Ers ch ein t täglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch diePost bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.50 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Fernsprech-Anschluß Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6803 Der Lanöbote Sinshetmer General-Anzeiger für das Gsgr: 839 Zeitung? Äsenz-und Zäuoarzbaclital HelteTte und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. I)aupt-Hn?eigen-Blatt HlöcbentUche Beilagen: flßode und Heim * Der Kobold » Heue 'JlluTtrierte » CandxctrtTcbaftUcbe Beilage Anzeigen.Preise: Anzeigen: Die ZZ mm breite Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Dereinsbank Sinsheim e. G- m. b. L. M 74. Samstag» den 14. Mai 1927. 88. Jahrgang Deuffchland und polen. Das Kommunique über die Besprechung Gtresemann-Olszowfti Ae Aussprache über die internationale Kartellierung der Wirtschaft abgeschloffe» lieber, 1». Mai. Urbcr die Besprechung, die zwische» Außenminister Dr. Stresemann und dem polnischen Berliner Gesandten im Anschluß an die Mitteilung des polnischen Außenministers Zaleski über die Beuthener Kundgebung stattgefunden hat, wird von beiden Seiten folgendes bckanntgegeben: Der polnische Gesandte Olszowski suchte am 11. Mai den Reichsautzenminister Dr. Stresemann auf und erklärte ihm, daß trotz der starken Erregung der öffentlichen Meinung in Polen aus Anlaß der Tagung in Beuthe» die polnische Regierung nicht beabsichtige, durch eine Intervention in dieser Angelegenheit die gemeinsamen Bestrebungen beider Regierungen zu erschweren, eine wirtschaftliche Verständigung zwischen beiden Ländern zu schaffen. Davon ausgehend, sehe sich der polnische Außenminister Zaleski genötigt, darauf hinzuweijen, daß Kundgebungen, wie fie in Beuthen erfolgt seien, im Widerspruch zu dem Geffte der zwischen Dr. Stresemann und Zaleski in Genf geführten Besprechungen ständen und die Bestrebungen beider Minister wesentlich erschwerten, die Grundlage für eine Verständigung beider Lander z« schaffen. Schließlich gab der Gesandte dem Gedanken Ausdruck, daß falls die grundsätzliche Richtung der deutschen Politik keine Aenderung erfahren habe, der polnische Außenminister den Wirnsch hegen könne, baß das nötige unternommen 'Santott, 14. Mai. Der sowjetrussische Geschäftsträger Ro- fenholz hat gestern nachmittag dem englische» Außenminister Chamberlain eine Protestnote wegen der vorgestrigen Haussuchung in den Räumen der allrussischen Kooperative überreicht. Die Note erklärt, daß auch die Räume der Handelsdelegation, die Exterritorialität genießen, von der Haussuchung nicht verschont geblieben seien. Die untersuchenden Beamten hätte» Mit» der Haussuchung begonnen, bevor die Genehmigung der City-Behörden zur Haussuchung Vorgelegen habe. Die Beamten der Handelsdelegation seien arretiert und durchsucht und dabei Papiere beschlagnahmt worden. Dies stelle allein eine Verletzung des englisch-russischen Handelsabkommens dar. Der Geschäftsträger behalte sich weitere Schritte nach Eintreffen der angeforderten Instruktionen aus Moskau vor. Zu der in der russischen Note erwähnten Behauptung, daß auch die Räume der Handelsdelegation durchsucht worden seien, wurde gestern 'im Unterhaus der Innenminister befragt, der erklärte: Er habe den Bericht des die Durchsuchung leitenden Beamten noch nicht in Händen und könne deshalb nicht sagen, welche Räume von der Durchsuchung be- droffen worden seien. Die Durchsuchung habe stattgefunden, da der Zollbehörde Anzeige von einer Sendung von m» deinen Schußwaffen gemacht worden sei. Es habe sich d» rum gehandelt, festzustellen, für welche Zwecke diese Waffen und für welche Bezieher im Jnkande sie bestimmt gewesen seien. Das sei eine rein persönliche Angelegenheit und das Fnnenministerium, sowie die City hätten ihre Erlaubnis zur Haussuchung gegeben. Es sei das zunächst auch keine politische Angelegenheit, weshalb zum Beispiel auch keinerlei Feststellungen über die Staatsangehörigkeit des über tausend Mann starken Personal der Arcos gemacht worden seien. Die Durchsuchung sei zur Zeit noch im Gang und er könne vor ein bis zwei Tagen keine genaueren Auskünfte geben. London, 14. Mai. Zur Durchsuchung der Geschäftsräume der russischen' Gesellschaft Arcos ist ergänzend zu berichten, daß der größte Teil der Polizei erst in später Nachtstunde zurückgezogen wurde. Während der Nacht waren Polizeiwachen vor dem Gebäude aufgestellt. Dokumente sind nicht beschlagnahmt worden, auch Verhaftungen sind nicht erfolgt. Der russische Geschäftsträger hat noch am Mittwochabend dem Arbeiterführer Henöerson einen Besuch abgestattet, worauf dieser im Unterhaus eine Anfrage an den Innenminister einbrachte, ob es Tatsache sei, daß die Polizei den Ueber- fall auf die Arcosgebäude mit seiner Genehmigung ausgeführt habe. Wenn ja, welchen Grund er für die Aktion angeben könne. Der Minister wird wahrscheinlich gestern auf diese Anfrage geantwortet haben. Am späten Abend fand noch eine Sitzung des Exekutivkomitees der Arbeiterpartei statt. Weiter verlautet, baß der Innenminister bereits am Mittwoch in dieser Angelegenheit befragt wurde und seine Erlaubnis zur Durchsuchung des Gebäudes auf Grund polizeilicher Informationen gegeben hat. Wie die „Westminster Gazette" berichtet, glaubt man in politischen Kreisen, daß die polizeiliche Untersuchung des Arcosgebäuöes zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen -wischen Rußland und Großbritannien führen wird. Die Maßnahme wirb aufs schärfste verurteilt und als eine Verletzung der diplomatischen Beziehung ohne gleichen bezeichnet. Lvndou, 14. Mai. Die Arcos hat gestern am späten Nach-, mittage ihre geschäftliche Tätigkeit eingestellt, bis die eng- kffche Polizei aus ihren Büroräume» zurückgezogen.worden ist. England gegen Rußland. Haussuchung in Santo«. Santo«, 12. Mai. Die Polizei hat in den im Gcschästs- oiertrl liegenden Düroräumen der Allrussischen kooperativen Ge- werde, um in Zukunft einer etwaigen Störung oieser gemeinsamen Bestrebungen zu begegnen. Reichsminister Dr. Stresemann hat darauf erwidert, daß Deuffchland Politik Polen gegenüber keine Aenderung erfahren habe. Die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland seien durch di« in Locarno getroffenen Abmachungen geregelt, die im Wege des Ausglechis- oder Schiedsverfahrens eine ftiedliche Regelung von Differenzen zwischen Deuffchland und Polen gewährleisteten. Diese Grundlagen des Verhältnisses zwischen Deutschland und Polen feie» durch die Erklärungen, der jetzigen Reichsregierung ausdrücklich bestätigt. 1 Wenn der Herr polnische Außenminister sich durch Kundgebungen anläßlich der Tagung in Beuthen beunruhigt fühle, so sei das teilweise auf entstellte und übertriebene Preffenachrichten, teilweise auf Mißverständnis dessen, was gesagt worden sei, zurückzuführen. Je mehr der Wille der verantwortlichen Regierungen darauf gerichtet sei, eine Politik der friedlichen Verständigung zu führen, um so wcniM dürfte den Kundgebungen, die auf der einen und der andere» Seite stattfinden, eine übertriebene Bedeutung beigelegi werden. Die deutsche Regierung habe ihrerseits Mitteilungen über Kundgebungen in Polen erhalten, ohne dagegen Beschwerde einzulegen. Es sei klar, daß beide Regierungen Sorge tragen müßten, um Störungen ihrer gemeinsame» Beziehungen zu begegnen. sellschafien eine umfassende Haussuchung vorgenommen. Die Geschäftsräume der russischen Handelsvertretung, die unter dem Schutz der diplomatischen Exterritorialität stehen, blieben von der Haussuchung unberührt. Reuter teilt mit, daß die polizeilichen Maßnahmen für die sowjetrussische Botschaft, die von dem Bevofftehen der Haussuchung gänzlich unterrichtet war, völlig überraschend gekommen seien. Der Eindruck in Genf. Genf, 13. Mai. Die Nachricht von den Haussuchungen in der Londoner russischen Handelsdelegation hat in den Kreisen der Wirtschaftskonferenz starken Eindruck gemacht. Verschiedentlich wurde von den Vertretern betont, daß der Mißbrauch der Gastfreundschaft durch die Russen zeige, daß es nicht möglich sei, wirklich mit ihnen Handelsbeziehungen zu unterhalten und daß sie unter dem Deckmantel der Handelsbeziehungen die Umtriebe der Moskauer Internationale fördern und unterstützen. Aus Kreisen der russischen Abordnung wird zu den Vorgängen erklärt, daß sie ein englisches Dianöver seien, um die Genfer Besprechungen zwischen russische» und anderen Vertretern, vornehmlich amerikanischen, in empfindlicher Weise zu stören, da es der russischen Abordnung durch ihre maßvolle Haltung gelungen sei, Vertrauen zu erwecken und eine Annäherung zu vollziehen. Ossinski sagte, die Haussuchungen stünden im Zusammenhang mit den in Peking gefundenen Dokumenten. Theunis appelliert an die Weltwirischaftskonferenz Genf, 14. Mai. Der Präsident der Weltwirtschaftskon- fcrenz Theunis veröffentlichte gestern in dem täglich erscheinenden „Journal" der Weltwirtschaftskonferenz einen Appell an die Delegierten, in dem er auf die dringende Notwendigkeit hinweist, im Jntereffe eines Erfolges und eines einheitlichen Abschlusses der Verhandlungen bis zum 21. Mai die Verhandlungen der Weltwirtschaftskonferenz zu Ende zu bringen. Ter Präsident weist auf die Schwierigkeiten hin, die die Weltwirtschaftskonferenz bei der bevorstehenden Prüfung der Kommissionsarbeiten in der allgemeinen Debatte zu überwinden haben werde. Es sei damit zu rechnen, daß vielfach für die Beschlüsse der Kommissionen eine neue Fassung gefunden und daß die Gegensätze zwischen den Entschließungen der einzelnen Delegationen ausgeglichen werden müssen. Ferner werde es erforderlich sein, insbesondere die von der Industrie und dem Handel einerseits und der Landwirtschaft andereffeits zu behandelnden Fragen miteinander in Einklang zu bringen. Der Präsident weist hierbei auf die Notwendigkeit der Einsetzung eines Koordinationskomitees hin, das sich in besonderem mit der Vereinheitlichung und Ausarbeitung der verschiedenen Kommisstonsbeschlüffe befassen soll. Ter Appell betont sodann, daß die Weltwirtschaftskonferenz zu den großen aktuellen Wirtschaftsproblemen in einheitlichen Entschließungen werde Stellung nehmen müssen, wobei es eine Reihe von Fragen gebe, die der Kompetenz keiner der drei Kommissionen unterlägen. Besonders weist der Präsident Theunis hierbei auf die Beziehungen zwischen den wirtschaftspolitischen Fragen und der Erzielung des Weltfriedens hin. Diese Fragen, die nicht der Zuständigkeit der Kommissionen unterlägen, müßten in der allgemeinen Debatte noch aufgerollt werden. Zum Schluß wird betont, daß eine Verlängerung der Debatte noch über den 21. Mai hinaus die Gefahr mit sich bringen würde, daß die entscheidenden Beschlüsse der Konferenz wegen der Abreise eines Teils der Delegierten dann nur von einem sehr geringen Teil der anwesenden Delegierten angenommen werden könnten. Genf, 14. Mai. Die Jndustriekommission der Weltwirt- schastskonefrenz hat gestern vormittag die Aussprache über die internationale Kartellierung der Industrie abgeschlossen. Der Leiter sowjetrusstschen Delegation, Obolenski, teilte mit, daß er telegraphisch von Moskau Instruktionen eingeholt habe, um in den nächsten Tagen der Weltwirt- schaftskouferenz einen eingehenden Bericht über die Arbeitsbedingungen, insbesondere die Arbeitszeit in Sowjetrußland vorlegen könne. Die tägliche, durchschnittliche Ar- beitsöauer in Sowjetrußland betrage ungefähr acht Stunden. Die Arbeitslosen erhielten frei Wohnung und zirka monatlich 16 Rubel Unterstützung, während der Monatslohn eines Arbeiters 64 Rubel betrage. Der russische Delegierte Sokolnikow, wies sodann darauf hin, daß in der internationalen Kartellbewegung in der Industrie keineswegs ein Mittel für die Lösung der Wirtschaftskrise zu sehen sei. Die internationalen Kartelle bildeten einen wesentlichen Bestandteil des modernen Kapitalismus. Es wäre utopisch, die Kartellbewegung bekämpfen zu wollen. Europa befände sich auf dem Wege einer völligen Amerikanifierung. Die Vorschläge der Arbeiterdelegierten Jouhaux über die internationale Kontrolle der Kartelle seien völlig undurchführbar. Nur die öffentliche Meinung könne eine gewisse Kontrolle über die Kartelle ausüben. Sowjetrußland leide gegenwärtig an denselben wirtschaftlichen Kraukheitserscheinungen wie die übrige Welt. Die Wrtschaftspolitik der Sowjetregierung gehe auf eine Stützung der Interessen der Arbeiter und Bauern, sowie der kleinen Erzeuger und auf die Hilfe für die kleinen Staaten hinaus, die vom internationalen Kapitalismus ausgebeutet würden. Nach Sokolnikow sprach noch der österreichische Generalsekretär Weiß. Wir wollen frei fein! Forderungen des Kreistages Koblenz. Koblenz, 12. Mai. Der Kreistag Koblenz wendet sich in einer Entschließung gcgen die Anfreckterhaltung der Besetzung, die mit Locarno usw. und mit der Mitgliedschaft Deutschlands im Völkerbund nicht vereinbar ist. Französische Aeußerungen, die wissen wollen, daß die rheinische Bevölkerung sich an die fremden Truppen gewöhnt habe, bedeuteten eine Derkeknung der Sachlage. Der Kreistag richtet daher an die Reichs- und die Staatsregierung die dringende Bitte, nichts unversucht zu lassen, um die Rheinländer zu freien Bürgern zu machen, lehnt aber ab, die Zurücknahme der fremden Truppen durch andere die Rheinlande und das gesamte Vaterland belastende Zugeständnisse zu erkaufen. Kein Fußbreit deutschen Bodens. Berlin, 12. Mai. Im Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete gab Staatssekretär Schmid vom Rheinministerium eine grundsätzliche Dafftellung der langwierigen Verhandlungen zwischen der efften und zweiten Zone des besetzten Gebietes. Landrat Heymann, der mit der Befatzungstruppe die Verhandlungen gefühtt hatte, efftattete einen Bericht über die Gestaltung der neuen Grenzlinie, die im Fliedensvertrag nicht in allen Einzelheiten festgelegt fft. Ursprünglich verlangten die Alliierten die Einbeziehung aller derjenigen Gemeinden in das besetzt bleibende Gebiet, deren Gemarkung durch die Grenzlinie durchschnitten wird. Deutscherseits ist grundsätzlich dieser Auffassung widersprochen worden. Kein Fußbreit deutschen Bodens, der außerhalb der zwetten Zone liegt, ist den Desatzungstruppen überlassen worden. Der Ausschuß spricht schließlich dem Verhanö- lungssllhrer, Landmt Heymann, einstimmig Dank und Anerkennung aus. Die bayerischen Gesandtschaften. München, 12. Mai. Der Haushaltsausschuß des bayr. Landtags behandelte bei der Beratung des Haushalts des Außenministeriums das Kapitel „Gesandtschaften". Das Land Bayern unterhält zurzeit außer der Gesandtschaft in Berlin noch eine Gesandtschaft in Stuttgart und am Vatikan in Rom. In den Haushalt sind für 1927 und 1928 je rund 230000 Mark für die Gesandtschaften veranschlagt. In der Aussprache war man sich darüber einig, daß die Gesandtschaft in Berlin vorefft nicht aufgehoben werden könne. Me Sozialdemokraten, die National- sozialfften, die Völkischen und die Kommunisten verneinten dagegen, daß heute noch ein Bedürfnis für eigene Gesandtschaften in Stuttgart und in Rom vorhanden sei. Ministerpräsident Dr. Held dagegen versuchte nachzuweisen, welche Bedeutung die Gesandtschaften für das Land Bayern hätten und er wies darauf hin, daß auch das Reich, Preußen, Württemberg und Sachsen eigene Dettretungen in München hätten. Die bayerische Vertretung in Stuttgart sei von großer Bedeutung für «me Fühlungnahme der süddeutschen Länder untereinander. Bei den letzten Verhandlungen über den Finanzausgleich fei es ton großer Bedeutung gewesen, daß auf dem Weg über die bayerische Gesandtschaft in Württemberg ein gewisses Einvernehmen zwischen den süddeutschen Ländern herbeigesührt werden konnte. So wünschenswett auch eine eigene bayrische Gesandtschaft in Sachsen schon aus wittschastlichen Gründcn wäre, so käme doch ihre Errichtung aus materiellen Gründen nicht in Betracht, Dr. Held erklätte sodann seiner Auffassung nach habe die bayerische Gesandtschaft beim Vatikan in Rom einen besonders großen Wett nicht allein in außenpolitischer Beziehung, sondern auch aus kulturellen Erwägungen heraus. Gegenüber der Bemerkung eines kommunistischen Redners verwahtte sich der Ministerpräsident dagegen, daß in Rom eine bancrisch-pattikularistische Politik vcttreten werde. y Me neuen Posttarife . Berlin, 14. Mai. Wie das Reichspostministerium mit- teiü, beabfichtigt die Reichspost, folgende Gebührenerhöhung vorzunehmen: Postkarten: Ortsverkehr 5 statt 3 Pfg., Fernverkehr 10 Die russische Protestnote überreicht. Die Londoner Haussuchungen. — Moskau behält sich weitere Schritte vor Rr. 74. Jahrgang 1927. fatt 5 Pfg.,- Briefe (bis 20 Gramm): Ortsverkehr: 10 statt 8 Pfg., Fernverkehr IS statt 10 Pfg.,- (bis 250 Gr.) Ortsverkehr 15 statt 10 Pfg... Fernverkehr 80 statt 20 Pfg.: Drucksachen: (bis 50 Gr.) 5 statt 3 Pfg., (bis 100 Gr.) 10 statt K Pfg.: Pakete: (1. Zone) bis S Kg. 50 statt 40 Pfg., (2. Zone) «0 statt 80 Pfg., (z. Zone) 80 Pfg., wie bisher, (4. Zone) 1 Mk. statt 90 Pfg. Eilgebühr: 40 statt 30 Pfg (für Briefe). Aus der Postscheckgebührenordnung ist zu bemerken, daß die Sätze für Einzahlungen bis 500 Mark um je 5 Pfg. gegen die bisherigen Sätze erhöht sind, ebenfalls die Sätze über 1500 Mk. Für die Ueberweisung von einem Postscheckkonto auf das andere, wofür bisher keinerlei Gebühren erhoben wurden, werden jetzt 10 Pfg. Gebühr erhoben. Die Gebühr für Auszahlungen wird auf das Doppelte erhöht (ein Fünftel von 1000), mindesten 20 Pfg. Beförderung der Postscheckbriefe, die bisher in besonderen Umschlägen gebührenfrei erfolgte, kostet nach dem Entwurf 5 Pfg. Im Tclegraphenverkehr ist eine Erhöhung der Wortgebühren von 5 auf 8 Pfg. (Ortsverkehr) und 10 auf 16 Pfg. (Fernverkehr) vorgesehen. Dringende Telegramme kosten das Dreifache. Ortsgebühr für Preffetelegramme beträgt 8 statt 6 Pfg. Ein aufregender Tag an der Börse Berlin, 14. Mai. An der Berliner Börse kam es gestern zu einem Kurssturz wie an dem berüchtigten schwarzen Donnerstag in der Inflationszeit. Die Auswirkung des Zusammenbruchs dürste diesmal zwar nicht so tiefgreifend fein wie damals, aber doch empfindliche Vermögensverluste nicht nur privatwirtschaftlicher Art, sondern auch im allgemein volkswirtschaftlichen Sinne Hervorrufen. Die Ankündigung der Großbanken, daß bis Mitte Juni eine Restriktion der Börsenkredite um 25 Prozent und danach weitere Einschränkung stattfinden werden, zwang nicht nur die Tagesspekulation, sondern auch weite Kreise des Publikums zu einer Lösung ihrer umfangreichen Engagements. Der Verkaufsandrang war daher bei Börsenbeginn so stark, daß zahlreiche Papiere mehr als 10 Prozent ihres bisherigen Wertes verloren. Der Vörsenvorstand sah sich ver- anlatzt, einzugreifen und die Kursnotierungen zunächst überhaupt auszusetzen. Wenn man den Gründen für diese Baiffe-Vewegung nachgeht, so kommt man ohne Frage zu der Ueberzeugung, daß eine gewiffe Ueberspekulation Vorgelegen hatte. Außer ckien falschen Rückschlüffen, die die übertriebene Börsenhauffe der letzten Monate auf die Gesamtwirtschaftslage Deutschlands ermöglichte, mutzten auch währungspolitische Tendenzen schon längst die Ueberzeugung wachrufen, daß die Kurse über ihr berechtigtes Maß stark hinausgestiegen waren. Während der letzten Tage fanden mehrfach Konferenzen der maßgebenden Berliner Großbankleiter beim Reichsbankprästdenten Schacht statt, auf denen Dr. Schacht dringend eine Einschränkung der von der Reichsbank begebenen Kredite verlangte. Der wachsende Kreditbedarf könnte sonst nur durch neue Ausländsanleihen gedeckt werden, deren Hereinnahme die Reichsbank aber aus währungspolitischen Gründen nicht für wünschenswert hält. Die durch die Restriktion freiwerdenden Summen sollen nach den Wünschen der Reichsbank in die produktive Wirtschaft übergeführt werden. Der Berliner Börsenvorstanö ist in den Mittagsstunden zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetreten, die im Augenblick noch andauert. Deutscher Reichstag '*■ ■ (313. Sitzung.) f Präsident Loebe eröffnet die Sitzung um drei Uhr. Eine Beschwerde des kommunistischen Abgeordneten H ö r n l e gegen die Stuttgarter Polizei wird dem Ge- fchäftsordnungsausschuß überwiesen. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhebt Abg. F r i ck (Nationalsoz.) Protest gegen den, wie er erklärt, jüdischmarxistischen Polizeiterror, durch den alle nationalsozialistischen Versammlungen in Berlin verboten werden. Sein Antrag, sofort den Reichsinnenminister herbeizuholen, erregt große Heiterkeit, da Herr von Keuöell bereits auf seinem Platz sitzt. Auf die Frage des Präsidenten, ob der Minister sich vielleicht zu den Ausführungen des Abgeordneten Frick äußern wolle, schüttelt dieser unter allgemeiner Heiterkeit nur mit dem Kopf. Die zweite Lesung des Gesetzentwurfs „Zum Schutze der Jugend bei Lustbarkeiten" wird darauf fortgesetzt. Abg. Brodaus (Demokrat) erklärt: Dieser Gesetzentwurf sei eines Kulturstaates unwürdig. Ein Staat, der solche Gesetze erlasse, stelle sich ein Armutszeugnis aus. Mit Recht sei das Gesetz in eine Parallele gestellt worden zu Der Landbote * Siusheimer Zeitung. dem Schund- und Schmutzgesetz. Es sei sozusagen ein Zwillingsbruder, berge aber noch schwerere Gefahren als das Schund- und Schmutzgesetz. Jenes Gesetz sei harmlos im Vergleich zu dem jetzt vorliegenden. Dieses Polizeigesetz bedeutet zweifellos eine schwere Bedrohung der Geistesfreiheit. Für die Demokraten sei es vollkommen unannehmbar. Abg. Trotzmann, Nürnberg (Bayer. Volksp.) stellt fest, daß die Verschärfung des Gesetzes im Ausschuß auf die Demokraten zurückzuführen sei (lebhaftes hört, hört bei der Mehrheit). Die Einbringung des Gesetzes sei in der Weimarer - Verfassung ausdrücklich vorgesehen. Die Protestkundgebungen einzelner Verbände seien einfach unverständlich. gm Verlängerung des Republikschntzgesetzes Der Wortlaut des Jnitiativ-Antrages der Regierungsparteien. Berlin, 14. Mai. Der Jnitiativ-Antrag der Regierungsparteien zur Verlängerung des Ropublikschutzgesetzes ist jetzt im Reichstag eingcbracht worden. Der Wortlaut ist folgender: § 1: Die Geltungsdauer des Gesetzes zum Schutz der Republik vom 21. 7. 1022 in der Faffung der Abänderungsgesetze vom 31. 3. 1026 und 8. 5. 1926 wird um zwei Jahre verlängert. Die noch bestehenden Zuständigkeiten des Staatsgerichtshofes zum Schutz der Republik gehen auf das Reichsverwaltungsgericht und bis zu deffen Errichtung auf einen Senat des Reichsgerichtes über, der durch den Geschäftsverteilungsplan bestimmt wird. 8 2: Dieses Gesetz tritt am 28. 7. 1027 7in Kraft. Ferner beantragen die Regierungsparteien folgende Entschließungen: Die Reichsregierungen: Die Reichsregierung zu ersuchen, in Erwägungen einzutreten, für welche Vorschriften des Gesetzes zum Schutz der Republik ein Bedürfnis zur Beibehaltung besteht. Ter Initiativantrag ist unterzeichnet von Graf von Westarp (Deutschnational), u. Fraktion, von Guerard (Zentrum) und Fraktion, Scholz (D. Volksp.) und Fraktion, Leicht (Bayer. Volksp.) und Fraktvvn. Marx empfangt Sozialdemokraten nnd Demokraten Berlin, 14. Mai. Wie die Telegraphen-Union erfährt, empfing gestern abend Reichskanzler Dr. Marx zunächst den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Müller-Franken und dann von der demokratischen Reichstagsfraktion die Abgeordneten Erkelenz und Dr. Haas. Er machte den Herren Mitteilung von dem Kompromißantrag zur Verlängerung des Republikschutzgesetzes. Die Reichsregierung und die Regierungsparteien haben den Wunsch, daß der Initiativantrag über das Republikschutzgesetz schon auf die Tagesordnung der Montagssitzung des Reichstages kommt und dort mindestens in der ersten Sitzung erledigt und nicht an den Ausschuß verwiesen wird. Die Demokraten erklärten, daß sie keinen besonderen Wert auf Ausschußberatungen legen. Der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende behielt sich die Entscheidung seiner Fraktion vor. Man nimmt in parlamentarischen Kreisen an, daß sowohl Sozialdemokraten als auch Demokraten dem Kompromißvorschlag zustimmen werden. Die sozialdemokratische und die demokratische Rcichstagsfraktion werden am Samstag während der Plenarsitzung endgültig Stellung zu diesem Antrag nehmen. Gegebenenfalls wird auch noch der Aeltestenrat einberufen werben, um zu beschließen, den Antrag am Montag auf die Tagesordnung zu setzen. Aufwertungsanlräge Eine demokratische Entschließung. Berlin, 14. Mai. Im Rechtsausschuß des Reichstages wurden gestern die Aufwcrtungsanträge weiter beraten. Zur Frage der Aufwertung der Lebensversicherungen wurde folgende demokratische Entschließung angenommen: Die Reichsregierung wird ersucht, Treuhänder der Lebensversicherungsgesellschaften anzuweisen, den Auswertungsberechtigten und Versicherten, soweit ihnen nicht Vorschußzahlungen von mindestens 80 Proz. des geschützten Auf- wcrtungsantetls gewährt worden sind oder gewährt werden, auf Antrag eine Bescheinigung auszuhändigen, in der in rechtsverbindlicher Form ein spätestens am 1. Juli 1932 zahlbarer Mindestbetrag, der zu Gunsten des betreffenden Aufwertungsberechtigten fällig gewordenen Auswertungssumme festgestellt und anerkannt wird. Weiter wird die Reichsregierung ersucht, nach Möglichkeit Richtlinien wegen der fortschreitenden Aufwertung der Aufwertungsbeträge im Samstag, den 14. Mai 1927. Benehmen mit den Lebensversicherungsgesellschaften auszuarbeiten, dergestalt, daß in erster Linie bedürftiger Aufwertungsversicherter, in zweiter Linie die bisher schon fällig gewordenen Versicherungsbeträge aufgewertet werden. Der Schuldenkrieg. London, 12. Mai. Churchill war gestern abend Ehrengast auf dem Festbankett der British Bankers Association und benutzte diese Gelegenheit, um nochmals die englisch-amerikanische Schul- denkontroverse anzuschneiden. Er teilte durchaus die allgemeine Bewunderung, die die ganze Welt für Mellon als Staatsmann und als Finanzier habe, aber es sei gerade dieser große Ruhm, der es für die englische Regierung unvermeidlich gemacht habe, in irgendeiner Form Erklärungen richtig zu stellen, die zu Mißverständnissen hätten führen können. England habe keinen Wunsch, sich irgendwie in die inneren Streitigkeiten Amerikas einzumischen. Er wisse genau, daß eine solche Einmischung nur d Schaden anrichten könnte. Wenn aber ein Mann von derartiger ' Bedeutung und von so. großer Autorität Erklärungen abgebe, die mit den Tatsachen nicht übereinstimmen, so sei es England seinen Schuldnern in Europa und der öffentlichen Meinung der Welt schuldig, es absolut klar zu machen, daß England an den Schuldentransakttonen des Krieges nichts verdient habe. Gleichzeitig hielt der englische Botschafter in Amerika bei einem Besucb in San Franziska eine ähnliche R^)c. E' ve>o ne d.iß England nicht die Absicht habe, irgendwie die Schuldenfrage wieder anzuschneiden oder sich seinen Beipflichtungen zu entziehen. Wenn jedoch Amerika eines Tages den Wunsch haben sollte, dieser Frage wieder aufzurollen, so würde England „sich nicht gerade weigern." Die Mussolini-Attentälerin nach England abgeschoben . Rom, 14. Mai. Die Engländerin Violet Gibson, die vor zwei Jahren ein Revolverattentat auf Mussolini verübte, ist- jetzt wegen Unzurechnungsfähigkeit außer Strafverfolgung gestellt worbe» und vorgestern abend in Begleitung von drei englischen und einer italienischen Krankenschwester nach England abgereist. Bis zur Grenze wurde sie von Beamten der italienischen Sicherheitspolizei bewacht. Wie verlautet, hat das englische Home-Office sich verpflichtet, Miß Gibson in einer englischen Irrenanstalt unterzubringen. Ein bulgarisch-griechischer Grenzzwischenfall Loubo«, 14. Mai. An der bulgarisch-griechischen Grenze hat sich ein neuer Zwischenfall ereignet. Bei Petritsch »ersuchten zehn Griechen die Grenze zu überschreiten. Sie wurden von den bulgarischen Posten angegriffen und über die Grenze zurückgetrieben. Ein bulgarischer Soldat wurde bei dem Zusammenstoß verwundet, ein Grieche getötet. Frankreich und Rumänien. Pariser Mißtrauen — Die angeblich« Neuorientierung Bukarests. Berlin, 12. Mai. Dem AOD. wird aus Paris gemeldet: Französische politische Kreise, die in der italirnfreundlichen Politik Averescus -schon immer «ine Lockerung der rumänisch-polnischen Bindungen gegen Moskau und Berlin erblickt haben, sehen neue Gefahren austauchen. Sie kommentieren Versuch« Averescus, in London die Stimmung für eine befriedigende Regelung der Bessambienfrage und in Berlin die Möglichkeit eines politischen Arrangements unter Ausschluß der Bessambienfrage zu erkunden. Einen früheren Bessarabienvorstoß in Berlin betrachtet Averescu als mißlungen, doch sei die Lage heute in London deshalb günstig, weil Rußland sich immer mehr den Siegermächten nähere. Sein status quo könne es aus inneren und äußeren Gründen künftig nur noch durch wesentliche außenpolitische (Deutschland!) und wirtschaftliche Kompromisse sichern, und seit der Ratifizierung des Besfarabienprotokolls durch Italien sei Bukarest auch der englischen Unterstilßung bei einer russisch- randstaatlichcn Regelung sicher. Als Aufmunterung zu diesem Plan wird das rumänische Bewußtsein bezeichnet, daß eine Svw- jetregierung, die nach Genf gegangen sei, eine Neutralisierung der Bessambienfrage eher in den Kauf nehmen werde, als eine bürgerliche oder gar ukrainische Separatistenregicrung. Hinsichtlich Deutschlands versuche Rumänien unter Hinweis auf dessen Desinteressement an der Bcssarabien- und Dobrudschafrage die Möglichkeit eines politischen Zusammengehens in bezug auf die slawischen Staaten zu erforschen. Die Erneuerung der englisch- französischen Entente wird als Anbruch einer Epoche betrachtet, in der Deutschland vom Westen, einschließlich Italiens, neue Zugeständnisse nur unter noch schwereren Bedingungen als bisher erreichen werde. Berlins Handlungsfreiheit erleide Einbuße und müsse auf politische Sympathien im nichtrussischen europäischen Osten bedacht sein. Da zeigten manche rumänisch- deutschen Interessen einen gewissen Gleichklang. Rumäniens Bin- , % Bad Rappenau, 13. Mai. (Verschiedenes.) Der Männergesangverein „Frohsinn" beteiligt sich am Sonntag an dem in Gemmingen stattfindenden Gesangswettstreit. — Bei der am 28. April 1927 in Neustadt a. d. H. zu Ende gegangener Kochkunst-Ausstellung wurde dem Koch Wilhelm Olef von h er wiederum die goldene Medaille nebst einem Ehrenpreis zuerkannt. oo Ailingen, 13. Mai. (Besitzwechsel.) Das Geschäftshaus Gebrüder Ladenburger ging um den Kaufpreis von 12 000 Mark in den Besitz von Friedrich Schuchmann, Friseur, über. co Eppingen, 13. Mai. (Verschiedenes.) Der älteste Einwohner unserer Stadt, Herr Bernhard Meng, feiert am heutigen Tage in geistiger Frische seinen 89. Geburtstag. — Durch das Ableben des Alt-Bäckermeisters Jakob Zaiß ist wiederum ein Altveteran zur großen Armee abberufen worden und immer kleiner wird in hiesiger Stadt die Zahl der Kriegsteilnehmer von 1870—71. Die sterbliche- Hülle des Entschlafenen wurde gestern nachmittag unter zahlreicher Anteilnahme von hier und auswärts zur letzten Ruhe gebettet. cf Elsenz, 13. Mai. (Bautätigkeit.) In diesem Jahre ist die Bautätigkeit sehr stark im Gang. Der Besitzer des Gasthauses zum „Schwanen" baut für feine Metzgerei einen Laden mit moderner Kühlanlage und eine Scheune. Schneidermeister Müller hat ein Einfamilienhaus im Rohbau soweit beendet, daß mit den Innenarbciten begonnen werden kann. Außerdem sind bei Ledermann Ww. und A. Pfeil die Steine zum Neubau bereits angefahren, sodaß das hiesige Baugewerbe gut beschäftigt sein wird. * Wiesloch, 13. Mai. (Landwirtschaftliche Ausstellung.) Der Landwittschafiliche Bezirksoerein Wiesloch, der der zur^Zeit 434 Mitglieder zählt, hat in seiner Bezirksversammlung am? Sonntag beschlossen, vom 24 bis 26. September eine Ausstellung für Obst, Gemüse, Getreide und Kartoffeln und zugleich einen Saatgutmarkt in Wiesloch zu veranstalten. S Aus dem Odenwald, 14. Mai. (Die Heidelbeerschläge) stehen zur Zeit in voller Blüte. Bleiben die Heidelbeerblülen von Frost und längerer Regenzeit verschont, dan» ist mit einer guten tzeidel- beerernte zu rechnen. ** Mannheim, 14. Mai. (Festnahme von Fremdenlegio- nären.) Drei junge Leute, die bei Ludwigswinkel die Grenze überschreiten wollten, um sich in öie Fremdenlegion zu begeben, wurden festgenommen und wegen Paßvergehens in das Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. Einer der jungen Ausreißer wurde bereits von seinem Vater nach Hause zurückgeholt. ** Mannheim, 14. Mai. (Demonstration der Jngenieur- schüler.) Sämtliche 500 Studierende an der Mannheimer Ingenieurschule haben eine Demonstration gegen innere Verhältnisse an der Schule beschloffen. Es ist eine Bewegung im Gange, die eine baldige Klärung des Konfliktes an der Ingenieurschule erwarten läßt. ** Weinheim 14. Mai. (Die ersten Kirschen.) Vereinzelt tauchen auf den Märkten der Bergstraße bereits die ersten Kirschen auf. Man glaubt, daß die Kirschenernte Ende Mai einsetzen wird. ** Weinheim, 14. Mai. (Eisenbahnkonferenz.) Eine von der Deutschen Reichsbahngesellschast (Reichsbahndirektion Karlsruhe) nach hier einberufene Konferenz, an der sich etwa 85 Herren beteiligten, befaßte sich in der Hauptsache mit der Regelung der Grubenholztarifierung. Es nahmen auch verschiedene Vertreter der Forstwirtschaft und des Bergbaues an den Besprechungen teil. ** Bergfelde«, 14. Mai. Seltenes Glück hatte ein hiesiger Landwirt, dem aus 14 Gänseeiern 15 muntere Gänschen schlüpften. Aus einsm Ei kamen 2 vollständig entwickelte Junge, die so gesund und heiter sind, wie die ändern. Vogelzwillinge sind ja sonst eine Seltenheit. ** Krona« (Amt Bruchsal), 14. Mai. (Schwerer Unfall.) In ein Pferdefuhrwert gerannt ist das Kind des Kaufmanns Alfred Frank von hier. Das Wagenrad ging über den Körper des Kindes, der naturgemäß schwere, doch nicht lebensgefährliche Verletzungen aufwies. ** Philippsbnrg, 14. Mai. Der Bürgerausschuß lehnte gestern den einzigen Punkt der Tagesordnung, den Ankauf Nr. 74. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinshermer Zeitung. Samstag, den 14. Mai 1927. der Steinwerke Philippsburg A.-G. mit 28 gegen 14 Stimmen ab, da das Verkaufsangebot der Firma als für die Gemeinde untragbar erachtet wurde. ** Karlsruhe, 14. Mai. (70. Geburtstag.) Am 17. Mai ds. Js. begeht Wilhelm Dietrich, Ehrenobermeister der Freien Metzger-Innung Karlsruhe und langjähriger Geschäftsführer der Karlsruher Häute- und Fellverwertungs- Genoffenschaft e. G. m. b. H., seinen 70. Geburtstag. ** Karlsruhe, 14. Mai. (Kongresse.) Nach Mitteilung des Verkehrsvereins wird der Künstler-Verband badischer Bildhauer seine diesjährige Generalversammlung in Verbindung mit der Ausstellung für Friedhofkunst am Samstag, den 28. Mai, nachmittags 4 Uhr, im Künstlerhaus hier abhalten und Samstag, den 14. ds. Mts., die Generalversammlung der Badischen Beamten-Genossenschaft e. G. m. b. H. hier stattfinden, zu der eine größere Anzahl auswärtiger Teilnehmer erscheinen wird. ** Karlsruhe, 14. Mai. (Herabgesetzte Fleischpreise.) Das Schweinefleisch ist seit Mittwoch in den hiesigen Metzgereien erheblich billiger geworden,- es ist eine Ermäßigung bis zu 20 Psg. pro Pfund eingetreten. So kostet 1 Pfund Schweinebauch nur noch 90 Pfg., Schweinebraten 1,10 Mk., Schmer und Speck ohne Schwarte 1,10 Mk., Kotelett 1,40 Mk. Die Herabsetzung der Preise ist dadurch möglich geworden, daß der Bestand an schlachtreifen Schweinen in Deutschland zur Zeit ziemlich hoch ist. Sache der Hausfrauen ist es, jetzt von dem billigen Angebot an Schweinefleisch reichlich Gebrauch zu machen. Dadurch wird einerseits erreicht, daß die deutsche Landwirtschaft an der Beibehaltung der umfangreicher gewordenen Schweinezucht nicht die Lust verliert, und andererseits, daß dem verminderten Angebot an Großvieh guter Qualität eine erheblich geringere Nachfrage gegenüber- steht. Denn das geringere Angebot hat bereits zur Folge gehabt, daß in den letzten Wochen die Preise für solches Großvieh langsam anzogen. In Karlsruhe wirkt sich das jetzt dadurch aus, daß ab Mittwoch das Rindfleisch 6 Pfg. mehr kostet. ** Pforzheim, 14. Mai.. (lOOjähriges Bestehen.) In diesem Jahre kann die Pforzheimer Edelmetallindustrie auf ihr lOOjähriges Bestehen zurückblicken. Da die 150jährige Gründung mitten in den Krieg fiel, unterblieb es, diesen Zeitpunkt zu feiern. Es soll dies in diesem Fahre nachgeholt und im Spätjahr mit einer Feier des 50jährigen Bestehens der Kunstgewerbeschule verbunden werden. ** Zell i. W.. 14. Mai. (Tödlicher Unglücksfall.) In der Maschinenfabrik Zell i. W., Inhaber I. Kruckels, ereignete sich am Donnerstag beim Abtragen eisener Wellen ein tödlicher Unglücksfall, dem der 80 Jahre alte Hilfsarbeiter Friedrich Müller zum Opfer fiel. Er wurde von einer der Wellen durch einen unglücklichen Zufall zu Boden gestoßen ; die abrutschende, etwa 200 Kg. schwere Welle schlug Müller derart gegen die Stirne, daß nach wenigen Minuten der Tod eintrat. ** Leitersheim, 14. Mai. Bei dem Neubau der Scheune des Landwirts Fritz Watzmer in Schlat stürzte der Zimmermann Johann Heftle von Krotzingen aus einer Höhe von sieben Metern herab und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er nach der Einlieferung in die Freiburger Klinik verstarb. ** Geifinge« b. Donaueschingen, 14. Mai. (Gefährliche Einbrecher festgenommen.) Heute srüh gelang es der Gendarmerie, in einem Schuppen zwei gefährliche Einbrecher im Alter von 28 und 26 Jahren festzunchmen, die Einbrüche in Triberg, Bad Dürrheim und Fahrtenberg begangen haben. ** Radolfzell, 14. Mai. (Schesfelmuseum.) Letzter Tage war Baron von Reischach-Scheffel in Begleitung des Geschäftsführers des Scheffelbundes, Dr. Siegrist, Hier, um eine Besichtigung der Mettnau vorzunehmen. Wie wir höre», sollen zwei Zimmer des früheren Scheffclschen Hauses auf der Mettnau mit Scheffelandenken eingerichtet werden, die zum Teil von der Familie Scheffel zur Verfügung gestellt werden. * Turnen, Sports und Spiel. Vorspiel um die B-Meisterschaft im Elsenz-Gau. Sonntag, den 15. Mai, nachmittags 3 Uhr findet in Steins- furt das Vorspiel um die B-Mcisterschast zwischen den Abteilungsmeistern Stcinsfurt l. und Wiesenbach I. statt. Da beide Vereine sich bei der Berbandsrunde als spielstark zeigten, dürfte ein interessantes Spiel zu erwarten fein, über dessen Ausgang sich nichts voraus sagen läßt. Radio - Programm D für Sonntag, den IS. Mai 1927. Berlin 483, Königswusterhausen 1289, 9 Uhr vorm. Morgenfeier. 11.30—12.50 Uhr Platzmusik. 2.30—3.00 Uhr Major a. D. von Rudolfi, Philatelistische Einrichtungen und Beranstal- tungen. 3.00—3.30 Uhr Dr. Noller: Kaninchenkrankheiten. 3.30 Uhr Märchen. 4.30—6.00 Uhr Unterhaltungsmusik. Ab 8.15 Uhr aus Dresden 294,1. Breslau 315, 11.00 Uhr evang. Morgenfeier. 12.00 Uhr Gitarre- Kammer-Musik. 2.00 Uhr Rätselfunk. 4.00—5.30 Uhr Unterhaltungskonzert der Funkkapellc. 6.15 Uhr Liederstund« Hugo Wolf. 8.20 Uhr Bunter Abend. 10.15—12.00 Uhr Tanzmusik der Funkkapelle. Hamburg 394. 7. 11.30 Uhr Uebertragung des Platzkonzertes vor dem Städt. Opernhaus in Hannover. 3.30 Uhr Funkheinzel- mann. 5.30—7.25 Uhr Uebertragung des Nachmittagskonzerts vom Cafe Wallhof, Hamburg. 8 Uhr die moderne, Operette. Königsberg 329. 7. 9.00 Uhr Morgenandacht. 11.50 Uhr Bormittagskonzert. 4.00—4.45 Uhr Nachmittagsunterhaltung. 8.00 Uhr aus Danzig „Brüderlein fein" Alt Wiener Singspiel. Anschließend bis 11.00 Uhr aus Leo Falls Operetten. Köln — Langenberg 468. 5. 9—10 Uhr aus Düsseldorf ev. Morgenfeier. 11.20—12.00 Uhr Bücherstunde. 1—2 Uhr Kammermusik. 2.30—3.00 Uhr Funkliteratur von Arnold Stecker. 5— 6 Uhr Konzert der Aceordeon Virtuosen Gebr. Sewald. 6— 7 Uhr Dichterstunde. 9 Uhr Symfoniekonzert des Orchesters des westd. Rundfunks anschließend etwa II Uhr Sport. Anschließend bis 12 Uhr Tanzmusik. Leipzig 365. 8. 8.30—9.00 Uhr Orgelkonzert. 9 Uhr Morgenfeier. 4.30—6.00 Uhr Volkstümliches Orchesterkonzert. 8.15 Uhr Paganini, Operette in drei Akten. 10 Uhr Sport. Suttgart 379. 7. 11.30 Uhr Morgenfeier. 1.10 Uhr Schallplattenkonzert. 3.30 Uhr aus Hamburg: Funkheinzelmann anschließend Unterhaltungskonzert. 8 Uhr Frühlingslieder. 9 Uhr Bunter Abend. 11 Uhr Sportnachrichten. München 535. 7. 11 Uhr Glockenspiel des Münchener Rathauses. 11.30 Uhr Morgenfeier der Spielschar Ekkehardt. 3.30 Uhr Symphoniekonzert des Rundfunkorchesters. 4.35 Uhr Eine Elefantenjagd am blauen Nil. 5.05 Uhr Frauenliebe und Lebest. 6 Uhr Tannhäuser oder der Sängerkrieg auf Wartburg. Romantische Oper in drei Akten v. R. Wagner. 10.15—12.00 Uhr Georg Frank Uebertragung aus dem Hotel Stadt Wien in München . Daventry 1690. 3.30 Uhr Elias, ein Oratorium von Mendelssohn. 4.30 Uhr Erzählungen aus dem alten Testament. 4.40 Uhr Elias 2. Teil. 5.30—6.00 Uhr Kindergottesdienst. 7.05 Uhr Gottesdienst aus der Kapelle oer Trinity-Univer- sität. 8 Uhr Predigt aus dem Senoeraum. 8.15 Uhr Chorkonzert des Funkchors. 9.15 Uhr die Musik Edward Mac- donells. 10.45 Uhr Epilog. Paris 1759. 8.15 Uhr Mitteilungen. 8.30 Uhr Kinderstuade. 9 Uhr Jazzband. Wien 517. 2. 10.30 Uhr Orgelvortrag. II Uhr Konzert des Wiener Symphonie-Orchesters. 3.30 Uhr Je toller, je besser, komische Oper in zwei Akten von E. Mehul. 6.50 Uhr Kammermusik. 7.45 Uhr Ein Bruderzwist in Habsburgj, Trauerspiel in 5 Aufzügen von Grillparzer. Zürich 494. 11 Uhr Uebertragung aus dem Kapitol-Theater Zürich). 1 Uhr Bern: Mittagskonzert. 3.30 Uhr Bern: Konzert des Kursaalorchefters Schänzli. 8 Uhr Kammermusik. 8.30 Uhr Waller Mittelholzcr mein Asrikiflug. 9 Uhr Liederabend. 10.10 Uhr Nachrichtendienst der N. Z. Z. Prag 348. 9. 8.00—9.45 Uhr symphonisches Konzert. 10 bis 10.15 Uhr letzte Presse, Tagesereignisse, Sport. 10.20—10.50 Uhr Uebertragung aus dem Restaurant Zaorel. Radio-Bertrieb E. Schick, Uhrmachermeister. Sinsheim 0. E. Dr.Seibt-Vcrtreter — Lager in Telefunken - Röhren, Anoden > Batterien — Sämtlichen ErfatzteUen, Barta Attumulatoren-Layestation. - Telefon 19. Neueste amtliche Kurse vom 13. Mai 1927. mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. ««leih««: mtt Aus8>fimgsfchein hne Auslosungsschein . Smfcahtien: Bad. Bank Darrnftädier- und Nattonalbank?81 in 0,'o 317,50 18,60 in o/o 150.60 Deutsche Bank . . . . 170 85 Deutsche Bereinsbank . 114 Dresdner Bank . . . ,70 Mitteldeutsche Erediibank . 220 Reichsbank . . . . — Rhein. Creditbank . . .187 Südd. Discortto Bes. . . 154 Secgmeckf . Aktien in ° 0 804 186 187 50 Harpener Bergbau »alt Westeregeln Maunesmannrährenwerke. . _ ManSfelder Bergb. «.Hüttenw. 1»s.d0 Oberschl. Eisenb. Bedarf . . 104 Phönix Bergbau u.Hüttenbetrieb j28,M> Satzwerk Heilbronn . . — Bereinigte Königs- Laurahütte — Aktie» inbaftc. Unternehmungen. in o/o- Allg. ffilcttr. StaMMal.tien Badenia Weinheim Bad. Elektrizität Mannheim Bad. Maschinen Durlach 176 1«0 Cementwerk Heidelberg . 1 « Daimler Motoren . . . ,04,50 Disch. Bold- und Silberscheide 220 Elektr. 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Mutmaßliche Witterung bis Samstag abeud: Zeitweise aufheiternd, nur vereinzelte Regenschauer, kühl (Nachtfrostgefahr.) Sonntag: Zeitweise wolkig, meist heiter, trocken, kalte Nacht, Bodenfrostgeführ, tagsüber wärmer. Montag: Meist heiter, trocken, nach kühler Nacht weitere Erwärmng. Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, 15. Mai 1927. Cantate. (Kirchenchorsonntag, Kollekte) 1 / 2 IO Ahr: Liturgischer Festgottesdienst. Dekan Eisen und Stadtvikar Wülste. 1/211 Ahr: Christenlehre. Dekan Eisen. 1 / 2 I Ahr : Kindergottesdienst. Stadtoikar Wölfle. Wir installieren: Licht, Kraft, Rundfunk u. Signalanlagen. Wir lipfpm* Beleuchtungskörper, Koch-u. Heizapparate, IIII IICICIIIi Staubsauger, Bohner, Motoren, landw. und gewerbl. Maschinen sowie Installations-Material Wir ronariorpn* elektr. Anlagen jeder Art, Motoren, WM ■ C|i(M ICI GH« Transformatoren Zähler u.Apparate. Billigste Berechnung und bequeme Zahlungen. Rheinische Elektrizitäts A.-G., Büro Sinsheim Telefon 182 Elektrizitäts-Werk Muthstraße äjiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimii | Geschäfts-Eröffnung. | — Der werten Einwohnerschaft von Steinsfurt und Umgebung S 33 mache ich die ergebene Mitteilung, daß i.h in Slein$~ 3 Z — furi eine S5 | Holz-, Eisen- und | | Baumaterialienhandlung § “ eröffnet habe. Durch langjährige Tätigkeit in dieser Branche 3 S — und geleitet von dem Gmndsatz, meine werten Abn-hmer S5 SS reell zu bedienen, tin ich in der Lage, den höchsten Ansprüchen SS 22 gerecht zu werden. » s Ludwig Freudenllialer E 2 Telefon Nr. 462 Amt Sinsheim. “ Stöbt. Bekanntmachung. Reichswohnungszählung 1927 und Feststellung der Zahl der Wohnungssuchenden. Durch das Reichsgesetz vom 2. März 1927 ist eine Wohnungszählung im Deutschen Reich am 16. Mai 1927 angeordnet worden. Die Durchführung der Zählung erfolgt mit Hilfe ehrenamtlich hierzu bestellter Zähler, welche die Zähl- papiere (Grundstückslisten für Hauseigentümer und Wohnungskarten für jede Wohnung) zwecks Ausfüllung nach dem Stande vom 16. Mai 1927 an die Eigentümer und Wohnungsinhaber aushändigen. Auf die Bollständigkeit der Erhebung ist der größte Wert zu legen. Die ausgesüllten Zählpapiere sind ab Dienstag den 17. Mai 1927 zur Abholung bereit zu halten oder dem Zähler zuzusenden falls an jenem Tage niemand zu Hause ist. Wer die Fragen wissentlich wahrheitswidrig beantwortet oder sich weigert, die oorge- schriebenen Angaben zu machen, wird mit Geldstrafe bis zu 10000 RM. bestraft. Ferner hat jeder, der am 18. Mai 1927 eine selbständige, vom Hauseigentümer un» mittelbar zu ermietende Wohnung sucht, ans dem Rathaus am Montag, den 18. ds. Mts. einen Meldebogen anznforder« und anszn» füllen und in doppelter Ausfertigung bis zum 23. Mai 1927 bei dem Bürgermeisteramt abzugeben. Die Ausfüllung des Meldebogens hat durch den Haushaltungsvorstand zu erfolgen. Bei getrennt Wohnenden, versetzten Beamten, Verlobten usw. hat nur ein Teil, und zwar der Mann, den Meldebogen auszufüllcn. Wer die Ausfüllung des Meldebogens unterläßt, wird in den Listen des Wohnungsamts gestrichen. Weitere Erläuterungen enthalten bit Zählpapiere und Meldebogen. Sinsheim, den 13. Mai 1927. Bürgermeisteramt. MIIIIlIIIIIIIIIiIIIIIlIIIIIIIIIIIIII»IIIIIIIIII!I»!II!II»IIIII«I!l>»II»«IMW 110er Tag in Mannheim am 2., 3. und 4. Juli 1927. Einweihung des Denkmals für die Gefallenen des II. Badischen Grenadier - Regiments K. W. I. Nr. 110 und seiner Kriegsformationen (R. J. R. 110, L. J. R. 110, J. R. 469, R. J. R. 40 u. Br.Ers. Batl. 55). Alle Angehörigen der obengenannten Formationen sind herzlich eingeladen! Vor allem, Ihr alten Mannheimer und Heidelberger Grenadiere, kommt an obigen Tagen nach Mannheim! Auskunft (Festfolge, Quartier etc.) erteilt der : Schriftführer des Vereins ehern. 110er e. V., Herr Wilhelm Schmitt, Mannheim, BrentanostraSe 3. Qualitäts- Arbeit bedingt Qualitäts- Reklame | Einladung. | Ü Am Montag, 18. Mai, abends 8V4 Uhr wird S S im LSwensaal Herr Reg. Veterinärrat Dr. sg = Hammer ans Karlsruhe einen Vortrag mit = = Lichtbildern halten über = jjj Selbsterlebtes in Deutsch-Ostafrika M H vor und während des Weltkrieges. j§ H Hierzu ist jedermann freundlichst eingeladen. D =z Zur Deckung der Unkosten wird ein Ein- = §5 trittsgeld von 50 -H für Erwachsene, 20 H W — für Schüler erhoben. 3 M Ortsgruppe Sinsheim 3 = des Vereins für das 3 — Deutschtum im Anslande, der bad. Heimat. S liiUiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiniiiyiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii HitniiHiiiiHHiimiiiiiüHiiHiitiiiiiiHiiHiiiiiiiiiiiiuHHiiiiiiHiiHimiimiiiiiiii;iiiimiiiimnminuiiiimaHfniiiiHiBimni BREMEN-CANADA Die Cinio an derart# nacfi Canada für CLn#efiöri#e atter Iberufe freigegeben! Nähere Auskunft über Einreise-Bedingungen und Abfährten direkt nach Canada erteilt Norddeutscher Lloyd Bremen und sämtliche Vertretungen Sinsheim: Georg Eiermann Ww., Eisenbahnstr. 344. Neckarbischofsheim: Max Jeselsohn, Hauptstr. 4. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniHiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimHiiiiiiiiiiiiHiiiS Achtung ! tt J Ihr alter Wecker hat lange genug Dienst f etan. Jetzt ist die beste Gelee enheit, ihn urch einen neuen rr.it 24 Stunden-Zeit zu ersetzen. ihre Taschenuhr ärdere ich schnell ur.d sauber auf 24 Stunden-Zeit um; es kostet nur Pfennige. E. Schick, Sinsheim Hofuhrmacher und Juwelier. ■ - h46.än jAnäl Rad Frachtfrei Teilzahlung Sehr billige Betten Schönes rot. Deckbett 1 i/ 2 -schläfrig gut gefüllt 30 Mk. Kopfkissen dazu Stück 10 Mk. Bettfedern das Pfd 3.— und 4.50 Metallbettstelle für Erwachsene mit Patentrost 90 breit, 190 lang 22 Mk., Kinderbettstelle 18 Mk. große Seegrasmatratze 3teilig mit Keil 25.— Frachtfreier Versand. 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Jetzt hat man die Methoden gewechselt, das Ziel aber aufrecht erhalten. Nicht der Wojewode, als die polnische Behörde, führt nach außen hin den Kampf gegen die deutschen Schulen, sondern der Westmarkenverein führt diesen Kampf zwar nicht offen, aber nicht weniger terroristisch. Wegen der Entscheidungen des Völkerbundes bezw. des Präsidenten Ealonder tritt die antideutsche Tätigkeit der Behörden nach außen hin nicht mehr hervor. Es besteht lediglich eine geheime, aber äußerst innige Zusammenarbeit zwischen Westmarkenverein und den polnische» Behörden, von der man hofft, daß sie allmählich die restlose Beseitigung der deutschen Schulen bringen wird. Wie jetzt bekannt wird, hat der Westmarkenoerein an seine sämtlichen Ortsvereine in Ost-Oberschlesien «in Flugblatt versandt, das als streng vertraulich bezeichnet wird und das die Empfänger nicht aus der Hand zu geben verpflichtet worden find. Dieses Flugblatt ist als eine Art Operationsplan gegen das deutsch« Schulwesen anzusehen. Die Vorsitzenden der Ortsoereine erhalten ganz genaue Anweisungen, wie sie den Kampf gegen die deutschen Schulen organisieren sollen. Zunächst wird ihnen empfohlen, Verbindung mit den Schulleitern herzustellen, weil diese die Anmeldungen für die polnischen und deutschen Schulen erhalten und diese Listen den Dertrauensleuten des Westmarkenvrreins zur Verfügung stellen sollen. Weiter wird ein genauer Plan für die Agitation zugunsten der polnischen und gegen die deutschen Schulen entworfen, wobei die Vertrauensleute aufgefordert werden, bei ihrem Auftreten nach außen hin peinlichst den Eindruck zu vermeiden, als ob sie mit den Behörden in Verbindung stünden oder im Einverständnis mit dm Behörden handelten. Oeffentlich soll für die polnische Schule besonders unter Hinweis darauf agitiert werden, daß die Kinder in der deutschen Schule weder richtig Deutsch noch richtig Polnisch lernten, und daß Aussicht aus Annahme in den polnischen Staatsdienst nur habe, wer die polnische Schule durchlaufen habe. Die GeiMchrn, deren polnischer Ueberzeugung man sicher sei, sollen aufgefordert werden, auch in der Kirche Agitation für die polnische Schule zu treiben. Alle Eltern, die ihre Kinder in die deutschen Schulen anmelden — die Listen liefern die Schulleiter — sollen die Aufforderung zur Anmeldung in die polnischen Schulen erhalten. Die Anmeldungen in die polnischen Schulen sollen genau kontrolliert werden und wenn die Anmeldefrist abgelaufen ist, sollen die Eltern aller nicht zur polnischen Schule angemcldeten Kinder noch eine besondere Aufforderung erhalten unter Hinweis darauf, daß nachträgliche Meldungen noch entgegengenommen werden. Am 8. Mai sollte in allen Kirchen in der Predigt auf die Pflicht zur Anmeldung in die polnische Schule hingewiesen werden^ Endlich sollen die Vertrauensleute Listen der für die deutschen Schulen angemeldeten Kinder beschaffen und dabei Name, Stand und Arbeitsstelle der Väter angeben. Falls die örtlichen Schulleitungen sich weigern, bei dieser Agitation behilflich zu sein, sollen die Vertrauensleute den Hauptvorstand benachrichtigen. Nach diesem geheimen Flugblatt arbeitet der Westmarkenverein jetzt schon seit einigen Wochen, und man weiß nun, wie es kommt, daß alle deutschen Eltern Aufforderungen zur Anmeldung ihrer Kinder in die polnische Schule erhalten haben. .Von besonderem Wert ist der Hinweis darauf, daß der Eindruck des Zusammenarbeitens mit den Behörden vermieden werden soll. Es geht daraus hervor, daß dieses Zusammenarbeiten besteht, was übrigens sich auch darin zeigt, daß die Anmeldefrist für die polnische Schule 14 Tage früher angesetzt ist, als für die deutsche Schule, ohne daß dabei gesagt worden ist, daß es sich um die polnische Schule handelt. Freunde unter sich. Die Wirtschaftskrise in Frankreich trifft in erster Linie die ausländischen Arsbciter, die, einst in den Zeiten der Hochkonjunktur mit großen Versprechungen ins Land gelockt nun rücksichtslos als erste auf die Straße gesetzt werden, bar jeder privaten oder staatlichen Unterstützung dem Elend ausgeliefert. Auch auf die Angehörigen ihm befreundeter Nationen nimmt Frankreich keine Rücksicht, und während polnische Poliliker sich in Paris feiern lassen und große Reden auf die polnischfranzösische Freundschaft halten, zeigt die Kehrseite der Medaille eine geradezu erschütterndes Bild: Hunderte von polnischen Arbettern kehren unter den elendsten Verhältnisse nach Polen zurück, so daß selbst die polnische Presse, die bisher in Frankreich stets das Paradies auf Erden sah, nicht mehr an dieser Tragödie vorübergehen kann. Wie trostlos das Los der polnischen Rückwanderer ist, geht aus folgender Schilderung des „Kuryer Poranny" mit geradezu erschütternder Tragik hervor: „Die Rückwanderung findet unter Verhältnissen statt, die allen Humanitätsgrnndsätzen Hohn sprechen. Diese Armen, die wegen des wirtschaftlichen Stillstandes in Frankreich entfernt worden find, müssen, aller materiellen Mittel bar. die Rückreise zum größten Teil zu Fuß antreten und kommen nach Polen vollständig verhungert und erschöpft. Die einen werden zurückgehalten wegen Paßmangels oder wegen irgendeiner Unkorrektheit und werden verhaftet, die anderen aber find noch unglücklicher. Heimatlos irren sie im Grenzbezirk umher und suchen über die Grenze zu kommen, sterben aber zum Teil vorher vor Hunger. Unsere Zentralbehörden und Wohltätigkcitsvereine müssen sich ganz entschieden des Schicksals unserer unglücklichen Emigranten annehmen." Es würde natürlich ein Trugschluß sein, anzunehmen, den Polen gingen endlich die Augen darüber aus, was sie in Paris gelten. Schon die Tatsache, daß man kein Wort der Kritik gegen Frankreich findet, ist bezeichnend. Wie aber würde es wohl in Der polnischen Presse aussehen, wenn man in Deutschland (gesetzt den Fall, daß sie überhaupt möglich wären) solche brutalen Entlassungsmethoden anwenden würde, wie es Frankreich Staatsangehörigen seines lieben Verbündeten Polens gegenüber jetzt tut. Das größte Unterseeboot der Welt. In der „Chicago Sundan Tribüne" werden zum ersten- male Bilder und nähere Angaben über das größte und stärkst: Unterseeboot der Welt, das englische U-Boot „X 1", veröffentlicht. „X 1" hat eine Wasserverdrängung von 3600 T. Die größten deutschen U-Boote, die im Kriege fertiggestellt wurden, waren die U-Kreuzer U 139—141. Sie hatten über Wasser eine Verdrängung von 1930 T. und unter Wasser 2480 T. Die größten deutschen U-Bootsprojektc sind die Boote U 142 bis 150, die über Wasser 2160 T. und unter Wasser 2770 T. Verdrängung besaßen. Sie sind nicht mehr in Dienst gelangt, da das Ende des Krieges ihre Fertigstellung verhinderte. Mit 3600 T. ist das U-Doot „X 1" fast doppelt so groß wie die größten deutschen. Die Schnelligkeit des englischen U-Kreuzers ist außerordentlich. Keines der deutschen U-Doote und U-Bootsprojekte hatte eine größere Geschwindigkeit als 18 Cm. über Wasser. „X 1" erreicht 22 Kn. In der amerikanischen Marine gibt es noch heute nur fünf U-Boote, die schneller lausen als 15 Sm. Das englische Boot besitzt eine starke Armierung in vier 14 Ztmr. Geschützen, die in zwei Türmen vorn und achtern aufgestellt sind. Die Besatzung von „X 1" besteht aus 120 Köpfen. Es hat eine Länge von 107 Mir. und Breite von 9.1 Mtr. und wird über Wasser von Dieselmotoren angetricben. Die Schnelligkeit des Unterseekreuzers unter Wasser, die Leistung seiner Maschinen und der Antrieb unter Wasser werden von den englischen Behörden geheimgehalten. Mount Everest im Morgenlicht Ein Reife-Erlebnis von Professor Georg Wegener. Aus den im Verlag Brockhaus-Leipzig er» . schienenen Erinnerungen des bekannten Weltes ?!' reisenden, betitelt „Ein neuer Flug des Zaubermantels". In vollkommener Klarheit wölbte sich der dunkle Himmel, blitzeno von tausend Sternen. Leise floß die kühle, reine Luft, scharf und kalt wie von großen Eisfeldern her, über meine Stirn, und dort hinten in der Ferne, hoch über dem schwarzen Wall, dem Kamm der Bergkette von Dardschiling, erhob sich ein ungeheures Etwas, wie die erst im Urdunkel sich anöeutenden Massen einer werdenden Welt,' kaum anders sichtbar als durch einen ganz feinen Lichtschimmer, der auf ihnen dämmmerte. Mein Herz pochte. Das war die Hochkette des Himalaja! Alles war frei,' in zwei Stunden mußten wir in Vollendung eines der höchsten Schauspiele haben, das der Mensch auf der Erde genießen kann. Rasch hatten wir die Kammscheide des Bergzuges von Dardschiling erreicht, und nun ging es auf Serpentinenwegen von dem erstaunlich steilen Ostabhang abwärts zu dem sogenannten „Sattel", der zum Tiger Hill führt. Wer Himalajaponys nicht kennt, hätte uns für verrückt halten müssen, so sausten wir hier die schmalen Pfade abwärts, an Abgründen dahin, um scharfe Ecken herum, daß die Funken stoben. Ah, das war schön! Der Morgen eröffnete bereits das bezaubernde Spiel seines Lichtes. Im Osten begann am Firmament ein leises Rot aufzudämmern, zart wie der Schimmer auf den Wangen einer Schläferin, die sich, rascher atmend, aus dem Schlummer zu lösen beginnt. Unmerkbar, woher plötzlich — wie bei jenem Ostseemorgen, von dem ein vorhergehender Abschnitt erzählt —, erschien Gestalt und dann Farbe in der um uns liegenden Schattenwelt. Weiße Nebelseen brauten im Grunde der Talböden, daraus stiegen die grünen Bergwände auf wie Klippenstürze. Vor uns schräg in der Tiefe auf dem „Sattel" lag ein großes Dorf ; mit morgenfeuchten blauschwarzen Dächern. Nie in meinem Leben glaube ich eine zauberisch-schönere Farbe gesehen zu; haben als dies seltsame Blau der Dächer in dem blaugrünen ; Morgenlicht- es war das Wunder der „heure bleue" in höch- ; ster Vollendung. Schon waren die Bewohner erwacht, hier ! und da blinkten einige Lichter, und aus allen Schornsteinen j wehte Rauch in dünnen Schwaden, die der Morgenwind lang ; und wagerecht über den Dächern zu lichten blauen Schleiern auszog. Zur Rechten, auf einer Anhöhe, wurde ein buddhi- stisches Kloster sichtbar; man unterschieb in der Dämmerung schon die langen Stangen davor mit den flatternden weihen Gebetsfahnen. Klare, scharfe Helle umfloß uns jetzt bereits, wenn wir eine Lichtung passierten. Die Sonne war schon heraus und wir hatten trotz aller Anstrengung das Ziel nicht mehr erreichen können? Nun sind wir endgültig über dem Walde. Voraus deckt noch die Kuppe des Tiger Hills einen Teil der Rundsicht, rückwärts gegen Westen aber liegt frei über den Baumwipfeln ein weißer Streifen von geisterhaft silbrigem Glanz,, eine endlose schimmernde Schneekette, aus zahllosen kleinen Zacken und Spitzen geformt: die Gipfelflur der Riesenberge von Nepal! Im Bereich jener kleinen blaffen Zinken und Kämme, anzusehen wie die Wogenspritzer einer fernen, schaumgekrönten Brandung liegen sie alle, die Gewaltigen, mit bekannten Namen und noch eine solche: unter ihnen. der Daulagiri, der vierthöchste Gipfel der Erde, der Gauri- sankar, der so lange mit dem Everest verwechselt worden ist, der Makalu, des Everest nächster Nachbar, und auch der Everest selbst. Aber welchen der Zinnen dort diese Namen zugehören, das können wir nicht sagen. Ein paar kleine Zacken nur, offenbar sehr fern, erheben sich etwas höher als die andern. Ist einer von ihnen der Gipfel der Erde? Da geschieht etwas Wunderbares! Eine von diesen fernen Spitzen, nicht die höchste, fängt mit einem Male an, röt- lich zu erglühen. Wie eine kleine rote Flamme steht sie fern am Horizont; nur sie goldig leuchtend in wunderbarer zarter Schönheit, während alles andere noch silbrig-blaß bleibt. „Sehen Sie dort, wie seltsam", rufe ich dem Genossen zu. j „Wahrhaftig, das ist er ja, das ist ja der Mount Everest'." lautet die Antwort. Noch ein Hieb und Schenkeldruck den wackeren Tieren, sie - stürmen die letzte Höhe, wir sind auf der freien Kuppe des, Tiger Hills, und rings um uns liegt die ganze Hcrlichkeit des Himalaja gebreitet! Im Osten steigt eben der Sonnenball über den Grenzgebirgen von Tschumbi empor; im Westen ragt wirklich der Mount Everest; jetzt erkenne auch ich die kleine Zacke wieder. So unbedeutend er von hier aus erscheint, die kleinste von drei kleinen Spitzen, die dort nebeneinander liegen, er hat uns bewiesen, daß er doch der König der Berge ist. Ihn zuerst, ihn allein hat der erste Strahl der aufgehenden Sonne huldigend begrüßt und ihn in Gly- rie gekleidet. ’ Eine kurze Frist freilich nur zeichnet ihn dieser Schimmer vor allen andern aus; denn jetzt beginnt auch die Spitze des Kantschindschanga zu erglühen wie das Rheingold Albe- richts, und nun versinkt vor der unmittelbaren, nahen Größe dieses Bildes doch das mehr gedankliche Interesse an dem fernen Rivalen. .-} Der Kantschindschanga ist nicht nur einer der höchsten, er ist auch ohne Frage einer der schönsten Berge der Erde. In einer wundervollen majestätischen Harmonie, ähnlich wie die Jungfrau, baut er sich empor; nur daß er mehr als doppelt so hoch ist wie diese und dementsprechend in all seinen Verhältnissen doppelt riesenhaft. Nach uns zu stürzt er in einer ungeheuren Steilwand ab, die jetzt in der Morgensonne fabelhaft rosenrot erglüht. Licht und Schatten gliedern das Massiv in ernsten, charaktervollen Formen. Ein Kranz von Hochgipfeln umgibt ihn, die überall anderswo das Recht hätten, Staunen und Bewunderung für sich allein zu beanspruchen, nicht nur ihrer Höhe, sondern auch ihrer Schönheit wegen: der Jannu, der Kabru, der Pandim, der dem Matter- hor» ähnlich kühne und spitze Simiolchu; sie alle die höchsten Alpengipfel noch um 3000—4000 Meter überragend. Hier aber sind sie nichts als der prunkvolle Hofstaat, der den Herrscher umgibt. „Sollte das vielleicht schon Doktor Klemm sein?" Doch da tauchten bereits die breiten Lichtstreifen der Scher werfer des Kraftwagens auf, ein dumpfes Hupensignal, ui gleich darauf hielt das offene Auto knatternd und fauchei neben dem kleinen Trupp. Der Arzt sprang heraus. „'n Abend, meine Herren, na, Herr Graf, das sind ja toi Geschichten, bitte," er half Egede beim Einsteigen, „wir fahr, an der Oberförsterei vor?" „Jawohl, — gnädiges Fräulein, Herr Forstmeister, es wr wohl noch Platz fein?" Stephan war schon neben den Chauffeur geklettert, n, traten Voigt und Mertens heran. "«P- r tvohl nicht mehr nötig, Herr Graf?" „Rem. und haben Sie alle vielen, vielen Dank!" Ege! gab jedem Beamten die Hand, dann sprang der Motor a «nd mit einem jähen Ruck, wie ein bösartiges, gereiztes Ti« schoß der Wagen in das dämmernde Helldunkel. Doktor Klemm hatte feine Untersuchung beendet. Nr Zog er aus dem schwarzledernen Besteck eine kleine, mit eiw wasserhellen Flüssigkeit gefüllte Ampulle und eine Injektion spritze- ^ „Xja, Herr Graf, Sie könne» bei allem Unglück im«» noch von Gluck reden, jch werde Ihnen jetzt mal eine zw« prozentlge Morph,uminjeksion machen, das lindert d Schmerzen und Sre haben für ein paar Stunden Ruhe, t Laufe des Tages sehe ich dann w«der nach." Deliane rückte den grünen Lampenschirm zurecht. „Soll der Verband inzwischen gewechselt werden?" , . übernehmen die Pflege, gnädiges Frm Itinr „4W, ÖQS heißt, wenn der Herr Graf einverstande» iß Ich habe einen längeren Kursus durchgemacht —" ^ '/Oh'dastrifft sich >a ausgezeichnet! Ich dachte es mir b- nah, weil Sie mit solcher Sachkenntnis assistierten." D Arzt stach die spitze Nadel in den Unterarm h<>s 3Wmiuib.>tc uno orucrke Den äo Iben nieder: „ich möchte Ihnen und de geben Forstmeister noch ein paar Verhaltungsmaßrege! „Bittek" _ Stephan öffnete die Tür zu seinem Arbeit -immer, während dessen Doktor Klemm sei» Besteck en packte. „Also, ans Wiedersehen. Herr Graf, und machen Sie st keine Gedanken, die Sache ist in ein paar Wochen glatt verheilt, vor allem Ruhe, nicht wahr?" Es war sonderbar, wie sich die Züge des Arztes veränderten, als er die Tür hinter sich geschlossen hatte. „Herr Forstmeister, wissen Sie, ob der Herr Graf nähere Verwandte besitzt?" „Nein, nur entfernte Vettern, aber — weshalb?" „Wir hätten telegraphieren müssen-" „2Ba—os denn?!" Der alte Herr prallte förmlich zurück. „Lebensgefahr kann doch unmöglich vorliegen?!" „Das nicht, aber — der Sehnerv des linken Auges scheint schwer, der des rechten Auges leichter verletzt zu fein- möglicherweise tritt eine vollständige Erblindung ein.". — Bas junge Mädchen stützte sich schwer auf die Lehne des schreibtischsessels, sie hatte das Gefühl, als trügen sie ihre Fuße nicht mehr. „Blind?!?" „Etwas Bestimmtes läßt sich heute noch nicht sagen," Doktor Klemm zuckte die Achseln, „das kann ich erst nach einer Woche feststellen, aber ich hielt es für meine Pflicht, Ihnen reinen Wein einzuschenken, und nun — vielleicht ist es besser, wenn Sie jetzt zu dem Kranken gehen, gnädiges Fräulein, er könnte sich sonst beunruhigen. Messen Sie bitte früh um sechs Uhr die Temperatur, auch den Puls möchte ich wissen, die Eisumschläge werden nach Bedarf erneuert, am Vormittag komme ich einmal herüber." , Deliane hörte die letzten Worte kaum, ihre Augen waren von Tränen verschleiert, so langsam und müde, als hätte sie Blei in den Gliedern, ging sie in das anstoßende Zimmer hinüber, hinter der schmerzenden Stirn hämmerte das Blut in jagenden, pulsenden Schlägen-blind-blind für das ganze Leben. — versunken Tannengrün und Sonnengold, — versunken Licht und Glanz in ewiger Nacht- Zwei Wochen waren vergangen, zwei endlos lang« Wochen, in denen Lia kaum für Stunden Egede allein ließ. Nur mit Mühe und Not und erst, nachdem er gedroht hatte, «ne Diakonissin kommen zu lassen, hatte es Doktor Klemm durchsetzen können, daß das junge Mädchen wenigstens di« Nachtwachen mit Anni, Gretel und der alten Minna teilte. Auck beute wieder saß Deliane neben dem Rollstuhl. „So'll ich Ihnen die "Fortsetzung des Romans aus den« „St. Hubertus" vorlesen, Herr Graf?" Er hob den Kopf. „Sie sind sehr gütig, gnädiges Fräulein, aber das viel« Lesen strengt Sie an und — ich möchte gern ein wenig mii Ihnen plaudern." „Ganz, wie Sie wollen." Lia legte den gebundenen Jahrgang beiseite und griff nach ihrer Handarbeit. „Heute will ja nun Professor Osterroth mitkommen " „Ja, eben, unser guter Medizinmann scheint seiner Diagnose doch nicht so recht zu trauen, deshalb hat er sich wohl das große Tier eigens aus Berlin verschrieben — schade uw die Mühe!" Ueber die Züge des jungen Mädchens huschte es wie ein flüchtiges Erschrecken. „Schade?! Jch meine im Gegenteil, daß Doktor Klemm auf diese Konsultation große Hoffnungen setzt." „Mag sein," Hubertus machte eine müde Handbewegung, nur sehen Sie, ich glaube nicht mehr an eine vollständig« Heilung, bestenfalls werde ich einen Teil der Sehkraft zurückerhalten, einen schwachen Lichtschimmer, aber für mich heißt es nun wohl Hahn in Ruh', — ein Leben im Schatten -ist das überhaupt noch lebenswert?" „Herr Graf! Und ich verstehe nicht, — wie um Gotteswillen kommen Sie aus solche Gedanken?!" Unwillkürlich griff sie nach seiner Hand. Egede lächelte. „Sie meinen es gut, aber wozu soll ich mich selbst betrügen? Feige bin ich nie gewesen, und ein Unglück verliert seine Schrecken, wenn man es erst klar erkannt hat. Daß der linke Sehnerv verletzt ist, weiß ich, und so oft die Binde abgenommen wurde, blieb es Nacht um mich."-Er hielt inne. ein heißer Tropfen war auf seine Hand gefallen. „Tränen?" fragte er leise. „Verzeihen Sie!" Ihre Stimme klang wie erstickt. „Die dummen Nerven und es ist nur-, aber so dürfen Sie nicht reden, das Schicksal eines jeden Menschen steht in Gottes Hand!" „Das haben Sie mir schon einmal gesagt, damals — am Weihnachtsabend, und ich antwortete Ihnen dasselbe wie heute: mir ist der Kinderglaube verloren gegangen,- heutzutage geschehen keine Wunder mehr." Rr. 74. Jahrgang 1927. In einem großen herrlichen Lichtfinale, in dem alle die hohen Berghäupter um den Kantschindschanga als Einzelstimmen, rasch nacheinander hinzutretend, mitwirkten, ist die Symphonie des Morgengliihens zu Ende gegangen. Nun liegen sie hart und weiß in der Ferne. Es ist, als seien sic uns mit einem Schlage viel weiter entrückt. Ter Hauch von Wärme und Lieblichkeit, der sie einige Minuten lang übergoß, ist verschwunden; unnahbare, feierliche, mehr dem Reich der Geister als dem Menschen angehörige Erhabenheit strahlt von ihnen ans. Und langsam ritten wir heim. -. 1 Eine afrikanische Elefantenschule Während man in Indien den Elefanten seit alten Zeiten als Arbeitstier abgerichtet hat, war das bisher mit den afrikanischen Elefanten nicht gelungen. Nun sind aber zu Api im belgischen Kongo sehr aussichtsreiche Versuche unter- ' nommen worden, den afrikanischen Elefanten zum Haustier zu machen, und zwar geschieht dies in einer Elefantenschule über die der englische Kapitän Caldwell, der eine ähnliche Anstalt in Ungada errichten will, in den „Timmes" eingehend berichtet, Die Schule besteht gegenwärtig aus zwei Europäern, 146 Jägern und Mahauts oder Elefantenführern und SO Elefanten. Von den Tieren werden sechs unterrichtet, 25 waren bereits ausgebildet, aber zu jung zur Arbeit, und IS dienten bereits als Arbeitstiere. Die Schule, die nahe am Fluß und einem schönen, Badeplatz liegt, besteht bereits seit 26 Jahren, hatte aber so wenig Erfolge, daß man sie schließen wollte. Nur durch das Eingreifen des Königs der Belgier wurde sie erhalten und zeigte bessere Ergebnisse, seitdem l92ll sieben indische Mauhauts als Lehrer angenommen wurden. Die Verständigung zwischen den Belgiern und den Indern war recht schwierig, aber nachdem sie die in Indien üblichen Methoden der Zähmung -und des Unterrichts angegeben hatten, konnten ihre Stellen von Eingebornen des Azande-Stammes übernommen werden, die sich zu diesem Beruf als einer ehrenvollen „Männerarbeit" drängen. Die Jagdsaison beginnt im Januar und endet Anfang Mai. Die Jäger fol- gcn den Spuren eines jungen Elefanten, löten oder vertreiben die Mutter und bi lden dann das Jungtier an den nächsten Baum. Ein zahmer Elefant wird dann von dem Hauptlager ausgeschickt, das gefangene Jungtier gewöhnt sich an ihn und wird von ihm ins Lager gebracht, wo es so gebunden wird, daß cs sich nur wenig beivegen kann. Bei Ende der Saison kehrt die Jagdgesellschaft nach Api zurück, wobei immer an einen alten Elefanten ein oder zwei junge gebunden werden. Die Erziehung der gefangenen Elefanten beginnt mit dem Tage, an dem sie gefangen werden. Zunächst gewöhnt man die Tiere an den Menschen durch eine Zeremonie, die früh am Morgen und bei Sonnenuntergang vor sich geht. Der junge Elefant wird von einem halben Dutzend von Mahauts umgeben, von denen jeder einen Zweig in der Hand hält. Der Obermahaut singt ein Lieb, und die andern schlagen das Tier mit den Zweigen, wobei sie im Chor einstimmen. Das dauert so zehn Minuten, dann wird der Elefant mit Leckerbissen, wie Maniok und Ananas gefüttert. Während der Zähmung ist das Tier noch gefesselt: wenn es aber dann . zugänglicher wird, befreit man es. Der Mauhaut besteigt es und füttert es. Zwei bis drei Monate nach der Gefangenschaft haben die Elefanten gelernt, sich niederzulegen: der Unterricht erfolgt durch ein einfaches Stoßen an die Beine, bis das Tier die Bedeutung des Befehls gelernt hat. Dann lernt der Elefant in wenigen Tagen, den Reiter geduldig zu tragen. Das Aufnehmen von Gegenständen mit dem Rüssel wird dem ungefügigen Schüler durch einen reitenden Mahaut beigebracht. Damit das Tier dem Reiter gehorcht, wird es zunächst mit einem alten Elefanten zusammengebunden. Dieser führt die Befehle aus, das junge Tier folgt geduldig und begreift allmählich selbst den Sinn der Worte. Dieser Unterricht dauert etwa zwei Wochen. Dann muß das junge Tier allein marschieren, wobei die Vorderfüße zunächst noch zusammengebunden sind. Die schwereren Arbeiten werden den Schülern erst öeigebracht, wenn sie kräftig genug sind. Durchschnittlich verbringt ein Elefant zehn Jahre in der Schule, bevor er als Arbeitstier Verwendung findet. Die Sterblichkeit ist sehr gering. In der Schule herrscht die mildeste Behandlung: niemals wird ein Tier geschlagen, sondern der einzige Anreiz besteht in der Berabrechnng von Leckerbissen. Daher sind die jungen Elefanten auch fast immer gutmütig und leicht lenkbar. ' Was ist eine Frau wert? Was eine Frau wert ist? Nicht ganz leicht abzuschätzen: was sie kostet, kann man ja ungefähr wissen, aber wie sie sozusagen buchmäßig in Rechnung zu setzen ist —? Dem Lord Oberrichter von England, Hewart of Bury, ist diese Abschätzung gelungen. Er hatte in einer Scheidungsklage das Urteil zu fällen, in der der Gatte die Trennung der Ehe verlangte, weil seine Frau in hohem Grade die Huldigungen eines anderen Mannes evtgegengenommen hatte. Außer dieser Trennung verlangte der Ehemann von dem Galan der Gattin aber noch zweihundert Pfund Schadenersatz. Der Galan seinerseits wünschte den Wert der Gattin nun abzu- fchötzen. Und der Lord Oberrichter von England entschied: „Da kein Gerichtshof vorhanden ist, um hier eine endgültige Taxe festzulegen, entscheide ich aus eigener Machtvollkommenheit und setze den materiellen Wert dieser Gattin aus — 2 Schilling 6 Pence fest". Ties ist keine überragend hohe Taxe, bei Gott! Was wir den Chinese« verdanken. Tie Weisheit und der Intellekt der Chinesen werden oft gerühmt. Die Europäer waren über die Klugheit des gelben Volkes um so mehr erstaunt, als sic angenommen hatten, das Volk, das sich so ängstlich hinter seiner Mauer verschanze, bestehe aus engstirnigen, bornierten Leuten. Allerdings wußte man, schon bevor man mit den Chinesen in nähere Berührung kam, daß sie der Welt eine große Zahl wichtiger Erfindungen und schöner Sachen beschert haben. In der modernen Zeit freilich hört man von chinesischen Erfindungen nichts mehr, denn die Söhne des Reiches der Mitte scheinen der Ansicht zu sein, daß sie bereits genug zur Weltzivilisation beigetragen haben und es nun Aufgabe der Europäer sei, die Welt mit neuen Errungenschaften zu bereichern. So beschränken sie sich heutzutage darauf, die modernen Einflüsse auf sich einwirken zu lassen. Läßt man die Erfindungen der Chinesen Revue passieren, so nimmt man vor allem jene der Seide wahr. Die Seiden- inüustrie gehört zu den allerältesten Erfolgen der Gelben. Der schmiegsame Stoff stammt noch aus der vorhistorischen Zeit. Lange vor unserer Zeitrechnung führten die Chinesen das Erzeugnis, dessen Zusammenstellung sie allein kannten, nach europäischen Ländern aus. Obwohl gegenwärtig die Kunstseide, weil sie billiger und in mancher Beziehung praktischer ist, immer mehr an Bedeutung gewinnt, so bleibt die chinesische Seide doch ein gangbarer Handelsartikel, weil sie stark und fest und dabei zart wie keine andere Seiöensorte ist. Als die zwcitwichtigste Erfindung der Chinesen gilt das berühmte chinesische Papier. Im 1. Jahrhundert nach Christi Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 14. Mai 1927. gelang es Tsai Lun, das Papier zusammenzustellen und dreihundert Jahre hernach kannte man die Faserbogen, die man zu den verschiedensten Zwecken verwenden kann, in ganz China und auch in Ostturkestan. Um das Jahr 800 lernten die Araber das Geheimnis kennen und im 13. Jahrhundert eroberte sich schließlich diese chinesische Erfindung, die damals bereits zwölfhundert Jahre alt war, auch Europa. Ten Chinesen verdankt Europa aber auch Gaumenfreuden und künstlerische Genüsse, die eines erfinderischen Geistes bedurften, um in die Erscheinung treten zu können. In diese Kategorie gehören der Tee, bas prächtige chinesische Porzellan und das chinesische Feuerwerk. Tie Engländer führen jetzt zwar mit einem Teil des chinesischen Volkes Krieg, aber den Söhnen des Himmlischen Reiches werden sie wahrscheinlich stets dafür dankbar bleiben, daß diese ihr Lieblingsgetränk, den chinesischen Tee, nicht für sich behielten, sondern den anderen Nationen abtraten. In China war der Tee schon im vierten Jahrhundert nach Christi ein Volksgetränk, während in England und in anderen europäischen Ländern die aus den Teeblättern gebraute braune Flüssigkeit erst im 16. Jahrhundert bekannt wurde. Anfänglich war man über das chinesische Geschenk nicht entzückt: die Europäer wußten nämlich nicht, was sie mit den getrockneten Blättchen anfangen sollten und wie sie das Getränk zu bereiten hätten. Nicht wenige Leute sahen die trockenen Blätter für ein exotisches Gemüse an und bereiteten daraus Salate und warme Gemüseplatten; sie atzen das „chinesische" Gericht mit Todesverachtung, aber es schmeckte ihnen nicht. In innigem Zusammenhang mit dem Tee steht das chinesische Porzellan, eines der schönsten Erzeugnisse des Reiches der Mitte. Im 7. Jahrhundert bereits blühte die keramische Industrie und allmählich wußten die Chinesen die Technik so zu vervollkommnen, daß man von einem Kunst- Wkrbwerk sprechen kann. Im 11. Jahrhundert bereits waren die Produkte dieser Industrie weit über die Grenzen Chinas hinaus berühmt und um 1700 herum erreichte die Porzellaninduftrie ihren Höhepunkt. Was das chinesische Feuerwerk betrifft, so ist es auf einen klugen Chinesen zurückzuführen, der im 8. Jahrhundert daraufkam, daß man mit Pulver das prächtigste Feuerwerk veranstalten könnte. Seine Methode wurde bald überall nachgeahmt. Wir verdanken daher alle schönen Feuersterne, Sonnen, Pfeile, Sternregen usw., die an Festtagen vorgezaubert werden, erfinderischen Chinesen, die hunderte Jahre vor uns lebten. Der politische« Wirre« in China ist kürzlich eines der schönsten altchinesischen Kunstwerke zum Opfer gefallen: der als „Weltwunder" weitbekannte Porzellanturm innerhalb des Buddhistenklosters von Anking. Das prächtige achteckige Bauwerk mit neun Stockwerken hat eine Höhe von etwa 90 Metern, und die Spitze konnte ans einer Wendeltreppe erreicht werden. Jedes Stockwerk bestand aus einem einzigen Raum, der reich ausgemalt und mit in Nischen aufgestellten vergoldeten Götterbildern geschmückt war. Ter Turm bestand aus Ziegelsteinen, die mit Porzellanplatten in vielen leuchtenden Farben verblendet waren. Jedes Stockwerk wurde durch einen vorspringenden Rand aus grünen Ziegeln bezeichnet, an denen kleine goldene Glocken hingen. Das Dach bestand ans Kupfer und wurde überragt von einem zehn Meter hohen Mast, der wiederum eine vergoldete Kugel trug. Der Mast selbst war in eine riesige Eisenkugel eingelassen, deren Oberfläche mit künstlerisch ausgeführten symbolischen Figuren bedeckt war. Diese Kugel diente als Tresor für die Schätze des Klosters, und Juwelen, Gold, Silber. Seidenstoffe, alte medizinische Bücher, seltene Heilmittel und Geldschnüre wurden früher darin aufbewahrt. Nur mit den größten Schwierigkeiten mußte es möglich gewesen sein, diese sonderbare eiserne Schatzkammer von 24 Tonnen Gewicht und 12 Meter Umfang so hoch über dem Erdboden anzubringen. Das Innere des Turmes wurde nachts von Hunderten vo» Lamve» erleuchtet' die Außenseite schmücken etwa 150 Glocken. Die Erbauung des Kunstwerks, das im Jahre 1430 vollendet wurde, hatte 19 Jahre in Anspruch genommen. Nachdem Blitzschläge Feuer und Kriegsfolgen den Turmbau schon stark in Mitleidenschaft gezogen hatten, ist bas Zerstörnngs- merk vor kurzem durch aufständische Banden vollendet worden. Der indische „königliche Kaufmann" Birz Mohan trägt 10 Millionen Mark in der Westentasche, natürlich nicht in Banknoten oder Schecks, sondern in Gestalt kostbarer Juwelen. Mohan hatte eine Anzahl von Edelsteinen, die den Wert von 10 Millionen Mark darst^llen. auf der Weltausstellung in Philadelphia gezeigt und trägt sie seitdem immer bei sich. Unter den Juwelen befinden sich der berühmte Taj Mahal-Smaragd, der so groß ist wie das Ei eines Regenpfeifers und auf einen Wert von 1200 000 Mark geschätzt wird, ein Saphir von 78 Karat, der der schönste der Welt sein soll und mit 240 000 Mark bewertet wirb, sodann ein Smaragd-Halsband, bas 1700 000 Mark kosten soll. Bei seiner Ankunft neulich in London wurde der „Mann mit den Millionen in der Westentasche" natürlich sofort ausgefragt und erklärte mit schöner Sicherheit: „Ich habe keine Angst, daß man mich berauben könnte, denn ich werde stets von einem Freund und vier Dienern begleitet, und niemand weiß, wer von uns sechsen augenblicklich gerade die Juwelen trägt. Den größten Teil der Zeit trage ich sie selbst. Und dann können Sie sicher sein, daß ich stets von meinen Dienern beobachtet werde, die Dolche tragen, die sie vortrefilich zu handhabe verstehen und Revolvern vorziehen." Ans die Frage was er mit den Edelsteinen des Nachts während der Reise mache, erwiderte Mohan: „Das ist ein Geheimnis, das ich nicht enthüllen kann, aber ich kann sie versichere daß immer, bei Tag oder Nacht, wo die Steine auch sind, sie wenigstens von einem Paar Auaen bewacht werden." Er weigerte sich, eine der berühmten Kostbarkeiten vorzuzeigen, denn, sagte er, „meine größte Sicherheit während der Reise besteht darin. daß niemand weiß, ob ich sie bei mir habe oder nicht." Elefanten, die vor einer Mans erschreckten. Drei wohlgenährte Elefanten erschraken, als sie dieser Tage durch die Straßen von Newark im nordamerikanischen Unionstaat New Jersey geführt wurden, um in einem Theater ihre Künste zu zeigen, wegen eines Mäuschens, das ihren Weg kreuzte, derart, daß sie vollständig den Kopf verloren. Sie gerieten in solche Aufregung, daß sie nicht mehr zu lenken waren. Einer der Elefanten rannte eine Frau nieder, die einen Schädelbruch erlitt und auf der Stelle tot war. In den Straßen entstand eine Riesenpanik. Die Polizei mutzte eine starke Truppe ausschicken, um die Ordnung wiederherzustellen, aber nach zehn Minuten, als das Mäuschen verschwunden war, hatten sich die Dickhäuter wieder beruhigt und ließen sich schön brav weiterführen. Wie Pariser Hüte nach England geschmuggelt wnrde«. Das englische Budget ist stark passiv und Churchill sinnt auf allerlei Mittel, um dem Fiskus mehr Einnahmen zu verschaffen. Unter den Maßnahmen, die dem Finanzminister helfen sollen, ist auch ein Einfuhrzoll auf Damenhüte vorge- schlagen worben, und zwar sonderbarerweise aus dem Publikum. In den „Times" macht aber jemand aufmerksam, daß ein derartiger Einfuhrzoll,nichts Neues sein würde. Vor einem Jahrhundert kam kein Herr, der sich selbst respektierte, von einem echt Pariser Damenhut mitzubringen, der dem einen oder andern weiblichen Familienmitglied oder einer Freundin zugedacht war. Aber Wert hatte das Geschenk erst, wenn es geschmuggelt worden war. Und der Schmuggel ging in folgender Weise vor sich: Am Kai, an dem die Dampfer anlegten, wartete eine Anzahl Frauen ohne Kopfbedeckung. Sie wußten an Bord der Schiffe zu kommen, bevor die Reisenden Gelegenheit hatten, ans Land zu gehen. Für einen kleinen Betrag waren sie bereit, der Verzollung zu hinterziehende Hüte für die Tauer des Amtiercns der Zollorgane aufzusetzen. Am Land gaben sie die Hüte den Eigentümern zurück. Manch schöne Pariser Kreation kam auf diese Weise zuerst auf einen sehr unordentlichen oder verwahrlosten Frauenkopf. Man erzählt auch, baß eine der kaiserlichen Kronen von Delhi, die nach der indischen Meuterei in den Besitz eines englischen Offiziers gekommen war, auf ähnliche Weise in England civgeschmu-- gelt wurde: Der kleine Sohn des Offiziers setzte sie bei der Landung auf. Das Kind soll später ein berühmter General geworden sein. Einen Blick ans «nser Leben im Jahre 195Ö gewährt der englische Gelehrte und Erfinder Professor Low in einer Schilderung, die nicht als utopische Phantasie, jvn- dern als durchaus im Bereich des Möglichen lieget^ gedacht ist. „Als rch vor einiger Zeit behauptete, so jchreibt Low, „daß Fernsehen möglich sei und daß wir von -ondon nach Newnork telephonieren könnten, hörte ich von vielen Seiten, solche Wunder seien unmöglich. Jetzt sind d>e,e -ttuge in das Bereich der Möglichkeit gerückt, und wahrjcheml.ch werden in 20 Jahren noch ganz andere Wunder »mer-eben beherrschen, die noch nicht wunderbarer erscheinen, als Rundfunk und Flugschisf unsern Großvätern erich.enen, die^ncÄ die Schnelligkeit eines Eisenbahnzuges mit ^Kilometer in der Stunde für ungeheuerlich hielten. Wenn ^r. I » 1950 seine Morgenzcitung liest, dann wird er m >.c sich für die Ereignisse in Amerika ebenso ; jetzt für die Lokalnachrichten, denn er kann mit ckmeiika s leickt sprechen, wie heutzutage mit einem Freund >n der Stadt. Hinter seinem Stuhl wird der Apparat siehcii, der ihm das Fernsehen ermöglicht: sein wird e ek sch geheizt sein und die elektrische Heizung börste so b'llig werden daß sie sich jeder leisten kann. Der Mensch öerZukunst wird sich während des Schlafs einer elektrischen Behandlung erfreuen, die seine Lebenskräfte steigert: er wird be, künstlichem Sonnenlicht leben, das geiund. angenehm und billi. ist Man wird bei dem ksiiuserbau auf die Sonne keine Rücksicht mehr zu nehmen brauchen. Die Stellung der Frauen wird sich in den nächsten 20 Jahren sehr verändern. --,e werden sich nicht mehr viel um die Häuslichkeit kümmern, denn elektrisches Kochen. Reinigen und Heizen verringert die Hausarbeit. Man wird nicht mehr zu Hanse kochen, nn« man heute nicht mehr zu Hause wäscht, sonder» das Essen wird auf einen Telephonanruf aus der allgemeinen Küche geliefert. Die Kleidung der Frauen wird immer praktischer werden, und sie werden auf der Strobe einen Herrn um Feuer für Ihre Zigarette bitten, wie wenn das das Selbstverständlichste von der Welt wäre. Wie beute der Kraftwagen, hält dann das Flugzeug vor dem Haus, und Flüge nach den Vereingten Staaten, nach Indien und über die Welt werden ebenso einfach und bequem sein wie heute die Reise in der Eisenbahn. Man wird ganz leicht mit jedem Teil der Welt telephonieren können, und ich glaube, daß man sich innerhalb von 20 Jahren auf eine gemeinsame Sprache geeinigt haben wird, die die so viel leichter gewordene Verständigung zwischen den Völkern notwendig macht. Tie Heilkunde wird dann neue Wunder geschaffen haben. Ich glaube, daß das Geschlecht der Kinder sich vor der Geburt wird bestimmen lassen und daß man bas Wachstum der Menschen durch Kenntnis der Drüsenfunktionen wird regeln können. In den Schulen werden die Kinder bestimmte Nahrung und Behandlung empfangen, um Charaktereigenschatfen zu entwickeln, die als wünschenswert erscheinen, und man wird viele Krankheiten besser bekämpfen können. Aber es wird auch neuen Grund zum Klagen geben. Merkwürdige nervöse Krankheiten werden entstehen, denn unsere Sinne werden immer mehr verfeinert, und der Lärm der Großstädte wird nur erträglich sein, wrnn man Schutzvorrichtungen an den Ohren trägt. Das Wohnen in den großen Städten, die besondere Nahrung beginnt schon jetzt, unfern Augen und unfern Zähnen zu schaden. Man wird ieöes unnötige Erzeugen von Geräuschen schwer bestricken und den als einen Verbrecher betrachten, der aus den Boden spuckt. Ich glaube nicht daß wir dann eine Zeit des „ewigen Friedens" haben werden:-vielmehr zweifle ich nicht daran, daß die Kinder unserer Kinder den konzentrierten Nahrunass"st oder die Nahrungspillen, die sie zu sich nehmen, genießen werden, während sie drahtlos empfangene Filme von furchtbaren Schlachten sehen und durch den Rundfunk den Lärm schrecklicher Krieae hören. Die Entwickluna der Wirtschaft sorgt für „Todesstrahlen", für Baktcrien-Bomben und andere Zerstörungsmaschinen . . . Eine rasch vergessene Sparmaßnahme. Im September vorigen Jahres erließ der Präfekt von Paris eine Verordnung zur Beschränkung der Menüs in den Restaurants, die sehr viel besprochen wurde. Anfangs hielten die Gasthäuser sich genau an die vorgeschriebenen Beschränkungen, aber sie murrten sochn damals, daß einige Verfügungen höchst unpraktisch seien. Jetzt aber, so schreibt das Pariser Blatt „L'Oeuvre", scheint die ganze Verordnung in Vergessenheit geraten zu sein. Außer in einem italienischen Restaurant in der Gegend der Komischen Oper fand die Redaktion des erwähnten Blattes, die in mehreren Restaurants Erhebungen hatte pflegen lassen, nirgends mehr eine Ankündigung der Verordnung und aus der Zusammenstellung der Speisekarte ergab sich mit aller Deutlichkeit, daß die Gastwirte sich an sie nicht mehr halten. „Was wollen Sie?" sagte einer der Wirte. „Nach dem September habe ch nie mehr einen Inspektor in meinem Lokal gesehen. Wozu auch! Die Gäste essen doch in der Regel nicht mehr als eine Fleischspeise und ein Gemüse. Wenn ihnen das nicht genügt, dann lassen sie sich Hors d'oeuvres und Käse dazu geben. Warum sollte man ihnen diese oder jene Speise aufdrängen müssen. Ich habe die behördliche Maßregel immer als viel Lärm um nichts betrachtet. Auf diese Art und Weise bannt man die Teuerung ja doch nicht." Ein anderer Gastwirt suchte die Schuld an der Teuerung bei den Großhändlern, die mächtiger als die Regierung sind und durck die Beschränkung der Ein- und Ausfuhr in die Lage versetzt werden, die P:eise hoch zu halten. Wie immer dem sei: Die Verordnung vom September ist schon wieder tot. Die falsche „Frau Ministerialamtma»«". Eine raffinierte Betrügerin, die seit Ende vorigen Jahres Berlin, Rostock, Hamburg, Waaren usw. unsicher gemacht hat, ist von der Berliner Kriminalpolizei auf längere Zeit unschädlich gemacht worden. Es handelt sich um die 46- jährige Frau Anna Hoffmann, die einen recht eigenartigen