«scheint mm mit Ausnahme der Feiertage. BePlgs» Preis: Durch die Post bergen und durch den Briefträger und un,ere Austräger frei ms Laus monatlich Goldmark 1.50 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit >'28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Fern;?rech-Anschlutz Nr. 11 Postsckeck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lanöbote Zinslieimer H Zeitung fsss XW&XäX&M / ** General-Anzeiger für das^d^Elfenz-und äclnoarzbaelital Heltelle uncl verbreitetste Leitung clieser Gegenct. syaupt-^n^eigen-klall Möcbentlicbe Beilagen: Wolle «nll kseirn » Oer llobolll » Neue 'jflluTtrierte » Candwirtfchaftlicbe Beilage An' eigen-Preise: Anzeigen: Die 33 mm breite Millimeter Zelle ti Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Gruudschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen-Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Bereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 82 Dienstag» den 24. Mai 1927. 88. Jahrgang Vor der Entscheidung in London. 19 von 21 Ministern für den Bruch mit Moskau - „Ehamberiain-Krise." London, 23. Mai. Die an dem russischen Zwischenfall direkt beteiligten Kabinettsmitglieder Baldwin, Hicks, Chamberlain. Churchill und Kriegssekretär Washington Evans blieben über das Wochenende immer in Verbindung. Die Dinge haben sich so zugespitzt, daß Baldwin, der am Freitag eine Kabinettssitzung für Dienstag einberufcn hatte, sich genötigt sah, die Minister bereits für Montag zu einer Sondersitzung zu bittenj. Der diplomatische Mitarbeiter des „Observers" spricht geradezu von einer Chamberlain-Krise. Wenn man den Spekulationen der Presse glauben kann, so ist die Lage augenblicklich die, daß von den 21 Kabinettsmitgliedern nicht weniger als 19 den Bruch mit Rußland befürworten. Baldwin steht allein anf der Gegenseite, während die Haltung Chamberlains zweifelhaft ist. Die meisten Zeitungen haben schon seit Beginn der letzten Woche das Umfallen Chamberlains registriert. „Observer" hält aber seine Ansicht aufrecht, daß Chamberlain von dem Innensckretär und dem Kriegssekretär überrumpelt worden ist. Für Baldwin ist die Lage nicht neu. Als 1923 die Diehards den Kampf gegen die politischen Fonds der Gewerkschaften befürworteten, hat sich Baldwin gegen die Pattei und fast das ganze Kabinett durchgesetzt. Ob ihm das heute noch möglich sein wird, ist zweifelhaft. Selbst der „Observer" ist skeptisch. Immerhin muß man, wie stets im englischen politischen Leben, mit Ueberraschungen rechnen. Die Entscheidung in London. London, 23. Mai. Heute nachmittag fand eine Dollsitznng des Kabinetts statt, die den Beratungen der Beziehungen zu Rußland galt. Es wird berichtet, daß der Innenminister seinen Ministerkollegen mttteilte, was er morgens im Unterhause über die Frage der Haussuchung im Arcosgebäude zu sagen gedenkt. Es verlautet ferner, daß auch die diplomatischen Folgen der Haussuchung und die entscheidende Fmge eines endgültigen Bruchs mit der Sowjetregierung wieder geprüft wurden. Es ist bisher nichts darüber bekannt, ob die Meinungsverschiedenheiten des Kabinetts über das zu verfolgende Verfahren beigelegt worden sind oder nicht. Der Entwurf des Foreign Office für die Antwott auf die Protestnote der Sowjetregierung lag dem Kabinett vor. Der Abschluß in Genf. Annahme des Gesamtberichts. Genf, 233. Mai. Die Tagung der Weltwirtschaftskonferenz ist am Montag gegen halb 7 Uhr mit einer Schlußansprache des Präsidenten Thennis geschlosfen worden. In der Schluß- sitzung nahm die Weltwirtschaftskonferenz de» Gesamtbericht an den BAKerbnndsrat einstimmig an. Der Gesamtbericht besteht aus dem Mantelbericht, sowie in Berichten der drei Kommissionen für Handel, Industrie und Landwirtschaft, die ohne Aenderungen angenommen wurden. — Ferner nahm die Konferenz einstimmig eine Entschließung über die Durchführung der Konferenz- beschlüsse an, in der sie, ohne direkte Vorschläge für die Schaffung einer Organisation zu machen, die Aufmerksamkett des Böl- kerbundsrates auf die Zusammensetzung und die Arbetten der vorbereitenden Wittschaftskommisston lenkt, die ausgezeichnete Vorarbeiten für die Konferenz' geleistet habe. Die Konferenz nahm ferner die am Samstag von dem Koordinationskomitee ausgcarbeitete Erklärung der sowjetrussischen Abordnung an, der lediglich ein Satz zugefügt worden ist, der besagt, daß die Mitglieder der sowjetrussischen Abordnung für eine Reihe von Entschließungen gestimmt hätten. Die übrigen Entschließungen^ hätten keinerlei Bezug auf Sowjetrußland. Zum Schluß der Aussprache sprach der franz. Bettreter, Loucheur, als 1. Vizepräsident allen Teilnehmern an der Konferenz seinen Dank aus. Er betonte die allgemein gewordene Ueberzeugung, daß der Völkerbund sich nicht nur mit politischen Fragen, sondern auch mit wirtschaftlichen Aufgaben zu befassen habe. In der Schlußansprache wies Präsident Theunis darauf hin, daß die drei großen Kommissionen wesentliches auf dem Wege zur Behebung der Wirtschaftskrise geleistet hätten. Alle Konferenzteilnehmer seien von dem Wunsche erfüllt gewesen, eine neue Aera des Wittschaftslebens herbeizuführen. Die Beseitigung aller Handelshemmungen sei für die Eittwicklung der Weltwittschaft von großer Bedeutung. Zur Herabsetzung der Zollschranken müßten die Staaten unverzüglich Maßnahmen er- greifm. Durch Wiederherstellung des allgemeinen Gefühls der Sicherheit müsse eine Herabsetzung der schweren finanziellen Lasten für die Rüstungen herbeigeführt werden. Heber die erzielten Erfolge könne die Weltwirtschaftskonferenz stolz sein. Aufgabe der Delegietten sei es nun, in ihren Ländern wetterzuarbeiten, um der Konferenz praktische Erfolge zu sichern. Er habe die feste Ueberzeugung, daß die Konferenz zur Sicherung des Friedens und zur Hebung des allgemeinen Wohlstandes beigetragen habe. Eine Erdbebenkatastrophe? Karlsruhe, 23. Mai. Die Erdbebenwatte des Naturwissenschaftlichen Vereins des Geodätischen Instituts der Technischen Hochschule Karlsruhe berichtet: In der Nacht von Sonntag auf Montag registrierten die Seismographen ein außerordentlich starkes Beben. Die ersten Wellen ttafen um 23,43,30 Uhr ein. Die zweiten Vorläufer erreichten um 23,52,07 Uhr die Stattvn. Die Oberflächenwellen waren so stark, daß die Registtteroorr:chtung der einen Komponente abgeworfeo wurde. Die Apparate waren zwei Stunden in Bewegung. Der Herd des Bebens liegt außerhalb Europas in einer Entfernung von nahezu 7000 Kilometern. Der Aufzeichnung nach dürste eine Katastrophe zu befürchten sein. Rewyork, 23. Mai. Die Erdbebenwatte in Washington registrierte gestern ein heftiges dreistündiges Beben in 8000 Meilen Entfernung. Das Beben ist das heftigste, das seit Jahren verzeichnet wurde, so daß die Nadel des Seismographen mehrmals vom Apparat absprang. Der Herd des Bebens ist unbekannt. Das Los der deutschen Kasernen. Berlin, 23. Mai. Bon dem Zeitpunkt der Auflösung der interalliierten Militärkonttollkommiffion ab hat die Reichsregierung bekanntlich die Garantie für eine Veräußerung oder langfristige Verpachtung der Kasernen und sonstigen militärischen Baulichkeiten des alten Heeres übernommen. In den Pariser Verhandlungen ist festgesetzt worden, daß die Veräußerung dieser etwa 60—80 Gebäude im Laufe von 5 Jahren erfolgen soll. Zuerst war für jedes Jahr ein festes Berkaufsprogramm aufgestellt worden. Vor der Durchfühmng eines solchen Iahresprogramms ist man jedoch abgekommen, da sich die Lage des Reiches gegenüber den Kausinteressenten un- günsttg gestaltet hätte. Diese glaubten nämlich, den Zwang, in dem sich das Reich befindet, ausnützen zu können. Infolgedesien ist eine Einigung deratt erzielt worden, daß jetzt zwischen den einzelnen Iahresprogrammen ein Austausch erfolgen kann. Nur die Endfrist von 5 Jahren wurde beibehalten. Zurzeit ist eine größere Anzahl dieser Gebäude von den Gemeinden gepachtet. Die Gemeinden haben aber wenig Neigung, die Kasernen endgültig zu übernehmen. Eine Konttolle der Botschafterkonferenz über die Durchführung der Vereinbarungen kommt nicht in Frage. Die Reichsregierung wird vielmehr von sich aus, wahrscheinlich anfangs des nächsten Jahres, den Mächten der Botschafterkonferenz eine Uebersicht über den Stand der Veräußerungen zugehen lassen. Die Bonner Beelhovenfeier. Bonn, 22. Mai. Im Rahmen des Deutschen Beethovenfestes gedachte heute die Vaterstadt Beethovens des 100. Todestages des genialen Meisters. Ein Festakt in der evang. Kirche und ein feierliches Hochamt in der Münsterkirche leitete den Tag ein. An dem Hochamt nahmen als Ehrengäste u. a. Reichskanzler Dr. Marx und der preußische Minister Dr. Hoepker-Aschoff teil. Unter den zahlreichen Vertretern fremder Staaten sah man auch den französischen Unterrichtsminister Hrrriot. Um IP/2 Uhr fand vor dem Beethovendenkmal auf dem Münsterplatz eine Feier statt, wobei der Oberbürgermeister der Stadt Bonn die Festgäste begrüßte. Er erinnette an die Enthüllung des Standbildes im Jahre 1815 zu einer Zeit, als Beethoven als Künstler noch eine sehr umstrittene Persönlichkeit war. Inzwischen habe sich der Sturm gelegt. Die Wurzeln der gesamten künstlerischen Persönlichkeit und ihres Wesens lägen am Rhein, zu dem Beethoven selbst bis in seine letzten Jahre sich immer wieder mit Begeisterung und Stolz bekannt habe. Beethoven habe von Wien sicherlich sehr viel empfangen, aber zum Oestreicher sei er nie ganz geworden. Der Redner schilderte dann die Jugendzeit und die Iugendeindrücke Beethovens in Bonn. Die schweren Jahre im Elternhaus hätten ihm für sein Leben Unverlierbares mitgegeben. Beethoven habe mit unvergänglicher Liebe an seinem Elternhaus und seiner Vaterstadt gehangen. Zum Zeichen des Gedenkens legte der Redner sodann einen Kranz vor Beethovens Denkmal nieder, der die Inschrist trägt: „Dem unsterblichen Sohn in nie sterbender Treue die Vaterstadt Bonn". Hierauf fand in der Beethovenhalle ein Festakt statt, der durch die Egmont-Ouoettüre unter Leitung des Generalmusikdirektors Prof. Hermann Abendroth-Köln eingeleitet wurdej, Nach Reichskanzler Dr. Acarx und Minister Dr. Becker sprach der österreichische Gesandte in Berlin, Frank, und überbrachte die Grüße der österreichischen Bundesregierung. Er erklätte, Betthoven sei Adoptivsohn Oesterreichs geworden und habe damit den Rhein und die Donau zum vermittelnden Band und verbindenden Rahmen gemacht. Dr. Köhler auf dem Preutzeutag des Zentrums. Berlin» 22. Mai. Auf dem preußischen Zentrumspatteitag betonte Reichsfinanzminister Dr .Köhler in der Aussprache, daß sich seine badische Heimat entschlossen zur Republik bekenne. Die Regierungskrise im Dezember habe die Sozialdemokratie dadurch herbeigefühtt, daß sie sich im gegebenen Augenblick nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung gestellt habe. Das Zentrum habe mehrere Koalitionen versucht und es sei ihm nicht leicht geworden, mit der Rechten eine Koalition einzugehen. Der Name Wilhelm Marx müsse zur Zurückweisung der Vorwürfe, das Zentrum sei im Reich reaktionär geworden, genügen. Dr. Köhler betonte mit Nachdruck, daß er nicht nach Berlin gegangen sei, um der Reaktion die Steigbügel zu halten. Im Reichskabinett fühle er sich als linker Flügelmann. Die Arbeit der neuen Regierung habe sich in den bisherigen vier Monaten als nicht so schlecht erwiesen, wie man zuerst vorausgesagt habe. Das Zentrum habe in weitem Maße seine Auffassung durchgesetzt. Auch beim Zolltarif werde die Regierung nicht auseinanderplatzen. Wegen des Republikschutzgesetzes meinte Dr. Köhler, daß vor einem halben Jahre wohl niemand an die Verlängerung dieses Gesetzes geglaubt hätte. Die Vereinfachung der ganzen Steuersysteme im Sinne einer organischen Fott- entwicklung sei in Angriff genommen. Die verarmte Wirtschaft könne den gesteigette« Verwaltungsapparat nicht mehr tragen. Die heutige Steueroerteilung entbehre noch der sozialen Gerechtigkeit. Die Auseinandersetzungen zwischen Reich und Preußen könnten aber kein Material dazu geben, um Parteisüppchen daran kochen zu können. In den vergangenen Tagen habe sich die Reichsregierung bemüht, keine Konfliktverschärfung eintreten zu lassen. In einer Zeit, wo das Reich die allergrößte Geschlossenheit des Volkes notwendig habe, sei es einer der größten Fehler^ ein Iahrhundette altes Problem aufzugreifen in der Meinung, es mit einigen Schlagwotten oder mit einigen roten Strichen auf der Landkatte lösen zu können. Für den Süden handele es sich nicht um das Problem Preußen, sondern um das Problem Süddeutschland. Das ganze Problem dürfe nicht nur vom preußischen Standpunkt aus betrachtet werden. Wenn auch di« Volksgenossen jenseits des Mains an Zahl weit geringer seien, so sollte man doch alles Inn, um der Wiederaufrichtung einer Mainlinir entgegenzuarbeiten. Die Gesetze der letzten vier Monate hätten ein wesentlich anderes Gesicht gehabt, wenn an ihnen . die Sozialdemokraten beteiligt gewesen wären. Nicht jeder, der jeden Tag Republik rufe, sei ein richtiger Republikaner. Das Zentrum im Reichstage, wie in der Reichsregierung arbeite Tag für Tag für das Vaterland in seiner heutigen Gestatt. Die Westerplatte. Neuer Streit zwischen Danzig und Polen. Danzig, 23. Mai. Ueber die Benutzung des polnischen Munitionsbcckens auf der Westerplatte sind zwischen Danzig und Polen Meinungsverschiedenheiten entstanden, da auf polnischer Seite die offenbare Absicht besteht, dem Munitionsbecken auf der Wester- platte exterritorialen Charakter zu geben. Die Polen weigern sich, die Ueberwachung der im Munitionsbecken zu entladenden Schiffe durch Danziger Organe oomehmen zu laffen. Danzig steht jedoch auf dem Standpunkt, daß vom Bölkerbundsrat ausdrücklich der territoriale Charakter der Westerplatte betont worden sei. Die Ueberwachung der Eicherungsmaßnahmen durch Danziger Organe ist nach der Auffassung Danzigs auch nötig, weil Danzig die öffentlich-rechtliche Verantwortung für alle etwa enfftehenden Schäden trägt. Der hohe Kommissar hat es abgelehnt, eine bindende Entscheidung zu treffen. Er hat vielmehr dem Völkerbundsrat das letzte Wort überlassen. Eine Zwischenentscheldung des Kommissars erscheint für Danzig nicht annehmbar. Kreistagswahlen in Danzig. 87 Deutsche, ein Pole gewählt. In den drei Danziger Landkreisen Danziger Niederung, Danziger Höhe und Gr. Werder, fanden am Sonntag die Neuwahlen zu den einzelnen Kreisoertretungen statt. Unter 68 Abgeordneten der drei Landkreise wurden 67 deutsche und nur ein einziger polnischer Abgeordneter gewählt, dieser im Kreise Danziger Höhe. Die Stimmenzahl der Polen ist gegenüber den Parlamentswahlen von 1923 um 1162 zurückgegangen. Es wurden gewählt: 21 Deutschnattonale, neun Zentrumsleute, zwei Vertreter des Bauernbundes, ein Vertreter der Fischer, 23 Sozialdemokraten, sieben Kommunisten, vier Deutsch- Danziger Bolkspartei und ein Bettreter der Polen. Die Tangerverhandlungen. Paris, 23. Mai. Im Laufe dieser Woche werden die spanisch-französischen Tangeroerhandlungen, die seit Wochen unterbrochen waren, wieder ausgenommen. Es scheint, daß Chamberlain Briand in London den Wunsch ausgedrückt hat, sobald als möglich diese Angelegenheit zu besettigen. Trotzdem sieht man in Paris nicht ein, wie man zu einer baldigen Regelung gelangen könnte. Spanien sei zwar geneigt, die Tangerzone räumlich zu verringern, aber es wünsche immer noch dott zu dominieren. Man nehme aber an, daß der spanische erste Delegiette, der nach Paris unterwegs sei, Instruktionen mitbringe, die eine Per» ständigung ermöglichen. Die Befriedung Europas. Was wird Frankreich tun? Paris, 22. Mai. Das „Echo de Paris" stellt heute die Frage: „Was wird Frankreich tun, wenn England mit den Sowjtts zum Bruch kommt?" Das englische Vorgehen werde die Lage zwischen Moskau und Paris etwas klären können; unter Umständen könne man den Sowjets den Kredit, den sie zur Regulierung ihrer Schulden forderten, nicht gewähren und man müßte auch einen Grund finden, die seit 18 Monaten ge- fühtten Verhandlungen mtt Rußland abzubrechen. Aber> für Frankreich werde durch einen Bruch Londons mit Moskau eine neue Frage gestellt. Das Foreign Office werde, wenn es die Beziehungen mit Rußland löse, sich um einen kontinentalen Block bemühen, d. h., es werde auch Deutschland zu gewinnen versuchen. Aber jede Erleichterung, die man Deutschland gewähre, komme auch Rußland zugute. Das „Echo de Patts" bestätigt damit, was der ehemalige italienische Ministerpräsident Nittt schon 1922 Europa zurief: „Europa wird nicht befriedet werden, wenn nicht Deutschland und Rußland an diesem Werk beteiligt sind!" Pariser Sterndeuter. Mttilrne« bei Briand. — Der amtliche Bericht. Paris, 23. Mai. Der rumänische Außenminister Mitileneu, der in Paris eingetroffen ist, wurde Samstag mittag von Briand empfangen, -er ihn zum Frühstück einlud. An diesen Besuch werden gewisse Kombinationen geknüpft. Es wird behauptet, Mitileneu sei gekommen, um der französischen Regierung die Versicherung zu geben, daß trotz des Techtelmechtels mit Mussolini er der alten Politik der Kleinen Entente und der Freundschaft Nr. 82. Jahrgang 1927 . Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Dienstag, den 24. Mai 1927. mit Frankreich treu bleiben werde. Andere wieder erklären, es handle sich um einen privaten Besuch eines Mannes, der über zehn Fahre französische Schulen besucht habe. Nicht uninteressant allerdings ist, daß der Außenpolitiker des „Journal des Debats" in einer recht beachtlichen Betrachtung die französische Oeffentlichkeit daraus hinweist, daß Frankreich es gar nicht nötig habe, um Freundschaft bei seinen Nachbarn nachzusuchen, da es ja die Kleine Entente uno Polen an seiner Seite habe, Soll das etwa eine Warnung für England sein und soll man damus schließen, daß die Unterredung Ehamberlain-Briand doch nicht so günstig ausgegangen ist, wie man das erwartet hat? Zum mindesten ist es auffallend, daß eines der ernstesten französischen Blätter gerade in dem Augenblick, in dem man betont, daß die entente cordiale eine Auffrischung erfahren habe, mit derartigen kleinen Druckmitteln vorzugehen sich verpflichtet hält. Im übrigen hat man über die Unterredung Ehamberlain-Briand in Paris noch nichts weiter gehört. Im amtlichen Bericht über den heutigen Kabinettsrat wird lediglich gesagt, der Präsident der Republik und Briano hätten Bericht erstattet und wiederum den außerordentlich günstigen Eindruck, den sie von ihrem Besuch empfangen hätten, festgestellt. Schweizer Kredite für Rutzland. Genf, 23. Mai. Ueber dem vielen Gerede wegen der noch sehr in der Lust schwebenden russisch-amerikanischen Verhandlungen ist wenig beachtet worden, daß in aller Stille die russischen Delegierten Ihre Anwesenheit in Genf zu recht weit gediehenen Verhandlungen mit vier der größten Schweizer Banken benutzt haben. Es handelt sich um ziemlich bedeutende Kredite, die zur Finanzierung schweizerischer Lieferungen, besonders von Präzisionsmaschinen und Uhren, nach Rußland benutzt werden sollen. i Europäische Gedanken und Ranke ', Von unserem Berliner H. R. F.-Vertreter Der Besuch des französischen Staatspräsidenten Dou- mergues und des Außenminister Aristide Briünd beim König von England hat zu vielen Erörterungen in der Welt- preffe Anlaß gegeben. Man h,-t viele Vermutungen an diesen Besuch und namentlich an die Teilnahme BriandS geknüpft. In zahlreichen Leitartikeln der Presse aller Länder wurde von der neuerstanüenen Entente cordial gesprochen und hervorgehoben, daß dieser Besuch eine neue gemeinsame Aktivität der englisch-französischen Politik eingreifen wird. Meines Erachtens darf man jedoch dem Präsidentenbesuch in Lendon keine andere als formelle Bedeutung beimessen. Wenn ich die Berichte der Londoner Festlichkeiten zu Ehren der französischen Gäste lese, muß ich unwillkürlich an die Vermählungsfeierlichkeit der deutschen Kaiserstochter denken, als sich die gekrönten Staatsoberhäupter der europäischen Länder als Gäste des Berliner Hofes in der deutschen Reichshauptstadt einfanden und Worte herzlichster Freundschaft untereinander gewechselt wurden. Inzwischen ballten sich schon am politischen Horizont Europas die ersten bedrohlichen Gewitterwolken, die dann zu der furchtbaren Entladung führten, die 4!4 Jahre hindurch die Völker der Welt in einen Menschen und Werte vernichtenden Krieg stürzte. Freilich ist der Weltkrieg der beste Lehrmeister für den Frieden gewesen und sobald wird es keine Nation wagen, eine neue, vielleicht noch viel furchtbarere Katastrophe heraufzubeschwören. Immerhin birgt die englische Ruß- lundpolitik die größten Gefahren für den Weltfrieden und der französische Staatsbesuch in London hat immerhin die Folge, daß sich bereits schon jetzt eine durch schroffes Verhalten der englischen und französischen Vertreter in Genf gekennzeichnete antirussische Front bemerkbar macht. Ebenso verhängnisvoll sind die Aeutzerungen der italienischen Presse, die eine tatsächliche Garantie für den Weltfrieden lediglich in einem festen Zusammenhalten des Blockes der Sieger erblicken. Man sollte annehmen, daß kein gerechtdenkender Mensch noch einen Zweifel an der unerhörten Ungerechtigkeit des Vertrages von Versailles und alle von ihm abgeleiteten Verträge trägt, durch die Europa in zwei scharf voneinander getrennte Teile, der Sieger und der Bestegten zerlegt wurde. Ebenso weiß alle Welt, daß diese Verträge nicht die wahren Erhalter und Sicherer des Friedens sein können. Die Beziehungen zwischen Völkern werden letzten Endes von den Interessen und den Gefühlen geregelt. Man sollte' annehmen, daß die europäischen Nationen heute sämtliche anerkannt haben, daß ihre Interessen gemeinsame geworden sind. Der Krieg hat die Welt- ftellung Europas aufs schwerste erschüttert. Unter dieser Verminderung der politischen und wirtschaftlichen Geltung haben alle europäischen kontinentalen Staaten, die Sieger Sieger ebenso wie die Besiegten, in gleichem Maße zu leiden. Das einstmals geachtete, die Welt beherrschende Eu- Anatol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 3) (Nachdruck verboten.) „Was hat er denn verbrochen, er hat wohl gestohlen?" fragte Anatol einen älteren Mann neben sich, anscheinend ein Kassenbote oder Bureaudiener. „Ach, wenn er nur gestohlen hätte," meinte der andere leichthin, „das wäre nicht das Allerschlimmste. Nein, das Messer hat er gegen den eigenen Vater gezogen, den eigenen Vater hat er gestochen: die Menschen, die es mit angesehen, wollten ihn zerreißen. Sie sollen in Streit geraten sein; der Bengel ist natürlich an Tunichtgut und zu allen schlechten Streichen zu haben. Der Vater wird wohl hinter irgend etwas gekommen fein. Statt nun aber reuig und bescheiden um Verzeihung zu bitten, wird das Messer gezogen. Eine gottlose Jugend heutzutage!" Die Schutzleute führten den Gefangenen durch das Tor des Amtsgerichts, das Publikum, welches neugierig nach- eben wollte, zurückdrängend, und fort ging der Weg über oen Hof in den Seitenflügel» in dem sich die Zellen für die Untersuchungsgefangenen befanden. Da es nichts mehr zu sehen gab, verliefen sich die Menschen, und Anatol stand allein vor dem Amtsgericht. Die eben erlebte Szene hatte ihre Wirkung auf ihn nicht verfehlt, noch mehr aber als diese waren es die Worts des neben ihm Herschreitenden gewesen, die wie ein reinigender Gewittersturm den schwülen Nebel, der auf seiner Seele lagerte, zerteilt und hinweggeweht hatten. Anatol schritt langsam vorwärts, unbewußt die Richtung einschlagend. welche auf den Heimweg führte. Wenn der Stiefvater ihn nur nicht einen Verbrecher genannt hätte; dies grausame Wort konnte er nicht verschmerzen. Doch hatte er nicht hierzu den Anlaß gegeben, indem er das Zeugnis für den Freund gefälscht? So ganz und gar war er doch wohl nicht im Recht, wie er erst geglaubt. Sein allzu großes Mitleid mit dem armen Fritz hatte ihm wieder einen Streich gespielt. ropa ist heute beinahe für bas Mitleid dankbar, das ihm die außereuropäische Welt > rlegentlich entgegenbringt. Wenn die Regierungen der opäischen Mächte erkannt haben, daß alle Nationen unje...s Kontinents durch unlösbar gewordene gemeinsame Interessen heute miteinander verbunden sind, so sollte man entschlossen davon Abstand nehmen, durch irgendwelche Kampagnen den kaum nieüergezwunge- nen Brand wieder aufs neue zu schüren. Es wäre gut, wenn sich die beiden Staatsmänner in London über die Revision der Triumphverträge und das Abrüstungsproblem unterhalten, hätten: aber leider sprechen einige Wendungen in der Außenpolitik beider Länder nur zu deutlich davon, daß man sich in London andere Dinge zu sagen hatte. Europa braucht den Frieden, wenn es weiterleben will. Der beste Garant für den Frieden aber ist eine Politik der Ehrlichkeit und eine Beseitigung des immer furchtbarer werdenden Kriegsinstruments, des Militarismus. Als . man im Vertrage von Versailles Deutschland zwang, abzurüsten, gab man auch im gegnerischen Lager das feierliche Versprechen, der deutschen Abrüstung zu folgen. Heute ist Deutschland wehrlos. Die letzten fachmännischen Nachprüfungen haben einwandfrei ergeb-n, daß das Reich nicht einmal in der Lage ist, mit der gegenwärtigen Truppenmacht die Reichsgrenzen gegen einen feindlichen Angriff zu verteidigen. Von der deutschen H:eresmacht kann sich also wirklich im Ausland niemand mehr bedroht fühlen. Sie kann sich in gar keinen kriegerischen Konflikt mehr ein- laffcn, selbst wen sie es wollte. Ich wies im ersten Abschnitt dieser Ausführungen darauf hin, daß der Staatsbesuch in London so verwandt an die großen Staatsbesuche in Berlin vor Ausbruch des Weltkrieges a nklingt. Das liegt vor allen Dingen daran, daß die politische Entwicklung der damaligen Zeit der Gegenwart außer- ordentlich ähnelt. Wir leben wieder in einer ständig kriselnden politischen Atmosphäre und die Mächte haben sich, wie im Jahre 1911, in ein fieberhaftes Wettrüsten eingelassen. Wenn es nicht gelingt, aus den Händen der von chauvinistischem Ehrgeiz getriebenen Staatsmänner und der nur allzuleicht nationalistischer Leidenschaft erfaßte Völker die Waffen zu reißen, die einen Krieg ermöglichen, werden wir evtl, damit rechnen müssen, daß Europa bald wieder daran geht, sich gegenseitig zu zerfleischen. Ein neuer europäischer Krieg aber würde die Existenz des gesamten Kontinents bedrohen und — stürzt Europa in den Abgrund — auch die europäische Zivilisation vernichten, die das Gebäude des menschlichen Lebens und Wirkens der Gegenwart ist. Hoffen wir darum, daß die englisch-französischen Londoner Gespräche, wenn sie tatsächlich hier die Weltpolitik oder die politische Entwicklung des europäischen Kontinents zu entscheidenden Entschlüssen geführt haben, nur das Ziel hatten, einem gerechten Frieden zu dienen. Die Lage Europas bietet allen Grund zu ernsthafter Besorgnis und droht mit dem Untergang, wenn es nicht gelingt, Mittel und Wege zu finden, durch die die moralische Einheit Europas aufgebaut und die Solidarität im wirtschaftlichen Leben neu begründet werden kann. ' Aus Nah und Fern. -w Sinsheim, 24. Mai. (Pächterversammlung.) Der Verband bad. Gutspächter hatte auf Sonntag Nachmittag in die Bahnhofrestauration hier eine Werbeversammlung einberufen, die von den Pächtern des Bezirks gut besucht war. Der Vorsitzende des Verbandes, Herr Genemldirektor Dr. Müller-Wag- häusel, leitete die Versammlung. Oekonomiemt Bielhauer-Karls- ruhe berichtete über Zweck und Ziele des Verbandes: Rechtsanwalt Echön-Karlsruhe sprach über Pachtrecht und Pachtschutz und die bad. Pachtschutzordnung, Bankdirektor v. Eleve-Stutt- gart über die Neuregelung des Pächterkredits. In der Aussprache, die sich an die Berichte anschloß, kamen die Frage der Aus- wettung von Pächterkautionen insbesondere zur Sprache, sowie die Erfahrungen bei der Kreditgewährung. Der Aufforderung, dem Pachtverbande beizutreten, wurde von einer großen Zahl entsprochen. Als der Vorsitzende mit einem warmherzigen Appell zu einem restlosen Zusammenschluß die Versammlung beendete, folgte reicher Beifall der anwesenden Pächter. Der Verband umfaßt heute rund 100 Mitglieder mit 10 000 ha bewirtschafteter Fläche. * Sinsheim, - . Mai. (Warnung.) Die Firma „Credit Hollandais", vor welcher schon wiederholt gewarnt wurde, macht sich in neuerer Zeit wieder besonders im badischen Oberlande bemerkbar. Das Unternehmen vettreibt Anteilscheine nach dem sogen. Hydra- oder Schneeballensystem. Es wird hiermit nochmals dringend vor der Beteiligung an dieser unerlaubten Ausspielung gewarnt und darauf hingewiesen, daß auch das Mitspielen an dieser unerlaubten Ausspielung strafbar ist. Und wenn er jetzt nicht nach Hause zurückkehrte, was wollte er dann beginnen? Anatol schauderte — seine Schritte wurden immer schneller, nur eine knappe Straßenlänge noch trennte ihn von dem schützenden Dache. Er wußte jetzt, wie er es machen wollte. Er würde den Stiefvater um Verzeihung bitten, daß er sich zu respektwid- rigen Aeußerungen hatte verleiten lassen, er wollte versprechen. allezeit der beste und musterhafteste Sohn zu sein, wenn derselbe davon absähe, ihn in eine Besserungsanstalt bringen zu lassen. Diese Sprache würde den Greis versöhnen. denn sein heißblütiger Kopf, ihm gegenüber, hatte ihn noch nie ein Zugeständnis, eine Abbitte aussprechen lassen. Jetzt bog Anatol in den Torweg des Vorderhauses ein und spähte nach den kleinen Fenstern des freundlichen Häuschens, das ihm wie eine Kapelle erschien, da feine Mutter dort gelebt und dort gestorben. Niemand war an den Fenstern zu sehen; wahrscheinlich befanden sich Vater und Bruder bei der Abendmahlzeit — die Turmuhr deutete auf halb sieben. Jetzt konnte er unmöglich plötzlich eintreten, die spöttische Begrüßung lag so nahe: „Aha, jetzt kann er sich einfinden; wenn der Hunger sich meldet, schmeckt es ganz gut an dem Tisch des „bis zum Tode gehaßten Stiefvaters." Hätte Anatol geahnt, daß Balldorf schon unzählige Male nach ihm gerufen, daß er die Magd schon am Vormittag ausgeschickt, ihn suchen zu lassen, daß er in größter Besorgnis um den Verbleib des Knaben war, daß er nur noch sein Wohl, sein Glück im Auge hatte — 0 , hätte er das gewußt — glückselig wäre er hinaufgestürmt und hätte mit zitternder Stimme gerufen: „Vergib mir, vergib mir — so viel Güte verdiene ich nicht!" Die Fenster scheu im Auge, schlich Anatol langsam näher. Halt — er wußte, wo er blieb, wo er sich versteckte, bis es völlig dunkel geworden. Anatol trug den Schlüssel zum Schuppen noch bei sich, aus welchem er heute morgen ein Versatzstück, welches eingelöst wurde, hatte holen müssen. Der Knabe schloß leise auf. verrieaelte die Tür von innen * Sinsheim, 24. Mai. (Acht Züge suchen einen Namen.) Die Deutsche Reichsbahn hat sich zur Namensfindung für ihre acht FD-Züge (die vier strahlenförmig von Berlin nach Hamburg, Köln, Frankfurt—Heidelberg und München gehenden und die vier Querverbindungen Holland—Hamburg, Holland—Berlin, Holland—München und Holland—Schweiz) mit dem Mlstein- Reisebureau verbündet, das in der neuesten Nummer der „Berl. Illustrierten" ein Preisausschreiben vemnstaltet. Die preisgekrönten Namen werden nicht nur von den Zügen geführt, sondern auch in das Reichskursbuch ausgenommen. Das Preisrichterkollegium hat sich für seine umfangreiche Aufgabe die Mithilfe des Pressechefs der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Dr. Baumann, gesichert. S Waibftadt, 23. Mai. (Goldene Hochzeit.) Der Sparkassenrechner a. D. August Boppre und dessen Gemahlin Anna geb. Berger können heute in voller geistiger und körperlicher Gesundheit und Frische das schöne Fest der goldenen Hochzeit begehen. Der Jubilar war lange Jahre Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr seiner Vaterstadt Waibftadt und ist heute noch Ehrenkommandant des Korps. i Neidenstein, 23. Mai. (Brand.) Am Samstag abend ist die Schreinerwerkstätte von Schreiner Streib niedergebrannt. Das angebaute Wohnhaus konnte gerettet werden. Als Brandursache vermutet man Kurzschluß. Erst vor einigen Tagen hat Streib eine neue Maschine aufgestellt. Der Geschädigte ist versichert. * Kirchardt, 24. Mai. (Das Schau- und Werbeturnfest) des hiesigen Turnvereins „Gut Heil" verlief in schönster, programmäßiger Weise. Zahlreiche Festteilnehmer u. a. die Turnvereine von Wimpfen und Rappenau, hatten sich eingefunden. Am Vormittage fand der Staffellaus der 3 Vereine um den gestifteten Wanderpreis und die weiter gestifteten Preise statt, an dem die Bevölkerung reges Interesse entfaltete. Um 9 Uhr beteiligten sich dann die Turner an den Gottesdiensten beider Konfessionen. Nach Beendigung derselben wurden die verschiedenen Wettläufe fortgesetzt, an die sich dann eine Mittagspause anschloß. Gegen halb 3 Uhr bewegten sich die Turner, sowie alle hiesigen Vereine, in einem Festzuge unter den Klängen der hiesigen Musik durch die Ortsstratzen zum idyllisch gelegenen Festplatze im Schall'schen Garten. Dott herrschte bald reges Leben und Treiben. Nach einem schneidigen Marsche der Musik erfreute der Gesangverein „Sängerbund" durch ein klangschön zum Bortrag gebrachtes Lied, dem dann die Begrüßungsansprache durch den Vorsitzenden des hiesigen Turnvereins, Herrn Georg Bender, folgte. Bei Musik- u. Gesangsvotträgen, sowie turnerischen Darbietungen des hiesigen Turnvereins, wie der Damenriege das Turnvereins Wimpfen, vergingen die Stunden nur zu rasch. Berschiedenemal wurde die Festversammlung durch Regenschauer auseinandergesprengt, aber die rrestteilnehmer waren durchweg alle standhaft und flüchteten während des Regens in die Halle oder suchten sonstwo in der Nähe Schutz, um jedoch wieder, nachdem die ersten Sonnenstrahlen hinter den schwarzen Wolken hervorblickten, sich auf dem Festpkrtz zu begeben. Um 4 Uhr wurde zur Preisverteilung geschritten, die durch den Vorsitzenden des Turnvereins Rappenau, Herrn Hch. Braun, vorgenommen wurde. Als Sieger des Wanderpreises (3000 Meter-Staffel) ging der Turnverein Wimpfen hervor, 2. Sieger Turnverein Rappenau und 3. Sieger Turnverein Kirchardt. Im 3000 Meter Einzellauf siegte Otto von Langen; im 800 Mtr.-Lauf Alfred Maißenhelder und im 100 Mtr.-Lauf Karl Belzner alle vom Turnverein Wimpfen. Im Weitsprung ging Rudolf Truntzer vom Turnverein Kirchardt und im Kugelstoßen Fritz Zimmermann vom Turnverein Rappenau als Sieger hervor. Mit einer Tanz-Unterhaltung am Abend fand das Werbeiurnen seinen Abschluß. % Bad Rappenau, 24. Mai. (Verschiedenes.) In vergangener Woche unterzogen sich die Bäcker Emil Dörzbach und Paul Schmid sowie der Sattler Hermann Roser in Heidelberg der Meisterprüfung, die alle drei Prüflinge mit gutem Erfolge bestanden. — Die hiesige Einwohnerschaft wurde Sonntag früh durch Alarmsignale aus dem Schlafe geweckt. Gar mancher Bewohner dürfte wohl zum Himmel emporgeblickt haben, ob er nickst einen Feuerschein am Firmament bemerkte. Dem war glücklicherweise nicht so, denn es handelte sich um eine Probealarmierung der hiesigen freiw. Feuerwehr. In kurzer Zeit hatte sich das Korps vor dem Spritzenhause versammelt und in raschem Tempo gings mit den Geräten die Salinenstraße entlang zur Gutsverwaltung, wo dann eine Uebung stattfand. Die Alarmierung zeugte von einer jederzeitigen Bereitschaft der Wehr. £ Gaiberg, 23. Mai. (Ein Ueberfall.) Am Freitag vormittag wurde eine hiesige 28 jährige Wttwe, die im Heidelberger Stadtwald Kulturarbeiten ausführen wollte, in der Nähe des Kümmelbacherhofes bei der Abzweigung des Winterhallenweges von einem ungefähr 50 Jahre alten (anscheinend ein Handwerksbursche) Mann mit großem Batt, ohne Kopfbedeckung, ohne wieder und sank hier, tödlich ermüdet, auf einige Stoffballen nieder, die auf ausgebreitetem Packpapier lagen. Trübes Licht fiel durch ein ganz kleines Fensterchen, den ungastlichen Raum nur mit einem schwachen Schimmer durchdringend. Ein Gefühl dumpfer Schläfrigkeit bemächtigte sich seiner, immer langsamer und träger reihten sich die Gedanken aneinander, aber immer noch gruppierten sie sich um das Erlebnis am Nachmittag. Wie konnte ein Sohn es über das Herz bringen, nach dem Vater zu stechen? Die Müdigkeit überwältigte den Knaben, er schlief ein. Dennoch glaubte Anatol vollständig munter zu sein, glaubte den weitgeöffneten Blick auf das kleine Fenster in der Schuppenwand zu richten. Hinter der Scheibe, die ihm jetzt nicht trübe erschien, sondern glänzte und spiegelte wie geschliffenes Kristallglas, wähnte er ein schönes, jugendliches Gesicht zu sehen, dessen Augen ihn mit wehmütiger Freundlichkeit betrachteten. Wer war denn das? Das war ja sein Stiefvater! Wie hatte der alte Mann sich verändert — er lächelte und nickte ihm herzlich zu — im nächsten Augenblick aber verdrängte ein Ausdruck höchster Angst das Lächeln von den seltsam verwandelten Zügen und eine laute Stimme rief in beschwörendem Ton: „Anatol, Anatol, armes Kind, komm schnell zu mir, sonst ist es zu spät!" - Anatol ermunterte sich, er sprang auf und blickte umher. Es war ganz dunkel geworden, er tastete sich vorwärts bis zur Tür, während er noch immer glaubte rufen zu hören: „Anatol — Anatol!" Er stürmte hinaus? Doch — was war das? Ein gellender Schreckensruf. dumpfe, polternde Töne, dann schmerzliche Jammerlaute und alles war wieder still. Drittes Kapitel. Ludolf, welcher gleich dem Stiefvater heimlich glaubte, der Bruder habe sich aus Furcht vor der Anstalt ein Leid Dienstag, den 24. Mai 1927. Nr. 82. Jahrgang 1927. Kragen, ungefähr 1,70 Meter groß, angefallen und ihr die Kleider vom Oberkörper gerissen, wahrscheinlich wegen eines beabsichtigten Sittlichkeitsverbrechens. Die Frau wehrte sich energisch und versetzte dem Rohling einen Tritt, daß er rücklings zu Boden stürzte. Dabei ergriff sie die Flucht und eilte nach Gaiberg. Dadurch konnte der Täter entfliehen. Vermutlich war er nachmittags gegen drei Uhr an der Bahnstation Schlierbach und erkundigte sich nach einem Zug ngch Sinsheim. Bis jetzt ist seine Derhastung noch von nirgends gemeldet. G Neckargemünd, 23. Mai. (Grundstücksverkauf.) Die Firma 2. F. Mcnzer hier verkaufte von ihrem Besitz ein gerößeres zusammenhängendes Stück Gelände (Ackerland. Wiesen und Wald beim „Windrad" südlich der Odenwaldbahn) an Dr. Münch, Beamter der Anilinfabrik in Ludwigshasen. Die herrliche Lage eignet sich und bietet Platz zur Erstellung mehrerer Villen mit großartiger Aussicht. X Neckargerach, 23. Mai. (Dorfchronik). Eine ckiche geschichtliche Vergangenheit hat unsere Gemeinde, welche zu den aufstrebendsten Dörfern im Neckartal gehört. Geraha, wie es zur Zeit der Frankenkönig« hieß, gehörte mit der Abtei Mosbach 978 zum Domstift Worms und kam dann später an die Kurpfalz bei Rhein, worauf heute noch das Gemeindewappen hindeutet. Mit den Nek- kartalgemeinden Eberbach, Echollbrunn, Igelsbach. Pleitersbach und Nrckarwimmersbach bildete es unter kurpfälzischer Herrschaft die Kellerei Eberbach, gehörte zu dessen Zehnt und der einstigen Hohenstaufenburg. Die meisten der alten Fachwerkhäuser sind heute übertüncht und die alte, schon 1330 erwähnte Pfarrkirche, welche dem heiligen Kilian geweiht svar, wurde 1849 durch den jetzigen Neubau ersetzt. Jährlich kam von der Amtsvogtei Zwingenberg der Hühner- Faut (Hühnervogt), eine wenig beliebte Persönlichkeit, und holte sich an Fastnacht und zur Erntezeit bei jeder Familie ein Huhn und am Andreastag ein kleines Bündlein Flachs^ Das heutige benachbarte Lindach gehörte früher zu Gerach und beide Gemeinden hatten vor 150 Jahren bei einer Familienzahl von 120 im Ganzen 602 Einwohner. °°» Aus dem Neckartal, 23. Mai. (Bon der Landwirtschaft.) Der einsetzende Mairegen wurde von allen Landwirten sehnlichst herbeigewünscht, da ein Stillstand aller Feldgeschäfte eingetreten und die Fortentwicklung besonders bei den Halmfrüchten keine besonders gute war. Jetzt kann die zweite Kopfdünger- gabe gegeben werden. Die Frühkartoffeln sind auf und können jetzt gehackt werden, desgleichen die fcldmäßig angebauten Erbsen. Mais, Gurken und Bohnen können keimen. Die Wiesen verfügen dieses Jahr über einen guten Heugrasstand, sodaß mit einer guten Heuernte zu rechnen ist. Die Baumblüte ist ebenfalls ganz durch. Der Ansatz beim Steinobst und Birnen ist sehr gut. Leider haben Aepfel und Nüsse in gewissen Lagen durch die Kälte Schaden gelitten. § Heidelberg, 24. Mai. (Die erste Schloßbeleuchtung) mit Brückenbeleuchtung, jedoch wahrscheinlich ohne Feuerwerk, findet am Himmelsiahrtstag (Donnerstag, den 26. Mai) statt. Am Samstag abend war aus Anlaß einer Tagung die Rückseite des Schlosses beleuchtet. Bon oben her gesehen — die Tagungsteilnehmer befanden sich auf der Molkenkur — bot die Beleuchtung ein prachtvolles Bild. Auch das nachfolgende auf dem Schloß abgebrannte Feuerwerk, machte einen guten Eindruck, obgleich es wohl von der Stadt her gesehen, also von unten, eine noch weit bessere Wirkung hatte. Die Feuergarben und Raketen nahmen sich von dort gegen den dunklen Wald ganz besonders schön aus, und oft hoben sie Schloß und Umgebung in märchenhafter Pracht für einige Sekunden aus der schwarzen Umgebung heraus. @ Mannheim, 23. Mai. (Erhöhung der Hundesteuer.) Der Bürgerausschuß stimmte mit Mehrheit einer Erhöhung des gemeindlichen Zuschlags zur Hundesteuer auf 48 Mk. für den ersten und 96 Mark für den zweiten Hund zu. j Weinheim, 24. Mai. (Schlechte Kirschenernte.) Wie aus den Hauptkjrfchenorten der Bergstmße (Dossenheim, Schriesheim usw.) verlautet, ist die Frühkirschenernte so gut wie vernichtet und zwar infolge der naßkalten Witterung während der Blütezeit: auch für andere Orte der Bergstraße ist dies der Fall. Für Spätkirschen sind die Aussichten etwas besser und man kann auf eine mittelmäßige Ernte rechnen. Eine gute Ernte erhofft man dagegen bei Pflaumen, Zwetschen, Birnen und Aepfeln. cf Mosbach, 24. Mai. (Mittelalterliches Stadtbild.) Der staatliche Denkmalpfleger Oberbaurat Dr. Schmieder aus Heidelberg scheut keine Mühe und keine Opfer, um unserer Stadt ihr altertümliches Gepräge zu erhalten. So wurden in den letzten Wochen wieder eine ganze Anzahl Fachwerkbauten frei- gelegt, sodaß über 40 Häuser ihr Aussehen von früher wieder haben. Auch eine ganze Anzahl der bereits freigelegten Häuser D« Landbste 4- Sinshrimer Zeitung. erhielt ein farbenprächtiges Gewand, so daß Hauptstraße und die winkeligen Nebengassen ein herrliches Bild für jeden Besucher bieten. Sowohl die hiesige Stadtverwaltung als auch der badische Staat hat dieser Denkmalpflege ihre wertvolle finanzielle Hilfe angedeihen lassen. cf Boxberg, 24. Mai. (Ein Münzenfund. — Einbruch.) Im nahen Epplingen wurden beim Abbruch des Wohnhauses des Landwirts Linder etwa 60 Münzen gefunden, die teilweise in Säckchen eingebunden waren. Einige davon sind aus Silber und Gold. Das älteste Stück ist aus dem Jahre 1726. — Im nahen Sachsenflur wurde in die Wirtschaft „Zur Schillerhalle" «ingebrochen. Die Diebe machten es sich bei Bier und Wein gemütlich und entnahmen der Kasse 20 Mark. Schneestürme in Schwarzwald. Im Zusammenhang mit ergiebigen Gewitterregen ist im Schwarzwald seit Samstag die Temperatur ständig gesunken. Heute nacht betrug sie auf dem Feldberg annähernd 2 Grad unter Null, während tagsüber nur etwa 5 bis 6 Grad Wärme herrschten. In den höheren Lagen des Schwarzwaldes ist Schnee niedergegangen. Ans der Spur eines Verbrechens? Franksnrt a. M., 20. Mai. Gestern fand auf dem Born- heimer Friedhof die Exhumierung einer Fraueuleiche statt, die Ende Dezember vergangenen Jahres aus dem Main ge- ländet wurde. Es haben sich nämlich in den letzten Tagen Verdachtsmomente erg-^"n, daß die Frau eines unnatürlichen Todes gestorben sei. Man stellt diesen Fall in Beziehung zu dem auffallenden Tod eines jungen Mädchens, das im Januar ganz plötzlich verstarb. Bei der Untersuchung dieses Mädchens fand man damals größere Mengen Arsen im Körper. Nach der gestrigen Ausgrabung fand auf dem Hauptfriedhof die gerichtsärztliche Sektion statt, deren Ergebnis noch nicht vorliegt. Falls die chemische Untersuchung auch hier Arsen oder ähnliches Gift feststellt, ist anzunehmen, daß in beiden Fällen ein Verbrechen desselben Täters vorliegt. Wollen Sie eine Insel kaufen Ei» Lilipnt-Köuigreich für 800 Mark. Das Marineministerium der französischen Republik bietet 14 Inseln, die der Schatzkammer des Staates gehören, feil. 14 Inseln sind zu äußerst günstigen Bedingungen zu kaufen. Man hat nicht jeden Tag Gelegenheit, eine Insel zu erwerben, noch weniger, eine Auswahl in einer ganzen Kollektion von Inseln treffen zu können! Am allerwenigsten aber eine kleine Kolonie, oder wenn man will, sogar ein eigenes Königreich um einen Pappenstiel zu erwerben. Man möchte daher meinen, daß es einen unerhörten Andrang kauflustiger Leute aus aller Weit in der zuständigen Sektion des Marineministeriums geben werde, Leute, die um jeden Preis eine eigene Insel haben wollen, werden sich anstellen und einen förmlichen Faustkamps ausfechten, um ja nicht von einem Mitbewerber verdrängt zu werden. Besonders reiche Amerikaner werden es sich nicht nehmen lassen, um einige Dollar in den Besitz einer eigenen Insel zu gelangen. In Wirklichkeit spielt sich die Angelegenheit aber ganz anders ab. Bisher hat sich noch kein einziger Bewerber gemeldet, weder ein Franzose noch ein Ausländer: die Nachfrage nach verfügbaren und „sofort greifbaren" Inseln scheint bei weitem nicht so groß zu sein wie das Angebot. Fünf der 14 Inseln liegen unweit von der großen Hafenstadt Le Havre. Eine sechste bei Dünkirchen, zwei andere nördlich von der Küste der Bretagne. Tie übrigen werden von den Wogen des Mittelmeeres umspült und eine ist sogar nur einige hundert Kilometer von Korsika entfernt. Auf dieser Insel gibt es eine wilde tropische Natur, an der jeder Maler oder Kunstkenner seine helle Freude finden würde. Was sonst auf der Insel zu finden ist, steht nicht fest. Vielleicht hausen in einer der Felshöhlen im Innern des kleinen Jnselreiches noch waschechte Banditen aus Korsika. Der Eigentümer „in spe" hätte dann keine leichte Aufgabe, seine Rechte geltend zu machen, denn cs ist schwerlich anzunehmen, daß korsikanische Banditen einen Kaufvertrag mit der französischen Regierung respektieren würden. Freilich ist dies nur eine Hypothese. Mutmaßlich ist die Insel so wie alle anderen unbewohnt. Tenn es handelt sich bei allen 14 zum Verkauf gelangenden „Objekten" um ganz und gar unbewohnte Territorien, die dem jeweiligen Eigentümer eine gute Gelegenheit böten, ein Leben ä la Robinson zu führen. Tie Genugtuung, über Eingeborene zu herrschen, wäre ihm auf jeden Fall versagt. Millionäre, die solche Gelüste haben, mögen sich an die englische Regierung wenden, die vor einiger Zeit zwei Inseln um viele hunderttausende Psund an eine amerikanische Gesellschaft verkauft hat, die bewohnt sind. So zählt diese amerikanische Aktiengesellschaft derzeit 160 Untertanen: so hoch ist die Zahl der Gesamteinwohner der beiden Inseln. Für das wenige Geld übrigens, das die französische Regierung für die Inseln verlangt, wäre es auch zu viel, bewohnte Inseln zu fordern, denn man höre und staune, unter den vierzehn Inseln befinden sich zwei, deren eine 1700 und die andere 1900 Franken kostet. Für die Bagatelle' von 300 Reichsmark könnte man „Jnselbesitzer" werden! Dir anderen Objekte sind bedeutend teurer. Eine der Inseln kostet sogar 6 Millionen Franken. Die übrigen bewegen sich zwischen 20 000 und 2 Millionen Franken. Der Erlös aller vierzehn Inseln beträgt rund 11 Millionen. Jene billigste Insel heißt „Roche Arou". Die Flächenausdehnung dieses Liliputlandes erreicht etwa 1000 qm, nicht viel, aber immerhin Platz genug für eine herrlich gelegene Villa und einen dazugehörigen Garten. Wer Sinn für Romantik hat und Geld in der Tasche, könnte sich auch eine mittelalterliche Zwingburg aus der Insel errichten. Eine Kanone stellt ihm die französische Regierung unentgeltlich zur Verfügung: das Geschütz ist der übriggebliebene Teil einer Küstenbatterie, das seit vielen Jahren hier vergessen steht. Es ist nach einem alten System gebaut und sür nn- litärische Zwecke wertlos. So ist es zu erklären, daß das Marineministerium bereit ist, für die 1700 Franken dem Bewerber auch dieses „gefährliche" Instrument zu überlassem ; i-: Die Geiscrquellen als Fernheizung. Kopenhagener Blätter berichten von einem aufsehenerregenden Vorschlag, den der isländische Ministerpräsident Altting unterbreitet hat: Tie Hauptstadt Reykjawik durch Zufuhr heißen Wassers ans den vulkanische» Gciserquellen zu heizen. Der Plan geht dahin, die Hauptstadt aus dem Geisergebiet, das ca. 40 Kilometer entfernt ist, Wasser zuzuführen, das bei keiner Ankunft in Reykjawik 80 Grad Celsius haben wird. Tie Waflermengen. die man auf diese Art zuführen könnte, würden nicht nur genügen, um alle öfsentlichen und privaten Gebäude der Stadt zu beheizen, sondern sie können auch als Triebkraft für eine große Zahl industrielle Unternehmen bienen. Eine Einfuhr von Kohle wäre überhaupt überslüssig geworden. Ta die Verwirklichung dieses Projektes aber mit großen Kosten verbunden ist, schlug ein Ingenieur vor, sich zuerst mit der Zufuhr vulkanischen Wassers aus einem näherliegenden Gebiet zu behelfen. Wenn man auch nicht so große Mengen heißen Wassers auf solche Art herbeischaffen würde, hätte man immerhin genügend, um alle öffentlichen und einen Teil der privaten Gebäude der Hauptstadt ausreichend zu beheizen. Die jüngste Großmutter. Wie immer man die Sache auch drehen und wenden mag, fast immer ist es Amerika, das die höchsten Rekordziffern aufstellt. Bis vor kurzem galt Bert Wade in Georgia, eine 82jährige Frau, als die jüngste Großmutter der Welt, da ihr ihre 16jährige Tochter einen strammen Enkel geboren hatte. Nun hat man eifrig nach Konkurrenz gesucht und gefunden, daß eine Großmutter im Alter von 32 Jahren eigentlich gar nicht so jung ist. In Kalifornien hat man zwei Frauen gefunden, denen bereits Großmutterfreuden blühen und die erst 29 Jahre zählen! In der Filmstadt Hollywood wohnt Frau Lorraine Reilly. Bereits mit IS Jahren war sie eine Ehe eingegangen. Ihre Tochter heiratete ebenfalls mit 13 Jahren und war bereits mit 14 Jahren glückliche Mutter eines gesunden Jungen. In Oakland wieder hat man die zweite, ebenfalls 29- jährige Großmutter entdeckt. Ihr Enkel ist bereits im hohen Alter von vier Monaten. Bald wird man daran gehen, die jüngste U r großmutter zu suchen. Das billigste Besördernngsmittz.l der Großstadt - dürfte die neue Untergrundbahn sein, die jetzt in Newyork mit einem Kostenaufwand von 628 Millionen Dollar gebaut wird. Da man in der amerikanischen Riesenstadt jede beliebige Fahrt für 5 Cents zurücklegen kann, so wird man nach Vollendung der Bahn eine Strecke von 92 Kilometern für 20 Pfg. zurücklegen können. Seit zwei Jahren wird an diesem gewaltigen Unternehmen eifrig gebaut, und in vier weiteren Jahren soll dieser Riesen durchstich durch das Felsgestein unter Newyork vollendet sein. Der Verkehr auf verschiedenen großen Straßen im Zentrum der Stadt vollzieht sich jetzt sozusagen „in der Luft", denn tausende von Tonnen Gestein sind unter ihnen ausgebohrt worden, und die noch stehende Oberfläche wird durch mächtige Unterbauten gestützt. 27 Kilometer der neuen Strecke sind bereits trotz der Schwierigkeiten die sich entgegenstellten fertig. Mächtige Bauten von Stahl sind an den Seiten der Straßen angelegt die von den ungeheuren Felsschlünden mehrere Tonnen schwere Gesteinsbrocken heraufbeföröern die bann in Lastkraftwagen abtransportiert werden. Unterirdische Seen und Flüsse mutzten im Laufe der Arbeit ausgetrocknet werden. Die angetan, verriet feine Gedanken nicht im mindesten, sondern behauptete mit großer Sicherheit, der Hitzkopf werde schon zurückkommen, sobald er ausgetrotzt habe. „Unbedingt ist er ins Wasser gegangen oder hat sich im Walde erhängt," dachte der Schändliche, „er war zu wütend, als er davonlief: ich rechne bestimmt darauf, daß er tot ist. Der Alte benimmt sich ja heute so sonderbar, er ist wie um- gewandell, spricht von Anatol fortwährend in entschuldigendem Ton, ängstigt sich um ihn, schickt die Magd, ihn zu suchen! Was soll das alles bedeuten? Wie leicht könnte er in solcher Stimmung ein Testament machen, in welchem er uns je mit der Hälfte seines Vermögens bedenkt. Das fehlte noch! Ich muß das ganze haben! H. m Uhr abends kehrte die Magd abermals erfolglos zurück, sie hatte Anatol nirgends entdecken können, keiner wollte ihn gesehen haben, keiner konnte Aufschluß über seinen Verbleib geben. Auch auf dem Polizeibureau war bis jetzt keine Meldung eingegangen. Während Ludolf äußerlich tief traurig sein Gesicht mit den Händen verhüllte, trocknete sich der Pfandleiher voll innerer Qual den Schweiß von der Stirn. „Wenn ich ihn in den Tod gejagt mit meiner Drohung, ihn in eine Besserungsanstalt bringen zu lassen, wenn ich noch eine Schuld auf meine Seele geladen hätte?" Plötzlich stand der alte Mann auf, ging mehrmals durch die engen Zimmerchen und griff schließlich nach seinem abgetragenen Straßenrock und Filzhut. „Woll willst du hin, Vater?" fragte Ludolf befremdet. „Ihn suchen gehen." „Aber Vater, es ist ja ganz dunkel draußen, wie willst du mn denn jetzt finden?" „Ich will selbst auf die Polizei, will eine hohe Belohnunq sur seine Auffindung aussetzen." „Dein kostbares Geld willst du hinwerfen. Vater, für den ungeratenen Buben, für einen, der dir nichts als Kummer gemacht? Wenn Anatol lebt, findet er sich doch ganz allein nach Haufe. Du lieber Gott, das schöne Geld!" wimmerte der Jüngling noch einmal, als solle er persönlich geschädigt werden^ „Lu bist doch sonst so sparsam, Vater!" Der Psanoiether schaute unter dem breitkrämpigen Filzhut mit einem Blick höchster Befrckndung in das grämlich verzogene Gesicht des Stiefsohns. . „Du gefällst mir nicht, Knabe," sagte er plötzlich eisigkalt, „ich glaube, mein Vertrauen geht allzu weit dir gegenüber." Ludolf wollte erschrocken schnell einzulenken versuchen, aber der Stiefvater wehrte ab und schloß die Zimmertür hinter sich. Langsam schritt der alte Mann Stufe für Stufe die steile Treppe hinunter; er zählte sechsundsiebenzig Jahre, da konnte man es den Gliedern nicht verdenken, wenn sie steif und ungelenk wurden. Der Schein der Flurlampe, welche gerade über der Treppe hing, fiel hell bis zur Haustür hinab, so daß dem unten Angelangten eine große, schwarze Oeffnung im Fußboden, rechts neben der Treppe, nicht entgehen konnte. „Die Kellerklappe steht ja auf," murmelte der Pfandleiher: „ist das wieder nur Vergeßlichkeit von der Magd gewesen oder hat sich Anatol vielleicht unten versteckt?" Er bog um die Treppe herum und trat dicht an den Rand der Oeffnung. „Anatol." rief er mit ermutigender Stimme hinab, „bist du unten? Komm herauf, mein Sohn, wir wollen uns aussöhnen, es soll alles jetzt anders werden." Der Alte bog den Kopf über den Rand, um zu lauschen. „Anatol," rief er noch einmal, den Oberkörper noch weiter vorbeugend. Aber in demselben Augenblick entrang sich ein lauter Schrei seiner Brust, er hatte das Gleichgewicht verloren und stürzte, vergebens nach einem Halt in der Luft greifend, die tiefe Treppe hinab! Kaum war die Gestalt des Verunglückten aus dem Lichtkreis verschwunden, so stürmte Anatol ins Haus und blieb entsetzt an der Oeffnung zum Keller stehen, aus welchem leises Stöhnen heraufklang. „Ludolf, Ludolf!" rief er außer sich, „komm' schnell mit Licht herab; es muß jemand in den Keller gestürzt fein, ich glaube, es war der Vater. Ich habe deutlich feine Stimme erkannt!" Aber auch zu Ludolfs Ohren war der Schrei des Greifes gedrungen, und er stand bereits in demselben Moment oben an der Treppe, als Anatol das Haus betrat. Was war das?! Da war ja der totgeglaubte Bruder lebendig und frisch! Halt — ich weiß, wie ich ihn unschädlich mache, keinen Pfennig soll ihm der Alte vererben! — Mit Blitzesschnelle reihten sich diese Gedanken in dem Kopf des Verabscheuungswürdigen aneinander. Das Licht der Flurlampe fiel wie ein Feuerschein der Hölle, sie grell erleuchtend, in seine teuflisch aufblitzenden Augen, und während er scheinbar verzweiflungsvoll die Hände rang, kreischte er gellend auf: „Anatol — Mörder — du hast den Vater hinabgestoßen: mit meinen eigenen Augen Hab' ich es gesehen! Ich kann es beschwören beim allmächtigen Gott!" „Ich, Ludolf — ich? Ich soll den Vater hinadgestoßen haben? Ich komme doch eben erst ins Haus — du sahst es ja!" „Schweig, schweig, du Lügner! O Gott, mein armer, armer Vater!" Laut jammernd nahm Ludolf die Lampe vom Haken und, gefolgt von der Magd, welche die heftigen Stimmen aus der nach rückwärts gelegenen Küche gelockt, kam er herunter und stieg die Kellertreppe hinab. Bleich und zitternd schloß Anatol sich ihnen an. Unten auf dem sandigen Boden lag der Pfandleiher ganz still. Besinnungslos nur — oder tot? Ludolf hielt die Lampe über das geisterhafte, stille Gesicht „Teufel noch einmal," fluchte er innerlich, „wenn das Leben in ihm schon erloschen wäre, dann ginge ja all mein Hoffen zuschanden, dann müßte ich hier hinaus, wie ich gehe und stehe, ärmer als ein Bettler. Nichtswürdiger Alter, warum hast du nicht längst ein Testament gemacht?" . ®öre dieser heimliche Wutschrei laut den Lippen des jugendlichen Heuchlers entflohen. - ^.°^ e inzwischen mit Windeseile aus der Wohnung ern Federkissen, kniete neben dem Stiefvater nieder, hob das Haupt empor und bettete es in die Daunen. „Vater," flehte er mit zuckenden Lippen, „Vater, komme zu dir, daß du sagen kannst, ich habe dich nicht hinabaestümt!" Nr. 82. Jahrgang 1927. Dienstag, den 24. Mai 1927. Der Landbote 4- Sinsheimer Zeitung. Kosten Ser neuen Untergrundbahn pro englische Meile betragen 9 Millionen Dollar. Man erwartet Sab im ersten Jahr nach der Erösfnug etwa 402 Millionen Fahrgäste befördert werden, die einen Ertrag von 20 Millionen Dollar bringen sollen. Nach 10 Jahren hofft man, baß die Zahl der Benutzer verdoppelt sein wird. 10 000 Arbeiter sind Tag und Nacht an dem Riesenwerk beschäftigt. Die Frage, ob ei« Mensch betrunken ist oder nicht, spielt namentlich bei Verhaftungen oder auch vor Gericht eine große Rolle. Es gibt aber bisher kein sicheres Merkmal, aus dem man unbedingt den Zustand der Trunkenheit folgern kann. Der berühmte Kreidestrich ist kein Beweismittel, denn ein Mensch braucht nicht unbedingt betrunken zu sein, wenn er nicht mehr beim Gehen eine gerade Linie einhalten kann. Ein amerikanischer Chemiker, William Mc Nally, scheint dem bisherigen Mangel abgeholfen zu haben. Seine Erfindung besteht aus einer Anzahl von Glasröhren, die in einen Glasbehälter münden. In dem Behälter befindet sich eine chemische Lösung in Gestalt einer farblosen Flüssigkeit. Wird jemand unter dem Verdacht der Trunkenheit verhaftet, so muß er in diesen Apparat atmen. Ist er sehr betrunken, so färbt sich die Helle Flüssigkeit unter der Einwirkung des mit Alkohol gesättigten Atems dunkelgrün, ist er weniger betrunken, so wird die Flüssigkeit hellgrün. Bei einem nüchternen Menschen bleibt sie farblos. Auf diese Weise kann man nicht nur die Tatsache der Betrunkenheit, sondern auch alle ihre Grade leicht feststellen. Der Unfug des Pudernö und Schminkeus hat in den tschechoslowakischen Schulen unter den Mädchen derart überhand genommen, daß sich die Schulbehörden nicht mehr anders zu Helsen wußten, als den Staat zum Eingreifen zu veranlaffen. Es ist nun ein Gesetz hcrausgekommen, das die Benutzung von Schönheitsmitteln in den Schulen j streng verbietet. E>« Scheidungsprozeß im Hanse Vanderbilt. i Die amerikanische Presse beschäftigt sich mit einem Schei- ! dungsprozeß, der im Hause Vanderbilt angestrengt wird. Er wurde eingeleitet von Frau Virginia Vandbilt, die mit William K. Vanderbilt verheiratet ist. Die Ehe wurde im Jahre 1899 geschloffen, scheint aber schon seit Jahren unglücklich zu sein. Jedenfalls will man wissen, daß Frau Vanderbilt bereits seit etwa zehn Jahren an eine Scheidung denkt und nur immer wieder gezögert hat, den entscheidenden Schritt zu tun. Der Prozeß, der vor einem Pariser Gerichte vor . sich geht, wird wohl verhältnismäßig schnell beendet werden können, denn auch der Mann soll die Scheidung wollen, hatte sogar auch von sich aus die Absicht, den Scheidungsantrag zu stellen, die Gattin ist ihm nur zuvorgekommen, i Die Deutsche Bücherei in Leipzig. ! die erst kurz vor dem Kriege gegründet wurde und eine lückenlose Sammlung der deutschen Neuerscheinungen seit 1800 bieten soll, wächst sich immer mehr zu einer der führenden deutschen Bibliotheken aus. Nach dem neuesten Jahresbericht über die Zeit vom 1. April 1926 bis 31. März 1927, die im Buchhändler-Börsenblatt veröffentlicht wird, betrug der Zugang in dieser Zeit 84 142 Bände, so daß die Vand- zahl der Bücherei auf rund 643 000 angewachsen ist. Die Zahl der im Katalog neu ausgenommenen Titel belief sich auf 22 996. Auch die Benutzung dieser Schätze ist in erfreulichem Ausstieg. Die Gesamtzahl der Besucher ist auf 131200 gestiegen, die Zahl der aufgegebenen Bücherbestellungen auf 96 500. Tie Zahl der eingeholten Auskünfte Belief sich auf nahezu 3000. Die Antenne als Regenmacher. In dem unmett von Sokolow gelegenen Dorfe Molozew legte sich der dort wohnende Polks- fchullehrer Sawicki unlängst einen Radioapparat an. Die Bauern der Umgebung behaupteten nun, daß der andauernde Regen nur auf die Antenne des Lehrers zurückzuführen sei, und daß sein Radioapparat den Regen anziehe, was eine Mißernte zur Folge haben würde. Die Empörung der Bauern steigerte sich soweit, daß am Sonntag nach der Kirche eine große Anzahl von ihnen mit Wagendeichseln und Forken bewaffnet, oie Wohnung des Lehrers stürmten, die Antenne zerrissen, den Apparat zerschlugen und Sawicki demrtig schwer mißhandelten, daß er in ein Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Es fei noch hinzugefügt, daß in vielen Orten Polens die Bauern der Ueberzeugung sind, daß Radio-Antennen den Regen anziehe. So mußten z. B. verschiedene Gutsbesitzer in der Gegend von Kalisch ihre Antennen entfernen, da sie ihres Lebens nicht mehr sicher waren. Radio - Programm für Mittwoch, den 25. Mai 1927. Berlin (483), 21.00 Uhr „Susannas Geheimnis" Intermezzzo von Enrico Golisciani. Anschl. „Dorothea" Operette v. I. Osfenbach. 22.45 Uhr Bunte Stunde. Breslau (345), 20.00 Uhr „Der Biberpelz" Eine Diebeskomödie v. Gerhart Hauptmann. Frankfurt (428), 15.30 Uhr Jugendstunde. 16.30 Uhr Neue Tanzmusik. 17.45 Uhr Bücherstunde. 18.15 Uhr Dorträgch 20.15 Uhr „Mirandolina" Komödie von Goldoni. Hamburg (394), 20.00 Uhr Wiener Abend. Königsberg (329), 20,15 Uhr, Liederstunde. 21.15 Uhr Russische Volksweisen. Königswustrrhausen (1250), 20.15 Uhr Uebertragung v. Leipzig. 22.45 Uhr Uebertragung v. Berlin. Langenberg (468), 20.15 Uhr Köln: Heilere Stunde. Anschl. Köln: „Elektra" Tmgödie, von Hugo v. Hofmannstal. Leipzig (365), 20.15 Uhr Symphoniekonzert Richard-Stmuß- Abend. 22.25 Uhr Tanzmusik. München (535), 19.30 Uhr „La Tmviata" Oper v. Guiseppe Verdi. 22.20 Uhr Kapelle Georg Frank. Stuttgart (379), 13.10 Uhr Nachrichten, Schallplattenkonzerte 15.00 Uhr Jugendstunde. 16.15 Uhr Nachmittagskonze,rt. 18.15 Uhr Vorträge. 20.00 Uhr Musikalische Akademie: Kvmpositionsabend Juan Manen. Daoentry (1600) London (361), 11.00 Uhr Konzert. 16.00 Uhr Konzert. 17.15 Uhr Kinderstunde. 18.00 Uhr Orgelkonzert. 20.00 Uhr Veteranen der Barietckunst. 20.30 Uhr Leichtes Symphoniekonzert. 23.00 Uhr Tanzmusik. Paris (1750), 12.30 Uhr Radiokonzert. 16.45 Uhr Radiokonzert. 20.45 Uhr Konzert. Wien (517), 20.15 Uhr Orchesterkonzert der Philharmoniker. Anschl. Leichte Abendmusik. Zürich (500), 20.30 Uhr Volkstümlicher Abend. 21.00 Uhr Mandolinenkonzert. 21.30 Uhr Volkstümlicher Abend. Prag (348), 19.00 Uhr Uebertragung a. d. Nationaltheater Flotow: „Matthä". 22.25 Uhr Schallplattenkonzert. E. Sdjicil, Uhrmachermeister, fl. E. Dr.Seibt-Bertreter — Lager in Telefunken-Röhren, Anoden. Batterien - Sämtlichen Ersatzteilen, Varta-Akkumulawren-Ladcftation. — Telefon 19 Marktberichte. Schweinemarkt. Sinsheim, 24. Mai. Dem heutigen Schweinemarkt waren zug e» sühtt: 9 Milchschweine zum Preise von 35 —38 Mark pro Paar. 19 Läufer zum Preise von 50—55 Mark pro Paar. Preise des Mannheimer Schlachtviehmarkts. Dem Schlachtviehmarkt am Montag waren zugefühtt: 166 Ochsen. 133 Bullen. 289 Kühe. 307 Färsen. 721 Kälber. 15 Schafe 3042 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Ochsen a I 61—63, a II 48-56, b I 52—60, b II 38-40, c 34-40, d 30-34; Bullen 1. Kl. 54-56 2. Kl. 48-50, 3. Kl. 36-40, 4. Kl. 32—36; Kühe 1. Kl. 50-53,2. Kl. 40-46,3. Kl. 30-34,4. Kl. 16—22; Färsen 62—64, 50 -56. 40—44, Kälber 82—86. 74-78. 66—72, 60- 64, — ; Schafe 38 - 46, — , Schweine 66—67, 66 -67, 66—67, 65—66, 64—65, 62—63, 54-60. Marktverlauf mit Großvieh lebhaft, geräumt, mit Kälbern lebhaft, ausverkaust; mit Schweinen lebhaft, geräumt. Offizielle Preise der Mannheimer Prodnktenbörfe vom 23. Mai! 1827 Preise verstehen stch per 100 kg alles in Goldmark in Reichsmark zahlbar Weizen, inländischer — Weizen, ausländisch. 31,00—33,00 Roggen, inländischer — Roggen, ausländ. 28,75-29,00 Braugerste — E afer, inländischer 25,00—25,50 aser, ausländischer 24,00—25,00 Weizenmehl Sp. 0 41,00—41,50 Roggenmehl 700/v 37,75—39,50 Tendenz fest. Mais (mit Sack) . 19,25 Weizenkleie m. Sack 13,56-13,75 Biettreber mit Sack 16.00-16,50 Roh-Melaffe . . — Wiesenheu . . 9,20—10.00 Luzernekleeheu. . 11,00—11,94 Preßstroh . . 4,50- 0,60 Gebundenes Stroh 4,00— 4,90 Raps . — Neueste amtliche Kurse vom 21. Mai 1927. mitgetrtlt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. Anleihe»: Ablösungsschuld mit Auslosungsschein ohne Auslosungsschein . in o Io 314,50 17,6 Bankaktie»: in 9/0 Bad. Bank .... 153 Darmftädter- und Rationalbank?S5 Deutsche Bank .... 165 1/4 Deutsche Bereinsbank . 1 x 8 Dresdner Bank . . >85 Mitteldeutsche Creditbank . — Reichsbank .... UoVt Rhein. Creditbank . . >8? Südd. Dtsconto Gef. . .150 Bergwerk« » Aktie» in 0/0 Harpener Bergbau . . 194 Kali Westeregeln . . . lesi/i ManneSmunnröhrenwerke. . I 841/2 Mansfelder Bergb. u.Hüttenw. l&Ms vberschl. Eisenb. Bedarf . . >0« Phönix Bergbau n.Hüttenbetrieb 1271/2 Salzwerk Heilbronn . . — Bereinigte Königs- Laurahütte 759/4 Aktie» iadnftr. Unternehmungen: in °/o Allg. Elektr. Stammak.tten l7ai/2 Badenta Weinhetm . — Bad. Elektrizität Mannheim . — Bad. Maschinen Durlach . .142 Cementwerk Heidelberg . 165 Daimler Motoren . . . ili Dtsch. Gord- und Stlberscheid« 2141/2 Elektr. Licht und Kraft - . 1900/4 Gniaill. und Stanzwerk Ullrich 52 Farbentnduftrte . . , 28 t Fuchs Waggon Stammaktien — Grttzner Maschinen Durlach . 122 Karlsruher Maschinen . . 3s Knorr Hellbronn ... 191 Matnkraftwerke Höchst . . 139 Reckarsulmer Fahrzengwerke . 133 Schuclert Elektr. Nürnberg . 173 Setlindustrte Wolff ... 92 Südd. Zucker .... 1471/4 Zellstoff Waldhof Stammaktien 275 Aktien deutscher Tra»»porta»palte»: in °/o Hamburg. Amertk. Paketsahrt 1301/4 t eidelberaer Straßen- n. Bergbahn 9t orddeutscher Lloyd . . 192 Denise»: Geld Brief Rew-Uorl r Dollar 4,9175 4,2237 London l Pfund 20,474 20,514 Holland 100 Gulden 168,73 169,07 Schweiz 100 Kranes 81.10 81.26 Wien 100 Schilling 59.34 59,4« Barts 100 Francs 16 505 16.645 Italien 100 Lire 23.13 23.17 - - h , . IHR. BOHNERWACHS ilzahlung erhalten Sie ein Presto «Fahrrad.« Esist allerbeste Qualität zu billigstem Preis. Verkauf durch: Carl Baer, Sinsheim. Jj «KS-e« dass man einen guten Kaffee nur mih AechfFranck m i t der Käffeem ühle zubereiten kann.Erisfkein Zusafz im landläufigen Sin. ne, er isf ein Verbesserung» mittel feinsterArh Deshalb qehörh er auch zu jedem oelreidekaffee. Dabei ist er so gesund und billig durch seine grosse Ausgiebigkeit und unerreichte Qualität: Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem herben, unvergeßlichen Verluste unserer lieben Mutter, Großmutter, Schwiegermutter und Tante Margaretha Mühling geb. Bolz für den erhebenden Gesang des Cäcilienvereins unter der vortrefflichen Leitung des Herrn Hauptlehrer Grimm, sowie für die vielen Kranzspenden sagen wir herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Gauch, Steinsfurt Familie Jakob Mühling, Mannt eim-Rheinau Familie Georg Mühling, Mannheim Familie L. Mackemull, Mannheim-Waldhof Schwester M. Edeltrudis, Krautheim a. d. Jagst Steinsfurt, den 23. Mai 1927. SreWÄe-BersteiStmS auf Abbruch. Am Mittwoch, de« 28. Mai, vorm. 11 AHr versteigere ich meine Drefchhalle in Rappenau am Platz auf Abbruch. Erbaut 1919, verschalt 10 Mtt. lang, 11 Mir. breit, mit Cementsalzziegel gedeckt, zirka 2500 Stück. Anschlag 1200 RMk. Hch. Ritter, Hoffenheim. größte Produktion der Welt bequeme Teilzahlung Reparaturwerkstätte AntOII Schmitt, Mechanikermelster, Sinsheim ■TeL 176 Hauptstraße 554 Tel. r 176 Ohne Reklame keine Einnahme! Sehr billige Betten Schönes rot. Deckbett li/ 2 -schläfrig gut gefüllt 30 Mk. Kopfkissen dazu Stück 10 Mk. 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