Ratgeber für Haus- und Landwirtschaft Beilage zum Landboten (Ginsheimer Zeitung) DQnn säen und stark düngen. Von Dipl. Landwirt H. Evelt. Stuttgart. Dieser Rat wird in letzter Zeit von vielen führenden praktischen Landwirten gegeben und wer in der Zeit vor der Ernte bei uns die Getreidefelder betrachtet, muß zugeben. daß dieser Rat viel zu wenig befolgt wird. Man hört heule wohl - von Dünnsaatversuchen, bei denen 30—40 Pfund auf den Morgen ausgesät werden; davon soll jedoch hier nicht die Rede sein, denn diese geringen Saatmengen find nur möglich bei Verwendung von Drill- und Hackmaschinen, die aber im Kleinbetrieb selten vorhanden find. Es werden aber bei uns durchschnittlich noch Saatmengen von 1—1,20 Ztr. pro Morgen verwendet, und man sollte fich deshalb nicht wundern, wenn das Getreide durch den dichten Stand zum Lagern kommt, da die Halme nur schwach ausgebildet find. Auf guten Böden dürften 60 Pfund, bei geringeren Böden und in höheren Lagen 70—80 Pfund Saatgut pro Morgen sicher genügen, um dieselbe Ernte, ja sogar eine besiere Ernte zu erzielen. Bei der Viehhaltung z. B. erscheint es jedem Landwirt selbstverständlich, daß er die Größe seines Viehbestandes nach der Menge des zur Verfügung stehenden Futters, sowie nach den Platzverhältnisten richtet. Im Pflanzenbau jedoch wird darauf meistens keine Rücksicht genommen, obwohl die Pflanzen ebenfalls Lebewesen sind, deren Entwicklung von der Menge der vorhandenen Wachstums- faktoren abhängig ist. Es ist klar, daß bei geringerer Saatmenge die Einzelpflanze mehr Platz hat und Luft und Sonne bester ausnutzen kann. Dadurch wird sie sich von Anfang an bester bestocken und der Halm wird kräftiger ausgebildet werden. Die kräftigeren Halme kommen dann nicht so leicht zum Lagern und so werden wiederum Aehren und Körner bester entwickelt. Das vergangene Jahr 1926 hat ja bewiesen, daß bei Lagergetreide das Korn nicht zur vollen Ausbildung gelangen kann und ein Ertragsausfall die notwendige Folge davon ist. Grundbedingung für eine dünnere Saat ist allerdings gutes, keimfähiges Saatgut. Es geht nicht an. daß das Saatgut jahrelang dem Betrieb entnommen wird, ohne jemals frische Saatware zu beziehen. Denn auch beim Getreide treten Abbauerscheinungen auf. die sich durch mangelndes Entwicklungsvermögen der Pflanzen bemerkbar machen; außerdem bringt man mit dem alten eigenen Saatgut immer wieder eine Menge Unkrautsamen auf den Acker, wovon ein gutes, hochwertiges Saatgut aber ftei sst. Beim Saatgutbezug muß darauf geachtet werden, daß eS seiner Herkunft nach auch in die betr. Gegend paß* denn die geringere Saatmenge muß die ihr am besten zusagenden Wachstumsbedingungen vorfinden, damit sich jedes Einzel- körn voll entwickeln kann. Dazu gehört u. a. auch eine ausreichende Ernährung, d. h. Düngung der Pflanzen. Das weftere Standverhältnis würde natürlich die Entwicklung der Unkräuter begünstigen. Dem muß daher durch ftühzeitige Ernährung der Kulturpflanzen begegnet werden, damit sie sich stark bestocken und das Unkraut unterdrücken. Als Grunddüngung kommen Kali und Phosphorfäure in Frage. Kali macht durch Zelluloseeinlagerung den Halm kräftiger, trägt allgemein zur größeren Widerstandsfähigkeit gegen verschiedene Krankheiten bei (z. B. gegen Rostbefall 1926) und ist durch seine Beteiligung an der Stärkebildung von großem Einfluß auf die volle Ausblldung der Körner. Phosphorsäure ist bei der Ausbildung des Eiweißes beteiligt, macht die Körner voller und hat großen Einfluß auf den Fruchtansatz. Der Stickstoff schließlich bildet die Pflanzenmaste und hat das Hauptverdienst bei der Eiweißbildung. Einseitige Stickstoffdüngung fördert die Lagerung, da wohl Pflanzenmaste erzeugt wird, die Halme aber durch Zellulosemangel nicht genügend gekräftigt werden können. Wenn durch die erwähnten Maßnahmen, wie entsprechende Düngung und Saatgutbeschaffung, allmählich unsere Landwirte statt 1,20 Ztr. nur noch 70—75 Pfund Saatgut pro Morgen brauchen würden, so wäre dadurch ein bedeutender Schrstt vorwärts getan, um die Ernährung des deutschen Volkes sicher zu stellen. Außerdem könnten für den dadurch eingesparten Betrag entsprechend Düngemittel angekauft werden, sodaß trotz geringerer Saatmenge höhere Ernten erzielt werden könnten. Selbst in höheren Lagen (700 Meter ü. M.) sind Versuche angestellt worden, bei denen nur 50 Pfund Saatgut verwendet wurden, und durch eine angemestene stärkere Düngung konnten dort trotzdem höhere Erträge erzielt werden. Wie in allen Zweigen der Landwirtschaft, so kann keine Einheitssaarmenge empfohlen werden; die oben erwähnten Mengen dürsten jedoch für die meisten Verhältnisse genügen. Me Dünnsaat liegt sowohl im Jntereste der gesamten Volkswirtschaft wie auch im Jntereste des einzelnen Landwirts; es sollte ihre Anwendung daher immer weitere Verbreitung finden, well sie zum Ausstieg unserer Landwirtschaft wesentlich beitraaen könnte. r— | Feldbau |=-- Die Auswahl der Saatkartoffeln sollte schon auf dem Acker erfolgen. (Nachdruck verboten.) Bei der Auswahl der Saatkartoffeln eigner Ernte sollte man sich die Praxis des Züchters zu eigen machen und solche nur von in jeder Beziehung.vollkommenen Pflanzen im Voraus bestimmen. Nur dalu: ist es möglich, die guten, an den Stauden iestgestellten Eigenschaften zu vererben und dadurch auch eine befriedigende Ernte zu erzielen. Um dieses gewünschte Ziel zu erreiche^» muß schon auf^dem Acker während der Entwicklung der Pflanzen eine Auswahl derjenigen erfolgen, deren Knollen als Saatgut verwendet werden sollen. Man wähle zu diesem Zwecke unter feinen Beständen einen möglichst unkrautfreien Acker mit gleichmäßig gut entwickelten, vor allem auch gesunden Stauden aus. Von diesen Stauden sind dann die kräftigsten und schönsten durch kleine Stäbe als solche zu bezeichnen. Uebrigens kann auch diese Kennzeichnung in umgekehrter Weise erfolgen. Sie ist besonders dann angebracht, wenn die Mehrzahl des Bestandes vollkommen befriedigt. Dann 'ist nur nötig, die zurückgebliebenen kümmerlichen und die von Blattkrankheiten befallenen Pflanzen in der angegebenen Weise kenntlich zu machen. Diese nicht ganz einwandfreien Stauden, ebenso die in der Blüte leicht erkennbaren fremden Sorten sind selbstredend unbedingt vor der allgemeinen Ernte aus dem Boden zu nehmen und zu verfüttern. In Gegenden, die in der Regel von Frühjahrsfrösten heimgesucht werden, sollte man es keineswegs unterlassen, schon im Frühjahr bei etwaigen Frostwirkungen eine Auswahl der widerstandsfähigen Sorten, bezw. der Stauden zu treffen und zu kennzeichnen. Man kann immer wieder beobachten, daß einzelne Sorten und Stauden gegen den Frost weniger empfindlich sind, auch wenn in der Nachbarschaft ganze Bestände durch den Kälterückfall vernichtet werden. Wer sich noch die geringe Mühe macht, bei der Ernte selbst nur die Knollen besonders fruchtbarer Stauden als Saatgut zu reservieren, der hat alles getan zur Erlangung eines in jeder Beziehung vollkommen einwandfreien Ausgangsmaterials für den nächstjährigen Anbau. Wo bereits eine starke Sortvermengung stattgefunden hat, oder die Stauden in der Mehrzahl an Krankheiten leiden, tut man bester, von dem Anbau eigener Kartoffeln abzusehen. In solchen Fället sollte man unter allen Umständen neue Saatkartoffeln bewährter Sorten entweder direkt vom Züchter oder einer von der Landwirtschaftskammer bezeichneten Saatgutstelle beziehen. Me Ausgaben hierfür werden durch eine reiche Ernte wieder um ein Vielfaches eingebracht. n. Obst- und Gartenbau Kräuselkrankheit des Pfirsischs. Von M. K. Braßler. (Nachdruck verboten.) In Jahren, in welchen die Vegetation weit voraus ist, kann die Kräuselung der Blätter für Obstbäume, insbesondere für Pfirsische, einen großen Schaden bedeuten. In den zusammgerollten und verkrümmten Blättern siedelt sich dann ein Pilz (Exoascus deformans) an, der die Innenseite der Blätter mit einem feinen Gespinst überzieht. Kann der Pilz sich ungestört weiter entwickeln, so sind Blattabfall und vorzeitiger Abwurf der Früchte die unvermeidliche Folge. Das Gespinst des Pilzes gibt den Blättern ein Aussehen ähnlich dem beim Mehltaubefall. Me Pilzerkrankung wird dadurch oft in besorgniserregender Weise weiter verarbeitet, daß Ameisen ihre Lieblinge, die Blattläuse, aus den verkrüppelten Blättern herausnehmen und bis in die Kronen der Bäume schleppen. Dadurch wird die Krankheit natürlich auf alle Teile der Krone oder auf andere Bäume übertragen und der Infektionsherd ganz wesentlich erweitert. Bei dieser Krankheitserscheinung hat man es also mit zwei Gegnern zu tun, dem Pilz und den Blattläusen bezw. den Ameisen. Die richtige Behandlung derselben ist demnach entsprechend einzurichten und hat sich nicht nur gegen den Pilz, sondern in besonderem Maße auch gegen die Verbreiter desselben zu richten. Erschwert wird die Bekämpfung dadurch, daß die Anfangsstadien der Krankheit nach dem Pilzbefall nicht sehr leicht zu erkennen sind und man meist plötzlich vor der voll entwickelten Krankheit steht. Bei Pfirsischfpalieren an der Südseite kann sich die Krankheit in kürzester Zeit so aus- wachfen, daß die Pflanze dabei vollständig zu Grunve geht. Die radikalste Bekämpfung der Kräuselkrankheit besteht darin, daß sofort alle gekräulelten Blatt- und Triebteile abgeschnitten und verbrannt werden. Hat sich der Pilz bereits zu stark eingenistet, so bleibt ebenfalls gar nichts anderes übrig, als die befallenen Blätter zu entfernen, zu sammeln und zu vernichten und die Spaliere mit einem der im Handel befindlichen Spritzmittel zu bespritzen. Es empfiehlt sich, das Auftreten des Pilzes dadurch zu unterbinden, oder wenigstens auf ein Mindestmaß einzuschräicken, daß man die Spaliere und Pflanzen bereits im März mit Bordelasser Brühe oder mit Schivefelbrühe ausgiebig und wiederholt behandelt. Wenn im Sommer gespritzt wird, so ist darauf zu achten, daß das Spritzen nicht bei brennender Sonne geschehen darf. Der zweite Kampf, der mit der Spritzung Hand in Hand gehen muß, ist das Fernhalten der Ameisen bezw. der Blattläuse. Diese Arbeit ist schon schwieriger und gelingt nicht immer. Leimringe um den Stamm verhindern das Emporsteigen der Ameisen meist nur auf kurze Zeit, denn sie sind klug genug, sich aus Blattläusen über die Leimfläche hinweg zu bauen.. Lappen, die mit Stinköl getränkt (Oleum animale fötidum) und um die Baumstämme gebunden werden, sollen einige Zeit recht gut geholfen haben. Auch dicke, breite Kreidestriche, die um den Stamm gezogen werden, oder Watte/ die man ringsherum festbmdet, helfen einige Zeit, die Ameisen am Aufstieg zur Krone zu verhindern. Diese Vorrichtungen müssen aber öfters erneuert werden (insbesondere nach einem Regen). Die Vertreibung der Ameisen aus einem Gartengebiet sekbst sst ein Kapitel für sich. Jedenfalls sst es nicht notwendig, die Ameisen zu töten. Es genügt, sie überall da, wo sie. lästig werden, zu vertreiben. Dies gelingt leicht durch Anwendung scharfer Geruchsstoffe, wie Stinköl; unser Geruchsorgan wird diese Unannehmlichkeit gern in Kauf nehmen, wenn damit eine gute Pfirsischernte sichergestellt wird. | Vieh- und Geflügelzucht | Hinkende Hühner: Vorsicht! Tnberknlose! Von Paul Hohman-Zerbst. (Nachdruck verboten.) Wenn auf dem Geflügelhofe ein Huhn beobachtet wird, das hinkt, so denkt wohl der Besitzer des Tieres, es habe sich geklemmt oder einen Nagel in den Fuß getreten, vielleicht auch gerissen. Ist in einigen Tagen das Uebel nicht beseitigt, so wird die Henne wohl auch gefangen und untersucht. In der Regel kann man aber dabei nichts fessstellen, und man läßt das Tier eben wieder laufen. Wenn nun auch zuweilen das Hinken auf eine der vorhin genannten Ursachen zurückgeführt werden kann, so liegt die Sache doch meist viel tiefer, indem es sich um eine der schwersten Krankheiten handelt, die wir beim Geflügel haben, nämlich die Tuberkulose. Bekanntlich ist die Tuberkulose eine Seuche, die das Geflügel arg mitnimmt. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, manche Geflügelzuchten sind infolge Tuberkulose schon vollständig vernichtet worden; sicher haben alle aber schwer darunter zu leiden. Und dabei ist die Geflügeltuberkulose eine Krankheit, der man mit Arzneien gar nicht beikommen kann, die sich im übrigen aber auch sehr ; schwer fessstellen läßt. Gerade hierauf mit beruht ihre ' außerordenflich große Verbreitung. Eines der ersten Kennzeichen nun, daß das betreffende Huhn von der Tuberkulose befallen ist, ist sein hinkender Gang. Wer also auf seinem Gehöft einen solchen Hahn oder eine solche Henne hat, der muß darauf gefaßt sein, daß es sich um Tuberkulose handelt. Bei genauer Beobachtung eines solchen Huhnes. wird es sich Herausstellen, daß das betr. Tier in allen seinen Bewegungen matt und unlustig ist. Auch das Fressen scheint ihm keinen Spatz zu machen. Am liebsten hockt es mit gesträubtem Gefieder in irgend einer Ecke. Sein Blick ist verschleiert, sein Gesicht blaß. Auffallend ist auch, daß es immer leichter wird, obwohl es zunächst noch legt. Werden diese Fessstellungen gemacht, dann sollte es kein langes Hinzögern mehr geben, sondern das Huhn muß alsbald geschlachtet werden. Sofern die Krankheit noch nicht lange besteht, das Huhn also körperlich noch nicht zu sehr heruntergekommen ist, ist sein Fleisch noch genießbar. Es werden dann die mit Tuberkeln behafteten Teile, das sind vor allem die Leber und der Darm, beseitig, also verbrannt oder tief vergraben, nicht etwa achtlos auf den Hof geworfen, wie das leider vielfach geschieht; denn wenn dann andere Hühner kommen und an diesen mit Tuberkelknoten behafteten Teilen picken, sind sie auch sofort von dieser Krankheit befallen. Ist aber eine tuberkulöse Henne vor dem Zusammenbrechen demgemäß stark abgemagert, dann wird sie wohl niemand mehr genießen wollen, wie denn überhaupt eine auch nur schwach tuberkulöse Henne sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist. Nun wird vielleicht mancher Geflügelzüchter bei sich sagen: „Man kann doch die Hühner gegen die Tuberkulose impfen lassen!" Na, das Wort „gegen" paßt hier insofern nicht her, als durch Impfen nur festgestellt werden kann, ob das Huhn die Tuberkulose hat, aber ein Heilmittel dagegen ist das Impfen nicht. Immerhin ist es sehr wertvoll, zu wissen, welche Tiere des Geflügelbestandes die Tuberkulose in sich haben, können sie doch nun schnellstens beseitigt bezw. noch verwertet werden. Allerdings muß das Impfen öfters vorgenommen werden, da Hühner, die sich das erstemal als gesund erwiesen, inzwischen ja ebenfalls erkrankt sein könnten. Gibt es nun gegen die Tuberkulose des Geflügels auch kein Heilmittel, so kann der Besitzer doch gegen ihre weitere Ausbreitung ankämpfen, indem er täglich die Stallungen, den Scharraum, den Laubplatz usw. reinigen läßt, da gerade durch den Kot bezw. durch die Bazillen, die darin sitzen und aufgepickt werden, sich die Krankheit fortpflanzt. Auf keinen Fall darf es unterlassen werden, die genannten Räume, auch die Nester, häufig zu desinfizieren. Gehen die Geflügelzüchter in dieser Weise vor, dann werden hinkende Hühner bei ihnen immer seltener werden, d. h. ihr Hof wird doch endlich frei werden von der Geslügeltuberkulose. Unsere Lebensmittel. Milch, die hierzulande auch vielfach in rohem Zustande getrunken wird, darf in Dänemark nur pasteuresiert abgegeben werden. Kabeljau kommt als solcher nur als Frischfisch in den Handel. In anderen Formen heißt er Klippfisch, Stockfisch und eingesalzen Labardan. Mageres Kalbfleisch enthält bis zu 79 Prozent Wasser. Ein Hühnerei wiegt 30 bis 72 Gramm. Ein solches von mittlerem Umfange wiegt 63 Gramm. Von diesem wiegt die Schale 6, das Eiweiß 31 und das Eigelb 16 Gr. Margarine wurde zuerst im Kriege 1870/71 in den Handel gebracht. Ihr Erfinder ist der französische Chemiker Mourines. Die Erfindung ist auf eine Anregung des letzten Franzosenkaisers Nopeleon III. zurückzuführen. Nr. 154. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 20. August 1927.,. Die Operationszange im Mage« des Patienten. In New Jork und London macht zur Zeit ein Prozeß von sich rede», den eine junge Dame gegen einen New Jorker Chirurgen anstrengen will .dessen Name zwar vorläufig nicht öffentlich bekanntgemacht wird, der aber einer der prominentesten Aerzte New Yorks sein soll. Es wird gegen ihn der Vorwurf der Fahrlässigkeit erhoben, da er nämlich bei einer an der Klägerin ausgeführten Operation die Operationszange in der Wunde drin gelassen und sie mit eingenäht hat. Die junge Dame, die jetzt erst 25 Jahre Jahre zählt, ist die Tochter eines bekannten amerikanischen Industriellen. Es sind nun zwei Jahre her, daß sie sich bei dem bewußten prominenten New Uorker Chirurgen operieren ließ. Die Operation schien auch zunächst gelungen, doch stellten sich bei der jungen Dame immer wieder recht heftige Schmerzen ein, was sie freilich nicht hinderte, sich auf große Reisen nach Indien, Marokko und Europa zu begeben, sich allerhand Sport hinzugeben, wie Reiten und Schwimmen und auch das Tanzen nicht zu verschmähen. Doch wurden die Schmerzen in letzter Zeit immer stärker und immer häufiger, so daß sich die Amerikanerin entschließen mußte, bei ihrem Aufenthalt in London sich in ein Krankenhaus zu begeben und sich einer gründlichen Untersuchung zu unterziehen. Nicht gering war aber ihre und der untersuchenden Aerzte Ueberraschung, als eine Röntgenaufnahme ergab, daß eine acht Zoll lange Zange in ihrem Leibe sich befand. — Es heißt, baß die junge Dame keine besonders feindseligen Gefühle gegen den Arzt hege, der durch seine Unachtsamkeit ihr so viel Schmerzen und so viel Mißgeschick bereitet hat. DpH will sie, als praktische Amerikanerin, nicht auf die Vorteile verzichten, die ihr eine Klage gegen den Arzt einbrin- gen kanrft Sie will glso auf Rückerstattung der Summe klagen, die seinerzeit ihr Bgter dem Arzte für die Operation gezahlt hat, ferner auf Vergütung der Unkosten, die ihr durch den Aufenthalt in dem Londoner Krankenhause und die neuerliche Operation entstanden sind. Dagegen soll sie auf die ihr ebenfalls zustehende Klage wegen Gefährdung ihres Lebens verzichten wollen. Die Ferie« des englische« Kronprinzen. Der Prinz of Wales, der älteste Sohn des Königs von England, hat beschlossen, einen Teil seiner Ferien im Herzen Kanadas zuzubringen. In dem Bestreben, möglichst weit von allem entfernt zu sein, was an das Hofleben auch nur erinnern kann, hat der Prinz eine kanadische Rancha, .zu deutsch ein Mittelding zwischen Farm und Bauernhof bezogen, die er sich nach seinen eigenen Angaben mitten in einer der ungeheuren kanadischen Prärien hat bauen lassen Er erhebt sich jeden Morgen um halb 6 Uhr und macht einen langen Ritt bis zum Frühstück. Nachdem er ausgiebig auf englische Art seine Mahlzeit zu sich genommen haf fertigt er seinen Kurier ab was nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, denn er liebt es nicht, lange Briefe zu schreiben Der Kurer reitet ab und kommt erst spät am Abend wieder. Der Tag des Kronprinzen geht mit Besuchen in der Nachbarschaft hin, und der Erdbe des englischen Trones amüsiert sich über nichts mehr, als Mxr. die Erzählungen der befreundeten Farmer. Diese'besuchen ihn'mit ihren 'Familien auch manchmal des Abends, und während der eine Teil der Gesellschaft dem Briögespiele huldigt, organisiert der Prinz für die Jugend ein Tänzchen nach den Klängen eines Grammophons. Um zehn Uhr löst sich die Gesellschaft auf. Aber der Hauptzeitvertreib des Prinzen besteht darin, mit seinen und der Farmer Leuten zusammen zu Pferde jene Teile der Herden zu verfolgen und wieder einzufangen, die sich regelmäßig aus dem Gebiete der Farmen unerlaubt entfernen. Der Prinz ist ein ausgezeichneter und leidenschaftlicher Reiter und versäumt es nie, sich solch einer Verfolgung anzuschlietzen, auch wenn es mitten in der Nackt ist. — Gasmaske« sind in Leningrad Hausgerät wie Bratpfannen. In jedem Leningrader Hause muß für jeden eine Gasmarkc vorhanden sein. Alle Leningrader, ob Mann, Frau oder Kind, werden im Gebrauch der Gasmaske unterrichtet, so daß jeder bei einem Generalalarm, wenn ein Regen von Bomben aus feindlichen Flugzeugen über die Stadt niedergeht, sofort die Gasmaske aufsetzen und das Visier herunterklappen kann. Diese Befehle sind für den Fall des als unvermeidlich angesehenen Kriegs gegen Sowjetrutzland herausgegeben worden, denn Leningrad gilt als eine besonders bedrohte Stadt. Die sogenannten Hausausschüsse sind angewiesen, jeden Bewohner der unter ihrer Gerechtsame stehenden Häuser mit den Gasmasken zu versorgen. Die Gesellschaft hat eine Million solcher Gasmasken zum Preise von sieben Rubeln das Stück zum Verkauf. Diese sieben Rubel werden den Leuten einfach auf die Miete aufgeschla- gen und zwar in monatlichen Abzochlnngsraten, wen» diese Art der Zahlung gewünscht wird. In die Wände müssen besonders für das Aufhängen der Gasmasken bestimmte Haken eingeschlagen werden, damit die Masken nie verlegt werden können. Sobald die ganze Familie mit Gasmasken versorgt ist, kommt ein Sachkundiger und weist sie in dem Gebrauch der Masken an. Die Nationalgesellschaft plant anch den Vau von luftdicht abgeschlossenen Kellergewölben mit Sauerstoffversorgung, in denen die Bewohner bei einem Luftangriff Schutz suchen können. Der Bienenschwarm in der Polizeistatio». Ein eigenartiger „Einbruch" ereignete sich kürzlich in Dublin und zwar in einer Polizeistation. Ein Bienenschwarm war es, der dort einürang und große Verwirrung anrichtete, womit also diese Tierchen bewiesen, daß sie keinesfalls besonderen Respekt vor den Hütern der öffentlichen Sicherheit und Ordnung empfinden, und sich kein Gewissen daraus machen, diese selbst in ihrem eigenen Hause aufzusuchen, was ja selllst von den kühnsten menschlichen Ein- brea/ern bis jetzt noch gerne vermieden wird. Aber die kleinen Wesen haben auch bewiesen, daß sie damit ihre Kräfte und nicht zuviel gewagt haben, sie bleiben nämlich bei dieser Machtprobe durchaus Sieger. Jedenfalls konnten sie den Erfolg für sich buchen, daß die ganze Stube, m der sich eine ganze Anzahl dieser an Verfolgung gewohnten, Respekt heischenden und Respekt einflößenden Männer befand, in wenigen Sekunden leer war. Sie, die sonst gewohnt waren, die Verfolger zu sein, ergriffen nun ihrerseits ore Flucht, als sie bei ihrer Arbeit von den unwillkommenen Eindringlingen überrascht wurden, die nicht zögerten, von ihren stachligen Waffen flugs Gebrauch zu machen, so daß einige der Polizisten, die eine schwache Resistenz versuchten, dies bitter büßen mußten und noch mehrere Tage lang ihr angeschwollenes und schmerzendes Gesicht von den Stichen, die sie erhalten, und der Niederlage, die sie erlitten, lebhaftes Zeugnis ablegte. — Als dann aber freilich nach einiger Zeit die Beamten, mit Schwefelbomben bewaffnet, wieder zurückkehrten und das Zimmer ordentlich ausräucherten, da kam nun die Reihe an die Bienen, die Flucht zu ergreifen. Die Verfolgung der Verbrecher soll aber keiner der Beamten übernommen haben. Sie waren schon froh, wieder Herren in ihrem eigenen Hause zu Die Bezugsefneuerung für den Monat September eilt! Im Interesse einer ununterbrochenen Zustellung wolle man bei den Austrägern oder dem Postamt den Landboten sofort bestellen !* Ei« Schwiegersohn Rockefellers fährt 3. Klaffe «ach Europa. „Ich bitte eine Schiffskarte dritter Klasse nach Europa". Diese Forderung mag merkwürdig genug dem Beamten, an den sie gerichtet jar, erschienen sein, als er in dem Sprecher keinen geringeren als den Gemahl der ehemaligen Miß Abby Rockefeller erkannte, der Enkelin des großen Petroleumkönigs also. Aber der Gemahl dieser Frau, die als eine der größten Erbinnen Amerikas und also auch der Welt angesehen werden kann, Mr. Davis Milton, erklärte, sich nicht geirrt zu haben, sondern wirklich die Absicht zn haben, in einer einfachen Touristenkabine der dritten Klaffe die Reise anzutreten, und tatsächlich geschah dies auch vor einigen Tagen auf dem Dampfer Berengaria. Ueber- haupt legt Dr. Milton Wert darauf, in der Welt nicht immer nur als der Schwiegerenkel des Dollarmagnaten angesehen zu werden, sondern möchte lieber durch eigene Leistungen sich Ansehen verschaffen. Und so sucht er denn in seiner Lebensführung nicht als der Mann einer reichen Frau aufzutreten, sondern seinem eigenen Lebensstandard entsprechend. Er hat auch seine Frau die Europareise schon früher allein antreten lassen, während er sich nur die drei Wochen Urlaub gönnt, die ihm seine New Aorker Firma bewilligt, in der er als Rechtsanwalt arbeitet NatürlkL kann er es aber nicht vermeiden, und will es vielleicht auch gar nicht einmal, daß seine Fahrt dritter Klasse in der amerikanischen Gesellschaft als gewisse Sensation empfunden und lebhaft besprochen wird. I« welchem Alter ist der Mensch am anfuahmesähigste«? Im allgemeinen ist die Auffassung vertreten, daß die Jahre der Kindheit es sind, in denen der Mensch am aufnahmefähigsten ist und am leichtesten lernt. Dies ist in gewisser Beziehung auch richtig, nur daß andererseits dem Kinde noch die Reife der Anschauung und der Ernst der Zielerstrebung fehlt, und daraus erklären sich die Ergebnisse, der von einem amerikanischen Gelehrten veranstalteten Untersuchungen, die er dahin zufammenfaßt, daß kein Erwachsener sich scheuen sollte, irgend etwas Neues dazuzulernen, er wäre nicht nur nicht unfähig dazu, sondern könnte viel schneller ans Ziel gelangen, als ein Kind. Der Gelehrte hat bei seinen Versuchen drei Gruppen berücksichtigt: 1. Kinder. 2. Personen zwischen 20 und 24 Jahren, 3. zwischen 35 und 49 Jahre» und er verglich bei ihnen die Schnelligkeit, mit der sie neue Wissensstoffe sich aneigneten. Unter anderen ließ er sie Esperanto lernen. Das Verhältnis für die Gruppen 3 zu 2 war wie 5 zu 6, beide aber übertrafen die Gruppe 1.' Aehn- lich war das Ergebnis bei verschiedenen anderen Wissenszweigen. Der Gelehrte kommt zu dem Ergebnis, daß die Fähigkeit zu lernen bis etwa zum 20. Lebensjahre ansteigt, dann tritt einige Jahre Stillstand »ein. dem eine langsame Abnahme folgt. Bücher. Dr. Schenkel / „Dom Dolksschiiler zum Abiturienten". Preis: Reichsmark 0,60. / Lumenverlag G. m. b. Sy., Potsdam. Diese Broschüre ist von einem Manne verfaßt, der, in kleinen! Verhältnissen aufgewachsen, sich selbst die Zugänge zu einer höheren Bildung und Lebensstellung gebahnt hat. Das Werk zeigt insbesondere, wie es beruflich tätigen Jünglingen möglich ist, trotz ihrer Arbeit für den täglichen Bedarf, Zeit und Kraft aufzubringen, um sich die an unseren höheren Schulen gelehrte Kennt'- nisse anzueignen und die Reifeprüfung zu bestehen, die die Tore zum Hochschulstudium und zu einer gehobenen Lebensstellung eröffnet. Beyers Monatsblatt für Handarbett und Wäsch«, Heft 8 August 1927, Preis 75 Pfennige, Verlag Otto Beyer, Leipzig. Das Wort „Handarbeit" wird stets von ganz besonderem Interesse für Frauen, Mädchen und auch schon Kinder sein. Und mit vollem Recht, denn der Wert einer Handarbeit kann niemals durch Maschinen ersetzt werden. Wer Anregung sucht, braucht nur dieses neue Heft in die Hand zu nehmen, beim Durchblättern findet man eine ungeahnte Fülle schöner Handarbeiten!, Humor. Der Uevel größtes. Im Fremdenbuch von Großeislingen fand man kürzlich die Verse eingetragen: Das Leben ist der Güter höchstes nicht Der Uebel größtes aber sind die Schulden. Ein anderer'„Dichter» hatte jedoch darunter geschrieben: Die Schulden sind der Uebel größtes nicht, Das größte Uebel ist die Zahlungspflicht! Auch^diese Wendung fand Widerspruch, denn ein anderer schrieb: Auch diese ist der Uebel größtes nichts Denn übler ist noch der daran, Der zahlen soll und es nicht kann. Dazu bemerkt ein Merter: Da irrst du dich, mein Freund, nicht schlecht, Du kennst des Lebens Not nicht recht Den Schuldner kümmern Schulden ni,»t. Er lacht dem Gläubiger ins Gesicht. — Am schlimmsten geht es diesem oft, < Weil er umsonst aus Zahlung Sofft! Sei sparsam — wähl das Beste nur von Uhren die Alpina-UliLr! Installations-Arbeiten aller Art schnell und preiswert Beleuchtungskörper in allen Preislagen und für alle Zwecke Koch- und Heizapparate Staubsauger, Bohner- u.W aschmaschinen Motoren u. Ventilatoren sowie alle landw. u. gewerbl. Maschinen • Rheinische Elektrizitäts-A.-G. v Telefon 182 Elektrizitäts-Werk Muthstr.357 5 Ausstellung Farbenhaus Lehr. Gchuhwaren Die langjährigen Erfahmngen mache ich mir beim Einkauf zu Nutzen, und erhalten Sie nicht nur billige Preise, sondern auch Qualitäten, in großer Auswahl. Restposten äußerst billig. Alle anderen Qualitätswaren empfiehlt trotz dauerndem Ausschlag der Schuhfabriken äußerst günstig Wilhelm Schuchmavn. Sinsheim ■ Arltestes Geschäft am Platze. An hiesigem Platz (Bahnhofstraße, Hauptstraße oder Marktplatz) ein Ladenlokal zu mieten oder eventl. ein Gebäude zum Umbau hierfür zu kaufen gesucht. Nähere Beschreibung, nebst Miet- und Kaufpreis unter Z 200 an den Landboten erbeten. Obler Mundgeruch trö abstoßend. Häßlich gefärbte Zähne entstellen da, " - “ "^bnheitsfehler werden oft schon .. . ' '• & «frischende» —— Zähne erhalten nach kurzem Gebrauch einen wundervollen Elsenbe»- anz, auch an de« Seitenflächen, bei gleichzeitiger Be- chung der dafüc eigen» konstruierten Chi or «- © n t-Zabmbflrate mit gezahntem BorstenschniN. »ulend« Speisereste in den Zahnzwischenräumen at» rsach» de, üblen Mundgeruchs werden gründlich dam« semgt. «ersuchen Sie es zunächst mit einer klein« übe zu 60 Pfg. Chlorodont - Zalmbürwtc rar inbet 7v'Pfg-, fiir Damm Mk. 1.26 (weiche Borsten», für eiten Mk. 1.26 (harte Borsten». Nur echtm blawgrün« rtginalpackung mit der Aufschrift „Chlorodont - berail 3 » Hab«. Größte Funkzeitschrift mit allen Programmen and großem Unterhaltungs- und Bastlerteil Nur 50 Pf. jede Woche, Bestellung bei jedem Poetamt und in jeder Buchhandlung. Probemu»««» keßenl», new g»