Erscheint tSgfich «st Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.80 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Zn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch aus Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Fernsprech-Anschluh Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lanövote 5in§lreimer General-Anzeiger für das >s Zeitung fsi Eljenz-und bcknoarzbaclital Auzeigea-Preife: -- Anzeigen: Die 33 mm breit» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen - Die 92 mm breit« MMmeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Pettt. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung! innerhalb 8 Tagen nach Rech-" nungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aufgegeben werden. HttttTtt und verbreitetst» Leitung dieser Gegend. yLupt-Hnzeigen-SiLtt wöchentliche Beilagen t IDode and Beim « Der Kobold » Nene ^llaTtrierte • £andwlrtTd>aftUche Beilage Bank-Konto: Dereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 93. Mittwoch, den 8.3uni 1927. 88. Jahrgang Varis zum neuen Balkankonflikt. „Nom hat die Hand im Spiel." Die Siegesfeiern in Kottbus Paris, 7. Juni. Wer die heutige Pariser Morgenpresse liest, muß zur Ueberzeugung kommen, daß dem südslawisch-albanischen Konflikt die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Selbst nationalistische Blätter sprechen den Gedanken aus, daß auch hier wieder Rom die Hand im Spiele gehabt habe. Radikale Blätter, die also Briand politisch nahestehen, sind deutlicher und ihre Sprache wird zweifellos in Rom gehört werden. -Sie werden aber keineswegs die Regelung des Konflikts erreichen. Das „Oeuvre" schreibt: „Es wäre doch besser, wenn man die Ge- legmhett, die Albanien «ns bietet, den albanischen Konflikt und das ganze adriatische Problem vor den Völkerbund zu bringen, nicht oorübergehen lassen würde, denn sonst würden sich die Zwischenfälle häufen und eines Tages zum Krieg führen. Sollten wir schon die Lehren von 1914 vergessen haben? Es springt in die Augen, daß Italien auf dem Balkan die Politik Oestreich- Ungarns übernimmt und daß es in England die schuldhaste Ermutigung findet, die Wien ehemals in Berlin gefunden hat." Das Blatt fordert auf, die Berichte des französischen Militärattachees in Bel- gmd zu veröffentlichen, dann werde man wissen, woran man sei. Noch schärfer ist die „Ere Nouvelle". die erklärt: „Mussolini hat uns ja in der feierlichsten Form davon unterrichtet, daß er seine weitgehenden Absichten selbst mit Gewalt verwirklichen werde. In gewissen Kreisen wollte man darin eine sprachliche Entgleisung! erblicken." Das Blatt weigert sich, das anzunehmen, es fordert, daß man der Politik Mussolinis, die in kriegerischen Kundgebungen bestehe, Kundgebungen eMgegenstelle, die einen ausgesprochenen Friedenswillen betonen. Der radikale „Homme libre" schreibt, der Abbruch der diplomatischen Beziehungen bedeute eine Kriegsdrohung, also müsse obligatorisch der Völkerbund eingreifen. Das Blatt beklagt, daß Mussolini bis jetzt nicht zugelassen habe, daß der Konflikt zwischen Belgmd und Tirana durch eine diplomatische Aussprache habe beendet werden können. Man ist sich klar darüber, daß nunmehr der Versuch gemacht wird, die südslawisch-albanische Frage vor den Völkerbund zu bringen, und wenn auch nur ein konkreter Fall vorliegt, der eigentlich mit der allgemeinen politischen Lage zwischen den beiden Nachbarstaaten nichts zu tun hat, ist man sich doch dessen bewußt, Ehamberlln Cottbus, 8. Juni. Chamberlain ist gestern 16,17 Uhr nach Berlin aufgestiegen. Er wird von vierzehn Flugzeugen der deutschen Lufthansa und der Fliegerschule in Staaken begleitet. Auf Chamberlains Flugzeug-Rumpf ist an das Wort Newyork, das allein darauf stand, noch Berlin-Cottbus hinzugefügt worden. Die amerikanischen Flieger vor der Landung in Berlin. Berlin, 8. Juni. Um 5.02 Uhr wurden die amerikanischen Atlantikflieger Chamberlain und Levine im Wendisch-Buch- holz und kurze Zeit darauf um 5.17 Uhr über Königswur- sterhausen gesichtet. Auf dem Flughafen Tempelhofer Feld hatte sich eine unübersehrbare Menschenmenge eingefunden. Ein den Amerikanern entgegengeflogenes Flugzeug der Lufthansa gab den Atlantikfliegern durch Abschietzen einer Rakete bekannt, datz fte vom Berliner Lusthafen bereits gesichtet seien. Die amerikanische« Flieger über Berlin. Berlin, 8. Juni. Gestern um 17.27 Uhr wurde das Flugzeug vom Flughafen Tempelhofer Feld aus, begleitet von fünfzehn deutschen Flugzeugen, gesichet. Das Geschwader erschien wenige Minuten darauf unter brausendem Jubel der Menschenmenge über dem Flughafen und kreist gegenwärtig über Berlin. Neben zahlreichen prominenten Persönlichkeiten haben sich auf dem Tempelhofer Flughafen der amerikanische Botschafter Schurmann, Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius als Vertreter der Reichsregierung und Oberbürgermeister Dr. Bötz als Vertreter der Stadt Berlin eingefunden. Nach kurzem Rundflug über Berlin und seine Vororte kehrte das Flugzenggeschwader aus nordwestlicher Richtung zurück und kreiste weiter über dem Flughafen. Als erste Flugzeuge landeten zwei „B.Z."-Flieger und ein Flugzeug der Deutschen Lufthansa sowie ein weiteres deutsches Flugzeug während das übrige Geschwader noch über dem Norden Berlins, und zwar um 17.45 Uhr kreiste. Wenige Minuten später, um 17.48 Uhr. traf die „Columbia" wieder über dem Flughafen ein. Die Sirene des Lufthafens begann zu ertönen. Die Begeisterung der versammelten Menschenmege war ungeheuer. Immer wieder brach die jubelnde Menge in nicht enden wollende Hochrufe aus- Jn 200 Meter Höhe machte Chamberlain gegen 17.52 Uhe noch eine Ehrenrunde über dem Flughafen, so daß seine Landung jetzt jede Sekunde zu erwarten war. Die Begeisterung der nach vielen Tausenden zählenden Menschenmenge kannte keine Grenzen. Berlin, 8. Juni. Der amerikanische Flieger Chamberlain ist in Begleitung von 14 Flugzeugen der Fliegerschule und der Lufthansa von Cottus kommend nach einer Ehrenrunde über die Stabt Berlin um 17.53 Uhr unter dem Jubel der Berliner Bevölkerung aus dem Flugplatz Tempelhofer Feld glatt gelandet. Der Empfang Berlin, 8. Juni. Unter ungeheuren Jubelausbrüchen wurde» die „Columbia" und das deutsche Geschwader der Begleitflugzeuge von der begeisterten Menge umringt. Kurz nach der Landung der „Columbia" ging auch das Flugzeug der Deutschen Lufthansa, das die offiziellen Persönlichkeiten an Bord hatte, nieder, und die offiziellen Empfangsfeier- daß durch ihn die ganze Frage aufgeworfen wird. Man befürchtet deshalb, daß Mussolini sich Dagegen wenden wird, daß der Völkerbund sich auch nur in irgend einer Form mit dem Dettrag von Timna beschäftigen wird. Das würde unter Umständen, so erklärt man in maßgebenden Kreisen, dazu führen können, daß überhaupt keine Verhandlung über den Streifall in Genf möglich ist und daß unter diesen Umständen für den Völkerbund eine Prestigefrage geschaffen würde, di« nicht ohne Bedeutung für seine fernere Entwicklung sein kann. gum Bruch Albaniens mit Südslavien Genf, 8. Juni. Zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Südslavien und Albanien wird in maßgebenden Völkerbundskreisen erklärt, daß vorerst für den Rat noch kein Anlaß zum Eingreifew vorliege. Er werde lediglich in eine Prüfung der Maßnahmen zur Beseitigung des Konfliktes eintreten, falls ein Mitglied des Völkerbundes in dem Abruch der diplomatischen Beziehungen eine Gefährdung des Weltfriedens erblicke und ein Eingreifen des Rats erforderlich würde. Nach den Satzungen kann auf die Tagesordnung des Völkerbundsrates ein neuer Punkt lediglich auf besonderen Antrag eines Ratsmitgliedes eingesetzt werden, wie dies eben durch die deutsche Regierung im Falle der Beschwerde der Memeler Bevölkerung geschehen ist. Da bis zur Stunde ein derartiges Ersuchen von keiner Seite eingelaufen ist, so ist vorläufig auch keine Veranlaflung für den Völkerbundsrat gegeben, den jugoslavischen Konflikt auf die Tagungsordnung der am 13. Juni beginnenden Ratstagung zu setzen. Belgrader Bersöhnnugsschritt i« Sofia. Berlin, 8. Juni. Wie dem Asien-Osteuropa-Dienst aus Sofia gemeldet wird, ist der vor einigen Monaten neu ernannte jugoslavische Gesandte Neschitsch von seiner Regierung beauftragt worden, mit Bulgarien Handelsvertragsverhandlungen einzuleiten. Nach Abschluß des Vertrages sollen nach den Belgrader Weisungen Verhandlungen über einen Sicherheitsvertrag beginnen. in Berlin. lichkeiten und Begrüßungsansprachen nahmen ihren Anfang. Als erster bestieg Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius das Rednerpoüium, der die amerikanischen Flieger im Namen der Reichsregierung willkommen hieß. Er führte u. a. aus: Ich beglückwünsche Sie und Ihre Nation zu Ihrer bewundernswerten Leistung. Die Bedeutung Ihres Fluges für die Verbindung unserer Völker lasten Sie mich in wenigen Worten über den allgemeinen Wert Ihres Fluges heute aussprechen. Es ist die Bestimmung der Menschheit, die Naturkräfte sich dienstbar zu machen, um allen beflere Daseinsbedingungen zu verschaffen und um höhere Kulturstufen zu ermöglichen. Auf dem Wege zu diesem Ziel haben Sie eine neue Etappe erreicht. Daß Sie die Grenzzeichen der menschlichen Leistungsfähigkeit im deutschen Boden gesteckt, in unsere deutschen Herzen eingeschrieben haben, dafür wissen wir Ihnen Dank, und darauf sind wir stolz. Nochmals herzlich willkommen namens des deutschen Volkes. Chamberlain ans dem Weg zur amerikanische» Botschaft. Berlin, 8. Juni. Nachdem die erste feierliche Begrüßung auf dem Flughafen vorüber war, begaben sich die beiden amerikanischen Flieger Chamberlain und Levine im Auto zur amerikanischen Botschaft. In dem Auto, das mit einem mächtigen Lorbeerkranz geschmückt war, saßen die beiden Flieger zur Rechten und zur Linken des amerikanischen Botschafters Schurmann. Voraus fuhr ein mit Polizeioffizieren besetzter Wagen. Die Zufahrtstraßen bis zur amerikanischen Botschaft am Wilhelmplatz, wo Chamberlain 18258 Uhr eintraf, waren dicht besetzt mit einer unübersehbaren Menschenmenge, durch die sich die Hochrufe und das Tücherschwenken wie durch eine lebende Mauer fortpflanzten. Der Polizeikordon wurde im Nu durchbrochen, und die begeisterten Menschen drängten sich dicht an die Automobile heran. Chamberlain und Levine saßen mit ernsten Gesichtern neben dem über das ganze Gesicht strahlende» Botschafter. Sie dankten sichtlich bewegt für die begeisterten Ovationen des Publikums. Die Feierlichkeiten z« Ehren der Atlanfikflieger. Berlin, 8. Juni. Bisher ist folgendes Programm der Berliner Feierlichkeiten und Empfänge zu Ehre« der amerikanischen Atlanttkflieger bekannt: Am heuttge» Mittwoch findet voraussichtlich mittags ein Empfang beim Reichspräsidenten und darauf beim Reichskanzler statt. Am Abend wird der amerikanische Botschafter Schurmann den beiden kühnen Fliegern ein Essen geben, nachdem bereits am Morgen desselben Tages ein Preffeempfang in der amerikanischen Botschaft stattgefunden hat. Reichsaußenminister Stresemann wird am Donnerstag den beiden Fliegern ein Frühstück geben, während der Aerolloyd ebenfalls am Donnerstag zu Ehren der Flieger einen Empfang veranstalten wird. Für Frettag mittag ist ein Empfang durch die Stabt Berlin vorgesehen und für Freitag abend eine feierliche Veranstaltung des Reichsoerkehrsministers. Am Samstag werden die beiden Atlantikflieger Gäste der Deutschen Lufthansa sein. Nähere Einzelheiten und die genauen Zeiten der Ber- anstaltuneu sind noch nicht bekannt. Kottbus errichtet eine« Gedenkstejn «nd beglückwünscht Coolidge. Kottbns, 7. Juni. Der Oberbürgermeister von Kottbus, Dr. Kreutz, hat an den Präsidenten Coolidge folgendes Telegramm gerichtet: „Unter der jubelnden Begeisterung der ganzen Bürgerschaft begrüßt die Stadt Kottbus Chamberlain und Levine, die kühnen Helden der Lüfte und Bezwinger des Ozeans und beglückwünscht Sie, Herr Präsident, sowie das ganze mit Recht auf seine Söhne stolze amerikanische Volk." gez. Dr. Kreutz, Oberbürgermeister der Stadt Kottbus. An der Lanüungsstelle, an der die beiden Flieger gelandet sind, wird die Stadt Kottbus einen Gedenkstein errichten. Der Festakt im Rathaus z« Cottbus. Cottbus, 8. Juni . Im Anschluß an seine Rede anläßlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Cottbus am Chamberlain und Levine, überreichte Oberbürgermeister Dr. Kreutz den beiden Fliegern, die auf Eichenlaubbekränzten Stühlen Platz genommen hatten, unter stürmischem Beifall der Versammelten namens der Stadt zwei silberne Schalen. Nachdem eine Musikkapelle die amerikanische Nationalhymne gespielt hatte, dankte Botschaftsrat Poole im Namen der Flieger für die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes und wies darauf hin,, daß Chamberlain und Levine als Bürger der Neuen Welt besonders stolz darauf seien, jetzt Ehrenbürger einer bald tausendjährigen deutschen Stadt sein zu dürfen. Der Landrat des Kreises Cottbus-Land, Dr. Eichler, überreichte den Fliegern hierauf mit einer Ansprache auf den amerikanischen Fliegergeist, der sich in Chamberlain und Levine so recht verkörpere, einen großen Lorbeerkränz. Er betonte dabei die Freude der Bewohner von Klinge, datz gerade ihr Ackerboden auf die Ozeanflieger so magentisierend gewirkt hätte, datz sie dort niedergegange» seien. Die beiden Reden wurden ins Englische übersetzt, so datz die Flieger mehrfach mit Lachen den Inhalt der Begrüßungsreden quittieren konnten. Mit dem Deutschlandliede fand der Festakt sein Ende. Unter brausendem Beifall der Menge wurden die beiden Flieger wieder nach ihrem Hotel begleitet, von wo sie sich dann zu ihrem Flugzeug nach Klinge begaben, um es nach der inzwischen vollendeten Reparatur zu besichtigen. Die wetteren Pläne der Ozeanflieger Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Kottbns. Kottbus» 8. Juni. Gestern fand im Hotel Ansorge ein kurzer Preffeempfang statt. Die beiden Flieger, die nach einer gut verbrachte» Nacht frohgelaunt bet Kaffee und Baumkuchen saßen, ließen sich einige Fragen stellen. Sie werden in Berlin acht Tage zubringen und später noch einige europäische Hauptstädte besuchen. Die Flugroute steht aber noch nicht fest, ebenso weiß man noch nicht,, ob sie nach Amerika zurückfliegen werden. Die Flieger äußerten sich sehr begeistert über den Empfang in Kottbus. Im Anschluß an den Preffeempfang fand im Rathause die feierliche Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Kottbus an die beiden Flieger statt. Dabei hielt Oberbürgermeister Dr. Kreutz an die Flieger folgende Rede: „Meine hochverehrten Herren Chamberlain und Levine! Unter dem Jubel und der Begeisterung der ganzen Bürgerschaft haben sie gestern nach unvergleichlichem Fluge als kühne Helden der Luft und Bezwinger des Ozeans Ihren Einzug in unsere schöne Stadt Kottbus gehalten. Namens der städtischen Körperschaften heiße ich Sie in dieser Stunde nochmals feierlich willkommen und beglückwünsche Sie von ganzem Herzen zu Ihrem herrlichen Erfolg. Durch Ihren Flug haben Sie neue Bande der Freundschaft zwischen den beiden großen Nationen, den Vereinigten Staaten von Amerika und unserem geliebten deutschen Vaterlande geknüpft. Voll Stolz blickt Amerika auf Sie, die heldenhaften Söhne eines hochgemuten Volkes. Glücklich ist die Stadt Newyork zu preisen als der Ausgangspunkt Ihres Wagnisses, welches die Welt bewundert. Ebenso glücklich ist die Stadt Kottbus, welche die hohe Ehre hat, Sie in Ihren Mauern zu beherbergen. Ich habe in dieser Feierstunde die Ehre, namens des Magistrats und der Stadtverordneten, zugleich im Namen der Vertreter aller Schichten der Bevölkerung Ihnen zu sagen, wie wir Ihre Gegenwart schätzen und begrüßen Sie, meine hochverehrten Herren Chamberlain und Levine auf das innigste, ebenso Sie, hochverehrter Herr Botschaftsrat Poole als Vertreter Ihres Volkes. In Bekräftigung der Hochachtung für Ihre Leistungen und in Beteuerung der Freundschaft für Sie und Ihre erhabene Nation verleihen wir Ihnen Beiden, meine hochverehrten Herren, die höchste! Würde, die die 1930 auf eine tausendjährige Vergangenheit zurückblickende Stadt zu verleihen hat, das Ehrenbürgerrecht. Möge die an Sie verliehene Würde geeignet sein, den Stolz und der Freude über ihre Anwesenheit dauernd nachhalttgen Ausdruck zu geben. Möge sich an diesen Ihren einzig dastehenden Erfolg in Zukunft noch mancher Erfolg knüpfen zu Ehren und zum Segen Ihrer selbst und zur Ehre und Grütze von Amerika." Berlin rüstet sich anf Chamberlains Empfang! Berlin, 8. Juni. Die „S. Z." meldet: Der Berliner Magistrat steht in ständiger Verbindung mit dem Flugplatz Tempelhofer Feld. Sobald Chamberlains Abflug nach Berlin gemeldet wird, begibt sich eine Abordnung unter Führung von Oberbürgermeister Dr. Voeß zum Empfang des Fliegers nach dem Tempelhofer Feld. Nach den bisherigen Dispositionen soll Chamberlain zuerst vom Reichspräsidenten und vom Auswärtigen Amt empfangen werden. Die Stadt beabsichttgt, ihn dann nach dem Rathaus laden und ein Festbankett, eventuell in der Städttschen Oper, zu geben. Die Deutsche Lufthansa beabsichtigt, sich an den Empfangsfeierlichkeiten mit Führung der Amerikaner durch ihre Anlagen, einen Theaterbesuch, Besichtigung von Potsdam, Fahrt auf den Havelseen und eventuell einem Effen in kleinerem Kreise zu beteiligen. Nr. 93. Jahrgang 1927. Mittwoch, den 8. Juni 1927. Der Anbei i« Amerika. London, 7. Juni. Der Rekordflug Chamberlains hat — wie aus Newyork gemeldet wird — in Newyork eine Begeisterung ausgelöst, wie man sie nach dem Lindberghflug nicht mehr für möglich hielt. Auch die militärischen Kreise Washingtons stehen ganz unter dem Eindruck des erfolgreiches Flugunternehmens. Besonders groß ist der Jubel in De- niüou, der Heimatstadt Chamberlains. Newyork, 8. Juni. Die Begeisterung Amerikas übe: den Rekordflug Chamberlains ist grenzenlos. Die Zeitungen bringen fast nur Meldungen über den Flug. Jede Berliner und Cottbuser Kleinigkeit wird auf das genaueste verbucht. Die „Newyork World" weist in einem Leitartikel auf dir Veränderung seit 1919 hin. Während damals in Amerika eine Haßpropaganda gegen Deutschland getrieben worden sei, hätten jetzt amerikanische Flieger den Rhein überflogen, «m den königlichen Empfang eines wohlgesinnten Volkes entgegenzunebmen. Die „Newyork Times" hebt hervor, daß gerade das in Flugdingen führende Deutschland die Leistung Chamberlains nnd Levines am besten würdigen könne. Es ist unmöglich, alle Telegramme und Erklärungen wiederzugeben, die an die Amerikaflieger abgesandt bzw. über ste abgegeben werden. Amerika bewundert seine Helden und hat nur diesen Gesprächsstoff. Vor der heute nacht erfolgten Abreise nach Deutschland erhielt Frau Levine von ihrem Gatten ein Telegramm, in dem dieser bat, ihm die plötzliche Abreise zu verzeihen, waS die Gattin gern versprach. Coolidge au Chamberlai«. Berlin, 8. Juni. Chamberlain wurde auf dem Flughafen Tempelhof einige Minuten nach seiner Landung folgendes Telegramm Coolidges überreicht: „Glückwünsche für Ihren wundervollen Erfolg, den die Aufstellung des neuen Streckenrekords Amerika—Deutschland darstellt und Grüße an das deutsche Volk." Calvin Coolidge. Fra« Chamberlai« ««d Frau Leviue an Bord der „Berlin" nach Deutschland unterwegs. Newyork, 7. Juni. Frau Chamberlain und Frau Levine haben um Mitternacht an Bord des Hapagdampfers „Berlin" die Reise nach Deutschland angetreten. Sie werden am kommenden Montag in Bremen eintreffen. Auf Drängen des deutschen Generalkonsuls v. Lewinski haben sie ihre ursprüngliche Absicht, die Ueberfahrt auf der „Berengaria" zu machen, aufgegeben und die Einladung der deutschen Regierung und der deutschen Dampferlinie zur Fahrt auf der „Berlin" angenommen. Breme«, 8. Juni. Zu der Deutschlandreise der Frauen der Ozeanflioger Chamberlain und Levine auf dem Dampfer „Berlin" des Norddeutschen Lloyd lnicht wie irrtümlich aus Newyork gemeldet wuroe Hapagdampfer- wird ergänzend mitgeteilt, d ß die „Berlin" am Freitag den 17. Juni, in Bremerhaven eintrifft. Chamberlains Rekordüberbietuug. London, 7. Juni. Wie aus Newyork gemeldet wird, teilt die amerikanische aeronautische Ueberwachungskommission mit, daß Chamberlain den von Lindbergh ausgestellt?« Rekord um 293 englische Meilen überboten habe. Die genaue Luftentfernung zwischen Roosevelt-Field und Helfta an der Straße nach Eisleben wird mit 3905 Meilen angegeben. Bellanca über die Zukunft des Luftverkehrs London, 7. Juni. Der Konstrukteur der „Columbia", Bellanca. erklärte — wie aus Newyork gemeldet wird —. die erfolgreiche Beendigung des Ozeanfluges bringe die Möglichkeit der Einrichtung eines Handelsluftverkehrs zwischen Amerika und Europa wieder einen Schritt näher. Die öreimotorigen Flugzeuge mit der Möglichkeit einer Landung auf dem Master würden in nächster Zukunft zweifellos größte Bedeutung erlangen. Er selbst werde eine Gesellschaft gründen, die sich mit dem Bau solcher Maschinen befassen werde. Die Flugzeuge würden die Reise zunächst in drei Etappen machen mit Zwischenlandungen in Neufundland auf den Azoren und einer europäischen Küstenstation. Rußlands Kampffpiele Zur Zusammenkunft in Baden-Baden. Der Besuch des russischen Volkskommissars des Auswärtigen, Ttitscherin, beim deutschen Außenminister Dr. Stresemann in Baden-Baden gab beiden Politikern Veranlassung, ihre Stellungnahme und ihre Absichten angesichts Analol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 14) (Nachdruck verboten.) ' „Selbstverständlich," war die Antwort, „gegen einen so gefährlichen Kumpan kann man nicht genug Vorsichtsmaßregeln treffen, und ich sage dir, ehe ich mich von der Bestie stechen lasse, knall' ich sie über den Haufen." „Wir sind ja zwei, Wilhelm, da werden wir doch den einen überwältigen. Und sollt' er uns wirklich entgehen, so ist ja der ganze Ort mit Gendarmerie besetzt." „Wo er nur bleibt," sprach der andere wieder, „er muß hier heraufkommen, es gibt ja von seinem letzten Ausgangspunkte keinen zweiten Weg nach Buch." „Er wird doch nicht schon durch sein?" „Ach, das glaub' ich kaum; allein das Gewitter wird uns noch überraschen, es zieht immer schwärzer auf, doch danach geht es natürlich nicht, wenn sich's um einen so wichtigen Fang handelt." Anatol zweifelte keinen Augenblick, daß der mit Wilhelm angeredete Gendarm mit dem gefährlichen Kumpan und der Bestie, die er über den Haufen knallen wollte, ihn meinte, hatte er sich doch schon zuvor geäußert, daß er, der vermeintliche Vatermörder, bald ein perfekter Raubmörder sein würde. Den beiden mußte von irgendwoher Wind zugegangen sein, daß er sich auf der Route nach Buch befand — also hatte doch jemand in ihm den flüchtigen Anatol Wangerin oer- inutet. Daran hatte er ja auch gar nicht gedacht, daß man ihn steckbrieflich verfolgen und sogar eine Belohnung auf ieine Einbringung setzen würde. Fünfzig Taler! War er Senn eine so wichtige Persönlichkeit? Die Stimmen der Beamten wurden wieder unverständlich» iie hatten sich etwa sechzig Schritt aus der Nähe des Weiden- zebüsches, welches Anatol Deckung bot. entfernt. „Du," sagte plötzlich der, welcher Wilhelm hieß, „wenn der Lump sich am Ende in dem Weidengebüsch versteckt hielte?" Beide Männer kletterten gleich von dem Platze aus, auf welchem ste standen, die ziemlich kurze, schräg abfallendr Der Landbote * Siusheüner Zeitung. oer gegenwärtigen weltpolitischen Lage zu präzisieren. Solche Präzision erscheint gerade jetzt notwendig. Man muß sich darüber klar werden, wie die Entwicklung voraussichtlich laufen wird. Vorerst muß festgestellt werben: die eng- lisch-rustische Auseinandersetzung beschränkt sich in ihrem jetzigen Stadium auf jene rednerische Kriegsführung, die aus der Zeit des Weltkrieges zur Genüge bekannt ist. Auch damals suchten die Staatsmänner der feindlichen Mächte- grupen durch öffentliche Erklärungen moralisch zu werben und durch ungenügend begründete Behauptungen die Front des Gegners zu schwächen. Nach dem gleichen System arbeitet zunächst Moskau. Die Note, mit der die Sowjetregierung auf den Abbruch der Beziehungen anwortete, war die letzte Möglichkeit direkter Assprache mit London. Die Rede' Rykows im Moskauer Sowjet ist der Anfang des zweiten Stadiums der indlrekten Aussprache von Hauptstadt zu, Hauptstadt. Und der Ausruf, den di»- Kommunistische Internationale zum Ausbruch des englisch- russischen Konflikts erlassen hat, soll diese Auseinander- seungen zugunsten Rußlands unterstützen. Dabei wird in diesen Auf-'ifen noch leichtfertiger mit Behauptungen operiert, als es in den offiziellen Reden der Fall ist. Die Kommunistische Internationale hat in ihre» Aufrufen wieder einmal das in Rußland beliebte Mittel der Verdächtigung Deutschlands angewandt. Obgleich das Reich sich, ehe es Verpflichtungen gegen den Westen und gegen den Völkerbund einging. Sicherheiten verschaffte, um nicht in eine antirussische Front eingespannt zu werden, hört man aus Moskau stets von neuem das Mißtrauen: Deutschland beabsichtige, einen Durchbruch fremder Truppen gegen Rußland zuzulassen. Die sehr entschiedene Antwort, die von halbamtlichen Stellen und in privaten Preffeäußerungen aus Deutschland gekommen ist, wird der Moskauer Regierung vielleicht zeigen, daß dieses Sststem der Verdächtigung gerade jetzt während des Konfliktes mit England am allerwenigsten angebracht ist: die russische Abwehr der englischen Aktionen geht über das Ziel hinaus, wenn Deutschland in Reden und Kundgebungen mit angegriffen wird, und solche falsch orientierte Gegenwehr könnte Wirkungen auslösen, die in Rußland wenig erwünscht wären. Man mußte sich auch in Moskiu sagen, daß die öffentliche Meinung Deutschlands gegen die Sowjetregierung eingenommen wird, wenn trotz des stets betonten deutschen Neutralitätswillens Mißtrauen und Verdächtigungen stets wieder auftauchen. Geht alio dieser Stoß der Sowjetregierung und ihres Hilfsorgans, der Kommunistischen Internationale, völlig ins Leere, so entsteht die Frage, welche Aussichten bisher für die unmittelbare Abwehr Englands entstanden sind. Die Rede Rykows. der den Vorsitz im Rate der Volkskommissare führt, gibt einige Aufklärung darüber, wie diese Abwehr organisiert werden soll. Da ist zunächst die finanzielle Selbsthilfe, der Versuch, Rußland vom englischen Geldmarkt unabhängig zu machen. Hier handelt es sich um die wirtschaftliche Abwehr, deren Charakter Rykow noch dadurch unterstrichen hat, daß er erklärte, Rußland sei nicht unbedingt vom Goldmarkt abhängig. Man proklamiert also in Moskau das Ziel wirtschaftlicher Isolierung, aber es scheint, daß man ernsthaft an den Erfolg einer solchen Isolierung selbst nicht glaubt. Denn es ist bezeichnend, daß Rykow die Erfolge Rußlands auf der Weltwirtschaftskonfe- rcnz mit besonderem Stolz rühmte, und man weiß auch in Moskau, wie sehr man die wirtschaftlichen Möglichkeiten gebraucht, die durch den Absatz russischer Produkte auf dem Weltmarkt entstanden sind. Es handelt sich also be: dieser Proklamierung der Isolierung wohl mehr um eine Demonstration, durch die man Eindruck in London und wohl auch in Washington machen will. Hinzu kommt dann der mehr politisch-diplomatische Feldzug, den Rykow eingeleitet hat: die Erklärung, daß Rußland Dokumente über englische Spionage in der Hand habe. Damit soll moralische Werbekraft gewonnen werben. Aber in Moskau wird man sich darüber klar sein, daß alles, was in der Sowjetrepublik behauptet wird, vom Ausland, besonders von Amerika, nur mit großem Mißtrauen ausgenommen wird. Und so kann man sich allzu großen Hoffnungen auf die Werbekraft dieser Enthüllungen kaum hingeben. Was darüber hinaus gesagt wurde von Heeresrüstungen und Grenzschutz, fällt wieder unter den Begriff Demonstration, denn daß eine militärische Auseinandersetzung von England nicht geplant ist, wird auch in Moskau bekannt sein. So redet man in London und Moskau aneinander vorbei, weil ja schließlich nicht die offiziellen Gründe die Auffindung non Spionagedokumenten der eigentliche Anlaß für den Bruch gewesen sind, und weil die wahren ir-sa-b-n des Brnches^wei- Döschung hinab und gingen mit unhörbaren Schritten auj dem weichen Ackerboden entlang bis zum Weidengebüsch. Der Gendarm Wilhelm stach mit seinem Säbel kreuz und quer in das grüne Gehölz hinein. , „Er ist nicht darin, ich dacht' es mir gleich." Die Männer klommen darauf wieder zu der Chaussee hinaus und harrten ihres Opfers. Zehntes Kapitel. Den Augenblick benützend, in welchem die Gendarmen sich von seinem Versteck entfernt hatten, fuhr Anatol mit Windes- eile in die Schuhe, raffte seine Sachen an sich und lief, so schnell ihn seine Füße tragen konnten, eine Strecke am Ackerrande neben der Böschung entlang in der den Beamten entgegengesetzten Richtung. Dann erst wagte er sich auf die Chaussee hinauf. Hier lag Buch bereits dicht vor ihm. Wo aber sollte er nun bleiben? Zum Ort hinausfliehen konnte er nicht, da derselbe rund herum von der Gendarmerie besetzt war. In seiner Todesangst irrte Anatol hin und her, bis Menschenstimmen ihn in einiger Entfernung zu einem verzweifelten Entschluß trieben. Er stürzte auf ein Kellerfenster, zu, welches er in der Dunkelheit schwach hatte blinken sehen, und drückte ungestüm gegen das Holzwerk desselben. War der Riegel auf der Innenseite nun nicht sorgfältig genug übergelegt, oder befand sich der Rahmen in morschem Zustande — jedenfalls gaben die Flügel nach und ohne Verletzung des Glases tat sich eine Oeffnung auf, durch die noch ein viel umfangreicherer Körper, als der seine war, hätte hindurch können. Den Hut fest auf den Kopf drückend, damit er ihm beim Biegen des Nacken nicht abgleite, warf Anatol Schirm und Decke voraus dem Klang nach fielen die Gegenstände nicht sehr tief — dann kletterte er von rückwärts hinterher. Zu seiner angenehmen Ueberraschung stieß sein hängender Unterkörper mit den Füßen auf etwas auf; es war ein schmaler Grat, das konnte nur ein Waschbock sein — er war »lso in einen Waschkeller geraten. ter anbauern, ja, sich auf politischem nnd wirtschaftlichem Gebiet eher noch verstärken. Welche Aussichten dabei Rußland bat. wird man klarer erst sehen können, wenn mar. auf der englisch-amerikanisch-japanischen Abrüstungskonferenz in Genf die Reden zur Außenpolitik etwas klarer die nächsten Pläne übersehen lassen. Das Steuervereinfachungsgesetz. Berlin, 7. Juni. Wie verlautet, wird das Reichskabinett erst endgültig über das Steuervereinheitlichungsgesetz Beschluß fassen, wenn der Reichsfinanzminister Dr. Köhler wieder nach Berlin zurückgekehrt ist. Mit der Rückkehr des Reichsfinanzministers ist am 13. Juni zu rechnen. Einstweilen sind weitere Besprechungen über den Gesetzesentwurf zwischen Reich und Ländern nicht vorgesehen. Die bayrischen Bedenken gegen den Gesetzentwurf gehen darauf hinaus, daß das Ertragssteuersystem unter allen Umständen in der Hand der Einzelstaaten bleiben muß. Pon seiten anderer Länderminister werden mehr praktische Bedenken gegen den Entwurf erhoben. So ist u. a. darauf hingewiesen worden, daß angesichts der Ueberlastung der Finanzämter eine sofortige Ueber- tmgung der Realsteuer-Veranlagung auf die Finanzämter nicht möglich sein würde. Eine Havas-Lüge. Paris, 7. Juni. In einer nicht gewöhnlichen Form beschäftigt sich die Agentur Havas auf Grund einer angeblichen Korres- vondenz aus London mit der Frage der Niederlegung der Oft- befestigungen. Diese Auslassung hat folgenden Wortlaut: Obwohl offiziell die alliierten Regierungen Deutschland keinen Vorschlag betr. die Nachprüfung der Niederlegung der Festungen an der Ostgrenze machten, und obwohl man auch offiziell noch immer bei dem deutschen Vorschlag, der übrigens abgelehnt wurde, bleibt, diese Nachprüfung durch einen neutralen Offizier nachprüfen zu lassen, schien man sich über einen Mittelweg geeinigt zu haben, der anscheinend jedermann Genugtuung geben konnte. Infolge von Besprechungen zwischen Major Durand, Oberst Gosset, den übrigen alliierten Offizieren und General Pawelsz erklärte letzterer sich damit einverstanden, persönlich die ersteren aufzufvrdern, die Durchführung der Verpflichtung durch Deutschland feststellen zu lassen. Aber als General v. Pawelsz diese Formel Stresemann unterbreitete, lehnte dieser sie ab. Die deutschen Kreise behaupten daß, wenn die alliierten Offiziere selbst sich an Ort und Stelle von dem Stand der angekündigten Zerstörungsarbeiten überzeugen werden, die Nationalisten ihre Kampagne gegen das deutsche Kabinett wieder aufnehmen werden mit der Begründung, daß Deutschland sich damit einverstanden erklärte, aufs neue die interalliierte Militärkontrollkommission funktionieren zu lassen, obwohl sie aufgelöst ist. Soweit ist man. Man hat nur noch einen neuen Vorschlag Deutschlands zu erwarten. Sollte das nicht der Fall sein, dann wird keine andere Alternative übrig bleiben, so behauptet man jetzt hier, als die Angelegenheit vor den Völkerbund zu bringen. Man macht sich in London wie in Paris immer mehr klar, daß die Deutschen, wie das oft mit ihnen geschieht, zwei Arten von Politik haben, eine mit Nationalisten und Reichswehr an der Ostgrenze, und «ine andere an der Westgrenze mit dem Vertrag von Locarno, und daß sie bereits durch ihre Pressestellen in London und durch ihre Propagandaorganisation beginnen zu versuchen, Konzessionen im Westen zu erhalten als Austausch für die Nichtausführung oder unvollständige Ausführung ihrer Verpflichtungen im Osten. Die vorstehend wiedergegebene Meldung der Agentur Havas, wonach General v. Pawelsz sich in Besprechungen mit technischen Sachverständigen der hiesigen Missionen diesen gegenüber damit einverstanden erklärt haben soll, die Sachverständigen zur persönlichen Besichtigung der zerstörten 34 Unterstände aufzufordern; ein Angebot, das aber von Stresemann abgelehnt worden sei, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Ganz abgesehen davon, daß die Frage, in welcher Weise die vereinbarten Zerstörungen der Unterstände verifiziert werden sollen, auf diplomatischem Wege zu erörtern sein wird, hat eine Besprechung in dieser Frage zwischen General v. Pawelsz, dem Sachverständigen der Reichsregierung, und den technischen Experten der hiesigen Mission überhaupt nicht stattgefunden. Zu den Ausführungen, mit denen sich die Agentur Havas auf das deutsche innerpolitische Gebiet begibt, erübrigt sich jeder Kommentar. Die Memelland-Beschwerde. Stresemann besteht auf sofortiger Behandlung der Frage. Genf, 6. Juni. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat Samstag vormittag ein Telegramm des Reichsaußenministers Dr. Stresemann erhalten, in dem dieser unter Begründung und Darlegung des deutschen Standpunktes und mit Berufung auf die Geschäftsordnung des Bölkerbundsrates dringend um die sofortige Behandlung der memelländischen Beschwerde ersucht. Der Flüchtling blieb auf dem gewonnenen Stützpunkt stehen, schloß vor allen Dingen das Fenster und legte den Riegel über; letzterer war so locker, daß er bei dem geringsten Antippen wieder herabgesallen wäre. Vorsichtig ließ Anatol sich von dem Bock abgleiten und tastete, nachdem er seine Habseligkeiten ausgenommen, in der Dunkelheit umher. Im behutsamen Vorwärtstasten an der Fensterwand stieß ilnatols Fuß plötzlich gegen einen hölzernen Gegenstand — es mußte entweder ein Kasten oder eine Truhe sein. Der Knabe bückte sich, um mit der Hand zu fühlen, ob der Gegenstand fest sei, denn er hatte das sehnende Verlangen, sich niederzusetzen, damit sein immer noch wütend hämmern- des Herz sich allmählich beruhige. Anatol erwartete auf einen Deckel von Holz zu sasien, zu seinem Befremden aber versanken seine Finger in einer weichen Decke. Das war doch nicht etwa ein Sofa? Allein. Menschen konnten hier unmöglich hausen — es blieb alles so still, so unheimlich — so grabesstill. Schon wollte Anatol auf den Sitz niedergleiten, als er noch einmal die Hand ausstreckte, um nach einer Seitenlehne für den Kopf zu suchen — da — o Entsetzen — faßte er plötzlich auf ein Gesicht ohne Nase! Mit elektrischer Geschwindigkeit schnellte Anatols neugierige Hand an seinen Körper zurück. Im darüberliegenden Hause war also jemand gestorben, und man hatte wohl wegen der großen Hitze die Leiche bis zu ihrer Bestattung in den Keller gebracht. Der Gedanke, in dieser Finste-nis hier unter der Erde mit dem unbekannten Toten allein zu sein, erweckte ein unbeschreibliches Grausen in dem Knaben. Schon überlegte er, ob er nicht auf demselben Wege, auf dem er gekommen, wieder enteilen sollte, als deutlich Schritte und Stimmen vor dem Fenster, durch welches er herem- gekrochen, an sein Ohr schlugen. Zitternd vorgebeugt, lauschte der Geängstigte mit angehak- tenem Atem auf die Töne draußen, aber die Schritte uni die Stimmen wurde immer undeutlicher, immer leiser, bii sie gänzlich verhallt waren. Nr. 93. Jahrgang 1927. Das Mandat Roffonis bestätigt. Der Einspruch des Internationale» GewrrLschastsbnndes abgelehnt. Genf. 6. Juni. In der Internationalen Arbeitskonferenz wurde der Einspruch des Internationalen Gewerkschaftsbundes gegen das Mandat des italienischen faszistischen Arbeiteroertreters auf der Konferenz, Rossoni. abgelehchs. Die Abstimmung ergab die Gültigkeitserklärung des Mandates Rosionis mit 82 gegen 32 Stimmen. Für die Gültigkeit stimmten die Regierungs- und Arbeitgeberdelegierten, gegen die Gültigkeit die Arbeitnchmerver- treter. Mit dieser Abstimmung ist nunmehr zum sechsten Male der Einspruch des Internationalen Gewerkschaftsbundes gegen das Mandat des faszistischen Arbettervertreters abgelehnt worden^ Englischer Flottenbesuch in Kopenhagen. Kopenhagen, 4. Juni. Ein englisches Geschwader von 14 Kriegsschiffen mit dem Admiralschiff „Luracao an der Spitze (vier Kreuzern und zehn Zerstörern und Ubooten, im ganzen 32 000 Tonnen mit 3200 Mann Besatzung) traf am 3. Juni hier ein und ging an der Kopenhagener Reede vor Anker. Bon hier begibt sich am 8. Juni ein Teil des Geschwaders nach Gothenburg, der andere Teil nach Malmö, danach besucht das ganze Geschwader die Randstaaten. Ein politischer Mord in Warschau Rcvolverattentat ans de« rnsfische« Gesandte« Wojkow in Warschau. Warschau, 8. Juni. Als gestern vormittag der hiesige russische Gesandte, der seine Abreise nach Moskau verschoben hatte, auf dem Hauptbahnhof den auf der Reise nach Moskau befindlichen russischen Geschäftsträger in London, Rosen- gclz erwartete, kam aus ihn plötzlich ein junger Wann zu und gab auf ihn einen Schutz aus einem Revolver ab, der Wojkow ins Herz traf und lebensgefährlich verletzte. Wojkow wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Attentäter wurde verhaftet. Er stellte sich als ein russischer Schüler eines Hiesigen Gymnasiums heraus. Eiuzelheite« «der die Ermordung Wojkows. Warschau, 8. Juni. Ueber die Vorgänge bei der Ermordung Wojkows sind folgende Einzelheiten zu berichten: Um neun Uhr 40 Minuten (9.40 Uhr) wollte Wojkow nach Moskau abreisen und promenierte vor Abgang des Zuges noch auf dem Bahnsteig. An ihn trat ein junger Mann in dunkelblauem Anzug heran und begann mit ihm ein Gespräch, das mehrere Minuten dauerte und sehr lebhaft war. Wojkow machte eine ungeduldige Gebärde und wandte sich von ihm ab, worauf der Jüngling einen Revolver zog und Schüsse abseuerte. Wojkow drehte sich um, zog ebenfalls einen Revolver und gab vier Schüsse gegen den Täter ab. Es entstand ein regelrechtes Gefecht, in dessen Verlauf Wojkow an der Brust getroffen wurde und zu Boden sank. Er wurde sofort in ein Krankenhaus überführt, wo er von Professor Sawicki operiert wurde. Während der Operation erschienen der Autzenminister, der Chef de sdiplomatischen Protokolls, Przezdziecki, und der Direktor des politischen Departements, Switalski. Wojkow starb um 10.54 Uhr. — Der Täter, Boris Kowerda, ist zwanzig Jahre alt und Schüler des Gymnasiums in Wilna. Bei dem Attentat soll er gesagt haben: „Das ist die verdiente Strafe für bas internationale Russland. Wir wollen ein nationales Rußland!" Marschall Prlsudski und sämtliche Mitglieder der Regierung haben Kondolenzkarten in der russischen Gesandtschaft abgegeben. Ferner erfahren wir, daß Wojkow keinen Schutz gehabt hatte, da er nie einen solchen für sich beansprucht hat. Die Regierung ist zu einer Beratung zusammengetreten, um sich schlüssig zu werden, vor welches Gericht der Täter gestellt werden soll. Wahrscheinlich wird er von einem Standgericht abgeurteilt werden. Rußland und die Ermordung Wojkows Riga, 8. Juni. Rach Meldungen aus Moskau wurde die Sowjetregierung von der Ermordung Wojkows durch Radio verständigt. Der Rat der Volkskommissare hat sofort eine Sitzung einberufen. Beschlüsse sind bisher jedoch noch nicht gefaßt worden. Der Autzenkommissar Tschitscherin ist sofort von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt worden. Von der Sowjetregierung wird eine Note an die polnische Regierung ausgearbcitet werden. Ter polnische Gesandte in Moskau, Pstek, hat der Sowjetregierung sei« Beileid zum Ausdrucl gebracht. Der Gesandtschaftsrat bei der Warschauer Gesandtschaft, Ulianow, ist angewiesen worden, die Geschäfte des Ermor^t-o zu übernehmen. Ter Oefsentlichkeit wurde die Ermordung Wojkows durch Extrablätter bekannt gegeben. In den Straßen Moskaus finden zahlreiche Meetings statt. Heute abend soll eine Gedenkfeier für Wojkow abgehalten werden, an der Mitglieder der Regierung und des Zentralen Vollzugskomitees teilnehmen werden. Die Polnische Kommunistische Partei'hat einen Aufruf gegen Pilsudski veröffentlicht; in der Presse dieser Partei wird die Sozialistische Partei Polens der Anstiftung zur Ermordung Wojkows beschuldigt. Das Beileid der Reichsregiernng zur Ermorduug Wojkows Berli«, 8. Juni. Die Reichsregierung hat der hiesigen russische» Botschaft aus Anlaß der Ermordung des russischen Gesandten Wojkow in Warschau durch den Staatssekretär von Schubert ihr Beileid ausdrücken lassen. Ebenso ist der deutsche Botschafter m Moskau angewiesen worden, der sowjetrussischen Regierung das Beileid der deutschen Regierung zu übermitteln. TrotzLi und Sinowjew aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen Riga, 8. Juni. Das Zentralkomitee der russischen Kommunistischen Partei hat, wie aus Moskau gemeldet wird, beschlossen, Trotzki und Sinowjew aus dem Zentralkomitee auszuschließen. Mit dieser Maßnahme soll erreicht werden, daß Trotzki und Sinowjew sich den übrigen Beschlüssen der Kommunistischen Internationale fügen. Sollte dies nicht der Fall sein, soll auch ihr Ausschluß aus der Partei selbst beantragt werden. Aus dem Bericht des sozialdemokratischen Parteivorstandes. Die Einnahmen der Sozialdemokratischen Partei betrugen 1828 über 8,5 Millionen Mark. — 8000 Ortsgruppen sind vorhanden. Das ist auf den Durchschnitt des Mitglieds 10 Mark. — Von 1924 bis 1927 sind für Wahlen. Volksenffcheid usw. 5 000 000 Mark ausgegebcn worden. Ueber 100 Millionen Stück Flugblätter sind in einem Jahre verbreitet worden, allein zum Volksbegehren 72 Mil- livnen Exemplare. Tie SPD. besitzt 104 Druckereien und 27 Verlage, in denen 184 Tageszeitungen erscheinen bzw. gedruckt werden. Das Vermögen der Partei beläuft sich auf 26 Millionen Mark. In zwei Jahren wurden zur „Sanierung" von Parteigeschäften 637 000 Mark, für den Ausbau von Parteigeschäften 930 000 Mark ausgegeben. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. «so oct Bericht auf dem Kieler Parteitag der S.P.D. vom 23. 5. 1927 (Vgl. „Vorwärts" Nr. 243). Dabei ist zu beachten, daß diese Ziffern lediglich die reinen Parteiunternehmungen betreffen. Gewerkschaften. Konsumvereine, u. a. sozialdemokratische Einrichtungen sind nicht einbegriffen und können das Vielfache dieser Zahlen aufweisen. ' Baden. Reichsbannerreden in Heidelberg. Heidelberg, 6. Juni. Anläßlich der Enthüllung einer Gedenktafel am Gedurtshaufe des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert fand in Heidelberg eine größere Reichsbannerkundgebung statt, in der verschiedene bekannte Persönlichkeiten der republikanischen Bewegung Stellung zu den Tagesfragen nahmen. Der badische Innenminister Remmele wies beim Auftakt zu der Feier darauf hin, daß es bei den nächsten Reichstagswahlen um die Wiedereroberung der Weimarer Koalition gehe. General v. Deimling erklärte, daß es auf den Geist ankomme, von dem eine Bewegung beseelt sei. Der Frieden könne nicht durch Rüstungen, sondern nur durch Verständigung erhalten werden. Der Bundespräsident des Reichsbanners, Hörsing, betonte, daß die Kriegsgefahr trotz des Willens des Reichsbanners zum Frieden nie größer gewesen sei, als jetzt. Durch Deutschlands Straßen marschiere die Reaktion. Er werde jedoch bis zum letzten Atemzuge mit der Reaktion ringen. Fritz Ebert, der Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten, wies da- muf hin, daß es gelte zu zeigen, daß die Republik nicht ohne Republikaner sei. Das Reichsbanner sei kein großer Verein, sondern eine Schutztruppe der Republik. Seine Waffen seien jetzt geistige Waffen, aber es könnten auch Zeiten kommen, in denen mit auderen Waffen gekämpft werden müsse. Wenn wieder ein Reichsparlament zu wählen sei, dann müsse eine Vertretung des Volkes zufammenkommen, der das Reichsbanner sein Vertrauen schenken könne. Reichskanzler a. D. Dr. Wirth betonte, daß das Reichsbanner eine Massenbewegung sei. Es komme jedoch auf den Geist an, der es beseele. Die Millionen der Reichsbanner-Kameraden müßten zum Staat geführt werden. Es komme darauf an, daß im nächsten Reichstage 30 Republikaner mehr säßen und bis dahin die republikanische Regierung in Preußen zu erhalten. Wenn manche meinten, er sei ein verlorener Mann, so müsse er erklären, er sei der konsequente deutsche Republikaner. Der Streit in seinem Parteilager sei ein Ringen um das gemeinsame Ziel der Republik. Er lehne es ab, unter der Parole: Gegen den Unglauben in dem Wahlkampf zu stehen, da Kirche und Religion nie solche Freiheiten wie unter der Republik besessen hätten. Die Franzosen fordere er auf, sich erneut an den Verhandlungstisch zu setzen'. Die deutsche Republik sei nicht nur eine Idee, sondern ein Wille. Chefredakteur Bernhard-Berlin führte aus, daß Preußen vor der Revolution der Hort der deutschen Reaktion gewesen, heute aber die Hochburg der Republik und republikanischen Gesinnung sei. Die Republikaner dürften es als ihren Erfolg bezeichnen, daß die Reaktionäre nicht offen wagten, ihr letztes Ziel zu nennen und Scheinrepublikaner würden. Ihm seien aufrichtige Deutschnationale vom Schlage des Grafen Westarp lieber als Leute, die sich scheinbar in den Dienst der Republik stellten. Das Reichsbanner sei keine Kampftrupp« für den Angriff u. werde nur im Falle äußerster Not zur Waffe greifen, um die Republik zu verteidigen. Deshalb lehne er es auch ab, wenn andere Mächte Deutschland bewaffnen wollten, da Deutschland niemals wieder Kriegsschauplatz für fremde Truppen und fremde Interessen werden dürfe. Erhöhung der Gebäudesoudersteuer für Mietwohnung««. Karlsrnhe, 8. Juni. Wie verlautet, soll zwischen den maßgebenden Parteien des Landtags eine Verständigung dahingehend zustandegekommen sein, daß ab 1. Mai ds. Js. die Gebäudesondersteuer für die Gruppe A (Mietwohnungen) um 2 Pfg. pro Monat erhöht wird. Tagung des badischen Maler- «nd Tnnchermeister- verbandes. Freibnrg, 8. Juni. An den Pfingsttagen fand hier die Tagung des badischen Maler- und Tünchermeisterverbandes statt. Der Landesausschußsiung folgte die jährliche Landesversammlung, die von dem Verbandsvorsitzenden, Malermeister Haag-Karlsruhe, geleitet wurde. Den Geschäftsbericht erstattete Syndikus Schmitt-Karlsruhe. Bei der Besprechung über das Verdingungswesen wurde der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß endlich auch die staatlichen Behörden, die Städte und Gemeinden sowie die Reichsbehörden die Reichsverüingungsordnung einführen möchten. Am Pfingstmontag folgte der badische Malertag, dem als Vertreter des Unterrichtsministeriums Gewerbeschuldirektor Schuhmacher-Freiburg beiwohnte. Ministerialrat Dr. Hirsch (Karlsruhe) sprach über die Farben im Stadtbild. Der Reichsbundesvorsitzende Kruse referierte über die Lage des deutschen Malergewerbes und die neuen Gesetzesvorlagen. Nach der Tagung versammelten sich die zahlreich erschienenen Teilnehmer zu einem gemeinsamen Mittagessen und am Pfingstmontag folgte eine Höhenfahrt auf den Feldberg. Die nächste Tagung soll in Pforzheim abgehalten werden. Aus Nah und Fern. Brieftaubensport. Der auf Pfingstsonntag festgesetzte Wettflug ab Passau (350 km Luftlinie konnte, da am Auflaßort Regen herrschte, nicht stattfinden. Die Tauben wurden deshalb am Pfingstmontag vorm. 8 Uhr in Freiheit gesetzt. Trotz des heftigen Gegenwindes und der zeitweise einsetzenden Regengüsse traf die erste Taube schon um 2,11 Uhr in Daisbach ein und waren die 9 Preise in einer halben Stunde vergriffen. Gesetzt waren vom hiesigen Verein 35 vom Meckesheimer Verein 10 Tauben. -Nachstehend die einzelnen Ergebnisse: Preise: Ring Nr. Züchter: Fluggeschwindigkeit je Minute Meter: 1 . 02051 26 79 L. Heller, Daisbach (8) 928 2. „ 24 37 A. Etzel, Sinsheim (9) 918 3. „ 25 51 H. Hoffmann, Daisbach (7) 902 4. 26 18 A. Etzel. Sinsheim 889 5. 26 54 E. Just, Sinsheim (5) 878 6. „ 25 8 L. Heller, Daisbach 877 7. „ 26 133 H. Hoffmann „ 876 8. 24 49 A. Etzel, Sinsheim 867 9. 03088 25 527 F. Schmitt, Daisbach (4) 865 * Sinsheim, 8. Juni. (Bargeldlose Entrichtung der Steuern.) Die Steuerschuldigkeiten werden an die Kassen d.-r Reichsfinanzverwaltungskassen der Finanzämter, der Hauptzollämter und der Zollämter am besten bargeldlos gerichtet. Jeder, der ein Konto beim Postscheckamt, bei einer Bank, Sparkasse, Genossenschaft usw. besitzt, kann seine Zahlungen an diese Kassen am bequemsten und billigsten durch Ueberweisung bewirken. Wer kein Konto besitzt, lege sich eines an oder zahle mittels Zahlkarte. Besondere Formulare für die Steuerzahlung mittels Zahlkarte werden von den Postämtern abgegeben. Die bestehenden Postscheckkonti und Bankverbindungen der Finanz- und Zollkafsen sind auf den Steuerscheinen, Forderungszetteln usw. angegeben. Die bargeldlose Zahlung erspart Zeit und Geld. 4 - Strinsfurt, 8. Juni. (Vermißt) wird seit gestern Aden» das 2i/2 Jahre alte Mädchen des Schlossermeisters Josef Karolus. Dasselbe ging mtt seinem Vater von Hause fort in der Mittwoch, den 8. Juni 1927. Richtung Adersbach zu und hat sich anscheinend verirrt. Die Einwohnerschaft war während der ganzen Nacht auf der Suche. Don dem Kind fehlt bis jetzt noch jede Spur. x Hasselbach, 7. Mai. (Wettloses Geld.) In letzter Zeit kann man die Wahrnehmung machen, daß vorkriegszettliches Silbergeld, besonders Markstücke, der Reichsmark sich beigesellen. Es handelt sich offenbar um früher gehamsterte Bestände, welche die Besitzer nun nicht mehr los werden können und darum versuchen, sie langsam und unbemerkt in den Geldoerkehr einzuschmuggeln!. Vornehmlich auf dem Lande kann man das bemerken, darum' Augen auf, damit man nicht zu Schaden kommt. ** Mannheim, 8. Juni. (Autounfall.) Auf der Friedrichsfelder Landstraße hat sich schon wieder ein schweres Autounglück ereignet. Ein auf einer Schwarzfahrt befindliches Auto wollte einem entgegenkommenden, angeblich nicht abgeblendeten Kraftwagen ausweichen und fuhr über die Straßenböschung. Die sechs Insassen erlitten schwere Verletzungen und das Auto wurde erheblich beschädigt. ** Bruchsal, 8. Juni. (Staatspolizei.) Wie aus ganz zuverlässiger Quelle verlautet, bekommt Bruchsal ab 1. Juli bereits die Staatspolizei. ** Oestringen. 8. Juni. (Schwerer Unfall.) Zigarrenmacher Josef Heilig hier stürzte in seinem Anwesen beim Heuholen die Leiter herunter, wobei er sehr starke Quetschungen und Schürfungen am ganzen Körper davontrug und den linken Arm schwer verstauchte. ** Phllippsbnrg bei Bruchsal, 8. Juni. (Ein Familien- drama.) Im benachbarten Rheinsheim soll laut „Bruch- saler Zeitung" ein Mann versucht haben, seine Frau und sein Kind zu erhängen. Durch rasches Eingreifen Dritter soll die verbrecherische Absicht verhindert worden sein. ** Karlsrnhe, 8. Juni. (Folgen einer Schwarzfahrt.) Ein 19 Jahre alter Kaufmann von hier, welcher nicht im Besitze eines Führerscheins ist, fuhr am Sonntagnachmittag mit einem Personenauto von hier nach Durlach und wieder zurück. Als er auf dem Rückweg links in eine Straße einbog, verlor er die Geistesgegenwart und warf mit seinem Wagen zwei Mädchen, welche die Bahrbahn überschreiten wollten, um. Die Mädchen wurden überfahren und erlitten beide erhebliche, jedoch nicht lebensgefährliche Verletzungen. ** Forvach, 8. Juni. (Ueberfahren.) Am Pfingstsonntag wurde in Klosterreichenbach ein Knabe von etwa 10 Jahren von einem Auto angefahren und ziemlich schwer verletzt. Soweit es sich beurteilen läßt trifft den Wagenführer keine Schuld. ** Baden-Baden, 8. Juni. (Selbstmord.) Dieser Tage hat sich ein in Lichtentahl wohnhafter 65 Jahre alter Sozialrentner, der seit Jahren an einem langwierigen nervösen Kopfnicken litt, im Walde erschossen. ** Baden-Baden, 8. Juni. (Verunglückt.) Auf der Pfingsttour einiger Offenburger unterhalb des Merkurs bei Baden-Baden stürzte ein Teilnehmer, Uhrmacher Wilhelm Keller jun., ab und zog sich einen Knöchelbruch zu. ** Wald-Ulm bei Bühl, 8. Juni. (Hagelwetter.) Am Samstag zog ein Unwetter über unsere Gemeinde, bei dem Hagel in Erbsengröhe fiel. Man hofft, daß die Rebanlagen keinen allzugrotzen Schaden erlitten haben. ** Villinge«, 8. Juni. (Tagung der Kaninchenzüchter.) Am Pfingstsonntag tagte hier in der Festhalle die Versammlung des Landesverbandes badischer Kaninchenzüchter, welche aus ganz Baden sehr gut besucht war. Der Verband zählt 5000 Mitglieder. Der Verbandsbeilrag wurde auf 15 Pfennig pro Mitglied festgesetzt. Bei den Neuwahlen wurde Mehne-Karlsruhe zum ersten Vorsitzenden wieöergewählt. Der zweite badische Züchtertag findet am 16. und 17. Juli in Karlsruhe statt. ** Freibnrg, 8. Juni. (Das Befinden des Großherzogs.) Das Befinden des ehemaligen Großhcrzogs hat in letzter Zeit zu wünschen übrig gelassen. Es stellten sich Herzbeschwerden ein, so daß zwei Aerzte zu Rate gezogen werden mußten. Die Sehkraft beider Augen hat erheblich nachgelassen. Im Augenblick ist eine leichte Besserung zu verzeichnen. ** Schöna« i. W., 8. Jurist Zur Erinnerung an Schla- geter fanden am Pfingstmontag am Grabe Schlageters «uj dem hiesigen Friedhof sowie am Schlageter-Denkmal auf dem Löberg Gedenkfeiern statt, zu denen sich etwa 600 Vertreter des Jungdeutschen Ordens eingefunden hatten. ** Douaneschinge«, 8. Juni. Der hochbetagte Bahnhofsdienstmann Georg Schneider von hier wurde am Pfingstsonntagabend halb 8 Uhr auf dem Bahnhof beim Ueber- schreiten der Gleise vom Zuge erfaßt und erlitt schwere Kopf- und Beinverletzungen. Er mußte nach dem Städt. Krankenhaus verbracht werden. ** Lndwigshafe«, 7. Juni. (Motorradunglück.) Auf der Maxdorfer Straße stürzte der Motorradfahrer Helbig aus Roxheim am Montagnachmittaa. als er einem Radfahrer ausweichen wollte und wegen zu schnellen Fahrens nicht mehr bremsen konnte, zu Boden. Der mitfahrende 21 Jahre alte Schreiner Hugo Reber aus Bobenheim war auf der Stelle tot, während Helbig schwer verletzt in das Krankenhaus Bad Dürkheim verbracht wurde. ** Lndwigshafe«, 7. Juni. (Vom Lokalzug getötet.) Als der 12 Jahre alte Volksschüler Otto Flaig aus Munden- heim am Sonntagabend in der Hauptstraße in Munben- heim mit seinem Rad einem Fußgänger ausweichen wollte, wurde er vom Lokalzug erfaßt, überfahren und auf der Stelle getötet. ** Augsburg, 8. Juni. (Gotteslästerungsprozeß.) Bekanntlich war der Feuilletonredakteur der in München erscheinenden „A. Z. am Abend" Karl Nicolaus vom Münchener Schwurgericht wegen Veröffentlichung des Luckmayerschen Gedichts „Wenn der Wind im Frühling bläst", wegen Gotteslästerung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Das Reichsgericht hatte das Münchener Urteil aufgehoben und die Sache an das Schwurgericht Augsburg verwiesen zur Prüfung, ob das Urteil auf einer zutreffenden Auslegung der inkriminierten Stelle beruhe. In der am Pfingstsamstag öurchgeführten Verhandlung wurde der Angeklagte anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zehn Tagen zu einer Geldstrafe von 300 Mark,ssowie zur Tragung der Kosten einschließlich der Revisionskosten verurteilt. ** Stratzbnrg i. E., 8. Juni. (Verhafteter Mörder.) Dr. Lucien-Kieffer, der kürzlich in Allenweiler die Frau des Malers Dusch in furchtbarer Weise ermordete und ihre beiden Kinder schwer verletzte, ist in Luneville verhaftet worden. Nach anfänglichem Leugnen gestand Kieffer sein Verbrechen ein. Er erklärte, daß er den Ort seines Verbrechens zu Fuß verlassen hätte. Seit drei Tagen treibe er sich in der Gegend von Luneville herum und verbringe die Nacht auf einer Bank in der öffentlichen Anlage. Er hatte 1100 Franken bei sich und ein Rasiermesser. **.. 8 - 3uni. Das Kriegsgericht von Nancy hat nach viertägiger Verhandlung den Kapitän Berthelemy von Die- denhofen erneut zu 5 Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt worden. Die gleiche Strafe war bereits vom Kriegsgericht Metz ausaeivrocken worden, weil Bartbelemu Mittwoch, den 8. Juni 1927 . Rr. 93. Jahrgang 1927. fr ■ r ~=j~-r-'V " ^ bei der Veräußerung deutschen Kriegsmaterials nach dem Waffenstillstand in Dieöenhofen 377 000 Franken unterschlagen nnö dabei zahlreiche Urkundenfälschungen begangen hatte. Sein früherer Vorgesetzter, Oberst Testarü von Die- denhofen, der ursprünglich mitaugeklagt war, bei der ersten Verhandlung vor dem Metzer Kriegsgericht freigesprochen nmrde, ist inzwischen nach Clermont-Ferrand strafversetzt worden. Eine Bluttat in Ottenheim ** Ottenheim bei Lahr, 8. Juni. (Schwere Bluttat.) Der 31jährige Schmied August Heinburger lauerte gestern nacht gegen 1 Uhr der 20jährigen Anna Maurer, als sie vom Tanz nach Hause kam, im Hausflur der Wohnung des Mädchens auf und verletzte es durch 10 Messerstiche in Hals, Rücken und Hand so schwer, daß es kurz nach 4 Uhr gestern früh starb. Der zu Hilfe herbeieilende Vater des Mädchens erhielt ebenfalls einen Messerstich in den rechten Arm. Der Täter, der mit dem Mädchen mehrere Jahre ein Verhältnis hatte, dieses aber löste, weil es seiner Meinung nach zu wenig Geld mitgebracht hättte, hat sich aster Wahrscheinlichkeit nach im Mühlbach ertränkt. Nach der Leiche wird noch geforscht. * Rener Ranbiiberfall bei Jmmendinge». Freiburg, 8. Juni. Auf dem Wege von Jmmendingen nach Nimburg wurde in der Nacht zum Montag ein 27 Jahre alter Mann aus Freiburg überfallen und seiner Uhr und Barschaft beraubt, worauf er in den Kanal geworfen wurde. Als Täter wurde ein Arbeiter aus Wald- kirch-Mühle festgenommen. Wirbelsturm und Hagelunwetter in Oberschlesien Breslau, 8. Juni. Ueber dem Kreis Groh-Strchlitz ging ein Unwetter von seltener Schwere nieder, das von einem orkanartigen Wirbelsturm und Hagelschlag begleitet war. Von einem Gogoliner Werk wurde ein großes Dach herun- tergeriffen und mit einem erheblichen Teil Mauerwerk mehrere hundert Meter weit auf die Wiesen geschleudert. Die Frau eines Etsenbahnwärters wurde von dem dabei herabstürzenden Mauerwerk so schwer verletzt, daß sie sofort ins Krankenhaus überführt werden mußte. In Groß-Stein wurde eine andere Frau von dem Orkan in die Luft geschleudert und fand dabei den Tod. Bei dem wolkenbruchartig niedergehenden Regen wurden die tiefergelegenen Wohnungen der Ortschaft Gogolin unter Waffer gesetzt und stark beschädigt. Durch den Hagel sind die Getreidefelder in einer Breite von etwa 7 Kilometern und einer Länge von etwa 20 Kilometern völlig vernichtet. Auf dem Dominium Sakrau sind neben zahlreichen anderen Oortschaften der Umgebung sämtliche Gebäude durch die Gewalt des Orkans abgedeckt und vollständig zerstört worden. Besonders die landwirtschaftlichen Kreise sind durch diese Unwetterkatastrophe außerordentlich schwer betroffen worden. Von Provinz, Regierung und Staat wird schleunigst Hilfe erwartet. Eisenbahnunglück in Oberschlesie«. Zwei Tote, mehrere Schwerverletzte. Wie erst jetzt bekannt wird, entgleiste am Samstag auf der Strecke Stahlhammer (Kreis Lublinitz in Polnisch-Oberfchlesien) — Podzence infolge Dammrutsches ein Güterzug mit vierzig voll beladenen Kohlenwagen. Die Lokomotive und sämtliche Wagen wurden zertrümmert. Zwei Eisenbahnbeamte wurden getötet, mehrere andere schwer verletzt. Die Strecke ist vollständig gesperrt. Brennende Naphtagruben. Siebzehn Personen umgekinnmen. Bukarest, 7. Juni. Gestern nacht gerieten im rumänischen Petroleumgebiet bei Moreni fünf Naphtagruben in Brand. Siebzehn Personen verbmnnten. Das Feuer dauert noch an. Der Schaden ist groß. Zwei Berliner in der Schweiz tödlich vernnglückt. Genf, 8. Juni. Während der Pfingstfeiertage ist ein Berliner Ehepaar bei der Besteigung des Säntis tödlich verunglückt. Unwetter in Rheinheffeu. Rheinhesien, namentlich der südliche Teil, vor allem Osthofen wurde durch furchtbare Hagelschläge, mit großer Killte verbunden, heimgesucht. Der Schaben in den Weinbergen beträgt 80 bis 100 Prozent. Tunen» Sport und Spiel. Die Spiele im Rheinbrzirk: Sp.Bg. Mundenheim — St. Gallen 2 :0. Phönix Kaiserslautern — F.B. Weinheim 1 :6. Phönix Ludwigshafen — St. Gallen 4 :1. MS.Cl. 08 — F.Per. Speyer 7 :2. Pfingfiturnicr um den B^f.R. Pokal. D.f.R. Mannheim — Phönix Mannheim 4 :0. Der Landbote ♦ Sinshcimer Zeitung. _ Sp.Ver. Waldhof — Pfalz Ludwigshafen 2 :1. Um den Bezirks-Pokal: Neckarhausen — Hockenheim 10 :1. Eberbach — Eppelheim (abgebrochen) 3:1. Süddeutsche Ergebnisse: Samstag: Eintmcht Frankfurt — B.f.B. Leipzig 7 :2. Germania Durlach — Karlsruher F. P. 0 :10. F.S.B. Mainz 05 — Union Niederrad 5 :1. Sonntag: Freiburger F.E. — B.f.B. Leipzig 3 :5. Eintmcht Trier — Freiburger S.C. 0 :0. Griesheim 02 — 1. F.E. Pforzheim 5 :3. Kickers ^Offenbach — F.Pgg. Blejerheide 3 :0. Saar Saarbrücken — Bonner F.B. 1 :2. Montag: Freiburger F.E. — F.S.B. Mainz 05 3 :2 F.S.B. Fmnkfurt — 1. F.E. Pforzheim 1 :1. Rot-Weiß Fmnkfurt — B.f.L. Neu-Isenburg 3 :1. Süddeutsche Mannschaften auf Rriftn: S.u.S. Elberfeld - P.f.R. Fürth 1 :0. C.f.R. Köln — B.f.L. Neckarau 3 :4. Servette Genf — Bayern München 1 :3. C.A. Paris — München 1860 0 : 2. B.C. 05 Düsseldorf — Sp.Bgg. Fürth 1 :4. B.C. 09 Wattenscheid — B.f.L. Neckarau 2 :6. Gmshoppers Zürich — Bayern München 2 :1. Zur deutschen Fußballmeisterschaft. Mit 8 :7 Stimmen wurde der Protest Süddeutschlands gegen die Austmgung des Endspiels in die D. F. B. Meisterschaft in Berlin abgelehnt. Fn diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, daß alle Gerüchte über einen Protest der Spielvereinigung Fürth gegen das in Leipzig gegen Hertha B. S. C. verlorene Spiel, nicht den Tatsachen entsprechen. — Deutsche Fußballer in Paris. Anläßlich des Fußballturniers in Paris weilten über Pfingsten die beiden deutschen Vereine München 1860 und Dresdner SiE. in Paris. Die Münchener spielten gegen den Athletique-Club Paris und siegten mit 2 :1. Der Dresdner S.C. unterlag der italienischen Mannschaft Pro vercini mit 1 :2 (1 :1). Handball. Tg. H. 1 — Bv. Sachsenhausen 8:3 (4 :3). Tg. H. 1 b — Tv. Sachsenhausen 2. 4 :1 (1 :0). Tg. H- Schüler — T. und F. El. Nußloch 3:1 (1:1). sLg. H. 78 Damen — T. u. Sp. B. „Eintracht" — Wiesbaden 0 :2 ( 0 : 1 ). Tg. H. 2. — 3g. B. Ladenburg 1. 8 :3 (2 :1). Tg. H. Fug. 1. — T.B. Sachscnhausen Jugend 2:1 (1:0). Städtisches Theater Heidelberg. Dover-Ealais, Lustspiel von Fulius Berstl. Durch verschiedene Romane aus der Theaterwelt hatte sich das Schauspielet- kind Berstl bereits einen Namen in der ltterarischen Welt erworben, als der Bühnenerfolg von Dover-Calais die Scenenbilöer des Stückes in allen Illustrierten brachte. Es war anno 26; Miß Ederle hatte sich gerade über den Kanal gewagt, und die amerikanische Zeitung, die von allem zu erzählen weiß, von einem menschenfeindlichen Millionär berichtet, der jahrelang seine Jacht nicht verlassen hatte. Berstl ist aufmerksamer Zeitungsleser und die Probleme unserer Zeit beschäftigen ihn: Wie, so fmgt er sich, hätte dem einsamen Weiberfeind geholfen werden können? Und er findet auch seine Lösung. Die Schiffsmannschaft, die schon lange keinen Weiberrock mehr gesehen hat, zieht «ine scheinbar Ertrinkende an Deck: Die moderne Eva im Badekostüm! Lieutenant und Schiffsarzt, Koch und Matrose erliegen der anmutigen Koketterie: in Wutanfällen tobt Mr. Sandercroft über die Journalistin, die sich an Bord geschwindelt hatte, um Stoff zu einem interessanten Artikel zu erhalten: doch bald spürt er eine seltsame Aenderung in sich: Der Fremden erzählt er seine Familiengeschichten, wie seine Frau mit dem Chauffeur durchbrannte: der Borwurf, er sei stille gestanden, während das Leben über ihn hinausgcschritten sei, wirkt sich aus: Der Bart fällt der Schere zum Opfer. Zuletzt wird er... eifersüchtig auf seinen Lieutenant, beide halten um die Hand der Vielbegehrten an... und beide erhalten einen Korb: Frei will sie sein, die moderne Frau! Wie sie gekommen, verschwindet sie wieder. Aber sie hat Mr. Sandercroft bekehrt: In Dover will er an Land gehen, um die Frau zu sehen, die die nächste Revolution mache, und.den Mann, der sie so weit hat kommen lassen. Die beiden Hauptrollen in den Händen von Frl. Westermann und Konrad Wagner verbürgten eine gute Aufführung, die erstere lebte sich mit sichtlichem Behage» in die Rolle der sich ihrer Kraft bewußten modernen Frau ein: Anmut mit Wissen gepaart, bildet eine bezwingende Macht: der Zuschauer stand mit der Schiffsmannschaft unter dein gleichen Zwange. Glänzender Gegenspieler war der polternde K. Wagner, der es beinahe glaubhaft machte, daß auf Donner nach fernabziehendem Grollen, heller, klarer Sonnenschein folgt. Gut hatte die Regie (C. Alexander) auch für die Nebenrollen gesorgt: hervorzuheben ist vor allem der brummig lebenswahre Seebär Schmid- Wildys. Für das Bühnenbild zeichnete R. Vogel. Radio - Programm für Donnerstag, den S. Juni 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1250), 11.00 Uhr: Schallplattenkonz. 15.30 Uhr: Schallplattenkonz. 17.00 Uhr: Kapelle Gebr. Steiner. 20.00 Uhr: Uebertr. v. Leipzig. Anschl.: Tanzmusik. Breslau (315), 20.00 Uhr: Johann Strauß schreibt Bricft. Frankfurt (428), 13.30 Uhr: Mtttagskonz. d. Hauskap. 16.30 Uhr: Nachm,-Konzert: Robert Schumann. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 Uhr: Vorträge. 20.15 Uhr: „Gasparone" Opie-- rette v. Karl Millöcker. Anschl.: Spätkonzert des Haus- orchcster: Richard Strauß. Hamburg (394), 20.00 Uhr: „Narrenfpeegel", En eernsthafti Ko- meedi, v. H- Ehrke. Königsberg (329), 20.30 Uhr: Musikalisches Funkbrettl. Llmgrnberg (468), 21.00 Uhr: Lieder- und Duetten-Abend. Leibis (365), 20.00 Uhr: „Iuarez und Maximilian". Dramatische Historie. München (535), 19.00 Uhr: Konzert des Hausorchesters. 20.00 Uhr: „Hamlet", Ein Trauspiel v. W. Shakespeare. Stuttgart (329), 13.10 Uhr: Schallplattenkonz. 15.50 Uhr: Haus- wirtschaftliche Frauenstunde. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Dmmaturgifche Funkstunde. 18.45 Uhr: Borträgs. 20.00 Uhr: „Der Herr Senator", Lustspiel von Schönthan und Kadelburg. Anschl.: Besprechung v. Karlsruhe: Kammer- Musik-Abend. Daventry (1600), Landen (361), 11.00 Uhr: Konzert. 13.00 Uhr: Big-Ben, Schallplattenneuheiten. 15.00 Uhr: Abendgottesdienst. 15.45 Uhr: Botträge. 16.00 Uhr: Konzett. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.20 Uhr: Tanzmusik. 18.45 Uhr: Tanzmusik. 19.45 Uhr: Duette. 20.00 Uhr: Radio-Symphoniekonzerl. 22.30 Tanzmusik^ Paris (1750), 12.30 Uhr: Radio-Orchesterkonzert. 16.45 Uhr: Kinderstunde. 20.45 Uhr: Radiokonzett. Wien (517), 20.05 Uhr: Konzertakademie. Zürich (494), 20.30 Uhr: Orchester. Orchestersuiten. 21.00 Uhr: Vorlesung. 21.15 Uhr: Balettmusik. * Pmg (348), 20.10 Uhr: Hörspiel. 21.00 Uhr: Kammermusik, 22.20 Uhr: Schallplattenkonzert. c-SOe-'4=5C'SSe'JO E. 6d)i(fc, Uhrmachermeister, SttlShötM H. E. Dr.Seibt-Vertreter — Laaer in Telefunken - Röhren, Anoden - Batterien — Sämt° lichen Ersatztellen, Varta-Atlumulatoren-Ladestatton. — Telefon 1». Neueste amtliche Kurse vom 7. Juni 1927. mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. Anleihe»: in o/o Ablösungsschuld Mtt Auslosungsschein . . 3oS ohne AuSlofungSfchei» . . 17 SmkaUic«: in o/o Bad. Bank .... 153 Ddrmftädier- und Nationalbanl 22» Deutsche Bank .... 164,50 Deutsche Bereinsbank . 1C5 Dresdner Bank . . . >60,25 Mitteldeutsche Kreditbank . 200 Retchsbank . . . . IS» Rhein. Creditbank . . . 181 Südd. DiSconto Ges. . . 143 Beeg« eck* » Aktie« in 0 g Sarpener Bergbau . . Iso »alt Westeregeln . . .166 ManneSmunnröhrenwerke. . 17S ManSselder Bergb. u.Hüttenw. 125.58 Oberschi. Eisenb. Bedarf . . »8,50 Phönix Bergbau u.Hüttenbetrieb ise Salzwerk Heilbronn . . — vereinigte Königs- Laurahötte 1» Aktie» induftr. Anternehmmnge«: in o/o Allg. Elektr. Stawmak.tten 171,25 Badenia Wctnhetm . — Bad. Elektrizität Mannheim - Bad. Maschinen Durlach . . 137 Cementwerk Heidelberg . lsoVs Datmler Motoren . . . 108,50 Dtsch. Mold» und Stlberschetde 203,50 Elektr. Licht und «rast . . I»z,50 Ematll. und Stanzwerk Ullrich 50 Farbentndustrie ... 276 Fuchs Waggon Stammattien — Gritzner Maschinen Durlach . 115,50 Karlsruher Maschinen . . — Knorr Hellbronn ... 17» Matnkrastwerke Höchst . . 130 Neckarsulmer Fahrzeuawerke . »80 Schlickert Elektr. Nürnberg . 170 Setlinduftrie Wolfs ... 87 Südd. Zucker . . . . 187 Zellstoff Waldhof Stammaktien 25S,5» Aktie» deutscher Tra»sz>ortanstaltea: in o/o amburg. Amerib. Paketsahr« 186,50 eidelberger Straßen» u. Bergbahn 7? arddeutscher Lloyd . . 1837/, Denis«»: Geld Brief New-Dork 1 Dollar 4.217» 4.225» London 1 Pfund 20.48 20.52 olland 160 Blllden 168 .kg t»«.82 chweiz 100 Francs 81 . 6 a 81.25 Wie» 100 Schilling 59.34 °».i» Daris 100 Francs 16.507 16.547 Italien 100 Lire 23.85 28 , 8 » Wetternachrichte« der Badische« Landeswetterwarte vom 7. J««i 1927. Karlsruhe, 7. Juni. Die Rückseite eines im Norden vor- überziehenden Wirbels brachte uns während der beiden letzten Tage unbeständige und kühle Witterung. Der Durchzug der zahlreichen Boenfronten war von Regenschauern und stürmischen Winden, stellenweise auch mit Gewittern begleitet. Vom Azorenhoch hat sich ein Teilwirbel abgelöst und nach Frankreich verbreitet. SHt Rücksicht auf das wandernde Teilhoch können wir daher für heute und teilweise auch für morgen voraussichtlich Aufheiterung und Nachlassen der Niederschläge und leichte Erwärmung erwarten. Wetteransfichte« für Mittwoch, de« 8. Jnni 1927: Vorübergehend heiter und meist kühler, etwas wärmer. Donnerstag: Ziemlich heiter, trocken, früh etwas kühl, tagsüber ziemlich warm. OZONIL das roJIendefe selbsttätige Wasehmitiel, eitrfaehjm (§ebraueh, liefert schneeweiße Wäsehe und ist vollkommen unsekädliek. Sin Versuch überzeugt l \ Alleinige Herstellen j fabriken von Dn Thompsoris Seifenputver* 'Düsseldorf j Steuerberatern <| Unionen von »Utdsadnmgen aller Systeme und jedem Betrieb angevabt. »Nanz, »ücherreviflon. Beratung und Suiochten in kaufm. Angelegenheiten. C. E. Werner. Sinsheim. Düh«nerstraße 56 i Telefon 174. giimmiiBiiiiuiiiiiiimüiiminmiiiiimimiiiiiiiimiiiiiiiiiiniimiiiM = Bittschriften, Beschwerden = | Gesuche aller Art | == sowie == 1 Buchführung § = fertigt auch auswärts = 1 K. BÖHLER, SINSHEIM. 1 =1 Eisenbahnstraße 314 = H Sprechstunden täglich 8—12 Uhr. W Geräuch. Fische ab Räucherei Verlangen Sie Preisliste über Bücklinge, Schellfische Seelachs. 8 Lt. Dose Bratheringe Mk. 4.15, 8 Lt. Dose Bismarckheringe 4.40, 8 Lt. Dose Rollmops 4.40, 8 Lt. Dose Gelee-Hering 4.70 per Bahn, Eilgut ab Altona. (Bahnstation deutlich angeben). Nachfolgende Waren ab Lager durch Post frei dott: 2 Dos. Bratheringe, 1 Dos. Bismarckheringe, 1 Dos. Rollmops, 2 Dos. Oelsardinen, zus. 6 Dos. — 9 Pfd. Mk. 5.42. 25 Dos. ff. Oelsardinen 11.75, 1 Tönnchen neue Matjes Ia. ca. 18 St. 8.—. 10 Pfd.-Eimer Pflaumenmus 5.75. 10 Pfd.-Dose Preißelbeeren 7.05. 9 Pfd. Tafel- Käse Ed. Form 6.95, 9 Pfd. Tilsiter Art 6.95. 8 Psd. Harzer Käse 4.75, 9 Pfd. Molkerei-Butter Ers. 8.75. Preise Tagespreise steibleibend. C. Otto Gehlert, Allona 21 . KMnlaofc Waas«r SUogoldpadwn» 25 Pf» 1/ «» 2-3 Waschung»» in Sinsheim - Friseur Ziegler. Hochdruck- Gartenschläuche nebst Zubehör [Schlauchwagen Schlauchrollen I Seit 53 Jahren billigste u. gute Bezngsquelle j Gammi-Oppenbeimer, Hannbeim ES, 1 u. 17 Del. 31923 I [ Gummi-, Asbest und Maschinenbedarfsartikel. — Vertreter gesucht. — TÜREN Futter und Bekleidung, Haus- und Glastüren, Klappläden, Fenster, Holzwolle liefern billig und solid — Vorratslager Herrn. Schmitt & Co. Türenindustrie Mannheim 2 - Kepplerstr.24. Bienen-Honig allerfeinster, goldgelber, reiner Qualität. 10-Pfd.- Eimer Mk. 10.70, 5-Pfd.- Eimer Mk. 6.20 Nachn. 30 Pfg. mehr. PoDdsack, Lehrer a.D. Hude 297 i. Oldbg. „Zahlreiche Anerkennungen". Schristkttung: H. Becker: Druck und Verlag: tv. B«bersche Buchdruckerei ia Stnshet». Tara-Verein Siniheim. Heute Abend 9 Shr Syiüer-BersMMmg „Krokodil". Vollzähliges Erscheinen ermattet der Borstand. 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