Lrschetmt ttl,llch mH Ausnahme der Feiertage. Bezug»-Preis: Hm» Briefträaer und unser« Austräger stei ms Laus monatlich Goldmark ISO Dm Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. M» Fällen von höherer Gewalt Besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit l/a8 bis 5 ühr Tonntags geschlossen. Werns prech-Auschlntz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. SSOS Der Lanöoote SinsKermer B 3 eitung ©cneral-Jli^cigcr fuc bas^^^^Äfeiy'Unb Schtt>ac3bachtol and vrvrettelkl» Leltong dieser Gegend. y»apt-Hnreigen-SUitt vttlv,«,, OM* «nd 3 Mm » Der Kobold • Naue TttaftrUrt» » C«nd*trlM>*ftHch« vaUnge Nuzelgen-Preff«: -ck Anzeige«: Die 33 mm b*«M» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklame»- Die 92 mm breit» Millimeter-Zeile 28 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- u»B Texttell ist Petit. Bei Wiederholungen tariffest»», Rabatt, der der Nichtzablmrg: innerhalb 8 Tagen nach Rech»! nungsdadam oder bei gerichtlich»» Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 ilh» vormittags; größere Anzeige« müssen am Tage vorher »af gegeben werden. Bank-Konro: Dereinsbank Sinsheim e. G- m. b. &. M 147 Freitag, den 12. August 1927 88. Jahrgang Der Tag der Republik. Derfaffungsfeier im Reichstag. Berlin, 11. Aug. Die Berfassungsfeier im Reichstag begann Punkt 12 Uhr. Auf der Regierungsbank saßen der Reichskanzler Dr. Marx, neben ihm der Festredner von Kardorff, der preußische Ministerpräsident Dr. Braun und die Reichsminister Hergt, Stresemann, Schiele und Schaetzel; ferner waren anwesend mchrere Staatssekretäre, der Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Dorpmüller und die Bevollmächtigten der Länder. Mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg erschienen noch Reichsminister von Keudell, der Chef !der Heeresleitung, General von Heye, und der Chef der Reichsmarine, Admiral von Zenker'. 'Abgeordneter von Kardorff nahm nach einem Bortrag des Sprechchors der Universität Berlin das Wort zu einer Festrede. Er führte aus: Die Berfassungsfeier soll kein jubelndes Fest sein. Sie soll ein Tag sein der Einkehr und der Sammlung. An diesem Tage soll der Parteistreit ruhen. Wir feiern diesen Tag, weil an ihm Deutschland wieder eine» festen Rechtsbodcn unter dir Füße bekam «nd weil er ein Bekenntnis bedeutet zur Einheit des Reiches, zur freiheitlichen Gestaltung eines neuen staatlichen Seins. Kardorff schilderte dann das Chaos und die Verzweiflung im November des Jahres 1918. In wenigen Tagen war damals das Deutsche Reich ein Haufen von Schutt und Trümmern. Kardorff prägte hier das Wort: „Es war mehr ein Einsturz als ein Umsturz." Zwei Männer haben damals Deutschland vor dem Untergang bewahrt, Hindenburg und Ebert. Hindenburg führte die Armee geordnet in die Heimat zurück, Ebert schrieb die Wahlen zur Nationalversammlung aus. Kardorff zi- tiette das Wort Hindenburgs über Ebert, in dem Hindenburg das Verdienst Eberts um Ruhe und Ordnung nach dem Zusammenbruch und seine Treue dem deutschen Volke gegenüber rühmt. Dann berührte Kardorff die beiden Fragen der Staatsform und der Flagge, die die Weimarer Verfassung geregelt hat und um die noch heute der innerpolitische Streit geht. Er (der Redner) selbst hänge mit heißer Lieb« an Schwarz-Weiß-Rot und halte den Farbenwechsel für einen Fehler. Aber trotzdem müsse er bekennen, daß die gesetzlich festgelegten Reichsfarbrn Schwarz-Rot-Gold geachtet werden muffen. Darüber hinaus müsse bekannt werden, daß die Farben Schwarz-Rot-Gold mit der deutschen Geschichte aufs engste verknüpft seien. Besonders wies er darauf hin, daß diese Farben das Sinnbild des großdeutschen Gedankens seien, an dem Deutschland feschalte. Es gab stürmischen Beifall, als Kardorff ausrief, auf die Dauer werde keine Macht der Erde stark genug sein, den Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu verhindern. Herr von Kardorff hielt es dann für nötig, das gleiche Maß von Achtung auch für Schwarz-Weiß- Rot zu fordern, eine Forderung, die er allerdings dann zum Teil damit begründete, daß Schwarz-Weiß-Rot mit der schwarz-rot- goldenen Gösch die deutsche Handelsflagge ist. Kardorff wandte sich dann zwei anderen inneren Fragen zu, dem Klassenkampf und dem Kulturkampf. Das neue Ethos könne nur auf der Synthese von Nationalstaat und sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden. Die breiten Arbeitermassen müssen mit Freude am Staat und mit Verantwortungsgefühl gegenüber dem Staat erfüllt werden. Auch die Gegensätze, die sich aus den Auswirkungen des Kulturkampfes ergeben, müßten in gegenseitiger Toleranz ausgeglichen und überwunden werden. Als erschwerendes Moment komme hinzu, daß Deutschland kein Einheitsstaat sei. Deutschland müsse ans dem Weg zum Einheitsstaat unter Schonung des historisch Gewordenen weiter fortschreitend Das dringendste Problem sei das Verhältnis zwischen Preußen und dem Reich. Notwendig sei eine Stärkung der Reichsgewalt und eine klare Abgrenzung der Machtbefugnisse von Reich, Ländern und Gemeinden in verwaltungsrechtlicher und finanzieller Hinsicht. Schließlich forderte von Kardorff, daß die Stellung des Reichspräsidenten gehoben und gestärkt werde. Am Schluß seiner Rede wandte sich von Kardorff an das Ausland. „Wir fordern von der Welt im eigenen Interesse und im Interesse von Europa unser Recht auf Freiheit." Deutschland habe, nachdem es immer wieder seinen Friedenswillen bewiesen habe, nachdem es vollständig entwaffnet und die Reparationslasten geregelt habe, das Recht, bitterste Beschwerde vor der Welt darüber zu führen, daß noch heute fremde Truppen innerhalb der deutschen Grenzen stehen. Rach Dankesworten an die Bevölkerung des besetzten Gebietes und der Saar ließ von Kardorff seine Rede ausklingen in die Mahnung zur Einigkeit und in das Bekenntnis des Glaubens an die deutsche Zukunft. Hierauf ergriff Reichskanzler Dr. Marx das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er ausführte, daß das Verständnis für das Berfaffungswerk auch in den Kreisen zu erwachen beginne, die ihm bisher innerlich gleichgültig und ablehnend gegenüberstanden. Der Reichsregierung obliege nicht nur- die Pflicht, die Verfassung gegen jeden ungesetzlichen Angriff zu verteidigen, sie habe auch dafür zu sorgen, daß das Grundgesetz des neuen Dolks- staates selbst die gebührende Achtung und Anerkennung genieße. Marx schloß: „Unser geliebtes Vaterland und das in der Republik geeinigte deutsche Volk — sie leben hoch!" Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes' schloß die Feier. Auf dem Platz der Republik hatte sich während des Festaktes im Reichstagsgebäude eine nach vielen Tausenden zählende Menge eingefunden, die den weiten Raum um das Bismarck-Denkmal bis zur Siegessäule ausfüllte. Der Sockel des Bismarck-Denkmals und alle erhöhten Plätze der Reichstagsrampen waren mit Pho- trographen besetzt. Punkt 12 Uhr rückte unter klingendem Spiel die Ehrenkompagnie auf. Während der Feier im Reichstage spielte die Kapelle. Um 1 Uhr geht Bewegung durch die Meng«. Das Hauptpvrtal des Reichstages wird geöffnet und kurz darauf erscheint der Reichspräsident, an seiner Seite Reichstagspräsident Lobe und General Heye. Dann ein kurzes Kommando und die Ehrenkompagnie präsentiert die Gewehre. Die Kompagnie spielt den Präsenttermarsch und dann das Deutschlandlied. Währenddessen wird der Reichspräsident von nicht enden wollendem Jubel der Menge begrüßt. Der Reichspräsident schreitet dann die Ehrenkompagnie ab. Er schüttelt den Offizieren die Hand und hört dann noch 1>en Pattrag eines Chores: „Wir wcsslen sein ein einig Volk von Brüdern." Darauf besteigt der Reichspräsident mit dem Reichskanzler den Wagen, und während sich der Wagen langsam in Bewegung setzt, begleiten ihn wieder die Hochrufe der Menge. Der Vefaffungstag in Baden. !KarIsr«he, 11. Aug. Der in Baden als gebotener Feiertag erklärte Perfasiungstag wurde hier am Vorabend durch einen Fackelzug des Reichsbanners eingeleitet, der am Staatsministerium vorüberzog, auf dessen Balkon sich neben dem Staatspräsidenten Dr. Trunk die Spitzen der Behörden versammelt hatten. Am heutigen Vormittag fanden Festgottesdienste statt, während am Nachmittag bei einer Kundgebung unter freiem Himmel Redner der drei VerfassuiMpatteien sprachen. Ein für den Abend von der Staatsregierung und der Stadtverwaltung angekündigtes Stadtgattenfest mußte wegen ungünstiger Witterung ausfallen. Die Hinrichtung aufgeschoben. Um Eaeeo und Danzetti. London, 11. Aug. Meldungen aus Boston zufolge hat der Direktor des Staatsgefängnisses in Charlestown bekanntgegeben, daß Sacco und Danzetti ein vorläufiger Aufschub der Urteilsvollstreckung bis zum 22. August Mitternacht gewühtt worden ist. Eindreiviettel Stunden vor der Hinrichtung wurde dem Gefängnisdirektor vom Gouverneur telephonisch mitgeteilt, daß ein Aufschub gewähtt worden sei, ohne daß dieser jedoch zunächst die Dauer des Aufschubes angab. Fn einem späteren Telegramm ist auch dem wegen Mordes zum Tode verutteilten jungen Portugiesen Madeiras, der gleichzeitig mit den Italienern hingettch- tet werden sollte, Strafaufschub gewährt worden. Rewyork, II. Aug. Sacco und Danzetti sind aus der Totenzelle des Gefängnisses in eine andere Zelle geschafft worden.' Oie machten beide infolge des Hungcfftreiks einen schwachen Eindruck. Die Bettagung der Urteilsvollstreckung erfolgte nach stun- denlanger Beratung, an der sieben .frühere Generalstaatsarm walte teilnahmen. Die Aufschiebung der Urteils Vollstreckung hat in ganza Amerika als Riesensensation gewirkt. Die Zeitungen veröffentlichen seitenlange Berichte über den Fall. An verschiedenen Orten ist es bereits zu neuen Kundgebungen gekommen, die aber schnell unterdrückt werden konnten. Massenoerhaftungen wurden dabei oorgenvmmcn. Wie verlautet, hat sich vor einiger Zeit Mussolini in einem Brief an das Staatsdepattement für Sacco und Danzetti verwandt.' Auch Senator Borah hat sich der Bewegung angeschlossen, die ein milderes Urteil für Sacco und Banzetti fordett. Bor dem Start der Ozeaaflieger. Di« letzten Vorbereitungen in Deffa«. — Statt am Samstag. Berlin, 11. Aug. Heute mittag flog vom Flugplatz der Funkerswerke in Dessau ein Apparat nach Warnemünde, um Prof. Junkers, der dott weilt, nach Dessau zurückzuholcn, ein Zeichen, daß nunmehr der Amerikastatt unmittelbar broorsteht. Die beiden Flugzeuge „Europa" und „Bremen" stehen vorläufig allerdings noch abmontiert in den Hallen. Die einzelnen Tttle werden noch einmal untersucht und heute abend wird man die Flugzeuge startbereit machen. Morgen vormittag sollen noch ein paar praktische Bersuchsflüge stattfinden. Man kann also mit dem Start in der Nacht zum Samstag rechnen. Dessau, 11. Aug. Der Statt der beiden Ozeanmaschinen der Funkerswerke wird, günstige meteorologische Verhältnisse vorausgesetzt, nunmehr bestimmt am Samstag früh oder Samstag abend erfolgen. Ohne Räumung kein Friede! Es ist zu begrüßen, daß einige linksstehende Blätter Frankreichs auf das gestern vom „Temps" gegebene Sttchwott nicht hineingefallen sind. Nachdem der „Quoditien" von einer loyalen Pflicht das Rheinland zu räumen gesprochen hatte, sobald Deutschland die Verträge erfüllt habe, erklätt heute offen heraus der „Soir": „Die Richträumung des Rheinlandes ist ein Fehler. Sie oerhtndett die loyale Zusammenarbttt dtt beiden Länder. Die von Herriot in Genf eingeleitete und von Bttand in Locarno sottgesetzte Politik kann nicht vollauf verwirklicht werden, solange unsere Soldaten auf deuffchem Boden stehen. Für den Frieden ist die deutsch. franzöfische Verständigung notwendig. Es gibt aber keine aufttchttge Verständigung zwischen zwei Völkern, wenn das eine das Joch des anderen erdulden muß. Attikel 431 des Versailler Vettrages gestattet es den Deuffchen, die vorzcittge Räumung zu fordern. Deuffchland, das die Bestimmungen des Dawesplanes ausfühtt und das seine Ostbefestigungen geschleift und sein Kttegs-. material vernichtet hat, vettangt den Abzug der Besatzungstruppen. Diese derechttgle Forderung hat unsere Nationalisten, die zwischen dem bewaffneten Frieden und der internationalen Cordialität gewählt haben, zum Kampf qetttebeo. Sie schlagen großen Lärm um einen gewissen Bericht Guillaumats, der übrigens nur vage Behauptungen über nationalistische Umtriebe im Rheinland enthält. Die anläßlich der illegitimen Veröffentlichung hes Bettchtes Guillaumats unternommene Polemik hält der Prüfung nicht stand. Der Kriegs- minister hatte vor mehr als 6 Monaten den Bericht des kommandierenden Generals der Besatzungstruppen dem Ministerrat vorgelegt und die Argumente Guillaumats effchienen so vage, daß selbst der Chauvinismus Marius dadurch nicht beunruhigt wurde. ^ Also? Das Manöver ist zu klar. In Genf wird Stresemann die Räumung fordern. Man will durch eine Hetzkampagne uns zwingen, diese Genugtuung zu verweigern. Aber Briand mit seinem Wirklichkeitssinn wird diese Aktion durchkreuzen und Verpflichtungen ausführen, die sich aus dem Abkommen von Locarno und aus den Besprechungen von Thoiry ergeben." Roch 18 Jahre Wohnungsnot. Die neuesten Zahlen des Statistischen Reichsamts über die Bautätigkeit im Deutschen Reich zeigen ein trostloses Bild von der Be- Hebung der Wohnungsnot durch Erttchtung von Wohngebäuden. Es wurden nach den amtlicken Festlegungen im Mai 1927 in den 45 deutschen Großstädten über 100000 Einwohner zusammen 5262 und in den 47 deutschen Mittelstädten zwischen 50000 und 100000 Einwohnern 1143 neue Wohnungen errichtet. Das sind an den Hanpt- notplätzen zusammen 6405 neue Wohnungen in einem Monat. Da nach den letzten von zuständiger Seite gegebenen Mitteilungen gegen» wärtig ein Mindestbetrag »on 6Ö0 000 Wohnungen in Deutsch, land besteht und die Verhältnisse in den einzelnen Städten nicht besser liegen als die Gefamtoerhältniffe, würden also 100 Monate oder rund 8 Jahre dazu gehören, diese Wohnungen settigzusteilen. Run liegt aber die Bautätigkeit während des Jahres längere Monate darnieder. Außerdem tritt zu dem Reubedarf der Ergänzungs. bedarf an Allwohnungen. Es ist deshalb, so schreibt die im allgemeinen gutinsormierte Wohlfahrtskorrespondenz, nicht zu hoch ge. griffen, daß wir vor 15 Jahren eine merkbare Erleichterung aus dem Wohnungsmarkt nicht ermatten duffen. Die zuständigen Stellen haben Recht, wenn sie erklären, daß hier nicht mit theoretischen Auseinandersetzungen, sondern nur durch eine planmäßige Anwendung der Praxis vorwärtszukommen ist. Als solche steht gegenwättig die Verbilligung des Wohnungsbaus durch Versuchsbauten für die Erreichung des zweckmäßigsten Wohntyps im Vordergründe. Der Urlaub des Reichspräsidenten Berlin, 9. August. Wie die Telegraphen-Union erfährt, wird Reichspräsident von Hindenburg seinen diesjährigen Urlaub unmittelbar im Anschluß an die Verfaffungsseier nehmen. Das genaue Datum des Beginns seines Urlaubs stcht zur Stunde jedoch noch nicht fest. Die Botschafter von Hoesch und Graf Brockdorff Rantzau kehren auf ihre Posten zurück Berlin, 9. August. Wie die Telegraphen-Union erfährt, begab sich der Botschafter von Hoesch noch gestern abend nach Paris, um die Dienstgeschäfte der deuffchen Boffchaft nach seiner Rückkehr vom Urlaub wieder zu übernehmen. Graf Brockdorfs hat ebenfalls seinen Urlaub beendet und sich vorgestern abend nach Moskau zurückbegeben. Keine Unterstützungsgelder des Reichswehr- ministeriums an Filmgesellschaften ' Berlin, 9. August. Von einem Berliner Montagsblatt wird die Nachricht verbreitet, daß das Reichswahrministerium au die Phübus-, Emelka- und Nationalfilm-A.-G. Subventionen gezahlt habe, Demgegenüber wird vom Reichswehrministerium festgestellt, daß von ihm an die Phöbus-A.-G. weder indirekt noch direkt Subventionen gegeben worden sind. Auch an die Emelka- und Nationalfilm-A.-G. oder an eine ihrer Tochtergesellschaften sind keine Unterstützungen gewährt worden. Sämtliche Filmgesellschaften, die Marine- ftlme gedreht haben, haben sie auf eigene Rechnung und Gefahr hergestellt. Damit erledigt sich auch die Frage, aus welchem Fond die Unterstützungen stammen könnten. Kreuzerbesuch in Hamburg Hamburg, 9. Aug. Der amerikanische Kreuzer Detroit unter Führung von Kapitän ^ryant ist gestern vormittag von Kopenhagen kommend im Hamburger Hafen eingelaufen und hat hier Rast gemacht. Der Kreuzer führt ein Waffer» flugzeug an Teck mit sich. Das Grabmal des unbekannten Soldaten Wieder einmal erlebten wir den Tag der Erinnerung an den Beginn des Weltkrieges. Nicht nur für uns, für die ganze kultivierte Welt ist dieser Tag jedesmal ein Tag des Schmerzes, ein ckiss ater. Nutzlos vergoffenes Blut ist auf dem ganzen Erdball gefloffen, unsere Helden haben Unvergleichliches geleistet, jedoch es scheint, als ob es nach 13 Jahren schon der Vergessenheit angehören würde, daß beinahe zwei Millionen Deutsche nicht mehr in die Heimat zurückkehrten. Geradezu beschämend ist es, nne man zögert, den Kriegsopfern ein würdiges Denkmal zu setzen, während fast alle anderen Länder Europas und auch Amerika alljährlich an ihrem „Grabmal des unbekannten Soldaten" ihrer Helden gedenken, kommt man in Deuffchland aus den Erwägungen über das „Reichsehrenmal" nicht hinaus zu der Tat. Reichsregierung und Reichstag haben das entscheidende Wort zu sprechen. Das deutsche Volk fordert in seiner übergroßen Mehrzahl die dringende Erledigung des Problems der deutschen Heldenehrung. Der Reichstag wirb sich sehr wahrscheinlich nach den Ferien endgültig damit beschäftigen müffen. Reichsinnenminister von Keudell hat schon vor einiger Zeit mit Recht darauf hingewiesen, daß den Frontkämpferbünden ein entscheidendes Urteil in der Ortswahl und Gestaltung des Reichsehrenmals zukomme. Leider haben aber die Frontkämpfer des besetzten Gebietes, und sie sind ein bedeutender Prozentsatz der alten Armee, keinerlei Möglichkeit, sich mit ihren Kameraden jenseits des Rheins in Verbindung zu setzen. Des Deutschen Reiches „Herzland", das Stromgebiet des Rheins, bildet den kulturellen und geschichtlichen Schwerpunkt Deutschlands. Um den Rbeen iit das Nr. 147. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Freitag, den 12. August 1927. Ringen des Weltkrieges gegangen und im Westen ist die Entscheidung gefallen. Beinahe zehn Jahre lang nach Beendigung des Völkerringens hat das Rheinland den „Nachkrieg" über sich ergehen laffen. Das Volksbewußtsein des Nordens, Ostens und Südens Deutschlands ist dadurch in ganz besonderem Maße an den deutschen Westen, an den Rhein gekettet worden. Somit bedarf es wohl keines Hinweises mehr, daß der deutsche Rhein nach seiner ganzen Geschichte, nach seinem Landschaftsbild, nach seiner Bedeutung im Weltkrieg und in der jüngsten Vergangenheit sowie der lebendigen Gegenwart den vornehmsten Anspruch darauf hat, das Grabmal des unbekannten Soldaten an seinen Ufern zu betreuen. Um den Rhein als Sinnbild des Deutschtums in seiner Freiheit und Unabhängigkeit wird es sich handeln, solange es deutsche Geschichte gibt. In Lied und Wort ist der Rheinstrom die Verkörperung des Deutschtums. Der Mittelrhein ist das Herz, die Schlagader des sogenannten Rheinlandes. Hier fließt der größte Nebenfluß des Rheins, die schon in Römerzeiten bedeutungsvolle Mo- sella, am deutschen Eck, gegenüber dem deutschen Gibraltar, umgeben von einem Kranze deutscher Burgen, Schlösser und historischer Orte, Königsstuhl bei Rhense, die Gruft des Freiherrn von Stein, in den Vater Rhein. Hier steht das Denkmal Wilhelm I., des deutschen Reichsgründers. ier weht noch die Trikolore, hier wird der Kampf um Deutschlands Freiheit ausgefochten. Hier wollen unsere Helden symbolisch ruhen, das ist der Ort für das Grabmal des unbekannten Soldaten. Nun gehen die Meinungen auseinander, ob man eine Insel im Rhein oder einen wuchtigen Berg am Rhein zum heiligen Ort der Kriegerehrung schaffen soll. Zu einem Reichsehrenmal gehört die Umgebung andächtiger Stille, nur auf einem heiligen Hain kann die allgemeine deutsche Pilgerfahrt dem Gedanken einer Dankesschuld und Erbauung, Kräftigung und völkerversöhnender Auswirkung des Krieges huldigen. Es ist zunächst die örtliche Frage euszu- schaltrn, die Rheinländer müssen geschlossen dahin streben, daß das Reichsehrenmal unbedingt an den Rhein kommt. Daß nur der Mittelrhein in Frage kommt, steht außer Debatte, ist also die Frage Berka oder Rhein zugunsten • Ich Rheins entschieden, dann wird die zweite Frage, ob ein Berg- oder Jnselprojekt in Betracht kommt, schnell geklärt sein, wenn bei dieser Prüfung dießVorzüge und Nachteile in objektiver und gerechter Weise gewürdigt werden. Vom Rhein aus braust deshalb der Ruf wie Donnerhall, wenn im nächsten Jahre der 1. August wiederkehri, dann muß er das Reichsehrenmal für die Helden des deutschen Volkes endlich vorfinden und zwar am deutschen Rhein. Die Tragödie von Queretaro. Zur Erschießung des Kaisers Maximili n von Mexiko vor 60 Jahre«. Reue Dokumente zur Erschießung des Kaisers. — Der Bericht eiues englische« Stabshanptmanns. Am 18. Juni ös. Js. waren 6ü Jahre verflossen, da der durch Napoleon Hl. zum Kaiser von Mexiko erhobene öfter rcichische Erzherzog Maximilian, jüngster Bruder des Kaisers Franz Joseph, von den Revolutionären in Mexiko bei der Stadt Queretaro zusammen mit seinen Generälen Mi- ramon und Mejia erschaffen wurde. Die geheimen Archive des früheren kaiserlichen Hauses in Wien enthalten eine ganze Anzahl ron Dokumenten, die Bezug nehmen auf das tragische Ende Maximilians. Durch die Forscherarbeit eines jungen ungarischen Historikers, Dr. O. Ernst, ist jetzt ein Teil dieses Materials veröffentlicht worden. Darunter befindet sich auch ein Bericht des Engländers, des Stabhanptmanns Bertie B. Mariott, aus dem Gefolge des mexikanischen Kaisers, der 11 Tage nach der Hinrichtung eingehend darüber an die Prinzessin Maria von Baden schrieb und diese bat, seinen Bericht an die Erzherzogin Sophie, die unglückliche Mutter des jungen Maximilian, weiterzugeben. Seine Niederschrift wurde im Carmengefängnis zu San Luis Potosi, der damaligen vorübergehenden Hauptstadt Mexikos, verfaßt. Wir geben in folgendem den Wortlaut des Begleitbriefes der Prinzessin Marie sowie des vom Stabshauptmann Mariott an letztere gesandten Schreibens: V a d e n, den 11. August 1867. Liebe Sophie! Auf die Bitte eines jungen Mannes, der einer außerordentlich tapferen und ausgezeichneten englischen Familie angehört und durch Deine Vermittlung vor 3 Jahren Deinem geliebten und heldenhaften Sohne empfohlen wurde, dem er als seinem Wohltäter bis zur letzten Minute treu blieb, sende ich Dir den'beigefügten Bericht zusammen mit einem an mich aöreffierten Brief, in welchem Mariott mir mitteilt, wo er sich gegenwärtig befindet. Ich erhielt das Schreiben gestern, und trotzdem Du schon viele schmerzliche Einzelheiten erfahren haben wirst, möchte ich Dir dennoch diesen Bericht nicht vorenthalten, besonders auch deshalb, da er ja speziell für Dich bestimmt ist. Ich brauche Dir nicht zu sagen, liebe Sophie, wie oft ich in meinen Gebeten an Dich denke, auch möchte ich Dir nicht »och ausführlicher schreiben. Dein Schmerz muß so überwältigend sein, daß Worte Dir keinen Trost bieten können. Er, der so heldenmütig als Märtyrer sich opferte, wird im Himmel für Dich beten. Antworte mir bitte nicht. In treuer, alter Liebe Deine Dir innig ergebene Cousine Marie. Bericht des Stabshanptmanns Mariott über die Hiurichtuug des Kaisers Maximilian von Mexiko am 18. Juni 1887. Ich bin in der Lage alle Einzelheiten mit Bezug auf die Hinrichtung des Kaisers sowie der Generäle Miramon und Mejia zu berichten, da ich alles von einem Augenzeugen, dem Kaplan des Generals Mejia, erfuhr. Als um 6 Uhr früh am Mittwoch die Gefangenen von dem Kapuzinerkloster fortgeführt wurden, wandte sich der Kaiserin! Torwege an seinen Rat Ortega und sagte: „Welch ein wunderbarer Himmel. Ich habe mir für meinen Todestag immer solch einen herrlichen Tag gewünscht." Alle waren schwarz gekleidet und jeder von ihnen bestieg, begleitet von einem Priester, einen Wagen. Die Gefährte, von 400 Mann eskortiert, brachten sie zum Sarrv Campanna, einem Hügel außerhalb der Stadt Queretaro. Der Platz ist ungefähr 100 Schritte von der Stelle entfernt, wo sich der Kaiser am 15. vorigen Monats ergab. Am Hinrichtungsplatze verließen die Gefangenen die Wagen. Der Kaiser war vollkommen ruhig. Er stand erhobenen Hauptes da und putzte sich lächelnd den Staub von den Kleidern. Er stellte einige Fragen mit Bezug auf die Soldaten der Feuerabteilung und gab jedem von ihnen eine Unze Gold, wobei er sie bat, auf sein Herz zu zielen. Der junge Offizier, der die Feuerabteilung kommandierte, näherte sich dem Kaiser und sprach die Befürchtung aus, daß der Kaiser ihm vielleicht zürne, weil er den Befehl zur Todessalve geben müfle. In seinem Herzen sei er mit dem Aufträge, der ihm zuteil geworden, nicht einverstanden. „Muchacho" ljunger Mann), antwortete der Kaiser, „ein Soldat muß dem ihm gegebenen Befehl Folge leisten. Ich danke Ihnen für Ihre Sympathie, aber ich bitte Sie. Ihre Ordre auszuführen." Dann näherte sich der Kaiser den Generälen Miramon und Mejia, umarmte sie warm und sagte: „Bald werden wir uns in einer anderen Welt Wiedersehen!" Maximilian, der in der Mitte stand, wandte sich an Miramon und sagte: „General, ein Held H>ird sogar von seinem Monarchen bewundert, und daher möchte ich Ihnen noch vor meinem Tode den Ehrenplatz anbieten." Dann stellte er den General in die Mitte, wandte sich an Mejia und sagte: „General, was auf Erden nicht belohnt werden kann, wird sicherlich im Himmel belohnt werden." Mejia war sehr niedergeschlagen, denn er hatte nur wenige Minuten vorher seine völlig verzweifelte Frau mit ihrem Kindchen durch die Straße laufen sehen. Dann trat der Kaiser ein wenig vor und sprach mit ruhiger und klarer Stimme: „Mexikaner, Männer von meinem Stande und meiner Geburt, bewegt durch Motive wie ich, sind durch das Schicksal dazu bestimmt, entweder Wohltäter ihrer Völker oder Märtyrer zu werden. Als ich unter Euch trat, hatte ich keine Hintergedanken. Ich folgte der Aufforderung jener gutgewillten Mexikaner, die sich heute für mein Aöoptiv- vaterlaGd opfern. Jetzt, da ich bereit bin, in eine andere Welt einzugehen, nehme ich den Trost mit mir, daß ich soviel Gutes tat, wie es meine Kraft mir erlaubte, und daß ich von meinen geliebten und treuen Generälen nicht verlassen wurde. Mein Blut sollte das letzte sein, das vergoffen wird, und ich hoffe, daß es zur Wiederaufrichtung meiner unglücklichen neuen Heimat beitragen wird." Dann trat er zurück. Den einen Fuß hatte er vorgesetzt, die Augen zum Himmel emporgerichtet und zeigte mit der Hand auf seine Brust. So erwartete er ruhig den Tod. General Miramon zog sein Taschentuch hervor, nahm ein Stück Papier aus der Tasche, ließ seine Augen über die 4000 auf dem Platze versammelten Truppen hinschweifen und sagte: „Soldaten von Mexiko, Landsleute, ihr seht mich hier zum Tode verurteilt als Verräter. Da mir mein Leben nicht mehr gehört und ich in wenigen Minuten sterben werde, so erkläre ich vor aller Welt, daß ich niemals ein Verräter an meinem Vaterlanbe war. Ich focht auf Befehl und deshalb werde ich in Ehren fallen. Ich habe Söhne, aber meine Söhne können niemals durch Verleumdungen befleckt werden. Mexikaner! Lang lebe Mexiko, lang lebe der Kaiser!" Er rief diese Worte mit lauter drohender Stimme. Alle waren bewegt und zu Tränen gerührt. Nicht eine Menschenseele aus der Stadt Queretaro war bei der Hinrichtung zugegen. Tie Straßen waren verlaffen und die Häuser geschloffen. Die Leichen wurden einbalsamiert. Der Körper des Kaisers ist 5 Fuß und 10 Zoll lang. Als man sein Herz herausnahm, war es von außerordentlicher Größe und voll Blut und Leben. Es verlautet, baß der Kaiser den Söhnen des Generals Miramon 50 000 Dollars vermachte, und daß er seinen Bruder, den Kaiser Franz Joseph, bat, sie zu erziehen, als wenn es seine eigenen Kinder seien und niemals zu vergessen, daß er solches für die Söhne eines ihm bis in den Tod getreue» Freundes tue. General Mejia überließ seinen Sohn der Obhtu des republikanischen Generals Escobedo. Diesem General muß üaS bittere Gewiffensbiffe bereitet haben, denn er war wiederholt in Mejias Händen, der ihm dennoch verzieh und sein Leben schonte. Der Unterzeichnete hofft, daß Ihre Kaiserliche Hoheit, die Erzherzogin Sophie, ihm sein schlechtes Deutsch und de» im Gefängnis geschriebenen Brief vergeben wird. Bertie B. Mariott, kaiserlicher Stabshauptmann a. D. Dir Gattin Maximilians verfiel bei Erhalt der Nachricht in Wahnsinn, aus dem sie bis zu ihrem Tode, der vor wenigen Monaten auf ihrem Schlöffe in Belgien erfolgte» nicht wieder erwachen sollte. Baden. Reichsschulgesetz und Gemeindeumlage. Zu öen Hauptleidtragenden der drohenden Schützer- schlagung durch das Reichsschulgesetz gehören die Gemeinden. Das Beispiel Hollands hat gezeigt, daß die Schullasten der Gemeinde durch Bereitstelluag der Schul- räume» Lehrmitlel. Heizung und Beleuchtung für die verschiedenen Schulformen ungeahnt steigen, oft aus das drei- unü vierfache. Diese große Gefahr sür den Geldbeutel der Umlagezahler erkennt man nun bei den deutschen Gemeindevertretungen. Deshalb hat der Vorstand des Deutschen Landgemeindekages. der in Lockstedt seine Beratungen abhielt zum Reichsschulgesetz folgende Entschließung angenommen: Der Vorstand des Deutschen Landgemeindetages erwartet von der endgültigen Regelung des Reichsfchul- geseßes eine gebührende Berücksichtigung der Gemeinde- intereffen, zumal zu befürchten ist, daß durch die mögliche Errichtung von Zwergschulen die gemeindlich« Leistungsfähigkeit auf dem Gebiete des VolksschulwesenS gefährdet werden kann. Rur ein Reichsfchulgeseh, das im Sinne der RelchS- »erfassung der Gemeinschaftsschule überall den Vorrang gibt und die Errichtung von Sonderschulen an strenge Bestimmung über den ..geordneten Echuldetrteb" rindet, kann das erreichen, was hier die Landgemeinden mit Recht verlangen. Auch die Einführung der badischen vimultanschule wurde s. Zt. zum Dell mit dem Ziel der Verringerung der Gemeindelafi«» beschlossen. was ja bei der starken konfessionellen Mischung der badischen Bevölkerung sehr verständlich war. Bei der seit Einführung der für das ganze geltendeu Eiumltan- chule (imZahre1876) rasch weitergeschrittenen konfessionelle» Bevölkerungsmischung wäre eine Aufhebung der badischen gemeinsamen Schule und die Zulassung von Eonder- und Zwergschulen eine große Gefahr fürdiesinan- stelle Belastung der Gemeinden. Diese haben deshalb alle Ursache, sich rechtzeitig zu wehren. Die Parole kann auch hier nur heißen: Erhaltung unserer Simultanschule. ** Die Lage des Arbeitsmarktes in Baden. Der Arbeitsmarkt erwies sich in der Berichtswoche (28. Juli bis 3. Aueust) im allgemeinen weiterhin aufnahmefähig. Die Steigerung der Kräftenachfrage bewirkte einen, nicht uner- Arratol Wangerin Ein Roman für jung und alt von Amanda Klock. 67 ) (Nachdruck verboten.) Anatol unterhielt sich mit seinen Leuten und alle stanoen ihm gern Rede und Antwort. Er fuhr dann mit der Mamsell wieder zurück aus den Hof und half ihr galant vom Wagen. „Nicht doch, gnädiger Herr!" wehrte sie ab. Aber er faßte sie bei der Hand. „Der diesjährigen Erntefest-Königin gilt der kleine Dienst." Dankbar drückte sie ihm die Hand. Mit Anatol Wangerin ging eine Wandlung vor. Mutter Schwarz gewahrte es voll Entzücken. „Er ist verliebt, es hat ihn gepackt." jagte sie zu sich und behandelte ihn in seiner Zerstreutheit doppelt liebevoll. Er konnte stundenlang Spaziergänge machen und träumen. Sie ließ ihn gewähren, fragte nicht, war liebevoll wie eine Mutter. Sie wartete klug den Augenblick ab. Bis sie emes Tages handelnd eingriff. ..... ..... „Mamsell," sagte sie zu Babettx, die m letzter Zeit stiller und blässer geworden war. „Ich muß mit Ihnen etwas ganz Ernstes reden." Der Mamsell zitterten die Knie. „Was ist denn, Frau Schwarz?" . „2cr Anatol! Mein Jungchen! Ach. Mamjellcken, hat man Sorjen. Jetzt ist's eingetreten." „Was denn, Frau Schwarz?" „Anatolchen ist verliebt!" Da war's heraus. Mutter Schwarz ließ kein Auge vom Antlitz des Mädchens. Es wurde totenbleich. „Dann muß halt der gnädige Herr heiraten." „Er weiß aber nicht, ob ihm das Mädel gut ist." „Gut ist? O Frau Schwarz, wer könnte dem gnädigen Herrn nicht gut sein." So inbrünstig kam es von ihren Lippen, daß es Mutter Schwarz selig durch und durch ging. „Sie liebt ihn!" dachte sie froh. «Und wird allens jM „Babette!" sagte sie feierlich. „Mein Anatolchen liebt Ihnen." „Mich!" Bestürzt rief es das Mädchen. Dann vergrub es den Kopf in die Hände und weinte. „Kindchen, nu' beruhigen Sie sich man. Es wird allens gut werden." Gerührt strich ihr die alte Frau über das weiche, gelockte Haar. * * * Am Abend wagte Mutter Schwarz den zweiten Schlag. Er galt dem ahnungslosen Anatol, der nach dem Abendbrot am Kamin saß und versuchte» einem schweren literarischen Werk Interesse abzugewinnen. Aber immer wieder schweiften die Gedanken ab und er sah ein reizvolles Bild, sah Babette» das schlanke, ranke Mädchen vor sich. Er seufzte tief auf. „Du seufzst recht, Anatolchen. Ist dir was nich' fcheen?" fragte Mutter Schwarz besorgt. „Doch Mütterchen, es fehlt mir nichts!" „Du, Jung', ick' muß mit dir was sehr Wichtiges bereden. Es is wegen der Mamsell, wegen der Babette." Interessiert wandte Anatol ihr alle Aufmerksamkeit zu. „Was ist mit Babette?" „Sie will fort!" „Fort?" Anatols Stimme zitterte. „Warum denn, Mütterchen?" Mutter Schwarz zögerte. „Ick soll dir's nich jagen, Anatol. Aber wenn du mir versprichst, daß du keen Sterbenswörtchen jagst, dann will ich dir's erzählen." Anatol war blaß geworden. Er jagte nichts auf die Worte der alten Frau, sondern starrte wortlos ins Feuer des Kamins. „Mütterchen, sie darf nicht fort." „Mein Jungchen, es muh wohl sehen. Sie hat dir lieb gewonnen, und was eene anständige Mamsell is, die das passiert, die seht, eh' es ein Unglück siebt." Sie bemühte sich» die Worte mit viel Ernst, Würde und Wärme vorzutraaen. Anatol Wangerin saß ganz still und hielt die Augen geschlossen. Ein niegekanntes süßes, befreiendes Gefühl rann durch seinen Körper. „Mütterchen, ich habe die Babette auch sieb!" Ganz klar und sicher sprach er es mit strahlenden Augen. Mutter Schwarz tat als könne sie es, nicht fassen. „Du. hast ihr lieb? Die Babette?" ..Ja!" „Un willst ihr zu Frau Wangerin machen?" „Ja!" „Det will nicht in mein ollen Kopp. Du Heiratsfeind willst heiraten. Lieber Jotte nee!" „Aber Mütterchen, ist sie nicht gut und schön?" „Det is wahr!" „Ist sie nicht ein Mensch, den man lieb haben muß?" „Ja, ja, Jungchen. Ick Hab' ihr ooch lieb. Ach Jotte nee, ick freu' mir ja so. Denn halt aber dein Glück gleich morgen feste, daß es dich nich wegfliegt." Anatol stand auf und trat zu Frau Schwarz. „Mütterchen, morgen früh will ich mit Babette zusammen mit dem alten Grauschimmel ins Feld fahren, wenn sie unseren Schaffern dort draußen Speise und Trank bringt, und da will ich sie fragen, ob sie meine Frau werden will." Siebenunddreißig st es Kapitel. Ein neuer Morgen war angebrochen in strahlender Schönheit. Die Sonne schien sich chrer Pflicht in der Erntezeit bewußt zu sein und sandte ihre Hellen, heißen Strahlen herab. Da aber ein feines Lüftchen wehte, war es angenehm an diesem heißen Sommertage. Babette hatte zur Frühstückszeit wieder alles aufs beste für die Erntearbeiter draußen auf den Feldern bereitet und auf dem kleinen Wägelchen verstaut. Als sie sich anschickte, den Schimmel anzutreiben, da ries sie der Herr. „Babette!" Sie fubr vor Schreck zusammen beim Klana der aeliebten D« Landbote * Siasheimer Zeitvag. Freitag, den 12. August 1927. Nr. 147. Jahrgang 1927. __ yebUchen Rückgang der Erwerbslosigkeit. Am 3. August wurden noch 14 944 Hauptunterstützungsempfänger gegenüber 16 371 vom 28. Juli 1927 gezählt: parallel sank auch die Zahl der Krisenfürsorgeempfänger von 8082 auf 7662. In wichtigen Industrien des Landes machte sich Facharbeitermangel fühlbar. Dies gilt zunächst für die Metallverarbeitung und Maschtnenindurie, innerhalb deren in der letzten Zeit insbesondere Bedarf an Eisenbrehern und Schleifern hervortrat. Was die Sozialindustrien des Landes anlangt, so blieb die Uhrenindustrie weiterhin gut beschäftigt, während sich das Vermittlungsgeschäft für die Schmuckwarenfabrikation im ganzen in mäßigen Grenzen hielt. Die Nachfrage des metallverarbeitenden Kleingewerbes ließ eine gesteigerte Tätigkeit der von der Entwicklung des Baumarktes abhängigen Gewerbe insbesondere der Blechnerei und der Installation erkennen. — Badischer Städteverband. Der Badische Städteverband hält am Samstag, den 3. September d. I., in Konstanz einen außerordentlichen Städtetag zur Beschlußfassung über die bei dem Städtetag in Freiburg gestellten Anträge auf Aenderung seiner Satzung ab. Aus Nah und Fern. Derfassungstag — Polbstag. * Sinsheim, 12. Aug. Am 31. Juli 1919 nahm die Nationalversammlung in Weimar die jetzt geltende Verfassung als Grundgesetz des Deutschen Reiches an und am 11. August trat sie mit Verkündung im Reichsgesetzblatt in Kraft. Diese Verfassung hat dem revolutionären Zustand, der nach dem Zusammenbruch 1918 eingetreten war, ein Ende gemacht, neues staatliches Recht geschaffen und den deutschen Staat und mit ihm das deutsche Volkstum gerettet. Welcher Tag des Jahres könnte wohl in der deutschen Republik besser als Nationalfeiertag, als Bolks- tag gefeiert werden, als der Verfassungstag, der doch ein besonders ehrendes Gedenken an die Vollendung des Werkes von Weimar fein soll? Weimar hat dem deutschen Volke die freie Verfassung gebracht. Nur verantwortungsbewußte Mitarbeit Aller verbürgt den dauernden Bestand derselben wie des Staates und die Wohlfahrt des Volkes. Möge der Verfassungstag jeden Staatsbürger daran ermahnen, daß kein Recht größere Verpflichtungen in sich birgt, als das Grundrecht der Weimarer Verfassung: Mitträger der Staatsgewalt zu sein! In hiesiger Stadt war diesmal keine Feier vorgesehen worden; lediglich zur Beflaggung der Häuser hat man die Einwohnerschaft aufgefordert. Die an diesem Tage übliche Auszeichnung und Ehrung langjähriger Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr fand am Vormittag im Löwensaal unter Mitwirkung des Gesangvereins Liederkranz statt. Die Feuerwehrkapelle cr- öffnete die Feier mit dem niederländischen Dankgebet, worauf der Liederkranz das Lied „Flamme empor" zum Vortrag brachtet Im Namen des Feuerwehrkommandos hieß der Kommandant, Herr Bürgermeister Sidler, die Anwesenden, den Gemeinderat und den Liederkranz, der bereitwillig durch seine Lieder die Feier verschönen helfe, willkommen. Besonders freute er sich über das Erscheinen des Vertreters der Regierung, welcher die Förderung der Interessen der Feuerwehr am Herzen liege und sprach seinen persönlichen Dank aus. Hierauf ergriff Herr Regierungsrat Goll das Wort und betonte, daß es ihm eine Ehre sei im Auftrag der Regierung die Auszeichnungen vornehmen zu dürfen!. Nicht ohne Grund habe der badische Staat diesen Tag, den Ber- fassungstag, für die Auszeichnungen gewählt. Die Regierung habe die Gewißheit, daß die Freiwillige Feuerwehr nicht nur dem Nächsten, sondern auch ganz dem Staat diene. Die Dekoration soll den Dank des Staates besonders bekräftigen. Der Redner behandelte dann die Entstehung der Verfassung, deren Sinn und den Staatsgedanken selbst. Jeder möge seine ganzen Kräfte dem Staat widmen, denn der Staat sind wir selbst. Das gelte besonders auch für die Freiw. Feuerwehr. In ihr werde Pflichtgefühl und Kameradschaft gepflegt, was er mit Freuden von der hiesigen Mannschaft sagen könne. Nun überreichte er den Wehrmännern Friedrich Gmelin, Ludwig Schick, Heinrich Weber und Georg Bauer jr. die Urkunde über 25 jährige Dienstzeit mit dem Wunsche, daß sie ihren Kameraden zum Vorbild noch lange ihren Dienst verrichten mögen. Anschließend überreichte der Kommandant den Dekorierten die Diplome für Stimme. Gehorsam hielt sie den Schimmel wieder an. „Nehmen Sie mich mit, Babette. Der Schimmel zieht uns beide." „Ja, gnädiger Herr!" Er sprang auf das Wägelchen und faßte die Zügel. „Lassen Sie mich wieder fahren, genau wie das letzte- mal." Sie überließ ihm willig die Zügel. Ein GefplZch kam während der Fahrt nur schwer zustande. Babette war befangen und hielt die Augen beständig zu Boden gesenkt. „Warum sind Sie so schweigsam, Babette?" „Ich!" stotterte sie verlegen. „Ich — ich bin ein wenig müd'. Hab' schlecht geruht." Zärtlich umfing er sie mit feinen Blicken, dann strich er ihr, über das weiche, lockige Haar. „Babette," sagte er weich. „Ich muß Sie heute um eins bitten. Sehen Sie, das Korn wird von den Feldern geerntet, bald folgen die anderen Feldfrüchte nach und dann kommt der Herbst und der Winter. Und dann bin ich ans Haus gebannt und so manche einsame Stunde kommt. Babette wollen Sie mir die einsamen Stunden wegnehmen?" Das Kövfcken Babettes sank immer tiefer. r ~ „Babette! Wollen Sie meine Frau werden? Ich Hab' dich so lieb, Babette." Keine Antwort! Da beugte sich Anatol zu ihr herunter, faßte ihr Haupt und zog es empor. Sie ließ es geschehen. Und er küßte die reinen Lippen des Mädchens. Sie duldete es» ach so gern, und vermochte es doch noch nicht zu fassen, daß das große Glück zu ihr gekommen war. Der Schimmel hielt an. Als wenn er ahnte, daß das Schütteln und Rütteln des Wagens den beiden erschwere, einander recht gut zu sein. Und wieder und wieder küßte Anatol das Mädchen, bis sie sich gewattsam aus seinen Armen riß. Mit angstvollglücklichen Augen sah sie ihn an. „Gnädiger Herr," bebten ihre Lippen. „Sie scherzen mit mir." „Törichtes Kind," sagte Anatol zärtlich. „Ich Hab' dich lieb und du wirst meine kleine Frau. Zum Erntefest halten wir Hochzeit." Dann nahm er wieder die Zügel und rief dem Schimmel wieder ein freundliches „Hüh" zu, daß er brav anzog und seinen Weg stapfte. Beide sprachen kein Wort miteinander, aber ihre Seelen waren voll Singen und Klingen. die Ehrenmitgliedschast, außerdem im Namen der Stadt dem Wehrmann Karl Söhner die Auszeichnung für 20jährige Dienstzeit. Im Namen der Dekorierten sprach Wehrmann Friedrich Gmelin den Dank aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie die Abzeichen noch recht lange im Dienste der guten Sache tragen möchten. Nach verschieden musikalischen und gesanglichen Darbietungen, die reichen Beifall ernteten, nahm die schön verlaufene Feier ihr Ende. ■ * Sinsheim, 12. Aug. (Die neuen Schonzeiten), die durch das Gesetz zur Aenderung des Jagdgesetzes v. 12.5.27^für Baden festgesetzt worden sind, schieben die Eröffnung der Feldjagd in'diesem Jahr gegen früher wesentlich hinaus. Während nach dem alten Jagdgesetz bisher die Jagdzeit für Hasen, Rebhühner und Fasanen am 24. August begann, fängt die Jagd auf Rebhühner u. Fasanen ebenso wie die Jagd auf Schnepfen und das andere Sumpf- und Wasiergeflügel nunmehr am 1. September an, und noch weiter ausgedehnt ist die Schonzeit für Hasen, die bis einschließlich 30. September dauert. Die in den laufenden Jagdpäffen noch abgedruckten alten Schonzeiten sind somit nicht mehr gültig, worauf die Jäger zur Vermeidung von Strafen wegen Zuwiderhandlung gegen die Schonzeiten besonders aufmerksam gemacht seien. 5 Waibstadt, 10. Aug. (Ehrung von Arbeitsoeteraninnen.) Am verfl. Sonntag fand auf dem hieß Rathause die Ehrung von drei Arbeitsoeteraninnen statt. Um 11 Uhr versammelten sich im Rathaussaale die Spitze der Ottsbehörde und einige Arbeitgeber zu einer schlichten Feier. Herr Bürgermstr. Spiegel überreichte an Frau Magdalena Müller geb. Eid und Frau Luise Müller geb. Gogräff das Anerkennungsschreiben des Bad. Ministeriums des Innern für 35 jährige Arbeit in einem Betrieb und der Frau Stephanie Bühl geb. Schäfer dasselbe für 30jährige Arbeit. Gleichzeitig sprach er den Iubilaren die Glückwünsche des Herrn Landrats und der Gemeinde in zu Herzen gehenden Motten aus. Herr Fabrikant Glück zollte den treuen Arbeiterinnen in kurzer Ansprache Lob und Anerkennung und wies auf die vorbildliche Treue der 3 Jubilarinnen als gutes Beispiel hin. J Neckarbischofsheim, 10. Aug. (Von der Ernte.) Die Getreideernte geht ihrem Ende entgegen. Die Brotsrucht wurde in guter Beschaffenheit unter Dach gebracht. Jetzt wird der Hafer eingebracht werden. Der Körnerertrag ist nach den gemachten Druschergebniffen nur mittelmäßig, dagegen ist der Strohertrag im allgemeinen gut. ; Bad Rappenau, 10. Aug. (Blitzschlag.) Bei dem am Montag Abend niedergegangenen Gewitter schlug der Blitz im Oberdorf in die Elektrische Leitung, wodurch dieselbe teilweise zerstört wurde, so daß verschiedene Bewohner des Ortsteiles ohne Licht waren. J Bad Rappenau, ll. Aug. (Unser Solba d) erfreut sich in diesem Jahre eines lebhaften Zuspruches seitens der Kurfremden. Die idyllische Lage und die Heilkraft seiner Saline bieten im Verein mit den übttgen Kureinrichtungen in jeder Weise alle Annehmlichkeiten eines idyllischen Erholungsottes. Wie bereits erwähnt, findet am 14. August der „Rappenauer Tag" statt, wozu große Vorbereitungen getroffen werden. Dieses Kurfest wird von einem Kinderfestzug ein- goleitet und bringt neben musikalischen Darbietungen und Wettspielen am Abend ein großes Feuerwerk. Blumenschmuck wird die Fremden, die zu diesem Tag erwartet werden, begrüßen. El Heidelberg, 11. Aug. (Neuerwerbung.) Das Kurpfälzische Museum in Heidelberg hat drei Familienbildniffe des jungen Wilhelm Trübner erworben. Es find die Eltern des Künstlers, der Heidelberger Hofgoldschmied Georg Trübner und seine Frau geb. Koerber und Trübners Bruder Nikolaus. Die berühmten Elternbildniffe, das Meisterwerk der Menschen'childerung des jungen Malers, waren kürzlich auf der Baseler Trllbner-Ausstellung. * Mannheim, 11. August. (Das elektrische Bügeleisen aus- schalten.) Hier entstand vergangene Nacht durch Nichtausschalten eines auf einem Küchenschrank stehenden elektrischen Bügeleisen ein Kllchenbrand, wobei ein Küchenschrank und ein Tischchen verbrannten, Decke, Wände und Türen wurden beschädigt. Das Feuer wurde durch die alarmiette Bcrufsfeuerwehr gelöscht. -s- Oehringen, 10. August. (Vom Pferd erschlagen) wurde auf dem Bahnhof Waldenburg der 29 jährige Landwirt Fr. Stier von Mangoldsall. Er hatte ein durchgegangenes Pferd wieder eingefangen und gab es seinem Lenker zurück: in diesem Augenblick drehte sich das Tier zur Seite und schlug mit beiden Hinterfüßen aus, wobei es den Mann auf Brust und Sttrn traf, was dessen unmittelbaren Tod zur Folge hatte. Dst; Arbeiter auf dem Felde sahen sich einander verwundert an, als sie die glücklichen Gesichter der beiden sahen. Aber sie sagten kein Wort zueinander, solange der Herr und die Mamsell auf den Feldern waren. Im Innern dachten alle: Wie schön ist unsere Mamsell, das holde Antlitz wie Milch und Blut, die Gestalt so schlank und rank, daß man sie gern anschaute. Wie prächtig würde sie zu dem jugendschönen Herrn passen. Und als sie wieder allein waren, da sprachen sie es aus. „Ich glaub' auch, die Mamsell wird einmal dem Herrn seine Frau. Sie hatten heute beide so glückliche Augen. Paßt auf, da spinnt sich was an." Anatol begab sich mit Babette zu Mutter Schwarz, die mit klopfendem Herzen und glückstrahlender Miene dastand. „Mütterchen," sagte der edle Jüngling herzlich, „hier bring' ich dir meine Braut, Babette. Sie will meine Frau werden." Der alten Frau stiegen die Tränen in die Augen, als sie das junge Mädchen an sich zog. „Ich freu' mir ja so, Kindchen. Ich Hab' dir immer lieb gehabt, von Anfang an und du wirst glücklich mit mein' Anatolchen. Das weiß ich ganz gewiß." Babette war immer noch zu befangen, um viel sprechen zu können. Mit einem unaussprechlich glücklichen Blick sah sie auf ihren Verlobten. „Ich will heute noch zum Pfarrer gehen und unser Aufgebot bestellen, damit wir bald für immer vereint sind. Bist du damit einverstanden, Babette?" „So rasch!" stammelte sie bestürzt. „Ich — merne Ausstattung — so rasch ist die nicht fertig." „Ausstattung!" lachte Anatol. „Ich will die Babette heiraten wie sie ist. Alle Schränke und Kästen sind voll. Mutter Schwarz wird dir helfen alles fertig zu machen. Alles ist dein wie mein. Du sollst dich schon heut als Herrin fühlen. Nimm es gern, Babette, und sage „Ja!" Und sie nickte glücklich „Ja!" Und seitdem sind drei Jahre ins Land gegangen. Dem Liebesbunde entsprossen zwei reizende Kinderchen, die Hannl, die nun zwei Jahr alt ist und Anatol, ein kleiner, lieber Einjähriger. Ein kräftiger Bursche, der in der Wiege mit blitzblanken Augen liegt und lacht. Mutter Schwarz, die „Großmutter", ist überglücklich. Alle Liebe ihres Frauenherzens gießt sie in verschwenderischer Fülle über die Kinder aus. Und sie hängen beide an der Großmutter. Ihre Augen leuchten, wenn Großmütterchen erzählt. Klein-Hannl plappert schon ganz allerliebst. Sie hat Ba^ — Holzhausen (Amt Kehl), 11. August. (Brand.) Vorgestern nachmittag ist eine dem Karl Hauß von Hausgereut gehörende Scheuer, in der Seegras gesponnen wird, nicdergebrannt. Vemichtet wurden 300 Zentner Seegras, 1800 Garben und ca. 150 Zentner Heu. Der Gesamtschaden beträgt 10000 RM. Die Enfftehungsursache ist unbekannt, wird aber mit einem Motor in Zusammenhang gebracht. & Landau, 11. August. (Ein Mannheimer Auto verunglückt.) Gestern früh ereignete sich an der Kurve Walsheim und Landau, in der Nähe der Wirffchast zum Landhaus, ein schweres Autounglück. Ein Mannheimer Personenauto, das mit 6 Personen besetzt war. kam plötzlich ins Schleudern und rannte in voller Fahrt gegen einen Randstein. Die Insaffen wurden herausgeschleudert und trugen mehr oder weniger schwere Verletzungen davon. Das Auto wurde völlig demoliert. Drei der Insaflen, darunter Elisabeth Klein aus Mannheim und Ludwig Stein, wurden in schwer verletztem Zustande in das Landauer Krankenhaus übergesühtt. Der Chauffeur Georg Klein hatte neben mehreren inneren Verletzungen eine schwere Gehirnerschütterung erlitten und wurde sofott operiert. )( Mngenberg a. N. 11. Aug. (Beim Futterschneiden verunglückt.) Letzten Freitag abend verunglückte der 64 Jahre alte Johann Remmele, Landwirt und früherer Gemeinderat hier, schwer. Beim Futterschneiden brachte er seine linke Hand der Walze der Futterschneidmaschine so nahe, daß diese erfaßt und stückweise bis an das Handgelenk abgeschnitten wurde. Sofort in das Städt. Krankenhaus nach Heilbronn verbracht, ist der Bedauernswerte gestern früh seinen schweren Verletzungen erlegen!. = Sulz a. N., 11. Aug. (Ueberfahren.) Bei Fischingen wollte eine 39 Jahre alte Frau auf den Anhängewagen eines Lastautos auffteigen, obgleich dies der Wagenführer nicht erlaubte. Die Frau kam hiebei zu Fall und unter die Räder des Anhängewagcns, wobei sie sehr schwere Verletzungen am ganzen Körper davontrug. Kurz nach der Einlieferung ins Bezirkskrankenhaus Sulz verschied die schwerverletzte Frau, die verheiratet sein soll und von Schwenningen stamme. % Ehingen, 10. Aug. (Verunglückt). Die 23 jährige Iugend- leiterin Helene Mautes aus Trier wollte in Begleitung der Iu- gendleiterin Stahl, beide auf ihren Rädern, vom Heuberglager nach Stetten fahren. In der Nähe des Heims sprang ein Huhn in das Rad von Fräulein Mautes, so daß diese stüzte und sich anscheinend eine schwere Gehirnerschütterung zuzog. Sie wurde in das Offizierskasino des Lagers eingeliefert, wo sie inzwischen, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben, verschied. — Pom Bodensee, 10. Aug. (Eine ruchlose Tat) spielte sich letzter Tage beim Neuseeland zwischen Staad und Rorschach an einer unerlaubten, etwas versteckten Badestelle ab. Als Herr Erie- »nann vom Bahndienst in Rorschach nach Staad heimkehrte-, hörte er vom See her Klagelaute: denselben nachgehend entdeckte er zu seinem Entsetzen den 15 jährigen Realschüler Tanner von Rorschacherberg an einen Baum aufgeknüpft, Kopf nach unten. Mit raschem Schnitt durch die Stricke konnte der glücklicherweise noch lebende, aber schon blau unterlaufene Knabe aus der schlimmen Lage befreit werden. Der Täter ist ermittelt. — Friedrichshafen, 11. Aug. (Brand). In Hirschlatt ist gestern nachmittag das Anwesen des Landwirts Matthias Kratzer vollständig niedergebrannt. Das Rindvieh und zwei Schweine konnten gerettet werden, doch wurde das gesamte Mobiliar ein Raub der Flammen. Das Feuer dürfte durch Kurzschluß entstanden sein. < t Berlin, 11. Aug. (Fassadenkletterer Paul Kaßner wieder an der „Arbeit"). Der kürzlich aus dem Gefangenentransportwagsn entwichene Fassadenkletterer Paul Kaßner hat sich bereits wieder an die „Arbeit" begeben. In der Berliner Borortkolonie Wendenschloß stieg er an der.Regenrinne eines Landhauses empor, drang in den ersten Stock ein und erbeutete Schmucksachen von erheblichem Werte. Im Vorort Hessenwinkel stahl er aus einer 'Wohnung eine Eisenkassette mit Schriftstücken und zwei Aktien im Werte von 10000 Mark. Ein Gutsbefitzersehepaar von seinem Förster erschaffen. Der Gutsbesitzer von Mallinckrod auf Schloß Wachendorf (Rheinland) und seine Gattin sind Donnerstag morgen in ihrem Auto von dem eigenen Förster meuchlings erschossen worden. Der Förster hat nach der Tat Selbstmord begangen. Die Beweggründe zur Tat sind unbekannt. Der Täter, der 76 jährige Förster Bosen, stand 31 Jahre in den Diensten des Gutsbesitzers. Er war im vorigen Jahr von Aerzten für geisteskrank erklärt worden und sollte einer bestes klare Schelmenaugen und ihren Wuschelkops, und ist immer voll guter Laune. Es war wieder an einem Sommertage, die Mamsell, die an Babettes Stelle getreten war, wußte eines bösen Schnupfenfiebers willen das Bett hüten. Frau Babette sprang daher für sie ein. Sie richtete alles zurecht und wollte aufs Feld hinausfahren, um den Schaffenden draußen Speise und Trank hinauszubringen, als ihr Gatte lächelnd zu ihr trat. „Wollen Sie mich nicht mitnehmen, Mamsell?" lächelte er und der Schelm saß in seinen Mundwinkeln. Babette lachte hell auf, dann sagte sie würdevoll: „Wenn der gnädige Herr mitfahren wollen?" „Ja! der gnädige Herr will mitfahren!" Mit einem Satze war er auf dem Wagen. „Hüh!" Und der Schimmel zog an. In der rechten Hand hielt er die Zügel und mit der Linken umschlang er sie. „Ist unser Leben nicht köstlich, Babette?" „Ja," sagte sie tief aufatmend, „gebe Gott, daß es immer so bleibt." „Damit wollen wir nicht rechnen. Auch für uns werden herbe Jahre kommen. Aber wir werden sie tragen wie die zarten Jahre und wollen nicht unzufrieden fein. Die Liebe in uns wird sich nie wandeln, Babette." „Sie wird immer bleiben. Liebster." „Früher hat mir immer vor dem Herbst gebangt. Das Sterben in der Natur hat mich immer mit Wehmut erfüllt. Heute freue ich mich auch des Herbstes und Winters. Es fft alles Leben und an uns liegt es, Freude zu empfinden. Gelt, Babette, wir wollen das Freuen nie verlernen." Der Schimmel blieb stehen. Anatol hatte das Köpfchen seiner Frau gefaßt und küßte die blühenden Lippen. Als sie dann auf dem Felde angelangt waren, kam ihnen Klein-Hannl entgegengelaufen. „Mutti! Vati!" Ihre Pausbäckchen leuchteten wie ein Borsdorfer Apfel, die Augen strahlten vor Kindsseligkeit, daß die Herzen der beiden vor Glück jubelten. Anatol nahm das Kind in die Höhe, wirbelte es in der Luft herum, daß es lustig krähte. Dann traf sein Blick Babette, die vor Mutterseligkeit sttahlte. „Wie ist doch unser Leben köstlich, Babette!" ^ — Ende. — Nr. 147. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 12. Aygust 1927. Anstalt überwiesen werden, der ermordete Gutsbesitzer hatte jedoch den Beamten weiter in seinen Diensten belasten wollen. Schwere Grubenunfällc. Schwientochlowitz, II. Aug. Auf der Andalusiengrube bei Bleischarley rissen sich auf der Bremsstrecke zwei vollbeladene Wagen los. Zwei Arbeiter wurden von den Wagen erfaßt und zerquetscht. Breslau, II. Aug. Wie die „Bresl. Neuesten Nachr." aus Hindenburg melden, erfolgte Mittwoch mittag auf der Concordia- Grube ein Pfeilerbruch, bei dem sieben Bergleute mehr oder minder schwer verletzt wurden. Zwei Häuer und drei Füller wurden verschüttet. Sie konnten von der Rettungskolonne noch lebend geborgen werden, hatten aber schwere Kopfverletzungen, Bccken- und Rippenbrüche erlitten. Einem Bergmann mußte im Lazarett ein Bein abgenommen werden. Er mutz rei« und glatt aussteige«. In einem englischen Blatt ist dieser Tage eine Annonce gestanden, in der der erste Luftchausfeur gesucht wird. Es wird „ein Mann von festem Charakter und mit Erfahrung verlangt, der imstande ist, täglich in einem Flugzeug von Belsordshire nach Weybourne zu bringen und in keiner freien Zeit Gärtnerarbeit zu verrichten. Er mutz, „so heiß! es in dem Inserat weiter, „Rein und glatt aussteigen und landen können." ;. l * Fünfundzwanzig Duelle für eiue« Badeanzug. In Szegedin, bisher durch seinen Gulasch berühmt, spielt sich ein kurioses Drama ab. Eine junge, hübsche Frau, die Gattin eines ungarischen Staatsbeamten, war im Schwimmbad des dortigen Ruderklubs in einem enganliegenden und reichlich kurzen Badeanzug erschienen. Den fünfundzwanzig Frauen der Komiteemitglieder erschien der Badeanzug sogar allzu kurz und sie nötigten daher ihre Männer, die schöne Schwimmerin aufzuforöern, ihren Badeanzug verlängern zu lasten. Das paßte jedoch wieder dem Manne der Dame mit dem kurzen Badeanzug durchaus nicht und da er sich nicht gut an die fünfundzwanzig neidischen Frauen halten konnte, so schrieb er an ihre Männer beleidigende Briefe und forderte sie alle zum Duell. Die fünfundzwanzig Komiteemitglieder kommen sich jetzt recht lächerlich vor und wiffen nicht was sie machen sollen, zumal sie sich jedenfalls wegen eines Badeanzuges schlagen müssen, der ihnen gar nicht einmal mißfallen hatte. Selbstmord eines amerikanischen Kougreßmitgliebcs. Mit den Worten: „Sagt allen Lebewohl!" schob das Mitglied des amerikanischen Kongresses, Maurice E. Crum- packer von Oregon, seine beiden Begleiter am Ende der Hyöestraße am Hafen von San Francisco beiseite und sprang ins Wasser, wo er vom Strom ersaßt und fortgerissen wurde. Hilfsbereite Männer, die ihn retten wollten, stieß er beiseite und versank in den Fluten, aus denen er erst ein paar Stunden später als Leiche herausgezogen wurde. Crumpacker, der ans einer sehr bekannten Familie von Politikern stammt und der Nachfolger seines Vater im Kongreß war, hatte bereits früher einen Selbstmordversuch gemacht. Er war in Begleitung von Nicolas Longworth, dem Sprecher des Repräsentantenhauses und Schwiegersohn des verstorbenen Präsidenten Roosevelt, auf eine Reise zur Besichtigung von Hafenanlagen nach San Francisco. Der Grund des Selbstmordes ist unbekannt. Der kluge Pfarrer. Irgendwo in einer kleinen Stadt lebte ein Pfarrer, dessen Urteil bei seinen Gemeindemitgliedern außerordentlich geschützt war. Eines Tages hatte ein junger Ehemann seiner Gattin aufgegeben, für den Sonntag zwei Pfund Fleisch zu kaufen. Die Gattin tat das auch, verzehrte das Fleisch aber ganz allein und redete ihrem Manne vor, die Katze habe es gefressen. Der Mann glaubte ihr nicht und ging zum Pfar-. rer, um sich Rat zu holen. Der Pfarrer ließ die Frau kommen und befahl ihr, sofort nach Hause zu gehen und mit der Katze und einer Küchenwage wieöerzukommen. Als alle drei zur Stelle waren, wurde die Katze gewogen und es ergaben sich genau zwei Pfund. Darauf donnerte der Pfarrer die lügnerische junge Frau an: „Das sind die zwei Pfund Fleisch, wo ist die Katze?" Radio - Programm für Freitag, den 12. August 1927. Berlin <483), Königswusterhausen (1250), 21.25 Uhr: Kammermusik. 22.30 Uhr: Aus deutschen Revuen. Breslau (315), 20.15 Uhr: „Nju", Eine Alltagstragödie von O. Dymow. 22.15 Uhr: Zehn Minuten Esperanto. Midje VekMntinlilhlliiM Jagdaufseherdienst. Waldhüter Ludwig Bender von Kirchardt wurde als Jagdaufseher der Gemeindejagd Kirchardt, Distrikt III, bestellt und von hier bestätigt. Sinsheim, 6. August 1927. Bezirksamt. Solbad Rappenau ab 1. Mai geöffnet Werktags vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 1—6 Uhr. Sonntags von vorm. 8 bis nachm. 3 Uhr. Prachtvoll schmeckende», wirklich gutes Im Haushall selbst zu brauen, ist so einfach wie Kaffeekochen, mit dem echten (Malz und Hopfen enthaltend), Päckchen für 12Vj Liter —75 RMk., für 25 Liter 1.25 KMk. Jeder ist überrascht von der Oute und dem Wohlgeschmack des Erzeugnisses. Seit 17 Jahren elngefflhrt und ärztlich Empfahlen. Zu haben in Apoth., Örog-, kolonial Warengeschäften usw.; wo nicht, bei dem alleinig. Hersteller Thüringer Enenzenfabrik 6.nM, Berlin H m, C 205 Viele Dankschreiben und Nachbestellungen beweisen die Güte. Verlangen Sie Prospekt über Selbsthersteilunff von Likören aller Sorten. Frankfurt (428), 16.30 Uhr: tzausfrauen-Nachmiitag. 17.45 Uhr: Die Leseftunde. 18.30 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: „Fm weißen Rößl", Lustspiel v. Blumental u. Kadelburg. Anschl.: Spätkonzerl, Unterhaltungsmusik. Hamburg (384), 20.00 Uhr: „Slagsiet", Niederdeutsches Drama v. W. Wroost. Anschl. Tanzfunk. Königsberg (328), 20.10 Uhr: „Carmen" Oper, Musik v. Bizet. Langenberg (468), 20.00 Uhr: Köln: Gustao-Facoby-Abend. Leipzig (365), 20.15 Uhr: Militärkonzert. 22.15 Uhr: Funkbrettl. München (535), 20.15 Uhr: „Die Glasmacher", ein Stück aus dem Volke, v. H. Hackel. Stuttgart (378), 16.00 Uhr: Aus dem Reiche der Frau. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Borträge. 20.00 Uhr: Unterhaltungskonzert. Daventry (1668), London (361), 15.00 Uhr: Oktettkonzert, 17.15 Uhr: Kinderftunde. 18.00 Uhr: Orchesterkonzert. 19.15 Uhr: Beethovens Sonaten. 19.45 Uhr: Bunter Abend. 21.35 Uhr: Quartettkonzert. 22.15 Uhr: William-Blake-Abend. Paris (1756), 16.45 Uhr: Tanzmusik. 20.30 Uhr: Sendespiel: Auswahl aus Therese" v. Massenet. Wien (517), 20.05 Uhr: Konzert des Symphonieorchesters. Zürich (588). 20.30 Uhr: Volkstümlicher Abend. Prag (348), 20.10 Uhr: Hörspiel. 21.00 Uhr: Konzert. 22.20 Uhr: Schallplattenkonzert. Samstag, den 13. August 1827. Berlin (483), Königswusterhaufen (1256), 20.00 Uhr: „Ein Abend in Heringsdorf" Uebertragung eines Festabends des Kurhauses Kaiserhof-Atlantic. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Breslau (315), 20.15 Uhr: Mit dem Mikro durch Breslau, Ein Abend an der Oder in Wilhelmshafen. 22.15 Uhr: Tanzmusik. Frankfurt (428), 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Wunschnachmittag: Charakterstücke und Potpourris. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 Uhr: Borträge. 20.00 Uhr: Opern- und /Festmärsche. 21.00 Uhr: Vortragsabend Gerd Fricke. Anschl.: Tanzmusik. Hamburg (384), 20.00 Uhr: „Der Bubikopfjäger", Operette von R. Genee. Königsberg (328), 21.15 Uhr: Abendunterhaltung. Langenberg (468), 20.00 Uhr: Ludwig Bäte: „Reise nach Schweden" 20.40 Uhr: Volkstümlicher russischer Abend. Anschl..- Tanmusik. Leipzig (365), 20.15 Uhr: Zunge Menschen. München (535), 20.45 Uhr: Zm Löwenbräukeller, Uebertragung des Unterhaltungskonzerts a. d. Löwenbräukeller. Stuttgart (378), 13.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 14.00 Uhr.- Kinderstunde. 15.00 Uhr: Unterhaltungskonzert. 18.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Kammermusikabend. 21.15 Uhr:Funk- brcttl. Daventry (1666), London (361), 15.00 Uhr: Polizei-Orchesterkonzert. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Tanzmusik. 19.15 Uhr: Beethovens-Sonaten. 20.00 Uhr, Eröffnung der Radio-Promenadenkonzerte 21.55 Uhr: Promenadenkonzert 2. Teil. 22.35 Uhr: Tanzmusik. Paris (1756), 10.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Tanzmusik. 20.30 Uhr: Galakonzert. Wien (517) 20.00 Uhr: „Der große Bluff", Ein Spiel in drei Akten v. F. Heller u. A. Schütz. Anschl.: Abend-Konzert. Zürich (588). 20.00 Uhr: Solistenstunde. 21.15 Uhr: Wunschkonzert. Prag (348), 20.10 Uhr: Operettenabend. 21.00 Uhr: Konzert der Alt-Brünner, Blasmusik. «'■toc-to«'-is>c'So 9 tabio»$ertrieb E. Sd)icft, Uhrmachermeister, EiNSheiM U. E. Dr.Seibt-Verlriter — Lager tu Telefunken - Röhren, Anoden - Batterien — Samt lichen Ersatzteilen, VartaAkkumulatoren-Ladestation. — Telefon lg. Heidelberger Festspiele. Dienstag, den 9. Aug. Heinrich von Kleist: Das Kätchen von Heilbronn. Kleist, dem großen Einsamen, der in Verzweiflung an der Sehnsucht seines Lebens — der großen Tat — seinem Dasein selbst ein Ende machte, kann keine schönere Erinnerungsfeiev bei der 150. Wiederkehr seines Geburtstages (1777—1927) gebracht werden als das Aufführen der Werke, und verstehendes Versenken in ihren geistigen Gehalt: sie bilden dem modernen Menschen das Vermächtnis einer „poetischen" Zeit, die ihren größten Dichter verkannte u. bedauernd über den „armen Menschen" die Achseln zuckte. Seinem dramatischen Talent, schrieb Achim von Arnim, fehle eigentlich nur das Theater... ." Wer aber jetzt den alten Schloßhof sich mit den Gestalten des Dichters erfüllen sah, durfte sich freuen, selbst ein so eigenwilliges Werk, wie es das „Kätchen" oder die Feuerprobe als „großes historisches Ritterschauspiel" darstellt, in den Raum aufgelöst und ausgebreitet zu sehen. Gerne überläßt er dann den Streit über oberflächliche Motive und krankhafte Erscheinungen den Philologen und ergötzt sich an dem bunten Spiel des schlichten Märchens, das voller Farbenpracht und Lebendigkeit an ihm vorüberrollt. Denn es ist ein Märchen, das G. Hartung vor uns hinl- zaubert. Da erfahren wir nichts von dem Ritter als dcmi sozialen Wesen, dem Vertreter einer Klasse: Er ist der leuchtende Held, dem der Traum unserer Fügend galt. Mönche, Heren, Femgericht führen uns in die zeitlose Ferne, die fchöpserifche Phantasie mit ihren Gestalten bevölkert,- dem gleichen Zweck« muß die zeitumwitterte Ruine dienen; bewundernswert, wie jedes Fleckchen zur künstlerischer Wirkung ausgenutzt ist von den Bögen des gläsernen Saalbaus, die als weltabgeschiedener Klostereingang herüberdüstern, bis zu den öden Fensterhöhlen, durch die die Funken des Brandes zum Himmel stieben. Ein unvergeßliches Bild auch die Schlußszene mit der frohen Bewegtheit des Volkes. Doch gerade, wo es so viel zu loben gibt, darf nicht verschwiegen werden, was den Eindruck des Märchens störtü. Wpzu das unmögliche Revuekostüm der Toilettedamen, die dann» auch ziemlich hilflos neben der Aufführung standen, in der sonst jeder Comparse mitlebte?? Wozu das Ballet der Kleinen in den Heidelberger Stadtfarben?? Solche Dinge können wir ruhig den Amerikanern überlassen. Eine Stilentgleisung war auch die Darstellung des Kaisers, die sich kaum über das Niveau des Clown erhob. Um drei Gestalten gruppiert sich das Spiel: das Kätchen, das in hingebender Liebe (einem Wunschbild kleistifcher Einbildungskraft) ihrem „hohen Herrn" folgt: innig und rührend in unschuldiger Jugendlichkeit findet diese zarte Erscheinung, von der die Seele deutscher Romantik ausstrahlt, ihre Gestaltung durch Elisabeth Lennartz. Als lauterer Held schreitet Friedrich Gras Wetter vom Strahl durch die Märchenwelt, schwankend zwischen Liebe und Pflicht: Carl Ebert stellt ihn dar mit gemessener Gebärde und herzlicher Stimme, der es im gegebenen Augenblick auch nicht am Marke mangelt. Zm Märchen darf weiterhin der böse Dämon nicht fehlen, der teuflisch in das Lebender Helden eingreift: Kunigunde hat noch deutliche Spuren des Naturtz geistes ansich, der sich zwischen die Menschen drängt. So faßt Fritta'Brod diese Gestalt richtig und formt sie durch verzerrte Gebärde und naturhafte Laute zur der Tiefe entstiegenen Unholdin. Dankbar riefen die Zuschauer am Schluß — Hartung und seine Schar immer wieder hervor, bis sich der Strom langsam verlief und das mitternächtliche Dunkel über den Hof ausbreitete, der den vielen, die er geborgen hatte, erneut zum Erlebnis geworden ist. M. Fuß. Mannheimer Kleinviehmarkt. Dem Kleinoiehmarkt am Mittwoch waren zugetrieben: 78 Kälber, keine Schafe, 37 Schweine, 310 Ferkel und Läufer Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Kälber — 77—80 66—74 58—64: Schafe — : Schweine 65-66, 67—68, 69 bis 70, 67—68, 64—66, ; Läufer und Ferkel 7—20, Reichsmark pro Stück. Marktverkauf: mit Kälbern ruhig, langsam geräumt; mit Schweinen mittelmäßig, ausverkauft; mit Ferkeln und Läufern ruhig. Reueste amtliche Kurse vom 10. August 1927. mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim. Anleihe«: in 0?0 mit Äuskofungsschein . . 57,75 ohne Auslosungsschein . . 16,58 Bankaktie : in 0/0 Bad. Ban! . . . . 175 Darmftädter- und Nattonalbant 234 ,so . 1*17/8 Deutsche Bank Deutlche Vereinsbank Dresdner Bank MUteldeutsche Creditbank Reichsbank Rhein. Sreditbank . Südd. Diseonto Ges. Bergwerk» » A ktien 105 168.50 248 174,75 134.50 145 ln 0/0 t arpeuer Bergbau all Viefteregeln . . . — Maunesrnunnröhrenwerke. — Mansselder Bergb. u. Hütte uw lZ7 Oberschl. Lisenb. Bedarf . . 10-,25 Phönix Bergbau u.Hüttenbetrieb >25,75 Salzwerk Heilbronn . .ISS Bereinigte Königs- Laurahütle »4,75 Aktie» Industr. Unternehmungen: in 0,0 Nllg. Elektr. Stammaktien . 191,50 Badenia Wein beim . — Bad. Elektrizität Mannheim — Bad. Maschinen Turlach . . /5t Cementwerk Heidelberg . 149,50- Daimler Rotoren . . . 123,25 Dtsch. Gold- und Silberscheide 921 Elektr. Licht und «rast . . 908 Emaill. und Stanzwerk Ullrich 36,50 Farbeninduftrie . . . 910,58 Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschinen Durlach . NS,50 Karlsruher Maschinen . . 98 Snorr Heilbronn . . . ISS Mainkraftwerke Höchst . . 127,90 Reckarsulmer Fahrzeugwerk« . Us,?5 Schottert Elektr. Nürnberg . 210 Seilinduftrie Wolfs ... 93 Südd. Zutter . . . . 144,5» Zellstoff Waldhof Stammaktien HO Aktien deutscher Transportanstaiten: in 0/v Hamburg. Amerik. Paketsahrl 150,50 Heidelberger Straßen- u. Bergbahn w Norddeutscher Lloyd . . 156,75 New-Jork 1 Dollar London 1 Pfund Holland 1U0 Eulv-n Schweiz 100 Kranes Wien wo Schilling Paris luv Kranes Italien 100 Lire Devisen: Geld 4 ro-o 00.49 168.96 31.001/9 59.18 10.487 99,881/9 «rief 4 9t 90.48 108.70 8l.l61'9 -9 3» >8.507 99.901/9 Einmal den Pilo- Dosen - Öffner herumgedreht u. schon ist jede Pilo-Dose geöffnet. Schuhcreme , E. SPEISER Sinsheim i E. Fernsprecher Kr. 12. Sehr einfach _lill ist das Waschen mit — 0MPS0N ' S| Qiifäottqison's Seifenfiutoer £s wascht schnell und schont den Waschebesfand. SEIFEN PU L'/e 3>iU? mit dem livbelhaUeo Dosen -Offner Schriftleitung: H. Becker; Druck und Verlag: G. Beckerfche Buchdruckerei in Sinsheim. Ordentlicher Metzger - Lehrling zum sofortigen Eintrit gesucht. Zu erfragen unter Nr. 792 beim Landb. 1000 de gesund! Jeder selbst chronisch Kranke probiere Dr. med. Greither’s wunderbare natürl. und angenehme Salns Qel-Kur (Heilen heißt reinigen!) 1/2 Fl. Mk. 2.— 1/1 Fl Mk. 4.— Dazu gehörig radioaktive Blntauffrisehungs- Käbrtalz - Tablett. Karton Mk. 1 50 Das aufsehenerregende Kur- u. Heilbuch Mk. 2 Viele ärztliche u. private Dankschreiben! Alleinversand: F. Barts, Heilbronn Kaiserstr. 34 am Markt Glänzende Erfolge! ; sT .. i