II Ijpl . Erscheint täglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.8V Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Zn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit t/28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Ferusprech-Anschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6803 Der Lanöbote Smsheimer MM Zeitung General-klnzeiger für Bfcnj-unö 5äuoarzbaclital Helteft* and verbreitetste Leitung dieser Gegend. I)Lllp1-Hnbeigen-8lLtt Möcbenttidie Beilagen r IDode and Iseirn » Der Kobold » Beae ^UaTtrierte » £andwirtTd>aftUdte Beilage Anzeigen-Preise: Anzeigen: Die 3Z mm breit» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goidpfg. Grundschrist im Anzeigen-- und Textteil ist Petit. 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Anläßlich der Hauptversammlung des Vereins für das Deutschtum im Ausland in Goslar wurde als Ant- wort auf die letzten Herausforderungen Mussolinis folgende Entschließung angenommen: Die Reden und Kundgebungen, die in den letzten Wochen wieder aus Italien über die Alpen gef- drungen sind, lassen erkennen, daß die italienische Regierung immer noch nicht daran denkt, den Deutschen in SLdtirol ihr Menschenrecht auf deutsche Art, Sprache und Erziehung zu lassen,, Wiederum erinnert der B.D.A. anläßlich seiner Jahresversammlung in Goslar, zu der über 20000 Deutsche aus allen Volks- tumsgebieten erschienen sind, an das immer noch nicht eingelöste Königswott und an die bekannten Verpflichtungen italienischer Staatsmänner nach Kriegsende. Diese Verpflichtungen sind durch die Note Elemenceaus vom Juni 1919 und durch die Zustimmung aller Kriegführenden ausdrücklich sanktioniert worden. Mit Empörung vernimmt das deutsche Volk, daß die italienische Regierung heute dieses Wott ihres Königs verleugnet, wie es z. B. auf dem letzten Kongreß der Völkerbundsligen in Anwesenhett von Vettretern der Nationen geschehen ist. Nicht nur das deutsche Volk, sondern das Gewissen der Menschheit empört sich gegen den abermaligen Wottbruch und die als Zynismus empfunden« Proklamierung der Italienisierung des deutschen Volkes in Siid- tirol, das seit den Zeiten der Völkerwanderung deutsch und niemals italienisch war. Während das alte Imperium Romanum Lebensart, Sitte und Sprache aller Nationen seines Reiches ach- TU. Cottbus, 6. Juni. Der amerikanische Flieger Cham- berlain und sein Begleiter Levine sind heute mittag 11.5 Uhr, nachdem sie bereits in Bischofsroöe bei Eisleben wegen Be- ., triebsstoffmangels um 5.50 Uhr früh hatten niedergehen ' ncüssen und um 9.85 Uhr znm Flug nach Berlin wieder gestartet waren, zu einer zweiten Notlandung bei Klinge bei Cottbus gezwungen worden. Die zweite Notlandung soll wiederum durch Mangel an Betriebsstoff bedingt gewesen sein. Das Flugzeug hat beim Niedergehen einen Propellerbruch erlitten. Die Maschine an sich ist jedoch startbereit geblieben. Nachdem bei der Stadtverwaltung die erste Meldung über die Notlandung der Amerikaner eingegangen war, begab sich sofort ein Vertreter der Stadtverwaltung, Bürgermeister Dr. Kreuz, im Auto an die Landungsstelle. Er konnte jedoch dort die Flieger nicht mehr antreffen, da sie inzwischen mit einem Auto in die Stadt gefahren waren. Die Bevölkerung bereitete den Fliegern bet ihrer Ankunft in der Stadt einen festlichen Empfang. Die Nachricht von ihrem Eintreffen durcheilte die Stadt mit Winöesschnelle und Unzählige sammelten sich vor dem Hotel „Ansorge" an, in dem die beiden Flieger abgestiegen waren. Auf die vielen Ovationen hin zeigten sich die Flieger mehrfach der Menge. Den Wunsch der städtische« Behörden, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen, in dem im Jahre 1913 sich Prinz Leopold von Bayern als Feldmarschall eingetragen hatte, willfahrten sie bereitwilligst. Die beiden Flieger haben sich darauf im Hotel etwas ausgeruht und machen einen sehr frischen Eindruck. Gegen abend werden sie sich voraussichtlich nochmals nach der Landungsstelle begeben, um genauer die Schäden ftstzustellen, die an dem Propeller entstanden sind. Von Berlin war inzwischen ein Flugzeug der Lufthansa mit dem Direktor der Lufthansa, Milch, dem Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, Ministerialrat Brandenburg, dem amerikanischen Botschaftsrat Poole, zur Begrüßung ein- getroffen. Die Flieger werden sich voraussichtlich heute nicht mehr nach Berlin begeben, sondern erst morgen nach Reparatur des Propellers dorthin mit ihrem eigenen Flugzeuge fliegen. Chamberlin gestartet. Rewyork, 4. Juni. Chamberlin ist mit der Eolumbia heute ftüh 6.04 Uhr, Rewyorker Zeit, das ist 1V Uhr vormittags nach mitteleuropäischer, Zeit, zum Äuge nach Europa aufgestiegen. Roosevrltfield, 4. Juni. 6.04 Uhr. Nach dem erfolglosen ersten Statt unternahm Chamberlin einen zweiten Aufsticgsoer- such, der erfolgreich verlief. Um 6.04 Uhr erhob sich das Flugzeug unter dem tosenden Beifall der riesigen Menschenmenge, die sich um den Flugplatz angesammelt hatte, in die Luft. Nach wenigen Minuten war es ans dem Gesichtskreis entschwunden. Der Begletter Chamberlins ist sein Finanzmann Levine selbst. lieber de« Flug des Ozeaufliegers Chamberlai». Bon der amerikanischen Küste bis zu seiner Notlandung bei Cottbus liegen folgende Einzelmeldungen vor: 1 . Pfiugüseiertag. (Alle Uhrzeiten Berliner Zeit.) 18.30 Uhr, Funkspruch der Mauretania: Eindecker XL 357/140 umkreiste Schiff und flog ostwärts weiter. Schtffs- lage 49 Grad, 23 Minuten nördlicher Breite, 15 Gxad, 20 Minuten westlicher Länge. 20.20 Uhr, Funkspruch der Transsylvania: Chamberlain wurde auf 61 Grad, 27 Minuten nördlicher Breite und 5 Grad 28 Minuten östlicher Länge auf der Höhe von Cardiff gesichtet. 21.00 Uhr: London: Chamberlain an zwei Stellen über Cornwall, dem Südzipfel Englands in direkter Fahrt auf den Kanal gesichtet. 22.15 Uhr: ~ London: Chamberlain über Plymouth 22.30 Uhr: Amsterdam: Nach einer hier vorliegenden tete, will das neue Italien über 200 000 Deutsche dem sittlichen Empfinden der Welt zum Trotz mit Gewalt italienisieren!. In heißem Mitempfinden begleitet das deutsche Volk ohne Unterschied der politischen Stellung den Lebenskampf unserer Volksgenossen in SLdtirol, dessen Grundlage Recht und Gerechtigkeit und die Sympathie des Weltgewissens ist. Bon neuem rufen wir an dem Tage der deutschen Pfingsffeier unseren Brüdern zu: Haltet aus, wir werden euch niemals verlassen, der Sieg bleibt euch! Regensburg, 6. Juni. Der Vorsitzende des Deutschen Schutzbundes, Dr. v. Hoesch fühtte in seinem Schlußwort zur Südtiroler Fmge u. a. aus: Es ist vielleicht außenpolitische Notwendigkeit, wenn die Behörden sich Zurückhaltung auferlegen. Wir wollen aber klar sagen, daß das erwachende Lebensgefühl des deutschen Volkes es niemals erlauben wird, Südtirol aufzugeben . . . Sa- lurn ist unser Ziel! Ein Hundsfott, der es wagt, diese deutschen Volksgenossen in Salurn freiwillig aufzugeben. Gegenüber dem Grafen Bethlen und Bundespräsidenten Seipel und anderswo hat der deutsche Außenminffter Stresemann gesagt, daß für die Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten es nicht gleichgültig sei, wie der betreffende Menschenschlag die eigenen Volksgenossen behandelt, und so wollen wir heute aussprechen, wir wünschen keinen Konflikt; aber z. B. bei dem Konfikt zwischen Italien und Südslawien stehen die tiefften Gefühle unseres deutschen Volkes auf der Seite des Staates, der zuerst die in seinem Staatsgebiet wohnenden Deutschen besser behandelt hat. Rotterdamer Ddeldung ist Chamberlain über den normannischen Inseln südwestlich Cherbourg gesichtet worden. 28.00 Uhr: Paris: Chamberlains Flugzeug wurde über der französischen Stadt Caen an der Mündung der Orne im Flug in westlicher Richtung gesichtet. Zweiter Pfiugstfeiertag. 24.08 Uhr: Paris: Chamberlain hat die französische Hauptstadt Voulogne-sur-Mer in nordwestlicher Mchtung überflogen. 22.21 Uhr: _ Amsterdam: Chamberlain soll zwischen Rotterdam und Amsterdam gesichtet worden sein. Höchste Alarmbereitschaft in Köln. Köln: Der Flugplatz in Köln ist mit roten Blinkfeuern reichlich ausgestattet und befindet sich in höchster Alarmbereitschaft. I» Erwartung der Flieger auf dem Berliner Flugplatz. 225 Uhr: Berlin: Auf dem Zentralslughafen Tempelhof ist man seit 2 Uhr ohne jede offizielle Nachricht über Chamberlains Flug. Dagegen überstürzen sich die Gerüchte. Ganz Kluge wollen sogar wiffen, daß Chamberlain direkte» Kurs auf Wilna nehme« wird, dem angeblichen Geburtsort Lcvines. Unter der wartenden Menge befinden sich der amerikanische Botschafter Schurmann, Reichswirtschastsmini- stcr Curttus, Reichsverkehrsminister Koch, Reichspreffechef Zechlin, Vizepolizeipräsident Weiß, der Stadtkommandant von Berlin, Generalmajor Severin, der Leiter des Luftreferats im Verkehrsministeriums, Geheimrat Brandenburg, Stadtbaurat Adler und die Direktoren der Lufthansa. Chamberlai« über Kreefeld. 3.20 Uhr: Köln: Der Flieger ist über Kreefeld gesichtet worden. Wettermeldungen aus Nordwesteuropa. Köl«: Nach den Berichten aus Westeuropa herrscht dort unsichtiges Wetter, jedoch guter Wind. Ueber Dortmund: 4 Uhr, ' ’ Dortmund: Die Flughafenleitung meldet, daß Chamberlain um 4 Uhr den Flughafen Dortmund überflogen hat. Die Verzögerung gegenüber der an sich angenommenen Zeit seines Eintreffens dürfte darauf zurückzuführen sein, daß er über Belgien und Holland infolge sehr ungünstiger Witterungsverhältniffe die Orientierung verloren hatte. Chamberlain soll bei dem Ueber- fliegen des Flughafens bis auf fünf Meter heruntergegangen sein und den herbeigeeilten Luftpolizeibeamten Fragen zugerufen haben: „Nach Berlin". Darauf sei ihm die Richtung zugewinkt worden und er habe sein Flugzeug wieder in Richtung Berlin in die Höhe gebracht. Abflug der Begrüßungsflugzeuge von Berlin. 528 Uhr: Sämtliche Begrüßungsflugzeuge für Chamberlai» starteten zwischen 5,06 Uhr und 520 Uhr in Berlin. Sie fliegen zur Hälfte mit Passagieren und Pressevertretern dem Ozeanflieger in Mchtung Hannover entgegen, während die übrigen Flugzeuge bis zur Ankunft des Amerikaners de« Flughafen umkreisen. Als offizielle Begrüßungsflug- zeuge der Lufthansa starteten vier Junkers-Großmaschinen und ein Dvrnier-Merkur-Flugzeug. 5.26 Uhr: Es startet die dreimotorige Junkersmaschine D 901 mit Berliner Pressevertretern an Bord. Darunter befindet sich auch der Vertreter der Telegraphhen-Union. Das Flugzeug ist ausgerüstet mit F.T.-Gerät mit einer Reichwette von ca. 500 Kilometern. Das Flugzeug wirb wtt der Flughafenleitung auf Welle 900 in Verbindung bleiben. Die Maschine fliegt ebenfalls Richtung Hannover. 7.30 Uhr: , Berlin: Von den acht nach Westen geflogenen Begrüßuugsflngzeugen find drei unverrichteter Sache wieder auf dem Flughafen gelandet, während die anderen den Flieger noch in der Umgebung von Berlin suchen. D 901 hat um 6.50 Uhr nach Plauen umgcdreht, da es annahm, daß der Ozeanslieger bereits über Magdeburg nach Osten geflogen ist. 7.55 Uhr: Vom Flughafen Tempelhof wird mitgetilt, baß die meisten der zum Empfang aufgestiegenen Flugzeuge wieder gelandet sind. Einige Großflugzeuge und das F.T.- Flugzeug suchen weiter. Die Stimmung des Publikums ist nach dem langen vergeblichen Warten schon recht unruhig. Nach einer Meldung aus Hamburg soll das Flugzeug gegen 5.30 Uhr bei Hannover gesichtet worden sein. Es wird vermutet, daß Chamberlain die Orientierung verloren hat oder irgendwo notlanden mußte. 8 Uhr: Auch das F.T.-Flugzeug hat die Suche aufgegeben. Die Notlandung bei Eislebe«. . „ Hannover: Gegen 5.50 Uhr wurde Chamberlai« über Helfta bei Eisleben gesichtet. Er umkreiste den Ort ein paar Mal, offenbar in der Absicht, einen günstigen Landungsplatz zu suchen. 6.15 Uhr: Notlandung auf einem Felde. 10 Minuten später war bereits das ganze Dorf auf dem Landungsplatz versammelt. Die Bewohner brachten Chamberlain auf seine Bitte hin 100 Liter Benzin. Chamberlain äußerte sich, daß» er während des ganzen Fluges über den Ozean günstiges Wetter gehabt habe, dagegen über den Aermelkanal sehr schlechtes, da dort Sturm und Regen herrschte. Das Flugzeug ist nach Süden ausgebogen, da die Verhältnisse im Nordwesten Deutschlands sehr ungünstig waren. Bei seiner Ankunft war Chamberlain in guter Verfassung, so daß er auf die Antworten seines Begleiters Levine, der offenbar über die Notlandung aufgebracht war, heitere Antworten gab. — 8.35 Uhr: Start zum Weiterflug. Von mehr als 20 Dorfbewohnern und dem Gemeindevorsteher ließ er sich eine Bescheinigung über die Notlandung ansstellen. Chamberlain nahm den Kurs Magdeburg— Berlin. Zweite Notlandung bei Klinge bei Cottbus. 11.50 Uhr. Cottbus: Chamberlain ist hier gegen 11.50 Uhr zum zweiten Mal notgelanöet. Hierbei ging der Propeller zu Bruch. Als Grund der Notlandung wird n»e- Herum Betriebsstoffmangcl angegeben. Die Fließer Chamberlains Levine erst morge« «achmitta- i« Berlin. Berli«, 6. Juni. Bon zuständiger amtlicher Stelle wird mitgetilt: Von Herrn Ministerialrat Brandenburg, dem Leiter des deutschen Luftfahrtverkehrswesen, und Herrn Poole als Vertreter der amerikanischen Botschaft, die Cottbus besuchten, sprachen der amerikanische Flieger Chamberlain und sein Begleiter, Herr Levine, den Wunsch aus, mit ihrer eigenen Maschine, der „Columbia", morgen nach Berlin zu fliegen. Die Ausbesserung des Propellers wird mit Hilfe der deutschen Lufthansa bis dahin voraussichtlich durch- geführt werden. Mit deyr Eintreffen des Flugzeuges in Berlin dürfte im Laufe des morgigen Nachmittags zu rechnen sein. Genaueres darüber wird noch bekanntgegeben. Washington befriedigt. Rewyork, 6. Juni. In Washangton herrschte die ganze vergangene Nacht über eine große Erregung, die sich erst legte, als die Nachricht von der Notlandung Chamberlains in Boschofsrode eintraf. In Washington ist man von dem Ergebnis des Fluges durchaus befriedigt, da Chamberlain den Rekord Lindberghs gebrochen hat und es ihm außerdem gelungen ist, den ersten Paffagierflug mit einem Flugzeug über den Ozean durchzuführen. Die Regierung plant für Chamberlain und Levine die gleichen Ehrungen wie für Linöbergh. ■ Rewyork in voller Begeisterung über Chamberlains Europaslug. Rewyork, 6. Juni. In Newyork herrscht großer Jubel über den Flug. Chamberlain und Berlin stehen im Mittel- Mnkt aller Zeitungen,- Flugnachrichten werden in allen Straßen verkauft. Die Glückwünsche Kelloggs und Maltzaus a« Chamberlai«. Rewyork, 6. Juni. Kellogg übersandte an den amerikanischen Botschafter in Berlin folgendes Telegramm: Beglückwünsche die glänzende Flugausführung Newyork—Berlin. Der Flug sollte ein starker Antrieb sein zum Ausbau der Handelsluftschiffahrt, da hierdurch beide Konttnente näher zusammen infolge der Verkürzung der Zeit gebracht werden könnten. Der Boffchafter von Maltzan hat dem amerikanische» Botschafter in Berlin Glückwünsche übersandt. Ebenso Frau Levine und Frau Chamberlain. Die Glückwünsche der Reichsregieruug a« Chamberlai« und Leviue. Berli«, 6. Juni. An die Ozeanflieger Chamberlain und Levine, Cottbus! Zu der glücklichen Vollendung chrer kühnen Fahrt spreche ich Ihnen im Namen der Reichsregierung und des deutschen Volkes die herzlichsten Glückwünsche aus. Die außerordentliech Leistung eines Fluges von Amerikas Ostküste nach dem Herzen Deutschlands bildet einen Markstein in der Entwicklung des Luftverkehrs und ein neues Freund- schaftsbanö zwischen unseren Völkern. Reichskanzler Marx. Hindeuburgs Glückwunschtelegramm a« Präsident Coolidg« Berli«, 6. Juni. „Präsident Cooliüge, Washington. Zu dem kühnen Fluge der beiden amerikanischen Ozeanslieger Chamberlain und Levine, die in heldenhafter Ueberwindung von Zeit und Raum das Weltmeer überbrückt und unsere Nationen dadurch näher gebracht haben, spreche ich Ihnen, Her Präsident, und dem amerikanischen Volke meine aufrichtigen Glückwünsche aus. gez. von Hindenburg." Ehainberlins Mg Amerika-JeutMnd. Notlandung infolge Vropellerbruchs bei Kottbus. Weiterflug nach Berlin am Dienstag Nr. 92. Jahrgang 1927. Der Landbate * Sinsheimer Zeitung. Dienstag, den 7. Juni 1927. Krau Chamberlai« ««b Fra« Le»i«e komme« «ach Berlin. Rewyork, 6. Juni. Frau Chamberlain und Frau Levine reisen morgen auch mit der „Berengaria" nach Europa. Die Zusammenkunft Stresemann-Tschttscherin L»«do«, 7. Juni. ' ' Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph beleuchtet unter der Ueber- schrist „Sowjetintrigen" die gegenwärtige Aktivität Tschit- scherins,, wobei er auf die heikle Lage hinweist, in die die deutsche Politik und namentlich der Kanzler Dr. Marx und Außenminister Stresemann durch die Haltung Tschitscherins geraten. Stresemann werde gegen seinen Willen gezwungen sein, von Baden-Baden nach Berlin zurückzukehren, anstatt von dort direkt nach Gens zu reisen. Tschitscheriu scheine außerdem die Absicht zu haben, auf der Weiterreise in Kowno Station zu machen, um, wie es scheint, dort seinen Einfluß für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Litauen und Berlin geltend zu machen. Konjunktur Ende Mai. Das Institut für Konjunkturforschung gibt in dem soeben veröffentlichten ersten Bierteljahrsheft für 1927 einleitend zu den eingehenden Untersuchungen der Konujnktur einen zufammen- fassenden llcberblick, dem wir u. a. entnehmen: Ende Februar 1927 ergab sich das Konjunkturbild eines zögernd fortschreitenden Aufschwungs. Die Aufwärtsbewegung hat sich inzwischen in beschleunigtem Tempo fortgesetzt. Die wirtschaftliche Aktivität hat gegenwärtig — Ende Mai 1927 — einen Grad erreicht, der schon zu gewissen Reibungs- und Spannungserscheinungen geführt hat, wie sie für eine der Hochspannung sich nähernde Aufschwungs- phase kennzeichnend sind. Dies zeigt sich mit aller Deutlichkeit sowohl auf der Geldseite wie auf der Güterseite der Wirtschaft Der Zahlungsverkehr hat sich erweitert. Die „Drei Märkte" befinden sich nach ihrer Konstellation in dem zweiten Abschnitt eines Aufschwungs: der Warenmarkt dehnt sich aus, der Effektenmarkt hat einen Rückschlag erlitten, der Geldmarkt ist angespannt. Leichte Spannungserscheinungen bestehen auch auf der Güter- seite. Produktion und Umsätze sind in den letzten Monaten zwar ständig gewachsen. Dabei hat aber die Produktivgütererzeugung, die von Oktober 1926 bis Februar 1927 zunächst stärkere Fortschritte gemacht hatte, die Führung nunmehr an die Perbrauchs- güterindustrien abgegeben. Ueberdies scheint die volkswirtschaftliche Borratsbildung einen Charakter anzunehmen, der auf zunehmende Sättigung des Binnenmarktes hindeutet. Durch die Wahlen des Außenhandels wird das insofern bestätigt, als die Mehreinfuhr an Rohstoffen und Halbwaren letzthin leicht abgenommen hat. Wann die Wirtschaft in die Phase der Hochspannung eintreten wird, läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben, zumal die Dauer der einzelnen Phasen sich bis auf weiteres nicht berechnen läßt. Es könnte sich sogar zunächst wieder eine Entspannung ergeben. So viel kann aber gesagt werden, daß die Auffassung nicht zutreffend ist, der Umschwung an der Börse sei schon das Signal für einen bald zu erwartenden Rückgang im sonstigen Geschästsleben. Die Abschwächung der Effektenkurse dürfte vielmehr mit eine Folge gerade der stärkeren Kräftentspannung im Reiche der Produktion und des Warenhandels sein. Die Postgebührenerhöhung. Berlin, 6. Juni. Der Arbeitsausschuß des Verwaltungsrates der Deutschen Reichspost führte vom 1. bis 4. Juni die Bera- tungen über die Gebührenerhöhungen zu Ende. Er nahm eine Reihe von Hembsetzungen gegenüber dem Verwaltungsentwurf vor, die einen Ausfall von rund 45 Millionen Mark zur Folge haben, und beschloß, der Vollversammlung des Verwaltungsrates u. a. folgende wichtigere Gebühren vorzuschlagen: Ortsbriefe (bis 20 Gmmm) 8 Pfg., Fernbriefe (bis 20 Gramm) 15 Pfg.. Ortspostkarten 5 Pfg., Fernpostkarten 8 Pfg., Drucksachen (bis 50 Gmmm) 5 Pfg., Geschäftspapier und Warenproben (bis 250 Gramm) 15 Pfg., Päckchen 40 Pfg., Postanweisungen bis 10 Mark 20 Pfg., über 10 bis 25 Mark 30 Pfg. usw. Postscheckverkehr: Einzahlungen bis 10 Mk. 10 Pfg., über 10 bis 25 Mk. 15 Pfg., Ueberweisungen 5 Pfg., Beförderung der Postscheckbriefe in besonderen Umschlägen 5 Pfg., Telegraphenverkehr: Wortgebühr der Ortstelegmmme: 8 Pfg., für Ferntelegramme 15 Pfg.. Die Aenderung der Paket- und Zeitungsgebühren ist zurückgestellt worden. Die Gebühren der Auslandssendungen bleiben unverändert. Die endgültige Beratung der Gebührenoorlage im Plenum des Berwaltungsrats der Deutschen Reichspost findet am 17. Juni statt. Die Sprachenfrage in^Elsatz-Lothringen. Paris, 6. Juni. In der Generalversamml mg des Elsaß- Lothringischen Landwirtschaftsverbandes in Kolmar äußerte dem „Temps" zufolge der Vorsitzende des Verbandes Graf v. Andlau, in einem Bortmg über das Sprachenproblem, wenn der Sprachunterricht weiter wie bisher fortgeführt werde, dann werde mau bald feststellen, daß die Kinder beim Verlassen der Elementarschule weder die französische noch dir deutsche Sprache beherrsche«. Der Abg. Seltz äußerte sich hinsichtlich des von Poinmre in der Spra- chenfmge gegebenen Versprechens skeptisch, indem er erklärte, Poinmre werde sein Versprechen sicher halten, hoffentlich aber noch im Laufe dieses Jahrhunderts. Rücktritt Avereseus. Prinz Stirbey mit der Regierungsbildung beauftragt. Bukarest, 6. Juni. Da die Besprechungen der Parteiführer mit Averescu über die Bildung eines Konzentrationskabinetts ergebnislos verlaufen sind, hat Averescu dem König seinen Rücktritt angeboten. Der König hat das Abschiedsgesuch angenommen und den früheren Direktor der königlichen Domänen, den Prinzen Stirbey, mit der Bildung der neuen Regierung, und zwar einer Regierung der nationalen Konzentration, beauftragt. Prinz Stirbey hat sofort die Verhandlungen mit den Parteiführern eingeleitet. Er gilt, trotzdem er ein Schwager des Chefs der liberalen Partei, Bmtianus, ist, für politisch neutral, jedoch gehört er zu den Freunden der Königin Marie und ist ein scharfer Gegner des Exkronprinzen Carol, dessen Thronoerzicht ein schwerer Konflikt mit Stirbey vomusgegangen ist. Fürst Stirbey hat ein neues Kabinett gebildet, in dem er den Posten des Ministerpräsidenten und des Innenministeriums bekleidet und einstweilen auch die Geschäfte des Finanzministers und des Außenministers wahrnimmt. Die neue Regierung ist durch die Ernennung von Popovico, Iunian und Halippa zu Ministern und Severdans zum Unterstaatssekretär vervollständigt worden. Das Parlament wurde aufgelöst und soll am 7. Juli neu gewählt werden, um am 17. Juli wieder zusammenzutreten. Stirbey gab der Presse programmatische Erklärungen ab, in denen er u. a. betonte, daß die neue Regierung entschlossen sei, die verfassungsmäßigen Bestimmungen hinsichtlich der Krone und der Dynastie zu verteidigen. Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Jugoslawien und Albanien Rom, 6. Juni. Nach italienischen Meldungen aus Tirana ist gestern kurz vor Mitternacht der jugoslawische Gesandte mit dem gesamten Personal und allen in Albanien residierenden Konsulen von Durazzo abgereist. Das Vorgehen der jugoslawische» Regierung habe im ganzen Lande tiefen Eindruck und Beunruhigung hervor- gcrufen. Nach italienischer Darstellung soll die albanische Regierung grundsätzlich in die Freilassung des jugoslawischen Dragomans eingewilligt haben, wenn dessen offizieller Charakter nachgewicsen werde. Die albanische Regierung müsse dem provozierenden Ton sowohl des mündlichen Protestes des jugoslawischen Gesandten wie der Belgrader Note ablehnen. Die italienische Regierung habe die albanische bereits wissen lassen, daß Rom in dem neuen Konflikt strengste Neutralität bewahren werde. Die albanische Regierung ruft den Völkerbund an Die albanische Regierung ruft de« Völkerbund a«. Ge»f, 6. Juni. Der Generalsekretär des Völkerbundes.hat heute Mittag ein vom 6. Juni, 9.30 Uhr vormittags, aus Tirana datiertes Telegramm der albanischen Regierung erhalten, in dem diese die Aufmerksamkeit des Völkerbundes auf die Vorgänge in dem gegenwärtigen albanisch-jugoslawischen Konflikt lenkt und eine eingebende Darstellung des Konfliktes gibt. Der Vormarsch auf Peking. Feng und Tschangkaischek operieren gemeinsam. Hankau, 6. Juni. Die Generale Fengyuhsiang und Tschan- kaischek haben sich entschlossen, gemeinsam gegen Nordchina zu operieren. Der Militärgouverneur der Schansiprovinz, der sich bisher stets neutral gehalten hat, aber für die Aufstellung und Ausrüstung neuer Truppenteile bisher sehr tätig war, hat bereits Fühler ausgestreckt, um ein Bündnis mit der Kuomintang zu einem gemeinsamen Vormarsch gegen Nordchina zu erreichen. Paris, 6. Juni. Nach einer im „Matin" veröffentlichten Depesche aus Schanghai hat sich die Armee Tschangkaischeks des ganzen nördlichen Teiles der Provinz Haingsu bemächtigt und dringt nach dem südlichen Teil von Schantung vor. Japan contra China Nach den letzten Pressemeldungen aus Tokio hat die japanische Regierung zwei Bataillone Infanterie nach Tsingtau beordert, die bereits eingetroffen sein sollen. Wenn sich die Nachrichten über die Demoralisations.erscheinungen in der Armee Chang-Chung-changs bestätigen würden, sähe sich Japan veranlaßt, seine Truppen auf Tfinan vorrücken und die Tstnan-Tsingtau-Eisenbahn besetzen zu lassen mit der Begründung, daß Japan finanziell an ihr interessiert sei. Vergegenwärtigt man sich kurz noch einmal die Entwicklung der japanischen Innen- und Außenpoilitik während der letzten Monate, so scheint diese Wendung zu einer aktiveren Chinapolitik in den innenpolitischen Ereignissen und besonders in dem japanischen Kabinettswechsel ihren Grund zu haben.. Herr Wakatsuki, der trotz aller Prophezeihungeu die Geschäfte zur Zufriedenheit der Allgemeinheit geführt und sogar eine Verbindung mit der Oppositionspartei der Seiyu Honto zustande gebracht hatte, hinterließ kurz nach seinem Rücktritt und dem Auseinandergehen des Reichstages eine finanzielle Panik, deren Rückwirkungen so beträchtlich waren, daß sie mit denen, die das letzte große Erdbeben bedingte, nicht zu vergleichen sind. Um diesen Uebel- stand zu beheben, erbat Wakatsuki vom Kaiser eine Kabinettsorder, die die japanische Bank ermächtigen sollte, die bedrohten Unternehmungen zu unterstützen. Die Verluste, die hierbei entstehen sollten, würde die Regierung bis zu einem Betrage von 200 Millionen ersetzen. Dieser Vorschlag jedoch wurde von dem geheimen Staatsrat nicht angenommen und Wakatsuki mußte abdanken. An seine Stelle trat Tanaka von Graf Jto begünstigt. Ein Moratorium wurde beschlossen, das vom Staatsrat genehmigt wurde und sich auf drei Wochen belief. In der Zwischenzeit druckte man eifrig Banknoten, durch die eine vorübergehende Beruhigung erzeugt wurde. Man sollte nun annehmen, daß sick alles in bester Ordnung befände. Diese Vermutung trifft jedoch keinesfalls zu. Man macht dem Grafen Jto den Vorwurf, Tanaka aus persönlichen Rücksichten begünstigt zu haben, der zu seiner Sanierung noch dazu 500 Millionen gebraucht habe, wie die Berechnungen nachher ergaben. Diese Beschuldigung aber scheint nicht der wahre Grund zu dem Verhalten des Grafen Jto gewesen zu sein, sondern vielmehr seine Unzufriedenheit mit der chinesischen Politik. Von Bestrebungen gegen die von dem Minister Shide- hara eingeschlagene Chinapolitik war bis zu dem Zwischenfall in Nanking nichts zu merken. Man war vielmehr überall der gleichen Ansicht, daß man feit Jahren keinen Außenminister gehabt habe, der die Angelegenheiten so zur Befriedigung aller Japaner erledigte, indem er sich nicht in die chinesische Politik aktiv einmischte, sondern freundschaftliche Beziehungen zum Vorteil beider Regierungen pflegte. Daß sich der allgemeine bekannte Zwischenfall in Nanking während der Amtszeit Shiöeharas ereignete, muß man auf das Konto seines persönlichen Pechs schreiben. Wenn auch die Oeffentlichkeit sofort keine Schritte unternahm und die peinliche Angelegenheit so schnell als möglich geregelt wurde, so herrscht doch seit dieser Zeit eine Bestrebung in Japan, die für eine ausgesprochene Chinapolitik eintritt. Der Umschwung setzt auch bald ein. England, das sich im Januar noch vergeblich bemüht hatte, im Verein mit Japan gegen China vorzugehen, kann plötzlich feststellen, daß die japanische Regierung einem derartigen Schritte gegenüber nicht abgeneigt ist. Der Erfolg ist die gemeinsame Note an die Hankau-Regierung. Jetzt folgen die Ereignisse Schlag auf Schlag. England, Amerika und Japan beschließen, für oie sibirische Expedition je 7000 Mann zu stellen. Kriegsminister Tanaka entsendet „vorsichtigerweise" die zehnfache Anzahl. Während man vor wenigen Monaten noch die Meinung vertrat, baß Japan nicht der Diener Englands wie vor fünf Jahren sei, bemüht man sich jetzt, sich mit England und Amerika zu versöhnen, damit der so geschaffenen Einheitsfront nichts mehr tm Wege stehe. Für die nächste Zeit ist also die Außenpolitik, wenigstens das Verhalten zu England und China, ziemlich offensichtlich. Die letzten Ereignisse bestätigen unsere Vermutung. Daß zu dieser Einheitsfront „England-Japan contra China" auch Amerika hinzutritt, unterliegt keinem Zweifel mehr. Nach den Pressemeldungen aus Peking werden in Nordchina außer den eben erwähnten japanischen, auch amerikanische Verstärkungen erwartet. Sogar die Verlegung der amerikanischen Botschaft von Peking nach Tientsin oder Schanghai ist beabsichtigt, wenn die Erfolge der Armeen des Südens weiterhin andauern. Als Grund hierfür wird der Wunsch, Zwischenfälle wie in Nanking zu vermeiden, angegeben. Daß gegen diese Schritte der amerikanischen Regierung von dem Kommissar der Kuomintang Protest erhoben wurde, ist begreiflich, umsomehr, als einige Tage zuvor aus Anlaß der Gedächtnisfeiern für die Toten im Weltkriege Präsident Coolidge auf dem Nationalfriedhof bei Ar- lington eine Rede hielt, in der er u. a. ausführte, daß die Haltung Amerikas nicht von dem Stärksten, sondern im Einklang mit den Erwägungen der Rechtlichkeit bestimmt werde. Die Regierung versuche seit kurzem gemäß diese? Analol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 13) (Nachdruck verboten.) Die Bäuerin nickte eifrig. „Du siehst recht gelehrt aus," meinte der Bauer wieder mit wachsendem Interesse Anatols schönes, kluges Antlitz betrachtend, „kannst wohl auch ein bißchen mit der Feder umgehen?" ' Der Knabe bejahte dies freudig. „Es ist nur. weil wir an allen Enden der Welt unsere Kinder verheiratet haben, und das Briefeschreiben uns fo viel Arbeit macht; das kannst du dann mit besorgen. Geh nur jetzt ins dritte Haus hier um die Ecke herum, mein Sohn» dort wohnt der Schulze. Leg ihm deine Papiere vor» melde dich bei ihm an als Dienstjunge beim alten Schröder und komm dann wieder. Bei uns soll's dir schon gefallen, meine Frau is 'ne Seele, und ich bin auch nicht schlecht." „Jawohl," sagte Anatol, mühsam seine tiefe Betrübnis verbergend. Er ging von dannen, um die freundliche Stätte, an der man ihm eine Heimat bot, niemals wiederzusehen. Seine Papiere vorlegen — welche denn? An zwei anderen Stellen hätte er ebenfalls, wenn auch nicht unter so angenehmen Aussichten, Unterkunft erhalten können doch verlangten die Hofbesitzer gleich persönlich seine Ausweise zu sehen; Anatol geriet geradezu in Gefahr, denn als er sagte, er habe dieselben nicht bei sich, er müsse erft danach schreiben, blickte man ihn mißtraurisch an und riet ihm, sich lieber wieder zu trollen, es liefe jetzt zu viel Gesindel auf der Landstraße umher, da müsse man sich vorsehen. Nach längerem Grübeln hatte der Knabe sich seinen neuen Plan zurechtgelegt. Er wollte jedem sagen, daß er zu seinem Onkel, der Hutmacher sei, nach Berlin wandre, um dort bei ihm in die Lehre zu treten. Jawohl, das würde das Beste sein, dann fragte gewiß niemand mehr nach seinen Papieren. Es half alles nichts, er mußte die Absicht, ehrlich zu arbeiten, vorläufig aufgeben und sich auf die Mildtätigkeil der Menschen verlassen. War er einmal über Berlin hin- aus, dann würde er sich mit derselben Erzählung weiter durchschlagen, dann wohnte der Onkel Hutmacher am Rhein. Zum Glück konnte er sich schon ganz hübsch französisch aus- drücken, da wollte er dann über die Grenze nach Frankreich hinein und dort den ersten französischen Hasen aufsuchen, vielleicht nahm man ihn auf einem Schiffe, das nach Afrika segelte, als Hilfsarbeiter an, dergleichen sollte schon manchem ohne Heimatsschein oder sonstigen Ausweis geglückt sein. Anatol überlegte, ob er gleich hier an Ort und Stelle, im Schutz des Weidengebüsches nächtigen, oder ob er noch ein besseres Versteck suchen sollte. Etwas Unheimliches, Spukhaftes hatte das Schlafen im Freien überall, wenn sich auch mit jeder neuen Nacht die Schrecken mehr abgestumpft hatten. Nach kurzem Bedenken entschloß er sich, zu bleiben. Suchen, meinte der Knabe in seiner Unerfahrenheit, würde man ihn wohl jetzt nicht mehr, es waren seit seiner Flucht aus dem Gefängnis ja schon sechs Tage vergangen. Die Füße waren ihm angeschwollen von dem ungewohnten, immerwährenden Marschieren in der Hitze, sein Kopf brannte. Pulse flogen — ach, nur schlafen, schlafen, gleichviel wo, mit der Morgendämmerung mußte er ja doch schon wieder weiter. Anatol löste die Schnurbänder seiner altdeutschen rindsledernen Schuhe und befreite die eingezwängten Füße von dem brennenden Leder. Seit einigen Nächten war Anatol auf den Gedanken gekommen, als Schutz gegen Wind und Wetter seinen Schirm über sich auszuspannen, auch fühlte er sich unter dem baum- wollnen Dach ein klein wenig behaglicher, nicht gar so sehr vogelfrei. Nachdem der müde Wanderer noch einige grasgrüne Pflaumen, die er am Wege gefunden, und die täuschend wie Essig schmeckten, mit den stumpf gewordenen Zähnen zernagt. hüllte er sich in seine Decke ein und begann auch sofort in Schlaf zu sinken. Langsame, aber feste Männerschritte auf der Landstraße über ihm ließen ihn noch einmal die Augen öffnen und unruhig das Ohr nach oben richten. Die Ankommenden waren entweder Militär- oder Poll- zeipersonen, etwas von Waffen mußten sie dem Geräusch nach an sich tragen. „Wahrhaftig, um den alten Balldorf war's nicht schade," hörte der Lauscher plötzlich deutlich sagen, und mit dem Laut- werden dieses Namens zugleich gerann sein Blut zu Eis. „Meine Frau ist dort gebürtig und hat mehrere Jahre bei ihm gedient, ein ärgerer Geizhals, wie der war, sagte sie öfter, kann gar nicht mehr geboren werden. Da denk' ich mir, der Stiefsohn wird es bei ihm auch nicht zu best gehabt haben. Wer weiß, wie der arme Junge mit Galle vollgefüllt gewesen, eh' er sich hat hinreißen lassen, das alte Ungeheuer zu beseitigen. Die fünfzig Taler, die die Staatsanwaltschaft auf seine Wiederergreifung ausgesetzt hat, können mich in diesem Falle nicht locken» wenn man auch gezwungen ist. den Ausreißer anzuhalten und zurück zu transportieren. Das ist nun einmal des Gendarmen Pflicht. Mich wundert übrigens, daß er — heut' sind es sechs Tage nach seiner Flucht — noch nicht längst aufgegriffen worden ist, so ein junges Kerlchen, ohne Hut und ohne alles Gepäck muß doch jedem, der den Steckbrief gelesen, sofort ins Auge fallen, schon um der fünfzig Taler willen passen die Leute schärfer auf." „Es ist auch immer gut, wenn so einer erst wieder sicher sigt," meinte in frostigem Ton, der Begleiter. „Hat einer erft einmal einen umgebracht, nun» dann folgt auch bald ein zweiter nach. Der wiederholte Anblick des Blutes stumpft gegen das Abschlachten ab, und im Handumdrehen ist das gemeingefährlichste Subjekt, der perfekteste Raubmörder fertig." Die Stimmen der Gendarmen wurden unverständlicher, ihre Schritte entfernten sich. Anatol rang in heißer Verzweiflung die Hände, sein Herz hämmerte wild. Seine unbeschreibliche Aufregung noch zu verstärken,, näherten sich die anscheinend eines besonderen Zweckes halber hier promenierenden Beamten abermals dem Weidengebüsch. „Hast du auch scharf geladen. Wilhelm, und die Handschellen in Bereitschaft?" fragte der erste Sprecher von vorhin seinen Kameraden. Rr. 92. Jahrgang 1927. Grundsätzen mit China und den anderen Ländern zu verkehren und von den gleichen Prinzipien geleitet, habe sie Japan und England zur Teilnahme an der „Drei-Mächte- Konferenz" zur Beschränkung der Seerüstung eingeladen. Man mag zu diesen Aeußerungen stehen wie man will: ^on einem Einklang mit den Erwägungen der Rechtlichkeit ist hier, glaube ich, nicht zu sprechen. Amerika. England und Japan werden wie immer versuchen. Vorteile für sich und ihr Land aus der augenblicklichen Lage Chinas zu ziehen, wenn sie sich auch unter dem Vorwände einer Konferenz zur Beschränkung der Seerüstungen" zusammenfin- üen. Man müßte die diplomatische Geschichte Englands und Amerikas schlecht verstehen, um bei derartigen Vorwänden nicht de» wahren Grund zu erkennen. Baden. Der Verein „Badische Heimat" gegen das Schlnchseewerk. Freiburg, 7. Juni. Die Ortsgruppe Freiburg des Vereins „Badische Heimat" erhebt schärfsten Einspruch gegen das projektierte Schluchseewerk und die Einbeziehung des Titisees in die Wafferwirtschaft. Der Vorstand will bei der Regierung und dem Landtag vorstellig werden, um die drohende Verschandelung der badischen Seen abzuwenden. Angeftelltentagnng am 11. und 12. Juni 1927 in Karlsruhe. Karlsruhe, 5. Juni. Für den Gau Baden, Pfalz und Saargebiet hat der Gewerkschaftsbund der Angestellten in diesem Jahre eine größere Gautagung nach der badischen Landeshauptstadt Karlsruhe einberufen. Eine sehr große Anzahl Vertreteranmeldungen aus diesen Gebietsteilen liegt schon vor, so daß eine eindrucksvolle, große Tagung zu erwarten ist. Schon am Samstag vormittag, 11. Juni, beginnen die Arbeitstagungen, bei welchen zu allen für die Angestelltenschaft wichtigen Berufs- und Stanöesfragen Stellung genommen wird. Die Arbeitszeitfrage, die Lehrlingsausbildung, aber auch die wirtschaftliche Gestaltung Deutschlands und ähnliche interessante Gegenwartsaufgaben werden die Gautagung sehr lebhaft beschäftigen. Im Mittelpunkt der ganzen Veranstaltungen steht eine große öffentliche Angestellten-Kundgebung am Sonntag, den 12. Juni, vormittags 11 Uhr, bei welcher das Bundesvorstandsmit glied Heinrich Thal-Berlin in Gegenwart der geladenen Vertreter der kommunalen und staatlichen Behörden ein größeres Referat hält „Was erwarten wir Angestellte von der Rationalisierung". Diese große Kundgebung, zu welcher alle Kreise Zutritt haben, wird noch umrahmt von künstlerischen Darbietungen. Für Samstagabend hat die Ortsgruppe Karlsruhe alle auswärtigen Gäste eingeladen, so daß auch die Geselligkeit gepflegt werden kann. Sämtliche Veranstaltungen werden in den Räumen der Gesellschaft „Eintracht", Karl-Friedrichstraße, abgehalten. Tagung der Industrie des Breisgaues und Umgebung. Freiburg, 7. Juni. Unter sehr zahlreicher Beteiligung der Verbandsmitglieder fand hier die 18. ordentliche Mitgliederversammlung des Bezirksvereins Freiburg i. Br. des Verbandes Südwestdeutscher Industrieller statt. Das erste Referat „Ausblicke auf die bergbauliche Entwicklung in Oberbaden" wurde von dem Leiter der Bergbauabteilung im Finanzministerium, Ministerialrat Neumann-Karlsruhe, erstattet. Baurat Henninger vom Badenwerk A -G., Karls- druhe, hielt einen Vortrag über „Das Schluchseewerk", seine Ausführungen durch Erläuterungen im Versammlungssaal zum Aushang gelangten Kartenmaterials wirksam ergänzend. Hierauf sprach das geschäftsführende Präsidialmitglied des Verbandes, Dr. Mieck-Mannheim. über „Förderung des Exportes der badischen Industrie nach Süd- und Mittelamerika". Zum Schluß erstattete der Dezernent für Steuerwesen beim Verband Südwestdeutscher Industrieller, Dr. Schurian-Mannheim, ein Referat über „Akute Steuerfragen". An die einzelnen Referate schloß sich jeweils eine eingehende Aussprache an. Tagung des badische« Weiubauinstituts. Freibnrg, 7. Juni. In Freiburg tagte kürzlich das Bad. Weinbauinstitut unter dem Vorsitz des Direktor. Dr. Müller. Als Vertreter der bad. Regierung nahm Oberregierungsrat Keller teil. Anschließend an den Jahresbericht gab Weinbauinspektor Dummer einen Ueberblick über die Maßnahmen, die der Staat zur Umstellung des badischen Weinbaues ergreifen will. Besonders ist zunächst die Anlage von sog. Muttergärten ins Auge gefaßt. Nach dem Bau der neuen Rebveredelungsstation sei die Herstellung von veredelten Reben in die Wege geleitet. Die Rebveredelungsstation Freiburg habe ihre Arbeit bereits ausgenommen und könne jährlich ca. 1 Million Schnittreben liefern. Das Referat über die Erfolge des Instituts hielt Dr. Vogt. Die Schädlingsbekämpfung in Baben habe gute Erfolge zu verzeichnen. Dadurch sei ein Mehrertrag von sieben bis acht Millionen gegenüber der Zeit vor dem Kriege zu erzielen. Es wurde noch ein Antrag eingebracht, eine» Fachmann für Weinbaufragen in Freiburg anzustellen. Verband badischer Gemeinden Tie Hauptversammlung des Verbandes badischer Gemeinden vom 29. Mai 1927, über die wir vor kurzem berichtet haben, hat folgende Entschließungen gefaßt, die wir ihrer Bedeutung wegen hiermit bekanntgeben. I. Stener- und Finanzwesen. 1. Die Hauptversammlung lenkt erneut die Aufmerksamkeit der bad. Regierung und des bad. Landtages auf die besondere Notlage der leistungsschwachen Agrar- und Jndustriegemeinden.die hauptsächlich durch den Abstieg von der landwirtschaftlichen Hochkonjunktur 1922 zu dem Tiefstand 1928/27, durch die ungünstige gewerbliche und industrielle Entwickelung auf dem Lande und durch den damit zusammenhängenden Rückgang der Steueranteile dieser Gemeinden aus den Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuern sowie dadurch verursacht ist, a. daß viele dieser Gemeinden durch die Behebung der Wohnungsnot zu stark belastet sind, weil im ganzen % aller Industriearbeiter in den Städten arbeiten, aber auf dem Lande wohnen. d. daß sie zu den Ban- und Unterhaltungskosten der Land- und Kreisstraßen, zum Fürsorgeauswanb und zu den Kosten der öffentlichen Arbeitsnachweise übermäßig beigezogen werden. Die Hauptversammlung hofft, daß zur Linderung dieser Notlage der Schlüssel für die Verteilung der Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuern entsprechend den Vorschriften in § 4 des Gesetzes zur Uebergangsregelung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden vom 9. April 1927, RGBl. I Seite 991, zu Gunsten der Gemeinden unseres Verbandes erheblich verbessert wird. 3. Tie Hauptversammlung beantragt, das Gesetz über die 9. Aenderung des Grund- und Gewerbesteuergesetzes vom 7. Juli 1926, Ges.- u. V.-Bl. Seite 128, statt auf 1. April 1926 erst auf 1. April 1927 in Kraft zu setzen, somit auf eine Durchführung der Veranlagung des Grundvermögens, des Gewerbebetriebs und des Gewerbeertrags für 1926 zu verzichten und die Steuervorauszahlungen für 1926 als endDer Landbote * Sinsheim« Zeitung. gültige Steuer zu erklären, da sonst ein verspätetes und umständliches Verrechnungsverfahren notwendig wirb. Härten in der Steuerpflicht können die Gemeinden ausnahmsweise selbst ausgleichen. Die Hauptversammlung fordert, daß bei Erlassung bezw. beim Vollzug des Grundsteuer-Rahmengesetzes (§ 4a des Gesetzes zur Uebergangsregelung des Finanzausgleiches zwischen Reich, Ländern und Gemeinden vom 9. April 1927 — RGBl. 1 S. 91 — eine schematische Beschränkung der Grund- und Gewerbesteuer sowie des Gebäubeertrags unterbleibt, da diese Steuern die Hauptstütze des Gemeindehaushalts bilden. 5. Tie Hauptversammlung bittet wiederholt und dringend um eine Aenderung des Stratzengesetzes im Sinne unseres Antrags an die Regierung vom 23. Dezember- 1925 (Zeitschrift „Tie Gemeinde" 1926 S. 4/6 1927 S. 83s mit der Wirkung, daß die Beiträge der Gemeinden zu den Bau- und Unterhaltungskosten der Land- und Kreisstraßen aufgehoben oder bedeutend ermäßigt uno nam »«erhaums der Leistungsfähigkeit umgelegt werden. 6. Die Hauptversammlung fordert ferner, daß der dem Land zufließende Ertrag der Kraftfahrzeugsteuer zwischem Land, Kreisen und Gemeinden nach dem Umfang des Stratzenunterhaltungsaufwanbes verteilt werden. 7. Die Hauptversammlung beklagt sich sehr darüber, a. daß der Beitritt der Verbanösgemeinden zum Badischen Sparkassen- und Giroverband durch Festsetzung einer unverhältnismäßig hohen Einzahlung an Betriebskapital absichtlich erschwert wird, obwohl ca. 80 Landgemeinden als Garanten von Äezirkssparkassen für die Bad. Girozentrale haften, d. daß bas Stimmrecht der Mitglieder je nach der Größe ungleich ist, so daß wenige Mitglieder in der Lage sind, die übrigen zu majoristeren, trotzdem die Haftung die kleineren Gemeinden im Ernstfälle viel schwerer trifft, als die großen Gemeinwesen. c. daß. die kleineren Gemeinden eine völlig ungenügende Vertretung in den Verwaltungsorganen haben. Die Hauptversammlung erwartet, daß in Zukunft die Erhebung eines Betriebskapitals unterbleibt oder wenigstens an die Leistungsfähigkeit angepaßt wird, damit auch die Verbandsgemeinden in der Lage sind, ihre Geld- und Kreüitbedürfnisse bei der Bad. Girozentrale als öffentlich- rechtlichen Geldanstalt zu befriedigen, daß das gleiche Stimmrecht für alle Mitglieder eingeführt und daß den kleineren Gemeinden eine entsprechende Vertretung in den Verbandsorganen zugesprochen wird. II. Wohnungswesen. Die Hauptversammlung erachtet es für eine der dringlichsten Aufgaben von Regierung und Landtag, auch weiterhin alle Kraft an die planmäßige Beseitigung der Wohnungsnot zu setzen. Die Hauptversammlung hofft daher, daß Regierung und Landtag auch fernerhin bei Verteilung der Lanbesmittel aus der Gebäudesondersteuer und der Mittel aus der Wohnungsbauanleihe auf die Wohnungs- unb Finanznot der Landgemeinden, insbesondere auch der stark von Industriearbeitern bewohnten Gemeinden in der Nähe der Großstädte, besondere Rücksicht nehmen, zumal diese insbesonderen dadurch hervorgerufen ist, daß % aller Industriearbeiter in den Städten arbeiten und dort Steuerwerte schaffen, aber auf dem Lande wohnen und hier nur erhebliche Aufwendungen für Wohnungen, Schulen. Straßen, Fürsorge usw. verursachen. III. Fürsorgewese«. 1. Die Hauptversammlung ist mit den Städten, Stadtgemeinden und Kreisen der Auffassung, daß die allgemeine Fürsorge eine ureigene Selbstverwaltungsausgabe der Gemeinde ist, die aufgrund genauer örtlicher und persönlicher Kenntnisse in der Lage sind, die Unterstützungsanträge zu prüfen und zu entscheiden sowie Mißbräuche im Unter- stühungswesen zu verhindern. Die Hauptversammlung fordert daher die alsbaldige Rückgabe des Fttrsorgewesens an die Gemeinden. Es ist nachgewiesen, daß die kleineren Gemeinden im Bezirksfürsorgeverband nicht etwa eine Entrüstung durch die leistungsstarken Gemeinwesen erfahre, sondern noch finanziell an den Aufwendungen für diese leistungsstarken Gemeinden mittragen müssen, woraus zu schließen ist, daß sie im allgemeinen sehr wohl befähigt sind, eine den Richtlinien entsprechende ausreichende Fürsorge zu leisten. 2. Die Hauptversammlung fordert, daß auch der von den Gemeinden zu tragende Anteil an den Kosten der Krisenfürsorge (%) vom Reich übernommen wirb, weil eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage nur langsam und sicherlich erst nach Jahren zu erwarten ist, und weil die Krisenfürsorge lediglich eine Fortsetzung der Erwerbslosenfürsorge bildet: auch können die Gemeinden unseres Verbandes im Hinblick auf die fortgesetze noch stark ansteigende Zahl der Ausgesteuerten alle diese ungeheuren Lasten auf die Dauer nicht tragen. 3. Die Hauptversammlung geht im allgemeinen mit dem vorgesehenen Ausbau des Arbeitslosenversicherungsgesetzes hinsichtlich der Selbstverwaltung und Organisation einig, sie fordert jedoch, daß die Unterstützungsdauer und -Sätze so bemessen werden, daß einerseits die Arbeitswilligkett nicht beeinträchtigt wird, andrerseits aber auch die Gemeinden nicht durch ergänzende Fürsorge weitere Belastungen auf sich nehmen müssen. Die Erlassung des neuen Arbeitslosenversicherungsgesetzes ist zu beschleunigen, damit es vor dem 1. Oktober 1927 noch in Kraft tritt. IV. Gebändeversichernng. Die Hauptversammlung spricht sich aus Gründen der Vereinfachung der öffentlichen Verwaltung und deshalb für die Beibehaltung des Nmlageverfahrens und damit gegen die Einführung des Prämiensystems in der Gebäudeversicherung aus, weil eine wesentliche Lastenverschiebung wsben Stadt und Land nicht ein treten und demgemäß nur eine bedeutende Erhöhung des Verwaltungsaufwandes entgehen würde, die allen Gebäudeeigentümern zur Last fielen Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 7. Juni. (Die Pfingstfeiertage.) Durch manche seit Wochen in allen Einzelheiten festgelegte Pfingstreise hat das Regenwetter einen bösen Strich gemacht oder sie doch wenigstens gründlich oerwässett. Unaufhörlich goß es am Samstag aus allen Schleusen des Himmels, oft wolkenbruchattig. Der Himmel machte ein trostloses Gesicht. 2m Lause des Tages sank auch wieder die Tempemtur: die Kühlen Regenschauer lockten nicht gerade sehr zum Wandern und Reisen. Tausenden verging so die Reise- die Reiselust. Rur die UneMwegten und die Optimisten, die an eine Besserung des Wetters am Sonntag glaubten, pilgerten am Samstag trotzdem zum Bahnhof. Und es waren wider E.rwarten nicht wenige. Der Verkehr am Pfingstsamstag erreichte aber — ohne daß bis jetzt Zahlen oorliegen — nicht den Umfang wie an schönen Tagen vor dem Pfingsffest. Am Sonntag früh machte der Himmel ein freundlicheres Gesicht. Zn Scharen zogen jetzt die Wanderlustigen zum Bahnhof. Leider hielt aber das gute Wetter nicht an und der Montag brachte schon wieder verschiedene Regenschauer, dazwischenhinein mal auch auf kurze Zeit Sonnenschein. So ließ das Wetter über die Pfingsffeiertage wirklich sehr viel zu wünschen übrig. Die Feiertage gaben uns aber trotz alledem auch zu Hause Gelegenheit zu körperlicher und geistiger Erholung und zur Sammlung neuer Kraft für Beruf und Alltag. Und dafür wollen wir trotz des mangelnden Sonnenscheins dankbar sein. Dienstag, den 7. Juni 1927. * Sinsheim, 7. Juni. (Ein Gesundheitsfeldzug gegen die Fliegenplage.) Settens des Reichsausschusses für hygienische Volks- belehrung, der im vorigen Fahre in über 3000 Städten erfolgreich die Reichsgesundheitswoche durchgefühtt hat, wird für dieses Jahr ein Gesundheitsfeldzug auf dem Lande geplant, der unter dem Motto „Die Fliegenplage eine Gesundheitsgefahr" steht. Durch die Reich-, Länder- und örtliche Organisationen unter besonderer Unterstützung der deutschen Acrzteschafl, die sich in hervorragender Weise im Jahre 1926 in den Dienst der Reichsgesundheitswoche gestellt hat, soll auf die Gefahr, die die Fliegen für die Gesundheit des Menschen direkt und indirekt bedeuten, hingewiesen werden. Durch diesen Hinweis und die Angabe der Möglichkeit der Bekämpfung der Fliegen hofft man auch gleichzeitig die wirtschaftlichen Verluste, die durch die von Fliegen genußuntauglich gemachten Nahrungsmittel verursacht werden, zu beschränken. * Sinsheim, 7. Funi. (Ausweise mtt sich führen!) Das französische Militärgericht in Mainz hat in letzter Zeit wieder eine größere Anzahl von Personen, die nicht im Besitze eines Ausweises waren, zu Geldstrafen verutteilt. Trotzdem sich Urteile dieser Art immer wiederholen, trotzdem immer wieder darauf hingewiesen wird, scheint es nicht möglich zu sein, den ins besetzte Gebiet Reisenden die Wichtigkeit des Mitführens eines Passes genügend vor Augen zu führen. * Waibstadt, 7. Funi. (Die hiesige alte Stadtmühle), Besitzer Wilhelm Beichett, wird zur Zett wegen Altersschwäche bis auf den Erdboden abgehoben um wieder neu ausgebaut zu werden. Der alte Bau, dessen Entstehung nicht genau ermittelt werden konnte, dürfte um die Wende des 18 Ährhunderts bestanden haben, denn die Chronik aus dem Fahre 1621 sagt, daß die Mühle von einem Fürst Metternich an die Gemeinde Waibstadt verkauft wurde. Auch die Mühleneinrichtung wird neuzeitlich wieder eingerichtet werden. Fm übrigen ist auch in diesem Fahre oie Bautätigkeit in unserem Städtchen wieder recht lebhaft. Nicht weniger als 4 bis 5 treue Wohnhäuser sollen erstellt werden und sind zum Teil schon unter Dach. Unsere Bauhandwerker, die in früheren Ähren immer auswärts ihrem Verdienst nachgehen mußten, können Heuer hier Beschäftigung finden, was sehr zu begrüßen fff. K Eschelbronn, 7. Funi. (Saaleröffnung.) An Pfingsten fand hier die Eröffnung des Saalbaues der Frau Dickel „zum deutschen Kaiser" statt. Mit dem schönen Saale ist nun auch in Eschelbronn einem längst fühlbaren Bedürfnis nach einem der heutigen Zeit entsprechenden Lokal Rechnung getragen. ^ Eichtersheim, 4. Funi. (Ein Wirbelsturm) hat hier einige Landwirte bei der Arbeit überrascht. Verschiedene, die mit Heugabeln beschäftigt waren, wurden zu Boden gedrückt. Ein Landwirt, der gemde hackte, konnte sich gerade noch an einem Baum fest- halten. £ Grombach, 7. Juni. (Verschiedenes.) Kürzlich fand hier Radfahrerfest und Dannerweihe statt. Das Fest begann Samstag abends: ein Fackelzug bewegte sich um halb 10 Uhr mit Musik vom Bahnhof zum Fcstplatz. Der Vorstand hielt eine Ansprache. Bereits am Samstag Abend war die erste Neckarsulmer Kunstreigenfahrermannschast zugegen, die durch kunstvolle Vorführungen den Vorabend verschönten. Am Sonntag Morgen zeigen 4 Uhr zog die Musikkapelle Steinsfutt zum Wecken für die Rennfahrer durch das Dorf. Die Rennstrecke (70 Kilometer) fühtte über Kirchardt, Fürfeld bis Weinsberg und zurück. Um 9 Uhr war Festgottesdienst mit Bannerweihe. Die Festpredigt hielt Hochw. Herr Pfarrer Bücher. Am Nachmittag erfolgte nach dem Festzug die Bannerübergabe. Die darauf folgenden Stunden boten den Anwesenden vergnügte Unterhaltung. Um 6 Uhr abends fand die Preisverteilung statt. — Am letzten Sonntag abend stießen hier zwei junge Burschen mit ihren Rädern zusammen. Der eine erlitt ernste Verletzungen, so daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. -j- Kirchardt, 6. Funi. (Fliegerbesuch.) Der Reklameflieger des Zirkus Busch überflog am Anfang der vergangenen Woche unseren Ort. Bei dieser Gelegenheit warf er Luftpost ab, und bezeich- nete darin das Gebäude des Herrn Groß von hier als sein Gebuttshaus mit der Bitte, man möge dieses durch weiße Tücher kenntlich machen, indem er in einigen Tagen wieder nach Kirchardt käme. Auf Ende der Woche wurde er zwischen 12 und 2 Uhr angemeldet und kam auch pünktlich um 1 Uhr über unfern Ort. Eine gute halbe Stunde führte er zu Ehren seines Geburtsortes die verschiedensten Kunstflüge aus, bestaunt von einer begeisterten Menge, um dann wieder in der Richtung nach Heidelberg im blauen Aeter zu verschwinden. Berwangen, 6. Funi. (Schwerer Unglücksfall.) Der Löwenwirt Adolf Nagel von hier wollte heute Futter holen. Auf dem Heimwege gingen ihm die Pferde mit dem geladenen Wagen durch, auf welchem außer dem Besitzer eines seiner Kinder saß. Bei dieser Fahrt stürzte der Wagen um und beide Fahrgäste wurden verletzt. Ueber dem Kinde waltete der Schutzengel, aber der Vater wurde schwer verletzt und mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Auch die Pferde waren derart verletzt, daß auch gleichzeitig der Tierarzt des Nachbarortes gerufen werden mußte. — Elsenz, 7. Funi. (Versetzt.) Gc'ndarmerieivachtmeister Schneider wurde von hier nach Ottenhöfen versetzt. Führ ihn kommt Gendarmeriewachtmeister Regcnhardt von Bruchsal hierher. — Mühlbach, 6. Funi. (Kirchweih). Als erste im Bezirk feiert die hiesige Gemeinde gestern und heute das' Kirchweihfest. ** Haßmersyeim (Mosbach), 7. Juni. Eines der ältesten und bedeutendsten Schifferdörfer im Neckartal ist Haßmersheim. In einer Urkunde vom Jahre 774 wird es „Asmares- heim" genannt. Schon früher stellte der Ort zahlreiche Schiffsleute. Die neu ins Leben gerufene Schifferschule beweist, daß man diesem Gewerbe wieder großes Interesse entgegenbringt. Der alten Kirche wird schon in der Urkunde gedacht, womit Konrad II. dem Domstift Worms im Jahre 1026 seine Besitzungen bestätigt hat. ** Pforzheim, 7. Juni. (Statistik der Verkehrsunfälle.) Im Monat Mai haben sich innerhalb der Stadt Pforzheim insgesamt 64 Verkehsunfälle ereignet gegenüber 52 im April 1927 und gegenüber 52 im Mai des Vorjahres. An den 64 Verkehrsunfällen waren beteiligt: In 23 Fällen Kraftfahrzeuge, in 25 Fällen Radfahrer (meist Jugendliche), in sieben Fällen Kraftfahrzeuge und in neun Fällen Fußgänger. Durch die Unfälle wurden zwei Personen getötet und 35 Personen verletzt: von letzteren mußten 11 Personen wegen der Schwere der Verletzung ins Krankenhaus gebracht werden. In dieser Statistik sind nur die Verkehrsunfälle aufgeführt, welche ernsterer Natur waren oder ernstere Folgen nach sich zogen: alle unbedeutenden Unfälle sind nicht berücksichtigt. ** Schluchsee, 7. Juni. Das Hotel zum „Stern" hat ein Touristenheim mit 40 Betten eingerichtet, um den Touristen eine billige Unterkunft zu bieten. ** Billingeu, 7. Juni. Mit Gas vergiftet hat sich der 43 Jahre alte ledige Maschinenwärter Eugen Schätzte. Auf einem hinterlaffenen Zettel gab er Arbeitslosigkeit und Krankheit als Grund an. Schätzte hat bas Sofa in die Küche gestellt und auf ihm nach Aufdrehung des Gashahnes den Tod erwartet. Als die Hausbewohner, durch den Gasgeruch aufmerksam gemacht, die Polizei alarmierten, war Schätzte bereits tot. ** Freiburg, 7. Juni. Auf Pfingsten wurden hier zehn neue Straßenbahnwagen in den Verkehrsdienst gestellt. Sie. * Sv: Pli 13 . i Nr. 92. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sivsheimer Zeitung. Dienstag, den 7. Juni 1927. find größer als die bisher verwendeten Wagen, jeder von ihnen kann etwa 60 Fahrgäste aufnehmen. Die Lieferanten sind badische Firmen in Rastatt und Heidelberg, der An- fchaffungspreis eines Wagens beträgt 38 (XXI Mark. ** Neckars«!«, 7. Juni. Beim Baden unterhalb der Wellenbrecher bei der Wehrbrücke ist der 11jährige Real» schüler Lechner von hier, Sohn des Werkmeisters Lechner, ertrunken. Der des Schwimmens nicht kundige Knabe geriet in dem sonst an dieser Stelle nicht sehr tiefen Neckar in eine Vertiefung und erlitt wohl infolge des plötzlichen Schreckens einen Herzschlag. ** Ellwaugcn, 7. Juni. Der Polizeischüler Windeck wurde beim Wecken tot im Bett aufgefunden. Die Todesursache'steht noch nicht fest; die Leiche wies keinerlei sichtbare Verletzungen auf. Näheres wird die sofort eingeleitete Untersuchung ergeben. ** Cannstatt, 7. Juni. Beim Baden im Neckar in der Gegend des Canstatter Viadukts ist ein 25 Jahre alter lediger Bäcker ertrunken. Der Mann war zwar des Schwimmens kundig, soll aber in einen Strudel geraten und dadurch in die Tiefe geriffen worden sein. Trotz seiner Hilferufe konnte er nicht gerettet werben. Die Leiche ist noch nicht geborgen. , i- ** Eberhard (Bayerns, 7. Juni. (Drei Personen verbrannt.» Durch spielende Kinder entstand in einer Scheune des Torfes eine Feuersbrunst, die sich mit Windeseile ausdehnte. Sämtliche dreizehn Gehöfte der Ortschaft wurden ein Raub der Flammen. Zwei Erwachsene und ein kleines Kind, die nicht mehr rechtzeitig gerettet werden konnten, wurden als Leichen aus den Trümmern geborgen. Zehn Einwohner ringen, insolge der bei dem Brande erlittenen Wunden. uM dem Tode. ' Die Peronospora im Bezirk Speyer. Speyer, 7. Juni. In den Weinbergen des Bezirkes Speyer stellte der Bezirkssachverständige die ersten Pero- nosporaerscheinungen fest. Das Spritzen der Weinberge mit l^prozentiger Kupferkalkbrühe oder Nosprasenkalkbrühe muß, soweit es noch nicht geschehen ist, sofort vorgenommen werde». Raubübersall auf ein Ehepaar. Ein schwerer Einbruch, verbunden mit einer Bluttat, wurde in der Nacht zum Samstag im Hause Halleschestraße 6 in Berlin von zwei unbekannten Tätern verübt. Das dort wohnende Ehepaar Schicker er- wachte, als die Einbrecher in der Wohnung waren. Schicker wurde niedergestochen, seine Frau sprang in ihrer Angst aus dem Fenster der Hochparterre gelegenen Wohnung. Beide Eheleute wurden in schwerverletztem Zustand nach dem Krankenhans gebracht. Die Täter sind entkommen. Schweres Autounglück. Bei Eisfeld (Thüringen) stieß das Lastauto einer dortigen Kolonialwarenhandlung an einem ungeschützten Bahnübergang mit einem Zuge zusammen. Der Chauffeur, ein Beifahrer und ein Kind wurden getötet. Schwerer Ungliicksfall auf dem Effen-Mülheimer Flugplatz. Bei Flugoorführungen auf dem Flugplatz Effen-Mülheim am ersten Feiertag sackte ein Reklameflugzeug infolge plötzlichen Versagens des Motors ab und geriet in die Menschenmenge. Der Pilot und sein Beobachter erlitten einen Nervenschock ein 13jähriger Knabe wurde durch einen Schlag mit dem Propeller getötet, außerdem wurden acht Personen teils schwerer, teils leichter verletzt. Flugzeugabsturz. Montag vormittag stürzte der Flugzeugführer Heft mit einer Sportmaschine nach einem Probrflug in Warnemünd ad, wobei er tödlich verunglückte. Furchtbare Erploston eines Pulvermagazius bei Krakau. Viele Tote. — IM Verletzte. Krakau, 7. Juni. .... Am Pfingstsonntag vormittag erfolgte in dem Pulvermagazin Witkowice, 6 Kilometer von Krakau entfernt, eine Explosion der Pulvermagazins. Die Folgen waren furchtbar. Me nächste Umgebung ist total vernichtet. Außerdem wurde die Stadt Krakau durch den Luftdruck schwer heimgesucht. Alle Fensterscheiben zertrümmert. Von der berühmten Marienkirche find künstlerisch wertvolle Glasgemälde zertrümmert. Im neuen Vankgebüude der Wirtschaftsbank ist die Decke eingestürzt. Der Schaden beträgt 1272 (XXI Zloty. Mehrere Menschen wurden getötet. 400 Verletzte. Me Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt. Man vermutet entweder Selbstentzündung des rauchschwachen Pulvers, andrerseits glaubt man an einen politischen Anschlag. Es wurden wurden auch bereits mehrere Personen verhaftet. Schweres Unglück auf einem polnischen Schießplatz. Bei Schießübungen auf dem Artillerieschießplatz Podgorz bei Thorn wurden durch einen Rohrkrepierer zwei Soldaten getötet einer schwer und einer leicht verletzt. Raubüberfall auf eine Eisenbahnkaffe. In einer der letzten Nächte raubten Einbrecher aus dem Kaflen- raum des Bahnhofsgebäudes Skalmierzyoe (Polen) »00000 Zloty, die für Gehaltszahlungen bestimmt waren. Autounfall Chamberlains. Verletzungen an der Stirn. — Rervrnchock. London, 4. Juni. Um Mitternacht ist Außenminister Cham- berlain, von dem Foreign ofsice von einem Diner zu Ehren des Königs nach seiner Privatwohnung fahrend, unmittelbar vor dem Parlament das Opfer eines Autounfalls geworden. Das Automobil des Außenministers nahm eine Kurve zu schnell und kollidierte mit einer Säule auf einer sogenannten Fußgängerinsek. Der »ordere Teil des Autos wurde vollständig zerstört und der Außenminister mit der Stirn gegen die Glaswand, die den Chauffeursitz von dem Innern des Wagens abtrennt, geschleudert, wobei Ehamberlain die Stirn blutig geschlagen wurde. Der Kriminalschutzmann, der den Außenminister begleitete, brachte ihn in einem Auto ins nahe gelegene Westminfterhospital, wo der Minister verbunden wurde. Bon dort konnte er nach einer halben Stunde die Weilerfahrt nach seiner Wohnung in der Nähe des Biktoria- bahnhofes antreten. Ehamberlain hat außer der Stirnwunds einen Nervenschock erlitten, er wird aber trotzdem imstande sein, heute eine Pfingstreise anzutreten. Brand i« derKopenhagener deutschen Gesandtschaft. Kopenhagen, 7. Juni. _ _ Im Gebäude der deutschen Gesandtschaft entstand in der Nacht zum zweiten Pfingstseiertag ein Brand, der größeren Umfang anzunehmen drohte. Er wurde jedoch noch rechtzeitig von dem Gesandten von Haffel entdeckt und konnte noch vor Eintreffen der Feuerwehr agelöscht waröen. 16 Kinder ertrunken. Wie aus Kairo berichtet wird, stieß ein Boot, in dem sich eine große Anzahl von Kindern befand, mit einem andern Fahrzeug zusammen, 16 Kinder ertranken. JV Radio - Programm ) für Dienstag, den 7. Juni 1927. Berlin (483), 11.00 Uhr: Schallplattenkonzert. 15.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 17.00 Uhr: Novellen: „Die beiden Edelleute." 17.30 Uhr: Kapelle Emil Roosz. 19.05 Uhr: Bücherstunde;. 10.30 Uhr: Vorträge. 20.30 Uhr: „Das moderne Ich". 21.15 Uhr: Populäres Orchesterkonzett. Breslau (315), 20.10 Uhr: „Die Kreutzelschreiber" Bauernkomödie mit Gesang. Frankfurt (428), 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Konzert des Hausorchesters: C. M. v. Weber. 17.45 Uhr: Die Lese- stunde. 18.15 Uhr: Fmuenstunde. 20.15 Uhr: Internationaler Bolkslieder-Abend. 21.15 Uhr: Zum Frankfurter Wäld- chestag, Lyrik in Frankfutter Mundart. Hamburg (394), 19.25 Uhr: „Ionny spielt auf", Oper von Ernst Kremek. Königsberg (329), 20.00 Uhr: Violinkonzert. Lotte Prins. 20.45 Uhr: „Ninon von Lenclos" Langenberg (498), '20.25 Uhr: Elberfeld: Heitere Stunde. 21.00 Uhr: Stimmen und Klänge aus romantischer Zeit. Leipzig (365), 20.15 Uhr: UMerwegs. 22.15 Uhr: Tanzmusik. München (535), Königswusterhausen (1256), 20.30 Uhr: Sym- phoniekonzett des Rundfunkorchesters. StuttMtt (379), 13.10 Uhr: Schallplattenkonzett. 15.50 Uhr: Bücherfunk. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Borträge. 18.45 Uhr: Bastelstunde. 20.00 Uhr: Gustav-Mahler- Abend. 21.15 Uhr: „Schlaft wohl Herr Nachbar", Komische Oper, Musik v. Ferd. Poi. Daoentry (1660), London (361), 11.00 Uhr: Big-Ben-Konzbtt. 13.00 Uhr: Big-Ben Konzett. 15.00 Uhr: Konzett Daven- try-Quattett. 16.30 Uhr: Konzett. 17.00 Uhr: Botträge. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Radio-Tanzmusik. 18.45 Uhn Tanzmusik. 19.45 Uhr: Bunte Stunde. 20.40 Uhr: Bortrag: „Musik und Hörer" 21.15 Uhr: Sendespiel: „Der ewige Jude". Patts (1756), 12.30 Uhr: Radio-Orchesterkonzett. 16.45 Uhr: Radiokonzett. 20.45 Uhr Sendespiel. Wim (517), 20.15 Uhr: Musikhumor in Ton und Wort. Zürich (494), 20.00 Uhr: Tcssiner Abend. 21.00 Uhr: Italien. Op. Prag (348), 20.10 Uhr: Lustiger Abend. 21.30 Uhr: Lustspiel. 22.20 Uhr: Schallplattenkonzert. Mittwochs dm 8. Juni 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1256), 11.00 Uhr: Schallplat- tenkonzett. 17.00 Uhr: Iugendbühne. 17.30 Uhr: Funkbühne. 17.30 Uhr: Funkkapelle. 21.00 Uhr: Konzett. 22.30 Uhr: Fröhliche Nachtmusik. Breslau (315), 20.10 Uhr: Milttärkonzett. Franfutt (428), 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Konzett des Hausorchesters: Operettenmusik. 17.45 Uhr: Bücherstunde. 19.30 Uhr: „Die Gezeichneten",-Oper o. F. Schreker. Hamburg (394), 20.00 Uhr: Dandonionkonzett. 21.00 Uhr: Die lustige Stunde. 22.00 Uhr: Der Walzer. Anschl. Uebettra- gung des Konzetts a. d. Cafe „Wallhof". Königsberg (329), 20.15 Ahr: Schuhmann - Mendelssohn - Duette. 21.00 Uhr: Blasmusik, alte und neue Märsche. Langenberg (468), 20.30 Uhr: Köln: Heitere Stunde. 21.00 Uhr: Köln: Opernabend. Anschl.: Tanzmusik. Leipzig (365), 19.30 Uhr: Kammermusik-Abend. 22.25 Uhr: Tanzmusik. München (535), 20.00 Uhr: England. 21.10 Uhr: Unterhaltungs- konzett des Rundfunkorchesters. 22.30 Uhr: Schallplattenkonz. Stuttgart (379), 13.10 Uhr: Schallplattenkonzert. 15.00 Uhr: Jugendstunde. 16.15 Uhr: Tanzmusik. 20.00 Uhr: Italienischer Abend. 22.00 Uhr: Dichter und Denker. Daoentry (1669), London (361), 11.00 Uhr: Big-Ben, Konzett. 13.00 Uhr: Big-Ben, Konzett. 15.00 Uhr: Nachmittagskonzert!. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Orgelkonzett. 19.43 Uhr: Duette. 20.00 Uhr: Sendespiel: „Etwas mehr Bubley". 21.20 Uhr: Pokal- und Orchesterkonzett. 23.00 Uhr: Tanzm, Paris, (1750), 12.30 Uhr: Radio-Orchesterkonzett. 16.45 Uhr: Radiokonzett. 20.45 Uhr: Galakonzett. Wim (517), 20.10 Uhr: „Medea", Trauerspiel v. Fr. Grillparzer. Anschl.: Leichte Abendmusik. Zürich (494), 20.30 Uhr: Arien und Duettabend. 21.30 Uhr: Englische Musik. 22.20 Uhr: Tanzm. des Hausorchesters. Prag (348), 19.00 Uhr „Ein Maskenball". 22.20 Uhr Tanzm. E. 6d)idt, Uhrmachermeister. Sinsheim a. E. Dr.Seibt-Vertreter — Lager tn Telefunken - Röhren, Anode» - Batterien — Sämtlichen Ersatzteilen, Varta Atkumulatoren-Ladestation. — Telefon 19 . Marktberichte. Schweinemarkt. Sinsheim, 7. Juni. Dem heutigen Schweinemarkt waren zuge- fühtt: 25 Milchschweine zum Preise von 35 —44 Mark pro Paar. 25 Läufer zum Preise von 60- 70 Mark pro Paar. Schweinemarkt in Bruchsal vom 4. Juni 1927. Verkauft Angefahren wurden: Milchschweine 197, Läufer 42. wurden: Milchschweine 105 Läufer 22. Höchster Preis für Milchschweine Paar 40.—, für Läufer 62.— R.M. Niedrigster. „ 15.-. „ „ 45.- „ Erdbeermarkt i« Altschweier. Dem Altschweterer Erdbecrmarkt wurden 100 Zentner zugeführt, die zum Preise von 75—80 Pfg. das Pfund restlos verkauft wurden. Wilh. Edelmann Dipl. Kaufmann Lydia Edelmann geb. Wenz Vermählte größte Produktion der Welt bequeme Teilzahlung Sinsheim Haßloch (Pfalz) Reparaturwerkstätte AlltOn Schmitt, Mechanikermeister, Sinsheim Tel. 176 Hauptstraße 554 Tel. 176 ai ||||||||||||||||[||lllllllll(»nilll!lllllll!l[l , llil(llllll[IIIIIIIIIIIIHIIIIIII[tg Damen-Strumpfe i Gewebter Strumpf verstärkte Ferse u. 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Juni 1927, nachmittags 4 Uhr in Sinsheim von der Friedhofkapelle aus statt Bremen«- g Südamerika f hervorragende Reisegelegenheiten mit den bestens bekannten und beliebten Dampfern Norddeutscher Lloyd Bremen Kostenlose Auskunft erteilt: Sinsheim: Georg Eiermann Ww., Eisenbahnstraße 344. Neckarbischofsheim: Max Jeselsohn, Hauptstraße 4. Schriftleitung: H. Becker; Druck «nd B«lag: <8. Peckersche Buchdruckerei i» Sinsheim. w