Erscheint täglich Mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Prets: Durch die Post bezogen und durch he» Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus «onatlich Goldmark 1.SV Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Ln Fällen von höherer Gewalt Besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Uhr Sonntags geschlossen. Mrrnsprech-Anschluh Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6908 General-Anzeiger für klsenz-unö Schuxugbachtal Der Landbote HelteTte und verbreitetfU Zeitung dieser Gegend. I)aupt-Hn|eigen-Blatt UtötbrattUb« Seilag»», CQode «nd yein, • Der Kobold » Neue Illustriert« » candvirtlchaftlid,« Verlage Anzeigen.Preise: Anzeigen: Die 33 mm breit* Millimeter-Zeile 6 Goldpsg Reklamen: Die 92 mm breit» Millimeter-Zelle 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- unk Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffest»» Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech nungsdatum oder bei gerichtliche» Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Uh» vormittags; größere Anzei-o» müssen am Tage vorher «mb gegeben werden. Bank-Konto: Bereinsbank Sinsheim e. G- m. b. L. M 59. Mittwoch, den 27. April 1927. 88. Jahrgang Amerikanische Außenpolitik. Präsident Loolibge über Mexiko, Nicaragua und China NcmyorK, 26. April. Montag abend fand im Hotel Bilt- more ein Festessen aus Anlaß des 20 jährigen Bestehens der Nachrichtenagentur „United Preß" statt. Bei dieser Gelegenheit hielt Eoolidge eine Rede, in der er ausfühtte: Amerika wünsche Leinen Konflikt mit Mexiko. Der amerikanische Kongreß habe kürzlich eine Entschließung angenommen, in der ein Schiedsgericht wegen des mexikanischen Konfliktes vorgeschlagen worden sei. Er, Coolidge, erblicke darin ein schweres Hindernis, da das Prinzip, daß das Eigentum nicht konfisziett werden könne, und die Verpflichtung der amerikanischen Regierung zum Schutze dieses Prinzips so seststanden, daß es zweifelhaft sei, ob die Streitfrage überhaupt einer Aussprache unterbrettet werden dürfe. Er freue sich, Mitteilen zu können, daß der mexikanische Botschafter ihm kürzlich mitgeteilt habe, Mexiko beabsichtige nicht, amerikanisches Eigentum zu beschlagnahmen. und tue alles, um die Mörder amerikanischer Bürger ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Der Botschafter habe weiter den Wunsch der mexikanischen Regierung auf Unterhaltung freundlicher Beziehungen zwischen Amerika und Mexiko zum Ausdruck gebracht. Er, Loolidge, sei davon überzeugt, daß mit derartigen Gefühlen eine freundschaftliche Regelung der Streitfragen möglich sei. Coolidge sprach dann über die Lage in Nicaragua und führte aus: Amerika trete in Nicaragua nicht kriegerischer auf als ein Straßenpolizist gegenüber friedlicher Passanten; es schütze lediglich sein Eigentum in Ricamgua. Es fühle gegenüber den Regierungen der Panamaländer eine moralische Ber- antwottung, die andere Nationen nicht berühre. Es sei eigen- attig, daß einige Nationen, die Amerika zur Uebernahme von Mandaten in China veranlassen möchten, wo es keine Interessen habe, so außerordentlich kritisch seien. Amerika versuche nur in denjenigen Ländern die Ordnung aufrecht zu erhalten, eine dauerhafte Regierung zu gewährleisten, und Leben und Eigentum seiner Bürger zu schützen, die nahe bei ihm lägen und wo es große Interessen habe. Die amerikanischen Kriegsschiffe und Marinetruppen befänden sich in China lediglich zum Schutze der amerikanischen Bürger. Die Schießerei in Nanking sei notwendig gewesen, um die chinesischen Soldaten und den Pöbel zu vertreiben und um es den amerikanischen Bürgern zu ermöglichen, einen sicheren Ott zu erreichen. Die Freundschaft Amerikas für China sei sprichwöttlich geworden. Amerika wünsche nicht, das chinesische Volk anzugreifen. Es habe seine Truppen lediglich zur Verhinderung von Angriffen unruhiger Elemente auf seine Staatsangehörigen nach China gesandt: Das chinesische Chaos werde einmal aufhören; dann werde sich irgendeine Form von Autorität bilden. Amerika werde natürlich in China auf Achtung vor seinen Rechten bestehen; aber seine Handlungen würden stets die eines Freundes sein, der sich um das Wohlergehen des chinesischen Volkes bekümmere. Begräbnis der Abrüstung. Die Tagung der vorbereitenden Abrüftungskommiffion abgeschlossen Genf,- 26. April. Die dritte Tagung der vorbereitenden Lbrüstungs kommisston ist heute abend abgeschlossen worden, nachdem der Bericht an den Völkerbundsrat über die erste Lesung des Konventtonsentwurfes angenommen worden war. In feiner Schlußansprache, wies der Präsident Loudon auf die grossen Schwierigkeiten Hin, vor denen die Abrüstungskommission zu Beginn ihrer Verhandlungen gestanden habe. Die Verhandlungen hätten ergeben, daß die Herstellung eines einheitlichen Konventionsentwurfes noch nicht Möglich sei. Für die zweite Lesung müsse ein einheitlicher Text für die Konvention ausgearbeitet werden; dieselbe werde trotz aller Schwierigkeiten noch in diesem Jahre stattfinden. Die Weltwirtschaftskonferenz würde für die weitere Abrüstung von größter Bedeutung sein. Es sei nunmehr an den Regierungen und der öffentlichen Meinung, das Abrüstungsproblem weiter zu verfolgen. Lourdon drückte zum Schluss dem amerikanischen Vertreter den Dank aus und teilte mit, daß er als Datum für den Beginn der zweiten Lesung des Entwurfes den 1. November in Aussicht nehme. Nachdem der amerikanische, der dänische, der französische und der italienische Delegierte dem Präsidenten und dem Büro der Kommission den Dank für ihre Arbeit ausgesprochen hatte, wurde die Sitzung geschlossen. Graf Berustorff über das Ergebnis der Abrüstungsverhaud- lnngen. « Genf, 26. April. Nach Schluß der Abrüstungsverhanb- lungen erklärte Graf Bernstorff gegenüber Pressevertretern: Er erkenne den Wert der Arbeiten der Abrüstungskommis- fio« an, weil dadurch volle Klarheit über die Haltung der -einzelnen Regierungen in der Abrüstungsfrage geschaffen worden sei. Andererseits zeige sie doch die Haltung der Regierungen, daß wenig Neigung zu einer wirklichen Durchführung des Abrüstungsproblems bestehe. Die Anträge der Delegationen Hätten bei ihrer Durchführung keinerlei weitgehende Aenderuug des gegenwärtigen Rüstungsstandes herbeigeführt. Es sei klar, daß das vorliegende Resultat der Arbeiten der Kommission für die öffentliche Meinung eine schwere Enttäuschung sei, daß die Meinung der ganzen Welt eine Abrüstung erwarte. Die Abrüstung sei das wahre Ziel des Völkerbundes, der weitgehend von seiner Autorität verlieren würde, wenn es nicht gelingen sollte, diese Aufgabe durchzuführen. Sie selbst erwarte Sicherheit durch Lösung des Abrüstungsproblems. In den Sitzungen des Völkerbundes über Äbrüstungssicherheit und Schieösgerichts- wesen spiele die Abrüstung die Rolle des Aschenbrödels. Trotzdem auf dem Gebiete des Schiedsgerichtswesens und des Sicherhettsgedankens in der letzten Zeit große Fortschritte zu verzeichnen seien, wären bisher alle Bemühungen auf dem Gebiete der Abrüstung ohne Erfolg geblieben. Jetzt müsse die Bollversamlung des Völkerbundes und die öffentliche Meinung der gesamten Welt die Regierungen dahin beeinflussen, daß bei der zweiten Lesung des Kouventions- entwurfes positive praktische Resultate erzielt würben. Neue Anwürfe des „Echo de Paris" gegen General Heye Paris, 26. April. Das „Echo de Paris" kommt heute erneut auf den Empfang des französischen und englischen Militärattaches in Berlin durch General Heve zu sprechen und meint: General Heye habe durch die Art und Weise, wie er die alliierten Militärattaches empfangen habe, nur zu verstehen geben wollen, daß der Versailler Vertrag, der den Deusschen die Entsendung von Militärattaches in die alliierten Hauptstädte verbiete, abgeänöert werden müsse. Wenn Ttresemann die alliierten Militärattaches im Gegensatz zu General Heye in der liebenswürdigsten Weise be- ,rüßt habe, so beweise das das deussche Doppelspiel: General Heye, der nach Abzug der Interalliierten Militärkontrolle ungehindert an der Wiederaufrichtung der deutschen Mtli- tärkräfte arbeiten könne, verwende Stresemann, um den Schein nach außen hin zu wahren und um seine eigentlichen Absichten zu verbergen. Nach der amtlichen deutschen Meldung über den Empfang der Militärattaches durch General Heye erübrigt es sich, auf die neuen Verdächtigungen des „Echo de Paris" einzugehen. ___ Für Abänderung des Dawesplanes. Eine beachtenswerte englisch« Sttmme. London, 25. April. In einem langen Aufsatz, in dem Garvin in seinem „Observer" für engere freundschaftliche Beziehungen zwischen den Bereinigten Staaten und Großbritannien eintritt, gebraucht er auch den Dawesplan als eines seiner Argumente. Eine Revision dieses Planes ist nach seiner Ansicht in der nahen Zukunft unvermeidlich und eine Voraussetzung für ein Gelingen ist ein gutes Zusammenarbeiten der beiden englisch sprechenden Nationen. Schon auf der bevorstehenden Weltwirtschaftskonferenz in Genf werde sich alles in erster Linie um die Zukunft des Dawesplanes und die Schulden drehen. Bisher fei mit dem Dawesplan alles gut gegangen; nächstes Jahr aber werde sich die Belastung, die er für Deutschland bedeutet, um beinahe 50 Prozent erhöhen und übernächstes Jahr werde Deutschland auf dem Papier zur jährlichen Zahlung der erstaunlichen Summe von etwa 130 Millionen Pfund oder mehr verpflichtet sein. Garvin fähtt dann sott: „Keine Höchstsumme, keine Zeitbeschränkung sind festgelegt worden. Es gibt aber keine einzige Pattei oder Fraktion im Deutschen Reich, die die ruhige Erduldung solcher Zahlungen während einer Generation und länger ins Auge faßt oder nicht entschlossen ist, zur rechten Zeit die Unmöglichkeit voller Zahlung zu verkünden und eine große Herabsetzung der Gesamtverpflichtung und eine Feststellung zu verlangen, daß die Verpflichtung nur für eine sehr beschränkte Zahl von Jahren gelten soll. In Deutschland hat eine sehr reale Bewegung für Milderung und Befreiung bereits begonnen; sie hat vorsichtig, ruhig aber kraftvoll eingesetzt und sie wird nicht aufhören. Alle die alten Fragen tauchen wieder auf: Kann Deutschland die Last tragen ohne gefährlichen sozialen Druck Kann Deutschland einen gewaltigen Ueberschuß von Ausfuhr schaffen, ohne in anderen Ländern gewaltige Arbeitslosigkeit zu erzeugen? Können diese Länder der Notwendigkeit entgehen, Zollmauern zu erhöhen oder zu bauen? Können die vollen Iahreszahlungen übertragen werden, ohne die Währung wieder zu erschüttern? Diese Fragen rühren bis an die Wurzeln jeder anderen Frage, mit der sich die Weltwittschaftskonferenz wird befassen müssen." Worofchilow mahnt zur Kriegsbereitschaft Loudon, 26. April. Im Große» Theater in Moskau fand gestern der Allrussische Sowjetkongretz statt, an dem zweitausend Delegierte teilnahmen. Bei der Verlesung des amtlichen Berichts der Sowjetregierung über die Verhältnisse in der Roten Armee und die militärischen Organisationen Sowjetrußlands betonte Kriegskommiflar Woroschi- low, wie die „Times" aus Riga berichten, die Notwendigkeit, einen Bruch mit den Westmächten solange zu vermeiden, bis die Sowjctstreitkräfte genügend vorbereitet seien. Er und andere Führer betrachteten diesen Konflikt als unvermeidlich, aber die Zeit für die Austragung sei noch nicht reif. Der Völkerbund sei bankrott. Die gegenwärtige Zeit sei vergleichbar mit der vor dem Weltkrieg. Kein Tribunal und keinerlei Abmachungen könnten dem Rüsten Einhalt gebieten, das in allen großen und kleinen Staaten vor sich gehe. Alle, einschließlich der Randstaaten von Finnland bis Rumänien, bereiteten sich zum Ktteg gegen die Sowjetunion vor. Die Rote Armee verfüge jetzt über ein ausgezeichnet ansgebilüetes Offizierkorps, aber die technische Ausbildung der Roten Armee stehe immer noch hinter der anderer Armeen zurück, wenn auch kein Grund für irgend welche Besorgnisse bestehe. Die chemischen Vorbereitungen seien unzureichend, und man müsse diesen Zweig der Kriegführung bis zur vollen Ausdehnung entwickeln. Neuer französisch-englischer Zwisi in Belgrad Paris, 27. April. „Havas" meldet aus Belgrad, daß Außenminister Marinkowitsch am 25. April erneut den französischen und hierauf den englischen Gesandten empfangen habe. In diplomatischen Kreisen wird erklärt, baß während dieser Unterredungen von direkten Verhandlungen zwischen Rom und Belgrad keine Rede gewesen sei. Me Regierung von Belgrad überlasse die Jnitiattve den Großmächten und warte die Antwort ab, die Mussolini auf die letzte Note Chamberlains erteilen werde. In Belgrader polittschen Kreisen hoffe man, daß bas Eingreifen der Großmächte Italien zur Annahme einer freundschaftlichen Regelung »ller strittigen Fragen bewegen werde. Die rumänische Krise. Der Gegensatz Avcrescn-Bratianu. Paris, 26. April. Der Balkansonderbcrichterstatter des „Petit Parisien" ist in Bukarest eingetroffen und will eine eingehende Enquete oorgenommen haben. Die ins Ausland gesandten halbamtlichen Berichte von einer vollständigen Einigung Bratianus mit General Averescu entsprächen nicht den Tatsachen. Es sei wohl eine Einigung erzielt worden. In Wirklichkeit sei fest- zustcllen, daß der Block bereits ins Schwanken gekommen sei. Bratirnu habe Angst vor Averescu. Ehemals nur Soldat, sei dieser jetzt vom Machtkitzel befallen. Die „Dynastie Bratianu" fühle sich gefährdet. Vor einem Jahr hätte er den Strohmann Averescu — als solchen habe er ihn betrachtet — hinwegfegen können, jetzt sei das nicht mehr so einfach. Averescu fühle, daß er sich nach dem Tode des Königs als Ministerpräsident in der Regentschaft zum eigentlichen Staatschef machen könne. Der Berichterstatter des „Petit Parisien" sieht voraus, daß die Dinge diese von vielen Rumänen vorausgesagte Entwicklung nehmen werden und daß große Kämpfe der Liberalen gegen die Regierung zu ermatten seien, die im Parlament bereits eingesetzt haben. Der Albanien-Konflikt. Schwenkung Englands? London, 26. April. In»hiesigen amtlichen Kreisen beobachtet man Schweigen über die Ergebnisse der Unterhandlungen, die der britische Botschafter letzte^ Woche mit Mussolini über die Tiranafrage hatte. Politische Kreise schließen aus diesem Schweigen, daß Chamberlain mit dem Ergebnis wenig zufrieden war und daß das Foreign Office nach einem Ausweg aus der peinlichen Lage suche, in die es sich von Mussolini habe bringen lassen und die einen Konflikt zwischen einer Völkerbundspolttik und seinen unüberlegt eingegangenen Verpflichtungen Mussolini gegenüber bedeute. Capello und Zaniboni aus dem Heer ausgeftosien Rom, 27. April. Auf Grund der Zuchthausstrafen und dem damit zusammenhängenden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte sind General Capello und Zaniboni aus dem Heer ausgestoßen. Eine Degredation findet nicht statt, da Capello General a. D. und Zaniboni Reserveoffizier sind. Der Familie Capellos bleibt die Pension als Gnadenpension erhalten. Der Prozeß gegen den Bombenattentäter Luzetti ist für Anfang Mai vor dem Sondergericht in Rom angesctzt. Die Lage in China ! Meuterei unter den Auhäuger« Tschiaukaischeks? Paris, 27. April. Nach hier vorliegenden Pekinger Meldungen aus Schanghai sollen dort Gerüchte verbreitet sein, »aß General Lischisun, Gouverneur von Kanton, sich von Tschiankaischek getrennt habe und seine Unabhängigkeit erklären wolle. Die Bankiers, die Tschiankaischek bereits vier Millionen Dollar vorgeschossen haben, sollen zögern, ihm neue Vorschüsse zu geben, bevor es ihm nicht gelungen sei, eine lebensfähige Regierung zu bilden. 2000 Soldaten der Nordarmee im Aangtse ertrunken. London, 27. April. Nach Meldungen aus China überraschten Kanonenboote der Kantontruvven eine Anzahl von Fährschiffen, die dabei waren, etwa 2000 Soldaten der Tsckangtsolinarmee auf das südliche Ufer des Stromes zu bringen. Die Kanonenboote brachten durch eine ^ nonade die Boote zum Sinken. Die gesamte Besatzung ertrank. Reichsfimmzrmmffer Dr. Köhler pi den Angriffen Dr. Remholds ISla. 27. April. Nach einer Meldung der Kölnische» Volksztg." hatten die Vertreter der Zentrumspreffe gester» im Reichsfinanzministerium eine Aussprache mtt Reichsfinanzminister M. Köhler über die Rede, die Minister a. D. M. Reinhvld am Samstag auf dem demokratischen Parteitag gehalten hat. Auf die Frage, ob Dr. Köhler beabfich- ttge, die Angriffe seines Amtsvorgängers im einzelne» zu widerlege», antwortete der Minister, daß er allen Angriffen zum Trotz auch künftig die gute Tradition der Vergangenheit aufrecht erhalten werde und seine Aufgabe nicht darin sehe, in eine Zeitungs- oder Bersammlungspolemik mit seinem Anttsvorgänger einzutreten. Die Verantwortung seines Amtes stehe ihm höher, als irgend welche Rechthaberei. Von seiten der Pressevertreter wurde auch auf die Behauptung Dr. Reinholds in Hamburg eingegangen, w^ »ach die Reserven und Ueberschüffe früherer Jahre noch Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Mittwoch, den 27. April 1927. Nr. 59. Jahrgang 1927. uvrhanöen, für die Erwerbslofenfürforae und die Beamteu- Sesolduua aber im Etat 1927 schon voraeseben aervefen fei» sollen, insbesondere in den Steuerrückitänden der vergao- »enen Jahre. Hierzu erklärte Dr. Köbler. er habe über die Verwaltung der Reserven und Ueberschüffe aus de» früheren Jahren im Reichstagspleumn und im Haushalts- ausschuß des Reichstages gesprochen. Seine Erklärungen halte er aufrecht, ebenso diejenigen über die Erwerbslosenfürsorge. Daß für die Ueberuahme der unterstützenden Erwerbslosenfürsorge der Länder und Gemeinden auf das Reich, sowie für die Reform der Beamtenbesokduug im Etat 1927 Reserven vorgesehen waren, sei ihm nicht bekannt und würde auch im Widerspruch zu dem stehen, was sein Amts- »vrgänger ihm bei der Amtsübergabe erklärt habe. Daß er mit den verwendbaren Reserven nicht den BetriÄ^sfond gemeint haben könne, ginge schon aus einer Rede hervor. Sie er am 12. Februar im Reichstage gehalten habe und tn der er erklärte, daß er den Betriebskond unbedingt erhalte« wissen wolle. In den Steuerbeständen aber könnten schon deshalb keine Reserven liegen, weil diese Rückstände und falschen Einsätze bei seiner Schätzung für das Jahr WD berücksichtigt worden seien. Z«r Reichsanleiheangele- geaheit erklärte Dr. Köhler, er werde darüber der Oeffent- kichkeit keine Gelegenheit zu einer Diskussion geben, da ihm Sie Kreditwürdigkeit des Reiches höher siebe als alles andere. Danach habe er in den vergangenen Monaten gehandelt. Auch in Zukunft werde man ihn auf dem Posten finden, ganz gleich, ob er mit seinen Maßnahmen bei irgend einer Persönlichkeit Freude oder Mißbehagen auslöse. Die nächste Kabinettssitzung B. P. Berlin, 27. April. Nachdem di« Reichsminister Hergt, Keudell, Geßler und Koch von ihrem Osterurlaub wieder nach Berlin zurückgekehrt sind, wird nunmehr auch der Reichskanzler seine Amtsgeschäfte ausnehmen. Wie wir hören, wird Ende dieser Woche eine Kabinettssitzung stattftnden, die sich mit den schwebenden außen- und innenpolitischen Fragen zu beschäftigen hat. Dazu gehören vor allen Dingen die jetzt wieder ins Rollen kommenden Angelegenheiten „Himmelsbach". Wie wir hören, hat die Firma Himmelsbach nicht nur den Reichskanzler in seiner Eigenschaft für die besetzten Gebiete, sondern auch das Reichswirtschaftsministerium, das Auswärtig« Amt und die Länderregierungen von Preußen, Bauern und Hesien auf Schadenersatz verklagt. Die verklagten Instanzen sind auf Grund der Unterlagen der Auffassung, baß die geforderten Ersatzansprüche der Firma Himmelsbach durchaus unberechtigt sind. Zu den Vorwürfen -er Firma hat lediglich, und zwar in ausführlicher Weise Preußen Stellung genommen. Die preußischen Resiorts stellen sich auf den Standpunkt, daß die von Hergt 1924 statt- gefundene Aussperrung von Holzbezug aus staatlichen Forsten des besetzten Gebietes eine allgemeine Maßnahme gegenüber sämtlichen Firmen gewesen sei, die damals mit genügend Holzvorräten versehen gewesen wären. Zu diesen hat auch die Firma Himmelsbach gehört, die zwar aus den oonpes-suppioinontsires-Bcrträgen kein Holz mehr zur eigenen Verwendung übrig behalten, aber andererseits durch Verkäufe beträchtliche Gewinne erzielt hake. Der Abbruch Ser Geschäftsbeziehungen zu der Holzfirma datiert erst vom Februar 1925. Im Oktober 1925 haben Berglcichsverhand- lnngen stattgefunden, und die Firma Simmelsbach ist anf- gefordert worden, den erhobenen Vorwurf des Boykotts zurückznnehmen. An diesem Punkt sind dann die Verhandlungen gcsck>eitert. Bemerkenswert ist, daß Bayern jetzt gegenüber der Firma Himmelsbach einen Entschädigungsanspruch wegen unzulässiger Holzanschläge geltend macht, die über den Rahmen der französischen Lieferungsverträge hinaus- gcgangen sein sollen. Man wird sich in dieser Angelegenheit noch auf langwierige Auseinandersetzungen zwischen den streitenden Parteien gefaßt machen müffen. Um die Neuordnung der Gütertarife Berlin, 27. April. Zu den Gerüchten über eine bevor- sthende Erhöhung der Gütertarife erfährt die „T.-U." an zuständiger Stelle, daß im Januar in Garmisch-Patenkirchen der dort tagenden Tarifkommission eine Denkschrift zuge- gangen ist, die jedoch nicht als die Grundlage einer Umorganisierung der geltenden Gütertarife anzusehen war. Vielmehr wurde ein Unterausschuß eingesetzt, der aus Vertretern der ständigen Tarifkommission und der Reichsbahn zusammengesetzt wurde und der die Aufgabe hatte, die für die deutsche Wirtschaft dringendsten Tariffragen zu klären. Ueber die Arbeiten dieser Kommission wird Ende dieser Woche in mehrtägigen Erörterungen in Frankfurt a. Main verhandelt werden. Die Frage, ob Tariferhöhungen eintre- ten werden, ist an sich noch völlig ungeklärt. Grundsätzlich wird es sich jedoch darum handeln, in allen Fällen, tn denen Erleichterungen beschlossen werden sollten, ans die notwendige Deckung der dadurch verursachten Ausfälle Bedacht zu haben. Baden. Jugcndwanderfiihrer durch das badisch« Land. Der Gau Baden für deutsche Jugendherbergen gibt einen Iugendwandersührer durch das badische Land heraus, der neben einem vollständigen Verzeichnis der Jugendherbergen in Baden und der Ortsgruppen ein ausführliches Verzeichnis von Wanderplänen durch das Badnerland bringt. Auch die Winterfportgs- biete des Schwarzwaldcs, in denen sich Jugendherbergen befinden, werden in einem besonderen Abschnitt behandelt. Eine Zusammenstellung über die Literatur des Iugendwanderns sowie Wander- und Reiselftemtur vervollständigen den Führer. Der Iugendwandersührer kann vom badischen Verkehrsverband, Karlsruhe und von den Ortsgruppen der badischen Jugendherberge» bezogen werden. Direkter Eifeubahnverkehr Bad««—Schweiz. Bafel, 27. April. Die direkte Linie, die vom badischen Bahnhof vor kurzem direkt nach dem schweizerischen Raugierbahnhof angelegt wurde, hat sich schon sehr gut bewährt. Nachdem bisher von dem badischen Bahnhof nach dem Rangierbahnhof vier Züge verkehrten, bemühen sich nun die schweizerischen Bundesbahnen bei der Deutschen Reichsbahn, die direkte Zusammenstellung weiterer Züge auf dem badischen Bahnhof in Basel zu erwirken. In der Abzweigung öer direkten Linie nach dem Rangierbahuhof von Mnttenz ist in einem kleinen Stellwerkgebäude eine besondere Siche- rungsanlage geschaffen worden. Hauptversammlung des badischen Grundbesitzerverbandes Karlsruhe, 27. April. Im Saale der Handelskammer hier fand gestern vormittag die sehr gut besuchte Hauptversammlung des Badischen Grundbesttzerverbanües statt, zu der das Finanzministerium und dessen Domänenabteiluug, das Landesfinanzamt, die Badische Laudwirtschaftskammer, der Reichsgrundbesitzerverband, der Verein für gebundene» Grundbesitz in Bayern, der Badische Bauernverein, der Badische Landbnnd, der badische landwirtschaftliche Verein, der Waldbefitzerverband, der lanS- «n forstwirtschaftliche Arbeitgeberverband, die Wirtschaftliche Bereinigung der Unter- uehmerverbände Badens, der Verein der Rentbeamten. der Verband badischer Gutspächter, die Badische Landwirtschaftliche Berufsgenoffenschaft und die Presse Vertreter entsandt hatten. Nach einleitenden Vegrüßungsworten deS Vorsitzende«. Dr. Grafen Douglas, erstattete das Geschästssührende Vorstandsmitglied Freiherr Rudi ». Colleuberg-Roßhof den Tätigkeitsbericht. Er führte in seinem Bericht aus. daß im Mittelpunkt der Arbeiten des Jahres 192b das Reichsbewertungsgesetz mr. seiner Auswirkung: der Einheilsbewertung stand. Nachdem t» der letzten Generalversammlung einer der Hauptschöpfer dieses Gesetzes, Ministerialrat Dr. Jacobsen, über das Reichsbewertungsgesetz sprach, haben sich 43 der Mitglieder des Bcdrschcn Grundbesitzerverbandes bereit gefunden, in Grundwertausschüssen mitzuwiren. Das hat zur Klärung vieler Zweifelsfragen zu Gunsten einer einheitlichen und gerechten Bewertung innerhalb der Ge- samtlandwirtschast gefiiyrt. Besonderen Dank schuldet hierbei der Verband dem Landesfinanzamt, das immer ein offe» nes Ohr und bereitwilliges Eingehen auf die Wünsche und Anregungen zeigte Der Redner berührte dann ferner die Schaffung eines sogenannten kleinen Bewertungsbeirates für bas Land Baden und erwähnte dann die Bearbeitung einer Reihe von Steuerangelegenheiten, die aus den Reihen der Mitglieder dem Verbände vorgetragen wurden. In seinen weiteren Darlegungen kam der Berichterstatter auf Pachtfragen zu sprechen und begrüßte es, daß eine neutrale Instanz die Angelegenheit der Pachtrechtsänöeruug einer besonderen Kommission übertragen hat, zu deren Vorsitzender Dr. Graf Douglas ernannt worden ist. In der Verteidigung der nicht mehr tragbaren Uebersteuerung sollten die Pächter ihren Einfluß tn Parlamenten und össentlichen Körperschaften dazu ausnützen, daß bald eine entschiedene Wendung der Dinge eintritt, wenn das Pachtwesen in seiner jetzigen Form erhalten bleiben soll. Weiter betonte der Redner, daß der Grundbesitzerverband die Möglichkeit hat. durch seine Reichsorganisation das Verständnis auch iu sroröeutschland zu verbreiten, daß eine Entlastung unserer engeren Heimat von dem Uebervölkernnasürnck Vorbedingung für eine gesunde wirtsachftliche Entwicklung der Zukunft ist. Schließlich teilte der Berichterstatter mit. daß di« Mttgliederzahl des Verbandes 179 beträgt und mit 80000 Hektar über 2 Zwanzigstel der Gesamfläche Badens repräsentiert. Die Tatsache, daß Besttzgrößen aller Arten von 43 Ar bis zu 33 009 Hektar dem Verbände augehören, zeige, daß die Organisation auf breitester Grundlage aufgebaut ist. In der Aussprache wurde insbesondere von dem Vertreter der Pächterorganisation, Oekonomierat Vielhauer, betont, daß auch iu den Kreisen der Pächter der Wunsch nach harmonischem Zusammenwirken bestehe. Er betoute, daß von den Pächtern, soweit sie tn dem Pächterverband organisiert seien, alles getan werde, um die gegenseitige Interessengemeinschaft auch für die Zukunft aufrecht zu erhalten. Nach Erstattung des Kassenberichts durch Dr. Curtius- Weiherhof referierte Dr. Ttllmann-Berlin in etwa eiustün- digen Ausführungen über das Thema „Bodenreform uud ländlicher Grundbesitz". Der Redner führte aus, die Bodeu- reformbeweguug habe durch kluge und geschickte Propaganda viele Kreise für das Endziel der Bewegung hinweggetänstht. Anknüpfend an die bei der. Bodenreformtagung stattgefundenen Verhandlungen führte er aus, daß das Verhältnis der Bodenreform zum Sozialismus sich gestalte wie ein Teil zum Ganzen, indem in der Bodenreformbeweguug «ur das Grundkapital sozialisiert werden soll, während der Sozialismus konseguenterweise sich auf alle Produktivusge- biete der Sozialisierung erstrecke« will. Der Redner beendete seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß die Gegnerschaft zur Vodenreformbewegung nicht dazu führe» dürfe, die Not zu übersehen, die sowohl in den Städte», wie auch auf dem Lande herrsche und daß auch die Gegner der Bodenreformbewegung sich vollkommen über die Notwendigkeit einer Hilfe und aktiven Mitarbeit auf diesem Gebiet bewußt seien. Hierauf hörte die Hauptversammluna einen Bortrag des Landtagsabgeordneten Dr. Mattes über „Steuerbelastuug und Rentabilität des ländlichen Grundbesitzes". An Hand einer Umfrage konnte der Redner feststellen, daß das Einkommen des landwirtschaftlichen Besitzes heute nur noch 31 Prozent des Friedenseinkommenß beträgt. Der Redner forderte eine Rewrm der Realsteuern und weitgehende Aufklärung über die steuerliche Ueberlastnna des landwirtschaftlichen Besitzes An der anschließenden Aussprache beteiligten sich verschiedene Herren, u. a. auch Landtagsabgeordneter Duffner, wobei von ihnen die Notwendtakeit einer steuerlichen Entlastung beleuchtet wnrde. Nach einem Schlußwo-'t tipg ■w-feTenten und des Vorsitzenden wurde Sie Tagung geschlossen. Aus Nah und Fern. X Sinsheim, 27. April. (Wohnungsbau.) Im Biirgemus- fchußfaal des Rathauses in Eppingen fand am 24. März die Bezirksoersammlung des Bezirkswohnungsverbandes statt. Im abgelaufenen Rechnungsjahr wurden im ganzen an Baudarlehen 139000 RM. bewilligt. Die Zahl der erstellten Wohnungen beträgt 83. Rach dem Bomnschlag für 1927—28 stehen für Baudarlehen 179 950 RM. zur Verfügung. Dieser Betrag konnte allerdings nur deshalb in dieser Höhe zur Verfügung gestellt werden, weil gleichzeitig die Aufnahme eines Anlehens bei de« Sparkassen des Bezirks beschlossen wurde. Genehmigt wurden bis jetzt für das neue Rechnungsjahr beretts 46 Daudarlehen, Der 'mif einen Bau entfallende Darlehensbetrag beläuft sich auf 2000 RM. Der Bomnschlag wurde einstimmig genehmigt. Sinsheim, 26. April. (Werberkniffe.) In letzter Zeit ist von privater Seite mehrfach versucht worden, Werbungen für rein geschäftliche Unternehmungen dadurch Nachdruck zu verleihen, daß die Werbenden beim Aufsuchen der Rundfunkteilnehmer in der Wohnung den Eindruck zu erwecken versuchten, sie kämen im Aufträge des Reichs oder der Rundfunkgesellfchast. Wir weisen aus diesem Anlaß darauf hin, daß keinerlei amtliche Personen in die Wohnungen der Rundfunkteilnehmer entsandt werden außer den mit der Einziehung der Gebühren betrauten Briefzustellern und außer solchen Beauftragten der Post, die mit einem besonderen amtlichen Ausweis ausgerüstet sind. Etwaige Werbungen für Rundfunkverficherungen, für Zeitschriften, Vereine, Verbände und dergl. sind reich privater Art und von Reichsstellen oder den Rundfunkgefellschasten nicht vemnlaßt. * Sinsheim, 27. April. (Die Lanüpostzustellung.) Der unmögliche Zustand, daß eine Reihe von Landorten nur eine Zwei- tagepoftpeftellung hat und daß in größeren Landorten nur eine einmalige tägliche Postbestellung stattfindet, soll durch die ge- v :v $ „,'(c(g\ cc t /( ^Kabex\u6- ■RCW\N vo«HEiN2AlfRED voNByERN „Ach so. Sie, Herr Reinisch, nun, soviel ich weiß, besitzen Sie in Herzogswalde eine Produktenhandlung, Ihr Interesse dürfte sich also wohl bloß auf die Vermittlerprozente beschränken." Ein paar der Zunächstsitzenden lachten. „Meine Herren!" fuhr Egede fort, „Herr Roßberg ist mir als durchaus weidgerechter, anständiger Jäger bekannt. Das Vergnügen, Herrn Seliger persönlich zu kennen, habe ich nicht, ich weiß nur, daß er in Berlin wohnt und nicht immer drei Stunden weit mit dem Schnellzug hierher fahren wird, um Ihre Wildschadenforderungen nachzuprüfen. — Doch abgesehen davon, Sie selbst haben schließlich ein Interesse daran, wenn Ihre Jagden in die Hände eines Mannes kommen, den Sie kennen und der Ihnen Gewähr für eine pflegliche und weidgerechte Behandlung bietet." „Aber keine Ueberhege!" rief ein junger Bauer dazwischen. „Sehr richtig, Herr Bittrich, das ist ganz meine Ansicht, denn bei Ueberhege degeneriert der Wildstand und Wildbesatz." Hubertus blätterte in den vor ihm liegenden Bogen herum. „Nach den Abschußlisten der letzten sechs Jahre beträgt die durchschnittliche jährliche Strecke auf den drei Revieren Dobritz, Langenau und Karsdorf 4 Stück Rotwild, einschließlich der Geweihten, 8 Sauen, 10 Rehböcke, etwa ebensooirle Ricken, 150 Hasen. 200 Rebhühner, 40 Fasanen und 100 Kaninchen. In Anbetracht der Wildpreise wären also 4000 oder 4500 Mark ein angemessener Preis, hierzu kommen aber noch die Gehälter für die Beamten, die Ausgaben für Wildschaden, Iagdpachtsteuer, Jagdschein, Treiberlöhne, Patronen, — der Pächter muß also mindestens nock 2000 Mark draufzahlen. Das kann er auch, wenn er kein Fleischmacher ist und die Jagd nicht als Geschäft betreibt. Ein Schießer und Aasjäger ruiniert Ihnen den Wildstand — dagegen schützen keine Paragraphen — und in sechs Jahren bekommen Sie statt 4500 höchstens noch 1000 Mark.' Die ruhigen und sachlichen Ausführungen des Grafen verfehlten ihre Wirkung nicht. Die Bauern sahen sich gegenseitig an, sprachen zueinander und gingen dann auf des Grafen Worte ein. Hubertus stellte fest, daß die Stimmung für ihn sehr günstig war. Ruhig wartete er der kommenden Dinge. Wie in einem Bienenstock schwirrte es durcheinander, und Brettschneider konnte sich kaum Gehör verschaffen. „Ich möchte sagen, daß der Herr Graf zur Egede mit feinen Ausführungen das Richtige trifft. Ich bin jedenfalls dafür, daß wir unsere Jagd einem hier ansässigen Jäger überlassen. Es ist schon wegen des Wildschadens." Hubertus lächelte: „Es freut mich, dies zu hören und jetzt will ich Ihnen mein Angebot nennen: 4500 Mark und 500 Mark für die Ortsarmen pro Jahr, außerdem eine einmalige Zuwendung von 1000 Mark an die gemeinsame Schule der drei Dörfer. Die Hälfte dieses Betrages soll zur Anschaffung von Lehrmittelpräparaten dienen, damit die Jugend die heimische Tier- und Pflanzenwelt besseiAals bisher kennen lernt, die andere Hälfte ist bestimmt, um den Grundstock für eine Leihbibliothek zu bilden, die landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche, jagdliche Werke neben gediegener Unterhaltungslektüre umfassen soll." Sekundenlang herrschte Totenstille, aber dann war es, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Egede wartete ruhig ad. bis sich die Bewegung gelegt hatte. „Meine Herren! Wir wollen uns recht verstehen! Dies Angebot habe ich gemacht und halte es aufrecht, aber nur unter zwei Bedingungen: die Pachtdauer muß von sechs auf zwölf Jahre erhöht werden, und der § 15, in dem bestimmt wird: „Der Iaodnöitzter vervfti-6ikt ss-tz. in den Geinar- kungen Döbritz, Karsdorf und Langenau keine Hunde unk Katzen abzufchießen oder zu fangen" wird gestrichen." Der Wildgraf beugte sich vor. „Ja, nun machen Sie enttäuschte Gesichter, doch bei näherer Prüfung werden Sie selbst finden, daß ich recht habe. Sehen Sie, meine Herren, ich bin gewillt, ein Vermögen an- rulegen, UM den Besatz an Niederwild hochzubringen; das kann ich aver nur dann, wenn mir genügend Zeit gelassen wird, und sechs Jahre sind eine viel zu kurze Frist. In der hiesigen Gegend trägt ein Rehbock seine stärkste Krone erst im fünften oder sechsten Lebensjahr, ich muß die kümmernden, schlecht veranlagten Böcke vor der Brunst abschießen, die guten solange leben lasten, bis sie sich vererbt haben und auf der Höhe ihrer Kraft stehen. Wirklichen Wildschaden verursachen nur Karnickel und Fasanen, und Rebhühner sind für den Landwirt überhaupt keine Schädlinge, und auch der E asan macht sich durch die Vertilgung von Engerlingen und arven nützlich. Die Kaninchen halte ich kurz, es wird genügend frettiert werden, Fasanen habe ich in Drehna genug, aber den Besatz an Hasen und Hühnern kann ich. ohne daß dadurch Ihre Interessen irgendwie berührt werden, auf die doppelte Höhe bringen. Soll ich mich nun sechs Jahre lang plagen, Geldopfer bringen und hegen, nur damit mein Nachfolger die Früchte erntet?! Und dann das Abschußverbot für wildernde Hunde und Katzen! Im Jagdgesetz steht, daß die Tötung erst in einer Entfernung von mindestens 500 Metern vom nächsten bewohnten Gebäude erfolgen darf, das ist eine berechtigte Maßnahme, doch ich sehe keinen Grund, um noch über diese Bestimmung hinauszugehen. — Sie haben das Recht, inner- halb Ihrer Grundstücke Raubwild zu erlegen» — soll der Jagdpächter allein eine Ausnahme machen und sich nicht gegen Schädlinge, die den Wildstand bedrohen, schützen dürfen?! Das hieße mit zweierlei Maß messen! Sie können das Zutrauen zu mir haben, daß ich nicht gleich jeden „Molly" oder „Nette!" oder wie der Köter sonst heißt, der mal herumstreunt, vor den Kopp schieße, aber ein Hund, der gewissermaßen gewerbsmäßig wildert, ist für feinen Besitzer wertlos, für das Revier schlimmer als ein halbes Dutzend Füchse! — Und nun erst die Miezekätzchen! Irgendwo in einem Karnickelbau richten sie sich ihre Wochenstube ein, reißen jeden Iunghasen, jedes Rebhuhn und jeden Fasan, der Mäusefang ist ihnen viel zu beschwerlich, sie sind Raubzeug, gefährlicher als Marder oder Iltis!" — „So, meine Herren," Egede legte den Pachtkontrakt auf den Tisch, „nun habe ich Ihnen alles gesagt, was ich auf dem Herzen hatte, und da ich vermute, daß die Aussprache einige Zeit dauern wird, will ich mir erst mal in der Gaststube, einen Grog zu Gemüte führen, Herr Brettschneider, Nr. 59. Jahrgang 1927. plante Neugestaltung der Landpostbestellung beseitigt werden und zwar durch Einführung von Kraftwagen, die die Landorte an den Werktagen zweimal und an den Sonntagen einmal befahren sollen. Von postamtlicher Seite wird indessen einschränkend gleich mitgeteilt, daß die Landzustellung durch Kraftfahrzeuge nur sehr allmählich durchgeführt werden soll und datz ihr vollkommener Ausbau eine Reihe von Jahren dauern wird. # Sinsheim, 26. April. (Rundfunkapparate im Reiseverkehr.) Mit zunehmender allgemeiner Einbürgerung des Rundfunks gewinnt die Frage der Mitnahme des Rundfunkapparates auf Reisen immer mehr Bedeutung. U. a. ist auch wiederholt die Frage aufgetaucht, wie es mit der Zollbehandlung der Rundfunkapparate bei Auslandsreisen ist. Der Reichsfinanzminister hat bereits 1925 (Reichszvllblatt Nr. 20, S. 49 — Verfügung vom 14. Juni 1925 — II BZ. 3073 —) bestimmt, daß Rundfunkapparate im Reiseverkehr zollfrei belassen werden können. sk Grombach, 26. April. (Erstkommunion.) Am weißen Sonntag fand in der Pfarrkirche die Erstkommunion der Kinder für Grombach und Kirchardt statt. Das Wetter war günstig, sodaß die auswärtigen Kinder einen schönen Kirchgang hatten. Herr Pfarrer Bücher richtete auch an die ältere Jugend wohlgemeinte, ermahnende Worte. Die Prozession der Kommunikanten ging vom Schulhaus zur Kirche, dabei wurde der festliche Glanz des Zuges durch 3 schön gekleidete Kinder erhöht. An der Heil. Kommunion nahmen 12 Knaben und 12 Mädchen teil. o= Eppingen, 23. April. (Verschiedenes.) Die Freiwillige Feuerwehr war gestern Vormittag zu ihrer ersten diesjährigen Uebung ausgerückt, die einen guten Verlauf nahm und erst abends beendet war. Anschließend fand in der Turnhalle die Wahl des 1. Kommandanten und der Ersatzleute statt. Die seitherigen Stelleninhaber wurden per Akklamation einstimmig wiedergewählt, nur die Arbeitsmannschast wählte sich einen neuen Ersatzmann und zwar Herrn Baumeister Hermann Faller. — Der Reiteroerein hatte auf Samstag abend seine Mitglieder in die „Krone-Post" zur diesjährigen Generalversammlung eingeladen. Der 1. Vorsitzende, Herr Tierarzt Fritz Hecker, begrüßte die Erschienenen und gab einen Rückblick über die Geschehnisse seit Gründung des Vereins. Es ist hiervon besonders zu erwähnen: Der Reiterverein ist ins Bereinsregister eingetragen, 50 Mann und 30 Pferde find gegen Haftpflicht versichert, von der Stadtgemeinde wurde dem Verein in großzügiger Weise Gelände im Tannenwäldchen zur Erstellung eines Reitplatzes zur Verfügung gestellt. Der Kassier des Vereins, Herr Kaufmann C. F. Frey, erstattete den Kassenbericht, der einen günstigen Stand aufweist. In den darauffolgenden Wahlen wurden die seitherigen Stelleninhaber wiedergewählt. Gegen 12 Uhr konnte der Vorsitzende die gut verlaufene Generalversammlung schließen. Gestern nachmittag fand bei der alten Zichorienfabrik unter starker Beteiligung der Mitglieder Unterricht im Pferdevorführen und Unterricht am lebenden Pferd statt, wobei der Vorsitzende einen äußerst interessanten und lehrreichen Vortrag hielt, insbesondere auch über die verschiedenen Pferdekrankhetten. Anschließend waren die Mitglieder noch in gemütlicher Weise im „Löwen" beisammen. so Eppingen, 27. April. (Verschiedenes.) Die Wanderabteilung des T.V.E. machte letzten Sonntag mittag einen Ausmarsch nach dem zwischen Rohrbach und Zaisenhausen gelegenen Walde. Der zur Zufriedenheit aller ausfiel. — Am Sonntag Abend fand im „Gasthaus zum Engel" ein Märchenspiel statt, „Schneewittchen und die 7 Zwerge", das großen Anklang fand. — In den nächsten 14 Tagen wird, sicherem Vernehmen nach, die so dringend notwendige Walzarbeit auf der Straße Eppingen—Elsenz von Abzweigung Adelshofen bis zum Birkenwald vorgenommen. Die hierfür nötigen Steine find bereits angefahren. — Rohrbach b. E., 25. April. (Erstkommunion.) Am weißen Sonntag sind 33 Kinder — 18 Knaben und 15 Mädchen — an den Tisch des Herr getreten, um das Sakrament der hl. Kommunion zu empfangen. Die ganze Gemeinde nahm an der hl. Feier herzlichen Anteil, ist doch gerade der weiße Sonntag ein Tag der Erinnerung an eigene Kindheit und an die Zeit unbekümmetter. glücklicher Jugend. — Lobenfelh, 25. April. (Erstkommunion.) Fünfzehn Erstkommunikanten der Pfarrkuratie wurden vor dem Hochamte in feierlichem Zuge, dem eine Musikkapelle voranschritt, vom Schulhause aus zur Kirche geleitet. Nach Schluß der Erstkommunionfeier brachte Herr Pfarrkurat Ioos dem 16. Erstkommunikanten, der infolge eines kürzlichen Unfalls das Bett hüten muß, die erste hl. Kommunion. 4- Mosbach, 26. April. (Die hiesigen Neupriester) haben ihre erste Anstellung erhalten. Kaplan Fritz Stoll ist nach Mülhausen, Kaplan Wilhelm Frank ist nach Walldürn anga- wiesen. ** Mannheim, 27. April. (Ein Zeichen der Zeit.) Kommt dieser Tage eine Mutter mit ihrem zu Ottern aus der Schule entlassenen Jungen auf das kaufmännische Büro und trägt dem Chef vor: „Eine Empfehlung von dem Herrn Lehrer £. und er läßt Sie bitten, meinen Jungen in die kaufmännische Lehre zu nehmen!" Der Chef mustert die Frau mit dem Jungen und erwidert. „Gewiß, ich beabsichtige, einen Lehrling einzustelleu, aber, lieber Junge, du scheinst mir schon zu viel zu können und deine Mutter zu wenig! Ich habe Euch beide auf der Straße vor meinem Büro schon beobachtet und mußte wahrnehmen, daß Du die brennende Zigarette im Munde hattest, es ist mir nun auch erklärlich, woher Deine gelben Finger. Ich bedaure. Dich nicht etn- äellen zu können. Beeile Dich, daß Du binauskommst, da- ritt Dir Deine Zigarette, die Du draußen abgelegt hast, »icht ausgeht!" ** Mannheim, 27. April. (Schwerer Sturz.) Im Großkraftwerk stürzte gestern ein 20 Jahre alter Monteur beim Montieren einer neuen Dampfturbine vor einem Gerüst, so daß er beiderseitige Unterarmbrüche, eine Rißwunde am rechten Ellenbogen und außerdem eine Prellung der Wirbelsäule öavontrug. Er wurde mit dem Sanitätsauto in das Allgemeine Krankenhaus verbracht. ** Mannheim, 27. April. (Sturz eines Radfahrers.) Aus der Brückenstraße geriet gestern nachmittag ein Kaufmann mit seinem Fahrrad in die Schienen der Straßenbahn, fiel zu Boden und zog sich im Gesicht erhebliche Hautabschürfungen zu. Auf der Hauptfeuerwache wurde ihm ein Notvcr- band angelegt. ** Schwetzingen, 27. April. (Bürgermeister Götz rehabilitiert.) Ja der letzten Sitzung des Bürgerausschusies am 31. März ds. Js. ist es bekanntlich zwischen der stärksten Rathausfrakticn, dem Bürgervercin, und dem Bürgermeister Götz zu einem offenen Konflikt gekommen. Der Bür- gerverein hatte dem Bürgermeister vorgeworfen, daß er sein Amt nicht unparteiisch verwalte. Daraufhin hatte Bürgermeister Götz beim Bezirsamt Mannheim die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen sich beantragt. Das Ergebnis der Voruntersuchung der Staatsaufsichtsbehörde liegt nunmehr vor. Die bezirksamtliche Untersuchung hat gar keinen Grund ergeben, das Dienstverfahren gegen Bürgermeister Götz aus Grund des 8 74 bet &ab. Gemeindeordnung einzuleiten. Es wurde nach der eidlichen Einvernahme einer großen Anzahl Zeugen sestgestellt daß Bürgermeister Götz in- und außerhalb seines Amtes sich keiner Verfehlung D« Landbote * Sinsheim« Zeitung. schuldig gemacht hat, die der Staatsaufsichtsbehörde Grund zum Einschreiten geboten hätte. ** Wciuheim, 27. April. Eine schreckliche Verletzung.) Im Birkenauertal wurde das dreijährige Söhnchen des Steuerbeamten Philipp Oswald von einem Motorradfahrer angefahren, wobei dem Kind das Nummernschild des Motorrads in das Gehirn drang. Die linke Körverhälfte war sofort gelähmt. Das zwischen Tod und Leben schwebende Kind befindet sich im Städtischen Krankenhaus. ** Karlsruhe, 27. April. Am Sonntag wurde hier ein lediger Friseur von Peitze wegen Betruges festgenommen, weil er sich in Freiburg in den Schnellzug Basel—Frankfurt als blinder Passagier eingeschmuggelt hatte. ** Karlsruhe, 27. April. Gestern vormittag kam ein Radfahrer auf dem nafien Asphaltboden der Kriegsstraße zu Fall und wurde von einem hinter ihm herkommenden Lastkraftwagen überfahren. Er erlitt Verletzungen an Brust und Beinen. Sei« Fahrrad wurde stark beschädigt. Ein verheirateter 36 Jahre alter Hilfsarbeiter fiel beim Befahren einer Kurve im Stadtteil Daxlanöeu von eilier Droschke und trug eine Gehirnerschütterung davon. ** Freudenstadt, 26. April. Im Gewann Heiden pflügte die Frau des Bauunternehmers Fahrner mit einem Knecht und zwei Pferden ihre» Acker. Beim Wenden des Pflugs scheuten die Pferde. Frau Fahrner kam unter den Pflug und wurde 5 Meter weit geschleift. Sie wurde sofort ins Bezirkskrankenhaus verbracht. Die Aerzte stellten Verletzungen der Bauchhaut fest, die aufgeriffen ist. Die Bauchhöhle selbst blieb unverletzt, so daß keine Lebensgefahr besteht. ** Kehl, 27. April. ’ Die Generalversammlung des Mit- telbaöischen Musikgaues, auf der Vertreter von 30 Musikkapellen anwesend waren, hat beschloffen, das nächste Musikfest im Frühjahr 1928 in Kehl abzuhalten und mit der Durchführung den Hanauer Musikverein zu betrauen. Gaudirigent wurde wieder Gerhardt-Kehl, der bewährte Leiter genannten Vereins. ** Rheiubischofsheim, 27. April. (Tödlicher Unglücks- sall.) Am Sonntagvormittag wollte der 70 Jahre alte Landwirt Philipp Wendling von hier ein junges Pferd einfahren. Trotzdem das Pferd von seinem Sohne geführt wurde, scheute es plötzluh, ging mit dem Wagen durch und rannte mit voller Wucht gegen eine Telegraphenstange. Durch den Anprall stürzte der alte Wendling vom Wagen und schlug mit dem Kopfe so heftig an die Telegraptenstange, daß er zerschmettert wurde. Der Tod trat augenblicklich ein. ** Wiugarteu bei Offenburg, 27. April. (Kirchendieb.) Nachdem erst vor kurzem ein schwerer Einbruch in unsere Kirche verübt worden war, versuchte vergangenen Samstag nachmittag am Hellen Tage, ein noch unbekannter Täter den Opferstock der Kirche zu erbrechen. Er wurde durch eine hinzukommende Person au seinem Vorhaben verhindert. Die Verfolgung wurde sofort ausgenommen. Da eine ziemlich genaue Beschreibung des Täters möglich war und am Opferstock selbst Fingerabdrücke gemacht werden konnten, ist z» hoffen, daß man den Kirchendieb doch noch erwischt. ** Lahr, 27. April. (Fahrraddiebstahl.) Gestern abend gegen 9 Uhr wurde ein vor einem Geschäft in Dinglingen stehendes Fahrrad entwendet. Auf der Suche nach dem Dieb stieß der Bestohlene, ein Dinglinger, im „Schlüfiel" auf eine Schutzmannspatrouille, der er Anzeige erstattete und die auch gleich darauf den Fahrradmarder stellte. Dieser, ein in Dinglingen wohnender früherer Zwangszögling, ergriff die Flucht und konnte nicht eingeholt werden,' das Rad wurde aber später vor dem Amtsgefängnis aufgefunden. ** Vöhrenbach, 27. April. Auf der in sehr steilen Windungen in das Bregtal abfallenden Straße Unterkirnach— Vöhrenbach stürzte ein auswärtiger Radfahrer derart, daß das Rad in Trümmer ging und er selbst mit schweren Verletzungen vom Platze geschafft werden mutzte. ** Billinge«, 27. April. Mit dem neuen Sommer- Klugplan wurde der Schwarzwalölinie Konstanz—Karlsruhe—Mannheim eine wesentliche Verbefferung zuteil, indem diese eine direkte Fortsetzung über Darmstadt, Frankfurt, Koblenz nach Köln erhält, während man bisher auf die entsprechenden Anschlüsse angewiesen war. Das Flugzeug wird 8.50 Uhr vormittags in Konstanz abfliegen und nach Zwischenlandungen in' Villingen, Baden-Baden, Knrls- ruhe (10.50 Uhr), Mannheim, Darmstaüt, Frankfurt (12.45 (Ihr), Koblenz in Köln um 14.45 Uhr landen. Umgekehrt fliegt dasselbe in Köln um 13.30 Uhr ab, um in Konstanz um (9.00 Uhr zu landen. Die Bctriebseröffnung der Teilstrecke Frankfurt—Köln wird noch bekanntgegeben werden, während die Eröffnung der eigentlichen Schwarzwaldstrecke bekanntlich am 2. Mai erfolgte. Die Flugdauer Konstanz— Köln wird also nur 6 Stunden betragen. ** Konstanz, 26. April. Zu dem Absturz des Kronleuchters im Konstanzer Münster wird ergänzend mitgeteilt, daß der Leuchter aus schwerem massivem Holz bestand und daher ein sehr erhebliches Gewicht hatte. Der Leuchter hatte drei übereinander angeordnete Ringe, an denen kranzartig über dreißig Glühlampe» angebracht waren. Der Unfall ereignete sich während des für die Kinderkommunion bestimmten Gottesdienstes. Wäre der Absturz zwei Minuten später erfolgt, so wäre der Leuchter in die Schar der Kinder hineingefallen, die sich zum Altar begeben wollten. Der Gottesdienst wurde nicht abgebrochen, sondern die Kinder, deren sich ziemlicher Schrecken bemächtigt hatte, gingen um das Trümmerfeld herum zum Altar. __ . ** Reichenan-Riederzell, 27. April. (Gestörtes Brutgeschäft.) In einer Bucht hatte sich ein Schwanenpaar niedergelassen, das bereits sei drei Wochen brütete. Als sie anfingen, war der Wasserstaus noch gering, stieg aber zusehends: dazu kam aber noch am Samstag der Sturm und der hohe Wellengang, so daß das Nest bedroht war. Wohl suchte man es zu schützen, allein die Wellen wurden dem Neste zur Gefahr, so daß die Schwäne dasselbe verließen und nicht mehr zurückkehrten. Der Gnadensee ist jedenfalls für das Brutgeschäft der Schwäne nicht günstig. ** Immenstaad, 27. April. (Einbruch.) In der Nacht auf den Samstag wurde hier in zwei Häusern eingebrochen: im Pfarrhaus und in der Postagentur. Etwa nach 2 Uhr machten die Einbrecher dem Gasthaus zum „Adler" Besuch. Sie durchschnitten das Fenster der Postagentur, stiegen ein und suchten die Postkaffette zu erbrechen. Es gelang ihnen aber nicht. So mutzten sie überall ohne Beute abziehen. ** Stuttgart» 26. April. (Der Bär in den Schloßgartenanlagen.) Eine Ueberraschung eigener Art bot sich am Ostersonntag früh in den Schloßgartenanlageu. An seinem ersten Rundgang sah sich plötzlich ein Aufseher einem zunächst rätselhaften Etwas gegenüber, das sich beim näheren Zusehen als ein leibhaftiger Bär herausftellte. Als vorsich- ttger Man holte der Aufseher ein Gewehr herbei, zu gleicher Zeit kroch aber hinter einem Baum ein Mann hervvr, der Mittwoch, den 27 . April 1927. sich als der zu dem Bären gehörige Treiber entvuppte und in harmloser Weise erklärte, datz er nichts Schlimmes im Schilde geführt habe, sondern lediglich in der Ruhe der unteren Anlagen mit seinem Meister Pez dem Oftermorgen habe entgegenschlummern wollen. ** Gmünd, 26. April. Ein Lehrling von Bruckacker bei Durlangen fuhr in rasendem Tempo bei der Einmündung der Pfersbacher Straße in Mutlangen auf ein Milchfuhr- wcrk und war sofort tot. Nach Zeugenaussagen trifft den Fnhrwerksbefitzer keine Schuld. ** Rottenburg, 26. April. Ein ca. 50jähriger Gefangener von der hiesigen Strafanstalt, gebürtig aus Frankfurt, wurde mit einer jüngeren Frauensperson in der Weggentalkirche getraut. Ein Wachtmeister in Zivil war Zeuge und zugleich zur Beaufsichtigung beigegeben. ** Gräfenhainchen, 26. April. (Unliebsamer Fahrgast.) Am Sonntag wurden die Fahrgäste eines Abteils vierter Klaffe des Personenzuges Berlin-Halle in nicht geringen Schrecken versetzt. Ein Mann entledigte Och plötzlich seiner Oberkleiöer und sprang im Wagen umher. In Gräfenhain- chen verließ er das Abteil und spazierte im Adamskostüm auf dem Bahnsteig auf und ab. Einige Bahnangestellte brachten den geisteskranken Mann wieder in den Wagen zurück und übergaben ihn in Bitterfcld der Polizei, die ihn im Krankenwagen abtransportierte. ** Straßbnrg, 27. April. (Brandstiftung während der Versteigerung.) Während der Versteigerung des Nachlasses :iner in Burbach bei Zabern verstorbenen Frau wurde der Vauenhof, in dem die Versteigerung stattfand und der am Nachmittag selbst unter den Hammer kommen sollte, in Vrand gesteckt. Das Gebäude brannte vor den Augen der Lrben und Kauflustigen bis auf die Grundmauern nieder, >a die mit Heu und Stroh gefüllten Speicher ein mächttges Feuer entfachten, gegen das die Feuerwehr ohnmächtig war. Der Brandstifter konnte bis zur Stunde nicht ermittelt werten. Schwere Sturme und Hochwasser Stettin» 27. April. In dem Gebiet der Odermündung herrschten gestern sehr schwere Stürme, zeitweffe in Windstärke 11. In Stetttn wurden u. a. zahlreiche große Schan- fensterscheiben durch den Sturm zertrümmert. Im Industrie- und Verladehafen erreichte die Wellenbildung eine nie dagewesene Höhe. Die Verladerampe und das weite Wie- sengeläude wurden überflutet, wodurch der Verkehr stark behindert wurde. Auch aus der Provinz werden erhebliche Sturmschäden gemeldet. So wurden auf dem Gute in Natz- laff bei Köslin zwei Scheunen abgedeckt. Das Dach der einen Scheune, die völlig zusammenstürzte, wurde etwa 800 Meter weit, über verschiedene Gebäude geschleudert. Zwei Arbeiter wurden dadurch schwer verletzt. Auf den Landstraßen wurden viele Fuhrwerke in die Straßengräben gedrängt. Bei Kolberg sank ein Kutter, dessen Insassen erst nach vier Stunden gerettet werde» konnten. Aus Swinemünde wird Windstärke 10 gemeldet. In der Gegend von Schwedt war gestern abend das Hochwasser so gestiegen, daß man zur Verhütung von Deichbrüchen die Schleusen öffnen mußte. Schwerin, 26. April. Die Lage im mecklenburgischen Hoch- wassergebiet ist bis hente nachmittag noch kritischer geworden. Im Laufe des Vormittags ist es allerdings den Mannschaften der Sicherheitspolizei gelungen, den heute vormittag erfolgten zweiten Dammbruch bei Bandekow zu dichten. Da die größte Gefahr zur Zeit noch nicht überwunden zu sein scheint, sind am Nachmittag wettere 66 SicherheitspoU- zisten aus Schwerin nach den gefährlichsten Punkten abgegangen. Wie heute nachmittag um 2 Uhr aus Bandekow von der Leitung der Polizei gemeldet wird, können noch zwei Dammbrüche erwartet werden. Der orkanartige Sturm, der noch immer anhält, erschwert die Rettungsarbeiten außerordentlich. Sturm und Ueberschwrmmnng in Rorddeutschland. Der orkanartige Sturm, der in der vergangenen Nacht mit einem wolkenbruchattigen Regen über Berlin niederging, hat in den öffentlichen Anlagen großen Schaden angerichtet. Alte Bäume sind entwurzelt worden. In der Dellevuestraße und an der Hauptstraße in Schömberg mußte die Feuerwehr die Hindernisse beseitigen. In einzelnen Stadtteilen kam es zu Kellers- Überschwemmungen. Aus Hamburg wird gemeldet: Heftige Aprilstürme haben an der unteren Elbe Sturmfluten hervorgeführt, die das bebaute Porlano teilweise unter Wasser setzten und großen Schaden im Obst- und Gemüsebau anrichteten. Weiter elbaufwärts sind die Sommeroeiche vom Hochwasser teilweise überflutet. Sich selbst i« die Lust gesprengt. Hannover, 27. April. In Oldenburg entleibte sich ein Pächter, indem er eine Tynamitpatrone zur Entzündung brachte die Leiche wurde gräßlich verstümelt. Berhaftung des Kindesmörders Inst. Hamburg, 26. April. Der Kindermörder Just, der, wie berichtet, am 23. ds. Mts. aus wirffchaftlichen Sorgen seine beiden Kruder vergiftete, wurde am Sonnabend in der Süder Straße erkannt und festgenommen. Nach seiner Angabe ist bei ihm und seiner Frau das Gift, das sie ebenfalls eingenommen hatten, ohne Wirkung geblieben. Er habe nicht den Mut gefunden, seinem Leben auf eine andere Weise ein Ende zu machen. Seine Frau hatte, wie gemeldet, versucht, sich in der Bille zu ertränken. Der rasende Antofahrer. Chemnitz, 27. April. In der Sonntagnacht wurde ein 20 Jahre altes Mädchen, das von einem Tanzvergnügen heimkehrte, von einem in großer Geschwindigkeit entgegenkommenden Auto in der Nähe der Wirtschaft »FSanderers Ruh" überfahren. Es starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Eine Freundin der Verunglückten konnte sich noch im letzten Augenblick in Sicherheit bringen. Der Wagenführer bledete nach dem Unglück sofort die Scheinwerfer ab und flüchtete. Drei junge Leute hatten aber sofort die Wagennummer notiert, so daß die Personalien des wilden Fahrers festgestellt weiden konnten. Berzwciflnugstat einer Mutter. Wien, 27. April. In Graz hat eine 32jährige ArbeiterS- frau aus Verzweiflung über drohende Wohnungslosigkeit ihren vier Kindern im Alter von 3)4 bis 7 Jahren den Hals durchschnitten und dan Selbstmord begangen. Gin Spielmarkenfälscher i« Wien verhaftet. Wie». 27. Avril. Im Zusammenhang mit den Tpiel- markenfälschnngen in Monte Carlo wurde hier der Kaufmann Philipp Nuß bäum verhaftet. Er wird beschuldigt, in Wien und in Budapest falsche Spilmarken für Monte Carlo in Auftrag gegeben zu haben. Eine Reihe gefälsch- ier Spielmarken zu zwanzig und vierzig Franken wurde bei ihm beschlagnahmt. Tödlicher Antouufall eines Schlafende«. Paris, 27. April. Ein Industrieller aus Troyeys, der oom Begräbnis seines Bruders kam, schlief während der Nr. 50. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Mittwoch, den 27. April 1927. Fahrt am -Steuer feines Automobiles ein. Der Wagen fuhr bald darauf an einen Baum, wobei der Industrielle Wnen Tod fand. 25 Personen bei Leland ertrunken. Merpkis, 26. April. Wie die Zeitungen melden, sind gestern in der Nähe von Leland 28 Weiße und Neger ertrunken, als sie, um sich aus einem brennenden Gebäude zu retten, ins Wasser sprangen. < Fünfhundert Tote der Ueberschwemmungs. Katastrophe am Miffisippi Rervyork, 27. April . Nach den letzten Meldungen aus dem Ueberschwemmungsgebiet des Missisippi ist die Zahl >er Todesopfer auf fünfhundert angestiegen, die der Obdachlosen auf 260 600. Der Schaden beläuft sich bisher auf eine Milliarde Dollar, wovon die Hälfte auf die Baumwoll- und Kornfelder entfällt. Sieben Millionen Acres Land stehen anter Wafler und 25 weitere Millionen Acres sind in Gefahr, überflutet zu werden. Tobsuchtsansall im Schlafwaaen. »Az Eft" berichtet von einer Schreckensszene, die sich im Schlafwagen des Budapest—Wiener Schnellzuges abgespielt hat. In einem Abteil des Schlafwagens reisten zwei türkische Kaufleute aus Alexandrien namens Simed Rabin und Daniel Tschiselma, von Konstantinovel kommend nach Wien, wo der ältere der beiden Kausleute. Daniel Tschiselma, sich wegen eines schweren Nervenleidens in ein Wiener Sanatorium zur Behandlung begeben wollte. Gegen 16 Uhr vormittags, als der Schnellzug sich auf offener Strecke 'in der Nähe von Totis befand, erlitt Tschiselma einen regelrechten Tobsuchtsanfall und begann zu brüllen und um sich zu schlagen. Als sein jüngerer Gefährte, Simed Rabin. ihn bändigen wollte, packte Tschiselma seinen freund, würgte ihn und stieb ihn auf den Korridor hinaus. Im Korridor setzte sich die wütende Rauferei fort, bis auf die Hilferufe des bedrängten Simed Rabin der Schaffner herbeieilte, um die Kämpfenden zu trennen. Ehe er aber dazu kam, spielte sich eine Schreckensszene ab. Die beiden raufenden Männer waren zur Tür des Schlafwagens gekommen, die sich plötzlich aus unbekannten Gründen öffnete. .In der nächsten Sekunde stürzte der von Tobsucht befallene Kaufmann Tschiselma durch die Tür auf die Strecke. Sein Gefährte konnte sich im letzten Augenblick retten, indem er sich mit einer Hand an der Griffstange des Waggons festhielt und sich gleichzeitig aus der Umklammerung seines Gegners befreite. Als der Zug in der Station Totis einiubr. erstattete der Schaffner die Anzeige über den Vorfall. Zwei Bahnbeamte fuhren mit Simed Rabin die Strecke zurück und fanden bva verunglückten Kaufmann Tschiselma neben dem Geleise am Bahndamm liegend in seinem Blute auf. Er hatte einen Arm- und Beinbruch sowie schwere Verwundungen am Kops erlitten. Er wurde in das Totiser Svital eingeliefert. Simed Rabin wurde nach einem kurzen Verhör freigelassen und setzte feine Fahrt nach Wien fort. Auch der Nervenkrw«;« Tschiselma soll nach Wien in eine Heilanstalt transportiert werden, sobald die Verletzungen seinen Transport zulassen. Zeusur über die Grabsteine. Der Präfekt von Mailand hat Zenkur über die Grabsteine verhängt. Er hat angeordnet, dab innerhalb seiner Provinz alle Grabstein-Inschriften auf den Friedhöfen genau nachgeprüft werden sollen. Wenn eine solche Inschrift Staatsfeindschaft verrät oder wenn sie Verwünschungen des Krieges enthält, wie es zuweilen auf den Steinen von Soldatengräbern der Fall ist. so soll die Inschrift beseitigt werden. Die Zensur geht aber noch weiter. Sie richtet sich auch gegen unpolitische Inschriften, wenn ste den notwendigen Ernst vermissen laffen. So ist z. B. die folgende Inschrift beanstandet und heseitigt worden: »Sie war meine einzige Tochter, jung- schön und gut. Vielleicht hätte sie schon in einem Monat Hochzeit feiern können, O grausames Geschick!" Der Eifer des Präfekten von Mailand hat den Bürgermeister nicht schlafen lassen. Er bat angeorbnet, daß in Zukunft alle Zitate aus der Hei''"n Schrift und aus Klaffikern, die auf den Grabft---en angebracht werden, mit einer Quellenangabe versehen sein müsien. Er hat ferner einen katholischen Priester, einen evangelischen Pastor und einen Rahbiner damit heauftragt, die Zitate auf den Grab» steiften der Friedhöfe mit dem Original zu vergleichen, da tn manchen Fällen der ursprüngliche Text ans irgend einem Grunde abgeändert worden ist Wird ein solcher Fall festgestellt. so mutz der Text abgeänbert oder gänzlich beseitigt werden. Eine grobe Insel i« der Beriuaftrabe zwischen Sibirien und Alaska wurde kürzlich von einem Dampfer angeramen. Tadel stellte sich Heraus, datz die Bewohner der Insel, zum Teil Slawen, zum Teil Eskimos, von dem Sturz der Zarenherrschaft und von der Errichtung der Sowjetregierung in Rußland keine Ahnung hatten. Sie waren sehr erstaunt, als man ihnen von dem schr-cklichen Ende des letzten Zaren erzählte. Vor 15 Jahren hatte ein Schiff die Insel besucht und seitdem waren "e Einwohner ohne jede Verbindung mit der Außenwelt geblieben. Der Herzog von Anhalt kauft die Wiener Volksoper? Abholzung von 3666 Morgen Wald, nm die nötigen Mittel zu beschaffen. In Deffau geht das Gerücht, datz das herzogliche Haus beabsichtigt, den größeren Teil der Mosigkauer Heide mit gutem Kiefernbestattde bei Lingenau abholzen zu lasten, um durch Hergabe des Geländes dem Ackerhunaer einer Anzahl von Kleinlandwirten zu genügen. Weiter beißt es aber, daß er in nicht zu ferner Zeit mit dem Abschlag des ganzen Geländes der Mosigkauer Heide, das dem Herzoghaus gehört, zu rechnen sei. Es handelt sich dabei um insgesamt 3(366 Morgen Wald, der gerade die landschaftlich schönsten Teile in sich schließt. Als Grund für diese Abholzung glaubt man vermuten zu sollen, daß dadurch das nötige Geld geschaffen werden soll für den Ankauf der Wiener Volksover, durch den in Plauen plötzlich verabschiedeten Intendanten Strickrodt, also ftir den Schwiegervater des Herzogs, der sich dann an dem Theater seines Schwiegersohnes als Oberregiffeur und Direktor betätigen wolle. Eine Unmöglichkeit birgt diese Version bei der ausgeprägten Leidenschaft des jugendlichen Herzogs für das Theater nicht in sich, darunter darf aber nicht die Allgemeinheit leiden. Der geplante Waldeinschlag ließe sich nur durch ein Forstaufsichtsgesetz verhindern. Der gefährliche Automieter. Die Verlobte schwer verletzt. — Todessturz aus dem Fenster. Leipzig, 21. April. Ein aufregender Vorfall spielte sich am Mittwochnachmittag im Hause Dufourstraße 38 ab. Be: einem Streit mit seiner Wirtin versetzte der Kaufmann stradelmann der Frau mit einem Hammer mehrere Schläge auf den Kopf und verletzte sie schwer. Darauf sprang der Täter aus einem Fenster des vierten Stockes auf die Straße und war sofort tot. Stradelmann war mit seiner Wirtin in Streit geraten und sollte ausziehem Er war mit ihr seit längerer Zeit vergibt, doch hatte die Wirtin das Verlöbnis rückgängig gemacht. Seit dieser Zeit kam es oft zwischen Beiden zu Streitigkeiten. Am vorhergehenden Tage hatte S. die Frau verprügelt. Nur dem Eingreifen einiger beherzter Hausbewohner ist es zu verdanken, daß der wütende Mensch von seinem Opfer, das auf den Treppenflur geflüchtet war, abließ. Inzwischen war die Polizei verständigt worden. Als ein sofort herbeigeholter Schlosser die Wohnung geöffnet hatte und die Beamten eindrangen, stand St. auf dem Fensterbrett und rief den Polizeibeamten zu: „Mein Leben ist verpfuscht!" Im nächsten Augenblick stürzte er sich auf die Straße, wo er mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Die Frau hat durch die Schläge mit dem Hammer fünf erhebliche Kopfwunden erlitten und mutzte sofort in ärztliche Behandlung genommen werden. Briand und Doumergue in Kniehose« Es wird immer klarer und deutlicher, daß der Weg der Männer zu kurzen Höschen führt. Mehrere Londoner und Pariser Schneider erster Ordnung arbeiten intensiv an Schnittmustern, die die Abschaffung der Pantalons und die Auferstehung der Kniehosen bedeuten. Wie alles, was seit zehn Jahren geschieht, wird auch dieses »eine Frucht des Krieges" sein: mit Wadenstrümpfen und Wickelgamaschen begann es. mit Sporthosen nach englischem Muster ging es weiter, mit Seidenhöschen nach alter französischer Hofmannsart wird es enden. Seele dieser Bewegung ist in Paris Maurice de Waleffe, Schriftsteller mit brillantem Stil und Mann mit ausgezeichneten Waden, aber er steht nicht mehr allein auf weiter Flur, denn seinen Svuren folgt jetzt schon eine ganze Schar Intellektueller", unter denen sich sogar ein Herr vom frommen, gegen alle Modernität wetternden „Gaulois" befindet. Feudale Klubs haben bereits pro und contra Kniehosen Stellung genommen, und die Geister platzen in stürmischen Versammlungen aufeinander, als wenn es um der Vaterländer heiligste Güter handelte. In einer dieser Versammlungen in Paris erschienen, von den neueruugssüchtigen Schneidern entsandt, als lebendige Illustration der kommenden Kniehosenmode ein paar charmante Jünglinge, die sich in ihrer Tracht von allen Seiten beaugenscheinigen ließen. Wir stehen also am Vorabend einer großen Offensive gegen die altehrwürdige Männerhose, die die Gegner einen aufgeblasenen Pneumatik, ein Würstchenvaar. eine Krankenhauslivre nennen. Wenn die Offensive gelingen sollte, wird die Frauenwelt in kurzem schon an der offensichtlichen Krummheit von Millionen Männerbeinen ihren Witz ühen können, es wäre denn, daß die kurzen Hosen nur für Männer mit wohlproportionierten Beinen und strammen Lands- knechtwaden zugelassen werden. Einen großen Trumpf kön--'> nen die Kniehosenträger schon jetzt aussvielcn: Doumergue ! und Briand haben für ihren bevorstehenden Besuch in Lon- \ don und für die Hoffcste, die dort aus sie warten, je ein, Paar Kniehosen bestellt. Nur auf den ersten Schritt kommt . es an, und wenn vielleicht die beiden erlauchten Herren ver-' »essen, vor der Abreise von London die Hosen zu wechseln und bann in Paris in kurzen Höschen ankämen, wäre das! Eis gebrochen: ganz Paris liefe tags darauf in Kniehosen i herum, vielleicht nicht einmal bloß soweit es männlich ist, ■ denn die neue Fraucnmode ist auch bereits stark für Hosen, interessiert . . > Wann liegt Hausfriedensbruch vor? Der Hausfriedensbruch im Sinne des Paragraph 123 des Reichsstrafgesetzbuches liegt vor, wenn das Hausrecht durch unbefugtes Eindringen oder Verweilen in fremden Räumen verletzt wird. Die Tatbestandmerkmale des Hausfriedensbruches sind also entweder widerrechtliches Eindringen in fremde Räume — die Wohnung oder Geschäftsräume eines Dritten, öffentliche Diensträume, „befriedetes Besitztum", - sz. B. ein abgeschlossener Lagerplatz) — oder unberechtigtes Perweilen nach einmaliger Aufforderung des Berechtigten, den Raum zu verlassen. Widerrechtliches Eindringen in fremde Räume erfüllt bereits als solches den Tatbestand-Momentes des De- • liltts: d. h. es bedarf in diesem Falle nicht erst der Aufforderung zum Verlassen des Raumes um das Borliegen eines Hausfriedensbruches zu begründen. Widerrechtliches Eindringen liegt stets vor, wenn jemand den Eintritt gegen den Willen des Berechtigten vollzieht, z. B. wenn jemand trotz der Aufschrift „Eintritt verboten" den Raum betritt oder wenn jemand, der unberechtigterweise in einem fremden Raume verweilte, trotz erfolgter Aufforderung, sich zu entfernen, nochmals zurückkehrt. Einer einmaligen Aufforderung, den Raum zu verlassen, bedarf es jedoch, sofern jemand nicht widerrechtlich eingedrungen ist, sondern nur ohne rechtliche Befugnis im Raume verweilt. Wenn beispielsweise ein Kunde oder ein Etraßenhändler einen Laden- Geschäftsraum betritt, so liegt kein widerrechtliches Eindringen vor. Wenn der Ladenmieter die Person jedoch auffordert, den Raum zu verlassen und sie dieser Aufforderung nicht nachkommt, so macht sie sich des Hausfriedensbruches schuldig. Der einfache Hausfriedensbruch wird mit Geldstrafe von 3 bis 306 Mk. oder 1—3 Tage Gefängnis bestraft. Der „gefährliche Hausfriedensbruch" (wenn der Täter mit einer Waffe versehen ist oder wenn mehrere gemeinschaftlich handeln) wird entsprechend höher bestraft. Die Verfolgüng wird aber'in beiden Fällen nur auf — zurückziehbaren — Antrag verfolgt. Nicht „Hausfriedensbruch" sondern eine Uebertretung im Sinne des Paragraph 368 ist das unbefugte Betreten bestellter Aecker und dergleichen. Neueste amtliche Kurse 26. April 1927. vom mitgetrilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. Sttlciben: Ablösunasschuld mit Nuslosungsschein ohne Auslosungsschein . Bankaktien: Bad. Ban! Darmstädler- und Nationalbanl 288 Deutsche Bant Deutsche Bereinsbanl Dresdner Bant Mitteldeutsche Ereditbant Reichsbant Rhein. Kreditbank . Südd. Disconw Bes. Dergwerk» « Aktie» ; Cementwert Heidelberg . 188 tn o/o I Daimler Motoren . . . Ist ! Dtsch. Gow- und Silberfcheide 235 Elettr. Licht und Kraft . . 22Z.30 Emaill. und Etanzwert Ullrich öS Farbeninduftrie . . . »23,50 Fuchs Waggon Stammaktien 0 , 8 «» Gritzner Maschinen Durlach . 13« Karlsruher Maschinen . . «2 Knorr Heilbronn ... 205 Matnlraftwerke Höchst . . 138,28 Reclarsulm.r Fahrzeugwerke . I»9,78 Schuclert Elettr. Nürnberg . 232,50 Seilinduftrie Wolfs 90 Südd. Zucker . . . . I«« Zellstoff Waldhof Stammattten — 319,25 21,50 tn o/o 16« 194,50 119 184 240 175 144 157 in °to 258,50 20 ,50 280,20 Harpener Bergbau Kalt Westeregeln Mannesmunnröhrenwerte. Mansselder Bergb. u.Hüttenw. 185 Oberschl. Eisenb. Bedarf . . — Phönir Bergbau u.Hüttenbetrteb 140 Salzwert Hetlbronn . . — Bereinigte Königs« Laurahütte — Aktie» Indnftr. Unternehmnngcn: tn 0 /o Allg. Elettr. Stammat.tien 205 Badenia Wetnhetm . — Bad. Elettriztiät Mannheim . — Bad. Maschinen Durlach . ui Aktie» deutscher Tranaportanstalten: Samburg. Amertk. Patetfahrt Heidelberger Straßen- u. Bergbahn 87 »orddeuts' tn »lo 158,5» her Lloyd Devisen: New-Iorl 1 Dollar London l Pfund Holland ioo Gulden Schweiz 100 Francs Wien 100 Schilling Daris 100 Francs Italien IOO Lire Geld 4,2130 20,464 168,59 81.01 59.28 16 bl 23.38 152 Brief 4,223t 20,516 169,01 81,21 59.42 16.65 23 3» Wetterbericht. Voraussichtliche Witterung bis einschließlich Mittwoch, den 27. April nachts: Kühler, zeitweise wolkig mit vorübergehenden Aufhellungen, einzelne Regenschauer bei böigen Westwinden polaren Ursprungs. ' Fagdanffeherdienst. Karl Schneider in Ehrstädt wurde als Jagdaufseher für die Gemeindejagdbezirke Reichartshausen, Michelbach und vorderer Zchntwald bestellt. E i n s h e i m, 16. April 1927. Bezirksamt. ZIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlIII»I»I IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIW | Handelsschule Sinsheim. | S Das neue Schuljahr beginnt am §| H Montag, den 2. Mai, vormittags 8 Uhr W Sjj mit der Anmeldung und Aufnahme der neu- D = eintretenden Schüler und Schülerinnen. Zum j= = Schulbesuch verpflichtet sind alle in hiesigen = = kaufmännischen Betrieben tätigen Lehrlinge, ES = Lehrmädchen, Gehilfen und Gehilfinnen, 3 = welche noch nicht das 18. Lebensjahr SS = erreicht haben. = = Unterrichtsbeginn der Klasse II Dienstag, = = den 3. Mai, derjenige der Klasse III Mittwoch, = =E den 4. Mai, jeweils vormittags 8 Uhr. Das = jE jährliche Schulgeld beträgt RM. 24.—. = H Der Schulvorstand. W Illlllllllilllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllinilll'lllllli Dßdißrößlüjulß SlilsWm. Das Schuljahr 1927/28 beginnt am Montag, de« 2. Mai, vormittags 8 Uhr. An diesem Tage findet die Aufnahme der neurintretenden Schüler und Schülerinnen statt. Aus Grund der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen find alle in den gewerblichen Betrieben der Gemeinden Einsheim, Weiler. Hoffenheim, Znzenhansen und Meckesheim beschäftigten männlichen und weiblichen Lehrlinge, Gesellen und Gehilfen, welche das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, zum Schulbesuch verpflichtet. Freiwillige Schüler, auch solche welche erst im Lause des Schuljahres Lehrstellen erhalten, können jetzt schon ausgenommen werden. Die Gewerbeschulpflicht beginnt sofort nach Eintritt in die Lehre, nicht erst nach Ablauf der Probezeit. Das jährliche Schulgeld, welches in drei Raten erhoben wird, beträgt RM. 24.—. Der Schulvorstand. ^ pür die Aufmerksamkeiten, die uns || | • anläßlich unserer silbernen Hochzeit • T erwiesen wurden, sagen wir auf diesem ff y Wege unseren herzlichen Dank. jj Familie Krummholz. | Wegen Platzmangel eine größere Partie Doppelfalzziegel UI. Sorte und Biberschwänze II. Sorte für landwirtschaftl. 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