Erscheint ISglich »tt Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.56 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Kn Fällen von höherer Gewalt »esteht kein Anspruch auf Lieftr- mrg der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit i/«8 bis 5 ühr Sonntags geschlossen. Fernsprrch-Anschluß Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. «SÜ» Der Lanöbote Änskeimer S Zeitung?KZ General-Anzeiger für klsenz-und Schiwugbachtal HtlteTt* and verdretteUts Leitung dieser Gegend. y»«pt-Hnzeigen-8i»tt lNä>t,«,Mcki« v«No»m»» OM« «nd N«tn> • Der Kobold » Deae ^ItattrUrte • EandwirtTAaTtUcb* Beilage A»zeige«»Preis«: -~ Anzeigen: Die 33 mm drei» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit» Millimeter-Zeile 2v Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. 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Ueber den Verlauf des Unglücks werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Bei Beginn der Katastrophe gegen 7 Uhr früh befanden sich ein Steiger und ein Mann im Schacht, um vom Kübel aus in 100 Meter Tiefe das Lot über die Spurlatten, zwischen denen das Fördergefäß laufen sollte, einzuhängen. Die beiden bemerkten, daß die Tübbings schwitzten. Plötzli^ merkten sie innerhalb der unteren 100 Meter der Tübbings ein Brechen und Knacken. Sie hörten das Rauschen des Wassers und riefen um Hilfe. Nach Schreckensminuten wurden sie hochgezogen, während oben die Bühne schon zu versinken begann. Um 8V2 Uhr versank der Schachtturm, eine halbe Stunde später war von den Anlagen nichts mehr zu sehen. Das Maschinenhaus, die Fördermaschine, zwei Betonmischmaschinen, ein fahrbarer Kran, alles war in einen Krater von 200 Meter Durchmesser und 25 Meter Tiefe verschwunden. Zurzeit füllt sich der Trichter, dessen Ränder auch heute noch nachbrechen, mit Wasser. Der Querschlag zu Schacht 1 und 2 Mf der dritten Sohle dieser Schachtanlage füllte sich schnell mit Wasser und Schlamm, und zwar mit solcher Gewalt, daß in einer Entfernung von 21/2 Kilometer in Schacht 1/2 Kohlenwagen fortgeschleudert wurden. Sohle 2 ging zu Bruch. Das verhinderte hier ein Vordringen der Schlammassen, die nun durch mehrere Blindschächte in die Sohle 2 hinauf und von dort aus von oben herab in die Baue der Sohle 3 und in den ^Stapel- schacht drangen, in dem die fünf Bergleute sich befanden. Die Bedauernswerten sind bei der furchtbaren Gewalt des oben hereinbrechenden Wassers und Schlamms, wie mit Sicherheit anzunehmen ist, sofort zu Tode gekommen. Die Rettungskolonnen drangen gestern in die' verschlammte Unglücksgegend vor, mußten die Arbeit aber aufgeben, da sie bis unter die Arme im Schlamm versanken. Heute früh versuchten sie neuerdings vorzudringen, aber vergebens. Schätzungsweise sind 75—100 000 Kubikmeter Fließmassen eingebrochen. Durch allmähliches Verstopfen des Querschlages ist die Bewegung zum Stillstand gekommen. Die Förderung der Zeche wird .sich entsprechend von 3200 auf 2400 Tonnen verringern. Der durch die Vernichtung des neuen Schachts entstandene Schaden wird von der Verwaltung auf 2—3 Millionen Mark geschätzt. Kostspielige Maschinen sind mit vernichtet worden. Marx verläßt das Reichsbanner. Berlin, 25. Fuli. Der Reichskanzler Dr. Marx hat seinen Austritt aus dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in einem vom 23. Juli aus Obergrainau bei Garmisch datierten Schreiben mitgeteilt. Es lautet: „Mit Rücksicht auf verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit, insbesondere auf die Kundgebung des Vorstandes des Reichsbanners an den Republikanischen Schutzbund in Wien, die eine unberechtigte Einmischung in die politischen Verhältnisse des befreundeten Oesterreich und eine schwere Herabsetzung und Beleidigung der Bundesregierung enthielt, erkläre ich meinen Austritt aus dem Reichsbanner." Die Germania, die das Austrittsschreiben des Reichskanzlers mitteilt, enthält sich noch einer Aeußerung über die Rückwirkung dieses Schrittes des Führers der Zentrumspartei auf die Beziehungen der Partei zum Reichsbanner. Das Zentrumsblatt teilt nur mit, daß führende Reichsbannermitglieder der Zentrumspartei der gestrigen Reichstagung des Reichsbanners in Magdeburg eine Erklärung hatten zugehen lassen, in welcher dagegen Einspruch erhoben wurde, daß der Aufruf wegen der Wiener Ereignisse vom Bundesvorsitzenden Hörsing erlassen wurde, ohne daß die der Zentrumspartei angehörigen Mitglieder des Dorstan- des auch nur in Kenntnis gesetzt worden sind. Weiter wurde in dieser Erklärung Verwahrung gegen die gegen die österreichische Regierung erhobenen Vorwürfe eingelegt und schließlich wurde der Wartung Ausdruck gegeben, daß gegen die Wiederholung ähnlicher unliebsamer Vorkommnisse Sicherung getroffen werde. Eine endgültige Stellungnahme zu der Erklärung der Zentrumsmitglieder des Reichsbanners sei vom Bundesvorstand für die nächsten Tage zugesagt worden. Die Entscheidung über die Stellung des Zentrums zum Reichsbanner dürfte also in einer Besprechung der der Zentrumspartei angehörenden führenden Mitglieder desReichs- banners fallen, die. wie die Germania mitteilt, zu einer Besprechung nach Berlin einberufen worden sind, die im Laufe dieser Woche stattfinden soll. Landsbcrg wird Hörfings Nachfolger. Berlin, 25. Juli. Morgen wird sich das preußische Staatsministerium mit der Frage der Nachfolgefchaft für den aus dem Amte scheidenden Oberpräsidenten Hörsing der Provinz Sachsen beschäftigen. Nachdem man zunächst den früheren preußischen Innenminister Seoering für diesen Posten ausersehen hatte, der aber gesundheitlich noch nicht so wieder hergestellt ist. mn ein so schweres Staatsamt übernehmen zu können, wird die preußische Staatsregierung den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Otto Landsberg dem Provinzialausschuß vorschlagen, der zweifellos dem Vorschlag zustimmen wird. Otto Landsberg, der im Wahlkreise der Provinz Sachsen beheimatet ist, war 1918 Mitglied im Rat der Volksbeauftragten und später lange Jahre hindurch der deutsche Gesandte in Brüssel. Die Feier am 11. August. Berlin, 25. Juli. Das Programm für die Verfaffungsfeier am 11. August steht jetzt in seinen Einzelheiten fest. Darnach wird, wie in früheren Jahren die Hauptfeier in Anwesenheit des Reichspräsidenten v. Hindenburg am Mittag zwische^i2 und 1 Uhr im Reichstagsgebäude stattfinden. Die Festrede hält, wie bereits gemeldet, der oolkspatteiliche Abgeordnete v. Kardorff. Später wird auch der Reichskanzler einige Worte sprechen, die in einem Hoch für Deutschland ausklingen werden. Dann singt die Versammlung das Deutschlandlied. Später wird der Reichspräsident durch die große Freitreppe hinaustreten und vor dem Reichstag die Front einer Ehrenkompagnie abschreiten. Am Abend ist eine gemeinsame Feier der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden in der Funkhalle in Charlotten- burg vorgesehen, bei der der preußische Kultminister und der Reichskanzler sprechen werden. Trauerfitzung im Rattonalrat. Wien, 25. Juli. Der Rattonalrat trat heute zum ersten Male nach den blutigen Ereignissen des 15. und 16. Zuli wieder zusammen. Es fand nur eine Trauerkundgebung statt. Der Präfident hielt eine Ansprache. Er drückte allen Faktoren des privaten und öffent- lichen Lebens, die sich in der Stunde der Gefahr um die Wiederherstellung der Ordnung bemüht haben, den Dank und die Anerkennung des Parlaments aus. „Sie werden, sagte der Präsident, am besten dem Volke und seiner Arbeit dienen, wenn Sie dazu beitragen, daß bei dem österreichischen Volke die klare Erkenntnis immer mehr Fuß faßt, daß in einer demokratischen Republik ohne gegenseitiges Verstehen und ohne staatliche Ordnung ein Gedeihen des Volkes unmöglich ist". Morgen findet die nächste Sitzung statt, in der eine Aussprache über die Vorfälle erfolgen soll. Amerikas Rutzlandfeindschaft. Newyork, 25. Juli. Ioy Lee, der einflußreiche Vermittler zwischen bedeutendsten Persönlichkeiten von Industrie und Presse, hat in einem Schreiben an den Exekutivausschuß der Handelskammer der Bereinigten Staaten gedrängt, daß die Kammer ein Moskauer Bureau errichten müsse, um amerikanische Geschäftsleute sowohl, als auch die russische Regierung in der Entwicklung der Geschäftsbeziehungen zu beraten. Lee hat aber eine scharfe Zurückweisung seines Vorschlages erfahren. Der Präsident der Handelskammer, Pierson, erklärt in seinem Antwortschreiben, daß die Ausführung des Vorschlags von Lee dazu führen werde, die russische Propaganda in den Vereinigten Staaten zu ermutigen. Die Handelskammer stehe einmütig hinter der amerikanischen Regierung, welche glücklich vermieden habe, die Sowjets anzuerkennen. Pierson erklärt am Schlüsse seines Antwortschreibens: Wir glauben nicht an die Möglichkeit, das russische Volk normalen Zuständen durch Handelsaufnahme zuzusühren, solange es sich unter der Kontrolle unaufrichtiger, unbußfertiger (!) und mißleiteter Herrscher befindet. Diese Aeußerung bestätigt allgemein den Eindruck, daß die Regierung Eoolidge durch ein britisch-russischen Zwischenfall alles andere als russenfreundlich gestimmt wurde. Caro! empfängt rumänische Delegation. Paris, 24. Juli. Prinz Carol von Rumänien hat heute nachmittag eine Delegation, bestehend aus einer Anzahl politischer Persönlichkeiten aus Bukarest empfangen. Nähere Einzelhetten über die Zusammensetzung und über den Zweck des Besuches dieser Delegatton sind bisher nicht bekannt geworden. Die rumänische Gesandschaft in Paris bestätigt jedenfalls erneut, daß Earol unter keinen Umständen nach Rumänien abreifen werde. Es ist stark aufgefallen, daß heute gelegentlich des Gedächtnisgottesdienftes für den rumänischen König, an dem auch Prinz Carol teilnahm, eine Reihe von Demonstranten Carol eine begeistette Ovation darbrachten und ihm: „Es lebe der König!" zuriefen. Die wahren Kriegsschuldigen. Eine bedeutungsvolle Untersuchung des Amerikaners Barnes. Berlin, 22. Juli. Der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände gab gestern abend zu Ehren des bekannten Vorkämpfers in der Kriegsschuldfrage, des amerikanischen Professors Harry Elmer Barnes, ein Festessen. Nach Begrüßungsworten von Exz. Schnee, in denen auf die besondere Bedeutung der Arbeit hingewiesen wurde, die Professor Barnes geleistet hat, ergriff Prof. Barnes selbst das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er eingehend ausführte, daß die Beschuldigung, Deutschland habe einseitig den Krieg gewollt, völlig widerlegt sei, daß es drei Mächte gegeben habe, die einen Krieg aggressiv gewollt hätten, nämlich Serbien, Frankreich und Rußland und daß auch von seiten Englands zumindcstens ein Verschulden oorliege, als England den Krieg nicht verhindert habe. Prof. Barnes begründete seine Ansicht mit den Fortschritten, die die Forschung in der Kriegsschuldfrage in den letzten Jahren gemacht hat. Er betonte, daß der Abschluß der deutschen Aktenpublikation von allergrößter Bedeutung sei. Jedoch gehe auch aus den neuerlichen englischen Dokumenten- veröffentlichungen einwandfrei hervor, daß Grey lange bevor Deutschland in Belgien eingefallen sei, die Absicht gehabt habe, gegen Deutschland kriegerisch vorzugehen. Der Einmarsch Deutschlands in Belgien sei nicht der Anlaß zur englischen Kriegserklärung an Deutschland gewesen. Grey sei durch die englischen Botschafter in Paris und Petersburg auf das Genaueste über alle Schritte der ftanzösifchen und russischen Regierung informiett gewesen; er hätte die Möglichkeit gehabt, den Krieg zu verhindern, hätte dies aber nicht getan. Auch die von Prof. Adamow verössentlichten sogenannten Roten Akten, die sich insbesondere auf die russische Tätigkeit auf dem Balkan bezogen, bewiesen einwandfrei, daß Rußland zum Krieg getrieben und ohne Skmpel eine Verschwörung gegen de» Frieden angezettelt habe. Durch diese Dokumente sei auch die russische Zusammenarbeit mit Serbien einwandfrei erwiesen. Der Versuch von Santon Watson, die Serben reinzuwaschen, sei mißlungen. Man könne als sicher annehmen, daß der serbische Generalstab die Ermordung des Erzherzogs Ferdinand betrieben und daß Rußland hierbei seine Hand im Spiele gehabt habe. Auch die von Konrad v. Hoetzendorf aufgestellte Behauptung, daß der deutsche Generalstabschef v. Moltke zum Krieg getrieben habe, sei durch dir Veröffentlichung von Graf Mont- gelas und Prof. Fay widerlegt. Endlich habe Denartier in der „Revue Honglerie" klargestellt, daß das französische Gelbbuch zahlreiche Fälschungen enthalte, wie überhaupt die amtlichen französischen Veröffentlichungen nicht mehr als so sicher angesehen würden, wie früher. Zum Schluß betonte er, daß Gosch daher mit Recht behaupten könne, daß keine Gelehrte in der Welt heute mehr an die Alleinschuld Deutschlands am Kriege glaube. Man dürfe auch annehmen, daß die von ihm aufgestellte These unerschütterlich sei und auch durch die Dokumente, die bisher noch nicht veröffentlicht worden feien, nicht erschüttert werden würden. Sodann ging der Redner in längeren Ausführungen auf die große politische Lage in Europa ein und betonte, daß es für die Welt eine Notwendigkeit sei, in dieser Frage die Wahrheit zu erkennen. Hierauf ergriff Exz. Rosen, der frühere Außenminister, das Wort und führte aus, daß es für Deutschland nicht so sehr darauf ankomme, daß in der Kriegsschuldfrage die Wahrheit in der Welt für Deutschland eintrete, als daß anerkannt werde, daß die Erkenntnis der Wahrheit in dieser Frage notwendig sei, um den Frieden der Welt zu erhalten. Exz. Dernburg führte sodann zum Schluß aus, daß der Krieg, der geführt worden sei, um die Welt für die Demokratie sicher zu machen, das genaue Gegenteil bewirkt habe. Man brauche sich nur in Europa umzusehen, um festzuMlen, wo überall in Europa Diktatur herrsche. Nur in Deutschland herrsche Demokratie und diese Tatsache, die mit dem Kriegsziel der Alliierten in Widerspruch stände, sei allein geeignet, um die Behauptung von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege lächerlich zu machen. Eduard VU. und Wilhelm II. London, 23. Juli. Nachdem die im Daily ^elegraph seit einer Woche veröffentlichten Auszüge aus dem zweite« Band der der Biographie Eduard VII. sich mit der Hofpolitik des Königs, vor allem mit der Gründung und Verleihung von Orden, beschäftigt hatten, wendet sie sich jetzt der Außenpolitik zu. Sie betont, daß Eduard VII als König nur an zwei Gebieten der Regierungstätigkeit, nämlich Außenpolitik und Hceresfragen, Interesse genommen habe. Bereits als Prime of Wales hatte Eduard es gegen den Widerstand seiner Mutter durchgesetzt, daß ihm vom Foreign Office alle wichtigen außenpolitischen Dokumente zur Einsicht vorgelegt wurden. Seit ihm dies gelungen war, hatte er mit Wilhelm II., Nikolaus II. und dem König von Griechenland eine rege Korrespondenz angefangcn, so daß er, als er den Throch bestieg, in der Lage war, vielfach seine Minister zu beraten, statt genötigt zu sein, sich stets schweigend ihrem Rat zu fügen. Eduard VII. hat, wie der Biograph berichtet, seine Außenpolitik stets darauf gerichtet, den Frieden zu sichern, er hat aber auch stets anerkannt, daß unter bestimmten Bedingungen ein Krieg unvermeidlich fein werde. Angesichts der Schrecken eines europäischen Krieges habe er versucht, England aus dem Zustande der völligen Isolierung in ein System der Ententen und Bündnisse überzuführen. Der erste Versuch, England aus seiner völligen Isolierung zu befreien, sei der Vorschlag von Chamberlain gewesen, England, Deutschland und Amerika sollten einen Dreibund bilden. Deutschland sei diesem Gedanken zwar näher getreten, aber nur in der Abwandlung, daß England in den Dreibund Deutschland-Oesterreich-Italien eintreten solle. Diese Bemühungen, die Unterlagen für eine deutsch-englische Verständigung zu finden, seien aber an der ständig steigenden Verschlechterung der Beziehungen zwischen Eduard VII. und Wilhelm II. gescheitert. Nach englischer Auffassung war Anfang dieses Jahrhunderts ein Zustand vorhanden, in dem alle europäischen Mächte ohne stetigen Kurs auf ziemlich bewegten Wassern der Außenpolitik Herumtrieben. Eine Begegnung des Kaisers und des englischen Königs in Homburg im August 1901 sollte einer besonderen Anstrengung dienen, eine Verbesserung der deutsch-englischen Beziehungen herbeizuführen. Während die Diplomaten sich eifrig um die Vorbereitung des Erfolges dieser Begegnung bemühten, passierte ein kleines Malheur, wahrscheinlich die einzige diplomatische Ungeschicklichkeit, die dem siebenten Eduard jemals unterlaufen ist. Bevor er aus England abreiste, sandte ihm der Außenminister Lord Lansdowne eine eilig zusammengestellte Denkschrift, in der alle englischen Gesichtspunkte in den außenpolitischen Fragen zusammengestellt waren. Der König stand unter dem Eindruck, es hanlde sich um die von ihm erbetene und für den Kaiser bestimmte schriftliche Fixierung der englischen Ansichten über eine Annäherung. Er gab also die Denkschrift, ohne sie genauer geprüft zu haben, an Wilhelm ll., weiter. Wilhelm II. der einmal ausnahmsweise konstitutionell handelte, schickte sie dem Kanzler und ließ für die nächste Begegnung mit dem König eine Gegendenkschrift mit dem deutschen Standpunkt ausarbeiten, in der ein Entgegenkommen Deutschlands in China und am persischen Golf in Aussicht gestellt, dagegen entschieden deutsche Ansprüche in bezug auf Marokko geltend gemacht wurden. Statt biegsamer mündlicher Verhandlungen standen sich, als die Fürsten ihre entscheidende Aussprache hatten, schriftlich fixierte Programmerklärungen gegenüber. Dementsprechend drehte sich die Unterhaltung auch weniger um die unmittelbare Zukunft deutschenglischer Beziehungen, als um die Frage, warum Rußland sich Frankreich wieder so stark nähere und welche Haltung Eng- land in einem russisch-japanischen Konflikt einnehmen werde, wobei König Eduard keineswegs für den Gedanken einer aktiven Beteiligung Englands in einem möglichen russisch-ajpanifchen Krieg zu haben war. Um die Verständigung mit England nicht gerade zu erleichtern, betonte Wilhelm II. in dieser Unterredung weiter, daß seit der Nr. 133. Ja hrgang 1927. Chinaexpedition eine starke Annäherung zwischen den europäischen Ländern, vor allem zwischen Deutschland und Frankreich im Gange sei. Damit nährte e r eine Vorstellung, die seit langem bei Eduard VII. vorhanden war, wonach einmal die Stunde kommen könne, wo der Zweibund und der Dreibund sich in einer gemeinsamen Feindlichkeit gegen England finden könnten. Neuer Höhenrekord. Washington, 23. Juli. Bei einem zweistündigen Flug über der Marineflugzeugstation zeigte der Höhenmesser des Marineleutnants Champion 48 000 englische Fuß an. Beim Abstieg geriet jedoch das Flugzeug in Brand. Champion versuchte, mit den Händen die Flammen zu ersticken, um die Instrumente zu retten. Er landete zwei Meilen von dem Flugplatz entsert. Ein Barograph ist vollständig zerstört, der zweite beschädigt. Bon dem Zustand der Instrumente wird es abhängen, ob dieser neue Weltrekort Champions offiziell ausgeschrieben wird. Champion versuchte im Mai mit einem Wasserflugzeug einen Welthöhenrekord von 33 455ZenglischensZFuß. Ein zweimotoriger Dornierverkchrswal. Berlin, 25. Juli. Der erste, mit zwei deutschen BMW.-Moto- ren ausgerüstete Dornier-Berkehrswal, der für die Deutsche Lufthansa bestimmt ist, startete am vergangenen Freitag früh von dem italienischen Lizenzwerk Marina di Pisa um 11 Uhr 7 Min. und landete am gleichen Tag um 2.26 Uhr nachm, nach Ueber- querung der Alpen vor der Dornierwerft in Manzell am Boden- scc. Von hier aus flog die Maschine am Sonntag vormittag quer durch Deutschland in 61/2 Stunden nach Kiel, wo sie um 6 Uhr abends landete. Die deutsche Fliegerin Rasche in Amerika. Rewyork, 24. Juli. Die deutsche Fliegerin Thea Rasche unternahm auf dem Flugplatz Curtißfield einen Schauflug, der von dem zahlreichen Publikum begeistert ausgenommen wurde. Thea Rasche erhielt eine Einladung zu dem am 23. September in Spo- kane stattfindenden nationalen Luftderby, an dem alle Tkans- ozeanflieger teilnehmen. Es sind Preise im Gesamtwert von 30 OM Dollars ausgesctzt worden. Dahnbau Kapstadt—Kairo. London, 25. Juli. Auf eine Anfrage des Unterhauses teilte das Kolonialministeiium mit, daß die Pläne für den Bau einer Eisenbahn von Kapstadt nach Kairo als durchgehende Linie zurzeit de» raten würden. Deutschland auf der Wanderschaft Moderne Völkerwanderungen. — Der nationale und der internationale Zng nach dem Westen. — Deutschlands Wan- derungsgewinn. — Zwei Drittel der Bevölkerung wohnen in Städten. Bon Rudolf Bier. Soeben veröffentlicht bas Statistische Reichsamt bevölkerungspolrtisch äußerst bemerkenswerte Ziffern über die deutsche Wanberungsbewegung von 1910 bis 1925, die auf Grund der Volkszählung vom 16. Juli 1925« errechnet worden sind. Mit Verachtung steht der zivilisierte Europäer auf die Nomadenvölker herab, die sich von der Jagd und der Viehzucht nähren, und die in gewissen Zeitabständen immer wieder neue Weidemöglichkeiten für ihre Tiere aufsuchen müssen. Die Grundlage aller Kultur scheint uns die Seßhaftigkeit der Bevölkerung, die ständige Bearbeitung des landwirtschaftlicken Bodens und die Anlage dauerhafter Städte zu sein. Es wird uns nicht bewußt, daß der zivilisierte moderne Mensch unsteter ist als ein Beduine, und daß das letzte Jahrhundert eine Völkerwanderung gebracht hat, die weit gewaltiger ist als alle ähnlichen, von der Geschichte überlieferten Ereignisse der Jahrtausende. Als die Hunnen vor lk Jahrtausenden in Europa einbrachen und durch ihre Räubereien Germanen und Kelten zum Verlassen ihrer Wohnsitze aufreizten, als die sog. große Völkerwanderung begann, die das römische Reich überflutete und vernichtete, waren kaum mehr als einige Hunderttausend Menschei in Bewegung geraten. Im 19. Jahrhundert sind dagegen mehr als 30 Millionen Europäere nach Uebersee gegangen, und auch innerhalb der einzelnen Erdteile und jedes einzelnen Landes sind örtliche Verschiebungen in der Masse der Bevölkerung vorgekommen, die die Ereignisse der Völkerwanderung weit in den Schatten stellen. Freilich vollziehen sich die Völkerwanderungen unserer Zeit in wesentlich anderen Formen wie etwa der Zug der Vandalen nach Nordafrika oder die biblische Auswanderung der Juden aus Aegypten. Zwar ziehen nicht mehr ganze Volksstämme in fremde Länder, doch ist es in Rußland schon häufig vorgekommen, daß ganze Dorfgemeinden ihren Landbesitz verkauften und gemeinsam nach Sibirien aus- Anatol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 53) (Nachdruck verboten.) Als Thorwald alles gehört, ergriff er tief erschüttert die Hände des wunderbaren Mädchens. „Allen Dank abzutragen, den ich Ihnen schulde, Sie Große, hehre, würde ein Menschenalter nicht hinreichend sein!" Am anderen Tage klebte an den Häuserecken folgende gedruckte Bekanntmachung: Heute erstes Auftreten der weltberühmten, amerikanischen Rezitatorin und Schauspielerin Miß Arabella Patterson, in ben Vereinigten Staaten den Beinamen „die Wolfstöterin" führend. Auch auf der Schlittenfahrt hierher hat Miß Arabella ohne jede Beihilfe und ohne jede Waffe auf ihre eigene Art einen Wolf erlegt und dadurch vielen Menschen das Leben gerettet. Das Raubtier wird in einem Kabinett neben Sem Theatersaal gegen zwei Silbergroschen Extragebühr pro Person ausgestellt sein. Neunundzwanzig st es Kapitel. Zu dem geöffneten Fenster wehte frisch und rein die Septemberluft in ein schmales Stübchen. Die kleine Gesellschaft befand sich zurzeit in einem Städtchen Westpreußens. Beim Schein einer kleinen Oellampe faß Anatol; ein aufgeschlagenes Lehrbuch vor sich, war er eifrig in dessen Inhalt vertieft. Jede freie Gelegenheit benutzte er. sich zu bilden und zu lernen, und wie heute, konnte man ihn allabendlich nach Schluß der Vorstellung bis tief in die Nacht hinein am Arbeitstisch antreffen. Aus der Wirtsstube unter ihm tönte Surch die Decke der träge Schlag der Wanduhr. „Schon zwölf." flüsterte der Einsame, „wie doch bei der Arbeit die Zeit vergeht; mir ist, als säße ich erst seit einer Viertelstunde hier." Anatol sandte einen zornigen Blick nach dem anstoßenden Nemach. „Immer noch nichts von Cyrillo zuhören; man merkt es Der Landbste * Sinsheim» Zeitnng. wanberten, wo sie im Innern des Landes Wälder rodeten und neue Dörfer ankegten. Man kann schätzen, daß seit dem Jahre 1900 vielleicht drei Millionen Russen auf diese Weise den Ural überschritten und sich in Asien eine neue Existenz geschaffen haben. Im allgemeinen wandern heute aber nicht mehr Volksstämme oder Dorfgemeinschaften aus, sondern nur Familien oder Einzelpersonen. Scheinbar ohne jeden Zusammenhang ziehen diese kleinen Gruppen über die Ozeane. Dennoch läßt sich erkennen, wohin der Strom der Auswanderer, der offenbar einer gewissen Gesetzmäßigkeit folgt, seit vielen Jahrzehnten unverändert fließt. Aus den dichtbevölkerten Zentren der Menschheit, aus Mittel- nnd Westeuropa und aus den gewaltigen Siedlungsgebieten Ostasiens wandern unternehmungslustige Menschen nach Amerika und, soweit sich diese Länder nicht gegen Einwanderung sperren, nach Australien und Südafrika. In den letzten IM Jahren sind 5% Millionen Deutsche nach den Vereinigten Staaten ausgewanöert, die in dieser Zeit rund 36 Millionen Menschen aufgenommen haben. Von 1816 bis 1850 haben nur. 5 Millionen Menschen Europa verlassen, darunter 2k Million Briten und Iren und weit über eine Million Deutsche. Dann aber schwoll die Zahl der Auswanderer ungeheuer an, und in der Zeit von 1851 bis 19M verließen 7k Millionen Engländer und 3 Millionen Deutsche ihre Heimat. In den letzten Jahren vor dem Krieg zählte man jährlich 2 Millionen europäische Auswanderer nach Uebersee. Aber Deutschlands Anteil an diesem gewaltigen Menschenstrom war soweit zurückgegangen, daß im 2Q. Jahrhundert nur noch eine halbe Million Deutsche auswanderten. Frankreich, das auch vorher nur einen geringen Teil der überseeischen Auswanderer gestellt hatte, wurde wegen seines geringen Bevölkerungsmachs- tums zu einem Einwandererland. Dagegen wuchs die osteuropäische, besonders die russische Auswanderung; vor allen Dingen sah sich jedoch Italien genötigt, seine Arbeitermassen in die Fremde zu schicken. Roch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wunderten nur 320 000 Italiener aus, in der zweiten Hälfte waren es schon fast 3 Millionen, und in diesem Jahrhundert sind schon 5 % Millionen nach Uebersee gegangen. Aehnlich war die Entwicklung in Spanien. Deutschland war also vor dem Kriege noch ein Auswandererland, das in der Zeit von 1871 bis 1910 rund 2k Millionen Menschen durch Auswanderung verloren hat. Als der Krieg aushrach, kehrten Hunderttausende von Ausländsdeutschen in ihre Heimat zurück, und nach dem Kriege verlegten viele Deutsche aus den abgetretenen Gebieten und aus den Grenzländern ihren Wohnsitz in das Deutsche Reich. Dazu kam ein gewaltiger Strom von Ausländern, der aus der Inflation Nutzen ziehen wollte, und von russischen Emigranten. Andererseits verließen inzwischen 200 0M Polen wieder das Deutsche Reich, eine Tatsache, die beinahe unbemerkt geschehen ist und die doch im Vergleich zu früheren Zeiten eine gewaltige Völkerwanderung darstellt. Ungfähr 20Ö50 Deutsche sind nach dem Krieg in europäische Länder ausgewanöert; seit 1921 'ist auch die Abwanderung nach Uebersee wieder ganz außerordentlich gestiegen, und Mitte 1925 gab es in Deutschland nur noch etwas mehr als 800 0M ^Ausländer gegen 1,1 Millionen vor dem Krieg. Zieht man die Bilanz dieser mannigfaltigen Wanderungen, so findet man, daß seit 1910 etwa VA Million Menschen nach Deutschland eingewandert, dagegen eine Million ausgewandert find, so daß insgesamt 250 0M Menschen als Auswanderungsgewinn verbucht werden können. Nicht alle Teile Deutschlands sind gleich wanderungslustig. Selbstverständlich stellen die Hansastädte Bremen ung Hamburg eine besonders große Zahl von Auswanderern nach Uebersee. Auf 1 M 0 M Einwohner umgerechnet, zählte im Jahre 1925 aus Deutschland 97 aus, aus Oesterreich 70, bürg 299, aber im Durchschnitt von ganz Preußen nur 75. Vergleicht man Deutschland mit dem Ausland, so zeigt sich, daß wir trotz unseren wirtschaftlichen Nöten noch nicht allzu schlecht abschnciden. Von je 100 000 Einwohnern wandelten im Jahre 195 aus Deutschlang 97 aus, aus Oestereich 70, aus Irland 955, aus England 241 und aus Italien 269. Vorwiegend verlassen natürlich Männer die Heimat; früher berechnete man in Deutschland, daß 50 Prozent der Auswanderer Männer, 25 Prozent Frauen und 25 Prozent Kinder seien. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der aus- wandernden Frauen sehr vergrößert, so daß z. B. im Jahre 1921 nur 3933 Männer gegen 4134 Frauen von Deutschland nach den Vereinigten Staaten übersiedelten. Noch weit umfangreicher als die Auswanderer.ist ;eöoch die Binnenwanderung. Hat man doch bei der Berufszählung im Jahre 1M7 festgestellt, daß fast die Hälfte aller Deutschen damals nicht mehr in ihrem Geburtsort wohnten; doch ihm nicht an, daß er erst vor drei Wochen seine Schwester Priska durch den Tod verloren." Wie überall, so hatten die „Geschwister Patterson" auch hier, um vor den Leuten ihre Verwandtschaft aufrechtzuhalten, zwei nebeneinanderliegende Räume; man erwartet auch von einer Schwester, daß sie den Bruder etwas bemuttert, sich seiner Garderobe und seiner sonstigen Interessen annimmt. „Da er doch einmal als mein Bruder gilt." setzte Anatol sein Selbstgespräch fort, „so ist es entschieden peinlich für mich, daß ein so blutjunger Mensch halbe Nächte lang draußen berumschwärmt." Er erhob sich, um von einem Seitentisch ein Glas Wasser zu holen — dabei fiel sein Blick in den Spiegel, „Mein Gott, ich weiß nicht, was das werden soll — vor zwei Monaten habe ich erst mein siebzehntes Jahr zurückgelegt. und meine Gestalt hat bereits das Maß der Frauengröße um einige Linien überschritten. Ich kann nur noch kurze Zeit als Mädchen gehen, ganz abgesehen davon, daß es mir immer schwerer fällt, meiner Stimme den weiblichen Klang zu geben. Doch Gott hat mich trotz aller Gefahren, bis hierher geführt, vielleicht hilft er auch dann weiter. Die Wanduhr unten im Wirtszimmer schlug zwei. Anatol erhob sich und pfropfte die Tintenflasche zu. „Es wird Zeit sein, schlafen zu gehen," dachte er. „Cyrillo ist noch immer nicht da. der Mensch entartet täglich mehr; ich habe es aufgegeben, ihn zu bessern. Zum Glück hat er von außen seinen separaten Eingang, mich stört er nicht, mag er kommen, wann er will." • Plötzlich ertönte das sanfte Klopfen eines leichten Fingers an der bereits verschlossenen Ausgangstür. Erstaunt ging Anatol, zu öffnen. Mit zerzaustem Haar, erhitztem Antlitz, von Wasser triefend, stand Frau Thorwald vor ihm. „Verzeihen Sie tausendmal, mein üebes Fräulein, daß ich Sie zu so später Stunde noch störe, allein ich sah von unten Licht und wollte Ihnen gern Mitteilen, was vorgefallen ist. Aber Cyrillo hat Ihnen wohl schon alles erzählt." „Cyrillo ist noch gar nicht zu Hause gekommen." Dienstag, den 26. Juli 1927. waren nur ungefähr 9 Millionen aus der engeren Heimat fortgezogen. Oft geschildert wurde die Anziehungskraft, die die Großstadt auf die Bewohner des Landes ausübt. Ist doch der gesamte Bevölkerungszuwachs des Deutschen Reiches von 1871 bis 1910, der 24 Millionen Menschen beträgt, von den Städten aufgesogen worden. Jetzt wohnen über 22 Millionen Deutsche auf dem Land, während über 40 Millionen Deutsche, also fast % der Bevölkerung, in den Städten ihren Wohnsitz haben. Von allen deutschen Stüdtebewoh- nern lebt mehr als ein Zehntel in Berlin, das jetzt annähernd 4,2 Millionen Einwohner hat. Aber auch die Städte im Rheinland und in Westfalen haben einen großen Zuzug zu verzeichnen. Zusammenfasiend kann man sagen, daß das westliche Preußen von der inneren Völkerwanderung mehr Vorteil gehabt hat als Süddeutschlanö; hat doch allein Hamburg, das jetzt über eine Million Einwohner hat, einen Wanderungsgewinn von 120 000 Menschen aufzuweisen. Alle Politiker müssen diesen unmerklichen Verschiebungen der Bevölkerung ihre volle Aufmerksamkeit widmen, wenn sie nicht das Fundament jeder Politik, nämlich das Volk selbst, aus dem Auge verlieren wollen. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 25. Juli. (Die neue Krankenkassenversicherungs- Pflichtgrenze.) Angestellte mit einem Monatseinkommen von 225 bis 300 Mark waren bisher nicht verpflichtet, einer Krankenkasse anzugehören. Der Reichstag hat nun aber mit Wirkung vom I. Oktober 1927 die Erhöhung der Versicherungsgrenze auf 300 Mark monatlich (Zuschläge für Frau und Kinder nicht mitgerechnet) beschlossen. Angestellte mit einem Einkommen bis zu 300 Mark müssen also vom Arbeitgeber zu diesem Zeitpunkt bei der zuständigen Orts- oder Betriebskrankenkasse angemeldet werden, wenn sie nicht vorher einer Ersatzkrankenkasse beitreten. Der Arbeitgeber hat den Bcitragsanteil in Höhe des Pflichtkrankenkas- sen-Drittels unmittelbar an den Versicherten bei der Gehaltszahlung abzuführen. f Sinsheim, 25. Juli. (Vom Rundfunk.) Wiederholt geführte Klagen über Rückkoppelungsstörungen in letzter Zeit geben Vemnlassung, an die diesbezüglichen Bestimmungen bei Zu- lassuW ziUn Rundfunk zu erinnern. Es wird darauf hingewiesen, daß nach Paragraph 3 der Genehmigungsbedingungen der Genehmigungsinhaber durch seine Funkempfangsanlage den Betrieb von Telegraphen- und Fernsprechanlagen, sowie von Funkanlagen nicht stören darf. Rach Paragraph 6 der Genehmigungsbedingungen kann die Genehmigung entzogen werden, auch wenn die Verstöße nicht nach den gesetzlichen Bestim- mutigen strafbar sind; der Genehmigungsinhaber ist verantwortlich für jeden, der seine Anlage benutzt. Allen Rundfunkteilnehmern wird deshalb empfohlen, sich in der Bedienung ihrer Apparate die nötige Anleitung geben zu lassen, damit Störungen — insbesondere Rückkoppelungsstörungen — vermieden bleiben. Jeder Rundfunkteilnehmer muß in seinem eigenen Interesse bemüht und bestrebt sein, seine Rundfunkfreunde nicht durch unvorsichtiges Hantieren an den Apparaten zu stören. k Sinsheim, 26. Juli. (Reue Warnungstafeln für Kraftfahrzeuge.) Die Warnungstafeln für Kraftfahrzeuge müssen nach einer neuen Verordnung des Reichsoerkehrsministers bis Ende 1930 durch neue ersetzt werden. An Stelle der dunkelblauen runden Tafeln mit weißen Zeichen, treten solche in der Form eines gleichseitigen weißen Dreiecks mit schwarzen Zeichen mit einem signalroten Rand, die Spitze nach oben. Die Seitenlänge beträgt 105 Zentimeter, Der rote Rand muß 12 Zentimeter breit sein. Eine Querrinne wird von der Seite dargestellt, eine Kurve durch ein Z, eine Kreuzung durch ein liegendes Kreuz, ein bewachter Bahnübergang durch ein Gitter, ein unbewachter durch eine Lokomotive, eine gefährliche Stelle anderer Art durch ein Ausrufungszeichen. Die Tafel soll sich in der Regel rechts 2 bis 2,5 Meter Meter über dem Erdboden befinden. Geschäftliche Anpreisungen dürfen mit den Warnungstafeln nicht verbunden sein. Verboten sind Tafeln, die mit den vorgeschriebenen verwechselt werden können. * Sinsheim, 26. Juli. (Der regenreichste Sommer seit 50 Jahren. Die anormale Wetterlage dieses Sommers unseres Mißvergnügens droht allmählich zur Katastrophe zu werden, wenn nicht bald eine Wendung zum Bessern eintritt. Durch die bisherige anormale Nässe des Sommers hat sich die Ernte in fast allen Gebieten Deutschlands um ca. zwei Wochen verzögert und mit den Aussichten der Getreideernte dürfte es ziemlich trüb bestellt sein; besonders auf den schweren, tieferliegenden Böden sind ungünstige Ergebnisse warscheinlich. Durch die statistischen Aufzeichnungen der Wetterkunde ergibt sich nun die Feststellung, daß der Juni fast für ganz Deutschland über 50 Prozent mehr Regen gebracht hat, als es das Normäl zeigt das aus einer langen Reihe von Beobachtungen ermittelt wird. Dieses Ergebnis ist natürlich nur als ein Durchschnitt anzusehen. Im einzelnen ergibt sich, daß „Nicht? Wo steckt er denn? Gewiß ist er irgenowo em- geregnet. Um zwölf Uhr, gerade als es in Strömen goß, kam der Vetter zu mir ins Zimmer gestürzt. „Ullrike, das Theater brennt!" schrie er hastig, „nimm den Schlüssel zur Requisitenkammer und mach', daß du hinkommst. Der Plunder brennt am ehesten fort. Im Theater war von einem Feuer nicht das geringste zu sehen, aber auf dem Gang hinter der Bühne herrschte ein solcher Qualm, daß ich kaum atmen konnte, einige Verjatz- stücke und der Vorhang schwelten langsam weiter. Mehrere Männer folgten uns mit Licht und gefüllten Wassereimern. „Mir wird scheußlich zumute, ich ersticke!" rief Cyrillo aufgeregt, Ich muß gleich an die frische Luft." und während ich mit den Leuten jede Gefahr beseitigte, sah ich noch, wie er das Fenster an der Hinterwand des Saales öffnete und sich hinausschwang, um auf dem kürzesten Wege in den Garten zu gelangen. Die Männer meinten, es müßte einer Schwefelfaden gelegt haben, weil es so furchtbar qualmte. Ich danke nur Gott, daß alles so gut abgelaufen, nun braucht mein lieber Felix, wenn er in einigen Stunden von seiner Reise zurückkehrt, nicht mehr zu erschrecken." Mit herzlichem Gutevchtgruß eilte die junge Frau von dannen. — Um fünf Uhr war Anatol bereits wieder angeklerder. Er schloß leise die Verbindungstür zum Nebenzimmer auf — Cyrillos Lagerstätte war unberührt. „Die ganze Nacht fort? Das ist doch merkwürdig: ich muß wahrhaftig nachfehen, was aus ihm geworden ist." murmelte er besorgt. . . n . In dem Augenblick, ate'ber Iunglmg fein Zimmer verlassen wollte, trat chm Herr Thorwald hastig entgegen; aus seinem völlig blutleeren Gesicht las er sofort, daß etwas Besonderes vorgefallen fein mußte. „Was ist geschehen, Herr Thorwald," rief Anatol. den jungen Mann mit sich ins Zimmer zurückziehend. „Ihr bleiches Aussehen erschreckt mich!" „3f1 Cyrillo hier?" „Bis jetzt noch nicht; ich wollte mich eben nach ihm Umsehen." „Dann wird er auch schwerlich zurückkehren, und alle? ist Dienstag, den 26. Juli 1927. Nr. 133. Jahrgang 1927. Der Landbole * Sinsheimer Zeitung. das regenreichste Gebiet im Juni Westfalen war, wo die Regenmenge nicht weniger als 193 Prozent der normalen Menge betragen hat. Es folgen sodann der Menge nach Berlin mit 160 Prozent. Hannover mit 158 Prozent und Hamburg mit 128 Prozent. Am glimpflichsten ist noch Süddeutschland bei der Juni- Sintflut weggekommen, das nur 110 Prozent der normalen Niederschläge zu verzeichnen hat. Dementsprechend waren auch die Juni-Temperaturen ziemlich unter normal, und zwar in Westfalen um 1,9, Berlin 2,6, Hannover 1,9. Hamburg 2,4, während Siid- deutschland eine Durchschnittstemperatur von einem halben Grad über Normal aufwies. Die weiteren Aussichten für den laufenden Juli sehen nicht sehr tröstlich aus. Weist der bisherige Perlauf des Juli doch schon jetzt eine Niederschlagsmenge von mehr als 20 Prozent über dem Normaldurchschnitt auf. Nach den statistischen Aufzeichnungen der Meteorologie steht jedenfalls heute schon fest, daß der diesjährige Sommer der niederschlagreichste in einem Zeitraum von nicht weniger als 50 Fahren ist. ; Neckarbischofsheim. 25. Juli. (Verschiedenes.) Die staatliche Zuchtviehschau mit Prämiierung findet am 7. September hier statt. Damit verbunden findet gleichzeitig die Schau der Fleckviehzuchtgenossenschaft statt. Auch ihr stehen Mittel zur Verfügung, das anerkannte Zuchtmaterial mit Geldpreisen zu bedenken. Anmeldungen für die staatliche Schau haben beim Bürgermeisteramt, für tieFleck- viehzuchtgenosienschaftschau bis 15. Augitst bei Tierarzt Graulich, zu erfolgen. — Trotz des unfreundlichen Wetters erfreute sich das vom Singverein am gestrigen Sonntag im Steinigeitiiergwald veranstaltete Waldfest eines guten Besuches. Die Vereine, die zur Unterhaltung beitrügen, der hiesige Musikverein unter Leitung von Herrn Gewerbelehrer Laible, der Eingverein, der Liederkranz Adersbach, gem. Chor Adersbach, unter Leitung von Herrn Hauptlehrer Reinmuth, zeigten sich auf der Höhe der musikalischen und gesanglichen Darbietungen. ! Bad Rappenau, 25. Juli. (Kaminbrand.) Am Samstag Abend entstand im Kaffee Schmidt ein Kaminbrand, der sofort entdeckt und vom Besitzer wieder gelöscht wurde. Schaden ist nicht entstanden. k Ittlingen, 25. Juli. (Wasserleitung). Kaum drei Monate sind vergangen, seit der erste Spatenstich zur Wasserleitung getan wurde, und schon ist die Fertigstellung in unmittelbare Nähe gerückt. Die nahezu 4 Kilometer lange Hauptleitung, sowie der größte Teil der Hausleitungen ist fertiggestellt. Trotz mancherlei Schwierigkeiten, die sich während des Baues einstellten, ging die Arbeit flott und ohne jede Unterbrechung von statten: so wurde u. a. die zweimalige Bachunterführung in weniger als 24 Stunden durchgeführt. Es ist zu hoffen, daß die Fertigstellung in kurzer Zeit erfolgt und sich sämtliche Einwohner^der Wohltat dieser Einrichtung erfreuen können. Die Arbeiten wurden von Tiefbauunternehmer Hauck-Neckarbischofsheim ausgeführt. Der Hochbehälter, mit dem dieser Tage begonnen wurde, wird von der Bauarbeitergenossenschaft Heidelberg ausgeführt. Die Bauleitung liegt in den Händen des Baurats a. D. Kohler-tzeidelberg. — Wiesloch, 25. Juli. (Stöbt. Sparkasse.) Dem Jahresbericht der Städtischen Sparkasse Wiesloch ist zu entnehmen, daß das Geschäftsjahr als ein gutes zu bezeichnen ist, ist doch der Einlage- und Depositenbestand von 547 969.63 RM. auf 1080 797,96 RM. angestiegen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Konten von 1244 auf 2442 erhöht. Im Jahre 1926 wurden 928 525,70 RM. einbezahlt, 303 607,27 RM. abgehoben. Die Aktiva der Kasse zeigen eine starke Inanspruchnahme von Darlehen: Gegen Hypothek wurden 350 817,08 RM., in laufender Rechnung 453 240,38 RM., auf Schuldschein 312 958,02 RM., an Gemeinden 212 000 RM., und an Wechseldarlehen 22 703,60 RM. ausgeliehen. Zurückbezahlte Aufwertungshypotheken wurden bis jetzt 425 721,11 RM. geleistet. Für das Geschäftsjahr 1926 wurde ein Ueber- fchuß von 34 739,64 RM. erzielt, der der Rücklage gutgeschrieben wird. Die günstige Entwicklung hat auch im neuen Geschäftsjahr bis jetzt angehalten. = Heidelberg, 25. Juli. (Verschiedenes.) Ein tödlicher Unfall ereignete sich am Donnerstag im Stadtteil Rohrbach. Dort verbrühte sich das 3 Jahre alte Kind des Arbeiters Herzog in der Blumen- straße in einem Zuber mit siedendem Wasser derart, daß es mittels Sanitätsauto in das Krankenhaus gebracht werden mußte, wo es gestern starb. — Die Privatleute I. Basnizki und Ernestine geb. Groß feiern heute ihre goldene Hochzeit. — Die Straßen- und Bergbahn verkehrt aus Anlaß der Festspiele bis eine halbe Stunde nach Schluß der Aufführungen. 1 Nußloch, 25. Juli. (Gewitter und Blitzschlag.) Bei dem gestern Vormittag hier niedergegangenen schweren Gewitter schlug der Blitz in das Wohnhaus der Witwe Fellhauer am Ende der Massengasse, deckte einige Ziegel ab und entzündete einen Balken im Dachstuhl. Nur dem daschen Eingreifen der Hausbewohner ist es zu danken, daß es zu keinem Brands kam. t Buchen, 25. Juli. (Vom Brieftauben-Sport.) Die Reise- Vereinigung Buchen und Umgebung hielt'' am Sonntag einen Wettflug mit alten Tieren ab. Die Tiere wurden Sonntag früh verloren," — der andere sprach diese Worte im Tone dumpfer Ergebenheit. — „Eben hier angekommen, erfahre ich von meiner Frau, was sich in der Nacht zugetragen, und daß Cyrillo es gewesen, der sie wegen des Brennens im Theatersaal dorthin gerufen habe. Da tritt mein Fuß auf einen harten Gegenstand. Ihn aufhebend, sehe ich, daß es ein kleiner, neuer Scklütte! ist. der dem *>> meiner Kassette, in der ich unsere Papiere und mein Geld aufbewahrc, merkwürdig ähnelt. Ich probiere ihn — er schließt. Ich durch- suche in böser Ahnung den Kasten bis auf den Grunde mein Geld ist verschwunden." „Und sie glauben," fiel Anatol hastig ein, „daß Cyrillo?" „Keiner sonst als er ist der Dieb! Hören Sie selbst. Den Schlüssel hat er sich beizeiten anfertigen lassen, um eine Gelegenheit abzuwarten, wo ich verreist war. Mein Besuch in meiner Vaterstadt kam ihm gerade passend, er legte das Feuer an, um meine Frau aus der Wohnung zu locken, denn ihr fiel jetzt ein, daß er ihr erst einige Minuten später nachgekommen ist. Währenddessen hat er den Raub begangen und sich dann so rasch wie möglich, unter dem Vorwand, daß er in dem Rauche ersticke, aus dem Hinterfenster des Theater- faals entfernt, um auf Nimmerwiederkehr zu verschwinden. Anatol dachte hin und her — ungestüm drängte es fein edles Herz, zu helfen, zu retten; es wollte ihm nicht in den Sinn, sich bei fo großer Drangsaal nur mit Achselzucken oder zwecklosen Ratschlägen zu begnügen. Ein alter, schlanker Herr mit goldener Brille trat über die Schwelle. „Mein Fräulein," begann er ernst und feierlich, „es tut mir unendlich leid, der Ueberbringer einer Trauerbotschaft sein zu müsien; ich bitte Sie im voraus, sich zu fassen und zu bedenken, daß man an vollendeten Tatsachen nichts ändern kann. Ihr Herr Bruder weilt nicht mehr unter den Leben- den, soeben fanden die Bedienstete« des Etablissements den jungen Mann tot in der großen Regenwaffertonne, welche hinter dem Theatersaal im Garten eingegraben ist. Als er heute nacht, um sich vor dem Rauch zu retten, aus dem Fenster sprang, wie die Leute erzählten, muß er auf dem vom Regen erweichtes Boden ausgeglitten und in die bis 5 Uhr in Bruck a. d. Leitha (Oesterreich) hochgelassen Die Strecke bis hierher ist 600 Kilometer lang. Die ersten Tiere kamen schon am Samstag nachmittag in ihrem heimatlichen Schlag, trotz schwerer Gewitter, an. t Bad Dürrheim, 25. Juli. (Durch Explosion schwer verbrannt.) Ein schwerer Unfall stieß dem Dentist Kaiser von hier zu. Durch die'Explosion einer Spirituslampc stand er im Nu in hellen Flammen, so daß ihm die Kleider vom Leibe brannten. Seine Frau, die ihm zu Hilfe eitte, erlitt ebenfalls erhebliche Brandwunden. Dentist Kaiser liegt sehr schwer darnieder, dürste aber mit dem Leben davonkommen. Abermals Brand in Landshaufen. ; Landshaufen, 25. Juli. Die Bevölkerung von Landshausen ist wahrlich nicht um ihre Nachtruhe zu beneiden. Innerhalb eines Zeitraumes von 14 Tagen wurde sie schon wieder zweimal durch Feueralarm aus tiefem Schlafe geriflen. Wie wir berichtet haben, wurde in der Nacht vom 10. auf II. Juli die Scheune des Landwirts Philipp Imhof aus noch ungeklärter Ursache ein Raub der Flammen. In der Nacht vom gestrigen Samstag auf Sonntag gegen 3 Uhr morgens waren es Scheune, Stallung und Schöpfen des Landwirts Leopold Maier, aus denen die Flammen herausschlugen und die bis auf den Grund eingeäschert wurden. Durch frühzeitiges Entdecken des Feuers durch einen Nachbar war die Einwohnerschaft bald helfend zur Stelle, um ein weiteres Ueber- greifen des Feuers auf naheliegende Gebäude zu verhüten. Der Schaden ist bedeutend: das Vieh konnte gerettet werden. Anfänglich wußte man nicht, auf welche Art und Weise dieser Brand entstanden sein könnte, jedoch fand diese Angelegenheit bald ihre Aufklärung. Der Täter, ein 30 Jahre alter Schleswig-Holsteiner namens Max Pictrzack, Maler, hat sich am Sonntag vormittag 6 Uhr der Gendarmerie Eppingen gestellt und angegeben, daß er in der Brandnacht im Stalle des Brandgeschädigten geschlafen habe. Er wollte seine Notdurft verrichten und steckte sich ein Streichholz an, wodurch das Stroh in Brand geraten sei. Nachdem er gesehen habe, daß ein Löschen des Feuers unmöglich sei, habe er „Feuer" geschrieen und sei von Landshausen weggegangen, um sich freiwillig der Gendarmerie Eppingen zu stellen. Der Täter wurde verhaftet und dem Amtsgericht Eppingen übergeben. Er ist vom Krieg her nervenkrank und bekommt öfters Anfälle. Seit Mitte Mai ds. Is. war er bei Maier in Miete und hatte in Landshausen sein Malerhandwerk ausgeübt. 50 Jahre Neckarschleppschiffahrt. Die Neckar-Schleppschiffahrt A.-G. kann ans ihr 50 jähriges Be- stehen zurllckblicken. Am 24. Mai 1878 erfolgte die erste Fahrt mit einem Kettendampfer. Seit 1885 wurde der Schleppverkehr mit 7 Kettendampfern durchgeführt. Mit dem Fortschreiten der Kanalisier- ung des Neckars wird der Kettenschiffahrtsbetrieb des Neckars allmählich aushören und das Schraubenboot die Schleppzüge befördern. Bis jetzt wurden zwei Kettendampier ausrangiert und hierfür vier Schrqubenboote beschafft, die ans den Kanalstrecken Heilbronn—Kochendorf und Heidelberg—Mannheim den Schleppdienst versehen. Auf der Zwischenstrecke Kochendorf—Heidelberg verkehren noch die Kettendampfer die zum Teil heute auch ihren 50. Geburtstag feiern können. Sobald die Kanalisierung bis Heilbronn fertig ist, dürfte der Schlcpp- verkehr auf dem Neckar freigegeben werden. Das Urteil im Offenburger Sprittprozetz. Offenburg, 25. Inli. In dem Methylalkoholprozeß wurde heute nachmittag 6 Uhr das Urteil verkündet. Der Angeklagte Hermann Bete wird wegen fortgesetzter Handlung, wiflentlich Gegenstände, deren Genuß geeignet ist, die menschliche Gesundheit zu schädigen und den Tod herbeizuführen, zu elf Jahren Zuchthaus, 5 jährigem Ehrverlust, Stellung unter Polizeiaufsicht und Tragung der Kosten verurteilt. Von der verbüßten Untersuchungshaft wird ein Jahr angerechnet. Der Angeklagte Braun wird von der gegen ihn erhobenen Anklage, fahrlässig solche Gegenstände in den Verkehr gebracht und verkauft zu haben, sreigesprochen. Schwere Unwetter in Norditalien. Rom, 25. Juli. Aus ganz Norditalien werden schwere Unwetter gemeldet. In Cremona gingen schwere Wolkenbrüche nieder, die viele Häuser und eine Kirche vollständig abdeckten. Vier Personen wurden getötet, über 50 verletzt. Infolge eines Sturmes stürzte eine Antenne auf den Markusplatz in Venedig und beschädigte die Basilika, sowie einen Schornstein des städtischen Krankenhauses. Die herab- stllrzenden Ziegel durchschlugen das Dach, töteten zwei Kranke und verletzten zwei Kinder. Auch Mailand ist von einem Unwetter heimgesucht worden, ohne daß hier Menschenleben zu beklagen wären. 4 Tote bei einem Autounglück. Paris, 25. Juli. Ein schweres Automobilunglllck wird aus Vevey gemeldet. Ein Personenauto, das mit 10 Personen besetzt war, wurde bei einem Cisenbahnübergang von einem Zuge ergriffen und zertrümmert. Der Bahnwärter hatte gerade nach der Durchfahrt eines ersten Zuges die Schranken geöffnet, aber dabei übersehen, daß aus der entgegengesetzten Richtu ng ein Schnellzug im zum Rande gefüllte Tonne gestürzt sein; seine Lage — mit dem Kopf nach unten — machte jeden Hilferuf und jeden Versuch, sich zu retten, unmöglich. Nach seiner rein zufälligen Auffindung schickte man sofort zu mir, dem Arzt des Städtchens, aber mir blieb nur noch die tieftraurige Aufgabe, festzustellen, daß der Tod bereits vor einer Reihe von Stunden eingetreten war." Der Herr öffnete die Tür, welche er bis zur Erledigung seiner Mitteilung rücksichtsvoll hinter sich zugezogen, und -vier Männer brachten schweigend den in ein großes Leinentuch gehüllten Toten herein und legten ihre Bürde auf mehrere, schnell zusammengesetzte Stühle. Nach Erledigung der notwendigen Formalitäten empfahl sich der Arzt, die Verwandten mit ihrem „Schmerz" allein laffend. Nachdem Anatol und Herr Thorwald die im Gesicht fürchterlich entstellte Leiche eine Weile stumm betrachtet, schienen beide plötzlich von demselben Gedanken erfaßt. „Wenn er der Dieb gewesen," rief Anatol. „So muß er das Geld ja noch bei sich haben!" ergänzte der andere in heftigster Aufregung. Ungestüm öffnete er den bis oben hinauf zugeknöpften Rock und zog aus der noch extra mit einer Nadel zugesteckten Brusttasche ein kleines, festes Paket hervor. Ein mühsam unterdrückter Freudenschrei entrang sich seiner Brust. „Fräulein, Fräulein, sehen sie doch um Gotteswillen — ist ja alles — alles — nein, noch mehr: sechshundertfünfzig Taler. O, ich namenlos Glücklicher! Die Scheine sind vom Wasier durchtränkt, aber völlig unversehrt!" „Dann rasch zu Ihrer Frau, damit sie nicht länger ihrem ■ Schmerz überlassen bleibt." „Felix, ift es denkbar? Cyrillo ist tot! Eben brachte man mir die Nachricht," mit diesen Worten stürzte Ullrike herein. Der Gatte schloß sie stürmisch in die Arme. „Ja, er ist tot, der Räuber; Gottes Gericht hat ihn ereilt, ehe es für uns zu spät war. Das ganze Geld ist hier und noch ein kleines Erbe von hundertfünfzig Talern dazu!" Dreißigstes Kapitel. Ein schlank und kräftig gebauter, noch sehr junger Mann 80-Kilometer-Tempo heranbrauste. Von den Insaffen des Autos wurden 4 auf der Stelle getötet. Die übrigen erlitten sehr schwere Verletzungen. Zusammenstoß zwischen einer Elesautenherde und einem Eisenbahnzng. In West-Aurora, einer Vorstadt von Chicago war eine Zirkustruppe auf dem Wege zu einer Denkmalenthüllung. Das Monument war zur Erinnerung an 58 Kameraden errichtet worden, die im Jahre 1918 bei einem Eisenbahnunglück den Tod gefunden hatten. In der Truppe gingen neun ' Elefanten mit. die den unglücklichen Wunsch hatten, mitten aus einem Bahnübergang auszuruhen. Im selben Augenblick fuhr aber ein Eisenbahnzug heran, der mitten in die Truppe geriet. Der Zusammenstoß war so heftig, daß mehrere Paffagiere des Zuges Verwundungen erlitten. Viel ärger.jedoch endete die Sache für die Zirkustruppe. Ein Elefantenführer wurde getötet. Zwei Elefanten trugen so schwere Verletzungen davon, daß sie sofort getötet werden mußten. Der Zug brauste nach dem Zusammenstoß noch ein Stück weiter und zertrümmerte dabei einen großen Zirkuswagen. Der Führer war aus einem der drei Elefanten gesessen und bei dem Zusammenstoß von dem Tier hinuntergeschleudert worden. Einer der verwundeten Elefanten fiel auf ihn und erdrückte ihn. Die sieben anderen Elefanten, die unversehrt geblieben waren, rannten erschrocken durch die Straßen von West-Aurora und verursachten dort eine entsetzliche Panik. Das Monument, daß die Truppe enthüllen sollte, ist merkwürdigerweise ein Marmorelesant, auf dessen Sockel eine Platte mit den Namen, der im Jahre 1918 verunglückten Zirkusleute angebracht ist. Die Zirkusleute fingen nachdem Unglück zuerst die geflüchteten Elefanten ein, dann enthüllten sie das Denkmal. Darauf folgte eine Leichenfeier für den getöteten Kameraden. Durch Nachtfalter verraten. Nicht Nachtfalter im übertragenen Sinn des Wortes, obgleich es bekannt ist, daß gerade diese Sorte von Frauen häufig in der Gesellschaft von Verbrechern anzutreffen sind, sondern wirkliche Insekten dieses Namens waren dieser Tage die Veranlaffung, daß eine Einbrecherbande, die aus elf Köpfen bestand, verhaftet wurde. Drei Kriminalbeamte der Pariser Polizei saßen morgens in einem Gasthaus in Le Blane-Mesnil bei Paris, um zu frühstücken. Da sahen sie ein schönes Automobil kommen, das vor dem Gasthaus hielt. Dem Wagen entstiegen zwei Männer. Ihre Reden, die mit Ausdrücken der Verbrechersprache durchspickt war, erregten die Aufmerksamkeit der Kriminalbeamten. Automobilbesitzer, die so sprachen, waren doch auffällig. Während zwei Kriminalbeamten die Männer in ein Gespräch verwickelten, ging der dritte hinaus zum Auto, um sich den Wagen näher anzusehen. Er entdeckte in den Ventilen der Motorhaube mehrere Nachtfalter. Das ermöglichte dem Polizisten, die Verbrecher — und um solche handelte es sich — zu überführen. Die zwei Männer hatten nämlich erzählt, sie wären in den letzten Tagen nicht ausgefahren und wären deshalb am frühen Morgen aufgebrochen, um einmal eine tüchtige Tour zu machen. Die Nachtfalter in der Motorhaube straften sie jedoch Lügen. Darauf gestanden die Kerle, das Automobil vor einigen Tagen in He Perraux gestohlen und mit deflen Hilfe einen Einbruch verübt zu haben. Auf Grund der Angaben der Verhafteten leiteten die Kriminalbeamten Nachforschungen ein. welche dazu führten, daß neun Komplicen festgenommeu wurden. - Wachsender Opinmvcrbranch in de« Bereinigten Staate«. Keine Nation der Welt, vielleicht mit Ausnahme von China selbst, verbraucht soviele Opiate wie die Vereinigten Staaten. Das Schatzamt ließ kürzlich darüber eine Untersuchung anstellen und gab bekannt, daß es in Amerika mehr als eine Million Menschen gäbe, die dem Genuß von Opiaten ergeben sind. Manche schätzen ihre Zahl auf vier Millionen. Da dem Laster meist im Geheimen gefrönt und ein schwunghafter Schleichhandel mit Opiaten besteht, so ist es schwer, genaue Zahlen anzugeben. Sicher ist. daß seit Einführung der Prohibition das Opinmlastcr starke Verbreitung gefunden hat. Ter Verbrauch von Opiaten stellt sich bei den wichtigsten Ländern der Erde nach den neuesten Statistiken folgendermaßen dar: Pro Kopf der Bevölkerung verbraucht Italien jährlich ein Grain, Deutschland zwei, England drei, Frankreich vier die Vereinigten Staaten dagegen verbrauchen 36 Grains pro Kopf der Bevölkerung. Das Schatzamt der Vereinigten Staaten erklärt, daß 90 Prozent des im Lande eingeführten Opiums eingeschmuggelt wird. Für eingeschmuggeltes Opium werden von den dem Laster Ergebenen oft Phantasiepreise bezahlt und mancher wird von gewissenlosen Händlern bis auf den letzten Cent ausgeplündert. Die Stadt New Aork hat auf der Rikas-Jnsel ein besonderes Hospital für Narkotiker errichtet. Viele der unglück- tn dunkelm, sommerlichem Stoffanzug, auf dem Kopf mit dem kurze-i^niitenen Haar ein leichtes Strohhütchen, schritt in geschäftiger Eile durch die Hauptstraße einer pommerschen Prooinzialstadt dem Tore zu. Es war Anatol. Gestern erst hatte sich seine Metamorphose vollzogen, gestern nachmittag noch war er als stattliche Jungfrau »m- hergewandelt, und vierundzwanzig Stunden später tauchte er zwanzig Meilen weiter als sieghaft schöner Jüngling auf. Es war alles fabelhaft schnell gegangen, die ganzen Erlebnisse der letzten Tage kamen ihm wie ein Traum vor. Gestern in aller Frühe hatte Cyrillos Beerdigung stattgefunden, und gegen Mittag waren seine Verwandten bereits, mit ollen Vorberettungen fertig, zur Abreise bereit gewesen. Sie hatten ihn dringend gebeten, mitzukommen und so lange bei ihnen zu bleiben, bis sie ihm ein anderes einträgliches Engagement verschafft — er aber lehnte dankend ab unter dem Vorwände, zu seinen erzürnten Eltern reisen zu wollen. Ein Engagement als Dame anzunehmen, konnte er bei der Schnelligkeit, mit der feine äußere Erscheinung und seine Stimme der männlichen Vollendung entgegenstrebte, nicht mehr wagen. Der Abschied voneinander war allen sehr schwer geworden. Thorwalds sahen tiefbekümmert der majestätischen Mädchenerscheinung, ihrem glänzenden Meteor nach, dem sie nun für ewig Valet sagen mußten, und Anatols Herz hatte traurig zusammengezuckt bei den vielen liebevollen Händedrücken, den Umarmungen und Küssen der elfenhaften, kleinen Mädchen. Wieder stand er ganz einsam, ganz heimatlos auf der weiten Gotteserde. Auch Madame Empereur, welche vor zwei Monaten ihren Gatten verloren hatte, sagte ihm heißbewegt Lebewohl. Thorwalds reisten in ihre Vaterstadt, wo die Schwergeprüften endlich Gelegenheit finden sollten, mit Hilfe der ersparten, von Cyrillo geraubten und wieder gefundenen Gelder eine bürgerliche Existenz zu gründen. Nr. 133. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim» Zeitung. Dienstag, den 26. Juli 1927. lichen Menschen haben sich freiwillig dort eingestellt und gebeten, man möge sie einsperren, weil diese an Geist und Körper zerrütteten Menschen wissen, daß sie selbst die greulichsten Verbrechen nicht scheuen, um in den Besitz des Giftes zu gelangen. So sind denn auch mehr als die Hälfte aller Insassen der Strafanstalten der Stadt New Dort Narkoti- ker oder ertappte Händler dieser Giftwaren. Das Fürchterliche ist, daß das Laster beginnt, bereits auf Jugendliche überzugreisen. Ein Schüler teilte dem Schularzt mit, daß er etwa 60 Kameraden seines Alters kenne, die dem Opiumlaster ergeben seien. Es kommt vor, daß Schleichhändler den Knaben Opiate schenken, um in ihnen das Verlangen zu wecken und somit neue Kunden zu finden. Ei« Professor braucht Löwenmilch. Ein Professor der Technischen Hochschule Charlottenburg brauchte zu bestimmten wissenschaftlichen Untersuchungen Löwenmilch und machte seine iumerhin seltsame Bestellung beim Dompteur Schneider. „Gemacht habe ich es sa noch nicht und meincs Wissens auch noch niemand vor mir", erwiderte dieser, „aber man kann es versuchen . . ." Die ersten Versuche verhießen dann freilich wenig Erfolg. Die Löwinnen nahten ihrem Gebieter zutraulich wie sonst, hatten aber für sein Vorhaben keinerlei Verständnis. Allmählich verbreitete sich schon eine gewisse Unruhe im Zwinger. Der Auftraggeber wollte schon von seinem Wunsche abstehen, als es dem Dompteur, der genug zu tun hatte, alle Tatzenhiebe abzuwehren, gelang, eines der Tiere durch guten Zuspruch so weit zu bringen, daß es sich einige Striche Milch abnehmen ließ. Erste Hilfe bei Kreuzotterbitz. Wer kennt nicht die gefürchtete Giftschlange Deutschlands mit dem berüchtigten Andreaskreuz auf dem Kopfe. Im Wald und im Unterholz, in der Heide und an schilfrerchen Ufern, auf Wiesen, und auf Feldern lagert die Kreuzotter, und wehe, wenn ein nackter oder nur mit dünnem Schuhzeug bekleideter Fuß das giftige Gewürm berührt. Mft Blitzesgeschwindigkeit beißt das Tier zu und Gift fließt aus einer Drüse am Gaumen dach durch ein feines Röhrchen in die Wunde. Kleine, dicht beeinanderliegende Stiche bezeichnen die Bißstelle, die schnell anfängt zu brennen und zu schwellen. Mitunter gehen von der Wunde rote Streifen aus, die nächstgelegenen Drüsen werden größer und sckmerz- haft. Immer mehr schwillt das verletzte Glied und »etzt wird auch das Allgemeinbefinden als Zeichen der sich ausbreitenden Vergiftung allmählich veinträchtigt. Es kommt zu Schwindel und Angstgefühlen, zu Ohnmächten. Kopfschmerzen, Atembeschwerden, zu Uebelkeit und Erbrecyen: der Puls verschlechtert sich und schließlich kann der Tod durch Atemlähmung erfolgen. Allerdings führt der Kreuz- otterbiß gewöhnlich nur bei Kindern zu tödlichem Ausgang; für Erwachsene ist er, dach doch nur eine verhältnismäßig geringe Menge Gift in den Körper gelangt, im allgemeinen nicht lebensbedrohlnh. Bei leichten und mittelschweren Vergiftungen sind alle Erscheinungen meist schon nach «iner Woche wieder vorüber. Als erste Gegenmaßnahme >st sofortige Abschnürung des verletzten Gliedes zu nennen, die mit Rücksicht auf die Absterbegesahr des Gliedes nicht länger als 2 Stunden liegen soll. In dieser Zeit mutz es gelingen. ärztliche Hilfe herbeizurufen. Ein Aussauger, der Wunde ist für den Helfer — Gefahr der Vergiftung — wie für den Gebissenen — Gefahr der Wundinfektion — gleichermaßen bedenklich und deshalb zu unterlassen: man kann den Versuch machen, mit Kalipermanganat oder Clorkalk das Gift zu zerstören. Auswaschen der Bißwunde ist gefährlich. da das Gift nur tiefer in die Gewebe gebracht wird. Lediglich der Arzt hat die Aufgabe, die Wunde nach sftnem Ermessen auszuschneiden und auszubrennen. Wohl kyll Ser Gebissene reichliche Mengen von Kaffee und Tee -u sich nehmen, um durch gesteigerte Urinabsonderunz und vermehrtes Schwitzen das aufgenommene Gift schnell wieder auszuscheiden. Alkohol ist als Gegengift zwecklos. Füus Millionen Dollar zurückgewiesen. Ter soeben verstorbene Multimillionär Sherwood Al- drich, einer der bekanntesten Kupferindustrielleu in Amerika, hat fein ganzes Vermögen, bestehend aus ca. 5 Millionen Dollar einer Krankenschwester vermacht. Diese hatte ihn während seiner achtmonatigen Krankheit aufopfernd gepflegt und zum Tanke für diese Hingabe vermachte er ihr sein ganzes Vermögen. Es bildete die Sensation von New- york. als bei der Testamentseröffnung die letztwillige Verfügung lautete: „Ich vermache hiermit , mein ganzes Vermögen Miß Ethel Sears, die ich überaus achte und hätze." Die also mit Glücksgütern überhäufte Krankenschwester gedenkt aber nicht, das Geschenk anzunehmen. Sie erklärt Reportern gegenüber, daß sie nur in Ausübung ihres Berufes gebandelt habe und daß sie eine so reichliche Belohnung nicht verdiene. Auch wüßte sie nicht, was sie mit dem Gelde anfangen soll. Sie hat das Vermögen einer Bank zu treuen Händen übergeben, das diese für die 86jährige Mutter des verstorbenen Millionärs verwalten soll. Nach deren Tode soll das Riesenvermögen für wohltätigte Zwecke Verwendung finden. ) Radio-Programm JV für Mittwoch, den 27. Juli 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1250), 20.10 Uhr: „Das Dorf ohne Glocke", Singspiel, Musik v. E. Künneke. 22.30 Uhr: Ungarische Musik. Breslau (315), 20.10 Uhr: Uebertragung von Berlin. Frankfurt (428), 13.00 Uhr: Neue Schallplatten. 15.30 Uhr' Jugendstunde. 16.30 Uhr: Kinderkonzert. 17.45 Uhr: Bücherstunde. 18.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Tschechische Musik. Hamburg (394), 20.15 Uhr: Uebertragung v. Frankfurt. 21.20 Uhr: Liederabend, Clara Boß. Anschl. Tanzmusik. Königsberg (329), 20.10 Uhr: Südwestdeutscher Abend. 22.00 Uhr: Tanzmusik. Langenberg (468), 20.30 Uhr: Orchesterkonzert, Nordische Komponisten. Anschl.: Tanzmusik. Leipzig (365), 20.15 Uhr: Rhythmus Amerikas. 22.15 Uhr: Tanzmusik. München (535), 20.05 Uhr: Schrammeltrio Poustka. 20.15 Uhr: , „Der Geigenmacher v. Miftenwald" Dorfkomödie v. L. Ganghofer. Stuttgart (379), 13.15 Uhr: Schallplattenkonzert. 15.00 Uhr: Jugendstunde. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Borträge. 20.00 Uhr: Symphoniekonzert. 21.00 Uhr: Symphoniekonzert. 21.00 Uhr: „Die große Leidenschaft", Lustspiel v. Raoul Auernheimer. Daventry (1600). London (361), 12.00 Uhr: Konzert. 16.00 Uhr: Konzert. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Orgelkonzert. 19.15 Uhr: Lieder o. Richard Strauß. 19.30 Uhr: Bunter Abend. 21.35 Uhr: Symphonieorchesterkonzert. Paris (1750), 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Konzert. 20.30 Uhr: Konzert. Wie» (517), 20.05 Uhr: Abendveranstaltung. Zürich (588), 20.00 Uhr: Wien bleibt Wien. Prag (348), 20.10 Uhr: Konzert. 21.20 Uhr: Unterhaltungsmusik. 22.20 Uhr: Uebertragung a. d. Cafe Redoute. E. Schild, Uhrmachermeister, SfNShkfMU. E. Dr.Seibt-Bertreter — Lager in Tele funken -Röhren, Anoden - Batterien — Säml- lichen Ersatztellen, Varla-ANumulatoren-Ladepation. — Telefon 19 . Marktberichte. Schweinemarkt Sinsheim, 26. Juli. Dem heuttgen Schweinemarkt waren zuge» führt: 12 Milchschweine zum Preise oon 18—23 Mark pro Paar. 20 Lauser zum Preise von 40—45 Mark pro Paar. Mannheimer Pferdemarkt. Dem Pferdemarkt am Montag waren zugefühtt: 142 Arbeitspferde und 62 Schlachtpferde. Bezahlt wurden pro Stück in RM. : Arbeitspferde 900—1700, Schlachtpferde 60—140. Der Handel war mittelmäßig. Preise des Mannheimer Schlachtviehmarkts. Dem Schlachtviehmarkt am Montag waren zugeführt: 256 Ochsen, 167 Bullen, 264 Kühe, 323 Färsen, 582 Kälber, 58 Schafe 2979 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Ochsen a I 61—63, a II 50—54, b I 53—58, b II 38—45, c 32-38, d 30-32: Bullen 1. Kl. 52- 56 2. Kl. 46-49. 3. Kl. 35-37, 4. Kl. 30—34; Kühe 1. Kl. 50 -54.2. Kl. 36-42, 3. Kl. 30-34,4. Kl. 15-20,- Färsen 62-64. 52-56. 38-42, Kälber 76-80, 66-72, 60—64, 54- 60, — ; Schafe 40-48. — , Schweine 60—62, 62—63, 63—65, 63—64, 61—62, 56—58, 50—54. Marktoerlaus, mit Großvieh mittelmäßig, geräumt: mit Kälbern mittelmäßig, aus- oerkauft mit Schweinen lebhaft, geräumt. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse, vom 25. Juli 1927. Preise verstehen stch per IW kg alles in Reichsmark zahlbar Weizen, inländischer Weizen, ausländisch. 30,50—32,50 Roggen, inländischer — Roggen, ausländ. 26,(X)—26,50 Braugerste — Hafer, inländischer — Hafer, ausländischer 23,00—24,60 Weizenmehl Sp. 0 39,75—40,M Roggenmehl 70 o/o 35,75—37,50 Tendenz: stetig. Mais (mit Sack) . Weizenkleie m. Sack Biertreber mit Sack Roh-Melasse . . Wiesenheu . . Luzernekleeheu. . Preßstroh . . Gebundenes Stroh Raps. 19,25 13,00 15,50-16,00 9,20-10,00 11,00—11,94 4,50— 0,60 4,00- 4,90 36,00-37,00 Neueste amtliche Kurse vom 25. Juli 1927. mitgeteilt oon der. Vereinsbank. e. G. m. b. H. Sinsheim. Anleihen: mll Äuskosungsschcin ohne Auslosungsschein . Bankaktie: Bad. Bank in o/o 394.50 17,25 in o/o 172 Darmstädier- und Nationalba»! 23" Deutsche Bank Deutsche Vereinsbank Dresdner Bank Mitteldeutsche Ereditbank Reichsbank Rhein. Ereditbank . Südd. Dtsconto Ges. Bergwerk» » Aktien 166l'8 lc6 171 253 170 1347/8 in o/o Harpener Bergbau Kali Wefteregeln . . . 187,75 ManneSmunnröhrenwerke, . 195 Mansfelder Bergb. u.Hütienw . 12»,75 Oberschi. Eisenb. Bedarf . 1 . 1027/8 Phönix Bergbau u.Hüttenbetrteb »27,50 Salzwerk Heilbronn . .185 Bereinigte Königs- Laurahütte 91,25 Aktie» indnftr. Unternehmungen: in 0/0 Allg. Eleltr. Stammaktien . 187,25 Badenta Weinhetm . . — Bad. Elektrizttät Mannheim — Bad. Maschinen Durlach . . ,55 Cementwerk Heidelberg . 152 Daimler Motoren . . . 127,50 Dtsch. Gold- und Silberscheid'e S20 Elektr. Licht und Kraft . . 200 Ematll. und Stanzwerk Ullrich 18 Farbenindustrie . . . »19,25 Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschine» Durlach . 121 Karlsruher Maschinen . . s»>-» Knorr Heilbronn . . . 185,50 Mainkrastwerke Höchst . . 128 Neckarsulmcr Fahrzeugwerke . 122,25 Schuckert Blettr. Nürnberg . 202 Seilindustrie Wolfs . . . »1,50 Südd. Zucker .... H»,76 Zellstoff Waldhof Stammaktien »27,»s Aktie» dentfcher Transportanftalte»: in 0/0 115,50 öambnrg. Amerik. Paketfahrl Seidelberger Straßen- u. Bergbahn — Norddeutscher Lloyd . . 115 Devifen: New-Bort t Dollar London 1 Pfund t olland 100 Gulden chweiz IW Franes Wien wo Schilling Partsiw Francs Italien 100 Lire 420 20.39 168.29 80.90 59,12 16.41 22,85 Brief 4.2080 90.43 168.83 81.06 69.24 16.48 22.89 Wer seine Blumen Hebt dafelba* kräftig*» lafeO «Ot 14 tage ttaf h 6» Kee» erhaiNA « nhAMch NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN einzige deutsche Linie, mit regelmäßigen direkten e ,Abfahrten für Reisende und Auswanderer von Bremen nach CANADA Nähere Auskunft über Einreisebedingungen u. Abfahrten erteilt Sinsheim: Georg Eiermann Ww., Eisenbahnstraße 344. Neckarbischofsheim: iVax Jeselsohn, Hauptstraße 4. Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllltlllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllillf DR. STURMS MITTEL gegen Heu- und Sauerwurm ( \ (Arsenkupferstaubmittel) zur gleichzeitigen Bekämpfung von Heu- und Sauerwurm, »»^nospora und Rotem Brenner CUSISA (Kupferstaubmittel) gegen Peronospora und Roten Brenner Literatur (furch: E. MERCK DARMSTADT Abtlg.Pflanzenschutz oder die Vertriebsstelle: BOhl: Franz Walter Freiburg: Bad. Bauernvarelf Karlsruhe: Bad. laadw. Hauptgenossenschaft Karlsruhe: Bad. Land». Verein und die angeKhlostenen Ortsvereine. Niederlagen in allen Weinbauortee. In schöner Berggegend unweit Bruchsal sofort äußer st preis wert verkäuflich: Neubau bis Sockelhöhe fettig, nebst ca. 31/2 Morgen gute Aecker. Wiese u. Weinberg. Gün- stigeZahlungsbedingungen. Anfragen unter Nr. 721 an den Landboten. Im Saison- Ausverkauf: Ein Posten StrohhQte —.10 —.25 —.95 Elsa Faul H eidelberg Sophienstraße 13. 'NIMM fUROENBOOBi UXA-HRK8-, Bcmsmot loba-bbzc, uemssatan Sehr billige Betten Schönes rot. Deckbett 1 l/ 2 -schläfrig gut gefüllt 30 Mk. Kopfkissen dazu Stück 10 Mk. 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