Stschefttt tSßttch mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch hie Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.50 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Zn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschlossen. Ferusprech-Änschlutz Nr. 11 Postscheckkonto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lanöbote Iinskeimer H Leitung?sss Eeneral-Änzeiger für Llsenz-unö §ärwarzbaclital HelteTte und verbreitetste Leitung dieser Gegend. hLupt-Hnzeigen-klatt Möcbentlidie Keilagen: Dßodc and Reim » Der Kobold » Deae 'JlluTtrierte • EandxoirtTchaftUdie Beilage Anzeigen «Preise: Anzeigen: Die 33 mm breit« Millimeter-Zelle 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. 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Held begrüßte die Versammlung namens der bayerischen Regierung und zugleich im Namen sämtlicher deutscher Länderregierungen. Es sei ein Irrtum, wenn man behauptet, daß die Tage des Handwerks und Gewerbes gezählt seien, daß beide kaum noch eine Existenzberechtigung hätten. Wenn ein Stand einen derartigen Lebenswillen bekunde, wie das deutsche Handwerk, nachdem es die schweren Schläge des Weltkrieges und der Inflation überwunden habe, so sei damft der beste Beweis für die Existenzberechtigung des deutschen Handwerks und seine absolute Notwendigkeit für das Gesamtwohl des deutschen Vaterlandes gegeben. Der Reichskommissar für das Handwerk und Gewerbe, Ministerialdirektor Dr. Reichardt, begrüßte die Tagung im Namen der Reichsregierung und des Rcichswirtschafts- und Reichssinänzministeriums. Die Grüße de» Reichstages überwachte Vizepräsident Eü>r. ' Ferner übermittelten zahlreiche verwandte Wirtschaftsorganisationen Grüße und Wünsche. ? De Jouvenel gegen Lobe. Ernster Zwischenfall auf der Tagung ber Interparlamentarischen Union Paris, 26. Aug. Die gestrige Nachmittagssitzung oer interparlamentarischen Union führte zu einem ernsten Zwischenfall, der als noch nicht abgeschlossen zu betrachten ist. Reichstagspräsiöent Loebe hatte in der Vormittagssitzung an das französische Volk appelliert, die Rheinlande bis zum 1. Januar 1928 zu räumen. Zu Beginn dör Nachmitags- fitzung antwortete ihm als erster der französische Senator Hubert, der als französischer Delegierter an der September? tagung des Völkerbundes teilnehmen wird. Hubert wies darauf hin, daß Frankreich, das immer versöhnlichen Geist zeige, Deutschland bereits in weitem Umfange entgegenge- komme» sei. Wohl sei die deutsch-französische Verständigung ein Eckpfeiler des Weltfriedens, doch sei es nicht leicht, von einem Tag auf den anderen die Folgen jahrhunderterlanger Kämpfe zu verwischen. Darnach wandte sich de Jouvenel den Ausführungen Loe- bes zu. Der Reichstagsprästhent hätte nur, betonte er, mit einem gewissen Zögern von dem Frieden gesprochen. Das sei die Folge der Tatsache, daß in Locarno zwei verschiedene politische Situationen in, Europa geschaffen worben seien: Ein Westeuropa mit anerkannten Grenzen und ein Osteuropa mit nicht anerkannten Grenzen. Solange die Ostßrenzen nicht wirklich anerkannt seien, könnte Frankreich im Rheinlands bleiben. Ein neuer Unruhefaktor in der europäischen Politik sei auch der gleichzeitig mit Deutschlands Völkerbundseintritt zustandegekommene deutsch-russische Handelsvertrag geworden. Wenn Herr Loebe die Rheinlanüräumung zum 1. Januar 1928 fordere, so müsse ihm geantwortet werden, daß die Besetzung der Rheinlanöe die einzige Garantie für die Aufrcchterhaltung des Friedens in Osteuropa darstelle. Was würde von der deuffch-französischen Freundschaft übrig bleiben, wenn die Franzosen daß Rheinland räumen würden, im Laufe von zwei oder drei Jahren die Daweszahlungen nicht innegehalten werden und die Franzosen ihren neuen deutschen Freund im Kampfe mit ihren früheren Verbündeten erdrücken müßten? (Jouvenel meint augenscheinlich Polen). Seit langem Verfeindete dürften nur langsaui die Freundschaftsbande knüpfen. Frankreich wünsche den Frieden, aber es wolle nicht seinen Frieden von dem Frieden der anderen trennen. Frankreich wünsche ein Europa, einen gemeinsamen Frieden. De Jouvenel schloß mit den Worten, daß auch er für die Räumung des Rheinlandes sei, wenn auch unter der Voraussetzung, daß vorher ein Ostlocarno geschaffen würde. Seine Ausführungen, die von Beifallsstürmen auf den Bänken der Polen unterbrochen wurden, wurden von den deutschen Parlamentariern mit lebhaften »Hört, hört!" und mit den Worten »unerhört" begleitet. Nach de Jouvenel betrat ber deutsche Senator Heller aus der Tschechoslowakei die Tribüne und erklärte, es sei für jeden Deutschen schmerzlich gewesen, die Äußerungen de Jou- venels anzuhören, die sicherlich nicht der gemeinsamen Arbeit in der interparlamentarischen Union nützlich sein werden. Heute wird ein deutsches Delegationsmitglied de Jouvenel, antworten. - Die deutschen Parlamentarier znr Jouvenel-Rede. Paris, 26. Aug. Wie die „T.-U." erfährt, betrachten die deutschen Parlamentarier die Ausführungen de Jouvenels als einen schweren Rückschlag gegen die von Briand verfolgte Verständigungspolitik. Die deutschen Parlamentarier werden in ihrer Antwortnote zum Ausdruck bringen, daß die Stresemann-Vriandsche Verständigungspolitik auf wesentlich anderer Grundlage aufgebaut ist als die Ausführungen de Jouvenels, die man in französischen politischen Kreisen auf die Vermutung zurückführt, daß Poincars gern de Jouvenel als Nachfolger Briands in seinem Kabinett sähe. Eröffnung der pariser Tagung der interparlamentarischen Union Poiucar« und Loebe spreche«. Paris, 26. Aug. Im Palais Luxemburg, in dem sonst der Senat tagt, wurde heute vormittag um 10 Uhr die Tagung der interparlamentarischen Union eröffnet. 37 deutsche Delegierte waren anwesend, unter ihnen der Reichstagspräsident Loebe. Nach einer Eröffnungsansprache des bisherigen Vorsitzenden, Baron Adelswaerd, wurde Senatspräsident Doumer zum Vorsitzenden der Tagung gewählt. Doumer erinnerte in seiner Ansprache kurz an die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der interparlamentarischen Union. Leider sei es der Union nicht gelungen^, der bösen Leidenschaften Herr zu werden. Der Haß, die Eifersucht und die Herrschsucht der Völker hätten 1914 durch den Weltkrieg wie ein schwerer Donnerschlag die Welt überrascht. Für die Welt habe der Krieg eine Rückkehr zur Barbarei der früheren Jahrhunderte bedeutet. Aber gerade die Schrecken des Weltkrieges hätten die Regierungen veranlaßt, die internationalen Beziehungen wieder enger zu knüpfen. Der Völkerbund sei geschaffen worden, dem die wichtige Aufgabe der Annäherung der Völker zugefallen sei. Auch die interparlamentarische Union habe eine ähnliche Aufgabe wie der Völkerbund.. Die Union könne sie aber mit größter Freiheit und geringerer Verantwortungslast erfüllen und Lösungen vorschlagen, die eines Tages zu praktischen Erfolgen führen würde». Poincars, der bei Beginn seiner Rede von der Versammlung lebhaft begrüßt wurde, unterstrich den Friedenswillen Frankreichs unh erklärte die Konferenz der großen Sympathien des französischen Volkes gewiß. Die Versammlung erhob sich hierauf von ihren Sitzen und bereitete Poincars eine begeisterte Ovation. Nur wenige der Delegierten blieben sitzen, unter ihnen die Mehrzahl der Deuffchen. Hierauf wurde eine Pause von einer.Viertelstunde angesagt. Im weiteren Verlauf der Sitzung sprach nach dem Kanadier Daudurand Reichstagspräsident Loebe, der u. a. folgendes ausführte: Die Unruhen, die in der letzten Zeit in der Welt stattfinden, kommen zum Teil von dem schwerfälligen Apparat des Völkerbundes, der die Völker von neuem veranlasse, mehr oder weniger heimliche Verhandlungen aufzunehmen. Mit Befriedigung habe er feststellen können, baß Poincars dem Friedenswillen Frankreichs Ausdruck verliehen habe. Aber es fthle immer noch in der Welt der Uebergang von der Rede zur Tat. Es fehle der große Züg des Entgegenkommens, der zu einer positiven Tat führen könne. Wenn beispielsweise Frankreich, so führte Loebe aus, am 1. Januar alle seine Truppen vom deutschen Boden zurückziehen würde, so würde damit ein wertvolles Werk der Menschenversöhnung vollbracht. Deutschland gehöre dem Völkerbund an und sei gleichberechtigt mit den anderen Nationen in ihn eingetreten. Es habe die Verträge von Locarno, die die gegenseitige Sicherheit versprechen, unterzeichnet. Es habe auf die Befreiung des deutschen Gebietes nach dem Abschluß der Locarnoverträge gehofft. Es sei in dieser Hoffnung getäuscht worden. Andererseils wäre es eine Tat, wenn Deutschland Frankreich erklären würde, baß jede Vermehrung auf regulärem oder irregulärem Wege der deutsche» Armee nicht mehr erfolgen würde und daß man die deutschen Kinder in einem Geist des Friedens erziehen würde. Nach einer solchen Tat riefen die Völker; sie riefen »ach dem Staatsmann, der diese Tat vollbringen könne. Die Rede des Reichstagspräsidenten wurde mehrfach von lebhaften Beifallskundgebungen unterbrochen. Immer noch Tendenz-Urteile im besetzten Gebiet Lauda«, 26. August. Vor dem hiesigen französischen Militärpolizeigericht hatte sich gestern zum zweiten Mal der verantwortliche Schriftleiter der »Pirmasenser Zeitung", Redakteur Max Steigner, diesmal wegen einer »das Ansehen der französischen Besatzungsarmee schädigenden" Veröffentlichung zu verantworten. Dieses Vergehen wurde in einem „Eine Legionär-Tragödie" überschriebenen Artikel des Blattes über die französische Fremdenlegion erblickt, der einen Auszug aus den Schilderungen des Engländers Harry PeelL im „Daily Expreß" darstellt. Als erschwerender Umstand wurde Steigner angerechnet, daß in der gleichen Nummer des Blattes ein Bericht über die Verurteilung des Redakteurs des »Eisenhammer", Förster, durch das französische Militärpolizeigericht Landau wegen eines ähnlichen Artikels veröffentlicht war. Steigner hatte den Bericht einer Zeitungskorrespondenz entnommen, aus ihm aber mehrere Stellen gestrichen, von denen er annehmen konnte, daß sich die französischen Behörde» dadurch getrvsfen fühlen köntt- ten. Vor Gericht erklärte Steigner, er Habe in keiner Weise die Absicht gehabt, die französischen Behörden zu verletzen. Er habe nur vor der Fremdenlegion warnen wollen, um so mehr, als in der letzten Zeit die Werbungen und Verpflichtungen zur Fremdenlegion in erschreckendem Matz zugenommen hätten. Der Staatsanwalt stellte die aus dem Prozeß Förster bekannte These auf, datz ein Angriff auf die französische Fremdenlegion ein Angriff auf die französische Armee und damit , auch auf die Besatzungstruppey enthalte, also eine Uebertretung der Ordonnanz 308, Artikel 19, darstellc, die Angriffe auf die Besatzungsarmee unter Strafe stelle. Er behauptete ferner, daß das Prestige der Besatzungsarmee durch den Artikel direkt verletzt sei und beantragte fünfzehn Tage Gefängnis mit Bewährungsfrist und fünfhundert Mark Geldstrafe. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Führ, stützte sich aus den Wortlaut der Ordonnanz 308, in der ausdrücklich von der Besatzungsarmee und nicht von der Fremdenlegion oder irgend welchen anderen französischen Kolonialtruppen die Rede ist und beantragte unter Hinweis darauf, datz es sich nur um einen Ausschnitt aus einem in einer englischen Zeitung erschienenen Artikel handele, Freisprechung. Das Urteil lautete auf dreihundert Mark Geldstrafe und zwanzig Tage Gefängnis mit Bewährungsfrist. Der Verurteilte hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Zu verantworten hatte sich ferner der Stadtrat Johann Reiuecke aus Ludwigshafen wegen Uebertretung des von der Rheinlandkommission kürzlich erlassenen Verbots des Trommelns und Pfeifens im besetzten Gebiet. Bei dem am 24. Juli veranstalteten Kreissportsest der „Deutschen Ju- gendlraft" führten zwei Vereine aus dem Saargebiet Spiel- lcute mit sich. Ta Reinecke für die Veranstaltung verant- i wörtlich war, beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe Ivon zwanzig Mark. Der Verteidiger, Tr. Führ, verlangte Berücksichtigung der Ordonnanz 129 und wies darauf hin, daß Reiuecke das Verbot ausdrücklich bekanntgegeben habe. Das Urteil lautete auf eine Mark Geldstrafe. Der Reichsrat stimmt dem deutsch-französischen Handelsvertrag zu Berlin 26 Aug. Ter Reichsrat stimmte am Donnerstag nachmittag in seiner öffentlichen Vollsitzung dem deutsch-französischen Handelsvertrag zu. Gegen den Vertrag stimmte nur Hessen. In der von dem Vertreter der hessischen Regierung abgegebenen Erlärung wird der Abschluß eines Handelsvertrages mit Franreich zwar als eine nationale Notwendigeit bezeichnet, weiterhin aber festgestellt, daß die hessische Regierung dem Abkommen nicht zustimmen könne, weil dadurch ein wichtiger Produktionszweig und zwar der Weinbau in seiner Lebensmöglichkeil getroffen werde. Der Reichsrat erklärte sich ferner einverstanden mit einer Regierungserklärung über die vorläufige Anwendung einer Vereinbarung mit Norwegen über Einführung eines Vertragszollsatzes für gewisse norwegische Fischkorfferven in Tomaten. Hierfür gilt bei der Einfuhr nach Deutschland der mit Portugal und Italien für Sardinen vereinbarte Ver- tragszoll von 30 Mark für den Doppelzentner, solange Deutschland, Portugal und Italien oder ein anderes Land diesen Vertragszoü gewährt. Die nächste Vollsitzung des Reichsrates wird erst am 15. September stattfinden. Um den Termin des Zusammentritts des Reichstages Berlin, 26. August. In den letzten Tagen waren verschiedentlich Gerüchte verbreitet, daß der Reichstag möglicherweise nicht, wie geplant, Ende September, sondern erst im Oktober zusammentreten werde. Die mögliche Verschiebung des Termins wurde damit begründet, daß der Reichsrat wahrscheinlich nicht rechtzeitig mit seinen Beratungen über das Reichsschulgesetz fertig werden würde. Wie von Seiten der Reichsregierung hierzu erklärt wird, ist nicht beabsichtigt, den Entwurf des Reichsschulgesetzes dem Reichstag später als vorgesehen zuzuleiten. Von preußischer Seite wird betont, daß von einer Schuld Preußens bei einer etwaigen Verschiebung der Reichstagsberatungen über das Reichsschulgesetz nicht gesprochen werden könne, da sich Preußen für die Beratung des dem Reichsrat erst am 8. August zugeleiteten Entwurfes einen Termin bis zum 20. September ausbebungen habe. Aus parlamentarkschen Kreisen verlautet andererseits, daß schon wegen der Frage der Beamtenbcsoldung, die bis zum ersten Oktober erledigt sein muß, eine Verschiebung des Termins für den Zusammentritt des Reichstages kaum in Frage kommen dürfte. Arbeitszeitfchiedsspruch für die Reichsbehörden Berlin. 25. Aug. Im Reichsarbeitsministerium wurde gestern über die Regelung der Arbeitszeit bei den Reichsbehörden verhandelt. .Den Unterhändlern der Angestelltenverbände gelang es nicht, mit den Vertretern der Reichsregierung eine Einigung zu erzielen, io daß ein Schiedsspruch gefällt werden mußte, der über das bisherige Angebot der Regierung hinausgeht. Ten Angestellten soll bei einer Arbeitszeit. die über die Arbeitszeit der Beamten hinansgeht. im allgemeinen ein besonderer Zuschlag von etwa 12—25 Prozent bewilligt werden. Ten Parteien wurde anheimgegeben, sich bis zum 1. Sept. 1927 über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu entscheiden. Verschärfung des Berliner Flaggenstreites Berlin, 26. Aug. Der Flaggenstreit zwischen dem Berliner Magistrat und den Hotels scheint schärfere Formen annehmeu zu wolle«. Die städtischen Gesellschaften haben sich dem Hotelboykott des Oberbürgermeisters angeschkoffen. Das für die Eröffnung der großen deutschen Funkausstel- lung im Hotel „Esplanade" vorgesehene offizielle Frühstück will Oberbürgermeister Tr. Büß in seinen Privaträumen gebe». Tie Einladungen dazu sind bereits herausgegangen. Morgen treten Vorstand und Beirat des Vereins der Ber- N?. 159. Jahrgang 1927. liner Hotelbesitzer zu einer Besprechung des Flaggenstreites zusammen. Der Reichstagsabgeordnete Nolte wird in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Reichs-Organisation der Hotelbetricbe an dieser teilnehmen. Seitens der Berliner Hotelbetriebe wird der Antrag gestellt werden, die von Berlin ausgehende Bewegung für das Nichtbeslaggen der Hotels auf das ganze Reich und die deutschen Auslandshotels auszudehnen. Ferner wollen die Berliner Hotels nicht mehr die Zeitungen auslegen, die zum Boykott der Gaststätten aufgefordert haben. Noch andere Beschlüsse sollen auf der morgigen Besprechung gefaßt werden. Mehrere Berliner Grobrestaurants sollen sich inzwischen den Hotels angeschlossen haben, die immer wieder erklären, daß ihr Beschluß, im Zeichen des Flaggenstreites keine Fahne des Reiches zu hiffen, unwiderruflich sei. Auch Preußen gegen die Berliner Hotels. Berlin, 26. Aug. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, wird noch im Laufe des Freitags ein Beschluß der preußischen Regierung zum Flaggenstreit zwischen Magistrat und Hotels veröffentlicht werden. In Zukunft sollen auch von den preußischen Behörden diejenigen Hotels, die am Verfassungstage nicht in den verfassungsmäßigen Farben flaggen, gemieden werden. Die Ernte in Pommern stark gefährdet Stettin, 25. Aug. Nach Mitteilung des Vorstandes des Pommerschen Landbundes ist die Ernte in Pommern infolge der anhaltenden Regengüffe der letzten Tage stark gefährdet. Das zum großen Teil gemäht auf den Felder» stehende Getreide kann nicht eingefahren werden und fängt bereits an, auszuwachsen. Diese Umstände haben den Pommerschen Landbund veranlaßt, die Reichsregierung und die preußische Regierung zu bitten, gesamt Pommern zum Notstandsgebiet zu erklären: ein entsprechender Urantrag , ist bereits im Preußischen Landtag eingebracht worden. An den Reichsbankpräsidenten ist herangetreten worden, besondere Mittel zur Erntefinanzierung znr Verfügung zu stellen und weit- gehnde Wechselprolongationen zu veranlaffen, während die Finanzminister des Reiches und von Preußen um sofortige Gewährung von Steuerstundungen und in besonders dringenden Fällen um Steuernachlaß gebeten worden sind. Ter Reichswehrminister ist gebeten worden, die Truppenteile anzuweisen, zur Rettung der Ernte Mannschaften und Pferde schleunigst zur Verfügung zu stellen. Mißglückter Startversuch Courtneys London, 25. Aug. Der englische Flieger Courtney wurde gestern erneut gezwungen, die Abfahrt seines Fluges nach Amerika zu verschieben. Er versuchte mit 3 Personen abzufliegen. Es gelang ihm jedoch nicht, trotz viermaligen Versuchs, mit dem Flugzeuge vom Wasser hochzukommen. Einer der Begleiter soll jetzt zurückgelaffen werden. Ebenso soll auch die Mitzuführende Benzinmenge verringert werden. Die Prinzessin Loewenstein-Wertheim hat die Absicht, heute Donnerstag als erster Passagier von England nach Kanada zu fliegen. Das Flugzeug wird von dem englischen Flieger Leslie Hamilton geführt. Noch immer schlechtes Wetter über dem Atlantik. Berlin, 26. Aug. Nach den letzten Berichten der Hamburger Seewarte, der Kölner Wetterwarte und des Berliner Wetterdienstes ist die Wetterlage auf dem atlantischen Ozean wieder ungünstig. Aus südwestlicher Richtung kommt aus der Höhe von Neuschottland ein Sturmwirbel in Windstärke 9—10 angebraust. Das Tief bei Grönland herrscht immer noch in unverminderter Stärke. Neuerdings werden wieder Stürme aus Süüwest und West vom atlantischen Ozean gemeldet. Unter diesen Umständen ist mit einem Start Könneckes in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Könnecke weilt bei seinem Flugzeug auf dem Flugplatz Buschweiler—Hof. England und die Truppenverminderung Die „Times" gegen die Anfrollnng der Sicherheitsfrage. London, 26. Aug. Die „Times" wiesen gestern in einem Leitartikel auf die für die Verminderung der Rheinland- truppen maßgebende Rechtslage hin. Das Blatt geht dabei von der Feststellung aus, daß die englisch-französischen Verhandlungen in dieser Frage befriedigend verlaufen. Dem französischen Standpunkt stellt die „Times" den englischen entgegen, der unter Berufung auf Artikel 428 des Versailler Vertrages an einer interalliierten Besetzung festhält, weil diese und nicht eine französische Besetzung als „eine Garantie für die Durchführung des gegenwärtigen Vertrages durch Deutschland" zu gelten habe. Frankreich habe durch die Aufrollung der Sicherheitsfrage einen neuen Gesichtspunkt zur Debatct gestellt, der weit vom Locarnopakt entfernt sei. Die Unterhaltung von Truppen für defensive Zwecke auf deut- Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Wem Gebiet würde außerdem das im Versailler Vertrag festgelegte System der Entmilitarisierung verletzen. Gerade darauf seien aber so große Hoffnungen gesetzt worden. Die Rheinlandokkupativn sei als eine zeitlich begrenzte Maßnahme mit bestimmten Aufgaben gedacht gewesen. Werde dieser oberste Gesichtspunkt verwischt, so trete Verwirrung ein. Belgiens Stellung z« der Frage der Besatznngsverminde- rnng. Berlin, 26. August. Nach einer Meldung der „Deutschen Tageszeitung" aus Brüffel wird offiziell mitgeteilt, daß Belgien sich nicht an den Verhandlungen zwischen London und Paris bezüglich der Herabsetzung der Rheinlandbesatzung beteiligen wird. Wohl wird es auf diplomatischem Wege vom Verlauf der Verhandlungen unterrichtet. Belgien sei bereit, seine Truppen im Rheinland im gleichen Verhältnis wie Frankreich und England herabzusetzen. Genfer Konferenz der kleinen Entente Prag, 26. Aug. Die Außenminister der Staaten der Kleinen Entente werden, wie in Prag verlautet, vor der Völkerbundstagung in Genf zu einem Meinungsaustausch über die Rothermere-Aktion züsammentreten. Ferner soll die durch den Tod des rumänischen Königs geschaffene Lage auf dem Balkan und die südslavisch-bulgarische Annäherung besprochen werden. Englisch-japanisches Geheimabkommen. Englisches Dementi. Washington, 25. Aug. „Washington Post" berichtet, daß von vertrauenswürdiger Seite beim Staatsdepartement Berichte eingetroffen feien, in denen erklärt wird, daß Großbritannien «nd Japan zu einem gegenseitigen befriedigenden Abkommen über die künftig« Seeherrschast gelangt seien. Der Hauptpunkt der geheimen Verständigung sei nicht bekannt geworden. Die Zeitung erklärt, daß es zweifelhaft ist, ob er den amerikanischen Behörden jemals bekannt geworden ist. Das Geheimabkommen wird hinter geschloffenen Türen erörtert und es werden seine möglichen Folgen erwogen. Dem Blatt zufolge sollen sich die britisch-japanischen Verhandlungen, die auf eine Wiederbelebung des englisch-japanischen Bündnisses von 1911, das während der Washingtoner Marinekonferenz im Fahre 1923 aufgehoben wurde, hinzielen, in einem vorgerückten Stadium befinden. London, 25. Aug. Bon maßgebender britischer Seite wird erklärt, daß die Meldung, wonach Großbritannien und Japan ein Geheimabkommen über die Beschränkung der Flottenrüstungen, abgeschlossen haben, nicht der Wahrheit entspricht. Von hoher ministerieller Seite wurde heute nachmittag erklärt: „Der Bericht ist vollkommen unrichtig. Es besteht kein derartiges Abkommen und überhaupt keinerlei Geheimabmachung irgendwelcher Art zwischen England und Fapan über Flottenrüstungen." Abschluß des Minderheitskongreffes. Genf, 25. Aug. Der dritte europäische Nationalitätenkongreß beendete heute abend feine Beratungen mit der Annahme einer Anzahl Entschließungen betreffend die Staatensouveränität und die Minderheitsrechte, die inner- und zwischenstaatliche Zusammenarbeit der Nationalitäten, die Gefährdung des europäischen Friedens durch die nationale Unduldsamkeit, sowie betreffend die Nationalitätenkunde. Zn einer besonderen Entschließung wird an den Völkerbund appelliert, unverzüglich an die ernsthafte Behandlung des Minderheitenproblems heranzutreten. Zu der Erklärung, die der Führer der polnischen Minderheit in Deutschland, Kaczmarek in der Nachmittagssitzung abgegeben hat, wird noch folgendes gemeldet: Der Abgeordnete protestierte dagegen, daß der Kongreß auch in diesem Jahr die Friesen in Deutschland nicht zugelassen habe. Ferner behauptet er, daß auf dem Kongreß einseitige machtpolitische Tendenzen zur Geltung gelangt seien. Der Vertreter der dänischen Minderheit in Deutschland schloß sich dieser Erklärung an, worauf diese Gruppen zusammen mit den Vertretern der slawischen Minderheiten anderer Länder den Saal verließen. Der Präsident des Kongresses bedauerte das Vorgehen dieser Gruppen und erklärte, daß der Minderheitenkongreß für einseitige machtpolitische Bestrebungen keinesfalls mißbraucht werden solle. Er hoffe, daß es gelingen werde, später die aufgetauchten Zweifel zu überwinden. Hierauf gaben sämtliche am Nationalitätenkongreß beteiligten Gruppen dem Präsidenten des Kongresses, Dr. Wilfan, für seine loyale Haltung ein volles Vertrauensvotum. Für die deutsche Kongreßgruppe sprach in diesem Sinne Dr. Schiemann, für die Minderheiten Estlands der Abg. Hasselblatt, der Kaczma- reks Austrittserklärung als Angriff gegen die Kulturautonomie deutete. Mit einer Ansprache Dr. Wilfans, in der zum Ausdruck kam, daß der Nationalitätenkongretz auch weiter feine Arbeiten fortsetzen werde, ohne die Hoffnung aufzugeben, daß die ausgetretene Gruppe dem Kongreß wieder beitreten werde, wurde .der Kongreß geschlossen. Freitag, den 26. August 1927. , Einigung in der Kuomintang. Peking, 25. Aug. Auf der Einigungskonferenz der Kuomintang in Kiukiang wurde die Bereinigung der beiden südchinefischen Regierungen in eine einzige mit dem Sitz in Nanking beschlossen. Ferner wurde beschloflen, sich vom Fengyuhsiang loszulösen, gegen deffen Honanfront die nächsten Angriffe der nordchinesischen Truppen erwartet werden. Faszistische Maßregelungen. Rom, 24. Aug. Man begeht im Ausland häufig Zrrtümer in der Beurteilung der faszistischen Presse. Man kennt die Existenz der faszistischen Preßzensur und glaubt, daß alles, was in den Zeitungen erscheint, Reinkultur Mussolinischer Ansichten sei. Man muß aber bedenken, daß die Zensur fast ausschließlich negativ ist, das heißt, sie schreibt den Zeitungen vor, welche Themen sie nicht behandeln und welche Nachrichten sie nicht bringen dürfen. Wie sie sich in Form und Inhalt mit erlaubtem Stoff abfinden, darum kümmert sich niemand. So hat man namentlich in Deutschland oft der imperialistisch-herausfordernden Sprache des römischen Faszistenblattes „Impero" eine Bedeutung beigelegt, die es nie gehabt hat. Und das tritt soeben an den Tag an der Hand! einer Maßregelung. Ende März waren sich die römischen Faszisten- blätter „Impero" und „Teuere" aus persönlicher Gehässigkeit der Leiter in sehr unschöner Weise in die Haare geraten. Der Generalsekretär Turati war schließlich genötigt, beiden Blättern jede weitere Polemik zu untersagen und eine parteiamtliche Untersuchung anzuordnen. Das Ergebnis, das jetzt veröffentlicht wird, zeigt in seiner Schärfe, mit was für einer schmutzigen Wäsche man es hier in Kreisen zu tun hatte, die als die reinsten erscheinen müßten. Der Chefredakteur des „Impero" ist aus der faf- zistischen Partei ausgestoßen und dem „Impero" jeder parteipolitische Charakter abgesprochen worden. Damit entfällt also die Notwendigkeit, im Ausland seinen Aeußerungen irgendwelche Beachtung zu schenken. Das gilt besonders von dem Kampf gegen die angebliche Durchdringung Oderitaliens und "der südlichen Schweiz mit alldeutscher Propaganda. Auch in der Frage der Kolonialmandate war der „Impero" stets besonders gehässig. Sein Gegner, der „Tevere" ist mit einer Verwarnung der beiden Hauptredakteure weggekommen. Auch sie werden wohl in Zukunft zurückhaltender sein. Die Strenge des Urteils ohne Rücksicht auf die bisherige Stellung der betroffenen Journalisten stellt dem Generalsekretär Turati das beste Zeugnis aus. Faschistische Räuber in Prag. Prag, 25. Aug. Gestern am frühen Morgen drangen sechs bewaffnete Männer in die Sommerwohnung des Ministerialrats Dr. Dorel vom Landesverteidigungsministerium in Sazau ein und forderten von ihm und seiner Frau mit vorgehaltenen Revolvern die Herausgabe von Aktenstücken, welche die gegen den Faschistenführer General Gajda geführte Untersuchung belegten und die der Referent in dieser Untersuchung, Dr. Borel, zum Studium in die Sommerfrische mitgenommen hatte. Die Räuber bemächtigten sich in der Tat eines Teils der Akten, nachdem sie den Schreibtisch erbrochen hatten. Die Prager Staatspolizei nahm daraufhin eine überraschende Haussuchung in de» Sekretariatsräumen der faschistischen Partei und des faschistischen Iugendverban- des, sowie in der Redaktion des Faschistenblattes Riszka Straz vor, bei der alle Protokolle und die Weisungen Gajdas und des Faschisten-Direktoriums, das gesamte Abrechnungsmaterial der Partei und die Zeitungsmanuskripte beschlagnahmt wurden. Bei 14 faschistischen Führern wurden ebenfalls Haussuchungen und mehrere Verhaftungen oorgenommen, die jedoch nicht aufrecht erhalten wurden. Die beiden Faschisten-Generäle Gajda und Eibisch wurden unter Polizeiaufsicht gestellt. Allgemein glaubt man, daß die tschechischen Faschisten mit diesem Wildweststückchen ihr eigenes Grab gegraben haben und daß die faschistischen Organisationen in der nächsten Zeit aufgelöst werden dürften. Diese Forderung wird in mehreren Blättern mit allem Nachdruck erhoben. Eisenbahnunglück in England London, 26. Aug. Ein Personenzug der Südbahn ist bei Sevenoaks entgleist. Sämtliche Personenwagen bis auf 3 stürzten um. Elf Fahrgäste wurden getötet, 20 schwer und 30 leicht verletzt. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht festgestellt. London, 25. Aug. Während der ganzen Nacht waren Bergungskommandos damit beschäftigt, die Eisenbahnlinie der Southern Railway, auf der sich das schwere Unglück gestern ereignet hat. freizumachen. Die Zahl der Toten hat sich auf 14 erhöht. Am späten Abend waren die Aufräumungsarbeiten bei Fackellicht noch in vollem Gange, Bis zur Stunde konnten erst die Namen von drei Getöteten festgestellt werden. Ein Reisender des Uuglückszuges teilt mit, daß die Wagen eine Strecke von etwa 15 Metern schwankte», bevor sie umschlugen. Mehrere Wagen sind völlig zertrümmert worden. Dagegen blieben zwei Pullmann-Wagen fast unbeschädigt. Von den Schwerverletzten befindet sich eine große Anzahl in Lebensgefahr, so daß zu befürchten ist, daß sich die Zahl der Toten noch erhöben wird. Ein Frühlingstraum. 8) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. ' "Sag es »och einmal", bat er und dann küßte er ihr dak Wort viele Male von den Lippen, die so weich und lind wie ein Blumenblatt waren. „Wie bin ich glücklich, daß ich dich endlich habe, du", flüsterte er dazwischen, „ich Hab' dich sc unbeschreiblich lieb — und das sofort beim ersten Sehen! Damals in der Kirche, weißt du noch?" „Und ob ich das weiß. Ich kenne Sie — dich ja noch viel länger! In den letzten acht Tagen sind wir «ns doch immer begegnet —", ein reizendes Lächeln flog bei diesen Worten um ihren Mund. „Du Schelm", und wieder küßte er sie, nun mußt du mir aber von dir erzählen, Mary! — Wie lange bist du eigentlich hier?" „Seit ersten März. — Ach, ich kann nicht viel erzählen! Mein Leben hier ist ziemlich eintönig,- im Geschäft habe ich soviel zu tun, daß ich mir nur Sonntags einen Spaziergang erlauben kann. Ab und zu gehe ich ins Theater: bas ist mein liebstes Vergnügen. Oft kann ich es mir allerdings nicht leisten!" „Das soll jetzt anders werden, mein Herz: dafür lasse mich sorgen." „Nein", entgegnete sie da, „nein, auf keinen Fall!" „Und warum nicht, mein Lieb?" »Nein, das kann ich nicht annehmenl Ich will e8 nicht so machen, wie die anderen Mädchen im Geschäft, nein, ich kann es nicht! Herr von Wolfsburg, verlangen Sie —* „Mädchen, hast du vergessen, daß ich dein Wolf bin?" „Gönnen Sie mir Zeit, mich daran zu gewöhnen! Vielleicht wäre es besser, ich versuchte es gar nicht! Denn, denn — was ich vorhin schon sagen wollte, es ist doch so unrecht von mir, daß ich gekommen bin!" „Mädchen!" i »Ja, es ist unrecht", wiederholte Ne. .ich babe immer geschwankt, ob ich ihren Brief beantworten sollte, ob ich Ihrem Rufe folgen sollte!" „Mary, was ficht dich an!" rief er aus. „Nun bin ich doch zum Rendezvouz gekommen, weil ich mußte", fuhr sie leise fort, „aber ich fühle, daß dieser Schritt mich recht viel kostet — meine Selbstachtung!" „Aber Kind —" „Beantworten Sie mir eine Frage", unterbrach sie ihn lebhaft, hätten Sie eine Dame der Gesellschaft um ein Stell- btchein gebeten?" „Da hätte ich es nicht nötig gehabt, Kind, weil ich da genug Gelegenheit durch Bälle, Abendessen usw. hätte, mich der Angebeteten zu nähern! Aber wie das bei dir, du Süße! Dir auflauern, dich auf der Straße ansprechen, um den Leuten Gelegenheit zum Reden zu geben — nein! Also blieb mir tatsächlich nichts anderes übrig, als dich um ein Stelldichein zu bitten — ich mußte dich ja endlich sprechen — so kounte es nicht weitergehen,- die Sehnsucht nach dir rieb mich ja sonst auf." „So konnte es nicht wettergehen", wiederholte sie leise, wie für sich. „Nicht wahr, nun stehst du doch ein, daß ich nicht anders bandeln konnte! Du hast also keine Ursache, dich zu schämen", fuhr er fort, einmal mußte ich dir sagen, wie lieb ich dich habe, daß du mein Gedanke bei Tag und Nacht bist." Und zärtlich strich er über ihr blondes Haar. Da schmiegte sie sich fest an ihn und schlang die Arme um seinen Hals. „O Wolf, wie liebe ich dich doch", flüsterte ste, „ich vertraue dir auch, du bist nicht wie die anderen, ich fühle eö — du treibst keinen Scherz mit mir." „Nein, bei Gott nicht, Mädchen", sagte er Lrnst, „zu einer flüchtigen Liebestänbelei bist du zu schade. Ich liebe dich mit jener heiligen Liebe, die man nur seinem Weibe gibt! Hier im Angesichte Gottes schwöre ich dir. daß ich dich zu »einem Weibe machen will!" „Wolf", rief sie da aus: es klang aber mehr erschreckt wie !rfreut, „du weißt ja nicht, was du sagst — du der Offizier, ch eine Ladnerin — das ist ja unmöglich!" „Unmöglich nicht, aber sehr schwierig — das verhehle ich mir keinesfalls!" „Und dann, deine Familie — deine Karriere —" Wenn ich auch alles aufgeben muß, ich tue es, dich zu besitzen, Mädchen!" „O Wolf, der Gedanke ist ja viel zu schön, als daß ich daran glauben könnte!" „Glaube nur, mein Süßes, Hab' mich lieb und sei mir treu, hörst du?" Es klang verhaltene Angst aus seiner Stimme, als er dies letztere sagte. Alle Ueberlegung hatte er verloren, seit er bas holde Mädchen in seinen Armen hielt — er fragte weder nach ihrer Familie, noch nach ihrer Herkunft — ihm genügte, baß ste da war, daß er sich an ihrer Schönheit berauschen konnte. Und schön war Mary wie ein Traum. Sie saß auf seinem Knie, von seinem Arm fest umschlungen, den Kopf an seine Brust gelehnt, um de» Mund ein glückliches Lächeln. Das Mondlicht fiel voll auf sie und umwob sie wie mit einer Glorie. Ihre Dunkelblauen Augen, die von langen, dunklen Wimpern «msäumt waren, strahlten in einem seltenen Glanze aus dem weißen Gesichtchen. Wie Wolf sie verzückt betrachtete, fiel ihm ihre Durchsichtigkeit auf, und eine plötzliche Angst erfüllte ihn. — „Du bist so bleich, mein Lieb! Du bist doch nicht krank?" „Set ohne Sorge, mein Geliebter," lächelte sie ihn an, „ich bin ganz gesund! Nur fehlt mir frische Luft, den ganzen Tag in der Arbettsstube oder im Laden sein, das macht blaß!" „Das muß anders werden — Du mußt dort fvrtf" Sie richtete sich aus seinen Armen auf. „Und wovon soll ich leben? Das geht nicht,- die anderen müssen ebenfalls arbeiten. Jetzig zur Saison ist sehr viel zu tun: nachher wirb's auch besser!" „Sofie mich für Dich sorgen, mein Lieb", bat er. „Wolf, sage so envas nicht wieder, das kränkt mich — ich kann doch nichts von Dir geschenkt nehmen!" „Haft Du nicht Eltern oder Verwandte, zu denen Du zehen kannst?" tFortietznug folgt.) Nr. 159. Jahrgang 1927. Die Nachwehen der Hinrichtung in Amerika Blutige Zusammeustöße i« Hamburg. — Ei« Polizeibeamter getötet. Hamburg, 28. Aug. Im Anschluß an die gestern nachmittag von der Kommunistischen Partei veranstaltete Demonstration für Sacco und Vanzetti setzten bei Eintritt der Dunkelheit in der Wexstraße und Umgebung Angriffe auf Polizeipatrouillen ein. Die Beamten wurde» mit Steinen und Flaschen beworfen. Auf dem Zeughausmarkt wurden Straßenbahnwagen angehalten. Es wurde versucht, durch einen umgeworfenen Wagen die Straßenbahn am Weiterfahren zu hindern. Als ein nicht im Dienst befindlicher Polizeiunterwachtmeister in einem Straßenbahnwagen von den Demonstranten bemerkt wurde, stürzten sie sich auf ihn, holten ihn aus dem Wagen und mißhandelten ihn in unmenschlicher Weise. Es gelang dem unglücklichen Beamten, sich loszureitzen und bis zu den Anlagen am Holstenwall zu entkommen. Dort brach er infolge der erlittenen Kopfverletzungen zusammen. Auf den völlig erschöpften Mann stürzte sich nunmehr eine Rotte von fünfzig bis sechzig Mann mit dem Ruf: „Schlagt ihn tot!" Einer der Angreifer stieß ihm ein Messer in die Brust und verletzte ihn tödlich. Der Mörder entkam unter dem Schutz der Nacht. Die Polizeibeamten waren bei dieser Sachlage gezwungen, von ihren Pistolen Gebrauch zu machen, zumal aus einem Haus in der Wexstraße auf sie geschossen wurde. Verletzt wurden bei diesen Kämpfen ein Polizeibeamter, der durch Steinwürfe Kopfverletzungen erhielt, ferner ein 21jähriger Demonstrant, der einen Knieschuß davontrug. Weitere Verletzte sind bisher nicht festgestellt worden. Mehrere völlig unbeteiligte Privatpersonen wurden von den Demonstranten gleichfalls schwer mißhandelt. Es gelang der Polizei, bis 2 Uhr morgens die Ruhe überall wiederherzustellen, nachdem zahlreiche Festnahmen erfolgt waren. Hamburg, 26. Juli. Im Anschluß an die vorgestrige Demonstration für Sacco und Vanzetti wurde, wie berichtet, ein nicht im Dienst befindlicher Polizeiunterwachtmeister durch einen Messerstich in die Brust ermordet. Für die Ermittlung und die Ergreifung des Täters oder den Nachweis von Tatsachen, die die Ergreifung zur Folge haben, ist von der Polizeibehörde eine Belohnung von zweitausend Reichsmark ausgesetzt worden. Hamburg, 26. August. Der bei den gestrigen Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Polizei durch Knieschuß verwundete Demonstrant ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Nach Mitteilung des Organs der Hamburger KPD., der „Hamburger Volkszeitung", gab es bei den gestrigen Zusammenstößen auf Seiten der Demonstranten einen Toten, einen Schwerverletzten und etwa zwanzig bis dreißig Leichtverwundete. Die von der Kommunistischen Partei einberufene „Pro- testkundgebung wegen Arbeitermord" ist vom Senat auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung verboten worden. Ein Erdbebe« in Japan. Berlin, 26. August. Einer Meldung der Abendblätter zufolge wurden heute vormittag durch ein Erdbeben in der. Nähe von Tainan 10 Personen getötet und über Ivv verletzt. Es sollen 300 Häuser zerstört sein., Schweres FlöttenMWck in Iüpan 129 Tote. Tokio, 26. Aug. Bei den letzten Flottenmanövern ist auf der Höhe von Maizuru der Kreuzer „Jindzu" mit dem Torpedobootszerstörer „Warabi" zusammengestoßen. Der Zerstörer sank innerhalb 15 Minuten,wobei neunzig Matrosen und zwölf Offiziere ertranken. Von der Besatzung konnten nur 22 Personen gerettet werden. Gleichzeitig stieß der Kreuzer „Naka" mit dem Torpedobootzerstörer Ashi zusammen, wobei 27 Menschen ums Le- kamen. Die Schiffe „Jindzu" und „Ashi" sind stark beschädigt worden. Die Erklärung des Marinemiuisteriums. Berli«, 26. Aug. Nach Meldungen der Abendblätter aus Tokio veröffentlicht das japanische Marineministerium zu dem Unglück bei den Flottenmanövern folgende Erklärung: Das Geschwader hatte seine eigentlichen Mayöver beendet und nahm auf der Rückfahrt zu seinem Stützpunkt Uebun- gen in der Abwehr eines nächtlichen Torpedobootsangriffes vor. Der Mond war von Wolken verhüllt und die Schiffe fuhren mit abgeblendeten Lichtern voraus, als die Torpedoflottille angriff. Offenbar wollten die Torpedoboote „Warabi" und „Ashi" dicht vor den Kreuzern vorbeikommen, die Kreuzer aber konnten dann ihren Kurs nicht mehr rechtzeitig genug ändern, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Baden Werbetag der badischen Jugendherbergen im Oktober Karlsruhe, 26. Aug. Die Geschäftsstell?« der badischen Jugendherbergen schreibt uns: Im ganzen badischen Lande sollen im Monat Oktober Werbetage für den Gedanken der Jugendherbergen und des Jugenöwanderns abgehalten werden. Gleich wie der am 1. und 2. Oktober in Heidelberg stattfindenbe Reichs-Jugendherbergetag sollen diese Werbetage zu einem lauten Aufruf für das Wandern der Jugend und die Erstellung von Wanderheimen werden. Eine Hausund Stratzensammlung soll zugleich einige Mittel für die neue Große Jugendherberge in Singen am Hohentwiel bringen. In jedem Ort wird der Tag für die Werbung und Sammlung nach besonderer Vereinbarung mit den örtlichen Vereinen. Bünden und Helfern bestimmt. Der Anfang zum Ausbau des badischen Jugendherbergennetzes ist mit den Heimen Reisenbach, Sohlenberghaus, Ueberlingett und dem in diesem Jahre erstehenden Singener Heim gemacht. Wichtige Wandergebiete, wie Wertheim. Neustadt, Meersburg, Mosbach u. a. warten seit Jahren auf gänzliche . Erneuerung der unhaltbar gewordenen Jugendherbergeu- ^Berhältnisse. ^ Wir bitten alle Freunde des Wanöerns, Vereine und Mnöische Jugend, bei den Werbetagen kräftig mitzuhelfen. -Die Leiter der Jugendherberge-Ortsgruppen in den einzelnen Städten und Gemeinden warten auf eure Hilfe. fchrift der Ortsgruppen ist an Ort und Stelle oder durch tue Lanöesgeschäftsstelle in Karlsruhe, Sophienstratze 41, Fernruf 3534, zu erfahren. Postscheckkonto ist 31166 Karlsruhe. Die badischen Deutschnationalen und das Reichsschulgesetz Karlsruhe. 26. Aug. Landtagsabgeordneter v. Mayer- Karlsruhe, der Führer der Deutschnaticnglen in Baden, ver- Der Landbvte * Sinsheimer Zeitung. öffentlicht in der Stuttgarter „Süddeutschen Zeitung" einen Artikel „Baden und das Reichsschulgesetz". — Darin kommt er zu einer Schlußfolgerung, wie sie bereits in seiner Haltung im Badischen Landtag zum Ausdruck gekommen ist. Er schreibt: „Wir in Baden wollen jedenfalls kein Reichsschulgesetz und brauchen keines, wir wollen den Schulfrieben behalten in der Schule und in der Bevölkerung. Wir müssen darum die Erwartung aussprechen, daß durch ein besonderes Ausnahmegesetz ausgesprochen wird, daß die Verkündigung des Reichsschulgesetzes für Baden nicht nur aufgeschoben wird, sondern unterbleibt, oder, was natürlich den Vorzug verdiente und das beste wäre, daß der vorliegende Entwurf eines Reichsschulgesetzes im Sinne der badischen Schulgesetzgebung bearbeitet wird. Die Reichsverfaffung selber muß jede vernünftige Auslegung ertragen und dürfte in keinem Falle ein Hindernis für vernünftigte Maßnahmen sein." Aus Nah und Fern. w Sinsheim, 25. Aug. (Obstausstellung.) Auf Wunsch der letzten Versammlung des Bezirksobstbauvereins werden sich an der schon mitgeteilten Obstausstellung vom 8.—10. Okt. auch der Gartenbauverein und Bienenzuchtverein mit ihrm Erzeugnissen beteiligen. Was den Obstbauverein angeht, können nur Mitglieder desselben ausstellen. Jedoch ist jedem Obstbaumbesitzer bis zum 1. Okt. Gelegenheit geboten, als Mitglied in den Be- zirksobstbauverein einzutreten und damit das Recht zu erwerben, ebenfalls Obst ausstellen zu dürfen. Es ist nun besonders Aufgabe eines jeden Vertrauensmannes, die Bereinsmitglieder und und die dem Verein noch fernstehenden Obstbaumbesitzer für die stattfindende Obstausstellung recht bald zu interessieren. — Der Obstbauverein Eppingen macht am nächsten Sonntag einen Ausflug nach Ladenburg, zur Besichtigung der dortigen Musterobstanlagen. Die Mitglieder des Bezirksobstbauvereins Sinsheim sind ebenfalls dazu freundlich eingeladen; Abfahrt in Sinsheim Sonntag Vormittag 7.22 Uhr. G> Neckarbischofsheim, 26. August. (Milchfälscherprozeß.) Vor dem hiesigen Amtsgericht hatte sich vorgestern der Vorstand der Milchzentralgenossenschast m. b. H. in Helmstadt, der Gutsbesitzer Georg Kling als technischer Leiter, und der Rechner dieser Genossenschaft, der Kaufmann und Lagerhausverwalter Karl Brenner wegen systematischer Milchsälschungen zu verantworten. Kling hatte vom März 1926 bis April 1927 als technischer Leiter der Molkerei seiner Genossenschaft regelmäßig die angeliefertc, Voll-Milch von über 4000 Litern abgerahmt, sa daß dem Quantum jeweils 0,2 bis 0,4 Prozent Fett entzogen wurde. Brenner ner war miiangeklagi, weil er um diesen Abrahmungsprozeß wußte, selbst Abrahmungen vornahm und die gepanschte Milch in den Handel brachte, indem er sie an die Milchversorgung G. m. b. Hj. Heidelberg und an Milchhändler verkaufte. Das Urteil lautete unter Ueberschreitung des Antrages des Staatsanwaltes, der 1500 Mark Geldstrafe für genügend hielt, auf je zwei Monate Gefängnis. — Aglasterhaufen, 26. Aug. (Segensreiche Einrichtung.) Hier wurde die vor dem Kriege allgemein benutzte und infolge der Inflation eingegangene Pfennigsparkasse wieder eröffnet. Gewerbelehrer P. hat die Leitung der Kasse übernommen, die jedem Gelegenheit gibt, den kleinsten Betrag zu zeichnen und zu verzinsen. Jedes neugeborene Kind erhält von der Kasse drei Reichsmark als Grundstock. Der Eifer der Schulkinder ist groß. & Aglasterhaufen, 25. Aug. (Unglücksfall bei der Dreschmaschine.) Der 73 jährige Landwirt Sigmund von hier wurde beim Einfahren der Dreschmaschine an die Wand gedrückt, wobei er schwere Verletzungen an der rechten Schulter erlitt. Das Schlüsselbein und eine Rippe wurden ihm gebrochen.' — Richen, 26. Aug. (Erfolgreich.) Bei dem Gauvolksturnen in Ruit, hatte eine Anzahl Turnoereinsmitglieder teilgenommen. Folgende Erfolge wurden erzielt: Fünfkampf Unterstufe: Richard Gebhardt mft 86 Punkten 3., Albert Frank mit 84 P. 4., Heinrich Kraut mit 82 Punkten 5., Georg Hämmerle mit 82 Punkten 5., Karl Klähr mit 78 Punkten 9. Sieger. — Jugend: Alfred Meny mit 150 P. 9», K. Rohr tait 142 Punkten 12. und W.Zim-, mermann mit 132 Punkten 15. Sieger. — Schüler: Erich Gebhardt mit 150 Punkten 5., Artur Hostnann mit 153 Punkten 9., K. Ziegler mit 147 Punkten 14, H. Kraut mit 145 Punkten 16., A. Gebhard mit 145 Punkten 16., K. Müller mit 141 Punkten, 18., W. Gebhard mit 139 P. 20. und Karl Frank mit 130 Punkten 20. Sieger. Diese Erfolge sind für den hiesigen Turnverein sehr hervorragend. 02 Eppingen, 26. Aug. (Die Obsternte) dürste hier gut ausfal- len. Man rechnet damit, daß der ganze Bedarf an Mostobst hier am Platz gedeckt werden kann. Zwetschen gibt es nur an verschiedenen Stellen, doch haben sie sich sehr gelichtet in den letzten Tagen. 02 Eppingen, 25. August. (Preisgekrönt). Vergangenen Sonntag beteiligte sich der hiesige Turnverein an dem großen Gauvolksturnen des Oberen Kraichturngaues anläßlich dem 20 jährigen Jubiläum des Turnvereins in Ruit. Hierbei konnten Karl Wieser mit 90 Punkten und Anton Wieser mit 82 Punkten den ersten und dritten Platz im Fünfkampf Oberstufe belegen. 2m Fünfkampf Unterstufe errang Ludwig Goll mit 87 Punkten dev zweiten, Emil Stroh mit 79 Punkten den achten Platz. Bei den Iugendturnern sicherte sich Otto Zimmermann den achten Platz und bei den Schülern Hermann Lampert den zweiten und Herbert Blösch den elften Platz. Außerdem gewann der Verein mit 175 Punkten den Gauwanderpreis. Gochsheim als nächster erreichte 156 Punkte. /X Elsenz, 25. Aug. (Der badische Bauernverein) hielt am Sonntag eine Bezirksversammlung ab. Gleichzeitig wurde das 25 jährige Borstandsjubiläum von Philipp Stather gefeiert. Der Vizepräsident Schill (Merzhausen) widmete dem Jubilar, unter Ueberreichung einer goldenen Uhr warme Worte der Anerkennung und auch Landesökonomierat Mayer-Ullmann schloß sich den Ausführungen feines Vorredners an. Abends wurde dann dem Jubilar noch durch die „Eoncordia" ein Ständchen gebracht. — Rancnberg, 26. Aug. (Obstversteigerung.) Dieser Tage fand die Versteigerung des Erträgnisses der Obstbäume der Gemeinde, sowie von privater Seite statt. Bei sehr reger Beteiligung wurden Angebote auf Gemeindeobstbäume'bis zu 42 RM. und auf einen Obstbaum aus einer Baumanlage sogar 73 RM. gemacht. Das Durchschnittsangebot lag zwischen 8—20 RM. Der mittelgute Hängebestand brachte der Gemeinde einen Erlös von ungefähr 700—800 RM. ein, die der nicht gerade gefüllten Gemeindekasse sehr zugute kommen dürften. Der Durchschnittswert von 6 RM. pro Ztr. ist etwas sehr hoch und wird durch das Fallen des Obstes, sowie durch die Zeit, die das Abmachen in Anspruch nimmt, noch wesentlich verteuert werden. O Oestnngen, 26. Aug. (Vom Gesangverein). In der vom Gesangverein „Frohsinn" einberufenen Generalversammlung wurde beschlossen, im Laufe des Monats Mai nächsten Jahres das 55-jährige Stiftungsfest feierlich zu begehen und damit einen Wettgesang zu verbinden. Der schön gelegene Ort Oestringen, umgeben von herrlichen Wäldern wird an diesem Tage sicher viele Besucher anlocken, zumal man von der Bahnstation Mingols- heim bequem mit dem Postkrastwagen in 10 Minuten am Ziele Freitag, den 26. August 1627. ist. Wir möchten deshalb heute schon den Sangesbrüdern zurufen: „Rüsten zum friedlichen Wettstreite." )( Meckesheim, 25. Aug. (Bon der Getreideernte. — Vom Obstbauverein.) Der anhaltende Regen der letzten Tage hat auch in unserer Gegend die völlige Beendigung der Erntearbeiten vereitelt. Reben Weizen liegt auch noch ein großer Teil Hafer auf Stoppel und ist der Gefahr ausgesetzt, vernichtet zu werden, falls nicht in kurzer Zeit besseres Wetter eintritt. Dies wäre ein empfindlicher Verlust, zumal auch die bereits eingebrachte Ernte sehr mittelmäßig ausgefallen ist. Die Wirkung der Niederschläge macht sich auch an den anderen Kulturgewächsen, besonders an den Kartoffeln bemerkbar. Die Getreidekörner befinden sich bereits am Auswachsen. — In seiner letzten Generalversammlung hatte der hiesige Obstbauverein zwei Punkte seiner Tagesordnung zu erledigen. Zunächst fand der Vorschlag, sich an der am 15., 16. und( 17. Oktober in Bammental stattsindenden Obstausstellung zu beteiligen, allgemeine Zustimmung. Der Verein wird mit etwa vierzig Kisten Obst dort vertreten sein. Mit der Ausstellung wird gleichzeitig der Verkauf der ausgestellten Früchte verbunden. Außerdem will man sich an dem gemeinsamen Obstabsatz an die Obstzentrale Berlin beteiligen. )-( Walldorf, 26. Aug. (Hopfen- und Tabakernte.) Trotzdem das Wetter so ungünstig ist, mußte mit der Hopfen- und Tabak- nnte begonnen werden. Die Behänge der Hopfen sind überall von außerordentlicher Dichte und Gleichmäßigkeit. Durchschnittspreis 250 RM. — Der Stand des Tabaks kann demjenigen des Vorjahres nicht gleichkommen und liefert, von der Qualität ganz abgesehen, eine erheblich geringere Quantität. Besonders die frühen, jetzt in den Reifzustand tretenden Sorten haben sehr unter der Nässe gelitten und leiden auch jetzt noch. Daher auch die Eile, mit welcher der Pflanzer auf das Brechen bedacht ist, da das sogenannte Rosten stark um sich greift. Dagegen verspricht der später gepflanzte Tabak sich noch besser zu entwickeln, wenn das Wetter sich jetzt aufbessert, andernfalls er das gleiche Schicksal wie der frühe zu erwarten hat. ** Mauuheim, 26. August. (Kongresse und Veranstaltungen.) In den nächsten Wochen werden hier wieder mehrere Veranstaltungen «nü Tagungen abgehalten. Vom 3. bis 5. September hält der Deutsche Werkmeister-Bund (Sitz Essen) seine 3. ordentliche Bundestagung ab, ferner hat für die gleichen Tage der Badische Landesverband selbständiger Sattler, Tapezierer und Dekorateure seine Mitglieder zu seinem 10. Verbandstag nach hier zusammengerufen. Auch der Deutsche Werkbund hat Mannheim zum Ort seiner diesjährigen Haupttagung vom 27. bis 29. September bestimmt. Ferner wird in der Zeit vom 29. September bis 1. Oktober der Verbandstag des Verbandes der Polizeibeamten Badens hier stattfinden. ** Mannheim, 26. August. (Beim Spiel mit Feuerwerkskörpern) ist gestern ein 16 Jahre alter Schüler in Feudenheim verunglückt. Im Keller der elterlichen Wohnung hantierte er mit einem sogenannten Kanonenschlag, es erfolgte eine Explosion, wobei dem Schüler die linke Hand verstümmelt wurde. Außerdem erlitt er Verletzungen am Kopfe und im Gesicht. ** Neulutzheim, 26. Aug. (Verhaftete Unholde). Wie wir berichteten, wurde am vergangenen Sonntag auf Kirrlacher Gemarkung ein bestialisches Verbrechen verübt. Zwei Männer überfielen das 9 Jahre alte Töchterchen des Maurer aus Kirrlach und vergewaltigten das arme Kind in schrecklicher Weise. Das Mädchen, wurde später im Walde von Arbeitern aufgefunden. Die Gendarmerie hat jetzt die Täter ermittelt und festgenommen. Es handelt sich um einen 20 Jahre alten Burschen und um einen verheirateten 24 Jahre alten Mann beide in Neulußheim wohnhaft. Die Unholde wurden in das Amtsgefängnis Philippsburg eingeliefert. ** Heddesheim, 26. Aug. (Opfer einer Unsitte). Ein Radfahrer hängte sich auf der Straße Großsachsen—Heddesheim an ein in voller Fahrt befindliches Auto. An einer Kurve kam der Radfahrer zu Fall und wurde eine größere Strecke geschleift, bis der Führer des Autos von Passanten auf den Unfall aufmerksam gemacht wurde. Der Radfahrer erlitt schwere Verletzungen. ** Waldmuhleübach (bei Mosbach), 25. Aug. (Unfall mit Todesfolge.) Der seit einem halben Jahre verheiratete Landwirt Otto Gunkel hat den in den letzten Tagen schlecht heimgefahrenen Weizen auf der großen Maschine gedroschen. Als er einen Sack Weizen wegtragen wollte, kam er dem Treibriemen zu nahe, wurde von diesem gestreift und umgeworfen. Da eine äußere Wunde nicht zu sehen war, schenkte man dem Vorkommnis keine weitere Aufmerksamkeit, bis nach einer halben Stunde Erbrechen mit Bewußtlosigkeit sich einstellte. Der rasch gerufene Arzt konnte nur eine innere Verblutung feststellen, die den raschen Tod herbeiführte. ** Pforzheim, 26. Aug. (Lebensrettung). Vorgestern fiel einer auf der Auerbrücke spielenden 7jährigen Volksschülerin ein Tanzknopf in die Enz. Sie stieg an der an der Ufermauer angebrachten Leiter in das Enzufervorland und wollte von dort aus den Tanzknopf aus der Enz herausholen. Hierbei fiel das Kind ins Wasser und wurde von der Strömung fortgeriffen. Polizeiwachtmeister Braun sprang sofort in die Enz, schwamm dem treibenden Kinde nach und rettete es. Die Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg. ** Pforzheim, 25. Aug. (Bezahlung von Ueberstunden für Werkmeister und entwerfende Zeichner.) Zwischen dem Arbeitgeberverband und dem Deutschen Werkmeister-Verband kam mit Wirkung vom 1. August ö. I. eine Vereinbarung zustande, nach welcher die beiden letzten Absätze des 8 4 des Tarifvertrages nunmehr wie folgt lautet: Ueberstunden von der 49. bis' zur 51. Stunde werden mit 7*« des jeweiligen Wochengehaltes bzw. 7-»» des jeweiligen Monatsgehaltes plus 10 Prozent, für die folgenden Stunden mit 7«« bzw- 7** plus 20 Prozent vergütet. Eine anderweitige Abgeltung mutz schriftlich vereinbart werden, sie mutz der Billigkeit entsprechen. eWr im Laufe eines Kalenderjahres ausscheidet, hat bet seinem Austritt Anspruch auf eine Entschädigung, die mindestens der im Absatz 4 festgelegten Vergütung für die bis zu seinem Austritt geleisteten Ueberstunden entspricht." ** Bruchsal, 26. Aug. (Schwerer Unglückssall). Gestern stürzte beim Ausführen von Reparaturen am Turme des Zuchthauses der Blechner Wichler ab. Mit schweren Kopfverletzungen wurde er ins Stirumhospital eingeliefert. ES ist noch nicht festgestellt, ob der Zustand des Verunglückten lebensgefährlich ist. ** Huttenheim bei Bruchsal, 26. Aug. (Das Augenlicht verloren). Auf der linken Seite hat der Landwirt Josef Wittemann das Augenlicht verloren auf eine höchst eigenartige Weise. Beim Umwenden im Pflügen schlug ihm das Pferd mit dem Schwänze ins Auge. Bei zunehmenden Schmerzen war nach Ablauf einer Woche vollkommene Erblindung des Auges eingetreten. ** Karlsruhe, 26. August. (Unfälle.) In einem Fabrikbe- trieb im Bannwald glitt am Mittwochabend ein lediger Installateur von hier aus und stürzte in einen Dampftrog. Er zog sich erhebliche Brandwunden an der linken Körperseite Nr. 159. Jahrgang 1927. Der Lan-bote * Siusheimer Zeiwllg. Freitag, den 26. August 1927. zu. — Am Mittwoch nachmittag beugte sich ein Rangierer von hier, Ser sich beim Rangieren eines Gitterzuges im Westbahnhof hier auf einen Wagen gestellt hatte, seitlich zu weit hinaus unö schlug feinen Kopf an einem Signalmast an. Ta- öukch stürzte er vom Wagen herunter und zog sich erhebliche Verletzüngkti am Kopfe unö linken Fuße zu. ** Griesbach, 26. Äug. (Erzberger-Gedächtnisfeier). Am letzten Sonntag wurden von den Vertretern der Mittelbadischen Windhorstbünöe au der Mordstelle Erzbergers, um das Andenken dieses großen Führers zu ehren, Kränze niedergelegt. Vom Windhorstbund Achern wurde ein Lorbeerkranz am Marterl nieöergelegt. ** Kehl, 26. Aug. (Hochwassergefahr.) Vom Rheinbauamt wird von der Grenze her ein starkes Steigen des Rheins gemeldet, so daß mit Hochwasirr bzw. baldiger Ueberflutung zu rechnen sein dürfte. ** Kehl, 26. August. lDas Verhalten der Jugend.) Der Gemeinderat beschloß, daß Personen unter 16 Jahren nicht ohne dringende Notwendigkeit und Auftrag ihrer Eltern, Vormunde, Lehrmeister bzw. ohne Begleitung sonstiger Aufsichtspersonen in der Zeit vom 1. April bis 36. September abends nach neun Uhr, in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März abends nach acht Uhr außer Haus sein dürfen. Weiter ist der Jugend verboten, Wirtschaften ohne die vorbe- zeichneten Aufsichtspersonen zu besuchen, in Wirtschaften zu tanzen, auf der Straße in Wirtschaften und überhaupt an öffentlichen Orten zu rauchen, Zigaretten, Zigarren und Tabak mit sich zu führen. ** Triberg, 25. August. (Wandernde Diebe.) Die Zeit der Hochsaison scheinen sich wieder unlautere Elemente, die auf Wanderung sind, und Gaststätten der stark besuchten Kurorte abklopfen, zu Nutze zu machen. Die bisher noch Unbekannten Täter nehmen wohl an, baß sich jetzt bei dem regen Verkehr in den Kaffen der Wirtschaften usw. erhebliche Beträge aus den Tageseinnahmen vorfinden. So wurde in Schonach nachts ein Einbruch verübt und in der Wirtschaft zum Schloßberg die Kaffe im Buffet geplündert. Dabei fielen den Tätern 126 Reichsmark in bar in die Hände. In der gleichen Nacht wurde auch dem Gasthos zur Brauerei Martin in Triberg ein solcher unerwünschter Besuch abgestattet. Hier erbeuteten aber die Diebe nur Briefmarken im Werte von 25 RM . ** Freiburg, 25. Aug. (Schwurgericht). Das Schwurgericht Freiburg hatte sich in seiner letzten Sitzung mit einer Anklage wegen Meineid gegen die beiden Maurer Fr. Müller aus Bamlach und Johann Lösle aus Steinenhart zu beschäftigen. Die Angeklagten sollten in einem Prozeß in Waldkirch verschwiegen haben, daß bei dem tödlichen Bauunfall die sogenannte Brustwehr auf dem Gerüst gefehlt habe. In der Verhandlung gaben die Angeklagten zu von dem Mangel der Brustwehr an dem Baugerüst gewußt zu haben. Sie hätten dem aber keine große Bedeutung beigelegt. Zu Gunsten der Hinterbliebenen des Verunglückten etwas zu verschweigen, damit die Unfallrente nicht gekürzt werben sollte, sei ihnen nie eingefallen. Das Gericht konnte sich von der Schuld der Angeklagten nicht überzeugen und sprach dieselben frei. ** Singe«, 25. August. (Submissionsblüten.) Der Verwaltungsrat der Bezirkssparkaffe Singen hat in seiner letzten Sitzung veschloffen, für das neue Bezirkssparkaffengebäude den preisgekrönten Entwurf des Singener Architekten Albert Hug zu verwenden. Obschon diesen Herbst mit dem Bau begonnen werden kann, ist noch sehr fraglich, da die Vorarbeiten noch geraume Zeit in Anspruch nehmen werden. Die verschiedenen Entwürfe, bei denen auch jeweils Kostenüberschläge eingereicht waren, differieren zwischen 152 660 und 306 060 Mark. ** Altglashütte«, 26. Aug. (Schwerer Unfall.) Bei Lei- tungsarbciten stürzte ein verheirateter Monteur aus Kappel von einem Leitungsmast, der abbrach. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er sofort ins Krankenhaus überführt werden mußte. ** Obermumpf, 26. Aug. (Unfall) Auf der Straße zwischen Mumpf und Obermupf wurde die Frau des Großrats Stöcker von einem Radfahrer, der ohne Licht fuhr, überfahren. Die Frau erlitt ernstliche Verletzungen. Der Radfahrer, der sofrt eilig davonfuhr, konnte am nächsten Tage als aus Möhlin gebürtig gemeldet werden. ** Villiuge«, 26. August. (Schwerer Unfall.) In einer hiesigen Schlofferwerkstätte ereignete sich dadurch ein schwerer Unfall, daß an einer in Betrieb befindlichen elektrischen Handbohrmaschine sich der Handgriff löste, so daß die Maschine umstürzte. Der rotierende Bohrer drang dabei einem Lehrling in den Leib und durchbohrte die Bauchdecke. Der Verletzte wurde in das Krankenhaus überführt. ** Lörrach, 26. Aug. (Schwerer Unfall.) Als am Don- nerstagttachmittag auf dem Bahnhof Rümmingen der 65- jährige Johann Bürgin aus Schopfheim auf den schon fahrenden Zug der Strecke Haliingen—Kandern im letzten Augenblick aufspringen wollte, fiel er herab. Es wurde ihm sein Fuß abgefahren unö außerdem erlitt er schwere Verletzungen am Kopfe, so daß seine Ueberführung in das Krankenhaus Lörrach notwendig war. Sein Zustand ist bedenklich. ** Friedrichshafe«, 26. Aug. Weil sie sich keinen Bubikopf schneiden laffen durfte, kam in Wittenbach auf dem gegenüberliegenden schweizerischen Seeufer ein Ibjähriges Dämchen auf eine ganz raffinierte Weise ans Ziel ihrer Wünsche. Sie erschien nachts um 11 Uhr vor einem Hause und begehrte — nur mit einem Jumper bekleidet — Einlaß. Dabei erklärte sie, daß sie von zwei Herren in ein Auto ge, lockt unö neben ihrem Bargeld auch ihrer ganzen Kleider beraubt morde zu sein. Unter der Fahrt hätten die Unholde ihr das Haar abgeschnitten und es samt dem Hemd auf die Straße geworfen. Nach langer Drangsalierung sei sie endlich wieder freigelaffen worden. Tatlächlich wurden auch Haar und Hemd an einem Bahndamm gefunden. Nun hat aber die raffinierte Schneegans die Sache total aus sich heraus erfunden und sich selbst das Haar abgeschnitten, um auf diese Weise in den Besitz des begehrten Bubikopfes zu kommen. ** Saarbrücken, 25. Aug. (Schweres Straßenbahnunglück.) Auf bisher noch ungeklärte Weise hat sich bei dem auf der Endstation Rotenbühl stehenden Anhängerwagen der Straßenbahn die Bremse gelöst. Der Wagen, in dem sich in die Stadt zurückkehrende Kinder des Kindererholungsheimes Rotenbühl befanden, sauste in voller Fahrt die stark abfallende Scheidtstraße hinab, um schließlich mit einem entgegenkommenden Wagen der Linie 7 zusammenzustotzen. Soweit bis jetzt bekannt ist, wurde 1 Kind getötet, mehrere schwer unö einige leicht verletzt. ** Singe«, 25. August. (Eingegangener Hopfenbau.) Noch bis zur Wende des Jahrhunderts bildete der Hopfenbau im Hegau eine schöne Einahmequelle für die Landwirtschaft. Dann ging es immer mehr bergab, bis der Hopfenbau völlig aufgehört hat. Die Ursache liegt in den zahlreichen Krankheiten, von denen die Hopfen befallen wurden, unö der großen Konkurrenz der württemberglschen und böhmischen Hopfe», die qualitativ bester waren. Die Hopfenzuckerei, die mehrere Wochen dauerte, bildete für viele vorübergehend arbeitslose und ärmere Volksschichten willkommene Beschäftigung unö Veröienstmöglichkeit. Dem Eingang des Hopfenbaues folgt jetzt auch immer mehr der Weinbau. Radio-Programm _> für Samstag, den 27. August 1927. Berlin (483). 20.30 Uhr: „Drei Mann in einem Boot". Darauf: Fröhliche Weisen. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Breslau (315). 20.25 Uhr: Heitere Adendunterhaltung. 22.15 Uhr: Tanzmusik. Frankfurt (428). 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Wunschnachmittag. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 Uhr: Der Briefkasten. 18.45 Uhr: Porttäge. 20.15 Uhr: Operettenmusik. 21.15 Uhr: Konzert im Parkrestaurant „Karlsaue". Anschl.: Tanzklause: Tanzmusik. Hamburg (329). 20.00 Uhr: An den Quellen der Musik. 20.36 Uhr: Militärmärsche großer Komponisten, der volkstümliche Militärmarsch, Kapelle der Ordnungspolizei. Anschl.: Konzertübertragung a. d. Cafe Wallhof. Königsberg (329). 20.10 Uhr: Robert-Koppel-Abend. Anschließend : Tanzmusik. Königswusterhausen (1259). 20.00 Uhr: Uebertragung von Hamburg. 22.00 Uhr: Uebertragung v. Berlin. Langenberg (468). 20.35 Uhr: Köln: Lustiger Abend. Anschl.: Köln: Tanzmusik. Leipzig (365). 20.00 Uhr: „Den. fliegende Holländer", Romantische Oper o. R. Wagner. 23.15 Uhr: Tanzmusik. München (535). 19.30 Uhr: Heitere Abendveranstaltung. 21.15 Uhr: Alte liebe Walzer. 22.35 Uhr: Moderne Tänze. Stuttgart (379). 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 14.00 Uhr: Kinderstunde. 15.00 Uhr: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Sonatenabend. 21.15 Uhr: Funkbrettl. 23.00 Uhr: Uebertragung v. Frankfurt. Daventry (London) 1600. 12.00 Uhr: Slydel-Oktett. 15.00 Uhr: Tanztee mit bunten Borträgen. 17.15 Uhr: Kinderftundei 18.00 Uhr: Militärorchesterkonzert. 18.45 Uhr: Chopin: Barkarole. 19.15 Uhr: Beethovens Sonaten. 19.30 Uhr: Bunte Stunde. 20.00 Uhr: Orgelkonzert. 21.35 Uhr: Populäres Orchesterkonzert. 22.15 Uhr: Sendespiel: „Charles" von Alan. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Paris (1750). 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Tanzmusik. 20.30 Uhr: Konzert. p4oc*f4sc4o Radio-Vertrieb E. Schick, Uhrmachermeister, SiNShkiM ü. E. Dr.Seibt-Bertreter — Lager in Telefunken-Röhren, Anoden-Batterien — Samt lichen Ersatzteilen, Varta-Attumulatoren-Ladestatton. — T-l.son 19 Marktberichte. Schwrinemarkt in Bruchsal vom 24. August 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 142, Läuser 47. Verkauft wurden: Milchschweine 120 Läufer 30. Höchster Preis für Milchschweine Paar 28.—, für Läufer 58.— RM- Häufigster „ .. .. 24.-. „ „ 50.- .. Niedrigster.. .. „ .. 20.- „ 40.- „ Mannheimer Kleinviehmarkt. Dem Kleinviehmarkt am Mittwoch waren zugetrieben: 139 Kälber, 10 Schafe, 221 Schweine, 803 Ferkel und Läufer Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Kälber 76—80 72-76 64-68 54-60: Schafe 42-48; Schweine 64-65. 65-66, 66 bis 68, 66—67, 63—64, ; Läufer und Ferkel 6—20, Reichsmark pro Stück. Marktverlauf: mit Kälbern mittelmäßig langsam, geräumt.- mit Schweinen langsam Ueberstand ; mit Ferkeln und Läufern mittelmäßig. Mannheimer Lebensmittelmarkt vom 25. August. Auf dem heutigen Wochenmarkt war trotz der sehr guten Beschickung in manchen Artikeln ein Anziehen der Preise zu bemerken. Das gilt z. B. für Einmachgurken, die 1,80 bis 3 Mk. per 100 Stück kosteten. Auch Tomaten die bisher mit 15—25 Pfg. das Pfund ongeboten waren, find im Preis auf 5—30 Pfg. gestiegen. Als Grund wird angegeben, daß infolge der Kühlen Witterung weniger geerntet wird, Kartoffeln, die reichlich zur Stelle waren kosteten 55 bis 60 Pfg für 10 Pfund. Seefische waren heute auch etwas teurer, während das Angebot von Flußfischen sehr klein war. Der Geflügel- markt zeigte eine Besonders gute Beschickung. Das Geschäft hiel sich in mittleren Grenzen. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 25. August 1927 Preise verstehen sich per 100 kg alles iu Reichs«ark zahlbar Weizen, inländischer 28,00—29,00 Weizen, ausländisch. 31,00—32,50 Roggen, inländischer 24,50—24,75 Roggen, ausländ. 25,08—25,50 Braugerste 25.50-27.50 Hafer, inländischer 20,50—21,00 Hafer, ausländischer 22,50—24,00 Weizenmehl Sp. 0 40,00 Roggemnehl 70»/o 34,25—36,00 Mais (mit Sack) . 20,00 Weizenkleie m. Sack 13,25 Biertreber mtt Sack 16,00—16,25 Roh-Meiaffe . . - Wiesenheu . . 9,20-10,00 Luzernekleeheu. . 11.00—11,94 Prcßstroh . . 4,50- 0.60 Gebundenes Stroh 4,00— 4,90 Raps ..... 33,00—33,50 Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 25. August 1927. Anleihen: mit ilus^smigsschctn . ohne AuSlosungsschetn . in °/o 56.25 15.25 Bankaktie r Bad. Bank in o/o . 180 Darmktädtsr- und Rattonalbank 82s Deutsche Bank . . . . 160,10 Deutsche Bereinsbank . Ic6 Dresdner Bank . 164 Mitteldeutsche Sredttbank RetchSbnnk Rhein. Credttbank . . 184 Südd. DiSconto Bef. 145 Bergwerk» » Aktien uvigvuu Kali Wcfteregeln ManneSmannröhrenwerke. . 117 ManSfelver Bergb. u.HüUenw . 12 s,! Oberfchl. ffilsenb. Bedarf . . - Phönix Bergbau ».HiittenSetrieb 1 17 Ialzwerl Heilbronn . .178 Bereinigte Königs» Laurahütte 8tt,i Aktien indnftr. Anternehmnngei in o/ Allg. ffilettr. Stammaktien . 184,75 Bade uia Weinbetm . — Bad. ffilektrizuät Mannheim — Bad. Maschinen Durlach . U7 ffiementwerk Heidelberg . 143,75 Daimler Motoren . . . 120 Dtsch. Said- und Stlberschetde 212,-5 ffilettr. Licht und «rast . . 200,25 Ematll. und Stanzwerk Ullrich 34,20 Farbenindustrie . . . 293.50 Fuchs Waggon Stammaktien — Kritzner Maschinen Durlach . 115 Karlsruher Maschinen . . 26 Knorr Heilbronn ... 175 Matnkraftwerke Höchst . . 123 Neckarsnlmer Fahrzeugwerke . 114,2» Schuckert ffilettr. Nürnberg . 202,50 Seillndustrte Wolss . . . — Südd. Zucker . . . . hi Zellstoff Waldhof Stammaktien 325 Aktien deutscher Arackspoetanftalten: in Vq Hamburg. Sfmerik. Paketfahrt 149,25 Heidelberger Straßen»». Bergbahn 6« Norddeutscher Lloyd . . 151,25 Devisen: ffield Bttei Slew-Aork l Dollar 4.1950 4. *03« London l Pfund 20.397 *0.437 Holland 100 Gulden Schweiz 100 Franes 168.07 168.41 80.88 81.04 Wien 100 Schilling 59,11 69.23 Daris 100 Francs 16.448 16.48* Italien 100 Lire 22,86 22.90 Wetterbericht. Karlsruhe, 25. Aug. Eine Randstörung, die uns gestern bei ihrem Vorüberzug über die Alpen erneut Regenfälle brachten (Rheinebene bis 29 Liter p- Quadratmeter) ist inzwischen nach Osten abgezogen. D _ Durchzug eines noch über Frankreich liegenden Tieföructausläufers wird für uns voraussichtlich noch heute mit Niederschlägen in Gewitter- beglettung verbunden sein. Unsere Witterung wird jetzt in der Hauptsache von der kühlen Rückseitenströmung polaren Ursprungs beeinflußt, der sich jetzt bald aus dem ozeanischen Hochdruckgebiet avfließende suptropische Wärmeluft beimischen wird. Hierbei sind Gewitterbilöungen zu beobachten. Oeffentliche Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung für die Einkommensteuer, Körperfchaftsteuer «nd Umsatzsteuer für 1928/1927. Die Steuererklärung für die Einkommensteuer. Körperfchaftsteuer und Umsatzsteuer sind in der Zeit vom 1. bis 15. September 1927 unier Benutzung der vorgefchriebenen Vordrucke wie folgt abzugeben: 1. Zur Abgabe einer Steuererklärung für die Einkommensteuer sind verpflichtet: 1. Eteuerpfl chtige (Landwirte, Forstwitte, Gattenbautreibende usw.), deren Einkommen im Wirtschaftsjahr 19261927 den Betrag von 8000 RM. überstiegen hat: 2. ohne Rücksicht auf die Höhe des Einkommens Steuerpflichtige, bei denen der Gewinn auf Grundlage des Abschluffes ihrer Bücher zu ermitteln ist. U. Zur Abgabe einer Steuererklärung für die Körperschaftsteuer sind verpflichlel: 1. Steuerpflichtige Erwerbsgrsrllschastrn; 2. alle übrigen steuerpflichtigen Körperschaften und Bermögensmaffrn des bürgerlichen Rechts: 3. steuerpflichtige Betriebe und Verwaltungen von Körperschaften des öffentlichen Rechts und öffentliche Betriebe und Verwaltungen mit eigener Rechtspersönlichkeit. III. Ohne Rücksicht auf die Höhe des Gewinnes haben abzugeben eine Einkommenserklärung bei Beteiligung mehrerer an den Einkünften aus a) Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und sonstiger nicht gewerblicher Bodenbewirlschaftung, d) einem Gewerbedettieb, z. B. einer offenen Handelsgesellschaft oder Kommanditgesellschaft, die zur Gcschäftsführung oder Vertretung befugten Personen ! IV. Zur Abgabe einer Steuererklärung für die U m - satzstcurr sind alle Umsatzsteuerpflichtigen vrrpflich- tet, mit Ausnahme 1. der Straßenhändler, Wandergewerbetreibenden und anderen Umsatzsteuerpflichtigen, die nach 8 57 Durchf.Best.USiG. zu Anzahlungen und zur Führung des Steuerheftes verpflichtet sind; 2. der nichtbuchsührenden Landwirte, die ihre Vorauszahlungen nach den jeweils geltenden Umfatz- steuerdurchschnittsätzen geleistet haben, soweit nicht in der nachfolgenden Ziffer 3 etwas Abweichendes bestimmt ist. 3. Die Umsatzsteuerdurchschnittsätze umfaffe» nicht Umsätze, die über den gewöhnlichen Bettteb der Laadwittschaft im engeren Sinne hinausgehen, z. B. bei Wein-und Tabakbau: nicht inbegriffen sind auch die über das übliche Maß hinausgehenden Großoiehverkäufe. Insoweit haben arund- sätziich die unter Ziffer 2 genannten Landwirte eine Umsatzsteuererklärung abzugeben. Im In- tereffe der Vereinfachung der Verwaltung wird indes auch in diesen Fällen von der Abgabe der Steuererklärung abgesehen, wenn die in den Umsatzsteuerdurchschnittsätzen nicht enchaltcnen Umsätze im gesamten Wirtschaftsjahr 1926 27 nicht mehr als 1000 RM. ausmachen. V. 1. Die Erklärungen für die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer sind a) von den Pflichtigen, dir Einkünfte aus Land- wittschast, Forstwirtschaft, Gattenbau und sonst ger nicht gewerblicher Bodendewittschaftung bezogen haben, für das Wittschaftsjahr vom 1. Juli 1926 bis 30. Juni 1927: bei reiner Wcidewirt chaft und reiner Viehzucht statt besten für das Wirtschaftsjahr vom 1. Mai 1926 bis 30. April 1927. b) von den Pflichttgen, die tzandelsbücher nach den Borschristen des Handelsgesetzbuchs zu führen verpflichtet sind oder, ohne dazu verpflichtet zu sein, Handelsbücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs tatsächlich führen, für das Wittschaftsjahr, für das sie regelmäßige Abschlüffe machen, sofern es in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1927 geendet hat, abzugeben. 2. Steuerpflichttge mit mehreren Wirtschaftsjahren, von denen ein Wirtschaftsjahr in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 1927 endet, find auch dann nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn ein Wirtschaftsjahr in der ersten Hälfte des Kalenderjahres 1927 endet. Diese Steuer- pflichttgen werden vielmehr erst nach Ablauf des Kalenderjahrs 1927 zu einer Einkommensteuererklärung aufgefordert werden. 3. Die Steuererklärungen find bei dem Finanzamt abzugeben, in dessen Bezirk die zu l und IV be- zeichneten Steuerpflichtigen ihren Wohnsitz oder dauernden Ausenthalt, die zu II und III dezeich- neten Pflichtigen den Ott der Leitung haben. Ist im Inlande weder ein Wohnsitz, noch ein dauernder Aufenthalt, noch ein Ort der Leitung vorhanden, so ist die Steuererklärung bei dem Finanzamt abzugeben, in besten Bezirk das Unternehmen bettieben oder ständig oettreten wird oder die Tätigkeit vorwiegend ausgeübt wird oder Ber- mögensgegenftände sich befinden. VI. Die zur Abgabe einer Steuererklärung Verpflichteten haben die Steuererklärung auch dann abzugeben, wenn ihnen ein Vordruck nicht zugesandt wird: die übrigen Steuerpflichttgen haben eine Steuererklärung adzugeben, wenn sie hierzu vom Finanzamt besonders aufgefordctt werden. VII. Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, kann mit Geldstrafen zur Abgabe der Steuererklärung angehalten werden: auch kann ihm ein Zuschlag bis zu 10 o. H. der festgesetzten Steuer auferlegt werden. VIII. . Die Hinterziehung oder der Versuch einer Hinterziehung der Einkommensteuer, Körperschaftsteuer oder Umsatzsteuer, sowie sahrläffige Vergehen gegen die Steuergrsrtze (Steuergefährdung) werden bestraft. Sinsheim, den 25. August 1927. Das Finanzamt. Frachtbriefe liefert die 6. Becher’fche Buchdrutherei. Schristleitung: H. Becker; Druck und Derlag: <5. Beckerfche Buchdruckerei in Sinsheim. Suche Lieferanten für täglich 4—500 Zentner Tafel-Awetschen und für Fall-, Most- und Tafel-Aepfel. G. Küntzel, Wimpfen Telefon 39. Prachtvoll schmeckende«, wirklich gutes Im Haushalt selbst zu brauen, ist so einfach wie Kaffeekochan, mit dem echten Braunellin (Malz und Hopfen enthaltend), Päckchen für 12^2 Liter —75 RMk., für 25 Liter 1.25 RMk. 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