Erscheint ILgttch »tt Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: G nr ch die Post bezogen und durch de» Briefträger und unsere Austräger frei ms Laus monatlich Goldmark 1.80 Oer Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Tn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Liefer- >ng der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschlossen. Gernsprech» Anschluß Rr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Rr. 6808 General-Anzeiger für ba$r$$r klsenz-unö §ckwarzbaektal Der Lanöbote Änslreimer MM Zeitung ?«§§ General-Anzeiger für das^^^Elfenz-un- 8ckwarzbacbtal Gelteste unci verbreitetste Leitung ctieler 6egen«l. tznupt-Hnzeigen-SlLtl CSUxittUN Bellag»» r DM« und Beim » Der Kobold » Deoe 'JUoTtrierte • Landwirtschaftlich« Beilage A«zeige«»Preife: Anzeigen: Die ZZ mm breit» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit, Millimeter-Zell« 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffest« Rabatt, der bei Nichtzablmm innerhalb 8 Tagen nach R«^ nungsdatum oder bei gerichtlich« Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ah» vormittag«; größere ^tnzeigm, müssen am Tage vorher «st gegeben werden. Bank-Konto: DeretnsbanK Sinsheim e. G. m. b. L. M 70 Dienstag» den 10. Mai 1927 88. Jahrgang Kommisfionsberatungeli in Genf. Genf, 10. Mai. Die Handelskommission der Wirtschafts- kvnferenz hat gestern vormittag beschlossen, zu den drei Hauptpunkten ihrer Tagesordnung: 1. F«iheit des Handels, 2. Zoll- und Handelspolitik, 3. indirekte Mittel zur Unterstützung des Handels und der Schiffahrt, drei Unterkommissionen einzusetzen, von denen jede einen Punkt der Tagesordnung behandeln soll. Der vierte Punkt der Tagesordnung, die Hemmung und Entwicklung des internationalen Handels durch die Verminderung der Kaufkraft ausschließlich in der Vollsitzung der Handelsstaaten behandelt werden. In jeder der drei Unterkommissionen soll jede der einzelnen Delegationen vertreten sein. Die Handelskommission hofft, bis Ende dieser Woche ihre Arbeiten zu erledigen, so daß am Montag nächster Woche die Wirtschaftskonferenz zu einer Vollsitzung zusammentreten könnte. In dep Jndustriekommission, die in ihrer Tagesordnung 1. die gegenwärtige Lage der hauptsächlichsten Industrien, 2. die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Industrie, besonders auf dem Gebiete des Handels und 3. die internationalen Jndustriekartelle zu behandeln hat, führte der Berichterstatter der italienischen Industriellen Pirelli aus, als ersten Diskussionsgegenstand werde die Kommission die Herabsetzung des Preisniveaus in der Industrie und somit auch eine weitere Durchführung der Rationalisierung in der Industrie behandeln. Ferner betonte der Redner, daß die Jn- dustriestatistik ausgebaut werden müsse. Auch Abweichungen von der Tagesordnung seien möglich. So könnten auch andere Fragen, die bevölkerungspolitische Probleme berührten, behandelt werben. Der portugiesische Delegierte schlug die Bildung einer Kooperationskommission vor, bestehend auö je sechs Mitgliedern jeder der drei Kommissionen, die die Beschlüße und Vorschläge der Kommission zusammensasien sollen. Gegen diesen Antrag wandte sich insbesondere Lou- cheur, so daß der portugiesische Antrag dem Präsidenten der Weltwirtschaftskonferenz vorgelegt wirb. In der heutigen Nachmittagssitzung wird die Jndustrie- kommission mehrerer Unterkommissionen nach den einzelnen Industriezweigen einsetzen. Me Landwirtschaftskommission wird sich laut Tagesordnung 1. mit der gegenwärtigen Lage im Verhältnis zur Vorkriegszeit, 2. mit den Ursachen der gegenwärtigen Schwierigkeiten und den Möglichkeiten einer tHernationalen Einwirkung auf die internationale Zusammenarbeit der Erzeuger und Verbraucher und 3. mit dem gegenseitigen Anstausch von Erfahrungen z« beschäftigen haben. Der polnische Delegierte legte der Kommission einen Antrag vor, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Lösung Berlin, 9. Mai. Nach der mehrwöchigen Osterpause tritt das Plenum des Reichstags am Dienstag um 3 Uhr nachmittags wieder zusammen. Auf der Tagesordnung dieser ersten Sitzung stehen verschiedene kleine Vorlagen. Reichstagspräsident Löbe ist von den Folgen seiner Blinddarmoperation inzwischen wieder soweit hergestellt, daß er bereits am Dienstag die Plenarverhand-, lungen wieder leiten wird. Sollten nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, so wird wohl der Reichstag, wie man in parlamentarischen Kreisen annimmt, spätestens Ende Juni in die Sommerferien gehen und erst anfangs November seine Wintertagung beginnen. Abgesehen von kleineren Vorlagen handelte cs sich bei der bevorstehenden Sommertagung hauptsächlich um die Beratung zweier großer Gesetz«, nämlich um das Reichsfchul- gesetz und um die Verlängerung des Gesetzes zum Schutze der Republik, das bekanntlich abläuft. Einzelheiten über den voraussichtlichen Inhalt dieser Vorlagen waren bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Alle Tendenzmeldungen in dieser Hinsicht sind mit großer Vorsicht aufzunehmcn, da die beiden Vorlagen vorläufig noch nicht einmal im Kabinett verabschiedet worden sind. Kommt eine Diskonterhöhung? Cm halbes Dememi der Reichsbank. Berlin, 9. Mai. Zu bent umlaufenden Gerüchte von einer morgen stattfindenden Zentralausschötzsitzung bei der Reichsbank, die aber eine Diskonterhöhung um l h Prozent beschließen soll, wird uns von der Reichsbank auf Anfrage erklärt, daß morgen eine derartige Sitzung nicht stattfindet. Ebenso werden uns die Geräte von einer Devisenkontingentierung und von einer Kontingentierung der Rediskontkredite als unzutreffend bezeichnet Nach Lage der Dinge am Devisenmarkt ist naturgemäß die Frage einer Diskonterhöhung nicht restlos von der Hand zu weifen. Die Auskunft der Reichsbank, in der entscheidender Wert darauf gelegt wird, daß morgen keine Entscheidung gefällt werden soll, scheint darauf hinzuweiscn, daß nran zwar die Frage einer Diskonterhöhung ventiliert, aber noch keine Entscheidung getroffen hat. Vielleicht will man abwarten, ob die Nachrichten, die von einer Ermäßigung des englischen Diskonts am Donnerstag wissen wollen, zutreffen. 2n diesem Falle dürste sich eine Erhöhung des deutschen Diskontsatz^ nicht als notwenoig erweisen. Weiterhin wird vermutlich die Frage oer Aufhebung der Kapitalertragsstcuer für ausländische Anleihen eine entscheidende Rolle spielen. Sollte, wie immer bestimmter verlautet, in Kürze wieder eine Befreiung eintreien, so wird dadurch ohne Zweifel ein erheblicher Deviscnzufluß einsetzen, der den Devisenmarkt ohne weiteres regulieren würde. Frauen im evangelischen Kirchendienst. Berlin, 9. Mai. Die Generalsqnode nahm heute das Gesetz betreffend Vorbildung und Anstellung der Dikarinnen end- der Weltwirtschaftskrise durch Hebung der Kaufkraft der Mafien gesichert werden müsse, womit eine günstige Rückwirkung auf Handel und Industrie erfolge. Die Weltwirtschaftskonferenz soll ferner beschließen, baß das beste Mittel zur Lösung der Krise in einer Verstärkung der landwirtschaftlichen Erzeugung und in der Hebung der Intensität der Landwirtschaft zu suchen sei. Der polnische Delegierte fordert einen Appell der Konferenz an alle Völker in diesem Sinne. Anträge Serruys i« der Geufer Haudelskommisfio«. Geuf, 10. Mai. In der Handelskommission der Genfer Weltwirtschaftskonferenz brachte gestern der französische Delegierte Serruy eine Reihe von Anträgen ein, über die eine Debatte noch nicht eröffnet ist. Die französischen Anträge gehen dahin, daß die Rückkehr zum freien Handel die erste Voraussetzung zu einer Ausrechterhaltung des Weltfriedens und zur Lösung der Weltwirtschaftskrise sei. Die Anträge schlagen vor: 1. Freiheit im Handel, 2. Schaffung einer gemeinsamen Zollnomenklatur und 3. Schafung eines einheitlichen Zolltarifs. Serruy betonte, daß die Weltwirtschaftskonferenz wie die Brüsieler Konferenz zu praktischen Er- gebniffen führen müsie. Demokrat Lemmer Sachverständiger i« Genf. Berlin, 10. Mat. Der demokratische Reichtsagsabgeord- nete Ernst Lemmer, Generalsekretär des Gewerkschasts- ringes Deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenver- bänbe ist als Spezialsachverständiger zur Weltwirschaftskonferenz nach Genf berufen worden. Das »Fiasko von Locarno-. Eine Rede Gurrards. Köln, 9. Mai. Auf dem Patteitag des rheinischen Zentrums in Köln sprach der Vorsitzende der Reichstagsfraktionj, Geheimrat o. Guemrd, über das Zentrum in der neuen Reichsregierung. Die an Locarno und Genf geknüpften Wünsche seien stark enttäuscht worden. Auf die völlige Räumung und die baldige Rückkehr des Saarlandes zu Deutschland hätten wir ein gutes Recht. Das Saarland werde wirtschaftlich verelenden, wenn es bis 1935 von uns getrennt bleibe. Wir können unmöglich die ungeheuerlich« Grenzziehung im Osten abermals gamntieren und uns der Möglichkeit berauben, auf friedlichem Wege eine Aenderung herbeizuführen. Wir erwarten von der Reichsregierung, in der Räumungsfrage entsprechend zu handeln. Reben dem „Fiasko von Locarno" stehe das Fiasko der Abrüstungskonferenz. Wir wünschen auch die Erörterung des Da- wesplanes und der Reparationsfrage. gültig an. Damit zieht die Frau als Gemeindebeamtin in die evangelische Kirche ein. Die Bikarinnen werden künftig zur kirchlichen Wottoerkündung im Kindergottesdienst, ferner vor allem für Frauen und Mädchen In Bibelstunden, Andachten, in der Lehrtätigkeit, namentlich im kirchlichen Unterricht, sowie an den Berufsschulen tätig sein. Endlich kann ihnen die Seelsorge in der Gemeinde an der weiblichen Jugend, in Mädchenheimen, Krankenhäusern, Gefangenenanstalten und Elternheimen anvettmut werden. Die Rechte setzte es durch,' daß entgegen der Vorlage des Kirchenscnätes eine ausdrückliche Bestimmung angenommen wurde, daß die Frau nicht befugt wäre, zur pfarr- amtlichen Tätigkeit und zur Verwaltung der Sakramente. Was die Vorbildung der Vikarin betrifft, so ist sie genau die gleiche, wie bei den Pfarrern. Die Pikarln muß aber im Falle der Verheiratung aus ihrem Amte scheiden. Ausnahmen kann nur das Konsistorium zulassen. Volk ohne Raum. Koloniale Reichstagung in Gera. Gera, 9. Mai. Auf der Tagung des Bundes der Kolonial- freunde e. B. hielt Gouverneur Dr. Schnee die Festrede, in der er darauf hinwies, daß ein übervölkertes Land «ine Ergänzung durch überseeische Koloaialgebiete brauche. Der Redner stellte fest, daß das Unglück des deutschen Volkes darauf beruhe, daß es auf zu kleinem Boden zusammengeschlossen sei, ohne eine genügende Bodengrundlage zu besitzen. Deutschland müsse mehr arbeiten und könne weniger ausgeben als jede andere Nation,. Die Erwetterung der deutschen Bodcngrundlage durch Wiedererlangung von Kolonien sei notwendig. Neben der wirtschaftlichen Not stehe die seelische Not. Das Zusammengedrängtsein eines großen Volkes auf zu engem Boden führe zu einer Verschärfung der Interessengegensätze. Es gelte die koloniale Schuldlüge zu besettigen. In dieser Beziehung seien zwar schon große Fort- schritte gemacht worden; sie müsse aber völlig aus der Welt geschafft werden. Von den Staatsmännern der Alliierten sei anerkannt worden, daß Deutschland nach seinem Eintritt in den Völkerbund ebenso wie andere Mitglieder Kolonialmandate erhalten könne. Es liege auch im Interesse jeder anderen Nation, daß das übervölkerte Deutschland einen Ausweg erhalte, um auf eigenem Gebiet in Uebersee Nahrungsmittel und Rohstoffe zu erzeugen. Eine dauernde wirtschaftliche Verständigung zwischen den Nationen sei nur möglich, wenn den deutschen Lebensinteressen Genüge getan werde und wenn Deutschland als gleichberechtigte Nation auch auf kolonialem Gebiete zugelassen werde. Kolonialbesitz bringt Arbeit und Brot; ohne Ko.onien Volk in Not! Hindenburg in Wilhelmshaven und Oldenburg In Wilhelmshaven. Wilhelmshaven, 10. Mai. Reichspräsident von Hinöen- burg traf gestern vormittag in Wilhelmshaven ein, wo er vom Stationschef der Reichsmarine, dem Befehlshaber der Nordseestreitkräfte, dem Festungskommandanten, dem.Oberbürgermeister von Wilhelmshaven und dem Oberbürgermeister von Rüstringen begrüßt wurde. Nachdem der Reichspräsident die Ehrenkompagnie abgeschritten hatte, fuhr er in Begleitung des Reichswehrministers Dr. Geßler und des Chefs der Marineleitung, Admiral Zenker, zur Stadt, wo er die Garnisonkirche zur Erinnerung der alten Marine besichtigte. Während der Besichtigung und als Hindenburg die Kirche verließ, läuteten sämtliche Kirchenglocken der Landesstädte. Der Reichspräsident besichttgte dann von Wilhelmshaven aus den Hafen und die Marinewerft, ferner dem Paradeplatz, wo die Garnisonen Emden und Cuxhaven Aufstellung genommen hatten. Reichspräsident von Hindenburg nahm hier die Parade ab und fuhr dann zum Heldenfriedhof, wo er für die Gefallenen der Marine einen Kranz mit der Inschrift niederlegte: „In treuer Kameradschaft, von Hindenburg". Im Offiziersheim begrüßte Admiral Zenker den Reichspräsidenten, worauf dieser mit einem Hoch auf die Marine dankte. Mittags verließ der Reichspräsident Wilhelmshaven, nachdem er die vyr dem Bahnhof aufgestellte Ehrenkompagnie und den Verein ehemaliger 91er begrüßt hatte, um nach Loga und Leer in Ostfriesland weiterzufahren. I« Oldenburg. Oldenburg, 10. Mai. Bei der Begrüßung des Reichspräsidenten im Rathaus richtete Oberbürgermeister Dr. Görlitz an den Reichspräsidenten etwa folgende Worte: Hochverehrter Herr Reichspräsident! Fast ein Jahrfünf ist seit dem Tage vergangen, daß Ew. Exzellenz unter dem brausenden Jubel der Bevölkerung zum ersten Male als Ehrenbürger in die Landeshauptstadt Oldenburg, die sich drei Jahre Heimat Ew. Exzellenz nennen durfte, eingezogen sind. Damals galt das herzliche Willkommen der Stadt dem Befreier des deuffchen Ostens, dem Mahner zur Einigkeit und Pflichterfüllung. Heute verbindet sich ihr mit die Huldigung für den Führer des deutschen Volkes in schwerer Zeit zur beffern Zukunft. Wie auf niedersächsischem Bo-den mancher Roland die Freiheit der Bürger verkündet, so fügen Ew. Exzellenz die Freiheit des deutschen Volkes und den Grundstein stetigen Wiederaufbaues. Möge Ew. Exzellenz die Freiheit des deutschen Volkes und der Grundstein «*» gönnt sein, den Wieöeraufftieg des deuffchen Vaterland«? und eine neue Blüte der Städte der festen Säule» tow D eutschlands Einheit als Werk ihres Tuns zu schauem Für, Olöenbürgs Verwaltung soll es wie bisher nur eine Richti linie geben: Vorwärts für Deuffchlanös Größe. Mit diesem Gelöbnis der Stadt überreiche ich Ew. Exzellenz den vom Bürgersinn gespendeten Ehrentrunk der Stadt besten Weines von Deuffchlands heiligem Rheinstrom" Nachdem der Reichspräsident getrunken hatte, hielt er folgende Ansprache: „Haben Sie herzlichen Dank für das freundliche Willkom» men, das Sie, Herr Oberbürgermeister, mir im Namen der Stadt Oldenburg öargebracht haben. Als Ehrenbürger Ihrer Stadt, als langjähriger Bewohner Oldenburgs, haben Sie sich stets besonders verbunden gefühlt, und überall wo Sie lebten, an den Geschicken und dem Ergehen der Stadt lebhaften persönlichen Anteil genommen. Ich hoffe und wünsche, daß die harten Jahre, in denen Oldenburg, wie alle deuffchen Städte sehr gelitten hat, endgültig vorbei sind und die Stadt eine neue Entwicklung erlebt. Meine besten Wünsche begleiten Sie auf diesem Zukunftswege." — Nach diesen Worten des Herrn Reichspräsidenten bemerkte der Oberbürgermeister dann folgendes: Herzlichen Dank, Ew. Exzellenz, für die der Stadt gewidmeten huldvollen Worte, aus denen wir das enge Verbunöensein Ew. Exzellenz mit der einstigen Heimat voll Freude und Stolz anerkennen., Ew. Exzellenz bitte ich, das eben erschienene Werk, „Die Landeshauptstadt Oldenburg", das die Entwicklung der Stadt darstellt, entgegenzunehmen. Reichspräsident v. Hi», denburg dankte, worauf der Oberbürgermeister fortfuhr: Meine Damen und Herren! Lasten Sie uns den Dank an seine Exzellenz in dem Rufe zusammenschlietzen: „Der Herr Reichspräsident und Ehrenbürger lebe hoch!" Preußens Sitz im Verwattungsrat der Reichsbahn Der Staatsgerichtshof entscheidet. Berit«, 10. Mai. Wie erinnerlich, hat die Reichsregierung im Juni 1928 zum Mitglied des Verwaltungsrates der Deuffchen Reichsbahngesellschast den früheren Reichskanzler Dr. Luther ernannt, obgleich Preußen das Recht für stch in Anspruch nahm, von stch aus ein Mitglied zu ernennen. Gegen diesen Beschluß der Reichsregierung hat der preußische Ministerpräsident Braun in einem Schreiben an Reichskanzler Marx scharfen Protest eingelegt, der stch nicht gegen die Person Dr. Luthers, sondern grundsätzlich gegen die rechtswidrige Zurücksetzung Preußens richtete. Preußen hatte darauf die Beschwerde vor den Staatsgerichtshof gebracht, der nun am 7. Mai — wie der Amtliche Preußische Presiedienst mitteilt — folgende Entscheidung getroffen hat. Aufgrund der Ziffer 4 hat Preußen das Recht, ein Mitglied in den Verwattungsrat der Deutschen Reichsbahn zu wählen. — Verschärfung des Danziger Eisenbahnkonflikts Danzig, 10. Mai. Der polnische Staatsbahnpräsident in Danzig, Czarnowski, hat eine Verfügung erlaffen, in der er den Danziger Eisenbahnern in chrem Konflikt mit dem Böl- kerbnndskommiffar van Hamel Ungehörigkeit und Diszi- _ plinlockerung vorwirft. In den Kreisen der Danziger Eisen- ' bahner steht man in dieser Verfügung das Bestreben der Die Gommertagung des Reichstags. Löbe übernimmt wiederum die Leitung der Verhandlungen. Dienstag, den 10. Mm 1927. Nr. 70. Jahrgang 1927. D« Landbote * Sinsheim« Zeitung. polnischen Eisenbahnverwaltung, -ie Stellung des reichs- deutschen Vorsitzende» der Dauziger Eisenbahnergesellschaft Cwaka zu erschüttern. Wie es heißt, will die polnische Regierung sogar Schritte unternehmen, um die in dem polni- scheu Eisenbahndtenst noch befindlichen deutschen Reichsbeamten aus Danzig zu entfernen. Die Verfügung des polnischen Eisenbahnprästdenten dürste eine große Protestaktion der Danziger Eisenbahner jut Folge haben. Günstiger Verlauf der Nachwahlen in Ostoberfchlefien Kattowitz, 10. Mai. Trotz der Verhaftung der deutschen Spitzenkandidaten in verschiedenen Orten, in denen am vergangenen Sonntag die Nachwahlen für die Gemeindevertretung stattfanden, ist das Wahlergebnis vom 14. November 1828 nur unwesentlich zugunsten der Polen verändert worden. Wenn man die Bedrohung der Arbeiterschaft mit Verlust ihrer Beschäftigung sowie den Terror der nationalen Organisationen berücksichtigt, ist das Wahlergebnis immerhin noch zufriedenstellend. In einem Kreise wurden die Wahlen vorher abgesagt. In einem anderen Orte wurde die Wahlliste für ungültig erklärt, so daß die Polen sämtliche Mandate erhielten. Vielfach wurde während der Wahl ein unerhörter Terror ausgeübt. Sofortiger Abbruch der franzöfisch-russischen Schuldenverhandlungen gefordert Paris, 10. Mai. In ziemlich heftigem Ton verlangte gestern der „Matin" den Abbruch der französisch-russischen Schuldenverhandlungen, indem er erklärte: Die finanziellen Verhandlungen mit den Bolschewisten, die nun 26 Monate dauerten, seien ein Frankreichs unwürdiger Spaß, der aufhören müsse. Während der ganzen langen Zeit seien die Verhandlungen noch keinen Schritt vorwärts gekommen. Man habe noch nicht einmal die Frage der Entschädigung der enteigneten Franzosen ober der Staatskredite aufgeworfen, da die Russen zuerst die Frage der Jndustrie- kredite geregelt wissen wollten. Diktatur in Mexiko Berlin, 10. Mai. Wie die „B. Z." aus Mexiko City meldet, veröffentlicht das Blatt „Universal" eine Erklärung des Präsidenten Calles, daß mit dem heutigen Tage der Präsident der mexikanischen Republik die Diktatur übernommen habe, um endlich der andauernden Aufstände, Ueberfälle und Plünderungen Herr zu werden. Zu den Besprechungen Briand—Rieth London, 10. Mai. Im Zusammenhang mit den Besprechungen des deutschen Geschäftsträgers in Paris mit Briand schrieb gestern der diplomatische Korrespondent deS „Daily Telegraph": Man fei in deutschen Kreisen der Ansicht, daß in den nächsten vierzehn Tagen oder drei Wochen weitere Besprechungen stattfinden würben, bevor sich übersehen lasse, ob die Frage der sofortigen Verminderung der französischen Besatzungsarmee geregelt werbe oder nicht. Es verlautet, daß die letzte eine baldige Räumung angehend? Unterhaltung des deutschen Geschäftsträgers mit Briand ein weiteres Gebiet umfaßt habe als die erste. Der deutsche Geschäftsträger sei beauftragt gewesen, Briand öarzulegen, daß eine wesentliche Verminderung der französischen Besatzung möglich sei und daß Deutsißland eine Herabsetzung um 25 000 Mann verlange. Ferner habe man Briand wissen lassen, daß das Reich die Zerstörung der Ostbefestigungen ausführe und den Artikel 431 des Versailler Vertrags erfülle. Infolgedessen sei Deutschland berechtigt, eine vollständige Räumung zu verlangen. In einem Punkt habe Deuschland vor- gczogen, Frankreich und den Alliierten ein Zugeständnis anzubieten und zwar in der Frage der Ueberwachung der Zerstörungen der Ostbesestigungsanlagen. Berlin sei nunmehr gewillt, zu gestatten, daß einer der alliierten Militärattaches in Berlin, wobei man den Alliierten die Auswahl überlasse, persönlich die Zerstörungsarbeiten besichtige, sobald diese nach Ansicht der deutschen Behörden beendet seien. Dom chinesischen Unruhegebiet Ruhe in Nanking. — Bedeutende Schade« durch Beschießung. Nanking, 10. Mai. In Nanking und im ganzen unteren Tal des Jangtse ist die Herrschaft Tschiangkaischeks befestigt. Auch die Schießereien am unteren Jangtse haben anfgehört, obwohl Suntschuanfang das linke Ufer besetzte. In der Stadt Nanking ist alles ruhig und die Ordnung wiederhergestellt. Auch macht sich der Haß gegen die Fremden nirgends mehr bemerkbar. Der Aufbau der neuen Behörden schreitet fort. Von der Bevölkeruna wirb der kommunisten- .//'(dgxaY f ^Kubex\us* ■Rerr t«ras, setzt kommen Sie an die Reche!" „Ich?"! Ach du lieber Himmel,-aber meinetwegen, doch nur unter einer Bedingung!" „Und die wäre?" „Daß ich Sie dann typen darf, mit dem Kodak weiß ich Bescheid." Einen Augenblick lang zögerte das junge Mädchen. „Gut,. — einverstanden, — die Beleuchtung ist gerade ausgezeichnet. — bitte recht freundlich! Nein — nicht lachen -danke!" Deliane wollte den Fuchs aufnehmen, aber Hubertus kam ihr zuvor. „Es ist nur des Gleichgewichts halber," meinte er, „das Geweih trägt sich so besser, und wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, sperren Sie den „Lump" für die nächsten vier- nndzwanzig Stunden in den Zwinger, sonst findet er doch «ine Gelegenheit, um den Bala zu zerraufen!" feindliche Kurs Tschiangkaischeks unterstützt. Der durch die englisch-amerikanische Beschießung angerichtete Schaden ist tatsächlich bedeutend. Bor einem Angriff der R»rdtr«Ppe« ans Schanghai. London, 10. Mai. Die „Times" berichten aus Schanghai, daß die Nordtruppen Vorbereitungen für den Vormarsch gegen die Stellungen der Kantonesen treffen. Man wartet lediglich noch auf die Befehle Tfchangtsolins, um dann sofort vorzurücken. Suntschuanfang soll am Großen Kanal entlang vorgehen, den Jangtse überschreiten und die Schang- haier Gegend erobern, während Tschtangsutschang aus der Gegend von Nanking auf Schanghai zu marschieren soll. Gleichzeitig wird Wupeifu in der Provinz Hvnan vorrücken. Die finanzielle Lage in Haakau hat sich weiterhin verschlechtert. Alle wohlhabenden Leute verlassen die Stadt oder verbergen sich. Europa und Asten. Mag. Pharm. B. Bohac, Präsident der Prager Messe, ein prominenter tschechischer Wirtschaftier führt zu obigem Thema Folgendes aus: Es ist eigentlich kaum begreiflich, warum das stolze und eingebildete Europa so skeptisch auf Asten schaut. Vielleicht, daß in der letzten Zeit der Nationalgeist Asiens erlahmte und also einen Schritt vorwärts oder zurück machte. Asien lebte aber sein reiches Leben in der Zeit, als die Halbinsel Asiens, wie einige gebildete Asiaten Europa zu bezeichnen belieben, noch Wüste und der Mensch ohne Kultur war. In dieser Zeit gab Asien der Menschheit die hohe Kultur, Kunst und einen göttlichen Menschen. Asien ist die Wiege aller Religionen. Was wäre aus den europäischen Völkern ohne die Bildung Asiens geworden? — Europa wurde im letzten Jahrtausend das Gehirn der Welt, wogegen Asien das Herz blieb. Darum stellen auch Europa und Asien zwei Welten dar, die sich sehr schwer verstehen. Ist es nicht in dem Verhältnis beider, als ob ein Jüngling der Lehrmeister eines alten Mannes würde? Liegt nicht etwas Tragisches darin, daß wir Europäer nach Asien, der Wiege allen Glaubens — auch des unsrigen — Attsstonare entsenden, wogegen Asien, nach der Meinung Schopenhauers, zu uns Missionare enffenden sollte? Derselbe Schopenhauer schreibt, daß der Stolz der Europäer im Hinblick auf Kultur und Forffchritt, der aber leider nur einseitig wäre, bis zum Himmel steigt, während Europa Aston in der Philosophie bis zu den Fußknöcheln reicht. Die Geschichte Europa ist nach Schopenhauer nichts anderes, als die Erzählung von ewigen Katzbalgereien, ewigem Neid, ewigen Raufereien und Mordtaten. Diese Ereignisse ziehen wie ein roter Faden durch die Geschichte Europas, und je mehr die Kultur und die Wissenschaft in Europa steigt, um so mehr scheint das Streben nach Mord, Hinterlist und anderer Niederträchtigkeit sich Geltung zu schaffen. Der letzte Massenmord im Weltkriege ist der Gipfel des nichtswürdigen Charakters des Europäers. — Um eines Wörtleins willen in Glaubensöingen haben sich einander ganze Völker ausgerottet — für etwas Herrschsucht wurden Millionen Menschen umgebracht. Es ist bezeichnend, daß dieses Europa es wagt, Asien den Glauben der Mildtätigkeit und Nächstenliebe zu bringen. Aber Europa weiß in seinem Hochmut gar nicht, wie es sich dem Niedergange nähert, während Asien von mehrtau- senbjähriger Kulturarbeit ausruht und sich allmählich zu neuem Leben vorbereitet. Wer hat also mehr Aussicht für die Zukunft, Europa oder Asien, der Kultus des Hirn, der Mechanik und Physik oder der des Herzens?! Viele Philosophen verkünden eine neue Zeit Asiens, einen Kultus des Herzens und der Nächstenliebe. Asien erwacht, beginnt sich auf seine Stärke zu besinnen und trachtet einen panasiatischen Block zu schaffen. Die asiatischen Völker denken an ihren einstigen Ruhm und werden sich der bisherigen Versklavung durch Europa bewußt. Der Weltkrieg hat Asien die Augen geöffnet und ihm die Schwäche Europas gezeigt. Er lehrte es die Roheit der europäischen Kriegsführung und die Erkenntnis der eigenen Stärke. Während Europa im wechselseitigen Hasse sich würgt, leuchtet es in Asien auf. Es kam Tagore und es werden noch andere große Geistcshelden kommen, und diese weiden neuerdings ein heiliges Feuer in den Herzen der Menschen entzünden. Asten wird nicht auf Europa mit dem Schwert in der Hand losgehen. Es wird nicht mit Giftgasen morden und auch nicht mit furchtbarem Kanonendonner die Menschen taub machen, so daß die Erde selbst in ihren Grundfesten erbebt und aus ihrer Bahn fällt. Nein, Asien wird — wie ich zuversichtlich hoffe — bei seinem neuen Erwachen auch unserer sich annehmen und Europa aus dem gegenwärtigen Verfalle erlösen. Wir werden uns um einige tausend Jahre zurückwenden müssen, um die Größe der asiatischen Philosophen und Lehrer von Zoroaster bis Christus zu verstehen. . i i > „Ja, er ist ein Tunichtgut, aber ein lieber, kleiner Kerl, -- oh, Herr Graf, sehen Sie doch, wie wundervoll!" . Die überhängenden Zweige der Fichten wölbten sich zu einem laubenaüigen Gang, kaum ein Stückchen des blaßblauen Dezemberhimmels schimmerte hindurch, und wie stählerne Panzer glänzten im Strahl der Morgenionne die runden, glatten Stämme der Weißbuchen. Hinter dem Hochholz stieg das Tagesgestirn empor, rosarote und goldige Lichter spielten über den Schnee hin, woben eine flimmernde Gloriole um das Haupt des jungen Mädchens Egede lächelte. „An Ihnen ist eine Künstlerin verloren gegangen, Sie haben so viel Sinn für Naturschönheiten und sehen alles mit den Augen eines Sonntagskindes." „Das hat mir mein lieber, guter Vater gelehrt —." Sie schwieg, und nun lichtete sich das Unterholz, wie hingezaubert lag die Forstmeisterei da. Egede sah nach der Uhr. „Punkt elf, der Wachtmeister scheint auch schon da zu sein, man sieht die frischen Hufspuren seines Braunen." Er drückte die Klinke der Gartentür nieder und ließ Lia den Vortritt. „Haben Sie noch einmal vielen Dank, gnädiges Fräulein, ohne Ihre gütige Mitwirkung lebte der Vierzehnender noch!" "?ch C Iac ^ e ' "Mir hat die improvisierte Drückjagd die meiste Freude gemacht, aber nun muß ich mich beeilen, Anni und Gretel werden jetzt nie mit dem Mittagessen fertig." „Kann ich mir denken, wenn man verlobt ist, muß die Prosa des Lebens zurücktreten» also — auf Wiedersehen!" Sie nickte ihm zu. „Auf Wiedersehen, Herr Graf!" Dann huschte Deliane die nach dem oberen Stockwerk führende Treppe empor. „Morjen, meine Herrn! Und sehen sie einmal, was ich mitgebracht habe!" Hubertus trat in das Arbeitszimmer des Forstmeisters und hielt das Geweih in die Höhe. „Kennen. Sie den?!" Gab das einen Aufstand! Alle redeten durcheinander» doch dann behauptete der Baß des alten Herrn siegreich das Feld. 'Der Berliner Siahlhelmtag Ueber 100 008 Man« in Berlin. — Im allgemeinen rnhiger Berlanf. Berlin, 10. Mai. Im Laufe des SamstaguachMittag trafen etwa 15 000 Mann des Stahlhelms in Berlin ein. Tie Mehrheit kam erst am Sonntag. Nach einer Mitteilung des Polizeipräsidenten ist die Nacht zum Sonntag und der Sonntag selbst bis zum Ende der Kundgebung im Lustgarten im allgemeinen ruhig verlaufen. Es haben sich jedoch im Laufe des Samstags, der Nacht und auch des Sonntags eine Reihe von kleineren Zusammenstößen politischer Gegner, sowie Zusammenstöße mit der Polizei ergeben, die zu einer Reihe von Festnahmen führten. Im ganzen wurden 833 Personen zwangsgestellt und der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums eingeliefert. Von der Schußwaffe hat die Schutzpolizei keinen Gebrauch gemacht. Der Stahlhelmappell im Lustgarten. Berlin, 10. Mai, Teil Mittelpunkt der Stahlhelmkundgebung bildete am Sonntagnachmittag um 1 Uhr der Front- solüaten-Appell im Lustgarten. Stundenlang dauerte der Anmarsch mit flatternden Fahnen und Marschmusik. Der Lustgarten sah aus wie ein Feldlager. Auf Rucksäcken oder Mänteln ausgestreckt, so ruhten die alten Frontsoldaten und die jungen Stahlhelmer nach langen Eisenbahnfahrten und anstrengenden Märschen, bis Signale ertönten und alle zum Antreten aufforöerten. Der Lustgarten, war zu klein für die — nach polizeilicher Schätzung — über 100 000 Mann, so daß auch alle Zugangsstraßen noch mit Massen der Windjacken besetzt waren. Beim Abschreiten der Fronten wurden die Bundesführer Selöte und Düsterberg und der Landesverbandsvorsitzende von Stephani mit vkeltausendstimmi- gen Frontheilrufen empfangen. Trompeten schmetterten von der Kuppel des Domes bas Altniederländische Dankgebet, das die Massen entblößten Hauptes mitsangen. Die Fahnen senkten sich und man gedachte der toten Helden des Weltkrieges mit dem Liede „Ich hatt^ einen Kameraden". Dann verlasen von der Freitreppe des Alten Museums und von der Domtreppe der erste Bundesführer Seldte und der zweite Bundesführer Düsterberg die StahlhelmLotschaft. In der Botschaft wendet sich der Stahlhelm gegen das Versailler Diktat und fordert die Anerkennung des Nationalstaates für alle Deutschen, die Wiederherstellung des deutschen Wehrrechtes, einen wirksamen Widerruf des erpreßten Kriegsschuldbekenntniffes, die Regelung und Wiedergutmachung der Weltkriegsschäden auf Grund der solidarischen Haftung aller für den Weltkrieg verantwortlichen Völker. Der Stahlhelm fordert eine Verfassung, die jedem deutschen Staatsbürger verantwortlichen Anteil an dem Leben des politischen Gemeinwesens gibt. Der Stahlhelm widersetzt sich dem Gedanken des Klaffenkampfes. Der Stahlhelm ist fest entschlossen, seine Ziele in Gemeinschaft mit allen parlamentarischen und außerparlamentarischen Kräften des deutschen Volkes, die Arbeits- und Kampfgemeinschaft mit ihm halten wollen, nur durch Anwendung rechtmäßiger und gesetzmäßiger Mittel zu erkämpfen. Ein dreifaches Hoch auf Deutschland und das Absingen des Deutschlandliedes, das sämtliche Kapellen mitspielten, folgten. ..Nun danket alle Gott" erklang es von der Kuppel des Domes und alle Kameraden stimmten mit ein. DeL Abschluß der eindrucksvollen Kundgebung bildete der mehrere Stunden dauernde Vorbeimarsch vor den Bundesführern, die am Nationaldenkmal und vor dem Zeughause Aufstellung genommen hatten. Dank der ausgezeichneten Maßnahmen der Schutzpolizei und der guten Disziplin der Frontsoldaten ist es bei dem Anmarsch zu nennenswerten Zwischenfällen nicht gekommen.. Während der Veranstaltung kreisten Flugzeuge über dem Lustgarten, von denen eines eine schwarz-weiß-rote Flagge abwarf, die mitten unter den Stahlhelmern landete. Baden. Landesiibgeordnetentagung des Badischen Krieger bundes. Konstanz, 9. Mai. Am gestrigen Sonntag fand hier der Landesabgeordnetentag des Badischen Kriegerbundes statt. Eine große Anzahl Abgeordneter hatte sich bereits zu der am Samstagvormittag stattgefundenen Tagung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen des Badische» Kriegerbundes eingefunden. Ten Vorsitz führte Oberst a. D. Seiler-Karlsruhe. In einem ausführlichen Referat gab der Vorsitzende eine eingehende Uebersicht über die, von dem am 1. Oktober 1926 gegründeten Verband, bis jetzt gelei- „Dunneriiitchen, — — der Lauflahme! Der verlorene Sohn!-" „Ja, und Ihre Nichte hat chn mir zugedrückt, außerdem saß am „Kreuzberg" noch ein starker Fuchs im Eisen, mehr kann man doch nicht verlangen!" Stephan hatte die Tür aufgerissen. „Minna! He, Minna! Das Geweih soll gleich abgekocht werden, da können es der Herr Graf dann auf dem Heimweg mitnehmen-" „Ausgezeichnet, aber — sind wir denn nun alle beisammen?" „Jawohl! — Jawohl!-" Die Tür öffnete sich, und Anni und Gretel brachten zwei gehäufte Teller voll Butterbrote, ein paar Flaschen Rotwein. „Die Herren werden sicher hungrig sein!" „Famoser Gedanke!" Böhme schmunzelte. „Ich habe heute schon seit fünf Stunden im Sattel gesessen, bei acht Grad Kälte und Ostwind merkt man das!" Im Handumdrehen war das Frühstück verzehrt, und nun breitete Egede die Reoierkarte auf dem Tisch aus. „Meine Herren, darf ich jetzt einmal um Gehör bitten?" Als dichte, graublaue Wolke lagerte der Zigarrenrauch unter der Decke» spann zerflatternde Schleier um die Stangen der Hirschgeweihe, die Rehkronen.- Hubertus räusperte sich. „Wie mir der Herr Wachtmeister vor einigen Tagen vertraulich mitgeteilt hat, stimmt unsere Vermutung, daß Matowski der Wilderer ist. Der Kerl Hai dem Gastwirt Merkel vom „Goldenen Stern" in Herzogswalde schon mehrfach Wild geliefert, und für heute Nacht ist ein neuer Raubzug geplant, — auf Fasanen, also im Bruchholz-wollten Sie etwas sagen, Herr Forstmeister?" Der alte Herr passte ärgerlich vor sich hin. „Tja, Herr Graf, mir steht natürlich keine Entscheidung zu. aber ich sehe nicht recht ein, weshalb wir uns erst die Müh« machen sollen, wenn der Tatbestand der gewerbsmäßigen Wilddieberei klar erwiesen ist!" „Sie haben Recht," Egede lächelte, „es genügte, wenn Matowski und Merkel einfach verhaftet würden, dann bekäme jeder ein Jährchen aufgebrummt, und sobald die Zeit ad- gesessen ist, könnte das Kompagniegeschäft wieder eröffnet werden. Rr. 70. Jahrgang 1927. stete Arbeit. Der Krtegerbund, der gegenwärtig IM 000 Mitglieder zählt, hat etwa 17120 Kriegsbeschädigte in seinen Reihen. — In 6er sich anschließenden regen Aussprache wurde insbesondere die Angelegenheit der Versorgung, der Vertretung vor dem Gericht und Anträge verschiedener Gaue besprochen. Nach der am Nachmittag stattgefunöenen Bundesausschuß- fitzung fanden sich die Abgeordneten am Samstagabend zu einem vom Konstanzer Militärverein und dem Verein ehemaliger 111er veranstalteten Begrüßungsabend im Konzil zusammen. Der Abend war in erster Linie der Kameradschaftlichkeit gewidmet. Am Tonntagvormittag fand dann die Landesabgeordnetentagung statt. Den Geschäftsbericht erstattete der Ge- neralbnndessekretär. Der Badische Kriegerbund zählt demnach gegenwärtig 57 Gaue mit 1251 Vereinen (gegenüber 1237 im Jahre 1826) mit 106 000 Mitgliedern (gegenüber 102 680 im Jahre 1926). Die Bundeslotterie für den 20. Oktober 1927 wurde genehmigt- die Einführung einer Sterbekasse wurde dagegen abgelehnt. Den größten Teil der Verhandlungen nahm die Fürsorge der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen in Anspruch. Man konnte daraus entnehmen, daß der Krtegerbund sich die größte Mühe gibt, den Kriegshinterbliebenen und Kriegsbeschädigten auf jede nur erdenkliche Weise entgegenzukommen. Nach einem ausführlichen Referat von Oberst Seiler wurde beschlossen, den Versorgungszuschuß von 10 auf 20 Pfg. zu erhöhen und einen Zuschuß von 5000 Mark aus der Notsparkaffe des Kriegerbundes zu gewähren. Der Errichtung von Jugendgruppen und Kleinkaliberschießabtellungen in den einzelnen Vereinen wurde zugestimmt. — Als Tätzungs- ort für die nächste Abgeorönetenversammlung wurde Eberbach gewählt. Die Tagesordnung der nächste« Landtagsfitznng. Karlsruhe, 10. Mai. Nach der jetzt vorliegenden Tagesordnung wird sich der Badische Landtag in seiner am nächsten Donnerstag, den 12. Mai, stattfinöenden, vormittags 10 Uhr beginnenden Sitzung mit dem Gesetzentwurf über die Aenderung des Jagdgesetzes beschäftigen. Außerdem wird der Landtag die Nachfolgerschaft des ausgeschiedenen Abgeordneten, jetzigen Reichsfinanzministers Dr. Köhler bestimmen. Wie schon mitgeteilt, wird an Dr. Köhlers Stelle Hauptlehrer Berberich aus Bruchsal in den Landtag ein- treten. Weiter enthält die Tassesokdnung eine Reihe von Gesuchen. Die Lage des Arbeitsmarktes in Bade«. Die Besserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt hält an. Sie kommt, wie das Lanöesamt für Arbeitsvermittlung mitteilt, in einem weiteren allmählichen Sinken der (das Verhältnis der Zahl der Arbeitssuchenden zu derjenigen der offenen Stellen anzeigenden) Andrangsziffer zum Ausdruck: Am 28. April entfielen im Landesdurchschnitt auf eine bei den Arbeitsämtern gemeldete offene Stelle rund 21,5 Arbeitssuchende, am 4. Mai belief sich diese Ziffer auf rund 19,5. — Entsprechend konnte auch die Hauptunterstützungsempfängerziffer von 33 948 um 2515 auf 31433, und diesmal auch, entgegen der zuletzt beobachteten Entwicklung, die Kurzarbeiterziffer im Tabakgewerbe von 2715 um 239 auf 2478 , zurückgehen. Die gleichzeitige Zunahme der Gesamtzahl der Krisenfürsorgeempfänger von 9702 um 85 auf 9787 bedeutet keine wesentliche Beeinträchtigung des Gesamtbildes. Die Zahl der Notstandsarbeiter betrug am 4. Mai 3579 gegenüber 3712 am 28. April. Berufsgruppen, die sich aufnahme» fähig erwiesen, waren in der Hauptsache die Landwirtschaft, sodann die Metallverarbeitung und die Maschinenindustrie (allgemeiner Maschinenbau, Kraftwagenbau, Herdfabrikn- tion, Elektroindustrie (Elektrochemie, Gummi, Celluloid), Papierhcrstellung, Lederindustrie (Weinheim), Holz- und Schnitzstoffgewerbe (vornehmlich Bauschreinerei) und Bam gewcrbe. Die Eröffnung der großen Schwarzwalöhotelö hat zu einer verstärkten Inanspruchnahme der gastwirtschast- lichen Vermittlung der Arbeitsämter geführt. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 10. Mai. (Neue Postverordnungen.) Die Reichs- poftverwaltung teilt folgende neue Postverordnungen mit: Drief- sendungen nach dem Saargebiet, die Postwertsendungen für Sammler enthalten, müssen mit dem oorgeschriebenen grünen Zollzettel versehen werden, weil sie. wenn auch zollfrei, besonderen Nebengebühren der Zollverwaltung unterliegen. Beim Fehlen des Zollzettels hat der Empfänger Zollstrafen zu gewärtigen, die im Falle der Annahmeverweigerung und Rücksendung vom Absender eingezogen wird. — Pom ersten Mai an sind im Verkehr mit Belgien geschlossene Briefe mit zollpflichtigem Inhalt zugelassen. Die Briefe — gewöhnliche und eingeschriebene — (Wertbriefe ausgeschlossen) müssen auf der Vorderseite mit dem oorgeschriebenen grünen Zollzettel versehen werden. Warenproben mit zollpflichtigem Inhalt oder mit Handelswert sind nach wie vor unzulässig. 1 $ Waibstadt, 9. Mai. (Eine gemeinnützige Baugenossenschaft.) Hier fand die zweite Versammlung zwecks Gründung einer gemeinnützigen Baugenossenschaft statt. Der rührige Vorstand vom Verkehrs- und Berschönerungsverein, A. Diehm, entwarf ein Projekt, das es ermöglicht, auch mit wenig Barmitteln den einzelnen Baulustigen und mit den dazu in Aussiclst stehenden Staatszuschüssen nebst mäßiger Kapitalaufnahme Siedlungshäuser zu erstellen, die mtt geringer Belastung an Zinsen vom Einzelnen übernommen und auch gehalten werden können. Auch die Gemeinde kann zinsverbilligend wirken, wenn sie einen Teil der Zinsen^übernimmt, was sie gut leisten kann, da die Bauten an einer Stelle beisammen liegen und die Zuleitung von Wasser und Licht billiger wird, als wenn in alle Winde einzelne Stränge gelegt werden müssen. Es ist geplant, an die Mitglieder der Genossenschaft Anteile zu 50 und 100 Reichsmark herauszugeben und man hofft, daß die Gemeinde auch einige Anteile übernimmt. Bürgermeister Spiegel, der der Versammlung beiwohnte, gab die Erklärung ab, daß die Gemeinde dem Unternehmen ihre weitgehendste Unterstützung sicherlich nicht versage, wenn die Genossenschaft gegründet sei, und man überblicken könne, daß die Existenzmöglichkeii der Genossenschaft gesichert sei. Als nächste Aufgabe wurde beschlossen, die 'Baulustigen und die Bauhandwerker zu versammeln zwecks Gründung der Genossenschaft. *2+ Steinsfurt, 9. Mai. (60. Geburtstags Der Vorstand des hiesigen Stationsamts Herr Oberstationsvorsteher Hch. Stunz feierte in diesen Tagen seinen 60. Geburtstag. Seit über 15, Jahre leitet er den hiesigen Bahnhof und hat sich während dieser Zeit nicht nur bei seinen Vorgesetzten und Untergebenen einen Namen gemacht, sondern auch die Einwohnerschaft unseres Ortes weiß ihn als leutseligen und biederen Charakter zu schätzen. Möge Herrn Stunz noch eine Reihe Jahre zuteil werden. t Bad Rappenau, 9. Mai. (Verschiedenes.) Dem Salinen- Arbeiter Konrad Roser, hier, wurde für 50 jährige treu geleistete Arbeit in der hiesigen Saline ein Anerkennungsschreiben settens des Reichspräsidenten zuerkannt. Das Schreiben wurde gestern früh dem Jubilar der Arbeit durch Herrn Salinen-Inspektor Kreuzer überreicht, der ihm gleichzeitig auch die Glückwünsche Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. und den Dank für seine ununterbrochene hingebende Arbett seitens der Direktion der Saline aussprach. — Begünstigt vom herrlichsten Maiwetter fand gestern die Weihe der Turnhalle des Arbeiter-Turnerbundes statt. Mit der Weihe war das 5-jährige Stiftungsfest des Vereins verbunden. Eine stattliche Zahl von Festteilnehmern aus Nah und Fern hatte sich zu dem Feste eingefunden. In kurzen schlichten Motten übergab der passive Beisitzer Heinrich Galt im Namen des Vereins die schöne geräumige Halle dem Turnbetriebe, dabei all denen Dank aussprechend, die durch unermüdlichen Fleiß und aufopfernde Hingebung milwirkten an dem Baue der Halle. Anschließend begrüßte Frl. Elise Schenzel die Festteilnehmer mit einem schönen sinnig verfaßten Prolog. Noch ein Musikoortrag des Musikvereins und der Weiheakt hatte sein Ende. In einem stattlichen Festzuge bewegten sich dann die Festteilnehmer zum eigentlichen Festplatze unter den Linden. Musikvotträge und turnerische Darbietungen sorgten für reiche llnlerhaltung. Namens des Arbeiter-Turnerbundes begrüßte Herr Karl Krauß die Festversammlung und erteilte anschließend dem Bezirksvorsitzenden Reinhardt das Wort zu einer Begrüßungs- und Festrede. In markigen Watten warf er einen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereins während seines 5 jährigen Bestehens, dabei Zweck und Ziele der Arbeiter-Turnvereine den Festteilnchmern vor Augen führend. Mit dem Wunsche, daß der Verein auch fernerhin in seiner neuen Turnhalle zum Wohle und Segen der Arbeiteiturnsache wirken möge, schloß der Redner seine mit großer Begeisterung aufgenommene Rede. Gleichzeitig überbrachte er die Grüße des Gaues und Kreises. Nun setzte der unterhaltende Teil der Feier ein, der die Festteilnehmer bei froher Stimmung bis zum Eintreten der Dämmerung auf dem herrlichen Festplatze festhielt. Mit einer Tanzunterhaltung in der Turnhalle am Abend fand das in allen seinen Teilen schön verlaufene Fest seinen Abschluß. »3 Eppingen, 9. Mai. (Denkmalsweihe.) Gestern vormittag fand die Denkmalsweihe für di» im Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler der hiesigen Realschule statt. Der Kriegerverein, der Beteranenverein, der Gesangverein, „Eintracht", und zahlreiche andere Gäste hatten sich auf dem Platz« vor der Realschule eingefunden, wo zunächst ein Schülerchor und hierauf die Stadtkapelle die Feier einleiteten. Auf einen von Herrn Kleinhanns-Karlsruhe gesprochenen Prolog folgt«! eine Ansprache Herrn Bielhauers. Er gab einen Rückblick auf das stolze Heldentum unserer Krieger im Weltkrieg und schloß mit dem Trutzworte: „Deutschland, Deutschland, über alles, und im Unglück nun erst recht!" Der Gesangverein „Eintracht" erhöht« durch einen weihevollen Bottrag noch die Feierstimmung, worauf Stadtpsarrer Buß den Toten einen erhebenden Nachruf widmete und als Aufgabe die Forderung erhob, für unser Vaterland zu leben. Direktor Emmerich nahm anschließend die Enthüllung, des im Realschulgebäude untergebrachten Gedenksteines vor, ein Adler in Halbplastik und darunter die Namen der gefallenen Lehrer und Schüler. Der erfte Vorstand des Kriegcrvereins legte noch in dessen Namen einen Kranz nieder, worauf die eindrucksvolle Feier ihr Ende erreicht hatte. fo Oefhringen, den 9. Mai. (Sängerfahtt.) Bei dem herrlichen Frühlingstage am gestrigen Sonntag nahm der Männergesangverein Eintracht von hier an dem Wettsingen in Leimen bei Heidelberg Anteil. Dott veranstaltete der Männergesangverein Leimen anläßlich seines 60 jährigen Stiftungsfestes «in Preissingen, woran sich 16 Vereine beteiligten. Der Verein Eintracht brachte als Probechor „Abschiedsgruß" von Silcher, als Preischor das Lied „Kamerad komm" von Klughard dar, wovon besonders das letzte schwierige Lied allgemeinen Beifall finden konnte. Die Früchte dafür konnten nicht ausbleiben. Eintracht unter der bewähtten Leitung des Herrn Oberlehrers G m e l i n von Michelfeld errang sich damit in der 3. Landklasse einen 1 a Preis, bestehend aus Mk. 200.— Bargeld und -einem schönen Pokale. Als bestsingendcr Verein des Tages wurde dem Verein noch der Ehrenpreis der Gemeinde Leimen zuteil, ebenfalls aus einem wertvollen, großen Pokale bestehend. Der guten Aufnahme und Verpflegung in dem langbestehenden Gasthofe zur Rose in Leimen, Bes. Georg Bär, muß hierbei in besonders empfehlenswerter Weise gedacht werden. Der Männergesangverein Leimen hat in anerkennenswetter Weise für jeden Vereins bestens gesorgt, auch war auf dem gutgelegenen, schönen Festplatze für Jung und Alt nach jeder Richtung hin Rechnung getragen, sodaß die Sängerfahtt nach Leimen Jedermann in bester Erinnerung bleiben wird . ** Mannheim, 10. Mai. (Erhängt aufgefunden.) Gestern vormittag kurz nach 6 Uhr wurde auf dem Abort des Güterbahnhofes in der Rheinquaistraße ein 24 Jahre alter Jngenieurschüler aus Heilbronn erhängt aufgefunden. Mißliche Verhältnisse sollen die Ursache der Tat gewesen sein. ** Laugental (bei Hirschhorn), 10. Mai. (Gewitter mit Hagelschlag.) Ein starkes Gewitter mit Hagelschlag hat auf den Feldern und an den Obstbäumen erheblichen Schaden angerichtet. Die Hagelkörner blieben stundenlang liegen. Das Unwetter zog über das ganze Neckartal, doch war in der Gegend von Langental die Wirkung besonders stark, an anderen Orten wurde nur geringer Schaden angerichtet. ** Butzbach, 10. Mai. (Großfeuer.) Ein großes Schadenfeuer vernichtete das am Marktplatz gelegene Anwesen des Landwirts Steinhäuser mit landwirtschaftlichen Maschinen, reichen Heu- und Strohvorräten. Auch das benachbarte Anwesen eines Kaufmanns wurde stark mitgenommen. ** Ubstadt (bei Bruchsal), 10. Mai. (Autounfall.) Ein Personenauto der Firma Lanz in Mannheim stürzte infolge Versagens der Steuerung die Böschung hinunter. Das Auto wurde teilweise zertrümmert, dagegen kamen die beide» Insassen unverletzt davon. ** Karlsruhe, 10. Mai. (Muttertag.) Im Mittelpunkt des Muttertages stand der öffentliche Festakt in der Festhalle, der sehr^stark besucht war. Der Besuch war unentgeltlich- alle Kreise der Bevölkerung waren vertreten. Das Programm wurde von der Polizeikapelle, der Singschule des Konservatoriums, der Tanzschule Mertens-Leger, der Arbeiterjugend und durch Vorträge des Pfälzer Tialektspre- chers „Bellemer Heiner" bestritten. Die' Darbietungen wurden mit sehr lebhaftem Beifall ausgenommen. ** Karlsruhe, 10. Mai. (Gefallenengedenkfeier.) Aus Anlaß des Jahrestags der Maikämpfe im Lorettogebiet und am Winterberg fand am Sonntag vormittag in der Kameradschaft Badischer Leibgrenaöiere eine Gedächtnisfeier statt, an der sämtliche hiesige Militär- und Waffenvereine mit Fahnen teilnahmen. Der Vorsitzende der Kameradschaft gedachte in kurzer Ansprache der gefallenen Kameraden. Musik- und Gesangsvorträge verschönten die Gedächtnisfeier. Am Leibgrenadierdenkmal vor der Hauptpost wurden Kränze niedergelegt. ** Karlsruhe, 10. Mat. (Messerstecherei.) Im Verlauf eines Streites zwischen zwei Hausbewohnern wurde in der Altstadt ein verheirateter Hilfsarbeiter mit einem Taschenmesser in die rechte Brusffeite gestochen und schwer verletzt. Der Täter, ein Dachdecker, wurde verhaftet. ** Forbach i. Murgtal, 10. Mai. (Raöfahrerzusammen- stoß.) Zwischen Baiersbronn und Klosterreichenbach wollte ein Motorradfahrer von Freudenstadt einen Radfahrer Dienstag, den 10. Mai 1927. von Baiersbronn überholen, wobei beide zu Fall kamen. Der Radfahrer namens Finkbeiner erlitt einen komplizierten Schädelbruch, während der Motorradfahrer mit unbedeutenden Verletzungen davonkam. ** Kehl, 10. Mai. (Starker Verkehr auf dem Oberrhein.) Wie schon kürzlich mitgeteilt worden ist, ist infolge des derzeitigen günstigen Waflerstandes die Schiffahrt auf dem Oberrhein in vollem Gange. Tagtäglich gehen ab Rheinhafen Kehl ein oder mehrere Schlepper mit voller Ladung nach Basel ab. Für die größeren Raddampfer ist der Wasserstand schon zu hoch, sie können die Rheinbrück bei Kehl nicht mehr passieren. Badische, bayerische, holländische und schweizerische Schleppboote versehen den Schleppdienst. ** Hesselhurst (bei Kehl), 10. Mai. (Gefallenendenkmal.) Die hiesige Gemeinde beabsichtigt die Errichtung eines Gefallenendenkmals. Zur Bestreitung der Baukosten wird an mehreren Sonntagen auf einer Freilichtbühne „Wilhelm Tell" von einheimischen Kräften aufgeführt. ** Mösbach, 10. Mai. Sonntagmitiag ereignete sich ein s schwerer Unglücksfall. Der 14 Jahre alte August Wörner' aus Urloffen fuhr an den letzten Dorfhäusern mit seinem ungelenkten Fahrrad in das kursmäßige Postauto hinein und kam unter das Vorderrad zu liegen. Seine Verletzungen waren so schwer, daß er bald nach dem Unglücksfall verschied. Wie wir hören, trifft den Postchauffeur keine Schuld an diesem bedauerlichen Ereignis. Die Gendarmerie von Achern und Renchen war sofort zur Stelle und nahm den Tatbestand auf. ** Osfenbnrg, 10. Mai. (In der Kirche vom Tode ereilt.) i In der Dreifaltigkettskirche wurde während der Maiandacht; die 74jährige Witwe des Maurermeisters Norbert Siefert von einem Herzschlag betroffen, der den sofortigen Tob her- bciführte. ** Osfenbnrg, 10. Mai. (In einen Personenzug hinein- j gefahren.) Am Samstag nachmittag kurz nach 8 Uhr ist ein > Arbeiter an einer Straßenkreuzung mit seinem Fahrrad in! ein Personenauto hineingefahren und mußte mit erhebliche»' Verletzungen nach dem Krankenhaus gebracht werden. ** Niederschopfheim, 10. Mai. (Tödlich verlaufener Un- fall.) Am Mittwoch wurde der 39 Jahre alte Mathias Egge! von einem seiner Pferde auf den Unterleib getreten. Da sich sein Zustand erhcchlich verschlimmerte, wurde er am : Samstag nach dem Krankenhaus in Offenburg verbracht, * wo er am gleichen Tage der Verletzung erlag. ** Wittenweier, 10. Mai. Hier wurde eine fast unbekleidete männliche Leiche geländet, die wohl schon lange Zeit > im Wasser gelegen haben dürfte. Der Tote war 35 bis 40! Jahre alt,- Spuren eines Verbrechens wurden an ihm nicht vorgefunden: der Mann wird beim Baden ertrunken sein. ** Emmendinge«, 10. Mai. (Auf den Schienen tot auf. gefunden.) Der 23 Jäher alte Arbeiter Josef Funk wurde auf der Bahnstrecke, neben den Schienen liegend, tot aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß sich der Verunglückte | in betrunkenem Zustand auf die Schienen gesetzt hat und dabei von einem Zuge angefahren wurde. ** Eichstätte«, 10. Mai. (Vom Starkstrom getötet.) Der i 75 Jahre alte verheiratete Monteur G. Meier war an einem Mast der Starkstromleitung beschäftigt. Hierbei kam er der Leitung zu nahe und wurde vom Strom sofort getötet. Er > stand 21 Jahre im Dienste der Landeszentrale. ** Singen, 10. Mai. (Bau eines Finanzamtes.) Nach! einer der Stadtgemeinde Singen zugegangenen Mittellung! soll die erste Rate für den Bau eines eigenen Finanzamtes in den Reichsetat 1928 eingesetzt und mit dem Bau im Frühjahr begonnen werden. Der Gemeinderat hat hierfür dem Landesfinanzamt ein Teilstück des der Herz-Jesukirche gegenüberliegenden Platzes gegen entsprechende Bezahlung angeboten. Dadurch würde das neue Finanzamt in die Luffenstraße zu stehen kommen. ** Singe«, 10. Mai. (Fatale Verwechslung.) In Bln- ■ menfeld trank ein durchziehender Handwerksbursche stattj dem vermeintlichen Schnaps einen kräftigen Schluck Sal-' miakgeist. Die Folge war, daß er auf dem Weiterwege zwi- scheu Blumenfeld und Watterdingen unter gräßlichen Schmerzen starb. Schwere Unwetter in der Südpfalz Landa«, 9. Mai. Heute nachmittag ging über dem Gebiet der Südpfalz ein furchtbares Unwetter nieder, wie es die Bewohner seit Menschengedenken nicht mehr erlebt haben. Im Pfälzer Wald wurden ungeheure Schuttmassen, ganze Baumstämme bis zu vier Zentner Gewicht in die Täler geschwemmt. U. a. wurden zwei Bauernhäuser von den Fluten fortgerissen. Der Zugverkehr auf der Strecke Landau—Zweibrücken mußte eingestellt werden, da die Bahndämme teilweise ganz unter Wasser stehem Auch der Telephonverkehr ist an vielen Orten unterbrochen. — In Ilvesheim steht das Wasser teilweise über r/ 2 Meter hoch in den Häusern. Die Trinkwafler- leitungen wurden durch das Unwetter zerstört. In Landau selbst war das Unwetter weniger schwer: doch ist das Wasser innerhalb einer Stunde so bedrohlich gestiegen, daß ernste Gefahr für die Häuser besteht. Glücklicherweise scheinen die Reben fast wenig Schaden gelitten zu haben, da das Unwetter von keinem Hagelschlag begleitet war. In der Gegend von Frankenweier wurde ein 60 Jahre alter Mann beim Schweinefüttern von den hereinbrechenöen Fluten im Stall überrascht und konnte erst im letzten Augenblick durch das enffchlossene Eingreifen von Nachbarn gerettet werden. — In einem anderen Orte konnte ein von den Fluten mit- gcriffener Bauer im letzten Moment durch Festhalten an einem Zaune sich retten. Ter Sachschaden ist überall sehr beträchtlich. * Ein schweres Unwetter im Elsa.ß Zwei Menschenleben vernichtet. Dammerkirch bei Mülhausen, 10. Mai. Ueber bas Larg- tal ging am Freitagabend ein Wolkenbruch nieder, das ein Hochwasser brachte, wie es seit Menschengeöeuken dort nicht mehr erlebt worden ist. Innerhalb weniger Minuten trat die Larg über ihre Ufer und überschwemmte die angrenzenden Wiesen und Aecker. Das Unwetter hat aber auch zwei Menschenleben gefordert. Am Dorseingang von Wolfersdorf war eine Korbflechtersfamilie mit ihrem Wohnwagen an- gcsiedelt. Die große Gefahr nicht ahnend, legten sich die Leute zu Ruhe und ließen sich auch durch die immer höher steigenden Fluten nicht stören, bis das Schicksal sie ereilte. Die Larg war so weit über die Ufer getreten, daß der Wagen der Gewalt der Waffermengen nicht mehr zu trotzen vermochte, mitgeriffen und gegen den Pfeiler einer in der Nähe sich befindenden Brücke geschleudert wurde. Tie Eltern konnten sich retten, zwei Kinder aber im Alter von 3 und 7 Jahren rangen umsonst mit dem gierigen Element und fanden in den Fluten den Tod. Dir Leichen wurden fort- geschwemmt und konnten bisher nicht geborgen werden. Tie Stallungen des in der Nähe liegenden Großbauern Lutz wurden gleichfalls überschwemmt. Seinen Viehbestand (22 Schweine, 18 Rinder und 4 Pferde) mußte er vor de« Fluten schleunigst in Sicherheit bringen. Nr. 70. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung Dienstag, den 10. Mai 1927. Im Streit ersteche«. Billingen, 10. Mai. Eine schwere Bluttat ereignete sich gestern nacht hier gegen 2 Uhr. Bei einem Streit wurde der 26 Jahre alte Bierbrauer Heinrich Faller, der Sohn des Besitzers der hiesigen Gambrinusbrauerei, in den städtischen Anlagen erstochen. Er erhielt mit einem langen Dolchmeffer zwei tiese Stiche in Lunge und Leber, an denen er bald danach verstarb. Der Täter, der 20 Jahre alte Heinrich Jäckle aus St. Georgen, wurde mit zwei seiner Begleiter bald nach der Tat verhaftet und in das hiesige Amtsgefängnis eingeliefert. _ I Aufklärung des Mordes in Slein-Mochver«? Breslau, 10. Mai. Der bereits einmal wegen Mordverdachtes an der Witwe Michling in Klein-Mochbern verhaftet gewesene Fahrstuhlführer Roßmann, ist von der Breslauer Kriminalpolizei aus Grund eines richterlichen Haftbefehles unter dringendem Mordverdacht erneut verhaftet worden. Bei weiterer Untersuchung der Papiere, die der Mörder während der Durchsuchung der Wohnung zerriffen hat, wurden Fingerabdrücke festgestellt, die nach einem Gutachten aus Berlin von dem Verhafteten herrühren. Schwerer Flngzeugnnsall. Breslau, 10. Mai. Bei einem Probefluq aus dem Gan- dauer Flugplatz verunglückte das Sportflugzeug D. 44g. Ter Flugzeugführer von Flotow mußte sich in 80 Meter Höhe anscheinend vorzeitig zu einer Landung entschließen, die recht hart war, so daß die Maschine fast zerschellte. Ter Führer erlitt neben verschiedenen schweren äußeren Verletzungen einen schweren Bruch der Schädeldeckc, während sein Begleiter, sein etwa 30 Jahre alter Vetter, Freiherr von Richthofen-Schickerwitz sofort tot war. Man hofft, von Flottow am Leben erhalten zu können. Schwerer Flngzeugnnsall in Algier. Paris, 10. Mai. Bei einem Schaufliegen anläßlich einer Veranstaltung des Automobilklubs bei Algier stürzte ein mit drei Personen besetztes Flugzeug ab. Der Flugzeugführer und ein Kallschirmkünstler wurden getötet. Der dritte Insasse, ein Flugschüler, wurde schwer verletzt. Zwei Italiener in Nizza verhaftet. Paris, 10. Mai. In Nizza wurden nach Schluß einer kommunistischen Versammlung zwei italienische Untertanen verhaftet, die antimilitärisches Propagandamaterial bei sich trugen. Bier Personen ertrunken. Paris, 10. Mai. Nach einer Meldung aus Lyon sank auf der Saone ein Motorboot, dessen vier Insassen ertranken. Grober Einbrechersang in Wie«. Wie«, 10. Mai. Die Sicherheitspolizei verhaftete gestern eine Einbrecherbünde, die in den letzten Wochen nicht weniger als 35 Einbrüche mit einer Schadensumme von 50 000 Schilling ausgeführt hat. ^ Das Mississippigebiet erneut gefährdet Newyork, 10. Mai. Stündlich wird hier der Zusammenbruch des Deiches bei Bayon des Glaises erwartet, der den Hauptdruck der Mississippisluten von Süd- und Mittel-Louisiana sernhlelt. Dadurch sind weitere vier Millionen Acre, darunter die größten Zuckerplantagen, mit einer Einwohnerzahl von 25 000 Menschen gefährdet. — In den letzten Tagen richteten mehrere kleine Tornados beträchtlichen Schaden an. Die Rekordjägerei auf allen Gebieten erstreckt sich heutzutage auch auf die Reise um die Welt. Im Sommer 1926 hatte es der amerikanische Journalist Wells mit seinem Begleiter, dem Dollarköntg Evans, fertiggebracht, einen Weltrekord für die schnellste Reise um die Erde aufzustellen, indem sie in 27 Tagen von Newyork über den Transatlantischen Ozean, durch Europa nach Sibirien und von dort über den Stillen Ozean nach Amerika und Newyork zurückrasten. Diese außerordentliche Leistung war nur mit Zuhilfenahme des Flugzeugs möglich. Die Deutsche Lufthansa und die russischen Gesellschaften Deruluft und Aviachim hatten den beiden Schnelligkeitsjägern für die Strecke Paris—Omsk Flugzeuge zur Verfügung gestellt, mit denen sie die 6000 Kilometer lange Strecke in acht Stunden zurücklegten. Nun scheint aber einem Fachkollegen von Wells der erzielte Rekord nicht weitgehend genug zu sei», und er rüstet z« einer neuen Weltumsegelung in 24 Tagen. Der amerikanische Luftfahrtfachmann Major Gardener, der Herausgeber der ältesten und bekanntesten amerikanischen Luftfahrtzeitschrift „Aviation", will seinen Sommerurlaub zu diesem Unternehmen benützen und mit seiner Frau die Reise um die Welt in 24 Tagen machen. Im Vorjahre hat er schon Probeflüge gemacht und hat alle europäischen Strecken des Luftverkehrs durchmeffen. Jetzt hat sich Gardener an die Deutsche Lufthansa und an die russischen Gesellschaften gewandt, und diese gebeten, sein Vorhaben durch Bereitstellung von Flugzeugen zu unterstützen. Mit dem Ehering der Schwiegermutter getraut. Aus London wird berichtet: Eine originelle Trauung fand ' dieser Tage in der Kirche von Guildford statt. Die Wagen mit dem Brautpaar, den Trauzeugen, den Eltern und Gästen waren vorgefahren, man nahm zur Zeremonie Aufstellung und harrte des Priesters. Nach bangen Minuten des Wartens entschloß man sich, ihn zu holen, doch der Priester war nicht zu finden. Einer der Trauzeugen machte sich auf, den Geistlichen zu suchen. Doch kaum hatte er die Hochzeitsgesellschaft verlassen, als der Priester erschien. Nun wollte man der Qual des Wartens rasch ein Ende machen, als zum Schrecken aller festgcstellt wurde, daß der Zeuge, der auf der Suche nach dem Priester war, den Vermählungsring mit hatte. Die Braut war über s tefe peinlichen Zwischenfälle in Tränen aufgelöst und konnte kaum beruhigt. werden. Rasch wurde ein anderer Zeuge herbeigeschafft. Nun war zwar die Hochzeitsgesellschaft wieder vollzählig, doch konnte der Priester die Trauung noch immer nicht vornehmen, da doch der Ehering der Braut fehlte. Nun zeigte es sich wieder einmal, daß auch Schwiegermütter reizende Einfälle haben können, denn die Mutter des Bräutigams zog rasch entschlossen ihren glatten Goldreif vom Finger und übergab in ihrer zukünftigen Schwiegertochter. Der Pfarrer konnte nun endlich die Trauungsformel sprechen und die Schmerzenstränen der Braut waren durch diese schwiegermütterliche Bereitschaft rasch in Glückstränen um- ijrivunvöt». Das traurige Schicksal des Siegers von Erzernm. General Kalitin, der einstmals gefeierte Sieger im russisch-kaukasischen Feldzug, ausgezeichnet mit den höchsten militärischen Würden und Orden, lebt wie so mancher russische Emigrant vergessen und in den ärmlichsten Verhältnissen in Paris. Er ist bereits 75 Jahre, seine einzige Gesellschaft ist seine alte treue Haushälterin, die ihn in Glück und Leid nicht verlassen hat. Bis vor kurzem hat er kärglich seinen Lebensunterhalt als Portier in einem Nachtlokal verdient, bis ihn jetzt eine Krankheit auf das Krankenlager geworfen hat. Sein einziger Lebensunterhalt besteht aus Gaben, die ihm mitleidige Hausbewohner bringen, und aus kleine« Geldgeschenken, die er aus russischen Emigrantenkreisen erhält. Aber tapfer erträgt der General sein Schicksal. Kein Wort des Schmerzes, der Verbitterung oder der Anklage entringt sich seinem Munde, er denkt an vergangene glanzvolle Zeiten, aus denen er als einzige Erinnerung eine Kassette voll OrHen und Ehrenurkunden gerettet hat. Diese Kassette hat er bei sich im Bett und als einzige Bestimmung in seinem Testamente befindet sich die Verfügung, daß sie ihm in den Sarg gelegt werden soll. So wartet der einstmals berühmte und in aller Welt gefeierte General Kalitin auf seinen Tod. Turnen» Sport und Spiel. Faustball. Neckar-Elsenz-Turngau. Sinsheim, 10. Mai. Am vergangenen Sonntag Morgen traten die Faustballspieler unterstehender Vereine auf dem städt. Sportplätze an, um die erste Runde der Gaumeisterschastsspiele des oberen Neckar-Elsenz-Turngaues auszutragen. Wer in diesem Jahre die Gaumeisterschaft erhall, ist aus dem Resultat noch nicht zu ersehen, da bei den führenoen Vereinen Punktgleichheit besteht. Me Rückspiele, die wohl auch nicht lange auf sich warten lassen, werden dann die Entscheidung bringen. Das Ergebnis der Spiele am Sonntag ist folgendes: Weiler 4 Spiele 3 gew. 1 oerl. 6 Punkte Sinsheim 4„ 3„1„6„ Dühren 4 „ 2 „ 2 „ 4 „ Ittlingen 4 „ 2 „ 2 „ 4 „ Rappenau 4 „ 0 „ 4 „ 0 „ Radio - Programm für Dienstag, den 10. Mai 1927. Berlin (483) Königswnsterhausen (1280), 8.30 abds., „Me Medaille" Komödie von £. Thoma. Breslau (315), 8.20 abds., „Goldschmieds Töchterlein" Bolks- stück mit Gesang. Frankfurt (428), 3.30 nachm., Jugendstunde. 4.30 nachm. Kon- zett des Hausorchesters: Reue amerikanische Tanzmusik. 8.15 abds., Operettenabend des Hausorchesters. 9.15 abds., Heiterer Abend — Künstlerspiele Polter. Hamburg (394), 8.00 Uhr abds., Schule der Musik. Königsberg (329), 8.00 abds., „Das Rheingold" Oper von R. Wagner. Anschl. Tanz- und Unterhaltungsmusik. Langenberg (468), 8.15 abds., Düsseldorf: Komödie von. Hans Müller-Schlösser „Wibbels Auferstehung.". LeiMg (365) 8.15 abds., Schubert-Abend. 10.15 abds., Tanzm. München (535), 8.00 abds., „Der ledige Hof", Schausp. v. L. Anzengruber. 10.45 abds., Kammerquattett Anny Rosenberger. Stuttgart (379), 1.10 nachm., Nachrichten-Schallplattenkonzert. 3.50 nachm., Büchersunk. 4.15 nachm., Nachmittagskonzert. 8.00 abds., „Sappho" Elegie v. Lamattine, Musik v. L. Lacombe. Anschl. Wunschabend. Daorntry (1600), 11.00 vorm., Konzert. 1.00 nachm., Konzert. 4.15 nachm., Konzert. 5.15 nachm., Kinderstunde. 6.00 abds,, Tanzmusik. 7.45 abds., Konzett. 8.15 abds., „Die Ar- kadier" musikalisches Sendefp. 10.35 abds., Tanzmusik. Paris (1750) 12.30 nachm., Radio-Konzert. 4.45 nachm., Radiokonzert. 8.45 abds., Radiokonzert. Wien (517), 8.05 abds., Hellerer Abend. Zürich (494), 8.00 abds., Heilerer Abend. 9.00 abds., Heitere Musik. Prag (348), 8.40 abds., Konzert. 9.10 abds., Lustspiel. 9.35 abds., Konzert. 10.20 abds., Schallplattenkonzert. Mittwoch, den II. Mai 1927. Berlin (483), 9.00 abds., Orchester-Konzert. Breslau (316), 8.15 abds., Kompositionsabend Henri Matteau. Frankfurt (428), 3.30 nachm., Jugendstunde. 4. 30 nachm., Konzett des Hausorchestcrs: Slavische Musik. 5.45 nachm., Bücherstunde. 6.15 abds., Vorträge. 8.15 abds., Achtung! Rückkoppler. 8.25 abds., „Aglavaine und Selysatte", Trauerspiel v. Maurice Maeterlinck. Hamburg (394), Königswusterhausen (1250), 8.00 abds., Zur Einweihung des neuen Funksaales: Felix von Weingartner und sein Werk. Anschl. Konzettübcrtragung a. d. Alsterpav. Königsberg (329), 9.30 abds., ttebcrtmgung o. Danziger Funkbr, Langenberg (468), 8.15 abds., Heitere Stunde: „Ein Heirats- antrag" Scherz in 1 Aufzug o. A. Tschechow. 9.00 abds., Köln: „Der Frühling". Anschl. Köln: Tanzmusik. Leipzig (365), 8.15 abds., Iohann-Svendsen-Abend. 10.15 abds., Funkbrettl. München (535), 8.00 abds., Länder und Völker: Oesterreich. 10.10 abds., Kapelle Georg Frank. Stuttgart (379), 1.10 nachm., Nachrichten, Schallplattenkonzert. 2.30 nachm., Jugendstunde: „Die Karlsschüler", Schauspiel v. H. Laube. 4.15 nachm., Nachmittagskonzert. 8.00 abds., Alemannischer Abend. 10.00 abds., Gastspiel-Abend. Daventry (1600), 11.00 vorm., Konzett. 4.00 nachm. Schulkinder Ehorgesang. 4.30 nachm., Quartettkonzert. 5.15 abds., Kinderstunde. 6.00 abds., Orgelkonzert. 7.45 abds., Kammermusik. 8.10 abds., Chopin. 9.35 abds., „Weiße Segel" 11.00 abds., Tanzmusik. Paris (1750), 12.30 nachm., Radio-Konzett. 4.45 nachm., Radio- Konzett. 8.45 abds., Radio-Konzett. Wien (517), 8.05 abds., Kammermusik. 9.05 abds., Balladen- Abend. Zürich (494), 8.00 abds., Votträge. Anschl. Solistenstunde des Hausorch. 9.30 abds., Tanzmusik. Prag (348), 8.40 abds., Bunter Übend. E. Schick, Uhrmachermeister, SiNShkiM O. E. Dr.Seibt-Bertreter — Lager tn Telefunken-Röhren, -Anoden, .Batterien — Samt» pichen Ersatzteilen, Varta.AHumuIatoren-Ladeftation. — Telefon I». Marktberichte. Schweinemarkt. Sinsheim, 10. Mai. Dem heuttgen Schweinemarkt waren zuge» fühtt: 14 Milchschweine zum Preise von 28—35 Mark pro Paar. 37 Läufer zum Preise von 50— 60 Mark pro Paar. Preise des Mannheimer Schlachtviehmarkts. Dem Schlachtviehmarkt am Montag waren zugeführt: 189 Ochsen. 127 Bullen. 330 Kühe. 313 Färsen, 660 Kälber. - Schafe 3227 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Ochsen aI 59—61.all 45-52, bl 48—56. bII 35—45, c 33-40, d 30—32; Bullen 1. Kl. 52- 54 2. Kl 44-48, 3. Kl. 36-40, 4. Kl. 30—34; Kühe 1. Kl. 46 -50. 2. Kl. 34-40.3. Kl. 30—32. 4. Kl. 16—20; Färsen 60—62. 46-52, 36-40, Kälber 72—75, 66-70, 58—64, 50—54, — ; Schafe 36- 45, — , — ; Schweine 53- 64, 53-64. 54-55, 53-54, 52-53, 51-52. Marktverlaus: mit Großvieh ruhig, Ueberstand; mit Kälbern mittelmäßig, langsam geräumt, mit Schweinen ruhig, Ueberstand. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 9. Mai 1927, Preise verstehen sich per 100 kg alles in Woldmark in Reichsmark zahlbar Weizen, inländischer — Weizen, ausländisch. 31.00—33,00 Roggen, inländischer — Roggen, ausländ. 28,25—28,50 Braugerste — Hafer, inländischer 24,50—25,00 Hafer, ausländischer 23,25—24,50 Weizenmehl Sp. 0 40,75—51,25 Roggenmehl 700/o 37,50—39,00 Mais (mit Sack) . 19,50 Weizenkleie m. Sack 13,75—14.00 Biertreber mit Sack 16,00—16,50 Roh-Melasse . . - Wiesenheu . . 9.20-10.00 Luzernekleeheu. . 11,00—11,90 Preßstroh . . 4,50— 4,90 Gebundenes Stroh 4,00— 4,60 Raps. — Wetterbericht vom 9. Mai 1927. Wetterlage. Bei sonst heiterer und warmer Witterung kam es gestern nur im Schwarzwald zu einzelnen Gewitterbildungen, die im südlichen Teil stellenweise mit Hage! verbunden waren. Ueber dem Festland haben sich kleine Druckströmungen entwickelt, die infloge der ungeordneten Strömungsverhältnisse weitere Gewitterbildungen in Aussicht stellen. Voraussichtliche Witterung bis Dienstag, den 10. Mai nachts: kühler, zeitweise wolkig, einzelne Regenfälle, zettweise mit Gewitterbegleitung. Straßensperre betr. Auf nachstehenden Straßenstrecken im Amtsbezirk Sinsheim wird der Verkehr mit Fuhrwerken und Kraftwagen aller Art wegen Herstellung neuer Straßendecken wie folgt gesperrt: Landstraße Nt. 140 von km 20,5—21,5 zwischen Eppingen und Elsenz *m der Zeit vom 12. bis 17. Mai 1927. Umgehungsweg Eppingen — Rohrbach—Elsenz und umgekehrt. Verschiebungen in der Zeit können erforderlich werde». In diesem Falle nimmt die Straßensperre ihren Anfang mit dem Tag des tatsächlichen Arbeitsbeginns und endet mit der Ferttgstellung der betr. Straßenstrecke. Zuwiderhandlungen werden gemäß § 366 Ziffer 10 R- Sir. G. B. bis zu 150 RM. oder mit Hast bis zu 14 Tagen bestraft. Sinsheim, 2. Mai 1927. Bezirksamt. Wir suchen für die neu eingerichtet