Erscheint täglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.SV Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Fernsprech-Anschluß Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lanöbote Zmslieimer General-Anzeiger für -as Zeitung ?sss Asenz'Unö 5äuoarzbaclital Heltette und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. I)aupt-Hn|elgen-Blatt Wöchentlich« Seilngen r kllocke «nck Herrn » Oer Kobolck » Nene Illustriert« » Lnuckwirtschnttlich« Seilnge Anzeigen: Die ZZ mm breite Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift in, Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tarifsester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt^ Anzeigen - Annahme dis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Beretnsbank Sinsheim e. G. m. h. L. M 84. Freitag» den 27. Mai 1927. 88. Jahrgang Die Ausgaben der Reichsbank. Eine Rede Schachts in Stralsund. Stralsund, 26. Mai. Zn Gegenwatt des ReichsbanKpräsv, deuten Dr. Schacht und des Vertreters Pommerns im Reichsbankdirektorium, Knaak, fand heute in Stralsund die Einiveihung des neuerbauten Reichsbankgebäudes statt. Am Nachmittag hatte die Industrie- und Handelskammer von Stmlstind ein Festbankett veranstaltet, auf dem nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Handelskammer Reichsbankpräsident Dis. Schacht das Wott ergriff und etwa folgendes ausführte: Die Bedeutung der Reichsdank für Landwittschaft, Handel undZn- dusttte sei bekannt und die Reichsbank bemühe sich in ihrer althergebmchtcn Tradition, nicht nur vom grünen Tisch aus die an sie herantretenden Probleme zu lösen, sondern sie lege größten Wett damuf, ständige engst« Fühlung mtt der Praxis zu halten. Dr. Schacht wandte sich alsdann den aktuelle» Fragen zu und kam hierbei besonders aus das von ihm schon mehrfach behandelte Thema der Auslandskredit« zu sprechen/. ES ginge nicht an, daß vom Ausland Geld geborgt werde, lediglich zu konsumtiven Zwecken. Dadurch würde die deutsche Währung aufs Schwerste geschädigt. Darüber hinaus aber bedeuten gerade die Börsengewinne, die in den letzten Monaten gemocht worden sind, insofem eine erhebliche Gefahr für die Währung, als sie zum größten Teil nicht allein zu konsumtiven Zwecken im Auslande verbraucht werden, sondern sogar zu ausgespro- Londo«, 27. Mai. Die Unterhausdebatte über den Abbruch der englisch-ruffischen Beziehungen fand gestern bei vollbesetztem Sitzungssaal und vor dicht gefüllten Tribünen statt. Zunächst ergriff Ministerpräsident Baldwin das Wort, um auf einige Anfragen zu antworten. Er teilte u. a. mit, daß die britischen Konsularbeamten, die der britischen Botschaft in Moskau zugeteilt sind, gleichzeitig mit der englischen Mission zurückgezogen werben würden und daß es zur Zeit noch ungewiß sei, auf welche Art die britischen Interessen in Rußland in Zukunft vertreten werden sollten. Die Frage wird zur Zeit noch erörtert. Nach ihm ergriff der Arbeiterführer Clynes für die Opposition das Wort und brachte unter dem Beifall seiner Parteifreunde den arbetterparteilichen Antrag ein, wonach ein Ausschuß zur Nachprüfung des der Regierungsentscheidung zugrundeliegenden Materials eingesetzt werden soll. Er begründet diesen Antrag damit, daß es nicht angängig sei, Rußland ohne vorherigen Prozeß zu verurteilen. Seine Partei lehne es ab, eine Schuld oder Unschuld Rußlands anzunehmen and verlange, baß das verfügbare Beweismate- rial geprüft und ein Urteil erst nach angemeffener Untersuchung gefällt werde. In einer so ernsten Angelegenheit dürfe sich der Premierminister nicht auf den bloßen Verdacht verlassen, um ein Urteil zu fällen. Clynes bat sodann den Premierminister um Aufklärung, wie der Handel mit Rußland aufrecht erhalten werden solle, wenn die extremen Maßnahmen der Regierung erst Wirklichkeit geworden seien. Hierauf ergriff Chamberlain unter lautem anhaltenden Beifall der Konservativen das Wort. Er gab zunächst seinem persönlichen Bedauern über die Abwesenheit Macdonalds Ausdruck. Er bedauere außerordentlich, daß Clynes in dem Mittleren Teil seiner Rede die in dem ersten Teil enthaltene Vorsicht vergeffen und sich zum Verteidiger einer Regierung gemacht habe, die nicht entschuldigt werden könne. Tie englische Regierung besitze eine Unmenge von Beweisen dafür, daß überall in der Welt bestehende Unruheherde durch die Wühlereien der Sowjetvertreter geschürt werden, und das namentlich in allen Teilen des britische» Weltreiches. Dagegen muffe sich die englische Regierung nicht nur verwahren, sondern auch schützen. An sich habe die englische Regierung nicht die geringste Absicht, die grundsätzlich anti- sowjetistische Politik zu eigen zu machen, die mit der in Locarno festgelegten Linie und dem allgemeinen Wunsch Englands, den Weltfrieden zu wahren, im Widerspruch stehen würde. Rußland habe ja vielmehr wiederholt Gelegenheit gehabt, sich von der Aufrichtigkeit dieser Ziele zu überzeugen. Rußland weigere sich aber nach wie vor, im Völkerbund mitzuarbeiten. Rußland habe auf der anderen Seite eine Politik getrieben, die offensichtlich und systematisch auf eine Schädigung Kr brMchen MtMeffeh abzieke. Die' Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern seien nicht unbedingt von einem Handelsabkommen und der Gewährung diplomatischer Vorrechte abhängig. Die englische Regierung müfle daher den arbeiterparteilichen Antrag auf Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschuffes a'/leynen und fordere vom Unterhaus ein klares Vertrauensvotum und seine Zustimmung zu den von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen. Sollte das Haus ein solches Votum nicht bringen, so werde die Regierung wissen, was sie zu tun habe. Das Mißtrauensvotum der Arbeiterparteien gegen die Regierung wurde abgelehnt. Moskau zum englisch-russischen Konflikt Moska« «nd der Abbruch der englisch-russischen Beziehnnge« London, 26. Mai. Wie den „Times" aus Riga berichtet wird, hatten die sowjetruffischen Führer schon vor der Erklärung Baldwins im Unterhaus in den am Montag und Dienstag gehaltenen Reden der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die Durchsuchung des Arcosgebäudcs fast sicher bas Aufhören des englisch-ruffischen Handelsabkommens und vielleicht auch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen bedeuten würbe. Der Kriegskommiffar Woroschtlow erklärte, chenem Luxuskonsum. Rur in geringem Umfange würden die Börsengewinne der deutschen Wirtschaft zugeführt werden. Dr. Schacht erinnette hierbei an die Käufe von amerikanischen Automobilen, übwohl doch die deutschen Fabrikate ebenso gut seien. Als ein Wespennest bezeichnete der Reichsbankpräsident diese Zustände, in das man hineingestochen habe, als am sogenannten schwarzen Freitag an der Börse die Kursstürze eintraten. Vor Pressevcttretern gab Reichsbankpräsident Dr. Schacht alsdann folgende Erklärung ab: Man fei oer Ansicht gewesen, die Reichsbank hätte in das Kursnivcau eingreifen wollen, um den falschen Eindruck von dem augenblicklichen Wohlstand Deutschlands zu zerstören, der sich durch die hohen Aktienkurse an der Bröse gezeigt habe. Dazu lag aber keinerlei Anlaß vor. Diejenigen Männer, die über das Schicksal des Dawes-Planes zu entscheiden haben werden, wird niemand täuschen Könnens. Schon der Versuch dazu wäre eine Dummheit. Ganz abgesehen davon, ob die Forderungen des Dawes-Planes von Deutschland aufgebracht werden können oder nicht, handelt es sich für die Reichsbank darum, daß das Transferproblem im richtigen Lichte gesehen wird und daß die Verschuldungen an das Ausland, namentlich kurzfristige, nicht in einem Umfange fortfchreiten, der die Währung gefährdet, die niemals auf geborgten Devisen aufgebaut sein kann. daß die Sowjetregierung ihr Aeutzerstes tun müsse, um eine Krise zu vermeiden, selbst wenn ein Bruch eintreten sollte. Aber die Rote Armee muffe in ständiger B. Schaft gehalten werden. Die Mehrheit der Redner der tcn Tage hatte erklärt, daß sie deu bevorstehenden Bruu. .icht für Rußland, sondern für das britische Volk bedauerten, das die Wirkung mehr als Rußland fühlen werbe. Weiter berichten die „Times", daß eine estnische Sonöerdelegation am Montag in Verhandlungen mit dem russischen Handels- kommiffar über den Abschluß eines estnisch-russischen Handelsvertrages getreten ist. Tie Aussichten für den Abschluß dieses Vertrages seien nunmehr günstiger. In einigen Kreisen sei man der Auffassung, daß die Sowjetregierung in den seit sehr langer Zeit umstrittenen Fragen voraussichtlich nachgeben und den Vertrag mit größter Beschleunigung abschließen werde, um, wie der Berichterstatter sagt, Großbritannien und der Welt im allgemeinen gegenüber zu demonstrieren, daß die Sowjetunion noch Freunde habe. Erhöhte Bereitschaft der Rote« Armee. Riga, 26. Mai. Kriegskommiffar Worschilow veröffentlicht einen Tagesbefehl, in dem er Heer und Flotte von dem Bruch mit England in Kenntnis setzt. Weiter wird erhöhte Bereitschaft von Heer und Flotte zum Schutze der Sowjetunion darin gefordert. Die Festung Kronstadt soll in Kriegszustand versetzt werden und bas Anlaufen russischer Häfen ist für britische Schiffe verboten. Die ruffischen Grenzen im fernen Osten sollen befestigt werden. Absendnng der englische« Rote an Moska» am Freitag. London, 27. Mai. Die englische Note an die Sowjetregierung wird, wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wurde, heute abgesanöt, nachdem das Kabinett die Aktion gegen Rußland gebilligt hat. Am Mittwoch hat eine kurze Kabin tttsfitzung stattgefunden, in der die russische Frage besprochen »urde. Besprechungen fanden ferner statt zwischen deu Mitgliedern des Auswärtigen Komitees und zwischen dem Innenminister und seinen leitenden Beamten. Die Berliner Presse zum Abbruch der englisch-russischen Beziehungen Berli«, 25. Mai. In ihren heuttgen Abendausgaben nehmen einige der größeren Berliner Blätter ausführlicher zum englisch-russischen Konflikt Stellung, als das bisher der Fall war. In der „D.A.Z." unterstreicht Dr. Fritz Klein, daß die englische Diplomatie zu einem entscheidenden Schlag angesetzt habe und nunmehr mit Beharrlichkeit und stärkster Energie den einmal beschrittenen Weg weiter verfolgen werde. Obgleich der Schritt der englischen Regierung nicht sonderlich überraschend komme, so sei er doch darum als nicht weniger ernst und schwerwiegend zu werten. Es wäre falsch, sich die internationale Bedeutung her Unterhauserklärung des englischen Premierministers durch den Hinweis auf die innerpolitischen Faktoren verdunkeln zu lassen. Für die deutsche Politik drängten sich in erster Linie zwei Forderungen auf, einmal die selbstverständliche Notwendigkeit der Entwicklung des englisch-russischen Konfliktes mit größter Gewissenhaftigkeit zu folgen, die englischen Bemühungen in den Randstaaten, zum Beispiel in Litauen und Polen, erforderten in der Zukunft eine noch peinlichere Beobachtung als bisher. Sodann verlange die zweite Forderung in gleicher Weise von der deutschen Diplomatte wie von der deutschen öffentlichen Meinung, daß Deutschland in vollster Ehrlichkeit außerhalb des akuten Konfliktsstoffs bleibe. Wenn der Gedanke der absoluten striktesten Neutralität jemals mit Recht ausgesprochen worden sei, so sei das jetzt der Fall. Selbst bei äußerster Zuspitzung der Lage böte sich für Deutschland kein Anlaß, seine ruhig abwartende Haltung nach irgend einer Seite aufzugeben. In gleicher Weise unterstreicht auch der „Lokalanzeiger", daß Deutschland die strengste Neutra- lität bewahren müsse, betont dann weiter, daß es unwahrscheinlich sei, daß die Feindschaft zwischen England und Rußland über die Grenzen des wirtschaftlichen Kampfes hinausgreifen würde. Tie deutsche Politik müsse alles tun, was in ihrer Macht steht, um zu verhindern, daß die Gegensätze zwischen England und Rußland sich bis zu Gewalttätigkeiten steigerten; denn in einem solchen Kriege würde Deutschl.vud nichts gewinnen, aber sehr viel verlieren können. Der „Lokalanzeiger" weist sodann auf Arttkel 16 des Völkerbundsstatuts hin und betont, daß die Auslegung dieses Artikels jedem Mitglied des Völkerbundes selbst zustände, so daß keinerlei Zwang für Deutschland vorliege, ein Durchzugsrecht zu gewähren. Die „Germania" unterstreicht, daß zur Nervosität keinerlei Anlaß vorliege. Gleichwohl sei kein Zweifel, daß bei unserer heutigen Lage Locarno für uns unvergleichlich wichtiger sei als Rapollo, aber dies schließe nicht aus, daß wir durch die Verträge x • Rapollo und Berlin ein Freundschaftsverhältnis mit unser r großen russischen Nachbarn abgeschlossen hätten. Es scheue undenkbar, solche Verträge mir nichts dir nichts abzubrechen. Der Kredit des deutschen Wortes müßte dadurch in der ganzen Welt unheilbar leiden. Daher komme für uns nichts anderes in Frage als die unbedingte Neutralität. Auch wäre es über das Ziel hinausgeschoflen, von dem englischen Bruch den Zustrom bedeutender russischer Geschäfte nach Deutschland zu erwarten. Das russische Geschäft, das wir bewältigen könnten, finde seine naturgegebene und unübersteigliche Grenze in der so wichtigen Kreditfrage. Die „Vossische Zeitung" untersucht im Gegensatz zu diesen Stimmen die Frage, was Moskau tun werde und stellt fest, daß die Ereignisse zu einer Radikalisierung der kommunistischen Mehrheit in Moskau führen würden, die nunmehr sich die radikale Theorie der Opposition aneignen würde. In einer Nottz über die Berliner Auffassung zu der Angelegenheit unterstreicht auch diese Zeitung, daß in deutschen Regierungskreisen der Weg für Deutschland als durch den Vertrag von Locarno und Berlin vorgezeichnet angesehen werde. Dr. Slresemann spricht im Rundfunk. Aus Anlaß des 10 jährigen Bestehens des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart hielt Reichsaußenminister Dr. Stre- femann gestern abend in der Stuttgarter Liederhalle eine Ansprache an die dott versammelten Vertreter des Reiches, der Länder, der befreundeten Organisationen und öffentlichen Körperschaften. Die einleitenden Worte sprach Generalkonsul Dr. Wanner, der unter dem stürmischen Beifall der Anwesenden bekanntgab, daß die höchste Ehrung des Deutschen Auslands- instituts» der deutsche Ring, für besondere Verdienste um das Auslandsdeutschtum dem Reichspräsidenten von Hindenburg und Reichsaußenministrr Dr. Strcsemann als Ersten verliehen w»r- den ist. Der Reichsaußenmimster sprach dann feine dreivirttel- stündige Rede sehr geläufig, doch litt die Entgegennahme am Apparat unter der etwas stoßweisen Sprechweise, die mitunter gerade die interessantesten Sätze förmlich auseinanderriß und ihren Inhalt nur noch ahnen ließ. Sonst aber waren die atmosphärischen Verhältnisse durchaus günfttg und es ist daher anzunehmen, daß auch die sechs anderen deutschen Sender, die seine Rede mitübernahmen, das Gesprochene gut an die deutschen und ausländischen Rundfunkhörer heranbrachten. Der Reichsaußenminister nahm zunächst die Ehrung mit herzlichem Dank entgegen und bekannte sich im Laufe seiner Rede wiederholt zu einer optimistischen Auffassung über die deutsche Zukunst. Er fordette aber bei der Beurteilung der deutschen Außenpolitik Rücksichtnahme auf die durch den verlorenen Krieg geschaffene Lage. Die wirtschaftliche Verbundenheit der Völker sei sicherlich ein bedeutender Faktor im Leben der Völker zueinander, aber nicht das allein Ausschlaggebend«. Als mächtiger Aktivposten fei die feste Verbundenheit zur deutschen Kulturgemeinschaft auf der ganzen Erde zu nennen. Die moralische Stellung des deutschen Volkes gegenüber den anderen Völkern sei keineswegs niedriger einzuschätzen und es gehe schon heute durch die ganze Welt das Empfinden, daß Deutschland die Möglichkeit habe, wieder groß zu werden. Es sei nötig, den Blick sich nickst trüben zu lassen und in Geduld den richtigen Moment abzuwatten. Zn kulturpolitischer Beziehung hätte Deutschland allerdings längst die politischen Grenzen überschritten, wobei aber gesagt werden müsse, daß die Deutschen in den anderen Staaten sich immer als die besten Staatsbürger gezeigt hätten; Man muffe ihnen daher auch die ihnen zustehenden Rechte geben/. Me Ausländsdeutschen müßt:» andererseits auch dir neue deutsche Entwicklung, ihre Farben und Stratsformen achten lernen. Nur mit Arbeit und Opfer fei die deutsche Zukunft aufzubaurn und die deutsche Außenpolitik habe das hohe Ziel, zu arbeiten für den Frieden nach außen, die Freiheit im Innern und die Selbstbestimmung der Völker. Die Rede wurde an den markantesten Stellen wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen, der besonders am Schluß sehr herzlich und langandauernd war. Das Echo der Rede dürste dank der drahtlosen Verbreitung sicherlich ein millionenfaches gewesen sein. Das nichtgehaltene Loearnoverfpre chen. Eine Rede Dr. Luthers. Frankfutt a. M., 25. Mai. Zn einer Rede vor Wirt- schaftsvettretern erklärte Reichskanzler a. D. Dr. Luther, daß die Entente durch Abschluß der Botschafterkonferenz vom November 1925 vor der Zustimmung des Reichstags zum Locarnopakt sich zu einer nennenswettrn Verminderung der Truppen im besetzt bleibenden Gebiet verpflichtet habe und daß der Antrag der Reichsregierung an den Reichstag auf Ratifizierung des Locarnopakts überhaupt erst erfolgt sei, nachdem dieses Bestsprechen vorlag. Wenn es jetzt nickst endlich in dem versprochenen Umfang eingelöst werde, so liege darin der glatte Bruch eines gegebene« Versprechens. Die Liquidationsgefchädigten. Nochmalige Anrufung des Haager Schiedsgerichts? „ Berlin, 25. Mai. Wie der „Demokratische Zeitungsdienst" erfährt, wird zurzeit im Reichsfinanzministerium erwogen, ob und in welcher Form die deutsche Regierung noch einmal das Haager Auslegungsschiedsgericht für den Dawesvettrag in der Frage der Entschädigung des Reiches an die Reichsangehörigen wegen Einbehaltung von Liquidationen oder Uebertragung deutscher Rechte und Interessen anrufen soll. Das Haager Schiedsgericht hatte in seiner Sitzung vom 29. Jan. 1927 entschieden, daß auf die Iahreszahlungcn nicht anzurechnen wären „die Ent- Ae llnterhansdedntte m Bruch London-MM Nr. 84. Jahrgang 1927. Der Landbote 4- Smsheimer Zeitung. Freitag, den 27. Mai 1927. schädigungen, die das Deutsche Reich auf den l. Dezember 1924 gezahlt hat oder zahlen wird." Es bleibt demnach die Frage offen, ob die Liquidationszahlungen, die vor dem I. Dezember 1824, dem Tag des Inkrafttretens des Dawesoertrages geleistet sind, angerechnet werden oder nicht, ob also Deutschland aus dieser Zeit noch Guthaben hat. Der Reichsrat erhebt Einspruch gegen das Iugendschutzgefetz Berlin, 25. Mai. In der heutigen öffentlichen Vollsitzung des Reichsrats wurde beschloffen, gegen die Beschlüsse des Reichstags zu dem Gesetz über den Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten Einspruch zu erheben. Mit den Beschlüffen des Reichstags zu dem Gesetz betreffend die Erlaubnispflicht zur Herstellung von Zündhölzern erklärte sich der Reichsrat einverstanden. Angenommen wurde ferner der Gesetzentwurf über Kriegsgerät, bei dem es sich um eine Ausführung von Bestimmungen des Versailler Vertrages über die deutsche Abrüstung handelt. Zum Stellvertreter im Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost wurde für den aus dem Reichsrat ausgeschiedenen preußischen Ministerialdirektor Dr. Brecht, der neu in den Reichsrat eingetreten ist, gewählt. Forderungen des Reichsverbandes der Deutschen AutomobiNndustrie Köln, 24. Mai. (Telunion.) Der Reichsverband der Automobilinüustrie e. V. nahm in seiner 28. Generalversammlung Stellung zu der Frage der Prohitiv-Wirkung der Auslandszölle für Kraftfahrzeuge und deren Zubehör und beschloß eine Resolution an die beteiligten Behörden sowie an die zuständigen Parlamente zu richten, die u. a. feststellt, daß die Interessen der deutschen Kraftfahrzeugindustrie und deren Zubehör-Industrie bei den bisherigen Handelsvertragsverhandlungen nicht der Bedeutung dieser Industrien entsprechend berücksichtigt worden, daß sogar der Kraftfahrzeugindustrie erhebliche Belastungen auferlegt worden seien. Die Deutsche Kraftfahrzeug-Industrie sehe schon jetzt und binnen kurzem in erweitertem Maße sich fast schutzlos der Einfuhr ausländischer Kraftfahrzeuge preisgegeben, während gleichzeitig alle übrigen Automobile produzierenden Länder Zollmauern aufgerichtet hätten Bp. aufrichteten, die für die deutsche Kraftfahrzeugindustrie unüberwindlich feien. Weiter wird auf die große wirtschaftlich Bedeutung der deutschen Kraftfahrzeugindustrie hingewiesen, die fast alle anderen Industrien befruchte, und von Regierung und Parlament gefordert, daß bei den zurzeit schwebenden und den demnächst beginnenden Handelsvertragsverhandlungen der Bedeutung der deutschen Kraftfahrzeug- und dren Zubehör-Industrie für das deutsche Wirtschaftsleben Rechnung getragen werde. Der Reichslarif für das Bankgewerbe wieder allgemein verbindlich Berlin. 26. Mai. Wie der deutsche Bankbeamtenverein mitteilt., hat der Präsident der Reichsarbeitsverwaltung durch Verfügung vom 21. Mai den Reichstarif in seiner Fassung vom 14. 3. 27 für das gesamte deutsche Bankgewerbe für allgemein crbindlich erklärt. Kein Abba« bei -er Reichsbahn. Karlsruhe, 25. Mai. Die in den letzten Tagen in verschiedenen Zeitungen erschienene Mitteilung, wonach die Deutsche Reichsbahngesellschaft einen weiteren Abbau von 20 000 Arbeitern beabsichtige, ist in ihrem ganzen Umfange falsch. Lindbergh über seinen Ozeanflug. Paris, 25. Mai. Lindbergh setzt im „Matin" seinen Bericht fort und schreibt: Rach meiner Ueberzeugung ist es sicherer, von Amerika nach Europa als umgekehrt zu fliegen, denn die Windströmungen gehen von Westen nach Osten. Kommt der Wind von Osten, was den Flug von Europa begünstigt, so kann man unterwegs schlechtes Wetter erwarten. Während meines Fluges hat mir die Tatsache außerordentlich geholfen, daß ich den Wind während wenigstens einem Drittel der Fahrt im Rücken hatte, besonders auf der letzten Strecke. Lindbergh wandte sich dann gegen die Gerüchte, sein Flug sei nicht sorgfältig vorbereitet gewesen. Im Gegenteil: Der Bau des Flugzeugs sei bereits am 20. Februar begonnen worden und 60 Tage später habe er seinen ersten Probeflug gemacht. Wenn er Erfolg gehabt habe, so deshalb, weil er ein vollkommenes Flugzeug! besaß, das von Männern gebaut sei, die alle ihre Sorgfalt damuf verwandten, daß nichts vernachlässigt werde. Niemals habe er die geringste Enttäuschung mit dem Flugzeug erlebh. Lindbergh nimmt die Frage eines regelrechten Flugverkehrs zwischen Europa und Amerika wieder aus und vertritt die Ansicht, daß man später regelrechte Zwischenlandungshäfen in Südirland Anatol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 4) (Nachdruck verboten.) Der Pfandleiher schlug plötzlich weit die Augen auf, sein Blick war nicht mehr stumpf, er war klar und hell, wie der eines Jünglings. „Verruchter!" stöhnte er, Ludolf durchbohrend ansehend, daß dieser erbleichend zurückwich, „du hast mich betrogen! Jetzt kehrt Mir die Erinnerung zurück — dies Kind tat mir nichts zuleide — ich stürzte von selbst. Eine Feder — eine Feder — und das Testament! Ich will es durchstreichen — Anatol ist mein Erbe, er allein —" „Du sprichst im Fieber, Vater, du redest irre" — heiser klang Ludolfs Stimme, sein verstörter Blick glitt an der Treppe in die Höhe, versuchend, die Dunkelheit zu durchdringen. Stand jemand dort? Hatten fremde Ohren diese Worte gehört, dann war er verloren! „Das Testament —" ächzte der Sterbende, „das Testament —" Plötzlich atmete er tief und mühsam auf-- „Anatol — armes Kind-Gott schütze dich." Ein röchelnder Seufzer, dann streckten sich seine Glieder — er war tot. Oben am Kellereingang blitzten im selben Moment blanke Helmspitzen und Uniformknöpfe auf., ViertesKapitel. Tief erschüttert von solchen nie gehörten Worten aus diesem Munde, der nun für immer verstummt war, preßte Anatol seine zuckenden Lippen in dankbarem Kusse auf des Stiefvaters erstarrende Hand, und überwältigt von all dem Schaurigen und Schmerzlichen, das im Laufe eines einzigen Tages auf fein junges Gemüt eingestürmt war, sank er entkräftet mit der Stirn auf den Leichnam nieder. Eine barsche Männerstimme, deren tiefer Klang sich im und Neufundland schaffen müsse, auch meteorologische Stationen im nördlichen Atlantischen Ozean seien notwendig. Während der Flugmonate müßten Wachschiffe kreuzen und morgens und abends Funkfprüche über die Atmosphäre senden. , Lindbergh will sich, wie „Chicago Tribüne" mitteilen zu können glaubt, am Samstag nach Belgien begeben, wo er von König Albert empfangen wird und dann am Sonntag einen Flug über den Kanal nach London antreten, wo er zwei oder drei Tage bleiben will. Im Anschluß daran werde er vielleicht nach Schweden fliegen, woher sein Vater stammt. Es sei nicht ausgeschlossen, daß er sich dann noch nach Deutschland begibt, um nach Paris zurückzufahren. Bon Frankreich werde er die Rückreise nach den Bereinigten Staaten antreten. Lindbergh verzichtet aus eine Spende von 150 000 Franken. Paris, 37. Mai. Lindbergh hat die von Frau Deutsch de Meurthe gespendeten 150 000 Franken an die Familien der beiden verschollenen französischen Flieger Nungesser und Coli abgetreten. Er wird am Samstag nachmittag nach Brüffel fliegen. Spätestens am Donnerstag will er in London sein. Lindbergh wird den Flug auf seinem eigenen Flugzeug ansftthren. Polnischer Uebergriff gegen Danzig. Ein polnisches Kriegsschiff an der Wrsterplatte. Danzig, 25. Mai. Außer einem gestern eingegangenen polnischen Munitionsdampfer hat das polnische Kriegsfahrzeug „Ias- colka" am Munitionsbecken Westerplatte, wahrscheinlich zu Bewachungszwecken, festgemacht. Es handelt sich hierbei offenbar um eine drohende Geste der polnischen Regierung gegenüber Danzig, um auf alle Fälle, eventuell mit Waffengeivalt, Danzig daran zu hindern, seine Hoheitsrechte auf der Westerplattc auszuüben. Polen hat dadurch, daß es trotz des Danziger Einspruchs das Munitionsbecken auf der Halbinsel Westernplatte in Benutzung genommen hat, trotzdem die Frage der Wahrung der Hoheitsrechte noch in keiner Weise geklärt ist, eine vollendete Tatsache geschaffen. Das Transportschiff der polnischen Kriegsmarine „Wilja" hat mit den Löschungsarbeiten bereits begonnen. Bei den Arbeiten sind nur Arbeiter, die von den polnischen Gewerkschaften vermittelt wurden, beschäftigt. Bewacht wird das Schiff nicht durch Danziger Polizei, sondern durch polnisches Militär auf der Halbinsel Westernplatte und ein polnisches Kriegsschiff. Wie die Dinge liegen, sind durch dieses Eingreifen der polnischen Regierung in eine schwebende Angelegenheit die Danziger Hoheitsrechte auf der Westernplatte gefährdet, um so mehr, als der Freien Stadt Danzig vom Völkerbund ein direktes Eingreifen (action directe) untersagt ist. Die Auseinandersetzungen zwischen Danzig und Polen haben dadurch schärfste Zuspitzung erfahren. Es ist unbedingt notwendig, daß diese Angelegenheit vor dem Völkerbundsrat geklärt und auf der bevorstehenden Iunitagung zur Entscheidung kommt, weil es für die Stadt Danzig untragbar wäre, weitere Gefährdung eigener Hoheitsrechte von polnischer Seite zu dulden. Die Terrorakte in Ostoberschlefien vor dem schlesischen Sejm. Kattowitz. 25. Mai. In der gestrigen Sitzung des schlesischen Sejms wurde vom Deutschen Klub «in Antrag eingebracht, in dem es u. a. heißt: In der letzten Zeit kann man in der Wojewodschaft eine Zunahme der Terrorfälle gegen Angehörige der deutschen Minderheit feststellen. Insbesondere die Ereignisse in Rybnik erwecken den Anschein, als ob der Kampf gegen die deutsche Minderheit mit allen Mitteln durchgeführt werden soll, auch mit solchen Mitteln, die eines Rechtsstaates unwürdig sind. Die amtliche Berichterstattung über diese Vorgänge widerspricht der Wahrheit. Die wahren Urheber dieses Terrors werden nicht zur Verantwortung gezogen, und auf diese Weise zur weiteren Banditenarbeit ermuntert. Zum Schluß empfiehlt der Deutsche Klub dem Sejm die Annahme einer Entschließung in der gefordert wird: Diejenigen Beamten, auf welche die Verantwortung für die letzten Terrorfälle insbesondere in Rybnik fällt, sind zur strengsten Verantwortung heranzu- ziehen und aus dem Dienst sofort zu entlassen. Der Antrag des Deutschen Klubs wurde einer achtgliedrigen Kommission zur Untersuchung der Vorfälle übergeben. Lettland als Seemacht. Ueberall wird „ab"gerüstet. Riga, 25. Mai. Im Libauer Kriegshafen liefen vorgestern die beiden auf französischen Werften neuerbauten Unterseeboot« „Roms" und Spihdola", begleitet von den drei lettländischen Minensuchern, unter dem Jubel der am Quai versammelten Menschenmenge ein. Während in der Luft eine Staffel Wasserflugzeuge kreuzte, hatte am Ufer das Libauer Infanterie^ regiment Aufstellung genommen, dessen Kapelle die Etaats- grollenden Echo an den Gewölbemauern brach, schreckte den halb bewußtlosen Knaben wieder empor. Ein Wachtmeister und ein Schutzmann standen auf der anderen Seite des Toten. „Wer find Sie, und wie ist Ihr Name?" wandte sich der Wachtmeicher an Ludolf. „Ich bin der älteste Stiefsohn dieses teuren Dahingeschiedenen. ich heiße Ludolf Wangerin." „Und der dort?" fragte der Beamte. „Ist — ist — war mein Bruder, mein Halbbruder Anatol Wangerin. Jetzt kenne ich ihn nicht mehr." „Herr Notar Rönnig eröftnete mir soeben, Sie hätten gesehen, wie Ihr Bruder seinen Stiefvater die Kellertreppe hinabgestoßen — erhalten Sie diese Behauptung aufrecht?" In dem Klang der Stimme dieses Mannes lag etwas, das Ludolf wie Mißtrauen gegen seine Angaben oorkam; Anatol schien auf den Beamten nicht den Eindruck eines Mörders zu machen, und um nicht in den Verdacht zu kommen, falsch ausgesagt zu haben, entgegnete er mit der chm eigenen raffinierten Verstellungskunst in bebendem Ton: „Muß ich denn gegen meinen einzigen Verwandten zeugen, muß ich alles sagen, auch wenn es mir das Herz abdrückt?" „Was wollen Sie denn jetzt noch verschweigen oder bemänteln, nachdem Sie bereits Ihre Anklage vor zwei Personen, dem Herrn Notar und seinem Schreiber gemacht haben?" Ludolf schlug jetzt seufzend die Hände vor das Gesicht. „Das ist ja wahr," versetzte er mit tiefbekümmertem Ton, „jetzt kann ich nichts mehr verheimlichen." Der Wachtmeister notierte alles, was er gehört, in sein Buch, dann wandte er sich an den unglücklichen Knaben, welcher der verbrecherischen Habgier eines Verworfenen, dessen leiblicher Vater auch der seinige war, dessen Namen sie beide trugen, zum Opfer fallen sollte. „Anatol Wangerin — du bist verhaftet. Folge uns!" Bei dieser Anrede, dieser furchtbaren Aufforderung schrak Anatol heftig zusammen, die dumpfe Starrheit wich von ihm, und im Unverstand der Jugend, die noch nicht ein- sehen will, daß man sich in unabänderliche Dinae füaen Hymne intonierte. Der Chef der lettländischen Küstenschutzflottille, Graf Archibald Keyserling, ein deutschbaltischer Edelman», wurde vom Libauer Garnisonschef und vom Bürgermeister mft herzlichen Ansprachen begrüßt, während die Offiziere und Mannschaften von Damen mit Blumen überhäuft wurden. Die beiden neuen Unterseeboote führen bei einer Wasserverdrängung von 450 Tonnen sechs Torpedorohre und ei» 7,6 Zentimetergeschütz. Um die Todesstrafe Beibehaltung im »ene« Strafgesetzbuch. — Regelung sin internationale« Recht. Im Hildesheimer Gefängnis sitzen die beiden jungen Attentäter von Leiferde und warten auf ihr Schicksal. Dieses Schicksal liegt in den Händen des preußischen Staatsmini- steriums, das über Leben und Tod der Attentäter zu entscheiden hat. Wie diese Entscheidung aber auch ausfallen mag, es wird immer Bevölkerungsteile geben, die sich gegen die Entscheidung wenden werden. Neben den Besonderheiten des einzelnen Falles hängt das mit der grundsätzlichen Stellungnahme zusammen, die bei der Todesstrafe immer umstritten gewesen ist. Ter dem Reichstag jetzt zugegangene Entwurf eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches enthält im 8 33 wiederum wie auch das geltende Recht die Todesstrafe. Der Entwurf befindet sich darin in Uebereinstimmnng mit. den früheren Strafgesetzentwürfen. Die Todesstrafe soll jedoch nur Anwendung finden bei Mord, und auch hier ist ihr Anwendungsgebiet gegenüber dem bisherigen Rechtszustand insofern eingeschränkt, als der Entwurf abweichend vom geltenden Recht auch bei dem Verbrechen des Mordes mildernde. Umstände zuläßt und für diesen Fall an die Stelle der Todesstrafe eine Freiheitsstrafe setzt. Der Strafgesetzentwurf geht auch auf die grundsätzliche Frage, ob die Todesstrafe überhaupt beizubehalten oder völlig abzuschaffen ist, ein. Es wird darauf hiugewiesen, daß diese Frage schon bei der Schaffung des Strafgesetzbuches für den Norddeutschen Bund eine außerordentliche Rolle gespielt hat und seitdem nicht zur Ruhe gekommen ist.. Die Anhänger der Todesstrafe sind ebenso wie ihre grundsätzlichen Gegner in allen Volksschichten und in Kreisen der verschiedensten politischen und religiösen Anschauungen zu finden. Der vorliegende Entwurf gibt auch die Erwägungen, an, auf die die Gegner der Todesstrafe sich stützen. Sie fei. ein Ueberbleibsel aus dem Mittelalter, sie wirke verrohend,, sie lasse als unteilbare Strafe keine Abstufung des Strafübels nach der Schuld des Täters zu und lasse dem verurteilten Verbrecher nicht mehr die Möglichkeit, sich selbst zu beffern. Etwaige Vollstreckung der Todesstrafe gegen einen Unschuldigen schädige bas Vertrauen zur Rechtspflege sowie den Staatsgedanken außerordentlich. Die Gegner der Todesstrafe weisen auch darauf hin, daß sich in den Ländern, in denen die Todesstrafe zum Teil seit vielen Jahren abgeschafft ist, schlechte Erfahrungen, insbesondere eine Steigerung der'Mordfälle, nicht gezeigt hätten. Der Entwurf des Reicksjustizwinisteriurns weist selbst daraus bin. daß man gerade für den vorliegenden Entwurf gegen die Beibehaltung der Todesstrafe geltend machen könne, daß dadurch die «»- gestrebte Rechtsangleichung mit Oesterreich in einem wesentlichen Punkte verhindert werde, da Oesterreich die Todesstrafe für das ordentliche Verfahren abgeschasft und ihre Beseitigung in seiner Verfassung festgelegt hat. Selbstverständlich gibt der Entwurf auch die Gründe an, die für die Beibehaltung der Todesstrafe sprechen. Das Bewußtsein ihres Bestehens sei geeignet, dem Staatsbürger das nötige Gefühl der Sicherheit des Lebens zu geben. Die Todesstrafe stehe in Einklang mit der Rechtsüberzeugung des überwiegenden Teils der Bevölkerung und entspreche, wie die Statistik lehre, auch heute noch den Bedürfnissen des Rechtslebens. Der Staat dürfe sich in seinen Strafmitteln nicht erschöpfen, er stehe sonst Personen, die bereits zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt seien, machtlos gegenüber. Für besonders unruhige Zeiten müsie die Todesstrafe auf jeden Fall beibehalten werden. Die Anhänger der Todesstrafe behaupten, daß die Erfahrungen der ausländischen Staaten, die diese Strafe abgeschafft hätten, keineswegs günstig seien, im übrigen seien dort andere wirtschaftliche, soziale und politische Verhältnisse als in Deutschland. In dem Entwurf des Reichsjustizministeriums heißt es nun: „Der Entwurf verkennt nicht das Gewicht der gegen die Todesstrafe erhobenen Einwände. Er hält aber die Zeit für ihre Abschaffung nickt für gekommen. Angesichts der infolge deS Krieges eingetretenen allgemeinen Verrohung, angesichts der noch fortdauernden Zunahme von Mordtaten grauenerregen, der Art erscheint es nicht möglick. auf das in der Todes- strafe zweifellos liegende starke Abschreckungsmittel zu ver- z-ckten. Der Entwurf behält deswegen die Todesstrafe mit muß, rief er mit seinem alten, wiedererwächenden Stolz: „Nein, ich folge Ihnen nicht! Sie haben kein Recht, mich zu verhaften, denn ich habe meinen Stiefvater nicht hinab- gestoßen — mein Bruder lügt." Die Beamten lächelten spöttisch. „Keine Redensarten — mitkommen jetzt." sagte der Schutzmann, nach des Knaben Arm haschend. Anatol riß sich los und klammerte sich an den Toten, als könnte dieser ihn schützen gegen die feindliche Uebermachi. „Gib es nicht zu, Vater, dulde es nicht — du weißt, daß es anders ist. Wiederhole noch einmal deine Warte, die du vorhin gesagt: „Dies Kind tat mir nichts zuleide, ich stürzte von selbst." Vater, Vater, sie wollen mich unschuldig ins Gefängnis schleppen; ach, sprich nur ein Wort, nur ein einziges Wort, und ich bin gerettet!" Aber des Geängstigten Flehen, seine heißen Klagen verhallten — die bleichen Lippen blieben geschlossen. Die Beamten nahmen ihn zwischen sich und zogen ihn fast gewaltsam die Stufen mit sich hinauf. Inzwischen hatte Liese, welche ein sehr schwatzhaftes Mädchen war, die Dienstboten des Vorderhauses von dem Vorgefallenen in Kenntnis gesetzt, diese wieder hatten die unerhörte Neuigkeit ihren Herrschaften mitgeteilt, und so stand der ganze Hof und der Torweg voller Menschen. Erwachsene Personen und sämtliche Kinder bildeten eine Gaffe, welche der in namenlosem Schamgefühl Vergehende mit seinen beiden Transporteuren passieren mußte. „Gräßlich, gräßlich," tönten verschiedene Stimmen rings umher, „man müßte einmal ein Beispiel statuieren, müßte ihn den Schutzleuten entreißen!" Mehrere Personen umdrängten die Beamten und chren Arrestanten, versuchend, auf Anatol mit den Fäusten einzudringen. „Hinweg!" schrien die Polizisten, „im Namen des Gesetzes! Hinweg! Gerechtigkeit zu üben ist Sache der Justiz. Wer sich an dem Arrestanten vergreift, wird verhaftet!" Diese Worte machten Eindruck. Die erregten Paffanten wichen zurück. Ar. 84. Jahrgang 1927. Len dargelegte» Einschränkungen bei» die geeignet stnd, die gegen die Todesstrafe bestehenden grundsätzlichen Bedenken wesentlich abzuschwächen." Nach der beigegebenen Kriminal- Statistik zeigt sich allerdings» daß die Erkennung der Todesstrafe in der Nachkriegszeit wesentlich höher ist als in den Jahren vor dem Kriege. Das schlimmste Jahr war das Jahr 1920. Hier wurde auf Todesstrafe erkannt gegen 177 Personen» die Todesstrafe wurde vollstreckt gegen 33 Personen. Erfreulicherweise sind im Jahre 1925 diese Zahlen wieder gesunken. Es wurde in diesem Jahre erkannt auf Todesstrafe gegen 95 Personen, vollstreckt wurde sie an 22 Personen. Beachtenswert ist die dem Entwurf beigegebene Darstellung über die Todesstrafe im internationalen Recht. Man kennt die Todesstrafe nicht in einer Anzahl südamerianischer und mittelamerikanischer Länder. Unbekannt ist anch die Todesstrafe in den Niederlanden, Norwegen, Portugal» Rumänien» Schweden sowie in einigen Kantonen der Schweiz. In den neueren Strafgesetzcntwürfen von Dänemark, Finnland, Lettland, der Tschechoslowakei und Ungarn wird die Todesstrafe ebenfalls fallen gelaffen. In anderen Ländern hat man zwar die Todesstrafe, aber sie wird außerordentlich selten vollzogen. Auch die Art der Verbrechen, wegen deren auf Todrsstrafe erkannt wird und die Art der Vollstreckung ist außerordentlich verschieden. In Italien kennt das allgemeine Strafgesetzbuch die Todesstrafe nicht, aber durch das Gesetz vom 25. November 1926 ist sie wieder eingeführt für Taten gegen das Leben des Königs, der königlichen Familie und des Hauptes der Regierung! ferner für Landesverrat, Hochverrat, Rebellion und das Unternehmen des Bürgerkrieges. Der Vollzug der Todesstrafe geschieht im allgemeinen durch Hängen, Enthauptung oder Erschießen. In den Bereinigten Staaten geschieht bekanntlich der Vollzug durch Elektrokution. In Spanien wird die Todesstrafe mittels Strangulation durch die Würgschaube, die sogenannte Garrote, vollstreckt. Sowjetrußlanü kennt die Todesstrafe durch Erschießen in vielen Fällen, und zwar handelt es sich hier meist um politische und militärische Taten. Baden. Me Aufwertung der Sparguthadr«. PS Der Sparer-Schutzverband hat unlängst zur Frage der Aufwertung der Sparbassen-Guthaben eine Notiz veröffentlicht, durch welche der Nachweis, zu führen versucht wurde, daß die badische Regelung für die Aufwertung der Sparbassen-Gnt- haben für die Spargläubiger ungünstiger sei, als jene in Württemberg und Hessen. Um für die Aufwertung der Sparguthaben möglichst eine einheitliche Regelung zu erzielen, traten vor einigen Tagen die Vertreter der deutschen Länder zu einer Beratung zusammen, auf welcher beschlossen wurde, daß die Aufwertungsmasse restlos den Sparern zugute kommen soll. Me Aufwertungskosten sollen möglichst nicht aus der Aufwertungsmasse beglichen werden. Eine weitgehende Berücksichtigung der Bedürftigen und eine möglichst baldige Ausschüttung der Aufwertungsbeträge soll angestrebt werden. Im Hinblick auf dieses Programm wird der Badische Minister des Innern in Kürze die entsprechenden Anordnungen treffen. Richtig ist. Württemberg hat wie Baden als Mindestauf- wertungssatz 12Vr v. H. festgesetzt und dies unter Bildung einer Teilungsmasse und Bestellung eines Treuhänders. Ob die Bestellung eines einzigen Treuhänders für sämtliche Sparkassen des Landes (etwa 70 Proz. an der Zahl) dem Wunsche der Sparer gerecht wird, das kann sehr bezweifelt werden. Das Ministerium übernimmt bei dieser Lösung die Verantwortung für die Höhe des Aufwertungssatzes jeder einzelnen Sparkasse. Me württembergische Regelung ist aber auch für .die Sparer insofern ungünstiger wie die badische, als Württemberg die Verzinsung des aufzuwertenden Guthabens erst vom 1. 1. 1928 an kennt, Baden dagegen vom 1. 1. 1927 an. Baden hat außerdem noch angeordnet, daß die nach dem 14. 6. 1922 ausbezahlten Guthaben auch bei Annahme ohne Vorbehalt aufgewertet werden müssen. Die anderen Länder haben diese günstige Regelung nicht. Die in Baden seit Juni 1926 für die Auswertung von Sparguthaben getroffene Regelung entspricht dem Auf- wertungsgesetz und stimmt mit den meisten Verordnungen der übrigen Länder, insbesondere mit der preußischen Verordnung überein. Der Landtag hat diese Verordnung gebilligt. gur Wahlreform in Baden n. Die Regierungsvorlage. In ihrer Erklärung vom 4. Dezember 1926 kündigte die badische Regierung dem Landtag die Einbringung eines neuen Landtagswahlgesetzes an, das „unter Wahrung der verfassungsmäßig festgesetzten Verhältniswahl die Schäden beseitigen soll, die sich aus dem bisherigen Wahlverfahren unstreitig ergeben haben." Diese Vorlage ist nun dem Landtag zugegangen. Da eine Verfassungsänderung vermieden werden soll, — eine solche ist nur durch eine Volksabstimmung möglich, und man will gewiß diesen großen Apparat nicht in Bewegung setzen — mußte die Vorlage sich auf 2 Dinge beschränken: 1. Auf die Aenderung der Wahlkreiseinteilung: 2. auf die Abschaffung der Landesliste. Der Gesetzentwurf, mit deffen Beratung der Verfaffungs- ausschuß des Landtags begonnen hat, sieht eine Erhöhung der Zahl der Wahlkreise von jetzt 7 auf künftig 22 vor. Die jetzigen Wahlkreise werden also nach Umfang und Wählerzahl erheblich verkleinert. Tie drei größten Städte des Landes: Mannheim, Karlsruhe und Freiburg bilden je einen Wahlkreis für sich. Im übrigen bleiben die Amtsstädte in ihren Amtsbezirken: die einzelnen Wahlkreise setzen sich aus einem oder mehreren Amtsbezirken zusammen, je nach der Einwohner- und Wählerzahl der einzelnen Amtsbezirke. Es ergibt sich somit folgende WahlkreiKeinteilung: 1. Wahlkreis: Meßkirch-Pfullendorf-Stockach-Ueberlingen: 2. Wahlkreis: Konstanz: 3. Wahlkreis: Tonaueschingen-Engen: 4. Wahlkreis: Walöshut-Säckingen: 5. Wahlkreis: Schopf- heim-Lörrach-Müllheim: 6. Wahlkreis: Freiburg-Stadt: 7. Wahlkreis: Freiburg-Land-Staufen-Neustadt-Waldkirch: 8. Wahlkreis: Emmendingen-Lahr: 9. Wahlkreis: Villingen- Wolfach: 16. Wahlkreis: Offenburg-Oberkirch: 11. Wahlkreis: Kehl-Bühl: 12. Wahlkreis: Rastatt: 13. Wahlkreis: Karlsruhe-Stadt: 14. Wahlkreis: Karlsruhe-Land-Ettlingen: 15. Wahlkreis: Pforzheim: 16. Wahlkreis: Bruchsal-Bretten: 17. Wahlkreis: Sinsheim-Wiesloch: 18. Wahlkreis: Mannheim-Stadt: 19. Wahlkreis: Mannheim-Land-Weinheim: 20. Wahlkreis: Heidelberg: 21. Wahlkreis: Mosbach-Adelsheim: 22. Wahlkreis: Buchen-Tauberbischofsheim-Wertheim. Die Wahlkreiseinteilung war unter dem früheren Mehr- heitswahfrecht häufig ein Mittel zu ganz bestimmten politischen Zwecken. Bei der Verhältniswahl ist sie bas in dem früheren Ausmaß nicht mehr, sie ist aber auch heute noch von erheblicher Bedeutung. Wenn man sich die vorstehende Wahlkreiseinteilung betrachtet, so kommt man zu der Auffassung, daß sie im allgemeinen eine ungekünstelte ist, weil Der Laudbste * Sinsheimer Zeitung. sie im großen und ganzen die wirtschaftlich und verkehrstechnisch zusammengehörigen Gebiete zusammenlegt. Einzelne Wahlkreise könnte man sich freilich von diesen Gesichtspunkten aus anders und besser zusammengesetzt denken, beispielsweise den 7. Wahlkreis, der nach der Vorlage den ganzen Amtsbezirk Freiburg, dazu Neustadt, Staufen und Waldkirch umfaffen soll, also vom hohen Schwarzwald bis nach Breisach geht, damit nicht nur räumlich viel zu groß ist, sondern auch wirtschaftlich ganz verschiedenartig konstruierte Gebieksteile umfaßt. Ebenso wäre vielleicht eine andere Verteilung der jetzt zum 16. und 17. Wahlkreis gehörigen Amtsbezirke Bretten-Bruchsal und Sinsheim-Wiesloch zweckmäßig und möglich. Im übrigen kann man sich mit der vorgeschlagenen Einteilung wohl einverstanden erklären. Daß die Städte Mannheim, Karlsruhe und Freiburg trotz ihrer großen Wählerzahl jeweils einen Wahlkreis für sich bilden und daß nicht jede der drei Städte wieder in einzelne Wahlkreise zerlegt wird, scheint mir durchaus zweckmäßig. Die früheren Erfahrungen haben gezeigt, daß man eine Stadt unmöglich in einzelne Wahlkreise zerreißen kann, wenn man sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, daß man eine ganz willkürliche Wahlkreisgeometrie treibt. Die Landtagswahlen sollen also künftig nach dieser neuen Wahlkreiseinteilung vorgenommen werden. In jedem Wahlkreis stellt jede Partei mindestens 2 Kandidaten auf: auf je 10 000 Stimmen ist ein Abgeordneter gewählt, die verbleibenden Reststimmen werden durch das ganze Land hindurch zusammengezühlt und es gibt wiederum auf je 10 000 Stimmen einen Abgeordneten. Diese Neststimmenmandate werden aber künftig nicht mehr der Landesliste zngeteilt, sondern die Landesliste fällt weg und es erhalten die Reststimmenmandate der Reihe nach diejenigen Wahlkreise, die der Wahlzahl 10 000 am nächsten gekommen sind, das heißt, die die höchste Stimmenzahl ausgebracht Halen. Ter Wegfall der Landesliste ist die zweite Aenderung die die Vorlage bringt. Es wird also künftig jeder Abgeordneie in einem Wahlkreis gewählt sein, Landeslistenabgeordnete wird es nicht mehr geben. Damit ist der wesentliche Inhalt der Regierungsvorlage wiedergegeben: zur Kritik soll in einem abschließenden Artikel Näheres gesagt werden. Der Reichskvmmiffar für die besetzte« Gebiete im Hanauer Land. Kehl, 27. Mai. Am heutigen Freitag trifft der Reichs- kommissar für die besetzten Gebiete, Freiherr Landwerth von Simmern in Begleitung des zuständigen Referenten des badischen Innenministeriums in Kehl ein, um mit den Behörden, Bürgermeistern und Organisationen Besprechungen über die schwierige Lage im besetzten Hanauer Land zu haben. Vor seiner Hierhrkunft weilte der Reichskvmmiffar in Karlsruhe zum Besuch des Staatspräsidenten Dr. Trunk. (Man geht wohl nicht fehl, wenn man diesen Besuch des Reichskommissars mit den in letzter Zeit im Hanauer Land lautgewordenen Klagen über die geringe Berücksichtigung der Wünsche dieses besetzten badischen Landesteils in Verbindung bringt. Zum Konflikt in der Jngenieurschnle. Mannheim, 26. Mai. Die Direktion der Ingenieurschule gibt bekannt, daß am kommenden Freitag der Unterricht wieder ausgenommen wird. Weiter heißt es in der Bekanntmachung, daß den Studenten, die diesen Termin nicht ein- halten, das Semester nicht angerechnet werden wird. Die Abmachungen würden nur bestehen bleiben, wenn der Unterricht ausgenommen wird. Da nun die Jngenieurschüler in einer Versammlung erklärt haben, diese Abmachungen nicht anerkennen zu können, so muß abgewartet werden, in wie weit der Aufforderung der Direktion Folge geleistet wird. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 27. Mai. (Karlsruher Besuch.) In unserer badischen Residenz bestand früher eine „Sinsheimer Kolonie", die ihren Stammtisch im Darmstädter Hof hatte. Ueber den Weltkrieg ist sie der Auflösung verfallen. Unter dem Namen „Vereinigung ehemaliger Sinsheimer Oberrealschüler" hat sich dann eine neue Kolonie gebildet, welche über vierzig Mitglieder zählt, die ehemals die hiesige Oberrealschule besucht haben und heute in Karlsruhe in Amt und Würden sich befinden. Jeden letzten Freitag im Monat findet abends eine Zusammenkunft im „Krokodil" statt, bei der Gäste aus Sinsheim stets willkommen sind. Eine größere Zahl der Mitglieder dieser Vereinigung benützte den gestrigen schönen Maientag zu einem Ausflug nach Sinsheim, das Manche seit dreißig Jahren nicht mehr gesehen hatten. Bon Ittljngen aus führte sie der Weg nach dem Steinsberg und nach kurzem Aufenthalt weiter nach Sinsheim, wo im Hotel Post das Mittagessen eingenommen und mit inzwischen hinzugekommenen Freunden in gemütlichem Beisammensein alte Erinnerungen ausgetauscht wurden. Dann wurden die Stadt und die Gartenstadt besichtigt und manch anerkennendes Wort über die vorteilhaften Veränderungen des Stadtbildes und die Neuschöpfungen wurde laut. Im Gasthaus „zu den drei Königen" traf man wieder zusammen und in den gastlichen und stilvollen Räumen der Kasino-Gesellschaft fand der Besuch seinen freundschaftlichen Ausklang. Hochbefriedigt fuhren unsere Gäste mit dem Abendzug nach der Residenz zurück. —k Sinsheim, 27. Mai. (Prämierung.) Bei der gestern in Schwetzingen stattgefundenen atlg. Hundeschau konnten folgende Hunde mit Preisen bedacht werden: Airedare Terrier Rüde „Dix v. Neckarstrand" Bes. Karl Biedermann „vorzüglich" an dritter Stelle. Gefleckte deutsche Dogge „Senta v. Helmstadt" Bes. derselbe, „sehr gut". Airedale Terrier Hündin „Lilly v. weißen Laub" Bes. Paul Frank „Sehr gut" an erster Stelle. * Sinsheim, 25. Mai. (Die beginnende Erdbeerzeit) läßt es angebracht erscheinen, darauf hinzuweisen, daß der Genuß der köstlichen Frucht nicht für jedermann zuträglich ist. Die Erdbeere erzeugt bei manchen Personen Nesselfieber, einen mtt Temperaturerhöhung verbundenen Ausschlag, der oft so stark austritt, daß er die äußerlichen Erscheinungen des Scharlachs vortäuscht. Im allgemeinen neigen blonde Individuen häufiger zur Nesselsucht als Brünette. Erdbeeren sind das weichste Beerenobst und werden infolgedessen am leichtesten zerquetscht. Ist dies geschehen, so bildet sich unverzüglich ein Ferment, das die schädlichen Wirkungen hervorruft, während völlig unbeschädigte Beeren diese Gefahr anscheinend nicht bergen. Mr Gefahr des Nesselfiebers kann man freilich dadurch entgehen, daß man die Erdbeeren mit Schlagrahm ißt, weil durch das Fett die giftige Wirkung paralysiert wird. * Sinsheim, 26. Mai. (Reisendes Schwindlerpaar.) In Baden, hauptsächlich im Odenwald, treibt sich zurzeit ein Schwindlerpaar umher, das unter dem Borgeben, es sei aus dem Elsaß ausgewiesen, habe Hab und Gut verloren und sei nun in großer Not, besonders in Pfarrhäusern Unterstützungen erschwindelt. Der Mann gibt sich als Ingenieur aus. Das Paar ist nicht verheiratet. Es wird vor ihm gewarnt. Etwa Geschädigte, die noch keine Anzeige erstattet haben, werden gebeten, dem Landespolizeiamt Karlsruhe schriftlich Mitteilung zu machen Freitag, den 27. Mai 1927. t Neckarbischofsheim, 27. Mai. (Besuch des Mannheimer Schwimmvereins.) Am kommenden Sonntag wird die Gesangsabteilung des bekannten Mannheimer Schwimmvcrcins Gelegenheit nehmen, ihren ehemaligen Leiter und Mitschwimmer Ernst Fleig in seiner neuen Heimat zu besuchen. Aus diesem Anlaß hat. es sich der hiesige Kirchenchvr nicht nehmen lassen, zusammen mit den Pfälzer Gästen eine musikalische Aufführung in der „Krone" zu veranstalten. * Eppingr«, 26. Mai. (Eine Zuchtviehschau) der Fleck- oiehzuchtgenossenschast Eppingen findet am 3. Juni ds. Is., vormittags auf dem Karlsplatz statt. Hiermit verbunden ist gleichzeitig eine staatliche Zuchtviehschau. — Mannheim, 27. Mai. (Dom Auto überfahren.) Am Donnerstag morgen zwischen 1l und 12 Uhr wurden auf der Straße Seckenheim—Friedric^feld ein junger Mann und seine Braut (beide im Alter von 22 Jahren) von einem Mannheimer Auto überfahren. Beide sind tot. Der 22 Jahre alte Chauffeur wurde festgenommen und ins Amtsgefängnis eingeliefett. ** Weinheim, 27. Mai. (Merkwürdiger Vorfall.) Vom Gorxheimer Tal erschien am Samstagvornnttag plötzlich ein nackter Mann in der Stadt, der mit Oelfarbe bestrichen war. Da er vor Kälte so erstarrt war, daß er nicht sprechen konnte, wurde er ins Krankenhaus eingelieferr Die Personalien des Mannes und die Ursache seines merkwürdigen Gebahrens sind noch nicht festgestellt ** Karlsruhe, 26. Mai. (Selbsttötungsvcrsuch.) Gestern versuchte sich ein stellenloses 26 Jahre altes Dienstmädchen in ihrer Wohnung zu vergiften, konnte aber durch Hausbewohner daran gehindert werden. Die Lebensmüde wurde in bewußtlosem Zustande ins Städtische Krankenhaus verbracht. Motiv der Tat war Liebeskummer. ** Helmlinge» bei Kehl, 27. Mai. (Die Folgen eineßs Gewitters. — Eine Tragikomödie.) Zwei Nachbarn lebten hier seit langer Zeit in Fehde, bedrohten und beschuldigten sich gegenseitig, so daß keiner dem anderen mehr über den Weg traute. Als nun dieser Tage ein Gewitter über den Ort zog und es ergiebig regnete, stieg der eine von ihnen auf seine Heubühne, um nachzusehen, ob es nicht durchregne. Kaum war et oben, vernahm er ein von Donner und Blitz herrührendes Krachen, und sofort war bei ihm die Meinung aufgekommen, sein Nachbar habe.mehrere Schüffe auf ihn abgegeben. Er zeigte diesen an, und als man den bösen Nachbarn festnehmen wollte, schloß dieser sich in sein Haus ein und die Gendarmerie mußte die Tür mit Gewalt öffnen. Schließlich kam aber der wahre Sachverhalt ans Tageslicht und der Festgenommene wurde wieder ans freien Fuß gejetzt. ** Bad Peterstal, 26. Mai. (Seinen Verletzungen er- legen.) Der vom neuen Kirchturm, letzter Tage abgestürzte Arbeiter Vögele ist gestern abend seinen schweren Verletzun- gen erlegen. ** Hausach, 26. Mai. (Mit der Pistole in einen Streik eingegrifsen.» Auf der Staatsstraße in Rexingen wurde zwischen jungen Burschen von Rexingen und Altnuifra ein Streit mit Stöcken ausgetragen. Plötzlich griff ein Bursche namens Steimle aus Altnuifra zur Pistole und gab einen Schuß auf den 21 Jahre alten Wilhelm Göttler von Rexingen ab, der, in die Lunge getroffen, zufammenbrach und bald darauf starb. Der Täter wurde nach Horb eingeliefert. ** Emmeudingen, 26. Mai. (Unglücksfälle.) Der verheiratete 28 Jahre alte Taglöhner Hermann Müller von hier wurde am Sonntag abend kurz nach 11 Uhr schwer verletzt gegenüber dem Eingang zur Ramiefabrik, neben den Eisenbahnschienen liegend, aufgefunden. Er wurde in seine in nächster Nähe gelegene Wohnung gebracht, wo er nach IM Stunden starb. — Der 15 Jahre alte Schlofferlehrling Hel- muth Jauch wurde von abgleitcnden Blechen gegen eine Wand gedrückt, wodurch die Wirbelsäule schwer gequetscht wurde. ** Tenninge«, Amt Emmendingen, 27. Mai. (Tödlich verunglückt.) Bor einem Auto scheute das Pferd des Landwirts Wilhelm Frotz. Die 66jährige Ehefrau des Landwirts wollte vom Wagen herunterspringen, stürzte dabei aber so unglücklich, daß sie einen Schädelbruch erlitt und daran starb. ** Freiburg, 26. Mai. (Von einem Heiratsschwindler betrogen.) Einem Heiratsschwindler ging 'eine in Vergedorf bei Hamburg angestellte Lehrerin ins Garn. Obwohl verheiratet, fing der aus Dieuze (Lothr.) stammende 34jährige Kaufmann Paul Schulz ein Verhältnis mit der Lehrerin an. Im März d. I. wurde in Bergedorf Verlobung gefeiert, bei der die Freunde und Bekannten der Brautfamilie zugegen waren. Unter dem schwindelhaften Vorgehen, er brauche Mittel zur Finanzierung epochemachender Erfindungen, lockte Schulz der Braut und ihrem Vater fast 5000 Reichsmark heraus. Mit dem Geld führte er an seinem Wohnsitz Freiburg ein fideles Verschmenderleben, das von der Strafverfolgungsbehörde unterbrochen wurde, weil man durch die von Bergedorf nach Freiburg geschickten Verlobungskarten seinem Treiben auf die Spur kam. Der Schwindler wurde nun vom Einzelrichter zu neun Monaten Gefängnis und zu dreijährigem Ehrverlust verurteilt. ** Donaneschingen, 27. Mai. (Kindersolbad.) Die Grundsteinlegung des Karlsruher Kindersolbads soll voraussichtlich im Spätsommer erfolgen. ** Radolfzell, 26. Mai. (Die beiden Beine abgefahren.) Ein entsetzlicher Unglücksfall trug sich in Mengen zu. Dem hier seit dem Jahre 1900 wohnhaften Zugführer Heinrich Thum wurden beide Beine abgefahren. Näheres über den Hergang des Unfalls ist noch nicht bekannt. ** Schwenningen (Württemberg), 27. Mai. (Die Nord- Südlinie.) Die Amtskörperschaft Rottweil hat ihre Zustimmung zu dem Vorschlag des Bezirksrates gegeben, daß die Amtskörperschaft zum Ausbau der württembergischen Nord-Süd-Eisenbahnstrecke ein Darlehen in Höhe von einer Million Mark leistet. ** Schwenningen, 26. Mai. In den letzten Tagen sind hier einige infektiöse Tarmerkrankungen mit Fieber aufgetreten. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, soll es sich nicht um eigentlichen Thypus durch Genuß schlechten Waffers handeln. Gewisse Vorsichtsmaßnahmen sind getroffen worden. ** Hirsa« (Württbg.), 26. Mai. (Noch gut abgelaufen.) Während am letzten Sonntag vormittag Ane größere Anzahl Besucher die berühmten Ulmen in der Klosterruine besichtigten, erfolgte plötzlich ein furchtbarer Krach. Ein gewaltiger Ast, der offenbar schon lange morsch war, war von der großen Ulme mitten im Raume abgestürzt, blieb aber glücklicherweise beim Fallen in den eisernen Stangen, die die Ruine im Innern zusammenhalten, hängen. ** Jsny (Bayern), 26. Mai. (Zigeunerrache.) Am Freitag fand in dem Usergehölz an der Argen bei Jsny eine Schießerei zwischen Zigeunern statt, wobei der Zigeuner Josef Reinhardt von Hartmannsweiler einen Schutz durch den rechten Fuß oberhalb dem Knöchel erhielt. Bei persönlichen Auseinandersetzungen wurde nach alter Zigeunerfitre „ Nr. 84. Jahrgang 1927. Der Landbote 4- Sinsheimer Jeitvug, Freitag, den 27. Mai 1927. der Amalie Kiefer von ihrem früheren Liebhaber Reinhardt mit einem Rafiermeffen wegen Untreue die Nase und das Gesicht zerschnitten. Reinhardt wurde nun von der Bande der Kiefer in dem Ufergehölz der Argen überrascht, und als er flüchtete, von dem jungen Emil Kiefer mit einer Browningpistole aus Rache durch den Fuß geschossen. Tin Karlsruher Auto in Essen schwer verunglückt Bei einer Schwarzfahrt in voller Fahrt aege» eine» Banm gerannt. Ein trauriges Ende nahm in der Nacht zum Mittwoch die Schwarzfahrt eines Karlsruher Chauffeurs in Essen. Eine Gesellschaft aus Baden weilt zu Studienzwecken in Effen. Die Chauffeure, die mitgekommen waren, nutzten die Gelegenheit aus und unternahmen nachts mit fünf Herren in Begleitung einer Dame mit dem Auto, das einer Karlsruher Firma gehört, eine Schwarzfahrt ins Ruhrtal. Gegen halb 4 Uhr morgens befand sich das Auto auf dem Rückweg nach Effen. Angeblich wurde es dem Chauffeur Kunz aus Malsch übel und er übergab das Steuer seinem neben ihm sitzenden Kollegen Biens-Karlsruhe. Dieser fuhr unmittelbar darauf in voller Fahrt gegen einen Baum. Der Anprall war so stark, daß der Wagen vollständig zertrümmert wurde. Auf die Hilferufe kam eine Polizeistreife an die Unfallstelle,' auch die Kontrolle der Effener Verkehrswache war um 3.80 Uhr an der Unfallstelle, gleichfalls sehr schnell der Arzt der städtischen Krankenanstalten. Einer der Chauffeure hatte die Wirbelsäule gebrochen. Das Mädchen lag besinnungslos an einer Gehirnerschütterung. Ein anderer Mitfahrer schwere Kopfverletzungen bzw. Brustquetschungen bavongetragen. Einer der fünf Herren blieb unverletzt, erlitt aber einen Nervenschock. Die Bewußtlosen wurden in die städtischen Krankenanstalten überführt. Sie waren im Laufe des Mittwoch nicht vernehmungsfähig, so daß man Einzelheiten darüber, wie eigentlich der Unfall zustande gekommen ist, noch nicht feststellen konnte. Komplikationen, sind bei den Verletzten bisher nicht eingetreten, deren Zustand ist aber zum Teil sehr bedenklich. Am Dienstagmittag fuhr ein Automobil auf der Landstraße zwischen Müllheim' und Auggen gegen einen Wagen. Die Insassen, ein Weinhändler und seine Frau aus Karlsruhe, erlitten beide Brüche des linken Unterschenkels. Der Chauffeur kam mit dem Schrecken davon. Rennfahrer Kappler schwer verunglückt Als Abschluß der antomobilfportlichen Veranstaltungen i« Wiesbaden fand gestern das „Rund r. de» Nero- Berg-Rennen" statt, i«. deren Verlauf sich mehr e Unfälle «eigneten. So erlitt auch unser heimatlicher Fahre. Franz Kuppler ans Gernsbach eine« schwere« U fall mit seinem Bngatti-Komprefforwage«. Bei einem Ueverholnngs- vcrsnch wurde sei« Wagen in weitem Bogen über die Böschung in de« Wald geschlendert, die Wucht war eine derartige, daß zwei 80 Zentimeter dicke Bäume direkt abgeknickt wurden und das Anto vollständig zertrümmert wnrde. Wie es de« Anschein hat, find die Verletzungen Kapplers zwar nicht lebensgefährlich aber immerhin recht schwerer Natur, während der Znstand des Beifahrers» eines Herr« ans Mannheim, bedenklicher Natnr find. Schwerer Raubüberfall auf einen Kassenboten Flugzeuge beteiligen fich an der Verfolgung der Räuber. Osnabrück, SS. Mai. Vor der Reichsbank in Osnabrück ereignete sich auf einer der verkehrsreichsten Straßen ein frecher Raubüberfall mit Mordversuch. Als ein Kas- senbotc der Osnabrücker Bank die Reichsbank mit 50000 Mark verließ, stürzten plötzlich ouf ein Zechen eines wartenden Autos zwei junge Leute aus einem Kafsee und überwältigten nach kurzem Handgemenge den Kafsenboten, wobei sie diesem die Geldkaffr entrissen, in den Wagen sprangen und abfuhren. Im Augenblick der Abfahrt klammerte sich der Kaffenbote an den Wagen unk- wurde darauf mit zwei Revi lverschüffen in den Leib und ins Herz nie- dergeürcckt. Ter Wagen mit den Banditen nahm die Richtung Bremen in rasender Fahrt. Dis wsort erschienene Uebersgllkommando nahm mit etwa zehn bewaffneten Wagen die Verfolgung auf. An ihr beteiligten sich auch drei Flugzeuge der niedersächstschen Lufthansa und des Osna- brücker Fliegersports. Kurz hinter Osterkappeln-Wohmte wurde der Wagen gesichtet, als dieser die Richtung nach Minden einschlug. Man konte bisher die Täter nicht fassen. Schweres Erplofionsunglück in einer chemische« Fabrik. Hannover, 28. Mai. In einer chemischen Fabrik in Seelze ereignete sich ein schweres Explosionsunglück, wobei der Chemiker Rottobohn tödlich verletzt und ein Arbeiter schwer verletzt wurden. Pinedo von einem deutsche« Kreuzer anfgenommeu: Berlin, 28. Mai. Wie die Abendblätter aus Liffabon melden, ist der Ozeanflieger de Pinedo zuerst von einem 'Segelschiff und dann von einem der zurzeit vor de» Shoren ankernden deutschen Kreuzern ausgenommen worden. EinFlngplatz im Ozean. Rewyork, 28. Mai. Wie aus Philadelphia gemeldet wird, kündigt der Erfinder Armstrou an, baß er innerhalb von zwei Monaten den Bau einer im Ozean verankerten Flugstation beginnen will. Weiße Mäuse i« Flugzeug. Berlin, 36. Mai. Gestern brachte ein Flugzeug der Lufthansa eine originelle Fracht nach Wien. Sie bestand ans weißen Mäusen für das Verjüngungsinstitut von Professor Steinbach. Heuschreckenplage in Südanatolien. Konstantinopel, 28. Mai. In Südanatolien bei Adana sind ungewöhnlich große Heufchreckenschwärme eingefallen. Zwischen Aleppe und Maabin mußte der Zugverkehr zeitweilig eingestellt werden, da die Züge infolge der großen Massen Heuschrecken, die die Bahnstrecke bedeckten, nicht vorwärtskommen konnten. Wie aus Syrien berichtet wird, hgt die Heuschreckenplage dort noch größeren Umfang angenommen. Znsammenstoß zwischen Aut» «nb Sibirien-Expreß. Riga, 28. Mai. Aus Moskau wird gemeldet, daß der sibirische Expreßzug bei der Station Taiga mit einem Personenauto zusammengestoßen sei. Vier Mann, darunter der Festungsingenieur Cawrilloff, sind getötet. Der Müggelsee-Tnnnel eröffnet. Berlin, 26. Mai. In Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Staats- und Kommunalbehörden ist gestern der neue Müggelsee-Tunnel etngeweiht worden. Ein Bank-Defrandant in London verhaktet. Basel. 26. Mai. Der Kassierer der Züricher Filiale der Schweizerischen Nationalbank, Koßler, der nach Unterschlagung von einer halben Million Franken am Gründonnerstag ein Motorbootunglück auf dem Züricher See vortäuschte und verschwand, ist in London verhaftet worden._ Steuerkalender Radio - Programm ^ für Samstag, den 28. Mai 1S27. Berlin (483), 20.30 Uhr Lustiges Wochenende. Anfchl. Umen- haltungsmufik der Kapelle Gebr. Steiner. 22.30 Uhr Tanzmusik. Breslau (318), 20.15 Uhr Konzert. 22.15 Uhr Tanzmusik. Frankfurt (428), Königsumsterhausen (1250), 12.00 Uhr Pro- menadenkonzert. 15.30 Uhr Zugendstunde. 16.30 Uhr Konzert des Hausorchesters: Karl Millöcker. 17.45 Uhr Die Lesestunde. 18.45 Uhr Vorträge. 20.15 Uhr Wienerabend. Anfchl. Tanzmusik. Hamburg (304). 20.00 Uhr Volkstümliches Konzert. Anfchl. Konzertübertragung a. d. Cafe Continental. Königsberg (394), 20.15 Uhr Grüner Abend. Anfchl. Tanzmusik. < Langenberg (468), 11.00 Uhr Schallplattenkonzert. 20.00 Uhr Köln: Kammermusik. 21.20 Uhr Heiteres Wochenende. 23.15 Uhr Konzertübertragung a. d. Cafe Corfv. Leidig (365), 20.15 Uhr Bunter musikalischer Abend. München (535), 19.30 Uhr Liederstunde. 22.00 Uhr Tanzmusik. Stuttgart (379), 13.10 Uhr Nachrichten, Schallplattenkonzsxt. 15.00 Uhr Kinderstunde. 16.00 Uhr UMerhaltungskonzert. 18.15 Uhr Borträge. 20.15 Uhr Kammermusikabend. Anfchl. Funkbrettl. Daventry (1600), London (361), 13.00 Uhr Konzert. 17.15 Uhr Kindeistunde. 18.00 Uhr Konzert. 19.45 Uhr Eric-Coates- Abend. 21.45 Uhr „Der Gesang" ejne mysteriöse Sendung. 22.30 Uhr Tanzmusik. Paris, (1750), 12.30 Uhr Radio-Konzert. 20.30 Uhr Radio- Konzert. 21.00 Uhr Gala-Konzert. Wien (516), 19.45 Uhr Operetten-Aufführung: „Das Sperrsechserl" Anfchl. Abend-Tanz-Konzert. Zürich» (500), 20.00 Uhr Hörspielabend. 21.00 Uhr Wunschstunde. 22.20 Uhr Tanzmusik. Prag (348), 21.00 Uhr Operettenmusik. 22.20 Uhr Schallplatten- Konzett. für den Monat Juni 1927 1. Zweite Hälfte der Vorauszahlung nach dem Ausbringungsgesetz (Reparationszahlung nach dem Dawesplan); keine Schonftist. 7. Lohnsteuerabzug für die Zeit vom 16. bis 31. Mai bzw. für dev Monat Mai (wegen der Pfingstfeiertage um 2 Tage verschoben); keine Schonfrist. 10. Die Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Umsatzsteuer- Vorauszahlungen sind aus Grund des Vereinfachungs- Erlasses vom 19. 2. 1927 allgemein nur noch vierteljährlich zu zahlen. Die nächste Zahlung ist also erst am 10. Juli für das 2. Kolenderviertel zu leisten. 10. Anmeldung und Zahlung der Börsenumsatzsteuet für den vergangenen Monat: keine Schonfrisi. 20. Ablieferung der Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 15. Juni, sofern der einzubehaltende Lohnsteuerbetrag mehr wie 200 RM. beträgt: keine Schonfrist. 80. Versicheiungssteuer der Monatszahler für den voraus- aeaangenen Monat._ Deutschlands erster weiblicher Richter Frl. Dr. Maria Hagcmaycr. Frl. Dr. jur. Maria Hagemeyer aus Köln, zur Zeit im Justizministerium, wurde vom preußischen Justizminister zur erste» weiblichen Land- und Amtsrtchterin ernannt. RabiösDertkiöb E. Schick, Uhrmachermeister. SiNShetM U. E. Dr.Seibt-Bertreter — Lager in Telefunten -Röhren, Anoden - Batterien — Sämtlichen Ersatzteilen, Varta-AHumulatoren-Ladestatto». — Telefon I». Marktberichte. Schweinemarkt in Bruchsal vom 25. Mai 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 51, Läufer 50. Verkauft wurden: Milchschweine 51, Läufer 36. Höchster Preis für Milchschweine Paar 45.—, für Läufer 70.— R.M. Niedrigster „ „ „ „ 30.—, „ „ 40— „ Mannheimer Kleinoiehmarkt. Dem Kleinviehmarkt am Donnerstag waren zugetrieben: 91 Kälber, — Schüfe, 313 Schweine, 612 Ferkel und Läufer. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Kälber — 80—84 72—76 62—68: Schafe — ; Schweine 64—65, 64—65, 65—66, 64—65, 63—64 ; Ferkel und Läufer 10—28, Reichsmark pro Stück. Marktverlauf: mit Kälbem ruhig, langsam geräumt; mit Schweinen ruhig, Ueberstand; mit Ferkeln und Läufern ruhig. Neueste amtliche Kurse vom 25. Mai 1927. mitgeteilt von der Dereinsbank, e. S. m. b. H. Sinsheim. Vnleiftcn: ln o/o Ablösungsschuld mit Auslosungsfchetn . . 3 1 S ohne Auslosungsschei» . . IS»,» Sankaktien: in o/o Bad. Bank . . . .153 Darmpädlcr- und Nattonalbanl fisßn Deutsche Bank .... 168i/< Deutsche Vereinsbank . i(.#i/j Dresdner Bank , . . i6eVs Mitteldeutsche Creditbanl . 215 Retchsbank .... ',6/8/4 Rhein. Kreditbank . . . >35 Südd. Disconto Ges. . . 150 Bergwerk»» Aktien in 0/0 Harpener Bergbau . . teer« trali Westeregeln . . i?o ManneSmunnrührenwerke. . lsr Mansfelder Bergb. u.tzüttenw. iso Oberschl. Eisenb. Bedarf . . 1048/4 Phönix Bergbau u.Hüttenbetrieb 126,10 Salzwerk Heilbronn . . 171 Bereinigte Königs» Laurahütte — Aktien indnftr. Note rnehurnnge«: in 0/0 »Ug. Wektr. Stammak.tten 1791/4 Badenia Wein heim . . — Bad. Elekirtzttät Mannheim . 0 , 0 « Bad. Maschinen Durlach . 14 z Eementwerk Heidelberg . 162 Daimler Motoren . . . 1,1 1/4 Dtsch. @oib» und Silberschelde 205 Tlektr. Licht und Kraft . . 1 BäV* Ematll. und Stanzwerk Nllrlch 52 V, Farbenindustrie . . . 2831 /, Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschinen Durlach . Ii0 : /i Karlsruher Maschinen . . — Knorr Heilbronn ... 132 Matnkraftwerke Höchst . . 131 Neckarsulmer Fahrzeugwerke . Isoi * Schlickert Tlektr. Nürnberg . 127 1/2 Setltndustrie Wolff ... »0 Südd. Zucker .... Hevt Zellstoff Waldhof Stammaktien 2781/r Aktie» deutscher Transportanstalten: in 0 /, Hamburg. Amertd. Paketfahrt 1328/4 Heidelberger Straßen- n. Bergbahn so Norddeutscher Lloyd . . 1341/2 Devisen: Beld Brief New-Dork 1 Dollar 4,2156 4,2236 London 1 Pfund 20,473 20,51* Holland 100 Gulden 168,76 I6e,i0 Schweiz 100 Francs 81.10 81 . 2 s Wien 100 Schilling 59.3» 59,51 Parts 100 Francs 16 -08 16.648 Italien 100 Lire 22.68 22.92 Seffeniliche AGrdemg zur Abgabe von Steuererklärungen für die Reichsvermögensteuer 1927 und die badische Gewerbesteuer 1927. I. Reichsvermögensteuer. A. Zur Abgabe einer Erklärung über ihr gesamtes steuerpflichtiges Vermögen find verpflichtet: 1. alle natürliche Personen (Deutsche und Nichtdeutsche), die im Bezirk des Unterzeichneten Finanzamts entweder ihren Wohnsitz haben oder sich im Reichsgebiet mehr als sechs Monate aufhalten, wenn sie bei Beginn des 1. Januar 1827 entweder a) ein steuerpflichtiges Gesamtoermögen sin- und ausländisches Vermögen) im Wette von mehr als 5000 RMk. besessen haben oder b) inländisches landwirtschaftliches, forstwirtschaftliches oder gärtnerisches Vermögen oder inländisches Grundvermögen besessen haben oder c) inländisches Betriebsvermögen im Wette von mehr als 5000 RMK. besessen haben. 2. a) Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Kolonialgesellschaften, bergbautreibende rechtsfähige Bereinigungen und nichtrechtsfähige Berggewerkfchasten, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Genossenschaften, Bersicherungsoereine auf Gegenfeittgkeit, Hypothekenbanken, Schiffsbeleihungsbanken, b) rechtsfähige und nichtrechtsfähige Vereine, Anstalten, Stiftungen, andere Zweckoermögrn und sonstige nicht unter a fallende Körperschaften des bürgerlichen Rechts, c) offene Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften, <1) Kreditanstalten des öffentlichen Rechts, wenn der Sitz oder der Ott der LeiMng im Bezirk des Unterzeichneten Finanzamts liegt. 8. Zur Abgabe einer Steuererklärung über das im Bezirk des Unterzeichnete« Finanzamts de- legene landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und gärtnerische Vermögen, Betriebsvermögen und Grundvermögen find ohne Rückficht auf den Wert dieses Vermögens verpflichtet: 1. alle natürlichen Personen, die im Deutschen Reich weder ihren Wohnsitz haben noch sich mehr als 6 Monate aufhalten; 2. alle Körperschaften, Personenvereinigungen, Ber- mögensmaffen, Gesellschaften und Anstalten, deren Sitz und Ort der Leitung im Ausland liegen. II. Badische Gewerbesteuer. 1. Zur Abgabe einer Steuererklärung über das Betriebsvermögen sind verpflichtet: Ohne Rücksicht auf Staatsangehörigkeit, Wohnsitz, Aufenthalt. Sitz oder Ort der Leitung die natürlichen Personen, die juristischen Personen des öffentlichen und des bürgerlichen Rechts, die nichtrechtsfähigen Vereine, Gesellschaften des bürgerlichen Rechts, offenen Handelsgesellschaften u. Kommanditgesellschaften, sowie die Zweckvermögen ohne eigene Rechtspersönlichkeit, die am 1. Januar 1927 (Stichtag) ein steuerpflichttges Gewerbe im Sinne des Grund- und Gewerbesteuergesetzes in Baden ausgeübt und ein steuerbares Betriebsvermögen von mindestens 2600 RMk., bei landwittschastlichen und forstwtttschaftlichen Unternehmungen von mindestens 5100 RMk. gehabt haben. Steuerpflichtige, die bereits zur Steuer vom Gewerbetrieb veranlagt find, haben eine Steuererklärung über das Betriebsvermögen nur abzugeben, wenn der bisher veranlagte Steuerwett ihres Betriebsvermögens sich um mindestens 2000 RMk. erhöht hat. Stcuerpflichsig ist der Betrieb der Land- und Forstwirtschaft, des Bergbaus und des stehenden Gewerbes. Die Ausübung einer künstlerischen, wiffenschaftlichen, schriftstellerischen, unterttchtenden, erziehenden oder sonstigen freien Berufstätigkeit gilt als Gewerbebetrieb nur insoweit, als damit ein mit besonderen Einrichtungen oder Anlagen verbundener Geschäftsbetrieb verknüpft ist. Steuerpflichtig ist der Unternehmer, d.h. derjenige, auf besten Rechnung der Betrieb geht. Zur Abgabe einer Steuererklärung über das Betttebsoermögen sind auch Personen verpflichtet, für welche die Voraussetzungen der gewerblichen Besteuerung zwischen dem 1. Januar 1926 und dem 1. Januar 1927 entstanden sind und geendet haben. Maßgebend ist in diesen Fällen der Stand der Verhältniffe am ersten des Monats, der aus den Beginn des Gewerbebetriebs folgt. Bisher steuerpflichsige Personen, die zur Abgabe einer Steuererklärung über das Betriebsvermögen keine Verpflichtung haben, sind befugt, innerhalb der nachstehend bezeichneten Frist gegebenenfalls um ihre gänzliche Befreiung aus der Steuerliste nachzusuchcn; das gleiche gilt für Anträge in Bezug auf das Grundvermögen; diese Anträge sind jedoch bei dem Finanzamt zu stellen, in besten Bezirk das Grundvermögen liegt. Anträgen auf Herabsetzung der Steuerwette des Grundvermögens lediglich mit Rücksicht auf die allgemein verschlech- tetten Wirtschastsoerhältnisse kann nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen keine Folge gegeben werden. 2. Zur Abgabe einer Steuererklärung über den Ge- werbeenrag sind verpflichtet: Sämtliche in Ziffer 1 Abs. 1 genannten Personen. Jedoch haben statt der offenen tzandels- und Kommanditgesellschaften deren Gesellschafter die Steuererklärung über ihren Anteil am Ge- werbeettrag abzugeben. Bei Personen, denen bereits mit dem Vordruck zur Steuererklärung für die Einkommensteuer und Körperschaststeuer 1926(Frühjahrsveranlagung 1927) ein Fragebogen wegen des Gewerbeettrags zugegangen ist, und die diesen ausgesüllt an das Unterzeichnete Finanzamt zurückgegeben haben, entfällt die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung. Steuerpflichsige, die bereits zur Steuer üom Gewerbeettrag veranlagt sind, haben eine Steuererklärung nur abzugeben, wenn der bisher veranlagte Gewerbeettrag sich um mindestens 500 RM. erhöht hat. Änzugebcn ist der Gewerbeettrag des Kalenderjahres 1926 oder des im Kalenderjahr 1926 endigenden Geschäftsjahrs. Zm übttgen gilt das in Ziffer 1 Gesagte entsprechend. III. Gemeinsames. A. Die hiernach zur Abgabe von Steuererklärungen Verpflichteten werden aufgefordert, die Erklärungen unter Benutzung der vorgeschriebenen Vordrucke in der Zeit vom 1. bis 30. Juni 1927 bei dem Unterzeichneten Finanzamt einzureichen. Vordrucke für die Erklärungen können vom 1. Juni 1927 ab von dem Unterzeichneten Finanzamt bezogen werden. Die Erklärungen sind schriftlich (zweckinäßigerweise eingeschrieben) einzureichen oder mündlich vor dem Finanzamt abzugeben (vormittags 8—12 Uhr). Die Pflicht zur Abgabe der Erklärungen ist vom Empfang eines Vordrucks nicht abhängig. Die Abgabe der Erklärungen bei dem Unterzeichneten Finanzamt ist nicht erforderlich, sofern die unter I und II bezeichneten natürlichen Personen, Körperschaften, Personenvereinigungen, Bermögens- maflen. Gesellschaften, und Anstalten die Erklärungen bei einem anderen Finanzamt bereits abgegeben haben und dies dem Unterzeichneten Finanzanit Mitteilen. 8 . Wird die Frist zur Abgabe der Erklärungen nicht eingehalle«, so kann jeweils ein Zuschlag bis zu 10 v. H. des zur Erhebung gelangenden Steuerbetrags festgesetzt werden. Die Abgabe der Erklärungen kann durch Geldstrafe erzwungen werde». Wer ans Vorsatz oder Fahrlässigkett unrichtige oder unvollkommene Angaben über fein steuerpflichttges Vermögen macht oder durch Richtabgabe einer Erklärung steuerpflichttges Vermöge« verschweigt, setzt fich schwere« Sttafen aus. Sinsheim, den 24. Mai 1927. Da» Finanzamt. Ein Zmemie-ttiz 2 Mir.lang, hat zu verbau fen Jakob Allgeier, Maurer Rohrbach bei Sinsheim. Ia. Eiderfettkäse 20°| o »Psd. Rk. (L30 franko Dampfkiifesabrik Rendsburg. Schttftleitung: tz. Becker; Druck und Verlag: G. Beckersch« Buchdruckerei t» Stnshet».