Erscheint »glich mtt Ausnahme der Feierlage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.50 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Sa Fällen von höherer Gewalt desteht lein Anspruch auf Liefer- »ng der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit Hiß bis 5 ühr Sonntags geschlossen. Oernsprech-Auschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. MO» Jü. 138. Der iCandbote Stnshetmer Geaeral-Aryelg er fuc das Zeitung fiss Äsenz-und §äuvarzbaclita1 «nzelgen-Pr-tfe: Anzeigen: Die 33 mm drei» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen? Die 92 mm breit» Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Gründfchrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tartffeste» Rabatt, der bei Nichtzahlung! innerhalb 8 Tagen nach Rech», nungsdatum oder bei gerichtliche» Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 llde vormittags; größere Anzeige» müssen am Tage vorher mb gegeben werden. Htlttft* and wbrcitttft* Ztittmg dUT«r Gegsvd. fyuipt-Hnjeigen-Blatt Alächeatllcki« Bi>li|ni r OmU vn4 Isel», • Der Kobold • Neu» JUottrtoti • Eimd-wirtTcbaftlicb» Beilage Bank-Konto: Deretnsbank Sinsheim e. G. m. b. L. Montag» den 1. August 1927. 88. Jahrgang Die Angst vor dem Bruch. Auf der Suche nach einem Kompromiß. — Neuer amerikanischer Vorschlag Genf, 31. Juli. Die auf Montag nachmittag einberufene Vollsitzung der Seeabrüstungskonferenz ist heute zunächst auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Beschluß ist in einer Aussprache gefallen, die heute nachmittag zwischen Lord Bridgemann und Gibson stattfand. Die Vertagung der Vollsitzung scheint auf den Wunsch der amerikanischen Abordnung zurückzugehen, da die Antwort aus Washington auf die am Freitag übermittelten neuen englischen Abrüstungsvorschläge in Genf noch nicht eingetrofsen ist. Die Lage ist infolgedessen heute noch unverändert kritisch, doch sieht man in Konserenzkreisen in der Tatsache der Vertagung der Vollsitzung zum mindesten die Möglichkeit, einen sofortigen Abbruch der Konferenz zu verhindern. Die amerikanische Abordnung veröffentlicht heute abend einen neuen Vorschlag, nach dem eine politische Klausel in das Abrüstungsabkommen der drei Seemächte eingefügt werden soll. Nach dieser Klausel ist jede der vertragschließenden Mächte berechtigt, vor dem 31. Januar 1936 einen neuen Zusammentritt der Drei- Eeemächt»-Konferenz z» fordern, falls eine der drei vertragschließenden Parteien die in dem Abkommen festzesetzte Gesamttonnage für die Kreuzer in einer Art und Weise zum Bau von Kreuzern verwendet, die der anderen Macht eine Abänderung der in dem Abkommen festgesetzten Gefamtonnage für die Kreuzer erforderlich erscheinen läßt. In einem solchen Falle kann die betreffende Macht nach vorheriger sechsmonatlicher Ankündigung den Zusammentritt der Konferenz der drei Seemächte forderst. Fcdoch gilt diese Bestimmung erst vom 31. Januar 1931 abj. Sollte auf dieser Konferenz eine Einigung zwischen den brö> Seemächten nicht Zustandekommen, so ist der einberufende Staat berechtigt, das Abkommen mit einjähriger Frist zu kündigest. In diesem Falle verliert das Abrüstungsabkommen auch gegenüber den beiden anderen vertragschließenden Staaten seine Gültigkeit. t •_ , Dieser neue amerikanische Vorschlag steht gegenwärtig im Vordergrund der Verhandlungen. Von englischer Seite wird London, 31. Juli. In einer Rede in Banger kündigte der Arbeiterführer Thomas an, daß eine persönliche Begegnung zwischen Baldwin und Coolidge unmittelbar bevorfteh«, die wie er hoffe, zu einem Flottenabkommen fuhren werde. Gleichzeitg wird aus Genf gemeldet, daß sich die dortigen Delegationen über eine mehrtägige Vertagung 'der Plenarsitzung der Konferenz, die morgen stattfinden sollte, geeinigt haben. Die Londoner Eonntagsblätter melden übereinstimmend, daß, wenn Amerika die letzten, in Genf vorgelegten englischen Marinei-Abrüstungs- vorfchläge ablehnen sollte, England wenigstens den Versuch machen werde, bis zur nächsten Flottenabrüstungskonferenz im Jahre 1931 einen Flottenfeiertag herbeizuführen, indem England Amerika vorschlage, bis 1931 nur so viel Kreuzer zu bauen, wie England zur Zeit in Dienst hält und Japan sich verpflichten soll, für je fünf englische Kreuzer nur drei in Dienst zu halten oder zu bauen. In hiesigen amerikanischen Kreisen verlautet, daß das englische Kabinett der englischen Delegation freie Hand gelassen habe, mit den amerikanischen Vertretern in Gens geeignete Formeln für die Schlußsitzung der Konferenz zu vereinbaren. Rewyork, 31. Juli. Die auch über das Wochenende fortgesetzten Verhandlungen zwischen Staatssekretär Kellogg, dem Marinechef und den Sachverständigen lassen mit Gewißheit darauf schließen, daß die Bereinigten Staaten noch nicht ihr letzte Wort in Sachen der Genfer Konferenz gesprochen haben. Die Bemühungen der amerikanischen Regierung sind heute, nachdem die großen Hoffnungen begraben werden müssen, auf die Anbahnung eines Provisoriums gerichtet, das gewisse Garantien auf Beschränkung der Budgets für den Kreuzerbau vorfiehtz. Coolidge weiß sehr wohl, daß ein Abbruch der Konferenz für den Marinehaushalt der Bereinigten Staaten viel verhängnisvoller sein würde, als wenn die Konferenz überhaupt nicht einberufen worden wäre. Sein Ziel ist nunmehr, die innerpolitischen Folgen des Genfer Mißerfolges auszugleichcn und der Marinepartei, die nicht nur in Genf intrigierte, sondern die auch in den Wandelgängen des Kongresses beträchtliche Stimmen hat, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dfe Schwierigkeiten für das Zustandekommen eines Provisoriums sind nicht prinzipieller Natur, sie liegen vielmehr in technischen Details, dis überwindbar scheinen. > Inzwischen hat Coolidge, der, durch einen Privatdraht mit dem StaatsdeparlemeM verbunden, einen maßgeblichen Einfluß auf die Verhandlungen ausübt, eine Erklärung vorbereitet, die Gibson in der Schlußsitzung der Konferenz abgeben wird.' Die Rede wird den Standpunkt der Vereinigten Staaten kurz resümieren und zum Ausdruck bringen, welche Hoffnungen der Präsident auf die. Konferenz gesetzt hätte, nämlich Erniedrigung der Steuerlasten. Herabsetzung der Scerüstungen und Verstärkung des internationalen Friedenswillens. Rheinland und Anschluß. Berlin, 30. Juli. In einem sehr bemerkenswerten Artikel »deutschnationale und Anschluß" nimmt am Samstag früh im -Tag" der politische Beauftragte der Deutschnationalen Polks- partei, Reichstagsabg. Treviranus, Stellung gegen die von Frankreich jetzt eingeleitete Absicht, die Rheinlandräumung mit der Anschlußfrage zu verquicken und damit beides zu erschweren. Er wendet sich auch sehr scharf gegen die bekannte kürzliche Aeußerung der „Kreuzzeitung", in der diese sich gegen den Anschluß ausgesprochen hatte. Er sagt dazu: „Die „Kreuzzei- ~ tn R U .^ ü * den Faden in einer so kleinmütigen, kleindeutschen Auffassung weitergesponnen, daß mit einem Schein des Rechts der deutschnationalen Partei eine Wendung ihrer Anschlußfreu- .vorläufig eine Stellungnahme zu der Einfügung dieser politischen Klausel in das Abrüstungsabkommen abgelehnt, doch wird darauf hingewiesen, daß nach dieser Klausel die von England geforderte Zweiteilung der Kreuzer zu 10 000 und 6000 Tonnen in Wegfall kommen würde. Me britische Regierung beabsichtigt, wie aus London gemeldet wird, im Falle eines Scheiterns der Konferenzverhandlungen die an der Konferenz beteiligten Parteien zu einer Bindung zu veranlassen, kein neues Flottenprogramm aufzustellew. Gibson ist von Bridgemann und Lord Cecil bereits über einen derartigen englischen Plan unterrichtet. England wünscht danach, für eine zeitlich begrenzte Periode den Bau -von Großkampfschiffen festzulegen. Während dieser Periode > würde sich die britische Regierung verpflichten, keine weiteren 10 000 Tonnen- iKreuzer auf Kiel zu legen. Amerika soll sich dagegen formal verpflichten, die in diesem englischen Kompromißvorschlag niedergelegten Ziffern in einem bestimmten Zeitraum nicht zu überschreiten. Japan hat bereits seine Zusicherung gegeben, die 5 :5 :3- Quotc nicht zu überschreiten. , , London, 31. Juli. Der politische Korrespondent des "Manchester Guardian" versucht den Standpunkt der Admiralität in Form eines Katechismus klar zu machen, der Beachtung verdient und inhaltlich sicher von der Admiralität inspiriert isst Cr lautet: „Waren wir im letzten Krieg durch das Tauchboot! in Gefahr? Ja, in tödlicher Gefahr. Denkt die Admiralität an einen nächsten Krieg? Ja. Hält die Admiralität es für nötig, im nächsten Krieg allen unseren Handelsschiffen ein Geleit zu geben? Ja, das ist die Methode. Sind eine Menge kleine« Kreuzer das Werkzeug in diesem System des Geleits ? Ja. Sind wir an den großen Kreuzern interessiert, an denen Amerika interessiert ist? Nein. Halten wir dafür, daß die Zulassung von Tauchboten für den Handelskrieg, die im Washingtoner Abkommen ausgesprochen wurde, übertrieben ist? 2a." : , digkeit unterstellt wurde. Die parteiamtliche Feststellung, daß zu solchen Zweifeln kein Grund vorliege, ist von den Sterndeutern' aus durchsichtigen Gründen hin und her gewendet worden,.. . Die Argumente der „Kreuzzeitung" sind irrig. Jede parteipolitische Erwägung ist fehl am Platze in dieser Lebensfrage der deutschen Nation. Treviranus wendet sich weiter gegen die Sei- pelsche Theorie von dem Werte zweier deutscher Staaten inmitten Europas; diese sei nicht zweckmäßig. Me Deutschnationalen brauchen das geeinte Reich zu ihrer außenpolitischen Sicher^- ung. Am Schlüsse heißt es: „Uns ist es nationale Pflicht^ Oesterreichs Forderung im Völkerbundsrat zu unterstützen, sobald Wien die Initiative ergreift. Weil wir Anhänger eines gesunden Föderalismus im Reiche sind, wird unser Ruf lauteren Widerhall in den Herzen finden als die Befürwortung der unitarischen Linken. So wenig wir Preußen schwächen lassen, so wenig lassen wir die Südmark als Stiefkind gelten.. Eine Erklärung Carols. Er wartet auf den Ruf Rumäniens. Paris, 31. Juli. „Matin" veröffentlicht eine Erklärung des Prinzen Carol von Rumänien , in der es heißt: Mir liegt der Gedanke fern, in meinem Lande irgend eine Aktion zu entfachen. Ich habe auf meine Rechte verzichtet, weil ich durch Personen und Mittel dazu gezwungen wurde. Heute hat sich die Lage geändert, denn heute erweckt die Zukunft Rumäniens ernste Besorgnisse. Mein Vater hat eine ernste Erbschaft hinterlassen. Die fruchtbare Arbeit zweier Generationen darf nicht in Gesahr gebracht werden. Ich habe als Rumäne und Vater die Pflicht, über die Größe der Nation zu wachen, damtt der Staat in keiner Weise beeinträchtigt wird und mein Sohn ein unantastbares Erbe erhält, wenn seine Zeit gekommen ist. Diese Lage gibt mir das Recht, pessönlich zu intervenieren. Ich habe den lebhaften Wunsch, meinem Lande nützlich zu sein. Ich würde es auch niemals ablehnen können, dem Wunsche meines Volkes zu gehorchen und seinem Rufe zu entsprechen, wenn er an mich gerichtet wird. Zerfetzungserscheinungen. i, im französischen Heer. Paris, 31. Juli. Es scheint beinahe, als ob es die Kommunist. „Humanste" angelegen fein lassen möchte, Gründe für die Interpellation des ehemaligen Kriegsministers Maginot über Zwischenfälle in den Reseroistenlagern zu verschaffen. Heute veröffentlicht das Blatt wieder eine Reihe von Nachrichten über diese Vorfälle und wiederholt zunächst die Meldung über einen Zwischenfall, der sich vor einiger Zeit in einem Reservistenlager ereignete. Ein Reserosst des 32. Infanterieregiments, verheiratet und Familienvater, hatte um 48 Stunden Urlaub gebeten, um sich nach Hause zu begeben. Mes war ihm ohne Gründe vest- weigert worden. Erregt darüber rief er, als die Appellglocke ertönte: „Nieder' mit dem Krieg!" Ein vorübergehender Leutnant des 135. Inf.-Regts. fragte nach dem Rufer, worauf sich der Mann meldete. Als Antwott schlug der Offizier den Soldaten. Es kam darauf zu einer Schlägerei, wobei verschiedene Vorgesetzte dem Offizier zu Hilfe eilten und Reservssten des 32. und des 135. Inf.-Regts. und eines Tankregiments dem Soldaten Beistand leisteten. Mehrere tausend Soldaten sollen das Reservistenlager unter dem Gesang der Internationale und Rufen „Nieder mit den Reservistenübungen! Nieder mit Painleve! Nieder mit Paul-Boncour!" durchzogen haben. Me Kundgebungen dauetten bis elf Uhr nachts. Am nächsten Tage erschien ein General zur Untersuchung. Er befahl den Reserveoffizieren, die Front abzuschreiten und die Schuldigen zu bezeichnen. Die Offiziere schritten zwar die Front ab, erklärten aber keinen der Demonstranten wiederzuerkennen. „Das zeigt", so schließt die „Humanste", „daß die Reserveoffiziere für die Reservisten Partei ergriffen. Sie mißbilligten zwar die Kundgebung, gaben sich aber nicht zu einer unsauberen Handlung her." Selbstbestimmungsrecht Einer der wichtigsten Bestandteile der Phraseologie der Entente, mit der unter den übrigen Völkern bei Ausbruch und während des Weltkrieges planmäßig Stimmung gegen Deutschland gemacht wurde, war das „Selbstbestimmungs- recht der Völker". Dieses von den Lippen der alliierten Staatsmänner nur als leere Phrase gebrauchte Wort bildet einen der wichttgsten Grundsätze des Völkerbundstatuts und findet auch in den Verträgen von Versailles, Saint Ger- main, Trianon und Neuilly seine Wiederspiegelung. Da die Friedensverträge nicht auf der Grundlage der freien Entschließung, sondern auf Grund einer Diktatur der „Sieger" zustande gekommen sind, kann es eigentlich nicht Wunder nehmen, daß ihre au und für sich für die unterlegenen Staaten geradezu katastrophalen Bestimmungen willkürlich angewandt und einseitig durchqefiihrt wurden, der fesfe. festen Beispiele hierfür bietet das so viel geprieiene Selbstbestimmungsrecht der Völker. Ist es notwendig, an die widerwärtige Farce zu erinnerrr, mit der ein noch an die Heiligkeit von Verträgen glaubendes Volk in der deutsch-pol- nischen Abstimmungstragödie betrogen wurde?! Das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes in der Provinz Posen und in Oberschlesien wurde mit dem Dolch und der Brandfackel polnischer Insurgenten, hinter denen das offizielle Polen und Frankreich standen, in einen von politischem Sadismus geführten Raubzug umgewandelt. Im Memel- lanö fragte man auch nicht die Stimme des Volkes. Ter Hochmut des durch den Weltkrieg neuerstandenen Staates Litauen beschloß kurzerhand die Annexion dieses reindeutschen Landes. Und wer fragte in Südtirol, im Lande des Andreas Hofer, nach dem Stimmrecht des deutschen Alpenvolkes? Nicht viel anders liegen die Dinge im alten deutschen Elsaß oder gar im Saargebiet. Nach 15 Jahren seit dem Tage von Versailles soll im letzteren Gebiet zwar das Volk entscheiden, ob es autonom werden, zu Frankreich oder zu Deutschland gehören will. Aber nach Paragraph 35 des Vertrages von Versailles hat man auch hier eine Kilausulierung geschaffen, die der Willkür der „Sieger" freie Bahn läßt. Der Völkerbund soll unter Berücksichtigung des durch die Volksabstimmung ausgedrückten Wunsches darüber entscheiden, unter welche Souveränität das Saargebiet zu stellen ist. „Beschließt der Völkerbund für das ganze Gebiet oder einen Teil die Beibehaltung der durch den Vertrag und die gegenwärtige Anlage geschaffenen Rechtsordnung, so verpflichtet sich Deutschland schon jetzt zugunsten des Völkerbundes auf seine Souveränität, so wie dies der Völkerbund für nötig befindet, zu verzichten, und dessen Sache ist es, durch geeignete Maßnahmen die endgültig eingeführte Rechtsordnung mit den dauernden Interessen des Gebietes und dem allgemeinen Interesse im Einklang'zu bringen..." Wie anders liegt die Handhabung dek Selbstbestimmungsrechts für die andere Seite. Die Vereinigung der Polen, Jugoslawen, Italiener, Rumänen, sowie die Bildung der Nachfolgestaaten des ehemaligen russischen Kasserreichs und der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie wurden unter dem lebhaften Protest der großen nationalen Minderheiten durchgesetzt. Das deutsch-österreichische Volk hat sich bald nach Unterzeichnung des Friedensvertrages einstimmig für seinen Anschluß an das Deutsche Reich erklärt und besonders jetzt, während und nach den Wiener Unruhen diesen Volkswillen offenen Ausdruck verliehen. Lediglich die offiziellen Rcgie- rungskreise haben sich von einer derartigen Erklärung noch ferngehalten, nicht etwa, weil sie den Willen des Volkes nicht halten, sondern lediglich, weil sie aus außenpolitischen Gründen noch schweigen müssen. Daß ihnen diese, von fremden Machthabern im Friedensvertrag aufgezwungene Pflicht zu erfüllen nicht leicht wird, liegt, ganz abgesehen von der Stimme des Blutes, schon mit Rücksicht auf die demokratische Verfassung Deutsch-Oesterreichs klar auf der Hand. Was aber gilt der Wille eines im Weltkrieg unterlegenen Volkes den „Hütern des Vertragswerts von Versailles", wenn dadurch ihre hegemonistischen und nattonalistischen Interessen berührt werden?! Durch die Presse Frankreichs, Italiens, der Tschechoslowakei, Rumäniens und leider auch der Schweiz geht ein Sturm der Enküstung über den einmütigen Willensausdruck des österreichischen Volkes, den Grenzen des Deutschen Reiches einverleibt zu werden. Wenn auch der Anschluß Deutsch-Oesterreichs heute noch nicht unmittelbar auf der Tagesordnung steht und noch auf lange Zeit nichts weiter sein wird als die Sehnsucht eines notleidenden Volkes, so zeigt doch der Aufruhr, den das einmütige Bekenntnis der Teutsch-Oestcrreicher in den En- tenteländcrn hcrvorgerufen hat, wie die „Sieger für die Gerechtigkeit" -elbssbestimm-uigsrecht der Völker handhaben, und welche großen Schwierigkeiten in der kommenden Zeit die deutsche Politik noch z« überwinden haben wird, ehe ein gutes deussches Recht, und ein Teil der nationalen Sehnsucht des densschen Volkes am Rhein und Donau erfüllt werden kann. Ein Dolk! Eine Schule! 150 000 deutsche Lehrer protestieren. Die Führer des Deutschen Lehrervereins sind in Berlin zusam- mengetreten und haben folgende Erklärung beschlossen: Der Hauptauss chuß des Deutschen Lehrervereins, in dem über 150 000 deutsche Bolksschullehrer und Lehrerinnen zusammengeschlossen sind, erhebt nach sorgfältiger Prüfung und eingehender Beratung hiermit schärfsten Einspruch gegen den neuen Entwurf des Gesetzes zur Aus- Begegnung zwischen Baldwin u. Coolidge? Nr. 138. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitrwg. Montag, den 1. August 1927. führung der Artikel 146, Abs. 2 und 149 der Reichsverfassung und erklärt: Dieser Reichsschulgesehentwurf darf nicht Gesetz werden. Er steht im unversöhnlichen Gegensatz zur Aeichsoerfassung! 1. Der Entwurf nimmt der Gemeinschaftsschule die verfassungsmäßig zugeficherte Stellung als Regeschule und macht sie zu einer Antragsschule. Es schafft eine neue Art der Bekenntnisschule und Weltanschauung s s ch u l e, die als Schule der Kirche und Weltanschauung ihren staatlichen Charakter fast vollständig verlieren müsse. 2. Der Entwurf zerstört von Grund auf die Schultz o h e i t des Staates. Er nimmt die Entscheidung über die Errichtung der Schule dem Staat und der Gesamtheit der Staatsbürger aus der Hand und überträgt sie nicht den Erziehungsberechtigten, sondern Bekenntnis- und Welt- anschauungsgruppen. 3. Der neue Entwurf zerschlägt dadurch und durch Riederlegung der in der Verfassung vorgesehenen Schranke des „geordneten Schulbetriebes" die leistungsfähige, voll ausgebaute Volksschule in zahllose kleine und leistungsschwache Schulen. Er vermehrt die Kosten, setzt die L e i st u n g herab, nimmt jeden Schul- fortschritt und jede Schulentwicklung und gefährdet dadurch die B i l d u n g s h ö h e des Heranwachsenden Geschlechtes. 4. Der Entwurf gefährdet die berufliche Sicherheit" und die staatsbürgerlichen Rechte der Lehrenden. Er schafft eine dreifache Überwachung der Lehrer im Religionsunterricht. 5. Der Entwurf nimmt der S ch u h b e st i m m u n g in Artikel 174 für L ä n d e r, in denen eine nach Bekenntnis nicht getrennte Schule gesetzlich besteht, ihre grundsätzliche Bedeutung und macht sie zu einer bloßen über- gangsbe st immun g. Ein Reichsschulgeseh muh eine wort- und sinngemäße Ausführung der Verfassung fein. Der vorliegende Aeichs- fchulgesehentwurf darf daher nicht Gesetz werden. Der Deutsche Lehrerverein ruft auf zum Schutze der deutschen Volksschule» der Schulhoheit des Staates und der Einheit deutscher Bildung. Gegen Reichsfchulgesetz und Konkordat. Einspruch der Gvethebünde. Breme«, 31. Juli. Den Mitgliedern des Reichsrats und des Reichstags ist ein von den Goethebünden in Berlin, Bremen (Vorort), Breslau, Delmenhorst, Dresden und Stuttgart Unterzeichneten Einspruch gegen Reichsschulgesetz und Konkordat zur Kenntnis gebracht worden. Es heißt darin: Niemals in der Geschichte des neuen Deutschen Reichs, weder vor noch nach der Lex Heinze, hat eine deutsche Reichsrcgierung zu einem entscheidenderen und vernichtenderen Schlag gegen die Freiheit der deutschen Forscher- und Künstlerwelt ausgcholt, als jetzt durch den tief in die Entwicklung des deutschen Geisteslebens eingreifende« die Gewissensfreiheit der Lehrer und der Schüler bedrohenden Gesetzesentwurf zur konfessionellen Knebelung der deutschen Schule, der Volksschule sowohl, wie der höheren Schule. Ge>- krönt wird das ganze Gebäude des rückschrittlichen, nur dem Geist der kirchlichen Bevormundung der Schule dienenden .Gesetzes durch den immer unoerhüllter hervortretenden Willen des ultramontanen Geistes in Deutschland, die staatliche Oberhoheit des Reiches über die deutsche Schule und Kirche einseitigen Rechtsverträgen, sog .Konkordaten mit der, römischen Kurie, unterzuordnen. Und das geschieht innerhalb des deutschen Reichstags und auf Antrag einer deutschen Reichsregierung, die beide berufen worden find, die Grundgesetze des neuen deutschen Bolks- staates zu schützen, Grundgesetze, in denen die Einheitlichkeit und Konfessionslosigkeit der deutschen Schule (Artikel 146 Abs. 1 der Reichsversassung) und die volle Trennung von Staat und Kirche feierlichst gewährleistet wird. Es ist nicht zweifelhaft, daß diese von einseitig kirchlichen Interessen inspirierte Gesetzgebung durch die wichtigste Grundgedanken der Waimarer Perfassung in ihr Gegenteil verkehrt werden, aufs neue die jammervolle soziale und religiöse Spaltung unseres Volkes vertiefen wird und ihre Ueberbrückung auf immer unmöglich zu machen droht. Deshalb erheben wir in dieser Stunde schwerster Gefahr pfiichtmäßig schärfsten Einspruch gegen die oben gekennzeichnete Gesetzgebung. Anatol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 581 (Nachdruck verboten.) ^Dhne ein Wort zu sagen, erschien der Jüngling wieder, ihn aufzuheben. Aber er fand ihn nicht. „Wo suchen Sie ihn denn," fragte Herr Büttichmeier, „wohl vor dem Bett? — Er ist nach hinten gefallen." „Dann will ich gleich einen anderen aus dem Büfett holeir." „Unter keinen Umständen. Ich will denselben Löffel wiederhaben, an den ich gewöhnt bin; mit einem anderen kann ich nicht essen." „Der könnte doch staubig geworden sein!" „Dann spülen Sie ihn aus der Karaffe über der Waschschüssel ab." Um unter die niedere Lagerstatt bis an die jenseitige Wand zu gelangen, mußte Anatol sich platt wie eine Flunder machen. Was war aus der gefeierten Miß Arabella geworden! Endlich befand sich der Gequälte wieder im Bett und stellte sich auf verschiedene Redereien des anderen fest schlafend. Bald schlief er auch wirklich, aber mit einemmal ging ihm der Atem aus, es lag wie ein Alpdruck auf seiner Brust, und vergebens kämpfte er gegen eine Ueberlast an, bis er sich soweit ermuntert hatte, die Arme freizubringen und um sich zu greifen. Auf seinem Deckbett saß Herr Büttichmeier. „Wollen Sie nicht so freundlich sein und sich schlafen legen, Herr Doktor, Sie ersticken mich." „Pst, pst — machen Sie kein Geräusch," zischelte der Racht- wandler, „damit er uns nicht hört." „Wer denn?" fragte Anatol, bemüht, sich unter dem auf ihm ruhenden Gewicht des fetten Körpers hervorzuwälzen. „Der Pariser Verletzer. Sehen Sie nicht die Gestalt ohne Kopf? Jetzt schleicht er in den Salon, den Kopf hält er fest unter dem linken Arm. Was will er denn nur im Salon, da liegen ja die Manuskripte gar nicht." „Er wird sie wohl schon haben," meinte Anatol, „und wird mit chnen fliehen wollen. Sehen Sie? Er geht zur Border- tür hinaus." Gemeinden und Reichsflagge. Das preußische Berwaltungsblatt bringt die Begründung des Urteils, mit dem das preußische Obcroerwaltungsgericht am 20. Mai die Klage des preußischen Innenministeriums gegen den Magistrat von Potsdam wegen der Beflaggung des Potsdamer Rathauses entschieden hat. Die Begründung gelangt zu folgendem Schlußergebnis: „Für Reichsgebäude ist es notwendig, den hoheitlichen Charakter von Neichseinrichtungen durch Hissen der Reichsflagge äußerlich zu dokumentieren und bei allen gegebenen Anlässen sich dieser Flagge zu bedienen. Für die Gemeinden aber scheiden solche Gründe völlig aus. Wenn eine Gemeinde die Reichsflagge setzt, so mag das geschehen, um die Zugehörigkeit zum »Reiche, die Achtung vor dem Reiche oder die Teilnahme an den das gesamte Volk bewegenden Ereignissen äußerlich zu bekunden und dergleichen mehr. Mit rechtlichen Gesichtspunkten hat das nichts zu tun. Es gehört nicht zur ordnungsmäßigen Verwaltung der Gemeinde als einer öffentlich-rechtlichen Pflicht. Solche Flaggen anzuschaffen und zu hiffen besteht keine gesetzliche Verpflichtung." Erzieherische Portoerhöhung. Sparvorschiäge des Großhandels. Die Erhöhung der Postgebühren, die nunmehr bald Tatsache wird, beginnt bereits Wirkungen zu zeitigen, die in der allgemein verfolgten Richtung der Rationalisierung liegen, zu denen es aber ohne einen gewissen Druck schwerlich so bald gekommen wärcs. Man fängt nämlich an, in Wirtschaftskreisen jetzt Ueberlegungen darüber anzustellen, auf welche Weise im einzelnen Betrieb sich vor allem der postalischer Verkehr mit dem Kunden rationeller, d. h. einfacher und billiger gestalten läßt. Interessant sind in dieser Hinsicht folgende Vorschläge, die vom Reichsverband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels jetzt gemacht werden. Diese beziehen sich auf folgende Punkte: Einheitliche Versendung der Fakturen mit den Warensendungen, z. B. Frachtgüter, Kisten, Ballen, Pakete, Päckchen. Auf einer besonderen Aviskarte (Drucksachen-Postkarte), die mit lausendem Nummernstempel zu versehen ist (Muster ist ausgearbeitet worden), wird dem Kunden am gleichen Tage mitgeteilt, daß die Sendung mit einliegender Rechnung an ihn abgegangen ist. Von der Versendung von besonderen bisher üblichen Lieferscheinen soll Abstand genommen und an deren Stelle gleich Rechnung erteilt werden, die den Warensendungen beizufügen ist. Die Mitglieder sämtlicher Verbände sollen auf Empfangsbestätigung bei allen Zahlungsüberweisungen verzichten. In verstärktem Matze ist von der Drucksachen-Versendung Gebrach zu machen unter Berücksichtigung der Tatsache, daß eine Unterscheidung zwischen Teil- und Bolldrucksache künftig nicht mehr stattsindet. Bei allen Drucksachen ist erlaubt, handschriftlich, mit der Schreibmaschine, mit Stempel, im Druck- oder Pausverfahren folgende Aenderungen vorzunehmen: Eine innere mit den äußeren übereinstimmende Aufschrift anzugeben, sowie in gleicher Weise, Absendungstag, Firma, Namen, Stand und Wohnung nebst Wohnung des Absenders, seine Fernsprechnummer, die Telegrammanschrift und den Telegrammschlüssel sowie sein Postscheck- und Bank-Konto und sonstige geschäftliche Merk- und Kennworte nachzutragen oder zu ändern, offensichtliche Druckfehler zu berichtigen. Stellen des Druckes zu streichen, Worte oder Teile des Druckes durch Anstriche hervorzuheben und zu unterstreichen, Ziffern an offen gelassenen Stellen des gedruckten Wortlautes nachzutragen, Ziffern zu ändern, sonstige Aendemngen im Wortlaut sowie Nachtragungen an beliebiger Stelle vorzunehmen. Diese Aenderungen und Nachtragungen dürfen jedoch zusammengezählt nicht mehr als fünf Worte usw. umfassen und müssen in leicht erkennbarem sachlichen Zusammenhang mit der gedruckten Mitteilung stehen. Durch die Aendemngen und Zusätze dürfen keine Mitteilungen in verabredeter Sprache entstehen. Die Ueberweisung von Postscheckkonto aus das Bankkonto kann dadurch beschleunigt und verbilligt werden, daß der Bank ein Postbarscheck überwiesen wird, der bereits am nächsten Tage dem Bankkonto gutgebracht wird. Die gleiche Ueberweisung bei Zahlungsanweisung durch das Postscheckamt bringt eine Verzögerung von etwa drei Tagen mit sich. Beim Abheben größerer Beträge von Posffcheckguthaben durch solche Firmen, die über ein Reichsbank-Girokonto verfügen, werden durch Entnahme eines Reichsbankschecks, der bei der Reichsbank sofort gutgebracht bezw. ausgezahlt wird, bei regelmäßigem Verkehr nicht unerhebliche Ersparnisse an Postscheckauszahlungsgebühren erzielt (Gebühr ein Zehntel pro Mille statt ein pro Mille). Darüber hinaus sind Maßnahmen zur Verbilligung des durch die Erhöhung der Postschcckgebühren verteuerten Zahlungsverkehrs und des Paketverkehrs sowie zur weitestgehenden Verwendung von Drucksachen vom Reichsverband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels eingeleitet. „Bewahre," widerjetzte sich Herr Büttichmeier, „wo hallen Sie denn Ihre Augen, hinter dem Glasschrank steckt er, ich höre ihn doch hüsteln." „Das war nur das Echo. Er ist fort. Sie können sich ruhig wieder zu Bett begeben." „Und mein Honorar?" „Das schickt er." Nachdem noch eine Schar der ärgsten seelischen Gegen- füßler, Mäuse, Katzen, Hunde, lustig die Tanzpfote schwingend, paarweffe an dem Nachtwandler vorübergeschwebt, hin zum Kamin im Salon, in dem sie quiekend, miauend, bellend verschwanden — wahrscheinlich, um durch den Schornstein den Nachhauseweg anzutreten — legte er sich endlich abermals nieder. Nach kurzer Pause tönte es jedoch schon wieder in großer Angst: „Rillchen, Rillchen, kommen Sie schnell her, schnell, schnell!" Gewöhnt, in dieser lärmenden Nachbarschaft überhaupt nur mit einem Auge zu schlafen, war Anatol i« weniger als einer Sekunde am Platze. In meinem Bett muh ein Hirschkäfer oder ein Krebs sei». Ich bin in Schweiß gebadet, ich bebe am ganzen Leib!" Anatol entzündet die Kerze, und nachdem Herr Büttichmeier aus den Federn herausgeklettert war, untersuchte er alles genau. Plötzlich tat er, als ob er etwas gefunden, ein Fenster aufreißend, warf er die „wehrlose Beute" in rücksichtsloser Grausamkeit hinaus in die eisige Schneenacht. Der kluge Jüngling hatte bald bewert, daß es nicht gut ist, Gespensterseber mit Abstreiten kurieren zu wollen. Lieber rechtgellen, das schafft auch gleich Ruhe für den Augenblick „Was war es denn für ein Tier?" fragte heiser vor Aufregung Herr Büttichmeier. „Ein Regenwurm," lautete die trockene Antwort. „Ein Regenwurm" — der alte Herr tupfte sich den Schweiß von der Stirn — „drum roch es hier auch jo aufdringlich nach Erde. Doktor Bernhard soll morgen gleich Insektenpulver streuen lasten." „Wir können auch Schlingen legen oder Netze stellen," meinte Anatol; „das Mittel halte ich noch für radikaler." „Gewiß, gewiß. Sie sind ein intelligenter Kost, dis Jdss Baden. ~ Gegen den elsäffische« Seitenkanal. Lörrach, 31. Juli. Die am Donnerstag stattgefunöene Sitzung des Bürgerausschuffes von Lörrach nahm einstimmig den Vorschlag des Stadlverorönetenausschuffes an, an die badische Regierung zur Weitergabe an die Reichsregierung wegen des von Frankreich geplanten eisäffischen Seitenkanals eine Eingabe zu richten. Die Regierung wird darin gebeten, alles zu tun, um, nachdem die Errichtung des Kraftwerkes Kembs vom französischen Parlament beschloffen. den Bau des Kanals zu verhindern, der für ganz Oberbaden die schwersten Schädigungen zur Folge hätte infolge der Senkung des Grundwafferspiegels. Sämtliche badischen Gemeinden von Kehl bis Lörrach beabsichtigen ebenfalls, eine derartige Eingabe der Regierung zu übermitteln. Aus Nah und Fern. )( Sinsheim, 1. August. (Dienstjubiläum.) Am heutigen Tage find es 25 Jahre, seit Herr Oberverwaltungsinspektor Werrer beim hiesigen Bezirksamt in seinen Beruf eingetreten ist. Eine erhebliche Anzahl der Jahre seiner Tätigkeit als Verwaltungs- bcamter entfallen auf das Bezirksamt selbst. Aus diesem Anlaß veranstalteten die Beamten desselben heute früh eine kleine Feier, bei der Herr Regierungsrat Gott namens des Bezirksamtes dem Iubilaren die herzlichsten Glückwünsche und den Dank für seine unermüdliche Arbeit und Pflichttreue aussprach, mit der er im Laufe der Jahre sein Amt verwaltet hat. Die übrigen Beamten des Bezirksamts schlossen sich den Glückwünschen und Wünschen für sein ferneres Wohlergehen an. Auch in Kreisen der Einwohnerschaft in Stadt und Bezirk erfreut lich Herr Berwaltungsinspcktor Werrer großer Beliebtheit und großen Ansehens, wo man diese Ehrung mit Freude und Genugtuung vernehmen wird. * Sinsheim, 1. August. (Turnverein.) Der Spielplatz des Turnvereins oberhalb des Schwimmbads ist nun fertiggestellt. Nach Einbau der Entwässerungsanlage ist derselbe mit einem geschmackvollen Naturzaun umgeben worden, an dessen Eingang zwei Wimpelträger und ein geräumiges Blockhaus stehen. Sie sind nach dem stilvollen Entwurf von Herrn Architekt Lohofs ausgeführt worden, der sich um die Errichtung des Platzes in anerkennender Weise bemüht hat. Auch die aus verzinktem Gitterwerk verfertigten beiden Tore machen einen schmucke« Eindruck und vervollständigen den schönen Gesamteindruck, den die ganze Anlage auf den Beschauer macht. In den nächsten Tagen sollen unverzinsliche Anteilscheine zur Deckung des Kostenaufwands gezeichnet werden, hoffentlich mit vollem Erfolg. * Sinsheim, 1. August. (Von der Jagd.) Nach Paragraph 36 des neuen Jagdgesetzes geht die Jagd auf Rebhühner, Fasanen usw. erst am 1. September auf. cf Sinsheim, 1. Aug. (Kuriosität.) Eine Gluckhenne des Landwirts B. Besserer hier hat ein Kücken ausgebrütet, das 4 Füße hat. Mit 2 Füßen springt es umher, die andern beiden stehen rückwärts. “W Sinsheim, 1. August. (Der Stand der Bauarbeiten am neuen Deutschlandsender.) Die Masten und Gebünde für den neuen Deutschlandsender bei Zeesen sind fertiggestellt. Der Einbau der technischen Sendeeinrichtung und die Ausstellung der Maschinen- und Schaltanlagen sind im Gange. Es bleibt nur noch die Erdungsanlage herzustellen, sodaß der Bau seines baldigen Vollendung entgegengeht. W Sinsheim, 1. August. (Bis zum 15. August kein Strafporto.) Das Reichspoftministerium teilt mit: Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Erhöhung der Postgebühren mit dem 1. August eintritt, mit Ausnahme der neuen Paket- und Zeitungsgebühren, die erst vom 1. Oktober ab gelten. In der Zeit vom 1. bis einschließlich 15. August wird für Postsendungen die noch nach den alten Gebührensätzen freigemacht sind, nur der Unterschied zwischen den alten und den neuen Gebühren als Nachgebühr erhoben. Nach dem 15. August wird für unzureichend freigemachte Briefsendungen (Briefe, Postkarten, Drucksachen, Geschäftspapiere, Warenproben, Mischsendungen) das cin- einhalbfache des Fehlbetrags unter Aufrundung auf volle 5 Rcichspfennige, mendestens aber ein Betrag von 10 Reichspfennigen nacherhoben. * Sinsheim, 31. Juli. (Kann das Finanzamt ein Vermögensverzeichnis verlangen?) Diese, weite Kreise der Steuerpflichtigen interessierende Frage hat der Reichsfinanzhof in einem Urteile vom 22. April 1927 bejaht. Ein Steuerpflichtiger hatte dem Finanzamt die Berechtigung, eine Erläuterung darüber zu verlangen, wie sich sein Kapitalvermögen — der Pflichtige hatte es nur in einer Gesamtsumme angegeben — im einzelnen zusammensetze, bestritten und diese Verfügung des Finanzamts unter Berufung auf Paragraph 172, 173 A.O. im Beschwerdeverfahren ist ausgezeichnet, man muß sie für die Landwirtschaft ver- werten. Ich werde in meinem nächsten Werke — O, dieje Schmerzen," unterbrach sich der Sprecher jammernd, „ich habe vor Schreck meinen Rheumatismus wiederbekommen. In dem Wandschrank steht noch Maiwuchs, bitte reiben Sie mich so lange damit ein, bis der ganze Körper brennt." Nach dreiviertelstündiger, angestrengter Arbeit, bei welcher Anatol die Kälte im Zimmer nicht genug preisen konnte, denn nicht nur der Geriebene, sondern auch der Reibende glühte wie ein Backofen — konnte er sich wieder zur Ruhe begeben. Lange indessen hatte sein Schlaf noch nicht gedauert, so winselte Herr Büttichmeier schon wieder nach einem Glas Limonade, die Zunge brenne in seinem Munde wie ein Stück Borke, das im Feuer liege. Und fo sprang Anatol hin und her, zum Bett hinaus, zum Bett hinein — eine Nacht wie alle Nächte, braute kalte und warme Ge/ränke, rieb ein. beschwor Geister, machte Kompressen, jagte Würmer, Katzen, Hunde und Mäusegespenster. massierte, schrieb fast unbekleidet mit fliegender Hand^ „damit der geniale Gedankenblitz nicht verloren gehe," ein Diktat nieder zu dem neuesten Werke: „Die musca dome- stica (Stubenfliege) und ihre Neigung zur Antike" — und leistete tausend andere, sonst nicht in das Fach eines Gesellschafters fallende Nachtdienste. So ging es fort, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat, und wehe, dreimal wehe, wenn der Polyp länger als die zugesagte Frist zum Auswachsen sich gestellt. Trau einer solchen Gewächsen! Anatol war ja gewiß der letzte, der um seiner selbst willen einem anderen den Tod wünschte, aber wenn der Moment eintrat, in welchem der liebe Gott Herrn Büttichmeier lieber hatte als er, so mußte er eben nach Fassung ringen und ihn ziehen lasten in jenes Land, von wo er niemals nieder zu ihm zurückkehren konnte. — Dreiunddreißigstes Kapitel. Obgleich das Gefecht, das am 17. November des Jahres 1870 in der Nähe des französischen Städtchens Dreux statt- gesunden hatte, schon seit Stunden beendet war, lagerte über Nr. 138. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Montag, den 1. August 1927. angefochten. Der Reichsfinanzhof hat die Rechtsbeschwerde als unbegründet zurückgewiesen, indem er u. a. ausführte, daß das Finanzamt, da es gegen die Richtigkeit der eingereichten Ber- mögenssteuererklärung Bedenken erhob, zu seinem Verlangen sehr wohl berechtigt war und zwar auch dann, wenn der Pslich- , tige, wie er in seiner Beschwerde ausführte, schon bei einer früheren Veranlagung einmal ein Vermögensoerzeichnis eingereicht hatte, denn die Verhältnisse konnten sich seitdem wesentlich geändert haben. Rach Paragraph 205, Abs. 2 A.O. ist in den Fällen, in denen eine Auskunft von dem Pflichtigen verlangt werden muß, in erster Linie eine schriftliche Erklärung zu fordern; nur, wenn dies nicht zweckmäßig erscheint oder keines Erfolg hat, soll das Finanzamt den Steuerpflichtigen vorladen. Das Verlangen, ein Vermögensoerzeichnis einzureichen, stellt sich als eine Aufforderung zu einer schriftlichen Erklärung im Sinne des Pargaraphen 205, Abs. 2 dar und entspricht daher dem Gesetze. 8 Sinsheim, 29. Juli. (Wann darf die Polizei das abendliche Musizieren verbieten? Ein Mieter, der in einem Berliner Vorort ein Haus bewohnte, in dem ein Eafe betrieben wurde, das 'Konzerte, insbesondere mit Jazzmusik, zu veranstalten pflegte, die bis Mitternacht währten, fühlte sich dadurch in seiner Nachtruhe beeinträchtigt, und beschwerte sich deshalb beim Polizeipräsidenten, der daraufhin dem Inhaber des Cafes aufgab, nach 11 Uhr abends keine Musik mehr zu veranstalten. Gegen diese Verfügung klagte der Cafebesitzer beim Oberverwaltungsgericht, das jedoch die Klage abwies, indem es u. a. ausführte. daß die Polizei zu ihrer Verfügung durchaus berechtigt sei, wenn durch die Störung der Nachtruhe die Gesundheit auch nur eines einzigen Mieters gefährdet werde. Und diese Voraussetzung war im vorliegenden Falle als gegeben anzusehen. Die Gefahr der Gesundheitsstörung sei in der fortgesetzten Störung der Nachtruhe zu erblicken. Die Bürger einer Großstadt haben bereits nach 10 Uhr abends Anspruch auf ungestörte Nachtruhe. Hierbei sei es unerheblich, ob der betreffende Mieter beim Einzug in seine Wohnung mit einer Störung seiner Nachtruhe durch Musik habe rechnen müssen. * Sinsheim, 31. Juli. (Bemessung der Unterstützungsdauer in der Erwerbslosenfürsorge.) Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in. den letzten Monaten hat das Reichsarbeitsministeriuni veranlaßt, §ie Bestimmungen über die Bemessung der Höchstdauer in der Erwerbslosenfürsorge nachzuprüfen. Hierbei hat sich ergeben, daß der Arbeitsmarkt sich für den Bergbau und das Reinigungsgewerbe so ungünstig entwickelt hat, daß die Höchstdauer auf das regelmäßige Maß von 26 Wochen zurückgelführt werden mußte. Der Reichsminister hat sich hierbei Vorbehalten, für einzelne Berufsarten und Bezirke, die von einer langfristigen Arbeitslosigkeit besonders hart betroffen werden, eine längere Bezugsdauer zuzulassen. Weiter hatte sich der Arbeitsmarkt für die Gärtnerei in letzter Zeit erheblich verschlechtert, auch in einigen örtlich beschränkten Berufsarten des Spinnstoffgewerbes sind die Beschäftigungsmöglichkeiten ungünstig. Dieser Entwicklung ist dadurch Rechnung getragen, daß die Bezugsdauer in diesem Gewerbe wieder auf 39 Wochen verlängert worden ist. Wie bisher, hat in allen Fällen zur Vermeidung von Härten die örtliche Stelle die Fürsorge um 13 Wochen verlängert. * Sinsheim, 31. Juli. (Ordnung und Sauberkeit in den Eisenbahnzügen.) Die Reichsbahndirektionen haben sich vor einiger Zeit durch die Tageszeitungen an die Oeffentlichkeit gewendet, sie möge die Reichsbahn in ihrem Bestreben, die Personenwagen im Interesse der Reisenden sauber zu halten, unterstützen. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben. Die Personenwagen sind im allgemeinen nicht mehr so beschmutzt wie früher. Leider gibt es aber immer noch Reisende, die nicht genügend auf Ordnung und Reinlichkeit in den Zügen halten. Durch achtloses Wegwerfen von Papier, Speiseresten aller Art, Obstschalen, Zigaretten- und Zigarrenresten, leeren Schachteln und nicht zuletzt durch Ausspucken auf den Wagenboden wird mitfahrenden und besonders später zugehenden Fahrgästen das Reisen in derart verunreinigten Wagenabteilungen zur Qual gemacht. Jedermann sollte sich darüber klar sein, daß die Personenbeförderung und dem oft länger dauernden Aufenthalt von Personen dienenden Eisenbahnwagen keine Ablagerungsstätten für Abfälle aller Art sind. Wenn das Publikum ein wenig Selbstdisziplin ausüben wollte, könnte manches besser und dem Bahnpersonal viel Arbeit erspart bleiben. — Ncckarbischofstzeim, 31. Juli. (Die Kreishaushaltungsschule) eröffnet am 17. Oktober ihren 77 .Kurs. Anmeldungen find bis zum 15. September beim Kreisrat Heidelberg oder Bürgermeisteramt Neckarbischofsheim einzugeben. Die anzumeldenden Mädchen müssen über 16 Jahre alt sein. Z. Neidenstein, 1. Aug. (Krastpostoerkehr.) Nachdem die Schwarzbachbrücke in Neidenstein wieder für den Verkehr frei gegeben ist, wird die Kraftpost Sinsheim—Reichartshausen von Dienstag, den 2• August ab die fahrplanmäßigen Fahrten aufnehmen. % Eppingen, 31. Juli. (Turn- und Spielfest der Realschule.) Wie alljährlich vor Beginn der großen Ferien, veranstaltete auch am gestrigen Tage die Realschule ihr diesjähriges Turn- und Spielfest. Um 8 Uhr marschierten die Schüler und Schülerinnen in Begleitung ihrer Herren Lehrer zu den städt. Sportplätzen bei der Billa Waldeck. Gemeinsame Freiübungen er- öffneten dort die sportliche Veranstaltung, die dank des guten Wetters einen sehr schönen Verlauf nahm. > x Aus dem Amtsbezirk, 31. Juli. (Keine Getreideähren abreißen.) Ueber Land gehende Spaziergänger haben oft die Gewohnheit, ohne sich etwas dabei zu denken, da und dort Getreidcst ähren abzureißen oder abzuriffeln. Besonders Kinder finden Gefallen hieran. Zur Warnung sei darauf hingewiesen, daß vom Schöffengericht Leisnig ein Herr zu 10 Mark Strafe verurteilt wurde, weil er in übermütiger Weise einige Haserähren abgv- riffelt hatte. t Oestringen, 31. Juli. (Ausgrabung.) Auf Oestringer Gemarkung befinden sich die Ueberreste einer alten, kleinen Kirche, genannt Ulrichskirche. Bis vor kurzem ,nur Noch erkennbar« und auffindbar durch einen Mauerrest und ein großes Gesträuch, das auf dieser alt-ehrwürdigen Stätte gewachsen war. In letzter Zeit ging man daran, das alte Mauerwerk frei zu legen, Schutt und Gesträuch zu entfernen. Etwa einundeinhalb Meter tiefer Schutt ist wegzuräumen, bis man auf den Fußboden der alten Kirche kommt. An 2 Stellen ist der Fußboden bereits freigelegt! Derselbe war mit gebrannten Ziegelplatten belegt. Irgendwelche Funde sind bis jetzt nicht gemacht worden. Mögen nach der Ernte die Ausgrabungsarbeiten ihren Fortgang nehmenf Wie mit allen ähnlichen Orten, so sind auch mit dem Namen Ulrichskirche einige Sagen verknüpft. Die richtigste ist natürlich die von einem verborgenen Schatz, auch von einem unteis- irdischen Gang wird berichtet, doch gehören diese Dinge eben ins Reich der Fabel. Geschichtlich wird wohl sein, daß bei der Ulrichskirche eine kleine Gemeinde bestand, die aber in den Wirren des dreißigjährigen Krieges oder durch Seuchen, wie Cholera, Pest etc. ausgestorben ist. Anlage und Platz, wo die Ulrichskirche stand, lassen aus einen daselbst benutzten Gottesacker schließen. Nicht weit von der alten Ulrichskirche sind die Die Hindenburgspende. Mit zu dem wertvollsten Gut unseres Sprachschatzes zählt das Wortpaar — Verantwortungsgefühl und Pflichterfüllung. Der unbedingte Respekt vor ihm wurzelt tief in uns allen. Ist der schon hoch zu preisen, aus dessen Leben diese beiden Worte im Kleinen zutreffen, um wieviel höher der, dem sie Leitsterne gewesen sind und noch sind für ein Leben, das durch entscheidende Schicksalsstunden in den Dienst eines Volkes gestellt wurde! In diesem Sinne wird der Name Hindenburg für alle Zeiten jedem Deutschen unvergessen bleiben. Arno Holz. Am Scherenfernrohr. Berlin. 15. Juli 1927. von Hindenburg. ln, HMimiminminnniininiiimm.mnm.iiJ viel genannten und weit bekannten 3 Kreuzsteine, die als Abzeichen ein Schwert oder großes Messer, einen Schuh und eine Schere tragen. Daher die Sage von einem Schuster, Metzger. Schneider, die dort begraben sein sollen. Wahrheit und Sage konnten bis heute noch nicht von einander unterschieden werden. Vielleicht bringt wenigstens bei der Ulrichskirche ein Fund Licht in dieses Dunkel. — Wiesloch, 31. Juli. (Vom Tode des Ertrinkens errettet.) Am Donnerstag Mittag fiel das 2V2 jährige Söhnchen des Pflegers Herzog in die Leimbach. Das Kind hatte schon das Bewußtsein verloren, als der Kipser Gerold von Altwies- loch durch Zufall an der Stelle vorüber kam, und durch ein Plätschern aufmerksam gemacht wurde. Er konnte auch durch schnelles Hineinspringen das Kind retten, das schon blau war!. Es gelang, das Kind ins Leben zurückzurufen. X Wiesloch, 31. Juli. (Realschui-Iubiläum.) Zur Feier des 50-jährigen Bestehens der hiesigen Realschule war eine sehr große Zahl von Festteilnehmern aus Baden sowohl wie auch bei uns den Nachbarländern hierhergekommen. Das Ministerium des Kultus und Unterrichts hatte Oderregierungsrat Thoma mit seiner Vertretung beauftragt. Festgottesdienste beider Konfessionen leiteten die Feierlichkeiten ein. Ein Begrüßungsabend vereinte eine große Festversammlung, die Bürgermeister Dr. Gröppler begrüßte. Für die Schule sprach Direktor Dr. Waldheer herzlichen Willkommgruß. Weitere Reden, vielfach, humoristischer Art folgten, dazwischen erklangen frohe Lieder. Der Hauptfesttag, Freitag, begann mit einer Gedenkfeier für die gefallenen ehemaligen Lehrer und Schüler. Prof. Dr. Raupp hielt die Gedenkrede und im Anschluß daran nahm Bürgermeister Dr. Gröppler das Wort zur Uebergabe einer Gedenktafel, die im Vorflur des Schaulhaujes angebracht ist. Ein Musikstück beendete die ernste Feier. Es folgte ein Festakt in der dichtgefüllten Turnhalle, bei der Prof. Grimmig die Festrede hielt. Im weiteren Verlaufe des Festakts überbrachte dann Landrat Naumann die Grüße der Behörden uyd nachdem der Bürgermeister der Stadt Wiesloch ebenfalls der Realschule Glückwünsche ausgesprochen hatte, dankte Direktor Dr. Waldherr. Schülerchöre und Orchestermusik umrahmten den Festakt. Im weiteren Verlaufe der Iubiläumsfeier- lichkeiten wurde ein Kommers abgehalten und ein Ausflug unternommen. + Bammental, 31. Juli. (Ein Unfall.) Am Mittwoch wurde von der Firma Schindewolf Möuchzell am hiesigen Güterbahnhof mit seinem Lastkraftwagen Schottersteine verladen. Der Beifahrer Kilian Laschinger von dort wollte bei der Ausfahrt auf das Trittbrett springen, rutschte jedoch ab und kam beim Rückwärtsfahren unter das Vorderrad des Lastkraftwagens. Hierbei zog er sich am Fuß und Bein erhebliche Hautabschürfungen und Quetschungen zu. Er wurde nach Heidelberg ins Krankenhaus verbracht. -ft Aus dem Odenwald, 31. Juli. (Eine Anzeigenblllte.) In einer Zeitung des badischen Odenwaldes findjt sich folgende Versteigerungsanzeige : „Versteigerung. Die aus Freitag, den 29. ds. Mts. anbraumte Versteigerung des verstorbenen Valentin G. von Q. . - findet nicht statt. B., Bgstr. Gott sei dank, daß der arme Valentin seine Ruhe hat und nicht versteigert wird, denn sonst wären sicher viele Menschen tiefsinnig geworden, wenn sie erfahren hätten, wozu der verstorbene Valentin vom Steigerer verwendet worden wäre. — Mingolsheim, 31. Juli. (Von der Bergstraße.) Die Bergstraße zwischen Mingolsheim und Wiesloch wird auf eine Entfernung von 7,5 Kilometer umgebaut. Die Fahrbahn erhält eine 6 Zentimeter dicke Asphaltschicht, um das rasche Entstehen von Schlaglöchern zu verhüten. — Mannheim, 31. Juli. (Eine Unglücksnacht.) In der vergangenen Nacht wurden auf der Seckenheimer Landstraße zwischen Seckenheim und der Feudenheimer Fähre zwei Arbeiter überfahren. Der erste Unglücksfall ereignete sich gegen 10 Uhr. Der Slosser Mathäus Schmitz aus Seckenheim, Vater von acht Kindern, wurde von einem unbekannten Auto überfahren und erlitt schwere Verletzungen. Gegen 1 Uhr wurde Seckenheim durch eine zweite Nachricht alarmiert. Der in Seckenheim wohnhafte 23 jährige Josef Diemer war schwerverletzt aufge- funden worden, wahrscheinlich auch das Opfer eines Autos. Die inneren Verletzungen waren so stark, daß Diemer, der an der Unglücksstelle noch bei schwachem Bewußtsein war, schon tot ins Mannheimer Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Untersuchung ist eingeleitet. — Mannheim, 31. Juli. (Streik bei den Benz-Werken.) Wie die „Arbeiter-Zeitung" meldet, haben die Arbeiter einzelner Abteilungen der Firme Daimler-Benz bereits seit längerer Zeit Lohnforderungen eingereicht. Nachdem jedoch alle bisherige Berhandlunden in dieser Beziehung gescheitert warn, haben gestern die Arbeiter der Abteilung Lackicrerei mit 160 gegen eine Stimme bei zwei Enthaltungen den Streik beschlossen und sind heute morgen geschlossen dem Werk ferngeblieben. Die Lohnforderungen belaufen sich auf 20 Prozent. Wie das Blatt meldet, soll die Direktion zu Verhandlungen mit den Streikenden bereit sein. 1 Pforzheim, 31. Juli. (Zwei Kinder beim Spielen verunglückt.) Heute Abend 5 Uhr wurden die beiden Kinder des Friseurs Wieland in der Zähringer Allee beim Spielen auf einem Bretterstapel von den zusammenstürzenden Balken begraben. Der 4 Jahre alte Junge war sofort tot, während das achtjährige Schwesterchen mit schweren Verletzungen dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. Als der Vater die Nachricht von dem schweren Schlag erhielt, erlitt er einen schweren Nervenschock, sodaß er gleichfalls ins Krankenhaus gebracht werden mußte. ** Heidelberg, 31. Juli. jFortfetzung der Voranfchlags- beratung.l Im Verlauf der Verhandlungen des Bürgerausschusses teilte der Oberbürgermeister mit, es sei als sicher anzunehmen, daß das neue Forschungsinstitut für innere Medizin, zu dem bekanntlich das Reich einen großen Zuschuß gibt, nach Heidelberg kommt. Der Oberbürgermeister betonte, daß die Konkurrenz groß gewesen sei, denn viele Städte hatten sich darum bemüht und große Zugeständnisse gemacht. Deshalb hätte auch Heidelberg und Baden Entgegenkommen zeigen müssen, um die Errichtung in Heidelberg zu erreichen. (Als künftiger Leiter dieses Instituts wird Geh. Rat Krehl in Heidelberg genannt.) Ferner kündigte der Oberbürgermeister an, daß der kommende unbedingt notwendige Ausbau der klinischen Anstalten in Heidelberg auch der Stadt große Aufwendungen bringen werde. Die Verhandlungen darüber seien noch im Gang, aber sicher sei schon, daß sich Heidelberg auf erhebliche Opfxr für feine Hochschule gefaßt machen müßte. Die Vertreter der Fraktionen wünschten im wesentlichen allergrößte Sparsamkeit, damit die Bevölkerung vor neuen Ueberraschuugcn geschützt. — Tie Sprecher der Fraktionen richteten ihre Kritik hauptsächlich gegen die vielfache und unmöglich hohe Besteue- ver weiten, leichenbedeckten Flur noch immer der widerliche Geruch des verschossenen Pulvers, schauerlich gemahnend an den blutigen Schrecken, der hier gewandelt und seine verheerende Wirkung an Tausenden von unschuldigen Opfern erprobt. Aechzende Laute tönten aus einem Gebüsch, in welches schwer verwundete» tapfere Krieger beider Nationen sich geschleppt, um hier die Krankenträger abzuwarten oder, wenn es für sie keine Hilfe mehr gab, wenigstens in Frieden zu sterben. Ein zierliches, kleines, hellgelbes Windspiel kommt über die schweigende Ebene dahergerannt, in wilden Sprüngen hinwegsetzend über Leichen und Lachen mit Blut dann und wann bleibt das Hündchen'stehen, beschnuppert lange und prüfend einzelne der Toten, um dann bitter enttäuscht in heulendes Klagen auszudrechen. Die sonst so sanft blickenden Augen in Angst und Schmerz weit aufgerissen, irrt das Windspiel, unstet um sich schauend, weiter» jetzt ist es an dem Gebüsch angelangt, aus dem die ächzenden Laute kommen. Cerisette bleibt aushorchend stehen — ein lautes Freudengebell tönt aus ihrer Brust, und sie wirft sich über den Wiedergefundenen. drückt ihr Köpfchen an sein Gesicht und leckt seine Hände, die sie tausendmal liebkost haben, und die sich jetzt nicht mehr heben können, das süße Hündchen an sich zu pressen, denn sie sind von Kugeln durchbohrt. „Mein einziger Liebling, meine kleine Cerisette — du hast mich gefunden, so sterbe ich doch nicht ganz allein," ringt es sich schwer von den Lippen des jungen französischen Offiziers — dann aber verdrängt ein Ausdruck der Qual den freudigen Schimmer von den schmerzentstellten Zügen. Was sollte mit dem Hündchen werden — es würde feine Leiche nicht freiwillig verlassen; wenn es in die Hände roher Menschen fiel, das sensitive, an die zärtlichste Liebe und Sorgfalt gewöhnte Tierchen — ach — ach — dieser Gedanke erschwerte ihm den Todeskampf. Plötzlich teilte sich das Gebüsch, und ein junger Krankenträger, am Arm das rote Kreuz, kniet neben dem Sterbend-*» nieder, er nimmt seinen Kopf in den Arm und flößt ihm aus einer Korbflasche Wasser überdie vertrockneten Lippen. Der Sterbende rafft noch einmal seine Kraft zusammen, und flehend klingt seine verlöschende Stimme: „O, ich bitte Sie von ganzem Herzen — nehmen Sie meinen kleinen Hund, meine Cerisette." Der junge Krankenträger antwortete dem Verscheidenden in dessen Muttersprache so liebevoll tröstende Worte, daß dieser beruhigt lächelnd die Augen schloß. Eine Sekunde später hatte sein innerer, sein ewiger Mensch die Erde verlassen. In der Tür des Lazaretts, das in einem großen Schuppen sich befand, stand der preußische Hauptmann Möller im Gespräch mit einem Freunde aus der Heimat, einem Landwehroffizier, welcher eben erst einberusen worden, um das gefährdete Vaterland verteidigen zu helfen. „Ja, wir haben vortreffliche Jünglinge hier, aber wie der, ist keiner," konnte man chn eben sagen hören. „Mein Schwager. Besitzer einer Nervenklinik in Breslau, sandte ihn mir zu, über zwei Jahre hatte er Gelegenheit, seinen ausgezeichneten Charakter zu studieren. Er war Gesellschafter bei einem Insassen seiner Klinik, der vor seinem Ende drei Monate lang das Bett nicht mehr verlassen konnte. Niemand durfte zu ihm als der junge Tarnacki, an dem er unbeschreiblich hing; mit höchster Aufopferung seiner selbst. Tag und Nacht nicht vom Lager des Kranken weichend, wie ein treuer Sohn, verrichtete er gleichzeitig alle Krankendienfte ruf das gewissenhafteste bei dem anspruchsvollen, launischen Manne. Die ganze Anstalt war fest davon überzeugt, der Jüngling würde sein Haupterbe sein, da er so viel für den Verstorbenen getan und seine Gesundheit durch die unmäßigen Ueberanstrengungen und die Einatmung schädlicher Krankenluft schwer geschädigt; aber Gott bewahre, der alte Feigling.hatte, in dem kindischen Aberglauben, damit sein irdisches Eyde zu beschleunigen, gar kein Testament gemacht. Titz Hamen denn die Verwandten und strichen lächelnd und mühelos das große Erbe ein, und derjenige, dem allein es zugekommen wäre, ist leer ousgegangcn. Glücklicherweise 'hatte er sich in seiner selbstlosen Größe niemals spekulativen Hoffnungen hingegeben, so erlebte er keine Enttäuschung. Mein Schwaaer. welcher dem odlen Jüngling für sein treues Ausharren bis zum Ende zu großem Dank verpflichtet ist, wollte ihn nach dem Tode des Alten erst mehrere Wochen zu seiner Wiederherstellung ins Gebirge und dann zu meinem Schwiegervater in eine seiner würdigen Stellung senden, als der junge Tarnacki durch die Zeitungen erfuhr, daß auf den Schlachtfeldern immer noch Mangel an Samaritern sei. Da erfaßte ihn ein heiliges Feuer, ein stürmisches Begehre:,, feine Kraft in den Dienst der Menschenliebe zu stellen, und keinen Augenblick länger an sich, seine eigene ruinierte Gesundheit denkend, rüstete er sich noch selbigen Tages zum Aufbruch nach dem Kriegsschauplatz. Mein Schwager schickte ihn zu mir — Sie müssen den Brief einmal lesen, den er über ihn an mich geschrieben. Er übergab mir seine Ersparnisse, tausendvierhundert Taler, zur Aufbewahrung, davon hat der edle Jüngling während der zwei Monate seines Hierseins bereits fünfhundertfünfzig Taler für hilfsbedürftige Krieger wieder abgehoben. Freudig bezahlte er zwei und drei Taler für ein Glas Wein, um r' cn Entkrirfte^» vj erquicken. Die Dauern, zu denen wir ins Quartier kommen, treten uns größtenteils mit derselben niederträchtigen Kurzköpsigkeit entgegen, wie die meisten Menschen dem Gerichtsvollzieher, der doch auch nur als ein Geschickter gezwungen ist, bei ihnen zu erscheinen. Gehässig und unbarmherzig, auch gegenüber den armen, abgehetzten Kriegern lassen sie sich nur für königliche Bezahlung herbei, etwas Speise und Trank herauszugeben. Er aber springt freudig mit jeder Summe für di« Unbemittelten ein, dabei sich selbst mit dem Geringsten bescheidend. Bisweilen gibt er sogar das Stück Brot, in das er eben beißen will, noch einem Hungernden hin. Ich könnte nicht müde werden, von ihm zu erzählen; mitten in den Kugelregen wagt er sich furchtlos hinein und holt die Verwundeten, gleichviel, ob Freund, ob Feind, heraus. Man muß ihn selber kennen, diesen distinguierten, hochgewachsenen Jüngling mit dem klassischen Antlitz und dem leuchtenden Blick, um ihn ganz beurteilen und würdigen zu können. „Wenn mich mein Auge nicht täuscht, so ist er es, jene dunkle Gestalt, welche von dort drüben herüberkommt. Ich kenne ihn an seinen leichten, harmonischen Bewegungen. Nr. 138. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. rung des Gewerbes, aber auch gegen Inanspruchnahmen der städtischen Fürsorge durch Unberechtigte. Man wünscht eine strengere Kontrolle der Anträge und Einführung eines anderen Systems der Kontrolle. ** Heidelberg, 31. Juli. (Berufung.) Der Professor der Musikwissenschaft an der Universität Heidelberg, Hans Joachim Moser, hat einem Ruf als Professor der Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin, sowie als Professor der dortigen Universität erhalten und angenommen. Professor Moser wirkte seit 1928 in Heidelberg. ** Baden-Baden, 31. Juli. (40jähriges Dienstjubiläum.) Am Samstag konnte Oberlehrer Karl Seith auf eine 40jäh- rige Dienstzeit zurückblicken. Seit langen Jahren wirkt an der hiesigen Knabenschule mit vorbildlicher Pflichttreue. Seine Wirksamkeit fand innerhalb der vier Schulwände nicht seine Grenze. Große und bleibende Verdienste erwarb er sich auch in der Förderung des Gesangs. In Würdigung sei- nr unvergänglichen Verdienste ernannten ihn die Liedertafel „Aurelia", deren Dirigent er bis Juli 1927 war, der ^Frohsinn", die „Herzynia"^ der evangelische Kirchenchor und der Turnverein, deren Drrigent er viele Jahre gewesen, zum Ehrenmitglied. ** Billiuge«, 31. Juli. (Beitrag zur Fluglinie Konstanz- Wien.) Der Stadtrat hat beschlossen, zu der geplanten Fluglinie Konstanz—Wien mit Anschluß an die Schwarzwaldflug- linic einen Beitrag von 500 Mark zu geben. ** Freiburg; 31. Juli. Ueberfahren wurde in der Schützenallee ein zehnjähriges Mädchen von einem Möbelwagen, der dem bedauernenswerten Kind ein Bein abdrückte. Der Möbelwagen mußte mit Winden in die Höhe gehoben werden, um das Kind wieder zu befreien. ** Freibnrg, 81. Juli. Eingeäschert wurde in Buchhain bei Freiburg das Wirtschaftsgebäude und das Wohnhaus des Landwirts Wiboth. Die Löscharbeiten waren erschwert durch den Mangel an Wasser. Der Schaden ist sehr erheblich, denn außer dem Vieh konnte fast nichts gerettet werden. Große Heu- und Futtermittelvorräte wurden ein Opfer der Flammen. ** Staufen, 31. Juli. (Zunftfest.) Am 14. und 15. August hält Staufen ein Zunftfest ab, zu dem viele Tausende von Besuchern erwartet werden. In prächtigen Zunftstuben wird sich das ehrbare Handwerk beim züstigen Trünke ein Stelldichein geben, auf der Feßwiese wird das Jungvolk Gelegenheit zum fröhlichen Tanz haben. Im Mittelpunkt des Festes steht für den Sonntagnachmittag der große historische Festzug mit 28 Gruppen und annähernd 400 Mitwirkenöen, der als eine Huldigung für das Handwerk gedacht ist. Alte Zunftbräuche werden mit der Darstellung der verschiedenen Handwerksarten abwechseln, darunter der Jagdzug des Freiherrn von Saufen, der Faustwagen und die Huldigung der Zünfte vor dem großen Meister Sixt von Staufen, dem Schöpfer des Altars der Lochererkapelle im Freiburger Münster. Eiü vom heimischen Dichter Hermann Ays verfaßtes Festspiel (Sixt von Staufen» wird zur Aufführung kom- men. Bei Einbrechen der Dunkelheit wird die Hauptstraße Illuminiert werden und von den Zinnen der alten Ritterburg herab ent Feuerwerk das Fest krönen. Am Morgen des ersten Festtages wird ein Festgottesdienst zu Ehren der Schuhmacher- und Metzgerinnung stattfinöen. Beide Innungen begehen gleichzeitig das Fest des 100jährigen Fah- nenjubiläums. ** Mühlheim a. Bach, 31. Juli. Auf tragische Weise kam ein fleißiger hiesiger Bürger, der 89 Jahre alte Wilhelm Zeller, ums Leben. Allein zu Hause und oben in seiner Scheune beschäftigt, stürzte er aus beträchtlicher Höhe ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß rasch herbeieilenöe Nachbarn ihn tot vom Platz traaen mutzten. ** Meersburg, 31. Juli. (Voranschlag.) Der Voranschlag der am kommenden Montag den Bürgerausschutz beschäftigen wird, sieht einen ungedeckten Aufwand von 45 650 Mark vor gegenüber 39120 Mark im Vorjahre. Die Umlageerhöhung beträgt 10 Pfg., also 72'Pfg. gegenüber 62 Pfg. im Jahre 1926/27. Der Bürgerausschuß wird ersucht, die Erhebung einer Umlage von 80 Pfg. für 100 Reichsmark Steuerwert des Grundvermögens, 32 Pfg. für 100 Reichsmark Steuerwert des Betriebsvermögens und 600 Pfg. für 100 Reichsmark Steuerwerk des Gewerbeertrages zu genehmigen. ** Wange«, 31. Juli. Auf dem Bahnhof in Hergatz ereignete sich ein schweres Unglück, dem ein pflichttreuer, im Dienste ergrauter Beamter zum Opfer fiel. Der 61 Jahre alter Oberschaffner Jakob Schmidt kam bei Rangierarbeiten zu Fall, so daß er unter die abgestoßenen Wagen geriet. Es wurde ihm dabei ein Fuß oberhalb, ein Fuß unterhalb des Knies abgefahren. Dem Schwerverletzten wurde seitens des Bahnpersonals die erste Hilfe zuteil. Er verlor jedoch alsbald das Bewußtsein und starb auf dem Bahntransport nach Wangen. ** Bonndorf, 31. Juli. (Rege Bautätigkeit.) Hier herrscht zur Zeit eine rege Bautätigkeit. Von den Ruinen des Großfeuers im letzten Herbst ist nichts mehr zu sehen, an ihrer Stelle sind drei neue Häuser im Rohbau fertig. Der Neubau des Krankenhauses geht seiner Vollendung entgegen soll bereits Anfang August beendet werden. Unterhalb der Steinasäge in Steinabad wird vom Kreis Karlsruhe die ehemalige Mühle umgebaut,' dadurch erfährt bas Kinderheim im Steinabad eine wesentliche Verorößerung. In der Steinasäge ist weiter ein neues Werk erstellt worden für Typenhausbau. Aufgeklärtes Cifenbahnattentat. Das Attentat auf dem D-Zug Berlin—Magdeburg ist durch die Brandenburger Kriminalpolizei aufgeklärt worden. Der Täter, der 23 Jahre alte Arbeiter Hans Schröder, der erst vor kurzem aus der Strafanstalt in Brandenburg an der Havel entlassen worden war, konnte, da eine genaue Personenbeschreibung vorlag, auch in Brandenburg verhaftet werden. Schröder legte ein Geständnis ab. Er hatte sich einige Tage in der > Umgebung von Brandenburg herumgetrieben und in der (Nacht zum Freitag auf der Bahnstrecke Steine aufeinandergetürmt, um den D-Zug zum Entgleisen zu dringen. Der Vebrechcr wurde ins Amtsgefängnis in Brandenburg eingcliefert- Der Vesuv ist los. Rom, 30. Juli. Wie das Observatorium aus dem Besuv mitteilt, ist der Vulkan seit vergangener Nacht ausgebrochen. Seine neue Tätigkeit sei die stärkste, die seit dem 2. Iauuar 1916 beobachtet wurde. Der Kegel erreicht 1000 Meter Höhe bei einem Radius von fast einem Kilometer. Am Ursprung hat der Lavastrom eine Schnelligkeit von 3 Metern und eine Breite von 15 Metern. Es sei anzunehmen, daß die Lava die niedrigste Stelle des Kraters erreichen und in die Balle de Inferno hinabstürzen werde. Die Tätigkeit des Vulkans sei nicht als gefährlich anzusehen, da die Entladung durch übermäßige Spannung magnetischer Gase zurückzuführen sei, die sich in den 8 Monaten relativer Ruhe angesammelt hätte. Ueberschwemmung in Indien. 40 000 obdachlos, Tausende tot, 3000 Häuser zerstört. London. 30. Juli. Die Ueberschwemmungen in Baroda (in Britisch-Indien) nehmen einen größeren Umfang an. J40 000 Personen sind obdachlos. Ucber 3000 Häuser wurden zerstört. Es hat wahrscheinlich mehrere tausend Tote gegeben. Nähere Angaben über die Verluste an Menschenleben liegen noch nicht vor, jda die Eisenbahn-, Telegraphen- und Telephonverbindungen mit dem Ueberschwemmungs- gebiet zerstört sind. Montag, den 1. August 1927. Verurteilte Gehilfen. Berlin, 29. Juli. Das erweiterte Schöffengericht Charlot- tenburg verurteilte gestern die beiden Handlanger des inzwischen verstorbenen Reichsbankoberinspektors Arnold, der bei der Reichsbankanstalt in Charlottenburg durch achtjährige Fälschungen 820 000 Mark veruntreut hatte, nämlich den Angestellten Reinholz und den Lohnschreiber Naire wegen Arnold geleisteter Beihilfe und eigener kleiner Unterschlagungen und Fälschungen zu einem Jahr bzw. neun Monaten Gefängnis unter Anrechnung von je drei Monaten Untersuchungshaft. Tie Strafanträge lauteten auf ein Jahr und sechs Monate Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust bzw. neun Monate Gefängnis. Die Angeklagten waren beide geständig. Die Verhandlung ergab, daß au dem letzten großen Betrugsversuch Arnolds, sich über Breslau 650 000 Mark zu verschaffen, nur der Angeklagte Reinholz mitbeteiligt gewesen war. Turnen. Sport und Spiel. Fußball » Ergebnisse aus Süddeutschland. Berbandsspiele. Gruppe Main: Rot-Weiß Frankfurt — F.SB. Frankfurt 2:3 Eintracht Frankfurt — Kickers Off-nbach 2:0 F.C. Hanau 93 — Germania 94 Frankfurt 2: l B.f.R. Offenbach 1900 — Union Niederrad 1:4 Sport tz0 Hanau — Vikt. 94 Hanau 5:2 Bikt. Aschaffenburg — Fechenheim 03 6:2 Privatspiele. Gruppe Württemberg: Sportfreunde Stuttgart — D.S.B. München 7:3. B.f.B. Stuttgart — Sp. Bg. Cannstatt 10:1 B.f.R Heilbronn — F.S.V. Mainz 05 4:4 Gruppe Südbayern: München 1860 — Schalke 05 (Samstag) 4:6 Wacker München — Schalke 04 9:5 Schwaben Ulm — B.f.R. Mannheim 1:5 Jahn Regensburg — Pfeil Nürnberg 5:2 Jahn Regensburg — B.C. Teutonia München 3:3 Gruppe Nordbayern: 1. F.C. Bamberg — 1. F.B. Nürnberg (Samstag) 3:7' B.f.R. Fürth — S.C. Erfurt 5:2 Gruppe Baden: Karlsruher F.B. — Sp. Bg. Fürth (Samstag) 1:7 Freiburger F.C. — Sp.Bg. Fürth 3:6 Gruppe Rhein: Phönix Mannheim — Phönix Ludwigshasen 0:5 F.B. Speyer — Mannheim 08 7:1 B.B. Zweibrücken — F.C. Pirmasens 5:5 Oppau — S.V. Waldhof 0:4 Schweinemarkt in Bruchsal vom 30. Juli 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 161, Läuser 28. Verkauft wurden: Milchschweine 130 Läuser 20. Höchster Preis für Milchschweine Paar 28.—, für Läuser 56.— RM. Häufigster „ „ „ „ 24—, „ „ 50.— „ Niedrigster „ „ „ „ 18— „ „ 45.— „ Wetterbericht. Die großen Druckgebilde Europas zeigen nach der gemeinsamen Obstbewegung in den letzten Fügen heute bei dem über ganz Mitteleuropa herrschenden primären Druckanstieg eine merkliche Rückbewegung. Der westeuropäische Tiefdruckwirbel ist mit seinem Kern wieder aus den Atlantik übergetreten, sodaß wir weiterhin der warmen südwestlichen Luftzufuhr ausgesetzt sind. Wir können daher bei dem säst zentral gelegenen sTeilhoch für unser Gebiet mit Fortdauer des warmen Sommerwetters rechnen. Die Gewitterwahrscheinlichkeit hat stark abgenommen. Eber- Mutterferkel (»rate Eberläufer des weißen deutschen Edelschweines sind laufend aus unserer Etammzucht erhältlich. Besichtigung bei Voranmeldung jederzeit gestaltet. Staat!. Landmrtschastsschule Augustenberg Post und Station Grötzingen. Jedes Kind lacht Sie aus, wenn Sie heute noch Schuh-Creme in unpraktischen Dosen kaufen. PILO in der schwarzen Dose, die unvergleichliche Schuhpaste, hat jetzt den patentierten und praktischen Dosen-Oeffner und kostet trotzdem keinen Pfennig mehr. Spielendleicht öffnet sich die Pilo- Dose. Den Griff gedreht und schon ist es erreicht. ^11 JÜfaf mit den patentierten Öffner Solbad Rappenau ab 1. Mai geöffnet Werktags vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 1—6 Uhr. 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