«tfftetet tä,lich «tt Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch diePost bezogen und durch ben Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Soldmart 1.50 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Sn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 !lhr Sonntags geschlossen. Fernsprech-Auschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. SÜOS Der Lanöbote Stnsheimer iS Zeitung?i§; enz-und Schtpatgbachtal General-Hryeiger Mr das HelUtte und verbreitert* Zeitung diefer 0egend. fyupt-Hnpigen-BUtt « COod* tntd PW«" * D*r KoboW . Neu« 7llultriert« . J&MidtrfrtfdmftU«*« Beilage Anzeigen-Preife: *- Anzeigen: Di.' 33 mm breit, Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen- Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- uird Textteil ist Petit. 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Die Kontrollkommission macht in ihrer Begründung der Opposition die schwersten Vorwürfe, das Schweigeversprechen vom letzten Oktober nur als taktisches Mittel benutzt zu haben, um die ^Partei zu täuschen, und daß in der Zwischenzeit die Versuche einer Patteispaltung und der Gründung einer Fraktion mensche- wistischer Färbung fottgesetzt worden seien. Di» Kommission bezeichnet es als besonders verderblich, daß die Opposition die Angriffe gegen die Patteileitung gerade in dem Augenblick verstärkte, wo man in China Mißerfolge hatte, wo England die Beziehungen abbrach und wo die Reaktion der ganzen Welt einen verschärften Kurs gegen den Kommunismus einschlug. Die Kontrollkommission geht in ihren Borwürfen, denen die Oppositionellen ja natürlich nicht widersprechen können, da ihnen keine Presse zur Verfügung steht, so weit, zu behaupten, daß Lrotzki und Sinowjew durch ihre Sprengungsarbett im Land« Wimmer als Deserteur« aus der Pattei zu betrachten seien. Ganz besonders scheint der Unwille der Patteileitung erregt und das Maß der oppositionellen Schuld voll geworden zu sein durch die Demonstration, die Trotzki vor zwei Wochen au!f dem Moskauer Bahnhof veranstaltete. Davon wurde viel ge- munkelt, ohne daß sie offiziell bisher zugegeben wurde. Die Demonstration fand als großes Aufgebot der Anhänger der Opposition statt, die sich von dem bekannten Oppositionellen Emil- ga auf dem Bahnhof verabschiedeten, der. wohl als Warnungssignal für die übrigen Oppositionellen, auf einen sibirischen Posten versetzt wurde. Bei dieser Gelegenheit hielt Trotzki eine scharfe Angriffsrede gegen die Patteileitung, der nicht nur die versammelten Anhänger, sondern auch das Publikum zuhörten. Die Poaivda, die von Empörung gegen Trotzki und Sinowjew schäumt, richtet die dringende Warnung an ihre Anhänger, jetzt doch schleunigst sich wieder der Patteidiszipiin und loyal den Beschlüssen zu unterwerfen. Sie läßt durchblicken, daß man andernfalls in ihnen Mitschuldige und Feinde der proletarischen Diktatur sehen müsse. Natürlich ist heute noch nicht abzusehen, welche Folgen das energische Vorgehen der Patteileitung gegen die populärsten Köpfe der Opposition haben wird; aber sicher ist, daß man entschlossen ist, den Kampf gegen die Opposition diesmal mit äußerster Energie und ohne Kompromisse zu Ende zu führen. Leon Daudet aus der Hast befreit. Varifer Köpenicklade. — Ein Geniestreich der Camelots du Noi. Paris, 26. Zuni. Paris hat wieder einmal seine „Affäre". Bekanntlich hat Leon Daudet vor 14 Tagen sich in der „Action Francaise" verbarrikadiett um sich seiner bevorstehenden Verhaftung zu wiedersetzen. Samstag nachmittag gegen 1 Uhr ist er wie erst später bekannt wurde, auf eine geradezu geniale Weise durch eine Mystifikation des Direktors der Pariser Sante ans der Hast entlasten worden; mit ihm der ebenfalls verutteilte Geschäftsführer der „Attion Franeaise", de Lest, und der Generalsekretär der kommunistischen Pattei Semard, der gleichfalls eine Gefängnisstrafe verbüßte. Ueber die Att wie die Mystifikation durchgeführt wurde, wird folgendes bekannt. Die Mittagszeit, in der im Ministerium des Innern nicht gearbeitet wird, benutzten die Camelots du Roi um folgenden genialen Streich durchzuführen. Elf von ihnen begaben sich in die in der Nähe des Ministeriums liegenden Kaffeehäuser und verlangten dott die Verbindung mit dem Ministerium des Innern, fodaß die Leitungen dotthin blockiert waren, während einer der Camelots sich ins Ministerialgebäude selber eingeschlichen hatte und dott die zwölfte einzig frei bleibende Leitung mit Beschlag belegte. Niemand konnte also telephonisch mit dem Ministerium in Verbindung treten. Der Camelot du Roi, der am Klappenschrank im Ministerium saß, war nun in der Lage, seine Absicht durchzuführen. Er telephonierte an den Gefängnisdirektor und teilte ihm mit, daß der Ministerrat Samstag vormittag die provisorische Freilassung Leon Daudets, des Geschäftsführers der „Action Francaise" sowie des kommunistischen Generalsekretärs beschlossen habe. Er ersuchte, indem er sich als Unterdirektor des Privatkabinetts des Innenministers ausgab, diesen Befehl sofott auszuführen. In einer Stunde würden alle Formalitäten geregelt werden. Man wolle nur zur VermeiduW von Kundgebungen, daß die drei Inhaftjetten sofort in Freiheit gesetzt werden, damit sie das Gefängnis verlassen hätten, wenn der Beschluß des Ministeriums offiziell bekannt gegeben würde. Als der Unterdirektor des Gefängnisses, der das Gespräch entgegengenommen hotte, dem Direktor hierüber berichtete, wurde dieser stutzig und wollte eine Bestätigung haben. Er telephonierte nach dem Ministerium und bekam natürlich, da die sämtlichen anderen Lettungen immer noch von den Camelots du Roi besetzt waren, mit dem angeblichen Unterdirektor des Kabinetts des Innenministers Verbindung, der nochmals seinen Befehl bestätigte und um sofottige Ausführung ersuchte, damit keine Schwierigkeiten entstünden. Sei doch inzwischen die Press« von dem Beschluß bereits in Kenntnis gesetzt worden. Unter diesen Umständen begab sich der Gefängnisdii sofott in die Zelle Leon Daudets und teilte ihm den Beschlu Ministeriums mit. Leon Daudet weinte vor Freude und um den Gefangnisdirektor. Dieser begleitete ihn und auch der schäftsführer der „Action Francaise", dem die gleiche Mittt zugestellt war, bis zum Tore des Gefängnisses. Dott eine Autodroschke berett, in der Camelots du Roi auf Daudet matteten. Die Kraftdroschke war auf Veranlassung des Gefängni direktvrs requiriett worden. Mi dieser Droschke waren Camelo du Roi in die Nähe des Gefär^nisses gekommen, um Dau! zu erwarten. Die Gefängnisdiener beschlagnahmten die Drosch und geleiteten sie in den Gefängnishof, wo dann Daudet und f« Genosse einstiegen. Auf der Redaktion der „Attion Francais erklätt, man wisse nicht, wohin Leon Daudet sich begeben hal Die Polizei hat mittlerweile begonnen, Nachforschungen a zustellen. Ueberall, auch in den Kaffeehäusern und auf den Straß wird von dem Geniestreich der Jugendorganisation der Roy listen gesprochen. Man kann zugeben, es wird weidlich grlac so unangenehm für die Staatsauiorttat der Zwischenfall a, sein mag. Die Angelegenheit Daudet hat das Justizministerium u das Ministerium des Innern in eine arge Verlegenheit gebrac Poincare ninunt die Angelegenhett ernst und hatte für Samst 7 Uhr abends einen Kabinettsrat einberufrn, über dessen Ergebi bisher nichts verlautet, um über die Maßnahmen zu berat, die getroffen werden müßten. Man darf wohl annehmen, daß über das Ergebnis dieser ministeriellen Beratung nichts veröffentlicht werden wird, aber immerhin wird man ermatten, daß ein Haftbefehl gegen Daudet, dessen Aufenthalt seine politischen Freunde nicht verraten wollen, erlassen werden wird. Die Pariser „Köpenickiade". Paris, 27. Juni. Die mysteriöse Befreiung Daudets aus dem Gefängnis beschäftigt lebhaft die öffentliche Meinung. In oppositionellen Kreisen macht man die Regierung für den neuen Streich der Royalisten verantwortlich. Selbst in gemäßigten Kreisen stellt man fest, daß die neue Affäre keinesfalls zur Erhöhung der Autorität der Regierung beigetragen habe. Der „Matin" richtet scharfe Angriffe gegen das Innenministerium, in dem anscheinend die Feinde der Republik, Royalisten und Kommunisten, ihr Unwesen trieben. Das Blatt erinnert bei dieser Gelegenheit an die vorzeitige Veröffentlichung eines Briefes des Innenministers in der An- gelcgenhet des Kommunisten Doriot. Ueber den gegenwärtigen Aufenthaltsort Daudets und seines Mitarbeiters weiß man noch immer nichts. Ein Droschkenchauffeur will gesehen haben, daß Daudet in einem grünen Automobil davongefahren sei. Man vermutet, daß sich Daudet nach Perpignan begeben hat, wo heute eine große royalistische Versammlung stattsindet. Der mit dem Royalistenführer gleichfalls befreite Semart macht von seinem Aufenthaltsort kein Geheimnis. Er begab sich nach seiner Befreiung zuerst zu seiner Familie und später in die Redaktion der „Humanitee". Dort ist beschlossen worden, baß er sich der Polizei nicht stellen soll. Notwendige Klärung. Mag es absonderlich klingen — Deutschland hat Anlaß, Poincare ein Wort des Dankes zu sagen! Ungeachtet der kleinen Erfolge bei Nebenfragen kamen wir auch bei der letzten Genfer Ratstagung in der für uns wichtigsten Angelegenheit, der Wiedererlangung der deutschen Souveränttät, nicht weiter und die Enttäuschung darüber war im ganzen Reiche gleich groß, bei den gefühls- wie bei den vernunstsmäßigen Anhängern einer Verständigungspolitik. Jedoch die Berhandlungsform, die sich mit der Zeit in Genf herausbildete, die an ostasiatische Bräuche erinnernde, in tausend Höflichkeiten eingewickelte Verschleppungstaktik hätte mit ihrer schleimigen Feuchtigkeit den in der deutschen Meinung glostenden Funken erstickt, wäre nicht der alte Lothringer gewesen, der in seiner Luneviller Rede das französische Friedensgewand abtat und die Rüstung des Hasses wieder einmal zeigte. Dank sei Poincare dafür! Er hat vielleicht dafür gesorgt, daß die Locarnopolttik nicht in einem Sumpfe endet, ihm ist es auf alle Fälle zu danken, daß in Deutschland der glostende Funke zur Flamme wurde! Wenn es je noch eines Beweises dafür bedurft hätte, zu zeigen, daß es nicht die deutschen „Nationalisten" sind, die «ine Verständigung hintanhalten, sondern die französischen, dann wurde dieser Beweis mtt Poincares Luneviller Rede erbracht. Zn Fmnkreich wird diese Rede viel umsttitten, nur hebt sich noch nicht deutlich genug ab, ob der Streit ausbrach wegen grundsätzlicher Ablehnung der Poincare'schen Einstellung oder deshalb, weil- man die Rede vom französischen ^iandpunkt aus als eine taktische Unklugheit ansieht. Jedenfalls kam sie Fmnkreich ungelegen! Für Deutschland aber wirkte sie klärend. So ist denn die Rede Stresemanns im Reichstag im ganzen gesehen zwar eine Darstellung der außenpolitischen Lage unter deutschen Gesichtspunkten, aber sie wuchs darüber hinaus zu einer glänzenden Widerlegung Poinmres und sie muß in ihren Wirkungen zu einem Wendepunkt führen. So wie bisher von unseren früheren Gegnern die Locarnopolitik ausgelegt worden ist, geht es nicht weiter. Der in Deutschland weit vorherrschenden Enttäuschung über den bisherigen Verlauf der Verständigungspolitik ist nun auch von maßgebender amtlicher Stelle Ausdruck gegeben worden, und wenn die Erklärung der Regierungs- patteien fordett, die deutsche Regierung möge neben der kraftvollen Geltendmachung deutscher Rechte ihren ehrlichen Berstän- digungswillen wetter betätigen — was nur zu unterstreichen ist! —, so kann doch, findet Stresemanns Frage nach dem Wege Fmnkreichs nicht die entsprechende deutliche, durch Taten belegte Antwott, auch beim besten und ehrlichsten Willen kein deutscher Staatsmann mehr im Sinne einer Verständigungspolitik arbeiten. Kein deutscher Staatsmann kann und wird dann verlangen können, daß die Mehrheit seines Volkes hinter ihm stehe, und die nächste Folge müßte fein, daß die bisher bereits vorherrschend durch Passivität aktive deutsche Außenpolitik noch mehr passiv wird, um auf diese Weise zu versuchen, für Deutschland zu arbeiten. Fmnkreich hat das Wott! Nicht Poincare, nicht Briand, sondern Fmnkreich. Es hat oft genug so ausgesehen, als fei bei Briand ein ehrlicher - Wille vorhanden, der nur die Schwierigkeiten im eigenen Lande überwinden müsse. Nun aber ist die Grenze erreicht, wo daran zu glauben erlaubt ist, denn ein Staatsmann wird unmöglich, wenn er auf die Dauer nicht versucht, seinen laut verkündeten Zielen durch praktische Arbeit näher zu kommen. Stresemanns Rede gibt Briand — wenn er ehrlichen Willens ist! — die Handhabe, für das von ihm mit Worten laut und lange genug vettretene Locarnoprogramm einzuspringen,- fängt der französische Außenminister den ihm am Donnerstag von seinem Berliner Kollegen zugeworfenen Ball auf, dann kann die Wendung kommen, die notwendig ist, um die Entwicklung vomnzubringen. Ei« wahres Geschichtchen. Es war am letzten Markttag in O. Der Viehmarkt war bereits verlaufen, die letzte» Stücke Vieh wurden nach dem Bahnhof getrieben. Da führte eine Bauersfrau in pressierter Gangart ihr Vüble zur Hauptstraße hinaus. Wie ein Fohlen, das die Kolik hat, trippelte bas Büble neben der Mutter her und schnitt bisweilen fürchterliche Grimassen. Kurz entschlossen steuert die besorgte Mutter auf eine Frau los, die eben ihr Haus verläßt und fragt sie, ob das Bübl» in ihrem Haus net „ebbis macha" könnt. Aber selbstverständlich, so viele Menschenfreunölicheit hat man immer und Eine Basis für eine Einigung? Die deutsch-französischen Handclsoertragsvcrhandlungen. Paris, 26. Juni. Wie die Presse mitteilt, ist es gestern in der Nachtsitzung zwischen der deutschen und der französischen Handelsdelegation gelungen, eine Basis zu finden, die Ausfichten für eine Verlängerung des Ende dieses Monats ablaufenden Provisoriums eröffnet. Eine Anzahl von Eoentualvorschlägen ist aus- gearbeitct und von der deutschen Delegation sofort zur Meinungsäußerung nach Berlin telegraphiett worden. Die Fühlungnahme zwischen den beiden Delegationen bleibt aufrecht erhalten und die Verhandlungen dauern fort, doch erklärt man in französischen Kreisen, daß die sachlichen Gegensätze immer noch so groß seien, daß mit einer schnellen Einigung auch im besten Falle nicht gerechnet werden könnte. Fortsetzung der Raumungsverhandlungen Paris, 28. Juni. Die Berliner Meldung, die davon spricht, daß General von Pawelz in der nächsten Woche die Berliner militärischen Sachverständigen der Alliierten um einen Kontrollbesuch der Ostbefestigungen ersuchen werde, findet in Paris eine gute Presse. Man gewinnt den Eindruck — so schreibt „Paris Midi" —, daß die Reichsregierung tatsächlich ihren guten Willen beweisen wolle, von dem Dr. Stresemann am Donnerstag sprach. Man glaube in Paris, daß die Reichsregierung, sobald die Kontrolle der Ostbefestigungen beendet sei, ein offizielles Ersuchen auf Verminderung der Rheinlandtruppen stellen werbe. Me Krankheit Brianös und des deutschen Botschafters von Hoesch erschweren jedoch die diplomatischen Verhandlungen zwischen Berlin und Paris, die in den nächsten Tagen über die Fortsetzung der Locarnopolitik beginnen sollen. Eine französische Stimme sür die Rheinlandränmnng. Paris, 27. Juni. Das Blatt Caillaux', die „Volontce", ergreift heute energisch Partei für die Rheinlandräumung. Tie Besetzung des Rheinlandes stehe jeder praktischen Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich im Wege. Beide Länder müßten sich in den Verhandlungen über eine Zusammenarbeit als gleichberechtigte Partner gegenüberstehen. Wer diesen Grundsatz ablehnc, lehne auch die Politik von Locarno ab und versperre den Weg zum, Frieden. Deutschland sei trotz der Enttäuschungen, die es in den letzten Monaten erlebt habe, der Politik von Locarno treu geblieben. Es schlage jede kriegerische Absicht nicht nur gegen Frankreich, sondern auch gegen Polen aus. In vollem Einverständnis mit seinen Ministerkollegen habe Stresemann jeden Revanchcgedanken ohne Vorbedingung abgelehnt. In der Frage der Tawcszahlungen habe Frankreich gleichfalls keinen Grund, sich zu beklagen, da der Generalagent jüngst betont habe, daß Deutschland seine Zahlungen einwandfrei leiste. Weitere Stimmen zur Stresemann-Rede Guter Eindruck der Strcsemauurede i« London. Loudou, 27. Juni. Tic Reichstagsrede Dr. Stresemanns und besonders der Teil seiner Ausführungen, der sich an die Adresse Poincares richtete, hat — wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" feststellt — in London einen sehr guten Eindruck gemacht. Seine Argumente seien sowohl im Ton als auch inhaltlich unanfechtbar gewesen. Eine seltene Kombination, von Festigkeit und Würde gepaart. Stresemanns Logik sei unangreifbar, in ihrer Art aber mehr französisch als deutsch gewesen. Bedauerlicherweise würden die auf dem Spiel stehenden Tinge durch den rethorischen Wettbewerb jedoch nicht geregelt, sondern bildeten für Europa wieder einmal Gegenstand großer Unruhe. Bemerkenswert sei auch die außerordentliche Bedeutung, die die amerikanische Regierung der Rede Poincares in Luneville sofort beigclegt habe. Nr. 108. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Montag, den 27. Juni 1927. Der „Evening Standard" erklärt, daß die Frage des Reichsaußenministers „Quo vadis, Gallia?" den Franzosen zu denken gebe. Es sei längere Zeit her, seit eine Aeuße- rung eines ausländischen Staatsmannes eine derartige Wirkung gehabt habe. De.r Reichsaußenminister habe sein Bestes getan, es Poincare schwierig zu machen, einer Antwort ans die definitive Frage: „Seid ihr für die Ruhr — oder für Loarno?" auszuweichen. Man müsse jedoch annehmen, daß Frankreich diese Antwort dennoch versagen werde oder vielmehr, daß Poincares Antwort dahin lauten werde, daß er für Locarno eintrcte, trotzdem er das Zueinanöergehören der Ruhr- und Locarnopolitik auch weiter betone. Zum Schluß glaubt das Blatt berichten zu können, daß Briand und Poincare sich bereits geeinigt hätten und zwar insofern, als Briand der Politik Poincarcs zugestimmt habe und weder eine Räumung des Rheinlandes noch eine weitere Reduzierung der Besatzungstruppen erfolgen werde. Die tschechische Prefle znr Stresemannrcde. Prag, 27. Juni. Das Rededuell Poincars — Siresemann wird in der tschechischen Preffe auffallend wenig kommentiert Bemerkonswert ist kste Feststellung der „Tribuna", daß die Stresemannrebe dem Locarnostanöpunkt bedeutend näher komme als die Ausführungen Poincarös, der sich der Vergangenheit zugewendet habe. Die Rede Dr. Stresemanns sei sehr klar gewesen, und Hobe den festen Willen gezeigt, die Zukunft auf neuen Nr erlagen und neuem Boden aufzubauen. Es sei zu hoffen daß bald eine Entscheidung kommen werde und zwar in einer Weise, die einzig und allein die Erhaltung des Friedens in Europa garantieren würde, eine Entscheidung für Siresemann und gegen Pomcar< Entspannung auf dem Balkan. Die direkten Verhandlungen zwischen Rom und Belgrad beginnen. Belgrad, 26. Juni. Wie Ihr Berichterstatter von gut informierter Stelle des jugoslawischen Außenamtes erfährt, haben heute die schon lange angekündigten direkten Verhandlungen zwischen Jugoslawien und Italien begonnen. Heute vormittag verhandelte Mussolini in Rom mit dem jugoslawischen Gesandten Rakitsch. Nachmittags besuchte der italienische Gesandte in Belgrad, General Bordrero, den jugoslawischen Außenminister Marin- kowitsch. In unterrichteten Kreisen verlautet, Italien sei diesmal bereit, mit Jugoslawien auch in Verhandlungen über den Vertrag von Tirana einzutreten. Es sei nicht ausgeschlossen, daß Jugoslawien dem Vertrag von Tirana bestritt. Als Gegenleistung für seine Zustimmung verlangt aber Italien, daß Jugoslawien die Konvention von Nettuno mtifiziert. Minderheitenblock in Rumänien. Bukarests 25. Juni. Kürzlich haben die Polksräte der deutschen Siedlungsgebiete Rumäniens die Blockpolttik gutgeheißen. Das will sagen: Aus der Regierungskrise, der Ausschreibung von Neuwahlen und der politischen Isoliertheit der volklichen Minderheiten beginnt .ein Minderheitenblock aufzusteigen. Womit ein neuer Weg beschritten wird. Leider ist der Block zunächst nicht vollständig; ich glaube nämlich nicht, daß ihm von den fünf Millionen Minoritäten Rumäniens mehf'als etwa zwei Millionen praktisch jang-ehören werden. Bis 14. Juni war man deutscherseits unschlüssig süber die einzuschlagende Politik. Am 14. kamen die bisherigen Parlamentarier in Bukarest zusammen, am 15: verstärkten sie sich durch die Obmänner der Volksräte, Beschlossen ward Aufrichtung des Blocks, da man schon um die ungarische Geneigtheit dazu wußte. Ukrainischer- und bulga- rischerseits lagen Erklärungen vor, die das Mitgehen von Teilen dieser Nationen ierhoffen lassen. Das nächste Ziel des Blockes ist, aus den Mahlen nicht ganz vertreterlos hervorzugehen. In der Zukunft wird er die gemeinsamen Interessen der Minderheiten also vor allem Verteidigung der Volkstümer gegen die Romani- sierung, zu wahren suchen und an seiner Ausgestaltung bauen. Es ist das erstemal, daß das Deutschtum in Rumänien, aus sich und minderheitliche Mitkämpfer gestellt, in einen Wahlkamps tritt. Seine ersten rumänischen Wahlen machte es in Anlehnung an die Regierungsparteien, die zweiten nicht ohne rumänische Waffenbrüderschaft, die drttten zum Teil verbündet mit der liberalen Regierung, die vierten auf Grund von mit der Regierungsmehrheit gekoppelten Listen. Durch diese Wahlfreundschaften sicherte es sich jedesmal eine erträgliche Anzahl Kammer- und Senatsmandate. Der Kulturkampf in Mexiko. Paris, 24. Juni. Die Pariser Croix berichtet grauenhafte Einzelheiten über die Kirchenvrrfolgung in Mexiko. In Zaratecas wurde der Pater Eorrea, der die Wegzehrung zu einigen Kranken trug, trotz aller Vorsichtsmaßregeln von einem Trupp Soldaten erkannt und festgenommen. Der General befahl den bereits fest- genommenen Katholiken, bei dem Pater zu beichten, da sie unverzüglich erschossen würden. Dann ließ der General sofort den Priester füsilieren. Im Hause eines Schuhmachers, wo er sich verborgen hielt, wurde Pater Raphael Chovel gefangen genommen und nicdergeschossen, ebenso der Schuhmacher, Pater von acht Kindern. Bei Lagos wurde Pater Iscote gemartert und dann hingerichtet. Die belgische« Dokumente znr Kriegsschnldsrage. Brnffel, 25. Juni. Die belgische Regierung veröffentlicht heute das Dokument, aus dem hervorgehen soll, daß die Anlage von Befestigungen durch Belgien im Maastal keinerlei Verstoß gegen Belgiens Neutralität gewesen sei. Das Dokument besteht in der Hauptsache aus einem Brief Kaiser Wilhelms I., den dieser an den König Leopold II. gerichtet hatte und in dem er lebhaftes Jnteresie an der Landesverteidigung Belgiens nahm. Der Chorzow-Streit vor dem Haager Gerichtshof Amsterdam, 27. Juni. In der Samstags-Verhandlung im deutsch-polnischen Streit wegen der Stickstoffwerke von Chorzow erwiderte der polnische Vertreter zunächst auf die Freitagsrede des Vertreters der deutschen Jnteresien, worauf Professor Kaufmann-Bonn nochmals das Wort zur Replik ergriff. Hierauf vertagte sich der Gerichtshof bis zur Erkennung des Urteils, das in etwa 8—10 Tagen erfolgen soll. In der heutigen Verhandlung waren auch der polnische und der deutsche Gesandte anwesend. Das Scheiter« der polnische« Anleiheverhandlungen. Warscha«, 27. Juni. Das Scheitern der polnischen An- leiheverhandlungcn mit der amerikanischen Finanzgruppe Blair u. Co. wird von amtlicher Seite immer noch nicht zugegeben. Die amtliche polnische Telegraphenagentur veröffentlichte am Sonntag ein Dementi, in dem die Nachricht von dem Ablruch der Verhandlungen als falsch bezeichnet und erklärt wird, daß die Regierung noch keine Erklärung über den Stand der Verhandlungen abgeben könne. Die Form dieses Dementis dürfte einer Bestätigung der gestrigen Meldung gleichkommen. Die Abrüstungssrage Amerikanische Zurückhaltnng gegenüber den japanische« Vorschläge». Renyork, 27. Juni. Amtlich wird erklärt, daß Washington offiziell nichts von dem japanischen Plan wisse, den Abschluß eines japanisch-amerikanischen Locarnopaktes für das Gebiet des Stillen Ozeans vorzuschlagen. Aber selbst, wenn die darüber vorliegenden Meldungen zutreffend sein sollten, so müßte doch festgestellt werden, daß ein derartiger Plan in Genf nichts zu tun habe, da auf der dortigen Konferenz nur Rüstungsbeschränkungen zur Debatte ständen. Ein solcher Vorschlag würde daher auch kaum den Abschluß eines amerikanisch-japanischen Kompromisses in der Frage der Rüstungsbeschränkungen erlei^i.'rn können. Washington werde, falls ein solcher japa-sicher Schritt erfolgen sollte, demgegenüber die gleiche Politik der freundschaftlichen Verständigung einschlagen wie gegenüber dem Plan Briands, der trotzdem für überflüssig gehalten werde. Höhere Mehlzölle ab 1. 3uli. Verteuerung der Mehleinfuhr aus Amerika. Berlin, 25. Juni. Durch die Nichtverlängerung des deutsch- fmnzösischen Handelsabkommens tritt mit dem 1. Juli automatisch eine Erhöhung der jetzt geltenden Mehlzölle um 1 RMl. von jetzt 11.50 auf 12.50 RM. in Kraft. Das nicht rechtzeitig erneuerte Handelsabkommen mit Frankreich sah einen Ber- tragszoll von 11.50 RM. vor, während der autonome Zoll des jetzt gültigen Tarifes 12,50 RM. beträgt. Wenn auch für den Verkehr mit Frankreich die Höhe des. Mehlzolls keine wesentliche Rolle spielt, so hat doch die Frage eine wesentliche Bedeutung, als die Vereinigten Staaten von Amerika mit Deutschland einen Meistbegünstigungsvertrag haben. Nachdem nun kein anderes Land einen geringeren Mehleinfuhrzoll, als im Tarif vorgesehen, im Verkehr mit Deutschland mehr genießt, muß auch das amerikanische, nach Deutschland gelangende Mehl zum Satz von 12.50 RM. verzollt werden. Ausweislich der Außenhandelsstatistik für Mai war die Einfuhr amerikanischer Mehle im vergangenen Monat nicht unbedeutend. Zu dem Thema: „Weltwirtschaftskonferenz und deutsche Zollvorlage" entnehmen wir aus der Begründung des Gesetzentwurfes über Zolländerungen, den die Reichsregierung soeben dem Reichsrat hat zugehen lassen, folgendes: „In den Beschlüssen der Welt- wirtschastskonferenz kommt die Tendenz zum Ausdruck, daß ein allgemeiner Abbau des Zollniveaus wünschenswert ist. Dieser Auffassung will die Reichsregierung dadurch Rechnung tragen, daß sie den Reichswirtschastsrat ersucht, sofort in Beratungen darüber einzutreten, welche Zollpositionen autonom ermäßigt werden können. Darüber hinaus soll auch mit den Bertragsländern in Verbindung getreten werden, um durch neue Verhandlungen beiderseitige Bertmgsfätze ebenfalls zu senken. Wenn hiermit die Reichsregierung den Beschlüssen der Weltwirtschaftskonferenz weitgehend Rechnung trägt, so befindet sie sich außerdem in enger Uebereinstimmung mit der gemde für die Landwirtschaft gefaßten Resolutionen, wenn sie vorschlägt, den Kartoffelzoll zu erhöhen." Dr. Dorpmüller über Ausnahmetarife. Berlin, 25. Juni. Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, hielt in der Weltwirtschaftlichen Gesellschaft einen Bortrag, in dem er die Aufgabe der Reichsbahn im europäischen Wirtschaftsverkehr eingehend behandelte. Er sagte u. a.: Bon besonderer Wichtigkeit für unsere Beziehungen mit dem Auslande ist die Frage der Tarife, die wieder für Einfuhr und Ausfuhr von Rohstoffen von großer Bedeutung ist. Direkte internationale Tarife mit durchgehenden, in einer festen Währung bezifferten Frachtsätzen sind ein Erfordernis, das besonders durch die schwankenden Währungen sich als notwendig herausgestellt hat. Direkte Tarife haben sich jedoch bisher nur im Berkehr mit Ländern mit fester Währung erzielen lassen, nicht aber mit Ländern, deren Währung noch schwankend ist, wie z. B. Frankreich, Italien und Belgien. Im Zusammenhang mit der Frage der Tarife ist die Frage der Durchführausnahmetarife wichtig. Es handelt sich hier um Ausnahmetarife für den Durchgangsverkehr durch Deutschland. Die Reichsbahn hat hier Maßnahmen treffen müssen, um es sicherzustellen, daß Deutschland nicht aus tarifpolitischen Gründen umfahren wird, was zu einer Schädigung der deutschen Eisenbahn führen würde. Einen Schaden hat die deutsche Volkswirtschaft durch diese Tarife bisher aber nicht gehabt. Die Durchfuhrausnahmetarife werden aufgehoben werden, sowie die allgemeine Einführung der direkten internationalen Tarife sichergestellt ist. Der Grosavescu-Prozetz in Wien Wien, 27. Juni. Im Grosavescu-Prozrß erklärte am Samstag der Staatsanwalt, daß die Schuldfrage mit dem vorbedachten Mord beantwortet werden müßte. Dem Gerichtshof stelle er es anheim, die Eventualfrage auf Totschlag zu stellen, da die Sinnesverwirrung der Angeklagten mit berücksichtigt werden könne. Der Verteidiger Dr. Sieger antwortete darauf, daß nach seiner Ansicht das Gericht nur zwischen einer vorbedachten Tat und einer im Zustand der Sinnesverwirrung begangenen zu entscheiden habe. Vor dem Plaiöoyer des Staatsanwalts wurde noch der Brief eines Arztes aus Temesvar verlesen, aus dem hervorgeht, daß Grosavescu die Absicht hatte, sich von seiner Frau scheiden zu lasten, nachdem diese auf ihn mit einem Rasiermeffer losgegangen war. Der Temesvarer Arzt war auch zwecks Durchführung der Ehescheidung von Grosavescu nach Wien gerufen worden. Bei seiner Ankunft in Wien trat ihm jedoch das Ehepaar Grosavescu versöhnt gegenüber. Der Gerichtspsychiater, Hofrat Dr. Hövel, gab sein Gutachten dahingehend ab, daß Grosavescu als Masochist seiner Frau wie ein Skave blind ergeben war. Frau Grosavescu, intelligent, selbstbewußt und energisch, war die maskuline Frau und wenig ervtifch, sowie wenig äußerlich eingestellt. Grosevescu ging in seiner Ergebenheit so weit, daß er seiner Frau die Bitte vorlegte, ihn unter Curatell stellen zu lassen. Der Masochismus Grosavescus sei nicht zu beschreiben. Andererseits war Frau Grosavescu von ungeheuerer Eifersucht beseelt, die sich noch steigerte, als sie eine Fehlgeburt durchmachen mußte. Grosavescu begann eigene Wege zu gehen. Zu bemerken sei noch, daß der Künstler bisexuell veranlagt war. Das Plädoyer im Prozeß Grosaoefc«. Wien, 25. Juni. Nachdem zu Beginn der heutigen Verhandlung im Grosavescu-Prozetz den Geschworenen vor dicht besetztem Auditorium eine Hauptfrage auf Mord, eine Eventualfrage auf Totschlag, sowie zwei Zusatzfragen auf Sinncs- zerrrüttung und Seelenverwirrung der Angeklagten bei Begehung der Tat vorgelegt worden waren, ergriff der Staatsanwalt das Wort zu seinem Plädoyer. Von der Rolle ausgehend, die Trajan Grosavescu am Vorabend seines Todes als Herzog in „Rigoletto" spielte, bezeichnet der Staatsanwalt die Verse „Ach, wie so trügerisch . .." als das Motto für das Drama Grosavescu, aleichzeing aber auch als einen Analol Wangerin Ein Roman für jung und all von Amanda Klock. 29) (Nachdruck verboten.) Die Bahnhofsglocke, welche die Abfahrt verkündete, läutete zum ersten Male. Anatol nahm Tasche und Sonnenschirm und begab sich auf den Perron. Ein zierlicher, geschniegelter, mittelgroßer Mensch, von Beruf vielleicht Friseur oder Schneider, drängte sich an seine Seite, lobte die Schönheit seiner Züge und plapperte eine Menge anderes Zeug, von dem Anatol wenig verstand. Er blieb wortkarg und zurückhaltend; immer besorgt, immer Gefahr fürchtend, wollte er sich über Zweck und Ziel seiner Reise nicht aussprechen. Konnte er nicht ganz gut mit einem Bekannten der Heizerfamilie zusammen reisen, ohne es zu ahnen? Außerdem gefiel ihm der aufdringliche Mensch auch sonst keineswegs. Endlich ertönte das dritte Signal. Der Schaffner, ein freundlicher, bärtiger Mann, welcher bemerkte, wie lästig dem »jungen Mädchen" der ungebetene Gesellschafter war, sagte väterlich freundlich: »Komme,c Sie ins Frauenkupee, liebes Fräulein, da sind Sie vor dem grünen Bürschchen sicher." Aber die Frauenabteilung war bis auf den legten Plag besetzt, und so mußte Anatol in einem anderen Wagen Unterkunft erhalten. Glücklich, hier angelangt zu sein, zog er vorerst den heißen Paletot ab und präsentierte sich nun schlank und schmächtig im bloßen Kleide mit weißer Halskrause. In dieser Abteilung saß niemand weiter als ein junges Mädchen, und zwar ein wirkliches, kein verkleidetes, nebst zwei kleinen Kindern und einem sehr hübschen, braungelben Wachtelhündchen. Das junge Mädchen, welches auf Anatols Gruß sehr herzlich gedankt, erzählte ihm sogleich, daß sie die Bonne der Kleinen sei und mit ihnen und dem Hündchen von den Großeltern der Kinder komme, um sie alle drei wieder nach Hause zu bringen. Die gnädige Frau sei schon den ganzen Sommer krank, weshalb man die kleinen Lärmmacher habe iort- schaffen müssen. Eben setzte sich der Zug in Bewegung, als der junge Mensch mit dem Spazierstock und dem Köfferchen sich ins Kupee schwang. Anatol lehnte sich schnell in eine Ecke und stellte sich schlafend. Der Neuangekommene verschwendete nun eine Reihe Artigkeiten an die Bonne, doch auch dieser gefiel er nicht, sie anwortete immer einsilbiger und schließlich gar nicht mehr. In heftigem Aergex begann der unbequeme Fahrgast nun alle möglichen Spöttereien über das weibliche Geschlecht zu ergießen, wurde sogar persönlich anzüglich, so daß das junge Mädchen ihn wiederholt bat, sie in Ruhe zu lasten, sie würde sich sonst beim Schaffner beschweren. Das nahm der dreiste Geselle aber erst recht übel, er drohte den Kindern mit dem Stock und neckte das Hündchen, welches die Bonne auf dem Schoß hielt. Länger konnte sich Anatol, der durch die Augenwimpern blinzelnd, alles mit ansah, nicht mehr beherrschen. „Verhalten Sie sich doch endlich anständig; Sie sehen ja, daß das Fräulein nichts mit Ihnen zu tun haben will!" rief er heftig. Der Mensch lachte höhnisch. »Von dummen Gänsen laß ich mich nicht einschüchtern." Er packte das Hündchen bei einem seiner lockigen Oehr- chen und schlug mit seinem Stock nach dem niedlichen Tier. „Losgelassen!" schrie Anatol. Er konnte ein Unrecht nicht schweigend mit ansehen, tat man es nun einem Menschen oder einem Tier an. Der Bursche lachte noch lauter und hielt dckn Hündchen seine brennende Zigarette an die Nüstern. Das verbrannte Tierchen schrie schrill aus — nun schrie »ud) das junge Mädchen und die Kinder. „Nichtswürdiger!" tönte es entrüstet von Anatols Lippen. Mit Blitzesschnelle sprang er aus, raffte seine Kleider joch, steckte sie in den Gürtel, streifte die Aermel zurück wie -in Boxer und schnellte auf den vor Schreck ganz perplexen Attentäter zu. Ihn von hinten am Kragen packend, drückte ;r ihn zu Boden, entriß ihm den Spozierstock und bläute solange mit reifer Kraft auf ihn ein, bis dieser, um Gnade bettelnd, versprach, sich ganz ruhig und anständig verhalten ;u wollen. Hierauf verließ sich Anatol aber nicht, er hielt den Besiegten noch einige Minuten fest, bis der Zug die nächste Station erreicht, und als der Schaffner die Tür öffnete, drängte er den Burschen nicht übertrieben sanft hinaus, dem verwunderten Beamten einige erklärende Worte sagend. Nun wusch dieser ihm auch seinerseits noch gehörig den Kopf und lobte den Mut „der tapferen Jungfrau", die nicht erst die Notleine gezogen, sondern gleich selbst die Gerechtigkeit in die Hand genommen. Anatol warf ihm seine Effekten zu, die jener auffing, wie ein Hund den Knochen. So, nun war die Ruhe wieder hergestellt. Einige Stunden später stieg die Bonne mit ihren Schutzbefohlenen aus, sich noch einmal für den mutigen Eingriff bedankend, und Anatol fühlte sich recht einsam, als das junge Leben um ihn verschwunden war. Nach dem mageren Abendessen verspürte er schon lange einen tüchtigen Hunger und wollte sich deshalb eigentlich in Hof am Büfett etwas zu essen kaufen, allein seine kleine Kasse zu schmälern, konnte er sich nicht entschließen, er wollte jeden Pfennig Zusammenhalten für die Zukunft. »Außerdem muß man sich beizeiten an Entbehrungen gewöhnen", sagte sich der junge Philosoph, „denn alles kann man später auch nicht haben, was man möchte, und dann wird das Entsagen nicht mehr gar so schwer." Endlich, um acht Uhr früh, war Station Rutrnstein erreicht. Mit klopfendem Herzen vor dem Ungewissen, das chn hier erwartete, verließ Anatol den Zug und schritt über einen köstlichen Weg, rechts und links von wilden Rosenhecken eingefaßt, nach dem Orte. Welch eine himmlische Natur rings herum — so viel Schönes hatte er in dem flachen Heimatlande nie gesehen. Nr. 108 . Jahrgang 1927. Schlüssel zu dem Wesen der Angeklagten und zu der Rolle, die diese in dem Leben des Künstlers gespielt habe. Als Grosavescu dieses Lied gesungen habe, habe er nicht geahnt, daß es sein Schwanengesang sein würde. Gr. habe zwar ein heldisches Herz gehabt, sei jedoch ein zerrütteter Mensch gewesen, der am nächsten Tage zu seiner neuen Laufbahn nach Berlin habe fahren wollen. Eine Stunde jedoch, bevor er sein Vorhaben, habe ausführen können, sei der tödliche Schutz gefallen. Dieser traurige Fall sei hier ein Sensationsfall geworden. Aber die Geschworenen dürften sich in ihrem Richterspruch durch nichts beirren lasten und die Frage nur nach dem Gesetz beurteilen. Als Gr. nach Berlin habe abreisen wollen, habe seine Frau gefühlt, daß es das Ende ihrer Herrschaft bedeuten würde, wenn sie nicht nach Berlin Nachfahren würde und sie habe darauf bestanden, mitzufahren. Von erotischer Eifersucht sei bei der Angeklagten nichts zu spüren gewesen. Ihre Eifersucht habe mit Liebe nichts zu tun gehabt. Kein Mensch hätte von dieser Frau etwas von wirklicher Liebe erfahren. Kein Funken echter weiblicher Liebe sei in ihrem Herzen gewesen. Auch die Kinder hätten in der ganzen Verhandlung nicht ein einziges Wort der Mutterliebe geäußert. Von Liebe sei bei der Angeklagten keine Rede. Ohne Liebe aber könne es keine Anpassung geben. Was sich bei ihr entwickelt habe, sei reines Machtverlangen gewesen. Was das Kapitel „Stransky" anlange, so glaube er der Angeklagten nicht, daß Frau Stransky ein Verhältnis mit Grosavescu gehabt habe. Wie dem aber auch sei, das, was die Angeklagte vor Gericht gesagt habe, sei bestimmt nicht wahr. Verlogen und erfunden sei alles, was die Angeklagte von der Nebenbuhlerin erzählt habe. Oesterreich sei — so schloß der Staatsanwalt — ein armes Land geworden. Ein Gut habe ihm aber niemand rauben können: das Vertrauen in die Gerechtigkeit der Justiz. Wenn ein Funken der heiligen Flamme des Rechtes in den Geschworenen glühe, so müßten sie aus dem Beratungszimmer mit dem Ausspruch zurückkehren: „Nelly Grosavesen, du bist schuldig des Mordes!" Frau Grosavescu freigesprochen. Wien, 26. Juni. Das Schwurgericht hat Frau Grosavescu von der Anklage des Mordes freigesprochen. Zwölf Geschworenen verneinten einstimmig die Hauptfrage auf Mord, während sie die Frage auf Totschlag ebenso einstimmig bejahten. Die Zusatzfrage auf Geistesverwirrung wurde mit acht gegen fünf Stimmen bejaht. Die Angeklagte nahm das Urteil äußerlich ruhig auf, während im Publikum zum Teil Bravorufe, zum Teil Pfuirufe laut wurden. Feng bricht mit Moskau. Riga, 27. Juni. Wie aus Moskau gemeldet wird, steht der Bruch mit dem Christengeneral Feng und der Sowjet- Regierung nahe bevor. Wenn Feng darauf besteht, daß sämtliche ruffische Offiziere seine Armee verlassen, darunter auch sein Generalstabschef Jegorow. In seiner Eigenschaft als Chef der Militärkommission der Hankauregicrung verlangt er auch die Abweisung» des Hankaubeirates Borodin. General Feng hat inzwischen festgestellt, daß die Rüsten in seiner Armee durch die Bildung von politischen Komitees kommunistische, die Disziplin lockernde Propaganda betrieben haben. Baden. Die Badische Regierung in Berlin Karlsruhe, 27. Juni. Amtlich wird mitgeteilt: In der Badischen Gesandtschaft in Berlin hat am Donnerstag, den 23. d. M., in Anwesenheit sämtlicher Mitglieder der badischen Regierung ein Abendessen stattgefunden. Hierzu sind erschienen der Reichspräsident in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meißner, der Reichskanzler Dr. Marx in Begleitung des Staatssekretärs der Reichskanzlei Dr. Pünder, der Präsident des Reichstages, Löbe, der Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Stresemann, der Reichsminister des Innern Dr. Keudell, der Reichswirtschaftsminister Dr. Cur- tius, der Reichsfinanzminister Dr. Köhler, der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, der Reichspostmiuister Dr. Schätzl, der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Schiele, der Staatssekretär im Reichsinnenministerium Zweigert, der Staatssekretär im Reichsministerium für die besetzten Gebiete Schmid, Nuntius Pacelli, der Vertreter des Reichsrats, Exz. Gesandter von Boden, sowie Vertreter und Gesandte der Länder Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg und Hessen. Am Mittag des gleichen Tages hatte der Reichskanzler Dr. Marx die Mitglieder der Badischen Regierung zu einem Frühstück eingeladen. Die Anwesenheit der Badischen Regierung in Berlin gab Gelegenheit, mit den Mitgliedern der Reichsregierung die verschiedensten politischen Fragen, insbesondere die badischen Wirtschafts- nnd Landesbelange zu besprechen. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 27. Juni. (Sommer-Sonntag). Mit dem Eintritt der Sonne in das Zeichen des Krebses am 21. Juni hat der Sommer seinen Anfang genommen. Gestern war der erste Sommer-Sonntag, aber am Wetter merkte man es durchaus nicht, denn er war in ein herbstliches Grau gehüllt und abends recht kühl. Dem am Abend cinsetzenden Regen ging ein leichtes Schneeflimmern voraus, ein Zeichen dafür, daß in den oberen Luftschichten ein Kältestrom vorherrschte. Diese ganz außergewöhnlichen Witter- ungsverhältniste sind natürlich auch von ungünstigem Einfluß auf das Gedeihen der Gatten- und Feldfrüchte, denen Sonne und Wärme dttngend not tut. ^ Sinsheim, 27. Juni. (Kreispflegeanstalt.) Am Sonntag vor acht Tagen veranstaltete die hiesige Feuerwehrkapelle ein wohlgelungenes Konzert im Gatten der Kreispflegeanstalt, das bei allen Zuhörern reichen Beifall fand. Am gestrigen Sonntag kam der Liederkranz unter Führung seines Dirigenten nach der Anstalt und erfreute durch ganz prachtvoll ausgewählte und vorgetragene Lieder die Herzen der Alten und Kranken. Beide Konzette wurden mit inniger Dankbarkeit von den Pfleglingen der Anstalt ausgenommen. Einen ebenso schönen Lohn aber haben gewiß die Mitwirkenden in sich selbst gefunden, da sie selbstlos ihr Können in den Dienst armer und kranker Menschen gestellt haben. Mögen die Beispicie Nachahmung finden. Die Anstalt wird jederzeit mit Dankbarkeit und Freude es begrüßen, wenn ihren Kranken derattig erquickende Stunden bereitet werden. * Sinsheim, 27. Juni. (Der Badische Landesausschutz für Leibesübungen und Jugendpflege,) der Veranstalter der Deutschen Turn- und Sporlausstellung Karlsruhe 1927, die vom 25. Juni bis io. Juli dauert, ist die Zusammenfassung der Turn-, Spott-, Wunder- und Jugendpflogevereine Badens und umfaßt zurzeit in der Abteilung Leibesübungen 26 Verbände und in der Abteilung Jugendpflege 59 Verbände und Bünde mit zusammen 528 000 Mitgliedern. Er bezweckt die körperliche, geistige und sittliche Erziehung des Volkes in Sonderheit der männlichen und weiblichen Jugend Badens. Sein Ziel ist die Volksgemeinschaft. Zur Erfüllung seines Zweckes betrachtet er es als seine Hauptaufgaben: 1. Die gemeinsamen Interessen und berechtigten Bestrebungen aller ihm angeschlosscnen Verbände bei Regierung und Behörden zu vettreten: 2. Sämtliche Bestrebungen zur Förderung von LeiDer Landbote * Smsheimer Zeitung. besübungen und Jugendpflege zu unterstützen: 3. Bei der Bevölkerung aufklärend zu wirken: 4. Für die Vertiefung der Bewegung und Ausbildung der Führer zu sorgen. Der Landesausschuß besteht aus zwei Abteilungen: a) Leibesübungen, b) Jugendpflege. Jede Abteilung hat einen Arbeitsausschuß von 12 Mitgliedern, die wieder den geschästsführenden Vorstand aus ihren Reihen zu wählen hat. Der 1. Vorsitzende wird, wie die Mitglieder der beiden Abteilungen von der Hauptversammlung gewählt. In 100 badischen Orten bestehen Ottsgruppen, welche dieselben Aufgaben bei ihren Gemeindeverwaltungen wahrzunehmen haben. * Waibstadt, 25. Juni. (Ernteaussichten.) Die günstige Witterung der letzten Tage hat die Heuernte im Schwarzbachtal sehr gefördert. Im unteren Teil des Tales ist diese bereits beendet und im oberen Tal wird dieselbe Ausgangs dieser Woche beendet sein. Das Ergebnis ist befriedigend, so wie auch der Stand der übrigen Feldgewächse gute Ernten verspricht. Auch das Obst- etträgnis dürfte ein gutes werden und zeigen dieses Jahr die Aepfelbäume einen reicheren Behang als die Birnbäume. _L Helmstadt, 24. Juni. (Die Wiesenheu-Ernte) ist beendet. Die Qualität ist gut, die Quantität sehr gering. Es gab dieses Jahr gut ein Drittel weniger. Der Heustock ist nur klein beisammen. An Kleeheumachen ist dieses Jahr nicht zu denken, denn der Klee hat durch Mäusefraß im Herbst und Winter sehr gelitten, sodaß man z. 31. dem Vieh nicht mal genügend Grünfutter anbieten kann. Trotz dieser Futterkalamität haben die Bedarfsgemeinden den Milchpreis ab 1. Juni herabgesetzt. oo Ittlingen, 24. Juni. (Die diesjährige Körung) wurde heute vormittag unter Aufsicht von Bezirksarzt Dr. Stellung durchgeführt. Der Auftrieb hierzu war beachtenswert und stellte den hiesigen Züchtern wieder das beste Zeugnis aus. /X Richen, 24. Juni. (Die Körung) der Zuchtgenossenschaft Eppingen fand heute vormittag vor dem hiesigen Rathaus für unsere Gemeinde statt. Das oorgeführte Material mar durchschnittlich sehr gut. Fast alle oorgefühtten Stuten konnten mit dem Berbandswappen an der linken Halsseite zum Zeichen der Zuchttauglichkeit versehen werden. /X Richen, 25. Juni. (Das Gausängerfest.) In zwei Wochen findet das Gausängerfest des Elsenz-Sängergaues, verbunden mit großem Gesanzswettstreit, in Richen aus Anlaß des 25 jährigen Iubiläumsfestes des Gesangvereins „Eintracht" statt. Zu den 13 Vereinen, die sich bei der Delegiertentagung angemeldet haben, haben sich nun noch weitere fünf Vereine gemeldet, so daß sich nunmehr nahezu 1000 Sänger am Wettgesang beteiligen werden. Dem festgebenden Verein sind zahlreiche wettvolle Ehrenpreise gestiftet worden, darunter zwei Amerikanerpreise. Es ist hierdurch ermöglicht, jedem wettsingenden Verein einen Ehrenpreis überreichen zu können. Die Preise sind im Schaufenster des Schuhmachermeisters Wilhelm Geiger an der Hauptstraße hier ausgestellt. Eppingen, 25. Juni. (Gemäldeausstellung eines Karlsruher Künstlers.) Kunstmaler Richard Dilger aus Karlsruhe, dessen Ausstellung im Schaufenster des Schuhhauses Kurz Beachtung gefunden, hat zur Zeit im Schaufenster der Buchhandlung Kepner am Marktplatz eine weitere Auswahl feiner Bilder ausgestellt. Er war Meisterschüler des bekannten Professors Behr der Badischen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe, der ihm viel von der vornehmen Harmonie seiner kühlen Palette mitgegeben hat. Richard Dilger ist ein alemannischer Träumer, die extremen modernen Kunstrichtungen haben über ihn keine Macht gewonnen. Er ist in der Hauptsache Landschaftsmaler und holt seine Motive aus der Umgebung von Karlsruhe, aus seiner Heimat Stühlingen. vom Bodensee usw. Auch unser malerisches Elsenzstädtchen Eppingen hat ihn zu einer Anzahl wohlgelungs- ner Studien angeregt. Seine Naturverbundenheit kommt in den Bildern „Bachmühle", „Vorfrühling", „Schloßberg in Frühlingsstimmung", „Bootshafen von Allensbach", „Frühlingslandschaft" u. a. kraftvoll zum Ausdruck. ~ Eppingen, 25. Juni. (Der hiesige Bürgerausschuß) genehmigte verbilligte Baudarlehen unter der Beoingung, daß die Bauten im Jahre 1927 mindestens im Rohbau fettiggestellt werden. An verbilligten Baudarlehen hat die Stadt in den letzten beiden Jahren 170 000 RM. gewähtt. Eine Darlehensaufnahme von 40 000 RM. zur Rückzahlung öffentlicher Baukostenbeihilfen und Grundstockserwerbung wurde genehmigt, desgleichen wurde der Wettzuwachssteuer und der Höherstufung eines städtischen Beamten zugestimmt. ** Freiburg, 27. Juni. Der Oberingenieur Zaschka, der gegenwärtig in Berlin-Johannisthal Versuche mit einem neuartigen Rotationsslugzeug ausführt, ist ein geborener Freiburger. ** Freivurg, 27. Juni. (Unfall.) Ein 84 Jahre alter Herr wurde von einem 18jährigen Mädchen mit dem Fahrrad angefahren. Er stürzte dabei hin und erlitt eine Gehirnerschütterung sowie einen Bruch des Unterarmes. Die Radfahrerin fuhr, ohne sich um den am Boden Liegenden zu kümmern, davon. ** Freiburg, 27. Juni. (Messerheld.) Ein 19 Jahre alter Händler stach im Verlaufe eines Streites auf einen Schloster und einen anderen Händler ein. Die Verletzten mußten in die Freiburger Klinik gebracht werden. Der Mesterheld wurde verhaftet. ** Freivurg, 23. Juni. (Eine Verordnung des erz- bischöflichen Ordinariats.) Zu den kirchlichen Einigungsbestrebungen nimmt das Erzbischöfliche Ordinariat im neuesten AnzeigSblatt der Erzdiözese Stellung und wendet sich dabei gegen den .Hochkirchlich-ökumenischen Bunde", der das Ziel verfolgte, insbesondere die drei hauptsächlichsten christlichen Gemeinschaften, nämlich die römisch-katholische Kirche, die orientalisch-schismatischen Kirchen und die evangelischprotestantische Konfeffion einer Einigung entgegenführen will. Die Grundlage dieser Vereinigung soll der Glaube der fünf ersten christlichen Jahrhunderte sein. — Hierzu erklärt das Erzb. Ordinariat: So wünschenswert auch die Bereinigung aller an Christus Glaubenden in der einen von ihm gestifteten Kirche ist, und so sehr wir das Gebet um diese Einigung und die Arbeit für sie empfehlen, so müffen wir doch vor diesen und ähnlichen Einigungsbestrebunen warnen, welche den katholischen Glauben auf eine ältere Form zurückführen und deffen ausdrückliches Bekenntnis verkürzen und verstümmeln möchten. ** Freibnrg. 27. Juni. (Münsterbauverein). Der Geschäftsbericht des Freiburger Münsterbauvereins für das Jahr 1926 gibt die Zahl der Vcreinsmitglieöer am Schluß des Berichtsjahres mit 1060 an. Ter Bericht gedenkt dankend der Zuwendung des badischen Staates für die Jahre 1926/27 mit 15 000 Mart gegenüber früher 4 500 Mark, sowie der Zuwendung der Kreisversammlung, die für das Jahr 196 einen Beitrag in Höhe von 3000 Mark für die Wiederherstellungsarbeiten am Freiburger Münster bewilligte. Andererseits sagt jedoch der Geschäftsbericht auch, daß trotz dieser erfreulichen Erhöhung der Zuschüffe und trotz der dadurch herbeigeführten beweglichen Arbeitsgestaltung viele der dringenden notwendigen Arbeiten nicht ausgeführt werden konnten. ** Müllheim, 27. Juni. (Tie Studentenmensur in Hach.) Bor dem hiesigen Amtsgericht hatte sich die Wirtin des „Zähringer Hofes" in Hach wegen Begünstigung von StuMontag, den 27. Juni 1927. dentenmensuren zu verantworten. Die Anklage warf ihr vor, sie habe am 14. Dezember v. I. im Saale ihrer Wirtschaft die Abhaltung von studentischen Mensuren geduldet. Bei der Vernehmung erklärte sie, daß sie um Ueberlastung des Saales für etwa 200 Studenten zum Zwecke einer Aufführung angegangen worden fei. Tatsächlich seien auch an dem fraglichen Tage etwa 150 Studenten angekommen, die zum Teil mit Gepäck versehen gewesen seien. Sie als Wirtin habe alle Hände voll zu tun gehabt, um die Bedienung ihrer Gäste sicher zu stellen, habe daher auch von dem, was die Studenten taten, keinerlei Notiz nehmen können. Zwei Aushilfspersonen hätten aber die Gendarmerie nachmittags benachrichtigt, die aber an der Vornahme von Feststellungen durch die Studenten verhindert worden sei. Den Hauptbeteiligten gelang es, rechtzeitig die Wirtschaft zu verlaßen, so baß nur einige Schläger beschlagnahmt werden konnten. Tie Wirtin wurde freiApsprochen, die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. ** Seefelden (Amt Müllheim). 27. Juni. (Teures Heu.) 450 Ar Heugras wurden hier versteigert und zwar zu außerordentlich hohen Preisen. Der Preis wurde von 1,50 Mk. auf 4 Mark in die Höhe getrieben, während man sonst als höchsten Preis 3 Mark bisher gehört hat. ** Säckingen. 27. Jun. (Tagung der Kreöitgenofsen- schaften). Letzter Tage fand hier der diesjährige Verbanös- tag der oberbabischen Kreditgenossenschaften statt. Aus dem Bericht des stellvertretenden Verbandsdirektors ist zu entnehmen, daß die Genoffenschaften des oberbadischen Unterverbandes im verflossenen Geschäftsjahr einen nennenswerten Aufschwung zu verzeichnen haben, der sich auch im laufenden Geschäftsjahr fortsetzt. Die Kontokorrent- und Spareinlagen bei diesen Instituten sind gegenüber dem Jahre 1925 um rund 80 Prozent gewachsen. Die Kreditgenossenschaften des Verbandes zählen rund 27 000 Mitglieder und die 40 Genossenschaften des Verbandes führten etwas über 30 000 Konti. Für den verstorbenen Verbandsdirektor Ad. Wilser in Karlsruhe wurde Emil Sepp, Direktor der Freiburger Gewerbebank, als Verbandsdirektor gewählt. Als erster Stellvertreter ging aus der Wahl hervor Bankdirek- Bankdirektor Friedrich Sturm-Lörrach. Als nächster Ta- tor Heidinger-Konstonz, und als zweiter Stellvertreter gungsort wurde Triberg bestimmt. ** Villingen, 27. Juni. (Zum Lohnstreit in der Uhrenindustrie). Der am 15. Juni vom Schlichtungsausschuß Rottweil gefällte Schiedsspruch in der Uhrenindustrie über die Arbeitszeitregelung und den Urlaub wurde von den Arbeitgebern angenommen. Es ist zu erwarten, daß auch von Arbeitnehmerseite zugestimmt wird, wenn auch noch nicht alle Gewerkschaften die Annahme ausgesprochen haben. Damit wäre der Streit um Urlaub und Arbeitszeit bis zum 31. März 1928 erledigt. ** Pfasfenweiler (Amt Villingen), 27. Juni. (Ter verlorene Sohni. Wiedergciunden hat sich der 17jährige Sohn eines hiesigen Landwirts, der seit Anfang Mai vermißt war. Derselbe hatte sich von seiner Lehrstelle in Offenburg entfernt jrmr «unina' worden und seither verschwunden. Als sich dieser Tage seine Eltern ins Feld begeben wollten, bemerkten sie ein Geräusch in der Scheune, gingen ihm nach und alsbald stand der Vermißte vor ihnen. Er hatte sich augenscheinlich die ganze Zeit über in dem elterlichen Anwesen versteckt gehalten. ** Konstanz, 27. Juni. (Bürgerausschußsitzung.) Der Bürgcraussäjuß erledigte heute in fünfstündiger Sitzung die 18 Punkte umfaffende Tagesordnung. Bei der Festsetzung des Steuerfußes für 1926 und des vorläufigen für 1927 entstand eine lebhafte Debatte. Die Festsetzung des Steuerfußes für 1927 wurde zunächst zurückgestellt und soll erst in der im Juli stattfindenden Voranschlag-Beratung festgesetzt werden. Der Steuerfuß für 1926 fand folgende Regelung: 130 Pfg. von je 100 Mark des Steuerwertes des Grundvermögens, 54 Pfg. von je 100 Mark des Betriebsvermögens und 1020 Pfg. von je 100 Mark des Gewerbeertrags. Das für das Jahr 1926 verbleibende Defizit von 350 000 Mk. soll auf drei Jahre verteilt werden. Bei der Vorlage der Gc- mcindebiersteuer entstand ebenfalls eine sehr lebhafte Debatte. Die Steuer, die auf 7 Prozent festgesetzt war, wurde mit 43 gegen 40 Stimmen abgelehnt. Man einigte sich schließlich auf einen Steuersatz von 6 Prozent. ** Konstanz, 27. Juni. (Schwurgericht.) Das Schwurgericht verhandelte dieser Tage gegen den 20 Jahre alten Mechaniker H. Jözkel wegen Körperverletzung mit Todesfolge. In der Nacht zum 8. Mai d. I. hatte er in der Be- niöiktineranlage in Villingen den 26 Jahre alten Bierbrauer Heinrich Faller im Verlaufe eines Streites mit einem Meffer in den Leib gestochen, woran der Verletzte innerlich verblutete. Unter Zubilligung mildernder Umstände verurteilte das Gericht den Angeklagten zu 3 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 6 Wochen Untersuchungshaft. — Wegen Totschlagsversuch hatte sich der 30jährige Galliswahl aus Hofstätten zu verantworten. Er erhielt 1 Jahr 6 Monate Gefängnis zudiktiert. ** Oehninge«, 27. Juni. (Wieder ein Fortschritt, wenn auch nur ein kleiner.) Der Weg von Oehningen-Stiegen nach Stein a. Rh., der seit dem Kriege gesperrt war, ist jetzt für den Verkehr wieder freigegeben worden, ausgenommen mit zollpflichtigen Gegenständen. Seitens der Bevölkerung besteht jetzt noch der Wunsch, daß die Ueberfahrt zwischen Sttegen und Eschen zu jeder Tageszeit freigegeben wird. ** Schwenningen, 27. Juni. (Abbruch des alten Rathauses). Nachdem der Umzug der städtischen Kanzleien in das neue Rathaus vollzogen ist, ist mit dem Abbruch des alten Rathauses begonnen worden. Die Absicht, das untere Stockwerk bei dem Neubau mitzuverwenöen, kann nicht verwirklicht werden, da die Fundamente zu schwach sind. ** Aus der Südpfalz, 27. Juni. (Heiöelbeerernte. Nachdem in dem Gebiet südlich der Queich die Heidelbeerernte bereits seit Anfang der Woche im Gange ist, wird sie mit Samstag, 25. Juni, in dem Gebiet nördlich der Queich ebenfalls ausgenommen. Die diesjährige Ernte dürfte allem Anschein nach eine Vollernte werden. Tie Nachfrage ist außerordentlich groß, so daß die Preise steigende Tendenz aufwcisen. ** Pirmasens» 27. Juni. (Ansteigen der Erwerbslosenziffer in der Schuhindustrie). Das abflauende Geschäft in der Schuhindustrie hat ein weiteres, wenn auch nur schwaches Ansteigen der Erwerbslosenziffer zur Folge. Im Stadtbezirk beträgt die Zahl der Erwerbslosen in der Schuhindustrie fast wiederum 1000, während auf dem Lande die entsprechende Ziffer von 360 auf 457 gestiegen ist. Einige Kleinbetriebe arbeiten verkürzt, während andere wiederum ihre Arbeiter in die Ferien geschickt haben. Maffenerkrankungen an Typhus. Merseburg, 26. Juni. Wie der Merseburger Korrespondent aus Schafstädt meldet, sind dott plötzlich etwa zwanzig Personen, zumeist Kinder, an Typhus erkrankt. Ein Knabe schwebt in Lebens- gefahr... Die Erkrankungen sollen auf den Genuß von Speiseeis zurückzuführen sein. Alle Typhusvcrdächttgen wurden zur Isolierung nach Halle und Merseburg gebracht. 1 . 1 . I ! Nr. 108. Jahrgang 1927. D« Laudbote * Stnsheimer Zeitung. Montag, den 27. Juni 1927. Das Autounglück i« Lübeck. Lübeck, 27. Juni. Samstag vormittag ereignete sich beim Bahnübergang der Mecklenburger Straße in Ser Ratzebur- ger-Allee ein furchtbares Unglück. Ein von Ratzeburg kommendes Auto mit der Nummer l P 1490 wurde von einem beschleunigten Personenzug erfaßt und meterweit auf die Eisenbahnschienen geschleudert. Alle fünf Jnsasien wurden auf der Stelle getötet und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Namen der Toten sind: Oberzollsekretär Ferdinand Debald, seine Gattin, sowie sein Sohn Hans Debald und dessen Frau und schließlich der 21 Jahre alte Chauffeur Krieger, sämtlich aus Hamburg. Der Schrankenwärter Brügggmann ist verhaftet worden. Es haben sich verschiedene Zeugen gemeldet, die behaupten, daß die Schranke au der betreffenden Straßenweiche in letzter Zeit wiederholt oder doch nicht rechtzeitig geschloffen worden sei. hatte Sehnsucht nach seinem geliebten Jazzinstrument. Seine Freunde zogen vor das Gefängnis und brachten ihm unter ohrenbetäubendem Lärm ein Jazzständchen dar. Nach einer Woche wurde er entlaffen nachdem er zerknirscht erklärt hat, von nun an seine Steuern pünktlich zahlen zu wollen. Mit dem Ergebnis kann der Turnverein zufrieden sein und kann mit großer Hoffnung in die Zukunft blicken. Das Ergebnis für den Gau folgt in der nächsten Nummer. Leichenüverfnhrnng ermordeter Faschisten. Neapel, 27. Juni. Hier sind die Leichen der zwei Faschisten eingetroffen, die in Newyork von aufrührerischen Elementen ermordet waren. Zum Empfange hatte sich eine große Menschenmenge etngefunden. Eine ganze Familie an Fleischvergiftung erkrankt. — Zwei Personen gestorben. Hannover, 27. Juni. Nach dem Genuß von Fleisch- und Wurstkonserven ist die aus sieben Personen bestehende Familie des Arbeiters Schröder in Heilingen erkrankt. Der. Arbeiter und sein 16 Jahre alter Sohn sind bereits gestorben. Vier weitere Familienmitglieder liegen schwer erkrankt darnieder. 250-Jahrseier der Universität Jnnsbrnck. Innsbruck, 27. Juni. Die 2ö0-Jahrfeier der Universität Innsbruck hat am Freitagabend mit einem Begrüßungsabend in den Räumen der neuen Universität ihren Anfang genommen. Unter den Gästen bemerkte man neben den Vertretern zahlreicher ausländischer Universitäten auch den deutschen Gesandten in Wien, Graf Lerchenfeld. Wirbelsturnr in Rußland. Moskau, 25. Juni. Fünfzig Kilometer von Tschita wütete ein heftiger Wirbelsturm, der von einem Hagelschlag begleitet war, dessen Körner Taubeneigröße überstiegen. Biel Vieh wurde getötet, zwölf Bauern verwundet. Durch einen siebenstündigen Regenguß wurden in mehreren Bezirken des Gouvernements Smolensk die Saaten weggeschwemmt. Die Flüsse sind über die User getreten. Ein 24stündiger Regenguß bei Rubinsk an der Wolga zerstörte die Ufer und verursachte Erdstürze. Das Londoner Schlangcnparadies. In London ist mit einem Aufwande von einer Million Mark ein Schlangenhaus gebaut worden, das in seiner Art auf der Welt nicht seinesgleichen wieder hat. Eine Unmasse von Schlangen und Reptilien aller Art tummeln sich hier, und bieten einen schaurig-schönen Anblick. Das Ganze ist so angelegt, daß man die Reptilien naturgetreu bewundern kann. Die Krokodile planschen in einem großen Teich, für die Urwaldschlangen ist subtropische Vegetation angepflanzt worden, durch einen breiten Graben ist diese Anlage von den Besuchern getrennt, so daß kein Käfigitter den störenden Eindruck einer künstlichen Anlage erweckt. In dem Hause befindet sich auch ein mit allen technischen Errungenschaften ausgestatteter Operationsraum, in dem die Schlangen, wenn es notwendig ist, einer Behandlung unterzogen werden. Und dies ist sehr oft notwendig, denn da die Reptilien in relativer Ungezwungenheit leben, kommt es oft zu Kämpfen untereinander, bei denen die Tiere arg zugerichtet werden. Besonders die Krokodile zeichnen sich durch Kampflust aus, und die Verwundungen, die sie sich zufügen, sind oft schauerlich anzusehen. Für Mediziner sehr interessant sind die Instrumente. die hier Verwendung finden. Vor allem die Riesenzangen, die zu Zahnziehungen bei Krokodilen Verwendung finden. Dieses Schlangenparadies ist die neueste Sehenswürdigkeit für London und ist den ganzen Tag überfüllt mit Besuchern. Ein Tanzwettkamps von 10 Tagen. In Barcelona blieb ein Franzose namens Charles Nicho- las bei einem Tanzwettkampf von zehn Tagen Sieger. Die Bedingung besagte, baß zehn Tage lang unterunterbrochen durchgetanzt werden mußte, mit Ausnahme von 12 Stunden Ruhezeit, die noch Belieben auf die 240 Stunden verteilt werden konnte. Der Sieger hatte nach dem Zehntagetanz nach 9 Minuten Ruhezeit gut. Er erbot sich noch 36 Stunden weiter zu tanzen, doch gab die Behörde zur Fortsetzung des Wettbewerbes nicht die Genehmigung. Der Rekorötänzer verlor in den zehn Tagen 22 Pfund Gewicht. Ergebnisse aus Süddeutfchland. Bezirk Württemberg-Baden: Stuttgarter SC. — Schwaben Ulm 5:2. Stuttgarter Kickers — Eintracht Stuttgart 1:0. Spo. Feuerbach — VfB. Stuttgart 2:3. Frankonia Karlsruhe — Karlsruher FB. 1:4. FB. Offenburg — Freiburger FC. 2:2. Bezirk Bayern: Bayern München — Europa Barcelona 4:1 (3:1) Jahn Regensburg — 1. FC. Nürnberg 2:2. Bezirk Rhein-Saar: Wormatia Worms — FSB. Mainz 05 4:2. SB. 05 Saarbrücken — FB. Saarbrücken 2:1 abgebr. Boruffia Neunkirchen — Sportsr. Saarbrücken 5:8. Phönix Mannheim — Ludwigshafen 0:3. Mannheim 08 — Sportverein Ludwigshasen 0:3. Endspiel um den Berliner Pokal: Viktoria Berlin — Norden-Nordwest Berlin 6:2. Halle 98 — Spielvereinigung Fürth 0:5 Ausland: Länderspiel Schweden — Norwegen 5:3. Radio - Programm für Montag, den 27. Juni 1927. * Schöne deutsche Bäder Goethe über das Kofferpacke». Mit wenig Gepäck reisen ist eine Kunst, besonders für manche Frauen, die sich noch immer nicht von vielen entbehrlichen Dingen trennen können und mit zahlreichen s Utensilien und womöglich noch mit einer großen Hutschachtel zum Schrecken der Mitreisenden werden. Sie alle könnten von Goethe lernen, der obwohl er durchaus Wert auf eine gute Ausrüstung legte, dennoch an Gepäck .nur das mitnahm, was er für unbedingt notwendig hielt. So hatte er einst von Marienbad einen Reisekorb mit- ^ gebracht, den er folgendermaßen beschreibt: „Sie sehen, wenn | er leer ist, legt er sich zusammen und nimmt wenig Raum ein. Gefüllt dehnt er sich nach allen Seiten aus und faßt mehr, als man denken sollte. Er ist weich und biegsam und dabei so zäh und stark, daß man die schwersten Sachen darin fortbringen kann." Auch die äußeren Unbequemlichkeiten, wie schlechtes Quartier, elende Fahrgelegenheiten, stören den Dichter wenig. Für ihn ist das Reisen eine Steigerung des Lebens- gesühls, was er in folgenden Wort enzum Ausdruck bringt: „Ich muß Widerwärtigkeiten, das was mit mir nicht stimmt, was ich nicht erwarte, alles muß ich beiseite bringen. Dann habe ich einen reinen, bleibenden Genuß und um dessent- willen bin ich gereist. Nicht um des augenblicklichen Wohlseins oder Spaßes willen. Mit der Betrachtung und dem Genuß der Natur ist's ebenso. Trifft's dann aber einmal zusammen, daß alles patzt, dann ist's ein großes Geschenk." So kann uns hier, wie in fast allen Dingen, Goethe ein Vorbild sein. Der Marieübad^r KHrsaa^ Turnen, Sport und Spiel. Der englische Jazzkönig im Gefängnis. Teddy Brown, der beliebteste Saxophonspieler Londons, daher einer der populärsten Menschen in der englischen Hauptstadt, mußte seine segensreiche Tätigkeit auf eine Woche unterbrechen,' denn die gestrenge Staatsgewalt hat ihn mitten aus dem Bette, wo er friedlich schlafend und von schönen Melodien träumend lag, in ein rauhes Gefängnis transportieren lassen. Der Anlaß zu seiner Inhaftierung war eine Steuerschuld von 260 Pfund, die er sich geweigert hatte, zu zahlen.- So saß er denn traurig in seinem Gefängnis und Sinsheim, 27. Juni. Am gestrigen Sonntag hielt der Ncckar- Elsenz-Turngau sein diesjähriges Gauturnfest in Gaiberg ab, wozu auch der Turnverein Sinsheim seine Einzelwetturner, sowie seine Vereinsriege dotthin entsandte. Wie aus dem folgenden Ergebnis zu ersehen ist, kehrte der Verein, sowie alle Turner unter den Klängen seiner Vereinskapelle preisgekrönt nach Hause. Das Ergebnis ist folgendes: Im Bereinswetturnen erhielt der Turnverein Sinsheim in der 1. Klaffe den 1. Preis mit 56 Punkten. In der Unterstufe 12 Kampf Hans Maier den 2., Theodor Maier den 6. Preis. In der U n 1 e r st u f e 10 Kampf: Fritz Welker den 6., Wilh Link den 12., Heinr. Hoffmann den 13., Emil Ritzhaupt den 15. Karl Ritzhaupt den 24. Preis. In der Jugend.Oberstufe 7 Kampf: Karl Schifferdecker den 4., Johann Gmelin den 4., Emil Brunner den 5. Preis. In der Jugend-Unterstufe 7 Kampf: AlbertWickenhäuser den 1., Emil Gmelin den 4., Fritz Schifferdecker den 10., Rolf Blaser den 12. Preis. Breslau (316), 20.20 Uhr: Konzert. 21.20 Uhr: Alte und neue Berlin (483), 21.00 Uhr: Solistenkonzert. Fabeln und Schwänke. Hamburg (394), 20.00 Uhr: Fritzf-Reuter-Abend. 21.30 Uhr: Akkordophon-Konzert. Königsberg (329), 20.15 Uhr: Brahms-Lieder und -Duette. 21.05 Uhr: Allerlei Heiteres. Langenberg (468), 20.35 Uhr: Elberfeld: Belgischer Abend. 22.50 Uhr: Elberfeld: Uebertr. d. Konzetts a. d. „Hotel zur Post". Leipzig (365), 20.15 Uhr: Opern-Abend. 22.30 Uhr: Tanzm. München (535), 20.15 Uhr: „St. Georg" oder „Der Drache von Kochelsee „Lustiges Stück v. R. Manz. Stuttgart (379), 13.15 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr Einakter-Abend. Anschl. Funkbrettl. Daventry (1600), London (361), 11.00 Uhr: Daventry-Quarteit 14.55 Uhr: Vorlesung. 15.45 Uhr: Tanzmusik. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Konzert. 19.15 Uhr: Konzett. 21.35 Uhr: Orchesterkonzert. 22.20 Uhr: Borkriegs-Tanzmusik. 23.00 Uhr: Tanzmusik. Paris (1750), 12.30 Uhr: Radio-Konzert. 16.45 Uhr: Radio- Konzett. 20.45 Uhr Sendespiel. Wien (517), 19.00 Uhr: „Die verkaufte Braut" Komische Oper von Friedrich Smetana. » Zürich (494), 20.30 Uhr: Liedembend. 21.30 Uhr: Nordische Musik. Pmg (348), 21.15 Uhr: Unterhaltungsmusik. 9l(lbiO^CtttiCb C'40C'40«"S0C'S0 E. Uhrmachermeister, StttSljeittt 6. E. Dr.Seibt-Vcrtreter — Lager tn Telefunten - Röhren, Anoden > Batterien — Sämtlichen Ersatzteilen, Varta-Allumulatoren-Lade fiation. — Telefon I». Neueste amtliche Kurse vom 25. Juni 1927. mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. Huleiften: Ablösungsschuld mit Auslosungsschetn ohne Auslosungsschetn . Ba »kaktie: tn ®/o 304,50 19,78 Bad. Ban! Darmstädter in o/o . . . . 158,50 und Nattonalbanl 231 Deutsche Bank Deutsche BeretnSbanl Dresdner Bank Mitteldeutsche Kreditbank Reichsbanl .... Rhein. CredUbank . Südd. Dtsconto Bes. Secam eck« - Aktie» 164,50 107 168 230 134 142 tn o/ 0 e03,50 179 186,25 . 131,25 106,23 Harpener Bergbau Natt Westeregeln ManneSmunnröhrenwerle. Mansfelder Bergb. u.Hüttenw Oberschl. Eisenb. Bedarf . Phönix Bergbau u.Hüttenbetrteb iaö Salzwerl Hetlvi-onn . . — Bereinigte Königs- Laurahülte 85,5« Aktie» indnftr. v»t«r»eh«»»gen: tn 0/0 Allg. Elevr. Etammak.tteu lSZSs Badeuta Wetnhetm . — Bad. El-ltrizuät Mannheim o,065 Baq. Maschinen Durlach . . 140 Cementwerk Heidelberg Daimler Motoren . Dtfch. Gold- und tztlberscheide Elektr. Licht und «rast . Ematll. und Stanzwerk Ullrich Farbeninduftrie Fuchs Waggon Stammastten Britzner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . «norr Hellbronn Mainkrastwerke Höchst . Neckarsulmer Fahrzeuawerle . Schultert Elcstr. Nürnberg . Seiltnduftrte Wolff . Südd. Zucker .... Zellstoff Waldhof Stammaltieu 153 >22 209 48 235V8 121 185 ■ 32 185 90,80 U0 313 Aktie» deutscher StanstMwtanftattea: tn 0/0 142 146 Mw-Iorl 1 Dollar London 1 Pfund Holland 100 Gulden Schweiz 100 Franes Wien 100 Schilling i Barts 100 Francs • Italien 100 Lire Devise»: Geld 4.2157 20.477 168.92 81.13 59,33 16.509 24.45 «ries 4.2237 20 517 169.26 81.28 69.45 16.549 34,49 Die Feldbereinigung in der Gemarkung Epfenbach, Distrikt Krautgärten, I. Unternehmen. Nachdem am 27. September 1926 die Echluß- tagsahtt über das obige Unternehmen abgehalten worden ist und die von den Beteiligten vorgebrachten Erinnerungen und Beschwerden inzwischen sämtlich ihre Erledigung gefunden haben, wird diesem Ge» fchäste nach § 17 der Bollzugsverordnung zum Feldbereinigungsgesetz die endgiltige Bestätigung etteilt. Das Eigentum wie die Rechte Dritter an den umgetauschten Grundstücken gehen mit dem 1. Januar 1928 an die neuen Besitzer über (Art. 20 des Feld- ber. Gesetzes vom 21. Mai 1886). Karlsruhe, den 9. Juni 1927. Badische Wasser» und Stratzenbau-Direktton. I. B. Drach. BergMng non AMbeilen. Zum Neubau von 12 Wohnungen für die Gemein. Baugenoffenschaft Sinsheim e. B. sollen folgende Arbeiten öffentlich vergeben werden. 1. Elektr. Lichtanlagen 2. Terrazzo und Plattenbeläge 3. Installationsarbeiten 4. Glaserarbeiten 5. Perputzarbeiten 6. Schreinerarbeiten 7. Schl offerarbeiten 8. Maler» und Tapezierarbeiten. Die Bedinbungsunterlagen liegen ab 28. «. 27 bei den Unterzeichneten aus. Die Angebote sind verschlossen bis 4. 3uli, abends k Ahr daselbst ein- zureichen. Zuschlagssrist 8 Tage. Sinsheim, den 27. Juni 1927. -ff l llllllllllllllllllllllllllllllllIHllllllllllllllllllllllllllllIHllllHIIIIIlIllll Uä Pullovers, Sportwesten Pullover Pullover 2d G S Mengen . . mit-Kragen und Taschen mod. Jaquardmuster . . DnllftVOF Seidentrikot, lange rUllUTISr Aermel und Kragen . . mod. gemusterte Kunstseide mit Kragen Pillovtr PnllOYir SÄ reine Wolle mit Seide, solide Ausführung . . ftinrtWfltto in reiner Wolle •r*riüWMi große Farbenwahl reine Wolle mit Seide, eleg. Jacquard . . . 3.95 6.50 1.75 6.50 8.15 9.50 1.25 11.25 E. Speiser, Sinsheim. 511 IHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIHIIIIIIHIIIHIHHIHIIIIIHIIIIIIIHIHIIIIIIIIIIIIIII M Katt PersillÄr 1 ■ ?eisü.di£DOÜ£ Wirkung ein! iliahlung erhalten Sie ein Presto * Fahrrad.« Es ist allerbeste Qualität zu billigstem Preis. verkauf durch: Carl Baer, Sinsheim. Bremen-Südamerika Ostkäste / Westküste. QeruorraQe/ide Reis&ge&sgenfyeiteji mit den beliebten Dampfern des NORDDEUTSCHEN ILOTD DREHEN Kostenlose Auskunft erteilt; Sinsheim: Georg Eiermann Ww., Eisenbahnstr. 344. Neckarbischofsheim: Max Jeselsohn, Hauptstr. 4. Kräftiger, intelligenter Junge Sohn achtbarer Eltern, der Lust hat, eine gründliche kaufmännische Lehre durchzumachen für sofort gesucht. 8g. 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