Lrscheinl ISgNch «tt Ausnahme der Feierlage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.50 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. S n Fällen von höherer Gewalt -steht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntag« geschlossen. Fernsprech--Anschluß Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6908 General-Airzeiger für bas^yr klsery-und §ckwarzdadital Der Lanöbote 5 ln§keimer MM Zeitung ?«$» General-Klyeiger fuc bas^yr klsenz-und §ckwarzdadital Helteft« and verbreitetft# Zeitung dieser Gegend. ^aupt-Hn^igea-Blatt W3d>e»tl1d>e B«U*y*n < Dort» and Keim • Der Kobold » Neue Illustrierte » CMdwlrttdteftUd)i Beitnge Aneigen.Preise: Anzeigen: Die 33 mm breit» MiUimeter-Zeüe 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit» Millimeier-Zeiie 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. 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Wenn auch die Regierung der Sowjetunion bemüht sei, den Krieg zu vermeiden, so sei doch die Stärkung der Verteidigungskraft des Landes gegenwärtig die Hauptaufgabe, da seit dem Abschluß des Bürgerkrieges die Kriegsgefahr niemals so drohend gewesen sei, wie jetzt. Woroschilow betonte, daß die Rote Armee und die Rote Flotte schon jetzt eine Kampfmacht darstellten, mit der die Feinde zu rechnen b^innen. Die roten Kommandeure würden alle Kraft ansponnen, um im Falle eines Krieges die Grenzen zu schützen und den Sieg zu erringen. Zur Feier des Verfassungstages der Sowjetunion betonte die Presse den Ernst der internationalen Situation und die Kriegsgefahr, die den Zusammenschluß aller Kräfte zum weiteren Aus- , bau der sozialistischen Wirtschaft erfordern, zugleich aber auch energische Arbeit an der Hebung der Verteioigungskraft des Staates notwendig machen. Aehnlich sprach auch Kalinin zu Pressevertretern in Tiflis. Angestrengte organisatorische Arbeit sei die erforderliche Antwort aus die Kriegsdrohung. Feder Bürger müsse zum Kampf und Schutz des Arbeiterstaates bereit sein. Eine besondere Rolle bei der Einstellung des Landes auf die Kriegsmöglichkeit spiele der Ausbau der Luftflotte, der in der kommenden Verteidigungswoche allgemein propagiert werde. Englische Luftpropaganda. London, 3. Juli. In Anwesenheit des englischen und spanischen Königspaares, des Exkönigs und der Exkönigin von Griechenland und der königlichen Prinzen fand auf dem Flug- Der Wille nach Wie zu erwarten war, ist der letzte Tag des Juni abgelaufen, ohne daß es zu einer Erneuerung des deutsch-französischen Handelsprovisoriums gekommen wäre. Auch das Abkommen über den Warenverkehr zwischen dem Saargebiet und dem deutschen Zollgebiet hat sein Ende erreicht, wenngleich hier auf Grund gegenseitiger Verabredungen keine Lücke eintreten, sondern zunächst stillschweigend der bisherige Zustand weiter aufrecht erhalten werden wird. Zwischen Frankreich und Deutschland herrscht aber nunmehr auf dem Gebiet« des Warenausgleiches der vcrtragslose Zustand, der auf deutscher Seite durch den autonomen Zolltarif, auf französischer dagegen durch den Maximaltarif gekennzeichnet wird. Es läßt sich nicht verkennen, daß von deutscher Seite aus bei den Verhandlungen das rein wirtschaftliche Interesse niemals ausschlaggebend gewesen ist, sondern sich der Rücksicht auf die politische Wirkung uMergeordnet hat. Wir haben uns immer wieder auf ein kurzfristiges Provisorium eingelassen, obgleich Frankreich dabei stets in höherem Maße seine Rechnung gefunden hat, als wir. Wir haben bei der letzten Erneuerung des Provisoriums den Fmnzosen ein recht erhebliches Weinkontinyent zugebilligt, das von den Franzosen vollständig ausgenutzt worden ist, während die deutschen Industrielieferungen, die als Ausgleich dienen sollten, hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben sind. Die dauernde Passivität der deutschen Handelsbilanz ist sicher nicht zuletzt auf diesen Umstand zurückzuführen. Vom rein wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus schien es deshalb der beste Ausweg aus den Verhandlungsschwierigkeiten zu sein, wenn man einmal den vertragslosen Zustand eintreten und sich auswirken lieh. Das brauchte und sollte selbstverständlich nicht zum Handelskrieg führen, hätte aber den Franzosen doch wahrscheinlich zum Bewußtsein gebracht, daß Frankreich weit mehr Veranlassung hat, als Deutschland, einem vertraglosen Zustande durch einen endgültigen Handelsvertrag uiid bis zu dessen Abschluß durch ein chngfristiges vorläufiges Handelsabkommen vorzubeugen. Weser Anschauungsunterricht hätte deshalb Frankerich gar nicht schaden Können, denn es wäre melteid)t durch Schaden klug geworden!. Wie die in Paris ausgegebene gemeinsame Mitteilung der deut- Irvfü.-if 5 er französischen Handelsabordnung beweist, hat indessen Bemschland auch diesmal wieder nicht das rein wirtschaftliche In- teresie sprechen lassen. Me beiden Delegationen sind übereingekommen, ein neues Provisorium abzuschließen, das möglichst schon E -l, Ju ' Eraft treten soll. Das Saarabkommen läuft zunächst vorläufig werter, soll ebenfalls erneuert werden und von französischer Seite kündbar sein, wenn das neue Provisorium noch nicht am 31. Juli. in Kraft getreten ist. We Verhandlungen gehen also in Paris weiter. Es wird nichts dagegen einzuwenden fein, daß Deutschland auch hier wieder seinen Willen nach Frieden und Verständigung beweist, von dem der deutsche Außenminister in Oslo gesprochen hat. Rur wird man verlangen müssen, daß mit der Methode der kurzen Provisorien gebrochen und eine vorläufige Regelung getroffen wird, die in Kraft bleibt, bis die Voraussetzungen für den Abschluß eines endgültigen Handelsvertrags durch die Verabschiedung des französischen Zolltarifs gegeben sind. Pariser Unfreundlichkeiten. Der wahre Zweck. Paris, 2. Juli. Der „Temps" veröffentlichte gestern abend einen «ußerord. bezeichnenden Leitartikel der Aufschluß gibt über die otimmung, die augenblicklich in Frankreich vorhanden ist; er läßt keinen Zweifel darüber, daß eine starke Strömung in Frankreich besteht, die die durch Krankheit erfolgte Ausschaltung Brmnds auszunutzen versucht. Der „Temps" bespricht Strese- platz Hamdon die alljährlich stattfindende Propagandaveranstaltung der englischen Luftflotte statt, bei der außer Fliegerkunststücken in diesem Jahr die Verwendung drahtloser Telephonie und Einzelkämpfe von Kampfflugzeugen gegeneinander vorge- fühtt wurden. Diese Duelle erregten den besonderen Beifall des Publikums. Im Rahmen des Programms wurde auch die Tätigkeit der Luftflotte als einer militärisch organisierten Polizeitruppe in den Kolonien durch Vorführung von Kampfszencn zwischen Flugzeuggeschwadcrn und aufsässigen Eingeborenen drastisch illustriert. Der Krieg verhindert den Fortschritt. Me Französische Press« über das veraltete Flugwesen. Paris, 1. Juli. Reben der Bewunderung, die die Pariser Presse für die Leistung der Byrd-Mannschaft ungeschminkt zum Ausdruck bringt, hagelt es jetzt auch Vorwürfe und Anklagen gegen die Regierung und das Lustfahrtamt. Man fragt sich, welche Gründe es der fmnzösischen Fliegerei unmöglich machen, es den Amerikanern gleichzutun. Als Hauptursache für diese Tatsache stellt man dreierlei fest, einmal die nebensächliche Behandlung der Fliegerei überhaupt, die noch nicht einmal einheitlich geleitet sei, dann das Ueberwiegen der rein militärischen Interessen und endlich den chronischen Geldmangel. Dabei weiß der Intransigeant mitzuteilen, daß sich die Regierung in ihrer letzten Sitzung mit einem Projekt zur Vervollkommnung der Fliegerei zu befassen hatte, daß sie aber die Entschädigung nach kurzer Debatte vertagt habe. Das Blatt fordert auf das entschiedenste, daß das französische Flugwesen wieder wie früher einem selbständigen Ministerium unterstellt werde und nicht an drei gegeneinander arbeitende Ministerien (Handel, Krieg und Marine) vetteilt werde. Auch müsse sich die Regierung jetzt endlich ohne Zögern für eine klare Politik entscheiden, denn die Zukunft des französischen Flugwesens sei wichtiger als die Wahlreform und der Fall Cachin. Verständigung. manns Rede in Oslo. Er findet, daß Stresemann zu weit gehe, wenn er verlange, daß man seine Bekundungen, daß Deutschland aus rein pazifisttschen Gründen den Weg nach Locarno beschritten hast«, aufs Wort glaube. Als Gründe, warum dieser Glaubtz unmöglich sei, gibt der „TcmpS" den Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung und ihre angebliche Beherrschung der Regierung an, außerdem die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten. Sie bedeute, daß man die Geschichte der deutschen Republik und ihrer friedfettigen Entwicklung hauptsächlich dem ersten Heerführer des kaiserlichen Deutschland anvertraut habe. Ob man wolle oder nicht, das gebe selbst dem Vertrauensvollsten zu denken. We Wahl Hindenburgs sei der erste Fehler gegen die Politik der Wiederaussöhnung und Entspannung gewesen!. Der „Temps" wettert also gegen die, die die Politik von Locarno gegen alle Widerstände in Deutschland vetteidigt haben. Derattige Betrachtungen können nicht als gutwillig bezeichnet werden. Sie haben offenbar den Zweck, die Mißtrauenswelle in Frankreich wieder aufkommcn zu lassen. Das Blatt, das immer noch Beziehungen zum Quai d'Orsay LAerhält, wagt sogar in spitzfindiger Weise die Nichterfüllung des Versprechens zur Herabsetzung der Truppen im Rheinland damit zu begründen, daß es die Frage stellt, ob die alliietten Regierungen in Locarno irgend eine Verpflichtung unterzeichnet hätten. Den Geist des Locarnovettrages will das offiziöse Organ also nicht mehr gelten lassen. Es läßt aber bezeichnenderweise durchblicken, daß es sich unter Umständen die Rheinlandräumung abkaufen lassen soll. Das ist der alte Trick. Man will nicht zugebcn» einmal, daß die Besetzung nicht vereinbar ist mtt dem Geiste der Entspannung, der die Grundlage für die Locarnoverträge ist und zweitens, daß Deutschland das Recht hat, auf Grund des Friedensvertrages ohne jede Gegenleistung die baldige Räumung des besetzten Gebiets zu fordern. Wenn der „Temps" die deutsche Politik für so unaufrichtig hält, wie es in seinem Leitartikel zum Ausdruck kommt, dann hätte er Protest gegen die Zuerkennung des Nobel-Friedenspreises an Stresemann erheben müssen. Seine Beweisführungen werden im Auslande Kopfschütteln erregen, denn sie sind geboren aus dem Geist kleinlicher Schikanen und lesen sich, als seien sie vierzehn Tage vor der Besetzung des Ruhrgebiets geschrieben. Die wahren Freunde der deutsch-französischen Annäherung sollten sich also ebenso wie Briand die Unterstützung eines solchen Blattes verbitten . Unerhörte französische Hetze. Patts, 3. Juli. Die französische Kolonialvereinigung hat an den Völkerbund ein Telegramm gerichtet, in dem sie ihrer ttefen Erregung darüber Ausdruck gibt, daß demnächst ein Deutscher Mitglied der Mandatskommission werden soll. Sie proteftiett energisch gegen eine solche Unmöglichkeit, da fie die Teilnahme an der Kontrolle der Mandatsgebiete durch einen Vertreter der früheren Befitzermacht für sehr gefährlich halte. Ein solcher Beschluß sei geeignet, den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der eingeborenen Bevölkerung zu gefährden. Der Beschluß sei um so krittscher zu beutteilen, als man den Eindruck gewinne, daß er von der Mandatskommission nicht aus fteien Stücken gefaßt worden sei. Um den Versailler Vertrag. Der polnische Gmf Skrzynski hat über den Versailler Vertrag ein Urteil gefällt, das der polnischen Presse zentnerschwer im Magen liegt. Einen ungemein ergötzlichen Versuch, sich von dieser drückenden Last zu befreien, macht die „Gazeta Warszawska Poranna" mtt folg. Watten: „Der Versailler Vertrag hat nicht, wie Skrzynski behauptet, das polnische Ideal erfüllt, sondern uns Polen im Gegenteil benacisteiligt. Eben das rächt sich jetzt in der Form des schwankenden europäischen Friedens. Der Versailler Vertrag hat Polen viel schwächer gemacht, als es hätte sein können und müssen, denn er hat ihm Danzig, Masuren und Oppeln verweigert. Polen aber ist der Eckstein der neuen Ornung in Europa." * Es liegt wohl nur an einer vorübergehenden Vergeßlichkeit, wenn die „Gazeta Warszawska Poranna" unter den Polen ver- weigetten Gebieten nicht auch Königsberg, Stettin und den Spree- wald mit seinen Wenden aufführt. Daß aber Polen Europas Eckstein sei, ist eine bescheidene Weisheit, die der besonderen Beachtung derjenigen amerikanischen Banken, die seit Jahren mit Polen fruchtlos über eine Anleihe verhandeln, empfohlen werden muh: ist ihnen doch bisher jene Eigenschaft Polens offenbar vollkommen verborgen geblieben. Schacht in Newyork. Nemyork, 2. Juli. Nach ihrer Ankunft in Newyork hatten Reichsbankpräsident Schacht und Montague Norman noch am gleichen Nachmittag im Gebäude der Federal Reserve-Bank eine Besprechung mit dem amerikanischen Gouverneur Strang und den Fmnzosen Rist und Ricard. Me Besprechungen werden in den nächsten Tagen fottgesetzt, wobei aber die Absicht besteht, die Zusammenkünfte außerhalb Newyorks auf dem Landsitz eines Freundes von Strang abzuhalten. Mcse Verlegung der Konferenzen geschieht offenbar um die äußerste Diskretion der Besprechungen zu garantieren. Ueber den Inhalt der Besprechungen zerbricht sich vorläufig die Wallstreet den Köpf. Man nimmt aber an, daß die Besprechungen u. a. auch der Fundierung der französischen Schuld, der Einräumung eines offenen Kredits an Frankreich, der Polen-Anleihe, der Regulierung der internationalen Goldbewegung und der Diskontpolitik gelten werden. Ein Gerücht wollte sogar wissen, daß der Dawes-Plan auf die Tagesordnung kommen würde. Eine Tendenzmeldung. London» 2. Juli. In hiesigen Finanzkreisen ist die Tages- fensativn eine Meldung des Exchange Telegraph aus Newyork, wonach die dortige Konferenz der Bankpräsidenten sich außer mit Fmnkreichs Anleihewünschen an Amerika auch mit der Frage einer teilweise» Abänderung des Dawesplanes beschäftigen werde. Die Agentur behauptet, daß man Deutschland die baldige Räumung des Rheinlindes und Finanzunterstützung bei der weiteren Durchführung des Dawesplanes, also vermutlich Anleihen, in Aussicht stellen werde, wenn Deutschland „die anderen Mächte bei der Isolierung Rußlands unterstützen wolle." * In ernsthaften Kreisen findet diese offenbare Tendenzmeldung sehr skeptische Aufnahme unter Hinweis darauf, daß ein solches, dem Schwergewicht nach doch politisches Progmmm, nicht von unpolitischen Bankleitern, die den Parlamenten keine Ver- aMwottung schuldig seien, diskutiert weroen könne. Hoefch wird operiert. München, 3. Juli. Dr. von Hoefch, der deutsche Botschafter in Patts, befindet sich zur Zeit in München in der Kuranstalt Ncu- wittelsbach in Behandlung von Professor Kielleuthner. Der Botschafter ist vorgestern von den Aerzten untersucht worden und es ist unter allen Umständen damit zu rechnen, daß er sich einer Halsoperation unterziehen muß. Eine Entscheidung darüber ist allerdings noch nicht gefallen. Sein Befinden gibt jedoch zu Befürchtungen keinen Anlaß. Vom Deutschtum in Ungarn. Die Organisationsarbeit in der Paranya. Die Gründung von Ottsgruppen des Ungarländischen Deutschen Volksbildungsvrrrins in dcr Bamnya im Sinne der Vereinbarung in Fünfkirchen vom 30. März scheint jetzt langsam in Fluß zu kommen. Wie das von Dr. Jakob Bleyer herausgegebene „Sonntagsblatt" bettchtet, find acht Ottsgruppen gegründet worden. Die Gründung weiterer Ortsgruppen in verschiedenen Bezirken wird vorbereitet. So sehr dieser Fortschritt zu begrüßen ist. so sehr gibt folgender Fall zu denken, den das „SonMagsblatt" in der gleichen Ausgabe verzeichnet: Wr Abgeordnete Samuel Mandy des zum überwiegenden Teil, von Deutschen bewohnten Dardauer Wahlbezirks wurde vom Bara- nyaner Munizipalausschuß zum Oberhausmitglied gewählt, unter der Voraussetzung, daß er sein Mandat im Abgeordnetenhaus niederlegt. Wider Ermatten hat Mandy nicht seinem Abgeordnetenmandat, sondern seiner Oberhausmitgliedschaft entsagt und dieses Vorgehen nach einem Bericht der Fünfkirchener Tageszeit- ung „Dunantul" in einer Versammlung folgendermaßen begründet: „Ich habe deshalb auf meine Oberhausmttgliedfchaft verzichtet, weil sich meinen Bezirk der deutschen Propaganda und eventuell einem deutschsprachigen Abgeordneten nicht überlassen wollte. (Eljen-Rufe)" (!) * Man scheint sich in Ungarn noch immer nicht darüber klar zu sein, daß es dieser Geist der IMoleranz gegenüber der deutschen Minderheit ist, der das Gefühl aller Deutschen auf das empfindlichste verletzt. Spanische Erfolge ln Marokko. Paris, 3. Juli. Die Spanier melden erfolgreiches Forsschreiten ihrer militärischen Operationen in Marokko Der konzentrierte Angriff auf Bab ta za endigte mit dessen Einnahme. Hundett Gefangene und 1000 Stück Vieh blieben als Beute ln den Händen der Spanier. Da von französischer Seite gern die Unabhängigkeit der Spanier von der französischen militättschen Hilfe betont wird, um damit den spanischen Ansprüchen aus Tanger entgegenzuarbeiten, haben die neuerlichen militärischen Effolge der Spanier auch eine gewisse diplomatische Bedeutung. Die Beilegung des Albanienkonflikts. Paris, 3. Juli. Havas zufolge veröffentlicht das albanische Pressebüro eine Note, nach der der französische Gesandte in Belgrad gestern vormittag im albanischen Auswärttgen Amt eine neue, die beleidigenden Ausdrücke nicht mehr enthaltende südslawische Note überbrachte. Die albanische Regierung habe darauf sofott die Freilassung des südsawischen Dolmetschers Djuraskowitsch angeordnet. Nr. 114. Jahrgang 1927. Montag, den 4. 2uli 1927. Ganz der Bruder. Mailand, 3. Juli. Im Popolo d'Italia glaubt Arnolds Mussolini an die Wirtfchaftskreise eine scharfe Warnung richten zu müssen, die wegen einer unerheblichen Störung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes von einer unbegreiflichen Panik ergriffen worden seien. Nur der Duce und wenige feiner Getreuen hätten ihre Nerven nicht verloren. Die industrielle und landwirtschaftliche Bourgeoisie befinde sich aber auf einem falschen Weg. wenn sie bei der leisesten Ungunst der Verhältnisse bereits für Verlust und Entwertung ihres Besitzes und vom Staat einen besonderen Schutz verlange. Der Faschismus werde den Abfall gewiffer bürgerlicher Kreise mit dem Zusammenschluß der eigenen Reihen und Stärkung des faschistischen Kampfgeistes beantworten. Mexikos Petroleumgesetze. Newyork, 3. Juli. In der Kontroverse zwischen den Bereinigten Staaten und Mexiko über die Eigentumsrechte an den Oclländercien scheint nunmehr ein Präzedenzfall geschaffen zu fein. Die Trans-Eontinental Oil Company, eine Tochtergesellschaft der Standard Oil Company, wurde von dem Handelsminister Morones schriftlich davon verständigt, Laß ihr das Drillen weiterer Bohrlöcher auf dem Oelfeld Cacalifac untersagt sei. In der Begründung wird angeführt, die Gesellschaft habe ihre Eigentumsrechte durch Nichtbefolgmrg der mexikanisch:» Handelsgesetze verwirkt. Die Tmns-Continental Oil Company brachte das Vorgehen der mexikanischen Regierung zur Kenntnis des Staatsdepartements, welches darüber zu befinden haben wird, ob die Aktion als konfiskatorisch und als Verletzung der amerikanischen Eigentumsrechte anzusehen sei. Erhöhte Eingangszölle in China. London, 3. Juli. Die Nankingregierung erhebt feit 1. Juli in all den Provinzen, die ihr gehorchen, erhöhte Eingangszölle, die für Luxuswaren 30 Prozent und für allgemeine Güter 12 Prozent betragen, wozu dann ab 1. August noch Spezialzölle auf Tabak und Wein kommen sollen. Gleichzeitig trat gestern ein neuer Ausfuhrzoll von V /2 Prozent in Kraft. Die betreffenden Provinzen sind die vier Küstenprovinzen, die sich südlich der Grenze bis Schanghai hinziehen und die Inlandsprovinz Anhui. Andererseits hat die Nankingregierung in allen diesen Provinzen die Likins, d. h. die Transitzölle der einzelnen Provinzen, aufgehoben und damit eine alte Forderung der Mächte erfüllt. Die Nankingregierung rechtfertigt ihre Eigenmächtigkeit damit, daß die Mächte sie zwingen, die Befugnisse eines souveränen Staates anzunchmen, weil sie ihre Anerkennung hartnäckig auf die Pekingregierung beschränken und die Nrnking- regierung ignorieren. Wenn die Mächte mit dem neuen Zolltarif unzufrieden seien, so könnten sie ja in Peking protestieren. Sobald sie dagegen bereit sein würden, die Anerkennung der Nankingregierung in Erwägung zu ziehen, wäre sie gerne bereit, über den neuen Zolltarif mit ihnen zu verhandeln. Bis dahin werde sie ihre Proteste ignorieren. Der Pekinger Korrespondent der „Times", der immer getreu ausdrückt, was die britisch-China-Engländer denken und fühlen, ist sehr ärgerlich über diese Eigenmächtigkeit der Nankingregierung und warnt die Mächte: wenn sie dieselbe dulden werden, könnten sie die Auferlegung solcher Zölle durch die anderen lokalen Regierungen nicht verhindern und ihr Ertrag werde nur dazu verwendet werden, die militärischen Operationen zu verlängern. Man habe dann ferner keinerlei Garantie, daß nicht immer neue Zollerhöhungen gefordert werden würden, bis es zuletzt überhaupt keinen Außenhandel mehr gebe, den man besteuern könnte. Er schließt seine Stmfpredigt mit folgenden Worten: Die Steucrerhöhung verstoße gegen nationale Vertragsverpflichtungen und flüge beinahe das letzte Stroh zu der Last, die die durch die heutigen Zustände verarmten fremden Kaufleute zu tragen haben. Einjährige Dienstzeit in Frankreich? Li. Paris, 30. Juni. Vor kurzem gab ein Pariser Blatt — es vertritt mit Nichten kommunistische oder sozialistische Tendenzen — ein Zukunftsbild aus dem Jahre 1947 in der Form eines Senatsberichts. Weiland Kriegsministers Maginot waltet durch Geschickes Fügung wiederum im Ministerium der Kanonen und Gewehre, der Sozialist (?) Paul Boncour hat die Nachfolge Dvumers angetreten und die Propheten des Blvc National leiten als patres patriae immer noch die Geschicke des Landes. Auf der Tagesordnung der Sitzung steht ein Anleihegesuch Deutschlands in Höhe von 5 Milliarden Franken zur Organisation seiner Reichswehr. Einstimmig und begeistert stimmt das Luxemburger Palais zu, in der weisen Einsicht — der Berichterstatter kleidet sie in Worte —: „Will Frankreich auch in Zukunft siegen, yiuh es Schlachten geben. Wie kann man sich mit einem Lande schlagen, das keine Armee hat? Der > ■" 11 " .——————————.—ii » ii Anatol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 35) . (Nachdruck verboten.) Nach und nach hatte Anatol die Maske der wehrlosen Dulderin immer mehr fallen lassen, es war auch die höchste Zeit für seine Gesundheit gewesen, denn ohne den Lebensmittelzuschuß der wackeren Bürgermeisterin wäre er bald genug an Entkräftung gestorben. Tag für Tag mit Aufbietung aller seiner Kräfte weiterarbeitend und unglaublich viel leistend, schon infolge seiner praktischen Uebersicht, hatte er auf der anderen Seite darauf bestanden, eine bestimmte Hausordnung für sich einzusühren. Um elf Uhr ging er regelmäßig schlafen, um vier Uhr stand er auf, in der Ernte um drei. Zweimal in der Woche mußte die Bäuerin Fleisch auf den Tisch bringen, zweimal Ochsenaugen (Spiegel oder Setzeier) mit Speck, um neun und um vier Uhr Brot mit irgendeiner Zutat und eine Viertelmaß Wein. Ihrem Geschrei und Gezeter hatte er nach Männerart lange Zeit unerschütterliche Ruhe entgegengesetzt und die kalte Drohung, alles an seinen Vater schreiben zu wollen. Der würde dann gleich selber kommen, seine Tochter abzuholen, denn der dreijährige Kontrakt hätte nur Gültigkeit, wenn beide Teile ihren Verpflichtungen nachkämen. Als aber Apollonia immer wieder von neuem loszu-, schnattern versuchte, geriet Anatol schließlich in heftigen Zorn: die Bäuerin, in großer Angst, rief den Tobi zu Hilfe, und dieser wollte, wie er es anderen gegenüber gemacht, mit der Riesenfaust nach der meuternden Magd schlagen. Allein Anatol. durchdrungen von seinem Recht und fern jeder Menschenfurcht, griff nach dem eichnen Küchenschemel, schwang ihn hoch in der Luft und drohte dem Bauern, ihn damit niederzuschlagen, wenn er es wage, nach all seiner Unverschämtheit auch noch die Hand gegen ihn zu erheben! Aus dem geisterbleichen Antlitz warfen seine schwarzen Augen blutroten Flammenschein, und der Goliath wich feige zurück: den tierischen Blick auf die unheimliche Gegnerin gerichtet, verließ er rückwärts die Küche. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Krieg wird dadurch materiell völlig unmöglich." Die Satire ist so übel nicht, nur hätte Herr Charpentier. der dies schrieb, nicht nötig gehabt, derart in zeitliche Fernen zu schweifen, wollte er in rebus militariis sein Svöttertalent erweisen. Gerade die letzten Tage hätten ihm hierzu reichlich Gelegenheit gegeben, wie die sonntäglichen Verhandlungen des Sozialistischen Parteiausschuffes und die am Dienstag erfolgte Verabschiedung des zweiten Militärgesetzes durch die Kammer bewiesen haben. Ein nicht geringer Teil der sozialistischen Partei Frankreichs trug nicht leicht daran, daß das einmütige Votum der Kammergruppe für das Paul Bon- coursche Gesetz des „Volk in Waffen" die Partei in recht militaristischen Geruch gebracht hatte. Der Lyoner Osterkongreß hatte die brenzliche Frage und die Kritiken im Schoße der Revolutionskommission begraben und dem Parteiausschuß zur Lösung übergeben. Die Redner von der rötesten Konservanz bis zur rosaroten Kulör gingen am Sonntag um den Kern des Problems herum wie die Katze um den heißen Brei, und nur um den Schein zu wahren, gab man den Parlamentariern die Weisung mit auf den Weg, in Kammer und Senat diejenigen Bestimmungen etwas abzuschwächen, die auch die Bubenköpfe der Französinnen dem Stahlhelm- oder Käppizwang unterwarfen oder Federkiel, Leimtopf und Schere der Reöaktionsschreibstuben und die Pegasusse der Dichterlinge mobilisierten. Aber dem Problem des Krieges als solchem gingen die Herren Sozialistenführer fein säuberlich ans dem Wege. Es ist ziemlich nebensächlich, ob alle oder nur einzelne Staatenbürger diesen nächsten „letzten Krieg" machen oder eine Minderheit sich Profite sichert, während die Mehrheit verblutet. Paul Boncour hat es in Genf — in Paris vergaß er darauf — in seiner Reden schön gedrechseltem Ebenmaß zu wiederholten Malen gesagt, der kommende Krieg sei das Ende vor allem, der Zusammenbruch der Zivlisation. Km Konventikel der Parteibonzen sprach man aber nur davon, wie man Frankreich die stärkste Wehr schmiede und für diese und die Partei selbst die beste Mimikri finde, damit man jenseits der Schützengräben der Auslandsgrenzen die Waffenmacht Frankreichs und den Programmverrat der Sozialisten nicht merke. Und doch sollte die wahre und sozialistsche Tradition die Kriegserklärung dem riege, dem kriegssüchtigen Geiste und den Kriegsmöglichkeiten sein! . . . Proletarier aller Länder vereinigt euch!! Tags darauf nahm die Kammer mit 379 gegen 148 Stimmen das Rekrutierungsgesetz an, daß nach außen hin mit der Mimikri der einjährigen Dienstzeit überpinselt wurde. In Frankreich selbst ist die Zahl derer so gering, die an die Einlösung des Regierungsversprechens glaubt, daß im Jahre 1930 die Verkürzung der Dienstdauer zum ersten Male in Kraft treten werde: am wenigsten glauben daran, schon weil sie es nicht wollen, die militärischen Kreise. Sie ist von so vielen Faktoren abhängig gemacht worden, daß nur bei einem der dazwischen geschalteten Faktoren der volle gute Wille zu fehlen braucht, um die Verringerung der Milttürdienstzeit auf dem Papiere und als Geste zu belassen. Es wird allein schon eifrigster Arbeit von Kammer und Senat bedürfen, um die beiden restliche» Militärgesetze innerhalb der nächsten vierzehn Tage unter Dach und Fach zu bringen und damit die parlamentarische Vorbedingung für die Dienstdauer zu erfüllen. Dabei darf nicht vergessen werden, daß der Senat immer noch beim ersten Militärgesetz sich verweilt und dieses im Laufe seiner Beratung derart umgewandelt hat, daß die Zustimmung der Sozialisten bet der zweiten Kammerberatung noch sehr in Frage steht. Dazu kommen die technischen Faktoren der genügenden Einreihung der Kapitulanten und Militärbeamten, aus die an dieser Stelle schon ausführlich hingewiesen wurde, so baß man den Worten Painlcves, sich für die einjährige Dienstzeit mit aller Energie einzusetzen, selbst bei gutem Willen des Kriegsministers, eine gehörige Dosis Skepsis entgegenbringen muß. Bei der Erörterung der Vorbedingungen für die Durchführung der Dienstzeitverkürzung wird — in Frankreich mit Bedacht, im Auslande vielfach aus Unkenntnis — viel zu wenig ein Punkt beachtet, der aber gerade angesichts der Hetze der französischen Nationalisten gegen die „geheimen militärischen Verbände in Deutschland" von besonderem Interesse ist. Es handelt sich hier umdiemilitärischeVor- bereitung der Jugend in Frankreich, die bis jetzt sakultativ schon bestand, aber nun obligitorifch werden soll. Bei der bisherigen eineinhalbjährigen Militärdienstpflicht war die militärische Vorbereitung noch nicht zwangsweise eingeführt, gewährte aber den jungen Leuten im Augenblicke ihrer Aushebung derartige Vorteile, daß sie sich großer Beliebtheit und darum auch Vorbereitung erfreute. Nach theoretischer und praktischer Prüfung erhielten die jungen Leute ein ..Militärstudienzeugnis", das deffen Besitzer nicht nur von Apollonias Gestalt war wie von der Erde getilgt, mit einem Luftsprung hatte sie im Augenblick der Gefahr hinter dem mannshohen Wasserständer Deckung gesucht. Einige Tage später, nachdem die schwer mißhandelte Dienstherrschaft ausgetückscht, versuchten sie auf plumpe Art. unter allerlei Gelächter und Geulke, sowie mit einem Maß Bier aus dem „Rebstock", Versöhnung zu feiern. Anatol aber, einen tiefen Zug aus dem Maßkrug tuend, vertrug sich nur oberflächlich, blieb auch nach wie vor wortkarg und schwang sich mit seiner geistigen Ueberlegenheit immer mehr zum Herrn über die minderwertigen Menschen auf. Was Kathrin anordnete, wurde befolgt, was Kathrin meinte, war allein ausschlaggebend. — Rach drei Stunden traf Anatol mit seiner Holzlodung und den lustig auf dem Wagen tanzenden Buben in Rutenstein wieder ein. Vom leichtfertigen Tobi war immer noch nichts zu sehen. Er spannte aus, nahm in wenigen Minuten das verspätete Mittagsmahl ein und hieß dann die träge Bäuerin, ob sie wollte oder nicht, mit hinauskommen, damit sie die Löcher zu den Pfosten graben helfe. Anatol arbeitete, daß die Pulse flogen, ohne Unterbrechung vier Stunden: es war warm,^viel zu warm für den Monat März, seine Hände bedeckten sich mit Schwielen und Blasen von dem Einstoßen der steinigen Erde um d'e Pfosten herum mit dem eichnen Stampfer. Um sieben Uhr begann es zu dunkeln, aber die gebrechliche Scheune war jetzt mit ihrem Inhalt für alle Fälle gesichert, denn der letzte Pfosten stand. Endlich, nachdem es nichts mehr zu tun gab. kehrte taumelnd der Bauer heim. Auf dem Hofe hin und hertappelnd. wollte er absolut bei jenen Tieren eindringen und nächtigen, die gewöhnlich nur ihrer Schinken und Bratwürste wegen verehrt werden. „Ganz recht, da gehört Ihr eigentlich hinein," rief Anatol dem Trunkenen zürnend zu, „schämt Euch, den ganzen Tag im Wirtshaus zu sitzen, während hier die Arbeit auf den Nägeln brannte. Gebt mir Eure Hand ich will Euch die Steinstiegen hinaufführen. Ihr brecht sonst noch den Hals." Hasclft recht, lallte Tobi, „zank nur fest, kannst auch a einem halben Jahr Militärdicnstzeit befreite, sondern ihn am Tage seines Eintritts in das Heer bereits als Unteroffizier in eine Reserve-Offtziersafpirantenschule führte, aus der er nach sechs Monaten und bestandendem Examen meist als frisch gebackener Reserveleutnant für die restlichen sechs Monate Dienstzeit entlaffen wurde. Mit der Einführung der einjährigen Dienstzeit fallen natürlich diese Vorteile der Dienstdauervcrkürzung weg, aber die Jungkultur der Re- serveofstziere bleibt. Waren bisher die größeren Fortbildungsschulen, Sportvereine und eigentlichen Militärvorbereitungsschulen die Sammelbecken für die Unteroffiziersund Reserveoffizierskandidaten, so denkt man nun daran, auch die kleinsten Dörfer in sogenannte Kantonalkurse zu- samm^nzufasfen, in denen an zwei Sonntagen im Monat Gendarmen die nötige Unterweisung erteilen und die Jugend von 15 bis 21 Jahren die vorbereitende Ausbildung erhält, Schießunterricht und andere militärische Uebungen nicht ausgenommen. Die Militärbehörde führt über alle diese Veranstaltungen die Oberaufsicht und sucht durch Veranstaltung von Wettbewerben und Aussetzung von Preisen den Eifer der Jugend anzuspornen, die — in Frankreich nicht weniger als anderswo — von Natur aus schon recht viel Liebe dem „Solöätelesspielen" entgegenbringt, um ein früheres Wort des jetzigen Reichsfinanzministers zu gebrauchen. So sieht ät Wahrheit der „Militärabbau" in Frankreich aus. Baden. Dadenwerk A.-G. In Karlsruhe fand gestern in Anwesenheit des badischen Finanzministers Dr. Schmitt und des Innenministers Remmele die Generalversammlung des Badenwerks A.-G. statt. In dem Geschäftsbericht wird erwähnt, daß die in dem Bericht für das 5. Geschäftsjahr empfohlene Vorsicht in der Beurteilung der Aussichten für das 6. Geschäftsjahr sich als gerechtfertigt erwiesen habe. Bei verschiedenen industriellen Stromabnehmern sei, teils durch Einführung der Kurzarbeit, teils durch Nationalisierungsmaßnahmen eine Minderung des Stromverbrauches eingetreten. Wenn trotzdem die Stromabnahme im ganzen eine Erhöhung erfahren habe, so sei das auf die im Winter 1926—27 erfolgte Stromlieferung an Schweizer Werke zurückzuführen. Im laufenden Geschäftsjahr habe sich der Stromabsatz wieder gebessert. Sowohl im Groß- wie im Kleinverkauf sei eine erfreuliche Steigerung zu verzeichnen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden zahlreiche Erweiterungsarbeiten beendet. Das bereits erwähnte Stromaustauschabkommen mit der Schweiz wurde durchgeführt. An Jahre 1926 schloß das Badenwerk auch ein Abkommen mit dem Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk über eine von diesem Werk geführte Leitung nach Rheinau von 220000 Volt. Zu Anfang des Geschäftsjahres wurde das Aktienkapital von 18 Millionen auf 21 Millionen erhöht. Außerdem wurden weitere Mittel durch langfristige Kredite beschafft. Die Generalversammlung beschloß eine Zuweisung an den Reservefond in Höhe von 104 438 Mark und die Ausschüttung von 9 Proz. Dividend^ auf das Aktienkapital in Höhe von 21 Mill. Mk. An den Wohl- fahrtsfond wurden 100 000 Mk. überwiesen. Aufsichtsrat und Vorstand wurden entlastet. Bekanntlich befindet sich das Aktienkapital des Badenwerkes vollständig im Besitz des badischen Staates. Die Tagung des Deutschen Reichssnsschusses für Leibesübungen in Karlsruhe. Karlsruhe, 3. Juli. Der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen versammelte am Samstag und Sonntag die Führer der deutschen Turn- und Sportgemeinde und die Vertreter der Stadt- und Kommunalverwaltungen zu zwei wichtigen Tagungen in Karlsruhe. Am Samstag nachmittag fanden sich im Bürgersaal des Rathauses die Vertreter der Stadtämter für Leibesübungen und der Ortsgruppe des Deutschen Reichsausschusses mit den Führern des deutschen. Turnens und Sports zur Beratung einer Reihe wichtiger Fragen. Im Brennpunkt dieser Erörterungen stand der Kampf um die Einführung der täglichen Turnstunde, die der Deutsche Reichsausschuß seit Jahr und Tag mit aller Energie verficht. Es referierte hierüber Staatsminister a. D. Dominikus, der die Notwendigkett der Einführung der täglichen Turnstunde für das körperliche Wohl der Jugend und für die Stärkung des deutschen Geistes forderte. Nach einer wertvollen Aussprache über diese Frage wurden einige Anträge zur Frage der täglichen Turnstunde angenommen. Die Ermittelung des Deutschen Äädtetages über die Einführung der täglichen Turnstunde möge der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen zum Anlaß einer eingehenden Veröffentlichung über die bisherigen Erfahrungen mit der Einführung der täglichen Turnstunde in den Gemeinden machen: er möge ferner eine Sammlung der ausländischen Gesetzgebung betreffend die tägliche Turnstunde veranstalten und eine eingehende Schrift über die Art dieser Gesetzgebung im Dreien nehmen und Mi verschlage, denn warum? I hab's verdient. Es ist alles verrückt, es -s alles verrückt. So a g'hörnt's Stückle wie die Bäuerin, un so a Tropf wi i kann dir befehle — so a feine Dam', wie du bischt. Js denn dös nur mögli? Wann i a Krügle trunke Hab, na wird's mi klar und i feg nix wie: d' Welt steht auf'n Kopf." „Ja, das sag ich mir auch manchmal, Bauer, ohne eist ein Krügle getrunken zu haben. Kommt nur jetzt und schlaft Euren Rausch aus, damit Ihr, wenn's not tut am Platz sein könnt." „Du manst, 's Wasser kommt? Laß nur komme. Kathrin, na schwimmst du vorneweg, un i, als bei Knecht hinnenach." Nach der gewaltigen Arbeit, welche die Kräfte eines starken Mannes erschöpft haben würden, lag Anatol in einem so bleiernen Schlaf, als habe er Morphium zu sich genommen. Plötzlich aber richtete er sich erschrocken in di? Höhe — kaltes Wasser rieselte von seinem Gesicht hinab, sausend fegte der Sturm über das Ziegeldach hinweg? Da — dort — hier — drüben — rechts — links entstanden Oeffnungen, ein Ziegel nach dem anderen flog mit dem Sturm davon, prasselnd schlug der Regen zu den zahllosen Lücken herein, begleitet von tageshellen Blitzen! Anatol sprang auf, zündete die Laterne an, stieg die Leiter hinab, öffnete die Haustür und spähte in die Dunkelheit hinaus. Ein Knäuel von Blitzen fuhr herab, und so weit das Auge blickte, war alles Wasser, Wasser, Waffer — millionenfach warf sich der Blitze Zucken aus dem verderblichen Spiegel zurück. „Bauer — Bäuerin!" rief Anatol, mit der Laterne in der Hand in die Schlafkammer stürmend, „auf auf, ein entsetzliches Wetter tobt, der Main ist ausgetreten, er hat schon die unterste Stufe der Hofftiege erreicht!" „O, du lieber Herr Jesu," jammerte Apollonia; „hilf uns doch, ach hilf uns doch!" „Aha." dachte Anatol. „in der Not könnte der Herr Jesus kommen, sonst wird er nur als Redensart im Munde geführt. So steht doch auf. Bäuerin, mit Lamentieren und Be^en ist hier nichts gemacht, hier heißt's irdisch zuareisen." Jahrgang 1927. Nr. 114. Ausland veröffentlichen. Es wurde festgestellt, daß die Lösung der Spielplatzfrage in den letzten Jahren wesentlich gefördert worden sei und darum um die Einführung der täglichen Turnstunde gekämpft. Es wurde an die Landesregierungen und die Volksvertretungen die dringende Bitte gerichtet, die Veranstaltung dieser Versuche, die die tägliche Turnstunde betreffen, weitgehend zu genehmigen. Ein weiteres Thema war das über die Dereinheit- lil^rng der Stüdtämter für Leibesübungen, die unter gemeinsamen Gesichtspunkten zu verwalten seien. Es referierte darüber der Statistiker des Deutschen Reichsausschusses, Dr. Brandt, der «ine interessante Statistik über die Aufgaben der deutschen Stadtämter für Leibesübungen in den einzelnen Städten gab. AP Sonntagmorgen fand man sich dann zur Hauptversammlung oes Deutschen Rrichsausschusses ein, um den Tätigkeitsbericht, der ja schon gedruckt vorliegt, entgegenzunehmen. Die Entlastung der Vorstands- und Ausschußmitglieder war rein formell, denn unter der gebührenden Anerkennung ihrer Verdienste wurden die Führer des Deutschen Reichsausschusses durch einmütige Wiederwahl an ihre alten Stellen gerufen. An den Reichspräsi^ denten v. Hindenburg wurde ein Telegramm gerichtet, in dem er um seine Zustimmung zu den Hindenburgspielen gebeten wurde, die am 2. Oktober, dem 80. Geburtstag des greisen Reichspräsidenten als ein großer Turn- und Sporttag für die Jugend durchgeführt werden sollen. Am Nachmittag folgte die Karlsruher Turn -und Sportgemeinde einer Einladung in die Festhalle, wo sie mit den Zielen und Zwecken des Deutschen Reichsausschusses vertraut gemacht wurde. Exzellenz Lewald sprach in Abwesenheit des verhinderten Oberbürgermeisters Dr. Iarres, der badische Kultminister Leers und der Vorsitzende des badischen Landesverbands für Leichtathletik Dr. Brenner. Diese Feier war umrahmt von Musikvorträgen und von dem Aufmarsch der Karlsruher Turn- und Sportvereine, sowie der Karlsruher Studentenschaft. Als Abschluß der Tagung folgt am Montag eine Besichtigung des neuen Spielplatzprojekts in Karlsruhe, des Spiel- platzrings im Hardtwald und am Dienstag eine Besichtigung des neuen Mannheimer Stadions. Revolverattentat im Krankenhaus. Die Oberin tödlich verletzt. Singen, 2. Juli. Der 40 Jahre alte Fuhrknecht Gerster, der im vorigen Oktober wegen eines Fußleidens ins Singener Krankenhaus «ingeliefert worden war, erhielt gestern vom Chefarzt die Mitteilung, daß er in die Kreispflegeanstalt Blumenfeld bei Engen überführt werden sollte. Gerster fuhr daraufhin nach Konstanz und kehrte mit einem Revolver nach Singen zurück. Er trat in den Schwester- Speisesaal und riegelte die Tür hinter sich ab. Dann rief er den Schwestern zu: Jetzt müßt ihr alle dran glauben. Di« Schwester- Oberin wurde durch zwei Schüsse tödlich getroffen. Die anderen Schlvestern flüchteten durch eine unverschloffene Eeitentür und benachrichtigten die Polizei. Der zuerst eintreffende Polizeiwachtmeister Geiger erhielt einen Schuß durch die Lunge, ist aber anscheinend nicht lebensgefährlich verletzt worden. Ein zweiter Polizeibeamter konnte Gerster schließlich in dem Augenblick festnehmen, als er den Revolver wieder laden wollte. Von seinen Mitpatienten wird Gerster als ein mißmutiger, finsterer Mann geschildert, während ihn seine Arbeitskollegen als einen ruhigen, fleißigen Menschen bezeichnen. Der Mörder der Gräfin Lambsdorff zum Tod verurteUt. Berlin, 3. Juli. Das Schwurgericht 2 in Berlin verurteilte den Arbeiter Karl Böttcher wegen Doppelmordes zweimal zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit, ferner wegen widernatürlicher Unzucht, Diebstahls, uner- laubien Waffenbefitzrs, schweren Raubes und Notzucht zu IS Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Das Schwurgericht hat Böttcher schuldig befunden, die Tötung der Gräfin Lambsdorff nnd der Senta Eckert mit voller Ueberlegung ausgeführt zu haben. Die für die übrigen Straftaten eingesetzten Einzelstrafen beliefen sich auf rund 85 Jahre Zuchthaus, die auf die Höchststrafe von 15 Jahren zusammengezogen wurden. Als der Vorsitzende des Schwurgerichts das doppelte Todesurteil verkündete, sank Böttcher zusammen. Der Urteilsspruch wurde von dem zahlreichen Publikum in und vor dem Gerichtssaal mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen. Schweres Explofionsrmglück bei Nanking. 100 Tote. — Großer Sachschaden. Nanking, 3. Juli. Gestern nachmittag ereignete sich bei Nanking ein furchtbares Explofionsunglück. Zwei mit Sprengstoff be- ladene Dschunken, die am Umladeplatz lagen, explodierten plötzlich. Ueber 100 Chinesen wurden Opfer dieser Explosion. Viele Eingeborenenboote versanken und drei Flußdampfer wurden zerstört. Die Dächer der naheliegenden Gebäude wurden abgerissen und^^Fenster^e^nimmer^^Di^Explosionjstwahrscheinllchdurch Die Mutter der Welt Von Paul Ankermann. Der Film der dritte« Everest-Expedition. — Mallory und Jrvine, der Kampf mit dem heilige« Berg. — Besuch und Einsegnung im Kloster z« Rongbnk. — Das Bild des vom Berg erschlagenen Europäers. — Das Zeichen des Kreuzes. — Die ««besiegte Mutter der Welt. — Wir leben im Zeitalter der Spitzenerfolge. Menschen erforschen die verborgensten Winkel der Erde, schürfen in allen .Teilen der Erde nach den Resten unserer tierischen und menschlichen Vorfahren, schlagen Brücken über gähnende Abgründe, durcheilen mit Windeseile in surrenden Flugzeugen die Luft über trennenden Ozeanen. Nur das höchste Gebirge der Welt, die „Mutter der Welt", hat seinem Tatendrang eine Schranke entgegengesetzt, die scheinbar unüberbrückbar ist. Mehrere Expeditionen, die es unternehmen wollten, auf die höchste Spitze des Mount Everest zu gelangen, sind gescheitert. Das traurige Ende der dritten Everestexpedition im Verlauf derer Mallory und Jrvine ums Leben gekommen sind, ist noch in aller Erinnerung. Und nun erscheint bereits der Film dieser Expedition, zunächst in den Vereinigten Staaten. Der Film ist von I. B. L. Noel nährend der Expedition ausgenommen worden, der sich als Meister in seinem Fach erwiesen hat. Gleichzeitig gibt Noel eine Erläuterung der Aufnahmen heraus. Er erzählt, wie die tibetanischen Klvsterleute immer und immer wieder vor den Versuchen zur Bezwingung der „Mutter der Welt" warnten. Er erzählt, wie Filmleute an ihn herangetreten seien, um die Mitnahme eines oder mehrerer „Stars" zu erwirken, um ein Drama der Berge zu filmen, wie man aber diese Anerbietung ablehnte und wie schließlich der Film doch ein Drama geworben ist, das Drama der Unternehmer Mallory und Jrvine. Von Darjeeling brach man aus, die Geräte aus Mauleseln verpackt, die später durch den im Hochgebirge unentbehrlichen „Aak" ersetzt wurden. Schon diese Reise gab seffelnüe Bilder, sowohl von der Tierwelt der Berge als auch vom Leben der Menschen. Und überall sand man den Wak als treuesten Helfer und Begleiter des Menschen. Ter Ajak gibt nicht nur seine Arbeitskraft, sondern auch sein Fleisch, seine Milch, seine Haut als Kleidung. _ Der Laudbote * Siusheimer Zriümg. die Hitze oder aber auch durch Rachläfligkeit der Mannschaft verursacht worden. Tschiangkaischek besichtigte die Unglücksstättc und überwachte das Hilfswerk sowie die Erforschung der Explosionsursache. Aus Nah und Fern. st Sinsheim, 4. Fuli. (Ernannt.) Herr Amtsgerichtsrat Grein wurde zum nebenamtlichen Vorsitzenden des Arbeitsgerichts Sinsheim ernannt. * Sinsheim, 4. Juli. (Rheinfahrt der evang. Kirchenchöre.) Unter starker Beteiligung fand gestern die gemeinsame Rheinfahrt nach dem Niederwalddenkmal statt, von der die Teilnehmer voll befriedigt zurückkehrten. Näherer Bericht folgt noch. * Sinsheim, 4. Juli. (Vorsicht mit Obstkernen.) Die Obstzeit bringt die alte Unsitte wieder mit sich, Kerne und Obstabfälle einfach auf die Straße zu werfen, ohne zu bedenken, welche Gefahr für die Straßenpassanten dadurch hervorgerufen wird. Gerade im Interesse der zahlreichen Beschädigten, die sich mühevoll mit künstlichen Gliedern fortbewegen müssen, muß von jedem Menschen verlangt werden, darauf zu achten, daß Obstkerne und Abfälle nicht einfach auf die Straße geworfen werden) Nehmt Rücksicht auf eure Mitmenschen! X Helmstadt, 3. Juli. (Versetzung.) Die unterm 30. Juni erschienene Mitteilung, daß Lehrer Gallion als Zeichenlehrer nach Heidelberg versetzt worden sei, entspricht nicht dem wirklichen Tatbestand. Taffache ist vielmehr, daß er als Lehrer an der Volksschule nach Heidelberg am 1. Juni seinen Dienst angetreten hat. O Bargen, 4. Juli. (Am Peter- und Paulstage) feierte die hiesige Psarrgemeinde ihr Patrozinium. Die Festpredigt hielt der Hochw. Herr Iesuitenpater Dr. Stöckle aus Karlsruhe. Am Nachmittag versammelte sich die Psarrgemeinde im Gasthaus zum Stern zu einer gemütlichen Unterhaltung. Auch hier erfreute der hochw. Herr Festprediger mit seinen kernigen und humorvollen Art. Der hiesige sowie der Kirchenchor von Asbach trugen durch schöne Gesänge zur Unterhaltung bei. Auch die hiesige Musikkapelle erfreute mtt ihren Weisen. Nur zu schnell verliefen die Stunden. _L Mosbach, 2. Juli. (Verschiedenes.) Durch Umbau der Klotzsäle am Bahnhof wird ein neuer großer Theatersaah geschaffen, wozu die Stadt Mosbach 10000 Mark Baukosten zugesteuert hat. — Der Bürgerausschuß in Asbach hat den Bau einer Wasserleitung genehmigt. — Im benachbarten Michelbach feierte der dortige Männergesangverein „Liederkranz" sein 60- jähriges Stistungsfest. § Ochsenbach, 2. Juli. (Großfeuer.) Gestern nachmittag brach im Oekonomiegebäude des Landwirts Friedrich Hettinger, Lingen- talerhof, ein Brand aus, dem die große Doppelscheuer und Stallgebäude zum Opfer sielen. Sämtliche Futter- und Strohvorräte, Wagen, Maschinen und Geräte sind ein Raub der Flammen geworden. Das Vieh konnte gerettet werden. In der Scheune ist die Tmnsformatorenstation des Lingentalerhofes eingcmauert, wodurch der Brand wahrscheinlich entstanden ist. P Oberwtttstadt, 2. Juli. (Ein Kalb mit zwei Köpfen.) Eine Kuh des Landwirts Henninger brachte ein Kalb mit zwei Köpfen zur Welt, das allerdings eine halbe Stunde nach der Geburt verendete. Der Bezierkstierarzt stellte fest, daß das Kalb zwei Köpfe mit zwei Zungen, vier Augen und zwei Stirnhöhlen aber nur einem Schlund hatte, während das Innere des Kalbes wieder einheitlich war. ** Mannheim, 4. Juli. (Tödlicher Betriebsunfall.) Im Strebeiwerk Hl ist beim Transport eines mit flüffigem Eisen gefüllten Tiegels die Achse eines Transportwagens gebrochen. Dadurch kippte der Wagen um und ein Teil des. glühenden Eisens ergoß sich über den 3ijährigen verheirateten Gießer Alexander Ellwanger von hier, wodurch dieser so schwere Brandwunden erlitt, daß der Tod alsbald cintrat. Untersuchung ist eingeleitet. ** Heidelberg, 4. Juli. (Austritt der Heidelberger Studentenschaft aus dem Hochschulring.) Die dem Hochschulring Deutscher Art augehürenden Studenten der hiesigen Universität haben einstimmig eine Erklärung gutgeheißen, in der sie den Austritt aus dem Hochschulrtng verkündigen, da diese Korporation mehr und mehr von ihren ursprünglichen Zielen abgewichen und in letzter Zeit sogar begonnen habe, sich parteipolitisch sestzulegen." Im Zusamenhang mit dem Austritt aus dem deutschen Hochschulring wurde die Groß- deutsche Studentengemeinschaft Heidelberg vollzogen, die sich zum Ziel gesetzt hat. den ursprünglichen Idealen des deutschen Hochschulringes nachzustrebeu. ** Neckarsnlm, 4. Juli. Seinen schweren Verletzungen erlegen ist der 20jährge Mechaniker Paul Kuntz von Merchingen, der kürzlich ohne Licht gegen einen am Wege stehenden Zigeunerwagen, der ebenfalls ohne Licht war, auffuhr. Der Anprall war so stark, daß die Wagendeichsel ihm in den Leib ging. ** Buchen, 4 Juli. (Unglücksfall.) Auf der Fahrt vom nno dann vegann oer »ampj mir oem Berge. A)er Film zeigt die Expedition in den schwierigsten Situationen, zeigt die Lager, die die Etappen der Eroberung bezeichnen, zeigt die unerschrockenen Führer allen andern voran, wie sie im Eis der Gletscher Wege bahnen für ihre Begleiter, wie sie zugleich Führer und Träger sind, wie sie allen Teilnehmern mit bestem Beispiel vorangehen, wie sie die Mutlosen anfeuern und alle ihre Kräfte in den Dienst der Sache stellen, um deretwillen sie ausgezogen sind. Es kamen Rückschläge. Die eingeborenen Begleiter wollten nicht mehr wei- terkämpfcn, es sei denn, man ginge zum Kloster zu Rong- buk und ließe sich von den Mönchen segnen. Man müßte ihre Wünsche berücksichtigen. Der Oberlama des Klosters gewährte Gastfreundschaft, aber er machte die Europäer darauf aufmerksam, daß es eine Gotteslästerung sei, den heiligen Berg anzugreifen. Noel gelang es, im Kloster selbst nur wenige Bilder aufzunehmen, dafür aber illustrierte er den Gang zum Kloster und brachte es sogar fertig, vermutlich ohne Wiffen der Klosterleute, einige Mönche auf die Platte zu bannen. Im Kloster sand man in einer Zelle ein Bild, ein vom Felsen gestürzter Europäer, als Symbol der Heiligkeit der Mutter der Welt, und als Warnung für alle Frevler, die es wagen, sie anzugreifen. Die Vorbereitungen zur Segnung der Träger dauerten zwei volle Tage und wurden mit allem Prunk vollzogen. Mit aller Freundlichkeit wurde man ausgenommen und doch ließen es die Klost ieute nicht an inständigen Warnungen fehlen, von dem unseligen Vorhaben abzulafsen, als die Expedition sich anschickte, in die Berge zurückzukehren. Das letzte Lager vor dem höchsten Gipfel war aufgeschlagen. Schon wurde sehr viel mit den mitgebrachten Sauerstossapparaten gearbeitet. Nur ein verhältnismäßig geringer Weg trennt die Expeditionsmitglieder von der Spitze, die kalt und stumm, zuweilen in Schnee und Eis, in Nebel und Wolken verschwindend vor ihnen lag. Unerhört waren die Anstrengungen der Leute, alles für den letzten großen Aufstieg, den Mallory und Jrvine allein unternehmen wollten, vorzubereiten. Noel wußte die wichtigsten Momente im Film zu bannen, trotzdem er selbst schwer unter der Bergkrankheit zu leiden hatte. Sogar bet dem letzten Aufstieg der beiden Führer gelang es ihm, sie, wenn auch nur kür einen kurzen Moment, auf die Platte zu bringen. Kamera und Noel sind die lesten. die Mallorv und MontG, den 4. Juli 1927. Faustenhof nach Bödigheim erlitt Frau Hemberger vom Fau- stenhof einen Beinbruch, da die Pferde scheuten und der Wagen über sie wegging. ** Achern, 4. Juli. (Die Biersteuer abgelehnt.) In der, hiesigen Bürgerausschußsttzung wurde die Vorlage betreffend die Einführung der Biersteuer mtt 36 gegen 22 Stimmen abgelehnt. ** Offenburg, 4. Juli. (Freispruch.) Vor dem hiesigen Schöffengericht wurde heute früh der Fall verhandelt vom 29. August vorigen Jahres, wo auf dem Schießplatz des hiesigen Kleinkaliberschützenvereins der 19 Jahre alte Oberprimaner Erich Witz tödlich verunglückte. Aageklagt waren der Kaufmann Fritz Menser, Lokomotivführer Ladeck und Robert Hagen, sämtlich wohnhaft in Offenburg. Erich Witz war auf dem Schießplatz des Kleinkaliberschützenvereins und wurde von dem hinter ihm stehenden Kaufmann Fritz Menser in den Kopf geschvffen. Der Tod trat am selben Abend ein. Fritz Menser war wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, Josef Landeck und Robert Hagen, die die Aufsicht satten, wegen desselben Deliktes. Zwei Sachverständige glaubten sagen zu sollen, daß die Aufsicht nicht vollkommen genügt, während zwei andere Sachverständige der Meinung waren, daß die Aufsichtsführenden ihrer Pflicht nachgekommen waren. Der Staatsanwalt plädiert auf Bestrafung wegen fahrlässiger Tötung, wobei er sich den Standpunkt zu eigen machte, daß die Aufsicht nicht in Ordnung gewesen ist. Er stellte aber die Strafe, Gefängnis oder Geld, dem Gericht anheim. Das Gericht sprach die sämtlichen Angeklagten mangels Schuld frei. ** Gengenbach, 2. Juli. (Zusammenstoß.) Vorgestern mittag wurde der verheiratete Gustav Herr von dem Auto des Arztes Lang von hier in einer schwer übersehbaren Kurve angefahren. Herr erlitt schwere Verletzungen, so daß er nach Gengenbach gebracht werden mußte. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. ** Haslach, 4. Juli. (Unfall.) Gestern morgen fuhr der Knecht der Gärtnerei Winterer hier. Albert Ritter, .im sogenannten Weiher gegen einen andern Radfahrer und stürzte die hohe Böschung herunter. Er erlitt dabei einen Oberschenkelbruch und wurde, nachdem ihm im hiesigen Krankenhaus die erste Hilfe zuteil geworden war, ins Städtische Krankenhaus nach Offenburg verbracht. ** Ichenheim, Amt Lahr, 4. Juli. (Schwerer Sturz.» Beim Holen von Tabakstumpen ist die 63 Jahre alte Landwirtsehefrau Mina Kleis in der Scheuer abgestürzt. Sie benutzte die Leiter und glitt dabei aus. Mit einem schweren Schädelbruch mußte sie ins Offenburger Krankenhaus transportiert werden. ** Frcibnrg, 4. Juli. (Motorradunfall.) In der Zährin- gcrstraße rannte ein Motorradfahrer einen Radfahrer von hinten an, io daß dieser in den vorbeifließenden Bach stürzte und sich Verletzungen an Händen und Knie zuzog. Ohne sich um den Verletzten zu kümmern, fuhr der Motorradfahrer weiter. ** Frcibnrg i. Br., 4. Juli. (Zur Tagung des Badischen Baumeisterbundes.» Für die am 9 und 10. Juli stattfindende Tagung des Badischen Baumeisterbundes ist folgendes Programm vorgesehen: Die Tagung wird am 9. Juli mit einer Mitgliederversammlung der angeschloffenen Vereine und Fachgruppen eingeleitet. Abends 8 Uhr folgt ein Lichtbildervortrag von Frl. Kempf, der Tochter des Münsterbaumeisters D. Kempf, über das Freiburger Münster. Daran schließt sich in den Harmoniesälen ein Begrüßungs- und Festabend. Am folgenden Sonntag findet im großen Festsaal der Harmonie nach einer nichtöffentlichen Sitzung die öffentliche Bundesversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag von Prof. Dr. Weyrich über „Neuzeitliche Gasverwendung". Für den Sonntagnachmittag ist ein kleiner Ausflug in die Umgebung Freiburgs, und für Montag, den 11. Juli, eine Besichtigung der im Umbau befindlichen Ravennabrücke mit anschließender Feldbergtour geplant/ ** Neuenburg, 4. Juli. (Lebhafter Rheinverkehr.) Der zünftige Wasserstanö hat auf dem Oberrhein den Dampfer- verkehr sehr lebhaft gestaltet. Täglich passieren einige Dampfer mit mehreren Anhängern die hiesige Brücke. Am letzten Tage des Juni fuhren fünf Dampfer zu Tal und vier zu Berg. ** Lörrach, 4. Juli. (Lastzug und Güterzug.) Beim Uebergang am Güterbahnhof wurde der Anhängewagen des Lastzuges der Reismühle in Brombach von einem Güterzug erfaßt und schwer beschädigt. Der auf dem Anhänger befindliche Arbeiter konnte sich durch Abspringen retten. Der Motor blieb unversehrt. ** Leopoldshöhe, 4. Juli. (Sturz durch das Glasdach.) Bei Ausbesserungsarbeiten an den Glasöachhallen des Badischen Prvi • gesehen haben. Tann verschwanden sie im Nebel, in Eis und Schnee und kehrten nicht wieder zurück. Im Film sehen wir die Anstrengungen der Hilfsexpedition, die nach den Verschollenen forscht. Noel ist im Lager geblieben und sieht von da aus das verabredete Zeichen, falls die Hilfsaktion vergeblich war,- ein aus dunklen Decken im Schnee gebildetes Kreuz. Es war ein trauriger Rückzug, den Noel zum Schluß verfilmte. Man nahm die Gastfreundschaft des Klosters zu Rongbuk nicht mehr in Anspruch, sondern wandte sich sofort nach Darjeeling, nachdem man alle Hoffnung ausgegeben hatte, die Führer tot oder lebendig zu bergen. Die Berge wahren ihr Geheimnis und unbezwingbar wie zuvor ist die „Mutter der Welt". Die Bilder und Filme aber gehen hinaus in alle Welt und zeigen die Unbesiegte und die Unerschrockenen, die es wagten, sich ihr zu nähern. Die Kloster- sie geleitete die beiden an jenen Ort, wo in der guten alten Zeit auch der Kaiser zu Fuß hingegangen ist. Aber das Büble, das einen starken angeborenen Reinlichkeitssinn haben mußte, war um keinen Preis der Welt dazu zu bringen, in dem „fürnehmen" Raum sich zu erleichtern. — „Komm Büable", mahnte die Mutter, „jetzt mach doch emol füre". — „I ka doch it in dia sauber weiß Schüflel s." — Darauf die Mutter: „To muaß i halt schau mit ehm in dean Garta nieder gau" — es war der Stadtgarten. Und die beiden hatten Glück, kein Stadtgartenwächter und kein .Gesetzesauge erspähte die beiden. Der Wächter des Gartens soll dann später etwas ärgerlich konstatiert haben, daß das Büble eine ganz ordentliche Verdauung hatte. Etwas einseitig. König Max von Bayern hatte einen Kammerlakei, der ein selten ungeschliffenes Wesen zur Schau trug. Um ihn zurechtzuweisen, fragt der König ihn eines Tages, ob er denn überhaupt etwas gelernt hätte. „Wohl", antwortete der Diener. „Ich lernte sogar französisch". Und zum Beweise xrzählte er dem König, wie in dieser Sprache die Vokabel« Schwein, Esel, Rind usw. lauteten. Ter König lachte herzlich und erwiderte: »Nur gut, daß Tu Dich von allen Dingen zuerst nach Deinen Freunden erkundigt hast." Nr. 114. Jahrgang 1927. Montag, den 4. Juli 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Bahnhofs in Basel stürzte ein Arbeiter durch das Glasdach auf das Gleis. Dabei zog er sich neben mehreren Beinbrüchen schwere innere Verletzungen zu. ** Waldshnt, 4. Juli. (Flieger Frommherz auf Besuch.) Der aus Waldshnt gebürtige Flieger Frommherz ist mit seinem Flugzeug in der Nähe des hiesigen Sportplatzes gelandet. Er hatte von Berlin aus einen Sportsmann nach Fürth gebracht und den Flug nach Waldshut fortgesetzt, um seine Angehörigen zu besuchen. Die Landung ging glatt von statten. ** Billinge», 4. Juli. (Schwerer Unfall.) Ein schwerer Unfall ereignete sich in der hiesigen Niederlage der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei. Der Elektrotechniker Johann Schlechtschuh war damit beschäftigt, die Eismaschine in Gang zu bringen, als mit starkem Krachen ein Ammoniakbehältcr explodierte, so daß die Ammoniakgase freien Zutritt zur Luft bekamen und in weißen Schwaden dem Behälter entströmten. Sowohl der Elektrotechniker als auch zwei weitere in dem Raum anwesende Männer erlitten Wunden und Verbrennungen am Kopfe und Rücken, und zwar einer derselben in ziemlich schwerer Weise. Zum Glück stand die Tür des Raumes offen, so daß die drei Verletzten sich selbst ins Freie retten konnten, sonst hätte der-Unfall gleich drei Menschenleben kosten können. Die Verletzten wurden nach Anlegen eines Notverbanöes in das Krankenhaus überführt. ** Billinge«, 4. Juli. (Von der Waldwirtschaft.) Zur Förderung der Waldwirtschaft ließ der Forstausschuß der Badischen Landwirtschaftskammer durch Vermittlung des Badischen Waldbesitzerverbanöes den 14 landwirtschaftlichen Winterschulen, in denen forstlicher Unterricht erteilt wird, und den beiden Walübauschulen in Villingen und Haslach namhafte Beträge zur Beschaffung von Lehrmitteln überweisen. Erfreulicherweise hat der Sinn für Unterrichtung in waldwirtschaftlichen Dingen nicht nur in den Kreisen der Waldbesitzer, sondern auch in solchen, die dem Walde weniger nähe stehen, in den letzten Jahren bedeutend zugenommen. Es ist zu begrüßen, wenn das Verständnis für die Waldwirtschaft und den Wald durch ausgedehnteren Unterricht sich weiter verbreitet, da bekanntlich die Allgemeinheit an der Erhaltung und Pflege unserer Waldungen selbst ein großes Jntereffe hat. ** Konstanz, 4. Juli. (Dr. Büdingen gestorben.) Im Alter von 58 Jahren ist in Jnterlaken der Besitzer und ärztliche Leiter der bekannten Kuranstalt „Konstanzer Hof", Dr. Büdinger, gestorben. Er hatte die 1890 gegründete Nervenheilanstalt im Jahre 1903 von Hofrat Dr. Fischer übernommen und als früheres Konstanzer Badehotel hauptsächlich für Herz- und Zuckerkranke ausgebaut. Er hat im Jahre 1913 die Einspritzung von Traubenzuckerlösungen in das Blut eingeführt und damit unendlich segensreich für die Menschheit gewirkt. Dr Büdinger war Assistent bei dem berühmten Mediziner Geheimrat Erb in Heidelberg. ** Landau. 2. Juli. Nachdem die letzte deutsche Strafgefangene, die 23jährige Marie Müller aus Kaiserslautern, der deutschen Justizbehörde übergeben wurde, befindet sich kein Deutscher mehr in dem französischen Militärgefängnis zu Landau. .. ** Zweibrücke«, 4. Juli. (Das Ende der Zweibrücker Zeitung.» Am 1. Juli ging die im Verlage Kranzbühler u. Co. erscheinende Zweibrücker Zeitung in den Besitz der Zweibrücker Druckerei. G. m. b. H., (Pfälzischer Merkur) über. Die Zweibrücker Zeitung war bekanntlich die älteste Zeitung der Pfalz. ** Lauda«, 2. Juli. (Eine Spielgesellschaft vor Gericht.) Vcr dem Amtsgericht hatten sich 12 Personen wegen verbotenen Glückspiels zu verantworten. Der Konditor und Kaffetier Eichenlaub hatte dem Club sein Lokal zur Versü- gung gestellt, wo oft bis nach Mitternacht gespielt wurde, in der Hauptsache Mauscheln und Pokern sowie ein weiteres Glücksspiel. Der Kaffetier erhielt eine Woche Gefängnis und 300 RM. Geldstrafe, die übrigen Angeklagten bis zu 300 Reichsmark Geldstrafe. ** Landau, 4. Juli. (Eine Schmugglerbande vor Gericht.) In den Jahren 1925/26 hat eine neunköpfige Schmugglerbande. deren Sitz in Karlsruhe und Landau war. und deren Führer der Likörfabrikant Jos. Kolbenschlag aus Landau war, umfangreiche Schmuggelgeschäfte durchgeführt. Die Schmuggeleien waren dadurch möglich, daß zwei ehemalige französische Offiziere der Besatzungsarmee mittvirkten, die häufig unter Mißbrauch der französischen Uniform und unter dem Deckmantel non Besatzungslieferungen, große Mengen Sprit unverzollt aus dem Elsaß in die Pfalz einführten. Nachdem die Bande schon im Dezember vorigen Jahres zu schweren Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt worden war, wurde Kolbenschlag erst in der vorigen Woche zu % Millionen Geldstrafe verurteilt. Jetzt hatte er sich in einem dritten Prozeß zu verantworten. In dieser letzten Schmuggleraffäre arbeiteten Kolbenschlag sowie ein französischer Komplize, ein Kaufmann namens Lecol. durch Beamtenbestechung bei der französischen und deutschen Zollbehörde in Scheibenhardt. Die französischen Zollbeamten ließen sich tatsächlich zur Unterstützung der Schmugglergeschäfte bewegen, während dank der Pflichttreue der deutschen Beamten die Schmuggler gefaßt werden onnten. Das Urteil lauteie für Kolbenschlag und seine Genoffen auf Gefängnisstrafen von insgesamt 13 Monaten. Der Kampf gegen Filmstars. Die größte amerikanische Filmgesellschaft, die Paramound Pictures Corporation hat ohne vorherige Ankündigung die Gagen aller Filmschauspieler um 10 Prozent gekürzt. Da dieser Schritt allgemein als die Einleitung zu weiteren Einschränkungen betrachtet wird, so herrscht begreiflicherweise große Aufreauna in Filmkreisen Auch die bekannten Lieb- linge des Publikums, die großen weibliche» und männlichen Filmstars wie Pola Negrr, Adolf Menjou, Bebe Daniels, Emil Jannings und viele mehr, die bei der Paramound- Gesellschaft filmen, bleiben hiervon nicht verschont. Daß man mit diesen Größen noch kein Mitleid zu haben braucht, beweist die Feststellung, daß z. B. Adolf Menjou für jeden Film, in dem er eine tragende Rolle hat. 75 000 Dollar empfängt. Da er kontraktlich zu mindestens vier Filmen jährlich verpflichtet ist. so hat er ein Mindesteinkommen von 300000 Dollar. Dazu gesellen sich noch die Reklameeinnahmen, die auch nicht gering einzuschätzen sind. Adolf Zukor, der Präsident der Gesellschaft, begründet sein Vorgehen damit, daß das im amerikanischen ^ttm investierte Kapital von schätzungsweise 2)4 Milliarden Dollar keine genügende Rente mehr abwerfe, baß der Markt mit Filmen übersättigt ist, daß der Konkurrenzkampf immer schärfer werde und daß der Bau von immer luxuriöseren Theatern ungeheure Summen verschlinge. Dem Beispiel der Paramound-Gesell- schaft sind bereits 15 andere große amerikanische Filmgesellschaften gefolgt. Die erste Wirkung dieser sensationellen Erklärungen war ein erheblicher Kursrückgang aller Filmwerte an der Newyorker Börse. Man wird gespannt sein dürfen, wie sich die Stars, die bisher immer verwöhnt und verhätschelt wurden und gegen die niemand etwas zu unternehmen wagte, sich zu den Maßnahmen der Filmunternehmen stellen werden. Ein granenhäfter Fund ans der Kriegszeit. Alpinisten, welche die früheren Grenzlaufgräben im österreichisch-italienischen Krw"Sschauaebiete besuchten, haben durch Zufall eine grauenhafte Entdeckung gemacht. Sie fanden auf der Südseite des Cima Undici. einem Berge, der während des Krieges der Schauplatz heftiger Gebirgskämpfe zwischen Italienern und Oestereichern war. an einer abgesonderten Stelle die Gestatt eines italienischen Soldaten mit dem Stahlhelm auf dem Kopf, in Sturmstellung mit aufgepflanztem Bajonett. Die Gestalt stand mit einem Fuß im Laufgraben, dem anderen Fuß in Nusfallstellung, als ob sie gerade vorwärtsstürmen wollte. In dem Moment des Borwärtsstürmens hat ein Kopfschuß dem Leben des italienischen Soldaten ein Ende gemacht. Durch die eisige Ver- gesluft war die Leiche so gut erhalten, daß keinerlei Verwesungsmerkmale festzustellen waren und daß man von weitem glaubte, es mit einem lebenden Menschen zu tun zu haben. Durch eine Bodenverschiebung scheint die grauenhafte Erscheinung bis jetzt allen Blicken verborgen gewesen zu sein und durch eine Bodenverschiebung im entgegengesetzten Sinne ist jetzt der vorwärtsstürmende tote Soldat sichtbar geworden. Die Leiche des unbekannten Kämpfers wird jetzt ro* 11 Jahren feierlich bearaben werden. Woher stammt die Bezeichnung Radio? Das heute gebräuchliche Wort ist nach einer Untersuchung von Hausdorff zum ersten Male im Jahre 1904 angewendet worden, und zwar ohne jeden Bezug zur Wellentelegraphie in einer chemischen Patentschrift. 1911 wurde das Wort als Schutzmarke für eine englische Firma, die ebenfalls nichts mit drahtloser Technik zu tun hatte, eingetragen. Im Jahre 1915 wurden unter dieser Bezeichnung elektrische Batterien und Apparate in den Handel gebracht. Ein halbes Jahr später erschien bas Wort als Schutzmarke für verschiedene Handelsartikel, z. B. für einen Golfball, einen Grammophon, für Automobilbereifungen, Fahrräder, Zigaretten. Auch ein Schiff wurde um diese Zeit aus den Namen Radio getauft. Dieses Schiff hatte jedoch keine drahtlose Station an Bord. Als Sammelbezeichnung für alle die Technik der elektrischen Wellen betreffenden Fragen hat sich das Wort nach Hausdorff erst in den allerletzten Jahren eingebürgert. Diese Angabe stimmt jedoch nicht. Bereits im Jahre 1908 gab O. Mairz einem Buche über Wellentelegraphie den Titel: „Die Raöiotelearaphie" und 1911 oder 1M2 erschien ein „Radiotelegravhisches Praktikum" von H. Rein. In Wirklichkeit ist also, die Bezeichnung „Radio" in ihrem heutigen Sinne fast zur gleichen Zeit verwendet worden, die Hausdorff übcrh^nut als Geburtsjahr angibt. In der Chemie hängt das Wort mit dem chemischen Element Radium zusammen, das seinen Namen der Eigenschaft, Strahlen (Radus — Strahl) auszusenden, verdankt. Eine Kindertraaödie. In einem Berliner Vorort. Zwei Knaben spielen auf der Straße. Der eine ist ein kleiner, blonder Bursche von äußerst lebhaftem Temperament, kein Auto ist vor ihm sicher, kein Radfahrer, an jedem Wagen, der für ihn erreichbar ist. hänof er sich. Die beiden spielen Eisenbahn. Jetzt kommt ein schwerer Müllwagen daher. Es ist ein großer Lastwagen. Der Wagen hält. Die beiden Müllfahrer verrichten ihr Werk und kehren zurück. Nun soll die Fahrt weitergehen. Der Wagen ruckt an. unversehens aber rückwärts. Ein leichter Schrei — bas kleine blonde Bürschchen liegt unter den Rädern, sein Brustkorb ist zerquetscht. . . . Die beiden Männer steigen herab, besehen das Unglück. Einer von ihnen, ein häßlicher, brauner, bärtiger Kerl, hebt bas kleine Wesen auf, das Körperchen regt sich nicht mehr. . . Nun gehts z i Unfallstelle. Die kleine Last wird den Aerzten überliefer:, aber ihre Kunst ist vergebens. Der Junge liegt auf der Krankenbahre, an seiner Seite kniet der braune, bärtige, häßliche Mann. Leichte Tränen rollen ihm über den staubigen Bart. Und nun begibt sich eine kurze, aber erschütternde Szene. Der Kleine schlägt noch einmal die Augen auf. Tastend sucht sein Blick herum, bis er an dem Gesich des häßlichen, braunen Mannes neben ihm haften bleibt. Mit letzter Kraft hebt er die kleinen Fingerchen und streichelt dem Mann über den Bart. Der kleine Mund öffnet sich und stammelt nur wenige Worte: „Meine Mutti." Er wiederholte sie, den häßlichen Mann streichelnd, immer leiser, bis Mund und Augen sich für immer schließen. Den braunen, ^ staubigen Müllfahrer hat der sterbende Junge für seine Mutter gehalten. Nun beult der Mann, wie er vielleicht in seinem Leben nie geweint hat. Sein Schluchzen ist der einzige Laut, der die Stille unterbricht. Inzwischen ist das kleine Seelchen hinausgeflattert in die Ewigkeit. Briefmarke mit Bubenkopf. Die Republik Salvator gibt eine Briefmarke mit dem Bilde einer ganz modern, elegant gekleideten Frau mit Bubenkopf heraus. Um diese Zeichnung rahmt sich ein Bündel Kaffeblüten und darunter liest man: Bei uns der beste Kaffee! Turnen, Sport und Spiel. Gau-Frauenturnfest des Neckargaues. Bei den in Wieblingen abgehaltenen Gau-Frauenturnfefl! des Neckargaues beteiligte sich auch die Frauenriege des Turnvereins Sinsheim. Preise haben errungen im: Sechs-Kampf (Jugend-Turnerinnen): 2. Preis Friedel Reis mit 109 Punkten, 9. Preis Emilie Geiß mit 96 Punkten, 20. Preis Fr. Geyer mit 85 Punkten unter 125 Turnerinnen. Drei-Kampf (Volkstümlich): 9. Preis Paula Stoll mit 41 Punkten unter 26 Turnerinnen. Sechs-Kampf (Turnerinnen): 11. Preis Paula Maier 101 P., 12. Preis Sophie Zell 100 P., 18. Preis Dina Brahner 94 P., 20. Preis Luise Gmelin 92 P.„ 21. Preis Paula Hesch 91 P., 29. Preis Hedwig Geiß 82 P. unter 120 Turnerinnen. Im Vereins turnen erhielt die Riege den 6. Bercins- preis, B-Klasfe, unter 15 Riegen. Marktberichte. Schweinemarkt in Bruchsal vom 2. Juli 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 403, Läufer 34. Verkauft wurden: Milchschweine 200 Läufer 20. Höchster Preis für Milchschweine Paar 30.—, für Läufer 50.— RM. Häufigster „ „ „ „ 25. , „ „ 40. „ Niedrigster „ „ „ „ 17. „ „ 35. „ Mannheimer Lebensmittelmarkt vom 2. Juli. Eine überaus starke Zufuhr von Obst und Gemüse sowie sonstigen Marktartikeln wies der heutige Wochenmarkt auf. Am Obstmarkt waren insbesondere Ananas, Johannisbeeren und Aprikosen, auch Pfirsiche, reichlich angeboten. Die Pfirsiche sind allerdings noch ausländischer Herkunft und kosteten 70— 90 Psg. das Pfund. Erfreulicherweise sind die Obstpreise im allgemeinen etwas zurückge- gangen, Ananas behaupten den Preis von 75- 90 Psg. pro Pfund. Kirschen wurden heute mit 40—55 Psg. bezahlt. Walderdbeeren und Himbeeren sah man in kleinen Mengen. Von Südfrüchten sind in erster Linie Zitronen und Banapen zu nennen, Orangen gehen zur Neige. Am Gemüsemarkt war Wirsing, Weißkraut, Karotten, Kopfsalat und Endiviensalat in bedeutenden Mengen zugefllhtt, grüne Erbsen sah man in Massen, grüne Bohnen dagegen weniger. Von Pilzen sind Pfifferlinge zu erwähnen, von denen nicht weniger als 51/2 Zentner am Markt waren; das Pfund kostete 50—55 Psg. Von Steinpilzen waren nur 10 Pfund zugesührt, sie wurden mit 70 Psg. bezahlt. Geflügel, sowie Fluß- und Seefische waren in genügenden Mengen am Markt. Rebftands- und Marktberichte. Endingen a. K, Die Blüte ist gut beendet. Wurmschäden sind nur in einzelnen schlecht bekämpften Stücken aufgetreten. In den wärmeren Lagen ist immer noch Mottenflug zu beobachten. Die Aussicht besteht heute für einen halben Herbst. Die Pero- nospora ist am 26. und 27. Juni in oberflächlich behandelten Rebstücken ausgebrochen. Der Geschäftsgang im Wein ist flau. Es liegen noch mehrere Posten gute 25 und 26 er Weine. Kenzingen i. Brsg. Die Reben stehen hier trotz der kalten Witterung recht gut. Der Heuwurm hat sich nur in geringfügiger Weise aber überall bemerkbar gemacht. Das dritte Spritzen ist hier bereits beendet. Die Reben haben verblüht, jedoch ist der Ansatz ziemlich gering. Das Wachstum der Reben ist durch das kalte Wetter ungünfttg beeinflußt. Herbolsheim i. Brsg. Die Peronospom ist noch nicht ausgetreten, hingegen der Heuwurm sehr stark. Der Gescheinansatz ist durchschnittlich ein geringer, in einzelnen Lagen etwas besser. Weinverkäufe wurden in letzter Zeit nicht getätigt: es ist auch kaum noch etwas zu verkaufen. Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Dereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim Anleihen: AblösungSschuld mit iluslosungsschein ohne Auslosungsschein . Bankaktie: Bad. Bank in o'o 304 18,60 in 0/0 ISI Daroipädter- und Nationalbanl 24t Deutsche Bank . . . . Ik8 Deutsche Bereinsbank . Io? Dresdner Bank . . . ,70 Mitteldeutsche Ereditbank . 230 Reichsbank . . . . I«S Rhein. Ereditbank . . .iss Südd. Disconto Ges. 14:; Bergmerk» » Aktien in O'O 412.50 186.50 198 136,75 107 Harpener Bergbau «alt Westeregeln ManneSmunnröhrenwerke. Mansfelder Bergb. u.Hüttenw Oberschl. Siscnb. Bedars . Phönix Bergt«»» u.HÜUenbetrteb 12S,S0 Salzwerl Hetlbeon» . . 178 Bereinigte Sönigs» Laurahütte 98,25 Aktien Indnftr. Unternehmungen! in 0/0 Allg. Elektr. Stamwak.tten 187,25 Badenia Wetnhetm . . — Bad. Elektrtzliät Mannheim — Bad. Maschinen Dnrlach . . >39 Cementwerk Heidelberg . 154 Daimler Motoren . . . 128,50 Dtsch. Gold- und Zilberfchetde 2H Elektr. Licht und «rast . . lS9 Ematll. und Stanzwerk Ullrich 48,75 Farbenindustrie , . . 289,50 Fuchs Waggon StammaMen — Gritzner Maschinen Durlach . 123 Karlsruher Maschinen . . 32 «norr Heilbronn ... 190 Mainkraftwerke Höchst . . 132 Ncckarsulmer Fahrzeugwerk« . 1 26 '% Schlickert Elektr. Nürnberg . 192,5» Seiltnduftrie Wolff ... 93 Südd. Zucker .... 143,75 Zellstost Waldhos Stammattien 3w Aktien deutscher Teansgrortanstalte»: in 0/0 Hamvurg. Amertk. Paketsahrt 141 Heidelberger Straßen-u. Bergbahn — Norddeutscher Lloyd . . 144,75 Devise«: New-Iorl 1 Dollar London 1 Pfund Holland i»o Gulden Schweiz 100 Franes Wie» wo Schilling Darisloo Francs Italien wo Lire Geld 4 »148 20.41 168.89 81.121/2 59,3» 18.505 23.43 Stiel 4.2228 »0 51 169.23 81.381/i 69.44 16.545 23,47 tiligfte n. teste BeMWelle fit Bkstki-AiiistMlil«! imge Beispiele: m Metallbeltstellen, weiß lackiert 25.— Mattatzenschoner.7.— 3 teilige Wollmattatzen m. Keil 30.— Deckbett, gut gefüllt 130/180 . 28.— Kiffen, 80/80, gut gefüllt . . 8.50 Bettfedern von der billigsten bis zur feinsten Daune von 1.50 an Kinderbetlstellen, weiß lack. 18.— sowie Sämtliche Weißwaren, Chaiselongne-Decken, Kaffeedecken, Vorhänge, Borhangstoffe, Kiffenbezüge etc. Eigene Fabrikation von Steppdecken. Daunendecken. Matratzen. Auch Umarbeitungen werden prompt und nlligst ausgcfllhrt. — Bitte überzeugen Sie sich. Besichtigen Sie mein Lager ABKtittflBgsino! 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