Erscheint ISglich arft Ausnahme der Feiertage. Pezrtgs-Preis: Durch die Post bezogen und durch Den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Toldmark 1.30 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Zn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Sernsprech-Anschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr» 8803 Der Lanöbote Sinsheimer MM Zeitung ?is§ General-)! nzeiger für -as^W^Elsenz-und Zäuvarzvamtal Kettelt» uncl verbreitetst* ^Leitung «lieser Gegenct. yLvpt-Knzeigen-SlLtt MSchentlicb« B«U»gen» fllod« tmd 1sein, • Der Kobold » 15rat Zllultrierte • EandwirtTcbaftUch« Verlag« An, eigen-P reife: » Anzeigen: Die 33 mm breit« Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen- Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech-! nungsdatum oder bei gerichtlicher! Betteibung erlischt! Anzeigen - Annahme bis 8 Ah* vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher auf- gegeben werden. Bank-Konto: Vereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 98 Dienstag, den 14.3uni 1927. 88. Jahrgang Eil! Bericht der Generalagenten für RMMnaszahlmgea 3ntereffante FeststÄungen öder Dmtschlands Haushalt und Wirtschaft. Berlin. 12. Zum. Der Generalagent für die Reparationszahlungen hat zugleich mit den Berichten des Bankkommissars, des Eisenbahnkommissars und der Kommissars für verpfändete Einnahmen und der Treuhänder für Eisenbahn- und Industrieobligationen am 10. Juni einen Zwischenbericht über die seit dem 1. September 1926 verstrichene Zeit erstattet. Der Bericht schließt u. a. mit folgenden Bemerkungen: Die Ereignisse der letzten Berichtsmonate haben für sich selbst wenig Anlaß zu allgemeinen Schlußfolgerungen hinsichtlich des Arbeitens des Ber- ständigungsplanes gegeben. Auf der anderen Seite hat der letzte Monat ein ungewöhnlich lebhaftes Zeugnis über das Spiel der Kräfte abgegeben und ist in diesem Sinne reich an Erfahrungen gewesen. Der Sachverständigenplan hat vor allem versucht, aus dem Reparationsproblem ein praktisches und geschäftsmäßiges Programm zu schaffen, aufgrund dessen die Reparationszahlungen, anstatt den Wiederaufbau Deutschlands und Europas zu stören und zu hindern, einen produktiven Einfluß in der Frage der Stabilität und des wirtschaftlichen Wiederaufbaues haben können. Der Plan hat das Ziel, Deutschland wirtschaftlich wiederherzustellen. Der Plan selbst hat während der Berichtsperiode normal gearbeitet. Deutschland hat die vereinbarten Goldbarzahlungen an den Generalagenten loyal und pünktlich weiter bewerkstelligt. Auch die Uebertragungen sind regelmäßig und laufend an das Transfer-Komitee vor sich gegangen, ohne die Stabilität der deutschen Währung in Mitleidenschaft zu ziehen. Dabei haben die Uebertmgungen in fremder Währung einen wachsenden Anteil gehabt. Im allgemeinen ist der Fortschritt der deutschen Wirtschaft ständig, wenn auch nicht allgemein und frei von Schwierigkettelst aufwättsgegangen. Starke Arbeitslosigkeit hält immer noch an, aber alle Anzeichen deuten auf gesteigerte Produktion und Verbrauch und auf eine gewisse Besserung des Lebensstandarts. Auch die Ersparnisse sind weiter gestiegen. Jedoch wirst der große Umfang der Einfuhr ohne eine entsprechende Ausfuhrsteigerung die Frage auf, ob sich Deutschland im Innern nicht Lberentwickelt hat, ohne seine Fähigkeit zu steigern, in wirksamem Wettbewerb auf den Weltmark zu treten, was wichtig für die Entwicklung und Ausdehnung des Außenhandels wäre. Der große Einfuhrüberschuß der letzten sechs Monate war in der Hauptsache für die kürzlich« Beanspruchung der Reichsbankreserven und für die Erreichung des Goldexportpunktes durch die deutsche Währung oemntwortlich. Me Berichtsperiode hat weiterhin unter dem Einfluß der Politik der Reichsbank, die von widerstrebenden Einflüssen bestimmt und nicht in der Hauptsache auf den .Schutz ihrer auswärtigen Guthaben gerichtet war, gestanden. Die Reichsbank, als der Wächter der deutschen Währung, hat weitgehende Mittel und Ermächtigungen. und die Stabilität der deutschen Währung bleibt völlig gesichert. Was den deutschen Haushalt anbrtrifst, so sind die Erwartungen des Sachverständigen hinsichtlich der Einnahmenseite völlig gerechtfertigt worden. Ungeachtet der Steuerherabsetzungen weisen die Haushalte des vergangenen und laufenden Jahres eine Einnahmesteigerung, die die Erhöhung des Haushaltssteigerung^ nach dem Eachverständigenplane überstieg. At- on ^ crcn Seite sind die Ausgaben im allgemeinen einschließlich der Zahlungen an die Länder und Gemeinden beträchtlich gesttegen, sodaß die Ausgaben nunmehr die Einnahmen übcr- stergen. Zum ersten Male seit der Znkrästsetzung des Sach- oerständigenplanes ist es zur Stabilisierung des Haushaltes nötig ^wesen. auf Anleihen zurückzugreifen. Die Ueberschüsse früherer haben so den üblichen Haushaltungsverhältnissen Platz ge- macht, nach denen Sparsamkeit und strenge Prüfung neuer Aus- gaben einerseits, sorgfältige Schätzung der Steuereinnahmen andererseits notwendig sind, um das Gleichgewicht herzustelleni. 2u gleicher Zeit bleibt die Stabilität des Haushaltes unberührt^ und es besteht kein Zweifel, daß sie mtt Erfolg gewährleistet bleibt, wenn die deutsche Regierung die normalen Vorkehrungen treffen mul, die in ihrem eigenen Interesse notwendig sind. Me Erfahrungen dieser Monate, in denen die deutsche Wirtschaft so D uci Veränderungen unterworfen wurde und sich im ganzen gebessert hat, gestatten wiederum, Nachdruck aus die dem Plan zugrunde liegende Auffassung zu legen, daß nämlich das was den Interessen der deutschen Wirtschaft nichlich ist. auch dm Interessen der Ausführung des Planes entspricht. In ihrem Gutachten haben die Sachverständigen ausgeführt, daß der Plan seine eigene Sicherung darin finden müsse, daß es im Interesse aller Parteien liegt, ihn in gutem Glauben durchzuführen. Guter Glaube und gegenseitiges Verständnis haben seit Beginn des Planes bestanden, und das fortdauernde Interesse der deutschen Regierung und der Gläubigermächte an feinem regelmäßigen Fortschritt enthalten die stärksten Grundlagen für seine Weiterentwicklung. Die verschiedenen Kommissäre und Treuhänder erstatteten gleichzeitig Sonderberichte über ihre Tätigkett. Die Kritik Parker Gilberts. Berli«, 14. Hunt. I« seinem Bericht vom 10. Juni 1027 beschäftigt sich der Generalagent für die Reparationszahlungen eingehend auch mit dem Verhältnis zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, soweit dieses Verhältnis in der Tätigkeit des Generalagenten eine Rolle spielt. Die Kritik, des Generalagenten über das Abkommen vom 9. April d. I. über den Finanzausgleich gipfelt in folgenden Gedankengängen: Das Reich erhält an Hand dieser Lösung des Finanzausgleiches selbst automatisch einen bedeutenden Anteil an fernen hauptsächlichsten Steuern. Die Einkommen-, Körperschafts- und Umsatzsteuer sind drei seiner besten Einnahmequellen. Es sind dies die Steuern, die am besten den Gang der deutschen Wtrtschaftsentwicklung zeigen und die hauptsächlich für die Verpflichtungen des Reiches herangezogen werden müßten. Unter dem gegenwärtigen System jedoch, unter dem die Länder und Gemeinden einen festen Prozentsatz bestimmter Steuern erhalten und unter dem das Reich diesen Prozentsatz garantiert, kann man nicht von einer für das Reich günstigen Vereinbarung sprechen. Jede wirtschaftliche Besserung kommt zu gleichen Teilen dem Reich, den Ländern und Gemeinden in dem ihnen festgesetzte» Prozentsatz zugute, und das Reich ist nicht in der Lage, so wie es sein müßte, die Auswirkungen einer wirtschaftlichen Befferung für die Reichsverpslichtungen heranzuziehen. Im umgekehrten Falle aber müßte sogar das Reich, wenn die Steuereinnahmen sich verringern, da es den Prozentsatz für Länder und Gemeinden garantieren muß, auf eigene Kosten den Ländern und Gemeinden die fehlenden Beträge anweisen. Das ist tatsächlich im Finanzjahr 1926/27 der Fall gewesen. — Es wird an Hand des gegenwärtigen Haushaltsvorschlages wieder der Fall sein — wenn auch in geringerem Umfanae — im Finanzjahr 1927/28. Unter diesen Umständen ist das Reich fortlaufend in Gefahr, im entscheidenden Falle der allein Geschädigte zu sein und, es bedarf dringend einer Neuordnung der Vereinbarungen, die dem Reiche die gesamte Kontrolle seiner wichtigsten Einnahmen garantiert. Es darf in diesem Zusammenhänge darauf hingewiesen werden, daß zwar das Reich in erster Linie für die Reparationszahlungen verantwortlich ist, daß aber die Länder laut 8 248 des Friedensvertrages neben dem Reich die volle Verantwortung für diese tragen. Diese Tatsache muß notwendigerweise bei den finanziellen Vereinbarungen zwischen Reich und Ländern beachtet werden. In einer kurzen Zusammenfaffung kritisiert ferner der Generalagent den Reichshaushalt, der nach seiner Ansicht unübersichtlich angeordnet ist, was weder notwendig noch opportun sei. Eine große Uebersichtlichkeit könne durch eine Verwaltungsreform und regelmäßigere Veröffentlichungen der Reichsregierung über die finanziellen Transaktionen erzielt werden. * Uns will scheinen, als ob die Kritik Parker Gilberts an der Verteilung der deutschen Steuereinnahmen im Inlande völlig unberechtigt ist und zwar solange, als der Herr Generalagent von Deutschland seine Zahlungen in Ordnung erhält. Und das ist bis jetzt immer sehr pünktlich geschehen. Eine demrtige Einmischung in unsere innere Finanzgebarung läßt uns übrigens kühl, zumal es für Herrn Parker Gilbert in der Praxis bislang auch leichter war, das von andern mittels der Steuerschraube zusammengebrachte Geld an die zahlreichen Interessenten der Alliierten zu verteilen, als Wege zu weisen, wie ein um seine Existenz ringendes Volk von derartigen unbilligen „Kriegstributen" befreit wird. Hier gilt es Doktorarbeit zu lösen, Herr Gilbert! über das Tabakmonopol treffen soll. Damit wäre« die auf der Tagesordnung stehenden Danziger Fragen erledigt. Es wurden dann einige Fragen von geringerer Bedeutung besprochen. So erstattete der Vertreter Japans den Bericht der Hygiene-Kommisston, und der polnische Vertreter berichtete über die Arbeiten des Opium-Komitees. Die Iah! der Ratstagungen Chamberlaius Antrag vertagt. Genf, 14. Juni. Zum Schluß der gestrigen öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrats begründete Chamberlain. seinen Antrag auf Herabsetzung der Zahl der jährlichen Ratstagungen von vier auf drei in längeren Ausführungen. Gegenüber den geltend gemachten Bedenken schlug er vor dies« Frage auf der Ratstagung im September bei der neuen ^ Zusammensetzung des Rates erneut zu behandeln. Der Rat; beschloß demgemäß. Dienstag vormittag elf Uhr findet eine neue öffentliche Sitzung statt der eine Geheimsitzung vorausgehen soll. Der Dienstagnachmittag soll wiederum für die Kommissionsarbeiten des Rates und für direkte Verhandlungen der Delegationsführer frei bleiben. Dölkerbundsteilnahme an der Seeabrüstungskonferenz Genf, 14. Juni. In der heutigen Geheimsitzung beschloß der Völkerbundsrat auf Antrag des Reichsautzenministers Dr. Stresemann, die auf der Tagesordnung stehende Einreichung der Bitte der deutschen zivilen Luftfahrt beim Völkerbunde zwecks Registrierung von der Tagesordnung der Ratstagung abzusetzen. Wie bekannt, ist diese Frage bereits in direkten Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der Botschafterkonferenz geregelt worden, so daß eine Erörterung der Frage im Völkerbundsrat sich erübrigt. Ferner teilte in der Geheimsitzung der Generalsekretär des Völkerbundes mit, daß die Regierungen von Amerika, England und Japan die Mitwirkung des Generalsekretariats zur Durchführung der am 20. Juni in Genf beginnenden Dreiseemächte-Konferenz beantragt hätten. Der Völkerbundsrat erteilte dem Generalsekretariat die Genehmigung zur Mitwirkung an der Durchführung der Konferenz. Erste Zusammenkunft der Außenminister. Lösung i« der Oftsestnngsfrage? Die Rheinlandräumnng. Genf, 14. Juni. Die erste direkte Fühlungnahme zwi^ scheu den in Genf weilenden Außenministern hat erst gestern nachmittag stattgefunöen. Um 3 Uhr erschien Briand iin Hotel Metropole. Die Unterredung zwischen Briand und Dr. Stresemann währte von 4.30—6.30 Uhr. An der Besprechung nahm der Professor Hesnard teil. Anschließend begab sich Dr. Stresemann sofort in bas Hotel Beau Rivage, wo eine Unterredung zwischen Stresemann und Chamberlain stattfinüet. - Wie von gut informierter Seite verlautet, bestehen für die Frage der Kontrolle der zerstörten Ostfestungen gegenwärtig keine ernsten Schwierigkeiten mehr. Man würde in Kreisen der Alliierten diese Frage als gelöst betrachten, falls die deutsche Regierung an die drei alliierten Militärattaches die Aufforderung richten würde, die zerstörten Ostbefestigungen zu besichtigen. In diesem Fall würden die Militärattaches gemeinsam die zerstörten Ostbefestigungen besichtigen, worauf dann auf Grund ihres Berichtes die Frage endgültig als erledigt betrachtet werden könnte. Wie ferner verlautet, wird während der Verhandlungen der Außenminister bas Problem der endgültigen Rheinland- räumung eine nicht unwesentliche Rolle spielen, obwohl eine formelle Aufrollung dieser Frage auf der gegenwärtigen Tagung — wie erneut versichert wird — nicht stattfinden wird. Der albanisch-jugoslavische Konflikt wird dagegen aller Voraussicht nach in den kommenden Verhandlungen keine Rolle spielen, da man sowohl auf französischer als auch auf englischer Seite wenig Neigung zeigt, dieses Problem in Genf zu behandeln. Vielmehr soll diese Frage im direkten Verkehr zwischen London, Paris und Rom geregelt werden. Dagegen dürfte die polnisch-litauische Annäherung in Genf zur Erörterung gelangen. Es verlautet, daß von englischer Seite gegenwärtig ein starker Druck auf die litauische Regierung ausgeübt wird, sich mit der polnischen Regierung zu verständigen. Man nimmt an, daß in der heuttgen Abendunterredung Chamberlains mit Woldemaras die Wilna-frage einen breiten Raum einnehmen wird. Beginn der Genfer Ratstagung. Genf, 14. Juni. Die Tagung des Völkerbundsrates ist gestern vormittag 11 Uhr mit einer Geheimsitzung eröffnet worden. Man sah Briand, Austen Chamberlin, Dr. Stresemann, Scialoja und den Grafen Jshi. Rumänien ist wieder durch den Londoner Botschafter Titulescu vertrete«. An den Verhandlungen nehmen ferner Dr. Benesch, der holländische und der schwedische Außenminister sowie die Delegierten von Uruguay, Chile und San Salvador, außerdem der chinesische Gesandte in Rom, Wu, teil. In der Geheimsitzung wird die Tagesordnung festgelegt werden. U. a. wird auch entschieden werden, wann sich der Rat mit der Memeler Beschwerde befaffen wird. Die öffentliche Sitzung Behandlung der Danziger Frage». Genf, 14. Juni. Me öffentliche Sitzung des VölkerbundS- rateS begann gestern mittag um A12 Uhr unter Vorsitz Chamberlains. Zur Behandlung gelangten zunächst die. Danziger Fragen. Als erster Punkt wurde die Aufhebung der Danzig auferlegten Beschränkungen des Flugzeugbaues erledigt. Präsident Sahm bat um beschleunigte Erledigung dieser Frage. Völkerbundskommiffar van Hamei und der Vertreter Chiles als Berichterstatter schloffen sich dieser Bitte an. Ohne weitere Debatte wurde auf Vorschlag des Generalsekretärs des Völkerbundes beschlossen, die Frage zunächst vom LuftfahrtunterauSschuß der ständigen Mtlitärkontroll- kommission prüfen zu lassen. Da der Luftfahrtausschuß erst im Dezember zusammentritt, dürfte die Angelegenheit erst aus der Tezembertagung dem Rat vorliegen. Es ist außerordentlich zu bedauern, daß aus rein formalen Gründen eine solche Hinauszögerung der Entscheidung vorgenommen worden ist, umsomehr als gegen die Aufhebung der Beschränkungen keine Einnuinde erhoben worden find. Der Rat nahm sodann einen Antrag van HamelS an, nach dem der Völkerbundskommiffar in Danzig in Zukunft über die Durchfuhr von Kriegsmaterial nach anderen Ländern als Polen die Enffcheidung treffen soll. Ferner wurde ein Antrag des Danziger Senats und der polnffchen Regierung angenommen, nach dem Generalsekretariat des Völkerbundes die Ernennung des Präsidenten des Danzig-pol-- uiichen Schieösaerichtsbokes auk Grund des Abkommens „Manchester Guardian" zur Rönmungsstage. „Nach dem Locarno-Maßstab überfällig." London, 12. Juni. Mit Bezug auf die Frage der Räumung der Rheinlande, die in Genf in den wichtigeren Nebenbesprechungen eine bedeutende Rolle spielen wird, heißt es im „Manchester Guardian": „Der britische Standpunkt ist nach wie vor der, daß die Räumung der Rheinlande an sich wünschenswert und gemäß dem Loerrno-Matzfiab überfällig ist, daß aber nichts getan werden kann, außer wenn Frankreich zustimmt. Es läßt sich sicherlich manches dafür sagen, daß Uneinigkett mtt Frankreich zu vermeiden ist. Man weiß aber, daß die öffentliche Meinung in Großbritannien heute mehr als früher unter dem Druck des deutschen Interesses in dieser Sache steht, und man erwartet daher allgemein, daß Ehamberlain einen etwas milden, sehr milden Druck auf Briand ausüben wird. Deutschland hält an feinem Standpunkt ln der Oftfeftungsfrage fest Genf, 14. Juni. Die Unterredung zwischen Dr. Stresemann und Chamberlain dauerte von kurz vor 7 bis gegen 8.30 Uhr. Vorher hatte Chamberlain eine Besprechung mit dem litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras. der am Vormittag Briand einen Besuch abgestattet hatte, sowie mir Ministerialdirektor Dr. Gaus. Nr. 98. Jahrgang 1927. In der Frage der Kontrolle der verstörten Ostbefestt- gunge« scheinen nach den ersten einleitenden Verhandlungen, die auf Sie Möglichkeit einer Lösuna hinauszulaufen schienen, gewisse nicht unerhebliche Schwierigkeiten geltend zu machen, da auf deutscher Seite der Standvunkt der Alliierten, die Kontrolle der zerstörten Ostbefestigungen durch eine Inspektion der drei Berliner Militärattachees zu regeln, nicht geteilt wird. Unter diesen Umständen würden die Verhandlungen der nächsten Tage in dieser Frage nicht ohne ernste Schwierigkeiten verlaufen. Man steht in den Kreisen der deutschen Delegation den weiteren Verhandlungen zwischen den Außenministern in den Deutschland direkt berührenden Fragen nicht ohne Besorgnis entgegen, da man deutscherseits nicht gewillt ist, der Inspektion der Ostfestungen in Form einer irgendwie gearteten Kontrolle zuzustimmen. Zur Unterredung Briand—Streseman«. Weitere Ministerbesprechnnge«. Genf, 14. Juni. Zu der gestrigen Unterredung zwischen Briand und Dr. Stresemann wird von seiten der deutschen Delegation erklärt, daß die Besprechung in freundschaftlichem Tone verlaufen sei. Neben den Deutschland direkt berührenden Fragen wurde insbesondere auch die allgemeine politische Situation in Europa eingehend erörtert. In Kreisen der deutschen Delegation besteht jedoch der Eindruck, daß zu besonderem Optimismus vorläufig keine Veranlassung vorliege, da in den Rheinlandfragen gegenwärtig noch immer nicht unerhebliche Schwierigkeiten bestehen. Weitere Unterredungen zwischen Dr. Stresemann und dem englischen sowie dem französischen Außenminister werben im Laufe dieser Woche stattfinöen. — Gestern abend "Nahm Dr. Stresemann an einem Diner beim Danziger Senatspräsidenten Sahm teil. Zaleski spricht vor der internationalen Presse Genf, 14. Juni. Der polnische Außenminister Zaleski erklärte gestern nachmittag vor der internationalen Presse unter anderem: In den polnisch-deutschen Beziehungen beständen gegenwärtig Schwierigkeiten un wesentlichen auf wirtschaftlichem Gebiet und zwar insbesondere inbezug auf die Ausfuhr polnischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach Deutschland. Die Kontrolle der Ostfestungen sei eine Angelegenheit, die nicht Polen betreffe, sondern lediglich zwischen der Botschafterkonferenz und der deutschen Regierung zu regeln sei. Er sei fest davon überzeugt, daß diese Frage während der gegenwärtigen Tagung des Völkerbundsrates in einem freundschaftlichen Uebereinkommen zwischen den interessierten Mächten zu einem Ausgleich und Abschluß gelangen werde. Zu den polnisch-russischen Beziehungen betonte Zaleski, daß die in der letzten Note der Sowjetrearerung geltend gemachten drei Forderungen von der polnischen Regierung als eine Basis für weitere Verhandlungen betrachtet würden. Polen sei bereit, die drei gestellten Forderungen zu erfüllen. Der Mörder Wojkows werde bereits in den nächsten Tagen vor einem außerordentlichen Gericht abgeurteilt werden, das auch das Recht habe, die Todesstrafe auszusprechen. Die Teilnahme eines Vertreters Sowjetrußlands an den Untersuchungen sei nach den polnischen Gesetzen möglich und bereits gewährleistet. Die polnische Regierung habe bisher noch keine Spur einer Terroristischen russischen Organisation in Polen entdecken können. Sollte jedoch auf Grund der von der Sowjetregierung in Aussicht gestellten Kontrolle eine derartige Organisation in Polen sestgestellt werden, so würde die polnische Regierung unverzüglich zur Ausweisung ihrer Mitglieder schreiten. Die gegenwärtigen polnisch-russischen Verhandlungen hätten den Abschluß ei-'es Nicht-Angriffvertrages zum Ziel, jedoch bestände dabei eine gewisse Schwierigkeit, da die Verpflichtungen, die Polen in dieser Frage übernehmen solle, mit den Bestimmungen des Völkerbunöspaktes in Uebereinstimmung gebracht werden müßten. Zaleski ging sodann auf die polnisch-litauischen Beziehungen ein, die er als paradox bezeichnete. Litauen betrachte sich als im Kriegszustand mit Polen, während Polen sich gegenüber Litauen im Friedenszustand fühlt. Von den Großmächten seien in der letzten Zeit mehrfach offizielle Demarchen an Warschau und in Wilna unternommen worden, um »ine Wiederaufnahme der Verhandlungen herbeizuführen. Die eingeleiteten Verhandlungen seien jedoch noch zu keinem Abschluß gelangt. Die Zerstörungen im Osten beendet Eine offizielle Note der Reichsregierung. Berlin, 14. Juni. Nachdem der Sachverständige der Reichs- Anatol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 19 ) (Nachdruck verboten.) Der Knabe eilte schnell zum Wagen, holte seinen Schirm und stellte ihn aufgespannt über den Kopf der Liegenden. „Jüngelchen, Jüngelchen," scherzte Mutter Schwarz, außerordentlich erfreut von seiner Aufmerksamkeit, „jewöhne mir so was nich an — wir find hier nich im Schlaraffenland." Anatol nahm die Hacke und begann zu arbeiten, aber obwohl es vielleicht heute der am wenigsten heiße Tag des ganzen Sommers war, rann doch bald der Schweiß in großen Strömen von des jungen Feldarbeiters Stirn. Mit seiner Feuerseele griff er die Sache falsch an — statt wie der Esel langsam und stetig zu traben, flog er wie der Windhund davon. Ihm war alles daran gelegen, beim Erwachen seiner liebevollen Beschützerin möglichst viel fertige Reihen aufmarschiert zu haben. „Justov, Justov!" hörte der fleißige Knabe da plötzlich in beschwörendem Tone hinter sich rufen — er tat, als hätte er nichts vernommen, sondern häufelte mit fliegenden Pulsen und wildklopfendem Herzen weiter. Mutter Schwarz erschien jetzt neben ihm in der Furche. »Um Jotteswillen, hör auf, mein Jungchen, du übertreibst's arbeitst wie'n Alter, und hast es sehr jut gemacht — es könnt jar nich besser fein. Dein prächt'ger Schirm is schuld, daß ich so lange jeschlafen habe, es war so wunderhibsch dunkel drunter. Jetzt is es drei, ich feh's an der Sonne. Nu gib mir die Hacke her, un ruh' dich aus; hast nochmal so vies jemacht, wie ich in derselben Zeit jehackt hätte, und 's is dir doch janz unjewohnte schwere,Arbeit." Anatol wollte sich widersetzen, allein sie entwand ihm das Gerät. Da bat er, wenigstens um vier Uhr Kaffee kochen zu dürfen, er wüßte, wie man's macht und erwarte ihre Anweisung. Hiermit war Mutter Schwarz einverstanden. Als um vier Uhr beide beim Mokka saßen, kam Linchen, zu welcher der Kaffeegeruch gedrungen, und stellte sich hart vor den Vespernden auf. Sie erhielt mehrere Schnitte Brot und einige Stücke Zucker, Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. regterung, Generalleutnant v. Pawelsz, die Besichtigung der Zerstörungsarbeiten an den 34 Betonunterständen im Gebiet der deutschen Ostbefestigungen, die nach den Pariser Restpunkte-Vereinbarungen. zerstört werden sollten, beendet hat, sind heute — wie die Telegraphen-Union an zuständiger Stelle erfährt — die Missionen der in der Botschafterkonfc- renz vertretenen Mächte von der Durchführung der Schleifungen in Kenntnis gesetzt worden. Mittelholzer in Berlin gelandet. Berlin, 13. Juni. Der Schweizer Flieger Walther Mittel- Holzer, der heute früh um 7 Uhr auf dem Züricher Flugplatz zum direkten Fluge nach Berlin gestartet war, ist nachmittags um 2.10 lHr im Tempelhofer Flughafen eingetroffen. Mittelholzer ist durch seine Ostafrika-Flüge bekannt. Er benutzte zum Flug nach Berlin seine Afrika-Dornier-Merkur-Maschine CH 142. An Bord befanden sich sieben Fluggäste. Der Flieger mußte in Fürth wegen Nebels eine kurze Notlandung vornehmen. Zur Begrüßung Mittelholzers, dessen Afrika-Film gestern in Berlin seine Umuf- führung erlebte, hatten sich im Zentralflughafen Tempelhof mehrere hundert Personen eingefunden, die den Flieger mit begessterten Hochrufen empfingen. Offizielle Begrüßungsworte sprachen Mi- nsster Ogel von der schweizerischen Gesandtschaft, Ministerialrat Wegerdt vom Reichsverkehrsministerium, Major von Tschudi vom Deutschen Aero-Club und der Bofftand der Deutschen Lufthansa. Die Payerfeier in Stuttgart. Stuttgart, 12. Funi. Mit einer Begeisterung, wie sie im parteipolitischen Leben Württembergs selten zu beobachten ist, feierte die Deutsche demokratische Partei Württembergs heute den 80. Geburtstag ihres alte« Führers Friedrich von Payer, der während seiner fast vierzigjährigen parlamentarischen Tätigkeit unter allen deutschen Kanzlern gedient hat. Die crftc Ehrung wurde dem Jubilar bereits von der Deutschen demokratischen Partei Württembergs zuteil, deren Mitglieder sich in großer Zahl zu einem von der Landtagsfraktion veranstalteten parlamentarischen Abend neben zahlreichen Freunden aus dem Nachbarland, vor allem aber der Berliner Bofftand Erich Koch, Erkelenz, Gertrud Bäumer, Haas, Hellpach usw., eingefunden halten. Inmitten der imposanten Versammlung wirkte die schlichte iPersönlichkeit Payers, der an der Seite seiner Gattin die spontanen Huldigungen mit der heileren Gelassenheit seiner 80 Jahre entgegen- nahm, besonders eindrucksvoll. Den Reigen der Ansprachen er- öffnete der Landes Vorsitzende, Geheimrat Dr. Bruckmann, der unter Ueberreichung einer kostbaren Blumenvase den dankbaren Gefühlen der schwäbischen Parteifreunde Ausdruck gab. In der eingehenden Würdigung der Arbeit des Jubilars, der als Muster eines Parlamentariers gelten könne, hob der Parteivorsitzende Koch als das Hauptverdienst Payers das Wachhalten der beiden großen politischen Ären, des demokratischen und des großdeutfchrn Gedankens, in der vergangenen und heutigen Generation hervor. Hätte Payer nicht mit den beiden Hausmännern, mit Liesching und anderen schwäbischen Demokraten diese Ideen uns bewahrt, was wäre nach 1918 aus Deutschland geworden? (Beifall.) Niemals hätten allein die Gedanken der Sozialdemokraten Deutschland retten und aufrechterhalten können. Erst als Deutschland zv wanken begann, als es zu spät war, habe man Payer gerufen, Er habe in jener Zeit schwer gekämpft und seinen Mann gestellt. Mit dem Wunsche, daß sein großes, stolzes Leben von einem glücklichen Lebensabend gekrönt werden möge, überreichte Koch dem Jubilar als Geburtsgabe der demokratischen Partei eine Bronzeplastik, die einen Pferdebändiger dafftellt als Zeichen dafür, daß er mit besonnenem Mut, mit ruhiger Hand und kühlem Blut auch ungestüme Gewalten zu bändigen und auf den rechten Weg zu weisen vermochte. Eine politische Rede Kochs in Stuttgart. Stuttgart, 12. Juni. Nach einem Empfang im Hause Friedrich Payers, wobei ihm die Glückwünsche der Reichsparteileitung und der Reichstagsfraktion überbracht wurden, fand heute eine Tagung des Landesausschusses der Deutschen demokratischen Partei Württembergs statt, bei der Reichsminister a. D. Koch eine längere Rede hielt. Er wies zunächst den Borwurf zurück, daß sich die Partei vom Berliner Geist beherrschen lasse, und erörterte dann eingehend die Tätigkeit der Partei während ihrer Oppositionsstek- lung zur Regierung. Wenn man die große Linie der deutschen demokratischen Politik in dem letzten Jahrzehnt verfolge, so könne man mit Freuden sesfftellen, daß keine andere Partei so viel von ihren Grundsätzen durchgesetzt und so viele gut arbeitende Männer der Regierung geschenkt habe wie die Deutsche demokratische Partei. Die Frage, warum die Demok. die Regierung verlassen haben, nachdem sie doch so großeErsolge erzielt haben, beantworteteKochmitz der Erklärung, daß es nicht die Rücksicht auf die Sozialdemokratie gewesen sei, denn diese hätte eine solch e nicht verdient, sondern wofür sie dankbar ihren alten Kopf an das Gesicht der Herrin und Freundin schmiegte. Auch Anatol wandte Linchen mit feiner Menschenkenntnis ihr ungeheucheltes Interesse zu, ließ sich gern von ihm streicheln und hätschelst und fufchelte ihm spielend mit den weichen Lippen m den Haaren und im Genick umher. Nach dem Kaffee setzte der Knabe es durch, den noch zu behäufelnden Rest der Kartoffeln zu übernehmen. „Sie wollten doch noch Grünfutter für Rose und Röschen absicheln, Frau Schwarz, nun besorge ich die eine Arbeit und Sie die andere." Um acht Uhr wurde noch einmal Kaffee gekocht, und, was noch vorhanden war, im Verein mit Linchen aufgespeist, hierauf half Anatol beim Zusammenpacken und Ausladen des Grünfutters. Er schichtete das letztere so geschickt im Wagen auf, daß ein schmaler Streifen an der Linkseite blieb, gerade genug für ihn, und Mutter Schwarz breitete über das Ganze feine Decke aus. „Wunderschöne Decke — die muß teuer jewejen sein," hörte der Knabe sie halblaut sagen, „der Onkel kann sich freu'n; wenn er sie nur richtig wird anwenden können. Hier is noch dein Schirm, Justov, wir wollln ihn flach auf de Seite lejen, damit wir'n nich verlieren, es wär' 'n ewiger Jammer, denn so 'nen starken und jroßen Hab' ich noch nich 'in meinem Leben jesehn — auch noch nie besessen. Un schlafen kann man drunter — einfach jöttlich!" Anatol hörte diese Lobsprüche mit der männlichen Personen angebornen Flüchtigkeit in kleinen Dingen ruhig mit an, ohne sich das geringste dabei zu denken; ein Mädchen in seinem Alter würde dem Gehörten sofort tiefere Bedeutung beigelegt haben. Der Knabe war so gut verpackt, daß von chm, als sie durch Duchholz fuhren, kein Schatten zu bemerken war. Rach einer Stunde bog das Wägelchen in den Landweg ein, auf welchem die beiden sich in der verflossenen Nacht kennen gelernt. Der Himmel war schon gegen Abend mit jenen gleichmäßig grauen Wolken bedeckt gewesen, welche kein^Gewitter, aber einen dauerhaften Regen verkünden. Dienstag, den 14. Juni 1927. lediglich sachliche Gründe. Wenn auch eine Mitarbeit der Sozialdemokratie in der Regierung auf alle Fälle erwünscht sei. so würden wir doch nicht, wie der Ritter von Toggenburg, voiHen Fenstern der Sozialdemokratie harren und warten, bis sie herunter- kommt. Wir legen Wert daraus, auch in der Opposition uns von der Sozialdemokratie unabhängig zu machen. Ich halte es für eine wichtige AufMibe, nach wie vor dahin zu wirken, daß sich die Sozialdemokratie nicht radikalisiert, sondern eine Staatspartei im bfften Sinne des Wortes wird. Eine weitere Radikalisierung der Sozialdemokratie müßte als ein großes Unglück für Deutschland angesehen werden. Anknüpsend an die Darlegung der Gründe für den Nichteintritt der Demokraten in die neue Regierung sprach Koch die Ueberzeugung aus, daß die unter Mitwirkung der demo- kmtifchen Führer erreicht« Festigung der Republik und di« erfolgreiche Entwicklung unserer Außenpolitik von der heutigen deutschnationalen Regierung nicht mehr vernichtet, sondern höchstens im Tempo verlangsamt werden könne, zumal die Deutschnationalen gar keine eigene Außenpolitik hätten. Mit Bedauern stellte der Redner die Tatsache fest, daß in dem Bestreben, die Völker einander näher zu bringen, eine gewisse Ermattung eingetreten sei. Auch unsere Außenpolitik mache geringe Fortschritte. Der Grund dafür sei darin zu suchen, daß in Deutschland nicht mehr die Leute die Regierung allein in der Hand haben, die in ihrem Herzen Vefftändigungspolitiker sind und weil in Frankreich Poincare durch die geglückte Frankenstabilisierung an Macht gewinnt. So bestehe die Gefahr, daß die glückliche Politik Briands verpaßt wird, weil Stresemann durch die Deutschnationalen gehemmt sst. In seinen weiteren Ausführungen streifte Koch auch das Problem der Führerauslese. Er stellte dabei Hin- denburg das Zeugnis aus, daß er sein Amt korrekt und gut aufgefaßt habe. Es bleibt eben doch immer die Tatsache bestehen, daß gerade das parlamentarisch-demokratische Regime den Menschen in seinen Bann zwinge. Fn der Frage des Einheitsstaates pflichtete er der Meinung Payers bei, daß dieser ganz von selbst komme, wenn man ihm nur Zeit lasse. Doch müßten wir uns dagegen wenden, daß die Weimarer Verfassung auf diesem Gebiet zurückgeschraubt werde. Die Widersätzlichkeit Bayerns in Fragen, die Lebensfmgen der deutschen Nation sind und nur von einer Stelle aus geregelt werden können, sei zurückzuführen auf die Länderbürokratie, die sich als Erbe der Fürsten aufspiele. Koch befürwortete im weiteren die Schaffung von Handelsverträgen und bedauerte in der Frage der Schulgesetzgebung die Haltung der Sozialdemokratie auf ihrem letzten Parteitag. Die Deutsche demokratische Partei werde daran festhalten, daß das errungene Gut der Gewissensfreiheit auch jetzt in der deutschen Republik nicht verloren gehe. Der Arbeitsplan des Reichstags. Berlin, 13. Juni. Am Dienstag nachmittag um drei Uhr wird die erste Plenarsitzung des Reichstages nach den Psingst- ferien stattfinden. Vorher tritt wie üblich der Aeltestenrat zusammen, um den Arbeitsplan bis zur Sommerpause zusammenzustellen. Wie verlautet, wird dabei von Vertretern der bürgerlichen Parteien angeregt werden, die diesjährige Sommertagung im Gegensatz zu den letzten Fahren nicht allzu weit in den Juli hinein auszudehnen. Dieser Hinweis hat insofern gewisse Aussichten durchzudringen, als, wie wir zu wissen glauben, auch di^stärkste Partei der Opposition, die Sozialdemokratie bereit ist, ihn zu unterstützen. In den Kreisen, von denen diese Anregung ausgeht, rechnet man mit einem Abschluß der Sommertagung am 3. Juli. Sollte diese Anregung zum Beschluß erhoben werden, so wäre damit bereits auch eine Begrenzung des Arbeitsstoffes gegeben, den das Parlament in diesem Zeitraum bewältigen kann. Es würde sich dann in der Hauptsache wohl um die Erledigung der Vorlagen handeln, die in ihrer jetzigen gesetzlichen Form Ende des Monats ablaufen und deren anderweitige Behandlung deshalb beraten werden muß. Hierzu gehören in erster Linie die Äll- fmgen, das Mietcrfchutzgefetz und das Fiirstensperrgesetz. Weiterhin sind zu erledigen, die Arbeitslosenversicherung, deren erste Lesung jetzt im Ausschuß beendigt ist, und die Ergänzongsbestim- mung zu den Aufwertungsgesetzen. Nimmt man hinzu, daß nach Beendigung der Genfer Ratstagung wohl ziemlich sicher mit einer mehrtägigen außenpolitischen Aussprache im Reichstag zu rechnen ißtz fo dürste der genannte Stoff die Zeit bis zum 3. Juli wohl genllgend ausfüllen. 2m Gegensatz zu der hier erwähnten Absicht maßgebender parlamentarischer Kreise steht allerdings die Reichsregierung auf dem Standpunkt, daß die Sommertagung noch mindestens bis 15. oder 26. Juli auszudehnen sein werde; sie beabsichtigt, in diesem Sinne beim Aeltestenrat vofftellig zu werden. Aus diesem Wunsche der Reichsregierung auf Verlängerung der Tagung kann man wohl entnehmen, daß sie über die genannten Vorlagen hinaus noch die Beratung anderer Gesetze für erforderlich hält. Trifft diese Annahme zu, so würde noch folgender Beratungsstoff in Frage kommen: erste Lesung des Entwurfs eines neuen Straf- „Trocken kommen wir nich nach Hause," hatte Mutter Schwarz prophezeit; „ja, wenn mein Linchen zehn Jahre jünger wäre." Und richtig — die drohenden Wolken lösten sich gerade in dem Augenblick in Wasser auf, als das Fuhrwerk in den unchaussierten Weg einfuhr. Senkrecht, wie Klingelschnüre strebte der Regen herab, das lockere Erdreich des Bodens in kurzer Zeit zu einem Sumpf umwandelnd, in dem die Räder einfach stecken blieben. „Wie soll das enden?" jammerte Mutter Schwarz, „wir sitzen fest." „Seien Sie nur ganz ruhig, ich schiebe." rief Anatol, sich aus dem Wagen schwingend. „Ach Jott, was denkst du, Justov, wir stecken wenigstens 'nen halben Fuß tief im Morast." Sie kletterte ebenfalls herab, und beide stemmten sich hinten gegen das Fuhrwerk. „Na, denn vorwärts, mein Linchen," rief sie der Stute zu. denn wollen wir's zu dreien versuchen." Karoline, welche wohl gehört, daß die Insassen den Wagen verlassen, und sehr wohl begreifend, daß man sie nicht über bürden wollte, blickte sich aufmerksam um — wie glitzernde: Tau, sanft und feucht, spiegelten ihre Augen. So kämpften und arbeiteten alle drei mit demselben Eifei während mehrerer Stunden. Die Luft war lau und unbewegt lich, kein Wind erhob sich, die grauen Wolkenschichten zu zcr teilen. Mit unerschütterlicher Ruhe goß der Regen nach wie vor hernieder: die Stiefel der beiden Hilfsarbeiter warer in Wahrheit zu Wasserstiefeln geworden, denn über 6i< Knöchel hinaus mußten sie durch das aufgeweichte Erdreick und die Tümpel, groß wie Ententeiche, hindurchwaten. Dc hatte das Wasser natürlich freien Ein- und Ausgang zu ihrer Fußbekleidungen. Endlich, endlich langten die drei schwer ermüdeten, keuchenden Arbeiter gegen Morgen vor einem niedrigen, verwitterten, alleinstehenden Häuschen an. Linchen wieherte laut als sie beim efften Frühschimmer die Heimat vor sich sah; nun ging's in den Stall, auf die weiche Streu zur Ruhe. Nr. 98. Jahrgang 1927. gesetzbuches und erste Lesung des Reichsschulgesetzes, diese beiden Gesetze würden dann an die zuständigen Ausschüsse weitergehen, außerdem vielleicht noch die Inangriffnahme des Gesetzes über den endgültigen Reichswirtschaftsrat, sowie die Beratung der Rechtsanwaltsordnung. Aus der Tagesordnung der ersten Sitzung steht als wichtigster Punkt das Lebensmittelgesetz. Forderungen des Kolonialtages. Königsberg, 12. Juni. Gouverneur a. D. Seitz eröffnete heute vormittag die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, die sehr zahlreich besucht war. Rach dem Jahresbericht hat die Deutsche Kolonialgesellschaft sich im abgelaufenen Geschäftsjahr kräftig weiter entwickelt. 24 Ortsgruppen konnten neu gegründet werden. Das Interesse an den kolonialen Bestrebungen ist erfreulich gewachsen. Drei Entschließungen gelangten einstimmig zur Annahme. Die erste fordert, daß nunmehr die endgültige Entschä- biMng der Kolonial-, Grenz- und Auslanddeutschen «noerzüg- lich erfolgt. Die zweite Entschließung betont die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der deutschen Schulen in Südwestafrika. Nur so sei dort die Erhaltung des Deutschtums gewährleistet. In der dritten Entschließung heißt es: „Nachdem uns unsere Kolonien unter dem Motto: „Keine Annexionen" genommen und mit dieser Begründung auf die Entschädigungsleistungen nicht angerechnet worden sind, bedeutet der Versuch, die Bölkerbundsmandate rechtlich ihres Charakters zu entkleiden «nd tatsächlich zu Annexionen zu machen, einen Bruch der Bölkerbundsfatzung und damit des Vertrags von Dersailles. Wir erwarten von der deutschen Regierung, daß sie diesen rechtswirdigen Bestrebungen mit allen Mit- .teln entgegentritt, einen Sitz in der Mandatskommission verlangt und bis zur endgültigen Neuregelung unserer kolonialen Ansprüche dafür sorgt, daß unsere Kommen nach den Vorschriften der Bölkerbundsfatzung verwaltet werden." Rückkehr Dr. Köhlers von feiner Schwedenreise Stockholm, 14. Juni. Reichsfinanzminister Dr. Köhler trat gestern die Rückreise nach Berlin an. Er äußerte sich sehr befriedigt über seinen Besuch in Schweden und Dänemark und rühmte besonders die schwedische Gastfreundschaft. Die schwedische Eisenbahndirektion hat Dr. Köhler und seinen Begleitern während der zehn Tage seiner Reise einen Sonöerschlafwagen zur Verfügung gestellt. Tschiangkaischek marschiert Rückzug Tfchangtsolins ans Mnkde«. London, 14. Juni. Nach einwöchiger Ruhepause haben die Kriegshandlungen in China wieder eingesetzt. Wie berichtet wird, hat Tschiangkaischek die Städte Hanchau und Skiyang besetzt und marschiert auf Shuhdien. Die Einnahme der meisten wichtigeren Städte am Kaiserkanal ist für die weitere Entwicklung von großer Bedeutung. — , Tschangtsolin zieht seine Hauptstreitkräfte in der Richtung * auf Muköen zurück. Der Fall Leon Daudet Li. Paris, 14. Juni. Leon Daudet und sein Zunftgenoffe von der „Action Francaise", Delest, haben aus der Hochburg der französischen Royalisten und dem Verlagsgebäude des Royalistenblattes eine wahre Festung geschaffen. Daudet hat Wort gehalten. Die Aufforderung des Generalstaatsanwaltes, sich am Freitag vergangener Woche bis nachmittags 1 Uhr zum Antritt seiner Gefängnisstrafe zu melden, beantwortete er in seinem Blatte mit der lakonischen Feststellung: „Ich werde mich nicht zu dem Rendez-Vous einfinden". Seitdem hat er sich, von der royalistischen Schutzgaröe bewacht, in der Rue de Rome verschanzt und hat, wie er ankündigte, „sein Tintenfaß und seinen Tisch" dorthin gebracht. Seitdem tagt der Generlstaatsanwalt in Permanenz in seinem Kabinett, um die Entscheidung Justizministers Varthou abzuwarten, und berät das Ministerkollegium, wie es sich aus der unangenehmen Lage herausziehen könne. Im gleichen Augenblicke, in dem der Ministerpräsident in der Kammer erklärte, die Aufrechterhaltung der Ordnung sei für das salus publica unentbehrlich, wo der Innenminister von einem revolutionären Komplott spricht, für dessen Vorhandensein er übrigens den Beweis so gut wie schuldig blieb, und der Großsiegelbewahrer die Justiz zum Schutze der „bedrohten Gesellschaft" mobilisiert, duldet die Regierung einen wahren Aufstandsversuch und eine Widersetzlichkeit gegen die Gesetze, wie es im gleichen Maße in der jüngsten Geschichte Frankreichs nur in der Angelegenheit des „Fort Chabrol" der Fall war. Als unser Jahrhundert erst zwei Jahre zählte, gaben Leon Daudet und seine Freunde den „Drei- füßlern", dre sich der Justiz zu widersetzen wagten, die Antwort: „Das Gericht hat gesprochen, das Gericht hat gesprochen!" Ein Vierteljahrhundert ist dahin gegangen und Leon Deudet spielt seinerseits den Tauben, wenn ihn die Justiz daran erinnert, daß das Gericht gesprochen hat. Der Royalistenführer ist nun selbst in den Mittelpunkt eines Gerichts- öramas gerückt, desien Peripetien erstaunlich viel Aehnlich- keit mit der berühmten Drcyfußaffäre haben. Aüch Jules Guürin, nun seit langem gestorben und vergeflen, hatte sich in einem Pariser Hause eingeschloflen, um nicht in die Santo überführt zu werden. Umgeben von seinen bis an die Zähne bewaffneten Anhängern, reichlich verproviantiert mit Konserven, Bier und Wein, hinter Stacheldrahtverhauen und Wolfsfallen, leistete er der Polizeimacht wochenlangen Widerstand. Da verfiel ein geistreicher Chronist auf ein recht einfaches Mittel, die Eigenliebe des Belagerten und der heiligen Hermandad, zu schonen. Ueber dem Eingang des Forf^Chabrol prangten eines Tages die Worte „Sträflings- Haus". Bon da an wurde Jules Guerin als Gefangener betrachtet, der seine Strafe in einer Strafanstalt abbüßte, und statt sich seiner bemächtigen zu müffen, hatte die Polizei ihn nur an dem Verlassen seines Hauses zu hindern. Weniger leicht dürften die Dinge allerdings in der Rue de Rome gelagert sein, da Leon Daudet mit allen Mitteln, selbst denen der bewaffneten Hand, zum Widerstand entschlossen scheint. Auf irgendeine Weise muß aber dem Belagerungskrieg ein Ende gemacht werden, der angesichts der Auspeitschung der innen- und außenpolitischen Leidenschaften der Orleanistcn durch Leon Daudet und seine Sippe nur zu leicht zum Blutvergießen führen kann. Vielleicht wird der Innenminister den Spuren des Chronisten folgen und das „Journal officiel" demnächst etwa die Bekanntmachung ver- Lftentlichen: „Art. 1. Das Haus Rue de Rome wird als Strafhaus in eine Zweigstelle der Santö umgewandelt. Art. 2. Leon Daudet wird darin eine Strafe von 5 Monaten Gefängnis verbüßen, zu der er vom Schwurgericht der Seine verurteilt wurde." Gerade die amtlichen Stellen werden sich nicht der Erkenntnis verschließen können, daß ihre bisherige Haltung eine Ermutigung zur Anarchie ist. Wollen sie auf die französische Ziviljustiz nicht das Odium des „Zweierlei Maß" laden, wäre nicht einzusehen, wie den Kommunisten entgegengetreten werden könnte, wenn diese das Beispiel der Royalisten befolgten und dem Fort Cha- Drol unterm Ltlienbanncr ein solches unter den Symbolen von Sichel und Hammer an die Seite stellten. Tie Masie Der Laudbote * Sinsheim« Zeitung. des Volkes könnte es nicht verstehen, wenn dem Manne gegenüber, der sich in einem Gerichtsprozeffe der schwersten Beleidigung und Meineidsverdächtigung eines Zeugen schuldig machte, die Regierung ihre Schlappheit hinter einem Begnadigungsakt verbergen wollte; und schon verlautet, daß der Nationaltag des 14. Juli hierfür ausersehen sei. Hantelte es sick um politische Vergehen — und hier sind Dau- dcts Sünden Legion — könnte man Milde noch verstehen. Diese ließ die Regierung bislang auch in vollstem Maße walten. Nicht nur führt Daudet täglich die schamloseste Campagne gegen die Annäherungspolitik Briands, dieses „Spions Stresemanns, Verräters, Idioten und Faulenzers", gegen den „Schwächling Poincare", sondern auch gegen die „bestochene, gekaufte und verbrecherische Polizei". Es handelt sich nicht etwa um die Selbstverteidigung eines um seinen gemordeten Sohn trauernden Vaters, deffen Schmerz Ungerechtigkeiten gebiert, wie Daudet es stets in seinem Blatte hinzustellen versucht, sondern um offenbare Vergehen gegen das gemeine Recht, geboren aus dem Herzen eines pathologischen Haffcrs heraus, der unter dem Deckmantel der Religiosität selbst vor dem Vatikan nicht Halt macht. Erinnerlich ist noch der Haßgesang, den Daudet gegen den apostolischen Nuntius Maglione anstimmte, weil dieser als Doyen des diplomatischen Corps am Neujahrstage Briand zu der Politik von Locarno beglückwünschte. Der „Osser- vatore Romano" findet nur als das Organ „„proboche" des Vatikans Erwähnung und der Papst selbst muß sich den Vorwurf gefallen lassen und bei dem Bannstrahl gegen die Action Francaise Verdächtigungen und Verleumdungen das Ohr geliehen zu haben. Bekanntlich wurden die Lehren der royalistischen Liga vom Heiligen Stuhle verdammt und den Gläubigen, die ihr noch weiter anhängen und die „Action Francaise" lesen, Verweigerung der Sakramente angedroht. Nun ist es eine bezeichnende Tatsache, daß der Leserkreis des Royalistenblattes mit Nichten abgenommen hat und man oft genug einen Abbs am Zeitungsstand sehen kann, der die „A. F." heimlich in den Taschen seiner weiten Sutane verschwinden läßt und unter Darreichung seines Obolus sich in die Büsche schlägt. Das Vorspiel zu der Justiztragödie war die Ermordung des Sohnes Philippe Daudet am 24. November 1923, der sich in den letzten Wochen vor seinem gewaltsamen Ende in der Gesellschaft recht zweifelhafter Frauenzimmer und verdächtiger politischer Bünde Herumtrieb. Am 1. Dezember des gleichen Jahres erhob der als Mensch getroffene Vater Daudet die Klage gegen Unbekannt, um als Politiker sie Ende Januar 1925 auf die Polizei auszudehnen, der er vorwarf, in mehr oder weniger amtlichem Aufträge aus politischen Gründen Philippe ermordet zu haben. Die eingeleitetc Untersuchung ergab aber die ganze Haltlosigkeit der Daudetschen Anwürfe, so baß das Verfahren eingestellt wurde. Dagegen wurde der Ankläger späterhin zum Angeklagten, als er dem Kraftwagenführer, der die Leiche seines Sohnes in Gemeinschaft mit dessen mutmaßlichen Mördern fuhr, Falscheid vorwarf und im November 1926 wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe von 25 606 Franken oder 5 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Nun ist der Kampf Daudets nicht um die Ehrenrettung seines Kindes, sondern gegen Recht und Ordnung auf seinem Höhepunkt angelangt. Welchen Ausgang er nehmen wird, ist bei der unentschlosienen Haltung der Regierung in allen einigermaßen heiklen Fragen, bei der pathologischen Veranlagung des royalistischen Politikers und der Auspeitschung seines Anhangs nicht abzusehen. Das erste Blut ist jedenfalls schon geflosien. »Leon Daudet ergibt sich der Polizei Paris, 14. Juni. Der Royaltstenführer Leon Daudet, der sich seit einigen Tagen in der „Action francaise" verborgen hatte, um seine Verhaftung zu verhindern, hat sich gestern in den frühen Morgenstunden ohne Widerstand der Polizei ergeben. Daudet hat wegen Verleumdung eine Strafe ab- zubützen. Er verteidigte sich gegen das Eingreifen der Polizei, wobei es in den letzten Tagen mehrfach zu Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen der Polizei und Anhängern der „Action francaise" kam, in deren Verlauf zahlreiche Personen verletzt wurden. Baden. Tagung der Badische« Kreisvertreter. Freiburg, 14. Juni. Am Samstag trat hier die Mehrzahl der Kreisräte aus sämtlichen elf badischen Preisen zusammen, um zu einigen wichtigen Fragen Stellung zu nehmen. Die Beratungen leitete der Vorsitzende des Kreises Karlsruhe, Oberlanöesgerichtsrat Stritt. Die Tagung beschäftigte sich zunächst mit den beiden Entwürfen zu einem badischen Wohlfahrtspflegegesetz. Berichterstatter darüber war Oberbürgermeister Dr. Meister aus Bruchsal. Dieser betonte, der Neuregelung, wonach die Fürsorge den Bezirksfürsorgeverbänden und Wohlfahrtsausschüssen übertragen werden soll und lediglich die Gesundheitsfürsorge den Gemeinden und den Kreisen überlaffen bleibe, könne man nicht zustimmen. Die Gemeinden müßten wie bisher die Träger der Fürsorge bleiben. Von verschiedenen Seiten wurde der ablehnende Standpunkt gebilligt. Es wurde eine entsprechende Entschließung angenommen. Ferner wurde ein sozialdemokratischer Antrag zur Kenntnis genommen, in dem ge»ünscht wird, die endgültige Stellungnahme zu dem Wohl- fahrtsgesetz auf einen späteren Zeitpunkt zurückzustellen. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung bezog sich auf einen Antrag um Gewährung von Einzugsgebühren an die Gemeinden für Erhebung der Kreissteuer. Dieser Antrag fand nicht die Zustimmung der Kreisvertretung. Weiter beschäftigte sich die Tagung mit der Gewährung von Kreis- zuschüffen zu den von der Badischen Landwirtschaftskammer veranstalteten Prämiierungen von Schweinen und mit der Frage der Benennung der landwirtschaftlichen Winterschulen der Kreise, bei denen das Wort Kreis unter allen Umständen beibehalten werden soll. Tie Neuregelung der Ruhelohn- verhältniffe für Kretsstraßenwärter und Kreiswegwärter wurde einer Kommission überlaffen und dann noch die Wan- dcrerfürsorge erörtert. Mit Württemberg sollte für das Herbergwesen ein Uebereinkommen getroffen weden. Angenommen wurde hierzu ein Antrag worin den Kreisen empfehlen wird, auf eine Verminderung der Wanderherbergen bedacht zu sein, die übrigbleibenüen aber vorbildlich einzurichten und den Arbeitszwang etnzuführen. Am Schluß der Tagung wurde noch die Frage der Jugendherbergen besprochen. Wiederseheusfeier des 5. bayerische« Feldartillerie- Regiments. . Marmheim, 13. Juni. Am Samstag und Sonntag hielt die Vereinigung ehemaliger Landauer Fclüartilleristen auf den Bauwiesen in Mannheim ihre diesjährige Wicdersehens- feier ab. Die Feier wurde eröffnet durch ein Begrüßungsbankett am Samstag abend. Am Sonntag vormittag sammelten sich die Kameraden mit den Angehörigen von Kameradenvereinen und des Stahlhelm mit drei Musikkapellen zum Festzug auf die Rennwiesen. Dort fand eine Gefalle- Dienstag, den 14. Juni 1927. «engedenkfeier statt, die mit einem Feldgottesdienst verbunden war und einen feierlichen und würdigen Verlauf «ahm. Bei der Hauptfeier am Nachmittag, die eine» außerordentlich starken Besuch aufzuweisen hatte, überbrachte u. a. General Kollmann die Grüße des bayerischen Kronprinzen Rupprecht. Teukmalseinweihullg des frühere« elsäsfische« Feldartilleric- Regiments IS, Straßb«rg. Baden-Baden, 13. Juni. Gestern feierten die Angehörigen des früheren elsässischen Fcldartillerie-Regiments 15 Stratzburg auf dem Korbmattfelsen, hier, die Einweihung der Gedenktafel für ihre Gefallenen. Die Feier nahm einen schlichten und eindrucksvollen Verlauf, worauf die gesamten Teilnehmer u. a. aus Baden-Baden, Frankfurt, Karlsruhe bei geselligem Beisammensein den Tag beschloflen. Aus Nahl und Fern. )( Sinsheim, 14. Juni. (Die Wohnungszählung am 16. Mai) hatte folgendes Ergebnis: In 551 Wohnhäusern find 802 bewohnte ünd 3 leerstehende Wohnungen mit 811 Haushaltungen bezw. 827 Familien, darunter 16 Familien ohne eigenen Haushalt. Die Zahl der wohungsfuchenden Familien beträgt 42. Darunter sind 3 einzeln lebende Personen mit eigener Hauswirtschaft, 4 Familien mit 2, 8 Familien mit 3, 14 Familien mit 4 und 13 Familien mit 5 und mehr Personen. 20 Familien haben eine Wohnung mit je I Zimmer, 15 mit je 2 und 7 mit je 3 Zimmern. 22 Familien suchen eine Wohnung wegen Ueberfüllung der Wohnung. 2 wegen Erkmnkung von Familienangehörigen, 1 wegen baulicher Mängel, 9 wegen rechtskräftigen Räumungsurteils und 8 Familien wegen sonstiger Gründe. Bon den 42 Familien suchen 21 eine Wohnung mit je 2 Zimmern und 21 eine Wohnung mit je 3 Zimmern. Die Einwohnerzahl beträgt 3648. □ Ehrstädt, 13. Juni. (Ein Nachmittag im Schlosse). Vergangenen Sonntag waren der überaus freundlichen Einladung der Freifmu H. von Gemmingen-Degenfeld und des Freifräuleins H. von Degenfeld die Konfirmanden von Ehrstädt, Grom- bach, Steinsfurt und Rohrbach unter Führung ihrer Seelsorger und der Pfarrfrauen gefolgt. Zahlreiche Iung-Mädchen und Iung- Männer, viele Erwachsene (im ganzen etwa 80 Teilnehmer) hatten sich angeschlossen. Das wunderschön gelegene Schloß, der prächtige Park, die alt-ehrwürdige Schloßkapelle, das interessante Iagdzimmer, die Waffensammlung, das Empirezimmer, das Burgverlies usw. machten tiefen Eindruck. In die Besichtigungen eingefügt wurden Ansprachen, Gedicht- und Gesangoorträge. Beschlossen wurde dies harmonisch verlaufene Treffen durch ein gemütliches Beisammensein in Ehrstädt. 8 Grombach, 13. Juni. (Ehrung). Die evang. Gemeinde ehrte ihren einzigen, noch lebenden Veteranen von 1866 und 1870 Herrn Schmied Tobias Dörr, an seinem 83. Geburtstag durch einen Festgottesdienst.. Unter Bortrag von vaterländischen Gedichten wurde im Namen des Kirchengemeinderates eine Gedenktafel in der Küche angebracht, ebenso ein Handschreiben des Herrn Reichspräsidenten nebst seinem Bilde, das mit eigenst geschriebener Namensunterschrist versehen ist. % Bad Rappenau, 13. Juni. (Verunglückt.) Gestern Abend verunglückte ein Motorradfahrer aus Bonfeld am Wartbcrg. Nach Anlegung eines Notverbandcs durch einen hiesigen Arzt wurde der Verunglückte mittels Auto nach Bonfeld verbracht. Die Verletzungen sind glücklicherweise nur leichterer Natur. * Eppingen, 13. Juni. (Das Fest der Fahnenweihe) des kath. Gesellen- und Iungmännervereins Eppingen nahm dank der großen Vorbereitungen und des guten Wetters einen guten Verlauf. Bereits am Samstag abend haben sich zahlreiche Vertreter auswärtiger Gesellenvereine eingefunden, um an der Gesellentagung des Bezirks Rastatt-Karlsruhe-Bruchsal teilzunehmen. Am Sonntag Dormittag marschierte der festgebende Vwein und die Fest- jungfmuen unter den Klängen der Stadtkapelle zum Bahnhof, um weitere auswärtige Vereine zu empfangen und sich zum Festgottesdienst in der kath. Stadtkirche zu begeben. Die Musikkapelle konzertierte nach Schluß des Gottesdienstes auf dem Marktplatz, vm 2 Uhr bewegte sich ein großer Festzug durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Festplatz, dem früheren Turnplatz. In der zur Festhalle hergerichteten Turnhalle fand der Festakt und die Fahnenübergabe statt. Auf dem Festplatz entwickelte sich gar bald fröhliches Treiben bis zum Abend. Die auswärtigen Vereine wurden ums 7 fthr wieder mit Musik zur Bahn begleitet. Leider setzte dann ein schwerer Gewitterregen ein, der den Beginn des Familienabends im „Engel" etwas verzögerte. Den zahlreichen Besuchern waren auch hier wieder durch die verschiedenartigen Darbietungen genußreiche Stunden geboten. Ein feierliches Seelenamt für alle gefallenen und verstorbenen Mitglieder des Verbandes kath. Gesellenvereine beschloß am heutigen Tage das Fest. ** Eppingen, 14. Juni. (Unwetter). Am Sonntag entlud sich hier ein schweres Gewitter. Es war von einem wolkenbruchartigen Regen begleitet, der die Bäche rasch anschwellen ließ, so daß sie verschiedentlich über die Ufer traten. Das Wasser drang in die Keller ein. das eine Höhe von y* Meter erreichte, so daß cs mit Feuerspritzen wieder herausgepumpt werden mußte. Walldürn, 13. Juni. (Eine Fahrplanverbesserung) während der Wallfahrtszeit tritt insofern ein, als der Personenzug ab Walldürn 13,29 Uhr auch an Sonn- und Feiertagen verkehrt. Für die Wallfahrtsbesucher ist dies eine wesentliche Verkehrsverbesserung. Außerdem geht an SonMagen ein Abendsonderzug: Walldürn ab 17,18 Uhr, Seckach an 18.02 Uhr. Auch soll die Bahnhofsperre mit dem Beginn der Wallfahrt in Kraft treten. ** Mannheim, 14. Juni. (Zwei Kinder vom Tode des Ertrinkens gerettet). Sonntagabend fielen beim Spielen auf einer Vootsanlageprttsche auf der Friesenheimer Insel zwei Kinder in den Altrhein. Ein Mann rettete unter eigener Lebensgefahr die beiden Kinder, ein Knabe und ein Mädchen. ** Mannheim, 14. Juni. (Siebenhundertjahrfeier Käfertals.) Am 11. und 12. Juni feierte der Vorort Käfertal das Fest seines 700jährigen Bestehens. ** Schcllenbach bei Eberbach. 14. Juni. (Selbstmordversuch eines Liebespaaresl. Aus Liebeskummer versuchte auf dem Reißenkreuz sich ein Pärchen das Leben zu nehmen. Die zwei hatten sich als Mann und Frau dort einlogiert und mieden den Verkehr mit anderen Kurgästen. Er gab eine Anzahl Schöffe auf sie und sich ab. die aber nur den Mann, einen Student aus Heidelberg, am Kopf verletzten. ** Karlsruhe, 14. Juni. (Blitzschlag.) Am Sonntag ge. gen 8 Uhr abends schlug der Blitz mit einem kalten Schlag in das Schrankenwärterhäuschen der Wartstation 2va der Rheinralbahn zwischen Schwetzingen und Hockenheim. Tie dort wohnende Familie wurde zum Teil betäubt. Sie wurde durch Schwetziiger Sanitätsmanschaftenn unter Führung des Vorstandes der Bahnmeisterei 1 Schwetzingen in Behandlung des Bohnarztes nach Schwetzingen verbrach: und ö"m zu Verwandten nach Hockenheim befördert. Ter Schrankenwärter und sein Kind erlitten einen Nervenschock. Der Sachschaden ist unerheblich. Eine Störung des Ei'cn- bahnverkehrs ist durch das Vorkommnis nicht eingelreten Karlsruhe, 14. Juni. (Aufgefunöenes Paddelboot.) Am Nr. 98. Jahrgang 1927. Ser Lgndbote * Sinsheimer Ieitlmg. vergangenen Sonntag wurde im Hörnlesaltrhein ein mit Kiel nach oben treibendes Paddelboot aufgefunden. DaS Boot ist etwa 5—6 Meter lang, aus gelbem Holz. An der oberen Seite des Bootes befindet sich ein Meffingschilö mit der Auffchrift „Nacht-Werft, Edwin Keller, Ueberlingen a. See". Bis jetzt konnte nicht festgestellt werden, wem es gehört und ob evtl, ein Unglücksfall vorliegt. ** Karlsruhe, 14. Juni. (Reklame und Wirklichkeit). Ein württembergischer Kurort hatte in der vergangenen Woche an die Korresponöenzbüros und Zeitungen eine Notiz versandt, wonach der Präsident eines süddeutschen Staates dort zur Kur eingetroffen sei. In Wirklichkeit befand sich der betreffende Staatspräsident auf einer dienst- .lichen Reife und harte nur eine Nacht in dem betreffenden Kurort zugebracht. — Die Nachrichtenbüros und Zeitungen nahmen die fragliche Meldung in dem guten Glauben auf, daß es sich tatsächlich um einen Kuraufenthalt, worunter selbstverständlich ein Aufenthalt von mindestens einigen Tagen, nicht aber nur einer Nacht zu verstehen ist, handle. Wenn es nun Brauch werden sollte, daß Kurorte für sich in derartiger Weise Reklame zu machen suchen, so wird die Presse in Zukunft solchen Mitteilungen mit der größten Skepsis gegenübertreten müssen. ** Karlsrnhe, 14. Juni. (Einrichtung einer Berussbe- ratungsstelle). Im Einverständnis mit dem Oberbürgermeister hat das Arbeitsamt Karlsruhe eine besondere Berufsberatungsstelle für Schüler höherer Lehranstalten errichtet, bei der das für eine erfolgreiche Berufsberatung erforderliche Material gesammelt und im Sommer einmal wöchentlich, im Winter zweimal wöchentlich, jeweils während zweier Nachmittagsstunden, Sprechstunden über Berufsberatungsangelegenheiten für Schüler und Schülerinnen Höherer Lehranstalten durch akademisch vorgebilöete Lehrkräfte abgehalten werden. ** Pforzheim, 14. Juni. (Neues Ueberttundenabkom- men in der Schmuckwarenindustrie). Auf Grund des Arbeitszeitgesetzes haben am letzten Samstag Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverband und den hiesigen Gewerkschaften über die Höhe der Ueberstundenzuschläge stattgefun- den, die zu einer Verständigung geführt haben. Vom 1. Juli laufenden Jahres ab beträgt der Uebersiundenzuschlag ■ für die 49.-53. Stunde in der Woche 10 vom 100, für die 54. und jede folgende Stunde 20 vom 100. Für Arbeiten am Sonntag und gesetzlichen Feiertagen 50 vom 100 des jeweiligen Stundenlohnes. Pforzheim, 14. Juni. (Wolkenbruch.) Am Sonntag zwischen 1 und 2 Uhr entlud sich ein Gewitter mit wolkenbruch- arttgen Niederschlägen. In der Noröstadt wurden die Straßen in reißende Ströme verwandelt, durch die die Frtedhof- wagen der Straßenbahn stellenweise bis an die Radachsen durchfuhren. In den Gärten haben die großen Regenmengen, die zum Glück nicht lange anhielten, mehrfach geschadet. ** Bühl, 14. Juni. (Zusammenstoß zwischen Motorradfahrer und Kleinbahn.) Am Sonntag stieß ein Motorradfahrer in voller Fahrt mit der Lokalbahn zusammen. Ter Verunglückte, ein 25jähriger Kaufmann namens I. Schmie- derer von Rammersweier bei Offenburg, wurde vom Zuge erfaßt, ca. 25 Meter weit geschleift und erlitt bedeutende Verletzungen, sowie eine Gehirnerschütterung. Sein Zustand ist nicht lebensgefährlich. ** Lndwigshafen, 14. Juni. Gestern nacht zwischen 2 und 3 Uhr wurde ein 35 Jahre alter Kaufmann von Friesenheim in angetrunkenem Zustande in der Unterführung an der Friesenheimer Straße von vier Burschen angehalten und um 50 Pfennig angegangen. Da dieser sich weigerte, versetzte ihm einer der Burschen einen Messerstich in den Kopf, worauf die Täter flüchteten. ** Rietena«, OA. Backnang, 14. Juni. Eine tragische Fügung hat zwei Bürger unserer Gemeinde fast zur selben Stunde aus diesem Leben genommen: den 72jährigen Christian Büchler und den 62jährigen Jakob Wurstler. Nachdem der letztere seinem schwerkranken Nachbar Büchler einen Besuch abgestattet hatte, ging er aufs Feld. Dort erellte ihn ein Herzschlag. Inzwischen aber war auch Büchler von seinem Krankenlager erlöst worden. Beide werden gemeinsam begraben. ** Tübingen, 14. Juni. Kürzlich brach in dem Wohnhaus des Fuhrmanns Hipp in der Salzstadelgaffe Feuer aus. Der 19 Jahre alte Knecht Hipps, Erwin Löffler von Sindelfin- gen, hatte im Bett eine Zigarette geraucht und war dabei eingeschlafen. Das Bett fing Feuer und erst infolge der starken Rauchentwicklung erwachte Löffler. In seiner Kopflosigkeit rannte er im Hemd davon, hielt sich am Anlagensce auf und wollte sich in den See stürzen, wurde aber von einem Polizeiwachtmeister noch rechtzeittg davon abgehalten. Das Feuer konnte alsbald gelöscht werden, so daß außer dem verbrannten Bett und der Beschädigung des Zimmers weitere schwere Folgen nicht entstanden. Die Weckerlinie war in Kürze am Tatort einaetroffen. ** Priena, Chiemsee, 14. Juni. (Schweres Hagelwetter.) Die Marktgemeinde Prien und ihre nächste Umgebung wurde am Samstag nachmittag gegen 2 Uhr von einem schweren Hagelschlag heimgefucht. Die Schlossen fielen in Hühnereigröße und zertrümmerten in ganzen Straßenteilen sämtliche Fensterscheiben. Auch Schaufenster gingen teilweise in Scharben- ebenso wurden die Waggonfenster des im Bahnhof Prien stehenden Lokalbahnzuges Prien—Aschau eingeschlagen. Die Obstbäume stehen wie kahl da und die Gartenkulturen find völlig vernichtet. Der Schaden ist sehr groß. Unwetter über Bühl und Umgebung ** Bühl 14. Juni. (Unwetter.) Am Sonntag nachmittag wurden infolge wolkenbruchartigen Regens mehrere Straßen überflutet. Nicht nur Keller, sondern auch eine große Anzahl Häuser-, wie Wirtschaftsräume waren angefüllt. Tue Feuerwehr mußte allarmiert werden und hatte stundenlang mit dem Auspumpen zu tun. Die Obsternte hat hier wp iger Schaden erlitten. — In Kappelwindeck hatte das Unwetter großen Schaden angerichtet. Besonders der Zinken Riegel hatte unter der Gewalt des Wassers zu leiden. Dort wurden nicht weniger als 150 Kubikmeter Straßenschotter glatt weggeschwemmt und Brücken zertrümmert. Der Schaden ist sehr erheblich. — In Altschweier und im Bühlertal hatte der wolkenbruchartige Regen ebenfalls Straßen und Wege überflutet. Eine genaue Untersuchung wird erst zeigen können, inwieweit auch an den Kulturen Beschädigungen festzustellen sind. _ Turnen, Sport und Spiel. Das Sportfest des D. f. B. Bad Rappenau, 13. Funi. Einen großen Tag hatte gestern der Verein für Bewegungsspiele 192l. Zu einem Sportfest verbunden mit Pokalwettspielen hatte der Verein vor einigen Wochen die Spottvereine aus Nah und Fern aufgerufen. In überaus fMttlicher Zahl, (24) hatten dieselben dem Rufe Folge geleistet. Leider aber hatten die Spiele, die früh 6 Uhr auf dem Sportplätze ihren Anfang nahmen, etwas uMer der Ungunst des Wetters zu leiden, was jedoch die Spieler wenig abhielt. Der Spielverlauf war im großen und ganzen ein mustergültiger, auch standen sich durchweg gleichwettige Mannschaften gegenüber, so- daß die einzelnen Spiele oft einen sehr hattnäckigen Verlauf nahmen. Nach einer Mittagspause um 12 Uhr, wurde um halb 2 Uhr zur Ausstellung des Festzuges in der Ealinenstraße geschritten. Unter den Klängen der Musik bewegten sich dann von da aus die zahlreich erschienenen Vereine zum herrlich gelegenen Spottplatze, wo bald nach Ankunft reges Leben und Treiben herrschte. Auf dem Spottplatz selbst wurden die Wettspiele fottgesetzt, die mit regem Interesse seitens der Festteilnehmer verfolgt wurden. Zwischenhinein begrüßte der Gauvorsitzende, Herr Leonhard aus Sinsheim im Namen des Gaues die Festteilnehmer, dankte dem B. f. B. Rappenau für das so schön bereitete Fest, wie den Stiftern der Preise für das warme Interesse, das sie damtt dem Fußballspott entgegenbrachten. Gegen halb 7 Uhr wurde dann zur Preisvetteilunz, die von Heinrich Auer oorgenom- men wurde, geschritten. Das Ergebnis war folgendes: Klaff e C. Siegelsbach II. — Stein am Kocher I. 2:0. Hilsbach I. — Hüffenhardt I. 2:0. Wimpfen ll. — Mosbach II. 0 :1. Klaff e B. Siegelsbach I. — Kirchardt I. 0:2. Wimpfen I. — Neuenstadt I. 0 :1. Grombach I. — Neckargemünd II. 2:1. , Waibstadt I. — Eppingen II. 3:0. * Vi. f. L. Heidelberg — M. F. G. Mannheim 1913 II. 1 :0. Klasse A. Gemmingen I. — Heidelberg 05 III. 1:2. Rohrbach I. — Eppingen !. 8 :1. Alte Herren-Mannschaften. Neckaffteinach — V. f. R. Heilbronn 1 :7. Ehren Pokalspiel. Neckargemünd I. — M. F. G. Mannheim 1913 I. 2:6. Radio - Programm für Mittwoch, den 18. Juni 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1250), 11.00 Uhr: Schallplattenkonzert. 17.00 Uhr: Unseren Kindern. 18.00 Uhr: Dr. Becce's Kammerorchester. 21.00 Uhr: Orchestcrkonzert. 22.30 Uhr: Nachtmusik. Breslau (315), 20.10 Uhr: „Ernst sein ist alles". - Fmnkfutt (428), 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Konzett des Hausorchesters: Nordische Musik. 17.45 Uhr: Büchey- stunde. 18.15 Uhr: Fmuenstunde. 20.15 Uhr: Bläser-Kam- mermusik-Konzett. Dienstag, den 14. Juni 1927. Hamburg (394), 20.15 Uhr: „Medea", Trauerspiel v. Fr. Grillparzer. Anschl.: Uebettr. d. Konzetts aus dem Cafe Wallhof. Königsberg (329), 20.15 Uhr: Chorkonzert. Anschl.: Tanzmusik, Langenberg (468), 20.30 Uhr: Köln: Robett-Koppel-Abend. 22.40 Uhr: Uebettr. des Konzetts a. d. „Handelshof" Essen. Leipzig (365), 20.15 Uhr: Italienische Musik. 22.15 Uhr: Tanzm. München (535), 20.00 Uhr: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 21.15 Uhr: Sonaten v. Wolfgang Amad. Mozatt, Stuttgart (379), 13.10 Uhr: Schallplattenkonzett. 14.30 Uhr: „Ernst Herzog von Schwaben", Trauerspiel von L. Uhland. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 20.30 Uhr: Kurpfälzifcha Hofmusik des 18. Iahrhundetts. 22.15 Uhr: Dialekt-Abend, Daventry (1600), London (361), 11.00 Uhr: Big-Ben, Konzertz 13.00 Uhr: Big-Ben, Konzett. 17.15 Uhr: Kindefftundg, 19.15 Uhr: Beethoven-Sonaten. 19.25 Uhr: Borträge. 19.45 Uhr: Kammermusik-Abend: Schubert. 21.00 Uhr: Heimatskunde. 21.35 Uhr: Humoristischer Abend. Paris (1750), 12.30 Uhr: Radio-Konzett. 16.45 Uhr: Radio- Konzett. 20.45 Uhr: Radio-Galakonzett. Wien (517), 20.05 Uhr: Erinnerungen an Johann Schrammel. 21.05 Uhr: „Zwischen Gättner- und Schottentor und auf dem Glacis". Anschl.: Leichte Abendmusik. Zürich (494), 20.30 Uhr: Solistenstunde des Hausorchesters. 21.30 Uhr: Konzett. Prag (348), 19.15 Uhr: Uebettragung a. d. Nat. Theater „Aida" Oper von Verdi. Radio-Vertrieb E. Schick, Uhrmachermeister, Sinsheim Q, E. . Dr.Seibt-Bertreter — Lager in Telefunken-Röhren, Anoden - Batterien — Samt, lichen Ersatzteilen, Barta-Aktumulatoren-Ladestatton. — Telefon I». Neueste amtliche Kurse vom 13. Juni 1927. mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. Anleihe»: in »Io Rblösungsschuld mit Auslofungsschetn . . Zos ohne Auslofungsschetn . . IS Bankaktie r in o/o Bad. Bank . . . .153 Darmstädler- und Nationalbanl 229,75 Deutsche Bank . . . . I«g Deutsche Vereinshank . Ics Dresdner Bank . . . 16 » Mitteldeutsche Ereditbank . 200 Reichsbank .... IS7.S5 Rhein. Credttbank . . . 130 Südd. Disconto Ges. . . 145 Bergwerks» Aktie» ln 0/0 Harpener Bergbau . . 199 , 2 s «alt Westeregeln . . . — Mannesmannröhrenwerke. . 178,25 Mansselder Bergb. u.Hüttenw. 129 . Oberschl. Eisenb. Bedarf . . >01,50 Phönix Bergbau u.Hüttenbctrieb 118 Salzwerk Heilbronn . . — Bereinigte Königs» Laurahütte 73,50 Aktien indnftr. vnternehtnnng«». in 0/0 Allg. Elektr. Stammak.tien 174?/s Badenta Wetnhetm , — Bad. Elektrtzttät Mannheim 0,r65 Bad. Maschinen Durlach . . 137 Eementwerk Heidelberg . 117,5» Daimler Motoren . . . 110,75 Dtsch. Bold- und SUbersch etde 204 Elektr. Licht und Kraft . . 191 Emaill. und Stanzwerk Ullrich 46,75 Farbeutndustrte . . . 375,75 Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschinen Dmlach . 120 Karlsruher Maschinen . . ZS,50 Knorr Hetlbronn . . . I8l Matnkraftwerke Höchst . . ISS Reckarfulm-r Fahrzenawerke . i 2 i,S 0 Schlickert Elektr. Nürnberg . 171,50 Seilindustrie Wolfs ... 87 Südd. Zucker .... WVs Zellstoff Waldhof Stammaktie» 275 Aktie» deutscher Tra»»»ortanstalte» r in o/e amburg. Amertk. Paketfahrt 136,85 etdelberaer Straßen» it. Bergbahn — orddeutscher Lloyd . . 137 7 /» Devisen: Geld Brief New-Dork 1 Dollar 1215 s 4.2239 London 1 Pfund 30.179 20.519 Holland 100 Gulden 168.90 169.24 Schweiz 100 Francs 81.69 81.25 Wien 100 Schilling 59,31 59 .43 Darts 100 Francs 16.508 16.548 Italien 100 Lire 23.23 28,27 Marktberichte. Schweinemarkt. Sinsheim, 14. Juni. Dem heutigen Schweincmarkt waren zuge» führt: 59 Milchschweine zum Preise oon 28 —40 Mark pro Paar. 23 Läufer zum Preise uon 50-60 Mark pro Paar. Preise des Mannhei mer Schlachtoiehmarkts. Dem Schlachtviehmarkt am Montag waren zugeführt: 241 Ochsen, 192 Bullen, 271 Kühe, 362 Fäffen, 530 Kälber, 8 Schafe 3328 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Ochsen al 60-63,all 50-55, bl 51—59, bll 38-45. c 32—36, d 30—32; Bullen 1. Kl. 53-55 2. Kl. 45-47, 3. Kl. 31—34, 4-Kl. 30—33 ; Kühe 1. Kl. 49-51, 2. Kl. 37—43. 3. Kl. 28-31,4. Kl. 16—21; Färsen 62—64, 50-56, 37—41, Kälber 82—86, 75 -80, 70—74, 60— 64, — ; Schafe 37 - 45, — , Schweine 58 —60, 60-61, 62—64, 60-62, 60-61. 54—56, 50-53. Marktverlauf, mit Großvieh mittelmäßig, kleiner Ueberstand, mit Kälbern lebhaft, geräumt; mit Schweinen langsam, Ueberstand. Mannheimer Produktenbörse. Mannheim, 13. Juni. Die Tendenz am Proöuktenmarkt ist leicht abgeschwächt. Bon ausländischen Weizen ist ungeboten: Manila t 17,20 holl. Gulden. 2. 16.85, 3. 16, 4. 14,10, alles per Juni. Austral. Weizen 16 holl. Gulden, Kansas 16, Baruffo 79 Kilo Juni-Juli 15.30, Rose Fee 79 Kilo 15,50 holl. Gulden, alles Eif Mannheim. Weizenfuttermehl 17,50. Amtlich notierter Weizen: inl. —, ausl. 31.25—33,25; Roggen: inl. —, ausl. 29; Hafer: inl. 25,50—26. ausl. 24,25 bis 25,50; Braugerste —, ausl. 30,75—34, Futtergerste 24,50 bis 25,50; Mais gelb 19,50; Trockentreber 16—16,50, Weizenmehl Sepz. Null 41,50—42; Weizenbrotmeül 33,50—4; Roggenmehl 38,25—40,50 Weizenkleie 13, Tendenz ruhig. Statt besonderer Anzeige. Todes-Anzeige. Meine liebe Frau, unsere inniggeliebte, treubesorgte Mutter Lina Stöwe e-d. lut- wurde heute Morgen im Alter von 72 Jahren durch einen sanften Tod von ihrem Leiden erlöst. Sinsheim, den 14. Juni 1927. Die trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Stöwe, Verw.-Inspektor a. D. Julie und Emma Stöwe. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. )um nachmittags 5 Uhr statt. SoßadRappeimi ab 1. Mai geöffnet Werktags vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 1—6 Uhr. lonntags von vorm. 8 bis nachm. 3 Uhr. PILO m der idiwerten Oom «Ja SdtuhpfIcQemittel Sctan im Gebrauch l»t P ILO tomm sße einzigartige Konsistenz der PtLO» Pute ermöglicht tim haudtdunne* Aufträgen. Die gröfcte Sparsamkeit erziele* Sie aber am Sdtuh »efbst» PILO putzt rwdit mir — sondern pflegt Jeden Schuh, sodefc er viel langer e» •adeQoses Aussehen behalt Sparen Sie auch! Kaulen Sie wpnoA Inder stimmen Dose „ Drucksachen Lenun'N die B. Becker'sche Buchdruckerei Sinsheim. Ja KAM- - dass man einen guten Kaffee nur mit AechfFranck mit der Kaffeemühle zubereiten kann.Er ist kein Zusatz im landläufigen Sin- ne,er isf ein Verbesserung* milrel feinster Art. Deshafb gehör!“ er auch zu jedem öetreidekaffee. Dabei ist er so gesund und billiq aurch seine qrosse Ausqiebiqkeif und unerreichte Qualität: IjbTI Die Ärzte empfehlen als Desinfektionsmittel für Verfettungen und gegen Entzündungen mit Vorliebe Chinosol, weil es, im Gegensätze zu der ätzenden essigsauren Tonerde und zu allen anderen Desinfektionsmitteln, trotz seiner starken Wirkung, unbedenklich selbst Kindern in die Hand gegeben werden kann. Verlangen Sie in Apotheken nnd Drogerien Prospekt mit Anwendungsvorschriften. Versuchspackune nur 60 Pf. Zu haben in allen Apotheken und Drogerie n. Alle Packungen sind bestimmt vorrätig in der Apotheke Dr. Karl Kieffer, Richard Wagner - Drogeri e Schristleitm«: H. Becker; Druck und Verlag: D. Beckerfche Buchdruckerei ft, Simdet».