasie . . — Wiesenheu . . 9.20-10,0g Luzernekleeheu. . 11,00—11,90 Preßstroh . . 4,50—4,90 Gebundenes Stroh 4,00—4,60 Raps. — Amtliche MMtMchWM Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Hilsbach erloschen ist, werden die unterm 7. Februar 1927 angeordneten Maßnahmen hiermit aufgehoben. Sinsheim, 23. März 1927. Bezirksamt. Für Büroarbeit wird eine gewandte Aushilfskraft per sofort gesucht. (Steile kann evtl, dauernd werden). Kriegsbeschädigte haben bei gleicher Qualifikation den Vorzug. Offerten mit Gehaitsansprüchen unter Nr. 360 an den ,,Landboten.“ Meldeschluß 11. IV. 27. pSK/1 \ OjL' \ Kaisersßrusl’-Caramellen mitden^Tannenr schützen mich vor Erkältung, Husten und Kartarrh! — Weder Regen, Schnee noch Kälte können Ihnen schaden, wenn Sie dieses seit 35Jahren bewährte Hustenmittel bei sich haben. Schnell und sicher beseitigen Sie damit Husten, Heiserkeit, Kartarrh, Verschleimung. Paket 40 Pfg., Dose 90 Pfg. Zu haben bei : Central - Drogerie Richard Wagner, Hugo Seufert, Hermann Betsch Wilh. Scheeder Nachf., Sinsheim, Otto’ Günther,Eichtersheim u.wo Plakate sichtbar. üxahlung erhalten Sie ein Presto * Fahrrad.* Bsist allerbeste Qualität, zu billigstem Preis. Verkauf durch: Carl Baer, Sinsheim. Übler Mundgeruch wäkt absiotz-nd. Hähüch gefärbte Zähne entstellen da, schönste Antlitz. 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