Erscheint tS-lich mH Ausnahnre der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus «««Mich Goldmark 1.80 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. 8» Fällen von höherer Gewalt »«steht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. »eschSstszett^Ä bis 5 Uhr Sonntags geschlossen. Jernsprech-Anschluh Rr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lanöbote Smshettlter General-Anzeig er Mr das m >9 Zeitung ?sr, Ajenz-un- Lckuoarzbadital Htlttft* and v*rbreitetlt* Leitung dieser Gegend. tz»apt-Kn)eigen-8l»tt "HTniti—iflirfr»« Vellage» i IM« md v«t»> • Der Kobold » Neu« Illustriert« » tkttdwirttditftUdi« veil«». Anzeigen-Pretse: 2lnzeigen: Die 33 mm drei»» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg Reklamen- Die 92 mm breire Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift iin Anzeigen- un» Textteil ist Petit. 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Wenn ein Teil der Wiener Bevölkerung über das Schairendorfer Urteil erbittert war, so sei die ländliche Bevölkerung über den ungesetzlichen Verkehrsstreik erbittert gewesen. Der Streikabbruch habe der Sozialdemokratie nicht den Prestigeverlust gebracht, der bei einem Zusammenbruch des weitergeführten Streiks eingetreten wäre. Gürtler erinnerte die Sozialdemokraten daran, daß Wien Bundespflichten habe. Zu diesen gehörte vor allem die Aufrechterhaltung der Ordnung. Auch das flache Land hätte die Macht zu Terrorakten und Revolution. Das dürfe die Sozialdemokratie nie vergessen. Sie wünsche nicht diese Revolution, darum solle sie auch in Wien ihre revolutionäre Sprache einschränken. Wohin hetzerische Agitation führe, hätten die Wiener Ereignisse deutlich gezeigt. Nach Professor Gürtler sprach der Abg. Renner (Soz.). Der Redner begrüßt den Gedanken, den Professor Gürtler geäußert hat, daß man den Weg des Rechts suchen müsse. % Er beklagt die Verletzung der Rechtsgefühle und die Politisierung des Rechtslebens. Das Rechtsgefühl sei in unserem Volk so groß, daß seine fortwährende Verletzung den elementaren Ausdruck Hervorbringen müßte. Was den Verkehrsstreik in den kritischen Tagen an- ia"gt, so fuhr der Redner fort, so war er das einzige Mittel, um der Stimmung der Arbeiterschaft Ausdruck zu geben und um die Gefahr zu vermeiden, daß der ganze Arbeiterstand an den Kämpfen teilnahm. Wäre der Streik nicht proklamiert worden, so wäre das Unheil unabsehbar gewesen. Nach Renner (Soz.) ergriff der Vertreter des Landbundes Nationalrat Bichel (Oberösterreich), das Wort. Er erklärte, daß. der Landbund die Einführung st« Todesstrafe für Mörder und Mordbrenner bei der Beratung des neuen Strafgefetzentwurfs nn Nationalrat beantragen werde. Ferner verlangte Bichel die Einführung des Milizsystems sowohl zur Verminderung der Arbeitslosigkeit, als auch um die Jugend Oesterreichs wieder zu Gehorsam und Disziplin zu erziehen. Der Völkerbund sollte diese Forderung um so eher erfüllen, als die in Frage kommenden 100 000 Milizsoldaten keine ernstliche Bedrohung der Entente bilden könnten. Der Umschwung in der Stimmung des Hauses begann mit der Rede des nächsten Ländervertreters, des christlich- sozialen Abg. Aigner-Linz. Schon als dieser den Verkehrsstreik auf das schärfste verurteilte, wurden erregte Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten laut, die sich zu einem Sturm der Entrüstung steigerten. ■ r Der Nationalrat hat die gestern begonnene Aussprache über die Erklärung des Bundeskanzlers beendet, die stellenweise lebhafteren Charakter annahm. Der von den Sozialdemokraten eingebrachte Mißtrauensantrag gegen die Regierung sowie der Antrag auf Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungs-, ausschusses über die Ereignisse vom 18. und 16. Zuli wurden abgelehnt. In der nächsten Woche findet zur Erledigung einiger dringender Vorlagen noch eine Vollsitzung des Nationalrates statt. Neue Kommunistenoerhaftungen in Wien Wie», 27. Juli. Die Polizei hat am gestrigen Tage abermals Haussuchungen bei Kommunisten vorgenommen. Die bekannten Wiener Kommunistenführer Tomann und Korit- schoner, sowie Mitglieder des Zentralkomitees der kommunistischen Jugend wurden verhaftet. Dagegen konnte der Redakteur der „Roten Fahne", Willi Schlamm, gegen den ein Haftbefehlt vorlag, nicht aufgefunden werden. Auch bei einigen Mitgliedern der Sozialdemokraten sollen Haussuchungen vorgenommen worden sein. Rur ein provisorisches Abkommen. Chamberlains Erklärung über die Genfer Flottenkonferenz. London, 27. Juli. Chamberlains heutige Erklärung im Unterhaus über die Genfer Konferenz war eine Enttäuschung für alle Optimisten, die erwarteten, Chamberlain mache wcseMliche Konzessionen an den amerikanischen Standpunkt. Amerikanische Diplomaten und Journalisten, die die Erklärung mit anhörten, betonten hinterher, daß Chamberlains Ausführungen die Lage keineswegs entspannt, sondern eher noch etwas versteift hätten. In amerikanischen Kreisen hat man nach den Erklärungen den Eindruck, daß bei den Beratungen im englischen Kabinett die Diehards einen wesentlichen Sieg davongetragen hätten. Einleitend erklärte Chamberlain, daß die englische Delegation nach Genf zurückgekehrt sei, nachdem mit dem Kabinett alle Fragen eingehend erörtert worden seien, die die Delegation dem Kabinett zur endgültigen Entscheidung vorzulegen gewünscht hatte. Die Regierung hoffe, daß es der Delegation möglich fein werde, in Genf zu positiven Ergebnissen zu gelangen. Die Schwierigkeiten, die in Genf entstanden seien, seien auf eine falsche Aüffassung des englischen Standpunktes zurückzuführen. England sei bereit, grundsätzlich jeden Abrüstungsvorschlag zu prüfen, der geeignet, den Grundgedanken des Washingtoner Abkommens weiter zu entwickeln. In diesem Sinne habe England die Einladung nach Gens angenommen. Chamberlain polemisierte dann gegen den Mißbrauch des Paritätsbegriffds. Wenn man davon spreche, daß ein Land über 100 000 Tonnen an Großkampfschissen verfüge, so sei dies eine feste Größe, deren Bedeutung klar liege. 100 000 Tonnen anl Kreuzern könnten sich aber aus 10 Kreuzern zu 10 000 Tonnen oder aus 20 Kreuzern zu 5000 Tonnen zusammensetzen. Offenbar stellten diese beiden Kreuzertypen aber ganz andere Kampf- werte dar. Chwmberlain hob dann weiter hervor, daß Amerika gai andere Verbindungslinien zu schützen habe als England. Amei kas Verbindungslinien liefen über weite Strecken des offen, Meeres wahrend Englands Verbindungslinien sich durch cn, Meeresteile, die durch die Küsten fremder Länder eingerahii seien, hinzogen. Daraus müsse man folgern, daß die Aufgabc englischer und amerikanischer Kreuzer durchaus verschieden feie Nachdem 6§ Verhältnis der Flotten zuungunsten der Bereinigten Staaten a> andern zu wollen, hob der Minister hervor, daß es vielleicl ^7°^-isches mif kurze Zeit berechnet, Abkommen über den Schiffsneubau zustande zu bringen. Ein de artiges Abkommen dürfte nicht auf ewige Zeiten als ein Präz denzfall und als ein unabänderliches Prinzip angesehen werden Chamberlain erklärte, daß es den Interessen der Verhandlung« wäre, wenn er die einzelnen Instrukrionen d, erotischen Delegierten mitteile. . rcl ne 5 n J rase ÖC5 Rührers der Arbeiterpartei Clyn, erklärte Chamberlain, daß die Regierung damit einverftande sei wenn im Unterhaus Aussprachen über Genf sofort na, dem Wiederzusammentritt des Unterhauses nach dem 8 Ni vember stattfindet. ' . JU Scheitert die Flottenkonferenz ^?"E>on, 26. Juli. Die Londoner Beratungen über fer Marinekonferenz haben bereits zu Schwierigkeite Der erste englische Marinedelegierte, Admiral Field, i erkrankt und ans der Delegation ausgeschieden. Er ist l einen jüngeren Offizier, der nur den Rang eines Kontreadmirals bekleidet, ersetzt worden. Man kommentiert diese Ernennung in den unterrichteten politischen Kreisen dahin, daß die Politiker, die vor allem eine Verständigung mit den Bereinigten Staaten, wenn auch nur eine Scheinverständigung auf 2—3 Jahre, zustande bringen wollen, Unterstützung durch die Vertreter der Idee einer großen Flotte erhoffen. In hiesigen diplomatischen Kreisen, die gegenüber den Ergebnissen der Genfer Konferenz eine neutrale Stellung einzunehmen vermögen, faßt man die Lage der Konferenz folgendermaßen zusammen: 1. Präsident Coolidge kann, ohne seine Wiederwahl zu gefährden, keinesfalls dem englischen Standpunkt wesentlich ent- gegenkommen. Für ihn gilt es, wenn die Konferenz ausfliegt, England mit der vollen moralischen Schuld zu belasten, oder es muß die Konferenz einen ziemlich vollständigen Erfolg davon tragen, d. h. England sichtbar vor der Welt genötigt werden, auf einen großen Teil seines Kreuzerprogramms zu verzichten. 2. England könne die Konferenz nur retten durch rin wesent- . liches Zugeständnis an den amerikanischen Standpunkt. Dieses Zugeständnis kann von der Regierung zwar als ein unvermeidlicher Beweis für die amerikanische Freundschaft ausgegeben, aber kaum gegen die Mehrheit des Unterhauses, die auf imperialistische Schlagwörter eingeschworen ist, durchgesetzt werden. 3. Die amerikanische Anregung in Genf, England und Japan möchten zunächst, zusammen ein Kompromiß ausarbeiten, das den Amerikanern vorzulegen sei, stellt einen außerordentlich geschickten Schachzug der amerikanischen Diplomaten dar zu dem Zweck, England in den Augen der amerikanischen öffentlichen Meinung in eine moralisch leicht angreifbare Position hineinzumanöverieren, in der man England beschuldigen kann, durch seine Annäherung an Japan die Front der weißen Rasse im Pacific und in Ostasien durchbrochen zu haben. Amerika droht mit verstärkten Marinerüstungen Genf, 28. Juli. Die englischen Delegiertenführer auf der Secabrüstungskonf^renz, Lord Bridgeman und Lord Robert Cecil, werden am Donnerstag oder Freitag früh in Genf zurückerwartet. In der Zwischenzeit haben keine weiteren Verhandlungen stattgefunden, so daß die Konferenz gegenwärtig völlig ruht. Der weitere Verlauf der Konferenz hängt jetzt ausschließlich von der Instruktion ab, die die Londoner Regierung ihrem Delegationsführer erteilt. Die Ansfichten für das Zustandekommen des Abkommens ans der Seeabrnstnngskonferenz werde« allgemein gegenwärtig wenig günstig benrteilt. Nach den letzten Instruktionen aus Washington hält die amerikanische Delegation ihren Standpunkt in der Kreuzerfrage voll aufrecht. Sie lehnt nach wie vor die englischen Wünsche auf Herabsetzung der Tonnage und der Kaliber der Schiffsgeschütze der Kreuzer grundsätzlich ab. Eine Einigung erscheint unter diesen Umständen in den kommenden Konferenzverhanölungen wenig Aussicht zu haben, falls nicht das Londoner Kabinett zu weitgehendstem Entgegenkommen gegenüber Amerika bereit sein sollte. Gewisses Aufsehen in Genf hat ein Artikel des amerikanischen Delegierten auf der Seeabrüstungskonferenz, Admiral Joes, in einem Washingtoner Marineblatt hervorgerufen, in dem für den Fall eines Scheiterns der Genfer Abrüstungskonferenz das künftige amerikanische Flottenbauprogramm entwickelt wird und nach dem die amerikanische Delegation der Washingtoner Regierung den Ban von achtzehn Großkampsschiffe», von sechzig moderne« Krenzern, 270 Zerstörer», 110 Unterseebooten «nb 8 Flngzengmntterschisse« vorgeschlage» habe, während Amerika gegenwärtig nur zehn große Kreuzer besitzt. Ueber die Dauer der Konferenz gehen die Auffassungen gegenwärtig noch weit auseinander. Man nimmt an, daß nach der Rückkehr der englischen Delegierten bereits in einigen Tagen eine öffentliche Sitzung der Konferenz stattfinden wird, in der sodann die Delegationen nochmals ihren Standpunkt zu den einzelnen Programmfragen darlegen werden. Pros. Iorgas Treueerklärung an Carol Paris, 28. Juli. Eine Agenturmeldung aus Bukarest bestätigt die Nachricht, Satz Prof. Jorga, der Führer der rumänischen Bauernpartei, einen Abgeordneten zum Exkronprinzen Carol gesandt habe mit der Erklärung, daß er auch weiterhin der Sache Carols ergeben bleibe. 2 ' "~- i Die innere Krise in Sowjelrutzland. Warscha«, 28. Juli. Aus Moskau kommen erneut Nachrichten, die auf eine tiefgehende innere Krise in Sowjetrußland schließen lassen. Die Sowjetregierung fühlt sich durch die ständig wachsende Opposition und durch die Aufstands- bcwegung in fast allen Provinzen aufs äußerste bedroht. Die Offiziere und Unteroffiziere der Roten Armee erhalten hohe Zulagen, um sie der Regierung zu verpflichten. Die Vollmachten der G P.U. sind erneut erweitert worden. Zum Leiter im Kommissariat des Inneren ist der frühere Chef der Tscheka, Latiz Latzis ernannt worden. Sämtliche Auslandsvertretungen der Sowjetregierung sind angewiesen worden, über die Lage der Kommunisten in den betreffenden Ländern und über die Stellung der Staaten zu der englischen Politik gegenüber Rußland genaue Berichte zu erstatten. Radek für Trotzki. Riga, 27. Juli. Aus Moskau wird gemeldet, daß die Kontrollkommission der kommunistischen Partei trotz zehnstündiger Beratung in ihrer ersten Sitzung die Parteikrise, nicht klären konnte. Radek setzte sich in seiner langen Rede für das Verbleiben Trotzkis und Sinvwjews in der Partei ein. Viel bemerkt wurde, daß Trotzki selbst der Komnrissions- sitzung ferngeblieben war. Das unglückliche China Bürgerkrieg «nd todbringende Hitze. Ticntstn, 28. Juli. Nachdem die Bemühungen um einen Frieden zwischen Peking u. Nanking an Marschall Tschiang- kaischek gescheitert sind, beabsichtigt der Norden eine große Offensive gegen den Süden. Auch diese wird noch auf sich warten lassen, daß sich Tschangt- solin u. der Gorverneur von Schantung, Tschangtsuntschang, uneinig sind, ob sie gegen den Peking bedrohenden Fengyu- siang oder den vor Hsutschaufu stehenden Tschinangkaischek marschieren sollen. Tschiangkaischek hat gestern über Nanking den Belagerungszustand verhängt und 25 Kommunisten erschießen lassen. In China herrscht jetzt eine ungewöhnliche Hitze (45 Grad im Schatten), so daß die tödlichen Hitzschläge in die Hunderte gehen. Viele ausländische Soldaten liegen hitzekrank in den Lazaretten. Zwei Franzosen und ein Amerikaner sind bereits am Hitzschlag gestorben. Deutsche Erwiderung auf die letzte Rede Poinearss Berlin, 27. Juli. Zu der Rede des französischen Ministerpräsidenten in Orchies erfährt die Telunion von maßgebender Seite: Der französische Ministerpräsident Hat wieder eine» Hauptteil seiner Ausführungen der Vergangenheit gewidmet. Er meint, die vergangenen Dinge erst dann in den Archiven der Geschichte ruhen lassen zu können, wenn die Deutschen aufhören ihre Schuld am Kriege und die Greueltaten deutscher Truppen zu bestreiten. Nur für sich selbst nimmt er das Recht in Anspruch, falsche Darstellungen zu widerlegen, um den Glauben an sie in der Oeffentlichkeit zu zerstören. Einen solchen Anspruch auf eins.itige Feststellung der Wahrheit wird niemand dem französischen Ministerpräsidenten zuerkennen. Wenn auch bei dieser Gelegenheit davon abgesehen werden kann, auf seine bekannten allgemeinen Behauptungen über die Schuld des Weltkrieges noch einmal einzugehen, so ist es doch notwendig, auf den Teil seiner Ausführungen zu antworten, in dem er konkrete Vorgänge aus der Kriegszeit schildert und bestimmte Vorwürfe gegen die deutsche Armee erhebt. Es handelt sich um Ereignisse, die sich in den Tagen vom 23. bis 25. September 1914 in Orchies abgespielt haben. Wir besitzen über diese Ereignisse urkundliches Material, das wir jederzeit der Oeffentlichkeit unterbreiten können. Darunter befindet sich namentlich ein Auszug aus dem dienstlichen Bericht des Führers der bei den Vorgängen beteiligten Abteilung der freiwilligen Krankenpfleger vom 26. 9. 1914. Einen ausführlichen Bericht des französischen Krankenpflegers und Geistlichen Gauden vom 26. 9. 1914, der vom Komitee des Roten Kreuzes offiziell nach Orchies entsandt worden war. Eine kürzere schriftliche Aussage des französischen Pfarrers Louis Tucroquet. Die eidliche Aussage der beiden Aerzte des beteiligten deutschen Bataillons. Aus diesen Berichten ergibt sich in voller Klarheit ein Bild über die Ereignisse: Am 23. September 1914 fuhr eine Nr. 135. Jahrgang 1927. Kolonne von sieben Automobilen der Freiw. Krankentransportabteilung der 7. deutschen Armee von Saint Armand nach Orchies, um in der dortigen Gegend — wie schon mehrmals in den Tagen zuvor — deutsche und französische Verwundete aufzusammeln und der Pflege znzuführen. Sie wurde, obwohl sie weithin sichtbar das Zeichen des Roten Kreuzes führte, und obwohl sie nach ihrer ganzen Formation ohne weiteres als Sanitätsformation zu erkennen war, aus dem Orte Orchies von einer größeren Anzahl französischer Soldaten und Zivilisten beschossen. Wegen dieses groben Völkerrechtsbruches unternahm am 24.September das Landwehrbataillon 38 eine Expedition gegen Orchies. Es stieß dabei jedoch auf starken Widerstand und mußte unter Zurücklaffung von 8 Toten und 38 Verletzten zurückgehen. Daraufhin erhielt am 25. September das erste Bataillon des 1. bay. Pionierregiments Befehl zur Ausführung, der Expedition. Bei seiner Ankunft in Orchies war der Ort nahezu leer, denn die Bevölkerung war inzwischen unter Führung des Bürgermeisters geflohen. Den einrückenden deutschen Soldaten bot sich ein schrecklicher Anblick. Sie fanden 21 von ihren Kameraden, die am Tage zuvor verwundet oder unverletzt in Gefangenschaft geraten waren, als furchtbar verstümmelte Leichen vor Ob die Täter französische Soldaten oder Fraktireurs oder, wie der französische Geistliche in seiner Aussage vermutete, Turkos waren, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist es vollkommen zweifellos, daß die wehrlosen Gefangenen in empörender Weise hingemordet wurden. Es ist unrichtig, daß das Pionierbataillon darauf sämtliche Häuser fast Hem Erdboden gleichmachte. Das tu die Wahrheit über Orchies! Tie Zerstörung des Ortes war nicht — wie die französische Darstellung behauptet — ein Verbrechen der deutschen Truppen, sondern sie war die Vergeltung für die schweren völkerrechtswidrigen französischen Morde. Wieder Märchen uvn deutschen Giftgasen Berlin, 28. Juli. In den letzten Tagen wirb von bestimmter Seite versucht, das Märchen von der Herstellung non Giftgasen unter deutscher Aegide aufzutischen. Vorgestern war bas „Journal des Debats", gestern.der deutschfeindliche „Daily-Teleraph" in diesem Sinne tätig. Von zuständiger Berliner Stelle wird demgegenüber noch einmal auf die Erörterungen verwiesen, die über dieses Thema im Dezember 1926 im Reichstag stattgefunden haben. Tie Tendenz dieser Meldungen ist offensichtlich. Es dürfte die gleiche sein, die der Weltöffentlichkeit immer deutsche Waffenlieferungen für China glauben machen wollte. Gin Riesenozeanflugzeug Berlin, 28. Infi. Der amerikanische Vertreter der deutschen Dornier-Wal-Flugzeugfabrik erklärte, daß in Frieö- richshafen ein Ozeanflugzeug gebaut werden wird, das 100 Paffagiere befördern kann. Im nächsten Frühjahr sollen die ersten Probeflüge stattfinden. Vorentscheidung im Chorzow-Streit Berlin, 27. Juli. Nach einer Meldung ans Genf wird dem Völkerbundssekretariat aus dem Haag gemeldet: Am Dienstag hat der ständige internationale Gerichtshof im Haag seinen Entscheid bekantgegeben über den von der polnischen Regierung erhobenen Einwand gegen die Kompetenz des Gerichtshofes in der Frage des Schadenersatzes, dem die deutsche Regierung für die Besitzergreifung der Chorzower Stickstoffwerke in Oberschlesien verlangt. Bezüglich der deutschen Forderungen für die Höhe der Ersatzsumme und die Zahlungsweise behält der Gerichtshos seine Entscheidung der Hauptfrage vor, da er diese Fragen als Nebenfragen betrachtet. Die Urteilsbegründung Berlin, 27. Juli. Wie die Abendblätter melden, wird unter eingehender Begründung zu der Entscheidung des Haager Internationalen Gerichtshofes im Chorzow-Konslikt in der Hauptsache ausgeführt: Es sei ein Grundsatz des internationalen Rechts, daß die Verletzung einer vertraglichen Verbindlichkeit die Verpflichtung zu einer entsprechenden Schadensersatzleistung mit sich bringe. Die Schadenersatzleistung sei also die unerläßliche Ergänzung einer bei der Ausführung eines Vertrages begangenen Pflichtverletzung, ohne daß es nötig sei, daß diese in den entsprechenden Verträgen selbst gesagt sei. Die wegen solcher Schadenersatzleistungen entstandenen Meinungsverschiedenheiten müßten daher als Meinungsverschiedenheiten über die Anwendung des Vertrages selbst aufgefatzt werden. Tie von der polnischen Regierung zum Beweis des Gegenteils gegebene Darstellung von der geschichtlichen Entwickelung der allgemeinen Schieösgerichtsverträge könne nicht als stichhaltig angesehen Anatol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 55) (Nachdruck verboten.) Er streckte die Arme aus und sprang auf den kniender Mordgesellen zu; mit beiden Händen eisern fest von hinter dessen Hals umklammernd, riß er ihn von seinem Opfer ab und versuchte ihn über das niedere Geländer hinweg in den Strom zu wälzen! Im tödlichen Schweigen rangen sie miteinander — zwei jungen Tigern gleich — bald schien dem einen, bald dem anderen der Sieg zu winken. Anatol fühlte, daß er zuletzt unterliegen würde — denn seine Kräfte begannen zu schwinden. Da — der Mordbube zog eine Hand von ihm zurück, um sein Messer hervorzureißen — und diesen einzigen Augenblick erfassend, vereinigten sich in Anatol Kraft und Wille zu elementarer Stärke. Er schleuderte den Oberkörper des Verbrecher über das niedere Geländer, packte ihn mit Gedankenschnelle an den Füßen — jener verlor das Gleichgewicht — und klatschend schlug der schwere Körper in der Mitte des Stromes auf, den Wellengang wie ein Fallbeil durchschneidend! Bis zur Brücke empor zischte eine weißschäumende Waffer- rakete, es gurgelte und gluckste unheimlich herauf — ein Arm reckte sich hoch in die Luft, ein halber Kops mit geschlossenen Augen erschien über dem wieder sich schließenden Wasserspiegel — dann sank das Ganze wie eine unterirdische Erscheinung hinab in die Tiefe. — Anatol stieß einen langen, seufzenden Atemzug der Erlösung aus. „Ein Scheusal weniger auf der Welt" — murmelle er, „aber es war ein fürchterlicher, grausiger Kampf!" Er wandte sich zu dem Ueberfallenen, der, alles mit an- fehend, einigemal Versuche, sich zu erheben, gemacht, um dem edlen Jüngling im Handgemenge mit dem Räuber beizustehen. Allein es war ihm unmöglich gewesen, er hatte sich den Fuß verrenkt und auch den linken Arm gebrochen in dem Augenblick» als jener ihn niederwarf; die gebundenen Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. werden. Auch den übrigen von der polnischen Regierung angeführten Gegenargumenten könne in diesem Zusammenhang kein Wert beigemeffen werden. Der Gerichtshof müfle auch noch betonen, daß die polnische Auffaffung darauf hinauslaufen würde, daß der Gerichtshof verpflichtet sei, bei der bloßen Feststellung einer unrichtigen Vertragsausführung oder des pflichtwidrigen Versäumniffes einer Vertragserfüllung stehen zu bleiben, ohne die Bedingungen festsetzen zu können, unter denen die verletzten Vertragsrechte wieder hergestellt werden könnten. Eine solche Auslegung aber würde im Widerspruch zu dem augenscheinlichen und natürlichen Zweck der Genfer Konvention stehen, denn eine derartige Rechtsprechung würde anstatt endgültig einen Streitfall zu entscheiden die Tür für neue Streitfälle offen laffen. Auch die polnische Berufung auf die in Artikel 23 Absatz II der Genfer Konvention vorgesehene besondere Rechtsprechung des deutsch-polnischen Schiedsgerichts, durch welche die Gerichtsbarkeit des Internationalen Gerichtshofes aufgezwungen sei, müffe unter dem Gesichtspunkt zurückgewiesen werden, daß es sich bei den in dieser Bestimmung vorgesehenen Fällen um rechtmäßig erfolgte Enteignungen und Liquidationen handele, über deren Ausführungen im einzelnen Streitigkeiten entstanden seien, während man im Gegensatz dazu hier Verhandlungen vor sich habe, welche unrechtmäßig und im Widerspruch zu den Bestimmungen der Genfer Konvention getroffen worden seien. Aus allen diesen Gründen müffe der Gerichtshof den polnischen Einwand der Unzuständigkeit verwerfen und sich die Eröffnung des Hauptversah- rens Vorbehalten. Letzte Telegramme in Kürze. Die beiden Sprit-Weber wieder verurteilt. Berlin, 28. Juli. Wie die „B. Z." meldet, hat gestern morgen das Schöffengericht Westen in Berlin im Spritschieber-Prozeß Weber und Genoffen das Urteil gefällt: Es wurden verurteilt: Hermann Weber zu sechs Monaten Gefängnis und 60 000 Mark Geldstrafe und Dr. Cantrup, Geschäftsführer des Weberkonzerns zu drei Monaten Gefängnis und 5000 Mark Geldstrafe. Die angeklagten Zollbeamten Bandekow, Endres und Wäsch erhielten Gefängnisstrafen von einem Jahr, bzw. acht Monaten, bzw. 9 Monaten. Die Geldstrafen für diese Angeklagten belaufen sich auf 59 000 Mark, 31 800 und 84 000 Mark. Freigesprochen wurde allein nur der dritte Bruder Weber, der jugendliche Adolf Weber. Doppelmord und Selbstmord. Dresden, 28. Juli. In Röhrsdorf bei Wilsdruff ermordete am Dienstag der Hauspächter Engelmann, während seine Frau im Garten weilte, seine beiden sechs und vier Jahre alten Kinder, einen Knaben und ein Mädchen und erhängte sich dann selbst. Was den Mann zu der tragischen Tat getrieben hat, ist nicht bekannt. Eisenbahndammrntsch in Sachsen. Leipzig, 28. Juli. Nach Passieren des Münchener Schnellzuges gestern nach 20 Uhr ist der Eisenbahndamm bei der Güldenen Aue in einer Länge von 60 bis 60 Metern abgerutscht, so daß der Schienenstrang teilweise freigelegt wurde. Der Betrieb wird eingleisig aufrecht erhalten. Man glaubt, daß durch den Regen der letzten Tage die Erde des Bahnkörpers gelockert wurde. I« den Alpen abgestürzt. Kobnrg, 28-. Juli. Der erste Staatsanwalt des Landgerichts Koburg, Dr. Oskar Mugler, der mit seinem Bruder eine größere Bergtour in den Alpen unternommen hatte, ist gestern tödlich abgestürzt. Luxemburgs Bemühungen «m de» Flnghafe« Trier—Lnxem- burg. Lntembnrg, 27. Juli. Der Gemeinöerat der Stadt Luxemburg hat zwei Delegierte nach Paris entsandt, die sich darum bemühen sollen, daß Frankreich sein Einverständnis für den Doppelflughafen Trier—Luxemburg gibt. Mit dem Ruderboot durch den Aermelkanal. Paris, 28. Juli. Ein junger Pariser durchquerte den Aermelkanal mit einem Ruderboot in vier Stunden 33 Minuten. Während der Fahrt kenterte das Boot zweimal. Znsammenstoß zweier französischer Militärflugzeuge. Paris, 28. Juli. Bei Toul stießen während nächtlicher Uebungen zwei Militärflugzeuge zusammen und stürzten ab. Drei der Jnsaffen verunglückten tödlich, einer konnte sich mittels eines Fallschirmes retten. Eine entmenschte Mutter. Paris, 28. Juli. In St. Didier bei Lyon machte die Gendarmerie eine grauevhafte Entdeckung. Eine alte Bäuerin Hanoe ymoerlen ryn uvermes, ficy oen Kneoel aus oem Munde zu reißen und Hilferufe auszustoßen. __ Der Befreier erlöste den alten Herrn von allen Fesseln und richtete ihn auf. „Sie hochherziger Jüngling, sie außerordentlicher Menjch," vermochte der Gerettete nur zu stammeln, „wie soll ich Ihnen danken für das Ungeheure, das Sie für mich, den Ihnen völlig Fremden, getan; Ihr blühendes, junges Leben haben Sie um eines alten Mannes willen auf das Spiel gefetzt!" „Erlauben Sie, mein Herr," entgegnete Anatol mit eigentümlich bebender Stimme, „daß ich Sie von hier fortgeleite." „Es wird schwer gehen mit dem verrenkten Fuß," stöhnte der von Schmerzen Gepeinigte. „Wohnen Sie hier draußen oder in der Stadt, mein Herr," fragte Anatol, „ich möchte Sie nach Hause führen." „Ich wohne gar nicht weit von hier, nur eine ganz kleine Wegstrecke» das erste Besitztum dort ist es — Villa Stahl- tmfer." Anatol horchte auf — da hatte er ja soeben hinwollen — das ging nun also nicht. Er hob den alten Herrn empor, legte ihm einen Arm um den Körper — dieser wieder mußte feinen gesunden Arm ihm um die Schulter legen, und so trug er ihn mehr, als er ging, von dannen. — Unterwegs erzählte der Gerettete, daß er alljährlich feine Ferien hier bei seiner verheirateten Tochter verbringe und seit zwanzig Jahren teils allein, teils in Gesellschaft seines Schwiegersohns einigemal in der Woche das Kasino besuche, wo er liebe, alte Studiengenoffen antreffe. Noch niemals fei ihm etwas begegnet. Der nun Tote wäre ein teuflischer Bursche gewesen, der trotz seiner Jugend schon zweimal wegen Körperverletzung vorbestraft worden, weshalb er das letztemal ein Jahr erhalten: das habe er ihm nicht vergessen können. Kaum entlaflen, müffe er ihm nachgefolgt sein, um ihn zu überfallen und zu berauben. Jetzt war man vor der Billa angekomme«. Der alte Herr zog die Klingel an der eisernen Gitterpforte, vor der eine Privatlaterne brannte. Hell rann das Licht über Anatols unbedecktes Haupt und brach sich vielfach in seinen glänzenden, schwarzen Augen. Der dem Leben Wie- deraeaebene blickte seinem Retter tief in die jugendschönen Donnerstag, den 28. Juli 1927. hatte ihren 31jährigen Sohn, Ser als Schwachsinnig galt, vier Jahre lang in einem Zimmer eingesperrt gehalten, der gegen jede Luft und Sonne abgedichtet war. Als der Gequälte das Tageslicht wieder erblickte, brach er in Weinkrämpfe aus. Seine Magerkeit war entsetzlich. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und die unmenschliche Mutter verhaftet. Baden. Bundestag Deutscher Friseure. Karlsrnhe, 27. Juli. In Gegenwart von etwa 250 Delegierten fand in den ersten Tagen dieser Woche in Karlsruhe der Bundestag Deutscher Friseure statt. Zu der Tagung hatten das Unterrichtsministerium und die badischen Handwerkskammern sowie das Landesgcwerbeamt und die Stadt Karlsruhe Vertretungen entsandt. Im Verlaufe der Verhandlungen, die zwei Tage in Anspruch nahmen, wurden Fragen der Sonntagsruhe, des Ladenschluffes, der Arbeitszeit und des Arbeitsschutzes eingehend erörtert. Dabet wurde u. a. die Gleichstellung der Bahnhofsfriseure mit dem übrigen Friscurgewerbe gefordert. Auch Steuerfragen wurden erörtert. Längere Aussprachen verursachte das Prü- fungsgewerbe und der Mieterschutz. Im Verlaufe der Tagung wurden die Vertreter des Bundestages Deutscher Friseure von der bekannten Parfümeriefirma Wolfs und Sohn zu einer Besichtigung ihrer ausgedehnten Fabrikanlagen eingeladen. Dieser Besichtigung leisteten etwa 300 Teilnehmer der Tagung Folge. Im Verlaufe der weiteren geschäftlichen Verhandlungen wurde auch noch die Frage der Altersversorgung und der Schaufensterdekoration behandelt. Ein Schaufrisieren legte Zeugnis ab von dem hohen Stand der deutschen Friseurkunst. Am Grabe des Altmeisters im Friseurgewerbe Karl Moser wurde bei einer schlichten Gedächtnisfeier ein Kranz niedergelegt. Als Ort der nächsten Tagung wurde Königsberg bestimmt. — Mit einem Ausflug nach Baden-Baden schloß die Tagung. Die Berdingnngsorbnuna für Banleistnnge«. Konstanz. 28. Juli. In der Vorstanössitzung der Handelskammer Konstanz wurde die vom baö. Finanzminister entworfene Verordnung über die Einführung der Verdingungsordnung für Bauleistungen in Baden im allgemeinen gutgeheißen. Im einzelnen wird abweichend von diesem Entwurf jedoch beantragt, bei Vertragsstreitigkeiten anstelle des ordentlichen Rechtsweges das Schiedsgerichtsverfahren, das sich überall bewährt hat, zur Anwendung zu bringen. Weiter wurde gewünscht, reine Lohnerhöhungen, soweit sie von amtlichen Schlichtern oder zuständigen Schiedsstellen festgesetzt sind, zu vergüten, besonders wenn sie eine längere Geltungsdauer als 6 Monate haben. Die Verdingungsunterlagen sollten umsonst abgegeben oder jedenfalls den Handwerkern, welche sich an den Ausschreibungen beteiligen, zurückvergütet werden. Weiter wurde beantragt, die Staatsregierung wolle Gemeinden und andere öffentliche Körperschaften (Landesversicherungsanstalt Baden) ersuchen, die Reichsverdingungsordnung einschließlich der badischen Ein- führungsverorönnng zur Anwendung zu bringen. Ium Eisenbahnunglück bei Freiburg Freiburg, 27. Juli. Zu dem Eisenbahnunglück bei Gundelfingen ist noch zu melden, daß dem Eilgüterzug von Offenburg der Personenzug von Karlsruhe, der um 23.30 Uhr in Freiburg eintreffen sollte, dichtauf folgte. Hätte der Führer des leeren Güterzuges den Eilgüterzug passieren lassen, und dann ohne freie Fahrt den Zug in Bewegung gesetzt, wäre der Personenzug auf den Güterzug aufgefahren. Der Karlsruher Personenzug traf erst 4 Uhr früh in Freiburg ein. Von dem Lokomotivführer des bei Gunöelfingen verunglückten Güterzuges erfahren wir. daß ihm mündlich und schriftlich mitgeteilt worden sei, bei Gunöelfingen sei eine Signalstörung. Er habe angenommen, daß es sich um das Signal an der Hauptstrecke, das auf Halt stand, handle, und nicht um das Signal an der Nebenstrecke. Er habe seinen Zug zum Stehen gebracht, aber nach Rücksprache mit seinem Zugführer sei er weitergefahren. Kurz danach sei das Unglück passiert. Wie vom Stationsamt Freiburg berichtet wird, wurde auf der Strecke Offenburg—Freiburg am 26. b§. Mts., nachmittags, der volle Betrieb wieder ausgenommen, so daß jetzt beide Strecken fretgelegt sind und eine Umleitung nicht mehr erforderlich ist. Der Güterzugsverkehr Gundelfingen—Freiburg konnte ebenfalls wieder ausgenommen werden. Züge — ein nachdenklicher Ausdruck erschien aus sein«« Gesicht. „Nicht wahr," sagte er, „Sie kommen doch mit mir. um den Dank meiner Kinder und Enkel entgegcnzunehmen. Ich glaube, meine Tochter würde die Aufregung getötet haben, wenn ich nie mehr wiedergekehrt wäre. Wüßte ich nur» was ich tun kann, um meine große, ewige Dankesschuld an Sie abzutragenI" „Erlauben Sie, mein Herr, daß ich mich empfehle, sobald jemand aus Ihr Läuten erscheint," schnitt ihm Anatol sanft, aber bestimmt das Wort ab, „ich beanspruche keinerlei Dank, denn ich erfüllte nur meine Menschenpflicht." „Aber Sie können doch nicht ohne Hut nach Hause zurück-- kehren — im Kamps mit den Mordbuben ist Ihre Kopfbedeckung ins Wasser gefallen." „Das tut nichts, es ist ja dunkel," entgegnete Anatol gelassen, „leben Sie wohl, mein Herr — Gott schütze Sie in Zukunft." Soeben ging die Haustür auf — es kam jemand in de» Garten. „Wie — Sie wollen wirklich fort, und ich soll nicht eininak wissen, wer Sie sind, soll nicht Ihren teuren Namen bis an das Ende meines Lebens im Herzen tragen dürfen?" Da wandte Anatol sich noch einmal zurück und sagte mit einer Stimme, die unvergeßlich dem anderen in die Seele drang. „Sie wünschen durchaus zu wissen, wer ich bin, Herr Staatsanwalt von Odernitz? Ich bin Anatol Wangerin — der unschuldig Verurteilte." Mit schnellen Schritten entschwand er in der Dunkelheit Der Mann der Gesetze bebte vernichtet zusammen — zitternd spieüe das Laternenlicht auf seinem totenhaft bleiche« Gesicht. Wie ein qualvolles Stöhnen glitt es über fem« zuckenden Lippen: „Der unschuldig Verurteilte!" Nr. 135. Jahrgang 1927. Aus Nah und Fern. Einstellung der Nebenbahn Neckarbischofsheim-Hiiffenhardt? Neckarbifchofsheim, 27. Juli. Auf gestern Nachmittag hatte der Herr Landeskommissär, Geh. Rat Hepting-Mannheim zu einer Versammlung im Rathaussaale hier eingeladen, um mit den Beteiligten über die Frage der Einstellung der Nebenbahn Neckarbischofsheim—Hüffenhardt zu beraten, aufgrund eines Schreibens des Reichsbevollmächtigten der Nebenbahn, das diese Maßnahme in Aussicht stellt. Zugegen waren neben den Vertretern der beteiligten Gemeinden und an der Strecke liegenden größeren Betriebe die Herren Landräte Strack-Sinsheim, Dv. Pfaff-Mosbach, der Vertreter des Kreises Heidelberg, Herr Landgerichtsrat Dr. Engelhard, der Vertreter des Kreises Karlsruhe Herr Frei, die Direktion, der Bad. Lokal-Eifenbahn-A--G. mit Herrn Direktor Noeldecke. Aus der Vorgeschichte der Nebenbahn sei erwähnt, daß sie im Jahre 1902 erbaut wurde und zwar ist die Erstellung der Tatkraft des Herrn Landtagsabgeordneten Neuwirth zu verdanken gewesen. Zu den Kosten der Erbauung leisteten die Gemeinden 220 000 Mark neben sonstigen Vergünstigungen beim Geländeerwerb, der badische Staat gab einen Zuschuß von 20 000 Mark pro Kilometer. Er erteilte die Konzession der erwähnten Gesellschaft mit der Verpflichtung, die Bahn betriebssicher aufrecht zu erhalten. Der Staat behielt sich vor, nach Umlauf von 25 Jahren die Bahn in eigene Regie zu nehmen. Zunächst lag das Wort bei den Vertretern der Gemeinden, die alle zum Ausdruck brachten, daß die Bahn keinesfalls stillgelegt werden dürfe. Eine umfangreiche Arbciterent- lafsung wäre die Folge davon und völliger Ruin der jetzt wieder im Aufblühen begriffenen Kalkwerke und Bausteinindustrie, die im Krebsbachtale besonders ausgeprägt zu finden sind. Herr Direktor Noeldecke gab den Aufschwung der Industrie zu, der an der Hand von Mehroerfrachtung nachweisbar sei. — Eine Beteiligung an der Unterbilanz lehnten die Vertreter der Gemeinden vorerst ab. Für die hessische Teilgemeinde Helmhof sprach Herr Stadtverordneter Pfeiffer-Wimpfen, der nicht Einstellung, sondern Ausbau der Bahn im Anschluß an die Linie Iagdstfeld-Heilbronn empfahl. Er stellte hie finanzielle Unterstützung des Kreises Heilbronn und des Landes Württemberg in sichere Aussicht. Herr Landrat Strack nahm die Gemeinden in Schutz und hob besonders hervor, daß man den Gemeinden nicht zumuten könne, Betriebszuschüsse zu leisten, so lange nicht der Nachweis der Unterbilanz erbracht sei. In erster Linie müßt^ der Kreis Heidelberg seine Opferwillikeit beweisen. Herr Landrat Dr. Pfaff-Mosbach verlangte die Uebernahme der Bahn durch das Reich. Es ist unverantwortlich den Gemeinden noch mehr Lasten aufzuladen. (Die Nebenbahn Mosbach-Mudau wurde vom Reich übernommen.) Der Vertreter des Kreises Karlsruhe, Herr Frei, des Hauptaktionärs der Bahn, gab zu verstehen, daß er die kreisfremde Bahn abstoßen wird, wenn nicht vonfeiten des Kreises Heidelberg und der Gemeinden Betriebszuschüsse erfolgen. Der Vertreter des Kreises Heidelberg, Herr Dr. Engelhard, glaubte Nachweisen zu dürfen, daß der Kreis Karlsruhe bis jetzt noch keinen Pfennig für die Nebenbahn) ausgegeben hat. Schließlich einigte man sich auf den von Herrn Landrat Dr. Pfaff gemachten Vorschlag das Aktienkapital zu erweitern, die Lasten auf die breiteren Schultern der Kreise Heidelberg und Mosbach zu laden und sie zu Mitaktionären an der Bahn zu machen. Auf dieser Basis wird weiter ver»- handelt und der Betrieb vorerst aufrecht erhalten. =t= Sinsheim, 28. Juli. (Wegzug.) Anfang August verläßt Herr Handelslehrer Müller mit seiner Familie die Stadt Sinsheim, um nach seinem neuen Wirkungsort Heidelberg überzusiedeln. Während seiner siebenjährigen Tätigkeit an der hiesigen Handelsschule hat es Herr Müller verstanden, sich die Dankbarkeit seiner Schüler und die Sympathie der gesamten Bevölkerung zu verschaffen. Unter seiner Leitung ist die Handelsschule Sinsheim aus bescheidenen Verhältnissen zu einer sehr beachtenswerten Höhe aufgeblüht. Sinsheim verliert an ihm einen tüchtigen Lebrer und gewissenhaften Beamten. Die besten Wünsche begleiten ihn. * Sinsheim, 28. Juli. (Gewitter.) Nach einem ungemein schwülen Tag ging gestem gegen Abend ein heftiges Gewitter, verbunden mit kurzem aber heftigem Hagelschlag, über Sinsheim und der Umgebung nieder, der aber glücklicherweise nur wenig Schaden angerichtet hat. Größer scheint derselbe nach Berichten in der Gegend von Eppingen zu sein. * Sinsheim, 28. Juli. (Plötzlicher Tod.) Gestern nachmittag wurde ein älterer Hausierer von Lutzenhardt bei Horb von einem plötzlichen Tod ereilt. Er hatte sich ermüdet auf die Treppe eines Hauses in der Hauptstraße gesetzt, wo ein Herzschlag seinem Leben ein Ziel setzte. * Sinsheim, 28. Juli. (Ermäßigung der Gütertarife) durch Einführung eines neuen Frachtsatzzeigers bei der Reichsbahn- Gesellschaft. Man schreibt uns: Ab 1. August wird für die Strecken der Reichsbahngesellschaft und der anschließenden Privatbahnen ein neuer Frachtsatzzeiger eingeführt, der gegenüber dem seither gültigen starke Aenderungen mit sich bringt. Während die Sätze für Stückgutsrachten auf alle Entfernungen gleich geblieben sind, zeigen die Wagenladungssätze große Ermäßigungen die sich namentlich im Nahverkehr auswirken. So beträgt z. B. auf 20 Km. der Frachtsatz für die allgemeine Wagenladungsklasse A 5 jetzt 41 Pfg. für 100 Kg. gegenüber seither 52 Pfg., Aehnliche Ermäßigungen zeigen auch die übrigen Wagenladungs- Klassen. Auf größere Entfernungen (über 100 Km.) betragen die Ermäßigungen noch etwa 7 Proz. und fallen bis auf 2 Proz. Neue Frachtsatzzeiger sind zum Preise von 30 Pfg. käuflich und können bei den Güterabfertigungen bestellt werden. CjEb Weiler, 27. Juli. (St. Annafest.) Nächsten Sonntag, den 31. Juli wird das Fest der hl. Mutter Anna in der Bergkapelle auf dem Steinsberg feierlich begangen. Der Festgottesdienst, wobei ein hochw. Kapuzinerpater die Festpredigt halten wird, ^ beginnt um halb 10 Uhr. In der Kapelle werden die Reliquien ausgestellt. * Waibftadt, 27. Juli. (Verschiedenes.) Der hiesige Ge- wcrbeverein hielt am Sonntag Nachmittag im Gasthaus „zum Hirsch" hier eine Mitgliederversammlung ab. Hierbei hielt Herr Hauptlehrer Dettling einen sehr interessanten Vortrag über das zeitgemäße Thema: „Der Zahlungsverkehr des Handwerkers", er wies u. a. auf die Vorteile des Scheckverkehrs und die Gefährlichkeit des Wechselverkehrs hin. Der Vorstand des Vereins, Konditormeister Carl Alb. Haas konnte sodann noch folgende Ehren-Urkunden der Handwerkskammer verteilen. Für erfolgreiche Lehrlingsausbildung während 20 Jahren wurden August Bender, Küfermeister und Aug. Streik, Schuhmachermeister ausgezeichnet. Herr Max Glück erhielt ein künstlerisch besonders schön ausgeführtes Diplom aus Anlaß des 60 jährigen Bestehens seiner Firma. Auch beim Heimattag wird der Gewerbeverein durch Stellung von Gruppen im Festzug Mitwirken. — Zur gleichen Zeit fand im Hotel Lang eine Feier der hiesigen kath. Iugendvereine statt, die gleichfalls sehr schön gelungen ist. — Der Präsident des deutschen Roten Kreuzes hqt mit Zustimmung des Ehrenpräsidenten des Deutschen roten Kreuzes Herrn Reichspräsident, Generalseldmarschall von Hindenburg durch den Bad. Frauenverein vom roten Kreuz als Zeichen der Dankbarkeit für die Mitarbeit im Bad. Frauenverein, der Frau Anna Zürn, Ratschreiber Witwe hier das Ehrenzeichen der 2. Klaffe des Deutschen Roten Kreuzes verliehen. — Die Masern sind hier unter den Kindern so heftig aufgetreten, daß die Kleinkinderschule bis auf weiteres geschloffen werden mußtet Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. — Die Ernte hat hier begonnen und wird z. Zt. die Gerste ge>° schnitten. An der hiesigen Volksschule beginnen die Ernteferien heute Donnerstag. — Der Stammtisch der Waibstadter in Karlsruhe hat auf letzten Donnerstag Abend die Landsleute von Karlsruhe und Umgebung zu einer Besprechung über die Vorbereitung zum Heimattag am 3. und 4. September in die „alte Linde" hier eingeladen. Uebcr 30 Landsleute waren erschienen, darunter von auswärts Herr Direktor Pfeuffer von Ettlingen und Oberlehrer Karl Wittmann von Untergrombachs Die Aussprache war sehr rege und hatte zum Ergebnis, daß die Beteiligung des Stammtisches der Waibstadter am Heimattag gesichert ist. ; Neckarbischofsheim, 27. Juli. (Vom elektr. Strom getötet.) Beim Umdecken eines Schcunendaches kam der 19 Jahre alte Maurer Friedrich Dolch mit der elektr. Leitung in Berührung und wurde vom Strom sofort getötet. y Aglasterhausen, 27. Juli. (In einen Kübel heißen Wasser) fiel das zweijährige Kind des Gemeindebeamten L-, in dem Brennefseln gekocht waren. Das unglückliche Bübchen zog sich am Rücken so schwere Brandwunden zu, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. x Obergimpern, 27. Juli. (Ein Sängerfest.) Am Sonntag hielt der hiesige Gesangverein unter der Leitung seines Dirigenten, Hauptlehrer Bortner, aus Anlaß der Gründung des Vereins ein Gartenfest ab, woran sich sämtliche Gesangvereine der Nachbarorte stark beteiligten und den Anwesenden durch ihre schönen Gesänge einige frohe Stunden bereiteten. Vorstand Fries hielt eine Ansprache und dankte den Vereinen für ihre Beteiligung. oo Untergimpern, 27. Juli. (Stiftungsratswahl.), Bei der am letzten Sonntag stattgefundenen Wahl - wurden die seitherigen Herren Julius Wohlgemuth und Karl Mühlburger auf 6 Jahre, Heinrich Kirchdörfer und Johann Reichensperger auf 3 Jahre gewählt. Letztere sind für Johannes Weiß und Robert Huß neugewählt worden. Mögen dieselben stets ihres Amtes eingedenk sein. Den beiden Scheidenden ein herzliches Vergelts Gott für ihr seitheriges Wirken. % Bad Rappenau, 27. Juli. (Waldgottesdienst.) Am kommenden Sonntag, 31. Juli, nachmittags 3 Uhr (15 Uhr) soll von Wimpfen aus wieder ein ev. Waldgottesdienst gehalten werden und zwar im Einsiedelwald. Der Posaunenchor von Rappenau wird die Freundlichkeit haben, die Choräle zu begleiten. Gesangbücher bittet man mttzubringen. Bei schlechtem jWettrr unterbleibt die Feier. < • r Neckarsteinach, 27.#3uti. Das altehrwürdige Rathaus, das wegen seines veralteten Aussehens dringend einer Reparatur der Fassaden bedurfte, bekommt z. Zt. einen neuen Anstrich. y Unterschwarzach, 27. Juli. (Ueble Straßenzustände.) Die Straße Unterschwarzach-Echwanheim ist vom Eintritt der Straße in den Wald in einem jammervollen Zustand. Ein Loch neben dem andern gestaltet die Benützung der Straße gefährlich, besonders in der Richtung von Schwanheim her, die liefen Schlaglöcher gefährden die Fuhrwerke schwer, zumal die Straße starkes Gefäll hat. Die Straße ist außerordentlich stark benützt, nicht nur durch Holzfuhrwerke, auch durch Kraftwagen, sodaß für die Herrichtung der Straße etwas unternommen werden muß. i Gauangelloch, 27. Juli. Unser Ort scheint für manchen und ganz besonders aber für Vereine immerhin ein Anziehungspunkt zu fein. Wenngleich dessen landwirtschaftliche Lage ein mäßiges Urteil immerhin verträgt, und unser Dorf nicht gerade an besondere historische Momente, die ihm eine gewisse Stufe in der Reihe der benachbarten und weiter abliegenden Dörfer gestatten möchten, anknüpfi, so hat es doch in manch anderer Hinsicht seine Vorzüge. Es bietet auch eine Reihe schöner Aussichtspunkte, von denen vor allem der sogen. Gickelsberg zu erwähnen wäre. Bon hier aus gewinnt man einen Weit- und Rundblick in das Elsenztal, das mit all seinem landschastichen Zauber so manches Reiz dem Auge des Beschauers bietet. Aber abgesehen davon ist es hier das gesellige Leben in den Wirtschaften und das einem da gebotene echte Stück Dorfleben, was die Fremden anheimelt. Dies mag auch mit ein Grund sein, daß fast alljährlich der Theaterverein „Edelweiß" von Oppau, der gestern hier im Gasthaus zum Schwanen zu Gast war, hierher einen Ausflug macht. Ebenso stattete ein Sängerquartett aus Edingen den: hiesigen Männergesangverein seinen üblichen Iahres- besuch ab. Illach einer Begrüßung der beiden Vereine durch Wort und Lied war gemütliches Beisammensein im Schwanen. So manches Lied ging von hüben und drüben noch über die Lippeff. Man kann sagen, daß man hier gestern so etwas wie echter Pfälzergeist einatmete. Gegen 5 Uhr zogen die Vereine wieder ab. Sicherlich dürste das gestrige Erlebnis sowohl bei den Einheimischen, die sich an dem Vergnügen restlos beteiligen konnten, wie bei den auswärtigen Besuchern sichbarte Spuren frohen Andenkens hinterlassen haben. — Mannheim, 27. Juli. (Die Mannheimer als Fleischesser.) Nach den Feststellungen der Direktion des Städt. Schlacht- und Viehhofes sind im zweiten Vierteljahr 1927 geschlachtet worden: 4428 Stück Großvieh, 7033 Kälber, 321 Schafe, 21 401 Schweine, 144 Ziegen, 120 Zicklein, Ferkel und Lämmer, 53 Pferde, zusammen 33 500 Stück. Das Gesamtgewicht der Schlachtungen betrug 3 276 633 Kilogramm: hierzu kommen noch 19 051 Kilogramm eingeführtes inländisches Fleisch, ferner 379 349 Kilogramm Auslandsfleisch, so daß sich der Gesamtverbrauch auf 3 675 033 Kilogramm belief. Der tägliche Fleischverbrauch betrug bei einer Einwohnerzahl von 250 672 im April ds. Is. pro Kopf 154 Gramm, bei einer Einwohnerzahl von 250 924 im Mai ds. Is. pro Kopf 147 Gramm und bei einer Einwohnerzahl von 251 144 im Juni ds. Is. pro Kopf 187 Gramml t Lindau, 27. Juli. (Eine Mordaufklärung nach vierzehn Jahren.) In den Septembertagen des Jahres 1913 erregte das spurlose Verschwinden des damals 45 Jahre alten ledigen Arbeiters Steindel aus Rohrbach bei Landau großes Aufsehen. Jetzt stellt sich heraus, daß Steindel ermordet wurde. Der Staatsanwaltschaft Landau ist durch einen Mittäter an dem Mord, einem damals 17 Jahre alten Arbeiter namens Harder, der 1896 geborene Grubenarbeiter Ludwig Fischer aus Spittel bei Saarbrücken angezeigt worden. Nach Angabe Harders hat er dem Mörder bei der Verscharrung des Ermordeten in dessen eigenem Garten Hilfe geleistet. Die Staatsanwaltschaft Landau hat die Verhaftung der beiden Täter angeordnet. Da Fischer aus französischem Boden wohnt und in einer französischen Grube tätig ist, dürfte seine Festnahme noch einige Schwierigkeiten verursachen. t ** Mannheim, 28. Juli. Beim Baden ertrunken.) Vorgestern nachmittag vor 2 Uhr ist ein 18jähriger Arbeiter aus Viernheim beim Baden im Neckar ertrunken. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. ** Mannheim, 28. Juli. (60. Geburtstag des Landesoberschützenmeisters.) Kaufmann Friedrich Hoffstätter beging am vergangenen Sonntag seinen 60. Geburtstag. Hoffstätter ist Oberschützenmeister der Schützengesellschoft Mannheim und Landesoberschützenmeister von Baden. ** Mannheim, 28. Juli. (Wintersemester.) An der Handels-Hochschule Mannheim beginnt das Wintersemester am 2. November. Das Verlofungsverzeichnis ist soeben erschienen und ist vom Sekretariat der Handelshochschule (Mann- heim C 2, 1) erhältlich. Der Vorlesungsplan enthält eine Reihe neuer Vorlesungen. Donnerstag, den 28. 2uli 1927. ** Pforzheim. 28. Juli. (Aus dem Fenster gesprungen.) Der 29jährige ledige Kaufmann Otto Unserer wurde in der vorigen Woche als vermißt gemeldet. Er war vom 19. bis 24. Juli nicht zu Hause eingetroffen. Am Sonntag kam er wieder heim. Er litt schon längere Zeit an nervösen Störungen und sprang nun gestern nachmittag in einem solchen Anfall zum Fenster seiner im öriten Stockwerk gelegenen Wohnung heraus. Mit einer schweren Kopfverletzung wurde er in Krankenhaus eingeliefert. Ungerer ist ein eifriger Sports- und Wandersmann. ** Singe« a. H., 28. Juli. (Die Eröffnung des neuen Ortsgüterbahnhofs.) Am Montag, den 1. August, wird der neue Güter- und Zollbahnhof in Singen am Hohentwiel für den Eil- und Frachtgutverkehr eröffnet und in Betrieb genommen. Die Stadtverwaltung hat für Sonntag, den 31. Juli, eine kleine Veranstaltung aus Anlaß der Eröffnung des neuen Güterbahnhofs vorgesehen. ** Singen a. H., 28. Juli. lEine neue Verkehrszeitung.) Unter dem Titel „Rhein-Donau-Bodensee-Verkehrszeitung" ist eine neue, mit Bildern versehene Verkehrszeitung in Singen herausgekomen. Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter ist Schriftsteller Karl A. Kellermann. Die Zeitung wird in der neuen Druckerei von Joh. Weigand und Söhne. Audifaxstraße, gedruckt. ** Kandern, 28. Juli. (Unfall.) Am Dienstagabend verunglückte in der. Sitzenkircherstraße der verheiratete Hermann Wendel von Kandern. Tie Kuh, die er vor seinem Fuhrwerk gespannt hatte, rannte durch, wodurch Wendel vom Wagen geschlendert wurde und unter denselben zu liegen kam. Er erlitt erhebliche Verletzungen. ** Weil-Leopoldshöhe, 28. Juli. (Verbrüht). Das 1^ jährige Kind des W. Garni fiel in einem unbewachten Augenblick in einen mit kochendem Wasser gefüllten Eimer und erlitt schwere Brandwunden. ** Vom Bodenfee, 28. Juli. Im westlichen Teile der Ror- schacher Bucht, der sog. Rietlibucht, beabsichtigt man in der Ausdehnung vom alten äbtischen Kornhaus in Rorschach in gerader Linie bis zur Goldachmündung ein Schongebiet für Wasservögel einzurichten. In jener Rietlibucht sammelt sich nämlich jeden Herbst eine Menge zum Teil sehr schöner und seltener Vögel, neben allen Arten der einheimischen Wildenten und Möven auch verschiedene nordische Prachtenten. Mit Beginn der Jagd zerstiebt die ganze Vogelschar in den offenen See hinaus, wobei die vom Ufer aus angeschossenen und erlegten Vögel von den Jägern infolge Fehlens von Hühnerhunden und Schiffen meist gar nicht geholt werden können und im See verloren gehen. ** Haubersbronn (Württemberg), 28. Juli. (Tödlicher Motorradunfall.) Am Samstagabend verunglückte ein 25 Jahre alter Motorradfahrer aus Münster unweit des hiesigen Ortest Er kam von Welzheim her aus der neuen Welzheimer Straße gefahren, die größtenteils ein ziemlich starkes Gefäll hat. An einer Kurve geriet sein Rad infolge des zuvor gefallenen Regens ins Rutschen. Er konnte etwa noch 30 bis 40 Meter weit fahren und wurde dann vow Rad geschleudert. Bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb er. ** Fanrnda« (Württemberg), 27. Juli. (Ein ganz gefährlicher Bursche. — 15 Brände gelegt.» Der Kriminalpolizei ist es gelungen, am Montag den Brandstifter in der Person des 24 Jahre alten Bauernsohns Christian Hofmann, vom Brandplatz weg, wo er sich zur Feuerwehr gemelder hatte, zu verhaften: er soll nicht nur die Brandlegung der Mühle von Hermann Kümmerle, sondern insgesamt 15 Brandstiftungen eingestanöen haben, darunter auch eine in seinem elterlichen Hause, wo jedoch seinerzeit das Feuer nicht zum Ausbruch kam. Der Brandstifter mußte von den Polizeimannschaften in Schutz genommen werden, sonst hätte ihn die empörte Einwohnerschaft „bearbeitet", vielleicht nach dem Rezept, das er während des Brandes bei den Löscharbeiten ausgab, wo er sagte: „Der Brandstifter gehört an eine Gabel gesteckt und solange ins Feuer gehalten, bis er gebraten und geräuchert ist". Auf die Ergreifung des Täters war eine Belohnung von 2000 Mark ausgesetzt. ** Kandel, 28. Juli. (Motorradunglück.) Dienstagabend gegen 9 Uhr ereignete sich hier ein schweres Motorradun-, glück. An der Straßenkreuzung Landau—Herxheim wurde ein Motorrad, auf dessen Soziussitz ein Mädchen faß, auf die Seite geschleudert. Ein entgegenkommender Lastkraftwagen hatte das Motorrad erfaßt. Das Mädchen wurde schwer verletzt vom Platze getragen, während der Fahrer nur leichtere Verletzungen erlitt. Den Autoführer trifft die Schuld. Schreckliche Kindertragödie. Beim Ausnehmen eines Vogelnestes auf der Hochspannungsleitung vom Starkstrom getötet. Friedrichsfeld, 26. Juli. Die Stadt steht im Banne eines schrecklichen Unglücks, das sich heute vormittag gegen halb 11 hier ereignet. Auf einem Gittermast der elektrischen Hochspan4 nungsleitung am Wege zwischen dem Bahnhof Friedrichsfeld- Süd und der Deutschen Steinzeugwarenfabrik befand sich ein Vogelnest. Das kleine Nestchen hing als Wunder der Natur zwischen den Drähten der Hochspannungsleitung von 5000 Volt. Dieses Nest in luftiger Höhe lockte den tollkühnen Wagemut der Buben. Heute vormittag kletterte der neun Jahre alte Sohn Otto, des Metallschleifers Anton Iarmutty puf den Gittermast der Hochspannungsleitung. Er hatte mit großer Kunstfertigkeit, ohne die Leitungsdrähte zu berühren, das Vogelnest schon gelöst. Beim Zurückziehen des Armes kam er mit der Hochspannungsleitung in Berührung, die den Körper des Knaben sofort anzog und ihn auf der Stelle tötete. Der Knabs hing mit beiden Armen zwischen den Leitungsdrähten. Dabei fiel der Schädel rücklings auf die Leitung und brannte vollständig aus. Das Gehirn des unglücklichen Jungen, der wegen eines Vogelnestes fein Leben aufs Spiel fetzte, tröpfelte aus der Schädelhöhle auf die Erde. Der ganz« Körper ist vollständig oerkohlt. Nur das Gesicht, das gegen den Himmel gerichtet war, blieb unversehrt. Die verkohlte Leiche hing über eine Stunde zwischen den Drähten der Hochspannungsleitung. Um halb 12 Uhr wurde der Strom abgestellt, zwei Monteure kletterten auf den Mast und befreiten die Kindesleiche aus der Verkrampfung. * Dieses grauenhafte Unglück sollte allen Kinder und Er- ziehern eine Warnung sein. Die Vogelnester dürfen von den Buben nicht ausgeräumt werden, wenn auch manchmal der knabenhafte Tatendrang in den Fingern zwicken mag. Die Maste der Hochspannungsleitungen dürfen nicht zum Klettern benützt werden. Das Berühren elektrischer Hochspannungsleitungen ist immer lebensgefährlich. Nr. 135. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Donnerstag, den 28. Juli 1927. Ein Raubmord nach 14 Jahren aufgeklärt Rohrbach, 28. Juli. Wie der „Landauer Anzeiger" meldet, fand ein Raubmord, der 1913 verübt wurde, jetzt reine Aufklärung. In den Septembertagen des Jahres 1913 erregte das spurlose Verschwinden des damals 45 Jahre alten ledigen Landwirts Valentin Steidel von hier großes Aufsehen. Steidel entfernte sich am 20. September mit der Angabe, er fahre nach Ludwigshafen. Einer hiesigen Wirtsfrau teilte er mit. baß er am 1. Oktober Sonntag abends wieder zurückkommen werde. Von jener Reise nach Ludwigshassn ab fehlte jedoch jede Spur von Steidel. Alle Nachforschungen blieben erfolglos. Steidel galt als verschwunden. Erst jetzt kam Licht in das Dunkel. Steidel wurde allem Anschein nach in der Nacht vom Kirchweihsonntag zum Montag 1913 ermordet. Ein Missetäter, der damals 17jährige Arbeiter Haerder, der dem Mörder mit dem Verscharren der Leiche in dem eigenen Garten des Ermordeten behilflich war, erzählte nun aus Reue einem hiesigen Arbeiter von dieser Tat. Die Staatsanwalrschafi Landgu teilt zu diesem Fall mit. daß sie jetzt entgegen der Meldung des „Landauer Anzeiger" noch keine amtlichen Schritte unternommen hat, und ebenfalls noch keinen Haftbefehl erlassen hat. Jedoch besteht Grund zur Annahme, daß die Tat seinerzeit wirklich durch den Grubenarbeiter Ludwig Fischer in Stittel bei Forbach (Lothringens begangen wurde. Da Fischer auf französischem Boden wohnt und in einer französischen Kohlengrube tätig ist, wird seine Festnahme einige Schwierigkeiten bereiten. Die Gendarmerie ist zur Zeit mit den Erhebungen in dieser Frage beschäftigt. Nach den Ueberresten der Leiche wurde gegraben, es konnte aber noch nichts gefunden werden. Bei seiner Entfernung hatte der Ermordete rund 1000 Mark mitgenommen. Es besteht also genügend Grund zur Annahme, daß es sich um einen Raubmord handelt. Schwere Unwetter am Mittelrhein und im Saargau Köln, 27. Juli. Das ganze Mittelrheingebiet wurde heute nachmittag von schweren Unwettern heimgesucht. Der Himmel verfinsterte sich derart, daß keine Sicht vom linken zum rechten Rheinuser bestand. Hagel und heftiger Sturm richteten auf den Feldern und in den Weinbergen große Verwüstungen an. — Auf dem Rheindampser „Kaiserin Friedrich", der von Boppard unterwegs war. brach insolge des furchtbaren Sturmes eine Panik aus. Tie Passagiere befürchteten den Untergang des Dampfers und stürzten völlig kopflos umher. Große Wassermassen stürzten über das Deck und rissen Kleidungsstücke und Koffer über Bord. Das starke Oberdeck und die Glasveranda wurden vom Sturm zertrümmert. Mehrere Personen erlitten durch Glassplitter Verletzungen. Auch die Gemeinden der Bürgermeisterei Freudenberg im Saargrenzgau haben durch einen heute nachmittag niedergehenden Wolkenbruch und Hagelschlag schweren Schaden erlitten. Die Ernte wurde völlig vernichtet. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt. Auch an den Häusern ist großer Schaden angerichtet worden. Die Katastrophe ist für die in der Südwcstecke des Reiches liegenden Gemeinden besonders drückend, da die Wirtschaftsverbältnisse sich gerade in Sen von Lothringen, Luxemburg und dem Saargebiet begrenzten Gemeinden seit 1918 fortgesetzt verschlechtert h-ben. . Rückgang des Elbe-Hochwassers Magdeburg, 28. Juli. Die neuesten Meldungen der Elbstrombauverwaltung Magdeburg besagen ein langsames Fallen des Elbwasser im Oberlauf. Der Pegel des mittleren Elbstromes zeigt zwar immer noch ein Steigen des Waffers von durchschnittlich 10 Zentimeter am Tage. Beruhigend wirkt aber das Zurücktreten des Waffers der Saale, die ein Fallen von 15 Zentimeter bei Kalbe und Gri- zehne meldet. Im Ueberschwemmungsgebiet der Altmark ist ein Stillstand eingetreten. Infolge des aufklärenden Wetters hofft man, daß die Hochwaflervorhersage nicht überstiegen wird. Die größte Gefahr scheint in diesem Gebiet damit abgewenöet zu sein. Schweres Flugzeugunglück. — Drei Tote. Berlin, 27 Juli. Heute nachmittag 2,25 Uhr mußte das Flugzeug T 206 zwischen Kaffe! und Gießen eine Notlandung vornehmen. Hierbei kamen drei Passagiere, Bauer aus Hofgeismar und Kühlmann aus Hannover, sowie der Bordwart Shlow ums Leben. Der Flugzeugführer Rud. Dörr und Tr. Milch von der Wetterwarte in Frankfurt a. M. wurden verletzt. Nach der Landung wurde das Flugzeug durch Brand beschädigt. Das Spandauer Straßenbahndcpot nicdergebrannt. Berli«, 27. Juli. Wie die Abendbläter aus Spandau melden, brach dort gestern abend gegen 10.15 Uhr, dreiviertel Stunde nach dem lrinriicken des letzten Waaens der Straßenbahnlinie Spandau -Lichtenheimer Wafferfall. ein Brand im Spandauer Straßenbahndepot aus, der das Gebäude und sämtliche Straßenbahnwagen vernichtete. Die Halle ist vollständig niedergebrannt, so daß nur noch die Umfaflungs- mauern stehen. Tie Nebengebäude, Wohnhaus, Zentrale und Werkstätten, konnten gerettet werden. Es wird Brandstiftung vermutet. Der Betrieb wird mit Omnibussen und geliehenen Straßenbahnwagen aufrechterhalten. Mordversuch «ud Selbstmord. Aus Graz wird mitgeteilt: Der Besitzersvhn Josef Hohen- scherer in Schönau bei Hartberg wollte seinen Bruder Rup- pert im Hausbrunnen ertränken, um sich die Erbschaft des väterlichen Besitzes zu sichern. Auf die Hilferufe Rupperts eilten die Eltern herbei und konnten den Burschen, der bereits bewußtlos war, aus dem Brunnen ziehen. Josef beging Selbstmord, indem er einen Draht um eine lange Holzstange wickelte und damit die elektrische Hochspannungsleitung berührte. Ein Tier, das in. Petroleum lebt. Petroleum, das im allgemeinen allen Lebewesen den Tod bringt, ist der Wohnsttz der Petroleumfliege im Larvenstadium: sie lebt von organischen Stoffen darin, hineingeflogenen Insekten u. ä. Die Larve atmet durch geschützte Luftlöcher, die sie über das Oel erhebt. DaS Schwimmen geht langsam vor sich: meist an oder nahe der Oberfläche. Untersuchungen im Laboratorium ergaben, daß die Tierchen nach der Herausnahme aus dem Petroleum langsam entkräfteten und nach 12—18 Stunden starben, entweder an Futtermangel oder an Austrocknung des nicht mehr vom Petroleum geschützten Körpergewebes. Ist die Larve 7—10 Millimeter lang, so verläßt sie das Oel zur Verpuppung: nach zwei Wochen kriecht aus der Puppe die kleine schwarze Petroleumfliege aus, die sich nie weit vom Aufenthaltsort der Larven entfernt. Ei« furchtbarer Gatteumorb. Ein furchtbarer Gattenmord spielte sich kürzlich in Sulzgraben bei Thörl ab. Der Grundbesitzer Florian Winkelmayer, der feit sechs Jahren verheiratet ist, lebte mit feiner Gattin Susanne ständig in Streit. Dieser Tage erhielt der Genöarmerieposten in Thörl die Verständigung, daß Winkelmayer seine Frau mit einem Jagdgewehr erschossen habe. Die Gendamerie fand die Leiche mit zertrümmertem Schädel tm Wohnzimmer auf. Alle vier Wände und die Einrich- tungsgegensiände waren über unkMiber mit Blut und Gehirnteilen bespritzt. Sogar Knochenteile lagen im Zimmer herum. Die Gendamerie Hot festgestellt, daß der Mörder Ekrasitpatronen verwendet hat. Panik durch eine» Radiobericht. Nach Berichten aus Adelaide in Südaustralien entstand dort in der vorigen Woche eine große Panik, weil die dortige Funkstation einen bevorstehenden Luftangriff ankündigte. Es war also nur ein Manöver in der Luft gemeint und nicht ein wirklicher Angriff. Die Ausführung des Angriffes war einigen Flugzeugen übertragen, auf denen sich dreißig Personen befanden. Der Höhepunkt des Manövers war, daß „feindliche Flugzeuge" einen Bombenangriff auf Port Adelaide unternahmen, wobei sie zahlreiche Gebäude verwüsteten, und dann ihren Weg ins Innere des Landes fortsetzten. Der Bericht wurde ernst genommen und erregte eine ungeheure Panik. Zahlreiche Frauen wurden infolge des Schreckens ohnmächtig. Aber auch behördliche Stellen befanden sich in Irrtum. So rückte die Feuerwehr aus. In einem Spital verließen Patienten, die im Weltkrieg in Europa gekämpft hatten, sofort das Bett und liefen unter dem Ruf, ihre Pflicht rufe sie zur Verteidigung ihres Vaterlandes, ins Freie. Eine Familie packte rasch ihr ganze Hab und Gut auf ein Auto und fuhr schleunigst in die Berge, um dem Luftangriff zu entgehen. Die Direktion der Funkstation erklärte, als man sie zur Verantwortung zog, sie habe geglaubt, im Interesse der Allgemeinheit zu handeln, zumal in der letzten Zeit viel darüber geklagt worden war, „daß das Programm so schrecklich trocken und langweilig sei". Radio - Programm für Freitag, den 29. Juli 1297. Berlin (483), Königswusterhausen (1250), 20.30 Uhr: Symphonie- Konzert. 22.30 Uhr: Nachtmusik. Breslau (315), 20.15 Uhr: Wandern in Schlesien. Frankfurt (428), 13.00 Uhr: Neue Echallplatten. 16.30 Uhr: Hausfrauennachmittag. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 Uhr: Borträge. 20.00 Uhr: Holländischer Abend. Anschl. Unterhaltungsmusik. Hamburg (394), 20.30 Uhr: „Der Scheerenslieper". Plattdeutsches Singspiel v. G. Semper. Anschl. Konzertübertragung aus „Söllners Gute Stuben." Königsberg (329), 20.10 Uhr: Einakter-Abend. 22.15 Uhr: Zur Uebertragung vom Waldfestspielplatz inZoppot: Einführende Worte. Langenberg (468), 20.45 Uhr: Köln: „Ein Spiel von Tod und Liebe" v. R. Rolland. Anschl. Düsseldorf: Uebertragung d. Konzerts a. d. Hofgarten-Rheinstraße. Leipzig (365), 20.15 Uhr: Fontana-Liliencron. 22.15 Uhr: Uebertragung v. d. „Iahresschau deutscher Arbeit". München (535), 20.30 Uhr: Militärkonzert. Stuttgart (379), 13,15 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert, Schumann. 18.15 Uhr: Borträge. 20.00 Uhr: Schubert-Abend. Deventry (1660), 12.00 Uhr: Konzert. 15.00 Uhr: Radioorchester. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Orchesterkonzert. 19.15 Uhr: Lieder v. Richard Strauß. 19.45 Uhr: Bunte Stunde. 20.30 Uhr: Bach-Konzert. 21.35 Uhr: Konzert und Sendespiel. 23.00 Uhr: Tanzmusik. Paris (1750)» 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Jazzmusik. 20.30 Uhr: Konzert. Wien (517), 20.05 Uhr: Abendunterhaltung. Zürich (588), 20.30 Uhr: Martin Usteri-Abend. Prag (348), 21.15 Konzert. 22.20 Schallplattenkonzert. cÄC'SSrJSrJS 9lßbi()s2JCtttiCb E. Schick, Uhrmachermeister. Sinsheim a. E. D r.Seibt-Bcrtreter — Lager in Telefunkcn - Röhren, Anoden - Batterien — Sä etlichen EriatzteUen, Varta-ANumuIatoren-Ladeftatton. — Telefon 19. Neueste amtliche Kurse vom 27. Juli 1927. mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. Anleihen: in o/o mtt Auslosungsschein . . 999,50 ohne Auslosungsschein . . lö,88 Bankaktie: in °/° Bad. Bank .... — Darmftädler- und Nationalbanl szz Deutsche Bank .... 169,9 6 Deutsche Bereinsbank . leb Dresdner Bank . . .170 Mitteldeutsche Crcditbank . 950 ReichSbank .... lro,7ö Rhei». Credttbank . . . lsi,50 Südd. Dtsconto Ges. 119 Cementwerk Heidelberg Daimler Motoren . Dtsch. Gold- und Stlberscheide Elektr. Licht und Kraft . Emaill. und Stanzwerk Ullrich Karbenindustrie Fuchs Waggon Stammaftien Gritzner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . Knorr Hetlbroun . . , Matnlrastwerke Höchst . Ncckarsukmer Fahrzeugwerke . Schuclert Elektr. Nürnberg Seilindustrie Wolfs . Südd. Zucker . . . . Zellstofs Waldhof Stammaktien >50,75 >97,50 2>8,75 195 44 817 121 39 126,10 122,50 201 95 117,25 335 Bergwerk» - Aktien in Wo t arpener Bergbau . . — alt Westeregeln . . . — MauneSmunnröhrenwerke. 168 Mansfelder Bcrgb. u.Hüttenw. 129,75 Oberschl. Eisenb. Bedarf . I. 100 Phönix Bergbau u.Hüttenbetrteb 1237/3 Salzwerk Heilbronn . . 185 Bereinigte Königs- Laurahütte — Aktie» iadnftr. Unternehmungen: in "/o Allg. Elektr. Stammaktien . 182 Badenta Weinbeim . — Bad. Glektrtzuät Mannheim — Bad. Maschinen Durlach . . i«3 Aktien dentscher Transportanftallea: in O/q Hamburg. Amerid. Paketfahrt 11 ; Heidelberger Straßen-«. Bergbahn — Norddeutscher Lloyd . . 145 Devisen: Geld Artel New-Iork 1 Dollar 4 20*1 1.9101 London 1 Pfund 20.395 90.435 Holland lvo Gulden 168.38 168.74 Schweiz 100 Francs 80 89 81.05 Wien l00 Schilling 59,17 69.99 Daris 100 Francs 14.435 1 6.475 Italien Ivo Lire 22,88 92.92 Schweinemarkt in Bruchsal vom 27. Juli 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 133, Läufer 41. Verkauft wurden: Milchschweine 100 Läufer 32. Höchster Preis für Milchschweine Paar 22.—, für Läufer 50.— RM. Häufigster „ „ „ „ 20—, „ „ 45.— „ Niedrigster „ „ „ „ 16— „ „ 40.- „ Karlsruher Produktenbörse vom 27. Juki. Abteilung Getreide, Mehl und Futtermittel: Das Geschäft in Ware neuer Ernte ist noch unentwickelt. Prompte Futtermittel blejben gesucht. Deutscher Weizen, alte Ernte, in kleinen Posten 32—32,50, deutscher Roggen nicht angebo- ten, Sommergerste nicht angeboten, deutscher Hafer nicht angeboten, Plata Mais prompt und später 19,50—19,75, Weizenmehl, Mühlenforderung, nordd. Fabrikate, Juli 36,50 bis 37, Roggenmehl, Mühlenforderung, südd. Fabrikate, August-Oktober 84—34,50,' Weizenfuttermehl, prompt 17,50—18; Weizenkleie, fein 13, grob 13,25—13,75; Roggenkleie 14,25 bis 14.50. Spezialfabrikate entsprechend teurer. Biertreber, je nach Herkunft, 15,50—16,25; Malzkeime 15,50—16; Trockenschnitzel, alter Campagne, 12,25—16,25; Frühkartoffel 10,25 bis 11; Rauhfuttermittel: Loses Wiesenheu, gut, gesund, trocken, neue Ernte 8,50—9; Luzerne, neue Ernte 9,50—10; Weizen-Roggenstroh, drahtgepreßt, 4-4,50 Mark, alles per 100 Kilo, Mühlenfabrikate, Mais, Biertreber u. Malzkeime mit, Getreide und Trockenschnitzel ohne Sack, Frachtparität Karlsruhe bzw. Fertigfabrikate, Parität Fabrikstation. Waggonpreise. Kleinere Quantitäten entsprechende Zuschläge. Abteilung Weine und Spirituosen: Weine und Edelbranntweine fest. Wetterbericht. Das mitteleuropäische Hochdruckgebiet ist unter dem Einfluß des starken Einstrahlungsdruckfalls rasch nach Osten abgewandert. Der Kern des atlantischen Tiefdruckwirdels liegt zurzeit vor der Westküste Irlands. während auf seiner Südseite warme subtropische Luft von etwas höherem Druck auf das Festland nachdrängt. Pon Griechenland bis Rordskandinaoien reicht ein flacher Hochdruckrücken, in dem die Atmosphäre durch Einstrahlung weiter erwärmt wird. Die irische Zyklone wird aus der Temperaturdifferenz zwischen West- und Ofi- europa weitere Energie beziehen und langsam ostwärts wandern. Wir werden vorläufig noch vielfach heiteres Sommerwetter mit örtlichen Gewitterstörungen, zunächst ohne nachfolgende Abkühlung. Jagd - Verpachtung. In Anbetracht, daß bei der Iagdverpachtung am >2. Juli 1927 der Anschlag nicht erreicht wurde, findet eine nochmalige Verpachtung am Mittwoch, den 3. August 1927, nachm. 2 Ahr im Rathaus in Zuzenhaufen statt. Bezüglich der Beschreibung des Jagdgebiets rc. verweisen wir auf unsere Ausschreibungen vom 6. Juli 1927. Zuzenhausen, den 26. Juli 1927. Bürgermeisteramt. Prachtvoll schmeckendes, wirklich gutes im Haushali selbst zu brauen, ist so einfach wie Kaffeekochen, mit dem echten geschützt). (Malz und Hopfen enthaltend), Päckchen für 12Vs Liter —75 RMk . für 25 Liter 1.25 RMk. Jeder ist überrascht von der Güte und dem Wohlgeschmack des Erzeugnisses. Seit 17 iahren eingefü rt und ärztlich empfehlen. Zu haben in Apoth., Drog , Kolonial Warengeschäften usw.; wo nicht, Lei dem alleinig. Hersteller Tböri&ger Esseozenfalifik G.n.li.H., Berlin H113, C205 Viele Dankschreiben und NachbesteUungen beweisen die Güte. Vertreter gesucht. Verlangen Sie Prospekt über Selhslherstellung von Likören aller Sorten' Übler Mundgerueh wirkt abstoßend. 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