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Bant-Konto: Peretnsdank Sinsheim e G. m. b. L. M 146 Mittwoch, den 10. August 1927 88. Jahrgang Neue Wege nach Locarno. Botschafter Hoesch wieder in Paris. — Briand berät mit den Militärs. Verminderung der Nheinlandbesatzung? Paris, 9. Aug. Der deutsche Botschafter in Paris von Hösch, den eine schwere Erkrankung und mehrere operative Eingriffe vier Monate lang von Paris ferngehalten haben, ist heute nachmittag, von Berlin kommend, hier eingetroffen, um die Leitung der Geschäfte der deutschen Botschaft, die seit seiner Erkrankung in der Hand des Botschaftsrats Rieth gelegen hat, wieder persönlich zu übernehmen. Seine Rückkehr fällt zusammen mit der diplomatischen Vorbereitung der bevorstehenden tzerbsttagung des Völkerbundes und der in ihrem Rahmen stattfindenden Besprechung zwischen den Außenministern der Hauptmächte. Wie bereits gemeldet, erwartet man auch in den hiesigen maßgebenden Kreisen von der neuen Begegnung zwischen Briand und Strese- mann eine Bereinigung der in den letzten Monaten durch mancherlei Mißverständnisse und Zwischenfälle getrübten Atmosphäre, die die unerläßliche Voraussetzung für eine Wiederaufnahme der seit Thoiry ins Stocken geratenen Politik deutsch-französischer Annäherung und Verständigung bildet. Jedenfalls scheint man dazu auf französischer Seite grundsätzlich nicht weniger geneigt zu sein wie in Berlin, und wenn man sich auch davor hüten muß,, die mannigfachen Schwierigkeiten, die auf diesem Wege noch liegen, zu unterschätzen, so ist doch die Hoffnung berechtigt, daß der gute Wille mit dem Briand und Stresemann nach Genf gehen, diesmal zu konkreten Ergebnissen führen wird. Besondere Bedeutung gewinnt in diesem Zusammenhang ein: lange Konferenz, die der vor einigen Tagen aus dem Urlaub zurückgekehrte Außenminister Briand gestern in später Abendstunde mit dem Kriegsminister Painleve und dem Chef des großen französischen Generalstabs, Marschall Petain, gehabt hat. Ein Teil der Pariser Presse bringt diese Aussprache in Zusammenhang mit der in diesen Tagen erfolgten Veröffentlichung eines aus dem Monat Februar stammenden Geheimberichts des Generals Guil- laumat, in dem der Oberkommandierende der französischen Besatzungsarmee in einer dem nicht militaristisch eingestellten gesunden Menschenverstand einfach unbegreiflichen Weise die Geschäftigkeit von Schützen- und Reitcrvereinen, die Aktivität des deutschen Flugverkehrs und den Ausbau des deutschen Eisenbahnnetzes im besetzten Gebiet zu systematischer Mobilisierungsund Kriegsvorbereitung aufgebauscht hat. Das Journal will sogar wissen, daß General Guillaumat in einem neuen Bericht aus die Unhaltbarkeit dieser Zustände hingewiesen und dringende Abhilfe verlangt habe. Rach unserer Information handelt es sich hier um eine völlig aus der Luft gegriffenen Kombination. Daß, wie das Kriegsministerium in einem amtlichen Kommunique mitteilt, ein Ministerrat unter dem Vorsitz von Poincare sich seinerzeit eingehend mit dem Bericht Guillaumats befaßt hat, ohne es für notwendig gefunden zu haben, ihm irgendwelche Folge zu geben, zeigt, daß man innerhalb der französischen Regierung selbst sich in vollem Umfange von der ans Lächerliche grenzenden Haltlosigkeit der von dem General gegen Deutschland erhobenen Beschuldigungen Rechenschaft gegeben hat. Der Quai d'Orsay selbst hat aber kürzlich erklärt, daß dieser Bericht längst überholt sei und daß das französische Oberkommando im Rheinlande in der Zwischenzeit keinerlei Anlaß mehr zu neuen Beschwerden gehabt habe. Die gestrige Besperchung zwischen dem Außenminister und den verantwortlichen militärischen Stellen muß also anderen Fragen gegolten haben. Wir glauben Grund zu der Annahme zu haben, daß'es sich in erster Linie um die Frage einer Reduktion der französischen Besatzungsarmee gehandelt hat. Als die d:u sche Regierung unmittelbar vor der letzten Ratssitzung im Juni in den alliierten Hauptstädten mehrere Demarchen in dieser Richtung unternehmen ließ, hatte Briand erklärt, daß die französische Regierung grundsätzlich bereit sei, durch Zurücknahme von einigen tausend Mann die Lasten der Okkupation zu erleichtern, daß sie sich aber Vorbehalten müsse, ftlbst den geeigneten Zeitpunkt dazu zu wählen, da sie auch den Anschein zu vermeiden wünsche, daß diese neue französische Konzession unter deutschem Druck erfolgt sei. Wir glauben zu wissen, daß Briand diesen Zeitpunkt nunmehr für gekommen hält und daß er entweder in Genf selbst oder vielleicht noch vorher der deutschen Regierung 'Mitteilung von diesem Entschluß machen wird. Die französische Regierung scheint sich dabei nicht zuletzt von dem Gedanken haben l.iten lassen, daß diese Initiative von französischer Seite das beste Mittel ist, der vielfach angekündigten neuen diplomatischen Offensive Deutschlands in der Besatzungsfrage den Wind aus den Segeln zu nehmen. Unter diesen Umständen wird man auch nicht allzugroße Hoffnungen auf das Ausmaß des französischen Entgegenkommens setzen dürfen. Selbst in optimistischen Kreisen spricht man hier von höchstens 4000—5000 Mann, die in der nächsten Zeit aus dem Rheinland zurückgezogen werden sollen. M Nllnkreilhs «eMlldsMM mipfrieben. Paris, 10. August. Im „Matin" veröffentlicht de Jou- venel einen längeren Aufsatz über die Rolle Frankreichs im Völkerbund, in dem er die Gründe für seinen Entschluß, sich in diesem Jahre an der französischen Völkerbundsdelegation nicht zu beteiligen, mitteilt. De Jouvenel betont u. a., daß man, wenn man an die Methoden des Völkerbundes glaube, diese schließlich auch in der Praxis zur Anwendung bringen müsse. Es sei nicht der Mühe wert, in diesem Jahre einen ganzen Monat lang die Wohltat der Völkerbundsmcthoden zu proklamieren, um während der übrigen elf Monate zu der Taktik zurückzukehren, die ein Fiasko erlitten habe. Tie Daseinsberechtigung des Völkerbundes bestehe darin, im internationalen Leben dem Mehrheitsprinzip zum Siege zu verhelfen. Der Völkerbundspakt habe die Gleichheit der Nationen sanktioniert, die die Alliierte» im Kriege als Ziel ihres Sieges proklamierten. Wenn also die Großmächte für sich eine ständige Vertretung im Rat verlangt haben, so sei das nicht deshalb geschehen, um ihren Willen 50 anderen Völkern aufzuzwingen, sondern um ihre Macht in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Frankreichs wahre Macht sei darin begründet, im Schoße der großen Nationen das allgemeine Jntereffe Europas zu vertreten. Wie könne Frankreich sich anderen Staaten zu Gefallen dem Völkerbund in internationalen Streitigkeiten entziehen und dann den Völkerbund anrufen, wenn 1935 bis 1940 die von Mussolini angekündigte Entscheidungsstunde schlagen werde. Nicht nur habe Frankreich nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ohne Protest den deutsch-russischen Vertrag eintragen lasten, nicht nur habe man trotz der Zugehörigkeit Chinas zum Völkerbunde es für gut befunden, daß jede europäsche Nation im fernen Osten eigene Politik treibe, sondern auch beim Ausbruch des italienisch-jugoslavischen Konflikts habe Frankreich beiden Ländern nur private Besprechungen a .raten können. Der albanisch-jugoslavische Zwischenfall sei nur eine Gelegenheit gewesen, das alte System wieder lebendig zu machen, dessen Wert der Ausbruch des Krieges zur Genüge bewiesen habe. Die Pariser Wirtschastsverhandlungen. Paris, 9. Aug. „Temps" will über den Stand der deulscht- französischen Handelsvertragsverhandluagen folgendes berichten können. Die heikle Frage der Zölle, die für die Einfuhr französischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach Deutschland angewendet werden ,ollen und besonders in der Frage der Weinzölle scheine nahe, zu geregelt zu sein, ebenso diejenigen der Behandlung der deutschen mechanischen. chemischen und elektrischen Industrie. Die von den deutschen Delegierten gestellten Forderungen betrafen die Bedingungen, unter denen gewisse französische Textilerzeugnisse m Deutschland Eingang finden sollen. Sie hatten zu besonders schwierigen Erörterungen Anlaß gegeben. Auch in dieser Hinsicht scheinen die Schwierigkeiten auf dem Wege zu einer Lösung zu sein. Starke ReibungsMnkte bestehen nichtsdestowenigey. Sie sind zugleich kommerzieller wie allgemein wirtschaftlicher Art. Sie betreffen besonders die französischen Kolonien oder die Schutzgebiete. Bei einigen dieser Länder scheinen gewisse deutsche Forderungen im Widerspruch mit den Bestimmungen des Versailler Vertrags zu stehen. Diese Schwierigkeiten sind also nöch längst nicht gelöst. Indessen hoffen die beiden Delegationen, daß das Abkommen noch vor der Abreise des Handelsministers, die bekanntlich auf Mittwoch festgesetzt ist, zum Abschluß gebracht werden können. Der „Temps" fügt hinzu, daß das neue Abkommen, wenn es zustandekommt, sich auf ungefähr die Hälfte der 'Artikel des französischen allgemeinen Tarises erstrecken wird. Es wird also den französisch-deutschen Warenaustausch in einem viel größeren Umfange regeln, als die früheren Abkommen. Der Wert der kleinen Kreuzer. Chamberlains Ansicht. London, 8. Aug. Chamberlain ist der einzige Minister, der seit dem Scheitern der Marinekonferenz in öffentliche» Reden auf die Hauptsache dieses Scheiterns, die verschiedene Auslegung des Blockade- und Seebeuterechts durch England und Amerika wenigstens anspielte. Nachdem er den englischen Standpunkt in der Kreuzerfrage mit den üblichen Beweisen verkündigt hatte, fuhr er fort: „Es liegt aber doch Begründung in der amerikanischen Behauptung, daß die kleinen Kreuzer, die wir brauchen, um die Seewege offen zu halten, und uns gegen Hunger und Ruin zu schützen, auch einen offensiven Wert haben und uns in Stand setzen, die Seewege der anderen zu sperren. Das bildet eine der hartnäckigsten Schwierigkeiten des Problems und sollte von beiden verwandten Völkern während vieler Jahre im guten Glauben und guter Kameradschaft geduldig studiert werben." Der amerikanische Geschwaderchef bei Hindenburg Berlin, 10. Aug. Reichskanzler Tr. Marx wurde gestern vormittag vom Reichspräsidenten v. Hindenburg in Audienz empfangen. Darauf empfing der Reichspräsident den vom amerikanischen Botschafter eingeführten Chef des amerikanischen Europa-Geschwaders, Vizeadmiral Turrage, der auf dem zur Zeit in Hamburg liegenden amerikanischen Kriegsschiff „Detroit" nach Deutschland gekommen ist. Hellpach über das Reichsfchplgefetz. Frankfurt a. M., 9. August. In einer vom Demokratischen Verein einberufenen öffentlichen Versammlung sprach der frühere badische Unterrichtsminister Professor Dr. Hellpach über den Reichsschulgesetzentwurf, der in Frankfurt und Nassau, dem klassischen Lande der schon vor 100 Jahren bestehenden Simultan- schule, ganz besonders als Bedrohung freiheitlicher und bewährter pädagogischer staatspolitischer Tradition empfunden und abgelehnt wird. „Eine der allergrößten und bedeutsamsten Umwälzungen im deutschen öffentlichen Leben seit iy 2 Jahrhunderten", so dcnnzeichnete Hellpach den Entwurf. Während Die Gesamtentwicklung der letzten 150 Jahre dahinging, das öffentlich: Erziehungswesen in die Hand des Staates zu legen, wird nach dem Gesetzentwurf das Erziehungswesen nicht mehr vom Staat bestimmt, auch nicht von öffentlichen Körperschaften, sondern von Zufallsgruppen. So wird die Demokratie aufgcfordert zur Haufenherrschaft, denn was der Entwurf in Paragraph 8 vorsehe, hat mit Demokratie nichts zu tun. Der entscheidende Faktor wird nicht der Erziehungsberechtigte, sondern die Kirche sein, bei d:r die Gewissensbindung stärker sein wird und muß, als die Freiheit. So wird im Gegensatz zur Weimarer Verfassung und zur Grundtendenz jeder unmittelbaren Demokratie die gewissensgebundene Gruppenherrschaft platzgreifen. Der Entwurf stellt zuletzt eine Gewissenszusammenprallung des mittelalterlich-kirchlichen und des neuzeitlich-weltlichen Staatsideals dar, der — ein aus d:r Zeit vefftändliches Kompromiß — in Absatz 2 des Paragraph 146 der Weimarer Verfassung vorbereitet ist. Es ist geradezu tragisch, daß durch dieses Reichsschulgesetz das konfessionell halbierte Deutschland heute eine neue Zerklüftung erleben soll und daß diese Zerklüftung bereits bei der Jugend beginnt. Im zweiten Teil seiner Ausführungen sprach Hellpach über die Simultanschule, durch deren Schaffung der deutsche Liberalismus einen großen Teil seiner Schuld gegen die Geistigkeit wieder gut gemacht habe. Das Beispiel Badens zeige, daß die Simultanschule wahrhaftig nicht zur konfessionellen Flauheit erziehe. Eine ganze Reihe streitbarer Zentrumsleute sei gerade aus den Simultanseminaren hervorgegangen. Das Entscheidende bei dem Entwurf sei aber, daß er das Reichsgesetz bricht, wenn er sich auch so stelle, als ob er das Reichsgesetz dem Lcndesgesetz überordne. Seine Gegner sollten immer wieder betonen, daß das Reichsschulgesetz verfassungsändernd sei. Wenn Reichstag und Reichsrat dieser Interpretation nicht beitreten, dürfte bald kein Zweifel daran sein, daß es sich hier um einen Verfassungsbruch handelt. Die Scheidung zwischen konfessioneller Schule, ins politische übersetzt, Bürgerblockschule und sämtlichen anderen, das heißt sozialistischen Schulen, ist eine typisch konservative Erfindung. Die Auskapselung der Sozialdemokratie aus der Volksgemeinschaft ist das Ziel. Wird das Zentrum, wird die Sozialdemokratie darauf hereinfallen? Beim Volk liegt die Entscheidung, ob der Entwurf' Gesetz wird. Nicht um eine bestimmte Schulreform geht der Kampf, sondern um die Vertiefung der Volkseinheit, um die Verwirklichung der Staatlichkeit, um die geistige Basis der Volksgemeinschaft, nicht zuletzt aber auch — und damit schloß Hellpach seine weit über das Niveau einer Volksversammlung stehenden, durch ihre starke Geistigkeit wirksamen Ausführungen — in tragischer Weise wieder einmal um die Freiheit eines deutschen Christenmenschen. Die Reichseinnahmen und Ausgaben im ersten Vierteljahr des Rechnungsjahres 1927 Berlin, 10. Aug. Das Reichssinanzministerium veröffentlicht eine Uebersicht über die Reichseinnahmen und -Ausgaben für das erste Vierteljahr des Rechnungsjahres 1927. Darnach betrugen im ordentlichen Haushalt die Einnahmen insgesamt im April 756,9, im Mai 653,8 und im Juni 598,3, zusammen 2009,0 Millionen Reichsmark, gegenüber einem Hcmshaltssoü für 1927 von 8659,0 Millionen Reichsmark. Im einzelnen betrugen die Einnahulen aus Steuern, Zöllen und Abgaben 749,1 bezw. 622,8 bezw. 553,9, zusammen 1925,8 Millionen Reichsmark. Die Ausgaben im ordentlichen Haushalt betrugen insgesamt 658,1 bezw. 780,0 bezw. 599,3, zusammen also 1987,4 Millionen. Davon an Steuerüberweisungen an die Länder 203,6 bezw. 200,4 bezw. 159,6, zusammen also 593,6 Millionen Reichsmark. An Besoldungen 54,4 bezw. 62,3 bezw. 58,3, zusammen also 175,0 Millionen. An Pensionen 125,9 bezw. 123,9, bezw. 129,3, zusammen also 379,1 Millionen. An Sozialversicherung 19,2 bezw. 18,2, bezw. 22,8, zusammen also 60,2 Millionen. An unterstützender Erwerbslosenfürsorge 45,7 bezw. 21,7, bezw. 14,8, zusammen also 82,2 Millionen. Für das Heer (sächliche Ausgaben) 22 5 bezw. 13,3 bezw. 24,3, zusammen also 60,1 Millionen. Für die Marine (sächliche Ausgaben) 8,8 bezw. 9,6 bezw. 10,5, zusammen also 28,9 Millionen und an Reparationszahlungen 49,8 bezw. 66,7 bezw. 66,6, zusammen also 183,1 Millionen. Im außerordentlichen Haushalt betrugen die Einnahmen »insgesamt 6,0 bezw. 11,0 bezw. 68,8, zusammen also 85,8 Millionen, gegenüber einem Gesamtsoll für 1927 in Höhe von 476,2 Millionen. Dir Ausgaben im außerordentlichenHaushalt betrugen insgesamt 25,1 bezw. 62,3 bezw. 51,3, zusammen also 138,7 Millionen. Davon an produktiver Erwerbslosenfürsorge 0.1 bezw. 4,9 bezw. 11,7, zusammen also 16,7 Millionen und an Reparationszahlungen 1,8 bezw. 1,8 bezw. 1,9, zusammen also 5,5 Millionen Reichsmark. Zu den Beschuldigungen gegen das Reichswehrministerium Berlin, 10. August. Wie die Telunion erfährt, hat der Chef der Marineleitung in Vertretung des abwesenden Reichswehrministers den Reichskanzler gebeten, durch einen Beamten des Reichsfinanzministeriums die in der Presse behaupteten Beziehungen des Retchswehrministeriums mit der Phöbius-Film-A.-G. in jeder Hinsicht nachprüfen zu lassen. Kapitän Lohmann hat wegen der gegen ihn in diesem Zusammenhang erhobenen Beschuldigungen Strafantrag gestellt. Er hat gebeten, bis zur völligen Aufklärung der Angelegenheit vom Dienst suspendiert zu werden. Das Rcichs- wehrministerium hat diesem Antrag stattgegebeu. Wilder Streik im Saargebiet Saarbrücke», 10. Aug. Infolge falscher kommunistischer Streikparolen sind die Belegschaften von St. Ingbert, Wre- den und Velsen gestern morgen nicht zur Frühschicht eingefahren. Tie Bergarbciterorganisationen erklären, daß ihrerseits kein Streikbeschluß gefaßt wurde und daß augenblicklich ein Streik undenkbar sei. Die Gewerkschaftsführer haben Verhandlungen mit der Regierungskommisfion ausgenommen. Eine Zeppelin-Erinnerung In dem Frankfurter Vorort Praunheim feierte dieser Tage Jakob Jacky, Verwalter der Praunheimer Ringofen- zieaelei. seinen 71. Geburtstag, zu dem ihm u. a. der Lust- Nr. 146. Jahrgang 1927. schiffvau Zeppelin einen herrlichen Glückwunsch sandte. Jacky hat als Knabe von 14 Jahren am 24. Juli 1870 dem Grafen Zeppelin einen wichtigen Dienst geleistet. Er stammt aus dem Grenzdorf Hirschtal in der bayerischen Pfalz und befand sich an dem genannten Tage auf der Straße, als Graf ZeppeM damals Hauptmann im württ. Generolstab dahergeritten rani. Dieser war auf seinem Erkundigungsritt im Schirlenhvf von einer französischen Abteilung überfallen worden. Der badische Leutnant Winsloe fiel, die kleine Mannschaft wurde gefangen, Zeppelin, dessen Pferd erschaffen worden war, hatte sich auf ein Franzosenpferd geschwungen und war allein entkommen. In Hirschtal fragte er nach dem Weg zur Grenze, und da er keinen Bescheid erhielt, packte er den jungen Jacky am Kragen und forderte ihn auf, ihm den Weg zu zeigen. Das tat dieser willig. Er führte den Offizier eine Stunde weit bis Rotweiler, wo er vön dem Grafen, der sich nun mit Hilfe der Karte allein zurechtfand, mit einem Gulden entlaffen wurde. Als nach Jahren Graf Zeppelin mi^ seinem Luftschiff zur „Jla" nach Frankfurt kam, erfuhr Jacky, wem er 1870 als Wegweiser gedient hatte. Der Graf erinnerte sich gerne „seines kleinen Führers von 1870", es entspann sich ein herzlicher Briefwechsel und der Graf schickte ihm auch sein Bild im Rahmen mit eigenhändiger Widmung. Darauf ist der Siebzigjährige, der seinen Dienst noch in voller Rüstigkeit versteht, besonders stolz. Das Bauangebot der amerikanischen Firma abgelehnt Berlin, 10. August. Wie bas Reichsarbeitsministerium bekannt gibt, hat 'es das Angebot der amerikanischen Baufirma Bista Building Co., 60 000 Wohnungen für Berlin zu bauen, abgelehnt, da die von der Firma übermittelten Unterlagen ergeben haben, daß es sich um ein mysteriöses Angebot handelt. Ein weiteres Eingehen auf däs Angebot der Firma kommt daher nicht mehr in Frage. Könne ckes zu einem neuen Probeflug aufgeftiegen Travemünde, 10. Aug. Wie die Telegraphen-Union erfährt, ist der Flieger Könnecke gestern nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr zu einem 20stündigen Probeflug aufgestiegen. Wenn dieser Flug glatt verläuft, wird Könnecke wahrscheinlich noch heute nach Berlin bzw. Köln starten. Der Ozeanflug wird dann noch im Laufe dieser Woche von Köln aus erfolgen. Dawes will Präsidentschaftskandidat weroen Berlin, 10. August. Nach einer Meldung des „Lokal- Anzeigers" aus Newyork werden in Amerika die außenpolitischen Aeußerungen des Vizepräsidenten Dawes als eine Art Selbstnominierung des Redners für die kommende Präsidentenwahl betrachtet. Man empfindet seine Kritik an der amerikanischen Regierung als einen Angriff gegen den eventuell aussichtsreichen Nebenkandidaten Hoover. Wahrscheinlich wird die geplante mehrwöchige Europareise Dawes' zu Wahlreklamezwecken von seinen Anhängern benutzt werden. Die Welt demonstriert für Sacco und Vanzetti Brüssel, 10. August. Gestern fanden in Brüffel vor dem amerikanischen Konsulat kommunistische Demonstrationen für Sacco und Banzetti statt. Die Polizei mußte mit Gummiknüppeln die Demonstranten auseinandertreiben. In dem Bergwerk von Cockeill legten heute die italienischen Arbeiter aus Protest gegen die beabsichtigte Hinrichtung Saccos und Vanzettis die Arbeit nieder. London, 10. August. Aus allen Teilen der Welt treffen Nachrichten von Protestdemonstrationen für Sacco und Van- zetti ein. Besonders stark setzt sich die Bevölkerung der Hauptstadt von Uruguay, Monetvideo, für die Verurteilten ein. Militär muß die amerikanischen Vertretungen in der Stadt vor Ausschreitungen der Demonstranten schützen. Die Massendemorrstrationen in Neuyork sollen gestern 500 000 Personen umfaßt haben. Amsterdam, 10. August. Zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten des holländischen Kulturlebens, darunter der bekannte Dirigent Mengelberg, haben für Sacco und Van- zetti ein Protesttelegramm nach Washington geschickt. In Rotterdam soll heute ein Proteststreik ausgerufen werden. Luxemburg, 10. August. Auch in Luxemburg fanden gestern große Arbeiterdemonstrationen für Sacco und Van- zetti statt. In den Reden wurden die ameikanische Justiz und der italienische Faschismus stark angegriffen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung wurde Militär herangezogen. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Unter den Demonstanten sah man viele französische, italienische und deutsche Arbeiter. In Metz fanden gestern ebenfalls Demonstrationen statt. Protestkundgebung auch in der Schweiz. Basel, 10. Aug. Das Genfer Komitee für Sacco und Vanzetti, das ein Protesttelegramm an die amerikanische Gesandtschaft in Bern aufgegeben hatte, erhielt von der Telegraphenverwaltung die Mitteilung, daß das Telegramm einstweilen zurückgehalten werde. Das Komitee hat gegen die Zurückhaltung protestiert und erklärt, daß in der Resolution keine beleidigenden Ausdrücke gegen die amerikanischen Behörden enthalten seien. Eine vom antifaschistischen Komitee in Basel veranstaltete Protestversammlung beschloß für Mittwochnachmittag 4 Uhr in Basel einen Proteststreik für Sacco und Vanzetti zu veranstalten. Im Anschluß an die Versammlung findet ein Demonstrationszug statt, dessen Abhaltung von der Polizei nur unter der Bedingung gestattet wurde, daß vor dem amerikanischen Konsulaten Basel keinerlei Kundgebungen stattfinden würden. Auch Coolidge kau» nichts für die Verurteilten tun. London, 10. August. Aus Boston wird berichtet, daß das Sacco-Vanzetti-Berteidigungskomitee den Senatoren Vorah und Lafalette sowie Jane Adams Telegramme sandte, in denen diese dringend ersucht werden, sich sofort zum Präsidenten Coolidge nach Rapid City zu begeben, um für die Verurteilten einzutreten. In dem Telegramm wird behauptet, daß das amerikanische Justizministerium gewisse, für die Unschuld der Verurteilten wichtige Dokumente der Oeffentlichkeit vorenthalte. Ferner wird verlangt, daß Präsident Coolidge persönlich die Todesurteile nachprüfen solle. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß eine solche Forderung vou Erfolg ist, da sowohl die rechtlichen, wie die politischen Umstände eine Einmischung des Präsidenten Coolidge unmöglich machen. Das Staatsdepartement in Washington hat eine Drohung erhalten, daß alle wichtigen Staatsgebäube in die Luft gesprengt würden, falls man den verurteilten Männern keine Gnade erweise. • Das Parlament vou Uruguay für Saccos und Vanzettis Begnadigung. Neuyork, 10. Isug. Wie aus Montevideo gemeldet wird, hat die Deputiertenkammer von Uruguay dem Präsidenten Coolidge eine Note übersandt, in der gegen Saccos und Vanzettis Hinrichtung protestiert wird Neue Anarchisten - Attentate Berlin, 10. Aug. Nach einer „B. Z."-Meldung aus Newyork sind 'gestern in dem Ort Utica im Staate Newyork zwei neue Bombenanschläge verübt worden. Eine Reihe von Häusern wurden umgelegt. Es gab 20 Schwerverletzte. Getötet wurde niemand. Von den Tätern fehlt jede Spur. Bombeuexplofio« i« Chicago. Newyork, 10. Aug. In der katholischen Kirche im Jtalie- nerviertel von Chicago explodierte eine Bombe und richtete große Verheerungen an. Es handelt sich wieder um ein anarchistisches Attentat. Dombenattentat auf der Londoner Untergrundbahn Berli«, 10. August. Wie die Nachtausgabe aus London meldet, explodierte gestern vormittag auf der Untergrunb- bahnstation Aldwych eine selbstgefertigte Bombe. Verletzt wurde niemand. Ter Sachschaden lät sich noch nicht übersehen. Ob der Bombenanschlag im Zusammenhang mit den Demonstrationen für Sacco und Vanzetti erfolgte, steht noch nicht fest. Autounfall von Lettow - Vordecks Berlin, 10. Aug. Der „Loka-nnzeiger" meldet aus Canna- wurf in Thüringen: Als Rittergutsbesitzer Kleemann seinen Gast, General v. Lettow-Borbeck, nach einem Vortrage im „Stahlhelm" in seinem Auto zurückbringen wollte, verlor der Chauffeur die Gewalt über den Wagen. Das Auto riß drei Bäume um und wurde zertrümmert. Die Insassen — darunter v. Lettow-Vorbeck — blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Den Chauffeur soll ein Einwohner des Ortes, gegen den Strafantrag erhoben worden ist, betrunken gemacht haben. Der Kampf um die „Columbia" beigelegt Paris, 10. August. Zwischen Levine und Drouhin ist cs endlich zu einem Vertrag gekommen, der über das Schicksal Mittwoch, den 10. August 1927. des erfolgreichen Ozeanflugzeuges „Columbia" entscheide» soll. Drouhin hat sich auf drei Monate als Pilot verpflichtet bei einer Gesamtentschäöigung von 100 000 Franken. Bel einem tödlichen Unglücksfalle Drouhins wird seiner Witwe durch Levine die bei der Bank von Frankreich deponierte Summe von 300 000 Franken ausbezahlt. Schadenersatz unb 300 000 Franken erhält der Pilot, wenn der Vertrag annul- liert oder der Flug durch Levines Schuld innerhalb von drei Monaten nicht ausgesührt wird. Fliegt vor der „Columbia" ein anderes Flugzeug nach Amerika, so kann jeder Vertragspartner vom Vertrage zurücktreten. Der Skandal bei der Staatslotterie Mindestens 225800 Mark veruntreut. — Dienstag-Ziehung abgesagt. Roch ei« «nsanberer Fall anfgedeckt. Die verschobene «ene Ziehnng. — Wird die letzte Ziehnng für ««gültig erklärt? — Die Rechtslage. Der einzig dastehende Betrug bei der Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie, über den wir gestern schon ausführlich berichteten, stellt sich als ein lange vorbereitetes Manöver dar. Die beiden verhafteten Beamten, der Lotterie-Inspektor Boehm und der Lotterieobersekretär Schletnstein, haben vor dem Vernehmungsrichter ein ausführliches Geständnis abgelegt, aus dem zu entnehmen ist, daß sie in zwei Fällen 150 000 Mark erbeutet hatten. Wie wir erfahren, vergrößert sich dieser Betrag jetzt bereits anf mindestens 225000 Mark. Leider wird man aber befürchten müssen, daß die Beamten nicht zum erstenmal in dieser Weise Lotterie und Spieler geschädigt haben. Boehm, einer der ältesten Beamten der Direktion, Vertreter des technischen Leiters, dem die vorbereitenden Arbeiten jeder Ziehung unterstehen, muß, offenbar als geistiger Urheber des Betruges, schon vor der Ziehung im Besitz der Lose gewesen sein, und bei der Ausspielung die Losröllchen beiseite geschafft haben. Bei der Ausspielung selbst muß er mit Schleinstein vereinbart haben, in genau bezeichneter Reihenfolge das betreffende Los auszurufen, worauf der Partner den hohen Gewinn verkündete. Bisher ist erwiesen, daß auf diese Weise die beiden Beamten ein Doppellos über je 100 000 Mark und ein einfaches über 26 000 Mark haben gewinnen lassen. Die Generallotteriedirektion dürfte in diesen beiden Fällen einen nennenswerten Schaden nicht erleiden, da das Geld bei einer Großbank deponiert und zum Teil in Effekten angelegt worden war. Dieses Geld ist bereits sichergestellt worden. Die Lotteriedirektion wird aber mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß die beiden betrügerischen Beamten schon in früheren Jahren derartige Manöver durchgeführt haben, und wird nicht umhin können, in eine Prüfung der großen Gewinne der letzten Ziehungen eiuzutreten. Auch mutz damit gerechnet werden, daß die General-Lotterieüirektiou z« dem Schluß kommt, bis auf weiteres die Auszahlungen zn sperren. Tie für Dienstag angesetzte Ziehung ist, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, abgesagt worden und wird auf etwa acht Tage verschoben, da nachgeprüft werden muß, ob auch ein Betrug für diese Ziehung vorgesehen war. Der vorbestrafte Kollekteur Der Neffe eines bekannte« Staatsmannes. Mittlerweile ist noch ein weiterer Betrug bei der Klassenlotterie entdeckt worden. Der staatliche Lotterieeinnehmer Robert Juhre, der bereits wegen Betrugs und Urkundenfälschung vorbestraft ist, ist nämlich nach einer Reihe weiterer Verfehlungen, die er in seiner Eigenschaft als Lotterieeinnehmer begangen hat, geflüchtet. Juhre, der im Jahre 1924 in einem kleinen Bankgeschäft angestellt war und dort Veruntreuungen begangen hatte, wegen der er sofort entlassen wurde, vermochte sich auf bisher unerklärliche Weise die Stellung eines staatlichen Lotteriekollekteurs. in Martendorf zu verschaffen, die es ihm ermöglichte, seine Schulden zu bezahlen. Diese Schulden wollte er aber nicht mit barem Geld abgleichen, sondern er bot seinem Hauptgläubiger Lose der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie im Gesamtwert von etwa 3000 Mark an. Der Gläubiger, der die Lose annahm, konnte nach der Ziehung der ersten Klasse feststellen, daß er einige tausend Mark gewonnen hatte und verlangte nunmehr von dem Lotteriekollekteur die Auslieferung der Originallose, damit er seinen Gewinn einlösen könne. Juhre hatte aber mittlerweile die Originallose anderweitig verkauft, so daß der Gläubiger seinen Gewinn nicht einlösen konnte. Der Geschädigte wandte sich an die Generallotteriedirektion, übersandte ihr eine Liste seiner dreißig Anatol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 66) ^Nachdruck verboten.) Blutrot wurde das junge Mädchen, dann lachte es hell auf. „Ich muß warten, bis einmal der Richtige kommt." Und wie ein Wirbelwind empfahl sie sich. Mutter Schwarz blieb noch ein Weilchen allem in Gedanken zurück, dann erhob sie sich gleichfalls. Ein glänzender Gedanke war ihr gekommen. Die Vabette, das immer heitere, schöne Mädchen war die Richtige. Das war eine Frau für Anatolchen! Die hat der Himmel geschickt! Aber nun, wie es dem Anatol begreiflich machen? Wie? Sie würde ganz langsam ihr „jutes Anatolchen" dazu vorbereiten müssen. Und Mutter Schwarz ging ganz langsam vor. Fürs erste tat sie eins, die Mamsell als ein Muster an Arbeitskrast hinzustellen. Sie schilderte Anatol, wie die Mamsell überall kräftig zupacke und mit ihrer nieoersiegenden Freundlichkeit zur Arbeit anspornte. Anatol hörte es gern. „So macht' sie es also ganz anders als ihre Vorgängerin. Die war zu straff." Mutter Schwarz nickte. „Nee, nee, die läßt gar nichts merken, daß sie befiehlt. Ganz sachte jeht das alles. Aber es seht, un' fix. Die Babette ist ein ganz properes Mädchen." „Dann ist es die Kraft, die ich gesucht habe. Wir wollen sie nur feschalten, daß sie uns nicht daoonfiattert." „Nu, ich denk', sie wird schon bleib n. Sie sieht nicht so flattrig aus, auch wenn sie so hübsches Gesicht hat." „Du weißt, daß es die Babette aus Rutenstein ist. Mütterchen, die beim Bürgermeister diente, als ich auch in Rutenstein — diente. Ihr werdet gewiß beide darüber gesprochen haben." „Ja, Anatolchen. Sie ist dir heute noch so dankbar, daß du sie und die Kinder gerettet hast." „Es war Menilyenpsucyn- „Ja doch, aber sowat vergißt man nich so fix. Die Babett' is dir höllisch dankbar. Es is eigentlich schab', daß es nur so'n einfaches Mädel is." „Warum denn, Mütterchen?" „So eine solltest du einmal als Frau haben." Anatol lachte hell auf. „Willst du mich wieder einmal verheiraten, Mütterchen?" „I wo!" wehrte sie ab, „ich mein bloß, es müßt' so eine sein, die ausschaut, wie die Babette." Damit war die erste Attacke zu Ende * * * Die Zeit verging. Der Sommer kam wieder und die Felder wogten voll Aehrenpracht. Die Ernte begann. Die Mamsell kochte und brätelte und buk das beste für die schwer arbeitenden Erntearbeiter. Sie selbst schaffte es ihnen mit dem alten, kleinen Grauschimmel hinaus aufs Feld. Aller Gesichter strahlten, wenn sie mit ihrem kleinen Gefährt anrückte und austeilte. Hei, wie schmeckte es dann. Als sie Donnerstag früh gegen die zehnte Stunde wieder einmal alles angerichtet hatte, da trat Anatol zu ihr. „Auf's Feld. Mamsell?" „Ja, gnädig» Herr!" knixte sie errötend. „Haben Sie auf Ihrem Wagen noch Platz für mich." Sie wurde verwirrt und strich sich über das widerspenstige Gelock. „Ich weiß nit! Mutter Schwarz? —" „Will nicht mitfahren, Mamsell." Mit einem kühnen Satz war er auf dem Wagen und packte die Zügel. „Lassen Sie mich fahren, Mamsell, der alte Schimmel kennt mich genau. Ich werde Sie nicht umwerfen. Hüh!" Und er knallte die Peitsche. Brav zog der Schimmel an und zog seine doppelte Last nach der Arbeitsstätte draußen auf den Feldern. Der warme Sommerwind umfing sie und hüllte sie in Träume ein. Es war ihnen, als würde mit einem Riale alle Erdenschwere weggenommen. So frei und leicht fühlten sie sich. Locker hing die Leine. Der Schimmel kannte den Weg und sein Tempo. Anatols Blick glitt nieder und streifte das Antlitz des Mädchens. Mit frischgeröteten Wangen, leicht geöffnetem Munde saß. sie und blickte träumerisch in die Landschaft. Rein und friedvoll war ihr Antlitz, Schönheit adelte es. Das war nicht mehr die bäuerische, gutherzige Babette von einst, sondern ein ganz verwandeltes, schönes Menschenkind, abgeschliffen zeigte sich das Juwel. „Sie träumen. Babette?" sagte er freundlich. Sie sah überrascht aus und blickte ihn voll an. „Ja, ein wenig, gnädiger Herr. Der Wind ist schuld." „Haben Sie sich ein Glück in Gedanken aufgebaut, Babette? Wollen Sie mir nicht ein wenig erzählen?" Sie schüttelte den Kopf. „Nein, gnädiger Herr. Ueber Glücksträume darf man nicht reden." „Sie haben gewiß recht, Babette. Tragen Sie es drum in sich und wahren sie es gut. Das Glück ist eine zerbrechliche Sache. — Uebrigens» Babette, Sie schaffen von früh bis in die Nacht. Nach der Ernte spannen Sie einmal aus. Sie können doch einmal verreisen." „Ich brauche es nicht, gnädiger Herr?" „Nun zum Schatz, Mamsell!" Sie schüttelte langsam den Kopf. „Hab' keinen!" sagte sie kurz und sah zur Seite. Anatol Wangerin konnte sich nicht erklären, warum er sich über die Worte so freute. Jedenfalls war ihm mit einem Male, als scheine die Sonne doppelt so hell. Fast zärtlich empfing er die schlanke und doch so füllige Gestalt des Mädchens. Blütenweiß war der Nacken, auf den fein Blick fiel, wie Milch und Blut das holde Antlitz. O, sie war schön die Babettel Als sie auf dem Felde ankamen» staunten die Arbeiter sehr„ daß der anädiae Herr inst der Mamsell kam. Nr. 146. Jahrgang 1927. t'ofe und ersuchte, die Auszahlung der Gewinne zu sperren, damit er zu seinem Recht komme. Der Lotteriedirektor verhielt sich zunächst ablehnend, als aber der betreffende Gläubiger, ein Ingenieur, mit Anzeige an die Staatsanwaltschaft drohte, wurde ihm zugesagt, daß er für die kommenden Ziehungen ein Anrecht auf die von ihm erworbenen Lose geltend machen könne. Im übrigen ersuchte ihn der Lötterie- direktor, von einer Anzeige Abstand zu nehmen, da Juhre sich der Fürsprache eines bekannte« deutschen Staatsmdnnes erfreue, dessen Neffe er sei. Die Generaldirektion hielt jedoch damals ihre Zusage nicht. Jnfolgedeffen ist der Ingenieur bei der Staatsanwaltschaft vorstellig geworden und hat Juhre wegen Betrugs angezeigt. In einer darauffolgenden Verhandlung wurde Juhre zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Es bleibt dabei unverständlich, wie die Generaldirektion das Amt eines Lotterieeinnehmers au einen Mann vergeben konnte, der breits früher mit dem Strafgesetzbuch wiederholt in Konflikt gekommen ist. Insbesondere wird man fragen dürfen, wer der bekannte deutsche Staatsmann ist und ob er tatsächlich für seinen Neffen Protektion bei der Generallvt- teriedirektion geltend gemacht hat. Wie weiter behauptet wird, sei die Direktion der Staatslotterie erst durch eine andere Schiebung auf die Spur der beiden ungetreuen Beamten gekommen. Es handle sich um die Tätigkeit einer Bande, deren einer Teil im Zuhörerraum des Ziehungssaales saß und bei Ziehung eines größeren Gewinnes sofort außerhalb des Gebäudes wartenden Radfahrern ein Zeichen gab, die sofort zu dem Lotterieeinnehmer fuhren, dem das Los zugcteilt war, und versuchten, bas Los zu kaufen. Vor einiger Zeit sei es dieser Bande gelungen, einen Gewinn in Höhe von 50 000 Mark zu erobern. Erst durch die Beobachtung dieser Bande sei man auch hinter deu Betrug der beiden Beamten gekommen. Die Rechtslage Die Rechtslage gehört zu den kompliziertesten juristischen Problemen. Ein Jurist, der in Mecklenburg wohnt und als Autorität auf dem Gebiete des Lotterie-Betruges gilt, wird gutachtlich gehört werden müssen. Zunächst wird es sich um die Frage handeln, ob die Ziehung überhaupt als gültig zu betrachten ist. Nau Auskunft von zuständiger Stelle wird die Gültigkeit der Lotterie erst nach der gerichtlichen Aufklärung entschieden werden, und zwar entscheidet nach den Sojelbeitimmungen der Präsident der Generallotteriedirektion, bzw. der Finanz- mnnster, unter Ausschluß des Rechtsweges. Es :vär: allerdings denkbar, daß nahezu 375 000 Lotteriespieler, die in der in Frage kommenden Ziehung, der fünften Klasse der 28. Preußischen Klassenlotterie (Februar—März 1927) leer ausgegangen sind, ihre Ansprüche geltend machen würden. Da aber ausdrücklich die Spielbestimmungen den Ausschluß des Rechtsweges voraussetzen, würde eine derartige Klage kaum Aussicht auf Erfolg haben. Anders verhält es sich damit, daß die Spieler aus Billigkeitsgründen verlangen können» daß die Auslosung der betrügerisch ausgespiclten 225 000« Mark-Lose noch einmal vorgenommen wird. _ Baden. Badische Rechte am Kembser Kraftwerk Freibnrg, 10. Aug. Der „Freiburger Tagespost" wird geschrieben: Es wird immer deutlicher, daß Baden in der Angelegenheit des Kembser Kraftwerkes auf der französischen Rheinseite doch nicht so rechtlos ist, wie vielfach geglaubt wurde. Der Text des Gesetzes über den Bau dieses vielumstrittenen Kraftwerkes erklärt u. a., durch die stipulierten Leistungen der Kraftwerk-A.-G. an den französischen Staat werde sie „von jedem Beitrag zu den eventuellen Zahlungen frei, die der Staat an Deutschland für Baden in Ausführung des Artikels 358 des Versailler Vertrags zu leisten genötigt wäre." Daraus geht hervor, daß Frankreich zu Schadenersatzleistungen selbst auf Grund des Versailler Vertrages herangezvgen werden kann. Der im „Journal Officiel" veröffentlichte Wortlaut des Gesetzes enthält aber noch eine andere Bestimmung, die für Baden von größter Bedeutung ist: „Wenn die französische Regierung es verlangt, ist die Konzeffionsgesellschaft verpflichtet, an Deutschland (Baden) die Energiemengen zu liefern, die rhr durch den französischen Minister der öffentlichen Arbeiten notifiziert werden." Oberbaden kann also von der gewonnenen Energiemenge für seinen Bedarf anforöern. In dem Text befindet sich noch eine Bestimmung von prinzipieller Bedeutung, nämlich die, daß die Konzeffionsgesellschaft für alle Schäden aus der Ueberflutung durch den Sperrenbau aufzukommen hat. Ta auch auf der badischen Seite „gesperrt" wird, wie der Konzeffionsvertrag besagt, sind damit die badischen Entschädigungsrechte aus der Aenderung des Wasserniveaus gewahrt. Das gilt logischerweise auch für die Schädigungen, die sich aus einem Manko statt einem Plus des Waffers, also aus einer nachgewiesenen Senkung des Grundwafferspiegels ergeben. ' Einweihung eines Gefallenen-Denkmals Offeubnrg, 10. Aug. Am Sonntagvormittag fand hier die Einweihung des Gefallenendenkmals des ehemaligen ober- elsässischen Infanterie-Regiments Nr. 172 statt. Das Regiment kam mit Kriegsausbruch von Neubreisach nach Offenburg, wo es bis zur Auflösung verblieb. Der Vorsitzende des Denkmalsausschuffes, Oberst a. D. Bon sack, hielt die Weiherede. Stabtrat Hauptlehrer Martin in Vertretung des zur Zeit beurlaubten Oberbürgermeisters, nahm das Denkmal in den Schutz der Stadt. Eine Reihe Kranzniederlegungen beschloß den feierlichen Akt, der von Musikweisen umrahmt war. Der Denkmaleinweihung ging ein Feldgottesdienst und eine Totenehrung auf dem Ehrenfriedhof voraus. Am Nachmittag bewegte sich ein großer Festzug, an dem sich neben den verschiedenen Waffenvereinen der Stadt auch der Reiterveretn Schutterwald und verschiedene Militärvereine vom Land beteiligten, durch die Straßen der Stadt zur Landwirtschaftlichen Halle, wo zwanglose Unterhaltung war. Am Vorabend war in der Landwirtschaftlichen Halle ein sehr gut besuchtes Bankett. Der Vorstand des Bundes ehemaliger 172er, Lokomotivführer Schlicker von hier, hielt die Festrede. Hernach erfolgte der Aufmarsch der Fahnen der anwesenden Vereine. Anschließend wurden unter tosendem Beifall die drei alten Regimentsfahnen in die Halle gebracht und fanden auf der Tribüne neben den anderen Fahnen ihre Aufstellung. Die neue Fahne des Vereins ehemaliger 172er wurde von Festjungfrauen eingebracht. Kaplan Hugle von hier, zur Zeit in Heidelberg, hielt die Weiherede. Badischer Ratschreibertag i« Mosbach. Mosbach, g. August. Die badischen Ratschreiber kamen am letzten Sonntag in recht stattlicher Zahl — etwa 800 Mitglieder beteiligten sich an der Tagung — hier zu ihrer 38. Hauptversammlung zusammen. An den Besprechungen Der Landbott * Sinsheim» Zeitung. nahmen Landrat Dr. Pfaff-Mosbach und Bürgermeister Voulanger teil. Landesprästüent Person sprach über das badische Grundbuchwesen. In der Diskussion wurde Ein- /spruch erhoben gegen die geplante Verlegung der Grundbücher auf die jeweiligen Amtsgerichte. Es wurde dabei betont, daß der kleine finanzielle Vorteil des Staates die große» Zeitverluste und Geldausgaben der Bevölkerung nicht im Entferntesten decken würde. Es wurde die Beibehaltung des bisherigen SyMms gewünscht. Verbandsdirektor Weiler-Karlsruhe referierte über das Beruss- beamtentum. Da gerade der größte Teil der Mitglieder des badischen Ratschreibervereins in kleinen Gemeinden beruflich tätig ist, so erhofft man auf diesem Gebiete in den nächsten Jahren wesentliche Befferung. Die Unterbringung von Kriegsinvaliden im Ratschreibcrberuf wurde ebenfalls berührt.. Als nächster Tagungsort wurde Schönau i. W. bestimmt. Letzte Telegramme in Kürze. Polen weist zwei russische Emigranten aus. Bcrli«, 10. August. Die „Vossische Zeitung" meldet aus Warschau: Zwei Osfiziere der russischen Zarenarmee, der Rittmeister Alsakow und der Oberst Hofsmann, haben von den polnischen Behörden den Befehl erhalten, innerhalb von zehn Tagen Polen zu verlassen. Sie sollen sich angeblich unerwünscht politisch betätigt haben. Schweres Motorraüuuglück. Königsberg, 10. Aug. Im Kreise Oletzka fuhr ein mit zwei Personen besetztes Motorrad in der Nacht gegen einen Baum. Dabei erlitten die beiden Fahrer so schwere innere Verletzungen, daß sie kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus verstarben. Die Verunglückten kamen von einem Ausflug zurück. Sie waren ohne Beleuchtung gefahren. Notlandung eines dentschen Flugzeuges in Belgien. Brüssel, 10. Aug. Js der Nähe von Namur mutzte heute ein dxutscher Doppeldecker infolge Motordefekts eine Notlandung vornehmen. Der Pilot und seine ihn begleitende Gattin wurden vorläufig festgenommen, da der Pilot zur Landung in Belgien keine Berechtigung hatte. Das Flugzeug befindet sich in Reparatur. Das «nrnhige Rußland. Riga» 10. Aug. Wie aus Stawropol gemeldet wird, ist dort in den beiden letzten Nächten das Gebäude der G. P. U. wie das Gerichtsgebäude fünfmal überfallen und beraubt worden. Reiches Aktenmaterial wurde entwendet. In Umanskaja im Kubanaebiet kam es zu Zusammenstößen zwischen Wachen der G. P.U. und Sacco-Vanzetti- Anhängern, die gleichzeitig für die Redefreiheit der kommunistischen Opposition demonstrierten. Trotzki «ub Sinowjew kaltgestellt. London, 10. Aug. Wie aus Moskau berichtet wird, sollen Trotzki und Sinowjew mit überwältigender Mehrheit durch den kommunistischen Parteikongretz aus dem Zentralkomitee und der Partei ausgeschloffen worden sein. 60 Tote bei einem Markthalleneinstnrz. London, 10. Aug. Im Eingeborenenviertel Schanghais stürzte gestern eine große einstöckige Markthalle zusammen. 60 Personen kamen ums Leben und rund 10 000 weitere wurden verletzt. Hunderte von Freiwilligen halfen bei der Bergung der Opfer. Der größte Teil der Verwundeten wurde nach dem britischen Hospital besördert. Der Zusammensturz erfolgte so plötzlich und verursachte so starke Verwirrung, daß es beträchtliche Zeit dauerte, bis die Ambulanzen herbeigerufen wurden. Der Humorist Rochus Jacoby gestorben. München, 10. August. Der Altmeister süddeutschen Humors, der beliebte Humorist Rochus Jacoby, wurde in der Nähe seiner Villa am Starnberger See von einem Lastkraftwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhaus verstarb. Jacoby hat ein Alter von 68 Jahren erreicht. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 10. Aug. (Gartenfest.) Am kommenden Sonntag veranstaltet der Iller-Berein des Bezirks Sinsheim im Garten des Stadtpark-Restaurant Petri ein großes Gartenfest mit Musik, abends bengalische Beleuchtung, zu welchem alle 11er, Freunde und andere Interessenten herzlich eingcladen werden. Näheres siehe Inserat. * Sinsheim, 10. Aug. (Stutenschauen). Auch dieses Fahr wieder veranstaltet die badische Regierung staatliche Stutens» schauen, mit welchen die Pferdczuchtgenossenschaften genossenschaftliche Prämiierungen verbinden. Die Termine sind folgendermaßen festgesetzt: Eppingen, Donnerstag, den 15. September, 9 Uhr vormittags: Meckesheim, Mittwoch, den 28. Sept., 10 Uhr vormittags: Sinsheim, Donnerstag, den 2 9. Sept, 9 Uhr vormittags; Neckarbischofsheim, Freitag, den 30. Jept., 1 / 2 IO Uhl vormittags: Mosbach, Dienstag, den 18. Oktober, 9 Uhr vormittags: Wiesloch, Donnerstag, den 20. Oktober, 9 Uhr Vormittags. Näheres über die Grundbestimmungen der Schauen: Die Anmeldetermine und die ebenfalls an den genannten Tagen stattfindenden Körungen (Neuaufnahme von Stuten in die Pferdezuchtgenossenschaft) wird noch bekannt gegeben werden. Anmeldungen nimmt schon jetzt der Obmann der Pferdezuchtgenossenschaft entgegen. * Sinsheim, 10. Aug. (Der Laurentiustag.) Die katholische Kirche feiert am 10. August das Andenken des Märtyrers und Heiligen Laurentius, der nach der Ueberliefemng als Diakon der römischen Gemeinde in der Christenverfolgung durch Valerianus im Jahre 258 für seinen Glauben sein Leben ließ. Es wird erzählt, daß Laurentius von der heidnischen Bevölkerung zur Auslieferung der Kirchenschätze aufgefordert wurde, und als solche die versammelten Armen und Kranken seiner Gemeinde bezeich- neie. Zur Strafe wurde er auf einem glühend gemachten Eisenroste zu Tode gemartert. Ueber seinem Grabe wurde später zu Rom unter Kaiser Konstantin eine Kirche gebaut. Laurentius Märtyrerleben erfuhr vor allem durch die Kirchenschriftftellev Ambrosius und Prudentius verschiedene Ausschmückungen und Beifügungen. Seit dem 10. Fahrhundert wird fein Gedenktag gehalten. Sein Name begegnet ferner bei einem der jedes Fahr zu bestimmten Zeitpunkten cintretenden reichlichen Sternschnuppcrr- fälle, die durch das Kreuzen der Erde mit bekannten Metcov- fchwärmen veranlaßt werden. Einer dieser Sternschuppenschwärme heißt Laurentiusschwarm und fällt zwischen den 8. und 12. August. Es heißt im Volk: St. Laurentius — Erster Herbsttag. Allein keine Regel ohne Ausnahme, Uebrigens soll altem Volksglauben zufolge das Wetter, wie es am Laurentiustag ist, sich nicht nur noch einige Tage lang halten, sondern sogar den ganzen Herbst über, denn: „Wie Laurenz und Bartholomei, so dich zum Herbst gefreu!" * Sinsheim, 10 . Aug. (Dahnoerkehr am Berfassungstagc) Am Verfassungstag, 11. August, der in Baden landesgesetzlicher Feiertag ist, verkehren im Bezirk der Reichsbahndirektion Karlsruhe die Personenzüge wie an Sonn- und Feiertagen. Ab- _ Mittwoch, den 10. August 1927 weichungen hiervon im Verkehr mit den Nachbardirektionen, bei denen am 11. August Werktagsbetrieb durchgeführt wird, find aus dem veröffentlichten Fahrplan ersichtlich. §9 Wiesloch, 9. Aug. (Verschiedenes). Die Kirchweih am Sonntag nahm bei bestem Wetter einen günstigen Verlauf. Don allerorts kamen Besucher, um einige vergnügte Stunden zu verleben. Man konnte wieder die Beobachtung machen, daß die Vergnügungsmesse dauernd im Abnehmen begriffen ist, was für die Kinder ein schmerzlicher Ausfall bedeutet, während sich das gesellige Leben mehr und mehr in den Wirtschaften abspielt. — Das Bürgermeisteramt hat als Brandsignal festgesetzt, daß bet einem Brande innerhalb des Stadtgebietes die Sirene andauernd ohne abzusetzen ertönt, während bei einem Brand außerhalb die Sirene kurz hintereinander Signale gibt. O Dirlheim, 9. Aug. (Verschiedenes). Das Fest des Patroziniums, das dem Heiligen Cyriacus geweiht ist, wurde am Sonntag in festlicher Weise begangen. Vormittags war Kirchenparade mit Aufstellung am Kriegerdenkmal. Anschließend fand in der Kirche ein leoitiertes Hochamt durch Pfarrer Leuchtweis statt. Pater Angelus von Kloster Waghäusel war als Festredner erschienen. Der Nachmittag brachte ein reichliches sportliches Programm, wobei die vier Gesangvereine abwechseld Chöre zum Portrag brachten. — Die Masern sind hier in größerem Umfange in letzter Zeit wieder aufgetreten. Besonders davon befallen sind die jüngsten Zahrgänge. -iß Reckargemünd, 9. August. (Bon einem Auto überfahren) wurde auf der Landstraße zwischen Schlierbach und Neckargemünd« bei der orthopädischen Klinik ein älterer Mann, der mit Besen hausierte. Der Verunglückte hat anscheinend schwere innere Verletzungen erlitten. — Lnteröwisheim, 9. Aug. (Sturz vom Erntewagen.) Vergangener Tage stürzte hier eine Frau von einem hochbeladene« Fruchtwagen herab und zog sich außer einigen schweren Hautabschürfungen noch eine namhafte Rippenquetschung zu. Die Verunglückte mußte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. ** Heidelberg, 9. Aug. (Grazer Lehrer in Heidelberg.) Die Grazer Lehrerakademie veranstaltet vom 4. bis 28. Aug. eine Studienreise durch Deutschland, um den österreichischen Lehrern und Lehrerinnen Gelegenheit zu geben, Deutschland kennen zu lernen. Die Reise nahm in München ihren Anfang und am Sonntagabend trafen die 57 Damen und Herren, von Stuttgart kommend, hier ein. Zum Empfang am Bahnhof hatten sich Geh. Rat Rohrhurst, Stadtschulrat Dr. Mückle als Vertreter der Schulbehörde, Hauptlehrer Sailer als Vorstand des Bezirkslehrervereins Heidelberg-Stadt, nebst einer Anzahl Lehrerkollegen, Stadtrat Nepple und der Leiter des Verkehrsamtes für die Stadtbehörde eingefunden. Die Gäste sahen im Schloßhof die Aufführung des „Sommernachttraum" und fanden sich nach der Aufführung mit den Heidelbergern noch im Gartensaal der „Harmonie" zu kurzer Erfrischung zusammen. ** Weiuhcim, 10. Aug. (Unfall). Auf der Gvrxheimer Landstraße wurde der 68jährige Joseph Frohn aus Mannheim von einem entgegenfahrenüen Motorradfahrer angefahren, wobei der alte Mann zu Fall kam und außer einem Rippenbruch eine Gehirnerschütterung erlitt. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus gebracht. ** Tallau, bei Mosbach, 10. Aug. (Vom Auto über» fahren). Montagnachmittag wurde ein Knabe von hier vo« einem Auto überfahren und schwer verletzt. Er hat das Bewußtsein noch nicht wieder erlangt. ** Mörsch, 10. Aug. (Beim Baden ertrunken.) Montagnachmittag geriet beim Baden im Rhein bei Neuburgweier der 28jährige Landwirt Eugen Dambach, Sohn des früheren Bezirksrates Dambach von hier, in einen Strudel und ertrank. Das Unglück geschah an derselben Stelle, an der tags zuvor der 24 Jahre alte Otto Klefenz aus Ettlingen ertrunken ist. ** Pforzheim, 10. August. (Landesschießen.) Eine Veranstaltung größeren Umfangs wird das am 24. und 25. September hier stattfinöenöe erste große Landes- und Verbandsschießen des Südwestüeutschen Sportverbandes für Kleinkaliberschießen werden. Schon jetzt kann mit einer Mindestbeteiligung von 2000 Schützen gerechnet werden. Zahlreiche wertvolle Preise winken den tüchtigen Schützen. Im ganzen sind 25 Schießstände für das Wettschießen und einige für Gästefchießen vorgesehen. Voraussichtlich werden einige Sonderzügr von und nach Pforzheim eine rasche und bequeme Zn- und Heimreise ermöglichen. ** Zell im Wiesental, 10. Aug. (Autounfall.) Auf der Straße zwischen Mambach und Silbersau überschlug sich ein mit sechs Personen besetztes Auto aus Basel. Es hatte eine scharfe Kurve nehmen wollen und stürzte den Straßenbord hinunter. Von den Jnsaflen erlitt der Metzger Franz Bauknecht aus Basel erhebliche Verletzungen am Auge und die Witwe Wagner aus Basel außer Kopfwunden ernstliche Verletzungen des Brustkorbes. Beide wurden in das Krankenhaus Zell verbracht. Die übrigen Insassen kamen mit dem Schrecken davon. ** Vöhrenbach,^ 10. Aug. (Unfälle). Schwer verletzt wurde beim Heueinfahren der 16jährige Sohn des Mietmeisters Kleiser. Er wurde von einer Kuh getreten und kam zu Fall, wobei ihm die Wagenräder über den Leib gingen. Er wurde mit einem Beckenbruch ins Krankenhaus gebracht. — Beim Spielen in der Scheune eines Bauernhofes im benachbarten Langenbach fiel ein 13jähriger Schuljunge in eine Sense, die ihm ein Bein bis auf die Knochen durch- fchnitt. ** Donaneschingen, 10. Aug. (Tod durch Herzschlag.) Gestern vormittag kurz vor Beendigung des Gottesdienstes ereilte den kathol. Pfarrer Weisch in Unadingen bei Tonau- eschingen der Tod. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Der Kirchenbesucher hatte sich begreiflicherweise bei diesem Vorfall eine große Aufregung bemächtigt. Bier Todesopfer des Antonnglücks bei Möckmühl. Lauda, 10. August. Von den bei dem Autounglück in Möckmühl schwerverletzten Kindern ist jetzt ein weiteres im Krankenhaus in Neckarsulm gestorben. Ter Unfall hat somit vier Tote gefordert. Ein weiteres schwer verletztes Kind dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Fenerkampf zwischen Polizei und Verbrechern. Ulm, 10. August. Zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Verbrechern und der Polizei kam es am Sonutaq kur; vor Mitternacht. In der Karlstraße wurde von Polizei- bcamteu ein Kraftwagen angehalten, den einige der Polizei bekannte Burschen von üblem Ruf im Alter v. 19—26 Jahren gemietet hatten, die sich bereits wiederholt der Festnahme wegen verschiedener schwerer Straftaten entzogen hatten. Nachdem ihnen keine Fluchtmöglichkqit mehr gegeben war, griffen einige von ihnen sofort zur Schußwaffe und feuerten auf die Polizeibeamten. Es entspann sich sodann eine regelrechte Schießerei. Das zusammenströmende Publikum machte in unverständlicher Weise ein zielbewutztes Vorgehen der Polizei unmöglich. Dadurch gelang es einem Verbrecher, zu entkommen. Ein weiteres Mitglied der Bande deckte durch scharfe Schöffe feine Flucht, kam dabei aber ums Leben, vermutlich durch einen Schuß aus seiner eigenen Pistole. Zwei weitere Verbrecher sind festgerom- me» worden. Nr. 146. Jahrgang 1927. Der Landbote 4- Sinsheimer Zeitung. Mittwoch, den 10. August 1927. Grubenunglück in Waldenburg. Aus Breslau wird gemeldet: Heute morgen waren auf der fünften Sohle der Melchior-Grube im .Waldenburger Gebiet in einem Senkschacht sieben Bergleute mit dem Abmontieren einer Maschine beschäftigt, als plötzlich die Bühne, auf der die Maschine befestigt war, zusammenbrach. Die Arbeiter stürzte» in die Tiefe. Fünf von ihnen schwer, zwei leicht verletzt. Me Schwerverletzten liegen in bedenklichem Zustand im Knappschafts- Lazarett. Rademacher bleibt Weltrekordmann. Wie sich jetzt herausstellt, handelte es sich bei der seinerzeit gemeldeten Weltrekordleistung des amerikanischen Schwimmers Lauffer — er sollte 10 Meter Brust in 1:11,4 Minuten zurückgelegt haben — nicht um 100 Meter, sondern nur um 100 Yards. Radcmachcr behält also nach wie vor auch den Weltrekord rm 100-Metcr-Vrustschwimmen. Die Tabak-Ernte vernichtet. Schweres Unwetter in Unterbaden. Heidelberg. 9. Aug. Gestern nachmittag ging über einen schmalen Landstrich Unterbadens ein schweres Unwetter hernieder, das von heftigen Hagelschäden begleitet war. Der Herd lag über dem Dorf Eppelheim bei Heidelberg. Hier hat der Hagel sämtliche Feld- und Gartenfrüchte vernichtet. Die ganze Tabakernte ist zerstört. Kartoffel und Rüben wurden zusammengeschlagen. In den Gärten sind die Gurken- und Tomatenpflanzungen übrr- haupt verschwunden. Der Schaden wird nach den bisherigen Berechnungen auf etwa eine Million geschätzt. Noch zwei Stunden nach dem Unwetter lagen in den Straßen und auf den Feldern die Hagelkörner, die mitunter die Größe eines Hühnereis erreichten. Biele Fensterscheiben sind zertrümmert: die Straßenbahn blieb auf der Strecke Eppelheim und Pfaffengrund im Eise stecke^, das sich in den Schienen festgeklemmt hatte und mußte nahezu eine halbe Stunde auf offener Strecke halten. Heute vormittag konnte man in verschiedenen Dunggruben noch zentimeterdicke Eisschichten wahrnehmen. Ausläufer dieses Unwetters haben in Wieblingen, Plankstadt und Oftersheim gleichfalls schwere Schäden in Gärten und auf oen Feldern angerichtet. In Plankstadt wurde der größte Teil der Tabakernte vernichtet und über fünfzig Fensterscheiben eingeschlagen. ** Ettcnheim, 10. Aug. Von einer schweren Unwetterkatastrophe wurden am Samstag unsere Nachbarorte Münchweier und Ettenheimmünster heimgesucht. Während tagsüber eine drückende Hitze herrschte, ballten sich gegen 5 Uhr abends schwere Gewitterwolken zusammen, die in dem engen Tal, das sich an beiden Orten entlang zieht, zu einer wolkenbruchartigen Entladung kamen. Während hier in Etten- heim selbst nur wenig Regen fiel, brachte unser so viel verhöhnter Ettenbach eine so gewaltige Wafiermenge, daß in wenigen Stunden die hiesigen niedergelegenen Stadtteile überflutet waren. Unsere Feuerwehr wurde um 6 Uhr zur Hilfe nach Münchweier gerufen, gleichzeitig verbreitete sich das Gerücht hier, daß in dem naheliegenden Wallburg ein Blitzstrahl ein Wohnhaus angezündet hätte, glücklicherweise war dort die Gefahr nicht so groß: sie konnte von den Einwohnern niedergehalten werden. In Münchweier waren die Wafsermassen so stark daß die Hälfte des Ortes nicht zu passieren war, verschiedene Einwohner, besonders Frauen, konnten noch rasch aus den gefährdeten Häusern getragen werden. Ebenso soll auch aller Viehstand geborgen worden sein. Die Wassermassen kamen so schnell, daß manche Einwohner gar nicht an die Bergung ihrer Habseligkeiten denken konnten. Die Straße nach Ettenheimmünster ist durch Einsturz für den Verkehr nicht paflierbar, weshalb noch alle Nachrichten von dort fehlen. Von hier ist dann das Unwetter nach dem Schuttertal weitergezogen. Der Schaden an der Ernte und an den Obstbäumen ist sehr groß. Durch Blitzschlag zwei Frauen getötet ** Pforzheim, 10. Aug. Bei dem gestrigen schweren Gewitter, das in den Abendstunden über die Gegend niederging, wurden im benachbarten Neuhausen zwei Frauen durch Blitzschlag getötet. Der 38 Jahre alte Landwirt Wiedmann befand sich mit seiner Frau und Schwiegermutter und seinem kleinen Kinde auf dem Felde. Sie suchten vor dem Unwetter unter einem Obstbaum Schutz, Plötzlich schlug der Blitz in den Baum und töteK die beiden Frauen sofort, während der Mann nur betäubt wurde. Das Kind blieb völlig unverletzt in seinem Wagen. Der Mann befindet sich wieder auf dem Wege der Besserung. Naturereignisse in Norddeutschland Ricsenbrand ans einem mecklenbnrgischc« Rittergut. Schwerin, 9. August. In der Nacht zum Montag wurde das mecklenburgisch^siittergut Wendorf bei Schwerin von einem Großfeuer heMlgesucht. In einigen Stunden wurden vier große Gebäude vollständig eingeäschert. Leider gelang es nicht, alles Vieh aus den brennenden Gebäuden herauszubringen. Insgesamt kamen in den Flammen 118 Schafe, 17 Schweine und 20 Jungrinder um. A-ls Entstehungsursache des Feuers wird böswillige Brandstiftung angenommen. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Z« dem Unwetter in Mecklenburg. Schwerin. 10.'August. Bei den schweren Gewittern, die in der vorgestrigen Nacht über Mecklenburg niedergingen, sind die Telephonleitungen in weiten Teilen des Landes zerstört worden. Der Blitz hat in sieben großen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden gezündet, von denen sechs vollständig' »iedergebrannt sind. 'Zum Teil ist auch Vieh in großer Zahl in den Flammen umgekommen. Der Blitz fuhr auch vielfach in Bäume, MerWeulehxs L»ö bMer nicht zu beklagen, Schweres Gewitter auch über Seeland. Kopenhagen, 10. August. Gestern Nacht ging über Seeland ein furchtbares Gewitter nieder. Viele Höfe sind infolge Blitzschlaegs niedergebrannt. Bei Vordingborg wurde ein Mann vom Blitz getötet. Sturmschäden in Langendreer. Zahlreiche Verletzte. Dortmund, 10. August. Bei dem orkanartigen Unwetter, das am Montag nachmittag in der hiesigen Gegend einsetzte, hat sich in Langendreer ein schwerer Unfall ereignet. Für ein Fest der Freien Gewerkschaften waren ein großes Festzelt und zahlreiche Vergnügungsstätten errichtet worden. Ein Windstoß riß eine 20 Meter hohe Rutschbahn um, wobei eine Frau und mehrere Kinder verletzt wurden. Das große Zelt, unter das etwa 200 Teilnehmer geflüchtet waren, wurde zum Teil eingedrückt. Es entstand eine Panik, wobei ebenfalls mehrere Personen schwerere bzw. leichtere Verletzungen Kavontrugen. i--»- Gewitter «nd Wolkenvrnch auch km Harz. Hannover, 10. August. Gestern sind schwere Unwetter in Hannover niedergegangen. Besonders die Harzgegend wurde schwer getroffen. Die starken Niederschläge haben vielfach große Ueberschwemmungen herbeigeführt. Das Bogelsche Sägewerk wurde infolge Blitzschlags völlig in Asche gelegt. In Wülfenrode haben die Ueberflutungen besonders großen Schaden angerichtet. In Sollstedt wurden die Böselschen Baulichkeiten sowie benachbarte Stallungen eingeäschert. Die Hainleite trat aus den Ufern und verwandelte die Chausieen in Wasserstraßen. Das apf der Weide befindliche Vieh ist zum Teil ertrunken. Schweres Explosionsunglück in Magdeburg Magdeburg, 10. August. Am Dienstag morgen gegen 8.30 Uhr ereignete sich auf dem Fabrikgelände der deutsch- italienischen Feuerwerksgesellschaft an der Berliner Chausiee eine schwere Explosion. Bis jetzt konnten aus den Trümmern siebe« Schwerverletzte geborgen werden. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Es wird jedoch angenommen, daß die Explosion dadurch entstanden ist, daß einer der Angestellten entgegen seinen Vorschriften geraucht und die noch glimmende Zigarette fortgeworfen hat. Ei« zweites Todesopfer der Magdeburger Explosion. Magdeburg, 10. Aug. In den gestrigen Nachmittagsstunden wurde die bisher als vermißt gemeldete Arbeiterin, die unter den Trümmern des Fords X vermutet wurde, als Leiche in einem in der Nähe befindlichen Schrebergarten gefunden. Die Verunglückte wurde von dem Luftdruck ungefähr 180 Meter weit geschleudert. Die Feuerwehr wird voraussichtlich bis morgen früh auf der Brandstätte verweilen, da noch mit der Möglichkeit weiterer Explosionen gerechnet werden muß. Die Verhexte. Toinett aus Cassina ante portas Roms liebt Ancesco, mutz aber den reicheren Angeto ehelichen. Anesco schwört blutige Rache, erscheint uneingeladen abends an der Hochzeitstafel, schreitet zum Entesetzen der verstummenden Hoch- Gäste schweigend auf die Braut zu, hebt die Hand und ruft: „Verhext!" Dann flüchtet Ancesco. Seine frühere Geliebte aber bricht ohnmächtig zusammen. Als sie erwacht, ist sie wahnsinnig geworden. Man hat sie in eine Irrenanstalt geschafft, wo sie nun ihrer Zelle fortwährend nach ihrem Ancesco schreit. Die Aerzte lassen ihr keine Hoffnung. Von der Lava gefangen. Aus Rom wird gemeldet: Eine Französin, Profefforin der Pariser Sorbonne, wurde, als sie das Innere des Vesuvkraters besichtigte, von einem Strom geschmolzener Lava gefangen. Sie befand sich in der Begleitung des Professors Malladra, des Direktors' des Vesuv-Observatoriums. Ein unerwarteter, plötzlich hervorbrechender Lavastrom hielt die Profefforin in einer Ecke des Kraters fest. Profeffor Malla- öra rief ihr zu, sie möge stehenbleiben, kletterte auf eine freiliegende Erhöhung und sprang zu ihr hinunter. Jn- deffen aber nahm der Lavastrom zu und die Insel, auf der die beiden standen, wurde kleiner und kleiner. Glücklicherweise Hörte der Lavaflutz auf, bevor ihre Stellung unhaltbar wurde, und als die Lava abkühlte, waren sie imstande, sich in Sicherheit zu bringen. Radio - Programm ^ für Donnerstag, den 11. August 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1250). 12.00 Uhr: Ueber- tragung der Berfassungsfeier aus dem Reichstag und der Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude. 17.30 Uhr: Carl Maria v. Weber. 19.30 Uhr: Uebertragung der Perfassungs- feier aus dem Hause der Funkindustrie. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Breslau (315). 19.30 Uhr: Uebertragung v. Berlin. 22.30 Uhr: Uebertragung a. d. „Cafe Hindenburg", Konzert u. Tanzmusik. Frankfurt (428). 12.00 Uhr: Uebertragung o. Berlin 13.30 Uhr: Mittagskonzert, Salonmusik. 16.30 Uhr: Konzert, Reue Tanzmusik. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.05 Uhr: Borträge. 19.30 Uhr: Uebertragung v. Berlin. Anschl.: Tanzmusik. Hamburg (394). 19.30 Uhr: Uebertragung v. Berlin. Anschl.: Konzert. Königsbrrg (329). 20.10 Uhr: Kammermusik. 21.15 Uhr: Landsknechtzeit in Lied und Dichtung. 22.00 Uhr: Tanzmusik. Langenberg (468). 20.00 Uhr: Heitere Dichtungen gesprochen o. Willi Buschhoff. 22.45 Uhr: Tanzmusik. Leipzig (365). 20.15 Uhr: Feier des Verfassungstages. 22.00 Uhr: Funkpranger. München (535). 20.45 Uhr: Bunte Zwischenstunde. 21.45 Uhr: Musik im Leben der Völker. Stuttgart (379). 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15 Uhr: Vorträge. 20.15 Uhr: Verfassungsfeier der Stadt. 21.15 Uhr: Russische Musik. Daventry (1600). London (361). 12.00 Uhr: Konzert. 15.00 Uhr: .Gottesdienst. 15.45. Uhr: Daventry-Quartett. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.20 Uhr: Tanzmusik. 19.15 Uhr: Beethovens Sonaten. 19.30 Uhr: Militärorchesterkonzert. 21.35 Uhr: Balladenkonzert. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Paris (1750). 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Tanzmusik. 19.30 Uhr: Cocktail-Konzert. 20.30 Uhr: Konzert. Wien (517). 20.05 Uhr: Volkstümliche Vorlesung. 21.05 Uhr: Konzertakademie. Zürich (588). 20.30 Uhr: Klassiker-Halbstunde. 21.00 Uhr: Schweizer Volkslieder-Abend. Prag (348). 20.10 Uhr: Lustiger Abend. 21.00 Uhr: Unterhaltungsmusik. E. 6d)U6, Uhrmachermeister, SlNSheiM S. E. Dr.Seibt-Vertreter — Lager tu Telsfunten-Röhren, Anoden > Batterien — samt ltchen Ersatzteilen, Varia Akkumulatoren-Ladestation. — Telefon I» Neueste amtliche Kurse vom 9. August 1927. mitgeteilt von der Brreinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. fealeiften: in o/o Ablöfunaslchuld mit Auslosungsschetn . . 57 ohne Auslosungsschetn . . 16,20 Bankaktie : in 0/0 Bad. Bank . . . .175 Darmstädler- «nd Nationalbant 2331 /, Deutsche Bank .... 1021/2 Deutsche Vcretnsbank . 105 Dresdner Bank . . . >6? MUteldeutsche Creditbank . 240 RetchSbank .... t7N/r Rhein. Creditbank . . . 1041/2 Südd. Dtsconto Eies. I4b Bergwerk«»Aktien in 0,0 Harpen« Bergbau . . — «alt Westeregeln . . . — ManneSmunnröhrenwerke. . 1070/4 Mansfelder Bergb. u.Hütteuw . 134 Oberschl. Eisenb. Bedarf . . SS Phönix Bergbau u.Hüttenbetrteb 12 - 0/4 salzwerk Heilbronn . . 18^2 vereinigte Königs- Laurahütte — Asttie« iuduftr. vnternehmnngen: in 0/0 Allg. Elektr. Stammaktien . 1 890/4 Badenta Wetnbetm . — Bad. Elektrtzuät Mannheim — Bad. Maschinen Durlach . . 1541/2 Cementtverk Heidelberg . 140 Daimler Motoren . . . 1200/4 Dtsch. Gold- und silberfcheid« 215 >2 Elektr. Licht und Kraft . . 2021/4 Emaill. und Stanzwerk Ullrich — Farbentndustrte ... 81 01/2 Fuchs Waggon Stammaktien — lsritzner Maschinen Durlach . II 81/2 Karlsruher Maschinen . . 28 Knorr Hellbronn . , . 1820/4 Matnkraftwerke Höchst . . 1251/4 Reckarsulmer Fahrzeugwerke . — schulkcrt Elektr. Nürnberg . 20ö Setltndustrie Wolff ... 97 Südd. Zucker . . . . 144 Zellstoff Waldhof Stammaktien 8341/2 Aktien deutscher Transportanftalten: tn 0/0 amburg. Amerik. Paketfahrt 1551/4 etdelberaer Straßen- u. Bergbahn — orddeutscher Lloyd . . 153s/4 Devisen: Bel» Brief New-Dork t Dollar 4.20/5 4 210 - London 1 Pfund 20.424 20.401 Holland Ivo Gulden 168.40 108.74 Schweiz 100 Franes 81. 81.16 Wien 100 Schilling 59,21 69 33 Parts Ivo Francs 10.461,2 Io.övi /2 Italien 1V0 Lire 22,29 22.93 Wetterbericht. Karlsruhe, 9. Aug. Bei anfangs heiterem Wetter und noch östlichen Winden stiegenAtte Temperaturen gestern schon in den Vormittagsstunden erheblich, teilweise über 30 Grad. In den Nachmittagsstunden kam es öfters zu Gewittern, bei denen böenartitz einbrechende Westströmung und starke Gewitterregen in kurzer Zeit eine Abkühlung um 10 Grad bewirkten. In der Nacht folgten weitere Gewitterregen. Durch die nordostwärts gerichtete Bewegung, des Tiefdruckausläu- fcrs wird das nordöstliche Hoch weiter aus Jnnenrußland verdrängt und verliert jetzt seinen Einfluß auf trocken-heiteres und heißes Sommcrwetter. Mit dem Durchzug der von den britischen Inseln vordringenden Luftwirbel gelangt der größte Teil Mitteleuropas in den Bereich der aus dem grönländischen Hochdruckgebiet stammenden kühleren Strömung, bei der mehr wolkiges Wetter und zeitweise Regenschauer bevorstehen. ** Wetteranssichte« für Mittwoch. Nach Durchzug weiterer Gewitterstörung kühleres vielfach wolkiges Wetter, zeitweise Regen Des morgigen Berfaffnngstages wegen «scheint die nächste Nummer des Landboten am Freitag. Bekanntmachung. Die Einwohner ersuchen wir am 11. August 1927 — Tag der Verfassung — ihre Häuser zu beflaggen. Sinsheim, den 9. August 1927. Bürgermeisteramt: S i d l e r. BauarßßitßnDßrflßöiing. Zur Erneuerung des Turmdackes und sonstiger Reparaturen an der Pfarrkirche in Zuzenhansen, find nach den bei den Erzbischöflichen Bauämtern geltenden und daselbst einzusehenden Vorschriften öffentlich zu vergeben: Zimmerarbeiten Dachdeckerarbeiten (Schief«) Blechnerarbeiten Verputzarbeiten und Gerüststellung Schlofferarbeiten und Tüncherarbeiten Zeichnungen, Bedingungen und Arbeitsbeschriebe liegen im Kathol. Pfarrhaus in Zuzenhaufen zur Einsicht auf. Angebotsvord'rucke sind gegen Kostenersatz bei dem Kathoi. Slistungsrat erhältlich. Angebote nach Einzelpreisen, sind oerschloffen, postsrei und mit entsprechender Aufschrift oerse en, bis längstens IS. August vormittag» 11 Uhr bei dem Kathol. Etiftungsrat in Zuzenhaufen einzureichen. Zuschlagsfrist drei Wochen. Heidelberg, den 8. August 1927. Erzbifchöfl. Bauamt, Außenstelle. Am Sonntag, den 1-4. August nachmittags 2 Uhr veranstaltet der Bezirl&S- verein der 111 er im Stadtpark Petri unter Mitwirkung der Stadtkapelle ein Gartenfest wozu alle 111 er mit Familienangehörigen eingeladen werden. Auch Nichtmitglieder haben freien Zutritt. Alle 111 er werden gebeten, um 1/22 Uhr im Stadtpark Petri zu einer wichtigen Besprechung, wegen des 75 jährigen Regiments- festes in Rastatt, vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. : Wennfie einguie^ fcifsmpidkföv Jmh&n! Ohne Reklame keine Einnahme! Sehr billige Betten Schönes rot. Deckbett li/2-schläfrig gut gefüllt 30 Mk. Kopfkissen dazu Stück 10 Mk. Bettfedern das Pfd 3.— und 4.50 Metall bettstelle für Erwachsene mit Patentrost 90 breit, 190 lang 22 Mk., Kinderbettstelle 18 Mk. große Seegrasmatratze 3teilig mit Keil 25.— Frachtfreier Versand. Albert Sommer Betten - Spezialgeschäft Heidelberg,Haaptstr. $0 u.92 Lege-, Zucht- MF u. Raffegefliigel aller Art lief, gut und billig. Preisl. gratis. L. 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