Erscheint täglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch diePost bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger ftei ins Laus monatlich Toldmark 1.50 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. S» Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Liefer- ung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 !lhr Sonntags geschlossen. Fernsv-ech-Anschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 M 157. Der Lanöbote Sinshcimer General-Anzeiger für das HclteTte und verbreitetste Leitung dieser Gegend. tzaupt-Kn^eigen-lSiLtt Möcbentlicbe Verlagen r ffiode ond Reim » Der Kobold » Vene Illustrierte » Landwirlkdmktlidie Verlage Zeitung ?Zz§ Äsenz'unö Lduoarzbacbtal A«zeige«»Preise: Anzeigen: Die 33 mm breit« Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aufgegeben werden. Mittwoch, den 24. August 1927. Bank-Konto: Deretnsbank Sinsheim e. G. m. b. L. 88. Jahrgang Frankreichs Millionenheer. Das unerträgliche Verhältnis der Rüstungen zwischen Deutschland und Frankreich. Graf Max Montgelas, einer der besten Kenner der europäischen Rüstungspläne, veröffentlicht im letzten Heft des „Deutschen Gedanken" (Otto Stollberg Verlag für Politik und Wirtschaft) einen beachtenswerten Aufsatz über Frankreichs Heerwesen, dem wir folgendes entnehmen: Am 7. Full hat Painleve in der Armeekommission des Senats erklärt, daß die Friedensstärke des französischen Heeres künftig, nach Einführung der einjährigen Dienstzeit im Mutterlande, 536 000 Mann betragen werde. Die Zahl setzt sich zusammen wie folgt: 106000 weiße Kapitulanten, 240 000 weiße Wehrpflichtige, 196 000 Farbige und Fremdenlegionäre. Nicht eingerechnet hat Painleve: 29000 Offiziere, 44 000 militärisch organisierte Gendarmen, 17 000 Mann, um welche die Zahl der Farbigen und Fremdenlegionäre zu niedrig angegeben ist. Die Gesamtfriedensstärke würde somit nach deutscher Berech- nungsart 626 000, ohne Gendarmen 582000 Köpfe betragen. Geschaffen wird also ein Berufsheer mit mehrjähriger Dienstzeit, das stärker ist als die deutsche Reichswehr, denn es zählt 29 000 Effiziere und 106 000 Unteroffiziere und Mannschaften. Hinter diesem Berufsheer stehen das gesamte wehrfähige Volk des Mutterlandes und ein großes Aufgebot aus den Kolomen.Die Kriegsstärke des französischen Heeres ist auf sechs Millionen Mann zu berechnen. Es ist, wie wenn Deutschland neben einer verstärkten und entsprechend bewaffneten Reichswehr noch die allgemeine Wehrpflicht für die übrige Bevölkerung rige Bevölkerung haben würde; und selbst dann würden noch die j Kolonialtruppen fehlen . . . Und dieses Heer, das an Stärke alles früher Dagewesene übertrifft, wird mit verhältnismäßig sehr geringen Kosten unterhalten. Der „Petit Parisien" vom 26. Juni d. F. hat geschrieben: „Die deutsche Armee kostet 480 Millionen Goldmärk, also nahezu 3 Milliarden Franken, die französische Armee nur 3 Milliarden 524 Millionen. Es kommt also nicht viel teurer, eine Armee zu unterhalten, die für die mächtigste Europas gilt, als eine, von der behauptet wird/ daß sie überhaupt nicht zählt." So gering, wie der „Petit Parisien" angibt, sind die französischen Militärausgaben allerdings nicht. Sie dürften mit Durchführung der neuen Gesetze 5 Milliarden Franken oder 800 Millionen Goldmark übersteigen. Die Kosten des Friedensheeres werden nicht durch seine Stärke im Kriege bedingt, sondern durch die Wehrverfassung. Ein Werbeheer ist unendlich viel teurer als ein Pflichtheer. Der französische Pflichtsoldat bezieht als Löhnung immer noch den historischen „sou du soldat", das ist 25 Papiercentimes oder fünf Goldcentimes gleich vier Reichspfennige täglich. Der Soldat der deutschen Reichswehr bezieht im Durchschnitt das Fünfzigfache, nämlich zwei Mark für den Tag. Die Löhnung für 500 000 Mann in Frankreich ist 20 000 Mk. täglich für 80 000 Mann in Deutschland das Achtfache, nämlich 160000 Mark! Alle Vergleiche von tzeereskosten bei verschiedener Wehrverfassung sind daher irreführend. Gemessen an Heeren mit gleicher Organisation sind die Kosten der deutschen Reichswehr nicht hoch, sondern niedrig. Es kostet ein Soldat jährlich: in Deutschland 4700 Mk. in England 6604 Mk. in den Bereinigten Staaten 8432 Mk. Die Angriffe des belgischen Kriegsministers auf den deutschen Heeresetat sind daher vollkommen abwegig und zeugen von geringer Sachkenntnis. Die Höhe dieses Etats rührt davon her, daß die Verbündeten Belgiens dem deutschen Volke in De/-, sailles eine für Kriegszwecke ebenso unbrauchbar wie wirtschaftlich unsinnige Wehrorganisation aufgezwungen haben. Mit der zahlenmäßigen Ungleichheit, die zurzeit etwa 1 :45 beträgt, und die, wie oben gezeigt, künftig auf 1 :60 (100 000 zu. 6 000 000) gesteigert werden soll, ist jedoch das unerträgliche Verhältnis der Rüstungen zwischen Deutschland und Frankreich noch nicht genügend klargestellt. Ebenso schlimm ist die Ungleichheit der Waffen, ja fast noch schlimmer. Alle schweren Waffen sind verboten und die leichten Waffen sind uns sehr stark beschränkt worden. Frankreich versichert, daß es diesen für uns unerträglichen Zustand nur aus Friedensliebe will! Nun gut! Unverstände lich ist bei seiner ungeheuren militärischen Ueberlegenheit nur Frankreichs ewige Angst um seine Sicherheit. Wenn Frankreich für sich in Anspruch nimmt, daß seine Rüstungen nur ein Produkt seiner Friedensliebe sind, so sollte es doch auch begreifen, daß wir Deutsche nicht in einem Zustand voller Wehrlosigkeit inmitten von waffenstarrenden Nachbarn leben wollen, in einem Zustande militärischen Basallentums, in dem wir völlig von der Laune Frankreichs und seiner Verbündeten abhängig sind. Gacco und Vanzetti hlngmchtet. Boston, 23. Aug. Die Hinrichtung Madeiros, der als erster den elektrischen Stuhl bestieg, fand 9 Minuten nach Mitternacht statt. 10 Minuten später folgte Sacco n. nach weiteren 7 Minuten Vanzetti. Gefaßt schritten sie zum Richtstuhl. Saccos letzte Worte waren Abschiedsgrüße an seine Mutter, seine Frau und seine Kinder. Vanzetti starb, seine Unschuld beteuernd. Noch in letzter Minute haben die Angehörigen der Verurteilten und zahlreiche prominente Persönlichkeiten eine Intervention zn erreichen versucht; doch vergeblich. Füller erklärte, seine Pflichten seien vom Gesetz genau vorgeschrieben. Durch die Hinrichtung ist der juristische Streit über den Fall Sacco und Vanzetti, dessen Anlaß sieben Jahre zurückliegt und der säst alle amerikanischen Justizbehörden und dann die ganz« Welt beschäftigt hat, beendet. lieber die Hinrichtung Saccos und Vanzettis werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Auf dem Wege zur Totenkammer rief Sacco an der Eingangstür in italienischer Sprache: »Lang lebe die Arnachie". Ohne eine Aufforderung abzuwarten, nahm er auf dem elektrischen Stuhl Platz. Während er sestgeschnallt wurde, rief er in gebrochenem englisch »Lebt wohl, mein Weib, lebt wohl meine Kinder und alle meine Freunde!" Kurz vor der Einschaltung des Stromes wandte er sich noch einmal an die Zeugen, denen er zuries: „Guten Abend, meine Herren!" Nach einem weiteren Ausruf: „Leb wohl, Mutter!" erfolgte dann um 12.19 Uhr Mitternacht die Hinrichtung Saccos. Vanzetti, der ebenfalls einen sehr ruhigen Eindruck machte und sehr gesammelt schien, hielt vor seiner Hinrichtung eine längere Rede. Als er um 12.20 Uhr das Totenhaus betrat, drückte er seinen Wächtern die Hände und setzte sich dann gleichfalls ohne Aufforderung auf den elektrischen Stuhl. Er erklärte »och zuletzt: »Ich bin unschuldig. Niemals gestand ich das Verbrechen ein. Ich bin keines Verbrechens schuldig. Ich bin unschuldig nicht nur in dem wir zur Last gelegten Fall. Ich beging niemals ein Verbrechen". Nachdem seine Hände angeschnallt waren, fuhr er fort: „Ich wünsche einigen Menschen zu vergeben, was sie nun an mir tun." Nach diesen letzten Worten Vanzettis erfolgte um 12.29 Uhr die Hinrichtung. Alle drei Hingerichteten hatten in ihren letzten Stunden jeglichen geistlichen Zuspruch abgelehnt, so daß auch während der Hinrichtung kein Pfarrer anwesend war. Alle drei waren äußerlich ruhig, nur Sacco schien ein wenig erregt. Bei Sacco wurde die höchste Stromstärke eingestellt und zwar zwischen 1800 und 2000 Volt, bei Vanzetti zwischen 1400 und 1900 Voll. Vei der Hinrichtung wurden die übrigen Formalitäten gewahrt. Die Leichen der Hingerichteten sollen heute Vormtttag den Verwandten übergeben werden. Ueber den Eindruck der Hinrichtung Saccos und Vanzettis in Amerika liegen Nachrichten noch nicht vor. Bei den Demonstrationen vor der Exkution wurden zwei Personen getötet, zahlreiche Demonstranten verletzt und etwa 150 verhaftet. In den letzten Stunden vor der Hinrichtung waren die Sicherheitsmaßnahmen der Polizei in Boston außerordentlich verstärkt worden: besonders in der Nähe des Gefängnisses und der Richtitätte waren starke Polizeikräste zu- sammenpezogen worden, um die nach tausenden zählende Menschenmenge zurückzuholten. An verschiedenen Stellen der Stadt kam es zu leichten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Erst lange nach Mitternacht legte sich di- allgemeine Aufregung, und die Ruhe konnte wieder hergestellt werden. Tie Nachricht von der Hinrichtung wurde von der Menschenmenge überall unter minutenlangem Schweigen mit entblößten Köpfen ausgenommen. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, versuchte die erregte Menschenmenge beim Eintreffen der Nachricht von der Hinrichtung Saccos, Vanzettis und Madeiros, die amerikanischen Geschäftshäuser mit Steinen zu bewerfen und zu stürmen Erst nach Eintrefsen von Verstärkungen konnte die Polizei die Demonstranten vertreiben. Die letzte» Stunden Saccos und Vanzettis. Renyork, 23. Aug. Wie erst jetzt bekannt wird, hat Vanzetti am Donnerstag einen Selbstmordversuch verübt, indem er versuch.e sich ausznhängen. Er wurde aber von den Wächtern daran gehindert. Am Abend der Hinrichtung wurde, Sacco noch von seiner Frau Und Vanzetti von seiner Schwester dreimal nacheinander besucht. Die beiden Verurteilten sollen, nachdem sie ständig ihre Fassung bewahrt hatten, am Nachmittag in Tränen ausgebrochen sein. Als ein Priester erschien, um den zum Tode Verurteilten das Abendmahl zu -11. wiesen Sacco und Vanzetti dieses ab und erklärten, sie wünschten zu sterben, wie sie gelebt hätten: außerhalb der Gesellschaft. Gouverneur Füller unternahm nichts mehr, auch nichts, als die Anwälte der Verurteilten und Saccos Frau und Vanzettis Schwester ihn am Abend noch einmal aufsuchten, um einen letzten Versuch zu machen. Nach diesem letzten Fehlschlag erklärten die Anwälte Pressevertretern gegenüber: »Nour Governor is a finemau". Tann suchten die Anwälte Sacco und Vanzetti auf, dw noch einmal ihre Unschuld beschworen. Vorher war bereits Waeden bei den beiden Verurteilten erschienen und erklärte ihnen: »Mir fällt die schmerzliche Ausgabe zu. Ihnen mitzuteilen, daß Sie um 12 Uhr sterben müssen". Scharfe Sicherheitsmaßnahme» in Rewyork. Berli«, 24. Aug. Nach einer Meldung der Abendblätter aus Newyork sind auf der Gouverneurinsel sechs Kompanien Infanterie und zwei Maschinengewehrabteilungen in der Gesamtstärke von etwa neunhundert Mann bereitgestellt worden, um im Notfall sofort zusammen mit der Polizei in Aktion treten zu können. In mehreren Städten find direkte Telephonverbindungen zwischen der Garnison und dem Polizeipräsidium hergestellt woredn. In St. Franzisko wurden 127 Demonstranten festgenommen. Das Echo der Bostouer Exekution. Massendemonstrationen «ud Zusammenstöße. Neuyork, 23. Aua. Tie Nachtricht von der Hinrichtung Saccos und Vanzettis hat in Amerika ziemliche Erregung ausgelöst. In Neuyork fand auf dem Union Square eine hauptsächlich von Kommunisten besuchte Massendemonstration statt. Es wurden Reden gegen die Wau-Streer uno oen Kapitalismus gehalten und dabei Worte gebraucht, wie: „Nero geigt, während Rom brennt". Berittene Polizei trieb die Pferde in die Menge, die auf siebentausend Personen geschätzt wird und hieb mit Gummiknüppeln auf die Demonstranten ein. Panzerautos mit Polizei erschienen, und schließlich löste sich die Menge in wilder Flucht auf. Weitere Demonstrationen fanden an anderen Stellen statt, so vor der jüdischen Zeitung „Vorwärts". Ter Polizei gelang es jedoch, die Ruhe bald wieder herzustellen. Auch 1» Boston mußte die Polizei gegen die vor dem Kapitol demonstrierende Menge vorgehen, wobei 120 Personen verhaftet wurden. Eine Massenkundgebung vor dem Gefängnis in Charlestown konnte ebenfalls von der Polizei gesprengt werden, worauf sämtliche Zugangsstraßen zu dem Gefängnis abgesperrt wurden. Auch aus Washington und Chicago werden kleinere Demonstrationen gemeldet. In Pittsburgh töteten die Demonstranten einen Schutzmann, worauf die Polizei mit größter Schärfe vorging. An sämtlichen öffentlichen Gebäuden Amerikas, besonders in Washington, sind starke Wachen ausgestellt worden. Präsident Coolidge ist ständig von Detektiven umgeben. Noch vor der Hinrichtung hatte die Polizei in Nersey City einen Drohbrief erhalten, in dem die Sprengung sämtlicher Brücken und öffentlicher Gebäude im Falle der Hinrichtung Saccos und Vanzettis angekündigt wurde. Tie Zahl der an dem Streik teilnehmenden Kommunisten wird auf 25 000 geschätzt, so daß man dem Streik keine besondere Bedeutung beimißt. Der Präsident der Arbeitergewerkschaft. Green, hat an Gouverneur Füller ein Protestschreiben gerichtet . 'v J und die Hinrichtung Saccos und Vanzettis.^ Paris, 23. August. Die Nachricht von der Hinrichtung Saccos und Vanzettis wurde hier in den frühen Morgenstunden durch Extrablätter bekanntgegeben. Unmittelbar darauf beschloß die kommunistische Partei zwei Kundgebungen zu veranstalten, von denen eine vor der amerikanischen Botschaft stattfinden soll. Ferner hat die kommunistische Partei beschlossen, die Mitglieder der amerikanischen Legion, die demnächst in Paris erwartet werden, mit einer Protestaktion zu begrüßen. Auf die Ankündigung der Kundgebungen hin hat die Polizei bereits ihre Gegenmaßnahmen getroffen. Tie Posten vor dcr amerikanischen Botschaft sind verstärkt worden. Bereits in den Morgenstunden besetzten 60 Schutzleute die Straßenzugänge zur Botschaft. Man glaubt, daß die Polizei alle Kundgebungen verbieten und mit Gewalt verhindern wird Die sozialistische Partei hat ein Manifest veröffentlicht,', in dem sie die Pariser auffordert, sich zu erheben und für' gestern abend ebenfalls eine Protestkundgebung ankündigte. Das Moskauer Echo der Hinrichtung Saccos und Vanzettis. Riga, 24. Aug. Wie aus Moskau gemeldet wird, fanden dort auf die Nachricht von der Hinrichtung Saccos und Vanzettis zahlreiche Demonstrationen statt. Das Vollzugs- kvmitee der kommunistischen Internationale veröffentlicht einen Ausruf, in dem betont wird, daß dieser Justizmord der amerikanischen Justiz nicht verziehen werden und die Klassenjustiz sich eines Tages zu verantworten haben werde. Der Mord beweise, daß das geenwärtige bürgerliche Regime in Amerika nicht mehr fest genug sei, um Großzügigkeit walten zu lassen. Die Arbeiterorganisationen in Moskau, Leningrad und anderen größeren Städten haben halbmast geflaggt. Abschaffung, der Todesstrafe in der Schweiz | Basel, 24. Aug. Die Kommission des Nationalrates für die Reform des schweizerischen Strafgesetzbuches hat di« gänzliche Abschaffung der Todesstrafe für die Schweiz und ihre Umwandlung in lebenslängliche Zuchthausstrafe beschlossen. — .....---... —_ Um die Truppenverminderung Die Auffaff««g des Pariser „T imes"-Korrespondenteu". London, 24. Aug. Der Pariser »Times"-Korrespondent schreibt zur Frage der Truppenverminberung, - in einigen französischen Kreisen glaube man, daß dieses Problem de» Teil einer allgemeinen Erörterung der deutsch-französische» Beziehungen bei der Zusammenkunft der Außenminister in Genf bilden werbe. Weiter erklärt der Korrespondent: Deutschland habe bei Abschluß' des Locarnopaktes nicht an die völlige Räumung des Rheinlanöes als Gegenleistung gedacht, sondern wäre glücklich gewesen, ein Versprechen für die Räumung der Kölner Zone zu erhalten. Der Geist von Locarno sei seitdem in Deutschland mehr und mehr im Sinn einer völlige» Rheinlandräumung und einer Regelung der Korridorfrage im Osten ausgelegt worden. Der englisch-französische Gegensatz in der Rheinlandfrage. London, 24. Aug. Der diplomatische Korrespondent Üe8 „Daily Telegraph bezeichnet gestern Briands Erklärungen über eine prinzipielle Einigung in der Rheinlandfrage alS etwas verfrüht. Auf britischer Seite werde keine unmittelbare englisch-französische Uebereinstimmung in dieser Frage erwartet. Die Rheinlandbesetznng sei in erster Linie für die Repa- tiouszahlunge« bestimmt gewesen und erst i« zweiter Linie als Garantie für die französische Sicherheit. Letzteres Problem, sei. wie man annehme, durch die im Locarnopakt niedergelegte britische Garantie gegenüber Frankreich als von geringerem Wert hinstellen wolle. In London finde man es einigermaßen schwierig, diese veränderte französische Einstellung zu verstehen und mit ihr übereinzu- sttmmen. Der Protest der Nationalsozialisten . ^rli". 24 Aug Das Protesttelegramm der national- lozmlistischen Abgeordneten wegen der Sistierung von 400 Nationalsozialisten in Teltow durch die Berliner Polizei an den Reichspräsidenten ist ressortmäßig an das Reichsinnen- Mlnisterium weitergeleitet worden. Nö. 157. Jahrgang 1927. Dritter Reichsparleitag der Nationalsozialisten Nürnberg, 24. August. Nach dem vorgestrigen Referat des Führers der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, wurden noch die Ergebnisse der Sonder-Tagungen bekanntgegeben, von denen folgendes das Wichtigste öarstellt: Damit die nationalsozialistische Parteipresse einen besseren Aufbau erfährt, sollen Abgeordnete der Partei selbst zur Berichterstattung herangezogen werden. Außerdem soll eine nationalsozialistische Korrespondenz gegründet und ein Reichs- preflewart und eine Preffekommission aufgestellt werden. Die Gründung einer nationalsozialistischen wissenschaftlichen Gesellschaft soll erwogen werden, die den Zweck hat, Vortragsabende zu veranstalten und die Herausgabe nationalsozialistischer Monatsblätter vorzubereiten. Mit dem Auf- und Ausbau des Schulwesens soll sich eine weitere Kommission befassen. Der jetzige Entwurf eines Reichsschulgesetzes soll von den nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten abgelehnt werben, jedoch soll eine Ablehnung der Bekenntnisschule in diesem Beschluß nicht enthalten sein. Ter Sonderausschuß für Beamtenangelegenheiten beschloß, für die Aufrechterhaltung des Berufsbeamtentums einzutreten. Außerdem wird die Rückführung der Reichsbahn aus dem Dawes-Fronbienst in den Besitz des Reiches verlangt. Die Sondertagung der Frauen hat die Aufgabe ins Auge gefaßt, ein Krankenheim und eine Frauenschule ins Leben zu rufen. Zum Schluß wird beschlossen, von den Parteimitgliedern einen einmaligen außerordentlichen Zusatzbeitrag in Höhe von zwei Mark zu fordern und die Bildung eines Reichsopferringes der Partei gefordert. Ratifizierung deutsch-österreichischer Abkommen Berlin, 24. August. Im Auswärtigen Amt hat gestern der Austausch der Ratifikationsurkunden zu dem zwischen dem Deutschen Reich und der Republik Oesterreich am 5. Februar 1927 in Wien abgeschloffenen Abkommen, Nach- > latzabkommen und Bormundschaftsabkommen stattgesunden. ' Beide Abkommen werden am 24. Oktober 1927 in Kraft treten. 1 Könnecke noch nicht gestartet Kol«, 23. August. Entgegen den in Deutschland verbreiteten Gerüchten, daß Könnecke bereits heute abend zum Ozeauslug gestartet sei, ist festzustellen, daß der Ozeanflieger sich zur Zeit in einer Preffebesprechung im Domhotel zu Köln befindet. Ob heute noch ein Start erfolgen wird, steht noch nicht ohne weiteres fest. Ein endgültiger Startbeschlus ist jedenfalls noch nicht gefaßt worden. Ungünstige Wetterlage anf dem Ozean. Hamburg, 23. August. Die Wetterlage hat sich gegen heute morgen insofern geändert, als im Raum zwischen Island, Irland und Schottland ein neues Tiefdruckgebiet erschien, das in südlicher Richtung vordringt und auf dem Ozean bis 30 Grad Länge hinaus erneutes Auffrischen der westlichen bis nordwestlichen Winde bedingen wird. Im Südwestcn des Atlantischen Ozeans zieht ein Orkan langsam noröwestwärts. Er wird voraussichtlich auf ungefähr 33 Grad Nordbreite nach Nordosten umbiegen und auf diese Weise die Flugroute berühren. Die Wetterlage ist daher nach wie vor recht ungünstig, wenn auch auf der Mitte des Ozeans ein umfangreiches Hochdruckgebiet mit verhältnismäßig ruhigem Wetter liegt. Französische Anleihe in Amerika? Newyork, 24. Aug. Nach in der Wall Street umgehende» Gerüchten beabsichtigt Frankreich, durch bas Bankhaus Morgan eine Oprozentige Anleihe von 88 Millionen Dollar aufzunehmen. Eine Bestätigung dieses Gerüchtes war jedoch bis zur Stunde nicht zu erlangen. Um die Kandidatur Hoovers Newyork, 24. Aug. Wie verlautet, beabsichtigt Staatssekretär Hoover nicht, aus dem Kabinett auszuscheiöen, um sich auf die Präsidentschaftskampagne vorzubreiten. Eine Erklärung zu der Frage, ob er die Nomination annehme, . falls sie erfolge, lehnte Hoover ab. Der Bürgerkrieg in China Einiguug über bas nordchinefische Vorgehe« gegen Südchina. Peking, 24. Aug. Die Meinungsverschiedenheiten im Lager der chinesischen Noröarmee über das weitere Vorgehen gegen die Südtruppen sind nunmehr beigelegt worden insofern, als General Tschangtsuntschang dem Wunsch Tschang- tsolins folgend, seinen Angriff zunächst gegen die Honanprv- vinz richten wird. Tschangtsuntschang ebenso.wie Suntschuan- fang werden für ihr Nachgeben im Rang erhöht. In Kiukiang hat gleichzeitig eine Einigungskonferenz der . Kuomintang begonnen, ayf der die Nankinggruppe durch den Ein Frühlingstraum. 6) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Le h^e. »Weil ich mich erstens niemals ums Geld verheirate, 'würde, und zweitens, weil ich dies eitle, oberflächliche Geschöpf niemals lieben kann — ohne Liebe heiraten, neir — lieber als Junggeselle mein Leben beschließen!" "Wissen Sie auch, Wölfchen, daß dieses starke Protestieren gegen die schöne Ga»riele mich lebhaft auf etwa! anderes bringt?" Strachwttz stand auf und stellte sich dich vor ihn, seine Hand auf Wolfs Schulter legend. Dieser zuckte etwas unter dem forschenden Blick zusammen uni sagte unmutig: »Sie sind nicht gescheit!"- „Darauf bringt es-mich", fuhr Strachwitz fort, den Einwurf gar nicht beachtend, »darauf, daß Sie eine ander, gerne haben, und ich weiß auch, wen: jenes kleine, süß« Ladenmädl, bas Sie schon seit acht Tagen anschmachten." »Strachwitz, wer gab Ihnen das Recht, mir nachzuspionieren?" rief Wolf aus, dunkelrot werdend. Er sprang aus und durchmaß heftig das Zimmer. »Das ist nicht hübsch von Ihnen, das ist —" „Sachte, sachte, ich weiß, was ich weiß und meine es nm gut! Was haben Sie denn von dem Anhimmeln? Wenn Ihnen das Mädel gefällt, zum Kuckuck, so schreiben Sie ihr mal um ein Stelldichein! — Ich will nur nicht, daß es noch andere merken — dem Brenner z. B. ist ihr verändertes Wesen schon ausgefallen — das ist doch der reine Spür- hund — die anderen machen sich schließlich noch lustig übe. Sie als schmachtenden Seladon! Seien Sie doch offen gegen mich, Wölfchen!" Wolf stand am Fenster, die Stirn an die Scheiben gelehnt. Draußen floß der Regen in Strömen, und nur hin und wieder huschte eine vereinzelte Gestalt unter dem Schutz« eines Schirmes über die Straße. Strachwitz trat zu ihm »Was gibt's denn da so Interessantes zu sehen? Nun kom- »men Sie mal her und stehe« Sie mir Rede!". Damit »oi Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Außenminister Wu, die Hankaugruppe durch zwei Mitglieder der Hankauer Militärkommission vertreten ist. In Kreisen der Kuomintang hält man eine baldige Wiedervereinigung der beiden Flügel der Partei für gesichert. Zur südchinest- schen Hauptstadt soll endgültig Nanking bestimmt werden. Eröffnung der dritten internattonalen Transit- und Derkehrskonferenz Genf, 24. August. Die dritte internationale Transit- und Verkehrskonferenz des Völkerbundes wurde gestern vormittag unter dem Vorsitz des kubanischen Gesandten in Berlin, Betancourt, eröffnet. An der Konferenz nehmen 36 Staaten teil. An Mitgliedern des Völkerbundes die Vereinigten Staaten, die Türkei, Aegypten und Ecuador; die Sowetregierung hat bekanntlich ihre anfängliche Zusage später zurückgezogen. An der Konferenz nehmen ferner teil Bertr:ter der Saarregierung, der internationalen Elbe- und Oderkommission, der internationalen Eisenbahnunion, des internationalen Luftfahrtkomitecs sowie der internationalen Handelskammern. Die deutsche Regierung ist auf der Konferenz durch den Vertreter des Auswärtigen Amtes, Legationsrat Dr. Seeliger, Ministerialrat Gotthold vom Reichsverkehrsministerium, Regierungsrat Krause vom Reichsinnenministerium sowie Legationsrat Pors vom Auswärtigen Amt vertreten. Der Eröffnungssitzung wohnte der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Dpum- mond, bei. Tirol gegen Dr. Seitz Innsbruck. 23. August. Aus St. Anton im Arlberg wird den »Innsbrucker Nachrichten" berichtet, daß gegen den dort zur Sommerfrische weilenden iozialistischen Wiener Bürgermeister Tr. Seitz am Samstag laufende von Flugzetteln verteilt und angeschlagen wurden, in denen in komischen Versen der Bürgermeister ausgefordert wird, schleunigst Tirol zu verlaffen. sonst müßten die Tiroler nachhelsen. Am Samstagabend sollte Tr. Seitz vor seinem Hoiel eine Katzenmusik gebracht werden: jedoch griff die Gendarmerie rechtzeitig ein, io daß es nur zn einer unbedeutenden Demonstration kam. Der dritte europäische Nationalitäten- kongretz in Genf Genf, 22. August. Der dritte europäische Nationalitä- tenkongreß, zu dem Minderheitsgruppen aus Deutschland, Polen, Ungarn, Spanien, Jugoslawien, der Tschechoslowakei, Dänemark, Rumänien, Bulgarien, Lettland, Litauen, Italien, Oesterreich sowie jüdische Minderheitsgruppen erschienen sind, wurde heute nachmittag mit einer Ansprache des slowenischen Abgeordneten im italienischen Parlament, Dr. Wilfan, eröffnet. Wilfan drückte in seiner in deutscher Sprache gehaltenen Ansprache die Hoffnung aus, daß der Kongreß zu wesentlichen Ergebnissen führen möge. Er stellte sodann fest, daß aus verfassungsmäßigen Gründen die Aufnahme neuer Gruppen nicht habe erfolgen können, so zum Beispiel der Ukrainer und Weißrussen in Polen, der Mazedonier in Jugoslawien und Griechenland und andere mehr. Der Mangel einer konstitutionellen Verfassung bereite große Schwierigkeiten, wie auch die noch fehlende Kompitenzverteilung innerhalb des Kongresses. Diesen Mängeln soll durch Schaffung von Statuten abgeholfen werden. In seinen weiteren Ausführungen betonte er, daß die Erfolge der Minderheitenbewegung in den einzelnen europäischen Ländern bisher äußerst st«rrk seien. Trotzdem beginne das Minderheitenproblem zu wachsen an Bedeutung und werde immer mehr als eine der hauptsächlichsten Voraussetzungen zur Aufrechterhaltung des Friedens anerkannt. Nur die endgültige Lösung dieses zentralen europäischen Problems würde die Befriedigung Europas sichern. Der hauptsächlichste Programmpunkt des gegenwärtigen Kongresses sei daher die nationale Unduldsamkeit, die den Frieden Europas bedrohe. Als erster Redner sprach hiernach der deutsche Abgeordnete im lettischen Parlament, Dr. Paul Schiermann, der darauf hinwies, daß die Minderheitenbewegung mit aller Entschiedenheit dafür eintrete, daß der nationale Gegensatz auf den Gebieten vertrieben werde, in denen die Zusammenarbeit der Menschen verschiedenen Volkstums geboten sei. Jedoch könne man sich nicht mit einem Minoritätenschutz als einer internationalen charitativen Fürsorge begnügen, sondern müsse ein Minoritätengesetz verlangen, welches die Verwaltung national-kultureller Belange in die Hände der Minoritäten lege. Es gebe keine deutsche nationale Gruppe, die den veralteten Grundsatz aufrecht erhalte, daß es Nationalitäten gebe, die erhalten werden müffen und solche, denen ein Recht auf Fortentwicklung nicht zugesprochen werden könne. Der Grundsatz der Gleichberechtigung aller Nationalitäten werde rückhaltlos und ohne jede Beschränkung von den deutschen Minderheiten anerkannt. er ihn mit sich und brückte ihn auf den kleinen Divan, vor ihm stehen bleibend: „Also, Sie haben das kleine Mäde! gern?" »9«, ja", ries da Wolf — „fragen Sie doch nicht weiter — ich weiß ja selbst nicht, was daraus werden soll: dies süße Gesicht verfolgt mich Tag und Nacht!" „Das ist doch sehr einfach — sagte ich Ihnen nicht —" „Nein, Strachwitz, bleiben Sie mir mit Ihren Ratschlä- egn fern. Wenn ich ihr mich nähere, will ich auch genau wissen, warum ich es tue, was ich will — anders niemals —!" „Also umschrieben für Heiraten! Nun. ich will Ihren Ansichten durchaus nicht entgegentreten, gebe Ihnen aber zu bedenken, daß Sie doch erst das Mädchen prüfen müssen, ob sie auch würdig ist. Frau von Wolfsburg zu werden, denn mir scheint, als ob Sie sich stark mit Heiratsgedanken tragen! Ein hübsches Gesicht genügt aber nicht dazu — Sie wissen ja gar nicht, ob die Kleine überhaupt richtig schreiben kan». Eine ungebilöere Frau ist stets ein Hemmnis für einen gebildeten Mann und besonders für einen, wie Sie find! — Haben Sie auch daran gedacht, daß Sie Ihre Karriere aufgeben müßten?" „An alles", versetzte er gepreßt, „Strachwitz, Tie habe» recht! Vielleicht werde ich von dieser törichten Liebe geheilt, wenn ich das Mädchen erst näher kenne. Begreifen Sie es denn nicht, daß man ihr gut sein muß, wenn man sie nur sieht?" Strachwitz stieß einen leisen Pfiff aus und lächelte seltsam. „Sie sind doch ein großes Kind, Wölfchen — gerade diese madonnenhaften Erscheinungen find oft die raffiniertesten Koketten. — Na, ich will Ihnen wünschen, daß Sie nicht reinfallen — es wäre schade! Also kurz entschlossen - schreiben Sie, damit Sie aus diesem Hangen und Bangen herauskommen! Sie sagen mir bann auch, wie die Sache verläuft; meiner Verschwiegenheit sind Sie selbstverständlich sicher! — Ich muß Ihnen jetzt gestehen, daß auch ich mich für die Kleine interessiert hatte; sollte sie mal von mir sprechen, denken Sie nicht schlecht von mir!" Mittwoch, den 24. August 1927. Ter Staat sei verpflichtet, für die Zwecke der Kulturautonomie die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Den Gedanken der Volksgemeinschaft zu pflegen und weiter anfzubauen, sei eine Aufgabe, die sich auch die deutschen nationalen Gruppen gestellt hätten. Es dürfe erwartet werden, daß die Bindungen, die durch die Arbeit der Minoritäten entstünden, nicht nur eine Liquidatton der Nationalen, sondern gleichzeitig auch eine erhebliche Abschwächung der innerstaatlichen Gegensätze erzielen könnten. Tie Arbeit an einer Festigung der kulturellen Volksgemeinschaft wirke für den europäischen Frieden und damit auch für den,Weltfrieden. Der Abgeordnete der Ungarn in der Tschechoslowakei, Scüllo, betonte sodann, daß die Aufgabe aller Minderheiten die Vervollkommnung ihrer Kultur sei. Die Störungen in der europäischen Gemeinschaft könnten durch kulturell« Autonomie und durch die Zusammenarbeit aller Nationa- litäten behoben werden. Staat der Gewalt müffe man nur den Ausgleich suchen, um ««stelle der Bedrückung die Freiheit zu setzen. Für die katalanische Gruppe in Spanien meinte Maspons, daß die Minderheitenbewegung ihr Ziel erreichen werde, wenn sie in einheitlicher Zusammenfassung aller Kräfte sich für die Anerkennung der Rechte der Nationalitäten einsetze. Der Vertreter der Polen in Deutschland, Dr. Kaczmarek, hob hervor, daß jede schematische Lösung des Minderheitenproblems abgelehnt werden müffe. Das Minderheitenrecht müsse eine friedliche Regelung im Sinne der Bedürfnisse jeden Volkes finden. Nach Abgabe dieser Erklärungen wurde zur Wahl des Präsidiums geschritten, das aus Dr. Wilfan und Vertretern sämtlicher an dem Kongreß teilnehmenden Minderheitengruppen besteht. Den Abschluß der heutigen Sitzung bildete die Einsetzung von vier Kommissionen: für die Zusammenarbeit der Minderheiten, die Sprachenfrage, Organisationsfragen und die Ausarbeitung eines Statutenentwurfs. Ferner wurde noch eine besondere Kommission eingesetzt, die einen Bericht über den bekannten Kärntener Entwurf einer Kulturautonomie erstatten soll. Genf, 24. Aug. In der gestrigen Vormittagssitzung des Nationalitätenkongreffes erstattete zunächst der Vertreter der jüdischen Gruppe in Lettland, Landtagsabgeordneter Prof. Lasersohn, einen Bericht über Staatssouveränität und Minderheitenrecht. Er vertrat die Ansicht, daß der Begriff der Staatssouveränität allmählich durch den sich immer stärker entwickelnden Gedanken des Minderheitenrechtes öurchdrin- gen werde und stellte die Forderung auf, daß dieses Recht sich als innerstaatliches Völkerrecht Geltung verschaffe. Der Vertreter der ungarischen Minderheiten in Rumänien, Ba- logh, wies darauf hin, daß die Minderheitenverträge als gesetzliche Basierung der Rechte der nationalen Minderheiten aufzufaffen seien. Der Nationlitätenkongretz müsse also seine Kräfte für eine uneingeschränkte Anerkennung der in den Minderheitenverträgen festgelegten Garantien zum Schutze der nationalen Interessen der Minderheiten einsetzen. Der Vertreter der deutschen Gruppe in Ungarn, Dr. Gündisch, betonte, daß ein Gegensatz zwischen Staatssouveränität und Nationalitätenrecht der Minderheiten nicht notwenöigerwecie bestehe. Nationale Autonomie könne den einzelnen natio- len Gruppen ohne Gefährdung der Staatssouveränität verliehen werden. Die weitere Aussprache über das zur Diskussion stehende Thema wurde auf gestern nachmitatg vertagt. In der Zwischenzeit treten die gestern eingesetzten vier Kommissionen zusammen. Baden Herbftlnftverkehr 1827. Vom 1. September 1927 tritt für den deutschen Luftverkehr der Herbstflugbahn in Kraft. Din in dem Herbstflugplan veröffentlichten Fluglinien werden im allgemeinen bis zum 15. Oktober d. I. geflogen; von 17. Oktober ab tritt der Winterflugplan in Kraft. Der Verkehr findet wie bisher im Herbstluftvcrkehr täglich mit Ausnahme des Sonntags statt. Die Preise sind die gleichen wie im Sommerluftverkehr. Der Flugplan enthält insgesamt 80 Fluglinien. Von den 80 Linien werden 77 von der deutschen Lufthansa und drei von der Nordbayerischen Verkehrsflug G. m. b. H. geflogen. Im allgemeinen sind die Strecken gegenüber dem Sommerplane dieselben geblieben. Weggefallen sind lediglich die Verbindungen nach den Nordseebädern. Schließlich ist noch gänzlich weggefallen die Strecke Gleiwitz—Breslau- Stettin, deren Betrieb laut Sommerflugplan am 20. Oktober eingestellt werde. Flugzeiten und Flugdauer sind im allgemeinen gegenüber dem Sommerflugplan unverändert geblieben, nur hat man teilweise die bisherigen sehr frühen Startzeiten auf eine etwas spätere Zeit verlegt, womit einem vielfach ausgesprochenen Wunsche Rechnung getragen sein dürfte. In dem Kursbuch enthalten, aber bis zu späterer Es kam so zögernd von seinen Lippen, daß Wolfsburg ihn befremdet ansah. „Was ist denn Strachwitz?" „Bis jetzt habe ich Ihnen verschwiegen, daß mir dasselbe wie Hartleben passiert ist. Auch ich war von ihr entzückt und versuchte es, ihr das auch zu sagen. Aber sie war sehr wenig entgegenkommend — kurz, sie hat mich ganz gehörig abfallen lassen, und dieser Augenblick war einer der wenigen angenehmen in meinem Leben! Sie hatte so eine Art, mich mit den großen Augen anzusehen, und einen Tonfall in der Stimme, daß ich mir wie ein gemaßregelter Schuljunge vorkam!" Das Bekenntnis wurde ihm sichtlich schwer: er stockte öfter in der Rede und zupfte unbarmherzig an dem schönen Bärtchen, dem er sonst seine sorgsamste Pflege angedeihen ließ. Aber auch in Wolfsburgs Gesicht spiegelte sich bei jenem Bekenntnis eine unangenehme Betroffenheit wider, und unmutig sagte er: »Daß Ihr doch so wenig Achtung vor einem alleinstehenden Mädchen habt, ihr Eure Galanterien aufzuörängen!" »Na, die Kleine ist vielleicht die eine von den hundert, denen man das nicht bieten darf; darin habe ich Erfahrung! — Und um nochmals auf die kleine Winters zurückzukommen, was würde» Ihre Angehörigen sagen, wenn Sie ihnen das süße Ding als Verwandte zuführten?" Wolfs Gesicht verfinsterte sich. „Lieber Strachwitz, das soll mich nicht kümmern; ich tue, was ich will: mit meinem Vater bin ich durch seine zweite Frau vollständig auseinander, und mein Bruder —", er zuckte die Achseln und schwieg. Teilnahmsvoll betrachtete ihn Strachwitz. »Armer Kerl", sagte er leise. „Mein Leben ist mir durch jenen Zwist so verbittert", fuhr der andere fort, „ich bin so allein, kein Mensch fragt nach mir. Wenn ich damals Dr. Schöne nicht gehabt hätte, in dessen harmonischer Häuslichkeit ich wenigstens etwas Ersatz für das Verlorene fand, wer weiß, was da aus mir geworden wäre! Schade um ihn —" sFortsetznng folgt.) Nr. 157. Jahrgang 1927. Bekanntgabe noch nicht in Betrieb genommen, find die Abschnitte Marseilles— Barzelona-Madrid der Strecke Berlin-Stuttgart— Zürich—Genf— Marseilles—Barzelona—Madrid und die Strecken Frankfurt a. M—Triest, sowie alle in das Saargebiet führende Verbindungen und schließlich die Strecke Aachen—Köln. Die Landwirtschaft in Baden. Baden ist, obwohl eines der kleineren Länder im Reich, (rund 3 Prozent der Gesamtfläche), ein Land mit viel landschaftlichen Schönheiten. Es ist das waldreichste Land in Deutschland, ja neben zwei anderen Ländern, in ganz Europa. Die Höhenzüge des Schwarzwaldes, die mit zu den höchsten unseres deutschen Vaterlandes gehören, sind fast durchweg bewaldet: ebenso die Rücken des Odenwaldes sowie kleine Teile des südlichen und nördlichen Hügellandes und der Rheinebene. Von den 15000 Quadratkilometer Bodenfläche, die unser Land umfaßt, verbleibt nach Abzug des Waldes (600 000 Hektar), der Hofraiten, der Gewässer, von Oed- und Unland usw. eine Kulturfläche von rund 800 000 Hektar, in die sich 2,3 Millionen Einwohner unseres Landes teilen. Wie aus einem Vergleich mit anderen Ländern hervorgeht, ist das bei uns bebaute Land außerordentlich ertragreich, weil der badische Landwirt es versteht, den badischen Boden nach seinen Anlagen und Qualitäten zu behandeln und zu bearbeiten; er spezialisiert seine Felder, er arbeitet unverdrossen von früh bis spät und hat sich durch seine landwirtschaftlichen Genossenschaften und Vereine Fnstrumente geschaffen, die ihn mit den Errungenschaften der Neuzeit (Maschinen, Kunstdünger usw.) bekannt machen und beliefern und die auch für den Anschluß an die Märkte und sonstigen Verkehrsnetze sorgen. Was aber den badischen Landwirt ganz besonders anfeuert, sich alle technischen Fortschritte nutzbar zu machen und dem, besonders in der Rheinebene sandigen Boden möglichst' hohe Erträge abzuringeu, das ist der Gedanke, daß er nicht als Höriger dem Großgrundbesitzer (wie in Schlesien oder Pommern) dient, sondern daß der Erfolg seiner Arbeit ihm und seinen Kindern zugute kommt. Der badische Bauer ist in 99 Prozent Herr seiner Scholle: der Großgrundbesitz oder gar die tote Hand ist in Baden von untergeordneter Bedeutung. Unter den rund 300 000 landwirtschaftlichen Betrieben, die bei der letzten landwirtschaftlichen Betriebszählung in unserem Lande gezählt worden sind, befinden sich nur 70, die eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von über 100 Hektar bewirtschaften. Rund 54 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe sind Kleinbauern mit einem Besitz von 2 Hektar oder weniger. Großbäuerliche Betriebe mit 20 bis 100 Hektar gibt es im ganzen Land nur 1663. Der größte Grundbesitzer ist bei uns der badische Staat, der aber das meiste Land, soweit es überhaupt anbaufähig ist, an seine Bürger verpachtet hat; auch der Besitz der katholischen oder evangelischen Kirche ist ganz unbedeutend. Auf alle Fälle kann man sagen, daß der badisch« Bauer und auch der auf dem Lande wohnende Fabrikarbeiter fest verwurzelt mit seiner Scholle ist und dadurch vor dem Herabsinken zum Proletariat bewahrt bleibt. Was der bekannte Bodenreformer Damaschke anstrebt, hat in Baden seit Jahrzehnten, ja seit Jahrhunderten, greifbare Gestalt angenommen. Die 30 Prozent der Bevölkerung, die in Baden von der Landwirtschaft leben, versorgen in hinreichendem Maße das Land und seine Städte mit gesunden Lebensmitteln (Milch, Butter, Käse, Brot, Obst, Gemüse usw.): das Kraichgauer Hügelland und die Baar sind die „Kornkammern" unseres Landes: an unseren Hügelhängen gedeiht der Wein, und auf weiten Strecken der Ebene werden Handelspflanzen (Tabak, Hopfen, Zuckerrüben) gebaut!, durch deren Pflege und unermüdliche Qualitätsverbesserung Wohlstand und Wirtschaftsleben in unser Land Eingang findet. Alle diese Fragen, die hier nur angedeutet werden konnten, hat neuerdings das Badische Statistische Landesamt in Karlsruhe in dankenswerter Weise in einem stattlichen Buch „Die Landwirtschaft in Baden" besprochen, das wegen der Vielseitigkeit und Billigkeit in die Hand eines jeden, auch des kleinsten Landwirts gehört. Kein Politiker, kein Bauernführer, kein Genossenschaftler kann an diesem neuesten Buch des Statistischen Landesamts vorübergehen. Klar und übersichtlich werden alle Fragen, die heutzutage den Landwirt interessieren, behandelt. Der Landwirt erhält Aufschluß über Anbau und Ernte in den einzelnen Amtsbezirken des Landes, über die Verflechtung des Verkehrsnetzes, über landwirtschaftliche Genossenschaften und Vereine, über Winterschulen, Bersuchsringe usw. Mit geringer Mühe kann sich jedermann, der sich für Landwirtschaft interessiert (auch der politisch interessierte Fabrikarbeiter und Gewerbetreibende) über alle agrarpolitischen Probleme unterrichten. Besonders .interessant sind die tabellarischen Uebersichten über die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse vor und nach dem Krieg und über die verschiedenen Erhebungen, die über den Stand der Verschuldung in Baden seit den 80iger Jahren des vorigen Jahrhunderts gemacht worden sind. Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft gehört zu den wichtigsten Dingen der Kulturmenschheit. Zu dieser Gesundheit beizutragen und sie zu erhalten ist jeder Staat verpflichtet. Die badische Landwirtschaft hat auf vielen Gebieten bewiesen, daß sie den Willen, die Kraft und die Ausdauer hat, ihre Pflichten gegen die Allgemeinheit voll und ganz zu erfüllen. Anfragen wegen des Bezuges des oben erwähnten Buches über „Die Landwirtschaft in Baden" sind unmittelbar an das Statistische Landesamt in Karlsruhe zu richten. Aus Nah und Fern. -1- Sinsheim, 23. Aug. (Bon der Schule.) Foxtb.-Haupt- lehrer Henrich kam aus Rassig hierher. Lehrer Greth wurde nach Rassig, Amt Wertheim: Hilfslehrer Roßrucker nach Hockenheim versetzt. * Sinsheim, 23. Aug. (Tabakausstellung.) Die Badische Landwirtschastskammer beabsichtigt, falls genügende Anmeldungen eingehen, die Tabakausstellung auf der 34. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Leipzig mit einer Sammlung badischer Tabake zu beschicken. Die auszustellenden Proben in unfermentiertem Zustand müssen spätestens bis I. Dezember, in fermentiertem bis spätestens 1. Mai an die Landwirtschaftskammer eingesandt sein,- letztere sind jedoch bis 1. Jan. 1928 anzumelden. Für die Ausstellung kommen in Betracht: Sandblatt-, Mittel- und Obergutmuster von Zigarrentabaken, Schneidtabaken und Rollendeck. Menge, eineinhalb Kilo jeweils versehen mit Anhängezettel, auf dem Anschrist des Absenders und Art des Tabaks vermerkt sind. Es werden Ehren- und Geldpreise, sowie Diplome verliehen. * Sinsheim,-23. Aug. (Vom süddeutschen Tabakmarkt.) Die in der letzten Zeit in stärkerem Maße aufgetretenen Regenfälle waren für das Wachstum der neuen Tabake außerordentlich günstig. Es wird infolgedessen, aller Voraussicht nach mit einer ausgesprochenen reichen Ernte zu rechnen sein, die von nun ab allerdings noch warmes Wetter und Sonne zur Ausreife benötigt. Wenn auch ein abschließendes Urteil erst in einigen Wochen ausgestellt werden kann, so läßt sich doch wohl heute schon mit ziemlicher Bestimmtheit sagen, daß die neue Ernte einen leichten Tabak für die Zigarrenfabrikationen bringen dürfte. Für die Beschaffenheit der neuen Grumpen ist 'das derzeitige Wetter selbstverständlich sehr ungünstig. Durch starke Regenfälle sind die Tabake in den Orten Plankstadt, Eppelheim, Oftersheim und Der Landbote * Sinsheim» Zeitung. Wieblingen zu einem großen Teil vernichtet worden, was natürlich einen Ausfall für die Rauchtabakfabrikation bedeutet. * Sinsheim, 23. Aug. („Siesta" wird wieder abgeschafft.) Die Hauptverwaltung der Reichsbahn wird, der „Boss. Ztg." zufolge, den Vertrag mit der Siestagesellschaft, der seit sieben Jahren besteht, zum 1. Oktober 1928 kündigen. Rach der „Voss. Ztg." begründet die Reichsbahnverwaltung die Maßnahme damit, daß viele Reisende, die früher zweiter Klasse gefahren sind und die es sich auch jetzt schon wieder leisten können, dritter Klasse fahren und sich einen Siestasitz mit ins Abteil nehmen, wodurch die Eisenbahn geschädigt werde. (Die Reisenden werden die Frage anders beurteilen als oie Reichsbahnverwaltung, und viele werden sicherlich das Ausfallen der „Siesta"-Schlaffitze bedauern. D. Schrift!.) £ Grombach, 23. Aug. (Goldene Hochzeit). Der vergangene Sonntag war für unsere Gemeinde ein seltener Festtag. Der Gemeinderechner Albert Frank und seine Gattin feierten ihr 50 jähriges, goldenes Hochzeitsjubiläum. Ganz Grombach nahm freudigen Anteil an dem schönen Familienfest, dessen Höhepunkt der feierliche Gottesdienst mit der Predigt des H. H. Pfarrers Bücher bildete. „Die Barmherzigkeit des Herrn will ich preisen: denn er hat die Kinder meiner Kinder mich sehen lassen!", gibt den Kern der Predigt. Ein erhebendes Schauspiel, als die hochbetagten Iubelgatten ihren Heiland im Sakrament empfingen!. Rach dem Gottesdienst von allen Seiten herzliche Gratulationen Herr Bürgermeister Dick gratulierte im Namen der Gemeinde und des Gemeinderats. Der Hochwürdige Pfarrherr überreichte das Glückwunschschreiben des Oberhirten mit einem sinnigen Präsent. Der Gesangverein „Concordia" gab sein Bestes. Eine gemütliche Sitzung in der „Krone" beschloß das schöne Familien- und Gemeindefest. Was hat wohl ein solches Fest heute im Zeitalter der Mischehen, der Ehescheidungen, der Wildehen zu bedeuten? Unendlich viel! Z. Epftubach, 23. Aug. (Heimattag). Anläßlich des am 27.. 28. und 29. August ds. Js. stattfindenden Heimattags sind von der Reichspostverwaltung in entgegenkommender Weise Sonderfahrten eingelegt worden. Zwischen Epfenbach und Neidenstein wird ein regelmäßiger Pendelverkehr auf alle Züge eingerichtet. Den Festteilnehmern von Sinsheim, Waibstadt und Neidenstein bietet sich Gelegenheit, an diesen Tagen abends um 11 Uhr von Epfenbach aus zurückzufahren. Das am Sonntag um 1 Uhr mittags in Sinsheim abgehende Postauto wird über Waibstadt direkt nach Epfenbach fahren und den historischen Festzug noch erreichen. — Aglasterhausen, 23. Aug. (Vorsicht mit Schußwaffen!) Am Samstag abend sollte der Tüncherlehrling Z. von hier, der in Neunkirchen in der Lehre ist, seinem Meister Oel holen, als er auf dem Weg plötzlich einen Schuß ins Gesicht bekam. Zwei Burschen vergnügten sich mit einem Flobertgewehr und der eine zielte vom Hofe aus auf den vorübergehenden 3. und traf ihn so unglücklich, daß der herbeigerufene Arzt ihn sofort ins Krankenhaus nach Neckarbifchofsherm bringen lassen mußte. V Schwarzachrr Hof, 22. Aug. (Das Jahresfest der Erziehungsanstalt), das am Sonntag als ein Sommerfest abgehqlten wurde, ließ einen Blick tun in die Arbeit an der Jugend, die sich in der Anstalt befindet. Nach Lieder und Gedichtvorträgen und einer Ansprache führten einige Zöglinge auf der herrlichen Naturbühne beim Spielplatz der Anstalt die Apfelschußszene aus dem Schauspiel Wilhelm Teil auf. Es war eine Lust, zu schauen und zu hören, wie sich die Spieler in ihre Rollen fanden, und die zahlreichen Gäste spendeten reichen Beifall. An die Ausführung schlossen sich dann sportliche Darbietungen an: ein Hundertmeterlauf, ein Staffettenlauf und ein Fußballspiel. Bei den Darbietungen wurden beachtliche Leistungen erzielt. Den Schluß des Festes bildeten dann einige Belustigungen der Zöglinge durch Tauziehen und Klettern am Kletterbaum. Leider mußte das Fest wegen Regens vorzeitig abgebrochen werden. — Dom südlichen Odenwald, 23. Aug. (Getreideernte.) In den Tälern ist die Kornernte ziemlich beendet; auf den Höhen dagegen ist noch fast sämtliches Getreide der Nässe ausgesetzt. Wo die Korngarben in Haufen mit Hut zusammengestellt sind, entsteht weniger Schaden, wo aber der Hut fehlt oder das Korn noch auf dem Boden liegt, da wächst es aus und fingerlange Keime zerstören die Güte der Körner. Die Witterung war ja bis vor kurzem für unsere Gegend wie geschaffen, jetzt aber wird die Nässe lästig und schädlich. A Obrigheim a. N., 23. Aug. (Ein vorgeschichtlicher Fund). In einer hiesigen Sandgrube wurde ein mächtiger Mammut-Unterkiefer mit noch sehr gut erhaltenen Zähnen gefunden. Das vorgeschichtliche Fundstück wurde in den großen Wässerperioden der Eiszeit mit den Neckarkiesen im Binau-Obrigheimer Neckarbecken abgelagert und lagert hier schon einige hunderttausend - Jahre. Der Unterkiefer des vorfündflutlichen Riesen wird der hiesigen Schulsammlung einverleibt. ** Mannheim, 24. August. (Sitte Familientragödie.) Ein Arbeiter in der Elfenstraße verletzte seine Frau durch Messerstiche schwer. Alsdann brachte er sich selbst einen Stich bei. Das schwerverletzte Ehepaar, das fünf Kinder besitzt, wurde in das städtische Krankenhaus gebracht. ** Neckarsulm, 24. August. (Ein schwerer Unglückssall.) Polizeiwachtmeister Kübler aus Stuttgart fuhr mit seinem Motorrad mit Beiwagen von Neckarsulm her. Auf dem Soziussitz saß seine Frau und im Beiwagen seine Schwägerin mit Kind. In dem Augenblick, als ein von Heilbronn herkommendes, mit vier Personen besetztes Kölner Auto an Kübler vorbeifuhr, streifte der Fußtritt des Autos die linken Füße der beiden auf dem Motorrad Sitzenden, die fast vollständig abgerissen wurden. ** Mannheim, 24. Aug. (Falsche Studenten. — In den Hof gestürzt.) In den Monaten Mai, Juni und Juli haben sich zwei Burschen im Alter von 20 und 22 Jahren unter unberechtigter Benützung von Stuüentenmützen im Waldpark jungen Mädchen angeschloffen und diese dann beraubt und bestohlen. Die beiden Burschen wurden jetzt verhaftet. — Gestern versuchte in der Unteren Riedstratze ein achtjähriger Schüler auf das Dach zu klettern. Dabei verlor er das Gleichgewicht und stürzte vom vierten Stock in den Hof. Mit schweren inneren Verletzungen mußte er nach dem Krankenhause verbracht werden. ** Nennkirche« (bei Mosbach), 23. Aug. (Jugendliche Schützen.) Ein 15jähriger Junge schoß dem ebenso alten « Heinrich Zimmermann, der hier in der Lehre steht, mit einem Flobertgewehr eine Schrotladung ins Gesicht. Glücklicherweise wurde das Augenlicht nicht gefährdet. ** Kirrlach (bei Bruchsal), 24. Aug. (Bestialische Vergewaltigung.) Zwei kleine Mädchen, die ihre von einer Reise znrückkehrende Mutter am Bahnhof abholen wollten, wurden im Walde von zwei Rohlingen übersallen, während das jüngere Kind sich durch eilige Flucht retten konnte, schleppten die Wüstlinge die achtjährige Josephine Würges ins Gebüsch, vergewaltigen fie und ließen sie liegen. Das Kind schleppte fich zur Straße und würde in später Stunde von Arbeitern aufgefunden und nach Hause gebracht, wo es krank darnieöerliegt. Die Ermittelungen nach den Verbrechern führen in ein Nachbaröorf. ** Dnrlach, 23. Aug. (Unfall.) Beim Ueberschreiten der Karlsruherstraße in Durlach wurde gestern nachmittag ein Mittwoch, den 24. August 1927. 60 Jahre alter Heizer aus Aue von einem Lieferungswagen von hinten angefahrcn und erheblich verletzt. ** Karlsruhe. 23. Aug. (Unfälle.) Am Samstag glitt ein lediger Kernmacher in einer hiesigen Gießerei -aus und trat dabei mit einem Fuß in flüssiges Eisen. Er zog sich erhebliche Brandwunden zu. — Gestern wurde in einer hiesigen Fabrik ein 56 Jahre alter Maschinenarbeiter von einer Transportwelle an den Kleidern gefaßt und mehrmals herumgeschleudert, wobei er erhebliche Verletzungen erlitt. ** Karlsrnhe, 23. Aug. (Selbsttötung.) Heute früh wurde auf einem hiesigen Sportplatz ein Eisenbahnbediensteter von hier erhängt aufgesunden. Es liegt Selbsttötung vor. Motiv unbekannt. ** Schönmünzach, 24. August. (Streik.) Nachdem seit Anfang Juni d. I. bei den aus württembergischer Seite liegenden Arbeitsstelle« am Murgtal-Bahnbau gestreikt worden war, erging vor einigen Tagen durch das Tarifamt in Stuttgart ein Schiedsspruch, wodurch die Arbeitslöhne eine gcwiffe Erhöhung erfahren haben. Es ist nun zu hoffen, daß die Arbeiten wieder rüstig vorwärtsschreiten und die Bahn ihrer Vollendung entgegengeht. ** Ibach bei Oberkirch, 24. August. (Fuchsplage.) Die Fuchsplage hat hier einen großen Umfang angenommen. Nicht nur Hühner, sondern auch Katzen werden von den Räubern weggeholt. ** Peterzell, 24. August. (Selbstmord.) In einem Anfall geistiger Umnachtung hat die 35jährige Ehefrau Christine Zuckschwerdt ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt. ** Legelshurst bei Kehl, 24. August. (Betrügereien.) Hier konnte der wegen vielfacher Betrügereien in Kehl, Kinzig- und Achertal steckbrieflich verfolgte Wilhelm Schmitt fest- genommen werden. Er hatte sich in der letzten Zeit in seinem elterlichen Hause versteckt aufgehalten. ** Anenheim (bei Kehl), 24. Aug. (Festnahme eines Diebes.) Ein hiesiger Bursche stieg in der Sonntagnacht in die Wohnung des Kassiers des Turnvereins, anscheinend üm dort einen Diebstahl auszuführen. Von den heimkehrenden Bewohneren wurde er jedoch überrascht, aus seinem Versteck herausgeholt, unter Mithilfe der Nachbarn gründlich durch- geblänt und dann der Gendarmerie übergeben. Man hat den Burschen auch im Verdacht, der Täter anderer, bisher unaufgeklärter Diebstähle zu sein. ** Maulburg (bei Schopfheim), <24. Aug. (Blutvergiftung mit Todesfolge.) Der 18jährige Zimmermeisterlehrling M. Müller hat sich vor einiger Zeit eine Verletzung zugezogen. Es trat Blutvergiftung ein, die den Tod des jungen Menschen zur Folge hatte. ** Vadenweiler, 24. Aug. (Betrüger sestgenommen.) Ein angeblicher Kurgast, der sich in Badenweiler eingemietet, aber nicht bezahlt hatte, wurde von der Polizei verfolgt und konnte in Stockmatt verhaftet werden. Er wurde ins Amtsgefängnis nach Müllheim verbracht. ** Anggen (bei Müllheim), 24. Aug. Hier wurde gestern mittag neue Gerste verkauft. Für den Doppelzentner wurden 24.50 M. geboten. Aus Buggingen wird der Ertrag an Korn und Stroh als durchschnittlich gut bezeichnet. Das Oehmd verspricht auch einen schönen Ertrag. ** Freiburg i> Br., 24. Aug. (Schwurgericht.) Das Freiburger Schwurgericht verurteilte den 21 Jahre alten Malergehilfen Otto Chaloppka aus Emmendingen, der des Totschlags, des versuchten Totschlags, der Körperverletzung und des Widerstandes angeklagt war, zu insgesamt 1)4 Jahren Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 3% Jahre beantragt. ** Vörstetten bei Freiburg, 24. August. (Unfall mit To- öesfolge.) Der hier wohnhafte, verheiratete Bahnarbeiter Hartmann stürzte beim Anzünden der Lichter auf Signalmasten beim Güterbahnhof ab und blieb bei starkem Regen einige Stunden bewußtlos liegen. Der Verunglückte erlitt schwere innere Verletzungen und starb einige Tage nach dem Unfall. ** Pfnllendorf, 24. August. (Unglücksfall.) Ein aus der Würzburger Gegend stammender junger landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter wurde von einem Pferde so unglücklich auf den Leib geschlagen, daß er schwere innere Verletzungen erlitt. Der Zustand ist äußerst bedenklich. ** Billingen, 24. August. (Vermißt.) Seit Freitagnach- mittag wird der 12jährige Sohn einer Frau Schweizer vermißt. Derselbe ist etwa 1,40 Meter groß, blond, trägt Manchesterhose und rote Weste. ** Villingen, 24. Aug. (Uebersall.) Gestern abend wurde aus dem Wege vom Gasthaus zur „Forelle" nach dem städtischen Schotterwerk der 25jährige Arbeiter Oskar Müller aus Mönchweiler bei einem Wäldchen von dem 20jährigen Steinhauer Johann Bauer aus Passau überfallen und durch mehrere Mefferstiche in den Hals schwer verletzt, so daß er von der Sanitätskolonne in das Villinger Krankenhaus verbracht werden mußte. Der Täter wurde noch in der Nacht auf einem benachbarten Hof, wo er sich verborgen hatte, durch die Gendarmerie festgenmmen. Der Grund zur Tat soll in vorausgegangenen Streitigkeiten liegen. ** Eimeldingen (bei Lörrach), 24. Aug. (Seinen schweren Verletzungen erlegen.) Ter vor einigen Tagen beim Rangieren verunglückte Wilhelm Pfister ist im Lörracher Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. ** Uehlinge« (bei Waldshut), 24. Aug. (Schwerer Unfall.) Der bei der Firma Roschnagel & Gampp beschäftigte Mechaniker und Kraftwagenführer Fr. Tröndle von Albdruck fuhr bei Hürrlingen in einer Kurve mit dem Wagen über einen Straßenrand hinaus. Dabei wurde ihm der Schädel aufgespießt. Er mußte nach Waldshut ins Krankenhaus verbracht werden. ** Detzel« (bei Waldshut), 24. Aug. (Schwerer Unfall.) In dem Porphyrwerk Detzeln stürzte am Montagmittag der 19 Jahre alte Arbeiter Weinmayer von einer steilen Felswand ab und erlitt sehr schwere Verletzungen und Schürfungen. Er mußte nach Waldshut ins Krankenhaus verbracht werden. Fünf Scheune« «nd ein Wohnhaus abgebrannt. Markgröningen, 24. August. Im Stadtzentrum'brach in der Nacht auf Montag in einer Scheune Feuer aus, das so rasch um sich griff, daß binnen kurzem weitere vier Scheunen in Hellen Flammen standen. Auch ein Wohnhaus wurde vom Feuer ergriffen und ist wie die fünf Scheunen bis auf den Grund niedergebrannt. Große Erntevorräte wurden ein Raub der Flammen. Der Schaden ist groß. Die Brandursache ist noch unbekannt. —* Neuschnee i« Gebirge. Aus Jmmenstaöt im bayerischen Allgäu wird berichtet: Auf den Bergen zeigt sich seit Donnerstag Neuschnee. Der kalte Regen im Tal hält an. Es ist daher zu befürchten, daß wir mit längerem schlechtem Wetter zu rechnen haben und der Sommer zu Ende geht. Nr. 157. Jahrgang 1927. ** Starkes Erdbebe«. In der Nacht zum Sonntag ver- zeichnete der Seismograph der Erdbebenwarte Hohenheim ein ziemlich starkes Fernbeben. Die Bebenwellen, die aus einer Entfernung von über 10 000 Kilometer an der hiesigen Warte ankamen, hielten Sen Seismograph etwa eine Stunde in Bewegung. Das erste Auftauchen der Wellen erfolgte um 1 Uhr 7 Minuten 26 Sekunden Die errechnete Entfernung von rund 10 000 Kilometer entspricht etwa eines Weges nach Sumatra oder Südamerika, Provinz Peru. (Nach Meldungen aus London war das Erdbeben in Kalifornien.) Bombenexplofio« i« Cleveland. Berlin, 24. Aug. Wie das „8Uhr-Abendblatt" aus Cleveland berichtet, explodierte dort in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages vor der St. Joseph-Kirche des Franziskanerklosters eine Dynamitbombe, durch die das Gebäude ernstlich beschädigt wurde. Der Sachschaden wird auf etwa 10 000 Dollar geschätzt. Personen sind nicht verletzt worden. Die Erdbebenkatastrophe in Tnrkestan. Berlin, 24. Aug. Wie die „Nachtausgabe" aus Moskau berichtet, sind in dem Bezirk Namangan durch neue Erdstöße schwere Verwüstungen angerichtet worden. Bisher sind über 10 000 vernichtete Gebäude gezählt worden, davon 7000 Wohnhäuser. Dreitzigtausend Bewohner Namangans sind obdachlos. Von den neuen Erdstößen ist auch die Stadt heimgesucht worden. Mit vier Kinder« in de« Tod. Rasteuburg, 24. Aug. In der vorvergangenen Nacht spielte sich hier eine furchtbare Familientragödie ab. Die Frau des Schwerkriegsbeschädigte» Lauterbach aus Partsch nahm sich mit ihren vier Kindern, zwei Mädchen und zwei Knaben im Alter von 3 bis 8 Jahren, durch Ertränken das Leben. Die Leichen konnten bereits geborgen werden. Das Motiv zur Tat dürfte in Familienstreitigkeiten und unheilbarer Krankheit der Frau zu suchen sein. Tödlicher Flugzeugabsturz. Stettin, 24. August. Ueber dem Gutshof Sadelberg, Kreis Saatzig, stürzte gestern früh aus bisher unbekannter Ursache das Flugzeug D 854 der Verkehrssliegerschule Staaken ab. Der Pilot war sofort tot. Der schiefe Tnrm von Pisa. Ro«, 28. August. Die Zeitungen befassen sich neuerdings mit dem Zustand des schiefen Turmes in Pisa. De „Tribuna" sagt, daß vom Jahre 1018 bis zum heutigen Tage in der Neigung des Turmes eine Verschiebung von neun Millimetern zu verzeichnen ist. Dies gebe zu Befürchtungen Anlaß. Vorläufig liege aber keine Gefahr vor. Der Unterrichtsminister habe eine Kommission ernannt, die Vorschläge erstatten wird, um einer eventuellen Gefahr rechtzeitig vorzubeugen. Ei« französischer Pfarrer exmittiert. Paris. 23. August. In Lyon wurde ein Pfarrer, der sich weigerte, die von der Gemeinde verlangte Mietserhöhung für den Pfarrhof zu zahlen, unter Mithilfe eines besonderen Gendarmerieaufgebots zwangsweise ausgemietet. Drei Gemeinderäte erbrachen die zum Pfarrhof führende Tür. Es fehlte nicht viel, so wäre es zwischen den Anhängern des Pfarrers und seinen sozialistischen Gegnern zu Schlägereien gekommen. Schließlich wurde das Problem auf die Weise gelöst, daß der Pfarrer versetzt wurde. Zngnnfall in Orleans. Paris, 23. August. Bei der Einfahrt in den Bahnhof von Orleans fuhr ein Zug der elektrischen Bahn Paris—Orleans auf einen Prellbock auf. Sieben Reisende wurden schwer verletzt. Schweres Flngzengnnglück. Preßbnrg, 22. August. Bei Varina in der Nähe von Sillein geriet ein Militärflugzeug bei einer Notlandung in eine Menschenmenge, wobei ein 24jähriges Mädchen tödlich verletzt und deren dreijährige Schwester und eine andere Frau schwer verletzt wurden. Die Maschine wurde zertrümmert. Die beiden Flieger blieben unverletzt. Der Flngzengavftnrz bei Croyde«. London, 22. August. Bei dem Absturz des holländischen Verkehrsflugzeuges bei Sevenoaks in der Grafschaft Kent wurde der Mechaniker sofort getötet, während der Pilot und sieben Paflagiere mehr oder minder schwer verletzt wurden. Insgesamt befanden sich elf Personen, darunter zwei Frauen in dem Flugzeug. Bei der Notlandung, die infolge Steuerdefekts vorgenommen werden mußte, brach der Schwanz des Flugzeuges kurz über der Erde ab, so daß die Maschine kopfüber stürzte. Das Flugzeug ftel glücklicherweise auf eine Baumgruppe, die die Wucht des Sturzes milderte und schweres Unglück verhinderte. Immerhin wurde der Apparat vollständig zertrümmert. Zusammenstoß zwischen Straßenbahn und Eisenbahn. Paris, 22. Aug. Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich in Cherbourg. Ein Eisenbahnzug stieß beim Rangieren mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Fünfzehn Personen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Ei« betrogener Ehemann schießt im vollbesetzte« Straßenbahnwagen. Paris, 22. Aug. Ein betrogener Ehegatte feuerte gestern nachmittag in einem vollbesetzten Straßenbahnwagen vor dem Pariser Nordbahnhof auf seinen Rivalen mehrere Revolverschüsse ab. Sein Gegner sowie ein unbeteiligter Fahrgast wurden verwundet. De Frau des Attentäters erklärte, ihren Mann verlaffen zu haben, weil er sie häufig mit andere» Frauen betrogen habe. Ueber seine Erfolge als Don Juan habe er sich noch vor ihr wichtig gemacht. Ei« Raubmörder im Zuge verhaftet. Frankfurt, 22. August. In einem Personenzug Cottbus—Berlin, wurde auf der Station Frankfurt an der Oder ein Mann wegen eines an einem Geldbricfträger in Dresden verübten Raubmordes verhaftet und der Kriminalpolizei zugeführt. Erstickt aufgefunde«. Frankfurt, 22. August. Bei einem Ausflug der Frankfurter Städtischen Handelslehranstalten nach Küstrin wurde ein löjähriger Schüler im Abort erstickt aufgefunden. Die Todesursache konnte nicht einwandfrei festgestellt werden. Englische Seesoldate« in Nanking gelandet. Berlin, 23. August. Nach einer Meldung der „D. A. Z." aus Peking, sind in Nanking 100 englische Marinesolöaten zum Schutz der Anlagen der International Export Companie" gelandet worden. Das Ende der Pferde im Vatikan. Die Pferde, die heute nach und nach schon geradezu zu einer seltenen Erscheinung werden, für den Großstädter wenigstens, sollen nächstens auch aus dem Vatikan vollkommen verschwinden. Schon feit etwa fünf Jahren macht ein Auto, das der Papst zu benutzen pflegt, den Pferden erfolgreiche Konkurrenz. Aber immerhin hatten sich bisher noch einige Wagen, die mit Pferden bespannt wurden, erhalten. Doch soll, wie gesagt, ihre Lebensdauer nun auch schon gezählt sein und die Absicht bestehen, sie alle durch moderne und schnellere Transportmittel zu ersetzen. Es sind sogar bereits Verhandlungen eingeleitet mit Mailand, dem Zentrum der italienischen Automobilindustrie, zwecks Bezugs der nötigen Wagen. Ueberbleibsel aus alter Zeit In den alten Zeiten waren die Marktordnungen strenger als heute. Das Fehlen eines einheitlichen Matz- und Ge- Wichtssystems machte es den fremden Kaufleuten leichter, den Kunden übers Ohr zu hauen: man mußte darum durch str-nge Bestimmungen den Marktbesucher gegen jede Ueber- MMN MMM : Üü . MZ« vorteilung schützen. Am sichersten war es, den Kaufleuteu genaue Angaben über die ortsüblichen Maße zu machen oder ihne die Maße selbst zur Verfügung zu stellen, wie es auf unserem Bilde ersichtlich ist. Auf dem Marktplatz in Gruyöre in der Schweiz befinden sich noch heute die in Stein gehauenen Zehntenmaße, die bei den Märkten zum Abmeffen des Getreides dienten. Mittwoch, den 24. August 1927. Radio - Programm für Donnerstag, den 2S. August 1927. Berlin (483), Königswusterhaufen (1280). 20.30 Uhr: Maschine und DichtuW 21.30 Uhr: Bolkslieder-Duette. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Breslau (313). 20.15 Uhr: Wiener Klänge. Frankfurt (428). 16.30 Uhr: Die Familie Strauß. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.45 Uhr: Porträge. 20.15 Uhr: Max Reger, Lieder. 21.15 Uhr: Cellos-Konzert. Anschl. Spätkonzert. Hamburg (394). 20.00 Uhr: „De rode Uennerrock" Komödie von H. Boßdorf. Anschl. Konzertüdertragung a. d. Cafe Continental. Königsberg (329). 20.10 Uhr: Das Lied, Volkslieder aus Deutschlands Gauen. 21.00 Uhr: Uebertragung von Danzig: Kammermusik. Langenberg (368). 20.05 Uhr: Elberfeld: Sommerkonzert. Leipzig (365). 21.15 Uhr: Lortzing-Abend. München (335). 20.45 Uhr: „s'Trauringl", Dolksstück mit Gesang, Musik v. F. Feldigl. Stuttgart (379). 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.00 Uhr: Hauswirtschaftliche Frauenstunde. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Unterhaltungskonzert. Anschl.: „Großstadtluft", Lustspiel von O. Blumenthal u. G. Kadelburg. Daventry (1600), London (361). 12.00 Uhr: Konzert. 15.00 Uhr: Abendgottesdienst. 15.45 Uhr: Daventry-Quartett. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.20 Uhr: Tanzmusik. 18.45 Uhr: Leichte Musik. 19.15 Uhr: Beethovens Sonaten. 19.30 Uhr: Oktetfj- Konzert. 21.35 Balladenkonzert. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Paris (1750), 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Tanzmusik. 19.30 Uhr: Cocktail-Konzert. 20.30 Uhr: Sendespiel: Auswahl aus „Don Quichotte" v. Massenet. Wien (517). 21.05 Uhr: Konzertakademie. Zürich (588). 20.30 Uhr: Konzert- und Hörspiel-Abend. Prag (348). 20.10 Uhr: Konzert. 21.25 Uhr: Lustspiel. 22.20 Uhr: Uebertragung a. d. Restaurant Rarodni dum in Bi- nohrady. «''S=>o8sc-43c*i=> ®. Sdjidt, Uhrmachermeister, SiNöheiM lt. E. Dr.Setbt-Bertrster — Lager in Telefmiken - Röhren, Anoden-Batterie» — Samt ltchen Ersatzteilen, Barta-Allumulatoren-Ladestation. — Telefon ls Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim vom 23. August 1927. SS,7« 15,50 Anleihen: Ablöfuuasschuld mit Auslosungsschein ohne Auslosungsschein . Bankaktie : ln 0/0 . . . . 180 und Nattonalbanl 232 160,50 lcfi 165,25 S42 169,75 131 146 Bad. Bank Darmftädter Deutsche Banl Deutsche Bereinsbank Dresdner Bank MUteldeutsche Kreditbank Retchsbank Rhein. Kreditbank . Eüdd. Dtsconto Des. Bergwerk»- Aktie» Harpener Bergbau Kali Wefteregein WanneSmannröhrenwerke. Mansfelder Bergb. u.Hüttenw . 132,50 Oberschl. Eisenb. Bedarf . . »7,50 Phönix Bergbau n.Hüttenbetrteb I I? Saizwerk Heilbronn . . 180 Bereinigte Königs- Laurahütte — Aktien indnftr. Nnternebrunnaen: AkO/o Allg. Eleltr. Stammaktien . mb,75 Badenia Wetnbetm . . _ Bad. Elektrizität Mannheim — Bad. Makchtiien Durlach . 146 1 Cementwerk Heidelberg . 144,50 tn °/o ! Daimler Motoren ... m ■ Dtsch. Gold- und Stlberfcheide 214,25 Elektr. Licht und Kraft . . — Emaill. und Stanzwerk Ullrich Z4 Farbentnduftrie . . . zoo Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzncr Maschinen Durlach . 115 Karlsruher Maschinen . . — Knorr Heilbronn ... 177 Mainkraftwerke Höchst . . 127 Neckarsulmer Fahrzenawerk« . — Schultert Elektr, Nürnberg . 204,75 Setltnduftrie Wolfs ... 97 Südd. Zucker .... 141,95 Zellpoft Waldhos Stammaktien 3 »4,50 Aktie» dentschrr Tra«»i»ortanftalte»; tn 0 I Q 202 191 181 öamburg. Amertk. oeidelberaer Straßen- u. Norddeutscher Lloyd tn 0/0 151,50 ergbahn 67,26 151,50 New-Uork 1 Dollar London 1 Pfund Holland 100 Gulden Schweiz 100 Francs Wien 100 Schilling Parts 100 Francs Italien lOO Lire Devisen: Geld 4.1955 20.40 t/, >68.21 80.92 59.13 16.44 t/, 22,88 Brie« 4. ,035 20 441/2 168.55 81.08 69.25 16.481/2 22.92 Geschäftliche Mitteilungen. Den Beweis für ihre wirtschaftliche Zweckmäßigkeit haben Maggi's Erzeugnisse (Würze, Suppen- und Flcischkrühwüftel) erbracht. Seit 40 Jahren sind sie die treuen Helfer der sparsamen Hausfrau und gehören zum eisernen Bestand jeher guten Küche. Der Aufschwung der Maggi-Werke zeigt die stets zunehmende Beliebtheit van Maggi's Produkten in allen Bevölkerungskreisen. Wetterbericht. Karlsrnhe, 23. August. Tie große Maffe beS Tiefdruckgebietes entfaltet sich immer mehr nach Norüosten. Randwirbel, von denen heute einer über der Biskaja liegt, werden unsere Witterung vorerst nicht beeinfluffen. Auf dem Ozean folgt ein umfangreiches Hochdruckgebiet, so daß ein Abschluß der bisherigen zyklonalen Wetterlage bevorsteht und in den nächsten Tagen mit Uebergang zur befferen Witterung gerechnet werden kann. Todes-Anzeige. Freunden, Verwandten und Bekannten teilen wir mit, daß heute früh 7 Uhr unsere liebe Tante Frau Elisabetha Maier geb. Frank im Alter von 91 Jahren 4 Monaten, sanft entschlafen ist. Sinsheim, den 24. August 1927. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag Vormittag 11 Uhr statt. H&iko Übler Mundgeruch Ü)asch-und JBleichJbda dos altbewährte Cioureichmiftel f wirkt abstotz schönst« Ant! durch ei 3°I scho glai mb. Häßlich gefärbte Zähne entstell« da» ltz. Beide Schönheitsfehler werden oft schon ürch einmaliges Putz« mit der herrlich erfrischend« Zahnpaste Chiorodont beseitigt. Di« Zähne erhatt« " on nach kurzem Gebrauch «inen wundervoll« Eifenbeju- glanz, auch an d« Seitenflächen, bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigen» konstruierten ehl«r»- d © n t-Zabibftrite mitaqahntem Borstenschnitt. Faulend« Speisereste tn den Zahnzroischenräumon al» Ursache de» übten Mundgeruchs werden gründlich damit beseitigt. Versuchen Ei« es zunächst mit einer klein« Tube zu 80 Pfg. Chlorodont - ZuhnbOnte für Kinder 70 Pfg., für Damen Mk. 1.26 (weiche Borst«), stbk Herr« Mk. 1.26 (harte Borsten). Rur echt in blau-grün« Originalpackung mit der Aufschrift „Chlorodont“. Überall » haben. Größte Funkieitschrift mit allen Programmen and großem Unterhaltung»- und Bastlerteil Nor 50 PI jede Woche, Bestellung bei jedem Peatamt and in jeder Buchhandlung. ftttoummm fa^tala« wa» SB«riai g*d<« N2 » Ohne Reklame keine Einnahme! Braves, fleißiges Aläd chen das schon in besserem Haushalt in Stellung war, auf 15. September gegen gute Vergütung gesucht. 5rau Julius Beer. 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