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Fjaupt-Hn^eigen-Blatt Wöchentlich« Beilagen: (Code and lseirn » Oer Kobold » Neue Illustrierte » CandwtrtTcbaftlicbe Beilage Bank-Konto: Bereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L. M 155. Montag, den 22. August 1927. 88. Jahrgang Der Stand der Memelfrage. Die drei „Regenten". — Die deutschen Vorstellungen in Kowno «Eine schwere Gefahr für den Frieden-. Berlin, 20. Aug. Ueber die Lage im Memelgebiet wird den Blättern folgende Darstellung gegeben: Die Maßnahmen gegen das Deutschtum, über die in der letzten Zeit in der Presse geklagt worden ist, gehen nicht in erster Linie von der litauischen Regierung, sondern von den drei Instanzen aus, die das öffentliche Leben im Memelgebiet maßgebend beeinflussen. Das ist erstens der Gouverneur, der von der Regierung eingesetzte oberste Beamte der litauischen Verwaltung, zweitens der Kriegskommandant, der auf Grund des Ausnahmezustandes sehr weitgehende Vollmachten hat und drittens das sogenannte Direktorium, die Verwaltung des autonomen Memelgebiets, die nach unserer Auffassung ungesetzlich und auch nur als eine litauische Instanz zu betrachten ist. Unter den Verletzungen des Memelstatuts tritt die Untev- drückung der Presse besonders hervor, die auch weiter andauert, da der Kriegskommandant die Zensur außerordentlich scharf handhabt, und zwar entgegen den Erklärungen, die Ministerpräsident Woldemaras in Genf feierlich abgegeben hat. Die Versammlungsfreiheit dagegen wird neuerdings durchaus gewahrt. Auf der anderen Seite sind zu den Verletzungen des Memelstatuts in letzter Zeit besonders zahlreiche Lehrerkündigungen Magdeburg, 21, Aug. Anläßlich der Jahrestagung des Reichsverbandes der Rheinländer fand heute vormittag in her Stadthalle eine öffentliche Kundgebung für ein freies Rheinland statt. Als erster Redner überbrachte Dttnisterial- öirektor Dr. Dielhey vom Reichsministerium für die besetzten Gebiete die Grütze der Reichsregierung. Der Redner übermittelte das Bedauern des Reichskanzlers, nicht an der Kundgebung teilnehmen zu können und wies darauf hir^ daß jede deutsche Reichsregierung die Mitarbeit aller Deutscher begrüßen müffe, die die überparteilichen Grundlagen des Staatswesens schützen und sichern helfen. Ein bleibendes Verdienst der großen landwirtschaftlichen Verbände, insbesondere des Reichsverbandes der Rheinländer sei, daß sie die volkseinende Idee zuerst aufgegriffen und zum Ausgangspunkt für umfassendes vaterländisches Wirken gemacht hätten. Nicht vergessen dürften auch die Verdienste dc^ ersten Vorsitzenden des Reichsverbandes der Rheinländer, Dr. Kaufmann sein, der mit sicherer Hand das Schiff des ReichZ- verbandes durch Sie Stürme der gegenwärtigen Zeit hin- öurchgesteuert habe. Noch habe die Bevölkerung des besetzten Gebiets den schweren Druck sremöer Besatzung zu tragen und sie sollen ihn lieber weiter erdulden, als seine Freiheit verkaufen gegen neue Lasten, die dem gesamten Deutschland aufgebürdet würden. Mit dem Wunsche, daß der Rhein von Köln bis zum Meer bald frei sein möge, schloß der Redner seine Ausführungen. Hierauf sprach Präsident Dr. Kaufmann-Berlin, der unter lebhafter Zustimmung der Versammelten die Forderung auf- stellte, daß der Getzlerhut am Rhein verschwinden müsse. Alle großen deutschen Parteien sahen in der Fortdauer der Rheinbesetzung nach Deutschlands Eintritt in den Völkerbund einen Widersinn, der die Völkerbundsibee zur Karikatur mache. Recht und Moral in der Räumungsfrage seien auf deutscher Seite. Würde der Rhein bald nicht frei, so verliere eine loyale deuffche Verständigungspolitik jeden Sinn. Zum Schluß richtete Tr. Kaufmann an den Rcichsanßcnminister die Forderung, in Genf mit aller Entschiedenheit volle Freiheit für das Rheinland zu verlangen, und zwar als Gegenleistung für die der Preis bezahlt. Für die besetzten Gebiete sprach dann Oberbürgermeister • Dr. Weiß-Ludwigshafen, der darauf hinwies, daß trotz der Erleichterungen der letzten Jahre nicht oft genug die Forde- rung nach Freiheit von fremder Besatzung in die ganze Welt hinausgeschrieen werden könne. Tie Forderung werde immer stärker und lauter erschallen und auch von jeder Reichsrcgie- rung mit Nachdruck unterstützt werden. Mit den Versprechungen auf eine fühlbare Milderung der Besatzung sei Deutschland nicht zufrieden. Es habe seine Pflicht erfüllt und die Gegenseite solle dafür nunmehr ihren entschiedenen Friedenswillen bekunden. Hach Absingen der ersten und dritten Strophe des Deutschlandliedes wurde eine Entschließung angenommen, in der die zur Magdeburger Tagung des Reichsvcrbandes der Rheinländer versammelten Rheinländer den Tank für ihren Opferdienst aussprechen und die Reichsregierung dringend bitten, für die alsbaldige Räumung des Rheinlanües nach- drücklichst einzutretcn. Im Anschluß an die Kundgebung fand ein Empkang der Mitglieder des Reichsverbandes und der Vorstandsmilglie- der des Vereins der Rheinländer in Magdeburg durch die Stadt Magdeburg statt. Noch keine Lösung in der Besatzungsfrage. Der englisch-französisch« Meinungsaustausch. Paris, 20. Aug. Außenminister Briand soll, wie die Blätter übereinstimmend berichten, gestern nach Schluß des Ministerrats erklärt haben: „Die Angelegenheit der Besatzungsocrringer- ung kann als geregelt angesehen werden." „Matin" berichtet hierzu, obwohl die Verhandlungen mit England noch nicht vollständig beendet seien und die Regierung strengstes Stillschweigen bewahre, scheine bereits festzustehen. daß die interessierten Regierungen sich auf eine Truppenstärke von insgesamt 60 000 Mann geeinigt haben, wobei sie von einer gegenwärtigen Truppenstärke von 72 000 Mann ausgegangen feien. Es wäre nur noch festzu- ftellen, in welchem Verhältnis die Truppen der verschiedenen hinzugetreten. Es handelt sich dabei um deutsche Optantenlehrer, aber auch ihre Kündigung ist nach dem neuesten Stand zu Unrecht erfolgt. Der Umfang dieser Kündigungen ist so groß, daß der Unterricht dadurch stark beeinträchtigt wird. Während die Zweisprachigkeit vorgeschrieben ist, wird übrigens im Lehrerseminar nur in litauischer Sprache gelehrt. Auch einer Reihe dmtscher Beamter ist in der letzten Zeit gekündigt worden. Die Lage im Memelgebiet ist im Augenblick auch deshalb besonders ungeklärt, weil der Gauverneur schwer erkrankt und über seine Nachfolge noch nichts bestimmt ist. Die Verhältnisse werden sich wohl erst im September besser übersehen lassen. Zunächst aber hat bekanntlich der deutsche Gesandte in Kowno in diesen Tagen Vorstellungen gegen die letzten Verfehlungen der drei Memeler Instanzen erhoben. Die deutsche Regierung wird nun zunächst abwarten, was die Kownoer Regierung zu ihren Beschwerden zu antworten hat. Sie drängt aber darauf, daß nun endlich eine Beschleunigung eintritt, wie sie auf Grund der Erklärung verlangt werden kann, mit der der Ministerpräsident nicht nur gegenüber Deutschland, sondern auch vor dem Völkerbund die Wiederherstellung des Rechts versprochen hat. Länder zurückgezogen werden sollen. Doch das sei von untergeordneter Bedeutung. Deutschland werde auf diese Weise berechtigte Genugtuung erhalten, denn es könne nicht behaupten, daß eine Herabsetzung um 12 000 Mann eine leere Geste sei". (!) Eine Bestätigung dieser Darstellung konnte man in dem Bericht des „Newyork Herald" finden. Nach ihm sei eine eventuelle Zustim- muiU zu der 'Besatzungsminderung auf 60000 Mann gestern abend in den französischen diplomatischen Kreisen als wahrscheinlich bezeichnet worden. Es bleibe lediglich die Frage offen, wie England, Frankreich und Belgien daran beteiligt seien Andere Blätter wollen wissen, daß Painleve im gestrigen Ministerras 4000 Mann als Maximum dessen angegeben habe, was die maßgebenden Militärs als möglich bezeichnet hätten. „Avenir" behauptet sogar, der Ministerrat habe an seinem früheren Beschluß, höchstens eine Minderung von 4—5000 Mann zu billigen nichts geändert und darüber nur deshalb nichts verlauten lassen, weil die englische Antwort noch nicht eingetroffen sei. Es wäre verfrüht, entscheiden zu wollen, wer recht hat. Daß man kurz vor der Lösung steht, beweist auch die Unterredung, Briands mit dem belgischen Botschafter vom gestrigen Abend. Man darf wohl annehmen, daß gestern nachmittag die englische Antwort eingegangen ist und der Quai d'Orsay mit der belgischen Regierung, die über die Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten wird, zu der Note Stellung nahm. Der nächste Ministerrat findet erst am kommenden Freitag statt. Die englische Presse zur Besatzungsverminderung. Loudou, M. Aug. Zur Räumungsfrage weih der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" zu berichten, in Londoner Kreisen werde klar zum Ausdruck gebracht, daß die letzten Vorschläge der französischen Regierung über die Verminderung der alliierten Truppen im Rheinland für die britische Regierung unannehmar seien. Man erwarte deshalb, daß ein neuer Gedankenaustausch in dieser Wme- legenheit stattfinden werde. Die französische VesatzuMs- armee im Rheinland sei genau viermal so stark wie die britische und belgische zusammen. Trotzdem lehne die französische Regierung es ab, ihre Armee um mehr als 5000 Mann zu vermindern und schlage vor, daß England und Belgien, falls diese Ziffer von Großbritannien als unange- meflen betrachtet werde, ihre Armeen um ebenfalls 5000 Mann vermindern sollten. Einer solchen unnatürlichen Verminderung würde London niemals seine Zustimmung geben, da dadurch Großbritanniens Einfluß im Rheinlande auf den Nullpunkt verringert würde. Dieser französische Vorschlag überraschte umsomehr, als der französischen Regierung schon seit geraumer Zeit bekannt sein mußte, daß Großbritannien auf einer proportionalen Verminderung bestehe. Es sei mißlich, daß dieser Vorschlag unter dem Druck der französischen Militaristen gemacht worden sei, um eine negative britische Antwort herauszuforöern und London die Verantwortung für die Aufrechterhaltung des militärischen status que im Rheinlande zuzuschieben. Gleichzeitig veröffentlicht das genannte Blatt einen Bericht von Pertinax, wonach die Aussichten für ein französisch-britisches Ueberein- kommen in der Frage der Besatzungsverminderung heute günstiger erscheinen als bisher. Es habe den Anschein, als ob einige der von Briand in seiner letzten Note vorgebrach- ten Argumente in London sympathisch ausgenommen worden seien. Es sei wahrscheinlich, daß der Notenaustausch ringe-- stellt und bi: ganze Frage zwilchen dem englischen Auswärtigen Amt und dem französischen Botschafter in London besprochen werden würde. Auch in den übrigen Blättern wird dem Räumungsproblem erhöhte Beachtung geschenkt. Chamberlain fällt um. Paris, 20. Aug. Pertinax erklärt im „Echo de Paris", daß Chamberlain zwar anfangs versuchte, der französischen Auffafluag in der Frage der Verminderung der rheinischen Besatzungstruppen Widerstand zu leisten, nunmehr aber einlenke und die französische Antwort als Grundlage für eine Diskuffion annehme. Chamberlain werde die Angelegenheit mit dem französischen Botschafter besprechen und den Notenwechsel nicht weiter ausdehnen. Ein englischer Parlamentarier über Danzig. London, 19. Aug. Im „Daily Herald" veröffentlicht der englische Abg. Arthur Greenwood einen längeren Artikel über Danzig, in dem er u. a. schreibt: „Aus den Verträgen und Korrespondenzen zwischen Danzig und fremden Mächten und aus anderen Dokumenten kann bewiesen werden, daß Danzig eine durchaus deutsche Stadt ist, und daß während der Zeit des Schutzes durch die polnischen Könige es trotzdem unabhängig war von polnischer Kontrolle. Die alten städtischen Akten, die Sprache der Gesetze und des Gerichtshofes zeigen, daß Danzig immer eine deutsche Stadt gewesen ist. Sogar die Könige von Polen korrespondierten mit der Stadt in deutscher Sprache. Aus den Verträgen geht klar hervor, daß Danzig auch zur Zeit des polnischen Schutzes feine eigenen auswärtigen Beziehungen aufrecht erhielt. Man mag fragen, warum Danzig heute so viel Wert auf diese Tatsachen legt. Die Antwort ist, daß heute die Stadt und ein kleines Hinterland den Freistaat bilden, der eine souveräne „Macht" ist, soweit man diesen Ausdruck heute auf so kleine Staaten anwenden kann. Dieser unabhängige Staat wurde durch den Versailler Vertrag geschaffen, der jedoch die Führung der auswärtigen Angelegenheiten Polen übertrug und den Freistaat durch eine Zollunion an Polen band. Unzweifelhaft sind die Danziger Wirtschastsinteressen eng verbunden mit dem polnischen Hinterland, von dem seine Ernährung und sein Handelsverkehr abhängt. Aber die Danziger fühlen ihre Abtrennung vom Reich, die sowohl physisch wie politisch ist, denn zwischen der Freien Stadt «und dem eigentlichen deutschen Gebiet liegt der polnische Korridor. Im Osten liegt Ostpreußen, ein abgebrochenes Fragment des deutschen Staates, das in einer ebenso schlimmen Lage ist wie Danzig. Ostpreußen ist von Deutschland, zu dem es politisch gehört, durch den polnischen Korridor und den Danziger Freistaat abgetrennt. Soll das ewig so bleiben? Die Zukunft ist dunkel, doch die Türme von St. Marien und vom Rathaus der Stadt Danzig erheben ihre Häupter als ewige Mahner gegenüber den Nationen des Westens an das Bestehen eines Problems von O-Europa, das in Zukunft ein« schwere Gefahr für den Frieden werden kann." Die «Volonte- zur Kriegsschuldfrage. Tie russische Mobilmachung — Der verantwortliche Poincare. Paris, 18. Aug. Die „Volonte" räumt heute auf mit dem Manchen, daß Deutschland den Weltkrieg vom Zaun gebrochen habe. In der „Revue des deux mondes" erscheinen seit einiger Zeit die Erinnerungen des damaligen russischen Außenministers Sassonow. Auf Grund eines Vergleichs dieser Erinnerungen, mit den bisherigen Dokumenten kommt die „Volonte" zur Feststellung, daß jetzt unwiderleglich feststehe, daß dir russische Mobilmachung die erste von allen gewesen sei und erst ähnliche Maßnahmen bei den Gegnern und Alliierten zur Folge gehabt habe. Sie habe das Nichtwiedergutzumachende provoziert. Die französische Regierung habe in ihrem Gelbbuch systematisch die russische Mobilmachung unter den Tisch fallen lassen, um die öffentliche Meinung irre zu führen. Als Prof. Victor Basch 1915 eine Broschüre über den Kriegsursprung veröffentlicht habe, habe Poincare ihn in abscheulicher Weise getäuscht, indem er ihm die irreführende Auskunft gegeben habe, die russische Mobilmachung sei erst am 31. Juli nach der österreichischen angei- ordnet worden, während sie in Wahrheit am 30. Juli nachmittags 3 Uhr dekretiert worden sei. Heute suche Sassonow eine Maßnahme zu rechtfertigen, deren Verantwortung sehr schwer auf den russischen Machthabern von 1914 laste. Was Poincare betreffe, so sei er, wenn er auch den Krieg ebensowenig gewollt habe wie der Zar und Wilhelm II., doch verantwortlich dafür, ihn leichten Herzens haben kommen sehen und angenommen zu haben, obwohl es für ihn leicht gewesen wäre, die friedlichen Tendenzen des Zaren, der ebenso wie Wilhelm II. dem Druck der Militaristen nachgegeben habe, zu unterstützen und dessen kriegerischen Ratgebern zu erklären, daß Frankreich nicht geneigt sei, das Blut seiner Söhne für den österreichisch-serbischen Zwischenfall zu vergießen. Stappellauf des Kreuzers «Karlsruhe-. Kiel, 20. Au^. Zum Stapellauf des Kreuzers „Karlsruhe", der das erste Schiff ist, das seit dem Kriege in Kiel vom Stop:l läuft, hatten sich auf dem festlich geschmückten Bauhof der Werft der Deutschen Werke A. G. Kiel nicht nur' die Einwohner von Kiel und Umgebung, sondern auch zahlreiche Gäste aus Baden und dem übrigen Reich eingefunden. Im ganzen werden wohl 20 000 Personen versammelt gewesen sein, als pünktlich um %12 tihr die Ehrengäste, der badische Staatspräsident Dr. Trunck, °4>er Reichswehrminister Dr. Geßler, der Chef der Marinelsitung Admiral Zenker, der Oberbürgermeister der Patenstadt Karlsruhe. Dr. Finter und die Witwe des Kommandanten der am 4. November 1914 ruhmreich untergegangenen efften „Karlsruhe", Frau Fregattenkapitän Köhler, die Vertreter der Reichs- und der preußischen Staatsregierung, Mitglieder des Reichsrats und des Reichstags, die Spitzen der Behörden, die Vertreter der Körperschaften und Vereine, der Werften und der Schiffahrt aus dem Werfthof erschienen. Nach dem Abschreiten der Ehrenkompagnie sowie der vor der Taufkanzel in Parade stehenden überlebenden Besatzung der efften „Karlsruhe" nahm OBM. Dr. Finter das Wort zur Tausrede. Er gedachte zunächst der beiden Kreuzer, die vor dem neuen Schiss den Namen „Karlsruhe" trugen,' des ersten Kreuzers „Karlsruhe", der am II. November 1912 getauft wurde und der in drei Monaten nicht weniger als 17 Schiffe aufdrachte, dis er infolge einer schweren Eiplosion im Torpedoraum zerbrach, und des zweiten Kreuzers "„Karlsruhe", der an der Einnahme der baltischen Inseln teilnahm und später durch die eigene Mannschaft in der Bucht von Scapa Flow versenkt wurde. Der Oberbürgermeister sprach den Wunsch aus. daß dem neuen schiff ein glückhafteres Schicksal beschicden sein möge als seinen Vorgängern und daß es Zeuge werde eines neuen Erblühens unteres^geliebten Vaterlandes zu Macht und Größe' Nachdem dann onau Frkgattenkapitän Köhler den Taufakt im Namen des Reichspräsidenten vollzogen hatte, erfolgte unter den Klängen des Deutschlandliedes der Slapellauf, der schnell und sich.'r von- statten ging. Kundgebung für ein freies Rheinland. Die Magdeburger Tagung des Reichsverbandes der Rheinländer. Nr. 155. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim« Zeitmrg. Montag, den 22. August 1927. Frankreichs Vorteile aus dem * Handelsvertrag ! Die Weinregelung. Das französische Kommunique über den deutsch-französischen Handelsvertrag kennzeichnet die handelspolitischen Vorteile des Abkommens für Frankreich folgendermaßen: Auf französischer Seite ist es zunächst die Landwirtschaft, die aus dem Abkommen Vorteile genießt, aber auch alle größeren französischen Industrien schneiden vorteilhaft ab. Wolle, Baumwolle und Seide, sowie Kleiderkonsektion, Schuhwaren, Metall und Maschineninöustrie, Seife, Parfümerien, Porzellane erhalten teils einen ermäßigten, teils einen vereinfachten deutschen Tarif. Von deutscher Seite erhalten die chemische Industrie, die Maschinen- und die elektrotechnische Industrie die Kleinmetallwaren, Kunststeine, Fayancen Porzellane, Leder und Spielwaren den Minimaltarif und die Meistbegünstignngsklausel. Frankreich hat nebensächliche Positionen und solche aufgegeben, die bei dem gegenwärtigen Zollverhältnis der beiden Länder keine befriedigende Lösung erlaubten, und hat sich vorläufig mit dem deutschen Generaltarif abgefunden. Während Deutschland für gewisse seiner Erzeugnisse dem französischen allgemeinen Tarif oder den Zwischentarifen unterworfen wurde. Schließlich konnte der Minimaltarif Deutschland nur im Rahmen jährlicher Kontingente eingeräumt werden. Wegen der unterschiedlichen Behandlung der bisher nicht unbedeutenden deutschen Einfuhrartikel wurde von deutscher Seite für den Ausgleich die Kontingentierung des französischen Weines mit 3 600 000 Dz. vorgesehen. Es ist zu bemerken, daß in dieses Kontingent nicht die Liköre, Schaumweine, Champagner und die für die Schaumweinerzeugung bestimmten Weine sowie die für die Destillierung bestimmten Weine inbegriffen sind. Diese Weinkontingentierung hört ans alle Fälle am 18. Dezember 1028 auf, bis zu welchem Termin die beiden Länder sich gegenseitig die volle Meistbegünstigung einräumen, soweit sie nicht schon vorher erfolgt. Angesichts der Schwierigkeiten, die für die Zollverwaltungen der Leiden Länder die Anwendung eines so ausgedehnten und detaillierten Statutes in sich schließt, kann das Abkommen trotz der Bemühungen der französischen Regierung, die besonders auf die Beschleunigung der Trauben- und Früchteausfuhr bedacht war, nicht vor dem 6. September 1027 in Kraft treten. Bis dahin mutz die französische Regierung entsprechend ü^m Ermächtigungsgesetz durch Dekrete die neuen Tarife festsetzen. In Deittschlanö beurteilt man den deutsch-französischen Handelsvertrag nach dem Bekanntwerden der einzelnen Bestimmungen nicht mehr so optimistisch wie zu Anfang. Der deutsche Weinbau mutz allerdings bezüglich der Einräumung eines Kontingentes von 350 000 Tz. seinem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß die Belange des deutschen Weinbaues wiederum hinter die der deutschen Industrie zurückgestellt wurden. Der Kongreß der nationalen Minderheiten Dr. Ewald A m e n d e, Generalsekretär des Minberheiten- Kongresses. Wieder einmal stehen wir unmittelbar vor der Eröffnung des Kongresses der nationalen Minderheiten, diesmal dem dritten, der vom 22. bis 25. August ös. Js> in der Bölker- bundsstadt Genf tagen wird. Auch diesem Kongreß wird, wie den beiden vorhergegangenen der italienische Abgeordnete Dr. Wilfan, der Vertreter der Südslawen im italienischen Parlament präsidieren. Nach Beendigung des Kongresses werden sich Dr. Wilsan und mehrere andere parlamentarische Minoritätenvertreter von Genf aus zur Tagung der Interparlamentarischen Union nach Paris begeben. Der diesjährige Kongreß der nationalen Minderheiten gewinnt dadurch eine besondere Bedeutung, daß sämtliche organisierte Minderheiten Europas auf demselben vertreten! sein werden. Leider muß man die Minderheitsgruppen vermissen, die sich noch nicht zu einer Organisation zu- sammostgeschlossen haben oder zusammenschließen konnten. Aus Oesterreich werden die Tscheche», Kroaten und Slowenen, aus Deutschland die Polen und die sogenannten Lausitzer Serben Menden) Vertretungen schicken,- ferner die Deutschen aus Jugoslawien, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei, Ungarn, Lettland, Litauen, Estland, Dänemark und Italien und eine große Zahl anderer nationaler Gruppen. Die Delegationen all dieser Völker sind durch ihr großes gemeinsames Ziel mit einander verbunden. Sie erstreben die freie kulturelle Entwicklung für jede Minderheit, die allein den Frieden Europas verbürgt. In diesem Sinne wird auch der Gegenstand unserer großen, mit einem Referat Dr. Wilfans einaeleiteten Aussprache lauten: «Nationale Unduldsamkeit als Gefahr für den europäischen Frieden". Für diese Gefahr hat man, wie ich glaube, in der österreichischen Oeffentlichkeit besonders ausgeprägtes Verständnis. Die Forderung nach nationaler Toleranz wird gerade hier mit starker Anteilnahme und starkem Interesse ausgegriffen. Uebrigens ist ja geräde Oesterreich bestrebt, diese Forderung in vorbildlicher Weise zu erfüllen. Die Slowenen in Kärnten sollen kulturell und national vollständig sichergestellt werden. Oesterreich würde dann als erster Staat dem Beispiel Estlands folgen, wo die Deutschen ihre bekannte Kulturautonomie erhielten. Eine derartige Autonomie ist natürlich besonders wertvoll, wenn sie in Uebereinstim- mung zwischen Mehrheit und Minderheit beschlossen wird und wenn di« einschlägigen Gesetze durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten entstehen. Die Hauptstadt von Oesterreich ist also besonders geeignet, die Zentralorganisation der Minderheiten zu beherbergen. In diesem Sinn wird meiu Gutachten lauten, das dem Kongreß vom Generalsekretariat zur Annahme empfohlen wird. Die günstige geographische Lage Wiens wird natürlich ein weiteres wertvolles Argument zur Unterstützung unseres Vorschlages sein. Von Wien aus ist es möglich, mit nahezu allen Minderheitsstaaten dauernden persönlichen Kontakt aufrechtzuerhalten. So komme ich gerade jetzt von einer längeren Reise aus Süd- und Osteuropa zurück. Mit besonderer Freude kann ich als meine stärksten Reiseeindrücke die Tatsachen feststellen, daß die Solidarität der Minderheiten sich in ebenso raschem Tempor festigt, wie das Verhältnis wächst, das die Regierungen und die Mehrheitsnationen unseren Bestrebungen eutgegenbringen. So sind die verschiedenen Minderheiten in Rumänien gemeinsam in den jüngsten Wahlkampf gezogen. Und die rumänische Oeffentlichkeit hat diese Ral- liirung der Miuderheiten mit vollem Verständnis begrüßt, da dadurch die Gewähr geboten war, daß es nicht zu einer Einmischung einzelner Minderheitsgruppen in die Parteikämpfe der Staatsnation kommen könne. Außerordentlich symptomatisch für das wachsende Verständnis, das man in offiziellen Kreisen unseren Bestrebungen entgegenbringt, war der Verlauf der Tagung deutscher Minöerheitenführer in Riga, bei dem ich ebenfalls auf meiner Ostreise zugegen sein konnte. Hier veranstaltete der lettische Ministerpräsident den Führern der Ausländsdeutschen zu Ehren einen Empfang, bei dem er erklärte, daß seine Regierung fest entschlossen sei, die Minderheitsfrage in fortschrittlichem Geist zu regeln. Tatsache ist, daß dieser Geist der gerechten Aussöhnung zwischen Mehrheits- und Minderhcitsnationen immer weitere Kreise erfaßt. Der bevorstehende Genfer Minderheitcnkcngreß wird unter seinem Zeichen stehen. Um Sacco und Vanzetti Das Schicksal Saccos und Bauzettis besiegelt? Newyork, 20. Aug. Bundesrichter Morton vom Bundesdistriktsgericht hat die Habens corpus-Order in Sachen Saeco und Banzetti verweigert. Den Anwälten der Verurteilten ist auch die Erlaubnis zum Appell an das Bundesdistriktsgericht versagt worden. Damit scheint das Schicksal Saccos und Vanzettis besiegelt zu sein. Der Oberste Gerichtshof gegen Berzögernug der Hinrichinng Reuyork, 21. Aug. Der Oberste Gerichtshof verweigerte eine weitere Verschiebung der Hinrichtung Saccos und Ban- zettis. Die Hinrichtung wird erfolgen, wenn der Gouverneur Füller Sacco und Vanzetti nicht begnadigt. Präsident Coolibge lehnt ernent ein Eingreifen ab. Nenyork, 21. Aug. Präsident Coolibge hat erklärt, er beabsichtige nicht in die Angelegenheit Sacco-Bamzetti sich einzumischen, da es Sache des Gouverneurs Füller sei, ob er die beiden Verurteilten begnadigen wolle. Rene Bombenattentate in Amerika — Große Dynamitfnnde. Zahlreiche Verhaftungen. Nenyork, 21. Aug. Nach Meldungen aus Chicago ist dort ein neues Bombenattentat verübt worden. Drei Häuser sind beschädigt worden. Getötet wurde niemand. In der Nähe von Boston sind mehrere Radikale verhaftet worden, die angeblich ein Attentat planten. In einem Wald bei Boston hat die Polizei 400 Pfund Dynamit gefunden. Aus zahlreichen amerikanischen Städten kommen Meldungen über Massenverhaftungen. Die Polizeikräfte in Neuyork sind auf 14 000 Manu verstärkt worden. Ungewöhnlich starke Polizeiwachen sind vor dem Totenhaus in Boston aufgestellt. Wie soeben bekannt wird, hat die Schwester Vanzettis heute ihren Bruder besucht. Die beiden Verurteilten sollen heute etwas gefaßter sein. Alle Demonstrationen, die für Sonntag angekündigt waren. lind auk Montaa verschoben worden. Zusammenstöße »ege« Sacco und Banzetti. Ueber R> Verletzte in Haire. Paris, 21. August. Gestern fände» tu Paris und Umge- Ärng über zwanzig kommunistische Kundgebungen statt. Jede Versammlung wählte eine Abordnung, die beauftragt wurde, beim amerikanischen Botschafter wegen des ablehnenden Urteils in dem Berufungsverfahren Sacco-Vanzetti zu protestieren. Die amerikanische Botschaft wird durch starke Polizeiaufgebote Tag und Nacht bewacht. In Haire kam es bei einer Protestversammlung zu Gunsten Saccos und Vanzettis, die die Polizei verboten hatte, zu argen Zusammenstößen, wodurch über 15 Demonstranten und 15 Polizci- agenteu erheblich verletzt wurden. In Marseille geriet eine Gruppe von Arbeitern über den Fall Sacco und Vanzetti in Streit, der mit Revolverschüffen endete und einem Anarchisten das Leben kostete. Die III. Internationale droht Rache fsir Sacco «ud Banzetti. Riga, 20. Aug. In einem Aufruf der Kommunistischen Internationale wird für den Fall der Hinrichtung Saccos und Vanzettis mit Rachematznahmen gegen die amerikanische Bourgeoisie gedroht. Die Behörden haben zum Schutz der wenigen gegenwärtig in der Sowjetunion befindlichen Amerikaner besondere Maßnahmen ergriffen. Kleiner Belagerungszustand in Amerika. Newyork, 20. Aug. 3m Zusammenhang mit der Verwerfung jm Falle Sacco-Vanzetti ist Wer sämtliche oftamerikanischen Städte und Wer Chicago der klein« Belagerungszustand verhängt worden. London, 20. Aug. Sacco und Vanzetti wurden gestern in das Todeshaus gebracht und die Polizeibehörden haben überall die Erneuerung aller Vorsichtsmaßregeln angeordnet, die vor der letzten Vertagung der Hinrichtung getroffen waren. Die englischen Korrespondenten in Amerika halten den Versuch für aussichtslos, ein Eingreifen des Obersten Bundesgerichtes herbeizuführen. Senator Borah nennt die ausländischen Proteste eine unverschämte absichtliche Herausforderung des amerikanischen Gefühls von Anstand und Würde. Keine Gnade für Sacco und Banzetti. Boston, 21. Aug. Der Richter am obersten Bundesgerichtshof, Braudeis, hat es abgelehnt, irgendwelche Schritte in der Angelegenheit Sacco-Vanzetti zu unternehmen. Vorläufig kein Start Könneckes Der letzte Probeslug Könneckes abgebrochen. Köln, 20. Aug. Der auf mehrere Stunden berechnete Probeflug Könneckes mußte vorzeitig abgebrochen werden, da sich an der Funkanlage eine Störung einstellte, die noch beseitigt werden mutz. Für den Funkdienst ist ein kombinierter Sender und Empfänger der Telefunkengesellschaft an Bord. Die Antenne ist auf einer Trommel aufgewickelt und wird durch den Boden des Flugzeuges Heruntergelaffen. Auf der rechten Seite des Rumpfes, dicht über dem Boden, befindet sich eine Oeffnung, durch die, wenn gefunkt wird, ein kleiner Motor hinansgeschoben wirb, der durch einen Propeller getrieben wird und den zum Funken notwendigen Strom liefert. Auf dem Rumpf des Flugzeuges ist auf beiden Seiten das Wort „Köln" und auf beiden Seiten des Seitensteuers in großen weißen Buchstaben „Köln-Pressa 1028" aufgemalt. Vorläufig kein Start Aönneckcs. Köln, 21. August. Obwohl das Flugzeug Könneckes vollkommen startbereit ist, findet infolge der ungünstigen Wetterlage ein Start-zum Ozeanflug vorläufig nicht statt. Wall begleitet Könnecke. Köln, 21. August. Es ist nunmehr endgültig entschieden,, daß der Funker I. A. Wall Könnecke bei seinem Amerika- Fluge als Bordfunker begleiten wird. Der Motor des Flugzeuges „Germania" ist heute morgen letztmalig geprüft worden. Er ist mit neuen Zündkerzen versehen und in allen seinen Einzelheiten durchleuchtet und geprüft worden. Die Versicherung für Könneckes Flugzeug und dessen Besatzung hat die Stuttgarter Lebensversicherungsgesellschaft getätigt und nicht, wie zuerst gemeldet. Lloyd in London. Schlechte Wetterlage siir Ozeanslnge. Hambnrg, 21. August. Nach einem um 12 Uhr mittags von der deutschen Seewarte ausgegebenen Wetterbericht ist die Wetterlage auf dem Ozean für Ozeanflüge zur Zeit ungewöhnlich ungünstig und weder die Süd- noch die Nord- rvute befliegbar. Die „Germania" startbereit. — Schlecht Wetter! Köl«, 20. August. Nachdem Könnecke heute früh mit der „Germania" den letzten Belastungsflug mit 3770 Kilogramm Nutzlast durchgeführt hatte, stieg er um 11 Uhr mit dem Ein Frühlingslraum. 4) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. „Wenn cs aber nun doch so wäre?" gab Wolf lächelnd zurück. „Wie — höre ich recht — Sie, Wölfchen —?" „Ja, ja, ich habe heute morgen in der Kirche ein Mädchen von so berückendem Liebreiz gesehen, wie noch kein anderes! Der Gesellschaft scheint sie aber nicht anzugehören, sonst würde ich sie kennen." Und er beschrieb ihr Aeußeres so anschaulich, daß Strachwitz einen leisen Pfiff ausstieß und sagte: „Ich glaube, die kenne ich und habe sie öfters gesehen." „Ah! Und wo, wenn man fragen darf?" Doch Strachwitz antwortete nicht, sonder» sah aufmerksam geradeaus; plötzlich bemerkte er, aus zwei junge Mädchen deutend, die ihnen gerade entgegenkamen — „Ist es vielleicht die links?" „Ja, beim Himmel, sie ist es", bestätigte Wolf erregt, „haben Sie schon je etwas so Süßes gesehen?" Das Mädchen erkannte sofort den Offizier vom Vormittag wieder und schlug vor seinem beredten Blick errötend die Augen nieder. Dem Sonntag zu Ehren hatte sie ein weißes Batistkleiü angelegt, in dem sie wie die verkörperte Unschuld und Reinheit aussah. Als sie vorüber war,^fragte Strachwitz: „Sie möchten also wissen, wer die Kleine ist? — Sie heißt Mary Winters und ist Putzmacherin." .. "d^irmacherin?" Es klang sehr enttäuscht und fast ungläubig, wie Wolfsburg das wiederholte. „Ja — Putzmacherin in dem Modesalon der Frau Gün- del am Rolandplatz." „Woher wissen Sie bas?" „Von Hartleben. Sie wissen, der hat eine feine Nase und spürt alles aus. ^cit März ungefähr ist die Kleine hier — aber riesig unnahbar, wie er sagt! Na, er wird's vielleicht aus Erfahrung wissen, schweigt sich aber darüber aus! Leipziger Straße 14, 2 Treppen, bei einer "Witwe Mülle: oder Schulze wohnt sie. Das ist alles, was ich saaen kann! Sckade. baß tch kein Weib bin — denn Hüte von solch schönem Kin aufgesetzt bekommen, muß doch eine Wonne sein' So plauderte er, während Wolfsburg halb zerstreut z horte. Also Putzmacherin war sie — schade! Und er seuf? unwillkürlich auf. Strachwitz sah ihn von der Seite an. „Nanu — wem galt der Seufzer? Doch nicht etwa de kleinen Madel von vorhin? — Sie werden ja ganz rot ei, er, mein lieber Freund!" Und scherzhaft drohend h, strachwitz den Finger. Aber des anderen Gesicht war se ernst, als er sagte: „Strachwitz, ich bitte Sie, lassen Sie da Es tut mir weh! Das Mädchen ist so süß und hold, daß i es auf der Stelle lieben und heiraten könnte!" „Mensch, warum denn gleich so gründlich? Sie könm die Kleine doch auch sonst lieben und anbeten! Muß mc denn immer gleich an Heiraten denken? Glauben Sie, die kleinen Mädchen denken selbst nicht daran — ach, und ich sa, Ihnen, sie können so süß und heimlich küssen! Weg doch m der Schwerfälligkett, Wölfchen, genießen Sie Ihre Jugen- erwerben Sie sich die Gunst jener Kleinen, wenn sie Ihn« so gut^gefällt — aber nicht gleich nach dem Standesamt fr, gen! So etwas liebt man wohl, aber man heiratet es nick und, glauben Sie, 's ist eine der größten Himmelsgabe w em lieb Ding im Arm zu haben!" Das sagte StrachHj in seinem gewöhnlichen, etwas frivolen Tone, während « unternehmend das blonde Bärtchen zwirbelte. „Strachwitz", — sagte da Wolfsburg, stehen bleibend uv Ihm ernst ins Gesicht schauend, — „Strachwitz, haben S uh denn auch ernstlich überlegt, was Sie da sagen? Sin ^'b sich nicht der Frivolität bewußt, die in Ihren Worte „Aber, lieber Freund, was habe ich denn verbrochen, daß Bie mich so strafend ansehen, als ob ich etwas ganz Ungeheuerliches begangen hätte? Es cst doch nun einmal so, »aß — es ist einmal so — leider —" unterbrach ihn Wolf, ,es liegt mir fern, mich als Sittenrichter aufspielen zu vollen — mag jeder treiben, was er will — mir ist's gleich, über wenn mir zugcmutet wird, solch eine holde junge Rädchenblume zu knicken, nein, nein! Das Hab' ich niemals »crzeihen können, wenn einer dazu gewissenlos aenua ist! Eine Zettlang mag solch Verhältnis wohl dauern — aber venn die Ernüchterung eintritt, was dann? Meistens ist doch ein solches Wesen dann moralisch verderbt, daß es kein Zurück mehr für dasselbe gibt und es der anständigen Gesellschaft verloren ist!" „Ach, Sie sehen ja viel zu schwarz! — Sv ganz unrecht !ann ich Ihnen indes nicht geben, wenn tch bedenke —", ent- ;egnete Strachwitz sinnend, „ich glaube, wenn man über das, ras man zu tun vorhat, mehr nachdächte und sich die Folgen oorstellte, würde manches Unrecht unterbleiben! — Aber wozu grübeln! Das ist das Vorrecht des Alters — warum ich dadurch feine schöne Jugendzeit verbittern! Wir können :s doch nicht ändern! — Leben und leben lassen, das ist »eine Devise!" Gehen Sir, Cato — Sie sind ein rechter Nrillenfänger." Das letztere sagte er wieder in seinem rüheren übermüttgen Tone. „Nein, Strachwitz, das bin ich durchaus nicht! Fvüher var ich sogar ein ziemlich toller Junge — aber die Vcr- »ältniffe haben es so mit sich gebracht, daß ich ernst wurde! £nt solches Unrecht wie das, wovon wir vorhin sprachen, »abe ich mir aber niemals zu schulöem kommen lassen! Vieleicht kennen Sie auch das Heinesche Gedicht: Hab eine Jungrau nie verführt mit Schmcichelwort und Rederei usw. Heine st sonst gar nicht mein Geschmack — na — kurzum, Strach- vitz, Sie sollen mich nicht für einen Griesgram halten, wenn ch auch jetzt etwas ernster denke als Sie! Damals bei den 2. Husaren hätten Sie mich sehen sollen —" „Mensch, Sie waren bei den 12. Husaren? Das weiß ich a gar nicht! Sagen Sie mir nur um alles in der Welt, oas Sie dann nach hier verschlagen hat?" Strachwitz hielt plötzlich inne, da er fühlte, daß er etwas aktlos mit dieser Frage gewogen war. Wolfsberg sah ihn iroß und ruhig an, als er mit wehmütigem Lächeln sagte: Die Verhältnisse, lieber Freund, die ich vorhin schon be- ührte. Vielleicht ein andermal darüber! Und dann mit em kleinen Mädel — nicht wahr?" — Er stockte, suchte ffenbar nach Worten, doch Strachwitz kam ihm zuvor. Er rückte ihm warm die Hand, „ich verstehe, Wolfsburg", sagte r herzlich, „es wäre auch schade um so etwas Süßes, >oldrs!" - Nr. 155. Jahrgang 1927. Funker Wall auf und unterzog diesen einer Prüfung, wobei Wall sämtliche vou Köln aus erreichbaren Funkstationen anrufen unrßte. Vorher wurde Wall von einer besonderen Kommission auf seine Seetaugltchkeit untersucht. Um 14.15 Uhr wird die „Germania" startbereit gemacht und drei Tanks und 4£ Kanister mit Brennstoff in einem Gesamtgewicht von 2000 Kilogramm verladen. Der Brennstoff ist eine Mischung aus 60 Prozent Benzin und 40 Prozent Benzol. An Lebensmitteln nimmt Könnecke mit: Schokolade, Obst, gebratenes Fleisch, Eier, Kaffee und eisgekühltes Wasser in Thermosflaschen. Außerdem führt Kön- necke ein Rettungsboot aus Gummi mit sich. Sobald das Flugzeug startfertig ist, wartet Könnecke nur noch aus gute Witterungsverhältnifse für den Start. Im Laufe des heutigen Vormittags hatte die Deutsche Seewarte ein Telephongespräch mit Könnecke, in dem sie diesen darauf aufmerksam machte, daß die Wetterlage auf dem Ozean so ungünstig wie nur irgend möglich ist und augenblicklich an einen Start nicht zu denken ist. An der irischen Küste herrscht ei» Tiefdruckwirbel, auf deffen Südseite eine sehr starke südwestliche Strömung vorhanden ist. Die Wettermeldungen vom Atlantischen Ozean her sind nur sehr spärlich eiugegangen, was auf elektrische Störungen auf dem Ozean schließen läßt. Von Amerika selbst waren keine Wettermeldungen zu erhalten. Der aurerikauische Konsul i« Köln bringt Könnecke seinen Paß. Köln, 20. August. Der amerikanische Konsul in Köln, I. K. Huödle, hat heute nachmittag Könnecke auf dem Flugplatz besucht und ihm seinen für Amerika visierten Patz überbracht. Rückzahlung der Rentenbank-Kredite. Gesichert« Erntefinanzierung. Berlin, 20. Aug. Rentenbank und Preußenkrise geben im Einvernehmen mit der Reichsbank bekannt, daß von der im November ds. Is. von der Rentenbank an die Reichsbank abzuführende Summe von 293 Millionen RM. bereits 70 Millionen gesichert sind. Weitere 50 Millionen werden Rentenbank und Rentenbank-Kreditanstalt aus ihren Liquiditätsreserven zur Verfügung stellen. Die verbleibenden rund 175 Millionen müssen von den Spitzeninstituten der Landwirtschaft aufgebracht werden. Günstig dabei ist, daß die Abdeckung der Düngermittelkredite erst im Dezember zu beginnen hat, und daß die Rentenbankkreditast-I stall die von ihr ausgeliehenen Personalkredite bis zum Frühjahr nächsten Jahres prolongieren wird. Auch für die Erntefinan- ziernng dürsten Schwierigkeiten besonderer Art nicht bestehen, da Mühlen, Handel und Genossenschaften kapitalkräftiger geworden sind. Die Reichsbank werde an ihren bisherigen Diskontsätzen festhalten. Daneben scheinen nicht auch ungünstige Aussichten für den Getreideexport zu bestehen. Bei den in obiger Meldung genannten Zahlungen der Rentenbank handelt es sich um das im November fällige letzte! Drittel der Abwicklungskredite der atten als Währungsinstitut funktionierenden Rentenbank. Wie weiter mitgeteilt wird, soll die Rückzahlung der genannten 175 Mill. RB. zum Teil aus den Erträgen der Amerika-Anleihe der Rentenbank-Kreditanstalt, zum Teil durch Lombardiemng von Getreide und schließlich auch durch Verkauf der Ernte geschehen. Auf jeden Fall ist Vorsorge getroffen, daß durch diese Zahlungen die Landwirtschaft nicht zu überstürzten Verkäufen gezwungen ist. Keine Seplembertagung des Reichstages Nach wie vor wirb in Regierungskreisen bezweifelt, ob -er Reichsrat mit der Beratung öer Regierungsvorlage des Reichsschülgesetzes so frühzeitig zu Ende kommen *ann, de'^ diese dem Reichstag am 26. September zugeleitet werden könne, um von diesem dann in erster Lesung beraten werden zu können. Es rächt sich jetzt, daß die Reichsregierung den Ländern keine Gelegenheit gab, vor Abschluß der.Vorlage Stellung zu nehmen. Die Länderregierungen sind e- zwungen, namentlich auch wegen der finanziellen Auswirkung den Entwurf eingehend zu prüfen. Das gilt auch für die Städte und Gemeinden, da diese von der finanziellen Seite des Entwurfes besonders hart berührt werden. Es wird auch die Frage erwogen, ob nicht die Unterrichtsverwaltungen aller Länder in gemeinsamer Beratung eine gemeinsame Stellung cinnehmen können und sollen. Preußen ist mit der Fertigstellung einer umfassenden Denkschrift beschäftigt,' ebenso werden alle anderen Länder den Entwurf einer genauen Prüfung unterziehen müssen. Die Lehreroerbände der SimultanschuHander für die Sicherung der Simultanschulen Frankfurt a. M., 21. August. Lehrervertreter öer Länder und Gebiete aus Baden, Hcflen, Nassau, Frankfurt a.M-, Hanau, Thüringen, Sachsen, Lippe-Detmold, Grenzmark, in denen eine nach Vekenntniflen nicht getrennte Volksschule gesetzlich besteht, nahmen hier in einer Tagung Stellung zum Entwurf des Reichsschulgesetzes im allgemeinen und zur Gemeinschaftsschule im besonderen. Ter Entwurf wurde verurteilt. Er trage den Kampf um die Schule mit allen feinen Folgen auch in Gebiete hinein, die sich bis jetzt einer friedlichen Entwicklung ihres Schulwesens erfreut hätten. Es wurde anerkannt, daß besonders sich führende Politiker, die aus eigener Erfahrung die guten Wirkungen der Simultanschule erkennen, fick für deren Erhaltung einsetzcn. Nach eingehender und lebhafter Aussprache wurde, einstimmig eine Entschließung angenommen, die u. a. besagt, daß der Reichsschulgesetzentwurf die Heranbildung des kommenden Geschlechts zu einer nationalen Kulturgemeinschaft unterbinde, daß er Splitter- und Zwergschulen begünstige, die mehr kosten, aber weniger leisten. Es wurde eine reichsgesetzliche Regelung gefordert, die die unbedingte Sicherstellung der bestehenden Simultanschulx. gewährleiste und am bestehenden Zustande dieser Schule ohne Zustimmung der betreffenden Länder nichts ändere. Eine StraßenhUfe für verunglückte kraftfahrzeugfahrer Der älteste Auioverband von Deutschland, der Mitteleuropäische Motorwagenverein in Berlin, hat jetzt auch eine Geschäftsstelle in Süddeutschland eröffnet. Durch Zusammenschluß mit dem Wirtschaftsverbanü Deutscher Kraftfahrzeugbesitzer in München verfügt er nunmehr in ganz Deutschland über eine vorzügliche Organisation und eine stattliche Mitgliederzahl. Tie ersten Firme» zählen schon seit Jahrzehnten zu seinen Mitgliedern. Die Tätigkeit des M.M.B. erstreckt sich sowohl auf das technische, als auch auf das wirtschaftliche Gebiet. Er hat Sitz und Stimme im Beirat für das Kraftfahrwese» im Reichsministerium, bei der Vereinigung der Spitzenverbände des Kraftfahrwesens, bei öer Deutschen und der Berliner Verk-Hrswackt e. V.. bei bem ueuerrichteten Ausschuß für das Verkehrswesen beim Berliner Polizeipräsidium und steht in Verbindung mit allen Regierungsstellen. Vor kurzer Zeit hat er in Gemeinschaft mit dem Deutschen Automobilhändlerverband und dem Reichsverband de? _ Der Lmidtote * Sinsheim« Zeitung. _ Automobilindustrie die „Aha"-Autohilfe gegründet, die sich zur Aufgabe gestellt hat, an alle« Orten Deutschlands Hilfs- stattonen einzurichten, um den Kraftfahrzeugen, die auf der Landstraße einen Unfall oder eine Betriebsstörung erlitten haben, sofort die Möglichkeit zu gebe», sich auf dem schnellsten Wege Hilfe zu verschaffen. Die Stationen sind verpflichtet, zu jeder Zeit Hilfe zu bringen, auch Aerzte und Unfallstattonen zu benachrichtigen. Arbeitslohn, Zuschläge für Nacht- und Svnntagsarbeit, Einschleppen usw. ist vertraglich geregelt, so daß jede Ausbeutung der Notlage aus- geschloffeu ist. Die „Aha" gibt ein „Handbuch" der Hilfsstationen für Kraftfahrzeuge heraus, in dem alle Hilfsstattonen verzeichnet sind, sowie Angaben über die nächste Fernsprechmöglichkeit, um diese Hilfsstationen schnellstens zu erreichen. Im weiteren Verlauf der Durchführung der Straßenhilfe werden an Strecken, an denen Städte oder Dörfer nur in großen Abständen liegen, zunächst etwaige an diesen Strecken vorhandene einzelne Gehöfte, frühere Chaufsee- häuser usw. mit Fernsprechanlagen versehen werden, zu deren Benutzung an die Mitglieder Schlüsiel ausgegeben werden. Außerdem soll bei Bedarf noch durch die Hilfsstattonen ein Patrouillendienst auf den Landstraße» eingerichtet werden. Der Ausbau dieser Straßenorganisation ist bereits auf den wichtigsten Straßen West-, Süd- und Mitteldeutschlands erfolgt. Die Hilfsstationen sind durch Schilder mit den gesetzlich geschützten grün-roten Kreuzen gekennzeichnet. Die Organisation soll nicht nur den Mitgliedern des M.M.V., sondern allen Kraftfahrzeugbesitzern zugute kommen. Auskunft erteilen alle Geschäftsstellen des Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins e. SS.; Geschäftsstelle für Württemberg und Baden: Cannstatt, Karlstraße 11. Letzte Telegramme in Kürze. Tod i« den Berge«. Berlin. 20. Aug. Zwei Leipziger Touristen, Dr. Fritz Pfeiffer und Begleiterin sind, wie die Morgenblätter melden, im Monte Rosa-Massiv beim Ueberschreiten des sogenannten Caster tödlich verunglückt. Waldbräude jetzt auch i« Italien. Mailand, 20. August. In den ligurischen Alpen und den Apeninnen wüten große Waldbrände. Bei Piaconza stehen große Wälder in Flammen. Das Feuer wird durch anhaltende Winde sehr begünstigt. Mehrere Gehöfte sind eingeäschert worden. An der Küste treibt starker Sturm die Flammen mit großer Geschwindigkeit immer weiter. Bier Todesurteile im Prozeß Tnrow. 1 Warschau, 20. August. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist in dem Sensationsprozeß wegen der Ermordung des Kommunisten Tnrow das Urteil verkündet worden. Vier Angeklagte sind zum Tode verurteilt worden, ein Angeklagter erhielt 10 Jahre Einzelhaft, die übrigen 11 Angeklagten längere Gefängnisstrafen. Ueber 600 Meusche« ertrunken. Riga, 20. August. Wie aus Wladiwostok gemeldet wird, sind nach halbamtlicher Mitteilung über 600 Personen bei der großen Wais-nk iastrophe im Wladimostoker Gebiet ertrunken. Wie die russischen Blätter Mitteilen, ist in der Stadt Nikolsk Ufsurisk durch die Ueberschwemmung ein Kinderheim zerstört worden. Zahlreiche Kinder sind ertrunken. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 22. Aug. (Kirchweihe.) Der gestrige Kirchweihsonntag war ein trüber, regnerischer Tag, der uns nur zeitweise ein klein wenig blassen Sonnenschein bescheerte. Das bunte sommerliche Bild,' das man an diesem Augusttag sonst zu sehen gewohnt, war verdrängt durch graue und schwarze Regenbekleidung. Aber trotzdem war der Besuch von auswärts sehr stark und besonders die Nachmitlagszüge brachten eine Menge Kirchweihgäste von nah und fern. Das von der Fcuerwchrkapelle unter der bekannt guten Leitung ihres Kapellmeisters Geffers am Vormittag auf dem Rathausplatz veranstaltete Standkonzert hatte eine größere Anzahl Zuhörer angelockt. Auf der Stadt-., wiese waren neben einer größeren Schiffsschaukel und den nie fehlenden Schießbuden auch eine Anzahl Verkaufsbuden aufgestellt, obgleich erst heute der eigentliche Messetag ist. Bis in die tiefe Nacht hinein herrschte da bei glänzender Beleuchtung reges Leben. Besonders stark besucht waren die verschiedenen! Wirtschaften und Tanzstätten in der Reichskrone, dem Löwen und im Restaurant Stadtpark, von denen der neuerbaute, geräumige Saal im Restaurant Stadtpark die meisten Besucher angelockt hatte. Auch die Jazz-Musik im Hotel Post zog eine große Zahl Liebhaber dieser musikalischen Eigenart an und es braucht nicht besonders betont zu werden, daß es an all diesen Vergnügungsstätten recht gemütlich und vergnügt zuging. Vergessen waren der regengraue Tag und die Ungunst der Witterung wie die Alltagssorgen, und Freude herrschte überall, teils bis in die frühen Morgenstunden, wie man sie an einem Kirchweihtag sich wünscht. — Am Nachmittag zogen einige junge Leute mit einem ebenso ärmlichen wie lächerlichen Mumenschanz, der die Einholung der Kirchweihe darstellen sollte, durch die Straßen der Stadtz. Solche Aufzüge waren hier nie üblich, man sollte ihre Einführung unterlassen, denn sie sind einer Amtsstadt unwürdig. * Sinsheim, 22. Aug. (Die' 8-Pfg.-Briefmarke erschienen.) In der Reichsdruckerei wird gegenwärtig eifrig an der Herstellung der neuen 8-Pfg.-Marke gearbeitet. Bisher find nur wenige Postämter damit beliefert worden. Man hofft, daß in einigen Tagen an sämtlichen Postämtern des Reiches mit dem Verkauf begonnen werden kann. — Mit der Ausgabe der vor einiger Zeit angekündigten Hindenburg-Iubiläumsmarken wird voraussichtlich Mitte September begonnen werden können. Es wird nur eine beschränkte Auflage hergestellt. Me Marken werden zum doppelten Nennwett verkauft werden. Der Ueberschuß soll der Hindenburgspende zufließen. Es handelt sich um Werte zu 8, 15, 25 und 50 Pfg. * Sinsheim, 20. Aug. (Ein Glas Mineralwasser.) Die Reichsbahndirektion Stuttgart hat auf den' Bahnsteigen auf einer Anzahl geeigneter Bahnhöfe einen besonderen Verkauf von Minerak- waffer an den Zügen während der wärmeren Jayreszerr, zunächst versuchsweise, eingerichtet. Hierbei werden die beliebten einheimischen Mineralwasser durch Verkäuferinnen in Trachten aus der Umgebung glasweise (zum Preise von 15 Pfg. für den % Liter) angeboten. Nach den bisherigen Beobachtungen erfreut sich diese Einrichtung eines recht regen Zuspruchs der Reisenden: sie verdient Nachahmung. * Sinsheim, 20. Aug. (Keine besondere Zulaßkarte mehr. Die zwischen Paris und München (Wien) verkehrenden Züge D 31/44 (Karlsruhe ab 16.06, Stuttgatt ab 17.47, München an 21.30, München ab 8.50, Stuttgart ab 12.13, Karlsruhe an 13.41 Uhr) können nunmehr auch im innerdeutschen Verkehr ohne die bisher vorgeschriebene, besondere Zulatzkarte benützt werden. Meckesheim, 21. Aug. (Aufgeklärter Mebstahl.) Der hiesigen Gendarmerie ist es gelungen, nach weiteren Nachforschungen die Täter des Einbruchs best der Jagdhütte in Mönchzell zu ermitteln. Als Einbrecher kommen zwei jüngere Personen aus Montag, den 22. August 1927. Mauer in Frage. Der größte Teil der entwendeten Habe wurde noch aufgefunden. Hier bewährt sich wieder einmal das allgemeine Sprichwort: „Die Sonne bringt es doch an den Tag". Mönckzrll, 21. Aug. (Wasserversorgung.) Die Grabungen für die Erstellung eines Hochbehälters wurden bereits heute begonnen. Die Arbeiten werden ebenfalls von den beiden Maurermeistern V. Mayer und Karl Reichert ausgeführt. Sämtliche Arbeiten der Wasserversorgung der hiesigen Gemeinde werden als Notstandsarbeiten gefördert. % Dermalen, 20. Aug. (Der Seidenbau) wurde in hiesiger Gemeinde durch Fräulein Käthe Braun eingefühtt. Die Maul- beer-Pflanzen haben sehr schön angesctzt, sodaß mit der Probezucht mit Seiden-Raupen Anfang Juli begonnen werden konnte. Die Probezucht nahm einen sehr schönen Verlauf, sodaß Aussicht besteht, daß die Einführung des Seidenbaues — bei fachgemäßer Behandlung der Seiden-Raupen — auch in Baden mit Erfolg betrieben werden kann. * Sulzfeid, 20. Aug. (In nicht unerheblicher Weife verletzt) wurde auf eigenartige Weise die Frau des Bäckermeisters Fink hier. Sie wollte für eine Nachbarsfrau aus dem Keller Pfefferminzschnaps heraufholen, erwischte aber in der Dunkelheit eine Flasche mit Säure. Sie merkte den Irrtum nicht und kostete erst ein wenig von der Flüssigkeit. Die starke Säure verbrannte sofort der Frau den Schlund und es bedurfte angestrengter ärztlicher Hilfe, die bedeutenden Brandwunden zu lindern. Es darf noch als Glück gelten, daß die Frau nicht gleich einen vollenl Schluck nahm, ansonst der Ausgang ein gefährlicherer geworden wäre. O Mingolsheim, 19. Aug. (Ein nächtlicher Ueberfall.) Sonntag Nacht überfielen zwei Oestringer Burschen im Alter von 19 Jahren den 26-jährigen Arbeiter Bernhard Deutsch, als er auf seine Geliebte wartete. Eie schlugen den Mann mit Knüttel und Schlagringen bewußtlos und ließen ihn blutüberströmt liegen. Ein hiesiger Bursche brachte den Verletzten bei erlangtem Bewußtsein hierher. Die durch den Arzt festgestellten Verletzungen sind schwerer Art. Es handelt sich um einen Racheakt, der für die Angreifer ein böses Nachspiel haben dürste. — Aus dem Lobachtal, 21. Aug. (Bon der Landwirtschaft.) Die Ernte kann in dieser Gegend ihrem Ende entgegensehen. Nur vereinzelte Weizen- und Haferfclder sind durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse noch einzuheimsen. Um diese noch rückständigen Früchte einzufahren, ist gutes Wetter zu wünschen. Der Ertrag ist als sehr befriedigend anzusehen, obwohl bei manchen Getreideatten die Körner etwas klein sind. Der Strohertrag ist auch gut ausgefallen. Am Ausgiebigsten ist wohl der Weizen, vorausgesetzt, daß er gut eingebracht wurde. Die Drescharbeiten sind bald beendigt, und der Ländwitt kann seine Früchte bald zum Verkauf bringen. Der Preis für Weizen bewegt sich zwischen 24 bis 27 Reichsmark. Der Kartoffelstand ist auch als befriedigend anzusehen. Die Frühkartoffeln, die bereits ausgemacht find, haben einen guten Ertrag. Einzelne Grundstücke mit Spätkartof- feln, die in der Nähe des Waides liegen, wurden von Dachsen heimgesucht, die erheblichen Schaden verursachten, besonders deshalb, weil die Spätkartoffeln noch nicht ausgereift sind und noch nicht ausgemacht werden können. Sobald die Witterung sich etwas bessert, kann der Landmann mit dem zweiten Schnitt von Klee beginnen. Augenblicklich ist man mit dem Abmachen der Zwetschgen beschäftigt. Mit den Obstaussichten kann man im allgemeinen zufrieden sein, außer in Gegenden, wo das Obst durch Unwetter niedergeschlagen worden ist. Aepfel und Birnen weisen durchschnittlich einen guten Ertrag auf, der besser als im vorigen Jahre ist. )( Schwetzingen, 21. Aug. (Eine geheimnisvolle Pferdekrankheit) tritt in der hiesigen Gegend auf, die man früher nicht kannte.. Nach Ansicht der Tierärzte handelt es sich um eine Gehirn-Rücken- mark-Entzündung. Anscheinend spielt eine Infektion durch Wasser oder Futter eine Rolle dabei. Alle Versuche zur Bekämpfung der Krankheit haben bisher keine Erfolge gezeitigt. Ein Hauptcharakteristikum der Krankheit ist eine Lähmung des Schlundes und des Darmes, sodaß die Tiere meist elend verhungern oder verdursten müssen. Hs Schwetzingen, 19. Aug. (Der Hagelschaden an Waldbäumen.) Der Hagelschlag am 8. August hat auch im Staatswald erheblichen Schaden angerichtet. Auf großen Waldbeständen wurden die ein-, zwei- und dreijährigen Triebe vom Hagel vollständig abgeschlagen. Der Waldschaden wird vom Forstamt auf 24 900 bis 30000 Mark geschätzt. ** Wertheim, 20. Aug. (Todesfall). An den Folgen eines schweren Leidens starb der in weiten Kreisen der Bevölkerung beliebte Postamtmann Kuchenbeißer, der seit dem Jahre 1908 das hiesige Postamt leitete. Kuchenbeißer hat es verstanden, durch seine amtliche Tätigkeit und durch seine unentwegte Arbeit als Obmann des Bürgerausschusses sich die Achtung und Zuneigung seiner Mitmenschen zu erwerben. Bei allen Problemen auf kommunalpolitischem Gebiet wurde auf das Wort des Verstorbenen grober Wert gelegt. Er erreichte ein Alter von 61 Jahren. ** Königschasshausen, 21. Aug. (Unfälle). Beim Zwetsch- genernten stürzte der 71jährige Karl Friedrich Enderle vom Baum und blieb bewußtlos liegen. Er bat schwere Verletzungen am Kopf erlitten. Ebenfalls schwere Verletzungen erlitt öer 52 Jahre alte Max Burtsche der dadurch, daß an seinem Fuhrwerk die Kuh scheute, unter den Wagen geschleudert wurde. In der Kiesgrube wurde der 23 Jahre alte Landwirt Adolf Schneider von einer während des Ausladens rutschenden Kiesschicht erfaßt und erlitt schwere Verletzungen. j& Steiumauer«, 20. August. Die 60 Jahre alte Gemeindehebamme Viktoria Bollweber, welche 44 Jahre ununterbrochen im Dienste der Gemeinde stand und verschiedene Dienstauszeichnungen besitzt, hat ihren Dienst aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt und ist in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Frau Bollweber behandelte während ihrer Dienstzeit 1350 Normalgeburten, 16 Zwillingsgeburten und eine Trillingsgeburt, eine Zahl, die annähernd die gegenwärtige Einwohnerzahl der Gemeinde Steinmauern erreicht. Mögen ihr noch viele Jahre der Ruhe und Zufriedenheit beschieden seink ** Emmendingen, 20. August. (Eine rüstige 92jährige.) Hier feierte Frau Babette Lewinsohn ihren 92. Geburtstag. Seit ihrer Geburt wohnt sie in ihrem elterlichen Hause. Sie weiß noch sehr gut von ihrem einstigen Lehrer Auerbach erzählen, einem Vetter und Schwager des Schriftstellers Verthold Auerbach. Frau Lewinsohn liest noch heute ohne Brille und zeigt reges Interesse für alle Ereignisse der Zeit. ** Breisach, 20. August. (Rücksichtslose Radler.) Als in einem der letzten Abende der Schneidermeister Karl Gugel die Straße passierte, kamen zwei jugendliche Rad- ährer im Tempo von Rennfahrern dahergerast: dazu fuhr rer Zweite ohne Licht. Gugel ließ den ersten Fahrer vorbei, konnte aber den zweiten ohne Licht fahrenden Radler richt bemerken, wurde von ihm umgerannt und blieb bewußtlos auf dem Pflaster liegen. Er hat eine Verletzung im Kopf und am Bein erlitten. ** Siuge«, 21. August. Gestern abend brannte das Wohnhaus und das Oekonomiegebäude des Landwirts Karl Glatt in Hilzingen vollständig nieder. Das Vieh und einige Fahrnisse konnten gerettet werden. Tie Ursache des Brandes konnte nicht festgestellt werden. Nr. 155. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Montag, den 22. August 1927. ** Stockach, 20. August. Gestern abend entstand in der Scheune der Witwe Mock in Hoppetenzell Feuer, das das Gebäude, in dem zahlreiche Futtermittel und Getreide lagerten, vollständig einäscherte. Der Brand griff auch auf das Wohnhaus über. Hier brannte jedoch nur der Tach- stuhl ab, der übrige Teil des Hauses konnte gerettet werden. Entstehungsursache ist auch hier unbekannt. ** Mnndelsinge«, 20. Aug. (Seinen Verletzungen erlegen). Im Krankenhaus in Donaueschingen starb der Landwirt I. Trenkle, der, wie berichtet, in einer Sandgrube von einbrechenden Kiesmassen schwer verletzt wurde. ** Schwenningen a. R., 20. Aug. Das hiesige Polizeiamt erläßt nachstehende Mitteilung: Ein Schwenninger Kraftfahrzeugbesitzer fuhr nach einem stärkeren Regen auf der in schlechtem Zustande befindlichen Weilersbacher Straße stadteinwärts, ohne auf die Fußgänger Rücksicht zu nehmen, so daß solche beschmutzt wurden. Die Hierwegen erlaflene Strafverfügung wurde nicht nur bei der gerichtlichen Entscheidung bestätigt, sondern der Strafbetrag noch wesentlich erhöht. In der Urteilsbegründung heißt es: „Der Angeklagte hat den überaus schlechten Zustand der Straße gekannt^ er muß auch die Fußgänger auf dem Gehweg gesehen haben. Der Angeklagte war deshalb verpflichtet, so vorsichtig zu fahren, daß die Fußgänger nicht bis in die Schulterhöhe mit Straßenkot beschmutzt wurden. Aus dem erheblichen Umfang der Beschmutzung hat das Gericht geschlossen, daß der Angeklagte nicht mit der gehörigen Sorgfalt und Rücksichtnahme an den Fußgängern vorbeigefahren ist. Der Angeklagte hätte die Folgen seiner Handlungsweise erken- ,nen können: denn in Anbetracht der Tatsache, daß sich auf "der Straße eine Piüße an der anderen befand, mußte er mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß Personen erheblich bespritzt werden, wenn er nicht mit besonderer Vorsicht fuhr/ ** Snlz a. R., 21. Aug. Gut abgelaufen ist kürzlich auf dem Marktplatz ein Zusammenstoß von einem Personenauto und einem Motorrad, bei dem der Motorradfahrer vom Rad geschleudert wurde, aber mit leichten Hautschürfunge» am Kopfe bavonkam. Dem Umstand, daß beide Fahrzeuge in mäßigem Tempo fuhren, ist es zu verdanken, daß ein größeres Unglück verhütet wurde. Nach Aussagen von Augenzeugen kann keinem der beiden Fahrer eine Schuld am Zusammenstoß zugeschrieben werden. ** Calw, 20. August. Im Oberamtsbezirk mußten bisher 16 Hunde, darunter wertvolle Tiere, von der Lanöjäger- mannschaft erschossen werden, da ihre Besitzer gegen die bekannt gegebenen Bestimmungen verstoßen hatten, indem fie die Hunde frei herum laufen ließen. ** Harthause«, 20. August. Ein aus Lachen bei Neustadt stammender Bauführer namens Valentin Kurz hat sich zum Nachteil seiner Firma der schweren Unterschlagung schuldig gemacht. Beim Einkassieren von Geldern für die Firma gelang es ihm, 300 Mark zu unterschlagen. Er ist flüchtig. ** Lndwigsbnrg, 20. August. Auf raffinierte Weise hat ein junger Reisender einem hiesigen Geschäftsmann ö Mille Zigaretten aus dessen Laden heraus entwendet. Vor den Augen eines 14jährigen Mädchens, das den Laden zu hüten hatte, wurde der Diebstahl verübt: der Täter ließ sich dabei eine Schachtel und eine Schnur geben, damit er seine Diebesbeute einpacken konnte. Nach verübter Tat begab er sich zum Bahnhof und ließ sich von dort mit einem Mietsauto nach Asperg und Markgrönninge» führen, wo er die Zigaretten absetzte. Die Diebesbeute konnte zum größten Teil wieder beigebracht werden. Der Täter ist bis jetzt noch flüchtig. ** Nenstadt a. d. Hdt., 20. August. (Eine pfälzische Herbstblumenschau.) Der Landesverband Pfalz im Reichsverband des Deutschen Gartenbaues wird in der Zeit vom 1. bis einschließlich 3. Oktober eine pfälzische Herbstblumenschau veranstalten, an der sich die Gärtner der Pfalz in großer Zahl beteiligen werden. ** Hochspeyer, 19. August. (Grauenhafter Fund.) Im Laumersheimer Wald, Abteilung Kaspernthaler Hang, fand ein Forstaufseher vom Erlenbacher Forsthaus bei einem Dienstgang die Ueberreste eines menschlichen Körpers. Bei der Leiche wurde eine Uhr mit Kette, 5 Mark 11 Pfennig deutsches Vorkriegsgeld, sowie zwei Viermarken der ehemaligen Brauerei Schmidt-Frankenstein gefunden. Man nimmt an, daß es sich bei dem Toten um den im Jahre 1905 plötzlich verschwundenen, am 31. Dezember 1871 geborenen Andreas Ruprecht aus Frankenstcin handelt. Da Ruprecht geistig nicht normal war, dürste es sich um einen Selbstmord handeln. Untersuchung ist eingeleitet. Das Großfeuer in Kronau. Kronau (bei Bruchsal), 20. August. Das Großfeuer, das in der Nacht auf Freitag die Zigarrenfabrik Fellhauer und Stellberger vollständig mit allen Lagerbeständen in Schutt und Asche legte, hat vermutlich seinen Ursprung in einem Trockenraum gefunden, wo sich ein Dauerbrandofen befindet, der mit Tabaken umlagert und in Brand geraten war. Das Feuer griff so schnell um sich, daß unter großer Lebensgefahr nur einige Geschäftsbücher in Sicherheit gebracht werden konnten. Die Feuerwehr mußte sich auf die Rettung des dicht neben den Fabrikgebäulichkeiten befindlichen Wohnhauses konzentrieren, das ohne Schaden blieb bis auf jenen, der durch das Wasser angerichtet wurde. Der Schaden ist sehr groß, weil in der Fabrik zurzeit auf Lager gearbeitet wurde, und die Drandgeschädigten nur gering versichert sind. Man schätzt, daß etwa 400 Mill Zigarren dem Feuer zum Opfer fielen. Etwa 30 Arbeiter und Arbeiterinnen sind durch das Unglück auf einige Zeit brotlos geworden. Drei Pfund Nägel im Magen Im Rottweiler Vezirkskrankenhaus mutzte ein Schreinerlehrling, der über Magenschmerzen klagte, sich einer Operation unterziehen. Diese förderte nicht weniger als 1400 kleine und größere Nägel und Schrauben zutage, die etwa drei Pfund wogen. Diese Eisensammlung im menschlichen Magen hat ihre Ursache in der üblen und verwerflichen Angewohnheit der Handwerker, Nägel bei der Arbeit in den Mund zu nehmen. Der von seiner eisernen Magenlast befreite junge Mann befindet sich jetzt wohl. In der Sandgrube erstickt. Berlin, 21. Aug. Nach einer Morgenblättermeldung aus Meißen verunglückte heute vormittag in einer Sandgrube bei Noflen das Ehepaar Eberlein aus Kassenberg sowie ein zwölfjähriger Schulknabe aus Saultitz durch plötzliches Nieüergehen gewaltiger Sandmasien. Die Verunglückten konnten erst nach mehrstündiger angestrengter Arbeit als Leichen geborgen werden. Das Ehepaar hinterläßt neun unversorgte Kinder. Ein Postanto vom Znge erfaßt — Bier Verletzte. Berlin, 21. August. Heute nachmittag wurde, wie der Lokalanzeiger berichtet, das Brandenburger Postauto, das sich auf dem Wege nach Gortz befand, von einem Zuge der Westhavelländischen Kleinbahn bei Butzow am Bahnübergang von Wachow in Richtung Brandenburg erfaßt und schwer beschädigt. Zwei ältere Personen und zwei Kinder wurden verletzt. Wie der Führer des Postautos mitteilt, hat er das von der Kleinbahnlokomotive an der Uebergangs- stelle gegebene Läutesignal infolge des starken Windes nicht gehört. Der Bahnübergang bei Butzow ist nicht durch Schranken gesichert. Munitionsexplofio« an der Themse-Mündung. Berlin, 21. August. Nach einer Meldung des „Lokal- Anzeigers" aus London ereignete sich heute in den Shoe- burybeß-Kasernen, einem Artillerielager an der Themsemündung, aus unaufgeklärter Ursache eine schwere Explosion, durch die Munition im Werte von Hunderttausenden vernichtet wurde. Die Löscharbeiten, die stundenlang dauerten, wurden durch andauernd explodierende Geschosse äußerst gefährdet. In einem der sechs abgebrannten Schuppen fand man die verkohlte Leiche eines Kanoniers und neben ihm ein Revolver mit sechs Patronen, von denen eine abgeschossen war. Dieser Fund macht die ganze Explosion besonders rätselhaft, da noch völlig ungeklärt ist, ob der Soldat das Feuer angelegt und sich darauf erschossen hat, oder oh sich die Patrone erst durch das Feuer entladen hat. Schweres Erdbebeu in Kalifornien. London, 21. August. Nach einer Meldung des Erchange Telegraph ereignete sich gestern in Kalifornien das heftigste Erdbeben seit 1916. Sämtliche Telephon- und Telegraphenleitungen wurden unterbrochen, Fensterscheiben zerbrachen und Schornsteine wurden von den Dächern geschleudert. Weitere Einzelheiten sind bisher nicht bekannt. Turnen, Sport und Spiel. ' Handball. Auf dem neuen Sportplatz fand gestern Nachmittag ein Freundschaftsspiel zwischen den Mannschaften des Turnverein Sinsheim I und Plankstadt l statt, das mit 3:2 Toren zu Gunsten Plankstadt endete. Gleich bei Beginn setzte beiderseits ein lebhaftes Tempo ein und erzielte Sinsheim in der 8. Minute das erste Tor, aber 2 Minuten später wurde durch Plankstadt der Ausgleich hergestellt. Verschiedene Torschanzen werden von Sinsheim verpaßt. Vor Halbzeit konnte Plankstadt noch 2 Tore buchen, von denen eines gehalten werden konntch Nach Halbzeit wurde Sinsheim lebhafter. Ein Strafwurf aus der 16-Meter-Linie brachte für Sinsheim das 2. Tor. Noch einmal hatte Sinsheim Gelegenheit durch 2 Strafwürfe den Ausgleich herzustellen, aber beide gingen über die Latte. Fm Ballfangen, Zusammenspiel und Platzeinhalten waren die Plank- stadter die bessere Mannschaft. Mögen unsere Sinsheimer davon lernen. r Steinsfurt, 22. Aug. Bei dem gestrigen Verbandsspiel auf dem Steinsfurter Sportplatz zwischen Sportverein Sinsheim und dem A. Klassennculing Fußballverein Pfönix Steinsfurt verfehlte wohl die Sinsheimer Kirchweihe ihre Wrikungen nicht. Steinsfurt spielte fast während des ganzen Spielverlaufes überlegen fund konnte Sinsheim 7:1 schlagen. Wenn der Sportverein Sinsheim auch mit Ersatzleuten spielte, so hielt sich der A. Klassenneuling, wie das erzielte Resultat zeigt doch recht wacker. Der Steinsfurter Mannschaft für die gestrige Leistung ein kräftiges Hipp Hipp Hurrah. Sport des Sonntags, Perbandsspiele. V.f.B. Stuttgart — F.VV. Zuffenhausen (Samstag) 5 :1. Union Böckingen — B.f.R. Heilbronn 1 :1. Sportfreunde Stuttgart — Stuttgarter Spotrlub 0 :0. Gruppe Württemberg: V.f.R. Gaisburg — Stuttgarter Kickers 2 :1. Gruppe Nordbayern: Sp.Vg. Fürth — F.C. Fürth (Samstag) 4:1 (2:0). B. f.R. Fürth — F.C. Bayreuth 6 :1 Bayern Hof — F.S.V. Nürnberg 3:1. Gruppe Südbayern: Bayern München — D.S.V. München (Samstag) 4 :2 Wacker München — Schwaben Augsburg 2 :1 Zahn Regensburg — S.V. München 1860 2 : 0. Gruppe Baden: F.B. Villingen — Freiburger F.C. 5 :4. F.B. Offenburg — Freiburger Sportklub 1 :2. Sp.Vg. Freiburg — Karlsruher F.B. 2 :3. V.f.B. Karlsruhe — Phönix Karlsruhe 2 :4. Gruppe Rhein: S.V. Mannheim-Waldhof — Friedrichsfeld 2 :1. S.V. Mannheim-Waldhof — Friedrichsfeld 2 :1. Pfalz Ludwigshafen — B.f.L. Neckarau 0 :2. Mannheim 08 — Phönix Ludwigshafen 3:1. Sp.Vg. Sandhofen — V.f.R. Mannheim 0 :2. Phönix Mannheim — F.V. Speyer 2 :7. Gruppe Main: F.Sp.B. Frankfurt — Sp.Vg. Fechenheim 03 12 :1. S.C. Rot-Weiß Frankfurt — Sport 60 Hanau 6 :1. Viktoria Hanau 94 — B.f.R. 1900 Offenbach 1 :I. Union Niederrad — F.C. Hanau 93 0 : 3. Offenbacher Kickers — Germania 94 Frankfurt 3 :0. Viktoria Aschaffenburg — Eintracht Frankfurt 0 :3. Sp.Gemde. Höchst 01 — Sp.B. Darmstadt 98 3:1. B.f.L. Neu-Psenburg — Wormatia Worms 4:1. Alemannia Worms — Hassia Bingen 2 :1. Sp.Vg. Arheilgen — F.Sp.D. Mainz 05 2 : 2. Sp.V. Wiesbaden — Germania Wiesbaden 4 :0. Gesellschaftsspiele: Schwaben Ulm — V.f.B. Stuttgart 2 :1. Radio - Programm ^ für Dienstag, den 23. August 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1250), 21.00 Uhr: Kammermusik. Breslau (315), 20.00 Uhr: Symphonische Frühwerkc Anton Bruckners. Frankfurt (428), 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Operettenmusik. 17.45 Uhr: Me Lesestunde. 18.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Klassische Arien und Lieder. 21.15 Uhr: „Perfolg- gung". Ein Fiebertraum v. Dietzenschmidt. Anschl. Neue Schallplatten. Hamburg (394), 20.00 Uhr: Fahrende Musikanten, Ein Zupfgeigenabend. Königsberg (329), 20.10 Uhr: „Scampolo", Komödie v. D. Niccodemi. 21.45 Uhr: Tanzmusik. Langenberg (468), 20.00 Uhr: Philharmonisches Konzert des Städt. Kurorchesters Norderney (Uebertragung a. d. Kursaal Bad Norderney). Leipzig (365), 20.15 Uhr: Deutsche Volkslieder. München (535), 20.30 Uhr: Konzert des Rundfunk-OrchesterÄ Stuttgart (379), 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 20.00 Uhr: Wiener Humor. Anschl. Wunschabend. Daventry (1600), London (361), 12.00 Uhr: Konzert. 15.00 Uhr: Daoentry-Konz. 16.15 Konz. 17.15: Kinderst. 18.00: Tanzmusik. 18.45 Uhr: Leichte Musik. 19.15 Uhr: Beethovens Sonaten. 19.30 Uhr: Orchesterkonzert. 21.20 Uhr: „Gesänge zur Arbeit". 21.35 Uhr: Sendespiel: „Maria Stuart" von John Drinkwater. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Paris (1750), 12.30 Uhr: Konzert. Orchester Locatelli. 20.30 Uhr: Konzert. Wien (517), 20.05 Fosef Strauß. Zürich (588), 20.00 Uhr: Italienischer Abend. Anschl. Ein Gang durch Ioh. Strauß' Operetten. Prag (348), 20.10 Uhr: Bunter Abend. E. 6d)idt, Uhrmachermeister, SiNShtiM lt. E. Dr.Seibt-Vertreter — Lager ln Telefunten - Röhren, Anode« - Batterien — Samt ltchen ErsatzteUen, Varta-Akkumulatoren-Ladeftation. — Telefon I». Geschäftliche Mitteilungen. Mannheim, 21. Aug. Die unerwarteten Vorgänge bei einer Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassen-Lotlerie und die beunruhigenden Zeitungsartikel veranlassen die bekannte Lotteriefirma 3. Stürmer, Mannheim O 7,11 darauf hinzuweisen, daß bei ihren Privat-Lotterien derartige Vorkommnisse vollständig ausgeschlossen sind. 'Auf Grund der staatlichen Bestimmungen werden die Ziehungen dieser Firma stets von einem Notar'vorgenommen: hiervon können nur Bereinslotterien ausgenommen werden, deren Lose in oer Regel innerhalb der Vereine abgesetzt werden und deren Ziehung unter Mithilfe der Mitglieder vorgenommen werden kann. Der Notar übernimmt von Amtswegen Gewähr für eine korrekte und einwandfreie Durchführung der Ziehung. Die amtliche Gewinnliste wird vom Notariatsbeamten geschrieben und die Urschrift im Notariat aufbewahrt. Vor Ausgabe der gedruckten Liste wird deren Richtigkeit an Hand der amtlichen Ziehungsliste genau nachgeprüft. Auf diese Weise ist eine einwandfreie und korrekte Ziehungsweise unbedingt sichergestellt. Marktberichte. Shwrinemarkt in Bruchsal vom 20. August 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 248, Läufer 54. Verkauft wurden: Milchschweine 220 Läufer 50. Höchster Preis für Milchschweine Paar 25.—, für Läufer 55.—RM. Häufigster ,. „ „ „ 20.-, „ „ 46.- „ Niedrigster „ „ „ „16.- „ „ 38.- „ Mannheimer Lebensmittelmarkt. Nach den Feststellungen des Städtischen Nachrichtenamts betrugen die Preise, wo nichts anders vermerkt, in Pfennig pro Pfund: Neue Kartoffeln Inland 6—6,5, Wirsing 12—15, Weißkraut 8—10, Rotkraut 12—18, grüne Erbsen 25—40, grüne Bohnen 10—20, Karotten Büschel 7, Spinat 25—30, Zwiebeln 10, Knoblauch Stück, 5—10, Salatgurken, Stück, 3—50, Einmachgurken 100 Stück 100 bis 180, Meerettig Stück 30 —60, :Tomaten 20—25, Pfifferling 30 bis 35, Steinpilze 80, Aepfel 15 - 35, Birnen 15—45, iTrauben 50—70, Pfirsiche 60- 85. Himbeeren 60, Bananen, Stück 7-20, Zitronen 5—10, Süßrahmbutter 200—240, Landbutter 180. Ortsentwässerung Steinsfurt. Straßensperre. Die unterm 28. Juli angeordnete Sperre der Landstraße No. 3 in Steinsfurt wird bis 31. August ds. Is. verlängert Zuwiderhandlungen werden gemäß 8 366 Ziff. 10 R Str.G.B. mit Geld bis zu 60 R.M. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. Sinsheim, den 20. August 1927. Badisches Bezirksamt. Bekanntmachung. Vertilgung der Baumschädlinge. Die Stämme sämtlicher Obstbäume und obst- ttagenden Gesträucher in Gärten, Höfen, Weinbergen auf Feldern und Wiesen, an Straßen und Wegen sind bis 10. Oktober 1927 zum Schutz gegen den Frostspanner nttt Klebgürteln in Brusthöhe zu versehen. Der Gürtel, yvelcher eine Breite von 12—15 cm erhält, wird am besten aus gut geleimtem Packpapier, der Klebleim aus 5 Gewichtsteilen Fichtenharz, 4 Teilen Schweineschmalz und 4 Teilen Sterin oder Repsöl hergesicllt. Die Gürtel sind von Zeit zu Zeit auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und falls erforderlich, mit neuer Klebmasse zu bestreichen. Verantwortlich für die erforderlichen Maßnahmen sind sämtliche Besitzer der in Frage kommenden Bäume und Sträucher. Die Bekämpfung des Frostspanners ist nur bei einheitlichem Vorgehen möglich, weshalb sämtliche Obstbaumbesitzer (Eigentümer wie Pächter) die Klebgürtel bis fpätestens 10. Oktober ds. Is. anzulegen haben. Zuwiderhandlungen gegen diese polizeiliche Anordnung werden gemäß 8 368 Ziffer 2 R. Etr. G. B. mit Geldstrafe bis zu 60 RM. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft, außerdem werden die Klebgürtel auf Kosten der Säumigen angebracht. Sinsheim, den 19. August 1927. Bürgermeisteramt. ►/ Von der Reise zurück Dr. Bell. Mißfarbene Zähne «tstellen da» schönste Antlitz. Lbler Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide Schönheitsfehler werden gründlich beseitigt oft schon durch einmalige» Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden