Ctf4«bti W§Wifr «K Ausnahme der Feiertage. Bezuga-Prets: Gorch die Post bezogen und durch de« Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Soldmark L50 Ger Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. >n Fällen von höherer Gewalt -Gesteht kein Anspruch auf Liefer- »ng der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 !lhr Sonntags geschlossen. Werusprech-Anschluß Rr. 11 Postscheck-Konto Karlmuhe Rr. «908 General-Anzeiger für klsenz-und Läuoarzbaclital Der sLanöbote 5in§beimer MM Zeitung fsss General-Anzeiger für klsenz-und Läuoarzbaclital HeltcTte und verbreitetste Leitung dieser Gegend. IZnupt-Knzeigen-Slatt (QSdwrtUfb« BaiUfMt BW* and Qdni • Der Kobold » Dtae Illustrierte » CandwirtfcbnftUcb« Sei läge Anzeigen: Die 33 mm brert» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Rek lamen: Die 92 mm breit» Millimeter-Zeile 20 Goldp^. Grundschrift im Anzeigen» und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffest«» Rabatt, der bei NichtzahlumD innerhalb 8 Tagen nach Re5 nungsdatum oder bei gerichtliche» Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 llh, vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher ansgegeben werden. Bank-Konto: Deretnsbank Sinsheim e. G. rn. b. L. M 65 Mittwoch, den 4. Mai 1927 88. Jahrgang Frankreichs Kohlenraub im Gaargebiet. Der preußische Hanbelsminister gegen die französischen Liebergriffe. Berlin, 3. Mai. Bei der heutigen Bemtung des Berghaushalts im preußischen Landtag ging Handelsminister Dr. Schreiber auch auf die Besorgnisse wegen eines Uebergreifens des französischen Bergbaus von Lothringen aus in das Saargebiet ein und erblätte, daß tatsächlich an mehreren Stellen dicht an der Grenze des Saargebiets umfangreiche Schachtanlagen errichtet worden seien, woraus sich für das Saargebiet neue, erhebliche Schädigungen ergäben. Außerordentlich überraschend sei, daß sich die Saarkommission damit einverstanden (!) erklärt habe. Per Minister bezeichnte es als einen Mißbrauch, wenn die reichen Kohlenschäße des Saargebiets nicht dort gefördert würden, wo sie lägen, sondern sozusagen auf fremdes Gebiet verschoben würden. Wenn die Volksabstimmung zu Deutschlands Gunsten aus- falle, so habe es das Recht, die gesamten Kohlengruben vom französischen Staat zurückzukaufen. Dieses Recht umfasse auch die Kohlenvorkommen im Saargebiet, die zurzett vom französischen Boden aus abgebaut würden. Der Minister erblätte namens der preußischen Regierung, die sich hierbei in vollem Einverständnis mtt der Reichsrcgierung befinde» daß Preußen niemals auf dieses Recht verzichten werden. Der Saarbrücker Laadfriedensbrnch. Saarbrücken, 3. Mai. Im Prozeß gegen 34 Personen, die angeklagt waren, am 18. Juni 1926 einen Kriegervcreinszug in Neunkirchen überfallen zu haben, wurden heute 11 Angeklagte wegen Landfriedensbruches zu vier Monaten Gefängnis und ein Angeklagter wegen Körperverletzung bei Ueberschreitung der Notwehr zu einem Monat Gefängnis verutteilt. Bewährungsfristen wurden nicht zugebilligt. Das Verfahren gegen sieben andere Angeklagte wurde, da es sich bei ihnen um schweren Landfriedensbruch handelt, an das Schwurgericht verwiesen. Die übrigen 15 Angeklagten wurden freigesprochen. Zw jjentip Eröffnung der Genf, 4. Mai. Die heutige erste Sitzung der Weltwirtschaftskonferenz, die um 11 Uhr beginnt, wird den Charakter eines Eröffnungstages tragen. Nach der Eröffnung des Präsidenten Theunis soll die Wahl der Vizepräsidenten und des Büros der Konferenz erfolgen. Die Generaldebatte wird mit Rücksicht auf die Sowjetdelegation, die für Mittwoch nachmittag erwartet wird, erst am Mittwochnachmittag oder Donnerstagmorgen eröffnet. Nach den bisherigen Vereinbarungen soll die allgemeine Aussprache durch Prof. Cassel-Schweden eröffnet werden, nachdem die Vertreter Frankreichs und Englands sowie die Sachverständigen Deusschlands das Wort ergreifen werden. Zum Schutz der Sowjetdelegation hat die Schweizer Polizei weitgehende Siche«tzeitsmaßnahmen getroffen. Die letzten Delegationen trafen größtenteils gestern hier ein. Neuyork, 8. Mai. Die Presse veröffentlicht ein Interview des Berliner Vertreters der „United Preß" mit dem Führer der russischen Delegation zu der Weltwirtschaftskonferenz Ossinski. Einleitend führte Offinfki aus, daß die Arbeiten der Delegation von dem Wunsche getragen würden, eine Basis für die Zusammenarbeit zwischen dem russischen Wirtschaftssystem und der übttgen Welt zu finden. „Wir würden, erklärte Ossinski, auch niemanden daran hindern, die Frage unseres Außenhandelsmonopols anzuschneiden, da wir uns ebenfalls das Recht Vorbehalten, jede uns wichtig erscheinende Frage zur Sprache zu bringen. Jedenfalls ist unser Standpunkt in der Frage des Außenhandelsmonopols genügend bekannt und wir werden jede Kritik daran zu entgegnen wissen". Weiter betonte Ossinski daß Sowjet- rußlanb hoffe, daß die Weltwirtschaftskonferenz die Aussichten ausländischer Kredite für seine Wirtschaft und seine Handelsbeziehungen mit den übrigen Ländern stärken würde, fügte jedoch hinzu, daß man sich in dieser Beziehung keinen übertriebenen Erwartungen hingebe.' Darüber gefragt, ob irgend welche formellen oder informellen Vereinbarungen zwischen Moskau und Berlin über eine deussch-russische Zusammenarbeit aus der Konferenz bestünden, deutete Ossinski an, daß derartige Vereinbarungen nicht bestünden. Die beiden Delegationen seien bisher noch nicht einmal zusammen- oetroffen, er fügte jedoch hinzu, daß man von der allgemeinen Linie der sehr guten deussch-ruffischen Beziehungen nicht abweichen wirb. Abschließend erklärte OssinM, daß die Teilnahme Rußlands an der Weltwirtschaftskonferenz nicht als Schritt in der Richtung des Eintritts in den Völkerbund gedeutet werden könne; „ein derartiger Schritt ist nicht in Sicht." Die Genfer Ruffendelegation in Berlin Berlin, 4. Mai. Die sowjetruffische Delegation für die Weltwirtschaftskonferenz in Genf ist gestern vormittag 9.20 Uhr auf dem Schlesischen Bahnhof in Berlin eingetroffen, wo sich der Berliner Handelsvertreter der Sowjetunion mit mehreren Herren der Handelsvertretung und der Botschaft zum Empfang eingefunden hatten. Die Umstellung Moskaus. Furcht vor „Einkreisung." Patts, 2. Mai. „Excelsior" veröffentlicht eine Meldung, in der bewiesen werden soll, daß sich in Moskau ein starker Einfluß dahin geltend mache, sich aufs neue den Ereignissen in Westeuropa zuzuwenden, nicht im Sinne einer Spaltung, sondern einer stärkeren Zusammenarbeit, um der Einkreisung zu entgehen. Der Pariser Sowjttbotschafter sei als einer der besten Kenner der Lage in Westeuropa eilig nach Moskau berufen worden. Es sei wahrscheinlich, daß Tschitscherin, mtt dem Moskau in lebhafter Fühlung stehe, vorerst noch im Süden Frankreichs bleibe, damit, falls die Aussprache in Moskau zu einem positiven Ergebnis kommen sollte, er eventuell notwendige Verhandlungen führen könne. Me Furcht Moskaus vor der Umkreisung, also die Furcht vor den Plänen Englands sei stärker als man annehme. Man erkenne sogar in offiziösen Blättern an, daß nur der Widerstand Deutschlands es verhindett habe, daß sich diese Einkreisung nicht stärkcr zeige. Ein besonderer Beweis für die in Moskau zutage tretenden Zustände glaubt der Berichterstatter in der Tatsache zu finden, daß trotz der italienischen Ratifizierung des Bettrags, der Bessarabien Rumänien zuspricht, man in Moskau beschlossen habe, die freundschaftlichen Beziehungen zu Mussolini aufrecht zu erhalten und daß eine derartige Erklärung in Rom abgegeben worden sei. WeltmrWstskiillserellz. Unnötige Aufregung in Paris. London—Paris—Rom Belgrad. Paris, 2. Mai. Gewisse Enthüllungen Berliner Blätter nach denen einmal eine Verstärkung der französisch-englischen Entente geplant sein soll, andererseits aber diese Vertiefung der Beziehungen wieder dadurch illusorisch gemacht worden sei, daß England in Livorno sich Italien hinsichtlich seiner Politik im Mittelmeer verpflichtet habe (Beide Meldungen wurden bekanntlich dementiett. Trotzdem kommen sie immer wieder), haben in den französischen politischen Kreisen großes Aussehen erregt. Man darf wohl sagen, daß beide Meldungen mtt Skepsis ausgenommen wurden. Wenn der Präsident der Republik sich Mitte Mai nach London begibt, so ist dafür eine besondere Ursache nicht vorhanden. Denn der Besuch des Staatsmannes sollte beretts im vorigen Jahre erfolgen, wurde aber wegen der Finanzkrise und der damit zusammenhängenden Kabinettskrise im letzten Augenblick abgesagt; es ist nur natürlich, daß der Staatschef jetzt endlich nach 12 Monaten diesen Besuch ausfühtt. Der „Temps" will in den beiden deutschen Meldungen den Versuch von Quertreibereien erblicken. Man begreift nicht, warum er sich über die erste Meldung, die eine weitere Annäherung Englands an Frankreich berichtet, aufregt, da er die richtige Ueber- zeugung von der wirklichen Lage in Europa hat. Wenn er betont, daß ein deutsch-fmnzösischer Ausgleich in keiner Wesse gegen England gerichtet sein kann, so versteht man nicht, warum er große Worte braucht, wenn man erklärt, es werde versucht die Politik der beiden Staaten in noch stärkerem Maße als bisher miteinander in Einklang zu bringen. Anders liegen die Mnge mit dem südlawisch-italienischen Konflikt. Jeder weiß, daß Frankreich Verpflichtungen gegen Serbien hat, daß aber die Beziehungen zwischen Paris und Rom, wenn sie auch in letzter Zeit sich außerordentlich korrekt gestaltet haben, doch nicht geradezu glänzend sind. Als der Streitfall zwischen Rom und Belgrad ausbmch, stand die französische Presse auf Seiten der Serben, und als der Tiranavertrag unterzeichnet wurde, hat man seinem Unbehagen darüber Ausdruck gegeben und Mussolinis auswärtige Politik verurteilt. Schon damit war festgelegt, daß England in dieser Fmge etwas anderes denkt als Frankreich. Und wenn die englische Politik sich jetzt nach sechswöchigen Verständigungsbemühungen zurückhält und erklätt, Rom und Belgrad müßten ihre Streitigkeiten nun nach Belieben auf direktem Wege regeln, so bedeutet das doch nicht, daß Chamber- lain sich gegenüber Mussolini gebunden hat. Allerdings sind Anzeichen dafür vorhanden und nicht erst seit Livorno, daß England gegen Italien eine ganz andere Politik betreibt als Frankreich. Das ist daraus zu erklären, daß England im Mittelmeer ebensowenig wie auf dem Kontinent eine beherrschende Macht dulden will. Darüber braucht sich der „Temps" nicht zu wundern und deshalb muß man protestteren, wenn er behauptet, Deutschland versuche England und Frankreich auseinanderzubringcn, wenn es offen seine Ansicht über die Lage in Europa ausdrückt. Me deutsche Presse hat ebenso wie die ftanzösische das Recht, sich zu äußern, ob es dem „Temps" gefällt oder nicht. Deutschland als Großmacht hat das gleiche Interesse an der europäischen Entwicklung wie Frankreich und es wird sich das Recht nicht nehmen lassen, zu allen Fragen Stellung zu nehmen, die seine wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Staaten beeinflussen können. Deutschland hat aufgehört, nur Objekt der europäischen Politik zu sein. Damit mutz man sich in Paris abfinden, und auch das offiziöse Organ des Quai d'Orsay würde gut tun, wenn es in esster Linie von dieser Tatsache Kenntnis nähme. Erst Handelsvertrag — dann Freundschaftsvertrag mit Iugoflavien Berlin, 4. Mai. Zu den in der Presse verbreitete» Meldungen über eine» z« erwartenden Freundschaftsvertrag zwischen Jugoslavien und Deutschland wird von zuständiger Seite erklärt, daß deutscherseits nicht die Absicht bestände, zur Zeit mit Jugoslavien derarttge Verhandlungen zu führen. In maßgebenden Kreisen Jugoslaviens stände man ebenso wie in Deutschland auf dem Standpunkt, daß zuerst eine Regelung der Handelsbeziehungen erfolgen müsse, ehe Verhandlungen über eine« Freundschastsvertrag beginnen könnten. Eröffnung der panamerikanischen WirtfchaftsLonferenz Berk«, 3. Mai. Ter „Tägl. Rundschau" zufolg« erffff» nete Staatssekretär Kellogg gestern die dritte panamerikanische Wirtschastskonferenz und führte dabei «. a. aus: 'Die Vereinigte» Staaten wollten nichts von Latainamerikn, Waffe nicht ebenso ihrerseits ihren Schwesterrepubliken zu geben bereit seien. Das Wort Panamerikanismus bedeute, mehr als freundschaftliche Beziehungen zwischen den betreffenden Regierungen. Er verkörperte das gegenseitge wohlwollende Verständnis der nationalen Ideen und Ziele der Völker dieses Erdteiles. Wirtschaftssekretär Hoover und das Mitglied der Morgan- bank, Lamont, haben auf der panamerikanischen Konferenz Awffehen erregende Reden gegen die Bewilligung von Anleihen an auswärtige Staaten für Rüstungen und andere unproduktive Zwecke gehalten. Hoover erklärte u. a., daß im April die Auslegung von auswärtigen Anleihen in den Vereinigten Staaten alle Rekorde geschlagen habe. Regelung der Thronfolge in Spanien Berlin, 4. Mai. Nach einer Meldung der Abendblätter aus Gibraltar hat der König von Spanien soeben im Einvernehmen mit Primo de Rivera eine bedeutsame Entschei- dung getroffen, die aus staatlichen Gründen noch nicht offiziell bekanntgegeben ist. Demnach sollen die beiden Söhne des Königs, der 19jährige Prinz von Asturien und der 18- jährige Prinz Jaime für die Thronfolge nicht mehr in Frage kommen. Zum Thronerben soll der Jnfant Juan Carlos ernannt werden, sobald er das 17. Lebensjahr vollendet. Bestimmend für diese Entscheidung sei der Umstand, daß die beiden erstgenannten Söhne trotz aller ärztlichen Bemühungen sich nicht gesund befänden. Graf Bethlen über den italienisch - ungarischen Vertrag Budapest, 3. Mai. Der ungarische Ministerpräsident, Graf Bethlen, sprach gestern über den italiensch-ungarischen Vertrag. Er betonte, daß Italien und Ungarn in der letzten Zeit eine gleichlaufende Entwickelung durchgemacht hätten; der Weltkrieg sei kein Krieg zwischen Ungarn und Italien gewesen. Italien und Ungarn seien seit einem Jahrhundert einig im Kampf gegen Oesterreich. Im Krieg hätte Ungarn natürlich als treuer Bundesgenosse an der Seite Oesterreichs gestanden. Wegen dieser Treue könnten nur jene Leute Ungarns angreifen, die für moralische Belange nichts übrig hätten. Graf Bethlen bezeichnete den Abschluß des italienisch-ungarischen Vertrages als großen Erfolg für Ungarn. Er erklärte, der Vertrag gebe Ungarn die im Friedensvertrag geraubte nationale Ehre zurück. Budapest, 3. Mai. Der ungarisch-italienische Freunö- schaftsvertrag ist heute dem Abgeordnetenhaus vorgelegt worden, das den Vertrag dem Auswärtigen Ausschuß überwies. Die Ratifikation durch das Parlament dürfte Anfang Juni erfolgen. " , Lhamberlain zu den ftanzöfisch-ruffischen Schuldenverhandlungen London, 3. Mai. Chamberlain erklärte gestern im Unterhaus, daß die französisch-russischen Schnldenverhandlungen in Paris noch im Gange seien und daß ein Abkommen noch nicht zustande gekommen sei. Poincares Echo in der Pariser Preffe London, 3. Mai. Die gestttge Rede Poincares vor dem Generalrat in Bar le Due wird von der Morgeupresse in großer Aufmachung wiedergegeben. Daß man den Ausführungen des Ministerpräsidenten große Bedeutung beimitzt, geht aus den bereits heute morgen vorliegenden eingehenden Kommentaren hervor. Der offiziöse „Petit Parisien" hält die Rede besonders deshalb für bedeutungsvoll, weil Poincars acht Tage vor dem Wiederzusammentritt des Parlaments seine Grundsätze dargelegt habe. Aehnlich meint der „Gaulois", Poincars habe mit der Autorität seines nüchternen und klaren Wortes gleichzeitig Parlament und Land auf ihre Verantwortung Hinweisen wollen. Das „Echo de Paris" hebt besonders den außenpolitischen Teil der Rede hervor und schreibt: „Die Anspielung auf den Geisteszustand Deutschlands war notwendig. Sie wird verstanden und lebhaft aufgegttffen werden." Auch der „Figaro" unterstreicht die Stelle, an der Poincars davon sprach, Frankreich werde keine von den Garan- tten aufgeben, die ihm die Verträge in die Hand gegeben hätten. Das Blatt begrüßt den entschlossenen Ton der Rede von Bar le Duc und fordert die Regierung auch zum entschlossenen Handeln auf. Auch das „Journee Industrielle" ist der Meinung,^Poin- carss Sorge sei hauptsächlich gewesen, die politische Sphäre des Vertrauens aufrecht zu erhalten, in der allein die Finanzprobleme gelöst werden könnten. Verärgert zeigt sich die nationalistische „Victoire". Seit vierzig Jahren halte Poincars gleich schöne Reden wie die von Bar le Tue. — Ein schlechtes Echo findet Poincarss Rede auch in dem sozialistischen Organ, dem „Populaire". Das Blatt meint, man müsse dem Ministerpräpdentcn für den Freimut danken, mit dem er das wahre Gesicht der nationalen Einigung enthüllt habe, die nichts anderes als der wiedererstandene Block sei. Seine Rede sei eine deutliche Weigerung, die Hand zur Abrüstung zu bieten und der vorzeitigen Rheinlandräumung zuzustimmen. Es sei der alte Poincars. Nach dieser Rede müsse das Land wählen: Entweder Opposition gegen eine Machtpolitik ober Resignation. Die linksstehende „Volonte" sieht in Poincarss Rede nur eine Apologie seiner ttgenen Politik seit Wiederübernahme des Ministerprästdiums. Das Kartellorgan, die „Aire Nouvelle", betont gegenüber dem Appell Poincarss an die Nationale Einigung, daß dieser Appell in erster Linie an den Nationalen Block gerichtet werden müsse, der allein die Gesundung der Finanzen sichern könne. Französisch-belgische Mißstimmung Li. Paris, 3. Mai. . . . ........ Frankreich hat etwas Pech mit seinen Alliierten des Weltkriegs: trotz den vielen Beteuerungsreden und Rr. 65. Jahrgang 1927. Trinksprüchen haben Sie Freundschaften fast überall ein Loch. Das eine Mal ist es größer, das andere Mal etwas kleiner, aber es hapert allenthalben. Mißtrauisch schauen die französisch-italienischen Grenzwächter in Nachbars Garten und wittern überall Selbstschüffe. Mit England ist die Entente schon längst nicht mehr so, wie Frankreich es sich früher erträumte, als es sogar an ein militärisches Schutz- und Trutzbündnis dachte, das für ewige Zeiten kitten sollte. Nun mehren sich auch die Klagen, die von Belgien herüberkommen und auf alles andere, denn auf engste Blutsbrüderschaft schließen lasten. Den Belgiern hat es insonderheit der nenr französische Zolltarif angetan, der den französischen Kammern nach ihrem bevorstehenden Wiederzusammentritt wohl manche Sorge bereiten dürfte. Wenn selbst die Pariser Preste vom Schlage eines „Temps" oder eines Journal" mahnend die Stimme erhebt und vor einer Ueberspannung des Protektionismus warnt, ist ohne weiteres zu unterstellen, daß die Beschwerden, die aus dem Auslande kommen, mehr als berechtigt sind. Belgien wird bsonders hart durch die Vervier- bis Fünffachung der französischen Zölle der mechanischen Industriellen sich weigerte, der Regierung besten Wünsche bekanntzugeben. Er erteilte ihr vielmehr den Rat, überhaupt nicht erst in Verhandlungen mit dem französischen Handelsministerium einzutreten, sondern unmittelbar Re- preffalien zu ergreifen. Nicht anders steht es mit den Woll- und Baumwollprodukten, die beim Uebergang nach Frankreich von der vierfachen Taxe betroffen werden wie die gleichen französischen Produkte, die nach Belgien Eingang finden. Daß die Handels- und zollpolitische Lage nicht gerade durch die Behauptungen auf französischer Seite gebeffert wird, die belgische Industrie ermangele der Organisation und in vielen Fällen seien ihre Waren zu beanstanden, liegt auf der Hand. Dazu kommt nun noch ein politisches und militärtechni- fchcs Problem. In Frankreich ist man — besonders in Militärkreisen — sehr verschnupft darüber, daß es entgegen den Abmachungen nach Friedensschlüsse immer noch zu keinem Zusammenarbeiten der beiderseitigen Generalstäbe kommen konnte. Um die Militärhegemonie noch weiter auszudehnen, findet Frankreich das Militärbündnis mit Belgien schon nicht mehr als weitgehend genug, so daß man mit allen Mittel« zu einer taktischen Einheit der französisch-belgischen Oberkommandos und einer gemeinsamen Verteidigungs- und Befestigungsanlage kommen möchte. An diesem Punkte setzt nun, nachdem der erste Taumel der Nachkriegszeit verflogen ist, der belgische Widerstand ein. Trotz Vandervelde und trotz den beschwörenden Bitten der Pariser Presse will Belgien nicht einsehen, daß auch bei einer nahen Verwirklichung der deutschen Räumungsforderung ein Verzicht auf die eigene miltärische Selbständigkeit im Interesse des Landes liege. Denn darüber ist man sich klar, daß es mit dem von Paris gewollten Aufgehen Belgiens im französischen Operationsplan ein für alle Mal Schluß mit der eigenen Handlungs- nnd Entschlußfreiheit wäre. Nur zu deutlich gab die französische Presse zu verstehen, daß Frankreich in seiner „Furcht vor Deutschland" seine Norddepartements durch das belgische Vor- und künftige Schlachtfeld zu schützen trachtet. Mit aus der Abneigung des belgischen Generalstabs, sich den französischen Militär- und operationstaktischen Plänen zu beugen, ist es zu erklären, daß die Brüsseler Presse so ausreichende Informationen über die belgischen Mobilisierungs- pläne veröffentlichen konnte, daß heute jedermann weiß, wie Belgien seine Verteidigung einzurichten gedenkt — nämlich ohne Frankreichs Beihilfe und Vormundschaft, was an der Seine wieder tief verstimmt. Die Stellungnahme Briands zur deutschen Demarche erwartet Paris, 4. Mai. In hiesigen politischen Kreisen nimmt man an, daß der französische Außenminister Briand nach seiner gestern erfolgten Rückkehr nach Paris nun zu den von deutscher Seite angeschnittenen Fragen, die mit der Truppenver- mindcrung und der Rheinlandräumung in Zusammenhang stehen, Stellung nehmen wird. Der Paragraph 63 des Gesetzes über Arbeitslosenversicherung Berlin, 4. Mai. Der Sozialausschuß des Reichstages setzte gestern die Beratung des Gesetzentwurfes über Arbeitslosenversicherung beim Paragraphen 63 fort, der in sollender Fassung angenommen wurde: „Im Zeichen andauernd besonders ungünstiger Arbeitsmarktlage hat der keichsarbeitsminister nach Anhörung des Verwaltungsrates des Reichsamtes für Arbeitsvermittlung die Gewährung der Arbeitslosenunterstützung als Krisenunterstützung abweichend von den Vorschriften der Paragraphen 88 bis 60 zuzu- Der Landbote * Sinsheim» Zeitung. lasten. Die Zulassung kann auf bestimmte Berufe oder Bezirke beschränkt werden. Die Höhe der Unterstützung und die Dauer ihrer Gewährung kann beschränkt werben. Die Absätze 2 und 3 des Paragraphen 63 wurden im Wortlaut der Regierungsvorlage angenommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde Paragraph 64 der Arbeitslosenversicherung über die Gewährung von Familienzuschlägen in einer abgeänderten Fassung angenommen. Paragraph 65, nach dem sich die Höhe der Arbeitslosenunterstützung nach dem Arbeitsentgelt richtet, wurde im Wortlaut der Regierungsvorlage angenommen. Paragraph 66, der die Ausführungsbestimmungen über die Bemessung der Arbeitslosenunterstützung nach neun Lohnklaffen vorsieht, wurde ebenfalls angenommen. Im Paragraphen 67 wurde die Festlegung eines Einheitslohnes in den neun Lohnklaffen in Höhe von 12 bis 54 Mark als Grundlage für die Unterstützung beschlossen. Der Paragraph 68, der die Höhe der Hauptunterstützung und der Familienzuschläge fest- stcllt, wurde in abgeänderter Faffung angenommen, Paragraph 69 wurde ebenfalls abweichend von der Regierungsvorlage in der Form angenommen, daß die Reichsausgleichskaste nötigenfalls weitere Lohnklaffen einführen könne. Der Ausschuß vertagte dann die Weiterberatung auf Mittwoch. Für Zusammenarbeit mit dem Zentrum. Wünsche der Bayrischen Dolkspartei. München, 2. Mai. Der neu gewählte Landesvorstand der Bayrischen Bolkspartei befaßte sich auf einer Tagung in München mit der politischen Lage. Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion wies auf die Unterstützung hin, die die Bayr. Volks- Partei bei den Finanzausgleichsverhandlungen vor allem bei der Zentrumsfraktion, aber auch bei den Deutschnationalen gefunden habe. Reichstagsabgeordneter Dr. Pfleger war so gerecht, zu betonen, man dürfe bei der Finanzgcsetzgebung des Reiches nicht vergessen, welche außenpolitischen finanziellen Verpflichtungen das Reich habe auf sich nehmen müssen, es könne daher den Ländern gegenüber nicht nur nach eigenem Ermessen handeln. In der Aussprache spmch man lebhaft über die Frage der Zusammenarbeit mit dem Zentrum. Die von den beiden Parteien ernannte Kommission würde demnächst zusammentreten. Eine parlamentarische Arbeitsgemeinschaft unter Aufrechterhaltung der völligen «Selbständigkeit beider Parteien werde von der Bayr. Volkspartei einmütig gewünscht. Reichsregieruirg und Wiking-Olympia-Urteil Berlin, 4. Mai. Das Reichsministerium des Inneren gibt bekannt, daß die Reichsregierung zu der Frage, welche Konsequenzen aus dem Wiking-Olympia-Urteil in Leipzig zu ziehen seien, bisher noch nicht habe Stellung nehmen können, da sie bis jetzt von den Angelegenheiten nur aus der Presse Kenntnis bekommen und noch keinen Bericht ihres Kommissars bei den Verhandlungen erhalten habe. Zu der Sachlage wird erklärt, daß die Verhandlungen in Leipzig im wesentlichen auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik geführt worden seien, da das Verbot der Verbände in Preußen hauptsächlich wegen ihrer republikanischen Richtung erfolgt sei. Weiterhin sei das Verbot der Verbände auch auf Grund des Gesetzes über das Verbot militärischer Verbände vom 22. März 1921 ergangen, nachdem ein Verbot mit Zustimmung der Reichsregierung erfolgen könne, die zu der Auflösung der Verbände erteilt worden sei. Ein Rechtsmittel gegen dieses Verbot gäbe es nicht. Vergleichender llederblich über die europäische Krankenversicherung. rz Ein vergleichender Ucberblick über die Krankenversicherung, wie sie sich nicht nur in Deutschland sondern auch in andern Ländern Europas gestaltet hat, zeigt, daß die Pflichtkrankenversicherung in den letzten 40 Fahren große Fortschritte gemacht hat. Gegenüberstellungen des internationalen Arbeitsamtes in Genf, wie sie von Zeit zu Zeit veranstaltet werden, verdeutlichen diese Fortschritte im einzelnen. Sie sind umso erfreulicher, als ja die Bedeutung einer allgemeinen Krankenversicherung nicht nur darin liegt, daß durch sie die Lcbensbcdingungcn breiter Volksschichten sehr wesentlich gebessert werden, sondern auch darin, daß sie die Grundlage einer Bolksgesundheitspolitik bildet. Das Geltungsgebiet des Krankenverficherungsrechtes ist zunächst in persönlicher, räumlicher und zeitlicher Beziehung begrenzt. Die persönlichen Grenzen sind verschieden, je nachdem ob es sich um zwangsmäßige oder freiwillige Versicherungen handelt. Der Umfang der allgemeinen Krankenversicherung ist durchaus nicht überall gleich. Bei der beschränkten Versicherung wird die grundsätzliche Versicherungspflicht z. B. nach Alter, Geschlecht, Erwerbsunfähigkeit, Staatsbürgereigenschaft oder wirtschaftlicher Lage des einzelnen eingeschränkt. Einige Bcrufszweige Mittwoch, den 4. Mai 1927. wie Beamte, Heimarbeiter und Hausgehilfen sind fast durchweg besonderen Beschränkungen unterworfen. Die Art der Gesetzgebung in bezug aus diese Kategorien von Krankcnverficherten ist sehr verschieden. Bon Interesse ist weiter die Frage, in welcher Weise die Dersicherungsträger gebildet und wie ihre Organe zusammengesetzt werden. Bei der obligatorischen Kmnkenversicherung gibt es drei Systeme. Das System der Kassenfreiheit, bei dem der Bersicherungspflichtige sich eine anerkannte Kasse auswählen kann, besteht z. B. in England. Die Kassen haben hier große Freihett bezüglich der Zusammensetzung ihrer Organe: die Kassenmitglieder sind dadurch gesichert, daß sie das Recht ungehinderter Aufsicht über die Geschäftsführung der Kassen haben. Ein anderes System ist das des mittelbaren Kassenzwanges, wo der Versicherungspflichtige einem Verficherungsoerein beitreten kann, im Unterlassungsfälle aber von rechtswegen Mitglied der zuständigen berufständischen oder territorialen Kasse wird. Dieses System herrscht in einzelnen mitteleuropäischen Ländern, außerdem in Norwegen und Portugal. In Deutschland, Oesterreich und der Tschechoslowakei können die Vereins- oder Ersatzkrankenkassen fortbestehen, wenn sie die gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen erfüllen. Beim dritten System, dem des starren Kassenzwanges, haben die Bersicherungspflichligen keine Wahl, sie müssen vielmehr dem zuständigen Dersicherungsträger als Mitglied angehören. Typische Beispiele hierfür sind das russische und das jugoslawische Versicherungssystem. Was die Leistungen anbetrifft, so haben die Pflichtversicherungen überwiegend den Grundsatz, die ärztliche Behandlung und die Sachleistungen über die Geldleistungen zu stellen. Der Bezug von Geldleistungen ist bei vielen Gesetzen an besondere Bedingungen geknüpft. Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit bildet bei allen Gesetzen die Domussetzung. Häufig wird eine Mindestdauer der Mitgliedschaft für das Einsetzen der Leistungen verlangt. So besteht z. B. in England ein Anspruch auf Krankengeld erst tzNach 26 wöchentlicher Mitgliedschaft, Portugal, Rumänien und Bulgarien verlangen ebenfalls eine längere Beitragsleistung. In der Mehrzahl sind jedoch diejenigen Staaten, die die Forderung einer Mindestdauer der Mitgliedschaft nicht mehr stellen (Deutschland, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Rußland und Ungarn.) Die Auszahlung des Krankengeldes beginnt durchweg erst, nachdem die Arbeitsunfähigkeit eine bestimmte Zahl von Tagen gedauett hat. Doch werden auch hier Unterschiede gemacht. Die Bemessung der Höhe des Kmnkengeldes erfolgt nach den meisten Pflichtversicherungsgesetzen im Verhältnis zum Durch- schnittsarbeitsoerdienst. In England und Irland wird allerdings ein einheitlicher Geldbetrag bezahlt. Die Höhe des Mindestkrankengeldes ist sehr verschieden. Sie bewegt sich zwischen 50 und 100 Prozent des Grundlohnes. Die Bezugsdauer schwankt zwischen 16 (Rumänien) und 52 Wochen (Ungarn, Oesterreich, Portugal). Regelmäßig werden bei Zwangsversicher- ungen ärztliche Behandlung und freie Arzneimittel gewahrt. Vereinzelt haben die Kassen die Wahl, «Sach- ooer Barleistungen zu gewähren. Die Dauer der Krankenpflege ist, abgesehen von England, übemll zeitlich beschränkt und schwankt zwischen 1© und 50 Wochen. Wo Invalidenversicherung besteht, setzen nach dieser Zeit deren Leistungen ein. Die Beiträge für die Krankenversicherung werden fast überall im Umlageverfahren aufgebracht. In der Regel werden sie nach dem Arbeitsverdienst abgr- stust und verteilen sich gleichmäßig auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nur in Rumänien trägt sie allein der Versicherte und in Rußland allein der Unternehmer. Baden. Reichsminister des Innern v. Keudell in Karlsruhe Karlsruhe, 4. Mai. Der Reichsminister des Inner», Herr von Keudell, ist gestern in Karlsruhe eingetrossen» um der Badische» Regierung einen Besuch abzustatten. Dieser Besuch gibt Gelegenheit die Mitglieder der Landesregierung und führende politische Persönlichkeiten unserer bad. Heimat persönlich kennen zu lernen, schwebende politische Fragen zu besprechen und sich auf diese Weise näher zu orientieren. Es ist dankenswert und wird begrüßt, daß Herr von Kuedell als Mitglied der Reichsregierung diese Besuchsreise unternimmt, und man darf hoffen, daß die dabei erfolgende Anknüpfung persönlicher Beziehungen für das Land Baden, das sich als Grenzland in einer besonders bedeutsamen Lage befindet, gute Früchte bringt. Die Ankunft des Reichsinnenministers erfolgte um 11.07 Uhr. Er begab sich sofort in das Staatsministerium, wo er von den Mitgliedern der badischen Regierung begrüßt wurde. Nachmittags führte die badische Regierung ihren Gast nach B.- Baden, von wo sie gegen 7 Uhr abends zurückkehrten. An- _^ ... f ubex\us- ■R (W\N von H Ei N 2 Alf R ED vonBYERN Das gab einen neuen Sturm, ein Küssen, Umarmen und Händedrücken, bis plötzlich in den Jubel hinein ein helles Klirren ertönte und gleich darauf der dröhnende Baß des alten Herrn. „Lump"! Oh du Satansbraten! Aber ich wußte es ja, daß das Ungeheuer unter dem Tisch war, an jedem Weihnachtsabend macht er es so!" Doch das Donnerwetter kam zu spät, der Dackel hatte einen der mit großen, knusperigen Honigkuchen beladenen Teller umgeworfen und fegte wie ein dreifach geölter Blitz wr Tür hinaus, — in das Arbeitszimmer — unter das Sofa-. Minna, zur Feier des Tages mit einem schlohweißen, steifgestärkten Häubchen auf dem bedenklich gelichteten Scheitel, Deckte den Kopf herein: „Es is anjerichtet!" „Oh Gott, — unser Karpfen!" rief Anni, und „Himmel, — die Omeletten!" sekundierte Gretel. Stephan schmunzelte. „Zehn Minuten lang sind die Mädel verlobt «nd denken ans Essen, — aber das gibt mal ein paar tüchtige Hausstauen!" Hubertus bot Lia den Arm. „Gnädiges Fräulein, — darf ich bitten?" Sie sah ihn lächelnd an. „So feierlich?" „Ei freilich! Und ich bitte Sie, bei einer solchen Gelegenheit! Es tut mir nur leid, daß ich meinen Bratenrock nicht hier habe!" „Den Frack? Väterchen nannte ihn immer „die Zwangsjacke." aber Gott fei Dank, uns allen hier sind Iagdjoppe und Schmierstiefel lieber, ich meine, das i)t für' aue von oer grünen Farbe das schönste Ehrenkleid, nicht wahr?" Er beugte sich zu ihr herab. „Gnädiges Fräulein — und wenn Sie mir's auch übelnehmen, — sagen muß ich es Ihnen doch: ein so famoses Mädel habe ich überhaupt noch nicht kennen gelernt!" „Wirklich?" fragte sie mit einem ganz leisen Anflug von Koketterie, und in den blauen Augen stand eine spitzbübische Freude über die ehrlich gemeinte Schmeichelei. „Bitte schön, Herr Graf, Sie müssen sich mit meiner Nichte zwischen die Brautpaare setzen!" Der alte Herr strahlte übei das ganze Gesicht. „Kinder, Kinder, wenn das eure liebe gute Mutter noch erlebt hätte und — ich glaube wahrhaftig ihr habt nicht mal die Geschenke angesehen!" „Dazu ist nachher noch Zeit, Papa," verteidigten sich di« Mädels. „Unsere allerschönsten Geschenke haben wir jc gleich mitgenommen!" Der Forstmeister war selbst noch einmal in den Keller ge- stiegen und hatte, zusammen mit Johann, ein Dützen! Flaschen „Rauentaler Berg", die schon seit manchem lieber Jahr ihrer Bestimmung harrten, heraufgeholt. Nun funkelt« der schwere, alte, goldtopasfarbene Wein in den Gläsern, un! ein süßer, herber Hauch stieg auf, wie von blühenden Reben — Der blauschillernde, mit grünen Kräutern und Zitronen- scheiben appetitlich angerichtete Karpfen erschien. — ein all= gemeines: „Ah!", aber gleich daraus wurde die Tür nock einmal geöffnet. „Hier is och noch 'n Paket für Fräuln Delius abjejeberi worden!" Damit stellte Minna einen länglichen Karton auf die Kredenz neben den Anrichtetisch. „Für mich?!" Lia machte ein ganz überraschtes Gesicht, „Ich kenne doch hier niemanden-" „Vielleicht wollte dich eine Freundin überraschen," meint« Stephan. „Sieh' mal nach Kleine," und als sie zögerte ging er hinüber und durchschnitt den Bindfaden mir dem Tischmesser. „So — pack' nur aus-" „Jetzt?" „Ach freilich," ermunterten Anni und Gretel, „wir möchten doch auch gern wissen» was drin ist!" Deliane schlug das Packpapier auseinander. „Sonderbar, daß gar keine Adresse daraufsteht!" Dann hob sie den Deckel in die Höhe-auf einer Schicht von Fichtenzweigen lag ein Brief-— „ü'ur oen woyweroienten Kuppelpelz!" las der alte Herr über die Schulter des jungen Mädchens hinweg. „Das — das verstehe ich nicht-" Lia sah sich ganz ratlos um, aber da begegnete sie Egedcs Blicken, — rasch beugte sie sich nieder, und bei dem Bücken trat ihr jäh das Blut in die Wangen.-Ein längliches, in Zeitungspapier gehülltes Etwas kam zum Vorschein. „Oh — eine Wurst!" jubelte Gretel, doch in der nächsten Sekunde erkannte sie ihren Irrtum: „Ein Marder! Ein Edelmarder!! Und hier — noch einer!!" Nun drängten alle herzu, lachend, neugierig. „Mädel, da kannst du dich freuen," schmunzelte der Forstmeister, „so einen Kuppelpelz bekommt man nicht alle Tage!" Deliane strahlte wie ein beschenktes Kind. „Herr Graf — und ich weiß wirklich nicht, das sst ja viel, viel zu kostbar!"- „So—o? Woher wissen Sie denn überhaupt, gnädiges Fräulein, daß ich derjenige bin, welcher?!" „Das sehe ich Ihnen an, — nein, verstellen können Sie sich nicht!" „Na, also dann, Sie sollen recht haben, pro Brautpaar einen Marderbalg, das ist nicht mehr als recht und billig, aber jetzt, meine Damen und Herren, — ich glaube wirklich, der Karpfen wird kalt!" Ein so vergnügter Weihnachtsabend war wohl noch nie in den traulichen Räumen gefeiert worden. Und der Vergnügteste von allen war Hubertus. „Gnädiges Fräulein, wollen Sie mir eine Bitte erfüllen?" „Gern!" Lia sah ihn lächelnd an. — „Dann singen Sie nachher noch etwas!" „Ja, eben, Kleine," meinte Stephan, „eigentlich sst es ein Jammer, daß deine Stimme nicht ausgebildet wurde!" „Ach, Onkel, zur Konzertsängerin oder gar für die Bühne habe ich nicht die mindeste Anlage, wirklich wohl fühle ich mich nur auf dem Lande, im Wald-" „Dann mach's meinen beiden Schmalrehen nach und heirate einen Forstmann!" schlug der alte Herr vor. „Und jetzt," er gab Anni einen Wink, „den Weihnachtspunsch trinken wir wohl unter dem Tannenbaum." Egede wollte dem jungen Mädchen den Arm bieten, aber sie bat: Mittwoch, den 4. Mai 1927. ♦ » » ► - > Rr. SS. Jahrgang 1927. schließend fand dann beim Staatspräsidenten ein gesellschaftlicher Abend statt, zu dem eine Reihe Persönlichkeiten geladen war. Mittwochvormittag (heute) wird Reichsinnen- minister von K-mdell seine Rückfahrt nach Berlin antreten. Landesvcrsammlnng -er badische« Kreisftraßeu- und Wege- wärtcr. Offeuburg, 4. Mai. Am letzten Sonntag fand hier die Landesversammlung der badischen Kreisstraßen- und Wcgc- wärter statt. In einem Vortrag streifte der Laudesgeschäftsführer Faßbender, Karlsruhe, die arbeitsrechtlichen Verhältnisse der Stratzenwärter. Dringend notwendig sei eine Erhöhung der Gehaltsbezüge, da an die Straßenwärter infolge des gesteigerten Verkehrs größere Verantwortlichkeit gestellt wird. Auch die Pensionsbestimmungen bedürfen einer Aenderung. Die Forderung der Wärter gehe dahin, das tatsächliche Einkommen der Wärter der Berechnung der Pension zugrunbezulegen. Baurat Landtagsabgeordneter Büchner, Emmendingen, hielt sodann einen Vortrag über Straßenbaufragen und sagte den Straßenwärtern seine Unterstützung zu in ihren Bestrebungen. Die Versammlung dankte dem Redner durch stürmischen Beifall. — Ansprachen hielten noch Regierungsrat Landtagsabgeordneter Eichenlaub und der Landessekretär der christlichen Gewerkschaften Badens, Stockert aus Karlsruhe. Die Versammlung nahm einige Entschließungen an, die den Willen der Kreiswärter zum Ausdruck bringen, unverzagt an der Besserstellung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse zu arbeiten. Aus Nah und Fern. Y Sinsheim, 4. Mai. (Vom Odenwaldklub.) Die Einladungen zur Hauptversammlung am 28. und 29. Mai des Gesamt- Odenwaldklubs in Heppenheim sind an die einzelnen Ortsgruppen versandt. Die Einladungen enthalten gleichzeitig das umfangreiche Programm, welches die Ortsgruppe Heppenheim zur Unterhaltung ihrer Gäste ausgestellt hat. Bei Durchsicht seitens der Vorsitzenden der Ortsgruppen werden diese sich von der Reichhaltigkeit der Fest-Ordnung überzeugen und ihre Mitglieder zum Besuche der Hauptversammlung in Heppenheim an der Bergstraße ermuntern. Wenn der Himmel uns nach dem wenig schönen Aprilwetter herrlichstes Maiwetter am 28. und 29. Mai beschert, dann werden die Teilnehmer einen oder zwei selten schöne Tage verleben, an die sich jeder gern erinnern wird. Deshalb sofort die Fragebogen mit einer stattlichen Teilnehmerzahl ausfüllen und an die angegebene Adresse einsenden. r Sinsheim, 3. Mai. (Veränderungen bei der Post). Die Oberpostdirektion Karlsruhe rechnet nunmehr endgültig mit den veralteten Telephondrähten ab. Ueberall hier sind die Tels- phanleitungen durch in der Erde liegende Kabel ersetzt. So gehen denn die Gespräche nicht mehr durch die Lust, sondern in der Erde vom Sprecher zum Hörer. Gleichzeitig wird hier ein Selbstwähleramt eingerichtet, sodaß auch hier jeder Teilnhemer am Fernsprechapparat seinen Partner selbst Tag und Nacht anrufen kann. Zur Unterbringung des Selbstwähleramtes wird auf dem hiesigen Reichspostamt ein weiteres Stockwerk errichtet, welche Arbeit bis Ende dieses Fahres beendet sein soll. Mit der Einrichtung soll die Firma Siemens und Halske betraut werden. So wird denn mit dem Verschwinden der Telephondrähte der schöne Eindruck unseres Städtchens wesentlich gehoben und die Bequemlichkeit der Fernsprechteilnehmer in weitgehendstem Maße berücksichtigt. cf Sinsheim, 3. Mai. (Einwanderungs-Sichtvermerk für die Vereinigten Staaten.) Wie wir von zuverlässiger Seite hören, werden die amerikanischen Konsulate in Deutschland von Mitte Mai an wieder Anträge auf Erteilung amerikanischer Einwanderungs-Sichtvermerke von in Deutschland geborenen Personen entgegennehmen. Solche Personen, die die Absicht haben, nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika auszuwandern, bisher aber einen Antrag auf Erteilung des Einwanderungs- Sichtoermerkes noch nicht gestellt haben bezw. infolge Sperrung der Entgegennahme von Anträgen einen solchen Antmg noch nicht einreichen konnten, tun daher gut, sich sofort mit der Vertretung der Hamburg-Amerika Linie in Sinsheim in Verbindung zu setzen, die kostenlos jede gewünschte Auskunft erteilt. 4 Steinsfurt, 3. Mai. (Das Maienstccken.) Am ersten Mai lebt immer wieder eine alte ländliche Sitte auf, das Maienstecken genannt. Birkenäste und Blumensträuße werden den Mädchen von ihren Verehrern am Hause angebracht. Ost wird aber diese Sitte durch großen Unfug durchkreuzt. Wenn eins dem andern abhold ist, so wird oft auch dies zum Ausdruck gebracht, indem dann Weißdorn und Rebenbüschel oder Vogelscheuchen am Hause an- angebmcht werden. 4 Steinsfmt, 3. Mai. (Verschiedenes.) Am Donnerstag verließ uns Herr Kaplan Josef Scholl, um seine neue Stelle in Ziegelhausen bei Heidelberg anzutreten. Zwei Jahre hat er hier segensreich gewirkt und nur ungern sehen wir ihn scheiden. Am letzten Dienstag wurde eine kleine Abschiedsfeier vemnstaltet, wobei ihm eine schöne Uhr als Andenken überreicht wurde. Der Kirchenchor sang mehrere Lieder und Frl. Rosa Geiger trug einige Soloslücke vor. Wir wünschen dem Scheidenden nochmals viel Glück und Segen in seinem neuen Wirkungskreis. — Am Samstag morgen erlirt der frühere Bahnbedienstete August Merkel in seinem Garten einen Schlaganfall und mußte in bewußtlosem Zustande nach Hause gebracht werden. Er befindet sich jedoch wieder aus dem Wege der Besserung. -j- Kirchardt, 3. Mai. (Creditocrein — Auswanderung.) Auf Antrag eines Mitgliedes wegen Ermäßigung eines Aufwertungsbetrages fand heute eine Versammlung des Credit- oereins statt. Der Antmg mußte aber leider abgelshnt werden, da zu befürchten war, daß sämtliche Mitglieder, die sich in derselben Lage befinden, mit ähnlichen Anträgen an den Credit- verein herantreten würden. — Aufseher Erwin Bentz, Sohn des Landwirts Ludwig Bentz 4. von hier, hat die Reife in die neue Welt angetreten. Er war an verschiedenen landwirtschaftlichen Gütern als Aufseher tätig und will in Bmsilien ein eigenes Gut gründen und führen. Festlich wurde er von Verwandten und Freunden an die Bahn geleitet. x Obergimpero, 3. Mai. (Der Sommertagszug), der am Sonntag stattfand, litt leider unter dem unfreundlichen Wetters Es regnete bis gegen halb 3 Uhr nachmittags, doch konnte dann der schöne Zug trocken vonstatten gehen. Der Turnverein hatte sechs prächtige Gruppen zusammengestellt, die allerlei landwirtschaftliche Arbeiten versinnbildlichten. Zwischen den Gruppen waren die Kinder verteilt, die ihr lustiges Sommertagslied sangen. 0 Rappenau, 3. Mai. (Bautätigkeit.) Die Bautätigkeit hat hier sehr stark eingesetzt, sodaß die Bauhandwerker zur Zeit voll beschäftigt sind. So ist der Neubau des Herrn Polizeidiener Rothenhöfer soweit gediehen, daß das erste Stockwerk erstellt ist. Frau Grobe Ww. von hier hat durch Umbau ihres Anwesens in einen Gasthofbetrieb Gelegenheit in 9 Zimmern 14 Personen unterzubringen. Die überaus modern eingerichtete Gaststätte wurde am ersten Mai eröffnet. Eines der alten Sudhäuser der staatlichen Saline ist in den letzten Tagen abgebrochen worden. Es wird an dieser Stelle ein neues Sudhaus erstellt, das allen neuzeitlichen Ansprüchen genügen soll. Die Arbeiten hierzu werden zur Zeit vergeben. Fräulein Hauptlehrer Schmitt, sowie Herr Zahnarzt Hartmann und Herr Schmiedemcistcr Betz beginnen in Der Landbote * Sinsheim» Zeitung. diesen Tagen mit Neubauten. Auch Herr M-chanikermcister Späth von hier erstellt in nächster Nähe des Rathauses eine modern eingerichtete Werkstätte. 0 Rappma». 3. März. (Turnfest.) Der Verein „Freie Turnerschaft" von hier hielt am vergangenen Sonntag ein Turnfest in ihrer Turnhalle ab. Viele auswärtige Vereine nahmen an dem Feste teil und nahmen manch schönen Preis mit nach Hausck Die Halle erwies sich als sehr vorteilhaft, indem der Wettergott am vergangenen Sonntag ein tränenreiches Gesicht zeigte. V Berwangen, 4. Mai. (Verschiedenes.) Die Firma Kirch- heimer und Frank erzielte bei der Mastviehausstellung auf dem Mannheimer Biehmarkt die beste Leistung für Mastvieh. Sie errangen sich einen Ehrenpreis, zwei Staatspreise und zwei zweite Preise. Dabei war ein seltenes Prachtexemplar von der Gutsverwaltung Neuhaus. Außer diesen kamen noch verschiedene Preise nach Berwangen. Die Belieferung des Mannheimer Viehmarktes mit diesen schönen Tieren ist eine Folge des blühenden Viehhandels der Berwanger Händler. — Im Gasthaus „Zum Lamm" fand am Sonntag eine Versammlung des Kriegervereins von Berwangen statt. Bei dieser Gelegenheit wurden verschiedene alte Mitglieder geehrt. Die Versammlung war sehr gut besucht. — Fräulein Paula Kirchheimer hat am Sonntag die Reise nach Nordamerika angetreten, um dort ihr Glück zu versuchen. )( Mönchzell, 4. Mai. (Vom Militärverein). Am Sonntag fand auf dem Rathaus eine Versammlung des Militärvereins statt. Die zur Verhandlung stehenden Punkte wurden rasch erledigt. Zwei eingegangene Einladungen zu Militärvereins-Fest- lichkeiten wurden mit Bezug auf das im Juli hier stattfindende Gauverbandsfest und die groge Entfernung der Festorte abgelehnt. Auch für die vom Gau geplante Errichtung einer Sterbekasse konnte des hohen Beitrags wegen eine Zustimmung nicht erreicht werden. V Neckarelz, 3. Mai. (Ein eigenartiges Trio) wurde auf dem hiesigen Bahnhof festgenommen. Das Zugpersonal entdeckte in dem Kabriol eines Güterwagens drei junge Leute, eng umschlungen. Bei deren Vernehmung wurde festgestellt, daß es sich um drei aus- einer Zwangserziehungsanstalt bei Hannover entsprungenen Zöglinge handelt, die den weiten Weg auf diese Art unbehelligt zurücklegten. Die Ausreißer werden „per Schub" in die Anstalt zurückzebracht. + Neckarzemiind, 4. Mai. (Eröffnung der Iungviehweide.) Nächsten Samstag, den 7. Mai, wird die Kreisjungviehweide Hollmuht für den diesjährigen Betrieb eröffnet. Die Zuchtrinder müssen am Bormittag von ihren Besitzern am Stallgebäude bei der Walkmühle dem Zuchtinspektor und Bezirkstierarzt in Gegenwatt von Vertretern des Kreisrats vorgefllhrt werden. Die Weide hat dieses Jahr einen vorzüglichen Futterstand, so daß wieder eine beträchtliche Gewichtszunahme der Tiere zu ermatten ist. Es werden wie im Vorjahre etwas über 50 Stück aufgettteben werden. O Eberbach, 4. Mai. (Der Perkchrsverein) hielt am ersten Maisonntag den alljährlichen Eberbacher Sommertagszug ab, der wieder zahlreiche Fremden anlockte und in der Stadt einen gesteigerten Verkehr brachte. Der Zug selbst war wohl durch die ungünstige Witterung etwas kleiner ausgefallen, wie in den früheren Jahren. Jedoch verfehlt die Veranstaltung mit den zahlreichen Sommer- und Wintermännern und den in den Rahmen der Veranstaltung passenden Gruppen auch dieses Jahr ihre Wirkung nicht. # Untrröwischeim, 4. Mai. (Ein Kleinbahn-Idyll.) Ein- Geschichtchen, das an die Kleinbahn-Anekdoten der Witzblätter erinnert, dafür aber den Vorzug hat, wahr zu sein, hat sich hier am Samstag abgespielt .Als die Nebenbahn hier hielt, wollte ein nach Münzesheim fahrender junger Mann den Aufenthalt benützen, um in einem gegenüberliegenden Laden Zigaretten zu kaufen. Wie er an seinen Zug zurückkommt, setzt sich dieser gerade in Bewegung und der Bahnhossvorstand läßt ihn pflichtgemäß nicht mehr aufspringcn. Aber der junge Mann, der durchaus mitfahren wollte, läuft dem Zug, der inzwischen etwa 100 Meter Borsprung bekommen hat, nach, angefeuert durch die Rufe der im Zug Fahrenden. In Oberöwisheim erreicht er ihn auch noch, steigt ein und meint, als nach längerem Aufenthalt die Reise weitergeht: „Da hätte ich mich doch garnicht so zu beeilen brauchen!" V Walldürn, 3. Mai. (Tödlicher Sturz.) Das zweijähttge Söhnchen des Bäckermeisters Scheuermann fiel so unglücklich auf den Hinterkopf, daß es an den Folgen des Sturzes starb. ** Man«heim, 4. Mai. (Leichenländung, Montagnachmittag gegen 3 Uhr wurde aus dem Neckar, unterhalb der Friedrichsbrücke, die Leiche des seit 21. April d. I. beim Ueberholen eines Schiffes über Bord gefallenen Matrosen Zimmermann gelandet,- sie wurde auf den Friedhof überführt. ** Mannheim, 4. Mai. (Lebensmüde). In der vorvergangenen Nacht fand eine Polizeistreife in der Stefanienpromenade am Ufer des Rheins ein 20 Jahre altes Dienstmädchen, das in den Rhein springen wollte. Die Lebensmüde wurde auf die Polizeiwache geschafft. ** Mingolsheim, bei Bruchsal, 4. Mai. (Unfälle). Schreinermeister Philipp Bender von hier wurde von einem Motorradfahrer derartig scharf angefahren, daß 'er schwere Verletzungen davontrug und ins akademische Krankenhaus nach Heidelberg transportiert werden mußte. — Die hier zu Besuch weilende Hauptlehrerin Hellriegel von Oberhausen wurde von einem rücksichtslos dahinrasenden Radfahrer angefahren. Beim Sturz zog sie sich schwere Verletzungen zu, die die Verbringung ins Heidelberger Krankenhaus erforderten. Der Radfahrer fuhr weiter, ohne sich um das Opfer seiner Raserei zu kümmern. ** Bruchsal, 4. Mai. (Tierkampf). Einen seltsamen Fund machte ein hiesiger Lehrer. Bei einem Spaziergang fand er am Wegrand zwei tote Habichte mit je einer Flügelspannweite von einem Meter. Die toten Tiere zeigten frische Blutspuren, muhten also miteinander gekämpft haben. Ter Kampf muß auch sehr heftig gewesen sein, denn dem einen Vogel war ein Fuß und die linke Schenkelsehne abgeschnitten, so daß der Fuß nur noch wie an einem Schnürchen hing. Der Gegner hatte gebrochene Flügelknochen. Beide Tiere sahen blutig und gerupft aus. Mit Rücksicht auf die Brunstzeit, in der sich diese Tiere jetzt befinden, wird wohl der Streit um das Weibchen diese Ursache des erbitterten Kampfes gewesen sein. ** Kirrlach, 4. Mai. (Von der hohen Leiter abgestürzt). Beim Holzhokn ist das 7 Jahre alte Töchterchen des Landwirts Heiler von hier abgestürzt. Dabei zog sich das Kind schwere Verletzungen und eine schwere Verstauchung der Wirbelsäule zu. ** Karlsruhe, 4. Mai. (Goldene Hochzeit). Am 6. Mai begehen Hochfinanzrat a. D. Leopold Ruppert und Frau das Fest der goldenen Hochzeit. Ruppert, der als verdienstvoller Beamter noch in bester Erinnerung steht, und deffen Frau, die mit ihrem goldenen Humor in weiten Kreisen verehrt wurde, feiern diesen Tag in München-Ludwigshöhe bei ihrem einzigen Sohn, dem Kunstmaler Fritz Ruppert, der gerade in jüngster Zeit, anläßlich einer Ausstellung, größte Anerkennung seiner Werke fand. — Lediglich von dem Wunsche beseelt in der Nähe ihres Sohnes und zweier Enkelkinder zu leben, verließen Rupperts im J/rhre 1922 Karlsruhe und siedelten sich in Dutzing am Starnberger See an, wo sie in herrlicher Natur neue Lebenskräfte sammeln konnten. — Ruppert gehörte jahrzehntelang in leitender Stellung dem ehemaligen Großherzoglichen Theater an. ** Karlsruhe, 4. Mai. (Schwerer Unfall). Bei der Löschung eines kleinen Brandes in Durlach fiel gestern nachmittag 4 Uhr ein Feldhüter aus Durlach infolge eines Fehltritts durch ein über dem Treppenhaus befindliches Glasdach vom 5. in das erste Stockwerk wo er schwerverletzt liegen blieb. Er wurde mittels Krankenautos in das Stadt. Krankenhaus verbracht. ** Karlsruhe, 4. Mai. (Verkehrsunfälle). Ein Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Motorradfahrer erfolgte gestern nachmittag Ecke Sofien- und Schillerstraße, wobei der Führer des Motorrades einen Unterschenkelbruch und sein Begleiter einen Bluterguß am linken Schienbein davontrug. — In der letzten Nacht fuhr ein unbeleuchteter Personenwagen auf der Landstraße Durlach- Karlsruhe von hinten einen Pferdetransport an. Ein Pferd erlitt so schwere Verletzungen, daß es sofort getötet werden mußte. ** Willstätt bei Kehl, 4. Mai. (Erhängt). Dienstagnacht hat sich der über 70 Jahre alte Schweinehirt Müll, anscheinend aus Schwermut, in seiner Wohnung erhängt. ** Lahr, 4. Mai. (Einen groben Vertrauensbruch) ließ sich ein in einem hiesigen graphischen Betrieb beschäfttgter, 18 Jahre alter Kaufmannslehrling zuschulden kommen. Seit Wochen wurden hauptsächlich in Dinglingen, aber auch in Lahr Briefmarken zum Kauf angeboten und auch viele abgesetzt. Die Abnehmer schöpften Verdacht und verständigten die Behörde. Deren Nachforschungen führten zu dem Ergebnis, daß der Genannte sich die Marken im Werte von zirka 100 Mark bei seinem Arbeitgeber angeeignet hatte und sie durch seinen Freund absetzen ließ, welch letzterer am Samstag kn dem Augenblick gestellt werden konnte, als er sein Handwerk in Dinglingen wieder ausübte. ** Villinge«, 4 Mai. (Flugdienstaufnahme). Nachdem nunmehr auch auf dem Schwarzwald das schöne Wetter eingesetzt hat, konnte gestern der regelmäßige Flugdienst auf der Schwarzwaldlinie ausgenommen werden. Das Verkehrsflugzeug D 556 wird von dem Piloten von Althaus gesteuert. ** Bad Dürrheim, 4. Mai. (Eine Messerstecherei zwischen Frauen.) Am Sonntagabend zwischen 9 und 10 Uhr spielte sich hier eine Messerstecherei zwischen zwei Frauen ab. Vermutlich aus Eifersucht lauerte die Frau des Pferdehändlers Strohm der Witwe Fehrenbach vor deren Hause auf und versetzte ihr mehrere Messerstiche in Arme und Brust. Ein Stich in einen Arm zerschnitt eine Sehne, so daß die Verletzte im Villinger Krankenhaus operiert werden mußte. Frau Strohm wurde auf freiem Fuß belassen. Die Familien- zwistigkciten dürften schon längere Zeit bestehen. ** Vöhrenbach, 4. Mai. (Ein schweres Unglück verhütet.) Durch Zufall wurde ein schweres Autounglück verhütet. Ein Lastauto mit Anhänger wollte auf der Straße Hammereisenbach—Vöhrenbach einen sogenannten Bulldogg überholen. Dieser scheint jedoch das Warnungssignal nicht bemerkt zu haben und fuhr im gleichen Augenblick nach links, wodurch das Lastauto über den Straßenrand gedrängt wurde. Es wäre zweifellos mit seinen drei Jnsaffen den steilen Abhang hinabgestürzt, wenn nicht zum Glück sein Anhänger hängen geblieben wäre. Von einem Postkraftwagen wurde das Lastauto wieder auf die Straße geschleppt, nachdem es entladen war. j ** Donaueschingen, 4. Mai. (40jähriges Dienstfubilänm). Der Arbeiterin Josefine Hildebrand, welche 40 Jahre in der Firma Mez, Vater und Söhne in Bräunlingen beschäftigt ist, wurde vom Reichspräsidenten ein handschriftliches Anerkennungsschreiben durch die Firma überreicht. Auch die Firma übergab ihrer treuen Arbeiterin ein ansehnliches Geschenk. ** Schramberg, 4. Mai. (Das Postauto im Straßengraben). Montag früh brach an dem Postauto nach St. Georgen während der Fahrt eine Achse. Das Auto geriet dadurch aus der Richtung und landete im Straßengraben. Die Paffagiere kamen glücklicherweise mit dem Schrecken davon. ** Singen a. H., 4. Mai. (Folgen des schlechten Wetters). Das ungünstige regnerische Frühlingswetter macht sich auch in der Landwirtschaft recht unangenehm fühlbar. Nicht nur, daß die Feldbestellung im Rückstand bleibt, wirkt sich die übermäßig lange Heufütterung auch bei dem Milchvieh unangenehm aus. Auch die nunmehr im Hegau eingesetzte Obstblüte bedarf dringend eines trockenen Frühjahrswetters sollen unsere Obstzüchter nicht wieder um den Lohn ihrer Arbeit kommen. Das gleiche gilt von der Jmkerschaftzdie nach dem letzten Mißjahr ein günstiges Flugwetter während der Blüte erwartet. Es ist zu hoffen, daß das gestern eingesetzte Frühlingswetter von längerer Dauer ist. ** Singe« a. H., 4. Mai. (Todesfälle). In Konstanz starb Ende letzter Woche im Alter von 90 Jahren die ehemalige Kronenwirtin, Frau Genovefa Neidhardt-Aach, eine im Hegau weit und breit bekannte Persönlichkeit. — In Werbungen wurde im Alter von 88 Jahren der Kriegsveteran von 1870—71, Christof Wieland, zu Grabe getragen. Bei einer Einwohnerzahl von 819 beträgt die Zahl der Altveteranen 'jetzt noch sechs in Werblingen, was verhältnismäßig hoch ist. In Singen sind bei einer Einwohnerzahl von etwa 13 000 nur »och drei Veteranen, die jedock zugewandert sind. ** Singe«, 4. Mai. (Goldene Hochzeit). In Gottma- bingen feierte das Ehepaar Leopold Graus in aller Stille das Fest der goldenen Hochzeit. Beide erfreuen sich noch großer körperlicher und geistiger Frische. Der Jubilar ist seit 1900 in den Fahrschen Werken als Bohrer tätig. ** Siuge«, 4. Mai. (Unfall). In der Seilfabrik Beck u. Cie, Singen, stürzte Ende letzter Woche beim Reinigen einer Hanfbrechmaschine eine Arbeiterin unglücklicherweise in diese, wobei ein Eisenzahn ihr mehrere Zentimeter tief in den Kops drang. ** Friedrichshafe«, 4. Mai. (Seinen Verletzungen erlegen) ist der Fremde namens Abraham aus Charlottenburg, der am Freitagvormittag, nachdem er sich zahlreiche Schnittwunden beigebracht hatte, aus dem Fenster seines Quartiers springen wollte. Ter Blutverlust war so groß, daß er sich nicht mehr erholte und im Karl-Olga-Kranken- haus seinen Wunden erlag. Sein Leichnam sollte der Tübinger Anatomie zugeführt werden, nachdem aber die israelitische Gemeinde in Buchau für die Kosten aufgekommen war, und selbst die Ueberführung nach Buchau veranlaßt hatte, wird er daselbst auf dem israelitischen Friedhof beigesetzt. Konstauz, 4. Mai. Ein tödlicher Unfall ereignete sich Montagvormittag in der elektrischen Uebergabestelle beim Täger- wilerzoll. Ter 25jährige Sohn des Chefmonteurs Meyer, der vor kurzem seine Prüfung sowie den Doktortitel gemacht hatte, und zur Zeit freiwillig bei seinem Vater praktisch tätig war. kam mit der linken Hand dem Starkstrom (8000 Nr. 65. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Mittwoch, den 4. Mai 1927. H Volt) zu nahe, wobet er starke Brandwunden erlitt und bewußtlos zusammenbrach. Trotz rascher Hilfe war es leider nicht mehr möglich, den jungen Mann ins Leben zurückzurufen. ** Oppau, 4. Mai. (Der Nachfolger des Bürgermeisters Süß.) Zum Ortsoberhaupt der Gemeinde Oppau wurde Bezirksamtmann Dr. Zorn von Lichtenfels als Berufsbürger- meister gewählt. Dr. Zorn steht im 34. Lebensjahre. ** Erdmanushausen, 3. Mai. In einem Steinbruch des Steinwerks ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Bei Sprengarbeiten hatte sich der im Steinwerk beschäftigte 18 Jahr Me Steinbrucharbeiter Karl Brohaska nicht rechtzeitig entfernt, so daß er von einem Stein getroffen wurde, der ihm die Schädelbccke einschlug. ** Leutkirch, 4. April. Das 8jährige Söhnchen des Versorgungsanwärters Joseph Kugel hier ist gestern abend beim Spielen in die zur Zeit hochgehende Eschach gefallen und ertrunken. Das heute vormittag durchgeführte Absuchen des Flußbetts von Leutkirch nach Niederhofen verlief ergebnislos. ** Dettenhausen, OA. Tübingen, 4. Mai. Das 8i4jährige Söhnchen des Maurers Ernst Hoffarth ging mit dem für Hoffarth Dung führenden Fuhrmann Jakob Motzer ins Feld und lief unterwegs in das Fuhrwerk hinein, wobei das Kind am Kopf und einem Fuß gräßlich verstümmelt wurde. Nur mit Anstrengung konnte es aus dem Rad herausgebracht werden. Das Kind wurde in die Klinik nach Tübingen übergeführt. ** Sulz a. N., 3. Mai. Schon wieder war ein junges Menschnleben in höchster Lebensgefahr. Ein mit seinen Eltern hier auf Besuch weilender 4jähriger Knabe fiel gestern nachmittag beim Hause des Herrn Eßlinger an einer nicht eingeschränkten, gefährlichen Stelle in den Mühlkanal, wurde von den Fluten fortgerissen und gegen das jenseitige Neckarufer getrieben. Herr Metzgermeister Fritz Kopp passierte zu selber Zeit mit seinem Auto die Vorstadt und erkannte sofort die große Gefahr. Rasch entschlosien stürzte er sich in den zur Zeit starken Neckar und entriß das Kind den Fluten und dem sonst sicheren Tod. — Es mutz erwähnt werden, daß die Unglücksstelle, die für Kinder tznmer gefährlich ist, eingeschränkt werden muß, um weiteren Unglücksfällen vorzubeugen. . .. Zusammenstoß des Autolastwagens der Fa. Elias Hatz Sohn (Rastatt), mit eiuer Lokomotive. 1 Arbeiter getötet, 2 Personen schwer, 1 leicht verletzt. Rastatt, 3. Mai. Heute Nacht verunglückte durch Zusammenstoß mit einer Lokomotive das Auto der Speditionsfirma Elias Hatz Sohn bei Wilferdingen in der Nähe von Pforzheim. Der in den 80er Jahren stehende verheiratete Arbeiter Hinger, Vater einer Tochter von 21 Jahren, wurde getötet. Buchhalter Faller und Adolf Hatz erlitten schwere Verletzungen, ersterer einen Schädelbruch, letzterer eine Brustquetschung. Arbeiter Hermann erlitt leichte Verletzungen. Arbeiter Lud. Lottermann ist unverletzt geblieben. Sie liegen E Krankenhaus in Durlach. Das Unglück soll sich gegen Morgen ereignet haben. Ei« «encr Segelslugweltrekord i« Rosfitte«. Rosfitte«, 4. Mai. Der Ostpreuße Ferdinand Schulz, der auf seinem Segelflugzeug „Westpreußen" gestern früh um 4.51 Uhr gestartete ist, befand sich nachmittags um 5.25 Uhr noch in der Luft. Er hatet um diese Zeit mit einer Flug- darrer von mehr als 12% Stunden den Weltrekord im Dauerflug für einsitzige Segelflugzeuge bereits um mehr als zwei Stunden überboten, der von dem Franzosen Massaux mit zehn Stunden neunzehn Minuten 34 Sekunden gehalten wurde. Schulz beabsichtigt, den Flug bis zu einer Dauer von 15 Stunden fortzusetzen. Die Ueberlaudreise des fliegenden Znges glücklich beendet. Kaflel, 4. Mai. Der Anhängerflug der Raab-Katzenstein- Flugzeugwerke von Karlsruhe nach Kassel ist glücklich beendet worden. Ter Doppeldecker mit dem Anhänger ist, nachdem er gestern früh um 8 Uhr von der letzten Etappe Frankfurt aufgestiegen war, nach einer Flugzeit von 1^ Stunden im Heimathafen Kassel gelandet. Aus dem amerikanischen Hochwassergebiet New Orleans außer Gefahr. — Die Ueberschwemmuug i« Louisiana. — Epidemie«. Washiugtou, 3. Mai. Der Befehlshaber des Jngenieur- korps der Armee, der Hoover auf seiner Fahrt durch das Ueberschwemmungsgebiet begleitet hatte, teilt mit, daß New Orleans jetzt vor der Jlut sicher sei. sofern sich nickt Unvorhergesehenes ereigne. Tie Maßnahmen zum Schutz der Stadt seien endlich von Erfolg gewesen. In Louisiana begann sich gestern die volle Gewalt des Mississippi-Hochwassers fühlbar zu machen. Das Gebiet von Concordia ist infolge des Bruches der Schutzdämme nunmehr völlig überschwemmt. Ter größte Teil des Bezirks Cata- houla und Teile der Bezirke Aveylles und Lasalle Rapides sind ebenfalls von dem Hochwaffer bedroht. Das in Mitleidenschaft gezogene Gebiet umfaßt ungefähr 2100 englische Quadratmeilen mit einer Bevölkerung von 70000 Menschen und Besitztumswerten in Höhe von 30 Millionen Dollars. Im Staate Mississippi hat der Aazeefluß den Damm bei Edn durchbrochen und 10 000 Acres überflutet. ^ _ Die helläugigen Neger im Poudoland. Der bekannte Streit, ob Charleston durch die Beinverrenkungen, die er verlangt, geeignet ist, Knie und Waden zu deformieren, hat als letzte Phase ein neues Argument für die Charlestongeg.ier geliefert. Für eine Pariser Sommerrevue wurden kürzlich Tänzerinnen gesucht, zweihundert junge Mädchen meldeten sich; dreißig davon wurden als Besitzerinnen einwandfreier Beine ausgewählt, und es ergab sich, daß nicht weniger als 27 von diesen Auserwählten erklärten. sie hätten sich vom Charleston prinzipiell ferngehalten. Bühnengröße« im Rampenlicht «ub im Tageslicht. Belle Livingstone, eine bekannte Persönlichkeit der New- yorker Beheme, begann ihre Laufbahn auf der Bühne und erntete einige Jahre lang wohlverdienten Beifall. Eines Tages verließ die Schauspielerin nach der Probe das Theater durch den Hauptausgang. Gerade stand ein junger Mann in Gedanken versunken vor dem Plakat, auf dem ein Bild von Belle Livingstone in der Rolle, die sie damals spielte, zu sehen war. Einige Augenblicke hernach ging der junge Mann zum Kassenschalter, legte eine Fünfdollarnote Hin und verlangte eine Karte für die Abendvorstellung. Und vertraulich sagte er zu dem Manne hinter dem Gitter: „Würden Sie glauben, daß ich dieses Stück schon fünfzehnmal gesehen habe, nur um mich an Belle Livingstone zu ergötzen? Ich habe noch nie so ein Gesichterl gesehen und sie tanzt . . ." Der Beamte an der Kasse glaubte dem Besucher einen großen Dienst zu erweisen, indem er ihm zuflüsterte: „Sie steht dicht hinter Ihnen!" Der junge Mann drehte sich um, schaute seine Angebetete mit erschrockenen Augen an, packte feine Banknote und verschwand hastig mit den Worten: „Hätte ich das erstemal gewußt, daß Schminke und Puder eine Frau so verändern können. Der Streit um den namenlose» Maun, der seit einem Jahre in Turin in einer Anstalt weilt und sich nicht auf seinen Namen besinnen kann, wird nunmehr die italienischen Gerichte beschäftigen. Der Mann wird bekanntlich von zwei Frauen als ehemaliger Gatte reklamiert, und zwar von Frau Professor Canella, deren Mann während des Krieges in Mazedonien vermißt wurde, und von Frau Bruneri. die von ihrem Mann, einem alten Sträfling, verlassen worden ist. Der Mann selbst hat sich begreiflicherweise dafür entschieden, Professor Canella zu sein. Seinem Fingerabdruck nach ist er indessen der alte Sträfling. Der Fall ist deshalb besonders schwierig, weil die Gesichtszüge des Mannes und die Erkennungsmerkmale an seinem Körper tatsächlich mit denen des Professors Canella übereinstimmen. Frau Professor Canella behauptet, ihn auch bestimmt als ihren Mann wiederzuerkennen. Man steht also vor einem Rätsel, das nunmehr durch einen Gerichtsspruch gelöst werden soll, da Frau Professor Canella das Gericht augerufen hat, um ihren Mann wieder zu erhalten. Ei« Hochstapler als Lehramtskandidat. Für eine bei der Höheren Mädchenschule zu Waren bei Schwerin zu besetzende Lehrerstelle hatte sich ein Dr. Hans Weinert gemeldet. Er legte eine Reihe auf diesen Namen lautende Zeugnisse in beglaubigter Abschrift vor, u. a. auch über seine Tätigkeit in Mexiko und Buenos Aires. Vorsichtshalber hielt man aber in dem früheren Wohnort des angeblichen Dr. Weinert Nachfrage. Von dort erhielt man die Auskunft, daß der Bewerber einen ihm nicht zukommenden Namen angenommen habe. Unter dem gleichfalls unrechtmäßigen Namen Dr. Schuster war er in seinem früheren Tätigkeitsfelde als Leiter der Höheren Privatschule bekannt. Weiter erfuhr man, daß er wegen schwerer Urkundenfälschung, Hochstapeleien und Darlehensschwindel steckbrieflich von der Staatsanwaltschaft Braunsberg und der Kriminalpolizei Berlin verfolgt würde. Er hatte sich die Namen Dr. Schuster, Dr. Camb und Dr. Weinert beigelegt und unter diesen Namen erhebliche Beträge erschwindelt. Die vorgelegten Zeugnisse find gefälscht. Der Schwindler wurde in Waren bei Beginn seines ersten Unterrichts festgenommen und mit seiner Ehefrau, die um die Betrüoereien ihres Gatten wußte, dem Amtsgerichtsgefängnis zugeführt. Turnen, Sport und Spiel. Handball. Spv. Waldhof badischer Pokalmrister. Im Endspiel um den badischen Handball-Pokal siegte Spottverein Waldhof gegen den 1 3L C. Freiburg auf dem BfR.-Platz in Mannheim mit 4:1 Toren. > To. 1888 Handschih. Fugend — Tg. Ziegelhausc« 1 b-3ugend K: 1. To. 1886 I. war, obwohl nur mit 10 Mann spielend, in sehr guter Form. Fn der ersten Hälfte hatten beide Parteien gleichviel vom Spiel. Nußloch kommt durch Strafftoß zum ersten Tor. Handschuhsheim holt bis zur Halbzeit auf. Nach der Pause findet sich Tv. gut zusammen und gibt das Spiel nicht mehr aus der Hand. Durch zwei Tore wird der Sieg sichergestellt. Nußloch verwandelt einen weiteren Strafftoß und kommt so zu einem zweiten Tor. Schiedsrichter Welker Turngemeinde H. gut. ' Tv. 1886 Handsch-uhsheim 1 — Jahn Rußloch 1, 3 :2. Amsterdam entgege«. Die Nebel der Zeit, die unseve Tage von den Olympischen Wettkämpfen noch trennen, lich- ren sich immer mehr. Schroffer und immer schroffer wird auch die Anspannung aller Kräfte, um Deutschlands erstmalige Wieöerbeteiligung und sei» ehrenvolles Bestehen zu sichern. Die sportlichen Zurüstungen liegen in zuverlässigen, unermüdlichen Händen. Wie eine riesige Hürde aber erheben sich zwischen den auserwählten Kämpfern und der Olympischen Stätte die finanziellen Schwierigkeiten. „Kämpfer, Leichtathleten! Zeigt, daß Ihr den unbezwingbaren Willen habt, das Hindernis zu nehmen!" Preise des Mannheimer Schlachtviehmarkts. Dem Schlachtviehmarkt am Montag waren zugeführt: 224 Ochsen, 125 Bullen, 214 Kühe, 312 Färsen, 546 Kälber, 29 Schafe 3367 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Ochsen al 61—63, all 48—54, bl 50—58, bll 38—48, c 36-42, d 30—34; Bullen 1. Kl. 54-58 2. Kl 46-50, 3. Kl. 40- 42, 4. Kl. 32-36; Kühe 1. Kl. 48-53,2. Kl. 36-42,3. Kl. 32-34, 4. Kl. 16—22; Färsen 62—64, 48-54. 38-42, Kälber 100-120, 79 - 81, 74—76, 62- 66, 46—56; Schafe 50- 56.50-58, 36-46; Schweine 54- 55, 54—55, 56, 54—55, 52—54, 51—52, 46-48. Marktverlauf: mit Großvieh lebhaft, geräumt; beste ausgesuchte Tiere über Notiz bezahlt; Kälber lebhaft, geräumt; Schweine mittelmäßig, geräumt. Reueste amtliche Kurse vom 3. Mai 1927. mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. Anleihe»: Ablösungsschuld mit Auslosungsschei» hne Auslosungsschei» . SanfcufcMen: Bad. Bank in ° o 319,25 20,80 ln o/o 160 Darmstädter- und Rattonalbanl 292,50 Deutsche Bank . . . .191 Deutsche Bereinsbank . 122,50 Dresdner Bank . . . m Mitteldeutsche Ereditbank . 219,5» Reichsbank . . . .17? Rhein. Ereditbank . . . >47 Südd. Dtsconto Gef. . . 158 Bergwerk»» Aktien in "io 295,75 228,80 245.90 . 175,25 138.90 t arpener Bergbau alt Westeregeln ManneSmannröhrenwcrke. Mansfelder Bergb. n.Hüttenw Obcrfchl. Gifenb. Bedarf . Phönix Bergbau u.Hüttenbetrteb 153,60 Salzwerk Hellbraun . . >82,50 vereinigte Königs- Laurahütte 94,75 Aktie« indnstr. Unternehmnngen: in o/o Allg. Elektr. Staunnak.tie» 929,76 Badenia Weinhetm . . — Bad. ElektrtzNät Mannheim . o,0S0 Bad. Maschinen Durlach . U6 Eementwerk Heidelberg Daimler Motoren . . . Dtsch. Goid- und Stlberschetde Elektr. Licht und Kraft . Ematll. und Stanzwerk Ullrich g beninduftrte hs Waggon StammaMen tzner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . Knorr Heilbronn Matnkrastwerke Höchst . Neckarsulm.r Fahrzeugwerke . Schuclert Elektr. Nürnberg . Setltnduftrie Wolss. . . Südd. Zucker .... Zellftoss Waldhof Stammaktien 140 144,5« 237 106 168 867 Aktien dentscher Transoortanftalten r tn 0t, Samburg. Amertk. Paketfahrt 183,50 öetdelberaer Straßen- u. Bergbahn 87 norddeutscher Lloyd . . i6«,t0 Devisen: Geld Brief New-Dork l Dollar 4,2146 4,224« London 1 Pfund 20,478 20,53 Holland 100 Gulden Schweiz 100 Francs 168,74 169,16 81.0« 31,2« Wien 100 Schilling 59.38 59.5« Barts 100 Francs 16 :2>/s 16.661/t Italien 100 Lire 21.96 22.02 Wetterbericht vom 3. Mai 1927. W eit erläge : Der hohe Druck hat sich seit gestern verstärkt und über dem nordöstlichen Europa festgesetzt, während di« atlantischen Zyklone jetzt in Richtung des Golfftromes - ziehen, ohne uns unmittelbar zu beeinflussen. Wir behalten daher vorwiegend heiteres und zunehmend wärmeres Wetter. Schwach« Luftbewegung begünsttgt bei uns die örtliche Bildung von Wärmegewittern, besonders über dem Gebirge. Voraussichtliche Witterung bis Mittwoch, den 4. Mai, nachts: zeitweise heiter, warm, strichweise Wärmegewitter bei schwacher Luftbewegung. Sofakissen, Handmalerei mit Schlossbeleachtong Heidelberg auf grünem, rotem oder schwarzem Samt sind die schönsten Andenken. Die Kissenplatte zu 8.— Mk. portofrei. Versand auch ins Ausland. Albert Sommer Heidelberg. Hauptstraße 80 und 92. MifffarbeneZäjue •nt (teilen dar schönst« Antlitz. Ubier Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide Schönheitsfehler werden gründlich beseitigt «st schon durch einmaliger Putzen mit d« herrlich erfrischen» S chmeckenden Ohlorodont - Zahnpaste. Die Zähne er- »astcn danach einen wundervollen Elsenbeinglan», auch an den Seitenflächen, besonder» bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierte» Chlerodont- *»hii. «tont - XnhnbUnte für Kinder 70 Pfg-, ffit Damen Mk. 1.25 (weiche Borsten), für Herren Mk.1.25 (hatte Borste^ Rur echt in blau-grüner Originalpackung mu d« Lusschrist „tUlorodont". überall zu haben. Geräuch. Fische ab Räucherei Verlangen Sie Preisliste über Bücklinge, Schellfische Seelachs. 8 Lt. Dose Bratheringe Mk. 4.15, 8 Lt. Dose Bismarckhettnge 4.40, 8 Lt. Dose Rollmops 4.40, 8 Lt. Dose Gelee-Hering 4.70 per Bahn, Eilgut ab Altona. (Bahnstation deutlich angeben). Nachfolgende Waren ab Lager durch Post fiei dott: 2 Dos. Brat- hettnge, 1 Dos. Bismarckhettnge, 1 Dos. Rollmops, 2 Dos. Oelsardinen, zus. 6 Dos. — 9 Pfd. Mk. 5.42. 25 Dos. ff. Oelsardinen 11.75, 1 Tönnchen neue Matjes Ia. co. 18 St. 8.—, 10 Pfd.-Eimer Pflaumenmus 5.75, 10 Pfd.-Dose Preißelbeeren 7.05. 9 Pfd. Tafel- käse Ed. Form 6.95, 9 Pfd. Tissiter Ait 6.95, 8 Psd. Harzer Käse 4.75, 9 Pfd. Molkerei-Butter Eff. 8.75. Preise Tagespreise freibleibend. c. Otto Gehtlerl, Allona LI ca. 60000 HmdstkWegel (Biberschwänze), gebraucht, jedoch sehr gut erhalten, werden zum Backsteinpreise ab Werk Steinsfurt abgegeben. Otto Hartmann. Mauer Telefon Meckesheim Nr. 3. £iiMiMiiiimmunuluuuiinQiumiitit; j$te1 ichelfeld Friedrichstraßr 16.